Unsere heutigen Pferde wurden domestiziert um 2.200 v. Ztr. im Nordschwarzmeerraum (Stg2021).
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| Abb. 1: Angepflockte Pferde in der Tschuja-Steppe im Altai (fotografiert von Alexandr Frolov, 13. Juli 2016) (Wiki) |
Wildpferde haben aber schon spätestens in der Chwalynsk-Kultur ab 4.500 v. Ztr. an der Mittleren Wolga eine Rolle gespielt - als Opfertiere zusammen mit domestizierten Schafen und Rindern oder erkennbar an den weit verbreiteten Wildpferdekopf-Zeptern, die wir hier auf dem Blog schon behandelt haben. Auch aufgrund vieler anderer Umstände kann es nicht anders sein, als daß es schon spätestens seit 4.500 v. Ztr. ein "Pferde-Management" (1) gegeben hat.
Das heißt, Wildpferde könnten mit Hilfe von Fußfesseln (Wiki) gehalten worden sein. Oder sie könnten auch angepflockt gehalten worden sein (Abb. 1) wie andere Weidetiere. Hinweise auf die Nutzung von Fußfesseln gibt es aus dem Alten Ägypten, bei den Skythen des 4. Jhdts. v. Ztr. und - nach antik-griechischen Berichten - auch für die Perser (Wiki).
Fußfesseln wurden für Pferde in Europa Jahrhunderte lang genutzt. Sie wurden auch in landwirtschaftlichen Lehrbüchern behandelt (WikiC). Heute ist diese Haltungsmethode im dicht besiedelten Mitteleuropa zwar mit Recht verboten. Denn Pferde sind schreckhafte Tiere und können sich bei dieser Haltungsform leicht verletzen. In siedlungsarmen Gebieten in vielen Teilen der Welt werden heute Pferde aber immer noch angepflockt oder mit Fußfesseln gehalten. So etwa im Altai-Gebirge (Abb. 1) oder in Kirgistan (Abb. 2). Das ist vermutlich unter anderem deshalb möglich, weil es in den dortigen siedlungsarmen Landschaften nur wenig "Schreckhaftes" gibt.
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| Abb. 2: Grasende Pferde mit Fußfesseln in Kirgistan im inneren Tienshan-Gebirge (Wiki, a) nördlich der Taklamakan - Blick auf den Fluß Naryn im Naturschutzgebiet Naryn in Kirgistan (fotografiert von Abujoy, 18. August 2018) |
Von traditionell lebenden Kirgisen werden domestizierte Pferde ja sogar noch heute wie Herdentiere auf die Weide "getrieben" und gehalten (2). Und damit haben wir einige Anhaltspunkte dafür gesammelt, wie auch schon Wildpferde ab 4.500 v. Ztr. gehalten worden sein können. Da wir heute zumeist in einer siedlungsdichten, lauten, schreckhaften Umgebung leben, können wir uns das gar nicht mehr vorstellen.
Die in Abbildung 1 genannte Tschuja-Steppe ist übrigens eine spektakuläre, 70 km lange und bis zu 40 km breite Hochgebirgssenke in der russischen Altai-Republik (Sibirien). Sie liegt auf einer Höhe von 1.750 bis 1.850 Metern und gilt als der kälteste und trockenste Ort des russischen Altais. Die Hochebene ist reich an archäologischen Schätzen. Besucher finden hier zahlreiche alte Grabstätten, Steinkreise, Felszeichnungen (Petroglyphen) und Artefakte aus der Stein- und Eisenzeit. (Nach KI.)
Nomaden!
Herrje! Kirgisen, Kalmücken, Mongolen ... - Seit wir sicher wissen, wann, wo und wie das Urvolk der Späten Urindogermanen um 3.300 v. Ztr. als Nomadenvolk am Mittleren Dnjepr gelebt hat, werden alle Völker, die bis ins späte 19. oder noch bis ins 21. Jahrhundert als Nomadenvölker gelebt haben, für uns hochgradig interessant. Weil sie alle etwas aussagen können darüber, wie die Urindogermanen an der Mittleren Wolga um 4.500 v. Ztr. und am Mittleren Dnjepr um 3.300 v. Ztr. und anderwärts eigentlich gelebt haben.
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| Abb. 3: Typische Raumverteilung von Nomaden-Lagern in der Steppe - hier: Nomadenlager der Mongolen, fotografiert von dem Schweizer Abenteuer-Schriftsteller Bruno Blum (geb. 1967) im Jahr 2010 (Alam) - Wenn sich von solchen Nomadenlagern ausgehend die Menschen bei zentralen Grabhügeln mit Rinderwagen sammeln, können doch leicht sternförmige Wege entstehen |
Hierzu sollen im folgenden einige "Bildeindrücke" zusammen gestellt werden, und zwar sowohl aus heutiger Zeit wie auch aus früheren Jahrhunderten.
Was für ein Blick über die Weiten eines Nomadenlagers (Abb. 3)! Schafe in einer riesigen Herde gehalten, frei laufende Pferde, eingezäunte Pferde, rauchende Jurten, Weite, vereinzelt Rinder. Was für ein vielfältiges Leben!
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| Abb. 4: Nomadenlager - In: "Vollständige Völkergalerie in getreuen Abbildungen aller Nationen" aus dem Jahr 1833, herausgegeben von H. O. F. Goedsche (Bildgsforsch) |
1833 wurde in Deutschland heraus gebracht eine "Vollständige Völkergalerie in getreuen Abbildungen aller Nationen mit ausführlicher Beschreibung derselben" (3).
Der Herausgeber war Hermann Ottomar Friedrich Goedsche (1816-1878) (Wiki). Bei diesem Schlesier handelte es sich um einen äußerst zwielichtigen Mitarbeiter des preußischen Geheimdienstes. Er ging mit sehr seichten, Sensations-heischenden Romanen seinem Gelderwerb nach. Sein Sensations-heischender Roman "Der Judenfriedhof von Prag" konnte - dementsprechend - zu einem der Ausgangspunkte für die sogenannten "Zionistischen Protokolle" werden.
Mit seiner "Völkergalerie" hatte er wohl ebenfalls eine gute Quelle zum Geldverdienen entdeckt (3). In dieser finden sich allerdings auch zum Teil sehr eindrucksvolle Abbildungen vom Leben damaliger Nomadenvölker, die es zu jener Zeit noch in ursprünglicherer Form gab als später (Abb. 4).
Was für ein vielfältiges Leben auch hier: Jurten werden aufgebaut, Fahnen werden aufgerichtet, Heiligtümer gibt es, Kamele werden als Lasttiere genutzt, einachsige Karren sieht man.
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| Abb. 5: "Lager der Kalmücken" |
Ähnlich die Abbildung "Lager der Kalmücken". Ein kalmückisches Dorf wird gezeigt mit vielen Ghers, Menschen, Kamelen, Pferden, Ziegen und weiterem Vieh.
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| Abb. 6: Kalmücken |
Eine weitere historische, völkerkundliche Abbildung zeigt drei Jurten der Kalmücken (Abb. 6).
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| Abb. 7: Kalmückische Steppe (Fotograf: dsandzhiev [Pix]) |
Eine Fotografie zeigt eindrucksvoll die Weiten der Kalmücken-Steppe (Abb. 7). Stammt von hier das "angeborene" Gefühl für Weite bei den Indogermanen? Ihre angeborene Sehnsucht nach Weite, Größe, Schönheit? Hieß nicht noch ein Wikinger-Wort: "Littila sanda, littila saeva littil ero ged guma," was auf Deutsch heißt: "Am engen Strand, an enger See wird eng des Menschen Sinn."
Ist nicht genau das das "Neue", jene völlig neue Mentalität, Weltauffassung, die - womöglich - die Indogermanen in eine durch die Seßhaftigkeit und den Ackerbau "klein" und "eng" gewordene Welt hinein brauchten, "zurück" brachten? Sinn für Größe und Weite? Werden deshalb die Indogermanen und die Germanen (von Hegel und anderen) als "das Volk der Freiheit" erachtet? Weil sie sich ihre Mentalität selbst als Ackerbauern, selbst als Städter erhalten haben - jedenfalls immer dann, wenn sie sich auf sich selbst besinnen und wenn sie sich nicht durch orientalische oder christliche "Engherzigkeiten", "Verkniffenheiten", "Verschwommenheiten" davon abbringen lassen?
Diese Sehnsucht nach Klarheit - kommt sie hierher? Wurde sie in den Weiten dieser Steppen geboren? Fand hier die Geburt moderner Philosophie statt, moderner Wissenschaft?
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| Abb. 8: Tataren in der Steppe - "Ein wanderndes Dorflager - Aul der Kundorofskischen Tataren in der Nogayischen Steppe", Kupferstich von Christian G. H. Geißler, 1793, koloriert erschienen 1812 (Stckh) (aus Abschluß-Folie in: Yt) |
Eine weitere historische Abbildung vom Nomadenleben (Abb. 8): "Tataren in der Steppe". Es wird ein "wanderndes Dorf" gezeigt. Jurten werden unzerlegt auf Karren gepackt und weiter transportiert. Auch hier werden vor allem zweirärdrige Karren genutzt. In der Bildmitte sehen wir, wenn wir uns nicht irren, sogar ein Getreidefeld, von dem die Nomaden ihre Tiere abhalten mußten.
So ähnlich könnte es auch ausgesehen haben, als die Schnurkeramiker nach Europa kamen. Sie bewohnten "wandernde Dörfer" abseits der ackerbautreibenden Kulturen, mußten dabei aber Rücksicht nehmen auf die ackerbautreibenden Kugelamphoren-Leute (archäologisch nachgewiesen etwa in der Weichselniederung).
Nomadenleben - Kirgisen leben wie unsere Vorfahren, das Volk der Späten Urindogermanen am Mittleren Dnjepr
Auf Youtube findet sich auch eine hinreißende Dokumentation von echtem, wildem Nomadenleben wie es in Kirgistan noch am Beginn des 21. Jahrhundert gelebt wird (3).
Man ist hingerissen von dieser Freiheit eines Nomadenvolkes, von all den vielen Tieren, von der Landschaft und ihrer Wildheit.
Vor allem die Lebenshaltung, die große Freiheit und Ungebundenheit unserer Vorfahren, des Volkes der Späten Urindogermanen der Jamnaja-Kultur am Mittleren Dnjepr kann man über eine solche Dokumentation vielleicht besser verstehen.
Auch die Kirgisen haben diese nomadische Lebensweise - vermutlich - indirekt und über viele Umwege von dem Volk der Späten Urindogermanen vom Mittleren Dnjepr geerbt. Auch sie stammen in Teilen von diesem Urvolk ab.
Denn die Späten Urindogermanen lebten diese Lebensweise als Steppennomaden erstmals in voller Ausprägung, wenn auch damals noch mit Wildpferden (Przewalski-Pferden). Aber ansonsten auch schon mit Schafen, Ziegen und Rindern.
Fast ist man versucht zu sagen: Wir Deutschen, wir europäischen Völker - wenn gar nichts mehr geht, wenn alles zuschanden ist, die Umwelt zerstört ist, die moderne Wirtschaft, die moderne Lebensweise zusammen bricht - womöglich kehren wir dann zu unseren Ursprüngen zurück, zu unseren Ursprüngen als Nomadenvolk.
Warum eigentlich nicht? Genug "digitale Nomaden" gibt es sowieso schon. Dieser Lebensstil braucht nicht nur hedonistisch gelebt werden, er kann - womöglich - auch familienfreundlich gelebt werden. Und nur eine familienfreundliche Lebensweise ist auch eine evolutionsstabile Lebensweise.
Hat nicht schon so mancher diesen inneren Ruf verspürt: Laßt uns der Zivilisation wieder den Rücken kehren. Laßt uns zurück kehren in die Wildheit der Berge, der Steppen, der großen Einsamkeiten. Laßt uns allein sein mit unseren Tieren, mit den Wolken, mit der Sonne und dem Wind. Und - damit - mit Gott. Laßt uns verfluchen all die "Zivilisation", die seither diesen Planeten wie ein Grauen umgibt ...
/ Erster Entwurf 7.12.2024 /
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- Hans J . J . G . Holm: Pre-DOM2 Horses in the Corded Ware Culture: A Necessary Correction to the Current DOM2 Narrative. 2026, Zenodo (Acad2026)
- Mertin, Wolfgang: Die neuen Nomaden von Kirgisistan (360° - GEO Reportage) MedienKontor / ARTE, 2009 (Yt)
- Goedsche, Friedrich Wilhelm: Vollständige Völkergalerie in getreuen Abbildungen aller Nationen mit ausführlicher Beschreibung derselben. Bd. 2. Abtg. 2. Meißen [1833]







