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Samstag, 1. Juli 2017

10 Jahre "Studium generale"

Weiterhin einzigartig: Dieser Blog

Er "startete einen der ersten deutschen Wissenschaftsblogs". So stellt sich der sehr schätzenswerte Wissenschaftsjournalist Lars Fischer auf "Spektrum der Wissenschaft" vor (s. Spektrum). Lars hat gerade einen Blogartikel "10 Jahre Fischblog" veröffentlicht (Fischblog). Er erinnert uns daran, daß auch "Studium generale" im selben Jahr wie der "Fischblog" als "einer der ersten deutschen Wissenschaftsblogs" gegründet wurde. Lassen wir also die Sektkorken knallen. 

Abb.: Laßt die Korken knallen. Zehn Jahre "Studium generale"!
Fotograf: André Karwath - Motiv: 1.1.2005, Zwickau (Wiki)

Wir waren beide Blogger der ersten Stunde, Lars und ich. Schön, daß Lars mich nicht vergessen hat - auch als einen seiner früheren Gastautoren auf den Scilogs. Welcher sonstige heutige Wissenschaftsblog kann eigentlich noch auf so frühe Anfänge zurück blicken wie wir beide?

Ich meine, daß in den Anfängen die deutsche Wissenschaftsblog-Szene noch erheblich freier in Kopf und Herz war als sie es heute ist. Insbesondere die geldmächtigen Verleger sahen natürlich bald, daß sich da etwas entwickelt (graswurzelartig), das sie noch nicht unter Kontrolle hatten. Das durfte natürlich nicht sein. Schnell schritten sie ein und gründeten auch in Deutschland zwei große deutschsprachige Wissenschaftsblog-Portale, nämlich die "Scilogs" von "Spektrum der Wissenschaft" und die "Scienceblogs". Und es war natürlich eine große Ehre, die Aufforderung zu erhalten, auf einem dieser Portale zu bloggen. Und so konnten die großen, geldmächtigen Verleger schnell "die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen" sortieren. 

Ergänzung Mai 2023: Lars sagt in einem Interview im November 2022, was ich selbst 2007 ähnlich erlebt hatte (ChemistryViews2022):

2006/2007  begannen die Medien gerade erst, mit Online und Internet und solchen Dingen zu arbeiten. Jeder, der schon im Internet war, auf welche Weise auch immer, wurde auf diese Internetseiten geschoben, einfach weil das damals noch etwas so Seltenes war.
In 2006/2007 the media were just getting going with online and internet and things like that. Anyone who had been on the internet in any way at all was being pushed onto the websites, simply because that was still so rare in the field.

Nun, zu diesen Seltenen gehörten damals auch wir. (Ende Ergänzung). Aber offenbar gehörten wir nicht zu den Guten. Niemand schob oder zog uns. :-) Dafür liegen aber unsere Blogartikel quer zu all dem vielen Durchstilisierten, das sich auf Scilogs und Scienceblogs findet, was Themenwahl und Art der Behandlung betrifft, quer zu vielen Tabus, die man sich auf diese Blogportalen auferlegt im Sinne der geldmächtigen Verleger und der von ihnen gern gesehenen politischen Korrektheit ...

Halten wir an dieser Stelle inne, legen wir eine Gedenkminute ein.

- - - Und dann machen wir einfach weiter. Wir fühlen uns ganz wohl dabei, nicht durchstilisiert zu sein. Obwohl wir uns immer gefreut hätten, von einem der bekannten Wissenschaftsverlage Aufforderungen zu erhalten, für sie zu schreiben. Gerne hätten auch wir vom Schreiben unsere Familie ernährt.

Blick in die Gegenwart und Zukunft

Dieser Wissenschaftsblog startete am 6. Januar 2007 auf dem inzwischen eingegangenen Blogportal blog.de (s. Studgen2007*)). Schon am 15. Januar 2007 wechselten wir von dort hierher zu Blogspot (Stud.gen 2007). Und wir sind diesem Portal bis heute treu geblieben. (Übrigens erscheinen die Beiträge auch auf Paperblog, was dort mit ihnen passiert, haben wir uns aber schon lange nicht mehr angesehen.)

Seit dieser Zeit hat sich natürlich auch bei uns viel geändert. Wir sind zehn Jahre älter geworden. Aus ursprünglich einem Blog hat sich zuerst ein schwerpunktmäßig politischer und zeitgeschichtlicher Blog ausgegliedert (Gesellschaftlicher Aufbruch - jetzt!), inzwischen sind es mindestens vier Blogs geworden, auf denen Aufsätze erscheinen (Überblick hier: https://ingobading.wordpress.com/). Auf meinen Blogs sind inzwischen ganze Bücher in Blogartikel-Form erschienen. Nur einige dieser Bücher wurden auch wirklich als Bücher herausgegeben, andere sind derzeit immer noch - nur - als Blogartikel zu haben, weil sich einfach niemand die Zeit und Muse nimmt, daraus Bücher zu machen.

Ansonsten soll hier gar nicht lange in der Vergangenheit der letzten zehn Jahre gestochert werden. Es gibt da noch haufenweise Dinge, die erst noch vom Mainstream entdeckt werden müssen. Dennoch zähle ich die letzten zehn Jahre - trotz alles Geleisteten, auf das man da mit Befriedigung schauen könnte - nicht zu den wichtigsten zehn Jahren meines Lebens. Zu der Zeit, als ich 1997 in Gießen an meiner Doktorarbeit schrieb, da war ich kreativ. 

Deshalb an dieser Stelle eigentlich nur noch ein kleiner Blick in die Gegenwart und Zukunft durch Hinweis darauf, daß ein Bestseller-Autor - Thilo Sarrazin - längst einige der wichtigsten Themen dieses Wissenschaftsblogs aufgegriffen hat. Sein neues Buch "Wunschdenken" (2016) ist insofern vorbildlich, als im ersten Kapitel recht breit jenes naturwissenschaftsnahe Menschenbild und Völkerbild auf heutigem Forschungsstand erörtert wird, auf das die geistige Entwicklung schon seit den frühen 1970er Jahren hinaus läuft.

Im ersten Kapitel dieses Buches "Weshalb einige Gesellschaften Erfolg haben und andere nicht" behandelt Thilo Sarrazin viele der wichtigsten heutigen Autoren, die zur Beantwortung der von ihm gestellten Frage heranzuziehen sind. Es handelt sich hier zum größten Teil um Autoren und deren Erkenntnisse, auf die wir seit Beginn unserer Blogarbeit aufmerksam machen. Die Intelligenzforschung, deren Thematisierung in "Deutschland schafft sich ab" (2010) so viel Diskussion aufwirbelte, wird in seinem neuen Buch - zum Nachteil desselben - nicht besonders betont. Autoren wie Richard Lynn oder Charles Murray sind nicht genannt. Ein solches Vorgehen ist inkonsequent.

Hier aber eine Liste jener Autoren, Bücher und Zeitungsartikel, mit denen sich Sarrazin in "Wunschdenken" auseinandersetzt, und die ein ganz neues Bild vom Menschen und menschlichen Völkern enthalten:

  1. Cochran, Gregory; Harpending, Henry: The 10.000 Year Explosion. How Civilization Accelerated Human Evolution. New York 2009
  2. Wilson, Edward O.: Die soziale Eroberung der Erde. Eine biologische Geschichte des Menschen, München 2013
  3. Feuchter, Jörg: Die DNA der Geschichte - Das neue Max-Planck-Institut für Geschichte und Naturwissenschaften. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.11.2014, http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/geisteswissenschaften/neues-max-planck-institut-zur-dna-in-der-geschichte-13246120.html, https://www.academia.edu/9149937/Die_DNA_der_Geschichte_Frankfurter_Allgemeine_5.11.2014_ 
  4. Wade, Nicholas: Before the Dawn. Recovering the Lost History of Our Ancestors. New York 2006
  5. Wade, Nicholas: A Troublesome Inheritance. Genes, Race and Human History. New York 2014
  6. Balzter, Sebastian: Wissen ist niemals böse. Interview mit Kári Stefánsson. In: FAS, 24.1.2014
  7. Clark, Gregory: The Son Also Rises. Surnames and the History of Social Mobility. Princeton und Oxford 2014
  8. Weber, Max: Die protestantische Ethik und der "Geist" des Kapitalismus (1904/05)

Wir halten fest, daß wir seit 2007 der einzige deutschsprachige Wissenschaftsblog sind, auf dem die Themen, die in diesen Büchern und Aufsätzen behandelt werden, einigermaßen regelmäßig behandelt haben und der sie auch weiter behandeln wird.

/veröffentlicht 4.7.17
vordatiert, um wichtigere Artikel 
über die ancient-DNA-Revolution
ganz oben zu haben/

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*) Die vielen Beiträge der ersten beiden Januar-Wochen von dort haben wir - einfach nur der Vollständigkeit halber - auf einem Wordpress-Blog gesichert.

Mittwoch, 2. Juli 2008

Monatliche Besucherzahlen wieder auf Höchststand: 2.500

Vor einem guten halben Jahr (am 24. November 2007), fühlte sich "Studium generale" aufgrundseiner sinkendenden Besucherzahlen von Google "vergoogelt und veräppelt". Und noch vor zwei Wochen glaubte es, an seinem Urteil nichts ändern zu können, ergaben doch die Besucherzahlen vor zwei Wochen, am 16.6., noch folgenden Jahres-Rückblick:

Aber heute, oh, Wunder, was ist geschehen?:

Da sieht man zunächst mal, was unterschiedliche Grafiken auch am optischen Eindruck verändern können. Aber dennoch: Der Juni 2008 endet besucherzahlenmäßig nun überraschenderweise noch stärker als der Juli vorigen Jahres, nämlich mit dem zweitbesten Monatsergebnis von "Studium generale" bislang überhaupt: 2.500 Besucher. Nur im Juni letzten Jahres, kurz vor dem Einbruch Ende Juli, gab es monatlich noch mehr: 3.000. Wie sich das wohl erklären läßt?

"Weltmacht Google"

Warum gerade im Sommer, wo die Leute doch gar nicht hinterm Bildschirm hocken (sollen). Außerdem haben die Aktivitäten auf "St. gen." in den letzten Monaten eher ab- als zugenommen. Man vergleiche doch nur die Zahl der Beiträge vom April, Mai und Juni 2007, nämlich 67, 72 und 112, mit der Zahl der Beiträge im April, Mai und Juni 2008, nämlich: 4, 12 und 9.

Wenn es also nicht an der Quantität liegen kann, liegt es möglicherweise an der gestiegenen Qualität der Beiträge? Man möchte es sich ja gerne einreden ... Die Kommentar-Häufigkeiten sind aber auch drastisch gesunken. Dennoch steigen die Besucherzahlen.

Oder hat man allgemein gemerkt, daß es nur wenig Sinnvolleres im Netz zu lesen gibt, als Wissenschaftsblogs? Nachdem es die neuen Wisseschaftsblog-Portale von Scienceblogs.de und Scilogs.de gibt? (Die - wie man finden kann - nicht immer so spannende Themen haben wie "St. gen.".)

Aber man sollte auch sein Mißtrauen gegenüber den Schräubchen-Drehern der Weltmacht Google nicht so leicht zurückfahren. Merkwürdig ist das schon. Im letzten Jahr muß irgendwann Ende Juli etwas recht Einschneidendes bei denen passiert sein. Und nun scheint in diesem Jahr Ende Juni wieder etwas Ähnliches passiert zu sein, so drängt sich zum wenigsten die Vermutung auf.

Blog-Geschichte

Noch einmal zur Rekapitualtion die Geschichte der Besucherzahlen von Beginn des Blogs "Studium generale" im Januar 2007 an. Das war (aus dem Beitrag vom 4. Juni 2007) in der ersten Jahreshälfte 2007 ein ganz rasanter Anstieg.

Das waren noch Zeiten, solche Wachstumsraten ...:

Und dann folgte der - erst im November monierte - überraschende Einbruch Ende Juli 07 (Grafik aus dem Beitrag vom 24. November 2007):

Mittwoch, 21. Mai 2008

Studium generale schält sich

Ausgliederung der anwendungsbezogenen Themen

Damit Wissenschaftler von dem Angebot von "Studium generale" besser profitieren können, werden die Beiträge neu gegliedert. Künftig werden Beiträge zu Themen wie Familienpolitik, soziale Gerechtigkeit, Kinderpsychologie, Politik allgemein, Zeitgeschichte, Kunst, Kultur und zu unterhaltsamen Themen in den neuen Blog "Studium generale - Allgemeinere Beiträge ausgegliedert.

Hier auf diesem Blog wird es künftig nur noch Beiträge zu enger umgrenzten natur- und humanwissenschaftlichen Themen geben, insbesondere also "Research Blogging" betrieben werden.

Damit soll ein Schritt zu mehr Seriosität und Wissenschaftlichkeit vollzogen werden.

Mehr Wissenschaftlichkeit

Themenfelder wie etwa Familienpolitik oder Zeitgeschichte sind ja doch wesentlich anwendungsbezogener als die Grundlagenforschung in den Natur- und Humanwissenschaften. Der Abstraktionsgrad in der Grundlagenforschung ist höher. Und es tut der letzteren nicht gut, wenn sie allzu sehr vermischt behandelt wird mit mehr tagesaktuellen und anwendungsbezogeneren Gebieten. Ein Wissenschaftler oder Wissenschafts-Interessierter, der sich auf grundlegende Fragen konzentriert, muß von vielem "absehen", abstrahieren, zumindest so lange er sich auf die grundlegenden Fragen konzentriert. Wenn einem dabei zu viele Themen unterkommen, die mit ganz anderen Dingen zu tun haben, leidet darunter der Geist strengerer Wissenschaftlichkeit.

Künftig gibt es deshalb ein mehr auf Grundlagenforschung ausgerichtetes
und ein mehr auf allgemeine Themen und auch aktuelles gesellschaftliches Engagement ausgerichtetes
Mitarbeit

"Informierten" und insbesondere "wissenschaftlich informierten Journalismus" gibt es auch - und gerade - auf dem Gebiet der Politik und der Familienpolitik heute immer noch viel zu wenig. Trotz der derzeitigen Flut neuer, auch deutschsprachiger Wissenschafts-Blogs. Die Wissenschaft, insbesondere die Verhaltensforschung und die Anthropologie stehen hier aber in diversen, nicht hintergehbaren Verpflichtungen der Gesellschaft gegenüber. Mitarbeit und Gastbeiträge, zumal auch für letztgenannten Blog, die so in etwa auf der Linie der bisherigen Beiträge liegen, sind auch deshalb sehr willkommen.

Samstag, 17. Mai 2008

Die Moderation des wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurses zu Fragen von Evolution und Religion

Der Workshop der Templeton Foundation in Frankfurt und die Wissenschafts-Blogger

Die Teilnahme am Workshop der Templeton Foundation zur Evolution der menschlichen Religiosität in Frankfurt war ein tolles Erlebnis, für das ich den Veranstaltern Michael Blume, Elisabeth Gräb-Schmidt und Wolfgang Achtner an dieser Stelle noch einmal herzlich danken möchte. Und ebenso Dank an Lars Fischer für die Möglichkeit, darüber in einem Gastbeitrag in seinem Blog berichten zu können. Ich war ja von den Veranstaltern ausdrücklich als "Wissenschafts-Blogger" eingeladen worden, was vielleicht auch schon als eine gewisse Aufwertung des Mediums Wissenschafts-Blog gewertet werden kann.

Mir sind aber auch sonst auf der Rückfahrt noch mancherlei Gedanken dazu gekommen, wie man eigentlich ein solches, heute so wesentliches, interdisziplinäres Gespräch in dem weiten Feld zwischen Theologie, Religionswissenschaft, Philosophie und Naturwissenschaft moderieren sollte. Dazu will ich in den nächsten Tagen noch einmal Stellung nehmen und Vorschläge machen.

"Studium generale"

Gerade eine solche Moderation ist es ja, muß es ja sein, so wurde mir wieder einmal klar, die auch das Ziel eines jeden guten "Studium generale" ist. (Und während meines Studiums in Mainz habe ich ein solches gutes "Studium generale" kennenlernen können.) Diese Frage der Moderation berührt also die Kernfragen auch dieses Blogs. Und es war toll, in den persönlichen Begegnungen in Frankfurt (und am nächsten Tag in Gießen) dazu so viele neue Anregungen bekommen zu können. - Und auch jetzt noch in der Nachbereitung.

Denn gerade finde ich, daß Martin Ragg vom "Humanistischen Pressedienst" auf diese Veranstaltung hingewiesen hat und auf ihre Thematisierung in den "Wissenslogs" von "Spektrum der Wissenschaft". Dies geschah mit folgenden Worten von Seiten dieses atheistischen Pressedienstes:
Wissenslogs: Was nützt der Glaube? Ist Atheismus ein biologischer Nachteil?

Der Spektrum-Verlag betreibt unter www.wissenslogs.de eine Reihe von Blogs, in denen sich unterschiedliche Autoren mit "Wissenschaftsthemen" auseinandersetzen. Die Plattform wird ab dem 16. Mai die Ergebnisse eines Workshops "Gibt es eine Wissenschaft der Religion – Die Evolutionäre Grundlage des religiösen Glaubens" dokumentieren.

Aus der Ankündigung:

"Religion und Spiritualität gehören zur Grundausstattung menschlicher Kulturen überall auf der Welt. Ob Jesus, Mohammed, Buddha, geglaubt wird überall. Doch warum eigentlich? Ist Religiosität womöglich angeboren? Am Donnerstag, den 15. Mai treffen sich an der Johann Wolfgang Goethe-Universität zu Frankfurt Biologen, Pädagogen und Religionswissenschaftler im Rahmen der Templeton Research Lectures 2008 zum Workshop „Evolution der Religionen“, um diese Fragen interdisziplinär zu diskutieren."
Ein spannendes Thema - interessant dürfte auch sein, wie die "Blogs" die Diskussion aufgreifen und wie hier im Rahmen der Tagung die "neuen Medien" genutzt werden.
Hoffentlich sind die in diesen Worten mitschwingenden Erwartungen nicht zu hoch gesetzt worden. Es sollte nämlich nicht übersehen werden, daß trotz der guten Besetzung unter den Diskutanten der Workshop insgesamt nur drei Stunden dauerte, und daß die Diskutanten in ihren jeweiligen, höchstens fünfminütigen Stellungnahmen ihre eigenes Denkmodell nicht gründlich präsentieren, sondern bestenfalls andeuten konnten.

Das ist noch längst nicht ausreichend, um das interdisziplinäre Gespräch und auch das Gespräch "aus dem Elfenbein-Turm der Wissenschaft" heraus in die Öffentlichkeit wirklich nachhaltig befruchten zu können. - Und das wäre dann gleich auch schon ein erstes Nachhaken hinsichtlich der Frage, wie man solche interdisziplinären Gespräche überhaupt moderieren könnte oder sollte. - Vielleicht macht sich dazu auch der "Humanistische Pressedienst" oder die "Giordano Bruno Gesellschaft" einmal erneut Gedanken?

Regelmäßigere Wissenschafts-Blogger-Stammtische?

Eines steht jedenfalls fest: Das Interesse an der Thematik ist überall so heftig spürbar, ob nun bei Gläubigen oder Ungläubigen, ob unter Wissenschaftlern oder interessierten Laien, daß es nur noch an der geeigneten Plattform - und vor allem auch an der gut durchdachten Moderation - fehlt, um damit vielleicht noch mehr Menschen "fesseln" zu können (wissenschaftlich wie außerwissenschaftlich), als das bisher schon geschehen ist.

Ganz unprätentiöser Vorschlag, solange man nicht von besseren hört: Sollte man vielleicht einfach früher oder später z.B. in jeder größeren Stadt so etwas wie "Wissenschafts-Blogs-Leser-Stammtische" gründen oder so etwas wie "Evo-Theo-Stammtische"?

Ist ja nur so eine Frage ... Wenn "Studium generale" den sich selbst gestellten Anspruch ernst nimmt, sollte man jedenfalls in diese Richtung weiterdenken.

Freitag, 25. Januar 2008

Wir sind das "offene Labor" ...

- Wir, die Wissenschafts-Blogger

"Nature" weist auf eine vielleicht - zumindest für Wissenschafts-Blogger - nicht ganz uninteressante Veröffentlichung hin. (Nature) Nämlich Sammlungen der besten Wissenschafts-Beiträge auf Blogs aus den Jahren 2007 und 2006. Hm! Wann tun sich die deutschen Wissenschafts-Blogger zu solchen Unternehmungen zusammen? Wann organisieren sie ihre erste Konferenz, wie dies offenbar in den USA schon geschieht?

Every year a different guest editor — here Reed Cartwright, a blogger and genetics and bioinformatics postdoc from North Carolina State University — picks the best posts to coincide with the Science Blogging Conference (in North Carolina on 19 January).

Amazon bietet diese beiden Bände nicht an, sie sind offenbar nur bei Lulu.com erhältlich, wo man auch das Inhaltsverzeichnis mit den beitragenden Blogs findet (1, 2), unter denen sich natürlich neben manchem bekannteren Namen auch unbekanntere finde. "Gene Expression" vermisse ich dort jedoch ... Hier findet sich die Entstehungsgeschichte dieser Bände ---> Scienceblogs.com

Samstag, 5. Januar 2008

Deutsche Wissenschafts-Blogger-Gemeinde "boomt" und formiert sich

In die bislang noch sehr kleine Gemeinde der deutschen Wissenschafts-Blogger ist allerhand Bewegung gekommen in den letzten Wochen. "Spektrum der Wissenschaft" hat ein Blogger-Portal gegründet (Scilogs.de),

zu dem bislang 39 Wissenschafts-Blogs rekrutiert worden sind. Sie sind gegliedert in "WISSENSlogs", "BRAINlogs", "KOSMOlogs" und "CHRONOlogs". Die letztere Rubrik enthält auch archäologische und geschichtswissenschaftliche Wissensschafts-Blogs.

Der erste Eindruck ist zunächst, daß "Masse nicht Klasse" zu bedeuten braucht. Geht man derzeit dort nach der Liste "Meist kommentiert" bei den "WISSENSlogs", so bleibt es doch wieder einmal beim Blog von Lars Fischer ("Abgefischt") und einem dortigen Gastbeitrag von Religionswissenschaftler Michael Blume (Abgefischt). Mit 141 Kommentaren hat dieser eine "Klasse-Beitrag" die ganze restliche "Masse" dort weit hinter sich gelassen, darunter auch die Blogs sehr viel namhafterer Wissenschafts-Journalisten. Darüber darf man sich mit Lars und Michael sicherlich freuen.

Von diesem Portal findet man aber nun auch noch zum jüngst gegründeten deutschen Wissenschafts-Blog-Portal von "ScienceBlogs.com" (ScienceBlogs deutsch),

also dem deutschen Pendant des schon vor Jahren gegründeten amerikanischen Portals, bei dem auch Humangenetiker Razib Khan an vorderer Stelle mitschreibt. Und in der internationalen Netz- und Wissenschaftsgemeinde ist dieses neue Portal auf das Herzlichste willkommen geheißen worden: "Deutschland willkommen" heißt ein lesenswerter Beitrag der dortigen Mitbegründerin Beatrice Lugger.

Sie berichtet von dem Interesse, mit dem "Star"-Science-Blogger PZ Myers und die Betreiber von PlosOne das neue deutsche Portal begrüßen.

Ein Schelm nun, wer da von sich behaupten möchte, er würde noch den Überblick behalten! Aber so nach und nach werden wir ihn uns "erarbeiten": "Die Guten ist Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen" ...

Freitag, 4. Januar 2008

Ohne Gruppenselektion kann menschliche Religiosität nicht erklärt werden

Eine unglaublich spannende und niveauvolle Diskussion zur Evolution der menschlichen Religiosität hat Religionswissenschaftler Michael Blume auf dem neuen Wissenschaftsblog "Abgefischt" von Lars Fischer bei "Spektrum der Wissenschaft" angestoßen mit inzwischen über hundert Kommentaren, insbesondere auch von Buchautor Edgar Dahl. Mein heutiger Kommentar dort nach Durchlesen der Diskussionsbeiträge:
Herr Dahl, Sie sprechen ganz richtig (mit Dawkins, Einstein etc.) vom menschlichen Staunen, von der menschlichen Ehrfurcht, dem menschlichen Schönheitserleben, dem kausalen Denken als dem (oder einem) Ursprung aller Religion.

Es tritt aber nun etwas hinzu, was Religiöse und Atheisten zumindest oft graduell unterscheidet: Dem Religiösen (auch etwa einem Hans Jonas) ist das Staunenswerte dieser Welt Verpflichtung, Verantwortung. Er leitet aus diesem Staunen Normen des Handelns ab. Auch der Mitmensch ist ihm eine staunenswerte, einzigartige Erscheinung. Und der Religiöse möchte, daß die mitmenschlichen Beziehungen human gestaltet sind. Zumal auch die familiären. Auch dazu leitet er Handelsnormen ab, die er als im Einklang stehend glaubt mit seinem Gefühl des Staunens und der Ehrfurcht vor der Schöpfung (der Evolution) und allen einzigartigen Erscheinungen, die sie hervorgebracht hat - mitsamt der von mir geliebten Mitmenschen.

Nun gehen Religiöse und fundamentalistisch Religiöse in diesen Dingen halt schrittweise immer weiter. Und da fängt bei uns Modernen oft erst das Zaudern an: Kann, darf man so handeln, als ob es nur einen "alleinseligmachenden" Gott gäbe? Wir sagen zumeist: nein. Usw..

Der fundamentaltistische Atheist befürwortet heute meistens einen "verantwortungsvollen Hedonismus". Ist das eine Moral, die der Ehrfurcht vor diesem Universum und allen Werten, die in ihm enthalten sind, allen Werten, die in unserer abendlänlischen Kultur enthalten sind, schon vollständig gerecht wird? Vielleicht hat der moderne Mensch über all diese Fragen einfach noch nicht genügend nachgedacht, philosophiert?

Vielleicht fehlt uns heute einfach in solchen Fragen der gesellschaftliche Konsens, den die traditionell überkommenen Religionsgemeinschaften auch erst in langwierigen schwierigen "Gruppenselektions-Prozessen" herausgebildet haben, wie Michael ja auch gut darstellt (29.12.2007 | 09:04)? Vielleicht stehen wir heute in einem ähnlichen Gruppenselektion-Prozess wie die ersten Christen, wie die ersten Moslems, die ersten Juden? (Und noch einmal jeweils geographisch unterschieden etc..) Und viele von uns werden - wie damals - vergleichsweise wenige Nachkommen haben, andere mehr?

Vielleicht wird heute wie damals dieser Selektionsprozess auch durch die jeweiligen Kinderzahlen der jeweiligen "Weltanschauungs-Anhänger" entschieden?

Ich glaube tatsächlich, daß es so ist. Evolution ist nicht etwas, was einmal geschehen ist, wie wir immer mehr aus der derzeitigen Humangenom-Forschung lernen. Evolution findet statt. Hier und heute. Unsere Kontroversen gerade auch über solche Themen sind ein Teil derselben. Sie beeinflussen Reproduktions-Entscheidungen oder auch (familien-)politische Entscheidungen. Weltbilder entscheiden solchen Entscheidungen.

Ohne Berücksichtigung von Gruppenselektion wird man die Evolution der Religiosität nicht verstehen können. Der Mensch ist nicht nur ein atomisiertes Wesen, er ist - auch heute merken wir das ja wieder immer mehr - ein tief sozial strukturiertes, verankertes Wesen, er ist ein Gemeinschaftswesen - von Geburt an. Glück findet der Mensch in Gemeinschaft mit anderen Menschen wie fast nirgends sonst.

Viele ganz entscheidende Dinge werden letztlich auf der Ebene von Gruppen (oder Nationen) entschieden, nicht auf der Ebene des Individuums. Das merken wir heute auf dem Gebiet der Familienpolitik fast jeder selbst an der persönlichen Lebenssituation während der Familiengründung oder in den Altersjahren.

Natürlich steht übrigens auch die in der griechischen Antike, Herr Dahl (01.01.2008 | 11:07), gelebte gesellschaftliche Moral im Einklang mit den vorherrschenden religiösen und philosophischen Vorstellungen. Sokrates, Platon usw. waren auch - oder sogar vor allem - Ethiker. Hätte man diesen Zusammenhang nicht gesehen, hätte man Sokrates nicht gezwungen, den Schierlingsbecher zu trinken. Und auch Sokrates hätte ihn nicht getrunken, wenn ihm dieser Zusammenhang nicht wichtig gewesen wäre. (Er hätte ja fliehen können, sich der Verantwortung entziehen können ...)

Samstag, 22. Dezember 2007

Eine Meldung aus unserer Buchhandlung ...

Eine Nachricht von unserer neu gegründeten Buchhandlung:

Im letzten Quartal (seit Oktober) hatten wir dort einen Gesamtumsatz von 170 Euro.

Wir danken allen Käufern und möchten anregen, auch jetzt noch dort die letzten Weihnachts-Einkäufe zu tätigen. Wenn Ihnen bisher nichts eingefallen ist, wird Ihnen dort sicherlich so manche neue Idee kommen.

Auf Vorschlag können wir dort auch innerhalb von Stunden neue Artikel aller Sparten einstellen.

Dort getätigte Käufe sind für uns ein wertvoller Zuverdienst, der sonst Amazon selbst zugute käme. Und wir machen ja auf unserem Blog vielfältig Werbung für die in der Buchhandlung angebotene Literatur. Es ist also nur gerecht, wenn Amazon seinen Verdienst mit denen teilt, die für seine Bücher werben.

Hingewiesen sei noch einmal darauf, daß in unserer Buchhandlung nicht nur wissenschaftliche Bücher angeboten werden, sondern auch Belletristik, Video's und Artikel für Familien und Kinder. Vorschläge vielfältiger Art für ein erweitertes Angebot werden auch für diese Bereiche immer gern entgegengenommen.

Freitag, 14. Dezember 2007

Die "Open Access"-Blockade von Wissenschafts-Zeitschriften gemeinsam unterlaufen?

Ich habe gerade folgendes Problem. Ich glaube, daß der Aufsatz, der unter diesem Verweis zu finden ist, unglaublich spannend ist.

Sein Thema ist: Großzügigkeit ist angeboren - und zwar individuell unterschiedlich. Und sie könnte, wenn ich es recht verstehe, sogar "irgendwie" mit dem (ebenfalls tlw. angeborenen?) Neigungsspektrum betreffs Monogamie/Polygamie korrelieren. (Siehe z.B. BBC.) Aber bevor ich darüber einen Beitrag schreibe, will ich lieber den Original-Artikel gelesen haben.

Die Zeitschrift "Genes, Brain and Behavior", in der er gerade als "OnlineEarly"-Artikel erschienen ist, ist aber nicht an sehr vielen Universitäten in Deutschland abonniert, an meiner jedenfalls nicht. Also hab ich ihn jetzt über Fernleihe bestellt und hoffe ihn so, in deN nächsteN WocheN (!) irgendwann einmal zu bekommen. Und - merkwürdigerweise! - geht Fernleihe nur über an den Unis jeweils abonnierte "Print"-Ausgaben, da bloßen E-Zeitschriften-Abonnements die Teilnahme an Fernleihe - offenbar - untersagt ist. Was ja doch alles schon ziemlich verrückt ist. Zum Glück gibt es offenbar eine Universitätsbibliothek in Deutschland (Köln?), über die man eine Kopie dieses Aufsatzes über Fernleihe (noch!) bekommen kann. Ziemlich kompliziert und umständlich jedenfalls, ein solches "Anti-Open-Access-System".

Wäre es da nicht klug, wenn man sich in der "Szene" der Wissenschafts-Blogger oder der Wissenschaftler überhaupt irgend ein informelles Austausch-System einrichten würde, aufgrund dessen man sich gegenseitig E-Paper zusenden kann, die man nur an der jeweils anderen Uni, nicht an seiner eigenen bekommt? So etwas gibt es sicher schon. Nur weiß natürlich "Otto Ahnungslos" davon wieder einmal nichts.

Samstag, 24. November 2007

Vergoogelt und veräppelt?

Fragen zur "Politik" von Google

Hab ich was gegen Apple? Nichts habe ich gegen Apple. Warum denn auch. Aber habe ich vielleicht etwas gegen Google? Aber ja doch, ja. Seit Neuestem hab ich vielleicht was gegen Google. Gegen Google, Google, Google.

Und das kam so. Gebe ich doch gestern das Suchwort "Robin Dunbar" in die Google-Suche ein und vergleiche die Treffer dort mit denen bei der Yahoo-Suche. Bei Yahoo kommt der entsprechende neueste (und - wie ich finde - nicht ganz unwichtige) "Studium generale"-Beitrag zu diesem Thema an 14. Stelle (Seiten auf Deutsch) und an 19. Stelle (international). Aber bei Google? Was ist denn da los? Google, Google, Google! - ???

Erste Verwunderung: Auf Platz 6 erscheint der Buchladen von "Studium generale" mit dem entsprechenden "Robin Dunbar"-Buch. Nun gut, nichts dagegen. Aber was ist mit "Studium generale" selbst? Darauf kommt's doch eigentlich an. Ich blättere und blättere und blättere (Suchfunktion "Seiten auf Deutsch"). Und auf Seite 6 habe ich immer noch keinen "Studium generale"-Treffer gefunden und bin mit meiner Geduld am Ende. Nur über "Bloggerei.de" (am 10. Platz) und über einen beiläufigen Kommentar bei Michael Blume (auf dem 41. Platz) stolpere ich schon vorher mal - mit viel Glück - über "Studium generale". - Aber Hallo! Aber Hallo! Was ist denn hier los? Warum wird die Kommentar-Funktion von Michael Blume von Google besser bewertet als die Beiträge selbst von "Studium generale"? Ich gönne es Michael ja ...

... aber: Was macht denn Google hier für eine "Politik"?

Entwicklung von Besucherzahlen

Zum ersten mal beginne ich, mir wirklich ernsthaft Gedanken über die Entwicklung der Besucherstatistik von "Studium generale" zu machen. Im Januar dieses Jahres gegründet verzeichnete "Studium generale" bis Juli einen rasanten Besucher-Anstieg - zumindest einmal für mich "rasant". Anstieg von Februar bis Juni von monatlich 750 zu monatlich 3.000 Besuchen. Das hätte doch eigentlich so weitergehen können? Aber dann, im letzten Drittel des Monats Juli ein ganz plötzlicher und abrupter Einbruch in den Besucherzahlen, wonach seither die Zahl der monatlichen Besuche weitgehend gleich geblieben ist. Aber wieso denn nun das?

Nun ist (mir) ja schon längst klar, daß der größte Teil der Besucher auf einem Blog über Google-Suche bei diesem landet. Das ist - beispielsweise - auch bei "Gene Expression" so. Und bei "Studium generale" nicht anders. Das sieht man ja auf dem eingebauten "Sitemeter" (hier auf dem Blog ganz unten) sehr deutlich. Und wenn man eben über Inhalte schreibt, nach denen viele Menschen bei Google suchen, kriegt man halt viele Besucher. So einfach ist das. - Dachte ich.

Seit Juli redete ich mir immer noch ein, daß vielleicht Google-Suche nach Häufigkeit neuer Einträge auf einem Blog mitwertet, und daß möglicherweise deshalb "Studium generale" offenbar seit Ende Juli nicht mehr auf den vorderen Treffenrängen landet. Denn Anfang August begann ich für zwei Monate weniger zu schreiben als in den Monaten davor (wie man an der Randspalte "Blog-Archiv" deutlich sieht).

Aber ich hatte auch schon damals - Ende Juli - das dumpfe Gefühl, daß das mit der Zahl der wöchentlichen Beiträge eigentlich nicht viel zu tun haben kann, denn die Besucherzahlen sanken schon recht abrupt früher als die wöchentliche Zahl meiner Beiträge. Außerdem sind die letzteren längst seit Monaten wieder auf einem höheren Stand, insofern hätte sich längst wieder eine Steigerung der Besucherzahlen ergeben müssen, wenn ein solcher Zusammenhang bestehen würde. Aber nichts davon zu sehen:


Was hat denn Google gegen "Studium generale"?

Und diese "Robin Dunbar"-Probe macht dies für mich nun ganz eindeutig. Eine zweite Probe ist das Suchwort "Daseinskompetenzen", über das ich schon am 21. April geschrieben hatte. Mein damaliger Beitrag begann mit den Worten:
Ich habe gerade meinen ersten Wikipedia-Artikel geschrieben, nachdem ich festgestellt habe, daß "Studium generale" als erster Treffer bei Google angezeigt wird, wenn man den Begriff "Daseinskompetenzen" eingibt. (...)
Man gebe heute einmal den Begriff "Daseinskompetenzen" bei Google ein. Wiederum von "Studium generale" weit und breit nichts zu sehen. Und wiederum bei Yahoo-Suche gleich auf dem dritten Platz (wie zuvor ja auch bei Google). Auf dem 8. Platz bei Google nur wieder eine weitere "Filiale" von "Studium generale", nämlich sein "Archiv" bei Yahoo-Groups, das nun wiederum von Google besser bewertet wird als "Studium generale" selbst.

Was hat denn Google gegen "Studium generale"? Früher gepäppelt, heute veräppelt? Oder gibt es dafür eine rein technische Erklärung, die mit bewußter "Politik" nichts zu tun hat? Leide ich schon an Verfolgungswahn? Aber sprechen die Tatsachen nicht für sich selbst?

Zum Thema "Google in der Kritik" findet man bei Wikipedia einiges Nützliche.

Sonntag, 7. Oktober 2007

Museums- und Archivbestände öffentlich machen

"Open Access" und Kulturdigitalisierung in Deutschland und Europa

Museen, Sammlungen und Archive haben die Aufgabe, ihre oft immensen und bedeutungsvollen Bestände der Öffentlichkeit und der Wissenschaft zugänglich zu machen. Zumeist lagert ja von den bedeutungsvollen Beständen ein viel größerer Anteil in Magazinen, als daß dieser der Öffentlichkeit in ständigen Ausstellungen und Ausstellungsbänden ("offline") sichtbar gemacht werden könnte. Durch das Internet sind diese - noch heute oft sehr schwerfällig arbeitenden - Institutionen vor eine völlig neue Situation gestellt. Der moderne Forscher, der moderne, an kulturgeschichtlichem Erbe interessierte Laie darf mit Nachdruck die Erwartung hegen, daß die Museen, Sammlungen und Archive weltweit ihre auch in umfangreichen Magazinen vorhandenen Bestände nun möglichst schnell und effizient der Öffentlichkeit über das Internet weitestgehend und effizient bekannt und zugänglich machen.

Tatsächlich arbeiten Museen, Sammlungen und Archive oft schon sehr heftig an der Digitalisierung ihrer Bestände. Dafür werden sogenannte "Datenbank-Systeme" benutzt. Die neueren Datenbank-Systeme sind so umfassend, daß sie nicht nur die interne Dokumentation der Bestände erlauben (sollen), sondern dann auch das umfassende digitale Arbeiten mit diesen Beständen, also jede Art von "Management" der Bestände. (Neue Zusammenstellungen für zeitlich befristete Ausstellungen, Leihgaben, Leihnahmen, Restaurierungen mitsamt den dafür notwendigen finanziellen Abrechnungen, Rechnungsstellung etc. pp.) Sie nennen sich darum dann auch hochtrabend aber treffend "Museum-Management-Systeme".

Der größte Verbund deutscher Museen, Archive und Sammlungen ist die "Stiftung Preußischer Kulturbesitz", zugleich auch eine der größten Kultureinrichtungen weltweit. (SPK) Das für sie entwickelte "Management-System" "Museum Plus" (der ursprünglich Schweizer Firma zetcom) wird inzwischen von etwa 400 Museen im europäischen Raum genutzt, darunter vielen der bedeutendsten. (siehe Liste) (In den USA werden derzeit noch andere Datenbank-Systeme genutzt.)

Auch für die vielen, z.T. bedeutenden Museen in Frankfurt am Main ist dieses Datenbank-System seit einiger Zeit einheitlich eingeführt worden. In dieses müssen nun die Daten der Bestände nach und nach eingegeben werden, was natürlich zum Teil eine reine Sisyphos-Arbeit ist - zudem oft oder meist so gut wie gar nicht oder nur schlecht bezahlt. Aber natürlich ist diese Arbeit dringend zu leisten. Woher also zusätzliche Begeisterung dafür nehmen? (... Und Begeisterung könnte ja oftmals auch Geldgeber anstecken ...?) Begeistern würde mich die Arbeit mit einem solchen System vor allem dann, so wurde mir während einer zweitägigen Schulung für dieses System klar, wenn die Digitalisierung der Bestände auch möglichst schnell und umweglos zu einer Veröffentlichung dieser Daten im Weltnetz führen würde.

Nun gab es den Einwand von Seiten der Firma zetcom, daß ja jedes Museum dafür gern seine eigene "Corporate Identity" pflegen würde, weshalb jedes Museum sich seine eigene Netzseite basteln würde/müßte, in dem dann die Daten jeweils abrufbar gemacht werden müßten. Die Firma zetcom stellt dafür übrigens auch schon eine neue Funktion der von ihr entwickelten Datenbank "MuseumPlus" zur Verfügung, nämlich "eMuseumPlus".

Ein Wikipedia für Museen?

Meine Gedanken wandelten aber weiter auf Abwege: Im Grunde handelt es sich doch zumeist zunächst einmal nur darum, reines Wissen zur Verfügung zu stellen in unserer "Wissensgesellschaft". Sollte da die "Corporate Identity" eines jeden einzelnen Museums wirklich so wichtig sein? Mir kam der Gedanke: Wie ist es denn, wenn man einfach - z.B. - ein "Wikipedia" für Museen, Sammlungen und Archive schafft, in dem die Bestände einheitlich und detailliert der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden?

Natürlich müßte man sich dabei über viele Einzelheiten noch genauer Gedanken machen. Von seiten der einzelnen Museen müßte zunächst grundsätzlich entschieden werden, welche Daten zu den von ihnen gehorteten Objekten sie öffentlich zugänglich machen wollen, welche nicht. Das muß säuberlich getrennt werden in der Datenbank. (Z.B. wollen Leihgeber oft anonym bleiben.) Ist diese Entscheidung aber gefallen, dann kann man im Grunde bei der Digitalisierung der Bestände mit der großen Weltnetzgemeinde zusammenarbeiten und kann sich auch von freiwilligen Mitarbeitern im Netz - wenn man es klug organisiert - zuarbeiten lassen.

Denn oftmals werden sich Liebhaber weltweit für bestimmte Sammlungsbestände weitaus intensiver und kenntnisreicher interessieren, als der einzelne Museumsmitarbeiter, der die Bestände digital erfaßt. Diese könnte man dann bei der "Wikipedia für Museen" mitarbeiten lassen. Es gäbe also dann für jedes einzelne Sammlungsobjekt eine Wikipedia-Seite, bzw. bestimmte Kategorien zusammenfassende Wikipedia-Seiten. Im Grunde ist das für bedeutungsvolle Stücke und Werke ja schon heute der Fall. Als Beispiel aus der bronzezeitlichen Archäologie siehe etwa: "Goldhut". Und sicherlich wird sich das auf dieser Linie auch schnell weiterentwickeln. Mir scheint nur, daß die deutschen Museums-Leiter noch nicht das Potential wirklich erkannt haben und auszunutzen bereit scheinen, das in den Möglichkeiten von solchen Netz-Portalen wie Wikipedia steckt: "offene", "gläserne" Museen, Archive, Sammlungen vom Feinsten!

"Offenes Museum" vom Feinsten

Als ich nämlich neulich für meinen Beitrag über bronzezeitliche Kammhelme (St. gen.) nach einer Übersicht über die vorhandenen Bestände in deutschen Museen suchte, hatte ich doch allerhand Mühe, zunächst nur eines der bedeutendsten Sammlungsobjekte des Focke-Museums in Bremen, das ich in Erinnerung hatte, im Netz überhaupt zu finden, geschweige denn wissenschaftliche Erläuterungen zu diesem. Aus diesem Grund erst erweiterte sich der Beitrag zu einem Beitrag über Kammhelme in Deutschland allgemein, da andere Museen zu diesem Thema schon bessere Informationen zur Verfügung gestellt hatten. Das nur als ein Beispiel. Viele weitere könnten gegeben werden.

Bei der (weitgehend erfolglosen) Suche danach, ob schon andere auf ähnliche Gedanken vor mir gekommen sind, entdeckte ich gerade noch eine neue Suchmaschine, um die Bestände von Archiven zu durchsuchen: ArwiSu = Archivwissenschaftliche Suchmaschine. Ob wohl auf der Internationalen Konferenz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz im Juni dieses Jahres zum Thema "Wissen durch Vernetzung - Kulturdigitalisierung in Deutschland und Europa" jemand auf den Gedanken eines "Wikipedia für Museen" schon gekommen ist? Vielleicht ein Herr Christophe Dessaux vom Kulturministerium in Frankreich. Sein Vortrag lautete im Untertitel "Open Access durch Open-Source-Technologie". "Open Access" - das ist also das Stichwort. "Open Access" - das ist auch das Leitwort von "Studium generale".

Samstag, 4. August 2007

Achtung! Neuigkeit! - "Studium generale" eröffnet seinen Buchladen

"Studium generale" eröffnet seinen Buchladen

Bücher sind die Quelle des Lebens, der Born aller Weisheit, die Quintessenz allen Wissens. Nur von seiner Ehefrau kann man noch mehr lernen als von einer ganzen Universitäts-Bibliothek. Aber was man bei ihr nicht lernt, muß man sich anlesen! ;-)

Liebe Leser, mittelfristig ist geplant, daß Freunde, die die Arbeit von "Studium generale" finanziell unterstützen möchten, ein monatliches Fixum überweisen können, also quasi freiwillig ein Abonnement bezahlen können. Das sich dazu anbietende, unkomplizierte "Amazon Honor-System" ist derzeit in Deutschland leider noch nicht zu benutzen. *)

Schon jetzt aber ist es möglich, "Studium generale" zu unterstützen dadurch, daß Sie Ihre hoffentlich reichhaltigen Bücherkäufe über den neu eingerichteten "Studium generale" - Buchladen tätigen. "Studium generale" erhält dafür von "Amazon" eine Provision. In diesem Buchladen finden Sie eine Auswahl lesenswerter Bücher zusammen gestellt, vor allem auch jener Bücher, die für die Arbeit auf diesem Blog wichtig und grundlegend sind. Und natürlich solche, die hier schon behandelt worden sind. Aber auch viele andere. Nicht nur Neuerscheinungen, auch alt bewährte erzählende Literatur. Es soll weiter an einem hochwertigen Angebot gefeilt werden. Bitte zögern Sie nicht, uns Bücher, die Sie dort vermissen, vorzuschlagen. Wir stellen Sie kurzfristig ein - und Sie können über unseren Buchladen bestellen, statt anderen die Provision zukommen zu lassen. Ist das nicht eine gute Idee? Und eine kleine Anerkennung unserer Arbeit?

Der Bücherkauf über Amazon läuft erfahrungsgemäß sehr kostengünstig, schnell und unkompliziert. Dies gilt auch für gebrauchte Bücher von privaten Anbietern. Übrigens können ja auch Sie selbst dort Bücher zum Verkauf anbieten. Wahrscheinlich ist der "Marktplatz" von Amazon überhaupt *die* Form des Buchhandels in der Zukunft. Amazon bietet ja auch sonst viele attraktive Funktionen an (z.B. Leser-Rezensionen oder die wertvolle Funktion "Verwandte Artikel" oder die Funktion "Kunden, die dieses Buch gekauft haben, haben auch gekauft ..."). All dies läßt den Umgang mit diesem Medium effizient und vorteilhaft erscheinen.

All dies ja auch insbesondere deshalb, da selbst in großen Städten immer mehr gut sortierte Buchhandlungen schließen.

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*) Zum Beispiel hat der amerikanische Journalist Steve Sailer auf seiner Seite isteve.com gleich oben rechts den folgenden Hinweis ("Button"), in dem mal als angemeldeter Amazon-Kunde gleich direkt angesprochen wird.

Und Steve Sailer hat folgenden schönen Text dazu geschrieben, den man identisch für "Studium generale" übernehmen könnte, wenn es dieses System in Deutschland gäbe:
Hi, this is Steve Sailer, the guy behind iSteve.com and hundreds of articles you may have enjoyed over the years. My Amazon Honor System PayPage provides you with an opportunity to be a patron of the arts and letters (a.k.a., to give me money). Donating to me is fast and easy. Just click "Pay Now" and the deal is done in no time. As always, your credit card is secure and your privacy is protected at Amazon.com. You might be interested in how big a cut Amazon takes. It's quite reasonable: 2.9% and a 30 cent fixed fee per donation. This has some implications that are fascinating (at least to me). For example, if you donate $1.00, then Amazon keeps almost one-third of it, or 32.9 cents. I only get 67.1 cents. Well, that would be pretty pointless, wouldn't it? I mean, you aren't feeling generous toward Amazon, now are you? Yet, if you kick in only a buck, they keep a hulking third of it. A much more efficient solution is to (drumroll, please) give me more money. If, for instance, you donate $10.00, then I get to keep a full $9.41. Not bad! If you are into optimal efficiency, consider this: I get to keep 96.8% of a $100 gift! Yet, if you gave me a $1,000,000, I'd only get to pocket 97.1%, so that's barely more efficient. (On the other hand, if you really want to give me a million bucks, there's no need to mention it to Amazon -- I'll just come over to your house and pick it up directly, and mow your lawn for you while I'm there.)

Dienstag, 24. Juli 2007

Studiengebühren und naturwissenschaftliche Bildung: Vorbild Israel

In Deutschland gibt es heftigen Streit um Studiengebühren. Wer traut sich da schon ein abschließendes Urteil zu, wie berechtigt dieser Streit ist oder nicht. Matthias Matussek auf einem seiner letzten Videoblog's jedenfalls auch nicht. Nun erfährt man aber aus Israel zu dieser Frage Neues: Die Studiengebühren werden für die Studenten zur Hälfte erlassen, die sich in einem sinnvollen Bildungs-Projekt einbringen.

Israel ist das einzige "westliche" Land, in dem die (reichsten und) klügsten Menschen die meisten Kinder bekommen. Doch das scheint nicht das einzige Gebiet zu sein, auf dem es vorbildlich ist. (Zeit) In einem Interview sagt der israelische Physiker Haim Harari:
... Wir haben in Israel das National Tutoring Project, wo 30000 Studenten als eine Art großer Bruder für 30000 Kinder aus benachteiligten Verhältnissen sorgen. Für diesen Sozialdienst wird den Studenten die Hälfte der Studiengebühren erlassen. Das sind die Betreuer der »vergessenen« Kinder. Wir breiten uns wie ein Fächer über das Land aus, und das fast kostenlos. Die einzigen Kosten entstehen für ein bisschen Ausrüstung, vielleicht 2000 Euro pro Ort. ...

Frage: Sie kennen Ihre Kollegen vom Max-Planck- Institut, warum machen die das nicht auch in Deutschland? ... Wer könnte sich denn sonst um diese Bildung kümmern?

Harari: Niemand, wenn es nicht die Forscher selbst tun. Wenn die Naturwissenschaftler das nicht vorantreiben, wird niemand sonst es machen.
Ja. Deutschland scheint nicht das innovationsfreudigste Land zu sein. Israel ist wieder einmal schneller, während die Deutschen sich in gegenseitigem Mißmut Vorwürfe machen ...

Samstag, 14. Juli 2007

Studium generale - der Anbeißer! ;-)

Die "Zeit" macht Werbung für "Studium generale". ;-)

(Zeit) Titel und Untertitel:
Erst mal schnuppern

Mit dem Studium generale locken Universitäten noch unentschlossene Abiturienten.
....
Also, liebe Abiturienten: Laßt euch locken! ;-)

Freitag, 13. Juli 2007

Leo Tolstoi in seinen Altersjahren

Leo Tolstoi (1828 - 1910) war ein beeindruckender Mensch (Wikip.). Mitunter stößt man beim Aufräumen auf Bücher, die man plötzlich mit ganz anderen Augen sieht als zuvor (1). Was sind das für schöne Fotos über die Altersjahre von Leo Tolstoi. In dem Buch ist auch ein Brief von Tolstoi aus dem Februar 1903 an einen Herrn Dietert wiedergegeben (1, S. 18), den Tolstoi in deutscher Sprache schrieb:
Geehrter Herr,

Sie fragen, auf welche Weise ich glaube, daß die sozialen Mißstände sich bessern können und antworten selbst auf die gestellte Frage. Nur eine religiöse vernünftige Weltanschauung kann die Menschen in einen Zustand bringen, in welchem alle Ungerechtigkeiten und Mißbräuche verschwinden werden.

Ob dieser Zustand in tausend Jahren oder zehn Jahren eintreten wird, weiß kein Mensch. Sicher aber ist nur, daß dieses das einzige, radikale Mittel ist, den Zustand der Menschen zu bessern, und daß deswegen alle Palliative wie der Sozialismus u.a., welche die Erreichung des Zieles falsch versprechen, nur diese Erreichung entfernen.

Deswegen glaube ich, daß jeder vernünftige Mensch, wenn er wirklich an dem Übel unserer schlechten Einrichung des gesellschaftlichen Lebens leidet, nur trachten muß, zu einer klaren und vernünftigen religiöse Weltanschauung zu gelangen, nach ihr zu leben und durch Wort und Tat dieselbe zu verbreiten.

Das ist die einzige Antwort, die ich auf Ihre Frage geben kann.

Mit besten Wünschen,
Ihr gehorsamer Diener,
Leo Tolstoy
Abschließend noch ein Auszug aus dem Wikipedia-Artikel zu Leo Tolstoi (Wikip.):
Die Veröffentlichung des Romans Auferstehung führte dazu, daß ihn (Leo Tolstoi) der Heilige Synod im Februar 1901 exkommunizierte, da er - unter anderem
  • „den als Dreieinigkeit gepriesenen Gott leugne“;
  • „den von den Toten auferstandenen Gottmenschen Christus leugne“;
  • „die Jungfräulichkeit Marias vor und nach Christi Geburt leugne“;
  • „das Geheimnis des Abendmahls lästere“; (Tolstoi verneinte Wunder an sich und insbesondere die Verwandlung des Abendmahlsbrotes in den Leib Jesu).
Interessante Themen! Ein interessanter Mensch.

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  1. Drohla, Gisela: Tolstojs letzte Jahre. Achtunddreißig Fotografien. Texte ausgewählt und übersetzt. Insel Verlag, Frankfurt am Main 1972

Mittwoch, 27. Juni 2007

"Studium generale"

Der Gründer und Inhaber dieses Blogs hat an mehreren Universitäten studiert (Konstanz, FU Berlin, Tübingen, Gießen). Vor allem aber an der Universität Mainz. Und gerade von dieser Universität ist ihm das "Studium generale" in besonders guter Erinnerung. Und dasselbe hat wohl auch sein eigenes Verständnis von Wissenschaft, von Interdisziplinarität, von Weite des Horizontes, von weiter Öffnung des Elfenbeinturms der Wissenschaft nach "draußen", ins Volk hinaus geprägt. Nicht weniger, wie eben auch inhaltlich eine Fülle von Wissen vermittelt worden ist.


Abb. 1: 16. Mai 1988 - Studium generale Mainz - als Beispiel


Vor allem in Erinnerung an dieses "Studium generale" in Mainz, vielleicht sogar als eine Art Fortführung desselben, ist dieser Blog schon ab seiner Gründung "Studium generale" benannt worden. Und deshalb auch einmal ein Verweis auf die Netzseite des Mainzer Studium generale - mit Dank an meine alte "alma mater"!



Abb. 2: 26. 1. 1989 - Studium generale Mainz - als Beispiel


Bei weitem nicht an jeder Uni findet man ein so gutes "Studium generale" wie zu meiner Studienzeit an der Universität Mainz. Manche Universitäten haben gar keines oder das dortige weist längst nicht die Lebendigkeit auf, die in Mainz damals vorhanden war.



Abb. 3: 25. 4. 1989 - Studium generale Mainz - als Beispiel


So war einmal auch Prof. Manfred Eigen im brechend vollen größten Hörsaal eingeladen. So wie in den Mainzer Philosophie-Vorlesungen des Professors Rudolf Malter immer sehr viele "sonstige" Menschen aus Mainz zuhörten, so auch in vielen Veranstaltungen des "Studium generale".



Abb. 4: 21. 11. 1994 - Studium generale Mainz - als Beispiel


Viele der damaligen Einladungsblätter zu Veranstaltungen haben ich verstreut in meinen alten Unterlagen noch gefunden. Und wenn ich sie in Händen halte, ihr altes "Layout" sehe, steigt viel von - - - "der alten Zeit" wieder in die Erinnerung auf. Weniger was die einzelnen Themen selbst betrifft (willkürliche Auswahl hier!), sondern überhaupt was die Fülle des Gebotenen betrifft.


 (ursprünglich eingestellt: 27.6.2007; um die Abbildungen ergänzt: 31.12.2012)




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Anmerkung 13.2.2018: Mag mit diesen Ausführungen der Grund für die Titelwahl dieses Blogs auch einigermaßen einleuchten: Zehn Jahre später und um - hoffentlich - auch zehn Jahre reifer kommt es mir trotzdem ein wenig vermessen vor, wenn man als einzelner einen ganzen Blog schlicht "Studium generale" nennt. Das durfte man womöglich gerne in der experimentellen Frühzeit der Wissenschaftsblogs tun. Heute würde ich einen neu zu gründenden Wissenschaftsblog so nicht mehr nennen. Aber im Nachhinein den Titel eines Blogs ändern, macht sich erfahrungsgemäß auch nicht gut. So bleibt der Titel dieses Blogs - schon aus schlicht "historischen" Gründen - erhalten. .... Wenn man auch ein paar Eierschalen an ihm kleben sieht.

Samstag, 23. Juni 2007

"Sinkt die durchschnittliche Intelligenz des Westens?", fragt Steven Pinker

Gefährliche Tatsachen - und ihre Diskussion

In diesem Jahr 2007 ist ein Buch herausgekommen, in dem 109 bekannte Wissenschaftler aus dem Bereich der sogenannten "Dritten Kultur" (John Brockman) sich Gedanken darüber machen, was sie selbst für "gefährliche Ideen" halten (1) (Wiki). Als Nachwort sind diesem Buch jene Worte von Richard Dawkins nachgestellt worden, die schon vor etwa einem halben Jahr in einer Vorveröffentlichung für Aufsehen gesorgt hatten (Edge). In diesen macht Dawkins sich Gedanken über moderne "Eugenik":

Gibt es gefährliche Ideen, die in diesem Buch auffällig unterrepräsentiert sind? Ich habe zwei Vorschläge, die sich beide sowohl dem „Sein“ als auch dem „Sollen“ zuordnen lassen. Erstens fielen mir nur flüchtige und abfällige Erwähnungen der Eugenik auf. In den 1920er und 30er Jahren hätten Wissenschaftler des linken wie des rechten politischen Spektrums die Idee von Designerbabys nicht als besonders gefährlich empfunden - auch wenn sie diesen Begriff natürlich nicht verwendet hätten. Heute vermute ich, daß die Idee selbst unter den Bedingungen, die ein Buch wie dieses bietet, für eine offene Diskussion zu heikel ist, und ich vermute, daß Adolf Hitler für diesen Wandel verantwortlich ist. Niemand möchte diesem Ungeheuer auch nur in einem einzigen Punkt zustimmen.
Das Schreckgespenst Hitlers hat einige Wissenschaftler dazu verleitet, vom „Sollen“ zum „Sein“ überzugehen und die Möglichkeit der Züchtung menschlicher Eigenschaften überhaupt zu leugnen. Aber wenn man Rinder auf Milchleistung, Pferde auf Schnelligkeit und Hunde auf Hütefähigkeit züchten kann, warum sollte es dann unmöglich sein, Menschen auf mathematische, musikalische oder sportliche Fähigkeiten zu züchten? Einwände wie „Das sind keine eindimensionalen Fähigkeiten“ gelten gleichermaßen für Kühe, Pferde und Hunde und haben in der Praxis noch nie jemanden aufgehalten. Ich frage mich, ob wir sechzig Jahre nach Hitlers Tod nicht zumindest wagen sollten zu fragen, worin der moralische Unterschied zwischen der Zucht auf musikalische Begabung und dem erzwungenen Musikunterricht für ein Kind besteht. Oder warum es akzeptabel ist, schnelle Läufer und Hochspringer zu trainieren, aber nicht zu züchten? Mir fallen einige Antworten ein, und sie sind gut und würden mich wahrscheinlich überzeugen. Aber ist es nicht an der Zeit, daß wir uns nicht länger scheuen, diese Frage überhaupt zu stellen?
.... Are there any dangerous ideas that are conspicuously under-represented in this book? I have two suggestions, both of which can be spun into either the 'is' or the 'ought' box. First, I noticed only fleeting references to eugenics, and they were disparaging. In the 1920s and 30s, scientists from the political left as well as right would not have found the idea of designer babies particularly dangerous — though of course they would not have used that phrase. Today, I suspect that the idea is too dangerous for comfortable discussion, even under the license granted by a book like this, and my conjecture is that Adolf Hitler is responsible for the change. Nobody wants to be caught agreeing with that monster, even in a single particular.
The spectre of Hitler has led some scientists to stray from 'ought' to 'is' and deny that breeding for human qualities is even possible. But if you can breed cattle for milk yield, horses for running speed and dogs for herding skill, why on earth should it be impossible to breed humans for mathematical, musical or athletic ability? Objections such as 'These are not one-dimentional abilities' apply equally to cows, horses and dogs, and never stopped anybody in practice. I wonder whether, sixty years after Hitler's death, we might at least venture to ask what is the moral difference between breeding for musical ability, and forcing a child to take music lessons. Or, why is it acceptable to train fast runners and high jumpers, but not breed them? I can think of some answers, and they are good ones which would probably end up persuading me. But hasn't the time come when we should stop being frightened even to put the question?

Und auch Steven Pinker (siehe eingestelltes Bild), der die Titel-Frage des Buches aufgeworfen hatte, wirft im Vorwort des Buches viele ähnlich gelagerte Fragen auf.

"Sinkt die durchschnittliche Intelligenz des Westens?"

Be ihnen geht es vor allem auch um angeborene Unterschiede bei Menschen und Menschengruppen. Aber auch um viele andere Fragen. Im folgenden eine Auswahl:

Haben Frauen im Durchschnitt ein anderes Fähigkeits- und Emotions-Profil als Männer? (...) Sind aschkenasische Juden im Durchschnitt intelligenter als Nichtjuden, weil ihre Vorfahren aufgrund ihrer im Geldverleihgeschäft notwendigen Klugheit ausgewählt wurden? (...) Haben afroamerikanische Männer im Durchschnitt einen höheren Testosteronspiegel als weiße Männer? (...) Wäre es mit unseren moralischen Prinzipien vereinbar, Eltern die Möglichkeit zu geben, Neugeborene mit Geburtsfehlern, die sie zu einem Leben voller Schmerzen und Behinderungen verdammen würden, zu euthanasieren? Haben Eltern Einfluß auf den Charakter oder die Intelligenz ihrer Kinder? Haben Religionen einen größeren Anteil der Bevölkerung getötet als der Nationalsozialismus? (...) Sinkt die durchschnittliche Intelligenz westlicher Nationen, weil weniger intelligente Menschen mehr Kinder bekommen als intelligentere? (...) Sollten Menschen das Recht haben, sich selbst zu klonen oder die genetischen Merkmale ihrer Kinder zu verbessern?
Do women, on average, have a different profile of aptitudes and emotions than men? (...)Are Ashkenazi Jews, on average, smarter than gentiles because their ancestors were selected for the shrewdness needed in money lending? (...) Do African American men have higher levels of testosterone, on average, than white men? (...) Would it be consistent with our moral principles to give parents the option of euthanizing newborns with birth defects that would consign them to a life of pain and disability? Do parents have any effect on the character or intelligence of their children? Have religions killed a greater proportion of people than Nazism? (...) Is the average intelligence of Western nations declining because duller people are having more children than smarter people? (...) Should people have the right to clone themselves, or enhance the genetic traits of their children?

Er setzt fort:

Unter „gefährlichen Ideen“ meine ich nicht schädliche Technologien wie jene hinter Massenvernichtungswaffen oder verwerfliche Ideologien wie die rassistischer, faschistischer oder anderer fanatischer Sekten. Ich meine vielmehr Tatsachenbehauptungen oder politische Aussagen, die von seriösen Wissenschaftlern und Denkern mit Beweisen und Argumenten untermauert werden, aber als Verstoß gegen die gesellschaftlichen Normen unserer Zeit empfunden werden.
By "dangerous ideas" I don't have in mind harmful technologies, like those behind weapons of mass destruction, or evil ideologies, like those of racist, fascist, or other fanatical cults. I have in mind statements of fact or policy that are defended with evidence and argument by serious scientists and thinkers but which are felt to challenge the collective decency of an age.

Gegen Ende des Vorworts macht er sich - im Grunde - vor allem über Wissenschafts-Blogs Gedanken.

Wissenschaftler sollen die Diskussion nicht unterdrücken

Er schreibt:

Obwohl ich eher Verständnis für das Argument habe, wichtige Ideen zu äußern, als für das, sie mitunter zu unterdrücken, halte ich diese Debatte für notwendig. Ob es uns gefällt oder nicht, die Wissenschaft fördert immer wieder unbequeme Gedanken zutage, und das Internet enthüllt sie nur allzu oft. Tragischerweise deutet wenig darauf hin, daß diese Debatten dort stattfinden werden, wo wir sie am ehesten erwarten würden: in der akademischen Welt. Obwohl Akademikerinnen und Akademiker den außergewöhnlichen Vorteil der Festanstellung dem Ideal der Förderung freier Forschung und der Bewertung unpopulärer Ideen verdanken, sind sie allzu oft die Ersten, die versuchen, diese zu unterdrücken.
Though I am more sympathetic to the argument that important ideas be aired than to the argument that they should sometimes be suppressed, I think it is a debate we need to have. Whether we like it or not, science has a habit of turning up discomfiting thoughts, and the Internet has a habit of blowing their cover. Tragically, there are few signs that the debates will happen in the place where we might most expect it: academia. Though academics owe the extraordinary perquisite of tenure to the ideal of encouraging free inquiry and the evaluation of unpopular ideas, all too often academics are the first to try to quash them.

Das sind schwerwiegende Sätze. Durch dieses Buch werden sich also wohl auch weiterhin bestimmte Grundgesetze der Welt, auch der akademischen Welt nicht von heute auf morgen ändern. Es wird weiterhin so bleiben, wie es schon die "Bild"-Zeitung sagte: "Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht." Es gibt viele, auch von der "Bild"-Zeitung genannte Mutige, die ihren Mut mit dem Leben oder mit schweren Beeinträchtigungen in ihrem Leben bezahlt haben. Solche Menschen bleiben auch weiterhin Vorbild.

In einem Vorwort, das Konrad Lorenz mal für ein Buch geschrieben hatte, zitierte er den schönen Satz, an den es gut ist, sich häufig zu erinnern: "Jede neue Wahrheit beginnt ihren Weg als Ketzerei und beendet ihn als Orthodoxie." (T.H. Huxley).

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Was für ein Mief - Unsere Sicht 18 Jahre später

Der vorliegende Blogartikel endete bis heute, 23.11.2025, mit den beiden Absätzen nach dem letzten Zitat. Der vorletzte Absatz berührt uns heute äußerst unangenehm. Was hätte nicht viel eher in diesem stehen müssen? Zum Beispiel das folgende:

Was für ein Mief aus diesen Worten spricht. Und welcher Mief in ihnen akzeptiert wird.

Es ist ebenso Orwell-Sprech und damit übelster Mief,  wenn zu gleicher Zeit die "Bild"-Zeitung überall plakatiert: "Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht." Wie viel Mief akzeptieren gleichzeitig die öffentlich "Mutigsten" ihres Zeitalters in Form der Worte eines Steven Pinker. Grauenhaft. Die Wahrheit kann niemals "gefährlich" sein. Und es geht hier nicht um "Ideen", sondern um Forschungsergebnisse. Es geht darum, wie die Natur ist. Ein unglaublicher Frevel wird mit diesen Worten begangen auf mehreren, auf vielen Ebenen. Diesen Frevel nehmen wir in diesem Umfang erst heute, im Jahr 2025 wahr. Es ist auch genug seither geschehen - als Folge dieses Frevels. Diesen Frevel an der wissenschaftlichen Redlichkeit haben wir damals - 2007 - so erschütternd gar nicht wahrgenommen wie wir das heute, fast zwanzig Jahre - und mindestens eine "Migrationskrise" - später wahrnehmen, eine "Krise" später, in der "Migration als Waffe" gegen das Überleben von Völkern genutzt wird.

Epstein ... - Es ist zum Kotzen

In diesem Zusammenhang ist aber noch über viel, viel mehr zu sprechen.

Abb. 2: Jeffrey Epstein auf einem Dinner, zu dem er an der Harvard-Universität eingeladen hatte am 9. September 2004 in Cambridge, Massachusetts - Zusammen mit den Harvard-Professoren Alan Dershowitz, Stephen Pinker, den Princeton-Professoren Robert Trivers, Larry Summers, E.O. Wilson, Marvin Minsky, Lisa Randall, Martin Nowak, Alan Guth

Der bei weitem größte Finanzier von "The Edge" (Wiki) und John Brockman (Wiki) war niemand geringerer als - - - Jeffrey Epstein. John Brockman wird geradezu als intellektueller Wegbereiter von Jeffrey Epstein bezeichnet, und es wird ausgeführt, daß Epstein's „Verbindung zu Edge ihm Zugang zu führenden Wissenschaftlern und Persönlichkeiten der Technologiebranche verschaffte“ (Wiki):

In einem Interview mit Prinz Andrew am 17. November 2019 erwähnte die BBC-Reporterin Emily Maitlis, daß sowohl Andrew als auch John Brockman an einem Abendessen in der Villa des Kinderhändlers Jeffrey Epstein teilnahmen, um Epsteins Haftentlassung zu feiern. Die Anklagepunkte bezogen sich auf mindestens ein Jahrzehnt Kinderhandel. Brockmans Name tauchte auch in Epsteins Privatjet-Logbuch auf. Andrews Anwesenheit in Jeffrey Epsteins New Yorker Villa wurde von Brockman selbst in E-Mails bestätigt, die in einem Bericht der New Republic vom Oktober 2019 veröffentlicht wurden. Der Bericht legte nahe, daß Brockman der „intellektuelle Wegbereiter“ von Jeffrey Epstein war.

Schon im Jahr 2004 hatte sich Jeffrey Epstein, verheiratet mit der Tochter des britisch-jüdischen Presse-Tycoons Robert Maxewell (1923-1991) (Wiki), der Wissenschaftselite der USA - - - "angenommen" (s. Abb. 2). Man sieht auf dem Foto in der zweiten Reihe stehen von links: Edward O. Wilson, Martin Nowak und auch: Daniel Dennett. Vorne am Tisch sitzt ganz links unser Idol Alan Guth. Der vierte von links scheint Robert Trivers zu sein, der fünfte Larry Summers, damals Präsident der Harvard Universität (Wiki).

Wir selbst hatten uns schon 2011 das erste mal mit der Verbindung zwischen Epstein und Martin Nowak beschäftigt (GAj2011), hatten seither aber keinen Blick mehr auf die Thematik geworfen.

Was für ein Wandel deshalb jetzt in der Sichtweise auf "The Edge", auf die von ihm beworbene "Dritte Kultur" und auf John Brockman, denen gegenüber dieser Blog seit 2006 so große Sympathien gehegt hatte. Was für ein Wandel. Was für ein Verbrechen an der Wissenschaft und ihrem bisher - über weite Bereiche - so untadeligen Ruf. Unter dem Schlagwort "Dritte Kultur" haben wir hier auf dem Blog acht Blogartikel verschlagwortet, so sehr identifizierten wir uns mit diesem Denk-Ansatz. Und nun sehen wir mehrere Idole unseres wissenschaftlichen Lebens - Edward O. Wilson, Steven Pinker, Robert Trivers, Alan Guth - mit "so jemandem" verkehren. 

Unserer Wahrnehmung nach standen die Vordenker der "Dritten Kultur" immer auch der Giordano-Bruno-Stiftung in Deutschland nahe.

Steht nicht - endlich - ein tiefes Umdenken an?!

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  1. Brockman, John: What is Your Dangerous Idea? Today's Leading Thinkers on the Unthinkable. Harper Perennial, New York 2007 (Wiki)

Mittwoch, 6. Juni 2007

Weg vom Bildschirm!

Es sind nur Hilfsmittel, der Computer und das Internet. Mehr nicht. Viele, vor allem jüngere, die von den Möglichkeiten dieser neuen Techniken fasziniert sind, vergessen das. Da mir das auch aus Rückmeldungen erkennbar wird, die ich von regelmäßigeren Lesern von "Studium generale" bekomme, nun dieser Beitrag.

Internet ist kein Lebensersatz. Im Gegenteil, es verstärkt die Gefahr, daß man sich noch stärker vom Leben entfernt als dies oft sowieso schon vorher der Fall ist bei akademischen Tätigkeiten. Auch früher gab es "Freaks", die waren quasi "mit der Wissenschaft verheiratet", waren in Bücher, Zeitschriften, im Verfassen von Manuskripten, in Laborarbeit und ähnlichen Dingen "vergraben". Oft kam dabei sogar etwas sehr Nützliches heraus. (Sehr oft!) Heute findet jedoch noch erheblich mehr Kommunikation als früher über "abstrakte Medien" statt. Und da ist man oft vor vielen Gefahren keineswegs gefeit.

Aber wie sieht es mit Studenten aus?

Eltern müssen - klar - darauf achten, daß ihre Kinder jenseits des Grundschul-Alters nicht der "Bildschirm-Welt" anheim fallen. Sie müssen die tägliche Zeit der Nutzung festlegen und sorgfältig auf die Art der Nutzung achten. - Aber wie sieht es mit Studenten aus? Ich bin - ehrlich gesagt - froh, daß es während meiner Studienzeit noch kein Internet gab. Ich bin sicher, daß es mich zu jener Zeit viel zu stark vom Studium - und auch vom Leben - abgelenkt hätte und zum unsachlichen, intellektuell undisziplinierten Herumsurfen von einem "tollen" Gedanken, von einer "tollen" Idee zur nächsten.

Das Internet ist für Wissenschaftler und Wissenschafts-Autoren, die gelernt haben, diszipliniert zu arbeiten und streng bei der Sache zu bleiben, ein eng umgrenztes Ziel zu verfolgen, eine ganz und gar hervorragende Angelegenheit. Da man viel schneller viele Arbeitsgänge fast parallel vollziehen kann, für die früher zahlreiche Arbeitsstunden von Sekretärinnen, studentischen Hilfskräften, Lektoren und anderen mehr verbraucht wurden. Da ist inzwischen viel wegrationalisiert worden, konnten viele Einsparungen vorgenommen werden, von denen wir alle profitieren - auch im wissenschaftlichen Bereich und bei der Vermittlung neuen Wissens an die Öffentlichkeit. Aber selbst viele disziplinierter arbeitende Menschen in diesen Bereichen spüren an sich selbst, daß aus den faszinierenden Möglichkeiten des Internets auch viele Gefahren sogar für sie selbst und ihre eigene Arbeit entstehen.

Mir scheint es fast so, daß die Regel, daß Studenten nicht mehr als eine oder eineinhalb Stunden täglich im Internet verbringen sollten, eine sehr nützliche ist. Der Rest gehört Büchern, Lehrbüchern, Seminaren, Vorlesungen, also insgesamt dem studentischen Leben außerhalb des Netzes. Das muß ich als Betreiber eines Wissenschafts-Blogs, der ja gerade auch diese Lesergruppe anspricht, mal so deutlich wie möglich zum Ausdruck bringen.

Nur als Beispiel: Auch der Besuch von Buchhandlungen, Antiquariaten und von (nicht-digitalen) Bibliothken ist für mich heute immer noch genauso wichtig wie vor der Zeit des Internets. Ich stoße da - heute wie früher - auf viele Dinge, auf die ich im Internet nie gestoßen wäre. Unmittelbar ein Buch, eine Zeitschrift in die Hand zu nehmen und in ihnen zu blättern, ist etwas ganz anderes und vermittelt sofort erheblich mehr Informationen, als nur die Beschreibung eines Buches (im Netz) zu lesen. Und mit wievielen anderen Dingen ist es nicht ganz genauso?

In dem Augenblick, wo ich merke, daß (auch) "Studium generale" vornehmlich der Vermehrung "digitaler Kommunikations-Muffel" und "Autisten" dient - und das geschieht fast zwangsläufig -, sehe ich dringend Notwendigkeiten, "Gegenstrategien" zu entwickeln. Deshalb jetzt, hier und heute die erste Forderung an alle Leser: Weg vom Bildschirm!

Wikipedianer verabreden sich zu regionalen Treffen ...

Aber es erscheint mir sinnvoll, dann auch folgerichtig zu sein, und diesen Gedanken weiterzuverfolgen: Auch andere Internet-Nutzer-Gruppen haben längst die Notwendigkeit von persönlichen Treffen außerhalb des Netzes erkannt. Die Wikipedianer verabreden sich zu regionalen Treffen. Ebay organisiert solche (wenn ich nicht irre). Und viele andere tun das - in höchstgradig sinnvollerweise - auch. Solche Gegenstrategien erscheinen mir außerordentlich wichtig. Und um nicht unglaubwürdig zu werden, muß "Studium generale" über kurz oder lang derartige Dinge auch ins Auge fassen.

Das würde also, soweit ich sehe, darauf hinauslaufen, daß sich regelmäßigere Leser an Wochenenden in größerer oder kleinerer Runde treffen, um sich persönlich austauschen zu können, Themen durch Teilnehmer-Referate und anschließende Diskussionen vertiefen zu können, vielleicht Referenten einladen und - möglicherweise (warum nicht?) - eine neue Kultur der "Lebensreform" auch praktisch verwirklichen und weiterentwickeln. Denn was kann Beschäftigung mit Wissenschaft denn anderes bedeuten als eine Lebensreform zu erstreben? Aus neuem Wissen, aus neuer Technik ergeben sich zwangsläufig Schlußfolgerungen für die Neugestaltung des Lebensalltags. Erste Vorbilder für mich wären etwa Wissenschaftler wie Werner Heisenberg, Nils Bohr, Max Delbrück, die mit ihren Familien, Studenten und Kollegen eine akademische Lebenskultur auch jenseits des fachwissenschaftlichen Austausches aufgebaut haben, die faszinierend ist.

Werner Heisenberg etwa war aus der Jugendbewegung hervorgegangen und hat bis an sein Lebensende - etwa mit Nils Bohr, seinen Studenten, seiner Familie, Kollegen - Wanderungen unternommen, Skitouren, Tischtennis gespielt, gemeinsame Konzerte veranstaltet oder besucht und vieles andere mehr. Max Delbrück hat Theaterstücke einstudiert. Es muß also nicht unbedingt gerade nur allein im Stil von Fischblog's Freizeit-Veranstaltungen zugehen ;-). (Kleiner Scherz am Rande. Ist nicht so gemeint! Der Möglichkeiten gibt es viele - warum nicht auch diese?!)

... und wie sieht es aus mit Wochenendtreffen von "Studium generale"-Lesern?

Da man sich sowieso mit dem Freundeskreis von (früheren) Kommilitonen und ihren Familien ab und an trifft und irgend etwas unternimmt - warum derartiges nicht erweitern zu Wochenend-Treffen eines "Studium generale"? Diese sprechen dann natürlich nicht nur Akademiker und Studenten an, sondern - wie die Volkshochschulen - alle Menschen. Die Idee der Volkshochschule ist ja übrigens genauso aus den vielfältigen, kulturellen Bestrebungen am Anfang des 20. Jahrhunderts hervorgegangen wie beispielsweise die Idee der Jugendherbergen. Warum also nicht an diese Traditionen anknüpfen, sie weiterführen, wiederbeleben?

Oft verstauben derzeit solche Bemühungen nur in Archiven oder wenig bekannten Historikergruppen. So beispielsweise in der meiner Meinung nach sehr wertvollen Arbeit des "Archivs der deutschen Jugendbewegung" auf Burg Ludwigstein. (1) Meine beiden Omas waren sangesfrohe Wandervögel, deren Zukunftshoffnungen und -bestrebungen derzeit in diesen Archiven und wenigen "historischen Studien" verstauben und vergammeln. Warum so etwas nicht wiederbeleben, wie es ausdrücklich das Anliegen auch der genannten historischen Forschungen ist? (1) Eine Alternative zu den autistischen Tripps von derzeitigen deutschen Bestseller-Autoren, die einem - obwohl jenseits der digitalen Welt - immer noch ziemlich autistisch vorkommen, wäre es auf jeden Fall.


1. Diethart Kerbs/Jürgen Reulecke: Handbuch der deutschen Reformbewegungen 1880 bis 1933, Verlag Hammer, 1998 (Amazon)
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