Montag, 31. Mai 2021

Britische Fairness in der Archäologie? - Colin Renfrew verkörpert sie

"Gustaf Kossinna lacht," so hatte man es 2017 gehört (1). Ein Wissenschaftler aber behielt Haltung: Colin Renfrew. Er war und blieb "very british", "very old school", vom Geist wissenschaftlicher Fairness durchdrungen. Er hielt einen Vortrag in Chicago, betitel "Marija Gimbutas quicklebendig" . . . (2).
- Ein Jahr später brachte ein anderer Archäologe in Wien die Dinge ebenfalls sehr klar auf den Punkt (4).

Nur wenige Wissenschaftler wird es geben in der Welt, die das Scheitern des wichtigsten Grundgedankens ihres wissenschaftlichen Lebens mit einer solchen Gelassenheit, Ruhe und inneren Überlegenheit zur Kenntnis nehmen und vortragen wie das der britische Archäologe Sir Colin Renfrew (geb. 1937)  in einem Vortrag in Chicago im Jahr 2017 getan hat (2).*)


Der weltweit sehr angesehene britische Archäologe Sir Colin Renfrew, sollten wir ergänzen. Die hier eingenommene menschliche Haltung darf man vorbildlich nennen. Keineswegs überall begegnet man ihr. In diesem Vortrag referiert Colin Renfrew schwere bis schwerste Einschläge auf dem Schlachtschiff seines wissenschaftlilchen Grundgedankens, genannt "Anatolien-Hypothese" (nämlich für die Ausbreitung der indogermanischen Sprachen). 

Für völlig gesunken hält er das Schlachtschiff am Ende seines Vortrages noch nicht. Aber man merkt dem Vortrag schon an, daß dem Vortragenden Zukünftiges schwant und daß er auf vieles gefaßt ist ....  Und der Vortrag fand statt im November 2017 . . .

Mit welcher Großzügigkeit Renfrew spricht. Das mutet uns nicht nur "very british" an, sondern geradezu "very old school". .... Gelassener Freiraum, gelassene Fairness im Ideen-Wettbewerb ....   Gelassene Fairness im Erkenntnisstreben auch rund um große Perspektiven zur Menschheitsgeschichte. Wie kann man in der Nähe solcher Menschen aufatmen. 

Kein Millimeter "Ideologe"

Von "Ideologie" und von Klammern an ideologische Grundpositionen keine Spur. Nicht die geringste. (Denn was ist Ideologie? Das Aufrechterhalten von Grundeinsichten auch dann, wenn sie längst vom wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt widerlegt und überholt sind ....) In Minute 11 sagt Renfrew als Kernsätze seines Vortrages (zitiert in Paraphrase) (2):

Die Archäogenetik hat einige der Theorien von Marija Gimbutas wiederbelebt. Hätte ich diese Vorlesung vor drei oder vier Jahren gehalten, hätte ich sie mit sehr vielen kritischen Äußerungen über Marija Gimbutas beendet. Aber Sie werden sehen, daß gerade sie am Ende als der trimphierende Vorläufer dessen dastehen wird, was wir heute an Erkenntnissen in den wissenschaftlichen Laboren gewinnen.

Wie er einleitend erzählte, kannte Renfrew Marija Gimbutas persönlich und verbindet schöne Erinnerungen mit ihr. Seinen Vortrag hat er beitelt "Marija Revidiva". Das ist Latein und könnte etwas frei übersetzt werden mit: "Marija - jung und quicklebendig".

Der Bloginhaber hatte just zur selben Zeit - im November 2017 - in seinem Aufsatz "Kossinna lacht - Er lacht und lacht und lacht" neben einer Fülle von neuen Detail-Erkenntnissen (Wiki) auch menschlichen Gefühlen einen Ausdruck gegeben, die man haben kann im Angesicht dieser großen Wende in der Wissenschaftsgeschichte (2). Gefühle des von Renfrew schon genannten Triumphes waren hier ebenso beigemischt wie Gefühle von mancherlei Trauer und Scham über das kleingeistige Verhalten von so vielen "besiegten" deutschen Archäologen. 

Marija - jung und quicklebendig

Deren dort referiertes Verhalten sticht ja nun noch einmal um so deutlicher ab, um so mehr man sehen kann, wie ruhig und gelassen der "große" Colin Renfrew im Angesicht dieser Wende der Wissenschaftsgeschichte bleibt, wie er Fassung und Haltung völlig bewahrt.

Wie außerordentlich integer - nobel, "britisch", weit über der Sache stehend, humorvoll, großzügig, sachlich - einfach angemessen auf die Neuerkenntnisse dieser Revolution reagierend spricht Renfrew.  Er hadert nicht lange. Er redet nicht lange um den heißen Brei herum. Er vesinkt nicht in Ohnmacht. Er schreit nicht die Himmel an in Verzweiflung. (Man erinnere sich an die damalige verzweifelte Frage eines deutschen Archäologen: "Wolf im Schafspelz oder Schaf im Wolfspelz?" [1] Wer so fragt, schreit in der Tat die Himmel an in Verzweiflung.)

Eine solche Art mit den Dingen umzugehen und einen solchen Vortrag wie den von Renfrew (2) darf man feiern. So geht Wissenschaft. So geht Wissenschaft also - auch. Doch. Das ist eine Größe, die ihr - dem Prinzip nach - innewohnt und der sich anzunähern uns wissenschaftsnahen Menschen allen möglich ist, wozu wir auch aufgefordert sind.

Und was für eine exzellentes Oxford-Englisch Renfrew spricht! Entspringt sie diesem Oxford-Englisch, diese britische Fairness? Oh, Sprache ist voller Geheimnisse. Schon aus diesem Grund jedenfalls ist es ein Genuß, ihm zuzuhören.

Renfrew gab Dergachev Anregung

Und all das sagt er, obwohl gerade er, er - mit seiner Anatolien-Hypothese - als der "Haupt-Leidtragende" jener Revolution zu benennen ist, die er referiert. Er ist derjenige, der den größten Verlust zu bedauern und zu betrauern hat, den wichtigsten Grundgedanken seines Lebens. Und Renfrew erkennt den - etwaigen - Tod seines Lebenswerkes mit einer solchen Weite des Herzens an, ohne alles Zaudern, ohne alles Zagen, ohne alle Bitternis, ohne jede Häme. 

Von nicht vielen Wissenschaftler erfährt man eine solche Haltung. Wir geben zu: Renfrew (und den Genetiker Cavalli-Sforza, mit dem er zusammen arbeitete), sie hatten wir beide nie für voll genommen - gerade weil sie (in unseren Augen verbohrt und so viele Detail-Erkenntnisse unberücksichtigt lassend) die Anatolien-Hypothese so lange Jahre vertreten hatten.

Aber dieser Vortrag beeindruckt uns jetzt doch. Und dieser Umstand ruft uns in Erinnerung, daß es ja gerade auch Colin Renfrew war, der den moldavischen Archäologen Vladimir Dergachev im Sommer 1999 um einen Tagungsbeitrag gebeten hatte, auf daß der Forschungsstand auf einer Tagung auch im Sinne der Thesen von Marija Gimbutas vorgetragen würde. Und aus diesem Tagungsbeitrag erst ist später das wertvolle Buch von Dergachev des Jahres 2007 hervorgegangen. Renfrew stand offenbar schon immer über gar zu kleinlichem Hader. So kann  offenbar aus diesem Umstand abgelesen werden. 

Noch blieb eine Hintertür . . .

Ab Minute 47 (2) behandelt Renfrew die Genetik. Er berichtet, daß der Titel der wichtigsten archäogenetischen Studie des Jahres 2015, die die wissenschaftsgeschichtliche Wende einleitete

"Massive Ausbreitungsbewegungen aus der Steppe heraus sind die Quelle für die indoeuropäischen Sprachen in Europa"
den beteiligten Archäologen in dieser Form zu voreilig gewesen wäre ("jumping to many guns"). Deshalb sei der Titel umformuliert worden und deshalb sei in der Veröffentlichung im Titel nur noch von "einer Quelle" die Rede. Allerdings fragt man sich auch an dieser Stelle wieder erstaunt: Welche andere Quelle für sie sollte es geben? 

Nun, in Minute 56 läßt Renfrew die Frage offen, ob nicht doch die Steppen-Genetik zuerst in Anatolien beheimatet war, sich von dort nach der Steppe ausgebreitet hat und dann erst von dort aus weiter ausgebreitet hat. In diesem Sinne wäre es also recht zu sagen, daß es eine "weitere Quelle" für die indoeuropäischen Sprachen geben könnte.

Ob im Jahr 2021, dreieinhalb Jahre nach diesem Vortrag das noch jemand glaubt, bleibe dahin gestellt. Aber dieses kleine Schlupfloch gab es 2017 wohl tatsächlich noch.

Und übrigens: Aus der Grafik in Minute 59:38 (2) wäre zu folgern: Die Glockenbecher entstanden im nördlichen Ungarn und in der Slowakei.

"Gold, Genetik, Gesellschaft" (2017)

Abb. 1: Gold, Genetik ...

Ergänzung 24.9.21: Schon am 30.9.2017 hatte die Wiener Archäologin Barbara Horejs (geb. 1976) (Wiki) in Traunkirchen einen Vortrag gehalten mit dem spannenden Titel "Gold, Genetik, Gesellschaft - Aktuelles zu Naturwissenschaften und Technik in der Archäologie" (Salzi). 

Sie organisierte mit anderen Fachkollegen am 14. und 15. Dezember 2018 in Wien eine Archäologen-Tagung zu dem Thema "Genes, Isotopes and Artefacts - How should we interpret the movements of people throughout Bronze Age Europe?" (3).

Zu dieser sprach sie auch die einleitenden Worte (Yt), in denen sie klar von einer Revolution in der Archäologie durch die Archäogenetik spricht. Horejis forscht vornehmlich zur kupfer- und bronzezeitlichen Archäologie Griechenlands, Anatoliens und des Balkans. Ihren Magister Artium hat sie 2002, ihren Dr. phil 2005 an der FU Berlin bei Bernhard Hänsel abgelegt (CV pdf).

2013 bis 2020 war sie Direktorin des Instituts für Orientalische und Europäische Archäologie, seit 2021 ist sie Direktorin des Österreichischen Archäologischen Instituts, beide an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (OEAW, Uni Tübingen). In einem Podcast, der jüngst mit ihr gesendet wurde, kann man erleben, wie differenziert sie sich ausdrückt und die Forschungsergebnisse beschreibt (4).

Den wichtigsten Vortrag auf der genannten Konferenz in Wien im Dezember 1918 hielt aber der dänisch-schwedische Archäologe Kristian Kristiansen (5). Von den neun eingestellten Vorträgen dieser Tagung ist sein Vortrag der am häufigsten aufgerufene (über 3000 mal).

Er faßt den Erkenntnisstand des Jahres 2018 in der Tat auch schon sehr eindruckvoll zusammen und ist recht sozusagen "unverfroren", was Deutungen dieses Forschungsstandes betrifft. Er spricht klarer Worte aus zu ihm als die meisten anderen Wissenschaftler bis heute (Abb. 2). 

Abb. 2: Aus der Zusammenfassung des Vortrages von Kristian Kristiansen (5)

Kristiansen sagt (Abb. 2) (5):

Ausbreitungsbewegungen und ethnische Gewalt vollziehen sich entsprechend einem Jahrtausende alten Muster von 1) Massenmord ganzer Gemeinschaften/Gruppen, 2) dem Töten von Männern und der Entführung von Frauen jeweils von außerhalb der eigenen ethnischen Gruppierung.
- Ethnische Identitäten sind stark während der Ausbreitung und der Ansiedlung, ebenso wie das Kriegertum der Männer (Schnurkeramiker)
(...)
- Die Ideologie spricht Belohnung durch die Götter zu, wenn Krieger neue Territorien erobern. So ist es enthalten in den mythischen Erzählungen und Ritualen indoeuropäischer Erzählungen von Krieger-Heroen.

Am Ende führt Kristiansen noch einmal aus, in welcher Hinsicht Marija Gimbutas recht behalten hat.

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*) Auf diesen Vortrag wird man übrigens aufmerksam, wenn man den Anfang des neuesten Interviews mit dem Sprachhistoriker Harald Haarmann hört. Ein Interview, das ansonsten aber der Eigenwilligkeiten, ja, des Festhaltens an längst erkannten Irrtümern von Seiten von Haarmann genügende aufzeigt - aber das gehört ganz woanders hin.

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  1. Bading, Ingo: Kossinna lacht, er lacht und lacht und lacht, November 2017, https://studgendeutsch.blogspot.com/2017/11/kossinna-lacht-er-lacht-und-lacht-und.html.
  2. Lord Colin Renfrew: Marija Rediviva - DNA and Indo-European Origins. The First Marija Gimbutas Memorial Lecture. The Oriental Institute, Chicago, 8.11.2017; veröffentlicht 14.03.2018, https://youtu.be/pmv3J55bdZc?t=330.  
  3. "Genes, Isotopes and Artefacts - How should we interpret the movements of people throughout Bronze Age Europe?" Archäologen-Konferenz unter der Leitung von Barbara Horejs (Direktorin der OREA), Claudio Cavazzuti und Benjamin Roberts, organisiert von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften am 14./15.12.2018 in Wien, https://www.oeaw.ac.at/detail/news/bronzezeit-in-bewegung, https://www.oeaw.ac.at/en/detail/news/genes-isotopes-and-artefacts
  4. Erklär mir, wie wir sesshaft wurden, Barbara Horejs. Podcast, 22. Juni 2021, https://erklaermir.simplecast.com/episodes/172
  5. Kristiansen, Kristian: Genes, diseases, and migrations: what relationship? Indo-European expansions reconsidered. Vortrag auf der Archäologie-Konferenz "Genes, Isotopes and Artefacts - How should we interpret the movements of people throughout Bronze Age Europe?" am 14./15.12.2018 in Wien (siehe 3.) (Eingestellt 14.1.2019), https://youtu.be/oi1C1XMYU2Q.

Freitag, 28. Mai 2021

Wie gelangte die osteuropäische Hausmaus nach Mitteleuropa?

Vermutlich während der Umbruchzeit um 2.900 v. Ztr. auf den Rinderwagen der sich nach Westen ausbreitenden Völker. Denn in der Frühbronzeit gelangte ja auch die westeuropäische Hausmaus nach England

Vorbemerkung: Unser Blogartikel "Die Städte der Indogermanen und ihre Hausmäuse" (St.gen. 2014) aus dem Jahr 2014 stellen wir hier unter neuem Titel erneut ein, weil es im Jahr 2020 eine neue Studie zum Thema gegeben hat (5). Deren wesentlichste Erkenntnisse kommen unseren eigenen, schon 2014 geäußerten Vermutungen näher und sind deshalb in den alten Blogartikel eingearbeitet worden.

Neue Studien zur genetischen Geschichte der osteuropäischen und der indischen Hausmaus von 2013 und 2020

Seit 2008 verfolgen wir hier auf dem Blog in inzwischen sechs Beiträgen die Forschung zur Herkunft der europäischen Hausmaus-Arten. Es gibt eine westeuropäische (Mus domesticus) und eine osteuropäische (Mus musculus) Hausmaus-Art. Die Art-Grenze zwischen beiden zieht sich auffallender Weise - so wie es der Eiserne Vorhang während des Kalten Krieges tat - von Ostholstein aus nach Süden bis in den Balkanraum und von dort über Anatolien bis in den Kaukasus. Nördlich der Donau und des Kaukasus gibt es die osteuropäische Hausmaus (in Abbildung 1 die blauen Punkte), südlich der Donau und des Kaukasus gibt es die westeuropäische Hausmaus (siehe Abbildung 1 die roten Punkte).

Abb. 1: Die Verbreitung der Hausmaus-Arten in Asien. Nach einer japanische Studie aus dem Jahr 2013 (1) (rote Punkte = westeuropäische, blaue Punkte = osteuropäische, gelbe Punkte = indische Hausmäuse)

In Skandinavien (nicht in der Abbildung 1 verzeichnet!) lebt seit der Wikingerzeit eine Hausmaus-Art, die eine Mischung beider vorgenannter Arten darstellt. Sie entstand, was hier auf dem Blog der Ausgangspunkt war, in Oldenburg in Ostholstein. Und wo sie auftritt - etwa auf der Insel Madeira - ist sie ein Hinweis auf erste wikingerzeitliche Besiedlung.

Die ersten Hausmäuse in Großbritannien traten in der Frühbronzezeit in Südengland auf in der Gegend von Stonehenge, breiteten sich aber - interessanterweise! - über lange Jahrhunderte innerhalb Englands nicht weiter nach Norden aus.

Alle hier auf dem Blog behandelten Daten deuteten bisher darauf hin, daß die Hausmaus um sich auszubreiten eine vergleichsweise große, fast "stadtartige" Bevölkerungsdichte benötigt und überregionalen Handelsaustausch. Verhältnisse jedenfalls, wie sie es in der Wikinger-Zeit gegeben hat, dementsprechend (und inzwischen immer besser bekannt) auch ab dem europäischen Endneolithikum (der Schnurkeramik- und Glockenbecher-Kultur) und der Frühbronzezeit (z.B. Aunjetitzer Kultur mit Stadt-ähnlichen Höhenburgen und überregionalem Handel).

In dem ältesten Beitrag zum Thema hier auf dem Blog ist später nachgetragen worden, daß es auch schon seit vielen Jahrzehnten Hinweise auf Hausmäuse - und sogar Katzen - in Siedlungen der Bandkeramik gibt, daß auch neuere genetische Studien deren Existenz dort annehmen (2012, S. 80), also innerhalb der ersten seßhaften Bauernkultur in Mitteleuropa, die ja zugleich schon eine der höchsten Siedlungsdichten aller Folgekulturen bis zum Frühmittelalter hatte. 

Man könnte es für denkbar halten, daß es nach dem Untergang der Bandkeramik und bis zur Frühbronzezeit in Mitteleuropa keine Hausmäuse mehr gegeben hat aufgrund der geringeren Siedlungsdichte der extensiver Rinderherden-Haltung betreibenden Nachfolgekulturen im Mittelneolithikum. Wie sonst soll die genannte, noch heute vorhandene markante Artgrenze zwischen west- und osteuropäischer Hausmaus quer durch Europa zustande gekommen sein, die mit dem Verbreitungsgebiet der bandkeramischen Kultur vom Schwarzen Meer bis zur Kanalküste ganz gewiß nicht erklärt werden kann.

Die westeuropäische Hausmaus stammte jedenfalls aus dem Mittelmeerraum, rund um dessen Küsten sie sich mit den ersten bäuerlichen Siedlern ausgebreitet hat. Und sie ist in jenem Fruchtbaren Halbmond - wahrscheinlich in Südanatolien - entstanden, wo auch der größte Teil unserer domestizierten "sonstigen" Haustierarten und -pflanzen her stammt. Man hat die Hausmaus dort überraschenderweise schon in den halb-seßhaften Siedlungen des "Natufiums" gefunden (9.000 v. Ztr.), also schon zu einer Zeit, als dort Getreide noch gar nicht angebaut wurde, sondern nur wilde Getreidearten geerntet und gelagert wurden. Während die Menschen gleichzeitig von Massen-Jagden auf wilde Gazellen-Herden lebten, was zusammen genommen auch eine hohe Bevölkerungsdichte ermöglichte.

/ Einfügung, 28.5.2021: Ob dieser Umstand auch zur Erklärung der etwaig frühen Domestizierung der osteuropäischen Hausmaus herangezogen werden kann? Hat es ein kulturelles Zentrum von Ernte-Völkern, die vom Ernten wilden Getreides gelebt haben, auch östlich des fruchtbaren Halbmondes gegeben oder im östlichen Teil desselben? Und hat sich die osteuropäische Hausmaus aus diesem Zentrum heraus zusammen mit den dortigen Bauernvölkern der iranisch-neolithischen Völkergruppe bis zur Marghiana und weiter verbreitet (so wie die iranisch-neolithische menschliche Herkunftskomponente auch)? Dies deutet sich immer mehr an mit neuen Forschungen (Abb. 2) (5). 

Abb. 2: Verbreitung der osteuropäischen Hausmaus aus dem Ostteil des Fruchtbaren Halbmonds herum ab etwa 16.000 bis 11.000 v. Ztr. - nach einer neuen Studie aus dem Jahr 2020 (aus: 5)

/ Ende der Einfügung. /

Zuletzt hatten wir 2011 hier auf dem Blog auf eine Studie über die osteuropäischen Hausmaus-Knochen und - Zähne hingewiesen, die man in der vorgeschichtlichen bulgarischen Königsstadt Warna am Schwarzen Meer (St.gen. 2011) gefunden hat aus der Zeit um 4000 v. Ztr., die - gut denkbbar - gemeinsam mit indogermanischen Völkern der Steppe vom Kaspischen Meer aus nach Warna gebracht worden sind (gemeinsam mit der iranisch-neolithischen Herkunftskomponente) und sich von dort aus dann mit den endneolithischen Schnurkeramikern bis hoch an die Ostsee ausgebreitet haben.

Eine japanische Studie von 2013 widerspricht

In den letzten drei Jahren ist die Hausmaus-Forschung kräftig weitergegangen und es ist viel dazu publiziert worden, sogar ganze Bücher nur zu diesem Thema. Und so ist es natürlich spannend, einmal wieder einen Blick in sie hinein zu werfen. Eine 2013 erschienene japanische Studie (1) (siehe auch Abbildung 1) erweitert ganz besonders das Wissen. Geht sie doch der Herkunft und Verbreitung der osteuropäischen Hausmaus genauer nach als das bisher geschehen ist. Womit sie inhaltlich unmittelbar an unseren letzten Beitrag zum Thema hier auf dem Blog anknüpft. Zugleich verfolgt sie auch die Ausbreitung der indischen Hausmaus nach Südostasien hinein sehr detailliert.

Japanische Genetiker haben schon vor Jahrzehnten über ganz Asien hinweg Blutproben von Hausmäusen gesammelt. Diese konnten für die neue Studie erneut ausgewertet werden mit den verbesserten Gen-Sequenzierungs-Techniken, die in unseren Tagen verfügbar sind.

Die Forscher verschlagworten ihre Studie mit dem reichlich widersprüchlichen Begriff "wild house mouse". Denn sie vertreten die These, daß zwar die indische Hausmaus sich erst mit dem Domestizierung von Hirse und Reis von Nordindien nach Indien und Südostasien ausgebreitet habe. Das Entstehungsgebiet der osteuropäischen Hausmaus lokalisieren sie rund um das Kaspische Meer, was zunächst auch recht plausibel klingt. Allerdings soll diese sich nun von dort aus schon während der Eiszeit vor zehn- bis zwanzigtausend Jahren (!) über die Wüstenoasen der Taklamakan nach China hinein und über ganz Asien bis hoch nach Korea und Japan ausgebreitet haben, ebenso in Richtung Europa. Die Genetiker glauben für diese These mehrere unabhängige Belege anführen zu können, auf die hier nicht im einzelnen eingegangen werden soll. Man darf aber gespannt sein, ob sich diese These, daß die erste Verbreitung der osteuropäischen Hausmaus nicht an größere menschliche Bevölkerungsdichte gebunden gewesen sein soll, halten wird. Denn sie steht konträr zu unserem derzeitigen Wissen über die Verbreitung der westeuropäischen Hausmaus vom Fruchtbaren Halbmond aus bis nach England und Skandinavien und der indischen Hausmaus von Nordindien aus über ganz Südostasien.

Einfügung: Eine Studie von 2020 nähert sich dem Geschehen im Fruchtbaren Halbmond an

/ Einfügung, 28.5.2021: Die Datierung der Entstehung von Mus musculus  ist inzwischen in einer neuen Studie aus dem Jahr 2020 (5) auf 13.000 bis 18.000 vor heute vordatiert worden (11.000 bis 16.000 v. Ztr.) (s. Abb. 2). Das liegt schon zeitlich parallel zum Natufium im Vorderen Orient und damit sind wir schon zeitlich im Bereich des Übergangs zum Neolithikum auch für die Entstehung der osteuropäischen Hausmaus. Ende der Einfügung./

Sieht man sich das erstmals von genetischer Seite in dieser Studie gründlicher aufgearbeitete Verbreitungsgebiet der osteuropäischen Hausmaus an (die dunkel- und hellblauen Punkte in der Abbildung 1), dann will einem eine Ausbreitung dieser Hausmaus-Art gemeinsam mit den endneolithischen ersten Städten der indoeuropäischen Kurganvölker am Nordrand des Kaspischen und Schwarzen Meeres bis hoch nach Sibirien und bis nach Warna und bis in das sonstige Osteuropa hinein - so wie diese Stadtentwicklung so verdienstvoll von dem Archäologen Hermann Parzinger überblicksartig in einem ersten Wurf dargestellt worden ist (2) - viel plausibler erscheinen.

/ Einfügung 28.5.2021: Es deutet sich jetzt durch die Ergebnisse der Archäogenetik an, daß die indogermanische Herkunftskomponente schon vergleichsweise früh in die Cucuteni-Tripolje-Kultur sich eingemischt haben könnte (so wie in Warna, etwa 4.400 v. Ztr.), und daß deshalb auch schon die ältesten Städte Europas, die Megasites dieser Kultur von dieser mit getragen worden sind. Sie könnten ja auch die osteuropäische Hausmaus mit in diese Kultur gebracht haben, so wie sie sie offenbar nach Warna gebracht haben. /Ende der Einfügung./

Etwas mysteriös scheint sich auch die Frage zu gestalten nach der Geschichte der "Clade F"-Maus, die es heute sowohl in Deutschland gibt, andererseits (siehe Abbildung 1) auch eine so prononcierte, punktuelle weitläufige Verbreitung aufweist, daß sie einerseits in Somalia auftritt und andererseits im tiefsten China, bzw. Nordwestchina. Und zwar jeweils ganz punktuell. Die Orte ihres Auftretens in Nordwestchina - Lanzhou und Xining - werden auf der Handelsroute der Sogder während der Tang-Zeit in China gelegen haben. Ist diese Clade F also womöglich mit den Tocharern direkt von Westeuropa aus nach Innerasien gekommen?

Die Bedeutung der Hausmaus-Forschung sollte deutlicher als bisher ins Bewußtsein der Archäologen treten

Und auf dieser Linie gibt es noch zahlreiche weitere offene Fragen, wenn man sich die Verhältnisse regional vor Ort ansieht. Auch hier wird die Ancient-DNA-Forschung künftig sicherlich viel neues Licht auf die Dinge werfen können. Aber solange die Archäologen gar nicht auf breiterer Linie als bisher wahrnehmen und ihnen bewusst wird, dass die Hausmäuse vielleicht der hervorragendste Indikator für stadtähnliche Bevölkerungsdichten einer archäologischen Kultur und für überregionalen Handel darstellen und sich hierbei eignet womöglich zu einem weltweiten Vergleich - und das scheint in der Tat noch weite Wege zu haben - so lange werden wir bezüglich der genetischen Geschichte der Hausmaus wohl in den nächsten Jahren immer wieder einmal nur so vereinzelte, punktuelle Forschungsergebnisse erhalten wie bisher.

Dabei eignet sich das Thema hervorragend für ein breit angelegtes, internationales, interdisziplinäres Projekt wie sie so gerne von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und anderen gefördert werden. So lange das nicht erkannt ist, werden wir wohl auf ein rundes und abgeschlossenes Bild, in dem sich eine wichtige Etappe in der sozioökonomischen Entwicklung der Kulturen weltweit abspiegeln könnte, noch einige Jahrzehnte mehr als nötig warten müssen.

Die syrische Wildkatze in Mitteleuropa 5.500 bis 4.000 v. Ztr.

[Ergänzung 27.2.2018]: Lebten syrische Wildkatzen als Kulturfolger zwischen 5.500 und 4.000 v. Ztr. in der Nähe der frühneolithischen Siedlungen in Mitteleuropa - Und starben sie dort danach dann wieder aus?  Nach einer neuen polnischen ancientDNA-Studie (3) treten zwischen 5.500 v. Ztr. und 4.000 v. Ztr. Wildkatzen des Vorderen Orients im Umfeld von bäuerlichen Siedlungen in Mitteleuropa auf. Das deutet darauf hin, daß syrische Wildkatzen als Kulturfolger mit den ersten Bauern Europas, den Bandkeramikern, im Frühneolithikum aus dem Vorderen Orient nach Mitteleuropa kamen.

Damals war die Siedlungsdichte in Mitteleuropa die höchste vor dem Frühmittelalter. Als die Siedlungsdichte im Mittelneolithikum mit der Ausbreitung der Trichterbecherkultur wieder zurück ging, verschwand auch die syrische Wildkatze aus Mitteleuropa wieder. Anhand dieser Erkenntnisse kann nun genauer eingegrenzt werden, wie sich die mutmaßliche Hauptbeute dieser syrischen Wildkatze ausbreitete in Mitteleuropa, nämlich die Westeuropäische Hausmaus. Darüber wird in der neuen Studie gar nichts gesagt, aber es kann dazu gesagt werden, daß Voraussetzung des Aussterben der syrischen Wildkatze in Mitteleuropa um 4.000 v. Ztr. das gleichzeitige Aussterben der westeuropäischen Hausmaus in Mitteleuropa einhergegangen sein wird.

Aber um 4.300 v. Ztr. findet sich die osteuropäische Hausmaus schon in Warna in Bulgarien, wo zugleich die ersten Indogermanen feststellbar sind. Mit ihnen wird sie sich dann in den Folgejahrhunderten weiter nach Westen ausgebreitet haben, nachdem dort um 4.000 v. Ztr. sowohl die syrische Wildkatze als auch ihr Beutetier, die westeuropäische Hausmaus vorläufig ausgestorben waren. Die indogermanische, westeuropäische Glockenbecherkultur brachte dann die westeuropäische Hausmaus um 2.300 v. Ztr. nach Südengland. In dieser Zeit des Spätneolithikums könnten sich also osteuropäische und westeuropäische Hausmaus in Europa so ausgebreitet haben, daß sie die heutige Artgrenze an der Elbe von der Ostsee bis zur Donau ausbildeten. Vieles deutet darauf hin, daß das Schwanken des Auftretens der Hausmaus - wie schon im Frühneolithikum im Vorderen Orient - auch in Mitteleuropa mit der jeweiligen Siedlungsdichte korreliert (quasistädtische Siedlungsweise und überregionaler Handelsaustausch).

Einfügung 28.5.2021: Ob die Ausbildung der Artgrenze Mitten durch Europa auch etwas über das Verhältnis der miteinander verzahnt siedelnden Schnurkeramik- und Glockenbecherr-Kultur gerade eben im Bereich dieser Artgrenze aussagt? /Ende der Einfügung./

Die domestizierte Katze kam nach derzeitigem Kenntnisstand erst mit den Römern wieder nach Mitteleuropa. Zwischen 2.300 v. Ztr. bis 100 v. Ztr. scheint also der Hauptfeind der Hausmäuse in Mitteleuropa die europäische Wildkatze gewesen zu sein.

Ergänzung [15.3.2020]: Eine 2016 erschienene Studie russischer Genetiker zur osteuropäischen Hausmaus (4), auf die wir erst jetzt aufmerksam werden, hat - soweit erkennbar - keine wesentlichen neuen Erkenntnisse erbracht. In ihr heißt es (4):

Ein großer Teil Sibiriens ist durch einen Abstammungszweig der Hausmaus besiedelt worden, der durch die Transsibirische und die Baikal-Amur-Eisenbahnen ausgebreitet worden ist.
A vast part of Siberia was colonized by one phylogenetic branch of house mice, which were spread by the Trans-Siberian and Baikal-Amur railways.

Zur Erklärung der immer noch offenen Frage, wann und wie es zur Ausbildung der Artgrenze der west- und osteuropäischer Hausmäuse zwischen Ostsee und Donau gekommen ist, könnte gegenwärtig entweder das Ausbreitungsgebiet der Kugelamphoren-Kultur mit ihren Rinderwagen herangezogen werden, der westlich der Elbe die Wartburg-Kultur mit ihren Rinderwagen gegenüber stand oder aber die jeweiligen Hausmäuse haben sich erst mit der Schnurkeramik-Kultur, die ebenfalls in Hauptteilen nur bis zur Elbe kam, erklärt werden, während die Glockenbecher-Kultur sich über ganz Europa westlich der Elbe ausbreitete und - angenommener Weise - eine Siedlungsverdichtung und Intensivierung des Handelsaustausches mit sich brachte. Wann nun also die westeuropäische Hausmaus östlich der Elbe - wie zu vermuten steht - von der osteuropäischen Hausmaus daselbst abgelöst worden ist, kann beim derzeitigen Kenntnisstand noch nicht sicher gesagt werden.

Die naheliegendste Erklärung erscheint uns derzeit, daß die osteuropäische Hausmaus jene Hausmaus-Siedlungsräume in Osteuropa, die nach der Auflockerung der Siedlungsdichte und des weiträumigeren Handelsaustausches um 4.000 v. Ztr. "frei" wurden, im Laufe des 3. Jahrtausends gemeinsam mit der Kugelamphoren-Kultur, sowie mit deren Rinderwagen und dem damit verbundenen weiträumigeren Handel neu besiedelt haben werden, und daß parallel dazu auch die westeuropäischen Hausmäuse sich wieder weiter nach Norden ausgebreitet haben werden, hier vermutlich unter anderem mit den Rinderwagen der Wartburg-Kultur.


ResearchBlogging.org
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  1. Suzuki H, Nunome M, Kinoshita G, Aplin KP, Vogel P, Kryukov AP, Jin ML, Han SH, Maryanto I, Tsuchiya K, Ikeda H, Shiroishi T, Yonekawa H, & Moriwaki K (2013). Evolutionary and dispersal history of Eurasian house mice Mus musculus clarified by more extensive geographic sampling of mitochondrial DNA. Heredity, 111 (5), 375-90 PMID: 23820581Heredity (2013) 111, 375–390 (freies pdf) (die wichtigste Abb.)
  2. Parzinger, Hermann: Die frühen Völker Eurasiens. Vom Neolithikum zum Mittelalter. Verlag C.H. Beck, München 2006
  3. Human mediated dispersal of cats in the Neolithic Central Europe, Preprint, February 2018, DOI10.1101/259143; Autoren: Mateusz Baca, Danijela Popovic, Hanna Panagiotopoulou, Adam Nadachowski u.a., https://www.biorxiv.org/content/early/2018/02/05/259143 (Researchgate)
  4. Maltsev, A. N., Stakheev, V. V., & Kotenkova, E. V. (2016). Role of invasions in formation of phylogeographic structure of house mouse (Mus musculus) in some areas of Russia and the near abroad. Russian Journal of Biological Invasions, 7(3), 255–267. doi:10.1134/s2075111716030061
  5. Li, Y., Fujiwara, K., Osada, N. et al. House mouse Mus musculus dispersal in East Eurasia inferred from 98 newly determined complete mitochondrial genome sequences. Heredity 126, 132–147 (2021). https://doi.org/10.1038/s41437-020-00364-y

Montag, 24. Mai 2021

Die Indogermanen des 5. Jahrtausends v. Ztr. - Was wissen wir über sie?

Vertrautwerden mit Räumen, mit Kulturen und mit Entwicklungen im 5. Jahrtausend v. Ztr. im Nordschwarzmeer-Raum
  • Die erste Ausbreitungsbewegung der Indogermanen (4.700 bis 3.900 v. Ztr.)
  • Ein erstes Sammeln und Zusammentragen zum heutigen Stand des Wissens

Jene Blogartikel-Serie, die vor zwei Jahren hier auf dem Blog begonnen worden ist mit dem Arikel 

"Es ist 'amtlich' - Das Urvolk der Indogermanen war die Chwalynsk-Kultur 
um 4.500 v. Ztr. an der Mittleren Wolga" (8/2019)

ist inzwischen zu einem Umfang von zehn Blogartikeln angewachsen. Grund genug, sie unter einem neuen Schlagwort "Chwalynsk-Kultur" zu kennzeichnen. Außerdem richten wir das Schlagwort "Donaukultur" ein, um auch alle Blogartikel zu den bäuerlichen neolithischen Kulturen im Karpaten- und Donauraum zusammenzufassen. Diese beiden Artikelserien sollen nun mit dem vorliegenden Blogartikel fortgesetzt werden, ohne noch einmal gar zu viel von dem zu wiederholen, was in früheren Artikeln dieser Serien schon gesagt worden ist.*)

Die Cucuteni-Tripolje-Kultur ist vermutlich schon vergleichsweise früh von den indogermanischen Steppen-Kriegern bedrängt und - wenigstens in Teilen - auch unterworfen worden. In anderen Teilen mögen sich die Bauern aber auch einfach nur mit ihnen vermischt haben. Obwohl das für alle Beteiligten ein aufwühlendes Geschehen gewesen sein wird, hat sich diese Kultur doch noch viele, viele Jahrhunderte nach diesen Begegnungen sehr prosperierend weiter entwickelt. Wenn Steppen-Krieger also zum Untergang dieser Kultur beigetragen haben sollten, dann müssen das solche einer zweiten Welle in der Spätphase dieser Kultur gewesen sein.

Hintergrund-Informationen zur Cucuteni-Tripolje-Kultur sollen außerdem noch in einem weiteren Beitrag nachgeliefert werden. In diesem Beitrag wollen wir uns auf einige der wesentlichsten Aspekte des Geschichtsablaufs konzentrieren, nämlich auf die Auseinandersetzung dieser Kultur mit den indogermanischen Steppen-Kriegern.

1. Die Königsgräber von Warna, 4.500 v. Ztr.

Da für den bulgarischen Raum die Verhältnisse schon besser geklärt sind, sollen zunächst Ausführungen zu ihm erfolgen (s. a. 12). Die Karanovo-Kulturen (Wiki) in Bulgarien scheinen sich unabhängig vom Rhythmus der neolithischen Kulturen in Mitteleuropa und auch denen im Karpaten-Raum entwickelt zu haben. Einen Kulturumbruch um 4.900 v. Ztr. - wie am Ende der Bandkeramik im heutigen Deutschland oder im Karpatenraum - scheint es in der Karanovo-Kultur - soweit übersehbar - nicht gegeben zu haben. (Diese Aussage müssen wir künftig noch genauer verifizieren, sie sei nur in aller Vorläufigkeit hier festgehalten.)


Abb. 1: Der Gottkönig von Warna, 4.500 v. Ztr., mit goldenem Streitaxt-Zepter

Womöglich haben sich die Menschen dieser großartigen Kultur deshalb auch niemals mit einheimischen europäischen Fischern, Jägern und Sammlern vermischt. Oder aber viel weniger noch als das zunächst die Bandkeramiker und später verstärkt die Cucuteni-Tripolje-Kultur und die mittelneolithischen Kulturen im heutigen Deutschland, Skandinavien und Osteuropa (Michelsberger, Trichterbecher, Kugelamphoren-Kulturen) taten, um daraus große Reiche mit einem Hochadel hervorgehen zu lassen.

Womöglich ist dies ein Grund dafür, daß die Karanovo-Kultur den Angriffen der Indogermanen viel schneller erlegen ist als etwa die zeitgleiche Cucuteni-Tripolje-Kultur. Wir lesen jedenfalls über die Indogermanen aus dem Steppengebiet (Bezug genommen wird auf 1, S. 116 ff) (Wiki):

Um 4500 v. Chr. übernahmen diese Viehnomaden, die im Gegensatz zur egalitären Gesellschaftsstruktur der Donauzivilisation in einer hierarchisch gegliederten Gesellschaft lebten, die Macht im Raum Warna. Die vertikale Differenzierung der Warna-Kultur geht aus den Gräberfunden in der Nekropole von Warna hervor.  

Das Gräberfeld von Warna (Wiki) aus der Zeit um 4.500 v. Ztr. ist eine unverhüllte Demonstration unvergleichlichen Reichtums und unvergleichlicher Macht für jene Zeit. Die Menschen, die sich hier bestatten ließen, dachten wohl nicht viel geringer von sich selbst als zweitausend Jahre später die Gottkönige von Ägypten.

Als Zepter nutzten sie eine goldene Streiaxt (Abb. 1, 20). Die Zeugung von Kindern war ihnen heilig. Deshalb der goldene Penis-Aufsatz (Abb. 1, 20). Die Hervorhebung der männlichen Geschlechtsteile sieht man häufig in den kulturellen Hinterlassenschaften der frühen Indogermanen, etwa auf der Kernovsky-Stele grob um 3000 v. Ztr. aus dem Großraum des Dnjepr (2). Sie überhäuften ihre Toten mit Gold und Waffen. Außer dem Goldreichtum kennt man Gräber mit solcher Grabausstattung - Zepter und eine Überhäufung mit vielfältiger Waffenausstattung - aus einem großen Raum zwischen Mittlerer Wolga, Kaukasus und Warna. Es ist also nur unschwer zu erkennen, woher dieser Mann, dieser Gottkönig stammte, der vermutlich auch die indogermanische Göttin der Morgenröte, die Sonnengottheit verehrte.

Tausend Jahre nach ihm, um 3.500 v. Ztr. sind Gene und Kulturelemente der Indogermanen auch innerhalb der Cucuteni-Tripolje-Kultur nachgewiesen (3, 4). Aber Kulturelemente der Cucuteni-Tripolje-Kultur breiteten sich schon früher auch in den Bereich der Karanowo-Kultur aus. Über ihr Ende lesen wir (Wiki):

Ab dem Ende der Kupferzeit und dem Beginn der Bronzezeit findet sich eine lange Lücke (Hiatus) in der Besiedlungsgeschichte. Die Gründe dafür sind noch nicht geklärt.  Nach einer These wurde die ansässige Bevölkerung mit ihrer Kultur durch aus dem Norden eindringende Nomaden vollständig vernichtet. Diese These stützt sich auf die Ausgrabungen des Gräberfeldes von Warna aus der späten Kupferzeit (4600–4200 v. Chr.). In Warna wurden viele Goldgegenstände gefunden, bisher das älteste bekannte verarbeitete Gold der Menschheit. Die Funde in den Gräbern belegen, daß einige der Bestatteten aus wohlhabenden Familien stammten. Sie zeugen von der Teilung der Bevölkerung in soziale Schichten, wohlhabende, höhergestellte Herrscher, deren nicht ganz so wohlhabende Vasallen und einfache Leute.

Von dem genauen Zeitrahmen des Zusammenbruchs der Karanowo-Kultur in Bulgarien erfahren wir an dieser Stelle nichts. Wichtig ist uns bis auf weiteres nur, daß in diesem Bereich ab 4.500 v. Ztr. das Einheiraten von Indogermanen in den Hochadel der lokalen bäuerlichen Kultur unter Mitnahme der Herrschaftsinsignien nachgewiesen ist. Dasselbe braucht deshalb für die Cucuteni-Tripolje-Kultur für denselben Zeitraum nicht als weniger wahrscheinlich angesehen werden.

2. Das Königsgrab von Giurgiulești an der Donau (4.400 v. Ztr.)

Die Stadt Giurgiulești (Wiki) liegt 300 Kilometer nördlich der bulgarischen Stadt Warna an der Einmündung des von Norden kommenden Pruth in die Donau. Über den Verlauf des Pruth hinweg liegt - wie wir unten noch sehen werden - die Kernregion des Siedlungsgebietes der Cucuteni-Tripolje-Kultur. Und an der Einmündung dieses der Bauern-Kultur sicherlich heiligen Flusses befindet sich schon um 4.400 v. Ztr. - so wie in Warna - das Grab eines indogermanischen Königs (das sicherlich in der Nähe auch seine Residenz gesehen hat). 

Abb. 2: Kriegergrab von Giurgiulești, 4.400 v. Ztr. (aus: 5)

Giurgiulești ist heute der südlichste Ort der kleinen Republik Moldau. Sie hat keinen eigenen Zugang zum Schwarzen Meer. Und hier wurde ein erstaunliches Kriegergrab gefunden. Es enthält (größere Auflösung des Bildes im Originalartikel) (5):

1 (Am rechten Fuß) Eine Speerspitze aus Geweih; 
2 (An der rechten Hüfte) Eine Dolchklinge aus Feuerstein; 
3 (Am rechten Oberarm) Stichwaffe aus Kupfer; 
4 (Oben rechts) Ein zusammengesetztes Schwert (oder eine Speerspitze?); 
5 (Oben links) Ein mit Gold verschalter Kommandostab;
6 (Neben der rechten Hüfte) Ein Lammschulterblatt mit 40 Einritzungen;
7 (Zwischen den Beinen) Ein phallusförmiges Geweihstück;
8 (Zwischen den Knien) Ein rechteckiges Knochenplättchen;
9 (Teil der Kopfbedeckung?) Fischflosse; 
10-11 (Am Kopf) Schläfenschmuck;
12-13 (Auf dem Brustbein) Spiralringe aus Gold;
14 (An der linken Schulter) Eine Muschelperle;
15 (An der linken Schulter) Hälfte einer Griffverschalung einer Waffe oder eines Gerätes;
16 (Ausgebreitet über den ganzen Unterkörper) vier Lammhufe (Überreste eines Fells)

Der Krieger führt somit mindestens fünf Waffen mit sich: Eine Stichwaffe aus Kupfer - sie liegt am Oberarm (Abb. 2: 3), einen Feuerstein-Dolch an der Hüfte (Abb. 2: 2), eine speerartige Stichwaffe (Abb. 2: 4), sowie einen Speer mit Geweihspitze (Abb. 2: 1). Er ist außerdem reicht mit Gold und weiterem edlen Schmuck geschmückt. Und er trägt Insignien der Macht, einen Herrscher- oder Kommandostab. In dem vielen "Phantastischen", was sich uns in diesem Grab auftut, erinnert uns dieser Krieger fast an den "Amesbury-Archer" (Wiki), den Glockenbecher-Bogenschützen-Fürsten, der in der Zeit um 2.300 v. Ztr. (also zweitausend Jahre später) England eroberte und sich bei Stonehenge begraben ließ. Hier in diesem Grab wird zusätzlich ein weiteres mal das männliche Geschlechtsteil betont und hervorgehoben, so wie das etwa zeitgleich auch in Warna geschah.

Zur historischen Einordnung dieses Grabes wird uns von Seiten der Archäologen mitgeteilt: In mesolithischer Zeit war das Steppengebiet nördlich des Schwarzen Meeres fast fundleer, sprich außerordentlich dünn besiedelt. In der Zeit von 4.700 bis 4.600 v. Ztr. breitete sich die Bolgrad-Aldeni-Kultur von dem Küstengebiet südlich der Donau (also aus der Norddobrudscha heraus) und von der rumänischen Moldau aus in das Steppengebiet östlich der Donau aus. Und sie schreiben weiter (5):

Beinahe zeitgleich mit der Bolgrad-Aldeni-Kultur oder unmittelbar danach tauchen die ältesten bislang bekannten regulären Bestattungen in den Steppen des nordwestlichen Schwarzmeerraumes auf. Es handelt sich um reich ausgestattete Einzelgräber oder kleine Bestattungsgruppen, in denen überwiegend jeweils ein vereinzelter Toter in einer signifikanten Position auf dem Rücken mit angezogenen Beinen (Rückenhockerlage) beigesetzt wurden. 

An dieser Stelle wird im Text auf jene Abbildung verwiesen, die wir hier als Abb. 2 eingestellt haben. Weiter schreiben die Autoren (5):

Die Arme lagen parallel neben dem Körper ausgestreckt oder leicht angewinkelt zum Becken hin. (...) Die Verstorbenen und der Grabboden waren in der Regel mit rotem Ocker bestreut.

3. Siedler-"Ideologie" in den damaligen großen Kulturen

Im Überdenken der Situation - daß die Steppe fast "menschenleer" war - kommt uns an dieser Stelle der Gedanke, daß die Menschen der damaligen Kulturen, also der Cucuteni-Tripolje-Kultur ebenso wie der Chwalynsk-Kultur an der Mittleren Wolga eine ähnliche Besiedlungs-"Ideologie" in sich getragen haben könnten wie sie der Forschung schon vor zwanzig Jahren bei den Bandkeramikern aufgeschienen war, und wie sie bezüglich der Bandkeramik erstmals von dem Archäologen Jens Lüning herausgearbeitet worden war.

Beide Kulturen haben weitgehend menschenleeres oder außerordentlich dünn besiedeltes Gebiet vor sich gesehen über tausende von Kilometern hinweg. Die Bandkeramiker um 5.500 v. Ztr. nur Lindenwälder auf den Lößböden der europäischen Mittelgebirge, die Menschen der Chwalynsk-Kultur um 4.700 v. Ztr. sahen die menschenleeren Weiten der Steppe beiderseits der Wolga, zwischen Wolga und Don und darüber hinaus vor sich, also über tausende von Kilometer hinweg. Ähnlich die Cucuteni-Tripolje-Kultur an den Oberläufen von Sereth und Pruth östlich der Karpaten, wenn sie nach Osten blickten.

Solche menschenleeren Räume und gleichzeitig die Beherrschung von Kulturtechniken, die es ermöglichen, solche menschenleeren Räume vergleichsweise dicht zu besiedeln, scheinen eine unbegrenzte Lust bei Menschen hervorzurufen, Kinder in die Welt zu setzen und diesen Raum nun auch wirklich zu besiedeln. Und zwar mehr oder weniger "systematisch". So ist der nordamerikanische Westen besiedelt worden, so sind die Urwälder Wolhyniens von deutschen Siedler-Familien im 19. Jahrhundert gerodet und besiedelt worden mit durchschnittlich zehn Kindern pro Frau. Und so wird es auch hier gewesen sein.

Indem die Bandkeramiker mit ihren Pionier-Siedlungen jeweils gleich 40 Kilometer tief in unbesiedelte Räume, Wälder vordragen und von dort aus dann die "rückwärtigen" Gegenden "aufsiedelten", während gleichzeitig wohl die nächsten Pionier-Siedlungen schon wenige Jahre später wieder 40 Kilometer in den Urwald hinein vordrangen (Lüning), konnte sich die Bandkeramik so vergleichsweise schnell und dicht, machtvoll und geradezu "lautlos-spielerisch" über weiteste Räume Mitteleuropas ausbreiten. 

Ähnliches könnte man auch für die Chwalynsk-Kultur annehmen. Es wird auch dort ein "blühendes Leben" an den Siedlungsgrenzen unterstellt werden müssen und geradezu ein Drang, die Räume zu besiedeln. Im 19. Jahrhundert war viel die Rede von dem "deutschen Drang nach Osten", nämlich im Mittelalter. Das wurde dann irgendwann nationalistisch und völkisch überhöht interpretiert und in hohle imperialistische Phrasen umgemüntz. Tatsächlich aber dürfte dieser Begriff gar nicht so unrecht gewählt gewesen sein. Tatsächlich stieg durch die Ansiedlung von Deutschen in Schlesien im Mittelalter die Bevölkerungszahl innerhalb weniger Jahrzehnte um das Fünffache.

Freilich äußert sich ein solcher "Drang" um so unbemerkter, um so weniger die Menschen über ihn nachdenken, sondern ihr Handeln darin als etwas ganz Normales, Selbstverständliches empfinden, über das sie gar nicht lange nachdenken. 

Der in Berlin lehrende moldavische Archäologe Blagoje Govedarica spricht 2010/11 von der "Kultur der Zepterträger" im Nordschwarzmeer-Raum (5):

In der materiellen Kultur der Zepterträger sind balkanische Importe (Kupfer, Gold, Gumelniţa/Varna-Gefäße) und einige Cucuteni-Tripolje Elemente, wie Keramik des Cucuteni A-Typs aus Căinari, vorhanden. Auf die Beziehungen mit dem letztgenannten Kulturkreis weisen die zoomorphen Zepter der Suvorovo-Phase auf, die sowohl in den Zepterträger-Gräbern als auch in den Cucuteni A3-4/Tripolje B1 Siedlungen vorkommen, wovon sie sich weiter nach Osten bis zum Wolga und Kaukasus und nach Süden bis zum Pelagonien ausgebreitet haben.

Pelagonien ist eine andere Bezeichnung für den Norden Griechenlands. Das ist eine genau gegensätzliche Interpretation zu der von Dergachev. Das brauchen wir aber hier nicht weiter beachten. Wir formulieren das für uns um und sagen:

... wohin sie sich von Osten, von der Wolga und dem Kaukasus nach Süden bis Pelagonien ausgebreitet haben.

Und wir halten fest: Aha, der Norden Griechenlands muß auch berücksichtigt werden für diese Zeit. Govedarcia schreibt weiter (5):

Es ist kein Zufall, daß die ältesten Gräber dieses Typs im Umkreis der Bolgrad-Aldeni-Kultur auftauchen (Giurgiuleşti). In gleicher Umgebung liegen die Gräber aus Suvorovo, Casimcea u.a., in denen führende Persönlichkeiten der jüngeren Zepterträger-Phase bestattet worden sind.

In Abbildung 3 sind - offenbar - Gräber von Zepter-Trägern mit schwarzen Punkten eingetragen in ihrem räumleichen Verhältnis zu der seßhaften Karanowo-Kultur im Raum der Unteren Donau.

Abb. 3: Die (jüngere) Suworowo-Phase der Zepter-Träger (aus: 5)

Das heißt genauer, in Siebenbürgen (Abb. 3: 12), an der Theiß (Abb. 3: 12), sowie an der Donaumündung (Abb. 3: 4, 5) und am Unterlauf von Sereth und Pruth (Abb. 3: 2, 1). Gordevacia versucht möglichst wenig wertend von einer "Symbiose" zwischen den Zepter-Trägern und der bäuerlichen "Kodjadermen-Gumelniţa-Karanovo"-Kultur ("KGK-Kultur") zu sprechen. In der Erläuterung zu Abbildung 3 schreibt er (5):

Territoriale Symbiose der Suvorovo-Phase der Zepterträger und des KGK VI-Komplexes (rote Punkte). 1 Fălciu; 2 Fundeni-Lungoţi; 3 Novoselskaja; 4 Suvorovo; 5 Casimcea; 6 Kjulevča; 7 Reka Devnja; 8 Drama; 9 Gonova mogila; 10 Reževo; 11–12 abweichend erscheinende Decea-Variante der Zepterträger.

Soweit, was wir von Seiten der Forschung aus der Zeit nach dem Erscheinen von Dergachev's Buch im 2007 zu seinem Inhalt zunächst noch ergänzen können und wollen.

4. Der Budschak als unbesiedelter Durchgangsraum nach Warna

Wenn man nun noch etwas besser verstehen will, warum ausgerechnet Warna so früh von den Indogermanen hatte erreicht werden können - fast zeitgleich oder sogar noch früher als die Gegend von Grosny am Kaukasus (6), mag es sinnvoll sein, sich eine Karte der Siedlungszentren der Cucuteni-Tripolje-Kultur anzuschauen (Abb. 6) (4): Die nördliche, steppenartige Küste des Schwarzen Meeres - in Bessarabien in der Neuzeit "Budschak"  (Wiki) genannt - war von dieser Bauernkultur nur sehr dünn besiedelt. Hier konnten sich also die Indogermanen sehr viel schneller und leichter ausbreiten als in den dichtbesiedelten Gebieten hinter dem Mittellauf des Dnjepr, die weiter nördlich gelegen waren.

Und so ist es erklärlich, daß sie schon so früh bis nach Warna hindurchstoßen konnten und dort in die Königsfamilie einheiraten konnten. Und daß sie von dort aus dann auch Donau-aufwärts bis nach Siebenbürgen und in das Theiß-Becken gelangen konnten. (Wenn sie nicht überhaupt für all diese Wege bevorzugt die Wasserwege benutzt haben sollten.)

Abb. 4: Das bessarabiendeutsche Dorf Klöstitz (Wiki) - heute Wessela Dolyna, in baumarmer Steppenlandschaft

Im Budschak lag auch das Hauptsiedlungsgebiet der Bessarabiendeutschen ab 1814, deren Ansiedlung daselbst von Württemberg aus bis 1842 erfolgte in Form von etwa 9000 ursprünglichen Ansiedlern. Diese haben sich in der Weite der dortigen Landschaft innerhalb von hundert Jahren bis 1939 auf 93.000 Menschen verzehnfacht. Sie lebten 1939 dort dann in 150 Dörfern. 

Abb. 5: Chwalynsk an der Mittleren Wolga -> Krementschuk am Mittleren Dnjepr -> Warna am Schwarzen Meer -> Grozny am Kaukasus -> Chwalynsk an der Mittleren Wolga - Der Aktions- und vieleicht auch Kommunikationsraum der ersten Indogermanen 4.500 v. Ztr. bis 3.300 v. Ztr. - Siebenbürgen, das Theißbecken in Ungarn, sowie Nordgriechenland sind dabei noch gar nicht berücksichtigt

Es ist schon auffallend und merkwürdig, daß sowohl die Wolgadeutschen im Osten wie die Bessarabiendeutschen im Süden - und dann auch noch die Wolhynien-Deutschen und die Bukowina-Deutschen im Norden, sowie die Siebenbürgen-Deutschen im Westen jeweils in Landschaften siedelten, die geradezu als "Eckpunkte" des Ausbreitungsgebietes entweder der Cucuteni-Tripolje-Kultur oder der Indogermanen im 5. Jahrtaseund v. Ztr. betrachtet werden können.

6. Der riesige Aktionsraum der Indogermanen im 5. Jahrtausend v. Ztr.

Diese riesigen Aktionsräume darf man sich gerne immer einmal wieder vor Augen führen (Abb. 5). Zumal: Wagenräder als Grabgut kennt die "Majkop-Kultur" im Westkaukasus (erst) ab der Zeit zwischen 3.700 und 3.000 v. Ztr. (Stgen). In einer Grabanlage in Norddeutschland finden sich die frühesten Wagenspuren aus der Zeit um 3.500 v. Ztr. (Stgen)

Aus früherer Zeit sind weder Wagen noch auch domestizierte Pferde (bislang) bekannt. Also auch das Reiten von Pferden, das lange angenommen worden war von Seiten der Forschung für diese Zeit ist keineswegs stichhaltig bewiesen. Vermutlich sind diese Räume also zu Fuß oder mit Fischer- und Handelsschiffen überbrückt worden (Abb. 5). (Dieser Sachverhalt wurde 2017 auch schon eindrucksvoll von Colin Renfrew referiert [23].)

Jedenfalls: In einem Dreieck mit den Endpunkten: Chwalynsk an der Wolga im Norden, Grozny am Kaukasus im Südosten und Warna am Westufer des Schwarzen Meeres im Südwesten bewegte sich die Geschichte der Indogermanen grob zwischen 4.400 und 3.300 v. Ztr.. Das sind die folgenden Entfernungen:

  • Von Chwalynsk bis Warna sind es 2.300 Kilometer.
  • Von Chwalynsk bis Grozny sind es 1.300 Kilometer. 
  • Von Warna nach Grozny sind es 2.100 Kilometer.

Nachdem schon zwei mit vielfältigen Waffen- und Zepterbeigaben ausgestattete Königsgräber in Bulgarien behandelt worden sind, sei hier zunächst nur noch im Vorübergehen erwähnt, daß für die Zeit 4.400 v. Ztr. auch Nahe des Dorfes Ekaterinovka (Wiki) am Südufer der Wolga unterhalb von Samara - also noch 150 Kilometer nördlich von Chwalynsk - ein Elitengrab oder Fürstengrab entdeckt wurde, das so wie 2.300 Kilometer entfernt in Warna und Giurgiulești zwei Zepter und zwei Streitäxte enthielt (7). Also überall ein sehr ähnliches Bild. Schon 2011 hatten wir hier auf dem Blog geschrieben (St.gen. 2011):

Auffälligerweise geben die Grabfunde Zeugnis von Handeslverbindungen der Warna-Kultur bis an die Wolga, also über den ganzen Raum des Kurgan-Volkes hinweg.

7. Karten raus! Geographie-Stunde!

Nach diesen Vorbemerkungen wollen wir uns nun einigen wichtigeren Inhalten des Buches von Vladimir Dergachev aus dem Jahr 2007 (8) annähern, was um so leichter ist, als ein Teil dieses Inhaltes schon im Jahr 2000 in englischer Sprache veröffentlicht worden ist (9). Das meiste davon kann man sich anhand der vielen Ausbreitungskarten verdeutlichen, die diesen beiden Veröffentlichungen beigegeben sind. Aber auch diese kann man erst verstehen, wenn man sich mit der Geographie des Ausbreitungsraumes der Cucuteni-Tripolje-Kultur vertraut gemacht hat.

"Die Donau kommt vom Schwarzwald her und mündet in das Schwarze Meer." Und: "Iller, Lech, Isar, Inn, fließen rechts zur Donau hin. Wörnitz, Altmühl, Naab und Regen kommen ihr von links entgegen." Das sind die bekannten zwei Merksprüche, mit denen man sich das Flußsystem der Donau innerhalb von Deutschland einprägen kann. Ob unsere Vorfahren, die Indogermanen wohl auch solche Merksprüche besessen haben, um sich die Flußsysteme nördlich des Schwarzen Meeres und rund um die Karpaten einprägen zu können? Und indem wir noch fragen, kommt uns der Refrain aus dem Volkslied "Blankenstein Husar" in den Sinn (Mus):

Hej!
Dunja, Tisza, Drava, Sava, 
"Eljen!" rief ich "der Magyar!"
Te-de-rei, te-de-ra, te-de-rei, te-de-ra 
Als Blankenstein-Husar.

In diesem Refrain sind die vier Flüsse benannt: Donau, Theiß, Drau und Sava. Von diesen kommt die Theiß von links in die Donau, Drau und Sava kommen von rechts.

Vielleicht gab und gibt es solche Lieder und Merksprüche in vielen Völkern. Wer jedenfalls die Geschichte der Cucuteni-Tripolje-Kultur - und damit einen wichtigen Teil der Geschichte der Urindogermanen - verstehen will, muß sich mit den Flüssen auskennen, von denen das Siedlungsgebiet dieser Kultur durchflossen wird. Da dieses Siedlungsgebiet etwa so groß war wie Deutschland in den Grenzen von 1914, sind das eine ganze Menge Flüsse. Die wichtigsten Flüsse sind diese (Wiki):

  • Donau                        ---- mündet in das Schwarze Meer
  • Sereth                        ---- mündet (von den Ostkarpaten kommend) von links in die Donau
  • Pruth                          ---- mündet (von Moldawien kommend) von links in die Donau
  • Kohylnyk                   ---- mündet in das Schwarze Meer
  • Dnjestr                       ---- mündet in das Schwarze Meer
  • Südlicher Bug            ---- mündet in das Schwarze Meer
  • Inhul                          ---- mündet von links in den Südlichen Bug
  • Inhulez                       ---- mündet von rechts in den Dnjepr
  • Dnjepr                        ---- mündet in das Schwarze Meer

Hinter Bukarest, der Hauptstadt von Rumänien, kurz vor ihrer Mündung in das Schwarze Meer, biegt die Donau noch einmal nach Norden ab. Von dort eilen ihr die Flüsse der Ostkarpaten zu: der Sereth und der Pruth. Und mit ihnen zusammen mündet sie dann ins Schwarze Meer. Die Republik Moldawien (Bessarabien) liegt zwischen Pruth und Dnjestr. Die Theiß übrigens, ein anderer Fluß aus den Ostkarpaten, "umarmt" die Karpaten von Westen her und mündet schon fünfzig Kilometer nördlich von Belgrad, der Hauptstadt von Serbien, in die Donau. Auch an der Theiß haben wohl schon im 5. Jahrtausend Indogermanen gelebt.

All diese Flüsse und ihre Zuflüsse sind unseren Vorfahren, den Indogermanen, sehr früh vertraut geworden. Sie gehören zu dem Gebiet ihrer ersten Ausbreitungsphase, nämlich der Zeit zwischen 4.500 und 3.900 v. Ztr., jene Zeit, in der sie sich auch schon nach Süden in den Nordkaukausus und nach Norden bis zum Ural ausgebreitet hatten.

Sie haben diese Flüsse natürlich in umgekehrter Reihenfolge kennen gelernt. Während die Menschen der anatolisch-neolithischen Völkergruppe, zu denen auch die Cucuteni-Tripolje-Kultur gehörte, diese Flüsse von Westen nach Osten kennen gelernt haben, so wie sie gerade von uns aufgezählt worden sind.

Auf den Abbildungen der Dergachev-Veröffentlichungen der Jahre 2000 und 2007 (Abb. 7 bis 13) sehen wir ganz links (im Westen) den Sereth. Bei ihm handelt es sich um jenen Fluß, der die Ostkarpaten-Flüsschen sammelt. Er weist deshalb im Osten der Karpathen weit verzweigte Zuflüsse auf. Der Sereth mündet in die Donau. Östlich von ihm fließt der Pruth. Er mündet ebenfalls in die Donau. Noch weiter östlich fließt der Kohylnyk (Wiki). Er mündet in das Schwarze Meer. Weiter östlich folgt der Dnjestr, der insbesondere auf seiner rechten Seite im Mittellauf weit verzweigte Zuflüsse aufweist. Östlich vom Dnjestr folgt der Südliche Bug. Zwischen dem Dnjestr und dem Südlichen Bug liegt ein vergleichsweise großes Gebiet. Östlich vom Südlichen Bug folgt der Inhul (Wiki), der in den Südlichen Bug (Wiki) mündet. Und östlich vom Inhul folgt der Inhulez (Wiki), der von Norden und von rechts in den Dnjepr mündet. Ganz im Osten folgt dann noch die große Schleife des Dnjepr, der aber in den folgenden Abbildungen nur in seinem im Norden gelegenen Mittelauf zu sehen ist.

Abb. 6: Die Siedlungen der Cucuteni-Tripolje-Kultur 4.500 bis 3.500 v. Ztr. (aus: 4)

Auf der Karte von Abbildung 6 sind die einzelnen Siedlungsregionen der Cucuteni-Tripolje-Kultur schon benannt (ohne daß man aber die Flußläufe genau erkennen könnte). Diese Siedlungsregionen lagen in Regionen mit guter Bodenqualität (dunkelgrün) und orientierten sich an dieser. (Das haben schon die Bandkeramiker so getan.)

Wenn man sich das Ausbreitungsgebiet dieser Kultur auf dieser Karte ansieht, bekommt man noch keinen wirklichen Begriff von seiner Ausdehnung. Denn für die meisten Menschen befinden sich in dieser Region nur - soszusagen - nur "böhmische Dörfer". Die Region liegt heute ganz abseits jener Regionen, wo heute "Weltgeschichte" geschieht. Um aber einen Begriff zu geben: Die Entfernung von Odessa am Schwarzen Meer bis Luzk in Wolhynien beträgt 700 Kilometer. Die Entfernung von Trypillja (Tripolje) am Dnjepr (südlich von Kiew) bis Belgrad an der Donau (grob in der Nähe der Mündung des Pruth in die Donau) beträgt 1.200 Kilometer. Man kann dieses Ausbreitungsgebiet also grob mit dem Territorium von Deutschland in den Grenzen von 1914 vergleichen. 

Die Kernregion dieser Kultur sind nun ganz klar die Oberläufe von Sereth und Pruth (Abb. 6: 6) am Rande der Ostkarparten. Also das Wald- und Hügelland östlich der Karpaten. Weitere Kernregionen sind das Theiß-Becken (im heutigen Ungarn) (Abb. 6: 2) und Siebenbürgen (Abb. 6: 3). Insbesondere von der Kernregion Oberer Sereth/Oberer Pruth aus breitete sich die Cucuteni-Tripolje-Kultur nach fast allen Richtungen hin aus. So Richtung Unterer Sereth und Unterer Pruth nach Süden (Abb. 6: 5). So Richtung Oberer Dnjestr nach Norden (Abb. 6: 8) (dort liegt auch die "Verteba-Höhle", in deren Umfeld man nicht nur reiche Siedlungsfunde machte, sondern auch eines der wenigen Gräberfelder dieser Kultur entdeckte, deren Skelette dann sequenziert werden konnten - siehe unten). So in die Region zwischen Pruth und Dnjestr (Abb. 6: 7) nach Westen.

Von hier aus erfolgte dann die weitere Ausbreitung dieser Kultur in die Region zwischen Dnjestr und Bug (Abb. 6: 9) und an den Mittleren Bug (Abb. 6: 10). Und von hier aus in die Region zwischem Südlichem Bug und Dnjepr (Abb. 6: 13), sowie an den Mittleren Dnjepr selbst (Abb. 6: 12).

Auch noch in die Außenbereiche des so umrissenen Kern-Siedlungs-Gebietes wagten sich Siedlungen hinaus. So nach Süden in das Donau-Tal (Abb. 6: 1), so - zeitweise - nach Osten in Teile des Budschak und der Dobrutscha, also Steppengebiete am Schwarzen Meer (im 19. Jahrhundert Siedlungsgebiete der Bessarabien-Deutschen). So nach Norden nach Wolhynien (Abb. 6: 11) (im 19. Jahrhundert Siedlungsgebiet der Wolhynien-Deutschen), so auch in die Schwarzmeer-Steppe (Abb. 6: 14). Sogar auf der Krim und weit über den Dnjepr hinaus finden sich vereinzelt Siedlungen der Cucuteni-Tripolje-Kultur. Diese Menschen waren also nicht schüchtern und hatten auch keine irgendwie geartete "Angst" vor den Steppen-Kriegern. Denn sonst hätten sie ja nie so expansiv nach Osten ausgreifen können.

8. Wann kam die indogermanische Genetik in die Cucuteni-Tripolje-Kultur?

Seit wann die für 3.500 v. Ztr. festgestellten (3, 4) etwa 15 % indogermanischer Herkunftsanteil in diesem Volk vorhanden gewesen sind, kann einstweilen nur vermutet werden. Hier müssen weitere Sequenzierungen von Skelettfunden abgewartet werden. Beziehungsweise: Vielleicht kann auch genauere Analyse des "Alters" dieses Herkunftsanteils (über Linkage-Disequlibrium-Analyse?) vielleicht die Zahl der Generationen aufzeigen, seit der sich diese 15 % innerhalb dieser Population verbreitet haben. (Große Genabschnitte oder nur kleine Genschnippsel?) Da diese 15 % aber verhältnismäßig gleichmäßig bei allen vier sequenzierten Individuen zu finden sind, könnte man auch vermuten, daß dieser Herkunftsanteil schon einige Jahrhunderte lang in dieser Bevölkerung vorhanden war und sich deshalb einigermaßen gleichmäßig verteilt hatte.

Es sollte in diesem Zusammenhang daran erinnert werden, daß auch die Mykener nur 20 % indogermanichen (Steppen-)Herkunftsanteil aufwiesen. Ein solcher Anteil kann also mit einer stärkeren oder weniger starken sonstigen kulturellen Umformung einher gehen. Die Cucuteni-Tripolje-Kultur hat sich möglicherweise über viele Jahrhunderte hinweg als sehr "widerständig" erwiesen, mit diesem Herkunftsanteil auch umfangreichere kulturelle Umformungsprozesse einher gehen zu lassen. Aber die Einzelheiten dazu werden künftig sicher noch genauer erforscht werden.

Grundsätzlich ist beim derzeitigen Kenntnisstand eine Einmischung seit 4.500 v. Ztr. denkbar, seit eine vergleichbare ja auch in Warna anzutreffen ist. Auch jeder andere Zeitpunkt zwischen 4.500 v. Ztr. und 3.500 v. Ztr. ist denkbar. Und da sich die Zepter bis Nordgriechenland ausdehnen (siehe unten), mag sogar schon die mykenische Kultur grundsätzlich auf diese erste Ausbreitungsbewegung zurück geführt werden, obwohl auch hier noch viel zu klären ist. Ob es sich also bei den festgestellten kriegerischen Auseinandersetzungen innerhalb dieser Kultur (4) immer nur um solche zwischen indogermanischen Steppen-Kriegern und Bauern handelte oder ob die "Frontlinien" bei diesen Kriegen auch ganz andere gewesen sein können, ist mit all dem noch gar nicht gesagt. 

Es ist auch durchaus denkbar, daß diese Kultur mit 15 % indogermanischer Einmischung sehr stabil hätte weiter existieren können, wenn nicht zusätzliche, neue Angriffe und Zuwanderungen von außen dazu gekommen wären in nachfolgenden Jahrhunderten.

Soweit zunächst einmal unsere Vorüberlegungen.

9. Ein neues Volk bildet sich in den Karpaten, 4.900 v. Ztr.

Die Geschichte der Cucuteni-Tripolje-Kultur wird nun in der Regel in fünf Phasen eingeteilt, wobei über eine sehr präzise zeitliche Einordnung jeder dieser fünf Phasen noch keine vollständige Einigkeit in der Forschung scheint hergestellt worden zu sein. (Zumindest nicht im Jahr 2007. Vielleicht ist man diesbezüglich heute schon weiter.)

In der Phase der Neuformierung der Kultur nach dem Untergang der Bandkeramik wurde wieder deutlich mehr Wild gejagt als zuvor (4). Aber dann müssen die Menschen gelernt haben, durch neue Bodenbehandlung die Bodenqualität und damit die Erträge zu verbessern. Wir haben schon 2019 hier auf dem Blog aufgrund der neuesten archäogenetischen Erkenntnisse geschrieben, daß sich die westeuropäischen Jäger und Sammler vor Ausbreitung des Ackerbaus so weit nach Osteuropa ausgebreitet hatten, daß ihre Nachkommen nach dem Untergang der Bandkeramik um 4.900 v. Ztr. in Moldawien nicht unbeträchtlich zur Ethnogenese der mittelneolithischen Cucuteni-Tripolje-Kultur hatten beitragen können, nämlich zu 20 bis 35 % (4). 

Abb. 7: Siedlungen, Pre-Cucuteni-Tripolje A (etwa 4.900-4.300 v. Ztr.) (Dauer: 450 / 500 Jahre) (aus: 8, 9)

Die ursprünglichsten Siedlungsgebiete der Cucuteni-Tripolje-Kultur liegen also in der ersten Phase ("Pre-Cucuteni-Tripolje A") (4.900-4.300 v. Ztr.) (Dauer: 450 / 500 Jahre) östlich der Karpaten an den Oberläufen von Sereth und Pruth, sowie am Dnjestr (Abb. 7). Ausbreitungsbewegungen sind zu beobachten nach Norden und bis zu den Zuflüssen des Südlichen Bug.

Zwischen 4.500 und 3.900 v. Ztr. erreichte die Bodenqualität im Zeitverlauf ihren Höhepunkt (4). Dieser Zeitabschnitt ist die Zeit größten wirtschaftlichen Wohlstandes und Reichtums in der Cucuteni-Tripolje-Kultur. Dieser Reichtum lockte - vermutlich - die kriegerischen Kulturen der Indogermanen vom Mittel- und Unterlauf der Wolga, sowie vom Don und von der Nordschwarzmeer-Steppe aus an, die sich in jenem Raum Richtung Süden und Westen ausbreiteten. Pfeilspitzen-Funde ("arrow caches") in den Siedlungen der Cucuteni-Tripolje-Kultur, die ein Hinweis auf die jeweilige Intensität kriegerischer Ereignisse sind, zeigen schon um 4.400 v. Ztr. einen ersten Höhepunkt (4). Weitere Höhepunkte folgen in den nachfolgenden Jahrhunderten bis 4.000 v. Ztr.. 

Warum sollte nicht dies der Zeitraum sein, in der sich die 15 % indogermanischer Herkunftsanteil eingemischt haben in die Cucuteni-Tripolje-Kultur? Das würde heißen, daß dieser Herkunftsanteil schon am Ende der ersten Phase dieser Kultur in diese hinein gelangt ist, nämlich auf dem Höhepunkt ihrer Blüte.

Es ist das die Zeit (4.400 v. Ztr.), in der an der Einmündung des Pruth in die Donau - bei Giurgiulești - ein indogermanischer König begraben wurde (siehe oben). Dort könnte sich der Herrschaftssitz eines Reiches befunden haben, das sich vom Pruth ostwärts bis zum Kohylnyk und bis zur Mündung des Dnjestr erstreckt hat. Dieses Reich kann man sich gut als zweitweise im Kriegszustand befindlich vorstellen mit der Bauernkultur im Norden.

10. Ein Massengrab im heutigen Kroatien, 4.200 v. Ztr.

Nachtrag (31.5.21): Was in dieser Zeit immerhin möglich war, wird durch ein Massengrab aus der Zeit um 4.200 v. Ztr. mit 41 Männern, Frauen und Kindern in Potočani in Kroatien - 140 Kilometer westlich der Donau in einem Seitental der Drau - deutlich. Deren Skelette sind jüngst archäogenetisch durch eine Arbeitsgruppe um David Reich analysiert worden (22). Die hier verscharrten ermordeten, nur wenig enger familiär miteinander verwandten Menschen werden der örtlichen Lasnija-Kultur zugerechnet, die aus der Lengyel-Kultur hervorgegangen war. Sie gehörten genetisch und kulturell zur anatolisch-neolithischen Völkergruppe und wiesen eine Einmischung von 9 % westeuropäischer Jäger-Sammler-Genetik auf (22). Das könnte ein Hinweis sein, daß sie aus Norden zugewanderte Nachkommen der Bandkeramiker waren, die ein sehr ähnliches genetisches Profil aufgewiesen haben. Dieses unterscheidet sich ja - beispielsweise - von dem der Menschen der Cucuteni-Tripolje-Kultur oder anderer mittelneolithischer Kulturen in Mitteleuropa - sehr deutlich. Hinweise auf Steppen-Genetik sind bei diesen Erschlagenen in keiner Weise zu finden (22.) Dieser Umstand schließt natürlich nicht aus, daß die Täter der Morde Träger dieser Genetik gewesen sind oder Verbündete oder Untergebene der Träger dieser Genetik. Zu den historischen Entwicklungen in dieser Region allgemein wird festgehalten (22):

Die Lasinja-Kultur (...) bildete sich in einer Epoche heraus, in der wirtschaftliche und soziale Veränderungen auftraten vornehmlich durch eine Serie von Impulsen, die gewissermaßen von der lokalen neolithische Bevölkerung "inspiriert" waren. Einer der möglichen Gründe ist das Anwachsen der Zahl der Rinder, die einen häufigeren Lebensraum-Wechsel erforderlich machten, nachdem die Rinder die Weiden rund um die Siedlungen abgegrast hatten. (...) Die Rinderhaltung spielte eine wichtige, sogar dominante Rolle im Leben dieser Menschen. Die größere Mobilität führte zu besserer und umfangreicherer Kommunikation zwischen unterschiedlichen kulturellen Gruppen. Ein wichtiger Faktor, der all diese Ereignisse beeinflußte, war der Rückgang und das Verschwinden der Vinča-Kultur.
The Lasinja culture belongs to the Copper Age, a period when economic and social changes occurred primarily due to a series of impulses that in some way were “inspired” by the local Neolithic populations [27–30]. One of the possible reasons is the increase in the number of cattle which requires more frequent habitat changes after cattle deplete the pastures around the settlement. The importance of cattle for the Lasinja people is confirmed by zooarchaeological records suggesting that cattle husbandry played a significant, even dominant, role in peoples’ lives [31, 32]. The greater mobility probably also led to better and greater communication between different cultural groups. An important factor influencing all these events is the waning and disappearance of the Vinča culture.

Die extensivere Weide-Wirtschaft hat ja in dieser Zeit auch in der Cucuteni-Tripolje-Kultur zugenommen. - Und um das noch einmal klar zu stellen: Um 5.700 v. Ztr. hatte sich die Starcevö-Körös-Kultur im Wiener Becken zur Bandkeramik ausgeformt, während sie sich weiter südlich zur Vinča-Kultur (5.700 bis 4.600 v. Ztr.) (Wiki, engl) umgeformt hat, die ihre Siedlungsdichte noch gesteigert hatte. Die Vinča-Kultur war rund um das heutige Serbien verbreitet. Sie hat den Untergang der Bandkeramik um 4.900 v. Ztr. scheinbar unbeschadet überstanden. Um 4.200 v. Ztr. ist sie aber untergangen - nach Marija Gimbutas infolge der indogermanischen "Invasion".

Die Tatsache, daß die Ermordeten so wenig enger familiär miteinander verwandt gewesen sind, ist vermutlich ein Hinweis darauf, daß bei den hier vorliegenden Siedlungsdichten das engere Verwandtschaftsprinzip für die Organisation und das Zusammenleben der Menschengruppen nicht mehr die einzige und ausschlaggebende Rolle gespielt hat. Es könnte ein Hinweis darauf sein, daß wir uns auch hier im Übergangsfeld der Lebensformen "Dorf" und "Stadt" (Großsiedlung) bewegen.

11. Die Cucuteni-Tripolje-Kultur entwickelt sich ihrem Höhepunkt entgegen


Abb. 8: Cucuteni A-Tripolje B1 (4300-4100 v. Ztr.) (Dauer: 200 Jahre) (aus: 8, 9)

In der zweiten Phase ("Cucuteni A-Tripolje B1") (4300-4100 v. Ztr.) (Dauer: 200 Jahre nach Mantu 1998) verdichten sich die Siedlungen insbesondere zwischen Sereth und Pruth massiv (Abb. 8). Auch am Dnjestr werden die Siedlungen häufiger. Die wenigen Siedlungen an seinen Zuflüssen verteilen sich neu.

Abb. 9: Cucuteni AB-Tripolje B2 (4100-3600 v. Ztr.) (Dauer: 300 Jahre) (aus: 8, 9)

In der dritten Phase ("Cucuteni AB-Tripolje B2") (4100-3600 v. Ztr.) (Dauer: 300 Jahre nach Mantu 1998) ist die Dichte und Häufigkeit der Siedlungen an Sereth und Pruth plötzlich viel weniger groß (Abb. 9). Es gibt Häufungen zwischen Pruth und Dnjestr. Insbesondere aber breiten sich Siedlungen im Osten über die Zuflüsse des Südlichen Bug bis an den Mittellauf des Dnjepr aus. Man könnte hier denken, daß Steppenvölker von Süden aus zwischen Pruth und Dnjestr nach Norden vorgestoßen sind.

Abb. 10: Cucuteni B-Tripolje C1 (3600-3200 v. Ztr.) (Dauer: 350 Jahre) (aus: 8, 9)

In der vierten Phase ("Cucuteni B-Tripolje C1") (3600-3200 v. Ztr.) (Dauer: 350 Jahre nach Mantu 1998) gibt es kaum noch Siedlungen zwischen Pruth und Dnjestr (Abb. 10). Haben in diesem Raum die Indogermanen die alleinige Herrschaft übernommen? Die Siedlungen konzentrieren sich westlich des Pruth und an den Zuflüssen des Sereth. Allerdings werden die Siedlungen zwischen den Zuflüssen des Südlichen Bug und dem Mittellauf des Dnjepr häufiger. Es gibt geradezu eine Siedlungskonzentration am westlichen Mittellauf des Dnjepr.

12. In der Verteba-Höhle am Oberlauf des Dnjestr, 3.500 v. Ztr.

In dieser Zeit nun lebten jene vier Menschen, deren Skelette hatten sequenziert werden können (4). Zum einen jene, die in der Verteba-Höhle gefunden worden sind. Diese liegt nahe des Dorfes Biltsche-Solote (Wiki, engl), gelegen an einem linken Zufluß des Dnjestr an dessen Oberlauf, nämlich am Seret (Wiki) (ohne "th"!). Der Ort liegt am Rande der nordöstlichen Karpaten, 200 Kilometer südöstlich von Lemberg, 500 Kilometer nördlich von Odessa. Dieser Ort gehörte - als Teil Ostpolens bis 1772 zur Adelsrepublik Polen, dann bis 1918 zu Österreich, bis 1939 zu Polen und seither gehört diese Gegend zur Ukraine. Wir lesen auf Wikipedia (Wiki):

Während einer Ausgrabung (...) stießen Arbeiter 1884 auf Ruinen einer prähistorischen Siedlung nahe dem Ausgang der Verteba-Höhle. Über die Jahre wurden mehr als 300 intakte Keramik-Behälter aus dem Höhlenboden und aus dem Bereich der neolithischen Siedlung (vor der Höhle) ausgegraben, die acht Hektar umfaßte. (...) Siedlungsaktivitäten gab es zwischen 4.440 und 4.100 v. Ztr., sowie zwischen 3.800 und 3.300 v. Ztr. (...) von bis zu 15.000 Einwohnern. (...) Sie ließen eine große Zahl von Tonfigurinen zurück, von denen viele als Muttergottheiten angesehen werden. (...) Am Beginn der Bronzezeit verschwand diese Kultur. (...)
Die Archäologen entdeckten hier eines der wenigen Gräberfelder der Cucuteni-Tripolje-Kultur, das fast 120 Individuen enthielt. (...)
Original: During a mundane excavation on the Sapyehy estate in 1884, workers stumbled upon the buried ruins of a prehistoric settlement near the mouth of the Verteba cave. Over the years, more than 300 intact ceramic containers have been unearthed from the floor of the cave and this Neolithic era settlement, which encompasses a total of 8 hectares (20 acres). Archaeologists identified the artifacts as belonging to the Cucuteni-Trypillian culture, with evidence of two separate periods of settlement activity dating from 4440-4100 B.C. and 3800-3300 B.C. The members of this society plowed their farms, raised livestock, hunted and fished, created textiles, and developed a beautiful and highly refined style of pottery with very intricate designs. Their settlements, which with up to 15,000 inhabitants were among the largest on earth at the time, were built in oval or circular layouts, with concentric rows of houses that were interconnected to form rings around the center of the community, where often a sanctuary building would be found. They left behind a large number of clay figurines, many of which are regarded as Mother goddess fetishes. (...)
At the beginning of the Bronze Age their culture disappeared (...) possibly as a result of invaders coming from the Steppes to the east. Over the years there have been a number of major archaeological explorations of this site, starting with excavations from 1889-1891 by Edward Pawłowicz and Gotfryd Ossowski. In 1898 Włodzimierz Demetrykiewicz conducted an excavation and analysis. In 1952 and 1956 V. N. Eravets, I. E. Svyshnikov, and G. M. Vlasova resumed the exploration of the site, which had been neglected during the turbulent first half of the 20th Century. Recently, in 2000, M. Sohatskyy conducted further excavations of the site.
The evidence from the discoveries revealed that there had been a gap between when the settlement was occupied. The more recent settlement yielded ceramic finds that connected it to the Shypynetsk group (Ukrainian: шипинецької групи), a sub-group of the Cucuteni-Trypillian culture that flourished in this region during the later Neolithic. Along with the intact ceramic containers unearthed in the cave, archaeologists have also found more than 35,000 clay fragments, including many of the famous Cucuteni-Trypillian goddess figurines, 200 pieces of bone and antler remains, and an additional 300 tools and other objects crafted from bone and stone, including flint implements, bone awls, and a few small copper artifacts.
Perhaps most importantly, archaeologists discovered one of the few burial sites of the Cucuteni-Trypillian culture at this site, amounting to almost 120 individuals. One of the most famous artifacts from the Cucuteni-Trypillian culture was found at Bilche-Zolote by the first team of archaeologists in the 1890s: a bone plate from about 3500 B.C. was found inside the Verteba cave, which was incised with a beautiful silhouette of a Mother goddess, and which became one of the most recognized symbols of this culture.

An diesem Ort wurden also nun um 3.500 v. Ztr. Menschen begraben, deren Vorfahren sich wohl mindestens hundert Jahre früher - aber vermutlich noch früher - mit Menschen aus der Steppe vermischt hatten. Und dies dürfte einstweilen als repräsentativ angesehen werden für den gesamten Raum dieser Kultur, zumindest östlich der Karpaten.

150 Kilometer flußabwärts findet sich die Ortschaft Pocrovca (Wiki). Sie liegt zwei Kilometer westlich des Dnjestr (350 Kilometer nördlich von Odessa). Hier wies ein sequenziertes Skelett - grob gesagt - wiederum 50 %  Bandkeramik-, 35 % westliche Jäger-Sammler- und 15 % Steppenherkunft auf (4).

Abb. 11: Horodiste-Foltesti-Tripolje C2  (3200-2750 v. Ztr.) (Dauer: 350 Jahre) (aus: 8, 9)

In der fünften Phase ("Horodiste-Foltesti-Tripolje C2") (3200-2750 v. Ztr.) (Dauer: 350 Jahre nach Mantu 1998) verteilen sich die Siedlungen vor allem auf beiden Ufern des Dnjestr, ebenso des Pruth, in der Donau-Mündung aber auch am Mittelauf des Dnjepr (Abb. 11). Es ist dies klar die Phase, in der diese Kultur verstärkt auf extensiverer Weidewirtschaft beruhte anstelle von intensivem Ackerbau (4). Deshalb sind nun auch Steppengebiete mit einbezogen in jene Gebiete, in denen sich feste Siedlungen befanden.

13. Anzeichen für kriegerische Ereignisse, ab. 4.300 v. Ztr.

Soweit also die ersten Reihe von Ausbreitungskarten, die Dergachev 2000 und 2007 bringt (8, 9). Es folgt in seinen Veröffentlichungen dann eine zweite Reihe, in denen er sich mit einer Untergruppe dieser Siedlungen beschäftigt, nämlich mit den befestigten Siedlungen. Diese finden sich am häufigsten in der zweiten Phase, also in der Phase der heftigsten kriegerischen Auseinandersetzungen in dieser Kultur, und zwar vor allem über die Flußläufe Sereth und Pruth hinweg verteilt, also im Kernraum dieser Kultur, nicht in ihren Randgebieten (wie beispielsweise um 5000 v. Ztr. bei den Bandkeramikern!). 

Womöglich darf dies doch als ein deutliches Zeichen dafür gesehen werden, daß es sich mehr um interne Auseinandersetzungen handelte als um externe (- ?).

Abb. 12: Häufigkeit der Pfeilspitz-Funde in der zweiten, der Cucuteni A-Tripolje B1-Phase (aus: 8, 9)

Freilich konnten - gerade in dieser Zeit - Indogermanen als Söldner allerwärts in die Heere der Cucuteni-Tripolje-Kultur eingegliedert worden sein und sich so auch mit der ansässigen Bevölkerung vermischt haben. Das wäre eine der zwanglosesten Erklärungen. Und in einigen Siedlungsgebieten könnten sich Söldnerführer zu Fürsten der Region aufgeschwungen haben, also zu "Zepter-Trägern" (siehe unten).

Die größte Häufigkeit von Pfeilspitzen, die Dergachev als indogermanisch interpretiert, finden sich am Oberlauf des Pruth (Abb. 12), also am Ende des sich in der Folgezeit entleerenden Gebietes zwischen Pruth und Dnjestr. Womöglich könnte dies als ein Hinweis auf eine Auseinandersetzung mit extrenen Feinden, also mit Steppenbewohnern interpretiert werden, die die Landschaft zwischen Pruth und Dnjestr in der Folgezeit für sich beanspruchten, ohne aber sonst sonderlich viel Einfluß auf die sich ansonsten prosperierend weiterentwickelnde Geschichte der Bauernkultur zu nehmen.

Auch am Mittellauf des Südlichen Bug sehen wir viele Funde von Pfeilspitzen (Abb. 12). Auch in jenem Raum sehen wir in der nachfolgenden Epoche keine bäuerlichen Siedlungen mehr. Auch dort also womöglich ein ähnliches Bild.

14. "Visitenkarten" eines neuen Volkes

Insgesamt macht es vielleicht Sinn, daran zu erinnern, daß sich indogermanische Kultur und Genetik um 4.500 v. Ztr. auch ähnlich verbreitet haben kann wie sich die Kultur und und Genetik der Wikinger 5.500 Jahre später in Osteuropa ausbreiten sollte (21). Nach der ersten Generation des Zureisens der Wikinger kam es zu "Einheiraten" in die lokale, örtliche Bevölkerung (vermutlich vor allem den Hochadel). Und die nachfolgenden Generationen, die kulturelle Elemente der Wikinger weiter pflegten, trugen immer kleinere genetische Anteile dieser Vorfahrengruppe in sich (21). Und in jeder Region hat diese Einmischung, dieses Einheiraten in anderer Weise auf die Gestaltung der nachfolgenden Kultur Einfluß genommen (genetisch, sprachlich und so weiter).

Abb. 13: Funden innerhalb der Cucuteni-Tripolje-Kultur, die Merkmale von Steppen-Herkunft aufweisen: 1-schematische Zepter, 2-realistische Zepter, 3-Suworowo-Zepter, 4-Kreuzförmige Steinbeile des Mariupol-Typs, 5- (9, S. 308)

Um jedenfalls seine "Geschichte", seine Deutung der Befunde abzuschließen und abzurunden, bringt Dergachev dann abschließend eine Verbreitungskarte von Funden innerhalb der Cucuteni-Tripolje-Kultur, die Merkmale von Steppen-Herkunft aufweisen (Abb. 13), und die ja durchaus - wie bei den Wikingern - nicht nur von Menschen reiner Steppen-Genetik besessen worden sein müssen. Diese Verbreitungskarte ist durchaus sehr spannend. Sie ergänzt sich natürlich mit der oben gebrachten Abbildung 3. Die Erläuterung lautet (8, S. 56):

Funde von Gegenständen der osteuropäischen Steppen-Kultur im Bereich der Сuсuteni-Tripolje-Kultur: 1 - Schematische Zepter (1 - Mogoshesti, 2 - Ruginoasa, 3 - Birllesti, 4 - Obsheni, 5 - Jora de Sus, 6 - Berezovskaya HPP); 2 - Realistische Zepter (7 - Fedelesheni, 8 - Fitionesti, 9 Ариушд); 3 - Suworowo-Zepter (10 - Суворово); 4 - Kreuzförmige Steinbeile vom Typ Mariupol (3 - Birllesht, 6 - Berezovskaya HPP, 11 - Radoaya, 12 - Veremye); 5 - Verbreitungsgebiet der Cucuteni-Tripolye-Kultur in Epoche B1; 6 - Verbreitungsgebiet der Cucuteni-Tripolje-Kultur in Epoche B2.

Die Phase B1 wird auf 4.500 bis 4.200 v. Ztr. datiert, die Phase B2 auf 4.200 bis 3.500 v. Ztr. (Wiki). Von den ursprünglicheren "schematischen" Zeptern finden sich nach dieser Abbildung drei am Oberlauf des Sereth und drei am Unterlauf des Pruth, einer am Dnjestr und einer am Mittellauf des Südlichen Bug - hier ausgerechnet dort, wo - siehe oben - viele Pfeilspitzen-Funde gemacht worden sind. Auch sonst paßt diese Karte gut zu jenen Gebieten, wo man viele Pfeilspitzen-Funde gemacht hat. 

Die "realistischen Zepter" hingegen finden sich im Gebiet um Warna (Suworowo) und in Siebenbürgen. Dieser Umstand legt es nahe, daß diese Zepter sich im Umfeld der Warna-Kultur und im Umfeld Siebenbürgens anders weiter entwickelt haben als weiter östlich. In Warna war ja auch der Wohlstand - offensichtlich - viel größer als sonst in dieser Zeit. Oder aber dieser Umstand legt nahe, daß diese Zepter eine spätere Phase in der Entwicklung dieser Zepter, bzw. der Kultur vor Ort wiederspiegeln. Es werden hier noch viele offene Fragen deutlich.

Denn insgesamt ist ja zu sagen, daß die meisten Zepter-Funde Einzelfunde sind, die schwer einem spezifischen kulturellen Kontext zugeordnet werden können, weshalb sie - bislang - auch schwer genauer zu datieren waren.

15. Die Zepter-Träger der Ilias, 900 v. Ztr.

Eine der bekanntesten Ausbreitungsbewegungen einer Kultur und eines Volkes ist die "Griechische Kolonisation" vom 11. bis zum 6. Jahrhundert v. Ztr. (Wiki) in der Ägäis, im Schwarzen Meer, in Süditalien und an den Küsten Spaniens, Frankreichs und Nordafrikas. Als weitere Ausbreitung griechischer Kultur folgte der Hellenismus von 336 bis 30 v. Ztr. (Wiki), die eine Ausbreitung der griechischen Kultur bis zum Indus und bis zum Indischen Ozean mit sich brachte.

Sowohl in der frühesten Zeit der Indogermanen wie noch in der mykenischen Zeit von Griechenland gab es nun - wer sollte das meinen?! - "Zepterträger". Die räumliche Verteilung der Zepter-Träger im mykenischen Griechenland ist in Abbildung 14 wiedergegeben. Bei diesen Zepter-Trägern handelt es sich um einige der berühmtesten Helden der Weltgeschichte.

Abb. 14: Die Räumliche Verteilung der Zepter-Träger, die sich zur Belagerung vor Troja versammelten  (nach der Ilias des Homer) (8, S. 188)**)

Es handelt sich um die Herrschersitze des Großkönigs Agamemnon, um Nestor, Diomedes, Ajax, Odysseus, Achill oder Patroklos. Wenn man von diesen - vermutlich doch historischen - Zepter-Trägern um 1.000 v. Ztr. zurück "extrapoliert" zu den Zepter-Trägern der indogermanischen Chwalynsk-Kultur an der Mittleren Wolga, die sich innerhalb von Jahrhunderten von Chwalynsk aus bis zum Unterlauf des Don, bis zum Kaukasus, bis zur Donaumündung, bis in die Ostkarpaten und bis nach Siebenbürgen ausbreiteten, dann erhält man vielleicht eine etwas konkretere Vorstellung sowohl von der etwaigen Sozialstruktur wie auch von der Dynamik jenes Geschehens, das fast fünftausend Jahre früher lag.

So wie griechische Stämme der mykenischen Zeit - und natürlich mehr noch danach - Kolonie-Städte gründeten außerhalb von Attika und der Pelopones und diesen Könige gaben, so konnten natürlich auch die Könige der Chwalynsk-Kultur an der Mittleren Wolga Kolonien gründen am Don, an der Unteren Wolga, am Ufer des Kaspischen Meeres, am Ufer des Asowschen Meeres, an den Ufern des Schwarzen Meeres, an der Donau-Mündung. Und diese Könige und Zepter-Träger konnten gut und gerne auch in die Königsfamilie von Warna einheiraten.

Und solche Zepterträger konnten samt ihrer Waffenträger natürlich gut und gerne auch zur Belagerung irgendeiner großen Stadt zusammen kommen - so wie noch fünftausend Jahre später von Homer geschildert. Aber es konnte natürlich auch ausreichend "Streit" und "Zorn" zwischen ihnen geben - so wie ebenfalls von Homer geschildert.

16. Das Vordringen der Indogermanen bis in die Ungarische Tiefebene

Dergachev schreibt weiter über das Verbreitungsgebiet dieser Zepter (9, S. 259f):

Die Annahme einer ersten Ausbreitungs-Welle zu akzeptieren, erweist sich als schwieriger. Denn diese war nicht eben so leicht zu belegen. Das Problem ist, daß die infrage kommenden spätneolithischen Gräber-Komplexe vereinzelt waren und blieben, und daß es sie an der westlichen Küste des Schwarzen Meeres gar nicht gab. Mehr noch, alle waren über große Entfernungen hinweg verteilt voneinander (Cainari im Mittleren Moldavien; Casimcea und Suworowo nahe der Mündung der Donau; Deccea Mureşului im mittleren Siebenbürgen; Csongrád an der Unteren Theiß). (...) Eine ganze Reihe von spezifischen Fundkategorien wie Tierkopf-(Pferdekopf-)Zepter, kreuzförmige Mariupol-artige Streitäxte (...) und andere spielten eine wichtige Rolle darin, die Theorie von der Ausbreitungswelle zu unterstützen. Bei den Zeptern jedoch handelt es sich zum Beispiel meistens um Zufallsfunde ohne eindeutigen archäologischen Kontext.
Acceptance of the first wave of steppe migrations proved more difficult as it was not so well substaniated. The problem is that the Eneolithic burial complexes in question were and still remained solitary, excluding the western Black Sea coast. Moreover, all of them are scattered and situated at considerable distances from each other (Cainari in central Moldava; Casimcea and Suvorovo near the mouth of the Danube; Deccea Mureşului in central Transylvania; Csongrád on the Lower Tisza). (...) The scepters, for example, represent mostly chance finds without clear archaeological contexts.
Der hier erwähnte Verbreitungsraum erstreckte sich, so schreibt Dergachev weiter, sogar bis zur Oberen Theiß (Tisza) (Abb. 15).

Abb. 15: Der Verlauf der Theiß, bzw. der Tisza - Von den Waldkapraten (in der Ukraine) quer durch die ungarische Tiefebene nach Serbien und in die Donau, 50 Kilometer nördlich von Belgrad (Wiki)

Auch hier erscheint es notwendig, sich zunächst mit den genannten Ortsbezeichnungen vertrauter zu machen. Bei der Ortbezeichnung "Decea Mureşului" handelt es sich um zwei - fünf Kilometer voneinander entfernt gelegene - Dörfer im Mieresch-Tal (Rumänisch Mureș) im Südwesten des Siebenbürgenschen Beckens (s. Abb. 15). Sie liegen sieben Kilometer nördlich der einstmals von Siebenbürger Sachsen gegründeten Stadt Straßburg am Mieresch (Wiki).

Abb. 16: Vierseitiges Steinaxt-Zepter von Decea in Siebenbürgen (Wiki)

Rund um die Dörfer Decea und Mireslau (Wiki) sind nun vielfältige archäologische Entdeckungen gemacht worden. Nach "Decea Mireslau" ist deshalb eine ganze Kultur benannt worden (Wiki). Insbesondere wurde in Decea aber ein eindrucksvolles vierseites Steinaxt-Zepter gefunden (s. Abb. 16), das natürlich einem Zepter-Träger zuzuordnen ist. Zwar gab es noch bis vor wenigen Jahren Archäologen, die - gegen die Ausbreitungs-Theorie von Marija Gimbutas - diese Kultur als eine einheimisch entstandene erklären wollten (der moldawische Archäologe Gorvedacia und viele andere). Über die anderen Archäologen lesen wir auf Wikipedia dann aber (Wiki):

Für sie sind die Gräber bei Decea Mireslau (...) ein stichhaltiger Beweis für das Eindringen nordpontischer Populationen nach Siebenbürgen. Die Streuung von rotem Ocker über den Skeletten oder die Niederlegung von Ocker in Form von kleinen Bällen zu ihren Füßen, ebenso wie andere Grabrituale finden die besseren Entsprechungen in den Gräberfeldern von Mariupol in der Südukraine.
The graves at Decea Mureşului (...) they are hard proof of the penetration of central Transylvania by a north-Pontic population. The presence of red ochre scattered over the skeletons, or laid at their feet in the form of little balls, as well as other ritual elements find better analogies, however, in the necropolis at Mariopol in south Ukraine.

Die Entfernung zwischen Decea und Mariupol beträgt 1.300 Kilometer. Das weiterhin hier erwähnte Csongrád an der Unteren Theiß (Wiki) liegt 360 Kilometer westlich von Decea mitten in der Großen Ungarischen Tiefebene (Wiki), und zwar 60 Kilometer nördlich von Szeged an der Unteren Theiß, 200 Kilometer nördlich der Mündung der Theiß in die Donau. Csongrád liegt 900 Kilometer nordwestlich von Warna und 1.600 Kilometer westlich von Mariupol am Nordufer des Asowschen Meeres.

Die in Csongrád beheimateten, seßhaften Bauern der Theiß-Kultur (Wiki) waren um 4.900 v. Ztr. hervorgegagen aus dem Zerfall der Kultur der Bandkeramik. Ähnliche, verwandte Kulturen in diesem Raum, die aus dem Zerfall der Bandkeramik hervorgegangen waren, war die Lengyel-Kultur weiter im Westen. Hier waren die Indogermanen schon in Bereiche vorgestoßen, innerhalb derer sich um 3.200 v. Ztr. herum die Glockenbecher- und die Schnurkeramik-Kultur bilden sollte. Aber über liegt noch mancherlei geheimnisvolles Dunkel. Sie soll nicht Thema dieses Beitrages sein.

17. Von der stilistischen Entwicklung der Zepter ...

Der wichtigste Teil des Buches von Dergachev aus dem Jahr 2007 ist eine sehr intensive vergleichende Untersuchung der Tierkopfzepter. Diese Untersuchung liegt noch nicht auf Englisch vor. Wir können uns ihr deshalb nur unter großen sprachlichen Schwierigkeiten nähern bislang. Verschiedene Versuche, die unterschiedlichen Zeptertypen, die unterschiedlich geographisch verteilt sind, in unterschiedliche Entwicklungsreihen zu gruppieren, münden für Dergachev jedenfalls in dem folgenden Ergebnis (Abb. 16).

Abb. 17: Die Entwicklung der indogermanischen Tierkopf-Szepter (8, S. 118)

Dergachev schreibt, daß die morphologischen Analysen und Vergleiche dazu führen anzunehmen, daß der einfachste Chwalynsk-Typ (Abb. 17: A) der ursprünglichste Typ ist, und daß sich aus diesem zwei zeitliche parallele Typenfolgen ableiten, die sich zeitlich parallel aber - offenbar - in unterschiedlichen geographischen Räumen (oder kulturellen Traditionen) entwickeln (Abb. 17: B, C) (8, S. 119):

Alle anderen Zepterformen, sowohl die schematischen als auch die realistischen bilden - eher unerwartet - zwei parallele, sich ähnlich entwickelnde Serien, die sich von relativ einfachen, schematischen zu komplizierteren und detaillierteren entwickeln (eine Gleichzeitigkeit von Subtypen, die der Autor zuvor nicht erwartet hatte).

Man darf sehr gespannt sein, ob dieses interpretatorische Konzept sich auch sonst als tragfähig erweisen wird. Darum geht es im weiteren Buch. In den weiteren Grafiken markieren offene Kreise die realistischen Zepter, die offenen Quadrate die schematischen Zepter und offene Rechtecke Zepter-Sonderformen (Abb. auf 8, S. 128, Abb. auf 8, S. 130). Dergachev schreibt (8, S. 139f)(Hervorhebungen nicht im Original):

Lassen Sie uns die letzte der möglichen Annahmen überprüfen. Gleichzeitige oder mehrzeitige, aber unabhängige Entstehung und Entwicklung von schematischen und/oder realistischen Zeptern in verschiedenen, sehr abgelegenen Regionen und darüber hinaus in unterschiedlichen kulturellen Kontexten sollten unweigerlich auf mehr oder weniger spürbare Unterschiede in ihren Kontexten, in ihren Größen und / oder Proportionen hinweisen. Wenn wir diese räumlich-kulturell-zonalen Parameter mit metrischen Indikatoren korrelieren, dann sind die westlichen und östlichen Funde relativ unabhängige Gruppierungen oder sie müssen in den Korrelationsfeldern (für jede der Teilmengen) als solche angezeigt werden. Andernfalls, d.h. bei einer relativ gleichmäßigen Verteilung der kulturellen und territorialen Indikatoren in den Gruppierungen, die aus metrischen Indikatoren - Teilmengen - bestehen, sollte die ursprüngliche Annahme als falsch erkannt werden.
Wenden wir uns den Ergebnissen der Korrelation von territorialen und metrischen Eigenschaften zu (Abb. 30-33). In allen vier Fällen sehen wir verschiedene gepaarte Kombinationen der metrischen Maße von klein nach groß. Zur Analyse werden wir alle Zepter - sowohl schematische als auch realistische - in vier Gruppen unterteilen:
1. Zepter der ursprünglichen Formen. Das sind die meisten frühe, einfachen, extrem verallgemeinerten Formen, sie dienten als Ausgangspunkt für alle anderen (sowohl schematischen als auch realistischen) Formen. Dies sind natürlich Zepter aus den Grabstätten Khvalynsk 1 und Khvalynsk 2 (Abb. 19, 1, 1-2 oder nach der akzeptierten einheitlichen Nummerierung Nr 17-18).
2. Eine Reihe von schematischen und für eine Reihe von realistischen Zeptern in verallgemeinerten Formen. Aus der Reihe der schematischen Zepter fallen hier morphologisch die meisten in der Nähe der von Khvalynsk. Dies sind Produkte mit einem subovalen Querschnitt und einem facettierten, unterkanalisierten Oberfläche (Birllesti und Obsheni 1 - Feige. 19, P, 3-4 bzw. Nr 4.12). Hier können Sie anscheinend den Knauf einschließen von Velen (Nr 5). Von einer Reihe von realistischen zu diesem Die Gruppe umfaßt die einfachsten Tops von Khlopkovo 2 und Ariushd (Abb. 20,1, 1-2 bzw. Nr 14 und 1).
3. Zepter der Übergangsformen, sie besetzen Zwischenposition zwischen den vorhergehenden und nachfolgenden, komplizierten Gruppen. Von eine Reihe von Schema-t: gleich. Jeder kommt hierher geriffelte Spitzen: Berezovskaya HPP, Jora de Sousse, Konstantinovka (K ~ 3,7, 8) und auch "Rostov" (Fig. 19, P, 5-9 bzw.) K ~ 3, 7, 8, 15). Und aus einer Reihe realistischer Tops von Kokberek, Fitionesti, Rezhevo, Drama, Kairaklia, Fedelesheni, Vinca de Jos (Abb. 20, II bzw. K ~ 6, 13,7,3,4, 12,2).
4. Extrem komplizierte Formen. Aus einer Reihe von schematischen sehen alle Zepter des Arkharinsky-Looks aus - Arkhara, Dzhangar, "Kuibyshev", Mogoshesht, Obyrshen 2, "Ordzhonikidze", Khlopkovo 1, Shlyakhovskoy (Abb. 19, Sh, oder COOТBeTCTBeHHoK ~ 2,6,9,11,13,14,20,21) und, möglicherweise Ruzinoasa (K ~ 16). Aus einer Reihe realistischer - alle Formen mit zusätzlichen Ziermotiven: lkutsa, TerekliMekteb, Suworowo, SuvoDol, Kosimcha (Abb. 20, W bzw. K ~ 10,11,9,8,5). 

Dieses schwer lesbare Zitat wird hier im Wesentlichen so gebracht, wie es Google Übersetzer "auswirft". Es soll deutlich machen wie schwer die Lektüre eines so schwierigen Stoffes allein mit diesem Hilfsmittel ist.

18. ... zu einer Geistesgeschichte der Indogermanen des 5. Jahrtausends v. Ztr.

Es deutet sich aber - doch! - für uns an, daß sich in der geschichtlichen Entwicklung der Zepter-Typen eine frühe Geistesgeschichte des Volkes der Urinodgermanen wieder findet, wieder finden könnte.

Im Bereich des Don und der Wolga bleibt man eher bei den einfacheren, klassischen, "strengeren", "schematischen" Zepter-Formen, in der Nähe der Königsstadt Warna, an der rumänischen Donau, in den Karpaten werden die Zepter - zum Teil - "überladen", gewissermaßen auch verspielt, "übermütig", barock, "realistischer" (8, Abb. 38, S. 141; 8, Karte 1, S. 143). 

Es mutet so an, als wäre der dortige Reichtum, das Wohlleben, das dort möglich war, den dortigen Zepterträgern "zu Kopfe" gestiegen.

Aber vielleicht ist noch eine andere Interpretation möglich: Schon der König von Warna aus Abbildung 1 trug ja sowohl Bauern- wie Steppenherkunft in sich. Wenn die Zepter im Westen "verspielter" werden, mag das auch einfach auf völlig andere kulturelle Einflüsse zurück geführt werden als sie in der indogermanischen Ausgangskultur vorhanden waren. Sozusagen: Die Stilentwicklung von der strengen, klassischen persichen Kultur hin zu den Sassaniden ist hier schon viertausend Jahre früher in einer irgendwie ähnlich anmutenden Weise durchlaufen worden.

Abb. 18: Ausbreitung und Weiterentwicklung der unterschiedlichen Zepter-Typen (8, S. 143) - Man beachte übrigens auch Nummer 8 in Nordgriechenland!

Die Zepter nehmen allerdings in allen Regionen über die Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg an Größe leicht zu. Ein wenig Verlust von "Bescheidenheit" wäre also - aus geistesgeschichtlicher Sicht - überall zu bemerken. 

Wenn nun auch im Karpatenraum Zepter-Typen der schlichteren Variante auftreten, die sonst vom Don her bekannt ist, dann könnte man darin auch eine eher spätere Phase der Zuwanderung von Indogermanen nach Bessarabien und in den Karpatenraum sehen. So möchten wir ein wenig spekalativ hier weiter schreiben, ohne das Buch von Dergachev dazu gründlich gelesen haben zu können.

Im übrigens sehen wir auch auf am Nordrand des Kaukausus zumindest einen Vertreter des etwas "aufgelösteren" Typs von Warna (Abb. 18). Da ja auch sonst Fernhandelsverbindungen angenommen werden zwischen Bessarabien und dem Kaspischen Meer, wird ein solches vereinzeltes Auftreten nicht gar zu sehr verwundern. Die unterschiedlichen kulturellen Regionen der Indogermanen werden voneinander gewußt haben, werden im losen kulturellen und wirtschaftlichen Austausch miteinander gestanden sein, werden aber jeweils vor Ort auch ihr eigenes Leben gelebt haben. 

So wie eben Sparta und Athen auch gut voneinander wußten, sowohl über die jeweiligen Stärken wie die Schwächen des anderen, ohne nun den eigenen Lebenstil aufzugeben (über viele Jahrhunderte hinweg).

Wichtig ist für uns noch, was wir schon dem Augenschein entnehmen können aber doch noch einmal gerne schriftlich haben (8, S. 142):

Jeder Formentyp setzt - als kulturelles Phänomen - einen bestimmten Ursprungsort und ein bestimmtes Verbreitungsgebiet voraus, das als kompakt-kontinuierlich oder als diskontinuierlich-zerrissen beschrieben werden kann, was auch tatsächlich charakteristisch ist für ihre Verbreitung in verschiedenen Regionen (Wolga-Region und Kaukasus einerseits, Karpaten-Donau-Region andererseits) und sogar verschiedene Unterzonen (Ostkarpaten - deren Zepter überwiegend schematische Darstellungen aufweisen und auf der anderen Seite die Donau und der Balkan, wo nur realistische Zepter bekannt sind.

Bringen wir noch Abbildung 19.

Abb. 19: Denkbare Abfolge der Ausbreitung der Tierkopf-Zepter von Chwalynsk aus - Kreis="schematisches" Zepter, Quadrat="realistisches" Zepter (8, S. 147)

Die Karten-Erläuterung kann in diesem Fall nach einer brandneuen Buchveröffentlichung von Harald Haarmann (10, Fig. 16) erfolgen (auch 1, S. 113) (auch schon 24, S. 28):

I = Südliche Grenze der Waldsteppe, II = Südliche Grenze der Steppe, III = Grenze der Halbwüste
1. Chwalynsk-Kultur (A - Mittlere Wolga, B - Nordkaspischer Raum, C - Ostkaspischer Raum), 2. Danilov-Kultur (A - östlich, B - westlich), 3. Maikop-Kultur, 4. Strednij Stog-Kultur, 5. Cucuteni-Tripolje-Kultur, 6. Karanovo-Gumelnita-Kultur, 7. Krivvodol-Selkuta (Schwarze Symbole markieren Fundgruppen, weiße Symbole markieren weniger häufige Funde.)

[Ergänzung 14.10.21] Damit sind gleich mehrere bedeutende Kulturen benannt, die in der Frühgeschichte der Indogermanen eine Rolle gespielt haben. Das hieße zunächst, daß die Chwalynsk-Kultur selbst an Wolga und Kaspischem Meer orientiert geblieben wäre. Der Begriff "Danilov-Kultur" findet sich sonst nirgendwo in der Literatur oder im Internet, womöglich handelt es sich um einen Übersetzungsfehler. In diesem Raum gab es die Dnjepr-Donez-Kultur (Wiki), die vermutlich gemeint ist. Mit Bezug auf eine Arbeit  des Archäologen J. Mallory von 1991 wird zu ihr ausgeführt (Wiki):

Ein starkes Bevölkerungswachstum und eine Ausbreitung in Richtung Steppe ist feststellbar. Es gibt Parallelen mit der zeitgleichen Samara-Kultur im Norden. Überraschende Ähnlichkeiten mit der Chwalynsk-Kultur und der Sredny-Stog-Kultur sind ebenfalls beobachtet worden. Ein viel weiter gefaßtes kulturelles Gebiet von der Oberen Weichsel bis zum Unterlauf des Dnjepr, bis zum Mittel- und Unterlauf der Wolga deutet sich an. (...) In Übereinstimmung mit der Kurgan-Hypothese (von M. Gimbutas) schlug J. Mallory 1997 vor, daß die Menschen der Dnjepr-Donez-Kultur keine indogermanische Sprache sprachen, aber von Menschen urindogermanischer Sprache, die sich vom Steppenland im Osten Richtung Westen ausbreiteten, absorbiert worden wären.
Throughout its existence rapid population growth and an expansion towards the steppe is noticeable.[6] There are parallels with the contemporaneous Samara culture to the north.[7][8] Striking similarities with the Khvalynsk culture and the Sredny Stog culture have also been detected.[7] A much larger horizon from the upper Vistula to the lower half of Dnieper to the mid-to-lower Volga has therefore been drawn. (...) Daß die Trichterbecherkultur von hier ihren Ausgang genommen hat, ist allerdings umstritten. (...) In accordance with the Kurgan hypothesis, J. Mallory (1997) suggested that the Dnieper-Donets people were Pre–Indo-European-speakers who were absorbed by Proto-Indo-Europeans expanding westwards from steppe-lands further east.

In der Physischen Anthropologie gab es zeitweise den Eindruck, daß die Dnjepr-Donez-Kultur einen sehr urtümlichen Menschentypus repräsentierte, der vollständig von den Menschen der östlicheren Gebiete ersetzt worden sei (St. gen 2017). Auch von Seiten der Genetik deutet sich ein solches Geschehen an (Wiki). Man könnte aber auch mutmaßen, daß diese Kultur, die zunächst von der Jagd und dem Fischfang lebte, die ab 5.200 v. Ztr. die Haltung von Rindern, Schafen und Ziegen überging, diese Kulturtechnik nicht nur bei sich eingeführt hat, sondern sie auch bis zur Mittleren Wolga weitergegeben hat (Wiki). 

Die Maikop-Kultur (Wiki) ist eine bedeutende archäologische Kultur ab 4.000, bzw. 3.700 v. Ztr. im Westlichen Kaukasus. Auch die weiterhin angeführte Srednij-Stog-Kultur wies noch keine indogermanische Steppen-Genetik auf.

19. Mehr Anerkennung für Vladimir Dergachev!

Auf unsere Email-Anfrage an Vladimir Dergachev, ob denn nicht eine Übersetzung seines Buches ins Englische oder Deutsche vorgesehen ist angesichts der Tatsache, daß in seinem Buch von 2007 die Urheimat der Indogermanen ganz richtig herausgearbeitet worden war nach den neuesten archäogenetischen Daten, erhielten wir die Antwort, daß von einem Nachdruck der Monographie keine Rede sein könne. Es handele sich bei diesem Buch um ein seit langem abgeschlossenes Kapitel seines Lebens.

Dergachev ist 75 Jahre alt und ist - auch wenn er außerhalb engster Fachkreise niemanden bekannt ist - einer der wichtigen lebenden Archäologen Osteuropas, die wissenschaftliche Argumente zusammen getragen haben zugunsten der Ausbreitungstheorie von Marija Gimbutas. Vor ihm war es über viele Jahrzehnte hinweg unter anderem der Moskauer Archäologe Dimitrij Telegin (1919–2011)(13)***). Seit 2015, 2017, 2019 ist völlig klar, daß Dergachev, Telegin und alle anderen auf ihrer Linie (David Anthony) recht behalten haben. 

Eine jüngere Generation von Archäologen Osteuropas und Moldawiens hat sich aber seit den 1990er Jahren bis in die Gegenwart hinein - in einer fast willkürlich anmutenden Wendung - einem Standpunkt verschrieben, nach dem (fast?) alle kulturellen Entwicklungen Osteuropas gänzlich ohne Zuwanderungen aus der Steppen (im Sinne von Marija Gimbutas) zu erklären wären (14) (siehe dazu auch: 8, 9).

Wir haben noch nirgendwo von einem Eingeständnis des Scheiterns dieser Sichtweise gehört wie dieses ja nun doch durch die Archäogenetik klar aufgezeigt wird.*****) Es besteht wohl mancher Grund, daß diese Archäologen sich einmal dafür einsetzen, daß nun Vladimir Dergachev, der sich - wie aus manchen Bemerkungen (9) hervorgeht - zurück gesetzt behandelt gefühlt hat, mehr öffentliche Anerkennung und Anerkennung aus Fachkreisen heraus erhält als das bislang geschehen ist.****)

Abb. 20: Noch einmal - wie in Abb. 1 - der Gottkönig von Warna (4.500 v. Ztr.) - Hier sichtbar die vielen Waffenbeigaben

_____________

*) Viele aktuellen Forschungen auf diesem Gebiet werden in russischer Sprache veröffentlicht, weshalb der Zugang zur Thematik für Menschen, die nicht Russisch beherrschen, außerordentlich erschwert ist. Diesen Umstand hat Harald Haarmann schon 2016 in einem Interview richtig benannt (11). Aber Wissensdrang läßt sich bekanntlich nicht aufhalten. Und die Quellen des Wissens sprudeln dennoch von allen Seiten reichlich. Auch zu diesem Thema.- Harald Haarmann ist im übrigen ein wichtiger deutschsprachiger Autor, um sich dem heutigen Forschungsstand zur Geschichte der Indogermanen und der von ihnen unterworfenen alteuropäischen Bauernkulturen anzunähern. Er beherrscht die russische Sprache und kann sich darum leichter zu diesem Forschungsstand einen umfassenderen Überblick verschaffen als alle, die diese Sprache nicht beherrschen. Man erhält durch ihn viele Anregungen. Dennoch muß man viele seiner Thesen noch einmal für sich selbst überprüfen, denn manches wird von ihm auch eigenwillig interpretiert. (Seine Ausführungen über Genetik im Jahr 2016 [11, 47:39-52:07] waren schon damals - 2016 - nicht mehr ganz aktuell und sind heute vollständig über den Haufen geworfen worden. Das muß man also notwendigerweise übergangen werden.)
**) Auf Seite 188 von Dergachev (2007) wird eine Karte der Verteilung von Zepter-Trägern im mykenischen Griechenland nach der Ilias des Homer gebeben. Ganz vorläufige Übersetzung der Erläuterung der Karte mit Hilfe von Google Übersetzer: "Der Standort der Zepter zum Zeitpunkt des Aufbruchs ihrer Inhaber nach Troja: A - Heimatstädte der Zepterträger: 1-Agamemnon, 2-Nestor und Phraz, 3-Honig (?), 4. Domeneo (?); 5-Diomedes, 6-Merion, 7-Phylokteta, 8-Ajax Olieva, 9-Odysseus, 10-Klein (?), 11-12-Achilleus und Patroklos, 13-Ajax Telemoid, 14-Protesilaya, 15-Sphenela; B - der ursprüngliche Bereich der Zepter; C-Troia".
***) Telegin hatte 1941/42 an der Nordwestfront mit Auszeichnung gegen die Deutschen gekämpft und war mehrfach verwundet worden. Da er schließlich nicht mehr kriegsdienst-fähig war, wurde er vom Kriegsdienst frei gestellt und konnte seither den archäologischen Forschungen nachgehen.
****) Man darf wohl schon sagen, daß manche wissenschaftliche These - zum Beispiel von Gordevacia (5), nach der die Zepterträger sogar aus der Bandkeramik (!!!) hervorgegangen sein sollen, und nach der sich die Zepter von West nach Ost ausgebreitet haben sollen, geradezu grotesk anmuten. Sie muten jedenfalls mehr als willkürlich an. Und deshalb entsteht der Eindruck, als ginge es bei solchen Hypothesen nur darum, jede noch so an den Haaren herbei gezogene Erklärung für plausibel halten zu wollen, wenn sie nur ja keine Nähe zu denen von Marija Gimbutas aufweisen. Der Eindruck, daß die Motivlage für ein solches Argumentieren noch rein wissenschaftlicher Art wäre, drängt sich uns nicht wirklich auf. - - - Und auch der ehrgeizige Forschungsansatz der Studie von 2019 (4), nach der alle Erklärungen für den Untergang der Cucuteni-Tripolje-Kultur für plausibel gehalten werden, wenn es sich nur nicht um solche handeln würde, die mit der östlichen Steppenkultur zu tun hätten - wobei sich dann zugleich auch noch sehr umfangreich auf die detaillierten, Jahre langen empirischen Vorarbeiten von Dergachev gestützt wird (4), bei all dem scheint es uns doch nicht wirklich angemessen, ausgewogen und gelassen genug, sowie schlicht ergebnisoffen genug zugegangen zu sein. Der vorliegende Blogartikel mag auch als ein erster Versuch verstanden werden, bezüglich der hier offenbar vorliegenden, nicht ganz leicht zu durchschauenden motivationalen Gemengelagen Licht ins Dunkel zu bringen. Niemand bestreitet, daß die Cucuteni-Tripolje-Kultur auch ganz ohne äußeren Einfluß in sich hätte zusammen brechen können. Äußere Einflüsse aber sozusagen von vornherein und grundsätzlich als nicht wesentlichen Faktor zu unterstellen und einzuschätzen, mutet ein wenig sonderbar an. Auch bei Erklärungsversuchen des Untergangs des Römischen Reiches würde wohl niemand von einer so einseitigen Sichtweise zufrieden gestellt sein.
*****) Nachtrag 31.5.21: In dem neuesten Interview (Yt, 29.5.21) schildert Harald Haarmann am Anfang sehr schön wie der Archäologe Colin Renfrew 2017 seinen großen Irrtum eingestand. - Andererseits wird in diesem Interview auch besonders deutlich, zu welchen Eigenwilligkeiten Haarmann - weiterhin - fähig ist: Er hält immer noch an dem Irrtum fest, die Donauzivilisation wäre vornehmlich von Menschen einheimischer Jäger-Sammler-Herkunft statt anatolisch-neollithischer Herkunft getragen gewesen. Er meint, in den Völker dieser Völkergruppe hätte es wenig bis gar nicht Krieg und Gewalt gegeben, was für die Bandkeramik schon seit Jahren widerlegt ist, für die Cucuteni-Tripolje-Kultur ebenfalls (s.o.: Pfeilspitzen, Befestigungen etc.). Auch viele andere "plakative" Thesen zu dieser Kultur sind sicherlich deutlich zu hinterfragen und differenzierter zu sehen.

 ____________

  1. Haarmann, Harald: Auf den Spuren der Indoeuropäer. Von den neolithischen Steppennomaden bis zu den frühen Hochkulturen. C.H. Beck, München 2016
  2. Bading, Ingo: Die ältesten Eigendarstellungen seßhafter, europäischer Völker (ab 4200 v. Ztr.), 2019, https://studgendeutsch.blogspot.com/2019/12/die-altesten-eigendarstellungen-der.html
  3. Gene-flow from steppe individuals into Cucuteni-Trypillia associated populations indicates long-standing contacts and gradual admixture. Alexander Immel, Stanislav Terna, Angela Simalcsik, Ben Krause-Kyora. Preprint, 21. November 2019, DOI: 10.1101/849422, Project: "Population agglomerations at Tripolye-Cucuteni mega-sites" CRC1266 - Project D1 (Researchgate), https://www.biorxiv.org/content/10.1101/849422v1, 6.3.2020, https://www.nature.com/articles/s41598-020-61190-0
  4. Bading, Ingo: Die Indogermanen kommen nach Siebenbürgen, 2019, https://studgendeutsch.blogspot.com/2019/12/die-indogermanen-foderaten-fruher.html
  5. Govedarica, Blagoje (Berlin); Manzura, Igor (Cisinau): Grundzüge einer Kulturgeschichte des nordwestlichen Schwarzmeergebietes im 5. und 4. Jahrtausend v. Chr.. In: Der Schwarzmeerraum vom Äneolithikum bis in die Früheisenzeit (5000–500 v. Chr.) (2011): 5000-500 v. Chr.. Internationale Fachtagung von Humboldtianern für Humboldtianer im Humboldt-Kolleg in Chişinǎu, Moldavien (4.-8. Oktober 2010) (Academia). 
  6. Anthony, David: Archaeology, Genetics, and Language in the Steppes - A Comment on Bomhard. In: Journal of Indo-European Studies, Vol. 47, Nr. 1 & 2, Frühjahr/Sommer 2019, S. 175, im Druck, hochgeladen auf Academia am 1.8.2019 (Academia)
  7. osipov.s96: Das Gräberfeld auf der Landzunge von Jekaterinovsk (Могильник "Екатериновский мыс"). 2018, https://pikabu.ru/story/mogilnik_ekaterinovskiy_myis_5729267 (mit Google Übersetzer lesbar)
  8. Dergachev, V. A.: О скипетрах, о лошадях, о войне: этюды в защиту миграционной концепции М.Гимбутас (On sceptres, on horses, on war: Studies in defence of M. Gimbutas’ migration concepts), 2007 (Scribd)   
  9. Dergachev, Valentin: The migration theory of Marija Gimbutas. Journal of Indo-European Studies, 2000, 28. Jg., Nr. 3-4, S. 257-340
  10. Haarmann, Harald: On the Trail of the Indo-Europeans. From Neolithic Steppe Nomads to Early Civilisations. Marix-Verlag 2021; zuerst: Verlagshaus Römerweg 2020, https://books.google.de/books?id=QRkXEAAAQBAJ
  11. Haarmann, Harald: Indoeuropäer. Interviewt von Jonas Hopf, Auf Zeitreise mit Jonas Hopf 19.04.2016, https://youtu.be/3nVXEbctrzM.  [21:00: Ural bildete lange die Grenze der Ausbreitung der Indogermanen nach Osten; 25:08: Maikop als altes indogermanisches Handelszentrum an der Schwarzmeerküste, das Handel trieb mit Mesopotamien und dem Nahen Osten ...] 
  12. Bading, Ingo: Von Königen und Mäusen Die Warna-Kultur (4.400 v. Ztr.), das erste von Indogermanen gegründete Königreich - Ort der "Domestikation" der osteuorpäischen Hausmaus? 13. August 2011, https://studgendeutsch.blogspot.com/2011/08/von-konigen-und-mausen.html
  13. Telegin, Dmitrij J.: Über kulturelle Kontakte zwischen der neo-ähneolithischen Bevölkerung des nordpontischen Gebietes und der Balkan-Donauregion. In: Dragoslav Srejović, Nikola Tasić (Hg.): Hügelbestattung in der Karpaten-Donau-Balkan-Zone während der äneolithischen Periode. Internationales Symposium in Donji Milanovac, 1985, Belgrad 1987, S. 37ff, https://books.google.de/books?id=2BiBAAAAMAAJ   
  14. Govedarica, Blogoje; Kaiser, Elke: Die äneolithischen abstrakten und zoomorphen Steinzepter Südost- und Osteuropas. Eurasia Antiqua 2, 1996, 59-101, https://dialnet.unirioja.es/servlet/articulo?codigo=4154569
  15. Quiles, Carlos: Dergachev, V. A.: On sceptres, on horses, on war: Studies in defence of M. Gimbutas’ migration concepts, 1.7.2018, https://indo-european.eu/2018/07/about-scepters-horses-and-war-on-khvalynsk-migrants-in-the-caucasus-and-the-danube/
  16. Quiles, Carlos: Indogermanische Völker und Sprachen. https://indogermanisch.eu/
  17. Quiles, Carlos: The unique elite Khvalynsk male from a Yekaterinovskiy Cape burial, 17.5.2018, https://indo-european.eu/2018/05/the-unique-elite-khvalynsk-male-from-a-yekaterinovskiy-cape-burial/
  18. Quiles, Carlos: Volga Basin R1b-rich Proto-Indo-Europeans of (Pre-)Yamnaya ancestry. 1.8.2019, https://indo-european.eu/2019/08/don-volga-r1b-m269-rich-proto-indo-europeans-of-pre-yamnaya-ancestry/
  19. Bading, Ingo: "Tierkopfzepter" der Indogermanen - Ursprünglich abgeleitet aus menschlichen Oberschenkelknochen? Und was haben sie mit "Zauberstäben" gemeinsam? 28. Oktober 2019, https://studgendeutsch.blogspot.com/2019/10/tierkopfszepter-der-indogermanen.html
  20. Kadrow, Slawomir, Dalia A. Pokutta: The Verteba cave: a subterranean sanctuary of the Cucuteni-Trypillia culture in Western Ukraine. Journal of Neolithic Archaeology 18 (2016): 1-21 (Academia)
  21. Bading, Ingo: Die Wikinger in Osteuropa - Ihre Gene, ihre Münzen, 2019, https://studgendeutsch.blogspot.com/2019/09/wikinger-gene-in-elite-grabern-gropolens.html
  22. Novak M, Olalde I, Ringbauer H, Rohland N, Ahern J, et al. (2021) Genome-wide analysis of nearly all the victims of a 6200 year old massacre. PLOS ONE 16(3): e0247332, 10.3.2021. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0247332
  23. Lord Colin Renfrew: Marija Rediviva (Marija lebt wieder) - DNA and Indo-European Origins. The First Marija Gimbutas Memorial Lecture. The Oriental Institute, Chicago, 8.11.2017; veröffentlicht 14.03.2018, https://youtu.be/pmv3J55bdZc?t=330
  24. Haarmann, Harald: Die Indoeuropäer: Herkunft, Sprachen, Kulturen. C. H. Beck, München 2012 (GB)
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