Kirgisen, Kalmücken, Mongolen ... - Seit wir sicher wissen, wann, wo und wie das Urvolk der Späten Urindogermanen um 3.300 v. Ztr. als Nomadenvolk am Mittleren Dnjepr gelebt hat (Stg2024, a, b), werden alle Völker, die bis ins späte 19. oder noch bis ins 21. Jahrhundert als Nomadenvölker gelebt haben oder sogar noch leben, für uns hochgradig interessant.
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| Abb. 1: Typische Raumverteilung von Nomaden-Lagern in der Steppe - hier: Nomadenlager der Mongolen, fotografiert von dem Schweizer Abenteuer-Schriftsteller Bruno Blum (geb. 1967) im Jahr 2010 (Alam) - Wenn sich von solchen Nomadenlagern ausgehend die Menschen bei zentralen Grabhügeln mit Rinderwagen sammeln, können doch leicht sternförmige Wege entstehen (wie am Mittleren Dnjepr 3.300 v. Ztr.) |
Weil sie alle etwas aussagen können darüber, wie die Urindogermanen an der Mittleren Wolga um 4.500 v. Ztr. und am Mittleren Dnjepr um 3.300 v. Ztr. und von dort ausgehend in vielen Teilen Eurasiens eigentlich gelebt haben.
Dazu sollen im vorliegenden Beitrag einige "Bildeindrücke" und einige für uns neue Überlegungen zusammen gestellt werden. Auch über die KI können wir viele Fragen klären, die wir uns bislang noch nie bewußt gemacht hatten.
Was für ein Blick über die Weiten eines Nomadenlagers (Abb. 1 und 11)! Schafe in einer riesigen Herde gehalten, frei laufende Pferde, eingezäunte Pferde, rauchende Jurten, Weite, vereinzelt Rinder. Was für ein vielfältiges Leben!
Dazu folgen weiter unten noch weitere - historische - Abbildungen. Aber zuvor noch einige Überlegungen bezüglich der Pferdehaltung bei den Frühen und bei den Späten Urindogermanen in der Nordschwarzmeersteppe, die wir uns erst aus Anlaß der Veröffentlichung dieses Blogbeitrages bewußt machen.
Unsere heutigen Pferde wurden domestiziert - erst - um 2.200 v. Ztr. im Nordschwarzmeerraum (Stg2021).
Das heißt, sowohl bei den Frühen Urindogermanen an der Mittleren Wolga wie bei den Späten Urindogermanen am Mittleren Dnjepr spielen zwar "Pferde" eine Rolle. Aber es handelte sich - im heutigen Sinne - um Wildpferde, nicht um domestizierte Pferde. Diese Wildpferde wurden als Opfertiere zusammen mit domestizierten Schafen und Rindern niedergelegt. Ihre Rolle wird auch deutlich an den weit verbreiteten Wildpferdekopf-Zeptern, die wir hier auf dem Blog schon behandelt haben.
Auch aufgrund vieler anderer Umstände kann es nicht anders sein, als daß es schon spätestens seit 4.500 v. Ztr. ein "Pferde-Management" (1) gegeben hat bezüglich dieser Wildpferde.
Nomadenleben bei den Kirgisen im Tienshan
Wie "Pferde-Management" - auch für Wildpferde - ausgesehen haben kann, kann man - unter anderem - bei traditionell lebenden Kirgisen lernen (2). Diese arbeiten zwar mit domestizierten Pferden. Aber ihre Pferde bewegen sich die meiste Zeit des Jahres "wild" auf den Weiden. Für die Wanderung zu den Hochweiden, die innerhalb des Tianshan auf 3.000 Meter Höhe 150 Kilometer entfernt liegen, werden die Leithengste eingefangen (2, 7'11). Damit sie während der Wanderung nicht miteinander um ihre jeweiligen Herden kämpfen, werden sie während der Wanderung von den Pferdehirten geritten.
Von den Kirgisen kann man also lernen, wie auch domestizierte Pferde noch heute wie Herdentiere auf die Weide "getrieben" und dort gemolken werden (2). Um die Stuten melken zu können, werden ihre Fohlen eingefangen und angepflockt. Wenn dann ihre Mütter sich zu ihnen gesellen, können sie ruhig gemolken werden, obwohl sie gar nicht angebunden sind.
Auf Youtube findet sich eine hinreißende Dokumentation von echtem, wildem Nomadenleben wie es in Kirgistan noch am Beginn des 21. Jahrhundert gelebt wird (2).
Man ist hingerissen von dieser Freiheit eines Nomadenvolkes, von all den vielen Tieren, von der Landschaft, von ihrer Wildheit.
Vor allem die Lebenshaltung, die große Freiheit und Ungebundenheit unserer Vorfahren, des Volkes der Späten Urindogermanen der Jamnaja-Kultur am Mittleren Dnjepr kann man über eine solche Dokumentation vielleicht besser verstehen.
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| Abb. 2: Angepflockte Pferde in der Tschuja-Steppe im Altai (fotografiert von Alexandr Frolov, 13. Juli 2016) (Wiki) |
Auch die Kirgisen haben diese nomadische Lebensweise - vermutlich - indirekt und über viele Umwege von dem Volk der Späten Urindogermanen vom Mittleren Dnjepr geerbt. Auch sie stammen in Teilen von diesem Urvolk ab.
Denn die Späten Urindogermanen lebten diese Lebensweise als Steppennomaden erstmals in voller Ausprägung, wenn auch damals noch mit Wildpferden (Przewalski-Pferden). Aber ansonsten auch schon mit Schafen, Ziegen und Rindern.
Fast ist man versucht zu sagen: Wir Deutschen, wir europäischen Völker - wenn gar nichts mehr geht, wenn alles zuschanden ist, die Umwelt zerstört ist, die moderne Wirtschaft, die moderne Lebensweise zusammen bricht - womöglich kehren wir dann zu unseren Ursprüngen zurück, zu unseren Ursprüngen als Nomadenvolk.
"Digitale Nomaden" gibt es sowieso schon in rauen Mengen. Dieser Lebensstil braucht ja nicht nur hedonistisch gelebt werden. Er kann - womöglich - auch familienfreundlich gelebt werden. Und nur eine familienfreundliche Lebensweise ist auch eine zukunftsträchtige Lebensweise, eine "evolutionsstabile" Lebensweise. Wer darauf nicht achtet, ist zum demographischen Aussterben verdammt - so wie die heutigen Deutschen und alle anderen Völker in nördlichen Breitengraden. Ihr biologisches und damit auch kulturelles Überleben scheint ihnen egal zu sein. Und dann gibt es in diesen Völkern auch noch "patriotische" Politiker, "Populisten", "Rechtskonservative", die sich selbst und ihren Völkern einreden, es bräuchte im Wesentlichen nur das Kreuz auf dem Wahlzettel an der richtigen Stelle gesetzt werden, dann wäre das Überleben der Völker der nördlichen Breitengrade gesichert. Was für ein Hohn.
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| Abb. 3: Grasende Pferde mit Fußfesseln in Kirgistan im inneren Tienshan-Gebirge (Wiki, a) nördlich der Taklamakan - Blick auf den Fluß Naryn im Naturschutzgebiet Naryn in Kirgistan (fotografiert von Abujoy, 18. August 2018) |
Aber hat denn nicht mancher schon diesen inneren Ruf verspürt: Laßt uns der Zivilisation den Rücken kehren. Laßt uns zurück kehren in die Wildheit der Berge, in die Wildheit der Steppen, der großen Einsamkeiten. Laßt uns allein sein mit unseren Tieren, mit den Wolken, mit der Sonne und dem Wind. Und - damit - mit Gott.
Laßt uns auch zurück kehren zur Hochachtung der Mütter, wie sie Steppennomaden Jahrtausende lang selbstverständlich war (siehe dazu z.B. die Doku "Nomadenleben in der Mongolei" [SWR2018]).
Laßt uns verfluchen all die "Zivilisation", die seither diesen Planeten umgibt - wie ein Grauen ...
"Pferde-Management"
Noch einige Gedanken zum oben genannten "Pferde-Management": Wildpferde könnten auch mit Hilfe von Fußfesseln (Wiki) gehalten worden sein. Oder sie könnten angepflockt gehalten worden sein (Abb. 2) so wie andere Weidetiere auch. Hinweise auf die Nutzung von Fußfesseln gibt es, so finden wir es auf Wikipedia erwähnt, aus dem Alten Ägypten, bei den Skythen des 4. Jahrhunderts v. Ztr. und auch bei den antiken Persern (Wiki).
So können Anhaltspunkte gesammelt werden dafür, wie auch schon Wildpferde ab 4.500 v. Ztr. gehalten worden sein können und wie mit ihnen "Pferde-Management" betrieben worden sein kann (1).
Da wir heute zumeist in einer siedlungsdichten, lauten, schreckhaften Umgebung leben, wo man Pferde nicht frei in der Herde laufen lassen kann, können wir uns das gar nicht mehr vorstellen.
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| Abb. 4: Nomadenlager - In: "Vollständige Völkergalerie in getreuen Abbildungen aller Nationen" aus dem Jahr 1833, herausgegeben von H. O. F. Goedsche (Bildgsforsch) (Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation - inzwischen abgeschaltet) |
Die in Abbildung 2 genannte Tschuja-Steppe ist übrigens eine siebzig Kilometer lange und bis zu vierzig Kilometer breite Hochgebirgssenke in der russischen Altai-Republik in Sibirien. Sie liegt auf einer Höhe von 1.750 bis 1.850 Metern. Sie gilt als der kälteste und trockenste Ort des russischen Altais. Die Hochebene ist reich an archäologischen Schätzen. Besucher finden zahlreiche alte Grabstätten, Steinkreise, Felszeichnungen (Petroglyphen) und Artefakte aus der Stein- und Eisenzeit. (Nach KI.)
Nomaden! Nomaden!
1833 wurde in Deutschland heraus gebracht eine "Vollständige Völkergalerie in getreuen Abbildungen aller Nationen mit ausführlicher Beschreibung derselben" (3).
Der Herausgeber war Hermann Ottomar Friedrich Goedsche (1816-1878) (Wiki), ein Schlesier und äußerst zwielichtiger Mitarbeiter des preußischen Geheimdienstes. Er ging mit sehr seichten, Sensations-heischenden Romanen seinem Gelderwerb nach. Sein Sensations-heischender Roman "Der Judenfriedhof von Prag" konnte - dementsprechend - zu einem der Ausgangspunkte für die sogenannten "Zionistischen Protokolle" werden.
Mit seiner "Völkergalerie" hatte er wohl ebenfalls eine gute Quelle zum Geldverdienen entdeckt (3). In dieser finden sich allerdings auch zum Teil sehr eindrucksvolle Abbildungen vom Leben damaliger Nomadenvölker, die es zu jener Zeit noch in ursprünglicherer Form gab als später (Abb. 4).
Was für ein vielfältiges Leben auch hier: Jurten werden aufgebaut, Fahnen werden aufgerichtet, Heiligtümer gibt es, Kamele werden als Lasttiere genutzt, einachsige Karren sieht man.
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| Abb. 5: "Lager der Kalmücken" - In: "Vollständige Völkergalerie in getreuen Abbildungen aller Nationen" aus dem Jahr 1840, herausgegeben von H. O. F. Goedsche |
Ähnlich die Abbildung "Lager der Kalmücken". Ein kalmückisches Dorf wird gezeigt mit vielen Ghers, Menschen, Kamelen, Pferden, Ziegen und weiterem Vieh.
"KI, wie halten Steppennomaden Pferde?"
Beim weiteren Umsinnen der Frage, wie Steppennomaden eigentlich leben, fragen wir die KI einfach einmal "Wie halten Steppennomaden Pferde?" Und wir sehen, daß die KI sehr brauchbar ist, um sich mit ihr über solche Fragen zu unterhalten, denn wir erhalten die Antwort:
Steppennomaden, wie zum Beispiel in der Mongolei, halten Pferde traditionell als robuste Herdentiere im Freien. Die Tiere leben ganzjährig in weitläufigen Herden auf der Steppe, trotzen extremen Witterungsbedingungen ohne künstliche Unterstände und versorgen sich selbst durch das Grasen von kargem Steppengras, ohne zusätzliches Kraftfutter. Die Haltung der Steppenpferde zeichnet sich durch folgende Kernpunkte aus: Ganzjährige Freilandhaltung: Die Pferde leben das ganze Jahr über ungeschützt im Freien. Sie trotzen eisigen Temperaturen von oft unter -30°C im Winter und starker Hitze im Sommer. Durch ihr dichtes Winterfell sind sie perfekt isoliert. Natürliche Herdenstruktur: Die Tiere leben in natürlichen Sozialverbänden, die von erfahrenen Leitstuten angeführt werden. Hengste verteidigen ihre Stuten und den Nachwuchs. Dieses Herdenleben ist essenziell für das psychische Wohlbefinden der Pferde. Keine Zufütterung: Nomaden füttern selten Heu oder Kraftfutter zu. Die Pferde müssen den ganzen Tag wandern, um den kargen, aber faserreichen Bewuchs der Steppe aufzunehmen. Ihr Verdauungssystem ist exakt auf diese stetige, kleine Nahrungsaufnahme eingestellt. Große Bewegungsfreiheit: Als Lauftiere legen die Pferde täglich weite Strecken bei der Futtersuche zurück. Dies verhindert den Abbau von Muskeln und erhält den gesamten Bewegungsapparat gesund.
Und so fragen wir die KI willkürlich weiter "Woher wissen Steppennomaden, welche Tiere ihnen gehören?"
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| Abb. 6: "Lager der Kalmücken" - In: "Vollständige Völkergalerie in getreuen Abbildungen aller Nationen" aus dem Jahr 1840, herausgegeben von H. O. F. Goedsche (andere Version von Abbildung 5) |
Und wir erhalten die Antwort:
Steppennomaden wissen primär durch traditionelle Brandzeichen (Tamga), feine Einschnitte an den Ohren sowie durch eine phänomenale persönliche Kenntnis jedes einzelnen Tieres, wem welche Pferde gehören. Da es in der Steppe keine Zäune gibt und sich Herden vermischen können, beruht ihr System auf jahrtausendealten Methoden. Die Zuordnung der Tiere basiert auf drei wesentlichen Säulen: Die Tamga (Brandzeichen): Jede Nomadenfamilie oder jeder Clan besitzt ein eigenes, seit Generationen überliefertes Symbol, die sogenannte Tamga. Dieses Zeichen wird jungen Pferden im Herbst auf den Oberschenkel eingebrannt. Die Symbole stellen oft Himmelskörper (Sonne, Mond), religiöse Zeichen oder Tiere dar und sind in der Region einzigartig. Imts (Ohrmarkierungen): Da Brandzeichen im dichten Winterfell manchmal schwer zu erkennen sind, nutzen Nomaden zusätzlich kleine, spezifische Schnitte oder Kerben an den Ohren der Tiere (Imts). Jede Familie schneidet ein individuelles Muster (z. B. eine kleine Kerbe links oder eine Spitze rechts), das sich auch auf Distanz oder im Winter schnell überprüfen lässt. Fotografisches Gedächtnis der Hirten: Die wichtigste Säule ist das persönliche Wissen. Nomaden wachsen mit ihren Tieren auf und kennen jedes einzelne Pferd genau. Sie unterscheiden sie fehlerfrei an Nuancen in der Fellfarbe, der Beinstellung, Wirbeln im Haar, Kopfformen oder dem individuellen Verhalten. Das Branding selbst ist keine rein bürokratische Angelegenheit, sondern ein zentrales kulturelles Ereignis: Wenn im Herbst die Fohlen alt genug sind, kommen benachbarte Nomadenfamilien zu einem großen Fest zusammen. Es wird gemeinsam gefeiert, während die Erfahrensten die Tamga mit glühendem Eisen präzise aufsetzen. Das Zeichen gilt als unumstößlicher Eigentumsbeweis auf den offenen Weiden.
Eine weitere historische, völkerkundliche Abbildung zeigt drei Jurten der Kalmücken, wir bringen sie hier in zwei Versionen (Abb. 7 und 8).
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| Abb. 7: Ein Lager der Kalmücken, aus: "A Trip up the Volga", 1875 (4) |
Wir fragen die KI weiter "Welche Rolle spielen Fußfesseln und Anpflocken?" Und wir erhalten die Antwort:
Fußfesseln und das Anpflocken sind für Steppennomaden die wichtigsten Methoden, um Pferde gezielt am Weglaufen zu hindern, da es in der Steppe keine Zäune gibt. Während die Hauptherde frei läuft, sichern diese Techniken die Reit- und Arbeitspferde für den täglichen Zugriff. Die beiden Methoden erfüllen im Alltag der Nomaden unterschiedliche, präzise Aufgaben: Das Fesseln der Beine (Tschidur / Shidur) Das Fesseln der Beine (Tschidur genannt) ist die flexibelste Art der Sicherung auf offenem Gelände. Funktionsweise: Zwei Vorderbeine oder ein Vorder- und ein Hinterbein werden mit einem weichen Leder- oder Seilriemen eng miteinander verbunden. Zweck: Das Pferd kann sich dadurch nicht mehr im Galopp oder Trab fortbewegen. Es kann sich nur noch in kleinen, hüpfenden Schritten vorwärtsbewegen. Vorteil: Die Pferde können trotz der Einschränkung die ganze Nacht über grasen und sich frei bewegen, entfernen sich aber nur wenige Kilometer vom Camp. Der Hirte kann sie morgens problemlos zu Fuß einholen.Das Anpflocken (Uurgatscht / Schatzi) Das Anpflocken an einem Holzpfahl oder einer langen Bodenleine wird für den direkten, schnellen Einsatz genutzt. Funktionsweise: Ein Pferd wird mit einem langen Strick am Halfter an einem in den Boden gerammten Holzpfahl (Gadas) festgebunden. Oft wird auch eine lange Leine zwischen zwei Pfählen gespannt, an der mehrere Pferde nebeneinander angebunden werden. Zweck: Dies betrifft meist die Reitpferde, die für den aktuellen Tag oder die anstehende Hütearbeit gebraucht werden, sowie die Stuten während des Melkens. Besonderheit bei Fohlen: Häufig werden tagsüber nur die Fohlen angepflockt. Da die Mutterstuten ihre Fohlen niemals im Stich lassen, bleibt die gesamte Herde dadurch freiwillig in der Nähe des Camps, ohne daß man die ausgewachsenen Tiere einsperren muß. Durch diese Kombination aus Bewegungseinschränkung und psychologischer Bindung (Mutter-Fohlen-Instinkt) behalten die Nomaden die volle Kontrolle über Hunderte von Tieren, ohne einen einzigen Meter Zaun bauen zu müssen. Möchtest du wissen, wie die Nomaden die Pferde schonend an diese Fesseln gewöhnen, oder interessiert dich, wie das Melken der Stuten mithilfe dieser Methode abläuft?
Auch hier lernen wir wieder sehr viel Neues.
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| Abb. 8: Ein Lager der Kalmücken, aus: "A Trip up the Volga", 1875 (4) (andere Version von Abbildung 7) |
Da wir die Grundzüge der Antwort auf die letztere, von der KI vorgeschlagene Frage schon in obiger Filmdokumentation kennen lernten, wollen wir über die erstere von ihr vorgeschlagene Frage mehr wissen und erfahren:
Steppennomaden gewöhnen junge Pferde primär durch Geduld, langsame Gewöhnung an Berührungen an den Beinen und die Nutzung extrem weicher Materialien an die Fußfesseln (Tschidur). Da ein panisches Pferd sich verletzen oder das Vertrauen zum Menschen verlieren würde, erfolgt dieser Prozeß schrittweise und meist im Alter von zwei bis drei Jahren, wenn das Pferd auch an Sattel und Reiter gewöhnt wird. Der Gewöhnungsprozeß folgt einem traditionellen, schonenden Ablauf: Desensibilisierung der Beine: Bevor überhaupt ein Seil fixiert wird, streichen die Nomaden den Jungpferden bei der täglichen Pflege intensiv über die Beine. Das Pferd lernt dadurch, daß Berührungen an den Hufen und Fesseln keine Gefahr bedeuten und es die Beine stillhalten muß. Weiche Materialien: Für das Training werden niemals harte oder einschneidende Seile verwendet. Nomaden nutzen geflochtenes, weiches Pferdehaar, weichgeklopftes Leder oder dicke, elastische Stoffbänder. Dies verhindert schmerzhafte Scheuerstellen oder Hautverletzungen. Das erste Fixieren unter Aufsicht: Beim ersten Mal wird die Fessel meist im Beisein der Mutterstute oder in der vertrauten Nähe des Camps angelegt. Der Hirte bleibt direkt am Pferd. Macht das Tier einen Satz, hält das weiche Material stand, ohne einzuschneiden, und der Mensch beruhigt das Tier sofort mit der Stimme. Lernen durch Nachahmung: Jungpferde schauen sich das Verhalten bei den älteren, erfahrenen Herdenmitgliedern ab. Wenn das Jungpferd sieht, daß die Leitstuten und Wallache mit den Fesseln völlig entspannt grasen, verliert es schnell die Angst vor der Bewegungseinschränkung. Kurze Trainingseinheiten: Anfangs bleibt das Pferd nur für wenige Minuten gefesselt, während es abgelenkt ist (z. B. beim Fressen). Die Dauer wird von Tag zu Tag gesteigert, bis das Pferd gelernt hat, das Gewicht fließend von einem Bein auf das andere zu verlagern und sich in kurzen, koordinierten Hüpfern fortzubewegen. Schon nach wenigen Tagen haben die Pferde die Mechanik verstanden. Sie akzeptieren die Fessel als Signal, daß nun "Ruhezeit" oder "Weidezeit" im Camp-Bereich angesagt ist, und geraten nicht mehr in Panik.
Eine Fotografie zeigt eindrucksvoll die Weiten der Kalmücken-Steppe (Abb. 9).
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| Abb. 9: Kalmückische Steppe (Fotograf: dsandzhiev [Pix]) |
Stammt von hier das "angeborene" Gefühl für Weite bei den Indogermanen? Ihre angeborene Sehnsucht nach Weite, Größe, Schönheit? Hieß nicht noch ein Wikinger-Wort: "Littila sanda, littila saeva littil ero ged guma," was auf Deutsch heißt: "Am engen Strand, an enger See wird eng des Menschen Sinn."
Ist nicht genau das das "Neue", jene völlig neue Mentalität, Weltauffassung, die - womöglich - die Indogermanen in eine durch die Seßhaftigkeit und den Ackerbau "klein" und "eng" gewordene Welt hinein brauchten, "zurück" brachten? Sinn für Größe und Weite? Werden deshalb die Indogermanen und die Germanen (von Hegel und anderen) als "das Volk der Freiheit" erachtet? Weil sie sich ihre Mentalität selbst als Ackerbauern, selbst als Städter erhalten haben - jedenfalls immer dann, wenn sie sich auf sich selbst besinnen und wenn sie sich nicht durch orientalische oder christliche "Engherzigkeiten", "Verkniffenheiten", "Verschwommenheiten" davon abbringen lassen?
Diese Sehnsucht nach Klarheit - kommt sie hierher? Wurde sie in den Weiten dieser Steppen geboren? Fand hier die Geburt moderner Philosophie statt, moderner Wissenschaft?
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| Abb. 10: Tataren in der Steppe - "Ein wanderndes Dorflager - Aul der Kundorofskischen Tataren in der Nogayischen Steppe", Kupferstich von Christian G. H. Geißler, 1793, koloriert erschienen 1812 (Stckh) (aus Abschluß-Folie in: Yt) |
Eine weitere historische Abbildung vom Nomadenleben (Abb. 8): "Tataren in der Steppe". Es wird ein "wanderndes Dorf" gezeigt. Jurten werden unzerlegt auf Karren gepackt und weiter transportiert. Auch hier werden vor allem zweirädrige Karren genutzt. In der Bildmitte sehen wir, wenn wir uns nicht irren, sogar ein Getreidefeld, von dem die Nomaden ihre Tiere abhalten mußten.
So ähnlich könnte es auch ausgesehen haben, als die Schnurkeramiker nach Europa kamen. Sie bewohnten "wandernde Dörfer" abseits der ackerbautreibenden Kulturen, mußten dabei aber Rücksicht nehmen auf die ackerbautreibenden Kugelamphoren-Leute (archäologisch nachgewiesen etwa in der Weichselniederung).
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| Abb. 11: Jurten von Nomaden, Schafe und Kamele im Kanas-Tal im Altaigebirge, nahe der äußersten Nordspitze der Provinz Xinjiang an der Grenze zu Kasachstan, der Mongolei und Rußland. Das Kanas-Tal ist die Heimat einer großen Bevölkerungsgruppe ethnischer Tuwiner und Kasachen, von denen viele als Nomaden leben (Fotografin Leisa Tyler, 30.5.2005 [LT]) |
Wir fragen die KI noch "Welche Tiere werden zum Schlachten ausgewählt?" Und wir erhalten die Antwort:
Für die Schlachtung wählen Steppennomaden primär ausgewachsene, unfruchtbare oder ältere männliche Tiere (oft Wallache), die im Spätherbst optimal fettgeweidet sind. Da Nomaden respektvoll mit ihren Herden leben, basiert die Auswahl auf einem strengen wirtschaftlichen und ökologischen System, das die Fortpflanzung und das Überleben der Herde im Winter sichert. Die Kriterien für die Auswahl der Schlachttiere umfassen folgende Punkte: Der Ernährungszustand (Der Fettanteil): Das wichtigste Kriterium ist der Fettstatus des Tieres im Spätherbst. In der Steppe gilt Fett als überlebenswichtiger Energielieferant für den Menschen im eisigen Winter. Ausgewählt werden Tiere, die sich über den Sommer eine dicke Fettschicht anfressen konnten. Das Geschlecht und die Rolle in der Herde: Bevorzugt werden ältere Wallache (kastrierte Hengste) oder junge, überschüssige Hengste geschlachtet, die nicht für die Zucht benötigt werden. Kostbare Zuchthengste und fruchtbare Mutterstuten stehen unter absolutem Schutz und werden fast nie geschlachtet. Das Alter: Sehr junge Fohlen werden aus wirtschaftlichen Gründen geschont. Das ideale Schlachtalter für Pferde liegt meist zwischen 5 und 10 Jahren, wenn das Tier ausgewachsen ist, viel Fleisch anberaumt hat, aber das Fleisch noch zart genug ist. Auch altersschwache Tiere, die den harten Winter ohnehin nicht überleben würden, werden ausgewählt. Trächtigkeits-Ausschluß: Eine tragende Stute zu schlachten, gilt in der nomadischen Kultur als schweres Tabu und schlechtes Omen, da damit zwei Leben gleichzeitig ausgelöscht würden. Die Fruchtbarkeit wird vor der Auswahl genau geprüft. Die Schlachtung findet fast ausschließlich im Spätherbst (November/Dezember) statt. Zu dieser Zeit sind die Tiere am fettesten, und der einsetzende Frost dient als natürlicher Gefrierschrank, um das Fleisch über die harten Wintermonate haltbar zu machen, ohne daß Konservierungsstoffe benötigt werden. Möchtest du mehr über die schmerzfreie, traditionelle Schlachtmethode der Nomaden erfahren?
Ja, das wollen wir und erhalten die Antwort:
Die traditionelle Schlachtmethode der Steppennomaden ist darauf ausgelegt, dem Tier so wenig Angst und Schmerz wie möglich zuzufügen. Aus tiefem Respekt vor dem Pferd, das als heilig und als bester Freund des Menschen gilt, wird die Schlachtung ruhig, schnell und völlig ohne Blutvergießen auf dem offenen Boden durchgeführt. Diese Methode basiert auf jahrhundertelanger Erfahrung und läuft nach folgenden Schritten ab: Beruhigung des Tieres: Das ausgewählte Pferd wird nicht fixiert oder in eine Enge getrieben, was Panik auslösen würde. Ein vertrauter Hirte führt das Tier ruhig zu einem sauberen Platz abseits der restlichen Herde. Die Herde darf den Vorgang nicht sehen, um Unruhe zu vermeiden. Das sanfte Ablegen: Das Pferd wird mithilfe von Seilen vorsichtig und ohne Hektik auf die Seite gelegt. Die Nomaden sprechen dabei leise mit dem Tier, um es bis zum Schluß zu beruhigen. Der präzise Schnitt (Der Brustschnitt): Der Schlachter setzt mit einem sehr scharfen Messer einen kleinen, gezielten Schnitt in die Brusthaut nahe dem Herzen. Das Durchtrennen der Aorta: Der Schlachter führt seine Hand vorsichtig durch diesen kleinen Schnitt direkt in den Brustraum ein und drückt oder trennt die Hauptschlagader (Aorta) direkt am Herzen ab. Sekundenschneller Tod: Durch das Kappen der Aorta fällt der Blutdruck im Gehirn des Pferdes sofort auf Null ab. Das Tier verliert innerhalb weniger Sekunden das Bewußtsein und schläft schmerzfrei ein, ohne einen Todeskampf oder Todesangst zu erleiden. Kulturelle Tabus und Regeln: Diese Methode unterscheidet sich grundlegend von westlichen Schlachthöfen und ist durch strenge kulturelle Gesetze geregelt: Kein Blutvergießen auf die Erde: Das Blut sammelt sich komplett im inneren Brustraum des Tieres. Es gilt in der Nomadenkultur als schweres Tabu und Beleidigung der Erde, das Blut eines Tieres unkontrolliert auf den Boden fließen zu lassen. Später wird das Blut sauber abgeschöpft und vollständig zu Blutwurst verarbeitet. Dankbarkeit: Vor und während der Schlachtung bitten die Nomaden den Geist des Tieres um Verzeihung und bedanken sich dafür, daß es der Familie das Überleben sichert.
/ Erster Entwurf 7.12.2024 /
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- Hans J . J . G . Holm: Pre-DOM2 Horses in the Corded Ware Culture: A Necessary Correction to the Current DOM2 Narrative. 2026, Zenodo (Acad2026)
- Mertin, Wolfgang: Die neuen Nomaden von Kirgisistan (360° - GEO Reportage) MedienKontor / ARTE, 2009 (Yt)
- Goedsche, Friedrich Wilhelm: Vollständige Völkergalerie in getreuen Abbildungen aller Nationen mit ausführlicher Beschreibung derselben. Bd. 2. Abtg. 2. Meißen [1833]
- Munro-Butler-Johnstone, Henry Alexander (1837-1902) (Wiki): The fair of Nijni-novgorod and a trip up the Volga, 1875; auch unter dem Titel "Trip up the volga to the fair of Nijni-novgorod". With thirteen illustrations. Porter & Coates, Philadelphia










