Posts mit dem Label Thilo Sarrazin werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Thilo Sarrazin werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 2. September 2010

Thilo Sarrazin: Der wissenschaftliche Paradigmenwechsel hinter seinen Sachargumenten

200.000 Jahre Humanevolution - Die derzeitige Forschung im Überblick - Ein Buchprojekt

Durch die Diskussionen rund um Thilo Sarrazin ist das im folgenden vorgestellte Buchprojekt aus dem Jahr 2007 aktuell wie nie. Wer die Diskussionen rund um Thilo Sarrazin in ihren wissenschaftlichen Hintergründen verstehen will, muß sich mit allen Themen dieses Buchprojektes und mit der Literatur dieses Buchprojektes befassen. Der Paradigmenwechsel in der Anthropologie, der in den letzten zehn Jahren stattgefunden hat, und auf den sich Thilo Sarrazin stützt, ist eine Herausforderung für unser Menschen- und Weltbild: Kann ich nur ein humaner Mensch sein, wenn die Menschen aller Völker im wesentlichen genetisch gleich sind und gleiche Startbedingungen haben? Oder gibt es auch einen Humanismus, der mit genetischer Ungleichheit human umgehen kann? Das ist die entscheidende Frage. Wenn sie gelöst ist, ist die Sachdebatte rund um Thilo Sarrazin leicht. Denn in der Tat: Schwerkraft ist Schwerkraft. Und die Evolution des Menschen geht auf genetischer Ebene weiter - in jeder Region und Kultur der Welt anders. Und wir nehmen darauf Einfluß, wie immer wir auch handeln. (- Soweit die Aktualisierung vom 2.9.2010. Nun weiter im Text von 2007:)

Die Netzseite Lulu.com bietet die Möglichkeit, umfangreichere Manuskripte kostenlos als pdf.-Datei ins Netz zu stellen. Diese Möglichkeit ist einmal genutzt worden, um ein 88-seitiges Literaturverzeichnis für ein Buchprojekt zum Thema "200.000 Jahre Humanevolution" öffentlich verfügbar zu machen. (Lulu/Ingo Bading) Einen solchen Forschungs-Überblick wird sicherlich mancher für nützlich halten. Denn eine wissenschaftliche oder populärwissenschaftliche Darstellung des derzeitigen Forschungsstandes in der Humangenetik ist ein offensichtliches Desiderat. Dies gilt auch für den englischen Sprachraum. An einer Zusammenarbeit interessierte Verlage oder Koautoren dürfen sich gerne beim Bearbeiter melden!

An dieser Stelle nur die thematische Gliederung des Manuskriptes. (Wie sichtbar werden kann, handelt es sich um das reichhaltigste Themenspektrum, das überhaupt nur denkbar ist.)

Einleitung: Humangenomforschung auf neuen Wegen

a) Das Suchen nach Zeichen von Selektion im menschlichen Genom (Koppelungs-Ungleichgewicht)
b) Der „Rebell mit einem Labor“ (Bruce Lahn)
c) Geht die Evolution weiter? (Robert Moyzis, Jonathan Pritchard)

1. Teil: Die Menschheits-Geschichte aus Sicht der Gene
Allgemeineres

A) Ursprünge in Ostafrika: Menschsein in einem Klicksprachen-Volk (190.000 – 65.000 Jahre vor heute)

a) Menschwerdung: eine kleine Gruppe am Rande des Aussterbens (190.000 Jahre vor heute)
b) Die ersten Menschen archäologisch in Äthiopien - ohne spezifische heutige Rassemerkmale? (195.000 v. Ztr.)
c) Ein „Tänzer-Gen“ entsteht: Tanzen und Singen als frühe, gemeinschaftsverstärkende Kommunikationsformen des Menschen (190.000 Jahre vor heute)
d) „Klatsch und Tratsch“ – moralisches Bewerten die wichtigste Funktion bei der Sprachentstehung? (Robin Dunbar)
e) Die Klicksprache – die erste Sprache des Menschen? (190.000 Jahre vor heute)
f) Ein Fettleibigkeits-Gen entsteht (190.000 Jahre vor heute) – noch an der „Venus von Willendorf/Österreich“ zu beobachten (26.000 Jahre vor heute) und danach in Europa verloren gegangen?
g) Evolutionäre Ästhetik: Savannen-Hypothese
h) Ein Bitterstoff-Geschmacks-Gen entsteht (190.000 v.Ztr.)
i) Menschenopfer, Schädelkult und Kannibalismus (seit 190.000 v. Ztr.)
j) „Krieger-Gene” bei Primaten und Menschenvölkern (Schwarzafrikaner, Andamanen, Indogermanen, Kelten, Germanen, Wikinger, Yanömamö, Maori, „Linkshänder-Völker“ …)
k) „Krieger-Gene“ - archäologisch Hinweise (weltweit, zeitübergreifend)
l) Der Mensch schmückt sich (spätestens ab 100.000 Jahre v. Ztr.)
m) Die menschliche Kleiderlaus entsteht (ERST [!] 80.000 Jahre v. Ztr.)
n) Buschleute Intelligenz-Quotient: 57

B) Die schwarzafrikanische Art des Menschseins

a) Das erste Herzmedikament nur für Schwarze (2001 – 2006)
b) Entspringt die höhere Anfälligkeit von Afrikanern für Bluthochdruck und Vitamin D-Mangel einer evolutionären Anpassung an heiße Temperaturen mit vor UV-Strahlung schützender Haut?
c) Größere Anfälligkeit von Schwarzafrikanern für Brustkrebs, Prostatakrebs, Lungenkrebs und anderes
d) Kein Verlust von Geruchs-Genen wie bei Europäern und Asiaten
e) Genetisch andere Art von Schizophrenie als bei Europäern und Asiaten?
f) Andere Art von Alzheimer bei Weißen als bei Schwarzen
f) Körper – wie geschaffen für Sport?
g) Schwarzafrikanischer Intelligenz-Quotient: 68 (in USA mit 30 % europäischen Genen: 85)

C) „Negritos“: Aus Afrika hinaus entlang des indischen Ozeans bis Australien (um 65.000 Jahre vor heute)

a) Eine Gen-Variante für Veränderungs-Freudigkeit entsteht (und damit das „Zappelphilipp“-Syndrom ADHS) (65.000 Jahre vor heute) und wird unterschiedlich in den Völkern weltweit selektiert
b) Entlang der Küste von Afrika nach Australien (65.000 Jahre vor heute)
c) Die Andamanen (65.000 Jahre vor heute)
d) Die Australoiden in Thailand (bis mindestens 24.000 v. Ztr.)

D) Ainu-Vorfahren besiedeln Ostasien (40.000 Jahre v. Ztr.)

a) Die Ainus - Verwandtschaft mit Andamanen und Tibetern (um 40.000 v.h.) (um 10.000 v. Ztr. erste Keramik - zeitgleich zum Vorderen Orient)
b) Höherer IQ auf der Nordhalbkugel aufgrund effizienterer Mitochondrien?

E) Die europäische Art des Menschseins – vom Atlantik bis Sibirien (40.000 v. Ztr.)

a) Die Neandertaler (150.000 v.h. entstanden, 29.000 v. Ztr. ausgestorben)
b) 30.000 Jahre vor heute: Mammutjäger zwischen Nordspanien und Ostsibirien
c) Geringere Häufigkeit genetischer Depressionsneigung in Europa als in Ostasien (Serotonin-Transporter-Gen) aufgrund von Selektion?
d) Orientale und Europäer – mehr als Asiaten und Afrikaner auf Blutverluste selektiert? – Eine Gen-Variante für Thrombose-Neigung entsteht (22.000 v. Ztr.)
e) Die Nordeuropäer – Haut-, Augen-, Haar-Farben-Gene unter starker Selektion (40.000/10.000 v. Ztr.)
f) Andere Art von Schizophrenie als bei Afrikanern und Asiaten?
g) Andere Art von Alzheimer bei Weißen als bei Schwarzen
h) Besonders hohe Anfälligkeit für Multiple Sklerose, Mukoviszidose (Zystische Fibrose) und Osteoporose (Knochenschwund)
i) 60 % andere Arzneimittel-Wirkstoffe in Europa als in Japan
j) Intelligenz-Quotient Europäer: 100

F) Amerika wird besiedelt (15.000 Jahre bis 6.000 Jahre vor heute)

a) Die Europäer (20.000 v. Ztr.), Ainu-Ähnliche (mit Flaschenkürbis) (10.000 v. Ztr.) und die Eskimo/Navajo (3.000 v. Ztr.) besiedeln Amerika nach Körperkontakt mit spätem Homo erectus (Kopflaus-Übertragung)
b) Intelligenz-Quotient amerikanische Ureinwohner: 85 - 91

G) Seßhaftigkeit bringt Veränderungen mit sich (10.000 v. Ztr. – 5.000 v. Ztr.)

a) Erste Negroide in Nubien (?) (12.500 v. Ztr.) / Rückwanderung von Asien nach Afrika?
b) Vorkeramisches und keramische Neolithikum in Südanatolien (10.000 v. Ztr.)
c) Die ersten mitteleuropäischen Bauern (Bandkeramiker - 5.600 v. Ztr. am Neusiedler See entstanden, 4.900 v. Ztr. ausgestorben)
d) Die bäuerlichen „Polynesier“ auf Taiwan (5.500 v. Ztr.) (ab 3.500 v. Ztr. Pazifik besiedelt)
e) Schwarzafrikanische Bantu-Bauern verbreiten die Malaria und Malaria-Resistenz

H) Die ostasiatische Art des Menschseins - zusammen mit dem Hirse- und Reisanbau evoluiert? (6.000 v. Ztr.)

a) Die gemeinsamen Vorfahren der heutigen Han-Chinesen, Koreaner und „Yayoi“-Japaner entstehen in Nordchina/Manschurei (wohl durch Vermischung nord-, süd- und ostchinesischer Anteile bei Einflußnahme von Vorfahren der Indogermanen) (vor 5.100 v. Ztr.)
b) Größere Häufigkeit genetischer Depressionsneigung in Ostasien als in Europa (Serotonin-Transporter-Gen) aufgrund von fehlender Selektion in einer Konsens- und Kollektivkultur (Gen-Kultur-Koevolution)?
c) Keine siebenfache Sequenz eines ADHS-Gens bei Ostasiaten: Selektion gegen "aufsässige Charaktere"?
d) Besonders hohe Anfälligkeit von Nichteuropäern für Diabetes (amerikanische Ureinwohner, Polynesier, Ostasiaten)
e) Angeborene größere Schmerzempfindlichkeit?
f) Besonders hohe Anfälligkeit für Alkoholunverträglichkeit
g) Andere Art von Schizophrenie als bei Afrikanern und Europäern?
h) 60 % andere Arzneimittel-Wirkstoffe in Japan als in Europa
i) Eine „Scham”-, keine “Schuld“-Kultur (eine Kollektiv-, keine Individual-Kultur)
j) Evolution stärker durch einzelne Männer geprägt? - Tschingis-Khan, … und Mao Tse Tung (1200 n. Ztr.)
k) Intelligenz-Quotient Ostasiaten: 105

I) Das Menschsein als Kentum-sprachiger, bronzezeitlicher Milchverdauer (Westindogermanen 4.500 v. Ztr. – 1.200 v. Ztr.)

a) Die Kentum-sprachigen und ihr Milchverdauungs-Gen – (4.500 v. Ztr. erworben [Ural/Trichterbecher], nach 2.000 weltweit verbreitet [Tocharer, Tuareg])
b) Die Kentum-sprachigen, bronzezeitlichen Milchverdauer - ihr Pocken- und HIV-Schutz (4.500 v. Ztr. erworben [Trichterbecher], nach 2.000 weltweit verbreitet)
c) Die Kentum-sprachigen, bronzezeitlichen Milchverdauer (?) – ein Gen korreliert mit Kinderreichtum (4.500 v. Ztr. erworben [Trichterbecher], nach 2.000 weltweit verbreitet)
d) Die Kentum-sprachigen, bronzezeitlichen Milchverdauer – besonders auf Blutverluste selektioniert? (4.000 v. Ztr.)
e) Die Kaste der Hindus
f) Die Tocharer (1.800 v. Ztr. nach Xinjang zugewandert) und verwandte Völker (Skythen-Vorfahren) bringen die Bronzezeit nach China (1200 v. Ztr.), Korea und Japan (300 v. Ztr.)

J) Menschsein in Europa, Afrika und Asien nach dem Seevölker-Sturm (1.200 v. Ztr. – 850 n. Ztr.)

a) Die Etrusker – Aussterben oder genetische Fortexistenz? (um 100 v. Ztr.)
b) Die Kalenjin - Langlauf-Begabung im Hochland von Kenia (um 100 n. Ztr. ?)
c) Einige zehntausend Angeln und Sachsen kommen nach Britannien (450 n. Ztr.)

K) Die Evolution geht weiter – auch heute (seit etwa 850 n. Ztr.)

a) Die Art des Menschseins des aschkenasischen Judentums – IQ-Evolution durch extreme Inzucht und extreme IQ-Auslese bei der Heiratswahl (siehe auch HIV-Schutz, Kinderreichtums-Gen) (seit 850 n. Ztr.)
b) Die Evolution des aschkenasischen IQ (Cochran/Harpending, 2005)
c) Brachte Vermischung männlicher Skandinavier mit den Inuit in Grönland den letzteren einen höheren IQ? (IQ: 91)
d) Die Nachkommen der als Sklaven Verschleppten
e) Die Genetik der Rassemischung
f) Ideen heute: Die Nobelpreisträger-Samenbank des Robert Graham und ihre 200 Kinder (1980 – 2000)

2. Teil: Neubewertungen: Der Mensch, das Gruppenwesen

a) Die Physische Anthropologie der Rasseunterschiede wird rehabilitiert
b) In der Populationsgenetik breitet sich ein neues Paradigma aus („Lewontin’s Fallacy“): Völker als Einheiten der Evolution
c) Armand Leroi und Richard Dawkins popularisieren das neue Paradigma
d) Neubewertungen im Rückblick auf Charles Murray und Jon Entine?
e) Nicholas Wade popularisiert das neue Paradigma
f) Gregory Cochran: Lewontin, Diamond, Gould, Boas und ihr „wissenschaftlicher Betrug“
g) Neue Diskussionen in der Psychologie über Populationsunterschiede im IQ flammen auf
h) Der Zusammenhang zwischen Gehirnstruktur, Gehirnentwicklung und Intelligenz wird erforscht

A) Die Evolutionäre Psychologie liefert umfassendere Theorie-Konzepte

a) Zu Konzepten von Gruppenselektion
b) „Ethnische genetische Interessen”? (Frank Salter, 2004)
c) Wahrnehmung und emotionale Reaktionen auf „Fremdes“ und „Verwandtes“ (Der Dawkins’sche Ansatz)
d) Sprache als sozialer Marker - Evolution von Gruppen- und Sprachvielfalt

B) Die Sprachpsychologie schaltet sich ein

a) Die tiefe Prägung der Wahrnehmung, des Denkens und Verhaltens durch die Muttersprache
b) Die Prägung des mathematischen Denkens durch die Muttersprache
c) Daraus folgende Probleme der Zweisprachigkeit
d) Lassen zusammen spielende Kinder verschiedener Muttersprache neue Muttersprachen und damit neue Völker entstehen?
e) Die Menschheitsgeschichte aus sprachvergleichender Sicht (Joseph H. Greenberg)

C) Kurzfristigere kulturelle Werte-Verschiebungen als Selektionsfaktoren

D) Philosophische Ansätze zur Einordnung

Humanismus heute. Ein neuer Konsens auf Grund zustimmunsgpflichtiger naturwissenschaftlicher Forschungsergebnisse. Aber: Wie umgehen mit genetischen Unterschieden? Moral des Ressentiments oder der freudigen geegnseitigen Anerkennung, des Respektes, des Wohlwollens und der Großzügigkeit zwischen den Völkern und Kulturen?

E) Ausgewählte Themen: Was werden die nächsten Jahre bringen?

a) Schlaglichter aus der Verhaltensgenetik und Genom-Sequenz-Forschung des letzten Jahrzehnts
b) Schlüsselgene im menschlichen Genom: Serotonin (1998 – 2005)
c) Schlüsselgene im menschlichen Genom: Oxytozin
d) Noch einmal: IQ-Evolution aschkenasische Juden im breiteren Kontext heutiger Diskussionen (K. MacDonald, Eric L. Goldstein, )
e) Aus der Domestikations-Forschung
f) Religiosität und (Gruppen-)Evolution (D. S. Wilson)
g) Religiosität und (Gruppen-)Evolution (Dean Hamer und andere)
h) Wahrheit und Lüge in der Intelligenz-Evolution von soziallebenden Tieren und des Menschen (Richard D. Alexander)

Erstveröffentlichung hier auf dem Blog: 22.09.07

Donnerstag, 1. November 2007

James Watson's Kritiker gründlich widerlegt

Jason Malloy hat auf "Gene Expression" noch einmal ausführlich zur öffentlichen Verurteilung von James Watson Stellung genommen und insbesondere die Fakten diskutiert.
Watson's claim was that intelligence testing shows lower intelligence scores in Africa than Europe. Is this or is this not true?
"Watson sagte, daß Intelligenztests niedrigere WErte in Afrika als in Europa erbringen. Ist das wahr oder nicht?" Und er führt die Fakten an. Überraschend darunter für mich auch die neue Studie des deutschen Psychologen Heiner Rindermann in "European Journal of Personality" vom August dieses Jahres, die auf die enge Korrelation von verschiedenen Intelligenz-Tests über die Nationen hinweg verweist. Titel: "The g-factor of international cognitive ability comparisons: the homogeneity of results in PISA, TIMSS, PIRLS and IQ-tests across nations".

Und auch da werden durchschnittliche IQ-Werte für Südafrika von 63 bis 75 angeführt. Zum Teufel, also, was will man denn noch mehr! Und Jason Malloy verweist auch darauf, daß diese Studie von 31 internationalen Wissenschaftlern öffentlich diskutiert wurde, was von Rindermann beantwortet wurde, daß es sich also um eine durch und durch wissenschaftliche Abhandlung handelte.

Er verweist auch darauf, daß die Definition von "geistig behindert" eine reine kulturelle Definition ist. Sie wurde in den USA auch 1973 schon von 85 auf 70 heruntergesetzt, als bewußt geworden war, daß 50 % der Schwarzen in den USA unter diese Kategorien gefallen waren. Auch das könnte zeigen, daß Völker wie auf anderen Gebieten auch Gesundheit und Krankheit unterschiedlich bewerten.

Jason Malloy behandelt dann noch die Einwände, daß Intelligenz und Rasse als wissenschaftliche Kategorien "nicht existieren" würden, und daß die Psyche des Menschen ein "unbeschriebenes Blatt" wäre. Diese Abhandlung könnte James Watson als Presseerklärung herausgeben ...

Dienstag, 30. Oktober 2007

James Watson: Richard Dawkins, Edward O. Wilson und PZ Myers auf seiner Seite

In einem Artikel des Guardian finden sich einige Stellungnahmen von bekannten Wissenschaftlern zu James Watson. Die wichtigste ist die von Richard Dawkins, der ja schon in seinem vorletzten Buch "Ancestor's Tale" (im Kapitel "A Grasshopper's Tale") zur Frage der unterschiedlichen Genetik von Menschen-Gruppen Stellung genommen hatte:
'What is ethically wrong is the hounding, by what can only be described as an illiberal and intolerant "thought police", of one of the most distinguished scientists of our time, out of the Science Museum, and maybe out of the laboratory that he has devoted much of his life to, building up a world-class reputation,' said Richard Dawkins, who been due to conduct a public interview with Watson this week in Oxford.
Übersetzt:
"Was ethisch falsch ist, ist das Hinaus-Hetzen aus dem Science Museum und vielleicht aus dem Institut, dem er einen großen Teil seines Lebens gewidmet hat, um dessen Weltklasse-Reputation aufzubauen, ein Hetzen, das nur als illiberale und intolerante 'Gedanken-Polizei' bezeichnet werden kann gegenüber einem der ausgezeichnetsten Wissenschaftler unserer Zeit."
Die zweitwichtigste Stellungnahme für mich ist die von Edward O. Wilson, wie Dawkins einer der Gründerväter der Soziobiologie:
'We have become firm friends. Today we are the two grand old men of biology in America and get on really well. I certainly don't see him as a Caligula figure any more. I have come to see him as a very intelligent, straight, honest individual. Of course, he would never get a job as a diplomat in the State Department. He is just too outspoken. But one thing I am absolutely sure of is that he is not a racist. I am shocked at what has happened to him.'
Übersetzt:
"Ich bin absolut sicher, daß er kein Rassist ist. Ich bin schockiert über das, was ihm geschehen ist."
Außerdem wird der Oxforder Neurologe Colin Blakemore zitiert:
'Defining intelligence is complex and there are many forms of intelligence, not all of which are captured by IQ tests. In any case, it would be as unethical to organise society around some numerical indicator of difference as it would to do so on the basis of skin colour.'
Wenn man genau hinhört, bestreitet Blakemore keineswegs, daß jene Intelligenz, die mit IQ-Tests gemessen wird, vererbt wird und deshalb auch in unterschiedlichen Gruppen in unterschiedlicher Häufigkeit vererbt werden kann. Ganz richtig sagt er nur, daß diese Intelligenz nicht die einzige vererbbare Eigenschaft des Menschen ist, die ihn zum Menschen macht. In jedem Fall aber erachtet er es als unethisch, eine Gesellschaft allein um den IQ-Wert von Menschen herum zu organisieren. Alles Aussagen, denen man zustimmen kann. Auch Watson, Dawkins und Wilson werden denselben sofort zustimmen. Und weiterhin sagt Blakemore:
'Jim Watson is well known for being provocative and politically incorrect. But it would be a sad world if such a distinguished scientist was silenced because of his more unpalatable views.'
Übersetzt:
"Jim Watson ist bekannt für seine provokative und politische Unkorrektheit. Aber es wäre eine traurige Welt, wenn solch einem ausgezeichneten Wissenschaftler der Mund verboten würde, nur weil er ein paar unschmackhafte Gedanken äußert."
Also auch er steht auf der Seite von James Watson und macht die Hetze nicht mit.

Craig Venter allerdings wird mit den Worten zitiert:
'There is no basis in scientific fact or in the human gene code for the notion that skin colour will be predictive of intelligence.'
Ich halte diese Aussage für wissenschaftlich nicht absolut korrekt. Richard Dawkins ist in seinem Buch korrekter. Er sagt - der Sache nach -, daß die Kenntnis der Hautfarbe die Wahrscheinlichkeit eines richtigen Urteils über die Intelligenz eines Menschen erhöhen könnte.

Man kann diesen Blogeintrag auch ansehen als Antwort auf eine Frage von Steve Sailer ( auf seinem Blog: 1, 2), welcher bekannte Wissenschaftler sich öffentlich auf die Seite eines der bedeutendsten Wissenschaftler unserer Zeit stellen würde in dieser Sache: Richard Dawkins, Edward O. Wilson und Colin Blakemore haben dies getan. Mehr kann man nicht verlagen. Wenn die Journalisten diesen Leuten nicht zuhören, ist das ihre Sache - aber nicht mehr die Sache dieser Wissenschaftler.

Der Artikel benennt auch den Menschen, der offenbar verantwortlich ist für die öffentliche Hetze gegen James Watson:
(...) Thus it was left to Simon Kelner, editor of the Independent, to take Watson's claims and to run them as its lead story on Wednesday, under the banner: 'Africans are less intelligent that Westerners, says DNA pioneer'. In this way, Watson's fate was sealed.
Wie kann es sein, daß ein Journalist über das Schicksal eines der bedeutendsten Wissenschaftler unserer Zeit bestimmen kann?

Zusatz: Auch PZ Myers verteidigt das Recht von James Watson, derartiges zu äußern, ohne deshalb entlassen zu werden.

Freitag, 26. Oktober 2007

"Nigeria, my dear country, I am so ashamed ..." - Eine Stimme aus Afrika, eine gequälte

Eine Philippika - für James Watson? - von einem Nigerianer?

Viele der besten Pressemeldungen auch jetzt zur James Watson-Frage findet man immer wieder auf dem Blog des amerikanischen Journalisten Steve Sailer, auf den auch Steven Pinker mitunter gerne verweist. Nun hat er einen Verweis eingestellt auf den Text eines Nigerianers zur James Watson-Sache. Und dieser ist - fern aller Wissenschaftlichkeit - ein sehr bewegender Text:

James Watson, so der Autor Idang Alibi, ...
"... said what to me looks like a self-evident truth. He told The Sunday Times of London in an interview that in his humble opinion, black people are less intelligent than the White people.

Why are we blacks becoming so reactive, so sensitive to any remarks, no matter how well-meaning, about our failure as a race? Why are we becoming like the Jews who see every accusation as a manifestation of anti-Semitism? I do not know what constitutes intelligence. I leave that to our so-called scholars. But I do know that in terms of organising society for the benefit of the people living in it, we blacks have not shown any intelligence in that direction at all. I am so ashamed of this and sometimes feel that I ought to have belonged to another race.

Nigeria my dear country is a prime example of the inferiority of the black race when compared to other races. Let somebody please tell me whether it is a manifestation of intelligence if a people cannot organise a free, fair and credible election to choose who will lead them. Is it intelligence that we cannot provide simple pipe-borne water for the people? Our public school system has virtually collapsed. Is that a sign of intelligence? Our roads are impassable. ..."
etc. etc. etc.
"... Anywhere in the world today where you have a concentration of black people among other races, the poorest, the least educated, the least achieving, and the most violent group among those races will be the blacks. When indices of underdevelopment are given, black people and countries are sure to occupy the bottom of the ladder. If we are intelligent, why do we not carry first when statistics of development are given?

Look at the African continent. South Africa is the most developed country because of the presence of whites there. This may be an uncomfortable truth for many of us but it exists nevertheless. If the whites had been driven away after independence, we would have seen a steady decline of that country. (...)

Instead of regarding bitter truths expressed by the likes of Watson as a wake-up call for us to engage in sober reflection, we take to the expression of woolly sentiment. For me, this type of reaction is a further evidence of our unintelligence. A man of intelligence recognises genuine criticism against him and takes steps to improve himself in order to prove his critics wrong. But for us blacks, our reaction is to abuse the man who expresses worries about our backwardness.

Other races are deeply worried about us because we are a problem to the world. ..."
Das ist wahrhaftig eine Philippika, die sich gewaschen hat, und die, so möchte man meinen, aus einem gequälten Herzen kommt. Spricht jemand in Europa oder den USA so klagend über sein eigenes Land, über seine eigene Rasse? Und doch sind wir Europäer und Nordamerikaner für viel mehr Unglück und Unrecht in der Welt und ihr Klima verantwortlich als die Afrikaner.
"... Out of a shared sense of humanity, some cannot bear to see how we die in thousands almost every day from clearly preventable diseases and causes. For years now, our people die extremely painful but perfectly preventable deaths from buildings which collapse because they were poorly constructed. How can you tell me we are as intelligent as others when we set traps for ourselves in the name of houses and others do not do so? (...)

As I write this, I do so with great pains in my heart because I know that God has given intelligence in equal measure to all his children irrespective of the colour of their skin. The problem with us black people is that we have refused to use our intelligence to organise ourselves socially and politically. (...)

God himself must be frustrated with his black children. They must be an embarrassment to him. He has given us everything he has given to other of his children; why are his black children not manifesting their own gift?"
Und hier spricht er ebenfalls eine große Wahrheit für Europäer aus:
"I may not know how intelligence is measured but my limited knowledge of intelligence is that it can also be measured by the kind of leaders a people decide to have. ..."
In einem solchen "Intelligenz-Test" würden auch die Deutschen nicht besonders gut abschneiden. Hier seine abschließenden Sätze, sie könnten ganz ebenso an Bewohner der Nordhalbkugel gerichtet sein, vielleicht noch viel mehr an diese als an Afrikaner:
"I am ready for some of our 'patriotic' intellectuals who will write and abuse me for the 'outrage' I have expressed here but I stick to my guns: we lack intelligence and as stated in the Bible, anyone who lacks intelligence should cry unto God who is the custodian of wisdom to bestow some upon him. We should go on our knees today and ask God why we do not appear as intelligent as our other brothers. I am confident God will reveal to us what we must do, and urgently too, to change our terribly unflattering circumstances."
Übersetzt: "... Uns fehlt die Intelligenz und es steht in der Bibel, jeder, dem Intelligenz fehlt, soll zu Gott schreien, der der Hüter der Weisheit ist, damit er ihm welche verleiht. Wir sollten heute auf unsere Knie fallen und Gott fragen, warum es so aussieht, als wären wir nicht so intellgent wie unsere anderen Brüder. Ich habe Vertrauen darin, daß Gott sich uns offenbaren wird, was wir tun müssen, dringend tun müssen, um unsere schrecklichen, nicht zu beschönigenden Lebensumstände zu verbessern."

Eine personale Gottheit vielleicht nicht - aber ungekünstelte Demut macht ganz bestimmt weise. Jeden Menschen. Auch manchen Besserwisser, der glaubt, ausgerechnet durch "Gleichheits-Ideologien" dem Wohl der Menschheit besonders zu dienen.

Donnerstag, 25. Oktober 2007

James Watson - Ein Interview mit J. Philippe Rushton

Puh ... eigentlich sollte man aufhören damit, dauernd über den "Fall James Watson" zu posten. Aber man stößt immer wieder auf mitteilenswerte Nachrichten. Wie es scheint, setzt sich nämlich nach und nach, Schritt für Schritt eine ausgewogenere Berichterstattung über die Thematik durch, nachdem die erste Hysterie abgeflaut ist.

Mag dem sein wie auch immer. Selbst wenn es nur verschwindend geringe Beispiele für ausgewogene Berichterstattung sein sollten, so soll doch auf diese hingewiesen werden. Der amerikanische Radiosender NPR (National Public Radio) bringt beide Seiten zu Gehör in einer Sendung zum Thema "Rasse und Intelligenz - hängen sie miteinander zusammen?". Er bringt ein Interview mit J. Philippe Rushton (hier), einen Befürworter der These, daß es angeborene Gruppenunterschiede im Intelligenz-Quotienten gibt *) und ein Interview mit Bill Tucker (hier), einen Gegner dieser These.

J. Philppe Rushton

Tucker unterstellt den Forschungen von Rushton vornehmlich politische, nicht wissenschaftliche Motive, führt aus, daß es keine klare wissenschaftliche Defintion des Phänomens Rasse gibt, insbesondere da sich gegenwärtig die Menschen immer mehr vermischen würden. (Ein Argument, das wahrscheinlich viele heutige Humangenetiker in dieser Allgemeinheit nicht mehr unterschreiben würden, können, da man mit der Untersuchung nur kleiner, kurzer Gen-Abschnitte schon mit hoher Wahrscheinlichkeit die "Rasse" [den Herkunfts-Kontinent] des Trägers dieser Gene feststellen kann.)

Ebenso stellt Tucker infrage, daß es eine klare wissenschaftliche Definition von "Intelligenz" gibt. IQ-Tests würden nur ein sehr schmales Segment von kognitiven Fähigkeiten messen. Dieses letztere Argument kommt mir sehr gut vor. Allerdings wäre hinzuzufügen, daß manchmal kleine Segmente große Auswirkungen haben können für bestimmte Lebensbereiche wie beruflichen Erfolg, wirtschaftlichen Erfolg etc..

Beide Forscher gestehen zu, daß es Forschungen über die Korrelation von Gehirngröße und Intelligenz gibt, jüngst sogar in der Zeitschrift "Science" veröffentlicht. (St. gen. berichtete.) Tucker bringt ein besonders schwaches Argument vor beim Erörtern von statistischen Ergebnissen, wenn er einen Einzelfall herausgreift, nämlich das Gehirn von Albert Einstein, dessen absolute Größe offenbar leicht unterdurchschnittlich war. Die Korrelation ist ja sowieso nicht besonders groß zwischen Intelligenz und absoluter Gehirngröße, man sucht nach absoluten Maßen im Gehirn, die besser mit der Intelligenz korrelieren, insofern ist das Argument mit dem Gehirn Albert Einsteins gänzlich substanzlos.

J. Philippe Rushton ist übrigens nicht nur mit seiner Intelligenz-Forschungen bekannt geworden, sondern auch mit seiner genetischen Ähnlichkeits-Theorie. Aber das wäre einen eigenen Blog-Eintrag wert.

*) Leser dieses Blogs haben erfreulicherweise sein Buch schon hier bestellt - zur Nachahmung empfohlen!

Cui bono? - Der "Watson-Skandal" ein Schaden für die Wissenschaft?

Ich stimme diesen Sätzen des neuesten Editorials von "Nature" zur "James Watson-Sache" zu:
(...) Many human geneticists are engaged in the sensitive task of unravelling differences between the world's population groups, all the while acknowledging that 'race' is an emotive and unscientific word. Others are investigating the equally sensitive genetics of 'desirable' traits, such as cognitive ability.

Asking such questions has always been controversial, given the potential for abuse of the outcomes demonstrated by the history of eugenics. Scientists explore the world as it is, rather than as they would like it to be. There will be important debates in the future as we gain a fuller understanding of the influence of genetics on human attributes and behaviour. Crass comments by Nobel laureates undermine our very ability to debate such issues, and thus damage science itself.

Hervorhebung durch mich. Und ich möchte hinzufügen: Krasse Reaktionen auf krasse Kommentare unterminieren ebenfalls unsere Fähigkeit, solche Themen zu diskutieren. Man kann auch ruhig und gelassen über die Forschungsergebnisse und -thesen eines Richard Lynn, eines Bruce Lahn, eines Henry Harpending und wie sie alle heißen, diskutieren, so wie das in den letzten beiden Jahren auch immer geschehen ist. Man kann vermuten, daß das Aufbauschen der Watson-Äußerung einfach einen neuen Ton in die Debatte bringen sollte - und zwar von Seiten jener, die sie aufgebauscht haben.

Denn wenn man das öffentliche Auftreten und die öffentlichen Äußerungen von James Watson hätte kritisieren wollen, dann hätte man schon zu vielen früheren Gelegenheiten dazu Anlaß nehmen können. Ich vermute, der etwas naive Watson wurde hier von bestimmten Leuten in der Public-Relations-Industrie nur für etwas benutzt, was man für "an der Zeit" hielt.

Schon die erste Reaktion von James Watson, seine schon gebrachte Antwort zeigte, daß James Watson durch und durch zu sachlichen Diskussionbeiträgen fähig ist. Das zeigten nicht alle Reaktionen in diesem "Skandal". (Siehe auch Gen. Expr.)

James Watson wird von Henry Harpending unterstützt

Wie man den Kommentaren hier auf dem Blog entnehmen kann, hat Michael Blume in seinem neuesten Blog-Eintrag auf "Studium generale" Bezug genommen und den "James Watson-Skandal" thematisiert. Diskussionen siehe dort. Hier nur noch der Nachtrag, daß während des Watson-Skandals offenbar durchaus auch einige Zeitungen fähig waren, ausgewogener zu berichten. So entdecke ich in einem Bericht der Chicago Tribune auch folgende Mitteilung:
(...) Other researchers stand stoutly behind IQ tests as a good predictor of success in life and believe some group differences have a genetic basis. Henry Harpending, an anthropology professor at the University of Utah, has proposed that the relatively high average IQ scores of Ashkenazi Jews stemmed from genetic selection for higher intelligence among Jews in medieval Europe.

He also believes the conclusions in "The Bell Curve" about the genetic origins of racial differences are "rock solid."

"We publicly deny there's any such thing [as IQ], yet people obsess over SAT scores, and that's just another IQ test," Harpending said. (...)
Henry Harpending ist nun nicht "irgendwer". Er ist - z.B. - Autor oder Herausgeber von anthropologischen und humangenetischen Aufsätzen in der Zeitschrift PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America), die immer wieder öffentliche Beachtung finden, wie auch schon oft hier auf dem Blog deutlich werden konnte. Außerdem ist sein zusammen mit Gregory Cochran vorgebrachter Vorschlag zur Evolution (und nicht allein kulturellen Entwicklung) des aschkenasischen Intelligenz-Quotienten vor zwei Jahren mit großer Ruhe und Gelassenheit international in der Presse aufgenommen und diskutiert worden.

Übrigens vermute ich, daß James Watson zu seiner Äußerung verleitet wurde durch Gedanken, die kurz zuvor in England auf einer wissenschaftlichen Konferenz von dem Historiker Gregory Clark vorgetragen worden waren (siehe Interview in der "Süddeutschen Zeitung", worüber hier auf dem Blog berichtet wurde), und die wissenschafts-intern diesen heftigen Widerspruch nicht hervorgerufen hatten.

Samstag, 20. Oktober 2007

Die sehr differenzierten und weiterführenden Äußerungen des James Watson

Da ich den im letzten Beitrag erwähnten Text von James Watson sehr wichtig finde, habe ich ihn hier einmal ins Deutsche zu übersetzen versucht:
James Watson: Die Frage nach der Genetik der Intelligenz zu stellen, ist kein Rassismus

Der Wissenschaft sind Kontroversen nicht fremd. Es ist oft unbequem und beunruhigend, zu forschen und neues Wissen zu erwerben. Ich war niemals jemand, der davor zurückgescheut ist, das zu sagen, was ich glaube, was wahr ist, wie schwierig das auch immer sein sollte. Das hat mich von Zeit zu Zeit in gefährlichere Gewässer gebracht.

Selten so sehr wie jetzt, wo ich mich in dem Zentrum eines Sturms von Kritik befinde. Ich kann viel von dieser Reaktion verstehen. Denn wenn ich das gesagt habe, was von mir zitiert worden ist, dann kann ich nur sagen, daß ich dadurch bestürzt bin. Bei jenen, die aus meinen Worten die Schlußfolgerung gezogen haben, daß Afrika als ein Kontinent irgendwie genetisch minderwertig sei, kann ich mich nur rückhaltlos entschuldigen. Das war es nicht, was ich gemeint habe. Aus meiner Sicht noch wichtiger ist, daß es keine wissenschaftliche Basis für eine solche Vermutung gibt.

Ich habe immer energisch die Position verteidigt, daß wir unsere Weltsicht auf das Wissen stützen sollten, das wir derzeit haben, auf Fakten und nicht auf das, was wir gerne hätten wie es sein sollte. Das ist der Grund, weshalb die Genetik so wichtig ist. Denn sie wird uns zu Antworten führen auf viele der großen und schwierigen Fragen, die die Menschen seit hunderten, wenn nicht tausenden von Jahren beschäftigt haben.

Aber diese Antworten müssen nicht einfach sein, denn so weit ich das selbst nur zu gut weiß, kann Genetik schrecklich sein. Mein eigener Sohn ist ein Opfer derselben. Lebendig und anteilnehmend kann Rufus im Alter von 37 Jahren wegen Schizophrenie kein selbständiges Leben führen, da er nicht fähig ist, seinen Alltag zu meistern. Viel zu lange schon hofften meine Frau Ruth und ich, daß alles, was Rufus bräuchte, eine ihm gemäße Herausforderung wäre, auf die er sich konzentrieren könnte. Aber als er erwachsen wurde, begann ich zu fürchten, daß die Ursache seines eingeschränkten Lebens in seinen Genen liegen könnte. Diese Vermutung veranlaßte mich, dabei zu helfen, daß "Human Genome"-Projekt aufzubauen.

Als ich das tat, wußte ich, daß viele neue moralische Dilemmata als eine Konsequenz daraus hervorgehen würden und ich bemühte mich früh um die ethischen, juristischen und sozialen Kompomenten des Genom-Projektes. Seit 1978, als ein Eimer Wasser über den Kopf meines Harvard-Freundes E. O. Wilson gestürzt wurde, weil er sagte, daß die Gene das menschliche Verhalten beeinflussen, blieb der Sturm des Wunschdenkens gegenüber der menschlichen Verhaltensgenetik lebendig.

Aber diese Irrationalität muß bald verschwinden. Es wird schon bald möglich sein, individuelle genetische Erkenntnisse zu gewinnen zu Kosten, die unser Gesundheitssystem nicht ruinieren. Ich hoffe, daß wir, indem das geschieht, sehen werden, daß Änderungen in der DNS-Sequenz und nicht (allein) Umwelt-Einflüsse zu Verhaltens-Unterschieden führen. Dann sollten wir fähig sein, die relative Bedeutung der Vererbung gegenüber der Umwelt festzustellen.

Einer von drei Menschen, die in Zeitarbeits-Büros in Los Angeles nach einem Job suchen, ist ein Psycho- oder Soziopath. Ist dies eine Folge ihrer Umwelt oder ihrer genetischen Komponenten? Die DNS-Sequenzierung sollte uns die Antwort geben. Der Gedanke, daß einige Menschen angeborenermaßen böse ("wicked") sein sollen, verstört mich. Aber Wissenschaft ist nicht dazu da, uns gut fühlen zu lassen ("to make us feel good"). Sie dient dazu, Fragen zu beantworten im Dienst des Wissens und besseren Verstehens.

Indem wir das Ausmaß herausbekommen, in dem Gene das moralische Verhalten beeinflussen, werden wir auch fähig sein zu verstehen, wie Gene die intellektuellen Fähigkeiten beeinflussen. Derzeit arbeiten wir an meinem Institut in den USA an gen-bedingten Fehlentwicklungen des Gehirns, die in der Regel zu Autismus und Schizophrenie führen. Wir könnten ebenso entdecken, daß Unterschiede in genau diesen Gehirn-Entwicklungs-Genen zu Unterschieden in unseren Fähigkeiten führen können, verschiedene mentale Aufgaben auszuführen.

In einigen Fällen könnte uns das Verstehen der Funktion dieser Gene verstehen helfen, wie Variationen im IQ zustande kommen oder warum einige Menschen besonders gut sind im Gedichte-Schreiben aber schlecht in Mathematik. Viel zu oft haben Menschen mit hohen mathematischen Fähigkeiten autistische Verhaltensmerkmale. Die gleichen Gene, die einigen Menschen solche großen mathematischen Fähigkeiten geben, könnten ebenso zu autistischem Verhalten führen. Deshalb glauben wir, daß wir durch das Studium von Autismus und Schizophrenie zu einem besseren Verständnis von Intelligenz kommen werden und auch der Unterschiede in der Intelligenz.

Wir verstehen noch nicht sehr gut die Art und Weise, in der unterschiedliche Umwelten auf der Erde über die Zeiten hinweg die Gene selektiert haben, die unsere Fähigkeit zu unterschiedlichen Dingen festlegen. Der vorherrschende Wunsch in unserer Gesellschaft heute ist es annehmen zu können, daß ähnliche Denk-Fähigkeiten ein universelles Erbe der Menschheit sind. Das könnte ja auch tatsächlich so sein. Aber sich einfach nur zu wünschen, daß etwas der Fall sein möge, ist nicht genug. Das ist nicht Wissenschaft.

Solche Fragen zu stellen, heißt nicht, Rassimus zu befördern. Es geht hier nicht um eine Diskussion um Höherwertigkeit oder Minderwertigkeit, es geht darum zu versuchen, die Unterschiede zu verstehen, warum einige von uns große Musiker und andere große Ingenieure sind. Es ist sehr wahrscheinlich, daß zumindest etwa 10 bis 15 Jahre vorübergehen werden, bevor wir ein gutes Verständnis der relativen Bedeutung von Erbe und Umwelt bekommen werden in dem Erreichen von wichtigen menschlichen Zielen. Bis dahin sollten wir Wissenschaftler, wo immer wir uns selbst in dieser großen Debatte verorten, vorsichtig sein darin zu behaupten, was unbestreitbare Wahrheiten wären, ohne die Unterstützung von Beweisen zu haben.
Eine von den Fragen, die ich gerne noch genauer erläutert gehabt hätte, bzw. über die öffentlich stärker diskutiert werden müßte, wäre, welche Kriterien in Los Angeles angewandt werden, um festzustellen, daß ein Mensch ein "Psycho- oder Soziopath" ist (und ob überhaupt die angegebenen Daten von Watson stimmen). Wahrscheinlich beziehen sich diese Daten auf kriminelles Verhalten. Um hier zu Einschätzungen zu gelangen, könnte man sich die Forschungen am MAOA-Gen anschauen, über die hier auf dem Blog schon das eine oder andere mal berichtet wird. Bestimmte Ureinwohnervölker haben eine besonders große Häufigkeit von Trägern dieses Gens (etwa die Maori) und sind auch zugleich deutlich dafür bekannt, daß sie leichter gewalttätig werden können (sowohl in der Geschichte wie heute).

Wahrscheinlich hat es in seßhaften, komplexeren Gesellschaften eine Selektion gegen solche Gene gegeben, weshalb sie in Europa heute nicht mehr so häufig vorkommen. Aber nach meiner Kenntnis sind Träger des MAOA-Gens nicht per se dazu "verdammt", kriminell zu werden, sondern nur durch bestimmte Lebensumstände und Schicksalsschläge wird die Wahrscheinlichkeit leichter als bei anderen erhöht, daß sie kriminell werden. Man kann also durchaus durch ein besseres Verständnis der Verhaltensgenetik fordern, daß die Lebensumwelten besser an die spezifisch vorgefundenen genetischen Gegebenheiten angepaßt werden und daß nicht "alle Menschen über einen Kamm geschert" werden, wenn man mit ihnen umgeht oder ihr Verhalten beurteilt.

Freitag, 19. Oktober 2007

Unvollständige Berichterstattung über James Watson

In der Presse (Yahoo-Nachrichten, Spiegel) wird über eine Entschuldigung von Seiten James Watson's berichtet, bei der - wenn's hoch kommt - höchstens die Hälfte mitgeteilt wird. Dadurch entsteht ein ganz falscher Eindruck.

Von David Boxenhorn und Jason Malloy auf "Gene Expression" werden Abschnitte aus seinem "Entschuldigungs-Text" zitiert, die klar stellen, (was ich auch schon ausgeführt hatte, und was eigentlich doch selbstverständlich ist oder sein sollte), daß er nicht einen ganzen Kontinent für minderwertig erklären wollte. Das heißt, auch James Watson sieht nicht deshalb schon einen Menschen als minderwertig an, weil er nicht so intelligent ist wie Albert Einstein oder auch nicht so intelligent wie Du und ich, lieber Leser. Mehr tut er nicht.

Jason Malloy schreibt:
In seinen weiteren Ausführungen geht James Watson sehr detailliert auf die gegenwärtige Forschungssituation in der Humangenetik ein und auch auf die Geschichte der Verhaltensgenetik. Also die Vermutung all seiner Kritiker, er würde undifferenziert und ohne jede wissenschaftliche Grundlage sprechen, fällt eher auf diese Kritiker zurück. Denn viele Wissenschaftler hätten sofort sagen müssen, daß natürlich die Aussagen von Watson von den gegenwärtigen Erkenntnissen abgeleitet sind, bzw. wenigstens abgeleitet werden können. Wer anderes sagt, betreibt Desinformation. Wer Menschen aufgrund seines angeborenen Intelligenz-Quotienten zu einem minderwertigen Menschen erklärt, der ist rassistisch. Und das tun - offenbar - viele der Kritiker von James Watson, die so selbstüberzeugt der Meinung sind, sie wüßten, was "Rassismus" ist.

Diesen Gedanken hat auch schon zum Beispiel der Humangenetiker A.W.F. Edwards in seinem bekannten Aufsatz "Lewontin's Fallacy" im Jahr 2003 geäußert. Und auch das nicht als erster.

Der Titel des Aufsatzes von Watson wird benannt (The Independent): "James Watson: To question genetic intelligence is not racism". Das ist keine umfassende Entschuldigung, das ist schlicht eine Klarstellung, die sich die Journalisten genau(er) durchlesen sollten.

Mittwoch, 17. Oktober 2007

Nobelpreisträger James Watson sagt, Schwarzafrikaner sind (im Durchschnitt) (angeborenermaßen) weniger intelligent

So berichtet die britische Zeitung "The Independet" über einen derzeitigen England-Besuch von James Watson. Er soll diese Frage auch in einem neuen, bald erscheinenden Buch von ihm behandelt haben. (Gene Expression ) Der Buchtitel soll lauten: "Avoid Boring People - Lessons from a Life in Science". Hm! James Watson war schon immer damit bekannt, daß er den Nerv der Leute trifft und sie verstört, schon mit seinem ersten Buch "Genes, Girls and Gamow", seine (größtenteils auch private) Geschichte der Entdeckung der "Doppelhelix".
The 79-year-old geneticist reopened the explosive debate about race and science in a newspaper interview in which he said Western policies towards African countries were wrongly based on an assumption that black people were as clever as their white counterparts when "testing" suggested the contrary. He claimed genes responsible for creating differences in human intelligence could be found within a decade.

The newly formed Equality and Human Rights Commission, successor to the Commission for Racial Equality, said it was studying Dr Watson's remarks "in full". Dr Watson told The Sunday Times that he was "inherently gloomy about the prospect of Africa" because "all our social policies are based on the fact that their intelligence is the same as ours - whereas all the testing says not really". He said there was a natural desire that all human beings should be equal but "people who have to deal with black employees find this not true".

His views are also reflected in a book published next week, in which he writes: "There is no firm reason to anticipate that the intellectual capacities of peoples geographically separated in their evolution should prove to have evolved identically. Our wanting to reserve equal powers of reason as some universal heritage of humanity will not be enough to make it so."
Nun, hier in diesem Blog und im Buchladen ist auf die brisante, politisch unkorrekte Tatsache schon sehr oft hingewiesen worden. Wann jemals hätte sich Wissenschaft an politische Korrektheit halten können? Richard Dawkins hat sie behandelt in seinem vorletzten Buch "Ancestor's Tale" (Kapitel "A Grasshopper's Tale"). Und an zahlreichen anderen Stellen in der Literatur wird sie immer wieder in der einen oder anderen Weise mehr oder weniger offen thematisiert. Etwa von Steven Pinker. Die "New York Times" und der "Economist" und in ihrem Gefolge Zeitungen ganz berichteten schon 2005 über Forschungen zur Evolution des aschkenasischen IQ, die ganz selbstverständlich angeborene durchschnittliche Intelligenz-Unterschiede zwischen Völkern und Rassen voraussetzten.

Wenn aber natürlich eine solche Wissenschafts-Ikone wie James Watson etwas derartiges so unverfroren, unverblümt und offen äußert, nun, dann wird - möglicherweise - ein neues Stadium in der öffentlichen Diskussion erreicht. Vielleicht - man wird sehen - auch ein neues Stadium der Hysterie. Einige Menschen in England rufen offenbar schon, wie es scheint, nach dem Strafrichter.

Sollte man solche Diskussionen strafrechtlich verfolgen wollen, würde man viele Wissenschaftler in starke Konflikte bringen. Denn die Evidenz in der Naturwissenschaft wird immer stärker, daß an der These von James Watson natürlich sehr viel dran ist.

Für mich ist wesentlich zur Einordnung dieser Debatte, daß man sich klar macht, daß der Wert eines Menschen, daß das Humanum an sich nicht mit Intelligenz-Tests gemessen werden kann. Humanität - und damit der Wert von Menschen - erweist sich daran, wie sie fähig sind, mit menschlichen Begabungs-Unterschieden human umzugehen. Nur weil ein Mensch angeborenermaßen weniger intelligent ist als ein anderer muß man, kann man, darf man ihm nicht seine Würde (oder gar sein Lebensrecht ...) absprechen. Das gleiche gilt für ganze Völker oder Rassen.

Die naturwissenschaftlichen Tatsachen fordern dazu heraus, erneut darüber nachzudenken, was eigentlich tatsächlich den Menschen zum Menschen macht, und ob einer weniger "Mensch" ist, wenn er eine nicht so hohe angeborene Intelligenz hat. Wer unseren nächsten biologischen Verwandten, den Menschenaffen Menschenrechte zusprechen will - was man größtenteils für eine sehr richtige Forderung halten kann - der kann sie natürlich Menschen selbst - nicht absprechen nur weil sie weniger intelligent sind als Albert Einstein.
Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

Beliebte Posts (*darunter finden sich leider selten neuere Beiträge*)

Registriert unter Wissenschafts-Blogs

bloggerei.de - deutsches Blogverzeichnis

Haftungsausschluß

Urheber- und Kennzeichenrecht

1. Der Autor ist bestrebt, in allen Publikationen die Urheberrechte der verwendeten Bilder, Grafiken, Tondokumente, Videosequenzen und Texte zu beachten, von ihm selbst erstellte Bilder, Grafiken, Tondokumente, Videosequenzen und Texte zu nutzen oder auf lizenzfreie Grafiken, Tondokumente, Videosequenzen und Texte zurückzugreifen.

2. Keine Abmahnung ohne sich vorher mit mir in Verbindung zu setzen.

Wenn der Inhalt oder die Aufmachung meiner Seiten gegen fremde Rechte Dritter oder gesetzliche Bestimmungen verstößt, so wünschen wir eine entsprechende Nachricht ohne Kostennote. Wir werden die entsprechenden Grafiken, Tondokumente, Videosequenzen und Texte sofort löschen, falls zu Recht beanstandet.