Montag, 27. September 2021

Litauen, Marija Gimbutas und die Indogermanen

Warum war es gerade eine Litauerin, die die Urheimat der Indogermanen fand?
- Etwa weil die litauische Sprache dem Urindogermanischen besonders nahe steht?
- Aber welche moderne indogermanische Sprache steht dem Urindogermanischen überhaupt besonders nahe?

Auch heute noch wird gerne ein Satz zitiert, den ein früher Vertreter des Fachbereiches der Indogermanistik geprägt hat, nämlich der französische Sprachforscher Antoine Meillet. Diesr Satz lautet:

"Jeder, der hören will, wie Indo-Europäer gesprochen haben, sollte einem Litauischen Bauern zuhören."

Wäre es unter diesen Umständen ein besonderes Wunder, daß jene Archäologin, die die Urheimat und frühe Geschichte der Indogermanen zuerst umfassend erkannt und populär gemacht hat, ebenfalls aus Litauen stammt? Hierbei handelt es sich nämlich um Marija Gimbutas (1921-1994) (Wiki, engl) (1), deren hundertster Geburtstag vor einer Woche Anlaß für das Litauische Nationalmuseum (Wiki) in Wilna war, die Ausstellung "Göttinnen und Krieger - 100 Jahre Marija Gimbutas" (LNM) zu eröffnen. Die Ausstellung enthält auch 56 Stücke des Nationalmuseums der Repubik Moldau in Chisinau (NatMu). Am 23. und 24. September wurde in Wilna auch eine wissenschaftliche Tagung aus diesem Anlaß abgehalten (Programm). Auf ihr hielten Archäologen wie Igor Manzura oder Volker Heyd Vorträge zum heutigen Forschungsstand. Den Zusammenfassungen der Vorträge ist zu entnehmen, daß noch heute so mancher Archäologe damit "zackert", Marija Gimbutas Leistungen in vollem Umfang anzuerkennen. Aber das soll uns an dieser Stelle nicht wichtig sein.*)

Abb. 1: Marija Gimbutas mit Kind - Sie hatte drei Töchter

Wer die tieferen Antriebe zur Lebensleistung von Marija Gimbutas verstehen will, wird gut daran tun, ihre Familiengeschichte zur Kenntnis zu nehmen, die tief verwoben ist mit schicksalhaften Wechselfällen der ostmitteleuropäischen Geschichte während des 20. Jahrhunderts. 

Die wechselhafte Geschichte Litauens im 20. Jahrhundert

Die Eltern von Marija Gimbutas waren Ärzte und trugen den Familiennamen Alseika (dies ist der Geburtsname von Marija). Ihre Mutter hatte 1908 das Doktorexamen an der Universität Berlin abgelegt, ihr Vater 1910 dasselbe 1910 an der Universität Dorpat (ebenfalls eine traditionell bis dahin vornehmlich deutschsprachige Universität, erst 1893 war Russisch als Lehrsprache eingeführt worden) (Wiki). Das vormals russisch besetzte Litauen wurde 1915 von Deutschland besetzt. Erich Ludendorff verwaltete von Wilna aus das Besatzungsgebiet "Oberost" (Wiki), dessen Wirtschaftsstrukturen auf die Höhe gebracht wurden. 

Nach dem Abzug der Deutschen im Jahr 1918 und der Unabhängigkeitserklärung Litauens richteten die Eltern von Marija Gimbutas 1918 in Wilna das erste landeseigene Krankenhaus ein. Aber schon 1919 wurde Wilna von Polen besetzt. Wilna sollte bis 1939 von Polen besetzt bleiben. 1921 wurde Marija Gimbutas in Wilna geboren. Als sie zehn Jahre alt geworden war, übersiedelt ihre Familie zwischen 1931 bis 1933 wegen der dauerhaften Besetzung Wilnas durch Polen nach Kaunas. Nur der Vater bleibt in Wilna zurück. Kaunas liegt 100 Kilometer westlich von Wilna.

1938 begann Marija Gimbutas an der Universität Kaunas zu studieren, und zwar zunächst: Sprachwissenschaften. 1939, nach der Niederlage der polnischen Armee gegen die Deutschen, kommt Wilna wieder an Litauen. Marija Gimbutas kehrt nach Wilna zurück. Gimbutas erinnert sich (1) an einen ...

"Aufbruchgeist in der Regierung, an der Universität, im Schulsystem. Die junge Generation, der ich angehörte, lebte inmitten dieses Aufbruchsgeistes und tat mehr als ihr möglich war."

Gimbutas selbst sammelte in dieser Zeit zum Beispiel über 5000 Volkslieder. Ein Jahr später aber schon besetzte die Sowjetunion Litauen, die Universität Wilna wurde geschlossen. Marija Gimbutas schloß sich der Untergrundbewegung gegen die sowjetische Besatzungsmacht an und lebte in den litauischen Wäldern. In dieser Zeit schrieb sie weiter an ihrer Magisterarbeit (1).

Die Spannungen zwischen Deutschland und der Sowjetunion wuchsen in der ersten Jahreshälfte 1941. Die litauische Widerstandsbewegung wurde verstärkt von der sowjetischen Geheimpolizei unterdrückt. 25 Mitglieder der Familie von Marija Gimbutas "verschwanden" (offenbar in den Fängen der sowjetischen Geheimpolizei) (1). Marija versteckte sich in Kaunas. 

Am 22. Juni 1941 erfolgte dann der Angriff Deutschlands auf die Sowjetunion, die litauische Widerstandsbewegung ging in den offenen Aufstand über. Nach der Besetzung Litauens durch die deutsche Wehrmacht heiratete Mairja Jurgis Gimbutas. In den Jahren 1943, 1947 und 1954 brachte sie drei Töchter zur Welt.

Am 8. Juli 1944 floh die Familie Gimbutas vor dem Vormarsch der Roten Armee nach Wien, dann nach Innsbruck. Von Innsbruck floh sie 1945 über die Berge nach Süddeutschland, lebte auf dem Land (1). 1946 promovierte Marija Gimbutas an der Universität Tübingen. 1947 emigrierte die Familie nach den USA. 1950 erhielt Marija Gimbutas an der Universität Harvard eine Stelle (1).

Der familiäre Zusammenhalt und Rückhalt blieb weiterhin groß. Ihre Mutter, ihre Tante und ihre Cousine lebten noch in Litauen. Sie halfen ihr im regen Briefwechsel bei den Illustrationen ihrer Bücher. 1956 präsentierte Marija Gimbutas ihre Kurgan-Theorie das erste mal auf einer Tagung in Philadelphia (1).

Die baltischen und germanischen Sprachen stehen dem Urindogermanischen am nächsten

Wie schon einleitend angedeutet, scheinen die baltischen Sprachen in einer besonderen Beziehung zur urindogermanischen Sprache zu stehen. Es ist aber auch insgesamt nicht uninteressant, daß vom weiterlebenden urindogermanischen Wortbestand, also Vokabular her gesehen die baltischen und germanischen Sprachen dem Urindogermanischen am nächsten zu stehen scheinen (2). 

Die Indogermanistik hat in den letzten 200 Jahren Forschung nämlich durch Sprachvergleich 2044 urindogermanische Worte gefunden. In keiner heutigen indogermanischen Sprache leben mehr als 40 % dieser gefundenen urindogermanischen Worte weiter (2) (nach 3).

Werden aber nun jeweils zwei indogermanischen Sprachfamilien miteinander verglichen was die Häufigkeit von urindogermanischen Wortähnlichkeiten betrifft, so sind es die germanische und die baltische Sprachfamilie, die untereinander die meisten urindogermanischen Worte miteinander teilen, nämlich 828 (2). Diese beiden werden gefolgt in der Häufigkeit ähnlich lautender urindogermanischer Worte zwischen der germanischen und hellenischen Sprachfamilie: 809 (2).

Die hellenische und die baltische Sprachfamilie weisen hingegen nur 689 ähnliche urindogermanische Worte auf (1). Insgesamt kann die Schlußfolgerung gezogen werden (2):

Die germanische Sprachfamilie steht dem Urindogermanischen vom Wortbestand her am nächsten.

Keine andere indogermanische Sprachfamilie weist so viele urindogermanische Wortähnlichkeiten mit anderen indogermanischen Sprachfamilien auf wie die germanische Sprachfamilie.

Es mag dies als ein Hinweis darauf gewertet werden, daß sich nicht nur von der Genetik her, sondern auch von der Sprache her die Indogermanen bis heute am ursprünglichsten in Nordeuropa gehalten haben. Wobei interessanterweise auch allein schon vom Wortbestand her eine größere Nähe der germanischen Sprachen zu den hellenischen aufgezeigt werden kann, die es zwischen der baltischen und hellenischen Sprachfamilie in diesem Umfang nicht gibt (nur 689 Worte).

Insgesamt ist es aber so, daß jede indogermanische Sprache andere Merkmale des Urindogermanischen bewahrt hat, so daß nur durch den Vergleich aller indogermanischer Sprachen miteinander das Urindogermanische zu rekonstruieren ist. Allein aus einer oder auch mehrere indogermanischen Sprachfamilien wäre das Urindogermanische nicht zu rekonstruieren. Dazu weist es zu viele Facetten auf, die im Laufe der Geschichte sich regional jeweils unterschiedlich weiter entwickelt haben und dabei entweder erhalten haben, sich umgeformt haben oder aber verloren gegangen sind.

Wer jedenfalls die Lebensleistung von Marija Gimbutas verstehen möchte, wird gut daran tun, sich mit der politischen und kulturellen Geschichte Litauens während des 20. Jahrhunderts ebenso zu beschäftigen wie mit der besonderen Stellung des Litauischen in der Sprachgemeinschaft der indogermanischen Sprachen.

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*) Vielleicht nicht uninteressant sind die Ausführungen über die Zeit nach 3.500 v. Ztr. (Abstr.s):

Das Vorkommen von bemalter Keramik ebenso wie von anthropomorphen Figurinen legt einen großen Einfluß der späten Tripolje-Gesellschaften auf die archäologisch feststellbaren Steppenkulturen nahe. Ein gutes Beispiel für eine Kurgan-Kultur, die stark von der Tripolje-Kultur beeinflußt worden ist, ist die lokale Gruppe "Serezleevka" zwischen Südlichem Bug und Dnjepr, die auf 3.500/3.200 bis 2.800 v. Ztr. datiert wird. (...) Es ist eine Ausbreitung von Tripolje-Menschen aus der Region des Östlichen Bug in die Steppe hinein in der zweiten Hälfte des 4. Jahrtausends anzunehmen. ....
Finds of painted pottery, as well as anthropo-morphic figurines, allow suggesting a significant impact of Late Tripillia communities on the steppe archeological cultures. A bright example of a kurgan culture heavily influenced by the Tripillia is the Serezleevka local group located between South Bug and Dnieper rivers and dated by 3500/3200-2800 BC. (...) A migration of Trypillia people from the Easter Bug region into the steppe during the second half of the 4th Millenia BC is suggested. It is supposed that the motivation for such resettlement was the lack of supplies caused by the crises of the extensive fire-cutting agriculture practiced by Tripillia people. The other possible reason for the relocation to the Lower Dnieper region was the search for metal. Recent studies suggest an existence of a strong met-allurgical center in the mentioned region during the last quarter of the 4th Millenia BC. The evidence of local production of the metal tools is the finds of metallurgists’ burials accompanied by the casting forms of Samara type axes.

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  1. Marija Gimbutas 1921--1994, https://www.belili.org/marija/bio.html
  2. C (Selva) R.Selvakumar:  What modern-day language is closest to Proto-Indo-European (PIE)? 2020, https://www.quora.com/What-modern-day-language-is-closest-to-Proto-Indo-European-PIE
  3. Bird, Norman, The Distribution of Indo-Europena Root Morphems (A Checklist for philologists), 1982, Sole distributions rights with Otto Harrassowitz Wiesbaden
  4. Adriano Cunha Trigueiro: What modern-day language is closest to Proto-Indo-European (PIE)? 2018, https://www.quora.com/What-modern-day-language-is-closest-to-Proto-Indo-European-PIE

Donnerstag, 23. September 2021

Seeanemonen - In ihrem Genom schlummern mehr Fähigkeiten als sie zeigen

Schlummern in unseren Genomen unbekannte, nicht ausgeprägte Funktionen?
- Stellen nicht abgelesene Genom-Abschnitte eine Art "Spielwiese der Evolution" dar?

Der Konstanzer Biophysiker und Zellbiologe Gerold Adam (1933-1996) hat schon Anfang der 1990er Jahre die Regulation der Genablesung in lebenden Organismen über Methylierung und Demyethylierung erforscht. Ihm erschien es schon damals bedeutsam, daß ein großer Teil des Genoms eines einzelnen Organismus während seiner Lebensspanne gar nicht abgelesen wird, sondern "unabgelesen" im Organismus "ruht", "schlummert". Er vermutete schon damals gesprächsweise, daß in diesen nicht abgelesenen Genom-Abschnitten eine Art "Spielwiese der Evolution" vorliegen würde, so drückte er sich aus.

Abb. 1: "Vergangen aber nicht vergessen - Genom-Editierung läßt vergessenen Zelltyp wieder auferstehen" - In der Seeanemone Nematostella vectensis - Vortragsankündigung auf Facebook (Fb)

Und er mutmaßte, daß man hier künftig auch frühere Stadien der Evolution "wieder finden" würde können, also Gen-Funktionen, die von dem jeweiligen heutigen Organismen gar nicht mehr benötigt werden, die aber in früheren Stadien der Evolution von seinen Vorfahren gebraucht und benutzt worden waren (1). Er stellte sich das so vor wie etwa beim Axolotl, wo ja in der Larven-Phase auch zum Teil ganz andere Genomabschnitte in anderen Aktivitätsmustern abgelesen werden müssen als in der adulten Phase.

So viel es dem Autor dieser Zeilen aber bekannt ist, war in den 1990er Jahren noch kein guter Beispielorganismus bekannt, an dem aufgezeigt worden wäre, daß in ihm Gen-Funktionen tatsächlich schlummern, die im Leben des jeweiligen Organismus gar nicht abgerufen werden.

Nun berichtet aber der Biologe Reinhard Junker in dem auch sonst sehr lesenswerten Genesis-Newsletter (dessen christliche Orientierung man freilich in Rechnung stellen muß) über folgenden neuen Forschungen (2):

Lebewesen besitzen schlummernde Bauplanmodule, die im Normalfall nicht genutzt werden, aber unter bestimmten Bedingungen abrufbar sind. Wer hätte beispielsweise gedacht, daß manche krautige Pflanzen eine Art „Holzmodul“ besitzen, das sie unter bestimmen Bedingungen ausprägen können und dadurch verholzen? (Losos, JB, Glücksfall Mensch - Ist die Evolution vorhersehbar? 2018, S. 93). (...) Ein Bauelement, das durch einen Umweltreiz oder eine geringfügige genetische Änderungen fix und fertig abgerufen werden kann, war offenbar schon vorher da. (...) Über ein erstaunliches Beispiel eines latent (im Verborgenen) vorhandenen Organs bei Quallen berichtete kürzlich Leslie Babonis von der Cornell University auf der virtuellen Jahrestagung der Society for Integrative and Comparative Biology (Pennisi 2021).
Quallen sind berüchtigt wegen ihrer Nesselzellen, deren Stich Hautreaktionen und heftige Schmerzen verursachen. Babonis hat herausgefunden, daß ein einziger genetischer Schalter stechende Nesselzellen in Zellen umwandeln kann, die an einer Unterlage kleben können. Dies ermöglicht dem Tier, im Verlauf der Entwicklung von der frei beweglichen Larve zum festsitzenden (sessilen) Organismus neue Oberflächen zu besiedeln. Die Nesselzellen der Quallen haben mehrere Erscheinungsformen. Die Stachelzellen (Nematozyten) schießen winzige, giftbeladene Harpunen ab, während einige Nesselzellen in Seeanemonen und Korallen Fäden aus klebrigem Material absondern, mit denen sich die Tiere in Substraten wie Schlamm verankern können.
Babonis untersuchte mit ihrem Team die 5 cm lange, durchsichtige Seeanemone Nematostella vectensis. Die Forscher schalteten das Sox2-Gen aus, das bei vielen anderen Tieren für die neurale Entwicklung wichtig ist. Es zeigt sich, daß als Folge davon Nematozyten in den Tentakelspitzen krumme Harpunen ausbildeten, Nematozyten aber an der Körperwand fehlten; an ihrer Stelle wurden fette Nesselzellen, sogenannte robuste Spirozyten, ausgebildet, die (bei anderen Arten) für ihre Klebrigkeit bekannt sind.
Diese Zellen waren bei dieser Art bislang noch nie beobachtet worden. Offenbar hat das Sox2-Gen die Funktion eines Schalters. Wenn es aktiv ist, bilden sich Stachelzellen, andernfalls bilden sich Spirozyten, aber nur in der Körperwand. Ob Sox2 auch bei anderen Nesseltieren für die Spirozytenbildung wichtig ist, ist bisher nicht bekannt.
Solche Regulationsgene, die wie Schalter wirken, sind an sich keine neue Entdeckung; man kennt sie als homöotische Mutationen. Zum Beispiel können durch solche Mutationen die Antennen eines Insektes in Beine umgewandelt werden. Ein neuer Befund ist jedoch, daß solche Änderungen auch bei als einfach geltenden und stammesgeschichtlich an der Basis stehenden Formen vorkommen. „Man erwartet normalerweise nicht, daß Organismen in der Lage sind, Organe zu produzieren, die sie normalerweise nicht entwickeln“, kommentiert Nicole Webster, Evolutionsbiologin an der Clark University (Pennisi 2021). (...) Das plötzliche Auftreten der Klebzellen (Spirozyten) ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, daß Lebewesen Bauplanmodule gleichsam in petto haben, die bereits fertig ausgebildet sind und auf Abruf bereit stehen. Dabei spielt es nur eine untergeordnete Bedeutung, ob es sich bei den experimentell umgewandelten Nesselzellen um echte Spirozyten handelt. Die Information zur Ausbildung dieser spezialisierten Zellen war in jedem Fall bereits vorhanden. (...)
Es stellen sich neue Fragen: Wie sind die spezialisierten Typen der Nesselzellen ursprünglich entstanden? Wie konnte die Fähigkeit, Klebzellen zu bilden, in einem latenten Zustand erhalten bleiben?

Junker bezieht sich also auf einen Bericht im "Science-Magazin" (3). Und die von ihm aufgeworfenen Fragen dürften durchaus berechtigte Fragen sein. 

Aber natürlich wirft die Möglichkeit, daß die Natur so arbeitet, auch eine Frage dahingehend auf, inwiefern Erscheinungen konvergenter Evolution im Organismen-Reich jeweils tatsächlich als "konvergent" anzusehen sind oder ob da nicht Arten an unterschiedlichen Zweigen im Artenstammbaum einfach "nur" - unabhängig voneinander - ähnliche, archaisch entstandene und abgespeicherte Funktionen einfach nur "erneut" ab- und aufgerufen haben. In diesem Falle hätte die Evolution ja nichts "Neues" erfinden zu brauchen, sondern nur auf Altbewährtes, Abgespeichertes zurückgreifen brauchen.

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  1. Adam, Gerold: Persönliche Mitteilungen, Anfang der 1990er Jahre
  2. Junker, Reinhard: Seeanemonen: Evolution oder Abruf eines Programms? In: Genesis-Newsletter, 22.1.2021, http://www.genesisnet.info/index.php?News=285
  3. Pennisi E (2021) Anemone shows mechanism of rapid evolution. Science 371, 221, https://www.science.org/doi/10.1126/science.371.6526.221

Montag, 20. September 2021

Die Japaner sind größtenteils Han-Chinesen - Genetisch gesehen

Ab 300 n. Ztr. strömte die Han-chinesische Genetik nach Japan

Der Forschungsstand zur Ethnogenese der Japaner erfährt im Jahr 2021 große Umwälzungen. Anfang des Jahres hatte man noch angenommen, die Japaner würden neben einer Jomon-Herkunft aus der Jäger-Sammler-Zeit südchinesische Herkunft aufweisen, die mit dem Reisanbau nach Japan gekommen sei. Wir hatten da noch ausdrücklich festgehalten (1):

"Einig scheinen sich alle zu sein, daß die Japaner keine Inland-Han-Chinesen-Hirse-Bauern-Herkunft aufweisen."

Dieser Forschungsstand ändert sich gerade mit der neuesten archäogenetischen Studie zum Thema drastisch (2).

Abb. 1: Die Herkunftskomponenten der Japaner in der Jomon-Zeit, in der neolithischen Yayoi-Zeit und seit der eisenzeitlichen Kofun-Zeit (aus 2)

Genau ein solcher Han-Chinesen-Herkunftsanteil, der seit 300 n. Ztr. nach Japan geströmt ist, macht nach jetzigen Forschungsstand sogar zwei Drittel der Herkunft der Japaner aus (Abb. 1). Eine eigene südchinesische Herkunftskomponente, die mit dem Reisanbau nach Japan gekommen sei, wird sogar ausgeschlossen. Vielmehr sei der Reisanbau aus der Liadong-Halbinsel, wo es durchaus südchinesische Herkunft gegeben hat, allein mit nordostasiatischer Amur-Fluß-Genetik nach Japan gekommen und habe sich dort mit der Jomon-Herkunft vermischt (2):

Unsere Ergebnisse legen nahe, daß der Reisanbau durch Menschen eingeführt wurde, die irgendwo rund um die Liaodong-Halbinsel lebten (also im Nordwesten des heutigen Korea), und die eine Hauptkomponente ihrer Herkunft auf Populationen weiter im Norden zurückführten, obwohl der Ursprung des Reisanbaus südlich des West-Liao-Flußtales liegt.
Our findings imply that wet rice farming was introduced to the archipelago by people who lived somewhere around the Liaodong Peninsula but who derive a major component of their ancestry from populations further north, although the spread of rice agriculture originated south of the West Liao River basin.

Erstaunlich, daß der Forschungsstand hier noch so stark im Fluß sein kann. 

Nun ist es also erst die Kofun-Zeit (300-538 n. Ztr.) (Wiki, engl), in der die Han-Genetik nach Japan kommt und sozusagen die bisherige Ethnogenese der Japaner - so wie wir sie heute kennen - abgeschlossen hat. Die Han-Genetik selbst ist ja eine Mischung aus Amur-Fluß-Genetik und südostasiatischer (Reisbauern-)Genetik. Daß die Ethnogenese der Japaner so stark allein durch die südchinesische Genetik hatte geprägt sein sollen, hatte uns Anfang des Jahres auch durchaus gewundert. Der jetzige Forschungsstand mutet auch insgesamt "plausibler" an.

Somit kann gesagt werden, daß die Japaner seit dieser Zeit gekennzeichnet sind gegenüber den Chinesen durch einen höheren Anteil von Amur-Fluß-Genetik (gelber Herkunftsanteil in Abb. 1), sowie durch den spezifischen Anteil von Jomon-Genetik, von der zusätzlich gesagt wird, daß diese zwar von der Andamanen-Genetik abstammt, sich aber in vielen Jahrtausenden unabhängig entwickelt hätte mit kleiner Populationsgröße (2), also auch starke Veränderungen erfahren haben kann in dieser Zeit.

Außerdem konnte natürlich auch noch innerhalb Japans in den letzten 2000 Jahren viel genetische Selektion stattfinden, die auf Japan beschränkt geblieben ist.

Auch die historischen Quellen sprechen von chinesischen Zuwanderungen ab 300 n. Ztr.

Über diese Ethnogenese finden sich ausreichende Angaben tatsächlich auch in den traditionellen Wissensquellen zur Geschichte Japans. Und zwar in erstaunlich genauer Weise. In Berichten aus der Kofun-Zeit wird nämlich sogar sehr genau angegeben, welche ausländischen Familien von wo in China oder Korea gekommen sind. Es gab nämlich viel kulturellen Austausch mit China und Korea. Von China und Korea wurden die chinesische Schrift mitgebracht, es wurde der Buddhismus eingeführt, die größeren stadtartigen Siedlungen wurden mitgebracht.

Man bedenke hierbei auch die Asynchronität der Weltgeschichte. Zur gleichen Zeit zerschlagen die Hunnen im Westen das Römische Reich, das bis dahin Stadtkultur nach allein Richtungen hin ausgebreitet hatte.

Auf dem englischsprachigen Wikipedia ist jedenfalls schon gut wiedergegeben, daß die Zuwanderung aus China und Korea nach Japan in dieser Zeit vergleichsweise detailliert festgehalten worden ist. Aber vermutlich hatte man bis heute nicht angenommen, daß sie sich damals auf genetischer Ebene so umfangreich ausgewirkt hat wie jetzt von den Genetikern festgestellt (Wiki) :

Toraijin
Toraijin wurden Menschen genannt, die aus dem Ausland nach Japan kamen, einschließlich Chinesen vom Festland, die das antike Japan von den Ryukyu-Inseln und von der koreanischen Halbinsel kommend bewohnten. Sie führten zahlreiche, bedeutende Aspekte der chinesischen Kultur in Japan ein. Indem die Regierung von Yamato dem chinesischen Wissen und der Kultur Wertschätzung entgegenbrachte, behandelte sie die Toraijin bevorzugt. Nach dem 815-Buch wurde 317 von 1182 Klans in der Kinai-Region von Honshu ausländische Herkunft zugesprochen. 163 stammten aus China, 104 aus Baekje (Korea), 41 aus Goguryeo (Korea), 6 aus Silla (Korea) und 3 aus Gaya (Korea). Sie dürften zwischen 356 und 645 nach Korea eingewandert sein. ....
Toraijin 
Toraijin refers to people who came to Japan from abroad, including mainland Chinese who inhabited ancient Japan via the Ryukyu Islands or the Korean Peninsula. They introduced numerous, significant aspects of Chinese culture to Japan. Valuing Chinese knowledge and culture, the Yamato government gave preferential treatment to toraijin. According to the 815 book, Shinsen Shōjiroku, 317 of 1,182 clans in the Kinai region of Honshū were considered to have foreign ancestry. 163 were from China, 104 from Baekje ("Paekche" in the older romanization), 41 from Goguryeo, 6 from Silla, and 3 from Gaya. They may have immigrated to Japan between 356 and 645.
Chinese migration
According to the Shinsen Shōjiroku (used as a directory of aristocrats), Chinese immigrants had considerable influence. The Yamato imperial court edited the directory in 815, listing 163 Chinese clans.  According to Nihon Shoki, the Hata clan (descendants of Qin Shi Huang) arrived in Yamato in 403 (the fourteenth year of Ōjin) as the vanguard of 120 provinces. According to the Shinsen Shōjiroku, the Hata clan were dispersed throughout a number of provinces during the reign of Emperor Nintoku and forced to practice sericulture and silk manufacturing for the court. (...) The heads of the family were apparently financial officials of the court. In 409 (the twentieth year of Ōjin), Achi no omi (阿知使主) - ancestor of the Yamato-Aya clan [ja], which was also composed of Chinese immigrants - arrived with immigrants from 17 districts. According to the Shinsen Shōjiroku, Achi received permission to establish the province of Imaki. The Kawachi-no-Fumi clan, descendants of Gaozu of Han, introduced elements of Chinese writing to the Yamato court. The Takamuko clan [ja] is descended from Cao Cao. Takamuko no Kuromaro observed the Taika Reforms.
Korean migration
Some of the many Korean immigrants who settled in Japan beginning in the 4th century were the progenitors of Japanese clans. According to Kojiki and Nihon Shoki, the oldest record of a Silla immigrant is Amenohiboko: a legendary prince of Silla who settled in Japan at the era of Emperor Suinin, possibly during the 3rd or 4th centuries. Baekje and Silla sent their princes as hostages to the Yamato court in exchange for military support. King Muryeong of Baekje was born in Kyushu (筑紫) of Japan as the child of a hostage in 462, and left a son in Japan who was an ancestor of the minor-noble Yamato no Fubito (和史, "Scribes of Yamato") clan. According to the Shoku Nihongi (続日本紀), Yamato no Fubito's relative (Takano no Niigasa) was a 10th-generation descendant of King Muryeong of Baekje who was chosen as a concubine for Emperor Kōnin and was the mother of Emperor Kanmu. In 2001, Emperor Akihito confirmed his ancient royal Korean heritage through Emperor Kanmu.

Man wird annehmen dürfen, daß die Koreaner insgesamt eine ähnliche genetische Geschichte und Herkunft aufweisen wie die Japaner.

In einer neuen Buchveröffentlichung wird in der Einleitung darauf hingewiesen, daß die japanischen Archäologen und Historiker erst in den letzten drei Jahrzehnten diese Frage der "Über das Meer Gekommenen" wissenschaftlich genauer behandelt haben (3). Durch die genetischen Erkenntnisse wird dieser Thematik nun noch einmal neues Gewicht gegeben.

Man darf sicherlich auch fragen, warum Japan eines der letzten Länder der Weltgeschichte ist, in denen sowohl Ackerbau wie Stadtkultur eingeführt worden sind.

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  1. Bading, Ingo:  Tibeter, Tocharer, Japaner, Chinesen - Das Werden der ostasiatischen Völker klärt sich weiter, Februar 2021 https://studgendeutsch.blogspot.com/2021/02/tibeter-tocharer-japaner-chinesen.html
  2. Ancient genomics reveals tripartite origins of Japanese populations. Niall P. Cooke et. al., Science Mag. 17.9.2021, https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.abh2419
  3. Song-nai Rhee, C. Melvin Aikens, Gina L. Barnes: Archaeology and History of Toraijin. Human, Technological, and Cultural Flow. Archaeopress, Oxford 2021, https://books.google.de/books?id=gN1GEAAAQBAJ

Freitag, 17. September 2021

Die "große" archäogenetische Studie zur Ethnogenese der Urindogermanen !!! ....

.... Ist immer noch nicht erschienen ....
Stattdessen wird veröffentlicht, daß die Menschen der Chwalynsk-Kultur an der Mittleren Wolga um 4.600 v. Ztr. noch keine Milchprodukte verzehrt haben

Von dem Archäogenetiker David Reich und dem Archäologen der Urindogermanen David Anthony sind noch viele Aufschlüsse angekündigt und zu erwarten über die Ethnogenese der Urindogermanen an der Mittleren Wolga innerhalb der Chwalynsk-Kultur um 4.600 v. Ztr.. Schon häufiger in den letzten beiden Jahren haben wir dieser Erwartungen hier auf dem Blog Ausdruck verliehen (siehe Label "Chwalynsk-Kultur") (z.B.: 1).

Abb. 1: Drei Phasen: a) ohne Verzehr von Milchprodukten (4.600 is 4.000 v. Ztr.), b) und c) mit Verzehr von Milchprodukten (3.300 bis 1.700 v. Ztr.) (aus: 2)

Eine neue Studie von diesen beiden Autoren zum Thema ist erschienen (2-4, 6). Sie treten - wie gewöhnlich - gemeinsam mit vielen Koautoren auf. Aber über die entscheidenden Fragen zur Ethnogenese der Urindogermanen geht diese Studie wiederum mit nur einem Satz hinweg.

Wir erfahren in dieser Studie über die Ethnogenese der Urindogermanen nichts Neues. Die spektakuläre Erkenntnis, daß diese Urheimat endlich gefunden worden ist, wird erneut nicht heraus gestellt. Immerhin - es wird verwiesen auf eine neue Studie, die dazu demnächst in der "Prähistorischen Zeitschrift" erscheinen soll (5). Daß dort eine wichtige Studie "bald" erscheinen soll, ist dem Verfasser dieser Zeilen aber auch schon im Mai 2021 von Seiten eines der beteiligten Archäologen in persönlicher Mitteilung angekündigt worden. Selbst diese angekündigte Studie läßt schon Monate auf sich warten.

Proteine im Zahnstein Proteine, erhalten? - Und wenn ja: welche?

Die Entstehungsgeschichte dieser Studie faßt ihr Hauptautor auf Twitter recht gut zusammen (6):

... Im letzten Jahr haben wir in einer Forschungsstudie zu alten Proteinen herausgefunden, daß die Menschen in der Mongolei vor 5000 Jahren Milch(produkte) genossen haben und in einer nachfolgenden archäogenetischen Studie ist aufgezeigt worden, daß diese Milchprodukte verzehrenden Menschen westliche Steppen-Genetik aufwiesen. .... Ich reiste nach Rußland, um mich mit meinen Koautoren zu treffen und um Zahnstein von Individuen der Jamnaja-Kultur zu sammeln. Aufregender Weise konnten wir Zahnstein auch aus der Zeitperiode davor und danach sammeln. ...
In 2015 a paper (led by Allentoft) demonstrated that in the Early Bronze Age the Yamnaya, from the Pontic-Caspian region, expanded both into Europe and across the steppe to the east - as far as Mongolia. Then, last year, in a separate ancient protein paper we found that the people in Mongolia 5000 years ago were drinking milk, and through a subsequent and related aDNA paper found that these milk drinking individuals also had western steppe ancestry. We hypothesised that it was the incorporation of milking to subsistence strategies that enabled the Yamnaya to transverse the steppe, a vast landscape covered with pasture grasses that are perfect for animals, but often lacking in resources for human sustenance. People moving with herds of dairy animals would have benefitted from the renewable resources provided by milking animals. Apart from calories, milk also provides a source of hydration, which was essential on the arid steppe. To test this, I travelled to Russia to meet with my co-authors and sample dental calculus from western steppe Early Bronze Age Yamnaya individuals. Excitingly, we were able to sample from the time period before, during, and after the Yamnaya cultural horizon.
The previous Eneolithic people (~4600-3500BC), the Khvalynsk, were hunter/gatherer/fishers, that occasionally ate domesticated animals. During this period in nearby Europe people were farming and dairying, demarking a “frontier” differentiating subsistence between the regions. While the Khvalynsk and Yamnaya populations are genetically very similar, the Yamnaya also have and added 10-18% input of Anatolian farmer ancestry. The Yamnaya also had very different stable isotope values than previous groups, indicating a dramatic shift to a diet focused on domesticated animals. However, meat and milk are impossible to differentiate with this method. Protein analysis has offered us a unique way to determine the types of animal products people were consuming. We found that milk was absent in the Eneolithic group, and became ubiquitous in the Yamnaya period. We found proteins specific to sheep, goat, cow, and excitingly – HORSE. The find of horse milk at 3000 BC (5000 years ago) in eastern Europe presents the first direct and unequivocal evidence for horse milk consumption. This evidence cannot shed light on whether horses were ridden, but does show a clear sign of domestication.
We also analyzed the calculus from two individuals from the site of Botai, famous for possible horse domestication and milking, yet we did not recover any dairy proteins from those samples.

In der Studie (2) konnte geklärt werden anhand der Analyse der verbliebenen Proteine im Zahnstein der Menschenskelette, daß die Menschen der Chwalysnk-Kultur an der Mittleren Wolga im 5. Jahrtausend (4.600 bis 4.000 v. Ztr.) noch keine Milchprodukte verzehrt haben. Weder rohe Milch, noch verarbeitete Milch, also auch keinen Joghurt, keinen Käse. Und dies auch weder von Schafen oder Ziegen, noch von Kühen oder Pferden. 

Bei 10 von 11 Individuen, für die Proteine überhaupt hatten nachgewiesen werden können im Zahnstein, da sie sich darin erhalten hatten, konnten keine Proteine nachgewiesen werden, die von Milchprodukten stammen (2).

Wir wissen ja schon, daß die Menschen der Chwalynsk-Kultur, an den Ufern der Wolga lebend, viel Fisch gegessen haben. Und viel Fleisch von Herdentieren und von gejagtem Wild. Womöglich auch von Wildgräsern. Nun wissen wir noch zusätzlich: Sie aßen keine Milchprodukte.

Das ist immerhin ein wichtiges Ergebnis. Man wird schlußfolgern können, daß auch die ersten Indogermanen in der Mongolei, die von der Chwalynsk-Kultur abstammen, die der Afanasjewo-Kultur zugehörte, noch keine Milchprodukte verzehrt haben und daß das um 3000 v. Ztr. erst die nachfolgende Andronowo-Kultur gewesen sein wird.

Milchprodukte in der Steppe - Erst seit 3.300 v. Ztr. 

Erst ab der Zeit 3.300 bis 2.500 v. Ztr., hier genannt "Frühe Bronzezeit" kann ein solcher Verzehr von Milchprodukten klar und weit verbreitet in der Ukraine nachgewiesen werden. Da hatte sich die dortige Jamnaja-Kultur offenbar schon zu geringeren Anteilen mit anatolisch-neolithischer Herkunft vermischt, die wohl von der Kugelamphoren-Kultur stammte. Aus dieser Kultur könnte dann auch die Gewohnheit, Milchprodukte zu gewinnen, zu verarbeiten und zu verzehren stammen.

In allen 15 Individuen, in deren Zähnen sich überhaupt erhaltene Proteine nachweisen ließen, ließen sich auch Proteine nachweisen, die Hinweise darstellen auf den Verzehr von Milchprodukten (2). Es konnten Proteine als herstammend von Schafen, Ziegen oder Kühen nachgewiesen werden. Aber nur in zwei Individuen auch solche von Pferden. Milchprodukte aus Pferdemilch wurden also nur regional verzehrt. Dieser Brauch war nicht sehr weit verbreitet.

Und all das findet statt tausend Jahre nach der Ethnogenese der Urindogermanen, etwa zeitgleich mit der Ethnogenese und Ausbreitung der Schnurkeramiker- und Glockenbecher-Kulturen aus noch unbekannten Populationen heraus, die zwar genetisch klar von der Chwalynsk-Kultur abstammten, die aber zeitgleich zur Jamnaja-Kultur in der Ukraine lebten (welche ebenfalls von der Chwalynsk-Kultur abstammte).

Shintashta-Kultur: Milch, aber keine Stuten-Milch

Für die Zeit 2.500 bis 1.700 v. Ztr, hier genannt Späte Bronzezeit, konnte gar kein Verzehr von Milchprodukten nachgewiesen werden, die von Pferdemilch stammten, obwohl sonst der Verzehr von Milchprodukten ähnlich verbreitet war wie in der Frühen Bronzezeit in der Ukraine (2). Und hier handelt es sich schon um jene berühmte Shintashta-Kultur, die eine der ersten Kulturen war, die Streitwagen benutzte, und in der nachweisbar das Pferd tatsächlich eine große kulturelle Rolle spielte.

Immer mehr lernen wir, daß die Rolle der Milch in vielen Jahrtausenden der Kulturgeschichte der Menschheit, insbesondere auch in der Steppe viele Jahrzehnte lang von der Forschung hoffnungslos überschätzt worden war. Das liegt daran, daß man beobachtet hatte, daß die heutigen Europäer aufgrund genetischer Selektion rohe Milch verdauen können, was Asiaten und Afrikaner in dem Umfang nicht können. Aber seit wenigen Jahren wissen wir, daß diese genetische Fähigkeit sich erst seit der Eisenzeit ausgebreitet hat in Europa.

Auf die "große" archäogenetische Studie zur Ethnogenese der Urindogermanen an der Mittleren Wolga warten wir weiter .... (5).

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  1. Bading, Ingo: Die Fundamente Europas - Sie wurden in einer Umbruchzeit gelegt (3.500 bis 2.700 v. Ztr.) - Multiethnische Großreiche und ihre großräumigen Kriegszüge, 9. Mai 2021, https://studgendeutsch.blogspot.com/2021/05/das-fundament-europas-in-einer.html 
  2. Wilkin, S., Ventresca Miller, A., Fernandes, R. et al. Dairying enabled Early Bronze Age Yamnaya steppe expansions. Nature (2021). 15.9.2021, https://doi.org/10.1038/s41586-021-03798-4
  3. Nomadische Völker stärkten sich mit Tiermilch, 15.9.21, https://www.derstandard.de/story/2000129675094/nomadische-voelker-staerkten-sich-mit-tiermilch  
  4. 15.9.21, https://www.shh.mpg.de/2046463/milk-and-migration?c=1936384
  5. Anthony, D. W. et al. The Eneolithic cemetery at Khvalynsk on the Volga River. Praehistorische Zeitschrift (in the press)
  6. Shevan Wilkin: 15.9.21, https://twitter.com/ShevanWilkin/status/1438157138044534789

Dienstag, 14. September 2021

Die Goten - Ihre Gene blieben erhalten - Sprache und Kultur schwanden dahin

Erste Einblicke von Seiten der Archäogenetik

Amalaswintha (gest. 535) (Wiki) war die Tochter Theoderichs des Großen (451/456-526) (Wiki). Der oströmisch-griechische Geschichtsschreiber Prokop schildert sie als ebenso weise und weitblickend wie ihren Vater (1). Da ihr Sohn erst 10 Jahre alt war als Theoderich starb, führte sie für ihn die Regentschaft. Doch sie hatte es mit einem rauhen gotischen Adel zu tun, der an ihr kritisierte, daß sie ihren Sohn nicht zum Krieger, sondern zum Gelehrten erziehen würde. Was für eine Schande, dieser rauhe gotische Adel. Waren Goten denn immer nur zum Kriegführen geboren? Theoderich und Amalaswintha dachten - offenbar - weiter. Aber diese Haltung konnte sich bei den Goten nicht dauerhaft durchsetzen.

Abb. 1: Römische Grenzsicherung am Donau-Limes (Wiki) - Singidunum (heute: Belgrad)

Mit diesen Geschehnissen stehen wir mitten in dem Spannungsfeld zwischen zerstörerischen und aufbauenden Kräften in der Weltgeschichte. In einer Kultur, in der Bildung, Lernen, Erwerben von Fähigkeiten und Kenntnissen handwerklicher und geistiger Art, Arbeiten, Studieren einen Wert für sich darstellt, werden die Menschen durch die Arbeit zivilisiert. In einer Gesellschaft, in der die beliebteste und angesehenste Tätigkeit die Kriegsführung ist und in der das Leben von Gütern und Luxus, die auf dem Erfolg in der Kriegsführung beruhen, übermütig macht, werden leichter die zerstörerischen Kräfte der Welt- und Völkergeschichte aktiviert. Aus der Geschichte der germanischen Völker der Völkerwanderungszeit kann man über dieses Spannungsfeld viel lernen.

Möchte man das alles eigentlich genauer wissen? Was ist Völkerwanderung anderes als einerseits Leben von Raub und andererseits Imperialismus? Aber haben die "zivilisierteren" Römer es denn anders gemacht? Waren nicht auch sie fortlaufend mit Raub, Ausbeutung und Imperialismus beschäftigt? Auf beiden Seiten - sowohl auf Seiten der Römer wie auf Seiten der Germanen - gab es aufbauende und zerstörende Kräfte in ihren Kulturen. Ganz offensichtlich waren die aufbauenden Kräfte auf Seiten der Römer zu jener Zeit deutlicher ausgeprägt als auf Seiten der Germanen. Erst ab dem Frühmittelalter wurden auch die Germanen "weiser" und investierten nach und nach mehr Energie in den Erwerb von Fähigkeiten und Kenntnissen anstatt in die Kriegsführung. Nach und nach. Das Leitwort "Ora et Labora", das in den zeitgleichen Klöstern gelebt wurde, wies den Weg. "Bete und arbeite". Ob diese Entwicklung schon als erfolgreich abgeschlossen genannt werden kann, das sei freilich dahin gestellt.

Denn auch mit einem bloß oberflächlichen, halbherzigen Erwerb von Kenntnissen und Fähigkeiten ist es ja nicht getan, wenn es gilt, die aufbauenden Kräfte in der Völkergeschichte zu fördern.

Es befällt einen so viel Trauer, wenn man blühende Völker - wie die Goten, wie die Wandalen - in den Untergang ziehen sieht. Und warum? Weil sie lieber als Krieger lebten, denn als Gelehrte. Und von wem wurden sie besiegt? Von Gelehrten, die zugleich Krieger waren, oft sehr tapfere Krieger. So wie schon Sokrates. Das nämlich waren die Kaiser, Feldherren, Offiziere und Beamten des byzantinischen Reiches: Gelehrt und tapfer. Die Goten aber waren in der Regel "nur" tapfer. In der Regel waren deshalb die gebildeten Krieger des römischen Reiches den ungebildeten Goten oder Wandalen um einen Schritt voraus in der Klugheit und Sorgfalt ihrer Kriegsführung, mehr nicht. Aber das reichte ja schon. Amalaswintha und ihr Vater Theoderich hatten weiter geblickt als die meisten ihrer gotischen Stammesverwandten. Wie so oft aber, wo "Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet" (Schiller), gingen die Menschen lieber sehenden Auges in der Untergang. Wie anders wollte man die weiteren Schicksale der Ostgoten in Italien kennzeichnen, auf die wir im folgenden nicht weiter eingehen wollen.

Aber wir stehen mitten in der Geschichte der Goten, wenn wir uns diese Lebensproblematik der Amalaswintha verdeutlichen. Die germanischen Völker nördlich der Alpen, die von diesem Spannungsfeld eher verschont geblieben sind, da sie niemals so sehr von Raub, Imperialismus und Krieg lebten wie die germanischen Völker südlich der Alpen, in ihnen bebte das erschütternde Geschehen, das mit der Völkerwanderung verbunden war, dennoch nach.

Das älteste Sprachdokument in althochdeutscher Sprache, das berühmte Hildebrandslied (Wiki), handelt von dem Lebensschicksal des Heermeisters Theoderichs des Großen, Hildebrand, der seinen Sohn Hadubrand, in die Heimat zurückkehrend nach 60 Jahren Kriegerleben, im Zweikampf erschlägt:
"Ik gihorta dat seggen,
dat sih urhettun ænon muotin,
Hiltibrant enti Hadubrant untar heriun tuem.
sunufatarungo iro saro rihtun."

Das blieb den Germanen nördlich der Alpen in Erinnerung: Der Krieg als Unheil. Der Vater erschlägt den Sohn. Und Dietrich von Bern selbst (Theoderich) erschlägt die Nibelungen - am Hof des Hunnenkönigs Attila unter Zustimmung der Königin Kriemhilde. Die Sage hat den Untergang der Nibelungen in die Lebenszeit von Personen gelegt, die erst lebten, als das Burgunderreich in Worms schon zerschlagen war. Aber Pannonien und Dalmatien, die Kernräume der Geschichte der Goten des 4. und 5. Jahrhunderts, sowie das Personal der dort handelnden Könige und Heerführer blieben im Gedächtnis.

Da die Goten lieber Krieg führten, als sich das Lesen und Schreiben beibringen zu lassen, wissen wir gar zu viel nicht über ihr vorhergehendes Leben an der Unteren Donau, über ihr Leben in Dakien, in Thrakien, in Mösien, Dalmatien und Pannonien. Ihr Leben dort überspannt immerhin inhaltsreiche 200 Jahre. Und noch einmal viele Jahrhunderte lebten sie davor im Nordschwarzmeer-Raum. Wir wissen von ihnen nur, was bei den römischen und griechischen Geschichtsschreibern festgehalten worden ist. Und auch diese berichten über die Goten fast immer nur über Krieg, Eroberung, Unterwerfung.

Ein Dokument freilich friedlicher, zivilisatorischer Arbeit hat sich aus dem gotischen Kulturkreis erhalten. Das älteste Sprachdokument germanischer Sprachen. Es entstand in der Provinz Mösien, im heutigen nördlichen Bulgarien, in Nikopolis an der Unteren Donau, das die Goten schon 249 so eifrig belagert hatten: die Gotenbibel des Gotenbischofs Wulfila. Ausgerechnet eines der inhaltlich und moralisch flachsten, wirrsten und unheilvollsten Textdokumente, die je in der Geschichte der Völker eine Rolle gespielt haben, und die erst wenige Jahrhunderte zuvor zusammen gestellt worden waren, ausgerechnet diese wurden in die gotische Sprache übersetzt! 

Die Weltgeschichte schlägt wahrlich Kapriolen. Nicht die "Ilias", nicht Platon, nicht Sokrates, nicht Aristoteles. Nein: Die Bibel.

Kein Wunder, daß noch Shakespeare, Schiller, Goethe, Lessing und Wieland mit dem Eindruck lebten und starben, daß wir Nordeuropäer von "Barbaren" abstammen. Kein Wunder. Wahrlich: Barbarisch, dieses Geschehen. 

Aus Kriegern werden - - - "Bibelkundige".

Merkst Du etwas, später nord- und mitteleuropäischer Nachfahre? Was wir Germanen und Indogermanen für eine Geschichte hinter uns haben?

Was hat diese Geschichte damit vor? Wo will sie damit hin?

Wohin könnte sie damit hinaus wollen?

Die Neigungen, die Bildung und der Weiblick von Theoderich und Amalaswintha hatten noch weit über bloße Bibelkunde hinaus gewiesen - soweit wir das heute nachvollziehen können. Am Hof Theoderichs des Großen bewegten sich nicht nur Priester, nein, vor allem auch Philosophen. Nur allzu bald sollte das ganz anders werden im "Abendland". Soweit etwas grundlegendere, einleitende Überlegungen.

Die Mittlere und Untere Donau in der Spätantike

Die Mittlere und Untere Donau - dies ist der Raum, in dem der Hof des Hunenkönigs Attila lag, hier wurde der Gotenkönig Theoderich der Große geboren, hier fand sich 1837 der Goldschatz von Pietroasa (Abb. 2 und 3). Hier vollzog sich - der bedeutendsten Sage des deutschen Mittelalters nach - der Untergang der Nibelungen.

All das und vieles mehr spielte sich ab innerhalb der römischen Provinzen Pannonien (Wiki), Dalmatien (Wiki), Mösien und Dakien, sowie jenseits der Grenzen dieser Provinzen, jenseits des sogenannten "Donau-Limes" (Wiki). Es waren dies die "illyrischen Provinzen" (Wiki) des Römischen Reiches. Es waren wirtschaftlich wohlhabende, reiche Länder. Seit dem 3. Jahrhundert v. Ztr. waren sie von den Römern erobert und unterworfen worden. Noch zur Zeit des Arminius um 9 n. Ztr. gab es in Illyrien schwere Aufstände gegen die Römerherrschaft. Aber in der Zeit danach hört man von keinem Widerstand mehr.

Abb. 2: Ein Stück aus dem gotischen Goldschatz von Pietroasa (Nationalmuseum für Rumänische Geschichte, Bukarest) (Wiki) - aus der Zeit um 350 oder 450 n. Ztr. - In der Mitte thronend vielleicht Nerthus, um sie herum gruppiert andere germanische Gottheiten, allerdings in griechischer Kunstauffassung (Wiki), alle in friedlichen Zusammenhängen, ohne Waffen, vielleicht hergestellt in einer griechischen Stadt an der Nordküste des Schwarzen Meeres, wo auch noch skythischer Kunstgeschmack weiter lebte

Das zeitgleiche Geschehen und Schicksal germanischer Völker in Nordafrika, in Spanien, in Frankreich - es ist in Vergessenheit geraten, hallt nicht oder viel weniger in Sagen des deutschen Mittelalters wieder. Zu wenige Krieger waren von ihren Kriegsdiensten von dort aus in die Heimat nördlich der Alpen zurück gekehrt, so wie noch der Fürst von Planing, begraben bei Bad Kreuznach am Mittleren Rhein mit seinem herrlichen, prächtigen vergoldeten Spangenhelm und mit einer Münze des byzantinischen Kaisers Leo I. (457-474 n. Ztr.) (Wiki) im Mund (13-15) (Abb. 7). Entdeckt im Jahr 1939 bei Kanalarbeiten. Krieger seines Schlages, die zum Teil weit herum gekommen sein mögen als Verbündete großer Heerführer oder im Dienste irgendeines Gefolgschaftsführers, zum Beispiel auch eines gotischen Heerführers wie Theoderich, Krieger seines Schlages und Männer ihres Gefolges werden alle Sagen, Geschichten und Heldenlieder nach Norden gebracht haben, die aus dieser Zeit überliefert sind.

Neue Erkenntnisse

Ausgerechnet zu diesen illyrischen Provinzen, zu Pannonien, Dalmatien, Mösien und Dakien ist in diesem Sommer 2021 in Vorveröffentlichung eine erste archäogenetische Längsschnitt-Studie erschienen zum ersten Jahrtausend (nach der Zeitreichnung) in diesem Raum (2). 90 Skelette aus den Gräberfeldern der Römerstädte Viminatium an der Donau (Wiki), "Timacum Minus" (Wiki), 200 Kilometer südlich von Viminatium und Mediana (Wiki), noch einmal 60 Kilometer südlich von "Timacum Minus" wurden für diese Studie neu ausgewertet.

Außerdem ist in den letzten zehn Jahren eine spannende, völlig neue Schriftquelle zur Geschichte der Goten in diesem Raum von Seiten der Wissenschaft erschlossen worden. Nämlich Fragmente der Geschichte der Gotenkriege ("Scythia"), die der Kaiser Decius (190-251) (Wiki) geführt hat, und zwar aus der Feder eines zeitgleichen griechischen Militärbefehlshabers und Historikers, nämlich von Dexippus von Athen (210-275) (Wiki). Welche wohlüberlegten Gedankengänge von Seiten des Decius in diesen Text-Fragmente überliefern sind im Angesicht der Überschwemmung der illyrischen Provinzen, sowie Griechenlands durch die Goten schon im Jahr 249. Auch berichten sie von der Verteidigungsbereitschaft Griechenlands und Athens.

Von Viminatium bis Naissus - Drei Römerstädte

Doch zunächst zur Archäogenetik: 52 von den genannten 90 untersuchten Skelette stammen aus der römischen Grenzfestung Viminatium (Wiki), südwestlich des Donau-Ufers gelegen, also am rechten Ufer der Donau. Hier verlief der Donau-Limes und Viminatium war die bedeutendste Grenzfestung aller illyrischen Provinzen. Sie lag 90 Kilometer südöstlich des Militärlagers Singidunum, der heutigen Stadt Belgrad (Abb. 1). Schon in keltischer Zeit war Viminatium - wie die meisten Römerstädte dieses Raumes besiedelt. Auch auf dem größten der Gräberfelder von Viminatium finden sich Gräber aus keltischer Zeit (2, Anhang). Viminatium gilt aufgrund seiner Größe als das "Pompeji Serbiens".

Viminatium war die Hauptstadt der Provinz Ober-Mösien. An diesem Ort waren zwei römische Legionen stationiert. An diesem Ort überquert die "Pannonische Straße", vom heutigen Ungarn her kommend, die Donau, um südlich der Donau das Schwarze Meer und Konstantinopel zu erreichen, die Hauptstadt des oströmischen Reiches (2, Anhang). Hier in Viminatium befindet sich - zum Beispiel - das Mausoleum des römischen Kaisers Hostilian (gest. 251). Hier auch fanden wesentliche politische Verhandlungen im Zusammenhang mit den "Gotenkriegen" des 4. Jahrhunderts statt. 

Weitere 18 untersuchte Skelette stammen aus "Timacum Minus" (Wiki), eine Befestigung und dörfliche Siedlung aus der Römischen Kaiserzeit, 200 Kilometer südlich von Viminatium (G-Maps). 

Die restlichen Skelette stammen aus der Kaiservilla Mediana (Wiki), noch einmal 60 Kilometer südlicher gelegen, nahe der römischen Stadt Naissus (Wiki).

Die untersuchten Skelette von Viminatium sind vier Gräberfeldern entommen, die rund um die Stadt angeordnet waren. Den Grabbeigaben nach zu schließen, stammen die meisten dieser Gräber nicht von "Wohlhabenden", sondern von Mittelschichten und ärmeren Bevölkerungsschichten, allerdings gibt es auch Sakrophage von reicheren Bevölkerungsteilen. In diesen Skeletten spiegelt sich das Hereinströmen von Bevölkerungsteilen kaiserzeitlich-anatolischer Herkunft in die illyrischen Provinzen wieder, die sich mit der Herrschaft Roms ergeben hat, und deren Genetik sich mit dem Ende der Römerherrschaft interessanterweise auch wieder in diesem Raum verliert (2).

Auch die genannten Stadt Naissus hat es schon in keltischer Zeit gegeben. In ihr ist niemand geringerer geboren worden als Kaiser Konstantin der Große (280-337) (Wiki), jener Kaiser, der das Christentum im Römischen Reich zur privelegierten Reichsreligion, also quasi zur Staatsreligion erhoben hat. Konstantin hatte nun das genannte nahegelegene Mediana keineswegs etwa zu einem Kloster, sondern zu einer luxeriösen Kaiser-Villa umbauen lassen. Wozu auch soll man als Förderer des Christentums ins Kloster gehen, wird sich Konstantin gesagt haben. Vielleicht sagten ihm dies auch seine nun notwendig gewordenen "geistlichen Berater". Verschiedene seiner Nachfolger hatten sich in Mediana ebenfalls aufgehalten, darunter übrigens auch Kaiser Julian "der Abtrünnige", der letzte Heide auf dem römischen Kaiserthron. Das war im Jahr 361. Ganz zuletzt hielt sich Kaiser Constantius III. im Jahr 425 daselbst auf. 442, nach den Einfällen der Hunnen unter Attila, ist diese Residenz dann ganz aufgegeben worden. Fluch über sie und jenen Kaiser, der das Christentum im ganzen südlichen Europa zur Staatsreligion erhoben hat.

Wenn man bedenkt: Schon 249 gab es einen ersten schwerwiegenden Goteneinfall in diesen Provinzen. Aber das im Sterben und in der Agonie liegende Römische Reich hatte noch so viel Kraft, seinen Untergang um 200 Jahre hinaus zu zögern.

In der genannten Kaiservilla nun bestatten um 400 n. Ztr. Menschen aus den Stammesverbänden der Goten zwei ihrer Verstorbenen (2, Anhang). Die Schädel dieser Bestatteten wiesen die typischen Schädeldeformierungen auf, wie sie schon oft in den östlichen Völkerwanderungsvölker gefunden worden sind. Diese Schädeldeformierung (Schädelverlängerung, -streckung), die auf Bandagierungen des Kopfes vom Babyalter an zurück gehen, ist von den Goten als Sitte von den Hunnen (oder von den Sarmaten?) übernommen worden. Auch in einigen Germanen-Gräbern von Viminatium findet sich diese Sitte (2, Anhang). Vielleicht handelt es sich bei ihnen um jene westgotischen Völker und ihre Verbündeten, die, bedrängt vom Hunnensturm und nach Annahme des Christentums hinter den Donau-Limes Zuflucht nehmen durften und dort als Bundesgenossen des oströmischen Kaisers angesiedelt wurden, bzw. dabei auch gerne gewaltsam zur Landnahme schritten.

Die Genetik dieser Skelette paßt zur Genetik von Goten. Ein kleiner genetischer Anteil in ihnen ist sarmatischer Herkunft (siehe unten), das heißt, die Vermischung mit Sarmaten könnte schon mehrere Jahrhunderte zuvor stattgehabt haben. Außerdem haben sie sich - offenbar schon in der ersten Generation - mit Einheimischen vermischt (2). 

Soweit uns das bislang überblickbar ist, ist von den germanischen Völkern der Völkerwanderungszeit keinerlei heiratsmäßige Abgrenzung zu der unterworfenen Bevölkerung im Mittelmeer-Raum bekannt geworden, weder aus den Schriftquellen, noch auch aus der Archäogenetik. Somit wird man, wenn in Schriftquellen von "Goten" die Rede ist, sehr oft voraussetzen müssen, daß sie zwar gotische Sprache gesprochen und Kultur gelebt haben, daß sie aber auch schon zur Hälfte mit der einheimischen Bevölkerung illyrischer Abstammung (die Genetiker sprechen von "eisenzeitlicher Balkan-Abstammung") vermischt haben können.

Abb. 3: Gottheiten der Goten im Nordschwarzmeer-Gebiet, alle ohne Waffen und in friedlichen Zusammenhängen dargestellt auf der goldenen Schale von Pietroasa (Wiki) (siehe Abb. 2) - Anklänge an skythische Hirtenkultur werden ebenso sichtbar wie die Bedeutung von Vögeln und Fischen; ein Zitherspieler ist dargestellt, zu seinen Füßen Pegasus (Baldur/Apollon) - Unter den 16 Figuren finden sich vier Frauen (zur genaueren Betrachtung vergrößern!)

20 n. Ztr. - Die Jazygen

Die neue archäogenetische Studie weckt ein ganz neues Interesse für die Geschichte der Goten, Hunnen und Sarmaten in den illyrischen Provinzen. Sie gibt Anlaß, sich die geschichtlichen Vorgänge zunächst der Jahrhunderte langen Reichsverteidigung gegen die "Barbaren" und schließlich dann der germanischen Völkerwanderung in diesem Raum etwas genauer anzuschauen. Auf Youtube finden sich überraschend viele Vorträge von Gelehrten zur Geschichte der Goten, insbesondere auf einer Tagung der Katholischen Akademie Bayern in München im Februar 2020 gehalten, die man sich hierzu gerne noch einmal anhören darf, weil man hier sehr kenntnisreiche Menschen reden hört (Beispiel: 3). Auch die Manuskripte dieser Vorträge liegen vor (3).

Mit Verweis auf diese Vorträge können wir uns hier auf das Referieren einiger wesentlicher Eckdaten beschränken. Die Geschichte dieses Raumes in dieser Zeit ist außerordentlich reich und für einige Geschichtsphasen und Regionen vergleichsweise gut durch römische Geschichtsschreiber und sonstige Quellen dokumentiert, für andere Geschichtsphasen und Regionen liegt sie dagegen sehr weitgehend im Dunkeln.

Der Sarmaten-Stamm der Jazygen (Wiki) weicht um 20 n. Ztr. vor den Goten aus. Diese hatten - nach der antiken Gotengeschichte (1) - die Völker in Pommern und Danzig vertrieben oder unterworfen und sich dasselbst angesiedelt, und waren von dort nach und nach über die Jahrzehnte und Jahrhunderte bis hinunter in die Ukraine gekommen, wo sie wiederum - die jeweils einheimischen Stämme unterworfen und/oder vertrieben haben. 

Die Willenberg-Kultur

Die zugehörige archäologische Kultur der Goten auf dem Gebiet des heutigen Polen und Rußland ist die Willenberg-Kultur (Wiki). Diese Kultur ist benannt nach einem gotischen Gräberfeld bei dem westpreußischen Dorf Willenberg (Wiki), das sechs Kilometer südlich der bis 1945 deutschen Stadt Marienburg an der Nogat liegt. 1874 sind dort 3.000 Gräber entdeckt worden. (Auf Polnisch wird dieses Dorf seit 1945 "Wilbark" genannt. In der englischsprachigen Forschungsliteratur ist deshalb von der "Wilbark-Culture" die Rede. Da die Einwohnerschaft der Stadt Marienburg in Westpreußen im Jahr 1905 zu 97 % aus Deutschen bestand [Wiki], wird dies in ähnlicher Weise auch gelten für das sechs Kilometer entfernte Dorf Willenberg, das der Landgemeinde von Marienburg zugehörte. )

Schon im Mai 2019 war zu dieser Kultur eine archäogenetische Studie erschienen (17). Ihr Ergebnis ist (Wiki), daß die Goten dieser Kultur genetisch eine Mischbevölkerung darstellten, wobei der skandinavische Herkunftsanteil vornehmlich über die Männer nach Rußland gelangt war und der Herkunftsanteil (einheimischer) osteuropäischer Bauern vornehmlich über die Frauen in die Träger der gotischen Kultur hineingekommen ist (Wiki):

... daß die Willenberg-Kultur gemischter Herkunft war, wobei die Männer vornehmlich von eisenzeitlichen populationen in Skandinavien abstammten und die Frauen vornehmlich von örtlichen Bauernpopulatione des östlichen Europa. ....
"In a 2019 genetic study published in Scientific Reports and conducted on individuals identified with the Wielbark culture and the Goths, it appeared that people of the Wielbark culture were of mixed origin, with its male component largely traced to Iron Age populations of Scandinavia and its female component largely traced to local farming populations of Eastern Europe. These results seem consistent with the historical narrative of a southern Scandinavian origin of the Goths."

Die genannten Jazygen siedeln - mit römischer Befürwortung - in der ungarischen Tiefebene. Die Römer erhoffen sich in den sarmatischen Reiterkriegern Verbündeten gegen das kriegerische Grenzvolk der Daker zu gewinnen.

Der in einem freundlichen Verhältnis zu den Römern stehende Quaden-König Vannius wurde König auch der Jazygen. Es entwickelten sich gute Beziehungen zwischen den Quaden und den Jazygen. Jahrhunderte lang sollten diese halten. Womöglich waren es gerade diese freundschaftlichen Beziehungen, über die so viele östliche Kulturelemente (Odins-Glaube?, skythischer Tierstil?, Spangenhelm? etc. pp.) in die westliche, germanische Welt Eingang gefunden haben. Denn die Quaden hinwiederum unterhielten ja auch gute Beziehungen zu Markomannen und Hermunduren im Norden. Immerhin waren es ja die Quaden und ihr König Marbod erst kurz zuvor gewesen, die die Grundlagen für den Sieg des Arminius bei Kalkriese gelegt hatten (4).

Auch Sauromaten wurden die Jazygen genannt. Plinius nennt sie "Serboi". Zu den Ursprüngen des Volksnamen der Serben gibt es viele Theorien, eine stützt sich auf diesen Umstand. Wenig später teilte sich dann in der heutigen Ukraine das Volk der Goten, nämlich in Ost- und Westgoten. 

180 n. Ztr. - Goten in Pommern - Markomannen in Südmähren

Daß es um das Jahr 180 n. Ztr. herum gute Verbindungen gab zwischen immer noch in Pommern an der Ostseeküste lebenden Goten einerseits gab und andererseits mit Markomannen und Jazygen, die im Donauraum lebten, wird durch die Funde von sehr ähnlichen Bronzekesseln belegt. 

Abb. 3a: Markomannischer Bronzekessel aus Muschau in Südmähren, um 180 n. Ztr. (Wiki)

Im Jahr 1988 wurde in Muschau in Südmähren ("Mušov") (Wiki) nahe eines dortigen römischen Militärlagers aus der Zeit der Markomannenkriege (166 bis 180 n. Ztr.) (Wiki) ein germanisches Königsgrab von Seiten eines - vermutlich - römerfreundlichen Germanenfürsten entdeckt (Wiki). Es könnte sich um das Grab des schriftlich bezeugten Markomannenkönigs Ballomar handeln. Das Grab enthielt einen Bronzekessel, dessen Henkel mit Köpfen von Germanen geschmückt waren, die den sogenannten "Suebenknoten" (Wiki) als Haartracht trugen.

Abb. 3b: Gotischer Bronzekessel aus Lauenburg in Pommern, um 180 n. Ztr. (H. Genreith)

Im Jahr 2000 wurde von Seiten des Archäologischen Museums Danzig in Scharnhorst bei Lauenburg in Pommern ein dem erstgenannten Bronzekessel sehr ähnlicher gefunden (18, 19). Er wurde innerhalb eines Gräberfeldes der Willenberg-Kultur gefunden, das zwischen dem 2. Jahrhundert v. Ztr. bis Anfang des 3. Jahrhunderts n. Ztr. genutzt worden war. Während nun der südmährische Bronzekessel dem suebischen Kulturkreis zugerechnet wird, wird der Lauenburger Bronzekessel dem gotischen Kulturkreis zugerechnet. 

Möchte man nicht doch von diesen "Eingedarstellungen" der Germanen ableiten, daß es damals ein "gemeingermanisches" Bewußtsein gegeben hat, das Bewußtsein einer allgemein ähnlichen sprachlichen und kulturellen Identität, zusätzlich betont durch den Suebenknoten? Aber dieser Gedanke nur nebenbei.

249 - Kaiser Decius gegen Ostrogotha und Kniva

Die Westgoten breiteten sich - im Gefolge der Jazygen - bis zur Donau aus (Wiki):

238 brach der sogenannte „Gotensturm“ los: Die Goten begannen erste Angriffe auf römisches Gebiet und eroberten die südlich der Donau gelegene Stadt Histros, während die Karpen in die Provinz Moesia inferior (Niedermösien) einfielen.

Der Völkername Karpen steht in Bezug zu den Karpaten und dürfte einen Unterstamm der Daker darstellen. Sie haben sich oft mit unterschiedlichen germanischen Stämmen gegen die Römer verbündet (Wiki):

An der Donau bedrohten unter anderem die Goten und Sarmaten den römischen Balkanraum. In den 250er und 260er Jahren unternahmen Goten, Heruler und Boraner Plünderungszüge bis nach Griechenland und (per Schiff) in das nördliche Kleinasien.

Einer der Befehlshaber der römischen Verteidigungsmaßnahmen in Griechenland gegen die Goten war der oben schon erwähnte Dexippus von Athen (210-275) (Wiki). Er war ein bedeutender Geschichtsschreiber, allerdings sind nur wenige Fragmente seiner Werke erhalten. 2007/2009 wurden in Wien neue, aufsehenerregende Fragmente seines Werkes "Scythia" ("Gotenkriege") entdeckt (3). Die Entdeckerin war die slowakische Philologin Jana Grusková (Uni Bratislawa). Diese Fragmente werden gerade nach und nach veröffentlicht und erforscht (5-10). Eine zusammenfassende Veröffentlichung in Buchform steht noch aus. Das Werk ist auf Griechisch verfaßt (5):

2007 bis 2009, während eines Forschungsprojektes der Österreichischen Akademie der Wissenschaften über griechische Palimpsesten der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien, entdeckte Jana Grusková Fragmente eines unbekannten antiken Textes auf acht Seiten eines mittelalterlichen (byzantinischen) Manuskriptes aus dem 11. Jahrhundert und identifizierte sie als herstammend wahrscheinlich von Dexippus' Scythia.

Der römische Kaiser Decius (190-251) (Wiki) stammte selbst aus der Provinz Pannonien. Auf Wikipedia ist schon der aktuelle, detailliertere Forschungsstand zu seinem Gotenkrieg eingearbeitet, der sich aus der Auswertung der Fragmente ergibt. Dort wird ausgeführt (Wiki):

Während seiner kurzen Regierungszeit war Decius vor allem mit wichtigen Militäroperationen gegen die Goten beschäftigt, die die Donaugrenze seit einiger Zeit bedrängten (...). Diese hatten nach dem Abzug der Truppen 249 die Donau überquert und die Provinzen Moesia und Thracia (Thrakien) überrannt. (...) Decius sammelte ein Heer und zog zusammen mit seinem Sohn und Mitkaiser Herennius persönlich gegen die Feinde (sein jüngerer Sohn Hostilian blieb in Rom). Die Goten wurden von Decius offenbar bei der Belagerung von Nikopolis an der Donau überrascht. Bei seiner Annäherung überquerten sie das Balkangebirge und griffen Philippopolis an. Decius folgte ihnen, aber eine schwere Niederlage bei Beroë, dem heutigen Stara Sagora, machte es ihm unmöglich, Philippopolis zu retten, das in die Hand der Goten fiel, die die Stadt mit verheerender Grausamkeit behandelten. Ihr Kommandeur Priscus erklärte sich selbst zum Kaiser unter gotischem Schutz. Ein neuer Pergamentfund (aus den sogenannten Scythica Vindobonensia und wohl aus dem Werk des Dexippos stammend) offenbart auch den Anführer dieser Goten, einen gotischen Heerführer namens Ostrogotha. Die Belagerung von Philippopolis hatte Anzahl und Kräfte der Goten aber dermaßen erschöpft, daß sie anboten, ihre Beute und ihre Gefangenen unter der Bedingung freien Abzugs auszuliefern. Aber Decius war es endlich gelungen, sie einzukesseln, und nun hoffte er, ihren Rückzug abzuschneiden und einen entscheidenden Sieg zu erringen. Er weigerte sich zu verhandeln. Das letzte Gefecht, in dem die Goten mit dem Mut der Verzweiflung kämpften, fand auf dem sumpfigen Boden der Dobrudscha bei Abrit(t)us (Schlacht von Abrittus) oder Forum Trebonii statt.  Jordanes (6. Jahrhundert) berichtet in seiner Gotengeschichte, daß Decius’ Sohn Herennius schon zu Beginn der Schlacht von einem Pfeil getötet wurde, und der Kaiser daraufhin ausrief: "Lasst uns niemanden betrauern; der Tod eines Soldaten ist kein großer Verlust für den Staat." (Jordanes, Getica 18,101) (...) Die römische Armee wurde in dieser Schlacht aufgrund taktischer Fehler vernichtet und Decius erschlagen.

Mit blutigen Kriegen betreten die Goten die Bühne der Geschichte. Philippopolis (Wiki) ist heute die zweitgrößte Stadt Bulgariens (Plowdiw). Hier wurde 1967 die Paläoontologin Madelaine Böhme geboren, die dort inmitten eines großen antiken Erbes aufwuchs (wie sie in Interviews berichtet). Philippopolis liegt in der Thrakischen Ebene, 250 Kilometer südlich von Nikopolis an der Donau (Wiki). Sie gehört heute ebenfalls zu Bulgarien (G-Maps). Philippopolis war 341 v. Ztr. von Philipp, dem Vater Alexanders des Großen, erobert und nach ihm benannt worden. Sie war zwischendurch aber immer wieder auch die Residenzstadt der thrakischen Könige. 72 v. Ztr. wurde sie von den Römern erobert und bildete die Hauptstadt der Provinz Thrakien. 116 n. Ztr. wurde hier ein Theater erbaut, das immer noch sehr gut erhalten ist, und in dem alljährlich Aufführungen stattfinden (Wiki).

Abb. 4: Der Gotenkrieg 250/51 (Wiki)

Zur gleichen Zeit waren die Goten in Griechenland selbst eingefallen (5):

Ein weiteres Fragment berichtet von Männern, die aus allen Teilen Griechenlands zum strategisch wichtigen Thermopylen-Paß strömen, um einen weiteren "Barbaren"-Angriff abzuwehren. In der Ansprache an die Truppen zieht ein römischer Beamter explizit Parallelen zur legendären Schlacht bei den Thermopylen um 480 vor Christus zwischen Griechen und Persern.  

Der Originaltext des diesbezüglichen Fragments ist bislang folgendermaßen rekonstruiert und lautet in Übersetzung:

… Thrakien und Makedonien. Und sie plünderten das gesamte dortige Gebiet und griffen darüber hinaus mit ihrer gesamten Streitmacht Thessalonike im Sturm an und versuchten so, die Stadt einzunehmen. Als aber die Verteidiger auf der Mauer sich mutig zur Wehr setzten, die Abteilungen durch ihre Vielzahl abwehrend, und nichts gemäß ihren Erwartungen [d. h. der Skythen] voranging, da heben sie die Belagerung auf. Und der Meinung der meisten folgend, zogen sie mit dem Heer nach Athen und nach Achaia, wegen des Rufs der goldenen und silbernen Weihegaben und der Prozessionsgeräte in den griechischen Heiligtümern; denn sie hatten gehört, daß die Gegend dort sehr reich sei. Als der Anmarsch der Skythen den Griechen gemeldet wurde, kamen sie  bei den Thermopylen zusammen und machten sich daran, sie bei den dortigen Engstellen am Durchmarsch zu hindern. Manche brachten Speere mit sich, andere Äxte, wieder andere erzbeschlagene und an der Spitze eisenbewehrte Spieße, und das, was ein jeder an Bewaffnung zur Verfügung hatte. Und als sie versammelt waren, setzten sie die Quermauer instand und kümmerten sich mit großem Eifer um die Bewachung. Die Gegend schien auch sonst die größte Sicherheit zu bieten, weil der Weg, der in den Teil Griechenlands innerhalb der Thermopylen führt, durch die Schwierigkeit des Geländes eng und unwegsam ist: Das Meer bei Euböa erstreckt sich nämlich sehr weit und macht damit das Gebiet nahe den Bergen wegen des Sumpfes ... für einen Einfall äußerst ungeeignet, und daran schließt sich das Oitagebirge an und macht so durch die Enge der Felsen die Gegend für Fußheer und Reiterei äußerst schwer zu durchqueren. Zu gewählten Führern des gesamten Krieges wurden von den Griechen erklärt: Marianos, der vom Kaiser zum Statthalter des innerhalb der Thermopylen liegenden Griechenlands ausgewählt worden war, und neben ihm Philostratos aus Athen, ein Mann von besonderen Rede- und Geistesgaben, und Dexippos, der zum fünften Mal die Arché bei den Böotern innehatte. Es schien das Günstigste zu sein, sie [d. h. die Griechen] durch eine Rede zu ermutigen und ihnen die Tapferkeit ihrer Vorfahren ins Gedächtnis zu rufen, damit sie den ganzen Krieg couragierter angingen und nicht in der Bewachung nachließen, sei es daß der feindliche Angriff auf die Mauer durch die versammelte Streitmacht, sei es daß er längere Zeit hindurch erfolge. Und als sie sich versammelt hatten, sprach Marianos, dem aufgrund seines Ranges das Privileg zu reden eingeräumt wurde, folgendermaßen: "Griechen! Der Beweggrund, aus dem ihr euch versammelt habt - unsere Rettung -, und die Gegend, in der ihr euch aufgestellt habt, sind beide in hohem Maße dazu angetan, die Erinnerung an vollbrachte Leistungen zu erwecken. Denn auch eure Vorfahren haben, wenn sie an diesem Ort kämpften, nie den Kampf um die Freiheit Griechenlands verloren. In den Perserkriegen haben sie sich nämlich auf das Beste geschlagen und im sogenannten Lamischen Krieg und auch dann wieder, als sie Antiochos, den Herrscher Asiens, in die Flucht schlugen, schon auf Seiten der damals herrschenden Römer. Gewissermaßen wie vom Schicksal, nach Willen irgendeiner Gottheit, war und ist den Griechen in diesem Ort in den Kämpfen gegen die Barbaren Glück zugewiesen und enden euere eigenen militärischen Unternehmungen hier schon seit langer Zeit in Erfolg. Zuversicht könnt ihr nun schöpfen einerseits aus eurer eigenen Heeresmacht, andererseits aus der natürlichen Befestigung des Geländes, durch die ihr euch den Gegnern auch bei den früheren Angriffen als Furcht erweckend erwiesen habt. Aus diesen Gründen ist meiner Ansicht nach auch die Zukunft keineswegs hoffnungslos, da ich gut weiß, daß ... zum besseren ..."

Es ist doch erstaunlich, wenn eine vom Text her so umfangreiche Quelle nach Jahrtausenden wieder zum Vorschein kommt. Trotz dieser Verteidigungsbemühungen konnten die Goten bis nach Athen vordringen (Wiki).

269 - Kaiser Claudius Gothicus besiegt die Goten bei Naissus

An der Mündung des Dnjestr hatten die Goten eine Schwarzmeerflotte erbaut, mit Hilfe derer sie Thessaloniki belagert hatten (Wiki).

Abb. 5: Goteneinfälle im oströmischen Reich im 3. Jahrhundert (Wiki)

Eigentlich in allen weiteren Jahrzehnten hielten die Goten und andere germanische Völker das byzantinische Reich in Atem. Immer wieder unternahmen sie Einfälle in das Reich, sowohl zu Lande wie zur See. Das mutet nicht anders an als die Einfälle der Wikinger im Frankenreich und in Britannien im 9., 10. und 11. Jahrhundert. 269 wurden die Goten bei Naissus von Kaiser Claudius Gothicus geschlagen (Wiki). Erst nach solchen Siegen des Kaisers Claudius Gothicus (268-270) zerfiel die große Allianz der germanischen Völker unter Kniva wieder.

290 - Dakien wird "Gotenland"

Um 290 siedeln die westgotischen Terwingen (Wiki) in der Provinz Dakien, nördlich der Unteren Donau, in einem Gebiet, das ab dieser Zeit - bis zum Hunnensturm 375 - also grob hundert Jahre lang "Gothia" genannt wurde, "Gotenland". Viele Goten traten hier zum arianischen Christentum über, das sich in dieser Zeit unter den germanischen Völker auszubreiten begann, unter anderem auch durch die versklavte Bevölkerung, die die Goten von ihren Kriegszügen innerhalb des byzantinischen Reiches mitbrachten. 

Dreißig Jahre später schon, 325, erhob der schon genannte Kaiser Konstantin (280-337) (Wiki), der aus Naissus stammte, die christliche Religion zur priveligierten Religion im Römischen Reich. 332 war er es auch, der die Goten in einer Schlacht besiegte und mit ihnen einen Vertrag abschloß.

370 - "Arm und unkriegerisch" - Die ersten Christen bei den Goten

Noch einmal 40 Jahre und eine Generation später lebte der Gotenbischof Wulfila (311-383) (Wiki). Er hatte - sicherlich typisch für die damaligen Verhältnisse - einen gotischen Vater und auch nichtgotische Vorfahren, die aus Kapadokien in der zentralen Türkei stammten und die 257 von den Goten verschleppt worden waren. Dieser Umstand paßt auch sehr gut zu der Genetik, die in Viminatium gefunden wurde (2). Dort allerdings ging in jener Zeit der kaiserzeitlich-anatolische genetische Anteil zurück und verschwand in den folgenden Jahrhunderten (siehe unten). Seinen Zeitgenossen galt Wulfila als Gote. Er war als Missionsbischof an der Unteren Donau tätig, lebte wohl vor allem in Nikopolis an der Donau und sollte dort die Goten zum Christentum bekehren. Zu diesem Zweck übersetzte er die Bibel ins Gotische, es entstand die berühmte Wulfilabibel. Dazu formte er die germanische Runenschrift, das Futhark zu einer flüssigeren Schrift um.

Von den heidnischen Goten wurde Wulfila aber vertrieben. Sie wollten, daß ihre - in den Augen von Jacob Grimm: herrliche - Sprache in jenen heidnischen Zusammenhängen gesprochen wurde, in denen sie entstanden war, nicht in christlichen. Wulfila fand Aufnahme in der Provinz Mösien (in Nordbulgarien). Er und seine mit ihm vertriebenen "Kleingoten" wurden bei Nikopolis angesiedelt. Jordanes schreibt in seiner Gotengeschichte über sie (3):

„Es gab auch noch andere Goten, die sogenannten Kleingoten, ein unzähliges Volk. Ihr Priester und oberster Bischof war Wulfila, der ihnen auch die Buchstaben erfunden haben soll. Heutzutage bewohnen sie in Mösien die Gegend von Nikopolis am Fuß des Emimontus, ein zahlreiches, aber armes und unkriegerisches Volk, das an nichts reicher ist als an Herden aller Art, an Triften für das Vieh und Holz im Wald; das Land hat wenig Weizen, ist aber reich an anderen Fruchtarten. Von Weinpflanzungen aber wissen sie nicht einmal, daß es anderswo solche gibt, und sie kaufen sich den Wein aus der Nachbarschaft. Meist aber trinken sie Milch.“

Womöglich waren es also auch bei den Goten zunächst vor allem Unterschichten, die sich vom Christentum angesprochen fühlten. Aber auch diese bauen wenig Getreide an und leben vornehmlich von der Viehzucht. - Im übrigen versuchte Wulfila auf Bischofssynoden, dem bei den germanischen Völkern üblichen arianischen Christentum gegenüber dem bei den Römern vorherrschenden katholischen Christentum Freiräume zu erhalten. Er starb schließlich in Konstantinopel. Interessant ist auch folgende Aussage (3):

Philostorgios berichtet, Wulfila habe bewußt die alttestamentarischen Bücher der Könige nicht übersetzt, da die Goten ohnehin kriegerisch seien und in dieser Hinsicht keines weiteren Zuspruchs bedürften.

367 begann Kaiser Valens von Konstantinopel aus einen Krieg gegen die Goten in Dakien, weil diese einen Usurpator auf dem Kaiserthron mit Truppen unterstützt hatten. Im Stammesrat wählten die Goten Athanarich (gest. 381) (Wiki) zu ihrem König. Er wich den in Dakien eindringenden Römern aus, die das Land verwüsteten, bevor sie wieder abzogen.

Große Überschwemmungen brachten die Goten 368 in große Not, weshalb sie zu Verhandlungen mit den Römern bereit waren. Athanarich traf sich mit Kaiser Valens dazu auf einem Boot in der Mitte der Donau.

372 bis 376 kam es zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen bei den Goten, weil sich Athanarich gegen das Christentum stellte, ein Gegenkönig Fridigern sich aber für dasselbe erklärte und Unterstützung bei Kaiser Valens fand. 

Die Hunnen (Wiki) haben 374 die Wolga überschritten und zwischen Wolga und Kaukasus das dortige Reich der Alanen zerschlagen. 375 zerschlugen sie das Reich der Goten (Greutungen) unter König Ermanarich in der heutigen Ukraine. Ermanarich beging infolge dessen Selbstmord. Viele Greutungen flohen vor den Hunnen nach Westen.

Zwischen Dnjestr und Sereth lebten damals die Westgoten, deren Verbreitungsgebiet sich bis nach Dakien im Balkan erstreckte.

376 bis 382 - Ein erneuter Gotenkrieg

376 begann Athanarich mit Verteidigungsmaßnahmen gegen die Hunnen im Osten. Die Hunnen besiegten Athanarich in einer Schlacht zwischen Sereth und Pruth. Den Christen im Volk der Goten, sowie jenen, die sich aus diesem Anlaß taufen ließen, gelang es, bei Kaiser Valens den Übergang über die Donau zu erreichen, um sich in den Schutz des Römischen Reiches zu begeben. 200.000 Menschen wurden von der römischen Donauflotte über die Donau gesetzt. 

Athanarich hingegen floh mit seinen Getreuen in ein von den Geschichtsschreibern "Caucaland" (Wiki) genanntes Gebiet, das von den meisten Forschern mit Höhenlagen der Karpaten identifiziert wird. Zumindest die ältere Forschung hatte mehrheitlich angenommen, daß der Schatz von Pietroasa bei dieser Gelegenheit auf Befehl des Athanarich in die Erde gelangt ist (Wiki). Da Athanarich wenige Jahre später in Konstantinopel gestorben und begraben worden ist (siehe gleich), hatte der Schatz womöglich leicht in Vergessenheit geraten können.

376 stehen also die Hunnen am linken Ufer der Donau, überschreiten diese aber nicht und machen sich den Römern gegenüber kaum bemerkbar. Bei den Hunnen kam es immer wieder auch zu inneren Streitigkeiten. Am ehesten noch wurden Hunnen von den Römern dann als Hilfstruppen angestellt. Ihr Herrschaftszentrum befand sich in der ungarischen Tiefebene, in der Nähe der Donau, womöglich nahe des heutigen Budapest, des antiken Aquincum (Wiki).

378 werden die Römer dann in der Schlacht von Adrianopel (Wiki) im Nordwesten der Türkei von den Goten vernichtend geschlagen, nachdem es kurz zuvor noch Friedensverhandlungen hatte geben sollen, die aber von übereifrigen römischen Soldaten unterlaufen wurden, indem diese angriffen. Kaiser Valens fand den Tod. Es handelte sich bei dieser Schlacht nach Einschätzung der Geschichtsschreibung um den größten germanischen Sieg über Römer seit Kalkriese im Jahre 9 n. Ztr..

Athanarich wurde 380 aus Caucaland vertrieben und suchte ebenfalls Schutz hinter der Donau. 381 wurde er vom Kaiser ehrenvoll in Konstantinopel empfangen, wo er zehn Tage später überraschend starb und ein Staatsbegräbnis erhielt.

Kaiser Theodosius und Gratian trafen sich 382 in Viminatium. Dort war auch die römische Donauflotte stationiert. Im gleichen Jahr erhielten die Terwingen einen Föderatenvertrag, mit dem der "Gotenkrieg" (Wiki) beendet wurde, und wodurch die Westgoten zu Unterstützern des oströmischen Kaisertums wurden. 

Vielleicht ist während dieser Kriege der im Stil üppige, ja schwülstige Goldschatz von Pietroasa der Goten im heutigen Rumänien (Wiki) auf der nördlichen Donau-Seite versteckt worden und zurück geblieben. Vielleicht stammte er von König Athanarich. Es scheint aber noch ungeklärt zu sein, ob dieser Schatz nicht doch eher aus der Mite des 5. statt aus der Mitte des 4. Jahrhunderts stammt. Sollte letzteres der Fall sein, wären noch andere Zusammenhänge zu unterstellen, in denen dieser Schatz versteckt worden ist. Es wäre dann im Zeitalter von Atilla und Odoaker gewesen oder aus der Zeit der drei Brüder, die die dortigen Goten beherrschten (Valamir, Thiudimir und Vidimir, darunter der Vater Theoderichs).

Abb. 6: Als Adler geformte Fibel, Trinkschale (Wiki) - Weitere Teile des Goldschatzes von Pietroasa, vermutlich aus der Zeit um 350 oder 450 n. Ztr. - "Das Motiv des Adlers wurde von den Ostgoten aus der skytho-sarmatischen Kunst übernommen, es geht auf reiternomadische Vorstellungen vom Adler  als höchster Gottheit zurück." (Thü. Land.mus.) - So großer Fibel-Schmuck wurde von Männern und Frauen durchaus auch an der Schulter getragen, etwa auch von Justinian I. (Wiki) (siehe auch: a, b)

395 begannen die bisher immer sehr erfolgreich verteidigten Grenzen des römischen Reiches infolge des vielfachen Einfalls fast aller germanischer Völker und auch der Hunnen auf den Limes zu bröckeln. In dieser Zeit nutzten die Römer neben germanischen auch hunnische Hilfsvölker, um andere Germanenstämme oder um Hunnen abzuwehren.

425 bis 454 - Flavius Aëtius inmitten tobender Kämpfe

Einer der letzten bedeutenden Vertreter der römischen Balkan-Provinzen war in dieser Zeit der römische Heermeister Flavius Aëtius (390-454) (Wiki). Mütterlicherseits stammte er aus adliger italischer Familie. Auch schon sein Vater war weströmischer Heermeister gewesen. Als solcher war er von Soldaten in Gallien erschlagen worden. Wüste Zeiten, in denen Aëtius aufgewachsen ist - und kein gutes Omen!

Aëtius hat einen Teil seiner Jugend als Geisel bei den Westgoten verbracht. Dies geschah wohl in den Jahren zwischen 405 bis 408 als die Goten in Thrakien lebten und bis nach Norditalien eindrangen, wo sie hinwiederum geschlagen wurden. Später hat er Jahre als Geisel bei den Hunnen verbracht, wahrscheinlich die Jahre 411 bis 414. Er konnte also schon in früher Jugend viele Erfahrungen sammeln.

Flavius Aëtius ist in dieser Zeit insbesondere ein Freund des Hunnenkönigs Ruga (gest. 434) (Wiki) geworden, des Onkels und Vorgängers von König Attila. Ruga hatte sich durch Kriegszüge in Thrakien Tributleistungen des Kaiserhofes in Konstantinopel erzwungen. 

War in dieser Zeit aufgrund irgendwelcher Umstände der Goldschatz von Pietroasa vergraben worden? Pietroasa liegt 250 Kilometer nordöstlich von Belgrad auf halbem Wege von Belgrad an der Donau nach Siebenbürgen. Es liegt grob auch auf dem Weg von Wien nach dem damaligen Konstantinopel (heute Istanbul) (1.600 Kilometer), und zwar nach einem Drittel des Weges (G-Maps). Bei seiner Entdeckung im Jahr 1837 bestand er aus etwa 22 Gegenständen. Nur 12 Gegenstände - in einem Gesamtgewicht von 19 Kilogramm - konnten von den damaligen Behörden noch sichergestellt werden konnten, der Rest war schon an Hehler verkauft worden. In dem Schatz befanden sich insgesamt vier Gold-Fibeln, darunter drei Adler-Fibeln (s. Abb. 5) (Wiki):

Aus der Beschreibung, die die Endecker von den gefundenen Objekten gaben, ergab sich, daß ein weiteres Paar verloren gegangen war. (...) Als Befestigung der bestickten Gewänder von Königen oder Stammesfürsten wurden sie als Beiwerk zu großen Feierlichkeiten getragen, wo sie durch ihre majestätische Erscheinung den Luxus erhöhten. (...) Bei den zehn verlorenen Gegenständen soll es sich um vier Halsketten gehandelt haben, von denen zwei aus Edelsteinen bestanden, eine mit einer Inschrift, eine kleine Brosche, die paarweise zu der erhaltenen paßte, ein Kelch ähnlich einem Weinkelch, ein einfacher schmuckloser Topf und zwei Armreifen mit Edelsteinen.

Zu gleicher Zeit war der Bruder des Hunnenkönigs Rua, Oktar, gegen die damals mächtigen Burgunder bei Worms in den Krieg gezogen.

Aëtius heiratete dann die Tochter eines anderen weströmischen Heermeisters. Um zu einem Bündnis mit den Hunnen zu gelangen, hat Aëtius ihnen die Provinz Pannonien abgetreten. 425 zog er dann in innerrömischen Streitigkeiten mit einem starken hunnischen Heer nach Italien. In Gallien kämpfte Aëtius gegen die Westgoten und die Franken.

430 - Macht und Untergang der Burgunder

430 besiegten dann die Burgunder, deren Reichszentrum in Worms lag, die Hunnen. Die Hunnen waren durch den Tod von Oktar führerlos geworden. 

Die Freundschaft des Aëtius zu Ruga verschaffte Aëtius Ansehen bei einem Teil der hunnischen Völkerschaften über den Tod des Ruga hinaus. Und dieses Ansehen wurde dann zu einem stabilen Faktor in seinem Leben in den Wirren der Völkerwanderung.

Mit Hilfe hunnischer Hilfstruppen konnte Aëtius 436 das Burgunderreich in Worms vernichten. Diese Vorgänge bildeten den Ausgangspunkt der Nibelungensage, die aber in der Sage mit "eindrucksvollen" Personen verbunden worden sind, die dann erst eine Generation später lebten. So übrigens arbeitet die Erinnerung auch in Bezug auf Erlebnisse im persönlichen Leben. Nämlich daß Erlebnisse, die erst durch nachfolgendes Geschehen als besonders "eindrucksvoll" bewertet werden, vermengt werden mit jenen nachfolgenden Ereignissen (weil sie so "eindrucksvoll" sind), obwohl sie eigentlich schon zuvor geschehen waren. (Dies hat der Verfasser dieser Zeilen selbst erlebt beim Lesen von Tagebuch-Einträgen aus seiner Jugendzeit über Erlebnisse, die auf mehrere Jahre verteilt waren, obwohl sie in der Erinnerung auf ein Ereignis zusammen gezogen worden waren.) 

Zur Zeit des Untergangs des Burgunderreiches bei Worms spielte König Atilla - historisch gesehen - noch gar keine Rolle. In der Sage scheint also Ruga mit Atilla verwechselt worden zu sein. Und das Ende der Burgunder wird an den Hof des Königs Atilla verlegt, obwohl es in ihrem eigenen Land stattfand. Von einem "freundschaftlichen" Zug der Burgunder an den Hof des Hunnenkönigs die Donau hinab wissen die römischen Geschichtsschreiber nichts. Er ist aber schließlich dennoch denkbar für irgendeinen Zeitpunkt. Allerdings lebte auch der Gotenkönig Theoderich, der "Dietrich von Bern" der Sage, eine Generation nach dem Untergang der Burgunder, möglicherweise sicherlich auch zeitweise am Hof des Hunnenkönigs. Vielleicht wird auch diese Gestalt mit einem Goten verwechselt, der eine Generation vor Theoderich lebte. Es wäre vielleicht einmal sehr spannend, die heutigen Ergebnisse der Forschungen darüber wie menschliche Erinnerung arbeitet, an einer Erklärung der Entstehung dieser Sagen zu erproben. (Oder vielleicht ist das schon irgendwo geschehen?)

Aëtius war dann jedenfalls auch verantwortlich für die Ansiedlung der übriggebliebenen Burgunder im Rhonetal, wo sie ab 443 als Puffer gegen die Alemannen und Westgoten dienen sollten. Davon weiß dann die Sage hinwiederum gar nichts mehr.

... Und noch mal zurück zur Archäogenetik

Die Angehörigen all dieser germanischen Stammesverbände, die sich vor, aber insbesondere während und nach den Gotenkriegen, in dem Land rechts der Donau angesiedelt haben, werden in der neuen archäogenetischen Studie folgendermaßen charakterisiert (2):

Wir stellen beginnend ab dem 4. Jahrhundert eine neue genetische Herkunftskomponente fest in Mediana, auf dem Slog-Gräberfeld von Timacum Minus, sowie in Viminacium ... Eine Gruppierung von 10 Individuen von diesen drei Gräberfeldern sind in der Hauptkomponenten-Analyse von der eisenzeitlichen Balkan-Genetik (Kelten) verschoben in Richtung antiker mittel-nord-europäischer Genetik und in Richtung der Genetik heutiger dortiger Populationen. ... Diese Gruppe leitet sich aus zwei Haupt-Ursprüngen ab: Etwa 38 % einheimische eisenzeitliche Balkan-Genetik (...) und 50 % mittel-nord-europäische Genetik (ähnlich einem zeitgleichen langobardischen Gräberfeld in Ungarn). ... Ein beträchtlicher Herkunftsanteil (etwa 14 %) leitet sich von zeitgleichen nomadischen Steppengruppen her (Späte Sarmaten der östlichen pontisch-kaspischen Steppe) ab ... Zwei Individuen von dem Pecine-Gräberfeld bei Viminacium trugen 43 % eisenzeitliche Balkangeetik und 57 % Späte Sarmatische Genetik in sich. .... 5 von 7 Männern besaßen mittelnordeuropäische und Steppen-Y-Chromosmen, die es auf dem Balkan zuvor nicht gegeben hatte ....
We also observe new ancestry during this period at Mediana, Slog necropolis at Timacum Minus and Viminacium (mostly at Pecine and Vise Grobalja necropoli), as early as the 4th century CE. A cluster of 10 individuals from these necropoli is shifted in PCA from the Balkans Iron Age-related cluster toward Central/Northern European ancient and present-day populations (Figure 1B). This group which we refer to as Central/Northern European cluster, could be modeled as deriving from two main sources: ∼38% related to the local Balkans Iron Age substratum (we use the Balkans Iron Age-related cluster as a proxy for this type of ancestry) and 50% Central/Northern European ancestry (we use as a proxy individuals from a roughly contemporaneous Langobard-associated cemetery in Hungary 25). To obtain a fitting model, a significant proportion of ancestry (∼14%) related to contemporaneous nomadic steppe groups (proxied in our analysis by Late Sarmatians from the Eastern Pontic-Caspian steppe 26) is also needed (Figure 2; Supplementary section 12.6). This is even more evident in two individuals from the Pecine necropolis in Viminacium (referred to as Steppe cluster), who could be modelled as deriving ∼43% of ancestry from the Balkans Iron Age-related cluster and 57% ancestry from Late Sarmatian-related Steppe groups (Figure 2; Supplementary section 12.7). Y-chromosome lineages also provide evidence for gene-flow, as 5 of 7 males in the Central/Northern European and Steppe cluster belonged to two lineages not found in the Balkans earlier: haplogroup I1 with a strong Northern European distribution and haplogroup R1a-Z645, common in the Steppe during the Iron Age and early 1st millennium CE.

Nun ist die Anwesenheit von Germanen südlich der Donau ab dem 4. Jahrhundert, insbesondere ab 376 also auch von Seiten der Archäogenetik festzustellen, und zwar gleich auch mit einem vergleichsweise einheitlichen genetischen Bild, das sich über mehr als 200 Kilometer von der Donau aus nach Süden bis Naissus zieht. Nur die 57 % sarmatische Genetik fällt da etwas heraus. Aus ihnen kann abgelesen werden, daß hier Sarmaten gesiedelt haben, die erst vergleichsweise spät sich mit lokaler Bevölkerung vermischt hat, aufgrund welcher Umstände auch immer. 

Immerhin konnten die Sarmaten, die von Schnurkeramiker-Populationen aus der Gegend südlich des Ural abstammten, wo sie lange vergleichsweise "zurückgezogen" gelebt hatten, die sich dann aber mit und nach dem Untergang der Skythen weit verbreiteten, zwischen nördlichem China und Britannien, immerhin mußten diese, wenn sie ihre kulturelle und sprachliche Identität als vergleichsweise kleine kriegerische Gruppen über so weite, kulturell unterschiedliche Räume hinweg erhalten haben wollten bis ins 4. Jahrhundert, über lange Zeiträume hinweg auch endogam gelebt haben.

Wie wir gesehen haben, sind die Goten schon um 0 v/n. Ztr. auf die sarmatischen Stammesverbände nördlich des Schwarzen Meeres gestoßen. Sie haben sie verdrängt, mit ihnen Bündnisse geschlossen und es hat - wie hier die Genetik ebenfalls zeigt - offenbar schon recht bald Heiraten mit den Sarmaten gegeben. Im weiteren Verlauf haben sich Goten und Sarmaten zu beiden Seiten der Donau mit der dort einheimischen ländlichen Bevölkerung vermischt, nicht aber mit der städtischen, die genetisch anatolischer Herkunft war, und deren Genetik sich in dieser Zeit allmählich im Balkanraum "verliert" (2). Vermutlich, so die Studie (2), weil die Menschen in den ländlichen Regionen viel mehr Kinder hatten als die verbliebenen Menschen in den - verarmten - Römerstädten (die ja dann auch allmählich zumindest zum Teil zu Ruinen-Landschaften herabsanken).

Noch zur Zeit der Gotenkriege in Italien treten die Goten als "Wächter" der befestigten Römerstädte auf, sie lebten also mit ihren Familien in den Städten selbst. Unter den römischen Mitbürgern gibt es welche, die eher zu den Goten halten und solche, die eher dem Kaiser in Konstantinopel die Treue halten. Solche Verhältnisse wird man auch für die Provinz Mösien unterstellen können, auch schon ein Jahrhundert zuvor, wo man die Gene der Goten auf den Gräberfeldern der Städte findet.

441 - Der Hunnenkönig Attila

441 wurde Viminacium vom Hunnenkönig Attila (gest. 453) (Wiki) zerstört. Nachdem Attila die oströmischen Provinzen ausgeplündert hatte und die Hunnen den Bosporus nicht hatten überschreiten können, wandten sie sich gegen Westen. 

451 zog Attila nach Gallien.

Dort kam es im gleichen Jahr zur berühmten Schlacht auf den Katalaunischen Feldern. 

453 starb Attila. Das Hunnenreich brach auseinander.

454 wurde Aëtius eigenhändig von Kaiser Valentinian in Rom - während einer Audienz - erschlagen. Aëtius, so wird berichtet, rechnete dem Kaiser die Steuereinnahmen und die Finanzlage vor. Solche Ereignisse könnten es natürlich auch gewesen sein, die in die deutschen Sagen eingeflossen sind. Schließlich wurden diese von den Germanenstämmen oft sehr nah miterlebt.

Ein Jahr später wurde dann auch Valentinian seinerseits durch Anhänger des Aëtius erschlagen.

Abb. 7: Theoderich im Feldherrnmantel mit langem, gotisch getragenen Haar, Oberlippenbart, seine rechte Hand zur Ansprache erhoben. In der linken Hand ist die Siegesgöttin (Victoria) auf einem Globus zu sehen. Die Aufschrift lautet: Rex Theodericus Pius Princ(eps) i(nvictu)s (Medaillon, gefunden in Morro d’Alba (Wiki), an der Ostküste Italiens, nahe Ancona

454 - Die Brüder Valamir, Thiudimir und Vidimir in Pannonien

Wie stand es nun zu dieser Zeit um die Goten? Die Althistorikerin Verena Epp gibt in ihrem im Februar 2020 in München gehaltenen Vortrag einen sehr gedrängten, aber aufregenden Überblick über die Geschichte der Goten zu dieser Zeit. Was für ein vielfältiges Geschehen (16; 8'39 bis 23'55):

Bedroht vom Hunnenzug nach Westen hatten die Goten Ende des 4. Jahrhunderts nur die Wahl, sich dem Imperium Romanum oder dem Reitervolk zu unterwerfen. Aus der Gruppe, die sich für das Imperium entschied, entstanden die Goten Alarichs und aus diesen die Westgoten. Aus den Goten unter hunnischer Oberhoheit entstanden die Goten Valamirs und seiner beiden Brüder, Thiudimir und Vidimir, aus deren jahrzehntelangen Rivalitäten um die Führung der gesamten gens schließlich die Gruppe um Theoderich, des Sohnes von Thiudimir, letztlich zufällig als Sieger hervorging.

So faßt Verena Epp die Vorgänge einleitend zusammen. Sie berichtet weiter (16):

Nach dem Fehlschlag ihres Gallien-Feldzuges und dem plötzlichen Tod König Attilas 453 ließ die Macht der Hunnen auf dem Balkan nach, so daß verschiedene gentile Gruppen es 454 wagten, um ihre Unabhängigkeit zu kämpfen. Am Fluß Nedao in Pannonien kam es zur Schlacht, in der ostgotische Gruppen auf Seiten der Unterlegenen kämpften. Sie mußten Zuflucht im  Imperium Romanum suchen, und das heißt bei Ostrom, denn Ravenna hatte sich seit der Mitte des 5. Jh. aus diesem Gebiet zurückgezogen. Kaiser Markian gestattete König Valamir die Ansiedlung seiner Gruppe in Pannonien als römische Föderaten. Sie erhielten die pannonischen Provinzen zwischen Sirmium und Vindobona und waren für die Bewachung der Grenze zwischen ost- und  weströmischem Machtbereich zuständig - eine heikle Aufgabe, bei der man leicht zwischen die Fronten geraten konnte.
Die Goten siedelten entsprechend ihrer gentilen Dreigliederung in drei Bereichen: im Westen siedelte Thiudimir, in der Mitte der jüngste Bruder Vidimir, im Osten Valamir als der tatkräftigste, der den am meisten bedrohten Grenzabschnitt überwachte. Insgesamt dürften die drei über etwa 18.000 Krieger verfügt haben. (...)
Während der westliche Reichsfeldherr Rikimer die gens aus Noricum zu verdrängen suchte, verfolgte Konstantinopel die Strategie, sich mit den außerhalb des Imperiums siedelnden Föderaten gegen die Goten zu verbünden. Eine unübersichtliche und stets prekäre politische Gemengelage war die Folge, in  der ethnisch heterogene Gefolgschaftsgruppen einzelner gentiler Fürsten vom Ostkaiser phasenweise gegen Zahlungen in Dienst genommen und anschließend wieder bekriegt wurden. 
Als Reaktion auf diesen Wankelmut unterstrichen die gotischen Föderaten ihre Forderungen nach Subsidien 460 mit Raubzügen nach Ostillyrien. Unter  diesem Druck schloß Kaiser Leo I. umgehend mit dem Amalerkönig Valamir ein Bündnis, welches mit der Vergeiselung seines Neffen Theoderich, des späteren Großen, bekräftigt wurde, der in  der Folge zehn prägende Jahre in der politischen und kulturellen Weltmetropole Konstantinopel verbrachte. Im Gegenzug halfen die gotischen Föderaten  dem Ostreich sogar im Jahr 469, den Sohn Attilas, Dengizich, zu besiegen und zu töten. (...)
Kaiser Leo I. schickte 471 die inzwischen 18jährige Vertragsgeisel Theoderich an die gens zurück. Dieser übernahm das Gebiet seines inzwischen gefallenen Onkels Valamir, während sein Vater Thiudimir König aller pannonischen Goten wurde. Der Sohn jedoch profilierte sich in der Folge, ohne den Vater einzuweihen, durch eigene Kriegszüge gegen die Sarmaten, er eroberte Singidunum, das heutige Belgrad, ohne es an Konstantinopel zurückzugeben (...). Damit  brachte sich Theoderich als potentieller  Kandidat für das Königtum der gesamten gens ins Spiel. Von diesem Zeitpunkt an datierte er später auch den  Beginn seiner eigenständigen Königsherrschaft, so bei der Feier der Tricennalien im Jahr 500.

Außerordentlich verrückt und kennzeichnend das weitere Geschehen (16):

Jordanes berichtet, daß die Goten Theoderichs (...) aus Mangel an Beutemöglichkeiten in ihrem Umfeld und aus Friedensmüdigkeit („hominibus, quibus dudum bella alimonia prestitissent, pax coepit esse contraria“) Thiudimir „cum magno clamore“ aufgesucht und gefordert hätten, er möge sie wohin auch immer in den Krieg führen

So nahmen dann Thiudimir und sein Sohn Naissus und Stobi ein und marschierten ins Illyricum, wo sie Heraclea und Larissa plünderten. 474 starb Theoderichs Vater. Als gotischer Heerführer wurde von Seiten des Kaisers in Konstantinopel Strabon gefördert, der in Konkurrenz zu Theoderich trat. Als sie aber nicht - wie erwünscht - Krieg miteinander führten, rief der Kaiser die Bulgaren gegen die Goten ins Land. Strabon (16) ...

... schlug sie zurück und marschierte Richtung Konstantinopel. Strabon war kurz vor dem Ziel, alleiniger  Gotenkönig zu werden - wenn nicht, ja wenn nicht 481 ein Reitunfall sein Leben jäh beendet hätte. Er wurde von einem noch nicht zugerittenen Pferd aus dem Sattel geschleudert und stürzte im Fallen so unglücklich auf eine Lanzenspitze, daß er kurz darauf seinen Verletzungen erlag.
Theoderich und die zunächst in Pannonien und dann in Mösien siedelnden Goten waren die Gewinner dieses Unglücks. Der überlebende Theoderich band die Gefolgsleute seines toten Gegners an sich und ermordete höchst selbst den Sohn seines Rivalen, Rekitach, und zwar mit Wissen des Kaisers. Er durchbohrte ihn, als dieser nichtsahnend vom  Bad in der Vorstadt Bonophatianae zu  einem Fest ging, eigenhändig mit dem Schwert. Anschließend startete er eine Eroberungsaktion in Griechenland, deren Verwüstungen (Kaiser) Zenon dazu zwangen, ihm endlich die gewünschten Vertragsbedingungen zu gewähren. Er wurde wieder magister militum und patricius, zum Konsul für das Jahr 484 designiert sowie mit Uferdakien und Teilen Mösiens ausgestattet.
Das wechselseitige Misstrauen zwischen gotischem Heerführer und Kaiser war damit keineswegs ausgeräumt. In  den Jahren 486 und 487 kam es zum offenen Schlagabtausch: Zenon stachelte erneut die Bulgaren gegen die Goten auf, Theoderich marschierte auf Konstantinopel, besetzte wichtige Vororte und unterbrach die Wasserversorgung der Stadt, deren Topographie er aus der Zeit seiner Geiselhaft bestens kannte. Zenon mußte ihm daraufhin die immer noch in Geiselhaft gehaltene Schwester Amalafrida zurückgeben und er zog nach Thrakien ab.
Doch ihm war klar, daß er im Ostreich keine sichere Perspektive für sich  und seine Leute hatte, da der Kaiser  keine militärische Dominanz der Goten im Ostreich dulden würde. Als der Konflikt zwischen Zenon und dem italischen Königreich unter dem Skiren Odoaker einsetzte, ergriff Theoderich daher die Chance, sich vertraglich als Stellvertreter des Kaisers nach Italien entsenden zu lassen, um dort „praeregnare“, die Herrschaft auszuüben, bis der Kaiser selbst in diese Region kommen würde.

Es ist sicherlich wichtig, diese ganze frühe Geschichte des Lebens von Theoderich und der von ihm geführten Goten zu kennen, wenn man ihre weitere Geschichte in Italien dann angemessen einordnen will.

454 bis 468 - Der Heermeister Marcellinus in Dalmatien

Soweit die Geschehnisse in Pannonien. Was aber geschah zeitgleich in Dalmatien? Der hier befehlende Marcellinus (gest. 468) (Wiki) war ein guter Freund des Aëtius gewesen. Marcellinus stammte aus einer Honoratiorenfamilie in Dalmatien und sagte sich nach der Ermordung des Aëtius vom weströmischen Reich los. Er errichtete in Dalmatien einen eigenen Herrschaftsbereich. Marcellinus war kein Christ. Er war vielmehr ein eifriger Anhänger der alten heidnischen Kulte. Er pflegte die Freundschaft zu heidnischen Philosophen. Außerdem soll er sich als Wahrsager betätigt haben. Das alles noch einhundert Jahre nach der Regierungszeit des Kaisers Julian des Abtrünnigen, der ja ähnliche Einstellungen an den Tag gelegt hatte.

Militärisch entwickelte sich Marcellinus zu einem kompetenten Truppeführer, der seine Soldaten stets gut ausrüstete. Marcellinus stellte sich später wieder in den Dienst des weströmischen Kaisers und kämpfte gegen die Wandalen in Sizilien und Sardinien. An der Eroberung von Karthago jedoch scheiterte er. 468 wurde auch er von einem seiner Offiziere auf Sizilien ermordet. 

Kaum eine führende Gestalt dieser Zeit scheint nicht durch Mord ihr Leben beendet zu haben. Julius Nepos (430 bis 480) (Wiki), ein Neffe des Marcellinus, wurde dessen Nachfolger in Dalmatien. Der Kaiser in Konstantinopel gab ihm eine seiner Nichten zur Frau und sandte ihn mit einem Heer nach Italien. 474 nahm Julius Nepos in Rom den Kaisertitel an. Er wurde aber 475 von einem konkurrierenden Heermeister wieder aus Italien vertrieben. Er floh zurück nach Dalmatien.

476 bis 493 - Odoaker in Italien

476 riß Odoaker (433 bis 493) (Wiki) in Italien die Herrschaft an sich. Er wurde König von Italien. Odoaker stammte mütterlicherseits aus dem germanischen Volksstamm der Skiren (Wiki). Diese lebten schon 200 v. Ztr. am Schwarzen Meer und gelangten im Verband des Heeres der Hunnen nach Westen. Sein Vater hinwiederum scheint thüringischer Herkunft gewesen zu sein. Er hatte im Dienst des Hunnenkönigs Attila gestanden. An dessen Hof war Odoaker auch aufgewachsen. (Womöglich hat die Nibelungensage diesen Vater des Odoaker mit dem erst später lebenden Theoderich verwechselt.)

Odoaker diente im weströmischen Heer und stellte sich 476 an die Spitze von Meuterern, die ihn zum König wählten. Er übernahm die Herrschaft in Italien, sandte aber den kaiserlichen Ornat nach Konstantinopel und unterstellte sich damit formell dem oströmischen Kaiser. Das weströmische Kaisertum endete damit zwar. Die römische Verwaltung blieb allerdings erhalten.

Odoaker vergab Land an Heruler, Skiren und Thüringer. Allerdings verfolgte Odoaker andere Germanen auch mit "Haß" wie es im Hildebrandslied heißt. So den Hildebrand, angenommenerweise den Heermeister des Königs Theoderich, der nach Osten floh und 60 Jahre außer Landes weilte (Wiki).

488 bis 526 - Theoderich

488 zog Theoderich dann mit seinem Volk, Goten und verbündeten Rugiern aus Noricum - etwa 100.000 Menschen, darunter 20.000 Kriegern - nach Italien. Pannonien blieb unter seiner Herrschaft. Von 490 bis 493 belagerte Theoderich Ravenna. Dorthin hatte sich Odoaker geflüchtet. Nach dem Friedensschluß ermordete Theoderich Odoaker und übernahm die Alleinherrschaft in Italien.

Zwischen 500 und 550 lebte der Geschichtsschreiber Jordanes (Wiki), der selbst gotischer Abstammung war und als Sekretär des römischen Heermeisters von Thrakien tätig gewesen war. Er schrieb in Konstantinopel die einzige vollständig überlieferte Geschichte der Goten, allerdings auf der Grundlage einer nicht überlieferten Goten-Geschichte, die 520 im Auftrag von Theoderich dem Großen in Italien verfaßt worden war von Seiten des römischen Senators Cassiodor. 

Keineswegs sind aber alle Goten aus Dalmatien mit Theoderich nach Italien abgezogen, Dalmatien blieb ja Teil des Gotenreiches. Nach dem Tod von Theoderich wurde Dalmatien von dem Goten Grippa verteidigt. Er und sein Heer wurden aus Dalmatien von dem byzantinischen Feldherrn Konstantian vertrieben. Grippa zog sich in die Gegend von Ravenna zurück. Prokop berichtet (1):

So fiel ganz Dalmatien und Liburnien in Konstantians Hände, der auch alle Goten, die dort wohnten, auf seine Seite zog. 

Zu dem byzantinischen Feldherrn Belisar, der zur gleichen Zeit über Neapel auf Rom zog, gingen ebenfalls Goten über wie Prokop berichtet (1):

Von den Goten selbst ging zu Belisar über Ebrimuth mit seinen Kindern, Theodats Schwiegersohn, der dessen Tochter Theodenantha zur Frau hatte. Er wurde sogleich zum Kaiser geschickt und erhielt außer anderen Ehrengeschenken die Würde des Patricius.

Die Genetik dieser Goten dürfte sich bis heute sowohl in Dalmatien wie in Italien gehalten haben.

Kaiser Maurice

582 wurde Viminacium durch die Awaren zerstört. 599 konnten die Awaren in einer Schlacht besiegt werden. Die Awaren sind aber wieder eine andere Geschichte. Sie waren im Kern vermutlich ein Turkvolk aus dem Inneren Asiens.

 

Abb. 8: Spangenhelm aus dem Fürstengrab bei Planig bei Bad Kreuznach, 520 n. Ztr. - Teil der byzantinischen Offiziersausstattung - Hier auf dem Umschlagbild von "Deutsche Heldensagen", hrsg. von E. Mudrak (Verlag Ensslin & Laiblin, Reutlingen) - Seit 1955 in mehr als 30 Auflagen erschienen

2021 - Die Archäogenetik erforscht die Goten

Es sei noch zitiert, wie die Ergebnisse der genannten archäogenetischen Studie in der Zusammenfassung benannt werden (2):

  • Unsere Analysen decken große Bevölkerungsbewegungen aus Anatolien heraus auf während der Römischen Kaiserzeit, ähnlich dem Geschehen, das zu gleicher Zeit in Rom zu beobachten ist; sogar einzelne Fälle von Menschen aus dem östlichen Afrika.
  • Zwischen ungefähr 250 und 500 n. Ztr. stellen wir einen Gen-Zufluß aus dem Mittleren und Nördlichen Europa fest, der auch Einmischungen eisenzeitlicher Steppen-Gruppen in sich birgt.
  • Individuen des 10. Jahrhunderts n. Ztr. tragen nordosteuropäische Genetik in sich, die vielleicht in Beziehung stehen zu slawischsprachigen Völkern, die genetisch zu über 20 % der Herkunft der heutigen Völker auf dem Balkan beigetragen haben. 
  • Originaltext:
    • Our analyses reveal large scale-movements from Anatolia during Imperial rule, similar to the pattern observed in Rome, and cases of individual mobility from as far as East Africa.
    • Between ca 250-500 CE, we detect gene-flow from Central/Northern Europe harboring admixtures of Iron Age steppe groups.
    • Tenth-century CE individuals harbored North-Eastern European-related ancestry likely associated to Slavic-speakers, which contributed >20% of the ancestry of today's Balkan people.

Die Ausbreitung der kaiserzeitlichen, anatolischen Genetik in den Balkanraum war, wie wir gleich hören werden, historisch gesehen nur "vorübergehender" Art. Die Studie stellt für die Völkerwanderungszeit fest (2):

Das genetische Erbe der eisenzeitlichen Völker des Balkans lebte in vermischter Form in späteren Gruppen, einschließlich der heutigen fort, während das nahöstliche (anatolische) genetische Erbe vermutlich abebbte zugunsten der nördlichen und osteuropäischen Herkunft. Eine Erscheinung, die ähnlich auch in der Stadt Rom selbst beobachtet werden konnte. Dieses Ergebnis unterstützt die Hypothese, daß jene Individuen, die genetisch Teil der kosmopolitischen Bevölkerung des Römischen Reiches waren, vornehmlich in den kaiserzeitlichen Städten und Großstädten lebten und daß sie über die Zeit hinweg demographisch von den Populationen auf dem Lande ersetzt worden sind durch höhere Geburtenzahlen oder durch Völker ohne so großen nahöstlichen genetischen Einfluß.
Original: The legacy of Balkans Iron Age groups persists in admixed form in later groups including present-day Balkan populations (see below), whereas the Near Eastern-related ancestral legacy eventually ebbed in favor of Northern/Eastern European-related ancestry, similar to the patterns observed in the city of Rome itself . These findings support the hypothesis that such individuals were part of a cosmopolitan group comprising a large proportion of individuals in Imperial towns and cities who over time were demographically overwhelmed by populations in the countryside or by faster reproductive rates of rural or populations without as much Near Eastern influence.

Aus dem zehnten Jahrhundert sind zwei Individuen sequenziert worden, die eineiige Zwillinge waren, und die genetisch aus dem südwestlichen Europa (also wohl doch: Spanien) (!) stammten.

Sicherlich ein auffallender Befund, der noch auf eine plausible historischen Erklärung und Einordnung wartet. Das 10. Jahrhundert ist die Zeit des Beginns der Wiedereroberung Spaniens von Norden aus durch die christlich-abendländische Ritterschaft (Wiki).

... Und die Urheimat der Slawen? - Im Nordosten Europas?

In dieser Zeit war ein neuer Y-chromosomaler Haplotyp nach Serbien gekommen, der zuvor, in der Völkerwanderungszeit dort nicht zu finden war. Auch hatte sich die Genetik noch einmal Richtung nordöstlichem Europa verschoben. Die Menschen stammten zu 56 % von eisenzeitlicher Balkan-Genetik ab und zu 44 % von eisenzeitlicher nordosteuropäischer Genetik. In der Studie heißt es (2):

Die Slawen, die die Balkanländer während des 6. Jahrhunderts plünderten, und die sich in dieser Region im 6. Jahrhundert ansiedelten, hatten einen langfristigen kulturellen Einfluß, der sich in den slawischen Sprachen widerspiegelt, die in dieser Region heute gesprochen werden, einschließlich Serbisch, Kroatisch, Montenegrinisch, Bosnisch, Slowenisch, Makedonisch und Bulgarisch. Sogar die heutigen Menschen der Peloponnes tragen einen kleinen aber bemerkenswerten Anteil slawischer genetischer Herkunft in sich. Aber die Urheimat der slawischen Völker und das Ausmaß ihres demographischen Einflusses innerhalb der Region ist bislang noch nicht gut verstanden.
The Slavs, who raided the Balkans during the 6th century and settled in the region in the 7th century, had a particularly long-lasting cultural impact, reflected in the Slavic languages widely spoken in the region today including Serbian, Croatian, Montenegrin, Bosnian, Slovenian, Macedonian, and Bulgarian. Even present-day Peloponnesians (southern tip of the Balkan Peninsula) carry a small yet significant amount of Slavic-related ancestry, but the ultimate origin of Slavic speakers and the degree of demographic impact in the region is not yet well understood.

Sogar auf dem griechischen Festland und den ägäischen Inseln findet die Studie 30 %, bzw. 7 bis 20 % dieser genetischen Herkunftsgruppe. Offenbar gelingt es mit dieser Studie immer noch nicht, diese genetische Herkunftsgruppe genauer zeitlich und örtlich einzugrenzen außer sie als grob "eisenzeitlich nordosteuropäisch" zu benennen.

Seit jener Zeit ist das genetische Erbe der Goten und der anderen ostgermanischen und sarmatischen Völker auf dem Balkan bis heute erhalten geblieben. Ihre reiche Vielfalt an Sprachen, ihre reiche Vielfalt an Kultur - dahingeschmolzen vor dem heißen Atem der Völkergeschichte.

_____________

  1. Jordanes und Prokop: Geschichte der Goten, https://archive.org/details/diegeschichtschr0507weimuoft/page/n5/mode/2up
  2. Cosmopolitanism at the Roman Danubian Frontier, Slavic Migrations, and the Genomic Formation of Modern Balkan Peoples Inigo Olalde, Pablo Carrion, Ilija Mikic, Nadin Rohland, Shop Mallick, Iosif Lazaridis, Miomir Korac, Snezana Golubovic, Sofija Petkovic, Natasa Miladinovic-Radmilovic, Dragana Vulovic, Kristin Stewardson, Ann Marie Lawson, Fatma Zalzala, Kim Callan, Zeljko Tomanovic, Dusan Keckarevic, Miodrag Grbic, Carles Lalueza-Fox, David E. Reich bioRxiv 2021.08.30.458211; veröffentlicht 31.8.2021, doi: https://doi.org/10.1101/2021.08.30.458211 This article is a preprint and has not been certified by peer review 
  3. Wolfram, Herwig: Die Anfänge der Goten und die Scythica Vindobonensia, Katholische Akademie in Bayern, 26.2.2020. Einführungsvortrag zu der Veranstaltung" Die Goten in der Geschichte Europas - Vermittler zwischen Antike und Mittelalter". Sonderheft 4/2020, Historische Tage 2020, Manuskript: https://www.kath-akademie-bayern.de/dokumentation/debatten/debatte/die-goten-in-der-geschichte-europas.html; Programm: https://www.kath-akademie-bayern.de/veranstaltungen/veranstaltungen/veranstaltung/2020-die-goten-in-der-geschichte-europas.html;  siehe auch AUDIO-Kanal, 26.03.2020, https://youtu.be/0C9g1u66Aog.
  4. Bading, Ingo: Ein Zauderer legte die Grundlagen für den Sieg bei Kalkriese 9 n. Ztr., 4.9.21, https://studgendeutsch.blogspot.com/2021/09/ein-zauderer-legte-die-grundlagen-fur.html
  5. Grusková, Jana: Dexippos Vinbonensis, https://www.oeaw.ac.at/scythica-vindobonensia/
  6. Zwischen den Zeilen gelesen, 2014, https://www.archaeologie-online.de/nachrichten/zwischen-den-zeilen-gelesen-2710/
  7. Günther Martin, Jana Grusková: „Dexippus Vindobonensis“(?). Ein neues Handschriftenfragment zum sog. Herulereinfall der Jahre 267/268, Wiener Studien 2014, S. 101-120, doi:10.1553/wst127s101 (Academia
  8. Günther Martin, Jana Grusková: “Scythica Vindobonensia” by Dexippus(?): New Fragments on Decius’ Gothic Wars. In: Greek, Roman and Byzantine Studies, 2014, S. 228-254, https://grbs.library.duke.edu/article/view/15071
  9. Fritz Mitthof/Gunther Martin/Jana Grusková (Hrsg.): Empire in Crisis: Gothic Invasions and Roman Historiography. Beiträge einer internationalen Tagung zu den Wiener Dexipp-Fragmenten (Dexippus Vindobonensis), Wien, 3.-6. Mai 2017. Holzhausen, Wien 2020 (Tyche - Supplementband 12). X  (608 S.) (E-Book, als pdf frei verfügbar)
  10. Ulrich  Huttner : Rezension zu 9. In: Plekos 23 , 2021, 139-159 (URL:  http://www.plekos.uni-muenchen.de/2021/r- empire_in_crisis .pdf)(Rezension: DocPlayer)
  11. Bading, Ingo: Turkvölker, Indogermanen, Sarmaten und Hunnen - Zwischen Mongolei und Kaukasus  Die Geschichte der Völker in der Mongolei und rund um das Altai-Gebirge, 7.11.2020, https://studgendeutsch.blogspot.com/2020/11/turkvolker-indogermanen-sarmaten-und.html
  12. Wolfram, Herwig: Die Goten. Von den Anfängen bis zur Mitte des sechsten Jahrhunderts.1990 (G-Books
  13. Fürst von Planig, https://rlp.museum-digital.de/index.php?t=objekt&oges=2892
  14. Panholzer, Torsten: Geschichte von Planig und der Pfarrei St. Gordianus, https://bistummainz.de/pfarrei/bad-kreuznach-st-gordianus/geschichte/geschichte-von-planig-und-pfarrei/
  15. Deutsches Historisches Museum: Spangenhelm vom Typ Baldenheim aus dem 6. Jahrhundert  - Wissenswertes aus vergangenen Epochen, 2020, https://www.facebook.com/Wissenswertes.aus.vergangenen.Epochen/photos/a.1834901409885617/3766696410039431/
  16. Verena Epp: Ostgotische Gruppen als Beutegenossen und Föderaten auf dem Balkan (454-488). Vortrag gehalten auf einer Tagung der Katholischen Akademie in Bayern, München, Februar 2020, https://youtu.be/RX_QnkVYfKQ; Manuskript: https://www.kath-akademie-bayern.de/dokumentation/debatten/debatte/die-goten-in-der-geschichte-europas.html
  17. Stolarek, I. (1 May 2019): "Goth migration induced changes in the matrilineal genetic structure of the central-east European population". Scientific Reports. 9 (1): 6737. doi:10.1038/s41598-019-43183-w 
  18. Die "Germanenkessel" von Mušov und Czarnówko. Zwei spektakuläre Neufunde mit Germanenbildern im Vergleich. http://austriaca.at/0xc1aa500d_0x0006e1c0
  19. Magdalena Maczynska, Dorota Rudnicka: Ein Grab mit römischen Importen aus Czarnówko,Kr. Lêbork (Pommern). In: GERMANIA 82-2, 2004 (Archive.org)
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