Posts mit dem Label Film werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Film werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 9. Februar 2008

Historische Filmaufnahmen im Netz

Eine Fülle von informationsreichen Filmen und Video's, darunter auch sehenswerte historische Dokumentar-Film-Aufnahmen, stehen jetzt schon im Netz zur Verfügung und es werden bald immer sein. Wer behält da noch den Überblick? Hier mal wieder mehr oder weniger ein paar "Zufallsfunde".

Zunächst historische Aufnahmen von Erwin Schrödinger, Nils Bohr, Werner Heisenberg, Wolfgang Pauli, Max Born, Albert Einstein und vielen anderen berühmten internationalen Physikern auf einer Konferenz des Jahres 1927: ----> Google Video

Dann Albert Einstein in einer kurzen Ansprache ---> Youtube

Dann Albert Einstein im Kreis seiner Familie im Jahr 1943 (Farbaufnahme!) ---> Google Video

Wissenschaftsblogger Ernst Probst macht auf eine reiche Sammlung von Video's zu kulturgeschichtlichen Themen aufmerksam (Ernst Probst). In dieser Sammlung findet sich auch der Anfang eines farbigen Dokumentarfilmes über das Leben von Albrecht Dürer, offenbar aus den 1930er Jahren ---> Clipfisch

Donnerstag, 2. August 2007

Zwei junge Ziegenhirtinnen bei den Tuareg in der Sahara

Zwei junge Ziegenhirtinnen bei den Tuareg in der Sahara

Der Trailer einer neuen Filmdokumentation über die Tuareg (1) gibt Anlaß, mal einiges Wissen über die Tuareg hier zu referieren.

Die Tuareg sind ein stolzes, sehr freiheitsliebendes Nomandenvolk, das in der härtesten Umwelt lebt, die es auf unserer Erde gibt. Nämlich in der Zentralsahara. Diese ist auf mehrere Staaten aufgeteilt, viele leben im Niger, wo auch die genannte Filmdokumentation entstanden ist. Sie sind zwar oberflächlich islamisiert. Aber es leben noch viele vorislamische Traditionen fort. Die Frau hat eine ganz unabhängige Stellung. In diesem Volk gehen die Männer verschleiert (um ihre Würde, ihr Gesicht zu wahren) und die Frauen sind unverschleiert. Jederzeit kann eine Frau die Ehe aufkündigen genauso wie der Mann.

Schon die jungen Ziegenhirtinnen und die jungen Kamelhirten müssen früh lernen, mit der Einsamkeit fertig zu werden, da sie bei großer Trockenheit den ganzen Tag weit vom Lager und den anderen wegwandern müssen, um für ihre Tiere Weideland zu finden.

Der Film zeigt zwei junge Ziegenhirtinnen in der fruchtbaren Regenzeit. Ihnen geht es gut. Sie müssen nicht weit laufen, kennen die Gegend, wo sie ihre Tiere zu Weide bringen können, können sich also wenig verlaufen. Und sie können lange zusammen bleiben. Auch die Männer können in der Gegend bleiben.

Das Verhältnis zwischen Mann und Frau ist ein ganz wichtiges bei den Tuareg. Wahrscheinlich um der seelischen Balance willen gegenüber den tagelangen Einsamkeiten der Wüste.

Eine von den beiden Ziegenhirtinnen wird in den nächsten Tagen heiraten. Und die Filmemacherin Bettina Hansen nimmt die Gespräche auf, die sie darüber untereinander führen. Das sind zum Teil sehr schöne Szenen. Auch sehr authentisch. (Wir haben allerdings nur den Anfang gesehen.)

Die junge Braut kennt ihren künftigen Ehemann noch gar nicht. Ihre Freundin sagt: Mir wäre lieber, du hättest dir deinen Ehemann selbst ausgesucht, statt daß das deine Eltern für dich getan haben. Aber alle hoffen, daß es ist ein guter sein wird ...

Die Herkunft der Adelsstämme der Tuareg

Die Tuareg, die eine nordafrikanische Berbersprache sprechen, sind traditionell eine Drei-Klassen-Gesellschaft. Diese drei Klassen spiegeln auch verschiedene geschichtliche und genetische Herkunft wieder. Die Adelsstämme der Tuareg sind hellhäutig, fühlen sich den weißen Europäern verwandt, auch seelisch. Und sie haben mündliche Überlieferungen, nach denen sie ursprünglich nicht aus Afrika stammen. Vielleicht sind sie am Ende der Bronzezeit mit den damaligen Völkerwanderungen nach Nordafrika gekommen. Dann würden sie tatsächlich entfernte Verwandte von uns Mitteleuropäern sein. Möglicherweise haben sie daher auch ihre "europäische" angeborene Fähigkeit zur Erwachsenen-Milchverdauung, die auch noch manche, weiter südlich lebende dunkelhäutigere, afrikanische Rinderzüchter-Stämme besitzen (z.B. die im Kongo so gräßlich ermordeten, hoch gewachsenen Watussi, bzw. Tutsi).

Sprachlich, volkskundlich und geschichtlich weisen die Tuareg auf jeden Fall viel Verwandtschaft auf mit dem antiken, damals auch in größeren Städten im heutigen Lybien lebenden, nur noch archäologisch erforschbaren Volk der Garamanten. Sie könnten ein Restvolk von ihnen sein oder eine Abspaltung derselben. Die Garamanten sind auch mit Hannibal und den Karthagern gegen die Römer gezogen. Die Tuareg tragen heute noch geflochtene Schläfenzöpfe, die man auch unter den geschlagenen Feinden der Ägypter in Medinet Habu abgebildet findet, einem großen Relief, das von einer berühmten Schlacht des Pharao's um 1200 v. Ztr. berichtet. (Deuten womöglich die Schläfenzöpfe bei den Juden auf ähnliche Kulturkontakte um 1200 v. Ztr. hin?) Auch sprachliche und völkerkundliche Verwandtschaft der Tuareg und Garamanten zu den Karthagern besteht. Die Karthager stammen ja von den Phöniziern ab, mit denen man dann in jene Gegenden gelangt, in denen sich die von den Ägypten geschlagenen "Seevölker" höchstwahrscheinlich unter anderem angesiedelt haben (nämlich unter anderem Palästina).

Frühere Vasallenstämme und Sklaven der Tuareg

Dann gab es früher die Vasallenstämme der Tuareg, die vielleicht von jener Bevölkerungsgruppe abstammen, die schon am längsten in der Sahara lebte, und als erste die Lebensweise entwickelte, die zum Überleben in der Sahara notwendig ist. Zu ihnen zählen auch die bei den Tuareg in vielen Lebensbereichen so wichtigen Schmiede.

Die Tuareg waren früher die "Herren" der Sahara, sehr kriegerisch und haben Sklavenhandel getrieben. Deshalb sind heute so viele Tuareg dunkelhäutig. Diese dunkelhäutigen stammen nämlich von den früheren Sklaven der Tuareg ab, die sie von den schwarzafrikanischen Völkern südlich der Sahara kauften oder erbeuteten. Bei manchen Tuaregstämmen gilt Dunkelhäutigkeit als ein Zeichen von wohlhabender Abkunft, weil sie aufzeigt, daß die Vorfahren viele Sklaven besaßen und mit diesen Kinder zeugten.

Alle drei Herkunftsgruppen sind schon seit vielen Jahrhunderten unterschiedlich stark miteinander vermischt und sprechen die gleiche Berbersprache, das Tamaschek. Das bewirkt ja auch eine seelische Vereinheitlichung und ruft ähnliche Wertvorstellungen bei allen Muttersprachlern hervor. In der Musik wird aber noch deutlich die unterschiedliche Herkunft empfunden: Die rhythmischen Trommeln (der Schwarzen) werden als "erdverhafteter" Gegensatz empfunden zur "Himmels"-Musik der einseitigen Tuareg-Geige, der Imzad, die früher als würdig empfunden wurde, von adligen Tuareg (meistens Frauen) gespielt zu werden. Zur Imzad wurden auch die Heldenlieder gesungen.

Die Adligen haben früher die harten Handarbeiten den Sklaven überlassen. Heute müssen sie diese auch selbst tun. Hirtenarbeit in der Sahara ist sehr schwere Arbeit wie ja überhaupt das durchschnittliche Lebensalter noch heute sehr gering ist, da Krankenhäuser und Ärzte meist viele Tagereisen weit entfernt sind und bei Krankheit oft nicht mehr rechtzeitig aufgesucht werden können.

Wertvorstellungen der Tuareg

Singen tun die beiden Mädchen in dem Film unglaublich laut. Und gellende Schreie können sie ausstoßen, um die Ziegen zusammenzuhalten oder entfernte Kamelreiter auf sich aufmerksam zu machen ... Das zwei mal im Film erwähnte "Asheq" ist das System von Tugenden und Werten, das typisch ist für die Tuareg (Würde bewahren, vornehm, ritterlich sein und anderes mehr). Diese Werte sind an denen der früheren Adelsstämme orientiert.

Die Tuareg heiraten bald nach der Pubertät. Es gibt bei den Tuareg junge Frauen, 20 Jahre alt mit mehreren Kindern, und sie haben oft schon mehrere Ehescheidungen hinter sich. Das hat aber keine schlechte Auswirkung auf die Kinder, da der Familien- und Verwandtenzusammenhalt sehr eng ist. Es gibt bei ihnen aber auch Ehen, die ein Leben lang halten. Die Tuareg kann man als Lebens- und Überlebenskünstler empfinden. Sie, die wissen, wie gefährlich Wüsten sind - physische und seelische - haben schon vor vielen hunderten von Jahren auf das reagiert, womit sich Europäer erst seit einhundert Jahren beginnen auseinander zu setzen:

"Die Wüste wächst. Weh dem, der Wüsten birgt." (Friedrich Nietzsche)
__________________
  1. Hansen, Bettina: A Love Apart. Journeyman.tv (52mins) Location: Niger. Gebrueder Beetz Filmproduktion Published: 15 Jun, 2007 (Trailer)

Freitag, 13. Juli 2007

Die Geschichte der Gewaltlosigkeit

Eine Filmdokumentation
"Non-violence is a great live philosophy. It has always been inspired by deep moral and religious convictions and today it is the only coherent answer to the spire (= die Spirale) of violent surrondings."
Übersetzt:
"Gewaltlosigkeit ist eine große Lebensphilosophie. Sie ist immer von großen moralischen und religiösen Überzeugungen inspiriert gewesen und heute ist sie die einzige in sich schlüssige Antwort auf die Spirale einer Umwelt voller Gewalt."

- Bei der Suche nach Video's über Leo Tolstoi kann man auf eine interessante Filmdokumentation unter dem Titel "History of Non-violence" (auf Youtube in fünf Teilen) stoßen. Die Nationalhymne der DDR zum Beispiel gab einem Wunsch Ausdruck -
"... Daß nie eine Mutter mehr
|: Ihren Sohn beweint. :|",
den die heutigen Abgeordneten des deutschen Bundestages nicht erfüllen wollen. Insbesondere auch nicht die Abgeordneten der "Grünen", deren "großer" Außernminister Joschka Fischer Deutschland wieder als ein Land in die internationale Gemeinschaft einführte, das bereit ist, Mütter ihre Söhne beweinen zu lassen.

Reinhard Mey singt "Seid wachsam", "vergeßt nicht" (Video-Google). Diese Gesellschaft ist viel zu wenig wachsam und vergißt viel zu viel. Im folgenden noch einige Gedanken und Bemerkungen während des Ansehens dieser Filmdokumentation.

Ghandi ließ sich durch die Schriften von Leo Tolstoi inspirieren. Der berühmte "Ghandi"-Film der 1980er (?) Jahre war eines der großen Erlebnisse in der Jugend des Autors dieser Zeilen. Das zweite große Film-Erlebnis war der einige Jahre später in die Kinos gekommene Film über Martin Niemöller. Martin Niemöller wird in dieser Video-Reihe nicht erwähnt.

Ein Zitat Ghandi's aus diesem Film: "Es gibt keinen anderen Gott als die Wahrheit." Martin Luther King ließ sich durch Ghandi inspirieren.

"Ethnische Vielfalt ist von Bedeutung. Sie ist der Reichtum der Menschheit."

Mario Luis Rodríguez Cobos, Künstlername "Silo", geb. 1938 in Argentien und dort als Schriftsteller lebend, spricht sich unter anderem gegen Globalisierung aus, die nach seiner Meinung nur US-amerikanischer Imperialismus ist. Und auch die Sprecherin sagt im Anschluß daran etwas Wertvolles: "Diversity is very important. It is the richness of humanity."

Also: "Ethnische Vielfalt ist von Bedeutung. Sie ist der Reichtum der Menschheit."

Und Silo sagt: "Alle Menschen haben das Recht, selbst die Frage nach dem Sinn des menschlichen Lebens zu stellen, nach Liebe, nach Freundschaft und nach allem zu fragen, was die Poesie und die Größe menschlicher Existenz ausmacht, und welche die dummen und engstirnigen materialistischen Kulturen versuchen zu entwürdigen, alles in die Wertlosigkeit und Unordnung hineinziehend."

Es könnte aus deutscher Sicht zu dieser Filmreihe noch ergänzt werden, daß sich anläßlich der gewalttätigen Auseinandersetzungen während der Anti-Atomkraft-Bewegung der 1970er Jahre damalige "alternative" Gruppen und Bürgerinitiativen sehr viele Gedanken über gewaltlosen Widerstand machten. Wir übten damals in den Bürgerinitiativen gewaltlosen Widerstand ein und wie man gewaltbereite Demonstraten von den übrigen Demonstranten trennen kann, so daß der gewaltfreie Widerstand nicht diskreditiert wird durch gewaltbereite Menschen.

Auch unter diesem Aspekt ist der Verrat unserer Bewegung durch Joschka Fischer, der von Anfang an, wie wir wissen, ein gewaltbereiter Mensch war, ein unermeßlicher. Dafür, daß dieser Politiker so beliebt sein soll, dafür kann man nur außerordentlich wenig Verständnis aufbringen.

Ohne solche Politiker könnten wir längst viel weiter sein - national und international.

Mittwoch, 11. Juli 2007

Amish People


Die Amish People in Lancester County, Pennsylvania. Neben den Hutterern in Kanada die ethnisch-religiöse Gruppierung in der Welt mit der höchsten durchschnittlichen Geburtenrate (etwa acht Kinder pro Frau). In vielerlei Hinsicht von Interesse, um sozialpsychologische Mechanismen zu verstehen. Als Muttersprache sprechen sie einen deutschen, alemannischen Dialekt. Englisch ist nur Zweit- und Schulsprache, nicht Umgangssprache.

________________________


Warum Video's bei "Studium generale"? Sie werden zusammen gestellt aus der Erkenntnis heraus, daß Kulturgestaltung, Lebensreform, Gesellschaftsreform immer auch etwas mit "Stimmungen" zu tun hat - und nicht nur mit rein rationalen Erkenntnissen. Man kann Video's als gut geeignet empfinden, sich auch über zukunftsweisende (gesellschaftliche) "Stimmungen" zu verständigen. Die Auswahl der Video's ist sehr willkürlich und natürlich auch vom persönlichen Geschmack bestimmt und von dem, was sich im Netz gegenwärtig findet. - Auch Dokumente zur Zeitgeschichte in Ton und Bild finden sich in dieser Reihe.

Das Internet kann nicht nur die traditionelle Zeitung, sondern auch das traditionelle Fernsehen und Kino mehr und mehr ersetzen.

Ein Vater im Einsatz



________________________


Vorschaubild
Warum Video's bei "Studium generale"? Sie werden zusammen gestellt aus der Erkenntnis heraus, daß Kulturgestaltung, Lebensreform, Gesellschaftsreform immer auch etwas mit "Stimmungen" zu tun hat - und nicht nur mit rein rationalen Erkenntnissen. Man kann Video's als gut geeignet empfinden, sich auch über zukunftsweisende (gesellschaftliche) "Stimmungen" zu verständigen. - Die Auswahl der Video's ist sehr willkürlich und natürlich auch vom persönlichen Geschmack bestimmt und von dem, was sich im Netz gegenwärtig findet. - Auch Dokumente zur Zeitgeschichte in Ton und Bild finden sich in dieser Reihe.


Das Internet kann nicht nur die traditionelle Zeitung, sondern auch das traditionelle Fernsehen und Kino mehr und mehr ersetzen.

Dienstag, 10. Juli 2007

Tschetschenien - "die größte kriminelle Handlung unserer Zeit"

Vorbemerkung vom 19.7.2018: In diesen Blogbeitrag war ursprünglich ein "Google Video" eingebunden, das heute nicht mehr am ursprünglichen Ort verfügbar ist. Leider lassen sich vorderhand auch weder der Titel, noch sonstige Angaben zur Herkunft des Videos rekonstruieren, außer den Angaben unten im Text, daß es 40 Minuten lang war und "offenbar von jungen, deutschen Islam-Gläubigen produziert worden ist". Nun der ursprüngliche Text (Abbildung heute, am 19.7.18, hinzugefügt).

Der hier eingestellte Film handelt von Tschetschenien und ist aus dem Herbst 2006. Er stellt den Charakter dieses Volkes und seiner außerordentlich grauenvollen und leidvollen Geschichte während des 20. Jahrhunderts und gegenwärtig dar.

Abb. 1: Tschetschenischer Freiheitskämpfer während der Kämpfe um Grosny, Januar 1995, Fotograf Mikhail Evstafiev (Herkunft: Wiki)

Es wird mit Sympathie für die Tschetschenen berichtet aber doch auch objektiv. Die Tschetschenen werden also weder als "Banditen" betrachtet - wie die russische Regierung und die russischen Medien das nur allzu oft noch in den letzten Jahren getan haben. Noch auch wird der tschetschenische Freiheitskampf der letzten Jahre, der nur allzu blutig war, und dessen tiefe Wunden, die noch lange nicht vernarbt sind, gar zu unangemessen "heroisiert".

Wenn man sich bei Google-Video-Suche umschaut, gibt es viele Video's, in denen russische Soldaten oder tschetschenische Freiheitskämpfer heroisiert werden oder sich selbst heroisieren. Schaut man sich diese gräßlichen Szenen an, von den Soldaten oder Kämpfern selbst gefilmt, wird klar, wie wenig wir im Westen von diesem ganzen Krieg mitbekommen haben.

"Liebe zur Freiheit und zur Religiosität"

In diesem Film nun heißt es ziemlich zu Anfang sehr treffend:

"... Das tschetschenische Volk ist für seine Liebe zur Freiheit und Religiosität bekannt. Sogar der russische Herrscher Alexander I. hat vor den Tschetschenen gewarnt, daß sie mit ihrer Neigung zur Freiheit den Widerstand der benachbarten Völker förderten. Er erklärte ebenso, daß es niemals Sicherheit für die Russen im Kaukasus geben wird, so lange auch nur ein einziger Tschetschene am Leben ist."

Von solchen Wahrnehmungen hört man immer wieder, wenn man sich ein wenig gründlicher mit der tschetschenischen Kultur und Geschichte beschäftigt. Alexander Solshenitzyn ist ebenfalls jemand, der mit großer Achtung von den Tschetschenen spricht, denen er im "Archipel Gulag" begegnet ist. Denn: Alexander I. war nicht der letzte russische Regierende, der nach dessen Motto gegenüber den Tschetschenen gehandelt hat. Der bisher letzte scheint Wladimir Putin zu heißen.

Vom zweiten Krieg Rußlands gegen Tschetschenien spricht der Film richtig und ohne jede sonst übliche Beschönigung als von

"der größten kriminellen Handlung unserer Zeit, welche für immer als schwarze, dunkle Punkte in der Geschichte der Menschheit verbleiben werden."

An dieser Aussage kann - leider - nichts korrigiert werden:

"Es war offensichtlich, daß die Russen ihr Feuer gegen unschuldige Zivilisten gerichtet hatten, da sie nicht in der Lage waren, den kampferfahrenen und mutigen Mudschaheddin auf dem Schlachtfeld gegenüber zu treten."

An dem Film wird deutlich, wie der rein nationale Freiheitskampf eines Volkes sehr bald religiöse Züge annimmt und im Angesicht einer drückenden russischen Übermacht und der Gleichgültigkeit von Seiten europäischer und US-amerikanischer Politik Anlehnung und Soldarität sucht in der übrigen islamischen Welt. Diese Verstärkung und Radikalisierung des Islam in Tschetschenien muß auch als eine Folge der Untätigkeit und Passivität des Westens gegenüber der Kriminalität und des verbrecherischen Handelns der russischen Regierung angesehen werden.

Unangemessene islamische Propaganda

Leider werden diese Dinge im Film nicht genügend herausgearbeitet. Dieser ist offenbar von jungen, deutschen Islam-Gläubigen produziert worden. Nicht genügend wird heraus gearbeitet, daß die strenger islamgläubigen Strömungen im tschetschenischen Volk zur Zeit des Beginns der Unabhängigkeit Tschetscheniens noch nicht die vorherrschenden oder ausschlaggebenden Kräfte waren, sondern daß das tschetschenischen Volk durch die aktive russische und gleichgültige westliche Politik immer mehr in eine religiöse Polarisierung hineingetrieben wurde.

Wenn alle Islam-Gläubigen so freiheitsliebend und tapfer wären wie die Tschetschenen, so heißt es da, wäre "der Islam die stärkste Macht der Welt". Reiner Unsinn ist das und wirkt auch sehr unreif. Die letzten 10 Minuten des 40-minüten Films wiederholen dann Szenen, die zuvor schon gebracht wurden. Sie machen Propaganda für den Islam und seinen "Heiligen Krieg". Es kann nützlich sein, sich so etwas auch einmal von der Innenperspektive her anzusehen. Zustimmen kann man dem natürlich nicht.

Der Schluß des Filmes hätte nicht nur deshalb nicht so viele Worte machen dürfen. Denn dem eigentlichen Entsetzen über den gegenwärtigen Völkermord in Tschetschenien wird damit eine ganz falsche Richtung und ein ganz ungenügender Ausdruck gegeben. Dies ist eine Gesellschaft, die im Sterben liegt - von niemandem auf der ganzen Welt wirklich verteidigt und unterstützt. Es gibt kein Volk heute auf der Erde, das so tief psychisch und physisch zerstört worden ist wie das tschetschenische. Und das in unserer "aufgeklärten" Zeit. - Da muß erst recht jede tagespolitische oder tagesreligiöse Propaganda schweigen, das kann nur noch stumm machen.

Sonntag, 25. Februar 2007

Stranger than ... Emma Thompson

Emma Thompson

"Stranger than Fiction", eine Verfilmung mit Emma Thompson als Hauptdarstellerin. Emma Thompson ist ja eigentlich immer schon eine Empfehlung, die für sich selbst spricht. Es muß halt nur jemanden geben, der einen dankbarerweise darauf hinweist, daß es einen solchen (neuen) Film gibt, der sich durch Emma Thompson empfiehlt ....

Es kommt ein Busunfall darin vor. Der Film kann einen total erschüttern und umwerfen. Bestimmt nicht wegen des kitschigen Inhalts. Und der Film ist von vorne bis hinten kitschig - rein vom Inhalt her gesehen. Aber wenn es jemanden gibt, der aus Kitsch ernst macht - machen kann, dann sollte dies - - - Emma Thompson sein. Sie ist brutal genug, all dem Seichten in unserer Welt (in unserer kulturellen Welt) eine brutale Wendung zu geben. Und sie ist ironisch genug, um allem Brutalen in unserer Welt (in unserer kulturellen Welt) jenen Hauch von Ironie zu geben, ... - - - nun, also, es muß ja charakterisiert werden, oder? Also: jenen Hauch von Ironie, ... der auch unseren besten Talk-Show-Mastern schon vor mehreren Jahrtausenden abhanden gekommen ist.

Maggie Gyllenhaal

Nachdem dieses also gesagt wurde, kann weiterhin nur gewarnt werden. Man sollte sich den Film nicht allein anschauen. Denn: Es ist ja doch ein Liebesfilm. Letztlich. Es kann ja doch kaum einen guten Film geben, wenn er nicht - letztlich - in irgend einer Weise ein Liebesfilm wäre. Und diese Maggie Gyllenhaal ... - Na also.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

Beliebte Posts (*darunter finden sich leider selten neuere Beiträge*)

Registriert unter Wissenschafts-Blogs

bloggerei.de - deutsches Blogverzeichnis

Haftungsausschluß

Urheber- und Kennzeichenrecht

1. Der Autor ist bestrebt, in allen Publikationen die Urheberrechte der verwendeten Bilder, Grafiken, Tondokumente, Videosequenzen und Texte zu beachten, von ihm selbst erstellte Bilder, Grafiken, Tondokumente, Videosequenzen und Texte zu nutzen oder auf lizenzfreie Grafiken, Tondokumente, Videosequenzen und Texte zurückzugreifen.

2. Keine Abmahnung ohne sich vorher mit mir in Verbindung zu setzen.

Wenn der Inhalt oder die Aufmachung meiner Seiten gegen fremde Rechte Dritter oder gesetzliche Bestimmungen verstößt, so wünschen wir eine entsprechende Nachricht ohne Kostennote. Wir werden die entsprechenden Grafiken, Tondokumente, Videosequenzen und Texte sofort löschen, falls zu Recht beanstandet.