Donnerstag, 17. September 2020

Die Pferde der Hethiter

Erst um 2000 v. Ztr. treten domestizierte Pferde in Anatolien auf

Bis um 2000 vor unserer Zeitrechnung lebten in Anatolien nur wilde Pferde. Sie hatten gleichmäßig eine einzige braune Fellfarbe. Um 2000 v. Ztr. kommen plötzlich domestizierte Pferde nach Anatolien herein (1) (Abb. 1).

Abb. 1: Genetik und Fellfarben der Pferde in Anatolien vor und nach 2.000 v. Ztr. (aus: 1)

Die ab 2000 in Anatolien auftretenden domestizierten Pferde hatten nun ein großes Spektrum an Fellfarben (Abb. 1). Die ersten domestizierten Pferde traten in Nordmesopotamien offenbar vereinzelt schon ab der Mitte des dritten Jahrtausends auf und wurden dort "Esel aus dem Gebirge" genannt. Vieles deutet darauf hin, daß die domestizierten Pferde aus dem südlichen Kaukasus heraus nach Anatolien eingeführt wurden und nicht über den Bosporus hinweg. Es wird hier insbesondere auf die Maikop-Kultur (4000 bis 3000 v. Ztr.) (Wiki, engl) verwiesen, für die es Hinweise auf Reiten gibt (1):

The abundance of horse bones and images of horses in Maikop culture settlements and burials of c. 3300 BCE in the northern Caucasus led to the suggestion that horseback riding began in the Maikop period. In addition, recent studies of ancient human genomes showed continuous gene flow between Copper Age steppes and Caucasus peoples, and later, during the Bronze Age, between Mesopotamia, Anatolia, the southern and northern Caucasus, and the steppes.

Die Menschen der Maikop-Kultur waren zumindest mehrheitlich nicht-indogermanischer (bzw. Nicht-"Steppen"-)Abstammung. Sie wiesen aber kulturell auch ausgeprägte indogermanische Elemente auf (Wiki) (Kurgane zum Beispiel). Die Maikop-Kultur gilt zugleich als aussichtsreicher Kandidat für den Ursprungsort der Ausbreitung der Nordwestkaukasischen Sprachen.

Es wird sicherlich zunächst vermutet werden dürfen, daß ähnliche domestizierte Pferde im 3. Jahrtausend auch nach Mittel- und Nordeuropa eingeführt wurden. Nachdem die Botai-Kultur in Zentralasien inzwischen von Seiten der Archäogenetik als Ursprungsort der Pferde-Domestikation ausgeschlossen ist, tritt immer mehr die Region der Urheimat der Indogermanen (Nordschwarzmeer-Raum) in den Mittelpunkt des Interesses hinsichtlich der Frage nach diesem Ursprungsort. Insbesondere nachdem nun - nach zwei neuen Studien zweier Forschungsgruppen von Eske Willerslev und Eva-Maria Geigl (1) - auch Spanien und Anatolien als Ursprungsregionen der Pferde-Domestikation ausscheiden.

Übrigens sind die ältesten Streitwagen der Weltgeschichte bislang in der Sintaschta-Kultur (2.100 - 1.800 v. Ztr.) (Wiki) in der Ukraine gefunden worden. Womöglich war der Streitwagen auch erst die Voraussetzung für die Ausbreitung domestizierter Pferde in größerer Zahl nach Anatolien hinein.

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  1. Ancient DNA shows domestic horses were introduced in the southern Caucasus and Anatolia during the Bronze Age. By Silvia Guimaraes, Benjamin S. Arbuckle, Joris Peters, Sarah E. Adcock, Hijlke Buitenhuis, Hannah Chazin, Ninna Manaseryan, Hans-Peter Uerpmann, Thierry Grange, Eva-Maria Geigl  Science Advances16 Sep 2020 : eabb0030 , https://advances.sciencemag.org/content/6/38/eabb0030.

Dienstag, 15. September 2020

Und mit einem mal ... Leben auf der Venus

Sehr überraschende neue Forschungsergebnisse

Mögliche Hinweise auf organisches Leben innerhalb der Wolken der Venus sind seit gestern Nachmittag - mit Recht - das vorherrschende Thema in der Wissenschafts-Presse (1-4). Jenseits der vielen auch philosophischen Implikationen, die mit dieser Frage verbunden sein könnten, ist auch schon allein der Weg, auf dem die Forscher auf diese Hinweise gestoßen sind und wie sie diese jetzt auswerten werden, von allerhöchstem Interesse. Wird doch hier einmal wieder - wie selten - deutlich, wie Forschung heute arbeitet und was sie zu leisten im Stande ist. Bei so philosophisch grundlegenden Fragen wie der nach Leben außerhalb der Erde fallen solche Dinge natürlich besonders ins Auge.




Das beste Video in deutscher Sprache, das einem dazu bislang unter kommen kann, stammt von der deutschen Astrophysikerin und Astronautin-Anwärterin Dr. Suzanna Randall (geb. 1979) (Wiki) (1).

Sie erklärt die neuen Forschungen sehr genau und umfassend und deshalb sehr spannend. Hier bekommt man zum ersten mal ein "Gefühl" für den Planeten Venus. Noch spannender ist natürlich für die, die der englischen Sprache mächtig sind, die Pressekonferenz, auf der die Forscher selbst gestern Abend ihre Forschungsergebnisse präsentiert und erklärt haben (2).

Natürlich findet man unter #Venus, #Leben noch andere interessante Videos auf Youtube (3, 4).

Spannend wird nun natürlich sein, ob das Leben auf der Venus die gleiche Herkunft hat wie das auf der Erde und wo dann der Ursprungsort für beide ist. Oder ob es auf beiden Planeten unabhängig voneinander entstanden ist. Die Venus scheint in früheren Jahrmillionen auch auf ihrer Gesteinsoberfläche lebensfreundlicher gewesen zu sein als heute und es wird spekuliert, daß sich das Leben dort dann später nur noch in den Wolken halten konnte, der heutigen einzigen habitablen Zone auf der Venus.

Suzanna Randall macht vor allem auch deutlich, wie schrill Bakterien leben können und wie schrill jene Bakterien sein müssen, die auf der Venus leben (wenn sie denn dort leben). Von dem vielen, was die Forschung hier an irren Dingen macht, ist eine irre Sache, daß man noch nicht mal auf der Erde weiß, welche Bakterien jenes Phosophan erzeugen, das sowohl auf der Erde wie auf der Venus in der Menge nur auf organischem, nicht anorganischem Wege entstanden sein kann und das außerdem für aerobes Leben (für Leben, das auf Sauerstoff angewiesen ist), reines Gift ist.
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  1. Randall, Suzanna: Leben auf der Venus? Was die Phosphan-Spuren bedeuten. Terra X Lesch & Co, 14.9.2020, https://youtu.be/g8_STeIv18Y.
  2. Phosphine on Venus - Royal Astronomical Society - Press Briefing, 14.9.2020, https://youtu.be/y1u-jlf_Olo.
  3. https://www.youtube.com/watch?v=gGYAGo43Lt4
  4. https://www.youtube.com/watch?v=CiqcN54rVig

Sonntag, 13. September 2020

David Reich zur Ethnogenese der Indogermanen

In einem im Juni veröffentlichten Vortrag spricht der Archäogenetiker David Reich am Ende (ab 48'38) auch über unpublizierte Forschungen zur Ethnogenese der Indogermanen.




David Reich referiert die Erkenntnisse aus der Sequenzierung von 550 archäologisch gewonnenen Genomen aus Zentral- und Südostasien. Für uns wird dabei nichts Neues referiert, da wir ja diesselben Erkenntnisse schon aus einer anderen Publikation entnommen hatten (2). Dennoch ist es gut, sich dieser Erkenntnisse aus der Sicht von David Reich noch einmal zu vergewissern.

Übrigens hat auch der Archäogenetiker Johannes Krause wieder einmal einen Vortrag gehalten (3). Neben vielem, was wir hier auf dem Blog in verschiedenen Artikeln und Videos schon referiert haben, ist in diesem an Neuem vor allem spannend eine Zusammenfassung seiner bisherigen Forschungen zur Geschichte der Krankheitserreger.

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  1. Reich, David: New Scientist, 17.6.2020, https://youtu.be/3-vHByC14bc?t=2918.
  2. Bading, Ingo: Es ist "amtlich" - Das Urvolk der Indogermanen war die Chwalynsk-Kultur um 4.500 v. Ztr. an der Mittleren Wolga, 8/2019, https://studgendeutsch.blogspot.com/2019/08/es-ist-amtlich-das-urvolk-der.html.
  3. Krause, Johannes: Die Reise unserer Gene, vhs im Norden des Landkreises München e.V., 12.5.2020, https://youtu.be/zh2GfytNMAE.

Königreiche im Elb-Saale-Gebiet - Seit dem Mittelneolithikum und in der Bronzezeit

Herrschaftszentren der Reiche des Mittelneolithikums und der Bronzezeit

Ein Buch des Landesarchäologen von Sachsen-Anhalt, Harald Meller, aus dem Jahr 2018 mit dem Titel "Die Himmelsscheibe von Nebra" (1) ist keinesfalls nur ein weiteres Buch zur Himmelsscheibe von Nebra - wie man auf den ersten Blick annehmen sollte. In diesem Buch geht es vielmehr um etwas ganz anderes als bloß um diese Himmelsscheibe. Es geht um den Nachweis von staatlichen Strukturen im Kernraum der Aunjetitzer Kultur, einer der bedeutendsten frühbronzezeitlichen Kulturen Mitteleuropas, jener Kultur, aus der die Himmelsscheibe von Nebra und ihre Begleitfunde hervorgegangen ist, und die diese Kultur deshalb - ein ganzes Stück weit - erklären hilft. Diese staatlichen Strukturen wären aus einer gesamteuropäischen Betrachtung der Frühbronzezeit leicht abzuleiten so wie wir dies hier auf diesem Blog schon vor zehn Jahren getan haben, und wofür es gerade im letzten Jahr ständig neue Hinweise gibt (siehe frühere Beiträge). Der Grund, weshalb das aber aus einer allein auf die Archäologie Sachsen-Anhalts fokussierten Betrachtungsweise im Jahr 2018 noch so schwer war, wird eigentlich erst auf Seite 278 dieses Buches genannt, nämlich in diesem Satz (1, S. 278):
Trotz intensiver Suche entdeckte die Arbeitsgruppe um Peter Ettel, Professor für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Jena, weder Befestigungsanlagen noch Höhensiedlungen.
Höhensiedlungen seit dem Mittelneolithikum und in der Bronzezeit sind ja inzwischen nicht nur für den Mittelmeerraum und die Adria (Mokodonja), sondern auch für den Donauraum und den Raum nördlich der Alpen bis in den Thüringer Wald und den Harz hinein als Frühformen protourbaner Siedlungen nachgewiesen, jüngst durch Detlev Gronenborn auch für das Rhein-Main-Gebiet (siehe viele frühere Beiträge hier auf dem Blog). Im Mittelmeerraum spricht man für die Epochen seit dem Mittelneolithikum und der Bronzezeit von "Palastkulturen" mit "Akropolis" auf der höchsten Stelle des Berges und im innersten Ring der Befestigungen, was gar so unähnlich auch für Mitteleuropa für dieselben Geschichtsepochen schon so oder ähnlich benannt worden ist. Sogar in der Nähe des Königsgrabes von Seddin ist inzwischen eine umfangreiche "Schwedenschanze" - nämlich bei dem kleinen Dorf Horst bei Pritzwalk in der Prignitz - als befestigte Siedlung der Bronzezeit nachgewiesen worden. Nur für den Elb-Saale-Raum fand sich diesbezüglich bis 2018 - offenbar - nichts. Die daraus gezogene Schlußfolgerung war aber - wie nun Forschungen des Jahres 2020 aufzeigen - man möchte fast sagen: "natürlich" zu frühzeitig gezogen worden.
 

Protourbane Siedlung bei Pömmelte (bei Magdeburg)


Ähnlich wie man im Umfeld des überregionalen religiösen Zentrums von Stonehenge eine stadtähnliche Siedlung fand, fand man in diesem Jahr 2020 im Umfeld der Kreisgrabenanlage von Pömmelte (Wiki), 25 Kilometer südlich von Magdeburg an der Elbe, ebenfalls eine solche stadtähnliche Siedlung, eine solche, die zumindest in den Feierzeiten der Winter- und der Sommersonnenwende genutzt worden ist (3):
Franziska Knoll und ihre Kollegen haben das Umfeld des Heiligtums frei gelegt und die Reste von mindestens 30 Häusern gefunden. "Es handelt sich damit um eine der größten Siedlungen der Aunjetitzer Kultur in Mitteleuropa", sagt die Archäologin. Wenige der zirka 20 Meter langen Häuser stammen aus der Zeit der Glockenbecher, die Mehrzahl hatten Menschen der Aunjetitzer-Zeit errichtet. Das belegen C-14-Daten, die Wohnbauten der beiden Kulturen haben aber auch einen unverkennbaren Grundriß: Die Glockenbecherhäuser waren trapezoid aufgebaut, die der Aunjetitzer rechteckig. "Die Siedlung war enorm groß", sagt Archäologe Bertemes. "In der Mittelmeerregion würden wir bei dieser Größe von protourban sprechen" - also von stadtähnlich. Außerdem haben die Ausgräber ein großes Gräberfeld aufgedeckt.
In Stonehenge wurde - offenbar - als großes Volksfest Weihnachten gefeiert: Nach ... (3)
"... tausenden Tierknochen, die Zoologen analysierten, waren die Schweine stets zum Zeitpunkt der Wintersonnenwende geschlachtet worden. Gezüchtet hatte man die Tiere aber woanders - an unterschiedlichen Orten auf den Britischen Inseln. Offenbar waren die Menschen aus ganz Britannien nach Stonehenge gepilgert, um dort mitten im Winter die längste Nacht des Jahres zu feiern."
In Pömmelte fand man nun in der Osthälfe des Grabenrunds achtvoll Männer bestattet, die im Alter zwischen 17 und 30 Jahren ums Leben gekommen waren. Es wurden Hinweise gefunden, daß viele Jahresfeste, die wir heute als christliche Feste wahrnehmen, die aber auch schon aus dem keltischen Kulturraum bekannt sind, schon damals in der Bronzezeit begangen worden sind (1. November, 1. Mai, 2. Februar). Und "Polterabende" mit zerbrochenem Porzellan hat es dort auch schon gegeben, denn man fand wiederholt Gruben, die mit absichtlich zerbrochenen Scherben sorgfältig abgedeckt worden waren.

Auch Hinweise auf Menschenopfer finden sich in Pömmelte (eine Frau, ein gefesseltes Kind). Und neben der Anlage von Pömmelte hat es nun - so wie in Stonehenge - eine stadtähnliche Großsiedlung gegeben. - Worauf wir hier auf dem Blog gerne noch zusätzlich hinweisen: Kurze Zeit, nachdem in Pömmelte die Anlage bewußt abgebrannt wurde und die Menschen danebst abgewandert sind (2050 v. Ztr. und 1.975 v. Ztr.), beginnt die Kultur der blonden, hochgewachsenen Wüstenmumien an der Seidenstraße, die eine westindogermanische Sprache sprachen, bei deren Grabanlagen unter anderem Pappelholz eine große Rolle spielte, und deren Tätowierungen viele Spiral- und Sonnenformen aufwiesen. Aber zurück nach Sachsen-Anhalt.
 

Überregional organisiertes Heerwesen

 
Aus der Sicht des Jahres 2018 wurde für die Frühbronzezeit des Elb-Saale-Raumes konstatiert (1, S. 278):
Die Dörfer mit ihren in Ost-West-Richtung orientierten Langhäusern reihten sich perlschnurartig entlang der Flüsse, dahinter lagen direkt die Felder. Bisher fanden wir kein einziges Haus, das bei einem kriegerischen Ereignis in Schutt und Asche gelegt worden wäre.
Dennoch kann aus solchen fast städtischen Siedlungsballungen und von ebenfalls zu findenden, im Land verteilten überdimensionierten Langhäusern und damit oft in Verbindung stehenden großen, einheitlich strukturierten Waffen-Hortfunden nicht nur auf ein organisiertes, überregionales (staatliches) Feierwesen, sondern auch auf organisiertes, überregionales ein Heerwesen geschlossen werden, auf denen die Macht und das Ansehen solcher Fürsten beruht haben kann, die dann in Fürstengräbern wie denen von Helmsdorf, Leubingen und im Bornhöck - quasi als Leiter religiöser Feiern, als geehrte Bronzeschmiede und als Gefolgschaftsführer (warum nicht: Könige?) - bestattet worden sind.

Solche Gefolgschaften werden aus jungen Männern aus vielen Teilen Europas bestanden haben, die in der Zeit, bevor sie heirateten und sich auf ihren Erbhöfen (zum Beispiel am Lech) niederließen, für eine Zeit lang in der Gefolgschaft eines angesehenen Fürsten im Elb-Saale-Raum getreten sein konnten und dabei - etwa während der großen jahreszeitlichen Feiern - nicht selten auch ihre späteren Frauen kennen lernen konnten. Für die Errichtung des "Bornhöck" waren - unter anderem - in großen Mengen wertvolle, wenig benutzte Mahlsteine genutzt worden, die ein einzelner Mensch gar nicht hätte bedienen können. Schlußfolgerung der Autoren (1, S. 279):
Erinnern wir uns an die gewaltigen Mahlsteinfunde aus dem Bornhöck: während ansonsten Familien das Mehl für den Eigenbedarf selbst mahlten, waren diese Steine nicht nur zu groß dafür, sie benötigten eigene Konstruktionen, die in gesondert errichteten Gebäuden installiert waren.
Das frühbronzezeitliche Königreich im Elb-Saale-Gebiet war also so mächtig, daß es - in seinem fruchtbaren Kernraum - zwar offenbar keiner Befestigungsanlagen bedurfte. Wie wir aus den (durch die Archäogenetik und die Strontium-Isotop-Analyse nachgewiesenen) Heiratsverbindungen des in den Langhäusern wohnenden Beamten-Adels mit dem Bereich der süddeutschen Bronzezeit und Böhmens wissen, bestanden aber - sicherlich auch zum Schutz - freundschaftliche und verwandtschaftliche Beziehungen in vergleichsweise weit entfernte Gebiete, also "Bündnisse", abgesichert durch den Austausch heranwachsender Söhne und durch Heiraten.

Doch der Ausgangspunkt der Überlegungen des Buches war (1, S. 214):
Das kalendarische Wissen der Himmelsscheibe verlangt nach einer avancierten Gesellschaft.
Und noch deutlicher (1, S. 211):
Wir müssen es mit einer Gesellschaft zu tun haben, die ein Interesse an einem Kalender hatte, der das Sonnen- und Mondjahr in Einklang brachte. Dann kann es sich nicht nur um Bauern, Hirten oder Stammeskrieger handeln, dann müssen wir das erste staatsähnliche Gebilde Mitteleuropas vor uns haben.
Zwar wurde gerade vor wenigen Wochen erst wieder in einer neuen Studie die Sicherheit der Datierung der Himmelsscheibe von Nebra in die Bronze- statt Eisenzeit infrage gestellt. Aber auch ohne diese Datierung macht es ja inzwischen viel Sinn, Hinweisen auf staatliche Strukturen in Mitteleuropa nachzugehen so wie es in diesem Buch getan wird.

Eine große bronzezeitliche Handelsstadt in Salzmünde bei Halle, 3.000 v. Ztr.


Einer dieser Hinweise ist das "Erdwerk von Salzmünde" (Wiki). Es handelte sich - offensichtlich - um eine vergleichsweise große Handelsstadt in Sichtweite der Saale (Abb. 1), gelegen zwölf Kilometer nordwestlich der heutigen Altstadt von Halle. Dieser Ort - sicherlich Handelsstadt und Herrschersitz zugleich wie das überall in der Bronzezeit angenommen werden kann - war auch Grablege und Ort vieler ritueller Handlungen, die für das ganze Reich des Herrschers von Salzmünde Bedeutung gehabt haben müssen.

Abb. 1: Der ausgegrabene Teil des Erdwerks von Salzmünde bei Halle an der Saale

Viele Sklaven haben für den Herrscher von Salzmünde gearbeitet, zum Teil sehr schwer. Und sie scheinen nicht selten sehr grausam behandelt worden zu sein. Von Sklaven im Besitz der ostgermanischen Könige spricht noch der römische Geschichtsschreiber Tacitus dreitausend Jahre später.

Die Salzmünder Kultur um 3000 v. Ztr. fällt in den gleichen Zeitraum wie das Königsgrab von Newgrange in Irland, in dem jüngst durch die Archäogenetik eine Herrscherdynastie und ein Reichsadel nachgewiesen worden sind (ebenso punktuell etwas so Urtümliches wie innerfamiliärer Inzest). Ähnliches, einen Reichsadel und eine Herrscherdynastie und urtümliche Lebensweisen sind dann sicherlich auch für andere Regionen Europas im Mittelneolithikum anzunehmen, insbesondere wenn wir zentrale, großflächig umhegte Siedlungsorte vorfinden.

Ein solcher Siedlungsort ist das "Erdwerk von Salzmünde". Die Ausgrabungen dort zeigten auf, daß rituelle Tötungen von Gefangenen und von Sklaven in den dortigen Königreichen und Palastkulturen stattfanden (1, S. 166 -171). Von den 15 aufeinanderfolgenden Kulturgruppen des Neolithikums in Sachsen-Anhalt sagt der dortige Landesarchäologe Harald Meller (1, S. 166):
Teils existierten sie zeitgleich, teils lösten sie einander ab. Leider hat kein Homer diese Ereignisse besungen; auch haben wir weder einen Herodot noch einen Thukydides, die uns über das Geschehen berichtet hätten.
Das sind schöne Worte. Denn in der Tat bedarf es auch der Phantasie, die sich nicht in Widerspruch setzt zu den erforschten Tatsachen, um die hier vorliegenden Erkenntnismöglichkeiten voll auszuschöpfen. Welche staatlichen Strukturen bestanden im Mittelneolithikum in Mittel- und Nordeuropa? Immer mehr läuft es auf die Antwort hinaus: Es gab staatliche Strukturen von "Großstaaten", vergleichbar den zeitgleichen im Vorderen Orient und im Mittelmeerraum.

Bevor die starken Befestigungsringe der mittelneolithischen Stadt an der Saale errichtet wurden, wurden an demselben Ort über Jahrhunderte Menschen bestattet, auch rituell Sklaven und Gefangene - auch Frauen und kleine Kinder - ermordet. Ihre Leichen wurden rituell deponiert an eben demselben Ort, über dem später die Fundamente der Befestigungsanlage angelegt wurden.

Vielleicht waren es Angehörige jenes Volkes, das zuvor diese Gegenden bewohnt hatte, das von einem von auswärts kommenden Reich besiegt wurde, wobei das siegreiche Reich die gemachten Gefangenen Jahrhunderte lang schwer für sich arbeiten ließ, grausam behandelte und auch rituell töten ließ. Die Besiegten wurden auch mitsamt dem Brandschutt ihrer Häuser bestattet. - Über eine solchermaßen bestattete Frau erfahren wir (1, S. 168):
Circa 1,47 Meter groß, keine 25 Jahre alt. (...) Der verheilte Ermüdungsbruch eines Brustwirbels belegt, daß sie von Jugend an schwerste Arbeiten verrichten mußte. Sie ist immer wieder mißhandelt worden. Ihr Schädel weist drei stumpfe Verletzungen auf, Schläge eines Knüppels oder einer Keule. Auch diese waren verheilt. Wenige Wochen vor ihrem Tod hatte ihr jemand brutal ins Gesicht geschlagen - ihr Unterkiefer war mehrfach gebrochen. (...) Als ob das alles nicht schon schrecklich genug wäre, wiesen die Knochen Bißspuren (...) auf. Die rechte Hand fehlte ganz. Hatte man die Tote den Hunden vorgeworfen oder ihren Leichnam unbestattet liegen gelassen? 
Um 2.800 v. Ztr. unterwarfen die indogermanischen Schnurkeramiker und Glockenbecherleute mit ihren trapezoidförmigen Hausgrundrissen die sehr wohlhabenden Reiche im Elb-Saale-Raum. Sie scheinen ihrerseits sehr umfangreich die einheimische Bevölkerung ermordet und "ersetzt" zu haben. Jedenfalls finden sich die Gene der Vorgängerbevölkerung in den nachfolgenden Jahrhunderten nur noch in geringeren Anteilen in den zugewanderten Menschen. Diese haben also nur in geringeren Anteilen einheimische Frauen geheiratet.

Ein Reichsoberhaupt wird begraben (1942 v. Ztr.)


Harald Meller behandelt auch die beiden Fürstengräber von Leubingen (1942 v. Ztr.) und Helmsdorf (1828 v. Ztr.) - und zwar nach den zeitgenössischen Grabungsberichten aus dem Kaiserreich recht ausführlich, da hier vieles von der Forschung in Vergessenheit geraten war. Das erstere war von dem bedeutenden deutschen Archäologen Friedrich Klopffleisch ausgegraben worden (1, S. 197):
Geologen bescheinigten Klopffleisch, daß die Steine aus einem Umkreis von 30 Kilometern herbeigekarrt worden sein mußten - roter Sandstein vom Kyffhäuser und weißer Sandstein aus der Umgebung von Nebra. "Was läßt diese sichere Tatsache für einen tiefen Blick in die Verhältnisse jener Urzeit tun (...)!," staunte Klopffleisch. "Wir sehen hier im Geiste die mächtigen Reihen holzrädriger Wagen oder Karren vor uns, welche, durch den leitenden Willen eines Stammesoberhaupts befehligt, den umliegenden Gau nach geeigneten Steinen ... durchsuchen. Dies alles setzt bereits die Entwicklung eines mächtigen Gemeinwesens und die Anfänge eines Verkehrslebens voraus, welches schon fahrbarer (...) Straßen sich bediente."
Der Ausgräber des zweiten Grabes war der Archäologe Hermann Größler. Meller spricht von einem weithin sichtbaren Grabhügel, in welchem wir nach den Worten des seinerzeitigen Grabungsberichts (1, S. 208):
"ein frühestes Denkmal der Ahnen unseres eigenen Volkes zu erblicken" haben.
Beide Fürsten sind recht ähnlich bestattet worden, auch jeweils mit geopferten Menschen, vermutlich Bediensteten, Sklaven oder Kriegsgefangenen. Die Ausstattung mit Metallbeigaben erinnert mehr als deutlich an die Zusammensetzung der Beigabenfunde zur Himmelsscheibe von Nebra.

Soweit nur ein erster Teil der Auswertung dieses spannenden Buches.


/ Entwurf: 6.7.2020 /
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  1. Meller, Harald, Michel, Kai: Die Himmelsscheibe von Nebra. Der Schlüssel zu einer untergegangenen Kultur im Herzen Europas. Propyläen 2018
  2. Bading, Ingo:  Zur Religions- und Stadtgeschichte des bronzezeitlichen Mitteleuropa - Personale Gottheiten und Himmelskunde in ersten Städten, 2010, https://studgendeutsch.blogspot.com/2010/01/zur-religions-und-stadtgeschichte-des.html, https://studgendeutsch.blogspot.com/2010/05/2200-1600-v-ztr-zu-einigen.html
  3. Karin Schlott: Deutschlands Vorgeschichte - Stonehenge an der Elbe - Ein Ort für brachiale Rituale, 22.04.2020, https://www.spektrum.de/news/stonehenge-an-der-elbe/1715860.
  4. H. Meller/S. Friederich (Hrsg.), Salzmünde-Schiepzig - ein Ort, zwei Kulturen. Ausgrabungen an der Westumfahrung Halle (A 143), Teil I. Archäologie in Sachsen-Anhalt, Sonderband 21/I, Halle 2014, 94-111 (Academia.edu)

Mittwoch, 22. Juli 2020

Einheimische Männer - Sie vermischen sich mit zuwandernden Frauen

Zur Ethnogenese der Indogermanen - Neue Schlaglichter aus der Forschung

Eine neue Studie des führenden Archäologen zur Ethnogenese der Indogermanen David W. Anthony ist erschienen. Leider ist auf Google Bücher bislang nur ihre Einleitung verfügbar (1). Immerhin findet sich der Inhalt dieser neuen Studie aber auch schon auf dem Wikipedia-Artikel zum Urvolk der Indogermanen ("Western Step Herders" = WSH) referiert (Wiki). Das soll im folgenden zitiert und übersetzt werden.

Abb. 1: Ethnogenese der Indogermanen - Grafik von David W. Anthony (Herkunft: Twitter)

Bevor dieses sehr vorläufige Zitat gebracht werden soll, muß aber vorausgeschickt werden, daß die darin erwähnte Dnjepr-Donez-Kultur  (Wiki) ursprünglich ein Jäger-Sammler-Volk war, das ab 5.200 v. Ztr. begonnen hat, Haustiere zu halten, ohne sich aber mit zuwandernden Bauernvölkern zu vermischen (wie wir gleich sehen werden). Das östlich von ihm lebende Volk der Chwalynsk-Kultur (das Urvolk der Indogermanen), war - so referierten wir hier auf dem Blog schon früher (2) - ab 4.700 v. Ztr. zur Haustierhaltung übergegangen, und zwar parallel zu Vermischung mit Frauen der aus dem Kaukasus zugewanderten Bauern. Wir lesen jedenfalls (Wiki):
"Anthony stellt fest, daß die 'Westlichen Steppenhirten' (Urindogermanen) eine genetische Kontinuität ihrer väterlichen Linien aufweisen zwischen der Dnjepr-Donez-Kultur und der Yamnaya-Kultur. Denn die Männer beider Kulturen waren zumeist Träger des Y-chromosomalen Hapoltyps R1B, sowie zu einem geringen Anteil des Y-chromosomalen Haplotyps I2. Während nun die mitochondriale DNA der Dnjepr-Donez-Kultur ausschließlich aus U-Haplotypen bestand, die von ost- und westeuropäischen Jägern und Sammlern stammen, schließt die mitochondriale DNA der Yamnaya auch Haplotypen mit ein, die bei kaukasischen sowie anatolisch-neolithischen Bauern zu finden sind. Anthony stellt fest, daß die 'Westlichen Steppenhirten' zuvor schon sowohl in der Sredny Stog-Kultur wie in der Khwalynsk-Kultur anzutreffen waren, die der Yamnaya-Kultur in der pontisch-kaukasischen Steppe vorausgegangen waren. Die Sredny Stog-Kultur war im wesentlichen von 'Westlichen Steppenhirten' getragen, die ein wenig mit anatolisch-neolithischen Bauern vermischt war, während die Khwalynsk-Kultur, die weiter östlich lebte, ausschließlich 'Westliche Steppenhirten'-Genetik aufwies. Anthony stellt ebenfalls fest, daß anders als ihre Khwalynsk-Vorfahren die Y-DNA der Yamnaya ausschließlich ost- und westeuropäische Jäger-Sammler-Herkunft aufweist. Dies legt nahe, daß die führenden Geschlechter der Yamnaya ost- und westeuropäische Jäger-Sammler-Herkunft aufwiesen."
("Anthony notes that WSHs display genetic continuity between the paternal lineages of the Dnieper-Donets culture and the Yamnaya culture, as the males of both cultures have been found to have been mostly carriers of R1b, and to a lesser extent I2. While the mtDNA of the Dnieper-Donets people is exclusively types of U, which is associated with EHGs and WHGs, the mtDNA of the Yamnaya also includes types frequent among CHGs and EEFs. Anthony notes that WSH had earlier been found among the Sredny Stog culture and the Khvalynsk culture, who preceded the Yamnaya culture on the Pontic-Caspian steppe. The Sredny Stog were mostly WSH with slight EEF admixture, while the Khvalynsk living further east were purely WSH. Anthony also notes that unlike their Khvalynsk predecessors, the Y-DNA of the Yamnaya is exclusively EHG and WHG. This implies that the leading clans of the Yamnaya were of EHG and WHG origin.")
Hier wird also vorausgesetzt, daß sich diese "führenden Geschlechter" über überdurchschnittlich hohen Fortpflanzungserfolg gegenüber Y-DNA nicht-ost- oder westeuropäischer Jäger-Sammler-Herkunft in den frühen Jahrhunderten der Geschichte dieses Urvolkes der Indogermanen durchgesetzt hat, bzw. sie "ersetzten". 
"Anthony vermutet, daß die Vermischung zwischen osteuropäischen Jägern und Sammlern und kaukasischen Jägern und Sammlern zuerst in der östlichen pontisch-kaukasischen Steppe um 5.000 v. Ztr. stattfand, ...
- Bislang war ein Zeitpunkt um 4.700 v. Ztr. genannt worden. Dieser war uns aber auch schon als etwas zu spät datiert erschienen. 5.000 v. Ztr. hieße nun, daß dieser Zeitpunkt vollgültig in den Zerfall der einheitlichen Bandkeramik weiter im Westen fällt und ihre Aufgliederung in Regional-Kulturen. Weiter im Text: 
... während die Vermischung mit anatolisch-neolithischen Bauern erst etwas später in den südlichen Teilen der pontisch-kaspischen Steppe stattfand. Da Yamnaya-Y-DNA ausschließlich Haplotypen ost- und westeuropäischer Jäger und Sammler aufweist, stellt Anthony fest, daß diese Vermischung zwischen ost- und westeuropäischen Jäger-Sammler-Männern und kaukasisch- und anatolisch-neolithischen Frauen stattgefunden hat. Anthony führt dies als zusätzlichen Beleg dafür an, daß die indoeuropäische Sprache ursprünglich von osteuropäischen Jägern und Sammlern gesprochen wurde, die in Osteuropa lebten. Auf dieser Grundlage folgert Anthony dann, daß die indoeuropäischen Sprachen ursprünglich das Ergebnis 'einer dominanten Sprache waren, die von den osteuropäischen Jägern und Sammlern gesprochen wurde, die kaukasus-neolithische Elemente in der Phonologie, Morphologie und im Wortschatz absorbiert hat' (wie sie von den kaukasischen Bauern gesprochen wurde).
("Anthony suggests that admixture between EHGs and CHGs first occurred on the eastern Pontic-Caspian steppe around 5,000 BC, while admixture with EEFs happened in the southern parts of the Pontic-Caspian steppe sometime later. As Yamnaya Y-DNA is exclusively of the EHG and WHG type, Anthony notes that the admixture must have occurred between EHG and WHG males, and CHG and EEF females. Anthony cites this as additional evidence that the Indo-European languages were initially spoken among EHGs living in Eastern Europe. On this basis, Anthony concludes that the Indo-European languages whom the WSHs brought with them were initially the result of "a dominant language spoken by EHGs that absorbed Caucasus-like elements in phonology, morphology, and lexicon" (spoken by CHGs).")
Leider ist die Wiedergabe der Gedanken von Anthony an dieser Stelle ier noch nicht sehr ausführlich und deshalb zum Teil auch noch nicht recht verständlich. So richtig klar wird zum Beispiel nicht, welche Rollen die Dnjepr-Donez- und die Sredny Stog-Kultur nach Ansicht von Anthony für die Ethnogenese der Indogermanen hatten. Einstweilen halten wir an der Sichtweise fest, die wir schon 2017 hier auf dem Blog zitierten (Zitat Andreas Vonderach nach: 3):
"In der Ukraine zeigt sich mit der wahrscheinlich aus östlicheren Gebieten eingewanderten Kurgan-Bevölkerung ein völliger Bruch zur Vorbevölkerung der Dnepr-Donez-Kultur, die durch extreme Größenmaße und Robustizität, lange Schädel, breite Gesichter und Nasen und noch niedrigere Orbitae (Augenhöhlen) charakterisiert war. Der extreme, eher jungpaläolithische oder mesolithisch anmutende Typus der Dnepr-Donez-Kultur verschwindet gegen Ende des Neolithikums ohne erkennbare Spuren zu hinterlassen."
Die hier genannte Dnjepr-Donez-Kultur (Wiki) (5.000-4.200 v. Ztr.) blieb also sehr konservativ, hat keine Vermischung mit zuwandernden Bauernfrauen betrieben und wurde schließlich von der östlicheren, indogermanischen Yamna-Kultur (Wiki) (4.000-2.300 v. Ztr.) abgelöst, bzw. wohl "ersetzt". Diese war aus der Khvalynsk-Kultur (5.000-4.500 v. Ztr.) (Wiki) an der Mittleren Wolga hervorgegangen. 

Sehr anschaulich sind in Grafik 1 die Grenzen der Verbreitungsräume der jeweils vorherrschenden Herkunftsgenetik eingezeichnet zum Zeitpunkt der Frühgeschichte der Indogermanen.
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  1. Anthony, David W. (2019b). "Ancient DNA, Mating Networks, and the Anatolian Split". In Serangeli, Matilde; Olander, Thomas (eds.). Dispersals and Diversification: Linguistic and Archaeological Perspectives on the Early Stages of Indo-European. BRILL. pp. 21–54 (GB)
  2. Bading, Ingo: 2019, https://studgendeutsch.blogspot.com/2019/08/es-ist-amtlich-das-urvolk-der.html.
  3. Bading, Ingo: 2017, https://studgendeutsch.blogspot.com/2017/07/ancient-dna-forschung-und-physische.html.

Freitag, 17. Juli 2020

KEINE ungebrochene genetische Kontinuität in Ostasien von der Eiszeit ins Neolithikum

Ist die Genetik in Ostasien insgesamt einheitlicher als die in Europa?

Die Ethnogenese des chinesischen Volkes glaubten wir hier auf dem Blog seit März diesen Jahres im Wesentlichen schon verstanden zu haben (1). Wesentlich war uns autochtone, sprich einheimische genetische Kontinuität seit dem Neolithikum, vielleicht sogar noch länger gewesen. Nun aber gibt es noch einmal neue Erkenntnisse zur Herkunft der Ostasiaten sowohl im Norden wie im Süden Ostasiens (2), die die bisherigen Erkenntnisse nicht unbedingt deutlich revidieren, die sie aber doch noch einmal erheblich ergänzen und in Bezug auf Kontinuität korrigieren. Sie werfen damit auch neue Fragen auf.

Abb. 1: Genetische Daten von 24 Individuen von 11 Ausgrabungsorten aus der Zeit 9.500 bis 4.500 v. Ztr. (aus: 2)

Die wesentliche neue Erkenntnis (2): Die nacheiszeitlichen Ostasiaten unterscheiden sich genetisch sehr deutlich von den eiszeitlichen und vorneolithischen Menschen in Ostasien. Sie haben also am Ende der Eiszeit oder nach der Eiszeit Populationsflaschenhälse durchlaufen, die die Nord- und Süd-Ostasiaten untereinander einander genetisch ähnlicher sein lassen als beide Gruppierungen (bzw. Völkergruppen) genetisch ähnlich sind mit den Menschen in Ostasiaten während der Eiszeit. Ob etwas Paralleles so auch für Europa gesagt werden kann? Jedes Ursprungsvolk Europas (3) unterscheidet sich genetisch von jedem anderen so stark wie sich heute noch die Europäer genetisch von den Ostasiaten unterscheiden (so erläuterte das David Reich in verschiedenen Vorträgen der letzten Jahre). Daß das in Ostasien nun anders zu sein scheint, ist noch einmal ein neues und überraschendes Ergebnis. Es scheint ja darauf hinaus zu laufen, daß die modernen Ostasiaten sowohl im Norden wie im Süden vornehmlich von einer einzigen vorneolithischen Herkunftsgruppe abstammen, die sich dann noch vor dem Frühneolithikum wieder voneinander getrennt hat. Im Wortlaut (2):
"Umfangreiche genetische Drift in Ostasien legt nahe, daß ostasiatische Populationen nach der Eiszeit in stärkerem Maße einen zugleich engeren genetischen Populations-Flaschenhals durchlaufen haben als die Europäer."
("High levels of genetic drift in East Asia suggest that East Asian populations underwent strong population bottlenecks prior to the Holocene and to a greater degree than Europeans.") 
Das heißt, daß die Ostasiaten - und zwar sowohl im Norden wie im Süden Ostasiens - insgesamt noch stärker aus einer (einzigen?) Flaschenhals-Population beim Übergang zur Nacheiszeit hervorgegangen sind als das jene Europäer sind, die vorwiegend von dem Urvolk der Indogermanen mit seiner Yamnaja-Genetik abstammen.

In der schon Mitte Mai veröffentlichten Studie, an der auch David Reich mitgearbeitet hat, konnten genetische Daten von 24 Individuen von 11 Ausgrabungsorten gewonnen werden, die um 7.500 v. Ztr. herum lebten, davon acht im nördlichen Ostasien (Innere Mongolei und Provinz Shandong) und 16 im südlichen Ostasien (südchinesische Küste und Taiwan). Und nun noch einmal das spannende Ergebnis in anderen Worten (2):
"Die neolithischen Ostasiaten (insgesamt) teilten mehr genetische Gemeinsamkeiten mit neolithischen Sibiriern, Tibetern und südwestpazifischen Insulanern als mit 'frühen Asiaten'."
("Neolithic East Asians share more genetic similarity with Neolithic Siberians, Tibetans, and Southwest Pacific Islanders (f3 = 0.28-0.32) than with ‘early Asians’.")
Zugehörig zu der Gruppe der "frühen Asiaten" werden gerechnet, das sei noch zur Erläuterung angeführt (2):
"Zum Beispiel 8.000 bis 4.000 Jahre alte Hòabìnhians (archäologische Kultur in Vietnam) von der Insel Laos und aus Malayisia in Südostasien, das 3.000 Jahre alte Ikawazu-Individuum aus Japan und das 40.000 Jahre alte Tianyuan-Individuum aus Peking, China."
("E.g., 8,000-4,000-year-old  Hòabìnhians  from  Laos  and  Malaysia  in  Southeast  Asia,  the 3,000-year-old Ikawazu individual from Japan, and the 40,000-year-old  Tianyuan  individual  from  Beijing,  China.")
Es muß also gesagt werden: Im Neolithikum leben sowohl im südlichen wie im nördlichen Ostasien andere Völker als während der Eiszeit in denselben Regionen gelebt haben, Völker auch, die sich untereinander ähnlicher sind als mit denen während der Eiszeit. Es könnte sein, daß für die Völker des europäischen Neolithikums grundsätzlich Ähnliches gesagt werden kann. Weiter heißt es (2):
"Einige spätneolithische südliche Ostasiaten teilen eine genetische Verbindung mit nördlichen Ostasiaten, von der wir weiter unten vorschlagen, daß sie mit Vermischung in Zusammenhang steht."
("Some Late Neolithic southern East Asians share a connection to northern East Asians, which we below suggest is related to admixture.")
Und (2):
Alle Ostasiaten (einschließlich südliche Festland-Ostasiaten) teilen eine (genetische) Nähe mit neolithischen nördlichen Ostasiaten (...). Schätzungen der Herkunftsanteile in unserem Vermischungsmodell zeigen, daß dies auf nördliche ostasiatische Herkunftsanteile zurück geführt werden kann in südlichen Festland-Ostasiaten, wobei der Anteil der nördlichen ostasiatischen Herkunft zwischen 21 und 55 % beträgt (...). Südliche ostasiatische Herkunft erstreckt sich gleichermaßen nach Norden, es wird in Han-Chinesen des nördlichen China (zu 36 bis 41 %) ebenso gefunden wie in einigen nördlicheren Ostasiaten (z.B. Xibo, Koreaner, 35 bis 36 % ...).
("All East Asians (including mainland southern East Asians) share an affinity with Neolithic northern East Asians (...). Estimates of ancestry proportions in our mixture models show that this is due to increased northern East Asian-related ancestry in southern mainland East Asia, with estimates of northern East Asian-related ancestry ranging from 21-55% (...). Southern East Asian ancestry also extends north as well, as it is found in Han populations from northern China  (36-41%  ...), as well as some northern East Asians (e.g., Xibo, Korean, 35-36% ...")
Das eine solche Vermischung heute vorliegt, hatten wir schon ausgeführt (1). Hier wird gemutmaßt, daß sie nicht nur durch eine Süd-Nord-, sondern zugleich durch eine gegenläufige Nord-Süd-Bewegung zustande kam. Im Einklang mit Studien aus dem März (1) heißt es weiterhin (2):
"Die spätneolithischen südlichen Ostasiaten weisen genetische Verbindungen zu den nordostasiatischen Bianbian im Küstenbereich auf, die frühneolithische südliche Ostasiaten nicht aufweisen. (...) Die nordostasiatische Herkunft, die in allen heutigen Festland-Ostasiaten vorgefunden wird, steht vorwiegend in Verbindung mit Populationen entlang des Unterlaufes des Gelben Flusses. Diese Beobachtungen stimmen überein mit archäologischen und historischen Untersuchungen, die einen Ursprung der ethnischen Gruppierung der Han im nördlichen China entlang des Gelben Flusses annehmen."
("The Late Neolithic  southern  East  Asians share a connection to the coastal northern East Asian Bianbian that Early Neolithic southern East Asians do not share. (...) The northern East Asian ancestry found in all present-day mainland East Asians is primarily related to populations along the lower reaches of the Yellow River. These observations are consistent with archaeological and historical studies that argue for an origin of the Han ethnic group in northern China, along the Yellow River.")
Wiederum in Übereinstimmung in dem, was wir schon im früheren Blogartikel schrieben (1), heißt es dann im Diskussionsteil (2):
"Es gab nicht nur eine Ausbreitung von nördlicher ostasiatischer Herkunft hinunter ins südliche Ostasien, sondern ebenso kann südliche ostasiatische Herkunft auch in einigen heutigen nördlichen Ostasiaten gefunden werden. Die Tatsache, daß wir Vermischung in solchem Ausmaß nicht im Neolithikum finden, bedeutet, daß ein nicht geringer Teil der Bevölkerungsverschiebung, der zum heutigen ostasiatischen genetischen Verteilungsmuster beitrug, nach dem Neolithikum geschehen sein muß."
("Not only was there spread of northern East Asian ancestry into southern East Asia, but southern East Asian-related ancestry can be found in some present-day northern East Asians. That we do not observe admixture to this extent in the Neolithic suggests that much of the human movement that contributed to present-day East Asian genetic patterns must have occurred after the Neolithic.")
Dies bestätigt und ergänzt das bisher hier auf dem Blog schon Ausgeführte. Von genetischer Kontinuität von der Eiszeit bis ins Neolithikum hinein kann allerdings wohl für Ostasien nicht mehr die Rede sein.
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  1. Bading, Ingo: Die Ethnogenese des chinesischen Volkes, März 2020, https://studgendeutsch.blogspot.com/2020/03/die-ethnogenese-des-chinesischen-volkes.html
  2. M. A. Yang et al. (David Reich, Mark Stoneking): Ancient DNA indicates human population shifts and admixture in northern and southern China. In: Science Magazine, 14.5.2020, https://reich.hms.harvard.edu/sites/reich.hms.harvard.edu/files/inline-files/YangSciecne2020.pdf
  3. Bading, Ingo: Juni 2020, https://studgendeutsch.blogspot.com/2020/06/die-ursprungsvolker-europas.html

Samstag, 4. Juli 2020

Wandlungsfreude und Beharrungsvermögen in der Völkergeschichte

In ihren Auswirkungen auf regionale demographisch-genetische Kontinuität oder deren Abbruch
- Einige grundlegendere Überlegungen ausgehend vom derzeitigen Forschungsstand der Archäogenetik

Der Übergang zur seßhaften Lebensweise und zum Leben in Staaten stellt das dehnbare Band zwischen den Genen und der Kultur eines Volkes unter starke Beanspruchung. Ein despotischer Herrscherwille, der vornehmlich von Weisheit geleitet ist und eine entsprechende, in Kultur und Genen schon angelegte Bereitschaft der Angehörigen eines Volkes, sich einem solchen Herrscherwillen unterzuordnen, mag einen solchen Übergang erleichtern, ohne daß das genannte Band zerreißen muß, und ohne daß das jeweilige Volk in der Folge von anderen Völkern gar zu leicht ersetzt wird (demographisch).

Gelingt dieser Übergang zur seßhaften und bäuerlichen Lebensweise in einer bestimmten Frist und auch über lange Jahrhunderte und Jahrtausende hinweg nicht nachhaltig genug - wie etwa bei den europäischen Fischer-, Jäger- und Sammler-Völkern - dann können diese Völker von Völkern ersetzt werden, bei denen dieser Übergang schneller gelungen ist und ohne daß dabei das bei ihnen vorliegende dehnbare Band zerrissen worden wäre. Eben unter anderem durch weise, despotische Herrschaftsformen unterschiedlicher Art.

In Ostasien hat die starke Beharrungsfreude der dortigen Völker offenbar dazu geführt, daß sich diese nicht gar zu häufig gegenseitig bedrängt haben bei ihrem jeweiligen Übergang zur seßhaften Lebensweise. Diese vollzog sich dort in jeder Region (Gelber Fluß, Tibet, Amur-Fluß) offenbar in der regional jeweils gegebenen zeitlichen Abfolge, ohne daß eine Be- oder Verdrängung von außen her eine gar zu große Rolle gespielt zu haben scheint (1). (Abgesehen von solchen Ausnahmen wie der Jomon-Kultur auf Japan etwa.) Man bedenke, daß zum Beispiel auch die taiwanesisch-stämmige austronesische Seefahrer-Kultur, die die südpazifische Inselwelt besiedelt hat, sich offenbar vornehmlich darauf beschränkt hat, eine zuvor unbesiedelte Inselwelt zu besiedeln, und ohne andere Völker zu bedrängen. Sie scheint dabei also vergleichsweise selten andere Völker bedrängt oder gar ersetzt zu haben. Auf diese Weise jedenfalls kam in Ost- und vielen Teilen Südostasiens jene Jahrtausende lange genetische Kontinuität seit dem Mesolithikum zustande, wie sie inzwischen sehr deutlich zu beobachten ist durch die Archäogenetik (1).

In Europa hat die starke Wandlungsfreude der hiesigen Völker hingegen dazu geführt, daß die anatolisch-neolithische Völkergruppe und die iranisch-neolithische Völkergruppe, die in ihren Ursprungsregionen bis heute einigermaßen genetische Kontinuität seit dem Mesolithikum aufweisen, sich sehr früh und außerordentlich stark demographisch expansiv verhalten haben (Abb. 1), auch auf Kosten anderer Völker, die in den jeweiligen Regionen zuvor ansässig waren, und denen - deshalb - keine Zeit gelassen wurde, eigenständig und mit der ihnen eigenen Kombination von Genen und Kultur zum Ackerbau überzugehen.

Bei den Bandkeramikern etwa wurde schon vor Jahrzehnten (zuerst von Jens Lüning) (bei der Erforschung "ältestbandkeramischer" Siedlungen) sogar sehr bewußt expansives, "eroberndes" Kolonisations-Verhalten (sozusagen "Rodungsbauerntum") festgestellt. Das heißt: Die nachfolgende Generation der Siedler an der jeweiligen Siedlungsgrenze dieser Kultur begründete eine neue Siedlungsstelle nicht etwa in der Nähe ihrer Heimatsiedlung, sondern gleich 30 Kilometer fern der Heimatsiedlung inmitten des entlegenen Urwalds. Und erst in der nachfolgenden Generation wurde auch der Zwischenraum aufgesiedelt. (Daß dies "staatlich koordiniert" geschehen sein könnte, fiel der Forschung bislang schwer anzunehmen. Es mehren sich aber inzwischen die Hinweise auf quasi-staatliche Koordination auch bei den Bandkeramikern, etwa in Form überregionaler religiöser Zentren, sowie von Verteidigungsanlagen und Kriegszügen.) Also schon bei den anatolisch-neolithischen Bauernvölkern, bzw. (womöglich) ihren frühen Staaten ist sehr viel Veränderungsfreude, ja, Eroberungswille zu erkennen. Nur deshalb konnte sich die Bandkeramik so schnell über so weite Teile Mitteleuropas (bis ins Pariser Becken und bis zur Kanalküste) ausbreiten.

Daß die in Europa einheimischen Fischer-, Jäger- und Sammler-Völker auch selbstständig zum Ackerbau hätten übergehen können, wird prinzipiell durchaus möglich gewesen sein. Immerhin könnte man sagen, daß ihnen - etwa auf den britischen Inseln oder in der norddeutschen Tiefebene oder im Ostseeraum - mehrere Jahrhunderte oder gar Jahrtausende Zeit dazu gegeben worden war von Seiten der Weltgeschichte. Als Hemmfaktoren dafür könnten vorgelegen haben:
  1. Die große Veränderungsbereitschaft schon kulturell weiter entwickelter europäischer Völker, die "schneller" diesen Übergang vollzogen haben und die dann jeweils selbst sehr schnell expansiv und erobernd tätig wurden.
  2. Die womöglich in Genen und Kultur stärker angelegte Unfähigkeit in diesen einheimischen mittel- und nordeuropäischen Völkern, sich anderen, weiseren Menschen des eigenen Volkes - wie es sicher dafür notwendig gewesen wäre - sozial unterzuordnen und in die Gemeinschaft einzuordnen.
Diese letztere Unfähigkeit hat ja noch der römische Geschichtsschreiber Tacitus - weltgeschichtlich vergleichsweise "spät" - bei den heidnischen Germanen festgestellt und beobachtet. Diese heidnischen Germanen stammten ja - wie wir noch heute - schon zur Zeit des Tacitus zu einem höheren Teil von der Völkergruppe der (zum Teil blonden) osteuropäischen Fischer, Jäger und Sammler ab als die meisten schon damals den Römern bekannten Völker. Und in Genetik und Kultur dieser ursprünglichen Völkergruppe könnte Individualität eine Rolle gespielt haben wie in keiner Kultur sonst weltweit. Deshalb scheint in dieser Völkergruppe bis heute die Fähigkeit, höherer Einsicht innerhalb der sozialen Gemeinschaft zu folgen, vergleichsweise bescheiden ausgebildet zu sein. In dieser Kultur will es jeder für sich "besser wissen".

Genau diese Unfähigkeit und die daraus folgende, zum Teil ganz unglaubliche Uneinigkeit mag bei der Ethnogenese der Indogermanen an der Mittleren Wolga nun in einem ersten weltgeschichtlichen Schritt abgemildert worden sein dadurch, daß in das eigene Volk 47 Prozent iranisch-neolithische Genetik (wohl vor allem über die weibliche Linie) eingemischt wurde. Womöglich gelang das sogar, ohne daß das zuvor bei den osteuropäischen Fischern, Jägern und Sammlern bestehende Band zwischen Genen und Kultur vollständig zerrissen wäre. Anhand der Tierkopfszepter (vormals Elchkopfszepter) zum Beispiel ist erkennbar, daß vorherige kulturelle Traditionen auch nach der Transformation zu den Urindogermanen fortgeführt wurden.

Europe agricultural revolution
Abb. 1: Der Eroberungszug der anatolisch-neolithischen Dorfgemeinschaften und frühen Staaten durch Europa (7.000 bis 4.300 v. Ztr.) - Wikirictor / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0) (Wiki)

/ Anmerkung: Dieser Beitrag versucht eine zusammenfassende Deutung der in den letzten beiden Jahren hier auf dem Blog referierten archäogenetischen Erkenntnisse zur Völkergeschichte Europas und Asiens, ohne noch einmal gesondert jeden einzelnen Beitrag dazu zu zitieren. Bitte für Einzelheiten zahlreiche Blogartikel der letzten beiden Jahre hier auf dem Blog konsultieren, bzw. studieren. Die hier eingestellte Grafikn kann übrigens nur eine erste Andeutung geben. Sie ermöglicht keinerlei tieferes Verständnis. Vorläufig anstelle einer vergleichbare Grafik für China seit dem Mesolithikum eine solche für die Zeit seit 1.000 v. Ztr.: (Wiki). 

___________________
  1. Bading, Ingo: Die Ethnogenese des chinesischen Volkes, 27.3.2020, https://studgendeutsch.blogspot.com/2020/03/die-ethnogenese-des-chinesischen-volkes.html
  2. Bading, Ingo: Deutschlands Vorgeschichte im Überblick, 23.6.2020, https://youtu.be/5A5YCpuanTI.

Dienstag, 30. Juni 2020

Die Ursprungsvölker Europas

Während und nach der letzten Phase der Eiszeit
- Ein Überblick

Bei den sogenannten "archäogenetischen Linien" (Wiki), die bis heute bekannt und erforscht sind, handelt es sich um "Völkergruppen" von Jäger-Sammler-Völkern, die vor dem jeweiligen regionalen Übergang zum Ackerbau große Territorien vergleichsweise dünn besiedelt haben (s.a. Wiki). Aus ihnen sind - zu unterschiedlichen genetischen Anteilen - die nachfolgenden Völkergruppen der frühen europäischen, neolithischen Bauernkulturen und der ersten Staaten Europas hervorgegangen.

Als erstes Ursprungsvolk sind zu nennen die Jäger und Sammler, bzw. ersten Bauern des Levanteraumes, die sogenannten "Natufier" (Erntevölker mit dörflicher Halbseßhaftigkeit in Rundhäusern, sowie auch schon mit Hausmaus) (Abb. 1). Diese sind erstmals in der Menschheitsgeschichte zum Vollneolithikum übergegangen und haben einen großen Teil der heute in Europa verbreiteten Pflanzen- und Tierarten domestiziert.*) Dies geschah an den Oberläufen von Euphrat und Tigris in der Südtürkei, im Kernraum des sogenannten "Fruchtbaren Halbmonds".

Von diesen haben dann die anatolischen Jäger und Sammler ab 7000 v. Ztr. den Ackerbau übernommen und sind so zur großen Völkergruppe der anatolisch-neolithischen Bauernvölker (Wiki) geworden, die sich in den nachfolgenden Jahrtausenden bis auf die britischen Inseln und bis nach Skandinavien ausgebreitet hat. Zu ihnen gehörte beispielsweise auch der berühmte Ötzi (Wiki) aus der Zeit um 3.300 v. Ztr., aus der Zeit der letzten Phase der von diesen Völkern getragenen mittelneolithischen Geschichtsepoche mit den ersten Staaten und ersten Städten Europas. In Südeuropa, im Mittelmeerraum und bis Indien tragen Menschen in unterschiedlichen Anteilen Genetik dieser Völkergruppe in sich, wobei die heutigen Sarden auf Sardinien am meisten genetische Herkunft auf sie zurückführen können (etwa 60 %).

Abb. 1: Verbreitung der Ursprungsvölker Europas aus Sicht der Archäologie: Mittelmeer-Kulturen ("anatolische Jäger und Sammler"), Kulturen der Mittleren Donau (vermutlich "osteuropäische Jäger und Sammler"), Trialetien ("kaukasische Jäger und Sammler", Zarzian (iranische Jäger und Sammler), sowie Natufium (levantinische Jäger und Sammler) (Wiki)
Zu den europäischen Ursprungsvölkern gehören sodann die spanischen Jäger und Sammler, benannt als "Goyet-Cluster" (Wiki), nämlich nach Menschenfunden in einer gleichnamigen Höhle in Belgien (!). Diese Herkunftsgruppe hat ursprünglich einmal die Eiszeitkultur des Magdalenien (18.000 bis 12.000 v. Ztr.) (Wiki) in Frankreich und Spanien getragen (1). Sie ist heute weitgehend ausgestorben, war aber bis nach Süddeutschland, Nordostfrankreich und Belgien verbreitet und hat sich daselbst schon während des Magdalenien auch mit den westeuropäischen Jägern und Sammlern (Wiki) vermischt. Die Einzelheiten dieser Vorgänge - insbesondere während der Eiszeit - sind von der Forschung wohl in den nächsten Jahren noch zu klären. Nach einem Menschenfund aus Nordostfrankreich um 5.100 v. Ztr. haben sich Menschen dieser Herkunftsgruppe aber auch noch mit den zugewanderten anatolisch-neolithischen Bandkeramikern vermischt (1).

Die westeuropäischen Jäger und Sammler sind jedenfalls fast das wichtigste europäische Ursprungsvolk. Es handelt sich um dunkelhäutige, blauäugige Menschen, die sich nach der Eiszeit von Norditalien ("Villanova-Cluster") bis auf die britischen Inseln ("Cheddar-Man" [Wiki]) und bis nach Skandinavien ausgebreitet haben. Die westeuropäischen Jäger und Sammler haben einen nicht unbeträchtlichen genetischen Einfluß auf die Völker des Neolithikums Europas genommen (meistens 10 bis 30 % genetische Anteile), meistens auffälliger Weise über die männliche Linie. Diese Völkergruppe hat in Rückzugsräumen auch noch lange parallel zu umgebenden Bauernvölkern gelebt. Es hat mit den Bauernvölkern etwa von Mittelpommern aus auf Fischerbooten Handel über die Flüsse Oder und Weichsel getrieben. In Skandinavien (z.B. auf der Insel Gotland) befand sich einer ihrer letzten Rückzugsräume während der Frühbronzezeit. Es handelte sich hierbei um die Kultur der Grübchenkeramik (Wiki). Nach 2.300 v. Ztr. ist diese Völkergruppe kulturell und genetisch ausgestorben. Wir heutigen Europäer tragen allerdings noch einige wenige genetische Anteile von ihr in uns. Ehre ihrem Angedenken! Sie waren tapfere Seeleute, tapfere Fischer und Krieger. Sie haben viele Jahrhunderte, ja Jahrtausende friedlich im Austausch mit den umliegenden Bauernvölker gelebt (in den Höhenlagen der deutschen Mittelgebirge, sowie z.B. im Umkreis der Blätterhöhle in Westfalen, am Schweriner See, in Mittelpommern ...), aber sie haben sich - wenn es notwendig war - auch tapfer und erfolgreich gegen diese Bauernvölker gewehrt und wurden dann - gerne auch einmal - von ihnen als Gefangene blutig geopfert. Sie trugen in unterschiedlichen genetischen Anteilen zu den Völkern des Mittelneolithikums bei.

In dem schon 1878 erschienenen, noch heute lesenswerten historischen Roman "Rulaman" (von David Friedrich Weinland) (Wiki) ist dieser Völkergruppe ein Andenken gegeben worden, das noch einige Gültigkeit für sich beanspruchen darf. Der Roman schildert auch das erste Zusammentreffen der dunkelhäutigen Einheimischen, die in den Höhlen der Schwäbischen Alp lebten, mit den hellhäutigen Bauern, die aus dem Süden her zuwanderten. Er hat damit intuitiv ein Geschehen vorweg genommen, das sich - nach heutigem Kenntnisstand - genau so ab etwa 5.500 v. Ztr. in Höhlen in der Schwäbischen Alp abgespielt haben kann und in nachfolgenden Jahrhunderten und Jahrtausenden immer und immer wieder bis hoch auf die britischen Inseln und bis hoch nach Skandinavien.

Abb. 2: Illustration aus dem Roman "Rulaman" von 1878
Zu den Ursprungsvölkern Europas gehörten weiterhin die hellhäutigen, osteuropäischen Jäger und Sammler (Wiki). Ihr Verbreitungsraum reichte von Sibirien bis nach Ungarn und bis in den Ostseeraum. Schon um 15.000 v. Ztr. haben Angehörige dieser Völkergruppe am Jennisei in Sibirien blonde Haarfarbe aufgewiesen. Sie sind zu nicht geringen genetischen Anteilen unsere Vorfahren. Vermutlich stammen alle blonden Menschen weltweit von ihnen ab.

Weiterhin gehören zu den Ursprungsvölkern Europas die kaukasischen Jäger und Sammler (Wiki). Sie finden sich wieder in der archäologischen Kultur des Trialetien (Wiki). Sie lebten vor allem von der Jagd auf Steinböcke, Wildschweine und Braunbären. Nach den neuesten Untersuchungen zur Domestizierung der Ziege haben gleich fünf der Ursprungsvölker Europas je ihre eigenen Ziegen domestiziert (2, 3). Ursprungspopulationen domestizierter Ziegen sind nachgewiesen sowohl für das westliche Zagros-Gebirge, für die Südhänge des Kaukasus, sowie für die Nordhänge des Kaukasus. Andere Ursprungspopulationen befinden sich außerdem im Levanteraum, in Südanatolien und auf der griechischen Halbinsel. Offenbar haben die Archäogenetiker einen vergleichbaren Unterschied in der Genetik der Menschen des Kaukasus mit denen des Iran bislang nicht gefunden. Aus genetischer Sicht scheint die Völkergruppe der kaukasischen Jäger und Sammler diejenigen des Iran (Zagros-Gebirge) und diejenigen am kaspischen Meer mit einzuschließen. So der derzeitige Forschungsstand.

Die skandinavischen Jäger und Sammler (Wiki) werden von den Archäogenetikern als eine Mischung zwischen westeuropäischen Jägern und Sammlern, die zuerst die Südküste der Ostsee besiedelt haben, und osteuropäischen Jägern und Sammlern, die zuerst die Nordküste der Ostsee besiedelt haben, beschrieben. 2017 behandelte eine entsprechende archäogenetische Studie die genetische Geschichte der Maglemose- (Wiki), der Kongemose- (Wiki) und der aus ihr folgenden Ertebolle-Kultur (Wiki) im Nord- und Ostseeraum zwischen dem heutigen England und Finnland und kam auf die genannten Ergebnisse (4). Und sie kamen zugleich zu dem Ergebnis, daß diese Völker genetisch heute als ausgestorben zu gelten haben.

Schließlich ist ab 4.800 v. Ztr. an der Mittleren Wolga das dort entstandene Volk der "Steppenhirten" (Wiki) zu nennen, bzw. der Indogermanen, die aus der Chwalynsk-Kultur hervorgegangen sind und die zu 43 % kaukasische Jäger-Sammler-Genetik in sich trugen und zu 57 % osteuropäische Jäger-Sammler-Genetik. Aus diesem Volk ging im Verlauf des Spätneolithikums und der nachfolgenden Geschichtsepochen eine ganz neue, riesige Völkergruppe hervor, deren Völker sich über ganz Asien, Europa und zum Teil über den Vorderen Orient ausbreiteten, und von der viele, weltgeschichtlich große Völker schon am Ende der Spätantike wieder untergegangen sind (antike Griechen, antike Römer, antike Perser, antike Sogder, antike Tocharer, Skythen und viele andere mehr). Bei ihr handelt es sich um jene Völkergruppe, auf die die heutigen Europäer zu größten Teilen ihre genetische Herkunft zurückführen können.
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*) "Desperate times forced rise of farming." (New Scientist 1994) - "Notzeiten (Hungerzeiten) waren (vermutlich) der Antrieb zum Übergang zum Ackerbau".
**) Zitat (1):
Die Beobachtung, daß diese Herkunft von GoyetQ2 in Jägern und Sammlern gemeinsam mit Villabruna-Herkunft gefunden wurde Les Perrats im westlichen Frankreich (∼9,100 calB.P.), ebenso wie in Jägern und Sammlern in Rigney1 (zentralöstliches Frankreich; ∼15,500 calB.P.) und in zwei Höhlen im südwestlichen Deutschland, Hohlefels (∼15,000 calB.P.) und Burkhardtshöhle (∼14,600 calB.P.), legt eher nahe, daß diese gemischte Herkunft ein Charakteristikum der westeuropäischen Jäger und Sammler gewesen ist.
Original: The observation that the ancestry of GoyetQ2 was found alongside Villabruna ancestry in HGs from Les Perrats in western France (∼9,100 calB.P.), as well as in HGs from Rigney1 (central-eastern France; ∼15,500 calB.P.) and from two caves in southwestern Germany, Hohlefels (∼15,000 calB.P.) and Burkhardtshöhle (∼14,600 calB.P.), rather indicates that this mixed ancestry is characteristic of western European HGs.
Man wird gespannt sein dürfen, nach welcher Richtung hin sich die hier andeutenden Forschungsergebnisse künftig noch klären werden.
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  1. Ancient genomes from present-day France unveil 7,000 years of its demographic history. May 2020, Proceedings of the National Academy of Sciences 117(23):201918034, DOI: 10.1073/pnas.1918034117, veröffentlicht 26.5.2020, Samantha Brunel, Andrew Bennett, Laurent Cardin ... Melanie Pruvost, https://www.pnas.org/content/117/23/12791.abstract?etoc
  2. Kevin G. Daly et. al.: Ancient goat genomes reveal mosaic domestication in the Fertile Crescent. Science 06 Jul 2018: Vol. 361, Issue 6397, pp. 85-88, DOI: 10.1126/science.aas9411 http://science.sciencemag.org/content/361/6397/85.full.
  3. https://studgendeutsch.blogspot.com/2020/04/das-volk-der-cardial-keramik-es-stammt.html
  4. Torsten Günther, Helena Malmström, Emma Svensson, (...) Jan Storå, Anders Götherström, Mattias Jakobsson: Genomics of Mesolithic Scandinavia reveal colonization routes and high-latitude adaptation. doi: https://doi.org/10.1101/164400, Preprint 30.7.2017, https://www.biorxiv.org/content/early/2017/07/30/164400, veröffentlicht 9.1.2018, https://journals.plos.org/plosbiology/article?id=10.1371/journal.pbio.2003703

Freitag, 19. Juni 2020

"Eine dynastische Elite in der Megalithkultur" Europas (3.500 v. Ztr.)

Waren die Megalith-Gräber Grablegen von Großkönigen? - Königsdynastien und ihre Städte im europäischen Mittelneolithikum (4200 bis 3100 v. Ztr.)

Schon vor zehn Jahren beschäftigten wir uns hier auf dem Blog mit archäologischen Hinweisen auf Rinderwagen-Prozessionen entlang der Gräber von angesehenen Vorfahren in Norddänemark aus der Zeit um 3.100 v. Ztr. (25), also kurz vor dem Untergang der dortigen Trichterbecherkultur (oder während desselben), bzw. während des dortigen Einmarsches der osteuropäischen Kugelamphoren-Kultur, gemeinsam mit oder zeitlich kurz darauf gefolgt von der Schnurkeramik-Kultur (26). Diese Erkenntnisse drängten uns schon vor zehn Jahren das Bild auf, daß das erste Auftreten von Rinderwagen in der europäischen Geschichte und Hinweise auf das früheste Bestehen von staatlichen Strukturen, von Zentralverwaltungen, Herrschersitzen parallel miteinander gingen (Abb. 1). Und genau dieser Umstand wird neuerdings durch eine schon auf der Titelseite von "Nature" mit "Familienbande" angekündigten archäogenetischen Studie zum mittelneolithischen Hochadel Irlands deutlich untermauert (21-23).

Abb. 1: Frauen ziehen auf Ochsenwagen aus einer eingenommenen Stadt ab - Eindrucksvolles Wandrelief im Palast des neu-assyrischen Königs Tiglathpileser III (etwa 745-725 v. Ztr.) (Wiki) - Das erste Auftreten von Rinderwagen und die früheste Staatenbildung im europäischen Mittelneolithikum scheinen parallel gegangen zu sein (25).

"Eine dynastische Elite in der Megalithkultur" ("A dynastic elite in monumental Neolithic society"), so lautet der eigentliche Titel dieser Studie, die vor zwei Tagen erschienen ist (21-23). Sie weist auf die mögliche Existenz einer stark hierarchisch gegliederten Gesellschaftsstruktur im europäischen Mittelneolithikum hin für die Zeit um 3.500 v. Ztr.. Im Mittelpunkt steht insbesondere die berühmte irische Grabanlage Newgrange (Wiki) (Abb. 2). Die Archäogenetik liefert hier Hinweise auf eine komplexe und hierarchisch gegliederte Gesellschaftsstruktur, an deren Spitze Groß-Könige ("Gott-Könige") standen, die zudem aus einem reichsweiten Hochadel ("Elite") hervorgegangen sind, der untereinander heiratete, und in der auch kulturell sehr seltene Geschwisterehen praktiziert wurden.

Bis 3.800 v. Ztr. hatten in Irland über lange Jahrtausende endogam lebende mesolithische westeuropäische Fischer, Jäger und Sammler gelebt, deren Herkunft ursprünglich auf Norditalien zurück geführt werden kann (das westeuropäische "Villanova-Cluster"), von wo aus sich diese Völkergruppe nach der Eiszeit bis nach Irland und Skandinavien ausbreitete. Die irische Untergruppe dieser Völkergruppe wies über Jahrtausende hinweg nur wenig genetischen Austausch mit Kontinentaleuropa oder England auf.

Abb. 2: Newgrange (Fotograf: Ingo Winkler) (Wiki)

3.800 v. Ztr. brachten dann seßhafte Bauernvölker - vorwiegend anatolisch-neolithischer Herkunft und vermutlich aus Spanien (21, 24) - die bäuerliche Lebensweise nach Irland. Das vorherige Volk der westeuropäischen Fischer, Jäger und Sammler starb in den folgenden Jahrhunderten auf Irland genetisch fast vollständig aus. Die Zuwanderer errichteten ab 3.500 v. Ztr. die sogenannten "Passage Tombs". Diese monumentalen Grabanlagen scheinen getragen gewesen zu sein von einer Reichselite, einem Hochadel, aus dem - wie schon gesagt - Groß-Könige hervorgingen (21-23). Familien, in denen Inzest nicht Tabu war, waren - kulturgeschichtlich bezeugt - weltweit oft führende Königsfamilien. Ein solcher Fall scheint nun auch für Irland für die Zeit um 3.100 v. Ztr. nachgewiesen zu sein (21-23). Die abschließenden Worte der Studie lauten (21):
Zusammen mit Abschätzungen der Inzucht und der genetischen Verwandtschaft erweitern unsere Methoden das Repertoire, mit Hilfe dessen die Entwicklung von bäuerlichen Gesellschaften von kleinen Häuptlingschaften zu (großen) Zivilisationen erforscht werden kann. Insbesondere untermauern unsere Ergebnisse eine Neubewertung der sozialen Schichtung und der politischen Integration in den Megalithkulturen an der Atlantikküste. Sie legen nahe, daß diese Passage-Tomb-Gesellschaften in Irland mehrere Kennzeichen besaßen, die innerhalb von frühen Staaten und ihren Vorläufern gefunden werden können.
Original: Together with estimations of inbreeding and kinship, these methods broaden the scope within which we can study the development of agricultural societies from small chiefdoms to civilizations. Specifically, our findings support a reevaluation of social stratification and political integration in the megalithic cultures of the Atlantic seaboard, and suggest that the passage-tomb-building societies of Ireland possessed several attributes found within early states and their precursors.
Das sind überraschend weitreichende Einsichten. Dabei spricht auch der Archäologe Detlef Gronenborn seit mehreren Jahren mit Bezug auf die zeitgleiche Michelsberger Kultur im Raum von Frankfurt am Main - aufgrund der Erforschung von solchen mittelneolithischen Höhenburgen wie der auf dem Kapellenberg bei Frankfurt oder auf dem Glauberg in Mittelhessen in ähnlicher Weise von "Anfängen der Urbanisierung", und zwar zwischen 4200 und 3500 v. Ztr. (18).

Abb. 3: Umschlagbild zu Newgrange: "Familienbande"
Auf dem Kapellenberg hat er den Grabhügel einer prestigeträchtigen Person ergraben, die kulturelle und Handelskontakte über das Pariser Becken bis in die Bretagne, sowie bis in den Raum von Halle im heutigen Sachsen-Anhalt und bis in den Raum von Stuttgart aufrecht erhielt (18, 19).

Solche Sichtweisen gehen ja nun schon weit über die These von der mitteleuropäischen bronzezeitlichen Stadtgeschichte hinaus, die wir seit etwa zehn Jahren hier auf dem Blog vertreten haben, und bei der wir glaubten, uns recht weit im Vorfeld der Mehrheitsmeinung in der Universitäts-Archäologie zu bewegen. Mit diesen Studien schließt diese nun schnell und zügig auf.

Gut kann man sich solche prestigeträchtigen "Königsgräber" übrigens verbunden denken mit den steinernen Eigendarstellungen eben dieser mittelneolithischen europäischen Kulturen, die wir hier auf dem Blog schon behandelt haben, und die durch diese neue Sichtweisen ebenfalls eine ganz neue  Einordnung erhalten (20). Es wird sich um die Darstellungen von Angehörigen der gesellschaftlichen Eliten handeln. All das würde heißen, daß die von Osten her ab 2.800 v. Ztr. erobernd sich über Europa ausbreitenden Königreiche der Schnurkeramik- und Glockenbecher-Kultur schon auf ebenso hierarchisch gegliederte einheimische Königreiche und Fürstentümer gestoßen sind. Das ändert völlig die Sichtweise auf das europäische Mittelneolithikum.

Insgesamt machen diese neuen Forschungen auf Umstände aufmerksam, deren Bedeutung man sich in der Forschung erst allmählich, nach und nach deutlicher bewußt werden wird und die man sich erst nach und nach wird vergegenwärtigen können. Zum Beispiel: Jene Prozesse des "genetic replacement", die ab 2.800 v. Ztr. die heutige genetische Verfaßtheit Europas hervorbrachten, fanden innerhalb staatlicher Strukturen statt, innerhalb staatlicher Strukturen in Form von Fürstentümern, vielleicht von Großreichen. Und damit dürften dann noch zahlreiche andere Schlußfolgerungen verbunden sein, die von den meisten Forschern heute vermutlich noch gar nicht zu Ende gedacht sind. So wird früher oder später geschlußfolgert werden können oder müssen, daß schon die proto-indeuropäischen Gottvorstellungen (Wiki) sozusagen "Reichsgottheiten" darstellten, Gottheiten also, die im Rahmen von größeren staatlichen Strukturen verehrt und angebetet worden sind - so wie das dann auch schon von den vorindogermanischen, mittelneolithischen Gottheiten wird angenommen werden können. Solche Großreiche deuten sich ja für Mittel- und Nordeuropa in den letzten Jahren auch immer mehr für die Bronzezeit an.

Vielleicht ist deshalb auch die staatliche Verfaßtheit der keltischen und germanischen Stämme wie sie in der Klassischen Antike von den Griechen und Römern des Mittelmeerraumes überliefert worden ist, noch gar nicht voll verstanden worden. Zum einen könnte sie einen kulturellen und zivilisatorischen Zustand festgehalten haben, wie er sich erst nach der Umbruchzeit um 1200 v. Ztr. in Mittel- und Nordeuropa ergeben haben könnte, wo es vorher - seit dem Mittelneolithikum - schon deutlich weiter fortgeschrittene staatliche Strukturen gegeben haben könnte. Zum anderen könnte es aber auch sein, daß man die schriftlichen Quellen der Griechen und Römer unter solchen Aspekten einfach noch einmal neu lesen muß.

Anhang: Breitete sich die Hausmaus mit dem Rinderwagen in Europa aus?


Eine weitere, neue archäogenetische Studie
- Sie kann - mit viel Aufwand - erneut nicht besonders viel klären
Wann also kommt sie endlich in Schwung, die deutsche, archäologische Hausmaus-Forschung?

Aber auch im Bereich der Hausmaus-Forschung ist soeben eine neue Studie erschienen (1). Dr. David Orton (Universität York) konnte ein wichtiges Puzzelteil zu dieser Studie beitragen, nämlich weitere Belege für das Vorhandensein der osteuropäischen Hausmaus (!) in Serbien um 4.500 v. Ztr. (2, 3).




Ob aber mit dieser Studie nun das Bild der frühesten Ausbreitung der Hausmäuse nach Europa insgesamt mehr Sicherheit erlangt als bisher? Diese Studie geht davon aus, daß die Hausmäuse sich erst in der Eisenzeit in Europa ausgebreitet haben. Uns war die Datenlage für diese These bislang zu dünn (4). Zumal ja schon im Jahr 2008 eine Studie von frühbronzezeitlichen Hausmäusen in Südengland berichtete (5). Die Studie zur Geschichte der Hausmaus auf den britischen Inseln von 2008 wird aber in dieser neuen Studie aus dem Jahr 2020 noch nicht einmal erwähnt. Dieser Umstand verstört uns. Wird diese britische Studie aus dem Jahr 2008 nicht als gute Forschung angesehen?

Daß es so auffallenderweise - nach einer Studie aus dem Jahr 2018 - die Syrische Wildkatze in der Nähe Rinderwagen besitzender bäuerlicher Siedlungen in Mitteleuropa gegeben hat (6, 7), wird in dieser neuen Studie als wichtiger Umstand benannt (1):
Paläogenetische Studien liefern eine klaren Hinweis darauf, daß die erste von Menschen vermittelte Verbreitung der Syrischen Wildkatze nach Europa von Anatoloien ausging und sich über das heutige Bulgarien um 4.400 v. Ztr., Rumänien um 3.200 v. Ztr. und Polen um 3.000 v. Ztr. vollzog.
Paleogenetic studies provide clear evidence that the first human mediated dispersal of F. s. lybica towards Europe stemmed from Anatolia, spreading towards current Bulgaria by 6,400 cal BP, Romania by 5,200 cal BP and up to Poland by 5,000 cal BP.
Tatsächlich weisen derzeit alle sichereren Forschungsergebnisse darauf hin, daß sich die (osteuropäische) Hausmaus und damit einhergehend die Syrische Wildkatze erst mit dem Rinderwagen erstmals in Europa ausgebreitet hat.

Von über 800 Funden von Mausüberresten in archäologischen Kontexten konnten nur 85 aufgrund äußerer anatomischer Merkmale Unterarten zugeordnet werden (1). Chemische und genetische Untersuchungsmethoden liefern inzwischen weitaus sicherere Daten. Die Studie konnte die westeuropäische Hausmaus (M. m. domesticus) in Höhlen des Zagros-Gebirges des Iran schon ab 40.000 v. h. feststellen (also während der Eiszeit), allerdings noch nicht im Zusammenhang mit Hinweisen auf menschliche Aktivitäten. Ähnliches gilt für die osteuropäische Hausmaus (M. m. musculus) am Südufer des Kaspischen Meeres.

Wie wir schon wissen, findet sich die westeuropäische Hausmaus dann schon in den Siedlungen des Natufium und des vorkeramischen Neolithikums im Fruchtbaren Halbmond an den Oberläufen von Euphrat und Tigris, in der Ursprungsregion der Seßhaftigkeit und des Ackerbaus (1, 9). Über die weitere Ausbreitung heißt es dann (1):
Nördlich des Kernbereiches des akeramischen Neolithikums fanden wir Hinweise für spätneolithische und kupferzeitliche Ausbreitung der westeuropäischen Hausmaus Richtung Kaukasus (....) zwischen 3.000 und 2.000 v. Ztr., was die Rolle des Nahen Osten bei dem neolithischen Verbreitungsmuster (der Hausmaus) unterstreicht. Östlich davon finden wie die Anwesenheit der westeuropäischen Hausmaus im südlichen Zagros und auf dem iranischen Plateau zwischen 5.000 und 4.000 v. Ztr..
Northward from the PPN core area, we found evidence for the Late Neolithic and Chalcolithic dispersal of M. m. domesticus towards Transcaucasia in Norsun Tepe and Ovçular Tepesi, between 5,000 and 4,000 cal BP (...), supporting the role of the Near East in the Neolithic makeup of Transcaucasia. Eastward, we found the presence of M. m. domesticus in the southern Zagros (Tol-e Nourabad) and Iranian Plateau (Tepe Zagheh) between 7,000 and 6,000 cal BP.
Dann folgt das vermutlich wichtigste Ergebnis dieser Studie: Um 6.000 und 5.000 v. Ztr. findet sich die Hausmaus auf dem griechischen Festland in Siedlungskontexten ausdrücklich noch nicht (1):
Alle zehn Mausüberreste aus früh-, mittel- und spätneolithischen Kontexten im kontinentalen Griechenland konnten als autochthoner "Wild-"Phänotyp (Mus macedonicus) sowohl aufgrund anatomischer Merkmale wie Cytochrom b-Untersuchungen  identifiziert werden, wobei diese direkt datiert werden konnten auf 6.000 v. Ztr. und 5.000 v. Ztr..
All of the ten samples from Early, Middle and Late Neolithic contexts from continental Greece have been identified as the autochthonous “wild” phenotype (Mus macedonicus) with GMM and Cytochrome b (...) and directly dated at Mavropigi (8,455 - 7,329 cal BP) and Avgi (7,424 - 7,175 cal BP). (...) In Aegean contexts, the occurrence of M. m. domesticus is only documented from the Bronze Age (...), where it occurs in all the Early, Middle and Late Bronze Age contexts of urban sites in Crete (GSE, Chania, Mochlos, and Malia) and Santorini (Akrotiri), strongly supporting the absence of house mouse in Neolithic contexts. Its occurrence in Akrotiri is confirmed by the Cytochrome b identification dated between 4521 and 3,864 cal BP.
Das ist ein sehr wichtiger Hinweis. In der Ägäis können Hausmäuse erst in der Bronzezeit nachgewiesen werden. Stattdessen finden die Forscher, daß nicht die westeuropäische, sondern die osteuropäische Hausmaus die erste Hausmaus-Unterart ist, die - für sie sicher - auf dem europäischen Kontinent nachgewiesen ist (1):
Ihr Auftreten ist dokumentiert in spätneolithischen / kupferzeitlichen Haushalts-Funden (4.500 v. Ztr.) in Tell-Siedlungen in Südost-Rumänien und Serbien.
Its occurrence is documented from Late Neolithic / Chalcolithic household deposits (mid 7th millennium BP) from tell sites in Southeastern Romania (Bucșani) and Serbia (Vinča-Belo Brdo). Its identification has been confirmed in Bucșani by ancient Cytochrome b sequences, secured for six specimens and a direct radiocarbon dating between 6,627 and 6,413 cal BP (...). The M. m. musculus remains in Vinča-Belo Brdo have not been directly dated but they have been sampled from a deposit that derives from a fire event confidently dated to 6510–6460 cal BP. The occurrence of commensal musculus has also been documented in Turkmenistan by 3,000 cal BP, with the remains of musculus being found in a storage jar from the proto-urban tell site of Ulug Depe.
An diesem Forschungsergebnis hatte, wie schon angedeutet, David Orton Anteil. Sein Anteil (2, 3) macht aber klar, wie kursorisch und zufällig und wenig systematisch die Hausmaus-Forschung für Kontinental-Europa immer noch ist. Wenn in dieser neuen Studie über 800 Hausmaus-Funde aus ganz Südwest-Asien gesammelt worden sind, das Ergebnis unser Wissen aber dennoch nur in der eben umrissenen Weise erweitert, dann sieht man daran, wie schwer hier Erkenntnisfortschritte zu erlangen sind. Würden die deutschen Zooarchäologen sich - endlich - intensiver in diese Forschungen einschalten, müßten doch recht zügig gültigere Forschungsergebnisse zu erlangen sein. Forschungsergebnisse jedenfalls, auf die wir hier auf dem Blog seit 12 Jahren warten.

Ein wichtiges Puzzelstück konnte aufgrund guter Überlegungen beigetragen werden


Denn dieses Thema ist uns hier auf dem Blog seit 2008 wichtig. Das neue Forschungsergebnis, daß sich die osteuropäische Hausmaus um 4.500 v. Ztr. auch schon in Serbien findet, ändert insgesamt das hier auf dem Blog vermittelte Bild noch wenig. Auch dies fällt in den Zeitraum, in dem sich die ersten Indogermanen gerne auch schon - wie bis Rumänien - bis Serbien ausgebreitet haben und dabei die osteuropäische Hausmaus von den Ufern des kaspischen Meeres oder vom Kaukasus aus mitgebracht haben (oder von noch weiter östlich ..., nämlich: China) (9).
Die bisherigen spärlichen Hinweise in der archäologischen Literatur auf Überreste von Hausmäusen aus der Bandkeramik (insbesondere in Bylany), die wir hier auf dem Blog zusammen getragen hatten (10-14), wären also damit noch einmal erneut daraufhin zu überprüfen, ob es sich bei ihnen um die west- oder die osteuropäische Hausmaus handelt. Uns gefällt übrigens sehr der Ausgangspunkt der Überlegungen von David Orton (zit. n. 2):
"Die Leute sagten, daß Mäuse sich während des Neolithikums nicht nördlich des Mittelmeeres ausgebreitet haben, weil europäische Siedlungen nicht groß und dicht genug gewesen wären, um ihnen den ihnen angemessenen Lebensraum zu liefern. Aber nachdem ich diese großen Siedlungen an den serbischen Ausgrabungsorten kennen gelernt hatte, wußte ich, daß das so generell nicht wahr sein kann."
"People have said that mice didn't spread north of the Mediterranean in the Neolithic because the European settlements just weren't big or dense enough to support them, but having worked on these big Serbian sites I knew that wasn't universally true."
Das waren kluge Überlegungen, die unseren eigenen entsprechen, und die ja auch durch die Natufium-Studie sehr erhärtet worden sind (8). Wir möchten an dieser Stelle noch einmal auf unsere eigenen Überlegungen hinweisen, nach denen es vor der Eisenzeit niemals eine höhere Siedlungsdichte gegeben hat als zur Zeit der Bandkeramik (15). Diese unsere Überlegungen aus der Zeit zwischen 1995 und 2008 hatten allerdings noch nicht die Existenz der bronzezeitlichen mitteleuropäischen Höhenburgen und protourbanen Siedlungen mit einbeziehen können. Mit diesen ist ja - vermutlich - die Hausmaus in der Frühbronzezeit nach Südengland gekommen.

Natürlich stellen die Megasites der Cucuteni-Tripolye-Kultur, die es um 4.500 v. Ztr. auch in Serbien gegeben habt, und die der Ausgangspunkt der Überlegungen von David Orton waren, noch einmal eine ganz eigene Kategorie dar. Diese stehen aber zugleich auch in kultureller - und auch humangenetischer - Kontinuität zu den bandkeramischen Siedlungen, die sich bis an den Westrand der Ukraine ausgebreitet hatten. Aber der neue Gedanke, der auch uns durch diese neue Studie (1) aufgedrängt wird, könnte sein: Vielleicht fehlte im europäischen Frühneolithikum (Bandkeramik) Getreidetransport über weite Strecken hinweg, um der Hausmaus eine Ausbreitung in Kontinentaleuropa zu ermöglichen.

Es schält sich also derzeit heraus, daß sich die Hausmäuse in Europa mit den Rinderwagen-besitzenden Bauernkulturen ausgebreitet haben. Was in Osteuropa mit den osteuropäischen Hausmäusen möglich war, muß ja in Westeuropa auch mit den westeuropäischen Hausmäusen möglich gewesen sein (- ?). Zumal es eine so dezidierte Artgrenze gibt.

Aber solange eine Klärung solcher Fragen für den mitteleuropäischen Raum nur auf so vereinzelte Bemühungen von Archäologen wie David Orton zurückgehen, werden wir wohl noch länger auf eine abschließendere Klärung der hier erörterten offenen Fragen warten müssen. Der noch junge Archäologe David Orton ist auch auf Youtube auch mit einem Vortrag über die Archäologie der Hausratte vertreten (16). Mit dieser hatten wir uns hier auf dem Blog auch schon beschäftigt (17). Immerhin ermutigend, daß im aktuellen DGUF-Newsletter auf diese Forschungen hingewiesen worden ist (3). Dann sollte doch endlich auch einmal der eine oder andere maßgeblichere deutsche Archäologe wacher werden können bezüglich der hier behandelten Fragestellungen in der Forschung.

Siehe auch den Artikel von Michael Gross in "Current Biology" (27).

/ zuerst veröffentlicht 29. Mai 2020
(zu den Hausmäusen);
später erweitert um den ersten Teil /
_________________
  1. Tracking the Near Eastern origins and European dispersal of the western house mouse. Thomas Cucchi, Katerina Papayia (...) David Orton (...) François Bonhomme, Jean-Christophe Auffray & Jean-Denis Vigne. Open Access Published: 19 May 2020, Scientific Reports volume 10, Article number: 8276 (2020), https://www.nature.com/articles/s41598-020-64939-9
  2. A game of cat and mouse: new study reveals Europe’s earliest house mouse…. followed swiftly by the house cat.  21 May 2020, https://www.york.ac.uk/archaeology/news-and-events/news/external/news-2020/agameofcatandmousenewstudyrevealseuropesearliesthousemouse/
  3. https://dguf.de/newsletter/index.php/component/acymailing/mailid-99
  4. https://studgendeutsch.blogspot.com/2008/05/keine-hausmaus-in-europa-vor-der.html 
  5. https://studgendeutsch.blogspot.com/2008/10/die-hausmaus-als-eine-erkenntnisquelle.html
  6. https://www.nature.com/articles/s41437-018-0071-4
  7. https://studgendeutsch.blogspot.com/2018/02/bandkeramik-wildkatzen-und-hausmause.html
  8. https://studgendeutsch.blogspot.com/2017/07/die-hausmaus-gab-es-schon-im-natufium.html
  9. https://studgendeutsch.blogspot.com/2014/09/die-stadte-der-indogermanen-und-ihre.html
  10. https://studgendeutsch.blogspot.com/2008/05/die-hausmaus-in-der-weltgeschichte.html
  11. AT Clason: The animal bones of the Bandceramic and Middle Age settlements near Bylany in Bohemia. Published 1970-12-15 in: Palaeohistoria 14, 1968 (1970), https://ugp.rug.nl/Palaeohistoria/article/view/25009, https://rjh.ub.rug.nl/Palaeohistoria/article/viewFile/25009/22469
  12. A. M. Kreuz: ... in Analecta praehistorica Leidensia, Bände 23-24, Seite 52 
  13. Miloš Macholán, Stuart J. E. Baird, Pavel Munclinger, Jaroslav Piálek (eds.): Evolution of the House Mouse, 2012 (Google Books, p. 80)
  14. Kriegs, Jan Ole; Vierhaus, Henning (2016): Kleinsäugernachweise in Sedimenten der prähistorischen undhistorischen Emscher. In: Bodenaltertümer Westfalens (Researchgate
  15. https://studgendeutsch.blogspot.com/2009/01/die-weltgeschichtliche-bedeutung-der.html
  16. Dr David Orton: Archeology of Black Rat in Roman to Medieval Europe. (FULL Lecture) (180 Aufrufe, Stand 29.5.2020), 15.06.2018, Videokanal von Dr Victor Fursov - Entomologist Beekeeper (15.800 Abonnenten), https://youtu.be/1QEErcKVmrA.
  17. https://studgendeutsch.blogspot.com/2010/02/von-ratten-gottern-menschen-und.html
  18. Gronenborn, Detlef: Anfänge der Urbanisierung im Rhein-Main-Gebiet – der Kapellenberg bei Hofheim am Taunus vor 6000 Jahren, https://web.rgzm.de/forschung/forschungsfelder/a/article/anfaenge-der-urbanisierung-im-rhein-main-gebiet-der-kapellenberg-bei-hofheim-am-taunus-vor-6000-jah/
  19. Gronenborn, D., Thiemeyer, H., Cramer, A., Antunes, N., Neubauer, D., & Pétrequin, P. (2020). A later fifth-millennium cal BC tumulus at Hofheim-Kapellenberg, Germany. Antiquity, 1-8. doi:10.15184/aqy.2020.79 (Cambridge
  20. https://studgendeutsch.blogspot.com/2019/12/die-altesten-eigendarstellungen-der.html
  21. A dynastic elite in monumental Neolithic society. Lara M. Cassidy, Ros Ó Maoldúin, Thomas Kador, Ann Lynch, Carleton Jones, Peter C. Woodman, Eileen Murphy, Greer Ramsey, Marion Dowd, Alice Noonan, Ciarán Campbell, Eppie R. Jones, Valeria Mattiangeli & Daniel G. Bradley. Nature volume 582, pages 384–388 (2020), Published: 17 June 2020, https://www.nature.com/articles/s41586-020-2378-6.
  22. https://www.nature.com/articles/d41586-020-01655-4
  23. https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/inzucht-in-der-steinzeitlichen-elite-irlands/
  24. https://studgendeutsch.blogspot.com/2011/08/4100-v-ztr-tertiare-neolithisierung-im.html
  25. https://studgendeutsch.blogspot.com/2010/10/3100-v-ztr-der-rinderwagen-in-der.html 
  26. Brozio, Jan Piet et al. The Dark Ages in the North? A transformative phase at 3000–2750 BCE in the western Baltic: Brodersby-Schönhagen and the Store Valby phenomenon. Journal of Neolithic Archaeology, [S.l.], v. 21, p. 103–146, dec. 2019. ISSN 2197-649X. Available at: <http://www.jna.uni-kiel.de/index.php/jna/article/view/181>. Date accessed: 19 dec. 2019. doi: https://doi.org/10.12766/jna.2019.6. 
  27. Gross, Michael: Of mice, men, cats and grains. In: Current Biology, Juli 2020, https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0960982220309908, http://proseandpassion.blogspot.com/2020/07/playing-cat-and-mouse.html
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