Dienstag, 12. November 2019

Eine Hochkultur im Westen der Seidenstraße (2.300 - 1.700 v. Ztr.)

Höchstes kulturelles Niveau - Aber bislang ohne Platz in unserem kulturellen Bewußtsein
- Ein Großreich der Bronzezeit - Margiana in Turkmenistan

Der Bloginhaber hat kürzlich - eher zufällig - einen ihn begeisternden Podcast gehört (1). Dieser Podcast macht bewußt, in welchem Umfeld sich westindogermanische Völker - abstammend von den Schnurkeramikern - wie die Vorfahren der Tocharer an der Seidenstraße und oder die Vorfahren der Sogder in Samarkand - festgesetzt haben, bzw. auch, von welchen Reichtümern sie angezogen worden waren in den Zeiten ihrer Ankunft. Im Norden des Tarim-Beckens gab es schon lange die Afanasjewo-Kultur (Wiki) von vorwiegend Viehzucht treibenden Früh- und Ostindogermanen. Diese Völker wurden - in Teilen auch genetisch - von der westindogermanischen Andronowo-Kultur ersetzt. Die Vorfahren der Tarim-Mumien werden in diesen Zusammenhängen ab 2000 v. Ztr. im Tarim-Becken zugewandert sein.

Abb. 1: Frauenskulptur aus Baktrien (nördliches Afghanistan), etwa 2500-1500 v. Ztr. (Kunsthistorisches Museum Los Angeles) (aus Chlorit und Kalkstein, Höhe 13 cm) (Wiki)

Es ist aber von großer Bedeutung, sich bewußt zu machen: Im Westen der Seidenstraße gab es in der sogenannten "Margiana" (Wiki) ein Großreich, das schon sehr ausgefeilte städtische Kultur aufwies und viele Anklänge an die Hochkulturen im Industal und im Mittelmeerraum, sowie Handelskontakte zu diesen aufwies. Diese Hochkultur wurde von westindogermanischen Völkern - anzunehmenderweise - ebenfalls überlagert (/erobert). Dazu ist hier auf dem Blog schon in einem früheren Beitrag geschrieben worden (4):
"Ab 2.300 v. Ztr. findet sich in Baktrien/Turan/Ostiran dann: "... frühe iranische Bauernherkunft (60% in Baktrien und in der Margiana) mit einem kleineren Anteil von anatolischer Bauernherkunft (21 %) und westsibirischer Jäger-Sammler-Herkunft (13 %)." Bei "BMAC" handelt es sich um den "Bactria Margiana Archaeological Complex", um eine Völkergruppe in Baktrien und in der Margiana, grob gesprochen im Westteil der Seidenstraße und in der nördlich angrenzenden kasachischen Steppe. Hier lag also eine bemerkenswerte genetische Zusammensetzung vor. Es stellt sich zum Beispiel die Frage: Wie gelangte die anatolisch-neolithische Genetik so früh so weit nach Osten? Zu dieser Zeit findet sich noch keine Yamnaya-Herkunft daselbst vor. Erst ab 2.000 v. Ztr. kommt indogermanische Genetik nach Baktrien, und zwar - natürlich! - in der jüngeren Schnurkeramik- bzw. Shintashta-Version."
In der Bronzezeit gab es einen regen genetischen Austausch. Anatolisch-neolithische Genetik breitete sich Richtung Osten aus, während sich iranisch-neolithische Genetik Richtung Westen ausbreitete. Wie man sich diese Ausbreitungsvorgänge genauer vorzustellen hat, ist wohl noch nicht ganz klar. Vielleicht handelt es sich einfach um "Diffusionsvorgänge", bewirkt durch Handel und Fernhandel.

Für die Ausbreitung der indogermanischen Völker aus der Steppe heraus in alle Richtungen deuten sich demgegenüber eher Völkerwanderungen und Kriegszüge an. Vermutlich waren diese indogermanischen Völker so kinderreich, daß sie von der Margiana und von Norden aus auch in das weitgehend menschenleere Tarimbecken vorstießen und dort Fürstentümer bildeten, zugleich Handelsverbindungen herstellten zwischen der Marghiana und China. Da gibt es - mit diesen Neuerkenntnissen - neuerlich viel zu forschen. Aber ohne das Wissen um die bislang fast unbekannte Margiana-Kultur im heutigen Turkmenistan wäre das Gesamtbild dieser Vorgänge hochgradig unvollständig.

Der genannte Podcast über die "Entdeckung" der Margiana-Kultur durch deutsche Archäologen ist eine wahre Perle, weil hier zwei deutsche Archäologen quasi aus dem Nähkästchen plaudern (1) und weil man einen unmittelbaren Eindruck von ihrer Begeisterungsfähigkeit erhält und auch davon, wie Begeisterungsfähigkeit sich überträgt und beiträgt zum Bewußtwerden von vorhandenem, aber bislang kaum bekanntem archäologischen Wissen.

Ein städisch geprägtes Großreich auf hohem kulturellen Niveau


Der Podcast wurde erstellt im Zusammenhang mit einer archäologischen Ausstellung über die Margiana-Kultur. Und die beiden am meisten am Zustandekommen der Ausstellung beteiligten Archäologie-Professoren erzählen darin sehr authentisch, wie sie dazu gekommen sind, dieses Thema überhaupt zu entdecken und dann diese Ausstellung zu organisieren. Es wird auch deutlich, daß es sich um ein Thema handelt, das von der Forschung überhaupt noch wenig verstanden und historisch eingeordnet worden ist. Wir nehmen hier quasi Teil an Entdeckungen, die erinnern an jene des Heinrich Schliemann. Nämlich eben der bronzezeitlichen Margiana-Kultur, die auch - nichtssagend - Oasen-Kultur (Wiki) benannt worden ist oder - bislang sehr abstrakt und unanschaulich - "Bactria-Margiana Archaeological Complex" ("BMAC") (2, 3).

Das Großreich der Margiana bestand zwischen 2200 und 1700 v. Ztr., zur selben Zeit wie die Indus-Kultur, mit der sie viel Ähnlichkeit aufweist. Nicht nur anatolisch-neolithische Genetik gelangte - wie im obigen Zitat erwähnt - weit in den Osten. Auch Kulturelemente von Euphrat und Tigris gelangten nach Osten. Auf Wikipedia ist zu dieser Kultur verzeichnet (Wiki):
Die Oasenkultur zeigt ein für die Region und Zeit (spätes 3. bis frühes 2. Jahrtausend v. Chr.) ungewöhnlich hohes Niveau der Töpferei und Metallverarbeitung (Bronze, Silber). (...) Die (zum Teil monumentalen) Gebäude lassen somit auf mathematisches, geometrisches und astronomisches Wissen schließen. Davon zeugen auch mehrere ausgegrabene Städte mit rechtwinkeligem Straßennetz, die dicke Stadtmauern und ein palastähnliches Gebäude im Zentrum aufweisen. Mehrere Städte wurden in einem Verbund angelegt - bei der Fundstelle Adji Kui sind es neun im engen Umkreis.  In Adji Kui wurden Amulette gefunden, deren Abbildungen – darunter das häufig auftretende Adler-Schlange-Motiv – als Darstellungen von Szenen des mesopotamischen Etana-Mythos gedeutet wurden. In Gräbern gefundene Fayence-Armreife aus der Indus-Kultur sowie syrische Stempelsiegel mit geflügelter weiblicher Gottheit auf einem Panther legen nahe, dass Fernhandel stattfand. Auf eine ausgeprägte Handelskultur deuten auch Stempelsiegel zur Kennzeichnung des Besitzes sowie Zählsteine für die buchhalterische Erfassung von Waren hin.  Die Menschen der Oasenkultur domestizierten Schaf und Ziege, sowie Hausesel und vor allem Kamele. Mit ausgeklügelten Bewässerungsanlagen wurden große Felder versorgt, auf denen Gerste, Weizen und Hülsenfrüchte angebaut wurden.
Eine der bedeutendsten Ausgrabungsstätten, vielleicht die Hauptstadt des hier entdeckten bronzezeitlichen Großreiches in Turkmenistan ist Gonur Depe (Wiki).

Abb. 2: Merw (Margiana) und Baktra im Westen von Samarkand (Sogdien) und der Seidenstraße (Wiki)
_________________________
  1. Margiana - Ein Königreich der Bronzezeit in Turkmenistan - Sonderausstellung des Archäologischen Museums Hamburg, Podcast mit Prof. Dr. Schaumburg und Prof. Dr. Weiß, https://amh.de/amh18-margiana/
  2. Margiana - Ein Königreich der Bronzezeit in Turkmenistan, https://amh.de/ausstellungen/margiana-ein-koenigreich-der-bronzezeit-in-turkmenistan/
  3. Margiana - Ein Königreich der Bronzezeit in Turkmenistan - Ausstellung in Berlin, 19.6.2018, https://youtu.be/g7hoh0ACpLQ
  4. Bading, Ingo: "Söhne der Sonne" - Die Indogermanen Asiens, 1. Juli 2018, https://studgendeutsch.blogspot.com/2018/07/sohne-der-sonne-die-indogermanen-asiens.html 

Samstag, 9. November 2019

Indogermanische Genetik in Italien (2.500 v. Ztr. bis heute)

Römische Republik und Italienische Renaissance
- Welcher Zusammenhang besteht zwischen der Genetik einerseits und dem Aufblühen und dem Niedergang von Kultur andererseits?

Die Bevölkerungsgeschichte Mittelitaliens vom Mesolithikum bis heute ist aufgearbeitet worden (1). Dies geschah von Seiten einer archäogenetischen Forschungsgruppe um Jonathan Pritchard anhand der Typisierung von 127 archäologischen Skeletten, die in Rom und seinem Umland gefunden wurden. Man sehe sich die Abbildung 1 an: Kann man ergreifendere Forschungsergebnisse heute in kompakterer Form aus der Wissenschaft heraus erfahren als hier? Die Ergebnisse bestätigen recht genau weit verbreitete Geschichtsauffassungen der Kulturwissenschaft und der Anthropologie in der Zeit vor 1945, Sichtweisen, die danach mehr oder weniger tabuisiert worden sind. Es betrifft dies Beurteilungen des indogermanischen, genetischen Einflusses auf die Hervorbringung
  1. der Römischen Republik und 
  2. der italienischen Renaissance

Abb. 1: Die Bevölkerungsgeschichte Mittelitaliens 7.000 v. Ztr. bis heute

Ablesbar insbesondere rechts im Balken (B) (Abb. 1). Gehen wir das im einzelnen durch:

Anfangs leben in Italien - wie im übrigen West- und Mitteleuropa - westeuropäische Jäger und Sammler (WHG). Ab 6.500 v. Ztr. breiten sich anatolisch-neolithische Bauern über Europa aus, sie tragen auch einen kleinen Anteil iranisch-neolithischer Genetik in sich. Im Mittelneolithikum wächst interessanterweise in Italien - wie in Mitteleuropa - der Anteil der westeuropäischen Jäger-Sammler-Genetik wieder leicht an. Das geschah nach dem Zusammenbruch der bevölkerungsdichten frühneolithischen Kulturen und der Ethnogenese neuer extensiver wirtschaftender Völker während dieser Zeit, z.T. aus Rückzugsräumen der ursprünglich einheimischen Bevölkerung heraus.

Rückgang indogermanischer Genetik in der Frühen Kaiserzeit


Nach der Kupferzeit - also parallel zum Spätneolithikum in Mitteleuropa - erfolgt - grob um 2.500 v. Ztr. - der Einbruch der indogermanischen Völker (in Form der Glockenbecherkultur) auch in Italien (Wiki, engl). Diese indogermanische Genetik hält sich - offenbar trotz oder mit der etruskischen Kultur - konstant bis in die Zeit der Römischen Republik. Das sollte dem historisch Urteilenden zu denken geben. Und das dürfte schon eine der entscheidenderen Neuerkenntnisse dieser Studie sein. (Diese hatte man aber auch schon aus der zu 80 % hellen Haarfarbe bei den Menschendarstellungen auf den Wandgemälden von Pompeji ablesen können (3) [Wiki]. Dieser Umstand ist ja für das heutige Neapel so nicht mehr gegeben.)

Aber besonders krass ist, daß schon in der Frühen Kaiserzeit der Anteil der indogermanischen Genetik stark zurück gegangen ist in Mittelitalien. Das wird auf die vielen inneritalischen und Bürgerkriege in dieser Zeit zurück zu führen sein, vielleicht auch auf die außeritalischen Aktivitäten der Römer. Und genau so ist es auch schon in den 1950er Jahren anthropologisch beschrieben worden (3)*). Gleichzeitig breitet sich iranisch-neolithische Genetik auch in Italien aus, anzunehmenderweise aus dem ostmediterranen Bereich heraus. Das dürfte u.a. auf den Sklavenhandel in dieser Zeit zurückzuführen sein. (Auch den u.a. durch die Etrusker mitgebrachten, sowie insbesondere in der Römischen Kaiserzeit "eingesprenkelten" Herkunftsanteilen von Bauern-Genetik aus Marokko könnte noch genauer nachgegangen werden.)

Der Anteil der indogermanischen Genetik ist in der Römischen Kaiserzeit sehr ungleichmäßig verteilt, bleibt aber auf deutlich niedrigerem Niveau als zuvor. In der Spätantike wächst er dann zum Teil beträchtlich an. Das dürfte auf den Zuzug von Goten und Langobarden zurückzuführen sein.

Im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit sehen wir die Anteile indogermanischer Genetik sehr ungleichmäßig in der Bevölkerung verteilt. Das könnte mit Heiratsschranken durch soziale Schichtung oder Stadt/Land-Unterschiede erklärt werden. (In der Renaissance-Kunst sehen wir ja auch noch verhältnismäßig viele hellhaarige Menschen.)

Aber bis zum 19. Jahrhundert herum scheinen Bevölkerungsteile mit diesem höheren Anteil indogermanischer Genetik weniger Nachkommenschaft in Mittelitalien hinterlassen zu haben. Auffallenderweise ging damit zugleich einher - bekanntlich - der Rückgang des Beitrags Italiens zu den kulturellen Errungenschaften der Menschheit (4).

Hier wird dem historisch Urteilenden viel zu denken gegeben.

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*) In einer Arbeit, die einstmals von Alfred Rosenberg angeregt worden war.
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  1. Ancient Rome: A genetic crossroads of Europe and the Mediterranean  By Margaret L. Antonio, (...) Ron Pinhasi, Jonathan K. Pritchard, Science, 08 Nov 2019:708-714, https://science.sciencemag.org/content/366/6466/708 
  2. Khan, Razib: https://www.gnxp.com/WordPress/2019/11/07/syrian-orontes-has-long-since-dried-up-to-be-replaced-by-the-tiber-once-more/ 
  3. Günther, Hans F.K.: Lebensgeschichte des römischen Volkes. Verlag Hohe Warte 1957 
  4. Murray, Charles: Human Accomplishment, 2003

Montag, 28. Oktober 2019

"Tierkopfzepter" der Indogermanen - Ursprünglich abgeleitet aus menschlichen Oberschenkelknochen?

Und was haben sie mit "Zauberstäben" gemeinsam? 

Im August schrieben wir unseren Aufsatz über die Urheimat der Indogermanen (1) und waren fasziniert von den neuen Erkenntnissen. Dabei erwähnten wir die Tierkopfzepter des Urvolkes der Indogermanen und ihre Ausbreitung als Bestätigung und Veranschaulichung der neuen Erkenntnisse, allerdings quasi nur im Vorübergehen.

Abb. 1: .... Tierkopfzepter? .....

Heute werden wir auf die Umschlaggestaltung der neuesten Ausgabe der Fachzeitschrift "American Journal of Physical Anthropology" aufmerksam (Abb. 1). Und dabei packt uns der Gedanke, daß in dieser Ausgabe erneut Tierkopfzepter behandelt sein könnten. 

Falsch gedacht! Hier werden vielmehr die Oberschenkelknochen (Femora) der 2015 neu entdeckten Vormenschen-Art Homo naledi (Wiki) untersucht (2). Und dabei handelt es sich um eine Menschenart, die vermutlich vor 2,5 Millionen Jahre in Afrika entstand und bis nach Asien hinein lange parallel zu weiter fortgeschrittenen Menschenarten existierte. Neueste Datierungen legen sogar nahe, daß sie noch bis in die Zeit des anatomisch modernen Menschen in Afrika gelebt haben könnte (siehe Wikipedia).

Das ist aber nun gar nicht das Thema, für das das Interesse bei uns beim Anblick dieser Umschlaggestaltung geweckt worden war! Verfolgen wir stattdessen unser Thema weiter: Sind die indogermanischen Tierkopf-Zepter etwa ursprünglich aus menschlichen Oberschenkelknochen abgeleitet worden? Damit würde man insbesondere die merkwürdige Form der "Tierköpfe" verstehen. Womöglich auch den ansonsten schwer nachvollziehbaren Winkel, in dem sie ursprünglich am (Holz-?)Stab befestigt gewesen sein könnten. Wohlgemerkt: Wir wollen hier nur eine Hypothese formulieren. Wenn sie falszifiziert wird - auch gut. Aber erst einmal gefällt uns diese Hypothese sehr gut.

Im übrigen, so fällt uns hierbei auf, muß es ja gar nicht so unwahrscheinlich sein, daß Zepter (Wiki, engl), also Herrscherstäbe einerseits und Zauberstäbe (Wiki, engl) andererseits ursprünglich ein und dasselbe gewesen sein können. Immerhin waren ja religiöse und politische Funktionen in frühen Völkern oft in ein und derselben Person vereinigt.

Vielleicht liegt darin auch die große Bedeutung, die die indogermanische Schnurkeramische Kultur (Wiki) ihren Streitäxten zugemessen hat. Deshalb ist sie ja ursprünglich auch oft Streitaxt-Kultur benannt worden. Dieses Volk hat sich knapp 2000 Jahre nach Entstehung des Urvolkes der Indogermanen an der Mittleren Wolga, also ab 2.800 v. Ztr. aus dem Weichselraum heraus in sehr kurzer Zeit über weite Teile Europas verbreitet (und es hat sich dabei auch mit einheimischen Bauertöchtern vermischt, siehe einer der letzten Beiträge hier auf dem Blog). Ihre oft gefundenen "Streitäxte" sollen ja - nach Meinung der Forschung - gar nicht für den Kampf nützlich gewesen sein. Sie hatten also ebenfalls symbolische Bedeutung. Und diese könnte natürlich ebenfalls abgeleitet sein von solchen Tierkopfzeptern. Brachten sie "Heil"? Konnte das, was durch sie berührt wurde, "verwandelt" werden? Zum Beispiel: Zum Besitz dessen werden, der die Berührung ausführte?

Selbst noch die Funktion einer bestimmten Form von bronzenen Vollgriff-Schwertern im Nordseeraum der Bronzezeit, wiederum tausend oder 1.500 Jahre später soll mehr repräsentativer Art gewesen sein. Auch diese seien nicht für den Kampf verwendet worden. Diesen Gedanken jedenfalls ventilierte der dänische Archäologe Kristian Kristiansen in seiner wegleitenden Arbeit aus dem Jahr 2015, auf die wir hier auf dem Blog jüngst hingewiesen hatten.

Und um 800 v. Ztr. hat das Szepter, der Herrscherstab immer noch seine große Bedeutung, wie aus der Ilias von Homer hervorgeht, auf die in diesem Zusammenhang auch hingewiesen wird (3). In ihrem zweiten Gesang heißt es an einer Stelle (Gutenberg):
Da erhub sich der Held Agamemnon,
Haltend den Herrscherstab, den mit Kunst Hephästos gebildet. 
Diesen gab Hephästos dem wartenden Zeus Kronion;
Hierauf gab ihn Zeus dem bestellenden Argoserwürger;
Hermes gab ihn, der Herrscher, dem Rossebändiger Pelops;
Wieder gab ihn Pelops dem völkerweidenden Atreus;
Dann ließ Atreus ihn sterbend dem lämmerreichen Thyestes;
Aber ihn ließ Thyestes dem Held Agamemnon zu tragen,
Viel' Eilande damit und Argos reich zu beherrschen.
Mit diesen Worten ist also die Bedeutung des Herrscherstabes für die Funktion eines Großkönigs im indogermanischen Bereich klar gekennzeichnet.
____________________
  1. Bading, Ingo: Es ist "amtlich" - Das Urvolk der Indogermanen war die Chwalynsk-Kultur um 4.500 v. Ztr. an der Mittleren Wolga - Der US-amerikanische Archäologe David Anthony hat am 1. August über den neuesten Forschungsstand informiert, 4. August 2019, https://studgendeutsch.blogspot.com/2019/08/es-ist-amtlich-das-urvolk-der.html 
  2. Morphology of the Homo naledi femora from Lesedi. Christopher S. Walker et. al., First published: 22 June 2019, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/ajpa.23877
  3. Dergachev, V. A.: On sceptres, on horses, on war: Studies in defence of M. Gimbutas’ migration concepts, Institute of Cultural Heritage of the Moldavian Republic 2007, behandelt von Carlos Quiles, 1.7.2018, https://indo-european.eu/2018/07/about-scepters-horses-and-war-on-khvalynsk-migrants-in-the-caucasus-and-the-danube/
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