Donnerstag, 7. Juni 2007

Wie entstand das Universum?

Ich merke immer mehr, wie sinnvoll es ist, daß man einen persönlichen Eindruck von den Leuten bekommt, die heute gute oder wichtige Gedanken vertreten. Deshalb werde ich wohl auch noch irgendwann einmal in die "Video-Produktion" einsteigen und meine ganz persönlichen "Video-Botschaften" von meinem "Dach der Welt", vom meinem "Zenit" aus hinaus in die große, weite Welt zu senden, in die Niederungen der leidenden Menschheit "da unten" ... ;-)

Auf jeden Fall: Eine Fernseh-Diskussion mit Michael Schmidt-Salomon (MSS), dem neuen Popularisierer des Atheismus (des "Evolutionären Humanismus") in Deutschland, hat mich sehr beeindruckt. Hier zu finden unter "Sternstunde Philosophie". Zwar eine Stunde lang - aber sehr, sehr eindrucksvoll.

Leider fand ich das nicht auf Youtube, um es hier einstellen zu können. Eine Google-Video-Suche brachte aber grade noch die Aufzeichnung von "Wechselreden" zwischen MSS und dem amerikanischen Kreationisten Craig, die eigentlich auch ganz sehenswert sind, obwohl ich schnell die Geduld verliere bei langen Videos. Aber auch hier werden ganz grundlegende Fragen besprochen und es ist eigentlich merkwürdig, wie selten so grundlegende Fragen heute gestellt und erörtert werden. Wo sich doch die Voraussetzungen zu ihrer Erörterung in den letzten Jahrzehnten so ganz und gar grundlegend geändert haben allein aufgrund des naturwissenschaftlichen Fortschritts.

Auch hier ist mir nun der persönliche Eindruck sehr wertvoll. Die Argumente sind alle wertvoll und werden betont sachlich vorgetragen. Und es lohnt sich immer wieder aufs Neue, wie ich finde, sie zu durchdenken. Und zum Glück wird nicht dauernd aus der Bibel zitiert wie bie den Katechesen zu Evolution und Schöpfung von dem Kardinal Schönborn. Die beste Übersicht über diese Redebeiträge fand ich hier (Freigeisterhaus) (von MSS selbst):

Das war der Christliche (evangelikale) Hochschulkreis, der die Debatte in Düsseldorf organisiert hat...

1. Beitrag von Craig
http://video.google.com/videoplay?docid=-2992385633099065806

1. Beitrag MSS
http://video.google.com/videoplay?docid=4967260849660958132

2. Beitrag Craig:
http://video.google.com/videoplay?docid=2271324033729885272

2. Beitrag MSS
http://video.google.com/videoplay?docid=-3092135381496844404

Es könnte lohnend sein, die in diesen Wechselreden erörterten Gedanken zu vertiefen und weiter zu verfolgen. Ich greife hier einmal nur die vorgetragenen Gedanken zur Ursache unseres Universums heraus. Craig sagt: Alles in unserer Welt hat eine Ursache, also (!!!) muß auch das Universum selbst eine Ursache gehabt haben. Die Entgegnung von Schmidt-Salomon dazu finde ich sehr unbefriedigend. Ich würde dazu folgendes sagen:

Wir wissen, daß das Universum und alle Vorgänge in ihm nur begrenzt in Raum und Zeit, sowie Ursächlichkeit eingeordnet ist. In unserem alltäglichen Erfahrungsbereich ist die Einordnung streng und allgemein gültig. Flugzeuge fliegen nach den uns bekannten Naturgesetzen und es gibt da - zum Glück - keine "Ausnahmen" in der Kausalität. Doch wenn man in den Bereich von Lichtgeschwindigkeiten kommt, wenn man auf die atomare Ebene kommt, wenn man sich Phasenübergänge in komplexen Systemen anschaut, werden Grenzen der vollständigen Einordnung aller Vorgänge im Universum in die Kategorien Raum, Zeit und Ursächlichkeit erkennbar.

Dementsprechend wäre es geradezu trivial zu vermuten, daß jene Vorgängen, die das Universum selbst hervorgebracht haben, ebenso vollständig rational, kausal, raum-zeitlich erklärt werden könnten, wie die Ursachen, die dazu geführt haben, daß irgendwo ein Berg entsteht. Das jedenfalls versucht Craig - wie viele Kreationisten - nahezulegen. Ich empfinde dieses "also" geradezu als eine Blasphemie, eine Gotteslästerung. Dadurch wäre ja auch, wie Dawkins richtig sagt (und in einer Nebenbemerkung MSS ebenfalls), das Problem nur verschoben: Wer schuf denn dann den Schöpfer?, fragt Dawkins ganz richtig. Wenn alles so ganz und gar streng kausal zuging?

Das gleiche gilt übrigens für die außerordentlich aufregende Feinabstimmung der Grundkräfte, die im Universum wirken. Auch für diese Feinabstimmung hat man - entgegen den Wünschen von Dawkins - eine vollständig naturwissenschaftliche, ursächliche Erklärung bislang nicht finden können. Man befindet sich hier eben - nach allem, was wir heute wissen - an den Grenzen von Raum, Zeit und Ursächlichkeit. Es handelt sich um eine "Singularität", dem Phasenübergang von Nichts zu "Allem", sozusagen (wegen der Feinabstimmung): von Nichts zu uns.

Es muß deshalb ganz und gar nicht heißen, daß es keine Antwort auf unsere Fragen nach den Ursachen dafür gibt, warum es uns gibt. Ganz im Gegenteil. Es ist nur in jedem Fall hochgradig unplausibel anzunehmen, diese Antwort würde in ihrer Art ähnlich sein wie die Erklärung der Entstehung eines Berges.

Das naturwissenschaftlich Erforschbare hat immer noch eine andere Seite, eine Seite, die eben nicht vollständig naturwissenschaftlich erforschbar ist - und auch (nach allem was wir bisher wissen) so bleibt. Wir entdecken, selbst wenn wir bis an die Grenze unserer Vernunfterkenntnis gehen, "unerklärbare", zwecklose Schönheit, Größe, Weite, Erhabenheit (etwa des Universums selbst und seine materiale, atomare Struktur) über Zeit, Raum und Ursächlichkeit, wir erkennen Güte in der Natur, Liebe, Haß, Mitleiden, "Mit-Lieben", "Mit-Hassen". Um so mehr wir erkennen, um so mehr erkennen wir, was wir - durch Vernunfterkenntnis allein - alles nicht erkennen. Um so mehr (und nicht um so weniger) werden andere Wahrnehmungs-Organe angesprochen, als das bloße Denken. Darin liegt - für mich - die größte Bedeutung eines naturwissenschaftlichen Weltbildes.

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