Da es in der deutschen Wissenschafts-Berichterstattung mehrfach falsch oder höchst un- und mißverständlich dargestellt wird (Spektr. d. Wiss., Bild d. Wiss.), hier noch einmal der Hinweis:
Laut einer neuen Studie (1) gab es lange Jahrtausende in Südfinnland, im Baltikum und bis zum Don die seßhafte Kultur der Grübchenkeramik (engl. "Comb Ware culture")(Wiki), die - wie die Ertebolle-Kultur anderwärts im Ostseeraum - vor allem vom Fischfang, von der Jagd und vom Sammeln lebte und die noch keine Tierhaltung und keinen Ackerbau kannte.
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| Abb. 1: Ländliche Gegend in Finnland (Fotograf: Petri Tapola, Wiki) |
Die sonst im Ostseeraum verbreitete Trichterbecherkultur, die die Ertebolle-Kultur ablöste, z. T. auch die Grübchenkeramik, kam nie nach Finnland.
In Finnland wurden die Rinderhaltung und - wahrscheinlich - auch Ackerbau erst eingeführt dadurch, daß die sich weit über Ost- und Mitteleuropa bis nach Skandinavien verbreitenden Schnurkeramiker um 2.500 v. Ztr. auch nach Finnland kamen. In ihrer Keramik verkochten sie Fett, das aus Tierproduktion stammte (Milch und Fleisch), und das die Wissenschaftler nachweisen konnten.
Mit dem Ackerbau der Bandkeramik jedoch, wie das in einigen Berichten anklingt, hatte Finnland nie etwas zu tun. Und auch die Grübchenkeramik, die sich bis zum Don erstreckte, hatte mit domestizierter Tierhaltung offenbar nichts zu tun.
Heute gehören die Finnen zu den Völkern mit dem höchsten Prozentsatz an erblichen Rohmilch-Verdauern im Erwachsenenalter.
/ 18.10.2026: Die weiteren Ausführungen sind veraltet und werden deshalb in eine Anmerkung geschoben.*) Sie dient nur noch der Dokumentation von veralteten Annahmen. Die Archäogenetik hat inzwischen festgestellt, daß es zur Häufigkeitszunahme der erblichen Erwachsenen-Milchverdauung erst ab der Bronzezeit gekommen ist (s. Stg2019). /
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- Lucy J. E. Cramp: Neolithic dairy farming at the extreme of agriculture in northern Europe (Proc. Roy. Soc. B, 22.9.2014)
- Khan, Razib: On the limes of the modes of production. (Unz2014)
