Gopal Norbert Klein: Was wir von ihm lernen und was uns bei ihm (noch) fehlt
Ein wilder, zugewachsener Garten, davor eine verschlossene Tür.
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| Abb. 1: Ein verwilderter Garten - hinter verschlossener Tür (Wiki) |
Das ist das Bild, das sich uns inzwischen aufdrängt, nachdem wir uns zwei Jahre lang mit Gopal Norbert Klein (Yt2026) beschäftigt haben. Und dieses Bild erscheint uns hilfreich, weiter führend. Für Betroffene ebenso wie für Angehörige und jeden Menschen sonst.
Der Traumatherapeut Gopal Norbert Klein verströmt erstaunlich viel Zuversicht. Er tut es wie kaum ein anderer, der in seinem Themenbereich tätig ist und der zumindest uns bekannt ist. Freilich, zuversichtlich kann jeder sein. Aber selten möchte man Menschen bei so schwierigen Themen wie sie Gopal behandelt, auch ebenso viel Recht zusprechen zu Zuversicht. Gegenüber Gopal sind wie dazu gerne bereit.
Kritisieren kann jeder. Aber wer kann es besser machen? Wer bringt es treffender auf den Punkt?
Gopal Norbert Klein sagt mit großer Zuversicht: Kindheits-, bzw. Entwicklungstrauma kann geheilt werden. Es tut immer wieder so gut, ihn mit so großer Zuversicht und so viel Sachkenntnis und aus der Sache selbst geborener Energie sprechen zu hören. Zumal für Betroffene, zumal für Angehörige von Betroffenen. Seit zwei Jahren wird er diesbezüglich für uns hier auf dem Blog immer wieder als sehr hilfreich erlebt.
Seine Zuversicht scheint uns deshalb so berechtigt, weil die Wege, die er zur Heilung aufzeigt, treffsicher, gültig und richtig erscheinen. Und weil sie sich auch wiederholt als solche erweisen. Oft mag man das als Angehöriger noch früher und deutlicher sehen denn als Betroffener selbst.
Und die neueste Erkenntnis für uns ist: Nicht nur als Betroffener, mehr vielleicht noch als Angehöriger kann man für sich selbst erstaunlich viel lernen.
Das letzte, was uns von Gopal besonders beeindruckt hat, ist das von ihm entworfene "Projektions-Schema" (s. Abb. 2). Dieses erläutert er in zwei Video's. Das erste erschien am 16. Januar 2026 (Yt2026), das zweite am 15. Februar diesen Jahres (Yt2026). Wer nach der in diesen Videos gegebenen Anleitung in Gesprächen, Zwiegesprächen vorgeht, könnte schnell feststellen, wie direkt man mit dieser Vorgehensweise auf den Punkt kommt oder kommen kann.
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| Abb. 2: Projektionsschema nach Gopal Norbert Klein, Januar 2026 (Yt2026) |
Was man dann aber auch feststellen könnte, ist, daß das "Auf den Punkt"-Kommen noch gar nicht der letzte Schritt ist, noch gar nicht zwangsläufig eine Lösung darstellen muß. Dieses "Auf den Punkt"-Kommen kann nämlich von dem Traumatisierten fast regelmäßig und fast reflexhaft als Grenzüberschreitung erlebt werden - mit den entsprechenden, damit einhergehenden - gerne auch außerordentlich heftigen - emotionalen Reaktionen. Dies liegt auch daran, daß man als Nichttraumatisierter in der Beziehung zunächst sich selbst, dann aber auch dem Traumatisierten "erklären" will, "wie alles ist", was "los ist" (vor allem beim Betroffenen). Und genau dieses "Erklären" kann dann ebenso wiederum leicht als Grenzüberschreitung erlebt werden: Der Gottesstolz des Menschen, vor allem des europäischen oder nordeuropäischen Menschen wünscht, alles aus eigener Kraft zu erkennen und finden zu wollen. Er nimmt so außerordentlich ungern Rat von anderen, von außen an.
Auch das ist nachvollziehbar, auch diesem Geschehen kann man Verständnis entgegen bringen. Aber als Nichttraumatisierter hat man eben auch genau all diese Fragen und sehnt sich nach einer Klärung. Und man möchte eine solche Klärung durch Gespräch herbei führen. Und dabei kann man auch nicht ständig um den "heißen Brei" herum reden.
Welche Ressourcen gibt es denn?
Nun aber unsere einigermaßen neueste Erkenntnis: Dieses vernunftmäßige "Auf den Punkt"-Kommen scheint - erfahrungsgemäß - noch keineswegs die Lösung selbst zu sein. Und zwar insbesondere dann nicht, wenn auf den ersten Blick gar keine "Ressourcen" erkennbar sind, um diesen Schritt nun nicht nur vernunftmäßig gelassen, sondern auch emotional gelassen und entspannt sehen und gehen zu können. Das heißt: Wenn der traumatisierte Mensch "mit dem Rücken an der Wand" steht - auch und vielleicht sogar gerade durch diese Vorgehensweise und wenn er auch dann noch - wie reflexhaft - mit Streßsystem-Reaktionen reagiert - wie soll das dann Heilung bewirken? Der Betroffene ist es doch gar nicht anders gewohnt. Und es ist doch - womöglich - überhaupt keine "Ressource" erkennbar, auf die er zurück greifen könnte, um - sozusagen - "von einer anderen Ebene aus" auf das Geschehen zu blicken, um - sozusagen - innerlich zu sich selbst auf Abstand gehen zu können. Und auch um auf Abstand gehen zu können gegenüber dem eigenen "Streß-Geschehen" in der eigenen Seele. Und ebenso im eigenen Körper, der ja ein Leben lang - womöglich von Geburt an - an dieses Geschehen gewohnt ist.
Auf welche "Instanz" (im seelischen Geschehen) könnte denn da dann noch Bezug genommen werden? Das Ich steckt mitten in dem Streßsystem drin und reguliert sich allein damit. Und es scheint in der Seele gar nichts anderes zu geben als das.*)
Eine innere Bühne ...
Gopal hatte schon vorher in einem Video vom 10. Januar 2026 schön dargestellt, wie man als Betroffener die Reaktionen des Streßsystems - "bei schwierigen Entscheidungen und inneren Konflikten" - wie vor einer "inneren Bühne" vor sich ablaufen lassen könne, ganz ohne selbst "einzugreifen", ganz ohne sich zu "engagieren", ganz ohne "Partei" zu ergreifen (Yt2026). Auch das ist, wie wir meinen, ein außerordentlich treffendes Bild.
Und man glaubt sofort, daß es doch heilsam sein muß, dieses Bild in sich nachwirken zu lassen. Auch noch in allgemeineren Fällen als in diesem Video behandelt. Wir jedenfalls ordnen für uns dieses Video noch allgemeiner ein als nur bezogen auf "schwierige Entscheidungen und innere Konflikte".
Aber auch dieses Hinblicken auf das Geschehen wie auf einer inneren Bühne setzt ja voraus, daß ich in der Lage bin, innerlich auf Abstand zu mir selbst und meinen Streß-Reaktionen gehen zu können. Aufgrund welcher "Ressource" soll ich dazu aber nun in der Lage sein? Wo ist der Ort in meiner Seele, von dem aus gesehen ich Abstand gewinne zu dem Geschehen, das meine Seele von A bis Z erfüllt?
Diese Frage war für den Verfasser dieser Zeilen bislang nicht wirklich ausreichend geklärt.
Was und wie auch Angehörige aus Traumatherapie - für sich selbst - lernen können
Aber in Auseinandersetzung mit dem vorstehend Geschilderten sind dem Verfasser dieser Zeilen nach und nach Erkenntnisse zugewachsen, die aktuell auch recht deutlich sein eigenes Leben verändern. Es ist womöglich so, daß "Nicht-Traumatisierte" genau an einem solchen Punkt auch besonders viel über sich selbst lernen können. Denn das Geschehen wirft auf sie selbst die Frage zurück: Hast du denn eigentlich selbst wenigstens jene Ressourcen, die dem anderen hilfreich sein könnten? Bewegst du dich eigentlich selbst in einem Bereich, aus dem heraus dieses unentwegte Aktiviert-Sein des Streß-Systems wie von einer inneren Bühne mit Ruhe und Gelassenheit angeschaut werden kann? Und in dem man sich - geradezu mit Abscheu - von diesem "Plastik-(Streß-)Geschehen" abwendet? Weil es die Aufmerksamkeit völlig von dem eigentlich wesentlichen Geschehen der Seele ablenkt?
Noch im Sommer letzten Jahres war der Verfasser dieser Zeilen mit völligem Unverständnis vor genau dieser Frage gestanden: Ja, wenn das Streßsystem so unentwegt aktiviert ist, daß daraus chronische Erschöpfung entstehen kann: Woran erkenne ich das eigentlich im Alltag, daß es aktiviert ist? Er konnte es nicht "sehen". Er war wie "blind", er war wie vor den Kopf geschlagen. Obwohl er unbewußt, halb bewußt oder gar bewußt mit einigem Nachdruck danach suchte. Es mußte ja schließlich irgendwo sein und sich äußern. Und nicht nur in den eher seltenen Momenten, wo in einer Beziehung plötzlich alles kippt, wo mit einem mal und plötzlich große Uneinigkeit und Streit entsteht, der dann für den gegebenen Moment nur noch schwer scheint, wieder geglättet werden zu können.
Also noch einmal: Welche "Ressource" gibt es denn?
Insbesondere in Urlaubszeiten ist es gut möglich, seine Aufmerksamkeit in Richtung dieser Frage zu lenken. Weil man hier für längere Zeit nicht abgelenkt ist und weil man über längere Zeit ununterbrochen zu zweit ist und deshalb besonders gut dieser Frage hinterher horchen kann. Und so war auch der Stand des Verfassers dieser Zeilen im letzten Sommer. Er "sah" nichts (außer in selteneren Streitfällen).
Aber jetzt im Januar, Februar und März diesen Jahres bahnte sich - in Auseinandersetzung mit den genannten Videos von Gopal und in Auseinandersetzungen innerhalb der Beziehung (also "im Kontakt") - für den Verfasser dieser Zeilen eine Lösung an. Er nahm plötzlich zum ersten mal wahr, wie geradezu "unentwegt" dieses Streßsystem beim Betroffenen aktiviert ist. Wie es gar nicht anders kann als aktiviert zu sein. Und zwar von der ersten wachen Minute des Tages an bis zum Einschlafen am Ende des Tages. (Wobei auch das Einschlafen selbst - aufgrund der ständigen Aktivierung des Streß-Systems - sehr schwer sein kann.) Er nahm wahr, wie es in der Seele gar nichts anderes gibt als dieses Streßsystem.
Eine krasse Erkenntnis. Er konnte dies wahrnehmen, denn er hatte nun eine innere Bühne, von der aus ihm das wahrnehmbar geworden war.
Das war eine ungeheuerlich anmutende Erkenntnis. Diese Erkenntnis wirft einen aber nach und nach auch unglaublich stark auf einen selbst zurück (obwohl man nur Angehöriger eines Betroffenen ist). Insbesondere nachdem sichtbar geworden war, daß all das "Erklären", das man dem anderen offenbar geradezu "aufnötigen" wollte, das dieser jedenfalls als "Aufnötigung" erlebte, sich immer nur kontraproduktiv auswirkte, sprich, die Beziehung untergrub und zerstörte.
Aber es keimte nun der Verdacht auf und wurde nach und nach zum ersten mal völlig sichtbar, daß man in einer Beziehung acht Jahre lang fast ausschließlich mit "Streßsystem" zu tun gehabt haben könnte. Daß man Jahre lang (ohne daß man sich dessen auch nur ansatzweise bewußt gewesen war) auf dieses Streßsystem starrte. Wie die Maus auf die Katze. Und daß man gar nichts anders "sah" - weder in sich noch im anderen. Wie hypnotisiert. Die eigene Seele hatte einen "Schlafsack" über sich gezogen, sie war ein plappernder Toter geworden, es gab gar kein echtes seelisches Erleben in ihr mehr. Sondern bestenfalls "Scheinerleben". All das wurde einem - zum Teil nach und nach, zum Teil plötzlich - klar.
Das aktivierte Streßsystem des anderen war einem Jahrelang unbewußt sehr willkommen gewesen. Denn es stellte keine "Gefahr" für den eigenen Zustand dar. Es war vielmehr geradezu eine "Hilfe" dabei, den eigenen Zustand weiter aufrecht zu erhalten, weiter in der eigenen "Schläfrigkeit", seelischen Apathie, Anteilnahmslosigkeit, seelischen Unaktiviertheit zu bleiben und dahin zu leben, wofür sich der Verfasser dieser Zeilen wohl seit der Mitte seines vierten Lebensjahrzehnts allzu ausschließlich entschieden hatte.
Ein Garten ...
So entstand in einem das innere Bild, daß sich da in einer Beziehung zwei auf der Ebene von Streßreaktionen aneinander abarbeiten und nur auf dieser Ebene überhaupt unterwegs sind - viele Jahre lang - und daß es da ganz verborgen und im Hintergrund irgendeine Tür gäbe, einen Ausgang gäbe in einen Garten. Und daß dieser Garten dahinter vollkommen verwildert wäre, vollkommen verwuchert, vereinsamt, verlassen wäre. Weil niemand diese Tür überhaupt sah, geschweige denn sie öffnete. Weil die Tür selbst ganz verstaubt war und voller Spinnweben. Denn niemand hatte sie seit Jahren benutzt.
Es war - und ist - das im ersten Moment ein ungeheures Geschehen. Als der "Nichttraumatisierte" in seiner Beziehung nahm man zum ersten mal wahr, in welcher Weise man selbst zur Stabilisierung des Geschehens und des Systems beitrug. Man nahm wahr, wie man es sich selbst allzu willig gefallen ließ, daß in ständiger Auseinandersetzung mit diesem Streßsystem diese Tür dort hinten in den Garten hinaus gar nicht in den Blick kommen konnte, gar nicht sichtbar wurde. Daß man sich durch dieses Starren auf das Streßsystem allzu willig davon ablenken ließ.
Und es war ein höchst sonderbares Geschehen: Genau in dem Augenblick, in dem man - aufgrund all dieser Ahnungen und Erkenntnisse - die eheliche Gemeinschaft mit dem geliebten Menschen aufgab, genau in diesem Augenblick spielte der eigene Körper völlig verrückt. Mehrere Wochen lang reagierte er mit ganz ekelhaften, außerordentlich lästigen, riesigen Nasenpolypen (wie man sie schon seit mehr als zehn Jahre nicht mehr kannte). Und er hatte ständiges Hautjucken am ganzen Körper. Es war, als wollte der Körper sagen: Ich will in dem Zustand bleiben, an den ich mich in den letzten zwanzig Jahren gewöhnt habe. Es war, als wolle sich der Körper gegen seelische Veränderungen "aufbäumen".
Nutzlos, lieber Körper. Du mußt.
All das begann etwa ein oder zwei Wochen vor Ostern (Ende März) und hat sich etwa einen Monat lang hin gezogen (bis Ende April). Eine verdammt schlimme Zeit.
Einsamkeit ist möglich
Man hatte gemerkt: Man braucht "Abstand" zu dem geliebten Menschen. Man mußte allein sein. Während man sich in den vielen Jahren zuvor, ja, über zwei Lebensjahrzehnte hinweg immer und immer wieder wunderte, warum man gar nicht allein sein konnte (was man als Jugendlicher und junger Erwachsener bis etwa zum 35. Lebensjahr sehr gut konnte), entstand nun zum ersten mal - nach Jahrzehnten - in einem eine Sehnsucht nach Einsamkeit, eine Sehnsucht danach, auf sich selbst zu hören, nur noch auf sich selbst zu hören, in sich hinein zu hören, eine Sehnsucht, nur mit sich selbst im Einklang zu sein, nur seinen eigenen Empfindungen, Befindlichkeiten gegenüber aufmerksam zu sein. Sich selbst der beste Freund zu sein. Und nicht ständig mit der Aufmerksamkeit bei jemand anderen zu sein.
Es entstand eine Sehnsucht, die verstaubte Tür zu dem Garten dahinter zu öffnen und zunächst, ja: den Verwesung-Gestank abziehen zu lassen, der mit dem Öffnen dieser Tür plötzlich wahrnehmbar war. Lagen doch Tote hier im Keller: Man selbst. Und all die eigenen, vergeudeten Lebensjahre.
Man merkte plötzlich, daß man all die Jahre über - zwei Jahrzehnte über - völlig "im außen" war. Man hatte seiner Seele einen Schlafsack über gezogen, eine "Schutzhülle". Die eigene Seele hatte sich wie in einen Kokon zurück gezogen. Und der eigene Körper und die eigene Vernunft waren nur noch im außen - sozusagen "materialistisch" - sichtbar. Für einen selbst und für andere. Man selbst - das eigene Ich - "lebte" gar nicht mehr. Man selbst, das eigene Ich hatten eine Tür zugestoßen und hatten die eigene Seele als einen absolut haltlos verwilderten Garten ganz weit hinten, fast unsichtbar für die eigene Seele hinter sich gelassen.
All das kam der eigene Seele sehr gelegen, denn nun mußte sie nicht mehr den ständigen tiefen Zwiespalt erleben gegenüber einer abgestumpften, unlebendig gewordenen menschlichen Mitwelt, die heute so allgemein vorherrschend geworden ist.
Aber genau dieser "Garten" nun erscheint uns als die Ressource, um die es geht, um die es allein gehen kann.
Schon als Nichttraumatisierter zu diesem Garten hinzufinden in einer Zeit, in der alle Menschen abgestumpft und seelenlos dahin vegetieren, scheint schwer genug zu sein. Aber wie erst soll ein Traumatisierter zu diesem Garten hinfinden, wenn er in seinem Leben nur auf abgestumpfte, seelenlos dahin lebende Menschen stößt? Und mögen sie noch so sehr in Biomärkten einkaufen, naturgewaschene Baumwoll-Kleidung tragen und - angeblich - auch sonst ihre Seele pflegen. Wo täten sie das denn? Sähe die Welt nicht anders aus, wenn sie es wirklich täten? - ???
Aber das sollen an dieser Stelle nur Randfragen sein. An dieser Stelle geht es um etwas anderes.
Eine gotterfüllte Kindheit
Wir fragen uns nun: Kinder werden gotterfüllt geboren. Ihre Seele ist - unbewußt - vom Göttlichen durchflutet. Jeder, der Kinder mit wachen Augen ansieht, sieht das. Sie sind voller Güte, voller Aufgeschlossenheit für das Leben, voller Neugier, voller Anteilnahme. Sie sind völlig bei sich. Von ihnen geht so viel Gutes aus. Man möchte diese trippelnden, kleinen Kameraden ein Leben lang bei sich behalten, ruht ihr Dasein und ihr Seelenfrieden doch wie ein Segen auf dem eigenen erwachsenen Leben. Vorfeierzeit des Lebens nannte das eine frühe deutsche Traumatherapeutin und Evolutionäre Psychologin (1).
(Die Menschen wissen gar nicht, was sie sich selbst nehmen, wenn sie Kinder in Krippen und Kindergärten "abschieben" während der schönsten Lebenszeit, die sie mit Kindern haben können. Und damit ist noch nichts darüber gesagt, daß sich Krippen und Kindergärten, Fremdbetreuung nicht nur schlecht für sie selbst, sondern mehr noch für die Kinder auswirkt. So ziehen eben seelisch abgestumpfte Menschen neue seelisch abgestumpfte Menschen heran. So ist es offenbar gewollt und alle machen mit.)
Aber wie ist es mit Kindern, die ein Entwicklungstrauma, ein Kindheitstrauma erleben? Sind sie auch so gotterfüllt? Wir glauben ja. Auch durch sie hat sich in ihrer Kindheit - unbewußt - Gott offenbart. Auch sie waren - in ihrer Kindheit - von Gott erfüllt. Auch ihre Seele kannte diesen blühenden, schwingenden, lebensvollen, lebendigen Raum und Garten des Lebens. Dieser Garten war immer da. Aber es war zugleich - von Anfang an - diese Streßaktivierung da. Wie mag sich das auswirken bis heute?
Die genannte Evolutionäre Psychologin geht von einer naturgewollten Einsargung der Menschenseele, einem naturgewollten seelischen Abstieg der Menschenseele während des Heranwachsens aus (2). Dies ist durch die Wissenschaft bestätigt worden: Während Kinder mit drei Jahren nicht lügen "können", lernen sie es bis zum sechsten Lebensjahr "natürlicherweise" (2). Sie lernen damit auch, daß andere lügen können. Sie lassen sich auf das gesellschaftliche Spiel unseres Lebens ein. Genau das heißt Erwachsenwerden: Seelischer Abstieg. Eine Tür nach der anderen in den Garten des lebendigsten Lebens wird verschlossen. Die Pubertät ist der Höhepunkt dieses "Verschließens" gegenüber dem Göttlichen - wenn anfangs auch noch sehr oft jugendliche Lebendigkeit und Begeisterungsfähigkeit dieses Verschließen sozusagen verhüllen. Aber diese jugendliche Lebendigkeit und Begeisterungsfähigkeit verfliegen in der Regel nach und nach im Laufe des Lebens, spätestens zur Zeit des Berufseintritts, spätestens zur Zeit der Familiengründung.
Und dann zeigt sich, wie es um die Menschen wirklich bestellt ist: Die Gesichter verhärten sich, die Seelen verschließen sich. Lügen und Lügen Durchschauen. Täuschen und Täuschen Durchschauen stehen im Vordergrund. Häme macht sich breit, Zynismus, ätzende Säure, Verbitterung, Hohn.
Nur wenige erhalten sich ihre seelische Lebendigkeit oder gewinnen sie nach und nach - auf mitunter holprigen, schwer zu gehenden Wegen - zurück.
Und die Traumatsierten? Wo knüpfen diese an? An ihre gotterfüllte - aber völlig einsame - Kindheit? Diese Frage ist für uns noch nicht völlig geklärt. Aber an dieser Stelle steht nun unser Nachdenken.
Es scheint uns folgendermaßen zu sein: Um so mehr traumatisierte Menschen auf seelisch lebendige, wache Menschen treffen, um so leichter sollte ihnen wahrnehmbar sein, daß sich ihrem seelischen Erleben da ständig das aktivierte Streßsystem wie eine "Kühlerhaube" vor die Nase setzt, ständig. Wenn sie in die Wahrnehmung dieses Geschehens kommen, werden sie nach und nach mehr nach dem fragen, was dahinter liegen könnte.
Aber zuvor gilt es auch, mühsam über die Leichen im Keller zu stolpern - und allerhand ungute Gefühle auszuhalten, die da aus dem Körper heraus hervorquellen. All das Leichengift ...
/ So weit schrieben wir bis 27.4.26. Nun noch eine kleine Ergänzung. /
Da bleibt ja "nichts" übrig ...
Was man sich immer wieder viel zu wenig klar macht und worauf man nach und nach immer besser hinhören könnte: Für die meisten sogenannten "Probleme" gibt es gar keine realen Gründe. Es gibt gar keine realen Probleme. Insofern gibt es auch keine realen Lösungen.
Es gilt deshalb: All die "Probleme" mit sich selbst und mit anderen einfach nur ausklingen lassen, sie nicht "lösen" wollen, nicht nach "Antwort" suchen, sich nicht in irgendeiner Weise "engagieren" wollen, nicht für irgendeine Seite "Partei ergreifen" wollen, nicht nach "Schuld" fragen, nicht "anklagen", nicht "entschuldigen". Diesen ganzen "Bohai".
Natürlich bleibt dann vermeintlich nicht mehr viel übrig. Aber das eben darf infrage gestellt werden, ob da nicht viel übrig bleibt. Das, was dann "übrig" bleibt und wie "Nichts" aussieht, das könnte ja dann - plötzlich - doch eine ganze Menge sein. Wer weiß das schon? Es sieht halt vielleicht nur sehr leichenblaß - und deshalb völlig unscheinbar - aus, dieses "Nichts".
Aber es könnte ja das Echte sein. Es wäre eben nicht halluziniert, nicht projiziert. Aber weil es wie "Nichts" aussieht (für das so außerordentlich vielfältig projizierende und sich dabei sehr "lebendig" fühlende Ich), wird es null Komma null überhaupt wahrgenommen.
Das ist im Grunde sehr schade.
Deshalb: Dieses Pflänzchen, das "Nichts" möge aufkeimen. Es möge Licht da ran kommen, es möge frische Luft da rankommen. Es möge stärker werden, erstarken. Es liegt wie scheintot in uns, völlig unlebendig - - - eben wie Nichts. Wie eine Leiche im Keller.
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*) Es ist vielleicht von Interesse, daß die Evolutionäre Psychologin Mathilde Ludendorff das seelische Geschehen im Menschen bestimmt sieht von einem "Widerspiel" zwischen dem "gottahnenden Ich" in der Menschenseele einerseits und dem "gottverlassenen Selbsterhaltungswillen" in derselben andererseits. Und es wird ja sofort erkennbar, daß elementare Streßreaktionen aller Art Ausdruck des Selbsterhaltungswillens der Menschenseele sind. Mit dem Begriff "gottverlassener Selbsterhaltungswille" wird im Grunde sehr gut gekennzeichnet, daß solche Streßreaktionen in keinerlei Bezug mehr stehen brauchen zum Gotterleben der Menschenseele, und daß das Ich der Menschenseele im Grunde nur noch Zuschauer und Befehlsempfänger des Streßgeschehens in der eigenen Seele ist, daß dieses Ich "verklavt" ist an dasselbe.
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- Ludendorff, Mathilde: Des Kindes Seele und der Eltern Amt. Eine Philosophie der Erziehung. Verlag Hohe Warte, Pähl 1954 (EA 1930) (Archiv)
- Meinecke, Erich: Der Wille zur Wahrheit im Kind. In: Mensch&Maß, Jg. 2000

