Das Taygetos-Gebirge verläuft von Norden nach Süden über die Halbinsel Peloponnes und trennte in der Antike die Spartaner von den ihnen feindlichen Messeniern im Westen. Der Taygetos und der Fluß Eurotas bildeten die landschaftlichen Wahrzeichen des antiken Sparta.
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| Abb. 1: Manioten zu Pferde (Pintr) - Vermutlich anläßlich des Jahrestages des Revolutionsschwures "Freiheit oder Tod" in Areopolis auf der Halbinsel Mani im Jahr 1821 |
Ein Spartaner namens Geradas unterhielt sich einstmals mit einem Nicht-Spartaner über die Ehe (nach GB). Der Fremdling fragte, welche Strafe es für Ehebrecher in Sparta gäbe. (Wer weiß denn schon, welche Gedanken er dabei gerade im Hinterkopf hatte ...) Der Spartaner Geradas antwortete ihm: "Bei uns gibt es keine Ehebrecher." Der Fremdling war mit dieser Antwort nicht wirklich zufrieden und fragte weiter: "Wenn es aber doch einmal einen gäbe ..." - Geradas antwortete: "So müßte er zur Strafe einen Stier geben, der so groß wäre, daß er über den Taygetos hinweg und über Sparta hinweg aus dem Eurotas trinken könnte." - "Aber wie könnte denn ein Stier jemals so groß werden?", fragte der Fremdling. "Und wie könnte in Sparta jemand Ehebrecher werden?" fragte Geradas zurück. - - -
Diese Geschichte fällt dem Verfasser dieser Zeilen ein, wenn vom Taygetos die Rede ist. (Das ist übrigens auffallender Weise dieselbe Selbstverständlichkeit bezüglich der Ehe, wie es sie bei den republikanischen Römern und auch später noch bei den heidnischen Germanen und vielen anderen Völkern gegeben hat. Doch all das ist gar nicht Thema des vorliegenden Beitrages.)
Das Taygetos-Gebirge zieht sich von Norden nach Süden über die Peloponnes, als hätte es einen so langen Hals wie der genannte Stier. Die südlichen Ausläufer des Taygetos-Gebirges bestimmen den landschaftlichen Charakter des südlichsten Teiles der Peloponnes, nämlich der Halbinsel Mani. Bei ihr handelt es sich um den mittleren "Finger" der drei "Finger", der drei südlichen Halbinseln der Peloponnes. Und hier lebt noch heute ein Volksstamm, nämlich die "Südlichen Manioten", die Einwohner des südlichsten Teiles der Halbinsel Mani (Englisch "Deep Mani") (Abb. 2), deren Genetik sich - nach einer neuen genetischen Studie (1) - im wesentlichen seit dem antiken Griechenland erhalten haben soll (2) (Phys). Es könnte sich also bei ihnen um direkte Nachfahren der Spartaner handeln. Auf jeden Fall findet sich bei ihnen nicht jener recht hohe slawische genetische Herkunftsanteil, der sich sonst bei allen Griechen seit dem Frühmittelalter findet. Dieser Umstand ist schon seit einer Studie aus dem Jahr 2017 bekannt.
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| Abb. 2: Die drei wesentlichen geographischen Teile der Halbinsel Mani (HTravels) |
In der genannten neuen Studie wird diesen Zusammenhängen weiter nachgegangen (Nature2025):
Aufgrund ihrer einzigartigen historischen Umstände und sprachlichen Besonderheiten stellen die Südlichen Manioten möglicherweise eine genetische Momentaufnahme der griechischen Welt vor der Völkerwanderungszeit dar und liefern wertvolle Einblicke in die menschliche Mobilität im nachklassischen östlichen Mittelmeerraum.Based on their unique historical circumstances and linguistic particularities, the Deep Maniots may represent a genetic snapshot of the pre-Migration Period Greek world, providing invaluable insights into human mobility of the post-classical Eastern Mediterranean.
Es wird dies in der neuen Studie allerdings nur anhand der Genetik der väterlichen Y-Chromosomen-Linien und der mütterlichen mitochondrialen Linien abgeleitet, nicht aus Gesamtgenom-Sequenzierungen. Warum letztere nicht mit in Augenschein genommen worden sind, entzieht sich unserer Kenntnis. Schließlich kann das doch heute schon jeder MyHeritage-Test oder ähnliches leisten, soweit wir das überblicken.
Jedenfalls: Die Südlichen Manioten scheinen - im Gegensatz zu den übrigen heutigen Griechen - so gut wie gar nicht von Slawen abzustammen.
Im 5. Jahrhundert n. Ztr. haben die Einwohner der Halbinsel Mani einen Eroberungsversuch durch die Wandalen abgewehrt (Nature2025). Vermutlich hatten sie zuvor auch schon - wie die übrigen Griechen - viel mit der Abwehr von plündernden Goten zu tun.
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| Abb. 3: Frauen aus dem Dorf Driali an der Ostküste der Südlichen Mani-Halbinsel (WikiC) - Eingestellt auf dem griechischen Wikipedia-Artikel (Wiki) |
Aber schon im 10. Jahrhundert hat der oströmische Kaiser Porphyrogenitus festgehalten, daß die Manioten (zit. n. Nature2025) ...
„... nicht von den Slawen, sondern von den alten Römern abstammen, die selbst heute noch von den Einheimischen Hellenen genannt werden wegen ihrer früheren Götzenverehrung“.
Auf der Halbinsel Mani ist man also auch vergleichsweise spät zum Christentum übergegangen. Die Hälfte der Männer der heutigen eingeborenen Südlichen Manioten stammen nach der neuen Studie von einem einzigen Mann ab, der um 650 n. Ztr. gelebt haben könnte. Die Population der Südlichen Mani hat demach einen populationsgenetischen Flaschenhals durchlaufen, der zeitlich parallel läuft zu der äußerst geringen Besiedlungsdichte während des 7. Jahrhunderts auf der Peloponnes überhaupt. Wir lesen über die neue Studie (GreekCityTimes):
Das Forschungsteam untersuchte venezianische, osmanische und moderne Archive und befragte mindestens 60 ältere Einwohner aus fast jedem Dorf im Südlichen Mani. Das Team arbeitete eng mit der lokalen Bevölkerung zusammen, um sicherzustellen, daß die Stichprobe verschiedene Familiengruppen und Siedlungen repräsentierte. Dr. Anargyros Mariolis, Direktor des Gesundheitszentrums Areopoli, unterstützte die Datenerhebung. Die Forscher stellten fest, daß mündliche Überlieferungen häufig mit den genetischen Befunden übereinstimmten. Co-Autor Athanasios Kofinakos erklärte, daß viele lange bestehende Erzählungen über gemeinsame Abstammung nun genetisch bestätigt seien.
Für Außenstehende stellen die Südlichen Mani noch bis heute wohl manches geheimnisvolle Rätsel dar.
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| Abb. 4: Klagende, trauernde Frauen der Manioten (Greekreporter) |
Aufgrund der Unzugänglichkeit ihrer Halbinsel haben die Manioten noch bis ins vorletzte und letzte Jahrhundert nach vergleichsweise eigenen Gesetzen gelebt. Die Blutrache zwischen den großen Sippenverbänden spielte bei diesen eine große Rolle. Sie war bei den Manioten ähnlich "selbstverständlich" wie etwa bei den frühmittelalterlichen Isländern. Der Griechenland-Kenner und vormalige britische Soldat des Zweiten Weltkrieges, der Schriftsteller Patrick Lee Fermor (1915-2011) (Wiki), schrieb über die Halbinsel Mani (zit. n. Wiki):
Ein Durchreisender kann Mani in drei Tagen sehen,ein Wanderer in drei Monaten,und um seine Seele zu erfassen, braucht man drei Leben.Eins für das Meer, eins für seine Berge und eins für seine Menschen.
Vielleicht hat er ein bisschen übertrieben ... ? Ein besonderes Volksgut der Mani sind ihre "Klagelieder" (Abb. 4). Über diese heißt es auf dem griechischen Wikipedia (Wiki):
Klagelieder sind Verse, Trauergesänge, die beim Tod von Angehörigen vorgetragen werden. Die ersten Klagelieder finden sich bei Homer, wo Totenlieder für Hekabe, Achilles, Andromache usw. erwähnt werden, deren Inhalt den späteren Klageliedern nahezu identisch ist. In der maniatischen Gesellschaft ersetzen Klagelieder andere Lieder und bilden die einzige Form der Volksdichtung. Sie werden von Generation zu Generation weitergegeben, und auch heute noch improvisieren vor allem die Frauen der maniatischen Gesellschaft und schaffen „Lobgesänge auf die Toten“
In einer Filmdokumentation kann man sich von diesen Klageliedern der Frauen einen Eindruck verschaffen (Abb. 8) (aus: Yt2021).
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| Abb. 5: Der Eid "Freiheit oder Tod" aus Anlaß der Revolutionsausrufung in Areopolis 1821 - Nachgestellt (aus: Yt2021) |
Bezeichnenderweise trägt die Hauptsängerin während ihres Klageliedes eine Pistole im Gürtel - ein Zeichen, daß die Frauen vollständig hinter den Männern standen was die Wehrhaftigkeit und die Gesetze der Blutrache betrifft. Als Beispiel für ein allegorisches Klagelied werden die folgenden Zeilen gebracht (Wiki):
Ich hatte einen Apfelbaum vor meiner Tür und einen Baum in meinem Garten,ein scharlachrotes Zelt über dem Haus,eine goldene Zypresse, an die ich mich lehnte, undein silbernes Tuch hing im Haus.Nun ist der Apfelbaum verdorrt, der Baum entwurzelt,das scharlachrote Zeltschwarz geworden, die goldene Zypresse umgestürzt und zerbrochen,das silberne Tuch erloschen, das Haus erstrahlt nicht mehr.
Der genannte Schriftsteller Patrick Lee Fermor übrigens (Wiki) ...
... bereiste viele Jahre Mani und lebte hier mit seiner Frau Joan, worüber er ein Reisebuch mit dem Titel „Mani“ (1958) verfaßte. Er liebte Mani so sehr, daß er sich schließlich dauerhaft in Kardamyli niederließ, wo er im Alter von 96 Jahren auch starb.
Kardamyli liegt im nördlichen Teil der Halbinsel Mani.
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| Abb. 6: Zwei alte Frauen - Aus: Fermor / Mani 1958 |
Im Klappentext zu diesem "legendären" Mani-Buch von Fermor heißt es (Az):
Sommer 1952. Als Patrick Leigh Fermor 37-jährig über das Taygetos-Gebirge in das bitterschöne Land der Manioten bis an den südlichsten Zipfel der Peloponnes wandert, ist er in seiner Heimat bereits ein Kultautor. "Es gibt kaum einen Fels oder Bach, zu dem es keine Schlacht und keinen Mythos gibt, kein Wunder, keinen Aberglauben, keine Geschichte... Meine Streifzüge durch Griechenland gelten den entlegensten Landstrichen, denn dort findet man, wonach ich suche." Gerade in der rauen, vom übrigen Griechenland durch den Taygetos abgeschnittenen Mani wittert Fermor Lebensformen und Bräuche, die direkt aus dem untergegangenen Byzanz oder dem mythischen Altertum zu kommen scheinen. So findet sich in der aus dem Stegreif gesungenen Totenklage, wenn die Sängerin sich die Haare rauft, Andromaches Trauer um Hektor wieder.
Auf dem griechischen Wikipedia heißt es auch (Wiki):
Die karge, felsige Halbinsel und die historische Verbindung zum antiken Sparta prägen die Bewohner mit einem kompromißlosen Charakter, strengen Moralvorstellungen, harten Sitten, Freiheitsliebe, Opferbereitschaft sowie Ehrlichkeit, mentaler Stärke, Stolz und Patriotismus. Sie zeigen großen Respekt vor Traditionen, Familienehre und den Toten und ein starkes Lokalbewußtsein, das aus dem Stolz erwächst, nie von Fremden versklavt worden zu sein und stets in Freiheit gelebt zu haben.
Das Dorf Areopolis an der Westküste der Südlichen Mani-Halbinsel bildet das Verwaltungszentrum der Südlichen Mani. Von hier bis zum südlichsten Zipfel der Halbinsel Mani, dem Kap Tainaron, sind es 40 bis 50 Kilometer (GMaps). In Areopolis finden alljährlich Festlichkeiten zum Jahrestag der Revolutionsausrufung gegen die Herrschaft der Türken statt, und zwar am 17. März 1821.
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| Abb. 7: Alljährliche Feierlichkeiten zum Gedenktag der Revolutionsausrufung am 17. März 1821 in der Ortschaft Areopolis (Trigilidas) |
Zu diesen Festlichkeiten kommen Abordnungen aus ganz Griechenland, ja, im Jahr 2025 hat an diesen Festlichkeiten auch der ungekrönte König Griechenlands teilgenommen, der Prinz Paul von Griechenland (geb. 1967) (Wiki) (Akrolithi):
Während die Revolution und ihre Helden landesweit am 25. März, dem Fest Mariä Verkündigung, gefeiert werden, ehrt Mani den 17. März als sein eigenes Leuchtfeuer des Mutes.
Man sieht auf Fotos und Filmaufnahmen von diesen Feierlichkeiten viele einheimische Manioten versammelt, sogar in der traditionellen Tracht und Bekleidung des 19. Jahrhunderts (siehe z.B. Fb2024).
Paul von Griechenland wurde von den örtlichen politischen Repräsentanten als "Prinz Paul" und "Exzellenz" angesprochen, obwohl die Monarchie in Griechenland abgeschafft worden ist (Yt2025):
Der 17. März 1821 markiert einen Meilenstein der griechischen Revolution. An diesem Tag hißten die Würdenträger von Mani unter der Führung von Petrobey Mavromichalis in Areopolis (damals Tsimova) die Revolutionsflagge und läuteten damit den Kampf gegen das osmanische Joch ein. Der lokalen Überlieferung zufolge versammelten sich die Stammesführer von Mani in Areopolis und schworen „Sieg oder Tod“, um ihre Entschlossenheit für die Freiheit ihrer Heimat zu bekräftigen.
Eine Fortsetzung dieses Berichtes stellen wir in eine Anmerkung.*)
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| Abb. 8: Totenklage der Frauen von Mani - Nachgestellt in einer Dokumentation aus dem Jahr 2021 (aus: Yt2021) |
Es ist nicht ganz einfach, Fotos von vermutlich einheimischen Manioten im Internet zu finden. Wir haben uns im vorliegenden Beitrag an einer Auswahl versucht. Sie könnten also ein Bild geben von der durchschnittlichen Physischen Anthropologie, dem alltäglichen äußeren Erscheinungsbild von - - - antiken Griechen (!). Es scheint uns, als ob man unter einheimischen Manioten oft stämmige, gedrungene, meist dunkelhaarige, bärtige Männer von nicht sehr großer Körpergröße sieht - ähnlich die Frauen.
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| Abb. 9: Gedenktag der Revolutionsausrufung am 17. März 1821 in der Ortschaft Areopolis auf der Halbinsel Mani (Trigilidas) |
Insgesamt erhoffen wir uns bezüglich der Südlichen Manioten von Gesamtgenom-Untersuchungen und daraus abgeleiteten "Polygenic Scores", also von polygenetischen Merkmalsauslesungen noch viele weitere, zuverlässigere Erkenntnisse als es bis dato über sie zu geben scheint.
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| Abb. 10: Tag der Revolutionsausrufung, wohl in Aktrolithi, zehn Kilometer nördlich von Areopoli (Akrolithi) |
Es dürfte auf jeden Fall Sinn machen, das Thema im Auge zu behalten. Deshalb auch der vorliegende, vermutlich eher nur in die Thematik "einleitende" Beitrag.
Denn die Thematik der Archäogenetik der antiken Griechen bleibt so spannend wie eh und je mit der Feststellung, daß sie nur acht Prozent Steppengenetik, also Genetik der Indogermanen in sich getragen haben. Dieser Umstand wird es vor allem sein, der auch die Erstellung der hier ausgewerteten Studie angeregt hat.
Was sagt die Physische Anthropologie?
/ Ergänzung 9.2.2026 / 1914 ist ein Aufsatz zur Physischen Anthropologie der Mani veröffentlicht worden, auf den dieser Blog dankenswerter Weise von Andreas Vonderach hingewiesen wird. Hier heißt es zunächst (6, S. 18f):
Tsimova, der norwestliche Grenzort der inneren Mani, dessen Name neuerdings durch das alte Areopolis ersetzt worden ist, ist einer der südlichsten Orte mit sicher slavischem Namen. Weiter nach Norden zu häufen sie sich. (...) Bei älteren Schriftstellern findet sich die Angabe, daß die Maniaten stets in Waffen gingen, die Priester nicht ausgenommen. (...) Als im Jahre 467 die Wandalen durch den ganzen Peloponnes gezogen waren, ohne Widerstand zu finden, waren es erst die Eleutherolakonen, die den Plünderungen ein Ende setzten und die Wandalen zur Umkehr nötigten.
Von den Ortschaften, aus denen Reservisten, Gefangene oder Soldaten kamen, die von dem Anthropologen Fritz Schiff 1913 vermessen wurden, liegt nur Lagia eindeutig im Südlichen Mani. "Messa" ist - zumindest heute - die Bezeichnung für die ganze südliche Mani (das "Innere" Mani). Itylos liegt zehn Kilometer nördlich von Areopoli (GMaps). Kardamyli liegt an der Nordwestküste von Mani, Gythion liegt im Nordosten. (Karioupoli liegt an der Grenze zum nordöstliche Mani.) Schiff hat schon eine ähnliche Fragestellung wie sie auch noch 2026 gestellt wird (6, S. 23):
Ich will mich im wesentlichen darauf beschränken, der Frage nahezutreten, wieweit Unterschiede zwischen dem Norden und dem Süden der Mani sich nachweisen lassen, weil dieser Frage unabhängig von den speziellen Problemen der griechischen Anthropologie eine anthropogeographische Bedeutung zukommt.
Er gibt dann eine Tabelle zu der von ihm festgestellten Häufigkeit von Körpermerkmalen in Süd- und Nord-Mani (Abb. 11).
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| Abb. 11: Häufigkeit von Haar- und Augenfarben in der Südspitze von Süd-Mani (Lagia und Messa) im vergleich zu Nord-Mani (6, S. 30) |
In Textform schreibt er über diese Tabelle (6, S. 29f):
Wenn wir nun die beiden Gebiete näher betrachten, bei denen wir von vornherein den größten Unterschied erwarten dürfen, nämlich einerseits die Südspitze (Lagia und Messa), andererseits den an die messenische Ebene stoßenden Teil der Nord-Mani (Awia), so bestehen hier in der Tat die größten überhaupt auftretenden Differenzen, nämlich im Süden 78 % Dunkle und nur 4 % Helle, im Norden fünfmal so viel Helle und nur 29 % Dunkle. Der auch noch zur inneren Mani gerechnete Dimos Itylos schließt sich mit seinen Zahlen eng an die Südspitze an mit fast ebenso viel Dunklen. (...) Das Resultat der Tabelle entspricht für die Farbe der Iris genau dem der Haarfarbe. Helle Augen sind im Süden viel seltener als im Norden, bei den dunklen ist es umgekehrt. Itylos verhält sich genau so wie die äußerste Südspitze. (...) Dürfen wir nun diesen nur für je 50 Menschen erhobenen Befund verallgemeinern und annehmen, daß wirklich in der Verteilung der Haar- und Augenfarbe ein so deutlicher Unterschied zwischen Nord- und Südmaniaten besteht?
Wir möchten meinen: Solange es keine umfangreicheren Datensätze gibt: Ja. Denn es handelt sich ja doch schon einmal um ein sehr eindeutiges Ergebnis.
Ein Schönheitsideal der antiken Griechen: Zusammengewachsene Augenbrauen
Schiff stellt auch noch folgendes fest (6):
Es gibt nur wenige Maniaten, bei denen die Gegend zwischen den Brauenbogen nicht mehr oder weniger stark behaart wäre.
Der Fachausdruck, den Schiff dafür verwendet, ist "Räzel". Und Schiff schreibt (6):
Nichträzel gibt es im Süden gegen 20, im Norden der Mani 40, in Meligala über 50 %.
Schiff gibt die Ergebnisse zu diesen zusammengewachsenen Augenbrauen auch noch einmal in einer Tabelle wieder (Abb. 12).
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| Abb. 12: Zusammengewachsene Augenbrauen ("Räzel") in Süd- und Nord-Mani (6, S. 32) |
Was lesen wir nun in dem Wikipedia-Artikel über "Augenbrauen" (Wiki):
Bei den meisten Menschen ist die Glabella (die Grube zwischen Nasenwurzel und Stirnbein) nicht oder nur sehr spärlich behaart, doch es gibt mitunter Ausnahmen, bei denen die Augenbrauen eine zusammenhängende Haarlinie bilden. Man spricht dann von „Monobrauen“, regional auch „Rätzeln“; der medizinische Fachausdruck ist „Synophrys“ (von griechisch συν „zusammen“ und οφρυς „Augenbraue“). Monobrauen sind genetisch bedingt (zuständig ist das Pax-3-Gen).
Und nun stellen wir ChatGPT "unverfroren" die Frage, ob Synophrys bei den antiken Griechen verbreitet war.
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| Abb. 13: Kore mit den Augen einer Sphinx, um 500 v. Ztr., Athen (Wiki) |
Und wir erhalten unverfroren - und völlig unerwartet - die klare Antwort:
Ja, Synophrys (zusammengewachsene Augenbrauen, also eine durchgehende Braue) war bei den antiken Griechen tatsächlich verbreitet und sogar oft als Schönheitsideal angesehen – besonders bei Frauen.Ein paar wichtige Punkte dazu:In der griechischen Kunst und Literatur galt eine dichte, durchgehende Augenbraue als Zeichen von Schönheit, Ernsthaftigkeit und Intelligenz.Frauen, die keine natürliche Synophrys hatten, malten sich oft künstlich eine zusammenhängende Braue (z. B. mit Ruß oder Pflanzenfarben).In Skulpturen und Vasenmalerei sieht man häufig idealisierte Gesichter mit betonter, durchgehender Augenbraue.Erst in späteren Epochen (z. B. römisch und noch stärker in der Neuzeit) wandelte sich dieses Schönheitsideal hin zu klar getrennten Augenbrauen.
ChatGPT nennt als Textquellen hierfür Aristophanes ("Die Wolken") ("Dort wird eine schöne Frau mit „zusammengewachsenen Augenbrauen“ beschrieben - als positives Merkmal."), Theokrit ("Idyllen") Ovid ("Ars amatoria") und antike Kommentare zur Ilias.
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| Abb. 14: Portrait des Terentius Neo und seiner Frau, Wandmalerei in Pompeji um 75 n. Ztr. (Wiki) |
ChatGPT nennt auf Nachfrage auch viele Zeugnisse aus der bildenden Kunst, insbesondere aus der archaischen Skulptur-Kunst, etwa die Koren. Viele dieser von ChatGPT angeführten Zeugnisse können wir nicht gleich als überzeugend erachten. Aber ChatGPT führt als Zeugnis auch die "Kore mit den Mandelaugen" an aus der Zeit um 500 v. Ztr., auch genannt "Kore mit den Augen einer Sphinx" (Abb. 10). Hier scheint der behauptete Umstand schon recht eindeutig zu sein.
ChatGPT glaubt das Vorliegen von Synophrys vor allem anhand der rekonstruierten Farbgebung vieler Skulpturen behaupten zu können. Hier müßte man sich noch etwas tiefer in die wissenschaftliche Literatur einarbeiten. Es macht vielleicht Sinn, künftig bei der Betrachtung antik-griechischer Kunst ein bisschen genauer auf solche zusammengewachsenen Augenbrauen zu achten.
Aber wir finden dann, daß zusammengewachsene Augenbrauen auf Englisch "Unibrow" heißen. Und es gibt dafür auch einen eigenen Wikipedia-Artikel (Wiki). Aufgrund einer Studie von 2017 (IJoT2017) wird hier die Häufigkeit von Synophys in Oman mit 12 % angegeben. Demgegenüber wäre diese Häufigkeit bei den Manioten ja deutlich höher.
Aber mit dem Suchwort "Unibrow" finden wir nun auch weitere Zeugnisse zu zusammengewachsenen Augenbrauen in der griechischen Antike (HumanMatLoop). So etwa in der Darstellung der Frau des Terentius Neo in dem berühmten Wandgemälde aus Pompeji (Wiki), das aus der Zeit um 75 n. Ztr. stammen soll (Abb. 14).
Die Manioten: "Dunkle, kleinwüchsige Langköpfe"
Merkwürdigerweise weisen die Manioten im südlichen Mani nach den Ergebnissen von Schiff 22 % Langköpfige auf, obwohl es solche bei den nördlichen Manioten und bei den noch weiter nördlich wohnenden Messeniern nicht gibt und obwohl doch die Kurzköpfigkeit ein sehr allgemeines Merkmal der Mediterranen ist, insbesondere der Mediterranen vor der Zuwanderung der Slawen (und wohl auch vor Ausbreitung von iranisch-neolithischen Herkunftsanteilen im östlichen Mittelmeerraum). Schiff wirft in seiner Zusammenfassung einen vergleichenden Blick nach Kreta und schreibt (6, S. 37f):
Dunkle langschädelige Leute mit niedrigen Nasen wie in der Süd-Mani finden wir in einiger Reinheit in bestimmten Gebieten von Kreta, z.B. in Lasithi (v. Luschan). In Kreta sind die Leute außerdem kleinwüchsig. Für die Maniaten habe ich leider aus Zeitmangel keine Bestimmung der Körpergröße vornehmen können. Wenn es berechtigt ist, die langschädeligen dunklen Südmaniaten in nähere anthropologische Beziehung zu den langschädeligen, dunklen Kretern zu setzen, so wird sich (...) bei weiteren Untersuchungen auch in der Südmani ein größerer Prozentsatz von Kleingewachsenen finden als im Norden. (...) Dunkle Langschädel finden sich am reinsten gerade in den isoliertesten Berggegenden auf Kreta, und der Gegensatz dieser Bergbevölkerung gegen die Bewohner der weniger abgeschlossenen Nachbargegenden ist so ausgesprochen, daß er ohne weiteres den Schluß zuläßt, es handle sich um ein sehr altes, hier noch rein erhaltenes Bevölkerungselement.
Mit von Luschan spricht Schiff diese Körpermerkmale vor allem den Minoern zu. Bezeichenenderweise. Auch von Luschan und Schiff konnten sich die Körpermerkmale von antiken Griechen offenbar nicht als solche vorstellen wie sie bei den Manioten und auf Kreta vorgefunden worden sind. Vielleicht hat übrigens diese "Langschädeligkeit", die die Anthropologen seit Jahrzehnten womöglich recht häufig bei den antiken Griechen festgestellt haben, die "Rasseforscher" der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dazu verleitet, die "nordische" Herkunft der antiken Griechen (also aus heutiger Sicht ihre "Steppenherkunft") viel höher einzuschätzen als sie sich heute mit acht Prozent heraus gestellt hat.
Das ganze Thema bleibt weiter sehr spannend.
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- Davranoglou, LR., Kofinakos, A.P., Mariolis, A.D. et al. Uniparental analysis of Deep Maniot Greeks reveals genetic continuity from the pre-Medieval era. Commun Biol 9, 157 (2026). https://doi.org/10.1038/s42003-026-09597-9, Published 04 February 2026 (Nature2025)
- Berthold Seewald: Gefangene Bayern wurden nackt zusammen mit Katzen in Säcke gesteckt (Welt 07.02.2026)
- Philip Chrysopoulos: Mani - Greece’s Untamed Peninsula of Towers, History, and Deep Traditions. 29. November 2025 (Greekreporter)
- Fermor, Patrick Leight: Mani. Reisen auf der südlichen Peloponnes. Deutsch von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié, Dörlemann Verlag, Zürich 2011 (Etsy, Ajax)
- Das Fanal von 1821 - eine Hommage an Mani (Τοπόσημα του 1821 αφιέρωμα στη Μάνη) (Yt2021) [mit Beispielen von Klageliedern]
- Schiff, Fritz: Beiträge zur Anthropologie des südlichen Peloponnes. (Die Mani.) In: Zeitschrift für Ethnologie Bd. 46, 1914, S. 14-40 (Archiv)













