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Sonntag, 12. November 2023

Wir sind unsere Herkunftsgruppen-Zusammensetzung

Der Steppengenetik-Anteil in Nordeuropa verursacht bis heute die dort vorherrschende große Körperhöhe

Über eine neue archäogenetische Studie von der dänischen Forschungsgruppe rund um Eske Willerslev (1) haben wir gerade in der Facebook-Gruppe "Alte DNS (Archäogenetik)" das folgende festgehalten (Fb):

In dieser neuen Studie werden heutige (poly)genetisch bestimmte Eigenschaften jeweils daraufhin untersucht, auf welche Herkunftsgruppe sie zurück zu führen sind und welches selektive Schicksal sie in der jeweiligen Herkunftsgruppe über die Jahrtausende hinweg hatten. Die unterschiedliche Körpergröße in Nord- und Südeuropa wird z.B. klar auf die Steppengenetik zurück geführt, ebenso die Neigung zu Depression in Südeuropa auf die anatolischen Bauern und so noch anderes mehr. Zur hellen Hautfarbe heißte es da:

Die Herkunft der anatolisch-neolithischen Bauern weist die frühesten Hinweise auf Selektion in Richtung hellerer Hautfabe auf, gefolgt von den Herkunftsgruppen der osteuropäischen und der westeuropäischen Jäger und Sammler ab etwa 8.000 v. Ztr., es folgt die Herkunftsgruppe der kaukasischen Jäger und Sammler ab etwa 6.000 v.Ztr.. In allen Herkunftsgruppen-Anteilen außer demjenigen der westeuropäischen Jäger und Sammler sind die selektierten Haplotypen über die gesamte Population verbreitet ab etwa 1.000 v. Ztr., während die Mehrheit der ursprünglichen Hautfarbenmerkmale heute immer noch im Herkunftsanteil der westeuropäischen Jäger und Sammler vorliegt.
The ANA ancestry background shows the earliest evidence for selection, followed by EHG and WHG around c. 10,000 years ago, and CHG c. 2,000 years later. In all ancestry backgrounds except WHG, the selected haplotypes reach near fixation by c. 3,000 years ago, whilst the WHG haplotype background contains the majority of ancestral alleles still segregating in present-day Europeans. 

Wenn ich die Studie recht verstehe (aber da bin ich mir noch nicht sicher), bleiben bestimmte Selektionsregime in Herkunftsgruppen ERHALTEN auch NACH der Vermischung mit anderen Herkunftsgruppen. Und das darf man schon einigermaßen auffallend finden. Warum sonst noch HEUTE im WHG-Herkunftsanteil dieses "Archaische"? Hätte es nicht zwischenzeitlich genug Zeit geben sollen, um das seit den vielfältigen Vermischungen des Mittel- und Spätneolithikums heraus zu selektieren? Dafür wären immerhin 5000 Jahre Zeit gewesen. Das ist doch auffällig, daß sich solche archaischen Selektionsregime in uns erhalten. Womöglich ein Hinweis darauf, daß sie auch Vorteile mit sich bringen?

Soweit heute auf Facebook. Aber das gab mir Anregung, den in Vorbereitung befindlichen Blogartikel dazu nun einmal vorläufig fertig zu stellen und zu veröffentlichen. Es wäre also zu schlußfolgern: Die heutige Verteilung angeborener Merkmale bei den Menschen Europas ist entweder die Folge von Selektion in den letzten Jahrtausenden und Jahrhunderten vor Ort unabhängig davon, welche Herkunftsgruppen-Zusammensetzung jeweils vor Ort vorliegt oder sie ist die Folge von anteilsmäßig weiter fortbestehenden Merkmalsverteilungen wie sie schon in den Urvölkern Europas am Anfang oder Ende des Neolithikums vorgelegen haben und verhalten sich entsprechend des jeweiligen Anteils derselben und - womöglich sogar - entsprechend der schon vor der Vermischung vorliegenden Selektionsregime innerhalb derselben. Wirklich? Ist das so? Letzteres wäre schon sehr erstaunlich und wollen wir deshalb hier erst einmal nur als Frage formulieren.

Abb. 1: Der Steppengenetik-Anteil (5. Reihe von oben, dunkelbraun) ist heute in Irland höher als im östlichen England, er ist höher in Nordosteuropa als in Südwesteuropa - Der westeuropäische Jäger-Sammler-Anteil (1. Reihe, hellbraun) ist heute im Baltikum am höchsten, der osteuropäische Jäger-Sammler-Anteil (2. Reihe, blau) ist heute in der Mongolei (!) am höchsten, der Kaukasus-Jäger-Sammler-Anteil (3. Reihe, rosa) ist heute in Indien und Pakistan am höchsten, der anatolische Bauern-Anteil (4. Reihe, grün) ist heute in Nordafrika am höchsten (aus 1)

Zunächst einmal stellt die Studie fest (s. Abb. 1): Am meisten westeuropäische Jäger-Sammler-Genetik hat bis heute überlebt im Baltikum (Litauen, Lettland, Estland), sowie allgemein in Osteuropa einschließlich von Polen und der Ukraine. Am meisten osteuropäische Jäger-Sammler-Genetik hat nach dieser Studie überraschenderweise überlebt in der Mongolei (!), sowie (wie es zu erwarten war) in Rußland, Kasachstan und - überraschenderweise - Indien. Kaukasische Jäger-Sammler-Genetik hat am meisten überlebt - das wußten wir schon: in Pakistan und Indien. Die anatolisch-neolithische Genetik hat am meisten überlebt in Nordafrika und Südeuropa. Die Steppen-Herkunft hat am meisten überlebt in Nordeuropa. Und die Forscher finden Hinweise auf ihre Ausbreitung nach Südasien (also Indien).*)

Behalten Herkunftsgruppen-Anteile auch nach ihrer Vermischung die ihnen innewohnenden Selektionsregime bei?

Schon letztes Jahr war zu dem Thema des Beitrages einzelner Herkunftsgruppen zu heutigen genetisch bestimmten Eigenschaften der Menschen eine humangenetische Studie aus Estland erschienen (Stgen2020). Nun zieht also die Forschungsgruppe um Eske Willerslev in Dänemark nach mit einer noch deutlich umfangreicheren und tiefergehenden Studie zum Thema (1):

Durch das Auslesen Herkunfts-spezifischer polygener Risiko-Abschätzungen können wir zeigen, daß Unterschiede in der Körpergröße zwischen Nord- und Südeuropa in Verbindung stehen mit jeweils unterschiedlichen Anteilen von Steppen-Herkunft, und daß sie nicht auf (Individual-)Selektion beruhen, und daß Risiko-Allele für stimmungsbezogene Phänotypen (Depression) in der Herkunftsgruppe der neolithischen Bauern-Herkunft angereichert sind, während Risikoallele für Diabetes und Alzheimer angereichert vorliegen in Herkunftsanteilen von den westeuropäischen Jägern und Sammlern. Unsere Ergebnisse legen nahe, daß Selektion in der Vorgeschichte ("ancient selection") und demographische Ausbreitung wesentlich zur Verteilung der phänotypischen Vielfalt bei den heutigen Europäern beigetragen haben.
By calculating ancestry-specific polygenic risk scores, we show that height differences between Northern and Southern Europe are associated with differential Steppe ancestry, rather than selection, and that risk alleles for mood-related phenotypes are enriched for Neolithic farmer ancestry, while risk alleles for diabetes and Alzheimer’s disease are enriched for Western Hunter-gatherer ancestry. Our results suggest that ancient selection and migration were major contributors to the distribution of phenotypic diversity in present-day Europeans.

Und bei der Übersetzung dieses Textes haben wir schon eine sich in unserem Hinterkopf herausschälende Forschungsthese mit formuliert. Wir haben nämlich an einer Stelle den Begriff "Selektion" mit "(Individual-)Selektion" übersetzt. 

Denn ist es nicht auch denkbar, daß es Selektion in Richtung ganzer Merkmals-Sets gegeben hat, die in Verbindung stehen mit einer bestimmten Herkunftsgruppe? So könnten ja Menschen mit einem größeren Anteil anatolisch-neolithischer Herkunft andere Heiratswahl-Präferenzen gehabt haben und haben als Menschen mit einem größeren Anteil Steppen-Herkunft. 

Das heißt, es könnte Selektion stattgefunden haben zugunsten oder zuungunsten ganzer Herkunftsgruppen-Anteile. Und man möchte ja für eine solche Möglichkeit fast den Begriff "Gruppen-Selektion" verwenden oder genauer: Herkunftsgruppen-Selektion.

So sehen wir bei der Ethnogenese der mitteleuropäischen Völker des Mittelneolithikums (ab 4.900 v. Ztr.), daß in diesen Gruppen-Selektion in Richtung eines höheren Anteils westeuropäischer Jäger-Sammler-Herkunft stattgefunden hat. Diese betrug im Frühneolithikum in Mitteleuropa nur 7 % und im Mittelneolithikum dann etwa 15 % oder mehr. 

Und wir sehen in der Zeit nach der Einmischung der Steppengenetik in Europa (ab 3.000 v. Ztr.), daß der Anteil der Steppengenetik kontinuierlich über die Jahrhunderte hinweg sinkt. So nicht nur in Nordeuropa, sondern auch im bronzezeitlichen und antiken Griechenland (ab 2.200 v. Ztr.), so auch im bronzezeitlichen Armenien (ab 2.200 v. Ztr.) (siehe frühere Beiträge hier auf dem Blog). 

Hier hat also Jahrhunderte lang Selektion zuungunsten des Steppen-Genetik-Anteils stattgefunden - was im übrigen die antiken Griechen nicht daran hinderte - vermutlich sogar darin beförderte und beflügelte (in einer Art Kontrastwertung) - den Inbegriff aller indogermanischen Kulturen auszubilden und in Religion, Dichtung und Kunst einem Schönheitsideal nachzustreben (etwa blonde Haarfarbe), das in der alltäglichen Wirklichkeit noch seltener verwirklicht war als etwa heute auf Sardinien!!! (Siehe frühere Beiträge hier auf dem Blog.)

Interessanter- und überraschenderweise findet die Studie außerdem, daß der Anteil der Steppengenetik innerhalb der britischen Inseln heute am höchsten in Irland und im westlichen Schottland vorliegt (s. Abb. 1). Dazu heißt es (1):

Dieses regionale Muster bestand bereits in der vorrömischen Eisenzeit und blieb bis heute bestehen, obwohl die einwandernden Angelsachsen vergleichsweise weniger genetische Nähe zu neolithischen Bauern hatten als die eisenzeitlichen Individuen im Südwesten Britanniens.
This regional pattern was already evident in the Pre-Roman Iron Age and persists to the present day even though immigrating Anglo-Saxons had relatively less affinities to Neolithic farmers than the Iron-Age individuals of southwest Briton. 

Sprich: Sie hatten einen höheren Anteil Steppengenetik! 

Obwohl diese Dichotomie zwischen neolithischen Bauern und Steppenbewohnern die moderne ethnische Kluft zwischen Angelsachsen und Kelten widerspiegelt, sind ihre Ursprünge älter und sind das Ergebnis der kontinuierlichen Abwanderung einer kontinentalen Bevölkerung, die relativ reich an neolithischen Bauernvorfahren war und die bereits in der Späten Bronzezeit begann.
Although this Neolithic farmer/Steppe-related dichotomy mirrors the modern ‘Anglo-Saxon’/‘Celtic’ ethnic divide, its origins are older, resulting from continuous migration from a continental population relatively enriched in Neolithic farmer ancestries, starting as early as the Late Bronze Age.

Rekapitulieren wir noch einmal: Seit 2.300 v. Ztr. kamen Indogermanen mit der Glockenbecher-Kultur auf die britischen Inseln und mit ihnen Steppengenetik. Wenn wir es recht verstehen, hatten diese ersten Indogermanen, die die britischen Inseln besiedelten, einen höheren Steppengenetik-Anteil. Die vorherige mittelneolithische Bevölkerung starb in sehr großem Umfang aus.

Im östlichen England wurde dieser vergleichsweise hohe Steppengenetik-Anteil dann aber niedriger durch die Zuwanderung keltischer Stämme vom nördlichen Frankreich und Belgien aus in das östliche England hinein ab der Spätbronzezeit. Die genetischen Auswirkungen dieser Zuwanderung konnten durch die spätere Zuwanderung der Angelsachsen nicht mehr verwischt werden (!). Somit würde die ethnische Grenze zwischen Angelsachsen einerseits und Kelten andererseits auf die Späte Bronzezeit und die damalige Zuwanderung keltischer Stämme zurück gehen. Quasi ein "counter-intuitives" Ergebnis.

Die Studie kommt außerdem zu dem Ergebnis, daß Erwachsenen-Rohmilchverdauung bei den osteuropäischen und kaukasischen Jägern und Sammlern schon sehr früh positiv selektiert worden sei, ebenso die Anpassung an einen eher vegetarischen als fleisch-essenden Lebensstil (1). Vermutlich kann man noch viele weitere spannende Details in dieser Studie finden. Wir wollten zunächst einmal nur einiges uns wesentlich Erscheinende heraus greifen.

Die Ethnogenese der europäischen Völker übersichtlich dargestellt

Im übrigen findet sich in der Studie eine ganz gute Grafik, in der man die wesentlichsten Vermischungsereignisse bei der Ethnogenese der heutigen europäischen Völker seit dem Mesolithikum recht übersichtlich dargestellt findet (s. Abb. 2). 

Abb. 2: Vermischungsereignisse seit 10.000 Jahren, die zur Ethnogenese der heutigen europäischen Völker führten

Die Grafik ist chronologisch von oben nach unten zu lesen, bzw. von der Gegenwart rückwärts dementsprechend von unten nach oben. Wir sehen als die wesentlichsten Herkunftsgruppen der Europäer die ost- und westeuropäischen Jäger und Sammler (EHG und WHG), sowie die kaukasischen und anatolischen Jäger und Sammler (CHG, Anatolian).

Von diesen allen gehen die anatolischen und kaukasischen Jäger und Sammler als erste zum Ackerbau über. Erstere breiten sich im Neolithikum über den ganzen Mittelmeerraum und bis nach Skandinavien aus.**)

Bei der Ethnogenese der europäischen Völker des Mittelneolithikums ab 4.900 v. Ztr. kommt es dabei zur Vermischung der Menschen anatolischer Herkunft zu grob einem Viertel mit den in Europa schon zuvor einheimischen westeuropäischen Jägern und Sammlern. Ergebnis sind die Völker des Mittelneolithikums ("Neo").

Etwa zweihundert Jahre später kommt es an der Mittleren Wolga ab 4.700 v. Ztr. zur Vermischung von Menschen der kaukasisch-iranischen Völkergruppe (CHG) mit Menschen der osteuropäischen Jäger und Sammler. Ergebnis ist das Urvolk der Indogermanen ("Yam", abgeleitet von der späteren Kultur der Jamnaja).

Schon ab 4.500 v. Ztr. breiten sich diese Indogermanen in einer ersten Welle bis an die ungarische Donau, bis an die Südhänge des Kaukasus und bis an die Nordgrenze Chinas aus (hier nicht dargestellt). 

Ab 3000 v. Ztr. breiten sich diese Indogermanen in einer zweiten Welle über ganz Europa aus und vermischen sich in nachfolgenden Generationen mit den dort einheimischen Menschen ("Bronze age"). Damit ist die Ethnogenese der europäischen Völkergruppen (Germanen, Kelten, Romanen etc.) im wesentlichen abgeschlossen. Bis heute ist es dann nur noch zu deutlich geringeren Verschiebungen in den jeweiligen Anteilen der Herkunftsgruppen gekommen, etwa durch die Völkerwanderung ab 375 v. Ztr. und andere Ereignisse (hier gar nicht dargestellt).

Dienstag, 23. November 2021

Genetische Risiko-Veranlagung für Covid 19 - In Indien

Meine Gene, Teil 12

Jüngst wurde wieder einmal über einen neu entdeckten, angeborenen Häufigkeitsunterschied für Krankheitsverläufe bei Menschen unterschiedlicher geographischer Herkunftsräume berichtet (1-3). Diesmal geht es um Covid19. Träger einer bestimmten Variante eines bestimmten Haplotyps (SNPedia) haben unter 60 Jahren ein doppelt so hohes Risiko, an Covid19 zu sterben als Träger einer anderen Variante desselben (1-3).

Symbolbild: Intensivstation (hier in Sao Paolo) (Wiki)

Da möchte man ja eigentlich gleich in seinem eigenen Gen-Datensatz und in denen seiner Angehörigen schauen, mit welchem Risiko man da bei jedem einzelnen zu rechnen haben könnte.*)

Aber leider finden wir dieses SNP ("rs17713054") weder in den uns verfügbaren familiären Gen-Datensätzen bei 23andme, noch in den uns verfügbaren Datensätzen, die von MyHeritage sequenziert wurden. Die große, allseits gelobte und propagierte Internetseite von 23andme, die ja immerhin seit Herbst letzten Jahres Zeit dafür gehabt hat, bringt uns zu dem Suchwort "rs17713054" gar kein Ergebnis. Wieder einmal ein Hinweis darauf, daß die Qualität der Dienstleistungen dieser - sicherlich nicht unnützlichen Firma - doch auch leicht überschätzt werden können.

Immerhin geben viele Nutzer auf der Graswurzel-Seite OpenSNP die für sie sequenzierten Basen bei diesem SNP an (4). Die meisten dortigen Nutzer sind - unserer Erfahrung nach - europäischer Herkunft. Und die von uns dort in schnellem Überblick ausgewertete Zufalls-Stichprobe ergibt 16 Nutzer mit der harmlosen Variante GG, vier Nutzer mit der Risiko-Variante AG und einen Nutzer mit der Risiko-Variante AA (4).

Abb.: Weltweite Häufigkeitsverteilung der angeborenen Risikovariante für Covid19 ("rs17713054") (aus 1)

Der Begründer der Archäogenetik, Svaante Pääbo vom Max Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig, war es, der vor einem Jahr auf dieses SNP erstmals in einer Nature-Studie hingewiesen hat (1). Er, der das Genom der Neandertaler einstmals sequenziert hat, führt aus, daß wir die ursprüngliche Version (AA) und zugleich Risiko-Variante vom Neandertaler geerbt haben. Und er führt dann weiter aus (1):

Der ursprüngliche Neandertaler-Haplotyp tritt in Südasien mit einer Allel-Häufigkeit von 30 %, in Europa mit einer Allel-Häufigkeit von 8 %, unter gemischten Amerikanern mit einer Allel-Häufigkeit von 4 % und in noch geringerer Allel-Häufigkeit in Ostasien auf. ... 50 % der Menschen in Südasien tragen mindestens eine Kopie des Risikohaplotyps, während 16 % der Menschen in Europa und 9 % der vermischten Amerikaner mindestens eine Kopie des Risikohplotyps tragen. Die höchste Häufigkeit tritt in Bangladesch auf, wo mehr als die Hälfte der Bevölkerung mindestens eine Kopie des Neanderthaler-Risikohaplotyps aufwiest und wo 13 % für diesen Haplotypen homozygot sind.
The Neanderthal core haplotype occurs in south Asia at an allele frequency of 30%, in Europe at an allele frequency of 8%, among admixed Americans with an allele frequency of 4% and at lower allele frequencies in east Asia (Fig. 3). In terms of carrier frequencies, we find that 50% of people in South Asia carry at least one copy of the risk haplotype, whereas 16% of people in Europe and 9% of admixed American individuals carry at least one copy of the risk haplotype. The highest carrier frequency occurs in Bangladesh, where more than half the population (63%) carries at least one copy of the Neanderthal risk haplotype and 13% is homozygous for the haplotype.

Natürlich stellt sich natürlich die Frage, warum dieser Haplotyp für den Neanderthaler vorteilhaft war, aber weder für seine parallel lebenden Zeitgenossen in Afrika, noch für den zeitgleichen Denisova-Menschen in Asien. Pääbo und Koautor schreiben dazu (1):

Es ist bemerkenswert, daß dieser Neanderthaler-Risikohaplotyp mit einer Häufigkeit von 30 % in Südasien vorkommt, während er in Ostasien so gut wie gar nicht vorkommt. Dieser große Unterschied in den Allel-Häufigkeiten zwischen Süd- und Ostasien ist ungewöhnlich und legt nahe, daß er in der Vergangenheit einer Selektion unterworfen war. Tatsächlich haben frühere Studien nahegelegt, daß der Neanderthaler-Haplotyp in Bangladesch positiv selektiert worden ist. Zur Zeit können wir über die Gründe nur spekulieren - eine Möglichkeit ist Schutz gegen anderen Krankheitserreger.
It is notable that the Neanderthal risk haplotype occurs at a frequency of 30% in south Asia whereas it is almost absent in east Asia (Fig. 3). This extent of difference in allele frequencies between south and east Asia is unusual (P = 0.006, Extended Data Fig. 5) and indicates that it may have been affected by selection in the past. Indeed, previous studies have suggested that the Neanderthal haplotype has been positively selected in Bangladesh. At this point, we can only speculate about the reason for this—one possibility is protection against other pathogens.

Es könnte auch sein, daß es in der Vergangenheit in Ostasien Selektionsfaktoren gegeben hat, aufgrund deren diese Risikovariante dort bis heute nicht überlebt hat, schreibt Pääbo.

Auffällig ist auch, daß diese Risikovariante heute in Südostasien ähnlich häufig verbreitet ist wie in Indien, obwohl dort doch die Menschen ansonste eher Denosva-Herkunftsanteile in sich tragen, keine Neandertaler-Herkunftsanteile.

Es könnte sich auch die Frage stellen, ob es nicht noch mehr solcher angeborenen Risikovarianten für Covid 19 gibt weltweit. Aber es scheint sicher zu sein, daß die hier behandelte Variante für die größten angeborenen Unterschiede weltweit verantwortlich ist diesbezüglich.

Wichtig ist uns zunächst einmal auch: Menschen afrikanischer Herkunft, die sonst bezüglich von Krankheiten eher häufiger Risiko-Varianten in sich tragen, wären in diesem Fall nicht von der Humanevolution benachteiligt worden.

Also noch einmal: Dieser Haplotyp fand sich in Neandertalern aus Kroatien, er fand sich nicht bei Denisova-Menschen in Asien (1).

Eigentlich sollte man doch jetzt seine Gene auf diese Risiko-Variante nach-sequenzieren können. Dem Bloginhaber ist vorderhand nicht bekannt, ob das irgendeine Firma anbietet. MyHeritage und 23andme hatten diese Variante ja bisher nicht auf dem Schirm.

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*) Aus diesem Grund gehört dieser Blogartikel in die von uns im Jahr 2011 hier auf dem Blog begonnene Blogartikel-Serie "Meine Gene". Der letzte dazu erschienene Blog-Artikel war Teil 11. Er ist im Oktober 2019 erschienen (10/2019). 

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  1. Zeberg/Pääbo, Svaante: The major genetic risk factor for severe COVID-19 is inherited from Neanderthals, Nature, 30.9.2020, https://www.nature.com/articles/s41586-020-2818-3 
  2. Identification of LZTFL1 as a candidate effector gene at a COVID-19 risk locus, Nature Genetics, 4. November 2021, https://www.nature.com/articles/s41588-021-00955-3
  3. Podbregar, Nadine: Covid-19: Risiko-Genvariante erhöht Sterberisiko 15. November 2021, https://www.wissenschaft.de/gesundheit-medizin/covid-19-risiko-genvariante-erhoeht-sterberisiko/
  4. https://opensnp.org/snps/rs17713054

Samstag, 15. Februar 2020

"Wie evoluiert die Intelligenz?" (Ein Vortrag)

Ostasiaten - Indogermanen - Aschkenasische Juden - Gemeinsamkeiten in der Ethnogenese?

Das Kernargument dieses Vortrages erfolgt ab Minute 39:29. Ansonsten enthält diese Aufnahme (Livestream) einen bunten Blumenstrauß von Einzelthemen rund um das Gesamtthema "Humanevolution und Menschheitsgeschichte".



Der Livestream verfolgt ausdrücklich nicht stringent einen einzigen Gedankengang von vorne bis hinten. Sondern spontan werden zwischendurch auch ausgewählte Zuschauerfragen beantwortet, unter anderem solche von Seiten des Youtubers RuStAG Netzwerk 2.0 (Yt), der unter anderem Zweifel an der Out-of-Africa vorbrachte. Ganz grob gliedert sich der Vortrag in die folgenden drei Teile.

1. Teil


(1:07) - - - Eine Zuschrift weist mich hin auf das Buch "At Our Wits' End - Why We're Becoming Less Intelligent and What It Means for the Future"*) von Edward Dutton und Michael A. Woodley of Menie (2), und daß dieses sich auf Oswald Spengler's Kulturzyklen beziehen würde. Ich weise hin auf den Gedanken von der potentiellen Unsterblichkeit von Völkern und Kulturen. 

 (5:20) - - - Wiederholt behandele ich die Fragwürdigkeit, sich heute überhaupt in der Öffentlichkeit - sei es wie auch immer - zu positionieren. Einen Videokanal zu betreiben, kann leicht zu einem zweischneidigen Schwert werden in Zeiten, in denen nur noch emotionale Reflexe vorherrschen. 

(6:00) - - - Anläßlich einer Frage von RustAG behandele ich einige aktuellere Themen zur Evolution der Vormenschen und des Menschen in Afrika zwischen der Zeit vor 4,5 Millionen Jahren und vor 300.000 Jahren, sowie danach später.

2. Teil 


(17:40) - - - Rückkehr zum einleitenden Thema: Aktuelle Debatten über den Rückgang der Intelligenz in modernen Wissensgesellschaften, bzw. in früheren Hochkulturen: Volkmar Weiß, Edward Dutton, Michael A. Woodley of Menie, Eckart Knaul. Hinweis auch auf David Becker, sowie auf Facebook-Gruppe "DNA-Genealogie auf Deutsch". Francis Galton. 

(25:45) - - - Man kann mit Videos leicht provozieren. 

(32:29) - - - Kernthese: Hat der höhere IQ auf der Nordhalbkugel etwas damit zu tun, daß sowohl Ostasiaten wie Indogermanen wie aschkenasische Juden bei ihrer Ethnogenese im Neolithikum bzw. im Mittelalter hervorgegangen sind aus einer Fünfzig-zu-Fünfzig-Vermischung von zuvor über viele Jahrtausende hinweg getrennt evoluierten Herkunftsgruppen (3)? Ich erwähne hier die Tschuktschen, meine aber die Ultschen, ein kleines Fischervolk im Norden von Korea am Amur-Fluß (4).

3. Teil


(40:01) - - - Neuer Kommentar zu meinem Video über die Satanisten. Wie ist eigentlich die Verantwortlichkeit von Politikern für ihr Tun zu bewerten, die von Geburt in Folterkellern dressiert worden sind? Das Thema ritueller Mißbrauch ist übrigens auch schon in der Bundesregierung angekommen. 

(47:11) - - - Im abschließenden Teil Hinweise auf die Inhalte einiger neuer Artikel auf meinem Internetblog "Studium generale" ( studgendeutsch.blogspot.com ). 

 (54:23) - - - Zur Herkunftsgruppe der "Ancient North Eurasien" (5), die 23.000 v. Ztr. in Sibirien lebte und von denen Herkunftsanteile sowohl bei den amerikanischen Ureinwohnern, bei asiatischen Völkern und uns Europäern (über die osteuropäischen Jäger und Sammler) fortexistieren. Für die eiszeitlichen Völkergruppen ist das Bild noch nicht so übersichtlich und widerspruchslos wie für das Neolithikum und später.

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*) "At Our Wits' End" wäre auf Deutsch ungefähr zu übersetzen mit "Am Ende sind wir mit unserem Latein".  

Anhang


Im Chat war während des Livestreams nach den Slawen gefragt worden. Hier ein Beitrag zu ihnen, den ich im Oktober 2019 auf Facebook veröffentlicht habe:  In einem Artikel in der "Welt" von 2017 (6) wird der Inhalt eines damals neu erschienenen Buches über die Entstehung der Slawen referiert. Kompakt und klar: Die Suche nach der sogenannten "Urheimat" der Slawen ist - so wird ausgeführt - erfolglos geblieben - etwas, was ich schon immer erwartet hatte. Und so ziemlich dieselbe Sichtweise, die sich jetzt in der Forschung durchsetzt und die hier hervorragend zusammen gefaßt wird, konnte man immer schon haben, insbesondere seit man das 1996 erschienene Buch "Germanen - Slawen" von Professor Helmut Schröcke (1922-2018) (7) lesen hat können. Slawen sind also vermutlich einfach Nachkommen von Menschen, die östlich der Elbe schon seit der Bronzezeit gelebt haben, und deren Vorfahren neue Völker zu- und abwandern gesehen haben, während sie selbst - als Restteile von Völkern oder deren Unterschichten - in mitunter dünn besiedelten Räumen zurück geblieben sind.

Viel deutet darauf hin, daß Osteuropa die Quelle des europäischen Sklavenhandels (von Wikingern, Juden und anderen) mit dem arabischen Raum darstellte, und daß der Volksname "Slawe" in Zusammenhang mit dem Namen "Sklave" entstanden ist oder doch von den Zeitgenossen davon abgeleitet wurde.  Schon das ostgermanische Königtum der Antike beruhte - nach Tacitus - auf Sklavenbesitz, der in Westgermanien nicht so ausgeprägt vorhanden war. Diese Sklaven bewohnten - vermutlich - die archäologisch als "Grubenhäuser" erfaßten Gebäude, in denen sich oft Webstühle fanden, und die sich westlich der Elbe nicht fanden (7).

Aus diesen Unterschichten gingen nach der Zu- und Abwanderung großer Völker wie der Germanen oder Hunnen jene einheimischen Völkerschaften hervor, die dann im Früh- und Hochmittelalter von den Deutschen christianisiert und germanisiert wurden.   Somit könnte gemutmaßt werden, daß sich die slawischen Sprachen herausbildeten mit und nach der Ausbreitung der Schnurkeramiker aus dem Substrat der vorhergehenden Kugelamphorenkultur. Aber eine solche Vermutung ist noch hochgradig spekulativ.
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  1. Bading, Ingo: Wie evoluiert die Intelligenz? Live übertragen am 15.02.2020, https://youtu.be/WmKpAvLsp3I
  2. Edward Dutton und Michael A. Woodley: At Our Wits' End - Why We're Becoming Less Intelligent and What It Means for the Future. 2019 
  3. Bading, Ingo: Im Jangtse-Delta - Dort entstand ein großes, begabtes Volk, 23.9.2019, https://studgendeutsch.blogspot.com/2019/09/im-jangtse-delta-dort-entstand-ein.html
  4. https://studgendeutsch.blogspot.com/2017/02/8000-jahre-lange-genetische-kontinuitat.html
  5. https://en.wikipedia.org/wiki/Ancient_North_Eurasian 
  6. Seewald, Berthold: Urheimat Slawen, 12.11.2017, https://www.welt.de/geschichte/article170502875/Die-schwierige-Suche-nach-der-Urheimat-der-Slawen.html
  7. Schröcke, Helmut: Germanen - Slawen. Vor- und Frühgeschichte des ostgermanischen Raumes. 1996

Samstag, 20. Juli 2019

"Polygenetische Risiko-Faktoren" vor 1.000 Jahren

Die Nachfahren der Wikinger blieben sich genetisch gleich in Skandinavien bist heute

- 442 Wikinger-Genome sind sequenziert worden - Und die Ergebnisse zeichnen ein Bild auffallender genetischer Kontinuität bis heute

Die Skandinavier sehen noch heute genauso aus wie die Skandinavier vor tausend Jahren. Ähnliche Körperpigmentierung, ähnliche Körpergröße und viele sonstige angeborene körperliche und seelische Merkmale sind in den letzten tausend Jahren in ihrer Häufigkeit größtenteils gleich geblieben. Das ist das wesentliche Bild, das eine neue Studie zur Archäogenetik der Wikinger zeichnet (1).*) Und angesichts der vielfältigen genetischen Veränderungen in Europa vor der Bronzezeit darf man auch das Bild von etwa 4000 Jahren genetischer Kontinuität seit der Bronzezeit in Europa so stark wie möglich auf sich wirken lassen. Europa steht eben für beides: Für Veränderung und für Kontinutität. Und es weist fast in jenen Geschichtsepochen, in denen es kulturell die größten Veränderungen hervorgebracht hat, genetisch fast die geringsten Umwälzungen auf. Nämlich in den letzten tausend Jahren (1).

Eigentlich erst für ein einziges genetisch verschaltetes Merkmal kann die Archäogenetik und die moderne Humangenetik neuerdings aufzeigen, daß es sich in den letzten 4000 Jahren innerhalb von Nordeuropa in seiner Häufigkeit deutlich verändert hat: Rohe Milch haben unsere Vorfahren mehrheitlich erst seit der Bronzezeit getrunken, nicht vorher. Diese Erkenntnis deutet sich in einer Grafik an, die in der neuen Preprint-Studie zur Archäogenetik der Wikinger auch enthalten ist (Abb. 1).

Abb. 1: Häufigkeit der erwachsenen Rohmilch-Trinker nach Zeitepoche und Region (aus: 1)

Dieses einzige Bild größerer Veränderung, das hier zu behandeln ist, sei zuerst erkläutert (Abb. 1): In der spätneolithischen schnurkeramischen Kultur ("Corded Ware EU") gab es unter 10 sequenzierten Individuen keines, das angeborenermaßen rohe Milch verdauen konnte. Unter 31 sequenzierten Glockenbecher-Individuen im heutigen Deutschland gleicher Zeitstellung ("BB_Germany") gab es ebenfalls nur wenige Individuen, die das konnten. Diese Eigenschaft ist allerdings dann im bronzezeitlichen Ostseeraum ("Baltic_BA") schon unter fünf von 10 Individuen zu finden. Und in der Wikingerzeit ("VA") ist diese Fähigkeit dann schon ähnlich häufig verbreitet wie sie es noch heute in Skandinavien ist (heute: Balken ganz rechts).

"Polygenetische Risiko-Faktoren" vor 1.000 Jahren

Und das gilt interessanterweise für eine große Fülle von angeborenen Eigenschaften wie Haar-, Haut- und Augenfarbe, auch Körpergröße, Neigung zu Schizophrenie und so weiter. Sie alle sind in der Regel deutlich stärker polygenetisch verschaltet als die Erwachsenen-Rohmilch-Verdauung. Und für sie kann - aufgrund der Forschungen der wenigen letzten Jahre - inzwischen eine polygenetische Erblichkeitseinschätzung ("polygenic risk score") vorgenommen werden, selbst für Genome aus tausende von Jahren alten Knochen (Abb. 2).

Abb. 2: Vergleich polygenetische Merkmale der Wikinger und der heutigen Skandinavier - Kontinuität oder Veränderung? (Bildschirmfoto aus: 1)

In Abbildung 2 werden eine Fülle von menschlichen Eigenschaften aufgezählt, deren Ausprägung von mehr als hundert einzelnen Gen-Orten (SNP's) im Genom mitbestimmt werden, sprich, die polygenetisch vererbt werden, und für die schon heute aufgrund der fortgeschrittenen Forschungslage eine Einschätzung der phänotpyischen Ausprägung anhand der polygenetischen Daten im Genom vorgenommen werden kann. Die Häufigkeitsverteilung dieser polygenetischen Anlagen ("polygenic risc score") scheinen sich nun laut dieser Grafik in den letzten tausend Jahren in den seltensten Fällen auffallend verändert zu haben - abgesehen von einer Eigenschaft: der Neigung zu schwarzer Haarfarbe. Diese liegt heute sogar noch deutlich weniger häufig vor in Skandinavien als vor tausend Jahren. Aber selbst Gene, die mitbestimmen, wieviel Zeit wir vor dem Fernseher verbringen, scheinen heute noch ähnlich verteilt zu sein in der Bevölkerung wie vor tausend Jahren. Ebenso Gene, die den Zeitpunkt der geschlechtlichen Reife mitbestimmen (also die typische angeborene Sprödigkeit der Germanen), ebenso Gene, die Heuschnupfen hervorrufen, Gene, die Körpergröße und Körpergewicht bestimmen, Gene, die bestimmen, ob man ein Morgenmensch oder Abendmensch ist, Gene, die mitbestimmen wie neurotisch wir sind, wie stark wir dazu neigen, an Schizophrenie zu erkranken und so vieles andere mehr.

Sie alle sind gleich geblieben - trotz tausend Jahren Christentum. Wir Menschen des 21. Jahrhunderts scheinen genetisch noch sehr stark jenen Menschen zu ähneln, die vor tausend Jahren in Europa gelebt haben. In der Studie werden nirgendwo Vergleiche angestellt des polygenic score für die Intelligenz der Wikinger und der heutigen Skandinavier. Womöglich ist die Datenlage noch zu dünn. Das wird sich aber in nur wenigen Jahren ändern. Und da darf man dann noch einmal gespannt sein.

Die neuen Erkenntnisse dieser Studie sind dadurch gewonnen worden, daß 442 Skelette Nordeuropas sequenziert worden sind aus der Zeit zwischen 2.400 v. Ztr. und 1600 n. Ztr., vorwiegend aus der Wikingerzeit.*) Was aber kann aus dieser neuen Studie noch gelernt werden, außer der recht wesentlich erscheinenden Wahrnehmung, daß sich die polygenetischen Risikofaktoren in den letzten tausend Jahren offenbar so auffallend wenig verändert haben? Für die Zeit um 1.000 v. Ztr., also vor 3.000 Jahren wird die folgende Aussage gemacht (1):

Wir finden, daß der Übergang von der Bronzezeit zur Eisenzeit einher geht mit einem Rückgang des anatolisch-neolithischen genetischen Anteils und einer Zunahme des indogermanischen genetischen Anteils und der vorneolithischen Jäger-Sammler-Anteils.
We find that the transition from th e BA to the IA is accompanied by a reduction in Neolithic farmer ancestry, with a corresponding increase in both Steppe-like ancestry and hunter-gatherer ancestry.

Es fragt sich aber, ob dieser Aussage wirklich irgendeine Bedeutung zugesprochen werden muß. Denn in der zugehörigen Grafik (Extended Data, Fig. 6 b)  ist diese Veränderung kaum zu erkennen und stellt sich nur als wenig auffallend dar, bzw. als gar nicht sichtbar. Viel eher drängt sich auch hier auf, daß die Herkunftsanteile von den letzten Jägern und Sammlern Europas, sowie den ersten Bauern Europas über die letzten viertausend Jahre hinweg immer einigermaßen in gleichen Anteilen im Erbgut der Nordeuropäer geblieben sind.

Während der Wikingerzeit gibt es in einigen Teilen Schwedens sogar Bevölkerungen, die bis zu 40 % genetisch anatolisch-neolithischer Herkunft sind. Auch mischt sich in der Wikingerzeit in einigen Regionen ostasiatische oder kaukasische Genetik mit hinein, sicherlich aufgrund des Hereinbringens von Sklaven aus dem russischen Raum. Es findet sich auch die Genetik von keltischen Briten im wikingerzeitlichen Skandinavien und auch diejenige von spätantiken, bzw. frühmittelalterlichen Südeuropäern.

Abb. 3: Ein Wikingerschiff, Nachbau (in Stockholm) (Wiki a, b)

In Dänemark nun finden sich keine schwedischen oder norwegischen Wikinger begraben, umgekehrt in Norwegen und Schweden aber sehr wohl dänische Wikinger. Damit wird deutlich, daß es eine größere Bewegung von Menschen aus Dänemark Richtung Norden gab als umgekehrt von Schweden und Norwergen Richtung Dänemark. Im ganzen damaligen skandinavischen Raum war damals auch Dänisch die Verkehrssprache wie in der Studie festgehalten wird. Dänische Wikinger siedelten in England, schwedische Wikinger siedelten im Ostseeraum, norwegische Wikinger besiedelten Irland, Island und Grönland. Interessanterweise sind die Wikinger im Südwesten Schwedens genetisch kaum von den Dänen zu unterscheiden, ebenso sind die Angeln und Sachsen, die in England siedelten, genetisch kaum von den Dänen zu unterscheiden. Für einige Orte und Regionen - wie etwa die Insel Gotland - können noch weitere Auffälligkeiten festgestellt werden (1):

Auf Gotland gibt es viel mehr genetische Komponenten, die Ähnlichkeit mit damaligen Dänen, Briten und Finnen aufweisen als solche, die Ähnlichkeit mit damaligen Schweden aufweisen, was deutlich macht, daß diese Insel während der Wikingerzeit in weiträumigen intensiven Handelsontakten stand.
On Gotland, there are much more Danish-like, British-like and Finnish-like genetic components than Swedish-like components, supporting the notion that the island may have been marked by extensive maritime contacts during the Viking Age.
Für zwei Individuen wird im Anhang der Studie noch aufgezeigt, welche Art von Aussagen über ihr Aussehen beim derzeitigen Stand der Forschung gemacht werden können. Die Aussagen sind noch keine 100%-Aussagen, weil alle behandelten Merkmale - wie überhaupt fast alle Merkmale des Menschen -  polygenetisch bedingt sind und man noch von fast keinem der menschlichen Merkmale den vollständigen Satz jener vielen hundert oder tausend SNP's ("Gene") von jeweils geringer Wirkung kennt, die zur Ausprügung des Merkmals beitragen (1; Anhang 2, S. 76f):
Für Individuum VK1: Die Wahrscheinlichkeit, blaue Augen zu haben, kann auf 0,85 eingeschätzt werden, die Wahrscheinlichkeiten für blondes Haar 0,63, für braunes Haar 0,29, rotes Haar 0,01 und schwarzes Haar 0,07. Für Individuum VK42 entsprechend ...
For VK1 individual: The estimated probability of having blue eyes was 0.85, while the hair color probabilities were blond  (0.63), brown (0.29), red (0.01) and black (0.07). For VK42 individual: the estimated probability of  having brown eyes was 0.98, while the hair color probabilities were blond (0.15), brown (0.6), red (0.001) and black (0.25).
Die zahlenmäßige Häufigkeit von "Risiko-Allelelen" dafür, schwarze Haare zu haben, ist seit der Wikingerzeit bis heute zurück gegangen, so wird wird ausgeführt (1; Anhang 2, S. 96):
Es scheint, als habe sich bei den Dänen die Häufigkeit von gut bekannten Allelen, die die Haarfarbe beeinflussen, seit der Wikingerzeit beträchtlich verschoben, während wir keinerlei andere bedeutsame Häufigkeitsveränderung für Allele erkennen können, die anthropometrische Merkmale beeinflussen oder einige wenige (schon polygenetisch besser erforschte) komplexe Krankheiten.
It appears that frequencies of established common alleles affecting hair colour have significantly changed in the Danish population since the Viking Age, whereas we do not observe any significant change for alleles affecting other common anthropometric traits and a few complex disorders.

Insgesamt macht diese Studie deutlich ein hohes Maß an genetischer Kontinuität in diesem Zeitraum. Zumindest wenn man es mit den Jahrtausenden davor vergleicht.

Rohmilchverdauung - Die Häufigkeit dieser Fähigkeit stieg in Spanien und Indien später an als in Nordeuropa

Ergänzung 1, 13.10.2019: Bei dem Urvolk der Indogermanen von der Mittleren Wolga besaßen nur 1 % der Angehörigen die angeborene Fähigkeit, als Erwachsene Rohmilch verdauen zu können. Mit dieser Häufigkeit verbreitete dieses Volk dieses Gen dann vom Atlantik bis zum Pazifik (2).

Und nachdem es soweit verbreitet war, hat es an unterschiedlichen Orten unterschiedlich lange gedauert (wie oben schon erörtert), bis es die jeweils dort vorliegende heutige Häufigkeit erreichte (2). In Spanien haben es heute immerhin 45 % der Bevölkerung, in Skandinavien und England über 90 %. Am Schnellsten nahm diese Fähigkeit an Häufigkeit nach derzeitigem Kenntnisstand zu auf den britischen Inseln und in Mitteleuropa. Und zwar ab etwa 2000 v. Ztr. (2). Im Frühmittelalter erreichte es hier und in Skandinavien die heutige Häufigkeit. Deutlich langsamer geschah das im Industal und in Spanien, nämlich erst ab etwa 0 v./n. Ztr. (2).

Damit stellt sich nun natürlich die Frage, warum das in Indien und Spanien 2000 Jahre später geschah als in Nordeuropa, obwohl das Ausgangsmaterial für die Selektion überall gegeben war? Lag es an dem anteilmäßigen Umfang, mit dem sich die Zuwanderer jeweils populationsgenetisch durchgesetzt hatten? Dieser Eindruck drängt sich zunächst auf.

Ergänzung 2, 3.7.2020: Es werden neuerdings auch Hinweise darauf gefunden, daß die Fähigkeit zur Erwachsenen-Rohmilchverdauung von Seiten der Steppen-Völker in niedriger Häufigkeit nach Nordindien (Punjabi) eingeführt wurde und dort in späteren Jahrhhunderten und Jahrtausenden ebenfalls an Häufigkeit zunahm (3):

Wenn das T-Allel schon im Nordschwarzmeer-Gebiet entstand, dann hat es sich nicht nur ab 3.000 v. Ztr. nach Europa verbreitet, sondern ebenso ab 2.100 v. Ztr. in die Turan-Region und ab 1800 v. Ztr, nach dem Untergang der Indus-Zivilisation auch weiter nach Südasien.
As a number of CA haplotypes can be also found in MXL (Mexican Ancestry from Los Angeles) and PEL (Peruvian in Lima) from admixed Americans (AMR), as well as BEB (Bengali in Bangladesh), ITU (Indian Telugu in the UK), PJL (Punjabi), and STU (Sri Lankan Tamil from the UK) from South Asian Ancestry (SAS), the age of the A allele must be older than that of the T allele as aforementioned. Interestingly, the T allele frequency is quite high in some of these populations: 24% in MXL, 10% in PEL, and 26% in PJL. Yet, IAV is substantially reduced in MXL or even non-existent in PEL (...). These features are compatible with very recent ongoing selective sweeps, but a more likely cause would be admixture, founder effects, or a combination of these factors after Columbus. Similarly, IAV in PJL is significantly reduced (...). Although admixture also occurred in PJL, we consider a prehistoric event as a more likely cause: if the T allele arose in the Pontic Steppe, it must have spread not only into Europe from 3000 BC, but also into Turan by 2100 BC and further into South Asia after the decline of the Indus Valley Civilization in ca. 1800 BC (Damgaard et al., 2018; Narasimhan et al., 2019; Shinde et al., 2019). As the time elapsed in Punjabi was as long as 3800 years, it is tempting to speculate the presence of an independent selective sweep for the T allele in this locality too. Thus, it appears that LP in Europe and South Asia shares the early history of the expanding Steppe ancestry in the Bronze Age, and offers strong selective advantages to its local bearers in lactose-relevant niche construction.
Ergänzung 3, 7.7.2020: In einem neuen Artikel wird anhand der mongolischen Herdenhalter, die zwar vornehmlich von Milchprodukten leben, aber dennoch nicht die Fähigkeit, als Erwachsene Rohmilch verdauen zu können, entwickelt haben, gefragt (4):
Wenn es die Möglichkeit einer nichtgenetischen Anpassung gibt, um Verdauungsprobleme zu vermeiden, wenn man Milchprodukte konsumiert, dann lautet ja die Frage: Warum ist auf Laktase-Persistenz überhaupt selektiert worden?
Given the possibility of a nongenetic adaptation to avoid intestinal symptoms when consuming dairy products, the puzzle then becomes this: why has LP been selected for at all?

Von einer Antwort auf diese Frage scheint die Forschung noch weit entfernt zu sein!

Ergänzung 4, 12.9.2020: 14 Gefallene der Schlacht an der Tollense in Mecklenburg (1250 v. Ztr.) sind neu sequenziert worden, zusammen mit anderen bronzezeitlichen und nachbronzezeitlichen Skeletten (5, 6, 7). Der Zeitraum, in der die angeborene Fähigkeit der Erwachsenenrohmilch-Verdauung in Nord- und Mitteleuropa evoluiert ist, wird mit dieser Studie noch kürzer als bislang schon angenommen: Diese Fähigkeit lag bei den Teilnehmern der Schlacht an der Tollense nur bei einem von 14 Sequenzierten vor, also nur zu 7 %, anderwärts in der Bronzezeit zu 4,6 %. Nur für das heutige Lettland ist diese Fähigkeit in der Bronzezeit schon bei vier von acht Individuen gefunden worden, was 50 % entspräche - und was bisher zu unscharf extrapoliert worden war auf die nordeuropäische Bronzezeit insgesamt. Eine solche Häufigkeit findet sich sonst aber erst im Frühmittelalter anderwärts in Europa, nämlich bei völkerwanderungszeitlichen Ungarn ebenso wie bei den Wikingern (3). Damit steht weiterhin eine Erklärung jener selektiven Regime aus, die dazu führten, daß diese Fähigkeit heute zu über 90 % in Nordeuropa verbreitet ist. Es gibt erste Hinweise, daß dies etwas zu tun haben könnte mit gleichzeitigem Infektions-Schutz.

Ergänzung 5, 14./16.9.2022: Eine neue Studie findet bei heutigen Briten gar keinen direkteren Zusammenhang zwischen der Menge des Konsums von Milchprodukten und der angeborenen Fähigkeit, als Erwachsener rohe Milch verdauen zu können (8). Auch Menschen, die letzteres nicht können, konsumieren Milchprodukte, auch dann, wenn das ein wenig Magengrummeln oder Blähungen zusätzlich verursacht.

Dasselbe scheint dementsprechend auch für alle vorgeschichtlichen Bevölkerungen zu gelten seit der Zeit, da sie milchgebende Tiere domestiziert hatten und deren Milch für Nahrung verwendeten. Anhand der Milchfettreste in Keramikscherben in unterschiedlichsten Kulturen suchten die Forscher nach einem zeitlichen oder räumlichen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Milchprodukten und der angeborenen Fähigkeit, als Erwachsener rohe Milch verdauen zu können. Sie konnten aber ebenfalls gar keinen Zusammenhang finden (8, 9) (Abb. 4). 

Abb. 4: Milchreste in Keramikscherben pro Jahrtausend in Europa und Westasien (aus: 10)

Insbesondere ist in Abbildung 4 zu sehen, daß in der Zeit, in der in Europa die angeborene Fähigkeit, als Erwachsener rohe Milch verdauen zu können anstieg (nämlich nach 1000 v. Ztr.), sich eher weniger Scherben mit Milchfett-Resten finden als vorher! Deshalb gingen die Forscher einem neuen Zusammenhang nach (9):

Die Wissenschaftler fanden, daß das, was sie als Signale für Hungerzeiten oder Pandemien ansahen, am besten mit den Häufigkeitsveränderungen in Bezug auf die Fähigkeit zur Verdauung roher Milch, die sich durch die Archäogenetik gezeigt haben, zusammenpaßten. (Sie benutzten archäologische Daten, um Perioden zurück gehender Bevölkerungszahlen - vielleicht Hungerzeiten - zu identifizieren ebenso wie Zeiten größerer Bevölkerungsdichte - vielleicht Zeiten für schnellere Verbreitung von Krankheiten.)
The researchers found that what they considered signals of famine and sickness best matched the jumps in lactase persistence in ancient DNA, they report today in Nature. (They used archaeological records to identify periods of shrinking populations - perhaps famines - as well as times of greater population density - possibly times of faster disease spread.)

Die Fähigkeit als Erwachsener problemlos rohe Milch verdauen zu können, könnte also nach ihnen insbesondere dann evolutionär vorteilhaft gewesen sein, wenn es größere Notzeiten gab, Hungerzeiten oder Epidemien. Dann könnten jene, die als Erwachsene problemlos rohe Milch verdauen können, im Vorteil gewesen sein und eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit gehabt haben gegenüber den anderen. Leider ist die Studie noch hinter einer Bezahlschranke, so daß uns nicht klar ist, welche Hungerzeiten, Notzeiten, Epidemien das - vor dem Frühmittelalter - nach der Studie genauer gewesen sein sollen. In der Zusammenfassung heißt es dazu (10):

Der Vergleich von Modellwahrscheinlichkeiten legt nahe, daß Populationsschwankungen, Siedlungsdichte und der Verzehr des Fleisches von wilden Tieren - als Annäherungen für diese Beschleuniger - eine bessere Erklärung bieten für die Selektion von Laktasepersistenz als das Ausmaß des Verzehrs von Milchprodukten.
Comparison of model likelihoods indicates that population fluctuations, settlement density and wild animal exploitation - proxies for these drivers - provide better explanations of LP selection than the extent of milk exploitation.

Dann würde sich aber die Frage stellen, warum diese Beschleuniger in Nordeuropa früher wirksam wurden als in Indien und in Spanien, wo doch die Siedlungsdichte in letzteren Regionen viel früher viel höher war.

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*) Aus der Wikingerzeit wurden sequenziert (1):
Individuals from Denmark (n=78), Faroe Islands (n=1), Iceland (n=17), Ireland (n=4), Norway (n=29), Poland (n=8), Russia (n=33), Sweden (n=118), UK (n=42), Ukraine (n=3) as well as medieval individuals from Faroe Islands (n=16), Italy (n=5), Norway (n=7), Poland (n=2) and Ukraine (n=1). The Viking Age individuals were supplemented with additional published genomes (n=21) from Sigtuna, in Sweden.
_____________________________________
  1. Population genomics of the Viking world. Ashot Margaryan, Daniel John Lawson, Martin Sikora, (...) Kristian Kristiansen, Rasmus Nielsen, Thomas Werge, Eske Willerslev. bioRxiv 703405; Preprint, 17.7.2019, doi: https://doi.org/10.1101/703405
  2. Iain Mathieson: The spread of the European lactase persistence allele, 12.10.2019, http://mathii.github.io/2019/10/12/the-spread-of-the-european-lactase-persistence-allele, https://twitter.com/mathiesoniain/status/1183112399722864640
  3. Population genomics on the origin of lactase persistence in Europe and South Asia. Yoko Satta, Naoyuki Takahata. bioRxiv 2020.06.30.179432; doi: https://doi.org/10.1101/2020.06.30.179432, This article is a preprint and has not been certified by peer review, https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2020.06.30.179432v1.
  4. Segurel L, Guarino-Vignon P, Marchi N, Lafosse S, Laurent R, Bon C, et al. (2020) Why and when was lactase persistence selected for? Insights from Central Asian herders and ancient DNA. PLoS Biol 18(6): e3000742. https://doi.org/10.1371/journal.pbio.3000742, Published: June 8, 2020
  5. Low Prevalence of Lactase Persistence in Bronze Age Europe Indicates Ongoing Strong Selection over the Last 3,000 Years. Current Biology. (Researchgate)
  6. Bading, Ingo: Völker und Großreiche geraten in Bewegung, 2019, https://studgendeutsch.blogspot.com/2019/10/volker-und-groreiche-in-bewegung-europa.html 
  7. Ewen Callaway: How humans’ ability to digest milk evolved from famine and disease - Landmark study, Nature, 27 July 2022, https://www.nature.com/articles/d41586-022-02067-2
  8. Cathleen O’Grady: Ancient Europeans farmed dairy - but couldn’t digest milk, 27 Jul 2022, https://www.science.org/content/article/ancient-europeans-farmed-dairy-couldn-t-digest-milk 
  9. Evershed, R.P., Davey Smith, G., Roffet-Salque, M. et al. Dairying, diseases and the evolution of lactase persistence in Europe. Nature 608, 336-345, 27.7.2022, https://doi.org/10.1038/s41586-022-05010-7, https://www.nature.com/articles/s41586-022-05010-7 (Academia)

Donnerstag, 6. Juni 2019

Meine ersten "Polygenic Scores"

Eine neue Auswertung durch die Firma "Genomelink" (Mai 2019)

Aus der Reihe "Meine Gene", Teil 9

Seine sequenzierten Gendaten kann man bei der Firma "Genomelink" (1) kostenfrei hochladen und auswerten lassen. Das wird - unter anderem - auf Facebook beworben. Aber die hierbei gewonnenen Erkenntnisse (die ich im folgenden referieren werde), darf man nicht zu hoch hängen. Sehr treffend dürfte das folgende Urteil über sie sein (zit. n. 3):
Derzeit können diese Auswertungen eher der Unterhaltung dienen und dazu, ihre Begrenztheit zu verstehen. Ich denke, der wichtigste Nutzen derselben besteht darin, daß sich Menschen mit genetischer Forschung beschäftigen - sagt Yaniv Erlich von DNA.Land
Right now, [these reports are] more just for entertainment and to understand the limitations. I think the main benefit is engaging people with genetic research. - Yaniv Erlich, DNA.Land

Die Firma selbst wird von großen Unternehmen unterstützt und die jungen Firmengründer stellen sich im Internet auch persönlich vor (2). Im folgenden die mir bislang kostenfrei zugänglich gemachten Ergebnisse. soll dabei heißen: "ja, kann ich bestätigen" (anhand meiner selbst und/oder auch meiner genetischen Verwandten). ✗ soll heißen: "hm, kann oder will ich so auf den ersten Blick erst mal nicht bestätigen".  

Es dürfte wohl für die große Mehrheit dieser Auswertungen gelten, daß der "polygenic score" viel umfangreicher ausgewertet werden müßte, um wirklich treffsichere Aussagen machen zu können. Diese Auswertung hier dürfte also bloß experimentellen Charakter haben, da sie meist auf weniger als zehn SNP's beruht, während Robert Plomin in seinem Buch (4) aufzeigt, daß hunderte, tausende, zehntausende SNP's pro Merkmal ausgewertet werden müss(t)en, um treffsichere Aussagen machen zu können.

Im Wesentlichen geht es in diesem Blogbeitrag nur darum, für welche Merkmale es überhaupt schon "irgendwelche" Erkenntnisse gibt, und daß sie in der Forschung erforscht werden. Es handelt sich allerdings um völlig provisorische, fast zufällige Aussagen hinsichtlich einer ersten Auswertung diesbezüglich.

A. Persönlichkeitsmerkmale


a) Ich soll geringe Belohungsabhängigkeit besitzen! Das hieße, ich KANN auf Bonbons verzichten im Marshmallow-Test. Das würde ich erst einmal so bestätigen.

b) Ich soll überdurchschnittliche Offenheit besitzen, das heißt laut Wikipedia: "einfallsreich, originell, erfinderisch, phantasievoll, intellektuell neugierig, offen für neue Ideen, interessiert an Ästhetischem wie Kunst, Musik und Poesie, mit Vorliebe für Abwechslung (statt Routine), Neigung zu neuen Aktivitäten, neuen Reisezielen, neuem Essen usw., aufmerksam für eigene und fremde Emotionen". Hm, gut, bestätige ich jetzt erst mal.

c) Ich bin eher unverträglich, sprich weniger verträglich (lt. Wikip. "Menschen mit niedrigen Werten werden als streitbar, egozentrisch, gegensätzlich und misstrauisch gegenüber den Absichten anderer beschrieben. Sie verhalten sich eher wettbewerbsorientiert als kooperativ." Aha, und das Gegenteil: "Personen, die verträglich sind, zeichnen sich durch Altruismus und Hilfsbereitschaft aus. Hohe Werte bei diesem Persönlichkeitsmerkmal sind charakterisiert durch Adjektive wie mitfühlend, nett, warm, vertrauensvoll, hilfsbereit, kooperativ und nachsichtig.") Na, vielen Dank auch. , ✗

d) Ich habe angeblich eine höhere Wahrscheinlichkeit, leichter wütend zu werden. Die Auwertung beruht auf einer Forschungsstudie aus dem Jahr 2014 (ncbi 2014), die man sich daraufhin erst noch mal genauer ansehen müßte. , ✗

e)  Ich habe angeblich eine weniger ausgeprägte Tendenz auf dem Gebiet des "novelity seeking", Neuerungssucht, dem stärkeren Reagieren auf neue Situationen (sprich wandelfroh statt behaarungsfreudig). Dies wird mir gesagt anhand des polygenic score von 10 SNP's, die in europäischen Populationen untersucht wurden. Immerhin. Wenn ich das aber recht mitbekommen habe, ist auch diese Eigenschaft verschaltet in hunderten oder tausenden von SNP's, weshalb auch diese Angabe vorläufig nicht besonders viel bedeuten muß. Übrigens ist das in früheren Beiträgen dieser Serie schon erwähnte - wie man finden kann sehr aussagekräftige - SNP rs1800955 dabei (noch?) gar nicht berücksichtigt. ✗

f) Von sechs aussagekräftigeren SNP's , die in Zusammenhang mit Spielsucht stehen, sagen drei eine geringe Neigung dazu voraus (50 %), eines eine mittlere Neigung dazu voraus (17 %) und zwei eine höhere Neigung dazu voraus (33 %). Ich kann mich nicht erinnern, daß ich jemals auch nur in die Nähe gekommen wäre, spielsüchtig zu werden. Diese Sucht oder die Neigung dazu liegt aber - ich würde sagen - fast bei der Mehrheit meiner näheren jüngeren Verwandten vor. , ✗


Abb. 1: Deine Gene, kleiner Mann (Aufnahme von mir aus dem Jahr 1966)

B. Intelligenz


a) Durchschnittliche allgemeine Intelligenz wird mir vorausgesagt anhand der Auswertung von 2 bei mir schon sequenzierten SNP's aus einer Gruppe von 16 SNP's, die grundsätzlich ausgewertet werden könnten. Es wird noch nicht einmal gesagt in Bezug auf welche Vergleichsgruppe "durchschnittlich". In Bezug auf die Weltbevölkerung? In Bezug auf die Europäer? Jedenfalls soll das auf einen IQ um die 100 hinweisen und damit läge die Voraussage nicht richtig. Aber eine Auswertung von nur 16 SNP's ist sowieso weitgehend ein Nonsens-Ergebnis angesichts der Erkenntnis der letzten vier Jahre, daß dazu 1000e von SNP's ausgewertet werden müssen.

b) Unterdurchschnittliche Intelligenz als Kind ("childhood intelligence"). Das ist eine komische Begrifflichkeit angesichts der Tatsache, daß der IQ zu 80 % angeboren ist und sich über das ganze Leben nicht ändert. "... The referenced study on children aged 6-18 years old ... The aggregate effect of an array of SNPs predicted 22-46% of variance in intelligence." Meine Gene wurden ausgewertet durch Vergleich mit den Ergebnissen dieser Studie von 2014 (an einer europäischen Untersuchungsgruppe), und zwar offenbar nur aufgrund der Tatsache, daß ich für das SNP rs13387221 GG habe. Das ist also mehr oder weniger ein Nonsense-Ergebnis. - Aber hier scheint doch zum ersten mal zumindest der Versuch gemacht worden, für mich einen "polygenic score" betreffend Intelligenz zu erheben. Es geht also weiter in der Forschung und Anwendung. Das kann einem gefallen.

b) Durchschnittliche mathematische Fähigkeiten. ("The ability to do math well, like intelligence, is a complex and highly polygenic trait. This means that many genes are involved.") Und die Aussage hinsichtlich "durchschnittlich" ist nur anhand einer Untersuchung an einer ostasiatischen Versuchsgruppe gewonnen worden (und zwar anhand dieser Studie von 2017), insbesondere anhand von SNP rs11743006, bei dem ich CA habe.

Schon die Aufteilung in unterschiedliche Arten von Intelligenz scheint mir nicht richtig zu sein, denn Intelligenz ist ganz allgemein hoch oder eben nicht hoch.

C. Körpereigenschaften


a) Morgenmensch
b) geringere Wahrscheinlichkeit für Übergewicht
c) größere Ohrmuschel (!!!!)
d) größere Wahrscheinlichkeit für Übelkeit beim Autofahren (so so)
e) höhere Wahrscheinlichkeit für ein überdurchschnittlich langes Leben (festgestellt insbesondere anhand: rs4420638 AA, rs2075650 AA)
f) Hohe Wahrscheinlichkeit, eine Glatze zu bekommen. Mit sechs SNP's kann darüber offenbar schon eine gute Aussage getätigt werden. (Ich selbst habe allerdings mit 53 Jahren erst erste schwache Andeutungen einer solchen.)

D. Sport


a) guter Ausdauersportler

E. Ernährung


a) höhere Wahrscheinlichkeit, Raucher zu werden (kenne ich schon, siehe andere Beiträge aus dieser Artikelserie)
b) überdurchschnittlich viel Vitamin A im Blut
c) geringere Sensibilität für Bittergeschmacksstoffe (schließt auch scharfe Gewürze mit ein, was ich nicht so bestätigen kann)
d) Hühnereiweißallergie ("egg allergy"): Da ich rs5961136 TT habe, wird mir eine geringe Wahrscheinlichkeit dafür voraus gesagt. Vier weitere SNP's, herausgearbeitet anhand einer europäischen Untersuchungsgruppe, sind offenbar von 23andme bei mir nicht sequenziert worden. Jedenfalls:

Mein Fazit: Vieles aus den Bereichen C bis E war mir schon aus früheren Test-Auswertungen bekannt (siehe andere Beiträge in dieser Artikelserie hier auf dem Blog). NEU sind vor allem die Ergebnisse für die Bereiche A und B. Aber da dürfte jeweils der "polygenic score" noch nicht sehr vollständig sein.

Bei den Persönlichkeitsmerkmalen richtet man sich übrigens nach den "Big Five", die einmal in die Psychologie eingeführt worden sind unter maßgeblicher Mitwirkung von Raymond B. Cattell. Seine Philosophie des "Beyondism" hat manche Ähnlichkeit mit derjenigen der deutschen Psychologin Mathilde Ludendorff. Auf ihre Gedanken hat er sich in seinen Frühwerken auch offen und sehr konkret bezogen. (Dieser Umstand ist wissenschaftsgeschichtlich noch so gut wie gar nicht aufgearbeitet ist.)


Ursprünglich erstesllt 12.5.2019;
wird jede Woche um jeweils
eine neue kostenlose Freischaltungen
bei Genomelink ergänzt: 
12./22.5./6.6./12.6./3.7.2019

___________________________________________
  1. https://genomelink.io/
  2. The Idea and People Behind Genomelink - Unleash the Power of DNA Data, 23.4.2018, https://medium.com/genome-link/the-idea-and-people-behind-genome-link-93e0138160e0 
  3. Diana Kwon: What Your DNA Can't Tell You, https://www.the-scientist.com/news-opinion/what-your-dna-cant-tell-you-66523 
  4. Plomin, Robert: Blueprint, 2018

Dienstag, 28. Mai 2019

"Sei dir selbst keine Schande!" - Das Volk der Fulbe in Afrika

Sie haben 21 % europäische Gene - Woher kamen diese Gene? Welche Folgen haben sie?

Genetisch stammt das afrikanische Volk der Fulbe (engl. Fulani) (Wiki, engl) nach neueren Studien (1) zu 74% aus Westafrika (also von den Bantu-Völkern), zu 21% aus Europa und zu 4,1% aus Ostafrika.*) Auf die europäische Herkunft wird zugleich zurückgeführt, daß die Fulbe eine genetisch verschaltete Fähigkeit besitzen, als Erwachsene Rohmilch verdauen zu können, die - auch genetisch - völlig identisch ist zu der gleichen europäischen Fähigkeit. Eine solche Fähigkeit ist jedoch bei Völkern in Ostafrika und bei arabischen Völkern völlig anders verschaltet, dort also konvergent evoluiert, während sie bei Europäern und Fulbe auf gemeinsamer genetischer Abstammung beruht (1).

Abb. 1: Zwei Männer der Wodaabe, eines Unterstammes der Fulbe; Fotograf: Dan Lundberg (Wiki)

Eine neue Studie hat nun gefragt, wann und wo genauer diese europäische Einmischung stattgefunden hat, die zur Ethnogenese, sprich Volkwerdung der Fulbe führte (1). Sie stellt zwei europäische genetische Einmischungsereignisse fest, und zwar um 200 n. Ztr. und um 1700 n. Ztr..**)  Bislang kann aber noch nichts Genaueres gesagt werden. Insgesamt könnte die genetische Signatur dieser Einmischung nämlich auch auf Einmischung von Berber-Völkern aus Nordafrika hinweisen. Diese könnten schon im Neolithikum durch Südwanderung europäischer Völker entstanden sein, wie vielfach in der Forschung angenommen wird. Jüngste Ancient-DNA-Forschungen fanden ja auch wenige Anteile schwarzfrikanischer Genetik im neolithischen Spanien, worauf schon andernorts hier auf dem Blog hingewiesen wurde.

Abb. 2: Einige Klans der Wodaabe haben sich zu einem Gerewol-Fest versammelt, 1997; Fotograf: Dan Lundberg (Wiki)

Nach derzeitigem Forschungsstand sind also noch allerlei historische Szenarien denkbar, anhand derer die europäische Einmischung erklärt werden kann. Auch die portugiesischen Seefahrer des 17. Jahrhunderts können eine Rolle spielen, aber ebenso das Volk der Phönizier oder - vielleicht? - auch das germanische Volk der Wandalen, das in der Spätantike hundert Jahre lang in Nordafrika lebte und herrschte.


Abb. 3: Das Verbreitungsgebiet der Fulbe - südlich der Sahara (Wiki)

Im ersten Zugriff scheint einem die Art des früheren Vermischungsereignisses**) am ehesten auf die Phönizier zu passen, die mit ihren Schiffen sicher bis Westafrika gekommen sind. Schon bei den Tuareg hielt sich die Sage - und gibt es manche Hinweise für die Vermutung -, daß sie von Karthagern abstammen, die nach der Zerstörung von Karthago durch die Römer in die Wüste geflohen sind. Ein ähnlicher Zusammenhang wäre auch bezüglich der Fulbe annehmbar.

Wie es sich damit aber nun genauer verhält, werden künftige Forschungen zeigen müssen, vermutlich wird auch hier erst Ergebnisse der Ancient-DNA-Forschung einigermaßen abschließende Ergebnisse liefern.

Es sei noch einmal erinnert: 146 v. Ztr. wurde die phönizische Großmacht Karthago von den Römern endgültig zerstört (Wiki). 435 bis 534 n. Ztr. herrschten in Nordafrika die Wandalen. 

Der Ehrenkodex der Fulbe

Wirft man nun, angeregt von diesen neuen Forschungsergebnissen, ein Blick auf das Volk der Fulbe, betritt man eine aufregende kulturelle und geschichtliche Welt. Die Fulbe haben ursprünglich als Nomaden gelebt und Kamele geritten so wie das Berber-Volk der Zentralsahara, die Tuareg. Die Fulbe haben vor der europäischen Kolonisierung südlich der Sahara auch Staaten gegründet. Sie besaßen in Westafrika, so ist auf Wikipedia zu erfahren, sogar "eine Vormachtstellung". Es sei diesbezüglich Wikipedia zitiert (Wiki):

Die ethnische Herkunft der Fulbe ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Die frühen europäischen Ethnologen des 19. und 20. Jahrhunderts waren sich über den Ursprung der Fulbe sehr uneinig. Einige Theorien (...) sagten ihnen (...) sogar europäischen Ursprung nach. (...) Eine weitere Erklärung für die europäischen Versuche, die Fulbe ethnogenetisch zu lokalisieren, liegt in dem Umstand, daß sie zur Zeit der Kolonialisierung eine Vormachtstellung in Westafrika innehatten. Die Europäer versuchten, diese militärische Überlegenheit mit einer hypothetischen Überlegenheit der "weißen Rasse" in Einklang zu bringen. Die Fulbe stellten in diesem Fall einen "entarteten" Vertreter dieser Rasse dar, der allerdings aufgrund seiner Herkunft immer noch ein Minimum an Überlegenheit gegenüber den Schwarzen aufweisen mußte. 

Die Fulbe kannten, so ist zu erfahren - wie die Tuareg - ein Kastensystem mit Adligen, Handwerkern und Sklaven. Die Fulbe besitzen einen Ehrenkodex, den "Pulaaku", an den sie sich - traditionell - unbedingt zu halten haben. Man darf ihn begeisternd nennen, er gründet auf drei Säulen, für einen Angehörigen der Fulbe (Einzahl "Pullo") gilt:

  • Selbstbeherrschung - ein Pullo soll sich immer ruhig verhalten und darf sich nicht seinen Emotionen hingeben
  • Zurückhaltung und vor allem Ehrlichkeit, die für den Pullo von großer Bedeutung ist
  • Geist ist eine der wichtigsten Eigenschaften des Pullo – ein Pullo soll weise und gebildet sein, denn nur der Weise kann sich selbst beherrschen und bescheiden leben. 

Aus den drei Grundsätzen lassen sich folgende Regeln ableiten:

  • Sei dir selbst kein Anlaß zur Schande!     
  • Habe keine Furcht!
  • Lüge nicht!

Oder, auch dem englischen Wikipedia-Artikel (Wiki):

The Fulani follow a code of behavior known as pulaaku, which consists of the qualities of patience, self-control, discipline, prudence, modesty, respect for others (including foes), wisdom, forethought, personal responsibility, hospitality, courage, and hard work.

Für den Unterstamm der Fulbe, die Wodaabe heißt es darüber (Wiki):

Ihr Verhaltenskodex betont Zurückhaltung und Bescheidenheit (semteende), Geduld und Seelenstärke (munyal), Sorge und Voraussicht (bakkilo) sowie Loyalität (amana). Die 45.000 Mitglieder der Gemeinschaft legen Wert auf Schönheit und Charme, die die Grundlage eines ungewöhnlichen und einzigartigen Brautwerbungsrituals bilden, das geerewol, bei dem die Männer in einem dreitägigen Tanzwettbewerb um den Titel des Schönsten wetteifern. Das geerewol ist auch das Dankfest für den üppigen Graswuchs der Regenzeit.

Bei dem Geerewol-Fest werden die Schönheit  und die Fähigkeiten der heiratsfähigen Männer durch die heiratsfähigen Frauen beurteilt.

Während in der Kultur der Tuareg das Kamel - sozusagen - "allesbestimmend" ist, auch für das Verständnis vieler sprachlicher Eigenheiten, ist dies bei den Fulbe die Kuh.

Die Unterstämme beider Völker haben zu unterschiedlichen Zeiten den Islam angenommen (Wiki), was mitunter die Feindschaft zwischen Tuareg-Stämmen und Fulbe-Stämmen verstärkt zu haben scheint, aber auch von Einzelstämmen der Fulbe untereinander.

Die Fulbe haben als Hirtenvölker bis heute auch viele Konflikte mit seßhaften Völkern, an die sie angrenzen. Insgesamt wird erkennbar, daß die Fulbe eine ähnlich spannende Kultur und Geschichte haben wie die Tuareg (2, 3).

Ergänzung 5.7.2024: Eine neuere Studie bestätigt die europäische Einmischung, kann sie aber erneut nicht konkreter zeitlich eingrenzen und auch nicht die Herkunftsbevölkerung konkreter benennen. (4)

____________________________
*) "The Fulani from Ziniaré in Burkina Faso have ancestry fractions of 74.5% West African, 21.4% European and 4.1% East African." (1)
**) Ergebnis: "We found evidence for two admixture events between groups with West African and European ancestries (Table S2). The first admixture event is dated to 1828 years ago (95% CI: 1517-2138) between a parental population/s related to the West African ancestry groups in our dataset  (Jola, Gurmantche, Gurunsi and Igbo) and a parental population carrying European ancestry (related to North-Western Europeans (CEU), Iberians (IBS), British (GBR), Tuscans (TSI), and Czech&Slovaks (CS) in our dataset). The second admixture event is dated to more recent times - 302 years ago (95% CI: 237-368) - and occurred between a West African group, with broadly similar ancestries compared to the first admixture event, and a European  group.  However, this European  group is more related to  present-day southwestern Europeans (Iberians (IBS) and Tuscans (TSI))." (1)

____________________________________
  1. Population history and genetic adaptation of the Fulani nomads: Inferences from genome-wide data and the lactase persistence trait. By: Mario Vicente, Edita Priehodova, Issa Diallo, Eliska Podgorna, Estella S Poloni, Viktor Cerny, Carina M. Schlebusch. Auf: bioRxiv 650986; doi: https://doi.org/10.1101/650986 This article is a preprint and has not been peer-reviewed, https://www.biorxiv.org/content/10.1101/650986v1
  2. Meinecke, Erich: Die Tuareg - ein Volk wie aus einer anderen Welt. Europäer erleben den Orient. Februar 2001, 1. Teil: https://fuerkultur.blogspot.com/2001/02/die-tuareg-ein-volk-wie-aus-einer.html, 2. Teil: https://fuerkultur.blogspot.com/2001/02/die-tuareg-ein-volk-wie-aus-einer_16.html
  3. Bading, Ingo: Zwei junge Ziegenhirtinnen bei den Tuareg in der Sahara. 2. August 2007, http://studgendeutsch.blogspot.com/2007/08/zwei-junge-ziegenhirtinnen-bei-den.html
  4. Population History and Admixture of the Fulani People from the Sahel. By Cesar A Fortes-Lima, Mame Yoro Diallo, Vaclav Janousek, Viktor Cerny and Carina M Schlebusch. bioRxiv. posted 28 June 2024.

Freitag, 12. April 2019

Mein erster Archäogenetik-Test ....

Er sagt, ich bin ein Germane

Aus der Reihe "Meine Gene", Teil 8

Angesichts des rasanten Fortschritts im Bereich der Archäogenetik war es nur eine Frage der Zeit, wann es die ersten Angebote geben würde, seine eigenen sequenzierten Gene mit denen von archäologischen Kulturen zu vergleichen. Nun wird mir das erste diesbezügliche Angebot bekannt (über die Facebook-Gruppe "Ancient DNA"). 

Auf der Internetseite "My True Ancestry" ( https://mytrueancestry.com ), betrieben von einer Schweizer Firma mit Namen "DNA Check LLC" (registriert im US-Bundesstaat Delaware), kann man seine eigenen sequenzierten Gene hochladen und auf Ähnlichkeit vergleichen mit den sequenzierten Genen inzwischen schon archäogenetisch erforschter archäologischer Kulturen. Natürlich habe ich das Angebot sofort wahrgenommen. Der Abgleich dauert nach dem Hochladen des Gendatensatzes nur fünf Minuten und er ist in der Einstiegs-Variante kostenlos. Hier nun die zur Verfügung gestellte Ergebnis-Karte (Abb. 1).

Abb. 1: Die archäologischen Kulturen, zu deren Angehörigen ich die höchste genetische Verwandtschaft aufweise

Zur Karte wird als Erläuterung in der Rubrik "FAQ" gesagt:

Blaue Punkte benennen eine klar definierte Gruppe von archäologischen Menschen. Rote Punkte benennen archäologische Funde, bei denen die Identität aufgrund der archäologischen Zusammenhänge allein schwer festzustellen ist. Helle Punkte bedeuten entferntere Verbindungen, dunkle Punkte bedeuten engere DNA-Nähe zu dir.
Blue dots link to a clearly defined set of ancient peoples. Red dots refer to ancient samples where identity is difficult to determine based on archaelogical evidence. Faded dots mean distant connection, brighter dots mean very close DNA distance to you.
Als archäologische Kulturen, die mir genetisch am nächsten stehen, werden mir unter den Rubrik "Your closest Ancient populations ..." genannt:
  1. Kelten + Langobarden (7.685)
  2. Langobarden + Franken (7.795)
  3. Franken (9.07)
  4. Langobarden (9.487)
  5. Kelten (9.985),
kurz gefaßt:
  1. Die Langobarden
  2. Die Franken
  3. Die Kelten

Die sind ja auf der Karte auch blau gekennzeichnet. In einer weiteren Rubrik werden mir "Your closest Archaeogenetic matches ..." genannt. Hier geht es vermutlich um die roten Punkte auf der Karte. Daß die archäologische Zuordnung zu bestimmten Stämmen und Völkern nicht sicher ist, halte ich übrigens für wenig wichtig. Schließlich ist die Genetik selbst der sicherste Hinweis, in welchen vermutlich auch kulturellen Zusammenhängen sie sich bewegt haben, zumal wenn die jeweilige Zeitstellung hinzugenommen wird. Hier werden mir dann noch einmal andere Volksstämme angeführt, mit denen ich am nahesten genetisch verwandt bin:

  1. Alemannisches Bayern (450 n. Ztr.) (6.469) 
  2. [Hidden] - upgrade your account (7.637) 
  3. Halstatt (775 v. Ztr.) (7.957) 
  4. [Hidden] - upgrade your account (9.07) 
  5. Glockenbecher-Kultur (2500 v. Ztr.) (9.483) 
  6. [Hidden] - upgrade your account (9.487) 
  7. Alemannisches Bayern (500 n. Ztr.) (9.929) 
  8. [Hidden] - upgrade your account (9.985) 
  9. Keltisch / Ungarisch (590 n. Ztr.) (10.19)
  10. .... die Liste wird noch bis 20. forgeführt, allerdings mit "verborgenen" Positionen

Kurz und gut: Ich bin ein Germane. Wie stark sich Germanen und Kelten genetisch überhaupt voneinander unterscheiden, darüber habe ich noch nie eine Studie gelesen. Aber solche sollte es ja - angesichts dieser Auswertung - auch schon geben. Da muß ich noch einmal recherchieren. Es dürfte überhaupt interessant sein, ob man die einzelnen germanischen Stämme der Völkerwanderungszeit rein genetisch voneinander unterscheiden kann. Kann man das?  Das wäre mir neu.

Sicher ist, daß man die oft männlichen, nach Süden zugewanderten Völkerwanderungsgermanen aus dem Norden, die man in den Reihengräberfeldern schon von Seiten der Physischen Anthropologie her als sehr einheitlich erkennen konnte, auch genetisch (als zugleich groß, blond und blauäugig) klar von den Frauen unterscheiden kann, die sie südlich von Main und Donau geheiratet haben, und die genetische Verwandtschaft zum Balkan aufwiesen. Eine solche genetische Verwandtschaft wird mir nicht angezeigt, auch nicht zu anderen heutigen Osteuropäern. Es würde mich interessieren, ob das für heutige Deutsche typisch ist und wie dieser Befund dann zu bewerten wäre angesichts der durch die Archäogenetik schon aufgezeigten Tatsache, daß es in der Völkerwanderung ja doch zu Vermischungen gekommen ist und man das ja auch heute noch im Bereich der Physischen Anthropologie sehen kann. (... Oder hat die heutige Vielfalt in der Physischen Anthropologie auch schon bei den Glockenbecher-Leuten vorgelegen? Das wäre ja interessant.)

Die Punkte hinter der Klammer geben übrigens, wenn ich es recht verstehe, statistische Verwandtschaftsbewertungen an. In der Erläuterung ("Info") werden anstelle dieser Zahlen die Zahlen 5, 10 und 15 genannt, die Punkte in der Zahlenreihe sind also offenbar als Komma zu verstehen.

Jedenfalls, das Ergebnis wird im Groben schon stimmen: Verschiedene germanische Stämme der Völkerwanderungszeit, Hallstadt-Kelten, Glockenbecher-Kultur, Indogermanen halt - und zwar genetisch jeweils etwas entfernter, je weiter man zeitlich zurück geht.

Exkurs: Germanen - Kelten - Homer

Gerade in den letzten Wochen, in denen ich mich mit den bronze- und eisenzeitlichen Höhenburgen der deutschen Mittelgebirge beschäftigte (siehe frühere und etwaige künftige Blogartikel), wo ja die ethnischen Übergänge, Kontinuitäten zwischen Urnenfelderkultur und Kelten gut greifbar sind, von der Forschung als sicher angenommen werden, wurde mir erst wieder bewußt, wie unsinnig es ist, Germanen und Kelten als genetisch gar so besonders unterschiedlich voneinander anzusehen. Zu dieser Frage erschien 2015 eine umfassendere genetische Studie (2-4). Sie zeigt durchaus auf, daß sich die Angelsachsen in England markanter genetisch unterscheiden lassen von diversen, einander genetisch markanter unterscheidenden keltischen regionalen Gruppen (Schotten, Waliser, Iren etc.). Aber das war keine Ancient-DNA-Studie und der Begriff "Yamnaja" findet sich in dieser Studie von 2015 noch gar nicht. Mit ihm würde aber die gemeinsame genetische Herkunft all dieser Gruppen betont werden.

Die Kelten waren den Germanen deshalb vermutlich dennoch vergleichsweise nahe genetisch verwandt, da sie alle im Wesentlichen Indogermanen waren. Sie waren ja auch ähnlich kriegerisch gesonnen und waren auch religiös nicht gar so unterschiedlich, abgesehen davon, daß sie - im Gegensatz zu den Germanen - schon einen Priesterstand, die Druiden, kannten. Solche "Seher" sind aber aus vielen indogermanischen Völkern bekannt. Wie man überhaupt bei den eigentlichen Germanen vieles nicht findet, was man bei allen übrigen indogermanischen Völkern sehr wohl findet. Womit eine einigermaßen neue Frage aufgeworfen sein könnte: Warum gibt es so vieles bei den Germanen nicht, obwohl es fast alle anderen indogermanischen Völker aufweisen?

Das sind Fragen, die einem schon bei der Forschungshypothese, daß die Ilias mündliche Überlieferungen aus der Bronzezeit enthalten könnte (1), kommen konnten. Dann würde sich nämlich die Frage stellen: Warum findet sich ein Geist wie der der Ilias nicht bei den nordeuropäischen Germanen? Oder warum konnte dieser bei ihnen - womöglich erst nach der Bronzezeit? - wieder verloren gehen?

Aber vielleicht schält sich allmählich heraus: "Germanen" sind einfach nur jene indogermanischen Stämme Skandinaviens, die am spätestens - nämlich erst in der Wikingerzeit - jene protourbane Stadtkultur angenommen haben, die in der Frühbronzezeit schon in Form der Höhenburgen der deutschen Mittelgebirge und in Südengland vorzufinden ist (einschließlich von Hausmäusen). 

Vielleicht sind sie deshalb genetisch einheitlicher geblieben, weil es keine so breiten Unterschichten gab wie in stadtähnlichen Gesellschaften. Und womöglich mögen solche Umstände auch dazu beigetragen haben dazu, daß bei den Germanen kulturell alles ein wenig "rustikaler" ausgefallen sein könnte, daß - beispielsweise - eine Himmelsscheibe von Nebra eben in ihrem Kulturraum weniger denkbar ist als in den Herrschaftsräumen der (vorkeltischen) Salzfürsten der Aunjetzer Kultur.

Verwandtschaft mit heutigen Völkern (Ethnizitätsabschätzung)

Unter der Rubrik "Your closest genetic modern populations ..." werden mir dann übrigens genannt:

  1. Deutsch_Mitte (3.374)
  2. Ost_Deutsch (5.432)
  3. Nord_Deutsch (9.654)
  4. West_Deutsch (10.08)

Da ich ja mütterlicherseits eine "großdeutsche Mischung", zugleich bin mit englischen, venezianischen, evtl. ungarischen genetischen Einsprengseln, väterlicherseits seit Jahrhunderten nur aus einer kleinen bäuerlichen Region des Westhavelland stamme, könnte es schon gut hinkommen, daß "German_Central" die mir genetisch am nächsten stehende heutige Population ist. Unter "FAQ" wird auch zu der Frage Stellung genommen, warum man nicht eine der großen Consumer genetics-Firmen bezüglich dieser Frage nutzen soll. Antwort:

Why do we use Google today and not Altavista? Innovation. MyTrueAncestry represents the latest algorithms to solve these problems with over 250 ethnicities. Other 'big companies' typically have about 20 categories. e.g. if you are German it will say you are half English and half Finnish.

Ganz genau, so war ja auch meine Erfahrung und ich empfand sie immer schon als unbefriedigend. 

... Und noch ein Seitenblick auf die aschkenasischen Juden

Was mich ein wenig stutzig macht, ist, daß auf der Internetseite unabhängig von meiner eigenen, persönlichen Auswertung unter der Rubrik "How do populations relate to each other?" als nächste archäogenetische Verwandte der aschkenasischen Juden genannt werden:

  1. *Hellenic Roman (7.562)
  2. *Roman (7.562)
  3. Hellenic Roman + Roman (7.562)
  4. Ancient Greek + Roman (11.27) 
  5. Hellenic Roman (11.9) 
  6. Roman (14.05) 
  7. Ancient Greek (16.33)

Ein Wert von 7 ist nicht gerade der höchste Verwandtschaftswert auf dieser Internetseite. Und ich dachte bislang immer noch, daß eine deutlich mittel- oder nordeuropäischere genetische Komponente, die mit den germanischen Langobarden zu tun gehabt hätte, bei den aschkenasischen Juden auch eine Rolle gespielt hätte. Scheinbar nicht. Auch als nächste heutige Verwandte werden genannt:

  1. East_Sicilian (5.157)
  2. Central_Greek (5.924)
  3. Greek_Crete (6.191)
  4. Greek_Islands (7.254)
  5. Italian_Abruzzo (8.393) 
  6. South_Italian (8.437) 
  7. Greek_Thessaly (9.336) 
  8. West_Sicilian (9.423) 
Und für sephardische Juden archäogenetisch:
  1. *Canaanite / Semite (13.97) 
  2. Hellenic Roman + Canaanite / Semite (11.69) 
  3. Canaanite / Semite + Hittite (12.31)
  4. Canaanite / Semite (13.97) 
  5. Hittite (16.63) 
  6. Hellenic Roman (17.65)
Oh, ein Wert von 13 zeigt ja schon eine recht entfernte genetische Verwandtschaft an. Näher verwandte Völker scheint man noch nicht gefunden zu haben. Und heutige Völker:
  1. Lebanese_Muslim (5.417)
  2. Kurdish_Jewish (6.955)
  3. Syrian (7.132) 
  4. Iranian_Jewish (7.469) 
  5. Assyrian (7.715) 
  6. Lebanese_Christian (11.01) 
  7. Cyprian_Greek (11.08) 
  8. Jordanian (11.44)

Auffällig, daß hier sephardische und aschkenasische Juden gar nicht als gegenseitig näher miteinander verwandt angezeigt werden. Auf Wikipedia ist zu erfahren, daß die Forschung auch heute noch nicht wirklich klare Ergebnisse aufweisen kann zur genetischen Herkunft und Entstehung der aschkenasischen (oder auch: der sephardischen) Juden. Es heißt dort immer noch (Wiki):

In the case of Ashkenazi and Sephardi Jews (...), who are closely related, the source of non-Jewish admixture is mainly southern European. Behar and colleagues have remarked on an especially close relationship between Ashkenazi Jews and modern Italians.

Da deuten sich endgültigere Einordnungen an, aber es scheint auch noch vieles offen zu sein. Die Frage der Ethnogenese der aschkenasischen Juden ist ja schon mehrmals anderwärts hier auf dem Blog behandelt worden.

Die Vorfahren meines niederösterreichischen Urgroßvaters aus St. Pölten 

Ergänzung (11.11.2019): Auf dem Domplatz von St. Pölten in Niederösterreich sind in den letzten Jahren zehntausende von Skeletten eines Friedhofs aus dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit geborgen worden. Sie werden als wertvolles "Bioarchiv" für die Forschung angesehen (5). 

Abb. 2: Franz Josef Schaufler

Alle Vorfahren des Vaters von einem meiner beiden Großväter - nämlich von Franz Josef Schaufler (1850-1896) (Abb. 2) - stammen aus Dörfern, die zwischen 18 und 35 Kilometer östlich von St. Pölten gelegen sind, aus: Baumgarten, Siegersdorf und Asperhofen (G-Maps).

Von ihnen habe ich ein Achtel meiner Gene, sprich 12,5 %. Das mittelalterliche und frühneuzeitliche Niederösterreich wird aber gegenwärtig bei MyTrueAncestry.com noch nicht als genetisch verwandte alte Bevölkerungsgruppe angezeigt. 

Der erwähnte Franz Josef Schaufler hatte nach den Familienaufzeichnungen seine Matura im Priesterseminar in St. Pölten gemacht. Er hatte zunächst Priester werden sollen. Er hatte schon sechs Priesterweihen erhalten. Dann wurde er aber durch Los, so heißt es, zum Militär bestimmt. Und auf diese wunderliche Weise wurde er Berufssoldat. Er diente als Schloßwache in Schönbrunn und stieg bis zum Hauptmann auf. In den Familienaufzeichnungen heißt es:

"Er ging nie in die Kirche und wollte nicht kirchlich heiraten."

Was er dann aber doch tun mußte. Er heiratete in der Franziskanerkirche in Salzburg.

[ 7.2.22 ] In einem neuen DNA-Match auf MyHeritage teilt jemand 0,5 % DNA mit mir, in dessen Stammbaum es auch einen Johann Schaufler gibt. Wie könnten wir miteinander verwandt sein? Meine Mutter ist eine geborene Schaufler und hat in väterlicher Linie folgende Vorfahren: 

  • Wilhelm Leonhard Oswald Schaufler (1892-1950), Soldat im 1. Wk, Bergsteiger, Maler, Leiter des Arbeitsamtes Zell am See.
  • Franz Joseph Schaufler (1850-1896), Berufssoldat. Verheiratet mit einer Tochter aus einer ursprünglich venezianischen adligen Beamtenfamilie, den Nobile Cicogna.
  • Josef Schaufler (1820-1851), Bauer in Baumgarten bei St. Pölten. Verheiratet mit einer Johanna Platzer. Mit 31 Jahren an den Schwarzen Blattern gestorben.
  • Joseph Schaufler (1793-1820), Bauer in Grabensee bei Asperhofen. Geboren in Siegersdorf. Verheiratet mit Johanna Ott. 
  • Johann Schaufler, Kleinhäusler in Siegersdorf bei St. Pölten. Verheiratet mit einer Anna Maria Wallnerin.

______________________________
  1. Joachim Latacz: Troia und Homer. Der Weg zur Lösung eines alten Rätsels. Koehler & Amelang, München u. a. 2001
  2. Pallab Ghosh: DNA study shows Celts are not a unique genetic group. BBC News, 18.3.2015, https://www.bbc.com/news/science-environment-31905764
  3. The fine-scale genetic structure of the British population. Autoren: Stephen Leslie, (...) Barry Cunliffe, Wellcome Trust Case Control Consortium, International Multiple Sclerosis Genetics Consortium, (....) Peter Donnelly & Walter Bodmer. In: Nature volume 519, pages 309–314 (19 March 2015)  Published: 18 March 2015, https://www.nature.com/articles/nature14230
  4. http://eurogenes.blogspot.com/2018/09/celtic-vs-germanic-europe.html  
  5. "Knochen-"Schatz" in Österreich - Forscher bergen Zehntausende Skelette, 7. November 2019, https://www.n-tv.de/wissen/Forscher-bergen-Zehntausende-Skelette-article21380140.html
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