Sonntag, 15. Februar 2026

10.000 Jahre Buschleute im südlichen Afrika

Inzwischen sind über 30 südafrikanische Genome aus der langen Zeitspanne zwischen 10.000 Jahren vor heute bis 600 n. Ztr. bekannt.

Abb. 1: San-Gruppe aus dem südlichen Afrika, 2011, fotografiert von Aino Tuomine (Wiki)*)

Auch in einer neuen archäogenetischen Studie wird durch diese einmal erneut die große genetische und kulturelle Kontinuität der Herkunftsgruppe der südafrikanischen Buschleute deutlich (1):

Alle vorgeschichtlichen südlichen Afrikaner, deren Alter auf mehr als 1.400 cal.  vor heute datiert wurde, weisen eine genetische Ausstattung auf, die außerhalb der genetischen Variationsbreite heutiger Menschen liegt (einschließlich der südafrikanischen Khoe-San, obwohl einige bis zu 80 % ihrer Abstammung aus dem vorgeschichtlichen südlichen Afrika aufweisen). (...) Die vorgeschichtlichen südafrikanischen Individuen zeigen über 9.000 Jahre hinweg nur eine geringe räumlich-zeitliche Gliederung, was mit einer großen, stabilen Holozän-Population übereinstimmt, die archäologische Phasen überdauert. Während das südliche Afrika lange Zeit als geografisches Refugium diente, gab es vor über 8.000 Jahren einen Genfluß nach außen; ein Genfluß nach innen manifestiert sich jedoch erst nach etwa 1.400 Jahren.

Mit letzterem ist der Genfluß zuwandernder ostafrikanischer Stämme ab 600 n. Ztr. gemeint, später westafrikanischer Stämme. Wir lesen dementsprechend weiter (1):

Die meisten der untersuchten vorgeschichtlichen Südafrikaner (25 von 28) trugen Haplotypen der mitochondrialen Haplogruppe L0d (...), die auch bei heutigen Khoisan verbreitet ist (...). Die älteste Person (Matjes River 6) und vier weitere Personen (Great Brak River Cave, Cape St. Francis und zwei aus der Ballito Bay 4 ) trugen ein Y-Chromosom mit der Haplogruppe A1b1b2a, die ebenfalls häufig bei heutigen Khoisan vorkommt.

Nach 600 n. Ztr. kam es zur Einmischung von zunächst ostafrikanischer, später westafrikanischer Herkunft, so daß die Buschleute bis heute höchstens 80 % ihrer ursprünglichen Herkunft behalten haben.

Insgesamt haben wir in Südafrika also vorliegend ähnlich lange andauernde genetische und kulturelle Kontinuität wie in den Herkunftsgruppen anderer Weltteile, etwa den zeitgleichen westeuropäischen oder den osteuropäischen Jägern und Sammlern. Und ähnlich wie in anderen Weltteilen ist diese genetische und kulturelle  Kontinuität erst mit dem Aufkommen von Ackerbau und Viehzucht mit Veränderungen konfrontiert. 

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*) Auf der überwiegenden Mehrheit der Fotos sitzen die Buschleute auf dem Boden mit angewinkelten Knien. Auf dem Boden sitzen ist sehr gut für die Gesundheit. Allerdings fragt man sich, ob die angewinkelten Kniee nicht auch zu Knieproblemen führen. 

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  1. Jakobsson, M., Bernhardsson, C., McKenna, J. et al. Homo sapiens-specific evolution unveiled by ancient southern African genomes. Nature 650, 156–163 (2026). https://doi.org/10.1038/s41586-025-09811-4, Published 03 December 2025 (Nature2025)
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