Dienstag, 30. Juni 2020

Die Ursprungsvölker Europas

Während und nach der letzten Phase der Eiszeit
- Ein Überblick

Bei den sogenannten "archäogenetischen Linien" (Wiki), die bis heute bekannt und erforscht sind, handelt es sich um "Völkergruppen" von Jäger-Sammler-Völkern, die vor dem jeweiligen regionalen Übergang zum Ackerbau große Territorien vergleichsweise dünn besiedelt haben (s.a. Wiki). Aus ihnen sind - zu unterschiedlichen genetischen Anteilen - die nachfolgenden Völkergruppen der frühen europäischen, neolithischen Bauernkulturen und der ersten Staaten Europas hervorgegangen.

Als erstes Ursprungsvolk sind zu nennen die Jäger und Sammler, bzw. ersten Bauern des Levanteraumes, die sogenannten "Natufier" (Erntevölker mit dörflicher Halbseßhaftigkeit in Rundhäusern, sowie auch schon mit Hausmaus) (Abb. 1). Diese sind erstmals in der Menschheitsgeschichte zum Vollneolithikum übergegangen und haben einen großen Teil der heute in Europa verbreiteten Pflanzen- und Tierarten domestiziert.*) Dies geschah an den Oberläufen von Euphrat und Tigris in der Südtürkei, im Kernraum des sogenannten "Fruchtbaren Halbmonds".

Von diesen haben dann die anatolischen Jäger und Sammler ab 7000 v. Ztr. den Ackerbau übernommen und sind so zur großen Völkergruppe der anatolisch-neolithischen Bauernvölker (Wiki) geworden, die sich in den nachfolgenden Jahrtausenden bis auf die britischen Inseln und bis nach Skandinavien ausgebreitet hat. Zu ihnen gehörte beispielsweise auch der berühmte Ötzi (Wiki) aus der Zeit um 3.300 v. Ztr., aus der Zeit der letzten Phase der von diesen Völkern getragenen mittelneolithischen Geschichtsepoche mit den ersten Staaten und ersten Städten Europas. In Südeuropa, im Mittelmeerraum und bis Indien tragen Menschen in unterschiedlichen Anteilen Genetik dieser Völkergruppe in sich, wobei die heutigen Sarden auf Sardinien am meisten genetische Herkunft auf sie zurückführen können (etwa 60 %).

Abb. 1: Verbreitung der Ursprungsvölker Europas aus Sicht der Archäologie: Mittelmeer-Kulturen ("anatolische Jäger und Sammler"), Kulturen der Mittleren Donau (vermutlich "osteuropäische Jäger und Sammler"), Trialetien ("kaukasische Jäger und Sammler", Zarzian (iranische Jäger und Sammler), sowie Natufium (levantinische Jäger und Sammler) (Wiki)
Zu den europäischen Ursprungsvölkern gehören sodann die spanischen Jäger und Sammler, benannt als "Goyet-Cluster" (Wiki), nämlich nach Menschenfunden in einer gleichnamigen Höhle in Belgien (!). Diese Herkunftsgruppe hat ursprünglich einmal die Eiszeitkultur des Magdalenien (18.000 bis 12.000 v. Ztr.) (Wiki) in Frankreich und Spanien getragen (1). Sie ist heute weitgehend ausgestorben, war aber bis nach Süddeutschland, Nordostfrankreich und Belgien verbreitet und hat sich daselbst schon während des Magdalenien auch mit den westeuropäischen Jägern und Sammlern (Wiki) vermischt. Die Einzelheiten dieser Vorgänge - insbesondere während der Eiszeit - sind von der Forschung wohl in den nächsten Jahren noch zu klären. Nach einem Menschenfund aus Nordostfrankreich um 5.100 v. Ztr. haben sich Menschen dieser Herkunftsgruppe aber auch noch mit den zugewanderten anatolisch-neolithischen Bandkeramikern vermischt (1).

Die westeuropäischen Jäger und Sammler sind jedenfalls fast das wichtigste europäische Ursprungsvolk. Es handelt sich um dunkelhäutige, blauäugige Menschen, die sich nach der Eiszeit von Norditalien ("Villanova-Cluster") bis auf die britischen Inseln ("Cheddar-Man" [Wiki]) und bis nach Skandinavien ausgebreitet haben. Die westeuropäischen Jäger und Sammler haben einen nicht unbeträchtlichen genetischen Einfluß auf die Völker des Neolithikums Europas genommen (meistens 10 bis 30 % genetische Anteile), meistens auffälliger Weise über die männliche Linie. Diese Völkergruppe hat in Rückzugsräumen auch noch lange parallel zu umgebenden Bauernvölkern gelebt. Es hat mit den Bauernvölkern etwa von Mittelpommern aus auf Fischerbooten Handel über die Flüsse Oder und Weichsel getrieben. In Skandinavien (z.B. auf der Insel Gotland) befand sich einer ihrer letzten Rückzugsräume während der Frühbronzezeit. Es handelte sich hierbei um die Kultur der Grübchenkeramik (Wiki). Nach 2.300 v. Ztr. ist diese Völkergruppe kulturell und genetisch ausgestorben. Wir heutigen Europäer tragen allerdings noch einige wenige genetische Anteile von ihr in uns. Ehre ihrem Angedenken! Sie waren tapfere Seeleute, tapfere Fischer und Krieger. Sie haben viele Jahrhunderte, ja Jahrtausende friedlich im Austausch mit den umliegenden Bauernvölker gelebt (in den Höhenlagen der deutschen Mittelgebirge, sowie z.B. im Umkreis der Blätterhöhle in Westfalen, am Schweriner See, in Mittelpommern ...), aber sie haben sich - wenn es notwendig war - auch tapfer und erfolgreich gegen diese Bauernvölker gewehrt und wurden dann - gerne auch einmal - von ihnen als Gefangene blutig geopfert. Sie trugen in unterschiedlichen genetischen Anteilen zu den Völkern des Mittelneolithikums bei.

In dem schon 1878 erschienenen, noch heute lesenswerten historischen Roman "Rulaman" (von David Friedrich Weinland) (Wiki) ist dieser Völkergruppe ein Andenken gegeben worden, das noch einige Gültigkeit für sich beanspruchen darf. Der Roman schildert auch das erste Zusammentreffen der dunkelhäutigen Einheimischen, die in den Höhlen der Schwäbischen Alp lebten, mit den hellhäutigen Bauern, die aus dem Süden her zuwanderten. Er hat damit intuitiv ein Geschehen vorweg genommen, das sich - nach heutigem Kenntnisstand - genau so ab etwa 5.500 v. Ztr. in Höhlen in der Schwäbischen Alp abgespielt haben kann und in nachfolgenden Jahrhunderten und Jahrtausenden immer und immer wieder bis hoch auf die britischen Inseln und bis hoch nach Skandinavien.

Abb. 2: Illustration aus dem Roman "Rulaman" von 1878
Zu den Ursprungsvölkern Europas gehörten weiterhin die hellhäutigen, osteuropäischen Jäger und Sammler (Wiki). Ihr Verbreitungsraum reichte von Sibirien bis nach Ungarn und bis in den Ostseeraum. Schon um 15.000 v. Ztr. haben Angehörige dieser Völkergruppe am Jennisei in Sibirien blonde Haarfarbe aufgewiesen. Sie sind zu nicht geringen genetischen Anteilen unsere Vorfahren. Vermutlich stammen alle blonden Menschen weltweit von ihnen ab.

Weiterhin gehören zu den Ursprungsvölkern Europas die kaukasischen Jäger und Sammler (Wiki). Sie finden sich wieder in der archäologischen Kultur des Trialetien (Wiki). Sie lebten vor allem von der Jagd auf Steinböcke, Wildschweine und Braunbären. Nach den neuesten Untersuchungen zur Domestizierung der Ziege haben gleich fünf der Ursprungsvölker Europas je ihre eigenen Ziegen domestiziert (2, 3). Ursprungspopulationen domestizierter Ziegen sind nachgewiesen sowohl für das westliche Zagros-Gebirge, für die Südhänge des Kaukasus, sowie für die Nordhänge des Kaukasus. Andere Ursprungspopulationen befinden sich außerdem im Levanteraum, in Südanatolien und auf der griechischen Halbinsel. Offenbar haben die Archäogenetiker einen vergleichbaren Unterschied in der Genetik der Menschen des Kaukasus mit denen des Iran bislang nicht gefunden. Aus genetischer Sicht scheint die Völkergruppe der kaukasischen Jäger und Sammler diejenigen des Iran (Zagros-Gebirge) und diejenigen am kaspischen Meer mit einzuschließen. So der derzeitige Forschungsstand.

Die skandinavischen Jäger und Sammler (Wiki) werden von den Archäogenetikern als eine Mischung zwischen westeuropäischen Jägern und Sammlern, die zuerst die Südküste der Ostsee besiedelt haben, und osteuropäischen Jägern und Sammlern, die zuerst die Nordküste der Ostsee besiedelt haben, beschrieben. 2017 behandelte eine entsprechende archäogenetische Studie die genetische Geschichte der Maglemose- (Wiki), der Kongemose- (Wiki) und der aus ihr folgenden Ertebolle-Kultur (Wiki) im Nord- und Ostseeraum zwischen dem heutigen England und Finnland und kam auf die genannten Ergebnisse (4). Und sie kamen zugleich zu dem Ergebnis, daß diese Völker genetisch heute als ausgestorben zu gelten haben.

Schließlich ist ab 4.800 v. Ztr. an der Mittleren Wolga das dort entstandene Volk der "Steppenhirten" (Wiki) zu nennen, bzw. der Indogermanen, die aus der Chwalynsk-Kultur hervorgegangen sind und die zu 43 % kaukasische Jäger-Sammler-Genetik in sich trugen und zu 57 % osteuropäische Jäger-Sammler-Genetik. Aus diesem Volk ging im Verlauf des Spätneolithikums und der nachfolgenden Geschichtsepochen eine ganz neue, riesige Völkergruppe hervor, deren Völker sich über ganz Asien, Europa und zum Teil über den Vorderen Orient ausbreiteten, und von der viele, weltgeschichtlich große Völker schon am Ende der Spätantike wieder untergegangen sind (antike Griechen, antike Römer, antike Perser, antike Sogder, antike Tocharer, Skythen und viele andere mehr). Bei ihr handelt es sich um jene Völkergruppe, auf die die heutigen Europäer zu größten Teilen ihre genetische Herkunft zurückführen können.
_____________
*) "Desperate times forced rise of farming." (New Scientist 1994) - "Notzeiten (Hungerzeiten) waren (vermutlich) der Antrieb zum Übergang zum Ackerbau".
**) Zitat (1):
Die Beobachtung, daß diese Herkunft von GoyetQ2 in Jägern und Sammlern gemeinsam mit Villabruna-Herkunft gefunden wurde Les Perrats im westlichen Frankreich (∼9,100 calB.P.), ebenso wie in Jägern und Sammlern in Rigney1 (zentralöstliches Frankreich; ∼15,500 calB.P.) und in zwei Höhlen im südwestlichen Deutschland, Hohlefels (∼15,000 calB.P.) und Burkhardtshöhle (∼14,600 calB.P.), legt eher nahe, daß diese gemischte Herkunft ein Charakteristikum der westeuropäischen Jäger und Sammler gewesen ist.
Original: The observation that the ancestry of GoyetQ2 was found alongside Villabruna ancestry in HGs from Les Perrats in western France (∼9,100 calB.P.), as well as in HGs from Rigney1 (central-eastern France; ∼15,500 calB.P.) and from two caves in southwestern Germany, Hohlefels (∼15,000 calB.P.) and Burkhardtshöhle (∼14,600 calB.P.), rather indicates that this mixed ancestry is characteristic of western European HGs.
Man wird gespannt sein dürfen, nach welcher Richtung hin sich die hier andeutenden Forschungsergebnisse künftig noch klären werden.
___________
  1. Ancient genomes from present-day France unveil 7,000 years of its demographic history. May 2020, Proceedings of the National Academy of Sciences 117(23):201918034, DOI: 10.1073/pnas.1918034117, veröffentlicht 26.5.2020, Samantha Brunel, Andrew Bennett, Laurent Cardin ... Melanie Pruvost, https://www.pnas.org/content/117/23/12791.abstract?etoc
  2. Kevin G. Daly et. al.: Ancient goat genomes reveal mosaic domestication in the Fertile Crescent. Science 06 Jul 2018: Vol. 361, Issue 6397, pp. 85-88, DOI: 10.1126/science.aas9411 http://science.sciencemag.org/content/361/6397/85.full.
  3. https://studgendeutsch.blogspot.com/2020/04/das-volk-der-cardial-keramik-es-stammt.html
  4. Torsten Günther, Helena Malmström, Emma Svensson, (...) Jan Storå, Anders Götherström, Mattias Jakobsson: Genomics of Mesolithic Scandinavia reveal colonization routes and high-latitude adaptation. doi: https://doi.org/10.1101/164400, Preprint 30.7.2017, https://www.biorxiv.org/content/early/2017/07/30/164400, veröffentlicht 9.1.2018, https://journals.plos.org/plosbiology/article?id=10.1371/journal.pbio.2003703

Freitag, 19. Juni 2020

"Eine dynastische Elite in der Megalithkultur" Europas (3.500 v. Ztr.)

Waren die Megalith-Gräber Grablegen von Großkönigen? - Königsdynastien und ihre Städte im europäischen Mittelneolithikum (4200 bis 3100 v. Ztr.)

Schon vor zehn Jahren beschäftigten wir uns hier auf dem Blog mit archäologischen Hinweisen auf Rinderwagen-Prozessionen entlang der Gräber von angesehenen Vorfahren in Norddänemark aus der Zeit um 3.100 v. Ztr. (25), also kurz vor dem Untergang der dortigen Trichterbecherkultur (oder während desselben), bzw. während des dortigen Einmarsches der osteuropäischen Kugelamphoren-Kultur, gemeinsam mit oder zeitlich kurz darauf gefolgt von der Schnurkeramik-Kultur (26). Diese Erkenntnisse drängten uns schon vor zehn Jahren das Bild auf, daß das erste Auftreten von Rinderwagen in der europäischen Geschichte und Hinweise auf das früheste Bestehen von staatlichen Strukturen, von Zentralverwaltungen, Herrschersitzen parallel miteinander gingen (Abb. 1). Und genau dieser Umstand wird neuerdings durch eine schon auf der Titelseite von "Nature" mit "Familienbande" angekündigten archäogenetischen Studie zum mittelneolithischen Hochadel Irlands deutlich untermauert (21-23).

Abb. 1: Frauen ziehen auf Ochsenwagen aus einer eingenommenen Stadt ab - Eindrucksvolles Wandrelief im Palast des neu-assyrischen Königs Tiglathpileser III (etwa 745-725 v. Ztr.) (Wiki) - Das erste Auftreten von Rinderwagen und die früheste Staatenbildung im europäischen Mittelneolithikum scheinen parallel gegangen zu sein (25).

"Eine dynastische Elite in der Megalithkultur" ("A dynastic elite in monumental Neolithic society"), so lautet der eigentliche Titel dieser Studie, die vor zwei Tagen erschienen ist (21-23). Sie weist auf die mögliche Existenz einer stark hierarchisch gegliederten Gesellschaftsstruktur im europäischen Mittelneolithikum hin für die Zeit um 3.500 v. Ztr.. Im Mittelpunkt steht insbesondere die berühmte irische Grabanlage Newgrange (Wiki) (Abb. 2). Die Archäogenetik liefert hier Hinweise auf eine komplexe und hierarchisch gegliederte Gesellschaftsstruktur, an deren Spitze Groß-Könige ("Gott-Könige") standen, die zudem aus einem reichsweiten Hochadel ("Elite") hervorgegangen sind, der untereinander heiratete, und in der auch kulturell sehr seltene Geschwisterehen praktiziert wurden.

Bis 3.800 v. Ztr. hatten in Irland über lange Jahrtausende endogam lebende mesolithische westeuropäische Fischer, Jäger und Sammler gelebt, deren Herkunft ursprünglich auf Norditalien zurück geführt werden kann (das westeuropäische "Villanova-Cluster"), von wo aus sich diese Völkergruppe nach der Eiszeit bis nach Irland und Skandinavien ausbreitete. Die irische Untergruppe dieser Völkergruppe wies über Jahrtausende hinweg nur wenig genetischen Austausch mit Kontinentaleuropa oder England auf.

Abb. 2: Newgrange (Fotograf: Ingo Winkler) (Wiki)

3.800 v. Ztr. brachten dann seßhafte Bauernvölker - vorwiegend anatolisch-neolithischer Herkunft und vermutlich aus Spanien (21, 24) - die bäuerliche Lebensweise nach Irland. Das vorherige Volk der westeuropäischen Fischer, Jäger und Sammler starb in den folgenden Jahrhunderten auf Irland genetisch fast vollständig aus. Die Zuwanderer errichteten ab 3.500 v. Ztr. die sogenannten "Passage Tombs". Diese monumentalen Grabanlagen scheinen getragen gewesen zu sein von einer Reichselite, einem Hochadel, aus dem - wie schon gesagt - Groß-Könige hervorgingen (21-23). Familien, in denen Inzest nicht Tabu war, waren - kulturgeschichtlich bezeugt - weltweit oft führende Königsfamilien. Ein solcher Fall scheint nun auch für Irland für die Zeit um 3.100 v. Ztr. nachgewiesen zu sein (21-23). Die abschließenden Worte der Studie lauten (21):
Zusammen mit Abschätzungen der Inzucht und der genetischen Verwandtschaft erweitern unsere Methoden das Repertoire, mit Hilfe dessen die Entwicklung von bäuerlichen Gesellschaften von kleinen Häuptlingschaften zu (großen) Zivilisationen erforscht werden kann. Insbesondere untermauern unsere Ergebnisse eine Neubewertung der sozialen Schichtung und der politischen Integration in den Megalithkulturen an der Atlantikküste. Sie legen nahe, daß diese Passage-Tomb-Gesellschaften in Irland mehrere Kennzeichen besaßen, die innerhalb von frühen Staaten und ihren Vorläufern gefunden werden können.
Original: Together with estimations of inbreeding and kinship, these methods broaden the scope within which we can study the development of agricultural societies from small chiefdoms to civilizations. Specifically, our findings support a reevaluation of social stratification and political integration in the megalithic cultures of the Atlantic seaboard, and suggest that the passage-tomb-building societies of Ireland possessed several attributes found within early states and their precursors.
Das sind überraschend weitreichende Einsichten. Dabei spricht auch der Archäologe Detlef Gronenborn seit mehreren Jahren mit Bezug auf die zeitgleiche Michelsberger Kultur im Raum von Frankfurt am Main - aufgrund der Erforschung von solchen mittelneolithischen Höhenburgen wie der auf dem Kapellenberg bei Frankfurt oder auf dem Glauberg in Mittelhessen in ähnlicher Weise von "Anfängen der Urbanisierung", und zwar zwischen 4200 und 3500 v. Ztr. (18).

Abb. 3: Umschlagbild zu Newgrange: "Familienbande"
Auf dem Kapellenberg hat er den Grabhügel einer prestigeträchtigen Person ergraben, die kulturelle und Handelskontakte über das Pariser Becken bis in die Bretagne, sowie bis in den Raum von Halle im heutigen Sachsen-Anhalt und bis in den Raum von Stuttgart aufrecht erhielt (18, 19).

Solche Sichtweisen gehen ja nun schon weit über die These von der mitteleuropäischen bronzezeitlichen Stadtgeschichte hinaus, die wir seit etwa zehn Jahren hier auf dem Blog vertreten haben, und bei der wir glaubten, uns recht weit im Vorfeld der Mehrheitsmeinung in der Universitäts-Archäologie zu bewegen. Mit diesen Studien schließt diese nun schnell und zügig auf.

Gut kann man sich solche prestigeträchtigen "Königsgräber" übrigens verbunden denken mit den steinernen Eigendarstellungen eben dieser mittelneolithischen europäischen Kulturen, die wir hier auf dem Blog schon behandelt haben, und die durch diese neue Sichtweisen ebenfalls eine ganz neue  Einordnung erhalten (20). Es wird sich um die Darstellungen von Angehörigen der gesellschaftlichen Eliten handeln. All das würde heißen, daß die von Osten her ab 2.800 v. Ztr. erobernd sich über Europa ausbreitenden Königreiche der Schnurkeramik- und Glockenbecher-Kultur schon auf ebenso hierarchisch gegliederte einheimische Königreiche und Fürstentümer gestoßen sind. Das ändert völlig die Sichtweise auf das europäische Mittelneolithikum.

Insgesamt machen diese neuen Forschungen auf Umstände aufmerksam, deren Bedeutung man sich in der Forschung erst allmählich, nach und nach deutlicher bewußt werden wird und die man sich erst nach und nach wird vergegenwärtigen können. Zum Beispiel: Jene Prozesse des "genetic replacement", die ab 2.800 v. Ztr. die heutige genetische Verfaßtheit Europas hervorbrachten, fanden innerhalb staatlicher Strukturen statt, innerhalb staatlicher Strukturen in Form von Fürstentümern, vielleicht von Großreichen. Und damit dürften dann noch zahlreiche andere Schlußfolgerungen verbunden sein, die von den meisten Forschern heute vermutlich noch gar nicht zu Ende gedacht sind. So wird früher oder später geschlußfolgert werden können oder müssen, daß schon die proto-indeuropäischen Gottvorstellungen (Wiki) sozusagen "Reichsgottheiten" darstellten, Gottheiten also, die im Rahmen von größeren staatlichen Strukturen verehrt und angebetet worden sind - so wie das dann auch schon von den vorindogermanischen, mittelneolithischen Gottheiten wird angenommen werden können. Solche Großreiche deuten sich ja für Mittel- und Nordeuropa in den letzten Jahren auch immer mehr für die Bronzezeit an.

Vielleicht ist deshalb auch die staatliche Verfaßtheit der keltischen und germanischen Stämme wie sie in der Klassischen Antike von den Griechen und Römern des Mittelmeerraumes überliefert worden ist, noch gar nicht voll verstanden worden. Zum einen könnte sie einen kulturellen und zivilisatorischen Zustand festgehalten haben, wie er sich erst nach der Umbruchzeit um 1200 v. Ztr. in Mittel- und Nordeuropa ergeben haben könnte, wo es vorher - seit dem Mittelneolithikum - schon deutlich weiter fortgeschrittene staatliche Strukturen gegeben haben könnte. Zum anderen könnte es aber auch sein, daß man die schriftlichen Quellen der Griechen und Römer unter solchen Aspekten einfach noch einmal neu lesen muß.

Anhang: Breitete sich die Hausmaus mit dem Rinderwagen in Europa aus?


Eine weitere, neue archäogenetische Studie
- Sie kann - mit viel Aufwand - erneut nicht besonders viel klären
Wann also kommt sie endlich in Schwung, die deutsche, archäologische Hausmaus-Forschung?

Aber auch im Bereich der Hausmaus-Forschung ist soeben eine neue Studie erschienen (1). Dr. David Orton (Universität York) konnte ein wichtiges Puzzelteil zu dieser Studie beitragen, nämlich weitere Belege für das Vorhandensein der osteuropäischen Hausmaus (!) in Serbien um 4.500 v. Ztr. (2, 3).




Ob aber mit dieser Studie nun das Bild der frühesten Ausbreitung der Hausmäuse nach Europa insgesamt mehr Sicherheit erlangt als bisher? Diese Studie geht davon aus, daß die Hausmäuse sich erst in der Eisenzeit in Europa ausgebreitet haben. Uns war die Datenlage für diese These bislang zu dünn (4). Zumal ja schon im Jahr 2008 eine Studie von frühbronzezeitlichen Hausmäusen in Südengland berichtete (5). Die Studie zur Geschichte der Hausmaus auf den britischen Inseln von 2008 wird aber in dieser neuen Studie aus dem Jahr 2020 noch nicht einmal erwähnt. Dieser Umstand verstört uns. Wird diese britische Studie aus dem Jahr 2008 nicht als gute Forschung angesehen?

Daß es so auffallenderweise - nach einer Studie aus dem Jahr 2018 - die Syrische Wildkatze in der Nähe Rinderwagen besitzender bäuerlicher Siedlungen in Mitteleuropa gegeben hat (6, 7), wird in dieser neuen Studie als wichtiger Umstand benannt (1):
Paläogenetische Studien liefern eine klaren Hinweis darauf, daß die erste von Menschen vermittelte Verbreitung der Syrischen Wildkatze nach Europa von Anatoloien ausging und sich über das heutige Bulgarien um 4.400 v. Ztr., Rumänien um 3.200 v. Ztr. und Polen um 3.000 v. Ztr. vollzog.
Paleogenetic studies provide clear evidence that the first human mediated dispersal of F. s. lybica towards Europe stemmed from Anatolia, spreading towards current Bulgaria by 6,400 cal BP, Romania by 5,200 cal BP and up to Poland by 5,000 cal BP.
Tatsächlich weisen derzeit alle sichereren Forschungsergebnisse darauf hin, daß sich die (osteuropäische) Hausmaus und damit einhergehend die Syrische Wildkatze erst mit dem Rinderwagen erstmals in Europa ausgebreitet hat.

Von über 800 Funden von Mausüberresten in archäologischen Kontexten konnten nur 85 aufgrund äußerer anatomischer Merkmale Unterarten zugeordnet werden (1). Chemische und genetische Untersuchungsmethoden liefern inzwischen weitaus sicherere Daten. Die Studie konnte die westeuropäische Hausmaus (M. m. domesticus) in Höhlen des Zagros-Gebirges des Iran schon ab 40.000 v. h. feststellen (also während der Eiszeit), allerdings noch nicht im Zusammenhang mit Hinweisen auf menschliche Aktivitäten. Ähnliches gilt für die osteuropäische Hausmaus (M. m. musculus) am Südufer des Kaspischen Meeres.

Wie wir schon wissen, findet sich die westeuropäische Hausmaus dann schon in den Siedlungen des Natufium und des vorkeramischen Neolithikums im Fruchtbaren Halbmond an den Oberläufen von Euphrat und Tigris, in der Ursprungsregion der Seßhaftigkeit und des Ackerbaus (1, 9). Über die weitere Ausbreitung heißt es dann (1):
Nördlich des Kernbereiches des akeramischen Neolithikums fanden wir Hinweise für spätneolithische und kupferzeitliche Ausbreitung der westeuropäischen Hausmaus Richtung Kaukasus (....) zwischen 3.000 und 2.000 v. Ztr., was die Rolle des Nahen Osten bei dem neolithischen Verbreitungsmuster (der Hausmaus) unterstreicht. Östlich davon finden wie die Anwesenheit der westeuropäischen Hausmaus im südlichen Zagros und auf dem iranischen Plateau zwischen 5.000 und 4.000 v. Ztr..
Northward from the PPN core area, we found evidence for the Late Neolithic and Chalcolithic dispersal of M. m. domesticus towards Transcaucasia in Norsun Tepe and Ovçular Tepesi, between 5,000 and 4,000 cal BP (...), supporting the role of the Near East in the Neolithic makeup of Transcaucasia. Eastward, we found the presence of M. m. domesticus in the southern Zagros (Tol-e Nourabad) and Iranian Plateau (Tepe Zagheh) between 7,000 and 6,000 cal BP.
Dann folgt das vermutlich wichtigste Ergebnis dieser Studie: Um 6.000 und 5.000 v. Ztr. findet sich die Hausmaus auf dem griechischen Festland in Siedlungskontexten ausdrücklich noch nicht (1):
Alle zehn Mausüberreste aus früh-, mittel- und spätneolithischen Kontexten im kontinentalen Griechenland konnten als autochthoner "Wild-"Phänotyp (Mus macedonicus) sowohl aufgrund anatomischer Merkmale wie Cytochrom b-Untersuchungen  identifiziert werden, wobei diese direkt datiert werden konnten auf 6.000 v. Ztr. und 5.000 v. Ztr..
All of the ten samples from Early, Middle and Late Neolithic contexts from continental Greece have been identified as the autochthonous “wild” phenotype (Mus macedonicus) with GMM and Cytochrome b (...) and directly dated at Mavropigi (8,455 - 7,329 cal BP) and Avgi (7,424 - 7,175 cal BP). (...) In Aegean contexts, the occurrence of M. m. domesticus is only documented from the Bronze Age (...), where it occurs in all the Early, Middle and Late Bronze Age contexts of urban sites in Crete (GSE, Chania, Mochlos, and Malia) and Santorini (Akrotiri), strongly supporting the absence of house mouse in Neolithic contexts. Its occurrence in Akrotiri is confirmed by the Cytochrome b identification dated between 4521 and 3,864 cal BP.
Das ist ein sehr wichtiger Hinweis. In der Ägäis können Hausmäuse erst in der Bronzezeit nachgewiesen werden. Stattdessen finden die Forscher, daß nicht die westeuropäische, sondern die osteuropäische Hausmaus die erste Hausmaus-Unterart ist, die - für sie sicher - auf dem europäischen Kontinent nachgewiesen ist (1):
Ihr Auftreten ist dokumentiert in spätneolithischen / kupferzeitlichen Haushalts-Funden (4.500 v. Ztr.) in Tell-Siedlungen in Südost-Rumänien und Serbien.
Its occurrence is documented from Late Neolithic / Chalcolithic household deposits (mid 7th millennium BP) from tell sites in Southeastern Romania (Bucșani) and Serbia (Vinča-Belo Brdo). Its identification has been confirmed in Bucșani by ancient Cytochrome b sequences, secured for six specimens and a direct radiocarbon dating between 6,627 and 6,413 cal BP (...). The M. m. musculus remains in Vinča-Belo Brdo have not been directly dated but they have been sampled from a deposit that derives from a fire event confidently dated to 6510–6460 cal BP. The occurrence of commensal musculus has also been documented in Turkmenistan by 3,000 cal BP, with the remains of musculus being found in a storage jar from the proto-urban tell site of Ulug Depe.
An diesem Forschungsergebnis hatte, wie schon angedeutet, David Orton Anteil. Sein Anteil (2, 3) macht aber klar, wie kursorisch und zufällig und wenig systematisch die Hausmaus-Forschung für Kontinental-Europa immer noch ist. Wenn in dieser neuen Studie über 800 Hausmaus-Funde aus ganz Südwest-Asien gesammelt worden sind, das Ergebnis unser Wissen aber dennoch nur in der eben umrissenen Weise erweitert, dann sieht man daran, wie schwer hier Erkenntnisfortschritte zu erlangen sind. Würden die deutschen Zooarchäologen sich - endlich - intensiver in diese Forschungen einschalten, müßten doch recht zügig gültigere Forschungsergebnisse zu erlangen sein. Forschungsergebnisse jedenfalls, auf die wir hier auf dem Blog seit 12 Jahren warten.

Ein wichtiges Puzzelstück konnte aufgrund guter Überlegungen beigetragen werden


Denn dieses Thema ist uns hier auf dem Blog seit 2008 wichtig. Das neue Forschungsergebnis, daß sich die osteuropäische Hausmaus um 4.500 v. Ztr. auch schon in Serbien findet, ändert insgesamt das hier auf dem Blog vermittelte Bild noch wenig. Auch dies fällt in den Zeitraum, in dem sich die ersten Indogermanen gerne auch schon - wie bis Rumänien - bis Serbien ausgebreitet haben und dabei die osteuropäische Hausmaus von den Ufern des kaspischen Meeres oder vom Kaukasus aus mitgebracht haben (oder von noch weiter östlich ..., nämlich: China) (9).
Die bisherigen spärlichen Hinweise in der archäologischen Literatur auf Überreste von Hausmäusen aus der Bandkeramik (insbesondere in Bylany), die wir hier auf dem Blog zusammen getragen hatten (10-14), wären also damit noch einmal erneut daraufhin zu überprüfen, ob es sich bei ihnen um die west- oder die osteuropäische Hausmaus handelt. Uns gefällt übrigens sehr der Ausgangspunkt der Überlegungen von David Orton (zit. n. 2):
"Die Leute sagten, daß Mäuse sich während des Neolithikums nicht nördlich des Mittelmeeres ausgebreitet haben, weil europäische Siedlungen nicht groß und dicht genug gewesen wären, um ihnen den ihnen angemessenen Lebensraum zu liefern. Aber nachdem ich diese großen Siedlungen an den serbischen Ausgrabungsorten kennen gelernt hatte, wußte ich, daß das so generell nicht wahr sein kann."
"People have said that mice didn't spread north of the Mediterranean in the Neolithic because the European settlements just weren't big or dense enough to support them, but having worked on these big Serbian sites I knew that wasn't universally true."
Das waren kluge Überlegungen, die unseren eigenen entsprechen, und die ja auch durch die Natufium-Studie sehr erhärtet worden sind (8). Wir möchten an dieser Stelle noch einmal auf unsere eigenen Überlegungen hinweisen, nach denen es vor der Eisenzeit niemals eine höhere Siedlungsdichte gegeben hat als zur Zeit der Bandkeramik (15). Diese unsere Überlegungen aus der Zeit zwischen 1995 und 2008 hatten allerdings noch nicht die Existenz der bronzezeitlichen mitteleuropäischen Höhenburgen und protourbanen Siedlungen mit einbeziehen können. Mit diesen ist ja - vermutlich - die Hausmaus in der Frühbronzezeit nach Südengland gekommen.

Natürlich stellen die Megasites der Cucuteni-Tripolye-Kultur, die es um 4.500 v. Ztr. auch in Serbien gegeben habt, und die der Ausgangspunkt der Überlegungen von David Orton waren, noch einmal eine ganz eigene Kategorie dar. Diese stehen aber zugleich auch in kultureller - und auch humangenetischer - Kontinuität zu den bandkeramischen Siedlungen, die sich bis an den Westrand der Ukraine ausgebreitet hatten. Aber der neue Gedanke, der auch uns durch diese neue Studie (1) aufgedrängt wird, könnte sein: Vielleicht fehlte im europäischen Frühneolithikum (Bandkeramik) Getreidetransport über weite Strecken hinweg, um der Hausmaus eine Ausbreitung in Kontinentaleuropa zu ermöglichen.

Es schält sich also derzeit heraus, daß sich die Hausmäuse in Europa mit den Rinderwagen-besitzenden Bauernkulturen ausgebreitet haben. Was in Osteuropa mit den osteuropäischen Hausmäusen möglich war, muß ja in Westeuropa auch mit den westeuropäischen Hausmäusen möglich gewesen sein (- ?). Zumal es eine so dezidierte Artgrenze gibt.

Aber solange eine Klärung solcher Fragen für den mitteleuropäischen Raum nur auf so vereinzelte Bemühungen von Archäologen wie David Orton zurückgehen, werden wir wohl noch länger auf eine abschließendere Klärung der hier erörterten offenen Fragen warten müssen. Der noch junge Archäologe David Orton ist auch auf Youtube auch mit einem Vortrag über die Archäologie der Hausratte vertreten (16). Mit dieser hatten wir uns hier auf dem Blog auch schon beschäftigt (17). Immerhin ermutigend, daß im aktuellen DGUF-Newsletter auf diese Forschungen hingewiesen worden ist (3). Dann sollte doch endlich auch einmal der eine oder andere maßgeblichere deutsche Archäologe wacher werden können bezüglich der hier behandelten Fragestellungen in der Forschung.

Siehe auch den Artikel von Michael Gross in "Current Biology" (27).

/ zuerst veröffentlicht 29. Mai 2020
(zu den Hausmäusen);
später erweitert um den ersten Teil /
_________________
  1. Tracking the Near Eastern origins and European dispersal of the western house mouse. Thomas Cucchi, Katerina Papayia (...) David Orton (...) François Bonhomme, Jean-Christophe Auffray & Jean-Denis Vigne. Open Access Published: 19 May 2020, Scientific Reports volume 10, Article number: 8276 (2020), https://www.nature.com/articles/s41598-020-64939-9
  2. A game of cat and mouse: new study reveals Europe’s earliest house mouse…. followed swiftly by the house cat.  21 May 2020, https://www.york.ac.uk/archaeology/news-and-events/news/external/news-2020/agameofcatandmousenewstudyrevealseuropesearliesthousemouse/
  3. https://dguf.de/newsletter/index.php/component/acymailing/mailid-99
  4. https://studgendeutsch.blogspot.com/2008/05/keine-hausmaus-in-europa-vor-der.html 
  5. https://studgendeutsch.blogspot.com/2008/10/die-hausmaus-als-eine-erkenntnisquelle.html
  6. https://www.nature.com/articles/s41437-018-0071-4
  7. https://studgendeutsch.blogspot.com/2018/02/bandkeramik-wildkatzen-und-hausmause.html
  8. https://studgendeutsch.blogspot.com/2017/07/die-hausmaus-gab-es-schon-im-natufium.html
  9. https://studgendeutsch.blogspot.com/2014/09/die-stadte-der-indogermanen-und-ihre.html
  10. https://studgendeutsch.blogspot.com/2008/05/die-hausmaus-in-der-weltgeschichte.html
  11. AT Clason: The animal bones of the Bandceramic and Middle Age settlements near Bylany in Bohemia. Published 1970-12-15 in: Palaeohistoria 14, 1968 (1970), https://ugp.rug.nl/Palaeohistoria/article/view/25009, https://rjh.ub.rug.nl/Palaeohistoria/article/viewFile/25009/22469
  12. A. M. Kreuz: ... in Analecta praehistorica Leidensia, Bände 23-24, Seite 52 
  13. Miloš Macholán, Stuart J. E. Baird, Pavel Munclinger, Jaroslav Piálek (eds.): Evolution of the House Mouse, 2012 (Google Books, p. 80)
  14. Kriegs, Jan Ole; Vierhaus, Henning (2016): Kleinsäugernachweise in Sedimenten der prähistorischen undhistorischen Emscher. In: Bodenaltertümer Westfalens (Researchgate
  15. https://studgendeutsch.blogspot.com/2009/01/die-weltgeschichtliche-bedeutung-der.html
  16. Dr David Orton: Archeology of Black Rat in Roman to Medieval Europe. (FULL Lecture) (180 Aufrufe, Stand 29.5.2020), 15.06.2018, Videokanal von Dr Victor Fursov - Entomologist Beekeeper (15.800 Abonnenten), https://youtu.be/1QEErcKVmrA.
  17. https://studgendeutsch.blogspot.com/2010/02/von-ratten-gottern-menschen-und.html
  18. Gronenborn, Detlef: Anfänge der Urbanisierung im Rhein-Main-Gebiet – der Kapellenberg bei Hofheim am Taunus vor 6000 Jahren, https://web.rgzm.de/forschung/forschungsfelder/a/article/anfaenge-der-urbanisierung-im-rhein-main-gebiet-der-kapellenberg-bei-hofheim-am-taunus-vor-6000-jah/
  19. Gronenborn, D., Thiemeyer, H., Cramer, A., Antunes, N., Neubauer, D., & Pétrequin, P. (2020). A later fifth-millennium cal BC tumulus at Hofheim-Kapellenberg, Germany. Antiquity, 1-8. doi:10.15184/aqy.2020.79 (Cambridge
  20. https://studgendeutsch.blogspot.com/2019/12/die-altesten-eigendarstellungen-der.html
  21. A dynastic elite in monumental Neolithic society. Lara M. Cassidy, Ros Ó Maoldúin, Thomas Kador, Ann Lynch, Carleton Jones, Peter C. Woodman, Eileen Murphy, Greer Ramsey, Marion Dowd, Alice Noonan, Ciarán Campbell, Eppie R. Jones, Valeria Mattiangeli & Daniel G. Bradley. Nature volume 582, pages 384–388 (2020), Published: 17 June 2020, https://www.nature.com/articles/s41586-020-2378-6.
  22. https://www.nature.com/articles/d41586-020-01655-4
  23. https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/inzucht-in-der-steinzeitlichen-elite-irlands/
  24. https://studgendeutsch.blogspot.com/2011/08/4100-v-ztr-tertiare-neolithisierung-im.html
  25. https://studgendeutsch.blogspot.com/2010/10/3100-v-ztr-der-rinderwagen-in-der.html 
  26. Brozio, Jan Piet et al. The Dark Ages in the North? A transformative phase at 3000–2750 BCE in the western Baltic: Brodersby-Schönhagen and the Store Valby phenomenon. Journal of Neolithic Archaeology, [S.l.], v. 21, p. 103–146, dec. 2019. ISSN 2197-649X. Available at: <http://www.jna.uni-kiel.de/index.php/jna/article/view/181>. Date accessed: 19 dec. 2019. doi: https://doi.org/10.12766/jna.2019.6. 
  27. Gross, Michael: Of mice, men, cats and grains. In: Current Biology, Juli 2020, https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0960982220309908, http://proseandpassion.blogspot.com/2020/07/playing-cat-and-mouse.html

Montag, 1. Juni 2020

Völkergeschichte des europäischen Mittelneolithikums - Sie wird komplexer

Eine neue archäogenetische Studie zum Neolithikum Frankreichs (1, 2) wartet mit zahlreichen neuen Erkenntnissen auf:
  1. Frankreiches ersten Bauern vermischten sich gleich zu Anfang zu 15 bis 30 % mit den einheimischen Jägern und Sammlern (anders als im zeitgleichen Deutschland).
  2. Die Michelsberger und die Trichterbecher-Kultur (4.300 bis 2.800 v. Ztr.) (in Deutschland) könnten durch Zuwanderungen aus Frankreich entstanden sein.
  3. Die Männer der europäischen Jäger und Sammler haben mehr zur Ethnogenese der europäischen neolithischen Völker beigetragen als ihre Frauen. Die Frauen der zuwandernden mediterranen Völker haben mehr zur Ethnogenese dieser Völker beigetragen als ihre Männer.
Übrigens: Parallel zu diesem Blogartikel veröffentlichen wir auch ein Video, in dem die Inhalte dieses Blogartikels referiert werden (3).

Der Neolithisierungsprozeß ab 6.300, bzw. 5.700 v. Ztr. erfolgte erstaunlicherweise im damaligen Frankreich und Spanien anders als im damaligen Deutschland. Zu diesem Thema ist eine neue archäogenetische Studie erschienen (1, 2), die aber zusätzlich dazu auch noch mit zahlreichen weiteren neuen Erkenntnissen aufwartet. Ab 5.700 v. Ztr. haben sich die anatolisch-neolithischen Bauern als Bandkeramiker vom Wiener Becken aus über ganz Mitteleuropa ausgebreitet. In ihrer Formierungsphase im Wiener Becken haben sie sich mit 5 bis 7 % dort einheimischer Genetik - vorwiegend osteuropäischer und vielleicht vorwiegend männlicher Jäger und Sammler - vermischt. Da sich die Kultur der Bandkeramiker aber weitaus deutlicher von der Bauernkultur auf dem Balkan unterschied als ihre Gene, könnte vermutet werden, daß der kulturelle Beitrag der Einheimischen zur neuen Bauernkultur größer war als die genannten 5 bis 7 % Genetik nahelegen würden. Sie könnten zum Beispiel auch maßgeblich zur Muttersprache der neuen Kultur beigetragen haben (wie hier auf dem Blog schon in früheren Beiträgen gemutmaßt).


Abb. 1: Das Volk der Cardial-Keramik - Es stammt aus dem Levanteraum
(Eine Karte von José-Manuel Benito Álvarez, Wiki)

Im zeitgleichen Südfrankreich vollzog sich die Ethnogenese der dortigen Bauernvölker anders. In der neuen Studie heißt es (1):
Die untersuchten vier südfranzösischen Gruppen (...) legen ein sehr frühes Vermischungsereignis mit lokalen Jägern und Sammlern (100 bis 300 Jahre) nach der Ankunft der neolithischen Bauern um 5.850 v. Ztr. nahe mit einem Vermischungsdatum um 5.740 bis 5.450 v. Ztr. für alle Gruppen. Diese Datierungen stimmen mit den lokalen archäologischen Daten für die Einführung der bäuerlichen Lebensweise in dieser Region überein.
The four southern French groups from sites PEN A and B and LBR B suggest admixture with local HG relatively soon (100 to 300 years) after the arrival of Neolithic farmers about 5850 cal BCE, with an admixture date about 5740–5450 cal BCE for all groups (table S17). These date estimates agree with local archaeological data for the establishment of early farming in this region.

Dort stellte sich im Verlauf von mehreren Generationen der Ethnogenese eine Genetik als "evolutionsstabil" heraus, die 15 bis 30 % einheimische Genetik in sich mit einschloß. Die einheimische Genetik kam hier sehr deutlich vor allem über die männliche Linie in die Gründerpopulation. Auch hier ist natürlich zu berücksichtigen, daß wir nicht wissen, wessen Muttersprache mehr zur neuen Kultur beigetragen hat.

Damit ergaben sich jedenfalls ab 6.300 v. Ztr. in Südfrankreich auf genetischer Ebene Verhältnisse, wie sie sich im Balkanraum und in Mitteleuropa erst nach dem Untergang der Bandkeramik in den Gründerpopulationen ihrer Nachfolgekulturen - während des Mittelneolithikums - ergaben. Im Mittelneolithikum hat auch in Mitteleuropa die extensivere Herdenwirtschaft an Bedeutung gewonnen. Vielleicht fiel es den einheimischen Jägern und Sammlern leichter, zu Herdenhaltung überzugehen als - gleich im ersten Schritt - zur intensiven, arbeitsreichen, mühsamen Bodenbearbeitung. Für letzteres ist die Bandkeramik bekannt. Sie nutzte dafür die sehr guten damaligen Schwarzerde-Böden der Lößebenen Mitteleuropas (die heute nach 7000 Jahren Ackerbau nur noch Braunböden sind, aber immer noch vergleichsweise fruchtbar sind). Vielleicht ergab sich aus diesem Vorhandensein der Lößebenen in Mitteleuropa ganz "automatisch", daß die anatatolische Herkunftskomponente bei den Bandkeramikern größer bleiben mußte als in anderen Regionen Europas, wo womöglich schon im Frühneolithikum eher auf extensive Weidewirtschaft gesetzt wurde (oder gesetzt werden mußte) - ? Oder gibt es in Südfrankreich, bzw. Frankreich vergleichbare Lößebenen? Diese Gedanken kommen uns in diesem Zusammenhang.

Da sich diese genetischen Unterschiede (unterschiedlich große Herkunftsanteile) im Frühneolithikum Frankreichs und Deutschlands schon mit dem Mittelneolithikum und der Ausbreitung der Michelsberger Kultur angeglichen haben, haben sie vermutlich nur wenige Nachwirkungen hinterlassen (etwa in Bezug auf heutige genetische Unterschiede zwischen Frankreich und Deutschland). (Immerhin wäre interessant, der Frage nachzugehen, ob es nicht dennoch "Spurenelemente" dieser Nachwirkungen gibt.)

Einmal erneut aber ist es faszinierend zu beobachten, welche vielfältigen Vorgänge bei der Ethnogenese von Völkern und Kulturen möglich sind. Aus Frankreich hat man aus dem Frühneolithikum - auch rein archäologisch - bei weitem nicht ein so einheitliches Kulturbild gewinnen können wie es für die Bandkeramik in Deutschland so eindrucksvoll gewonnen worden ist in den letzten 40 Jahren Forschung. Es muß nicht unwahrscheinlich sein, daß sich deshalb beide Regionen im Frühneolithikum auch in der Siedlungsdichte und in der ganzen Lebensart deutlicher unterschieden haben könnten. Vielleicht hat es also in Frankreich schon im Frühneolithikum eine Siedlungsdichte gegeben, die sich in Deutschland erst ab dem Mittelneolithikum ergab.

Bezüglich der europäischen Siedlungsdichte im Mittel- und Spätneolithikums ist allerdings neuerdings zusätzlich zu beachten, daß der Archäologe Detlef Gronenborn für die Michelsberger Kultur inzwischen von "Anfängen der Urbanisierung" - nämlich auf Höhenburgen wie dem Kahlenberg oder dem Glauberg in Mittelhessen - mit Königsgräbern spricht, Höhenburgen also, die den bronzezeitlichen mitteleuropäischen Höhenburgen schon vorausgegangen sind und ihnen ähnelten (siehe voriger Blogbeitrag). Wenn solche Anfänge von Urbanisierung in die Siedlungsdichte mit einbezogen werden, könnte womöglich sogar von einer eher gleichbleibenden Siedlungsdichte seit der Bandkeramik in Mitteleuropa gesprochen werden, nur daß eben die ländlichen Siedlungen dünner verteilt waren und ihnen noch die seltener in der Landschaft auftretenden, aber etwaig dichter besiedelten (proto-)urbane Zentren zugerechnet werden müssen.

An der hier ausgewerteten Studie (1) ist als Koautor der Archäologe Detlef Gronenborn tatsächlich auch beteiligt. Und man merkt gleich schon an der einleitenden, rein archäologische Analyse des Kenntnisstandes, der in Bezug gesetzt werden soll zu den neuen archäogenetischen Daten, daß diese Analyse sehr durchdacht, differenziert ist. Das war in bisherigen archäogenetischen Studien so deutlich noch nicht zu beobachten.

In der Studie ist zu erfahren: Menschen der Impresso-Cardial-Kultur (ICC), die an den Küsten der Adria lebten, glichen genetisch den Bauern anatolisch-neolithischer Herkunft, wie sie zeitgleich im gesamten Balkan- und Donauraum lebten (1). - - - Ein etwaiger kleinerer genetischer Unterschied also, der sich aus einer etwaigen Herkunft aus dem Levanteraum ergeben haben könnte (die von Seiten einiger Archäologen für die Cardial-Kultur angenommen wird, s. Abb 1) im Gegensatz zur Herkunft der Festlandbauern auf dem Balkan aus Anatolien, scheinen die Forscher nicht festgestellt zu haben. Ob sie genau genug hingeschaut haben oder ob Leventeraum und Anatolien genetisch damals zu homogen waren, um Unterschiede finden zu können?

Regionaler Gruppenzusammenhalt in Oberehnheim im Elsaß (5.000 bis 4.400 v. Ztr.)

Menschen derselben Impresso-Cardial-Kultur, die zur selben Zeit an der Küste Südfrankreichs lebten, stammten jedenfalls nun zu einem deutlich größeren Anteil von vormals dort einheimischen Jäger- und Sammler-Populationen ab. ("Individuals from southern France do not group with ICC individuals from the Adriatic region, who fall within the subgroup of southeastern and central European farmers.") Innerhalb von Zentral-Frankreich scheint es dann - wie in der parallelen Bandkeramik - über weite Entfernungen hinweg eine genetisch homogene Bauernpopulation gegeben zu haben (1):

Menschen der mittelneolithischen französischen Ausgrabungsorte Gurgy (GRG), Prissé-la-Charrière (PRI), und Fleury-sur-Orne (FLR) in der nördlichen Hälfte von Frankreich scheinen (genetisch) homogen gewesen zu sein (...), während sich die Menschen vom Ausgrabungsort Oberehnheim (franz. Obernai) im Elsaß aus drei Gruppen zusammen setzten: eine glich den (genannten) zeitgleichen Menschen weiter westlich, eine hatte einen höheren Anteil von Jäger-und-Sammler-Genetik und eine dritte glich der Bandkeramik-Genetik. Und das obwohl alle drei ähnlichen kulturellen und chronologischen Hintergrund hatten.
Individuals from the Middle Neolithic French sites of Gurgy (GRG), Prissé-la-Charrière (PRI), and Fleury-sur-Orne (FLR) in the northern half of France appear homogeneous (...), while the individuals from the site Obernai (OBN) form three groups: one with other contemporary western individuals (OBN A), one with a stronger HG component (OBN B), and a third one with central European farmers (OBN C), despite sharing similar cultural and chronological backgrounds.
Der hier genannte elsässische Siedlungsort Oberehnheim (Obernai) wird auf 5000 bis 4400 v. Ztr. datiert (1, Suppl.), also auf die Umbruchszeit am Ende der Bandkeramik. Die Archäologen Philippe Lefranc, Hélène Réveillas schreiben (1, Suppl):
Nach den archäologischen Daten (insbesondere den Keramik-Stilen) waren diese Gräber verbunden mit unterrschiedlichen, aufeinander folgenden nach-bandkeramischen Gruppen dieser Region: Großgartach, Planing-Friedberg und Rössen. Der Siedlungsort war in drei unterschiedliche Bereiche gegliedert, die chronologisch aufeinander folgen. Der südlichste Bereich mit drei Großgartach-Gräbern ist der älteste. Der mittelere Bereich enthält zwei Gräber, die kulturell der Planing-Friedberg-Gruppe zugeordnet werden können, während der nördliche Bereich am dichtesten besiedelt war und Planing-Friedberg- und Rössen-Gräber aufwies.
Based on archaeological data (specifically the pottery styles), these inhumations were associated with the different successive post-LBK groups known in the region: Großgartach, Planig-Friedberg, and  Rössen. The site is organised in three different areas which are chronologically successive. The southern-most area, with three Großgartach attributed graves, is the most ancient. The central area contains two Planig-Friedberg culturally-related burials, while the northern part is the densest area, containing Planig-Friedberg and Rössen attributed burials.

Hier wird deutlich, daß es nach dem Untergang der Bandkeramik in dieser Region zu einer recht schnellen Abfolge sowohl kulturell wie genetisch recht unterschiedlicher Bevölkerungen/Völker gekommen ist, die am selben Siedlungsort gelebt haben. Das dürfte ein sehr interessanter Befund sein. In ihm spiegelt sich viel Dynamik wieder. Ist es so, daß jede dieser regional und kulturell nur sehr kleinteilig zu umreißenden Gruppierungen jeweils seine eigene Genetik der Herkunftsanteile hatte? Leider scheint dieser Umstand nicht ausführlich und eindeutig genug in der Studie erörtert zu werden. Aber das wäre doch ein außerordentlich aufregender Befund. Nämlich daß Kultur und Gene nicht nur in den großen Zügen der Völkerbewegung parallel gehen, sondern auch auf so kleinteiliger, regionaler Ebene. Es wäre das ein Hinweis auf den engen Zusammenhalt von Völkerschaften, nachdem sie sich einmal gebildet hatten in Umbruchszeiten. Es wäre das ein noch deutlicherer Hinweis als jemals, daß frei "diffundierendes" Multikulti auf individueller Basis und für sich genommen keineswegs Sache des Neolithikums gewesen ist, sondern daß sich immer wieder sehr schnell neue Gruppen mit je spezifisch eigener kultureller und genetischer Identität bildeten.

Vielleicht kann man damit auch ein wenig besser verstehen, in welche Zusammenhänge man die westliche La Hougette-Keramik im Kontext der vormaligen bandkeramischen Siedlungen (4) stellen könnte: Die Träger der La Hougette-Keramik könnten einerseits einen höheren Anteil Jäger-Sammler-Genetik aufgewiesen haben und könnten auch kulturell anders gelebt haben. Andererseits standen sie genetisch den Bauern der Bandkeramik auch insofern nahe, da beide ihre Herkunft auf das neolithische Anatolien (oder den Levanteraum) zurück führen konnten. Die beteiligten Archäologen halten sich in dieser Studie (1) aber sehr zurück mit Aussagen zur großen ungeklärten Frage der La Hougette-Keramik in westlichen bandkeramischen Siedlungen. - Hochinteressant ist jedenfalls nun zusätzlich noch die folgende Erkenntnis (1):

Y-chromosomale Linien stammen bei den westlichen frühen Bauern in der südlichen Region (Frankreichs) von Jägern und Sammlern.
Y chromosome lineages in western early farmers in the southern region are exclusively derived from HG.

Dasselbe stellt die Studie für  den mittelneolithischen Siedlungsort Oberehnheim (Obernai) im Elsaß fest (1):

Männliche Individuen von Oberehnheim besaßen ausschließlich Y-chromosomale Haplogruppen I2a1a2 und C1a2b, die Jäger-Sammler-Gruppen zugesprochen werden.
Male individuals from OBN carry exclusively the Y chromosome haplogroups I2a1a2 and C1a2b, attributed to HG groups.

Das ist ein Zusammenhang, der uns auch schon bei der Ethnogenese der Bandkeramiker im Wiener Becken dämmerte, ebenso womöglich bei der Ethnogenese der Yamnaja-Indogermanen an der Mittleren Wolga. Vielleicht wird hier - ähnlich der Verbreitung von Yamnaja-Genetik (ab 2.800 v. Ztr.) und skandinavischer Genetik (ab 400 v. Ztr.) mehr über Männer als über Frauen - eine Art "Gesetzlichkeit" für die europäische Völkergeschichte erkennbar: Vielleicht haben sich einheimische europäischen Männer - als Hirten - leichter an die einwandernde Bauernkultur anpassen können als einheimische Frauen. Und vielleicht waren Frauen in der zuwandernden, Boden bearbeitenden Bauernkultur weniger zu ersetzen als die Männer. Auch sonst deutet sich ja in den anatolisch- (vielleicht auch iranisch-)neolitischen Bauernvölkern eine stärkere weibliche Komponente in der Kultur an (z.B. in den "Göttinnen-Figuren"). Frauen könnten also sowohl bei den frühen Bauern wie bei den einheimischen Fischern, Jägern und Sammlern das konservativere Element der Bevölkerung gewesen sein, jenes Element, das eher an der kulturellen Tradition festgehalten hat als die Männer. Die jeweilige Lebensweise könnte also eher durch die Frauen als durch die Männer stabilisiert worden sein, während die jeweiligen "Neuerungen" innerhalb der Kultur durch die "fremden" Männer herein gekommen sein könnten.

Jedenfalls scheint sich auf den ersten Blick die einheimische europäische genetische Komponente durch die ganze Geschichte Europas hindurch eher über die männliche als über die weibliche Linie in Nachfolgekulturen erhalten zu haben, die zuwandernde, südliche neolithische genetische Komponente eher über die weibliche Linie. (Der westeuropäischen, einheimischen, männlichen, genetischen Jäger-Sammler-Komponente wurde erst durch die Zuwanderung der männlichen osteuropäischen Yamnaja-Genetik der Garaus gemacht. Dabei hätte dann eine einheimische europäische "männliche" Genetik, nämlich die osteuropäische eine andere einheimische europäische, "männliche" Genetik, nämlich die westeuropäische "ersetzt".)

Das "Goyet-Cluster" mitteleuropäischer Jäger und Sammler

In dieser Studie lesen wir zum ersten mal von einem "Goyet-Cluster", das sich als eine eigene genetische Verwandtschaftsgruppierung unter den europäischen mesolithischen Jägern und Sammlern herauskristallisiert, und das sich sowohl von einem west- wie einem osteuropäischen Cluster noch einmal unterscheidet (1). Dieses "Goyet-Cluster" ist benannt nach einem belgischen Fundort und seine Menschen haben sowohl in der Schwäbischen Alp (Fundort "Hoher Fels") als auch in Nordburgund (Fundort Rigney in Frankreich) gelebt. Ja, dieses Goyet-Cluster erstreckte sich (nach Fig. S4 im Suppelment) in kleinen Herkunftsanteilen sogar bis nach Rumänien. Und dieses "Goyet-Cluster" steht zeitgleichen spanischen Jägern und Sammlern genetisch am nächsten, die wiederum genetisch den übrigen westeuropäischen Jägern und Sammlern nahestehen, die sich von Norditalien bis England verteilen. Somit könnte man nach der Eiszeit nicht nur Ausbreitungsbewegungen von norditalienischen Jägern und Sammlern bis nach England beschreiben ("Villabruna-Cluster"), sondern auch Ausbreitungsbewegungen von spanischen Jägern und Sammlern bis in den Raum rund um das Elsaß ("Goyet-Cluster"). Solche außerspanischen Verwandtschaftsbeziehungen waren vage auch schon in der letzten David Reich-Studie zur Archäogenetik Spaniens angeklungen. Und in der Studie heißt es nun bezüglich dieser drei nacheiszeitlichen Herkunftsgruppen in Europa, daß die ersten Bauern Frankreichs andere vorneolithische europäische Herkunftsanteile in sich trugen als die Bandkeramiker, die ersten Bauern Deutschlands (1):

Wir vermuten, daß die frühen neolithischen Bauern, die sich über die Mittelmeer-Route ausgebreitet haben und durch die Nutzung von Impresso-Cardial-Keramik gekennzeichnet waren, insbesondere jene, auf die die Populationen in Frankreich und Spanien zurückgehen, weniger Herkunftsanteile in sich trugen, die den osteuropäischen Jäger und Sammlern nahestanden und dafür mehr Herkunftsanteile in sich trugen, die den westeuropäischen Jägern und Sammlern, sowie der genannten spanischen Goyet-Komponente nahestanden.
We hypothesize that Early Neolithic farmers of the Mediterranean route associated with ICC Ware and especially those arriving in France and Spain show less ancestry from the EHG side of the EHG-WHG cline and instead carry an admixture signal dominated by Villabruna-related WHG and GoyetQ2-related ancestries. 

Das steht im Gegensatz zu der kleinen, eher den osteuropäischen Jäger und Sammlern nahestehenden Komponente, die die Bandkeramiker in sich trugen (orientiert an einem sequenzierten Jäger und Sammler aus Ungarn, benannt "KO1") im Gegensatz zu einer eher den westeuropäischen Jägern und Sammlern nahestehenden Komponente, die die ersten französischen in sich trugen (orientert an einem sequenzierten Jäger und Sammler aus Loschbour in Luxemburg). Aber für das Mittelneolithikum ergeben sich für diese ursprünglichere räumliche Gliederung - östlich und westlich des Rheins - wiederum Ausnahmen (1):

Die Ergebnisse deuten eine Tendenz an dahingehend, daß bäuerliche Gruppen östlich des Rheins mehr Herkunftsanteile mit (dem ungarischen, osteuropäischen Mesolithikern) KO1 aufweisen und bäuerliche Gruppen westlich des Rheins mehr mit den (luxenburgischen, westeuropäischen Mesolithikern) Loschbour. Bemerkenswerte Ausnahmen stellen Individuen dar der mittelneolithischen Blätterhöhlen-Gruppe, Individuum N22 aus Polen und unser Individuum (aus Tangermünde an der Havel) TGM009, die alle eine stärkere Nähe zu westeuropäischen Jägern und Sammlern aufweisen, obwohl sie östlich des Rheins gelebt haben.
The results show a tendency for farmer groups east of the Rhine to share more ancestry with KO1 and farmer groups west of the Rhine with Loschbour. Notable exceptions are individuals from the Middle Neolithic Blätterhöhle group, individual N22 from Poland, and our individual TGM009, all of which show a strong affinity to WHG-related individuals, although they are located east of the Rhine.

Also die mittelneolithischen Fischer, Jäger und Sammler der Blätterhöhle in Westfalen, sowie ein Angehöriger der Brześć-Kujawski-Kultur in Kujawien im Weichselraum ("N22"), sowie ein Mann der Trichterbecherkultur, begraben bei Tangermünde an der Havel zeigen alle - auch - genetische Einflüsse von Seiten der westeuropäischen Jägern und Sammler westlich des Rheins, die nicht über die anatolisch-neolitischen Bandkeramiker zu ihnen gelangt sein können. Denn deren (geringer) Jäger-Sammler-Anteil war ja eher osteuropäischer Herkunft. Dies paßt zu der Vermutung der Archäologen, daß sich die Michelsberger Kultur von Frankreich aus - auch - demographisch nach Osten ausgebreitet hat. Und es deuten viele Hinweise darauf hin, daß die Trichterbecherkultur sich ab 4.300 v. Ztr. im westlichen Ostseeraum gebildet hat, hervorgehend aus der Michelsberger Kultur.

Die Trichterbecherkultur 4.300 v. Ztr.

Der Mann der Trichterbecherkultur, der um 3.300 v. Ztr. bei Tangermünde an der Havel lebte, weist sogar eine ganz besondere, ungewöhnliche Herkunft auf (1):

Am besten sind die Daten zu interpretieren durch ein Vier-Wege-Vermischungsmodell (P = 0.087) von 21.7 ± 2.4% anatolisch-neolithisch, 24.4 ± 6.2% Luxemburg_Loschbour, 12.6 ± 4.4% Schweden_Grübchen-Keramik und 41.3 ± 7.3% Ungarn_KO1.
We find the best support for a four-way mixture model (P = 0.087) of 21.7 ± 2.4% Anatolia_Neolithic, 24.4 ± 6.2% Luxembourg_Loschbour, 12.6 ± 4.4% Sweden_PWC, and 41.3 ± 7.3% Hungary_KO1.

Er weist also 22 % anatolisch-neolithische Herkunft, 24 % westeuropäische Jäger-Sammler-Herkunft, 4 % Herkunft der skandinavischen Grübchenkeramischen Kultur (skandinavische Jäger und Sammler) auf (die im nördlichen Dänemark und in Schweden lebte) und 41 % der osteuropäischen Jäger und Sammler. Man darf es als spannend empfinden, daß hier ein Angehöriger der Trichterbecherkultur um 3.300 v. Ztr. 41 % osteuropäische Jäger-Sammler-Genetik aufweist. Bei den osteuropäischen Jägern und Sammlern befanden sich ja jene Träger blonder Haar- und blauer Augenfarbe, von denen heute noch die Träger dieser Merkmale mehrheitlich abstammen. Und 500 Jahre später sollte diese Trichterbecherkultur von Schnurkeramikern überrannt werden, die einen ähnlichen Anteil von osteuropäischer Jäger-Sammler-Genetik in sich bargen. Allmählich wird das Bild der europäischen Völkergeschichte des Mittelneolithikums genauer - und damit zugleich auch deutlich komplexer.

Erst vor wenigen Wochen hatten wir in einem Blogartikel (4) geschrieben über das Rätsel der "La Hoguette"-Keramik (Wiki) geschrieben, die sich in manchen bandkeramischen Siedlungen fand, und über deren Herkunft weiter gerätselt wird (St.gen. 2020): Wir entdeckten, daß man sie inzwischen als verwandt zu erkennen glaubt mit der "Cardial-Keramik" (Wiki). Die Cardial-Keramik hinwiederum könnte ursprünglich aus dem Levanteraum stammen und sich schon vor der großen Ausbreitungsbewegung anderer anatolischer Bauernvölker, also vor 6.500 v. Ztr. über das Mittelmeer hinweg ausgebreitet haben (Wiki).

Nach Wikipedia scheint es Hinweise zu geben, daß die Cardial-Keramik in Zusammenhang steht mit Völkern, die vorwiegend Viehzucht und Herdenhaltung betrieben haben, bei denen es sich also um Hirten-Völker handelte. Und aufgrund der geographischen Herkunft dieser Kultur wird angenommen werden dürfen, daß sie auch genetisch eben - so wie die Bandkeramiker - aus dem Mittelmeer-Raum stammt. Aber diesmal vielleicht vor allem aus dem Levanteraum.

Nun haben wir erste archäogenetische Erkenntnisse zu dieser Kultur, es werden aber etwaige genetische Zusammenhänge mit dem Levanteraum in dieser Studie gar nicht behandelt (1). Weitere Forschungsfragen, die sich mit der Ausbreitung der Ackerbaukulturen rund um das Mittelmeer befassen, nun in dem genannten Blogartikel (4) und der darin schon genannten Literatur (5-11).

Ergänzung 22.6.2020: Nach einer neuen Studie (12) ernährten sich jene Bauern, die an der französischen Alpen-Küste um 5.000 v. Ztr. lebten (Ausgrabungsort Les Bréguières [Mougins, Französische Alpen] - zwischen Nizza und Cannes), vorwiegend von Pflanzen des Festlandes. Hinweise auf den Verzehr von Fischen fand sich in der chemischen Zusammensetzung ihrer Knochen nicht. 

Ergänzung 13.3.2021: Eine neue Studie findet für das französische Spätneolithikum (13):

Es finden sich spätneolithische Bevölkerungen, die genetisch vielfältig sind und die Individuen mit dunkler Haut, dunklem Haar und dunklen Augen mit einschließen. Wir entdecken heterogene Jäger-Sammler-Herkunftsanteile innerhalb spätneolithischer Gesellschaften, die bei einigen Individuen bis zu 63,3 % erreichen.
This reveals Late Neolithic populations that are genetically diverse and include individuals with dark skin, hair, and eyes. We detect heterogeneous hunter-gatherer ancestries within Late Neolithic communities, reaching up to ∼63.3% in some individuals.

Es liegen hier also ähnliche Verhältnisse vor wie etwa zeitgleich in Tangermünde an der Havel (siehe oben). Es handelt sich dabei um Herkunftsanteile westeuropäischer Jäger und Sammler (13). Die schon oben erwähnte Herkunftsgruppe spanischer Jäger und Sammler ("GoyetQ2") fand sich in den hier untersuchten mittel- und südfranzösischen Skeletten nicht.GoyetQ2-like ancestryGoyetQ2-like ancestry

Außerdem hat nach dieser neuen Studie die Glockenbecher-Kultur Südfrankreich um 2.650 v. Ztr. erreicht (13). In dieser Studie wird übrigens sogar schon die DNA-Methylierungs-(Zellalterungs-)Uhr benutzt, um das Todesalter der untersuchten Individuen heraus zu bekommen. Damit kündigt sich womöglich ein neues Stadium in der schnellen Entwicklung der Archäogenetik an.

________________________
  1. Rivollat M., Jeong C., Schiffels S., Küçükkalipçi I., Pemonge M.-H., Rohrlach A. B., Alt K. W., Binder D., Friederich S., Ghesquière E., Gronenborn D., Laporte L., Lefranc P., Meller H., Réveillas H., Rosenstock E., Rottier S., Scarre C., Soler L., Wahl J., Krause J., Deguilloux M.-F., Haak W. Ancient genome-wide DNA from France highlights the complexity of interactions between Mesolithic hunter-gatherers and Neolithic farmerrs. Science Advances, 29 May 2020: Vol. 6, no. 22, eaaz5344, https://advances.sciencemag.org/content/6/22/eaaz5344 (Supplement: pdf)
  2. Pressemitteilung MPI für Menschheitsgeschichte, 29.5.2020, https://www.shh.mpg.de/1713195/haak-french-dna?c=1606645
  3. Bading, Ingo: Völkergeschichte des europäischen Mittelneolithikums. Youtube, 1.6.2020, https://youtu.be/2RKe_SSw044
  4. Bading, Ingo: Das Volk der Cardial-Keramik - Es stammt aus dem Levanteraum, 24.4.2020, https://studgendeutsch.blogspot.com/2020/04/das-volk-der-cardial-keramik-es-stammt.html.
  5. Bading, Ingo: Die Neolithische Revolution im Vorderen Orient (12.000 - 6.000 v. Ztr.), Seminararbeit 1995, https://www.academia.edu/1537440/Die_Neolithische_Revolution_im_Vorderen_Orient_12.000_-_6.000_v._Ztr._.
  6. Divergent mtDNA lineages of goats in an Early Neolithic site, far from the initial domestication areas. Helena Fernández, Sandrine Hughes, Jean-Denis Vigne, Daniel Helmer, Greg Hodgins, Christian Miquel, Catherine Hänni, Gordon Luikart, Pierre Taberlet Proceedings of the National Academy of Sciences Oct 2006, 103 (42) 15375-15379; DOI: 10.1073/pnas.0602753103, https://www.pnas.org/content/103/42/15375.
  7. Bading, Ingo: Seefahrt und früheste Ackerbauern im Mittelmeer-Raum, November 2007, https://studgendeutsch.blogspot.com/2007/11/seefahrt-und-frheste-ackerbauern-im.html
  8. Jesse R, Véla E, & Pfenninger M (2011). Phylogeography of a land snail suggests trans-mediterranean neolithic transport. PloS one, 6 (6) PMID: 21731622
  9. Kevin G. Daly et. al.: Ancient goat genomes reveal mosaic domestication in the Fertile Crescent. Science 06 Jul 2018: Vol. 361, Issue 6397, pp. 85-88, DOI: 10.1126/science.aas9411 http://science.sciencemag.org/content/361/6397/85.full.
  10. Archaeogenetic analysis of Neolithic sheep from Anatolia suggests a complex demographic history since domestication Erinç Yurtman, Onur Özer, (...) Anders Götherström, Mehmet Somel, İnci Togan, Füsun Özer bioRxiv 2020.04.17.033415; doi: https://doi.org/10.1101/2020.04.17.033415.
  11. https://studgendeutsch.blogspot.com/2019/07/unsere-kuhe-schon-immer-waren-sie-bei.html 
  12. Goude, G, Salazar‐García, DC, Power, RC, et al. New insights on Neolithic food and mobility patterns in Mediterranean coastal populations. Am J Phys Anthropol. 2020; 1– 18. https://doi.org/10.1002/ajpa.24089 
  13. Andaine Seguin-Orlando, Richard Donat, Clio Der Sarkissian, John Southon, Catherine Thèves, Claire Manen, Yaramila Tchérémissinoff, Eric Crubézy, Beth Shapiro, Jean-François Deleuze, Love Dalén, Jean Guilaine, and Ludovic Orlando, Heterogeneous hunter-gatherer and steppe-related ancestries in late Neolithic and Bell Beaker genomes from present-day France, Current Biology 31, 1–12, https://www.cell.com/current-biology/fulltext/S0960-9822(20)31835-2, (Researchgate)
  14. Presseerklärung zu 13.: https://www.iast.fr/press-release-unveiling-secrets-genetic-diversity-present-day-france-inhabitants-late-neolithic
Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

Beliebte Posts (*darunter finden sich leider selten neuere Beiträge*)

Registriert unter Wissenschafts-Blogs

bloggerei.de - deutsches Blogverzeichnis

Haftungsausschluß

Urheber- und Kennzeichenrecht

1. Der Autor ist bestrebt, in allen Publikationen die Urheberrechte der verwendeten Bilder, Grafiken, Tondokumente, Videosequenzen und Texte zu beachten, von ihm selbst erstellte Bilder, Grafiken, Tondokumente, Videosequenzen und Texte zu nutzen oder auf lizenzfreie Grafiken, Tondokumente, Videosequenzen und Texte zurückzugreifen.

2. Keine Abmahnung ohne sich vorher mit mir in Verbindung zu setzen.

Wenn der Inhalt oder die Aufmachung meiner Seiten gegen fremde Rechte Dritter oder gesetzliche Bestimmungen verstößt, so wünschen wir eine entsprechende Nachricht ohne Kostennote. Wir werden die entsprechenden Grafiken, Tondokumente, Videosequenzen und Texte sofort löschen, falls zu Recht beanstandet.