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Samstag, 15. Januar 2022

Welche Tiere sterben am häufigsten an Krebs?

Todesursache Krebs im evolutionären Vergleich 
Krebsvermeidung: Iß kein Säugetier-Fleisch 
- Verhalte dich besser wie ein pflanzenfressendes Weidetier

191 Arten von Zootieren sind in einer Studie daraufhin untersucht worden, wie viel Prozent der jeweils gestorbenen Tiere an Krebs gestorben sind (1).

In 47 Arten sind überhaupt keine Individuen an Krebs gestorben. Sie verteilen sich über den gesamten Säugetierstammbaum - aber ungleichmäßig (weiße offene Kreise in Abb. 1).

Abb. 1: Die Häufigkeit von Krebs als Todesursache über den Säugerstammbaum hinweg (aus 1)

Die Art, in der die meisten Tiere an Krebs gestorben sind, ist die Doppelkamm-Beutelmaus (Kowari), einer Beutelsäugerart aus der Gruppe der Raubsäuger. In ihr sind fast 60 % der Tiere an Krebs gestorben (längster roter Balken in Abb. 1).

Alle anderen untersuchten Arten liegen auf der Mitte zwischen diesen beiden Extremen. In 41 Arten sind mehr als 10 % aller Tiere an Krebs gestorben. Auch diese sind ungleichmäßig auf den Säugetier-Stammbaum verteilt: Die meisten dieser Arten sind nämlich Säuger-fressende Raubtiere ("Carnivora") (s. Abb. 1).

Die Todesursache Krebs ist also bei den fleischfressenden Raubtieren am höchsten, es folgen die Fledermäuse, auch einige Primatenarten sterben häufig an Krebs, am niedrigsten ist die Krebshäufigkeit bei den Paarhufern ("Artiodactyla"), also bei pflanzenfressenden Weidetieren (s. Abb. 1).

Petos Paradox

In diesem Ergebnis spiegelt sich - wie schon in Jahrzehnte langer Forschung geschehen - "Petos Paradox" (Wiki) wieder, das 1975 formuliert worden ist. In Petos Paradox ist die Überlegung formuliert, daß doch Tiere um so häufiger an Krebs sterben sollten, um so größer sie sind und um so länger sie leben. Denn in diesen Tieren sollten mehr Zellen mehr Zeit haben, zu Krebszellen zu entarten. Diese Erwartung bestätigt sich aber in den empirischen Untersuchungen schon seit der Formulierung dieses Paradoxes im Jahr 1975 nicht. Deshalb eben "Paradox". Und deshalb müssen Theorien zur Krebsentstehung komplexere Annahmen unterstellen als einfach eine statistische Häufung der Entartung von Körperzellen.

Die Ursache für Krebshäufigkeit ist also klar anders verteilt als nach Größe und Lebensdauer. In der neuen Studie können die Forscher ihr Ergebnis sogar noch genauer eingrenzen (1):

Der Verzehr von Wirbeltieren steht in Verbindung mit erhöhter Krebswahrscheinlichkeit, nicht der Verzehr von wirbellosen Tieren. Genauer gesagt, Säugetiere, die regelmäßig Säugetiere als Beute fressen, haben eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit an Krebs zu sterben, verglichen mit Säugetieren, die selten oder niemals andere Säugetiere fressen. Ähnliche Unterschiede konnten weder für Fische, Reptilien oder Vögel als Beutetiere festgestellt werden.
Consumption of vertebrate but not invertebrate prey was associated with increased cancer mortality risk. Specifically, mammals frequently consuming mammalian prey had significantly higher cancer mortality risk compared to mammals that rarely or never consume other mammals. Similar differences could not be detected in the case of fish, reptile or bird prey frequencies.

Der Verzehr von Säugetier-Fleisch ist es also vor allem, der die Krebshäufigkeit nach oben treibt. Weg also mit dem Rindersteak, weg mit dem Schweinefilet, her mit den Fischen, Muscheln, gerösteten Heuschrecken oder auch einmal einem Hähnchen. (Das Thema Massentierhaltung wollen wir an dieser Stelle nicht - eigentlich - nicht berücksichtigen. Aber wenn wir schon in seine Nähe kommen, sei betont: Die bewußte Vernichtung des bäuerlichen Familienbetriebes durch die die kommunistische Agrarpolitik seit 1918 und seit 1945 und durch die EU-Agrarpolitik seit spätestens den 1960er Jahren hat diese ekelhafte Entartung hin zur "Industrieproduktion" des Fleisches von Mitgeschöpfen bewirkt. Wir haben sie schon immer als ekelhaft und abartig und auch der menschlichen Kultur widersprechend gekennzeichnet und werden das auch weiter tun. Wann hört diese Abartigkeit auf? Warum kam und kommt es - trotz "grüner" Minister - nicht zu einer grundlegenden Gesellschaftsreform bezüglich dieser Dinge in Richtung auf eine naturverbundenere Lebensweise unserer Gesellschaft? Warum sind die Völker der Nordhalbkugel so durch und durch schläfrig? Was sollen "Fridays for Future", die durch die Gazetten auf und ab gejagt werden, wenn so grundlegende Dinge nicht angesprochen werden durch sie? Welche Abartigkeiten der Manipulation und der elitären "Themensetzungen" finden hier statt?)

Zurück zum Thema: Untersuchte Tierarten, die vornehmlich andere Tiere fressen statt Säugetieren, sind in dieser Studie noch nicht in ausreichender Zahl untersucht worden, um bezüglich ihrer Ernährungsegwohnheiten Unterschiede in ihren Auswirkungen in Richtung Todesursache Krebs noch genauer eingrenzen zu können. Es wird das Aufgabe künftiger Studien sein.

Seitenblick: Ryke Geerd Hamer

Wir selbst hatten die Frage, ob und in welchem Umfang eigentlich auch Tiere an Krebs sterben können, gestellt seit wir uns kritischerweise mit Ryke Geerd Hamer's (1935-2017) (Wiki) Theorie zur Krebsentstehung und -heilung (1981) auseinandergesetzt haben. Diese Theorie ist nämlich völlig Menschen-zentriert und scheint überhaupt keine evolutive Herkunft von Krebs als Todesursache in Rechnung zu stellen (unseres Wissens nach). Deshalb setzt sie auch bezüglich der Krebsheilung eine menschliche Willensfreiheit voraus, die ja für die hier untersuchten Tiere gar nicht gegeben ist. 

Mit dieser Studie schält sich nun heraus, daß Krebs etwas Natürliches ist und nicht etwa "nur" Folge von zivilisatorischen Fehlentwicklungen und damit einhergehenden Schockerlebnissen und Traumatisierungen, die durch freie Willensentscheidungen des Menschen dann auch wieder "geheilt" werden könnten. 

Wobei Hamer einen ziemlich schlichten Heilungsprozeß unterstellte, während wir heute noch viel besser als vor Jahrzehnten wissen, wie schwer Traumatisierungen geheilt werden können - wenn es denn eben nur um eine solche seelische Heilung ginge, um mit ihr zugleich auch noch jede Art von Krebs heilen zu können. Mit solchen Studien wie der vorliegenden sehen wir, daß Krebs im Allgemeinen in der Natur etwas sehr selbstverständlich Vorkommendes ist. Wobei sich eben Ernährungsgewohnheiten herausschälen als eine Hauptrolle für die Häufigkeit der Todesursache Krebs.

Auch sonst wird ja in den Ernährungswissenschaften vor allem dem "roten Fleisch", also dem Säugetier-Fleisch eine Wirkung zugesprochen, die die Häufigkeit von Krebserkrankungen beim Menschen erhöht (Wiki). 

Aber es macht doch - wie auch sonst - immer einmal wieder Sinn, Erkenntnisse, die bislang nur in Bezug auf den Menschen gewonnen worden sind, mit dem Hintergrund der großen evolutionären Wissenschaften abzugleichen, sie durch sie zu ergänzen, zu korrigieren oder sie zu bekräftigen oder zu entkräften. Hier wie auch in anderen Wissenschaftsbereichen gilt: 191 Arten können uns - im Vergleich miteinander - mehr sagen als eine einzige. So ist es eben: Evolutionäre Ernährungswissenschaft und Evolutionäre Medizin sind die Zukunft.

___________

  1. Vincze, O., Colchero, F., Lemaître, JF. et al. Cancer risk across mammals. Nature 601, 263–267, 22.12.2022, https://www.nature.com/articles/s41586-021-04224-5

Sonntag, 21. Oktober 2007

Die Evolution des Amylase-Gens

Die eben gebrachte Meldung war noch viel zu oberflächlich. Ein Bericht in "Spektrum der Wissenschaft" bringt noch viele weitere Details zur Evolution der Stärke-Verdauung beim Menschen. (siehe auch Originalartikel in Nature Genetics - leider nicht frei) Und bekanntlich liegt das Aufregende in der Wissenschaft meistens im Detail. Deshalb noch weitere Ergänzungen:
(...) Wer von den freiwilligen Spuckespendern mehr Genkopien in den Zellen trug, in dessen Speichel fanden sich dann stets auch höhere Konzentration des Enzyms.

Einige der Speichelproben erwiesen sich dabei als überraschend hochkonzentriertes Stärke-Zersetzungsgebräu: Bis zu 15 Genkopien in den Zellen sorgten für eine entsprechend hohe Amylasekonzentration im Mund. Eine solche enzymatische Spezial-Massenproduktion ist typisch menschlich, wie die Forscher dann durch einen Vergleich mit Speichelproben von Schimpansen zeigten: Unsere nahen tierischen Verwandten hatten immer nur genau zwei Kopien des Amylase-Gens und demnach gleichbleibend eher niedrige Enzymkonzentrationen. Auf effizienten Stärkeverdau, schlussfolgern die Wissenschaftler, legen die tierischen Vettern offenbar weniger Wert als unsereins.

Dominys Team macht sich nach diesen Anfangserkenntnissen auf die Suche nach Indizien für den Zusammenhang von Speichel, Genen und Ernährung und zählten die Amylase-Kopienzahl verschiedener Volksgruppen, die sich durch stärkehaltige oder weniger stärkereiche Ernähung auszeichnen. Dabei zeigte sich zum Beispiel, dass die Hadza aus dem afrikanischen Tansania - nutzen amylosereichehaltige Wurzelknollen als Grundnahrungsmittel - durchschnittlich 6,7 Amylase-Kopien tragen. Die Pygmäengruppe der Mbuti, die sich schon immer als Jäger- und Sammlerkultur durch Savannen und Regenwaldländer geschlagen haben und daher üblicherweise viel weniger stärkehaltige Mahlzeiten konsumieren, haben dagegen nur 5,4 der entsprechenden Verdau-Gene.

Dieser Trend bestätigt sich in vergleichbaren Proben aus Asien, Europa und der Arktis, so Dominys Team: Die Jakuten des Polarkreises essen im Vergleich zu denen ihnen verwandtschaftlich nahe stehenden Japanern keinen stärkehaltigen Reis - und passend haben Erstere durchschnittlich wenig, Letzte mehr Amylase-Genkopien. Die Ernährungsgewohnheiten scheinen also die Gen-Ausstattung zu beeinflussen. Möglicherweise war dies auch schon in der grauen Frühzeit des Menschen so, spekulieren die Forscher.

Irgendwann müssen, so das fertige Theoriepuzzle der Forscher, mehrere Erfindungen zusammen gekommen sein: Gemeinsam mit der Entdeckung des Feuers durch Homo erectus wurde es womöglich Mode, die zuvor schon gelegentlich nach Geistesblitzen ausgebuddelten Wurzeln - Vorläufer von Kartoffeln oder Mohrrüben und von den konkurrierende Affen wohl unbeachtet - als Stärkespender weich zu kochen und zu verspeisen, anstatt sie wie vorher mühsam herunterzuwürgen. Mit der Ernährungsumstellung auf Stärkehaltiges veränderte sich dann auch - mal mehr, mal etwas weniger - im Laufe der Zeit die genetische Ausstattung zur effizienten Verdauung des Wurzelinhalts. (...)
All das wirft auch Aspekte zur Betrachtung jüngerer geschichtlicher Ereignisse auf: Wie sieht es zum Beispiel mit der Einführung des Kartoffel-Anbaus in Preußen durch Friedrich den Großen aus? In Norddeutschland ist wohl sicherlich die Kartoffel als Nahrungsmittel viel beliebeter als in Süddeutschland, wo mehr Teigwaren gegessen werden.

Waren die Preußen schon vorher stärker disponiert auf Stärke-Verdauung als die Süddeutschen und hat sich deshalb die Kartoffel in Norddeutschland schneller ausgebreitet als in Süddeutschland? Oder hat das eher einfach nur Gründe in den Anbau-Bedingungen etc.? Und was sind die Folgen des Kartoffel-Konsums? Befinden wir uns derzeit in einem Selektions-Prozeß zugunsten von Stärke-Verdauuern in Europa? Alles spannende Fragen. Sicherlich gibt es noch viele andere, die sich daran anschließen.

Freitag, 29. Juni 2007

ADHS durch Passiv-Rauchen von Müttern verursacht

"Passivrauchen der Mutter führt zu Verhaltensproblemen beim Kind," so titelt "Spektrum der Wissenschaft" und schreibt weiter: "Kinder zeigen deutlich mehr psychologische Auffälligkeiten, wenn ihre Mütter während der Schwangerschaft Zigarettenrauch ausgesetzt waren." (Spektrum) Und bei Gesundheitpro.de erfahren wir:

Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft passivrauchten, zeigen mehr ernsthafte psychologische Probleme als Kinder von Frauen, die keinem Zigarettenrauch ausgesetzt waren, berichten Forscher der University of Washington in Child Psychiatry and Human Development. Studienleiter Lisa Gatzke-Kopp und Theodore Beauchaine bringen damit erstmals Belege für einen Zusammenhang zwischen dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS) und dem Passivrauchen.

Untersucht wurden sieben- bis 15-Jährige Kinder und Jugendliche, die alle Verhaltensauffälligkeiten zeigten. Bei einer Gruppe waren die Mütter in der Schwangerschaft Zigarettenrauch ausgesetzt, bei der anderen Gruppe nicht. In einer dritten Gruppe rauchten die Mütter in den letzten beiden Schwangerschaftstrimestern selbst. Insgesamt wurden 171 Kinder von 133 Müttern untersucht, vor allem Jungen.

Die Kinder, die durch ihre Mütter dem Rauchen ausgesetzt waren, hatten mehr Symptome eines ADHS als Kinder von rauchfreien Müttern. Verantwortlich dafür könnten Auswirkungen des Nikotins auf Belohnungszentren im Gehirn sein. Der Botenstoff Dopamin soll dabei eine Rolle spielen.

Die Forscher appellieren an Schwangere, nicht nur selbst nicht zu rauchen, sondern auch das ungewollte Passivrauchen zu verhindern.

Habe ich ADHS? Meine Mutter hat tatsächlich in der Zeit, in der sie mit mir schwanger war, in einem Büro gearbeitet, in dem rücksichtslos stark geraucht wurde. Auf jeden Fall wird deutlich, daß Verhaltensstörungen wie ADHS wahrscheinlich durch ein Ursachenbündel zustandekommen, wie schon in einem gestrigen Beitrag vermutet.

Auch das Erbgut des Kindes wird dauerhaft durch Rauchen geschädigt - sowohl durch das Rauchen des Vaters wie der Mutter. (Gesundheitpro.de)

Samstag, 16. Juni 2007

Traditionelle Küche und Humanevolution: Kleine Ursachen, große Wirkungen?

Warum haben Frankfurter Würstchen die Geburtenraten von (früheren) Frankfurtern erhöht (- zumindest: möglicherweise)? Was hat es auf sich mit der engen Beziehung zwischen den Deutschen und ihrem Sauerkraut? Wo gibt es die meisten "Milchreis-Bubi's"? Und warum? Warum wird in Osteuropa schon traditionellerweise so viel Alkohol getrunken? Und warum in Asien überhaupt nicht? Und warum in Europa (normalerweise) gemäßigt(er)? Auf diese und ähnliche Fragen wird es - scheinbar - künftig noch ganz andere und neue Antworten geben, als wir sie bislang gewohnt waren. All das könnte auch etwas mit der genetischen Ausstattung der jeweiligen Völker zu tun haben.

Jared Diamond hatte in seinem berühmten Buch "Arm und Reich" schon Belege dafür vorgelegt, daß es ökologisch-geographische "Determinanten" geben könnte, die dazu führten, daß Völker in unterschiedlichen Erdregionen früher oder später Pflanzen und Tiere domestizierten und (damit dann) später Ackerbau und Industrie-Gesellschaften entwickeln konnten. Aber vielleicht lagen auch genetische "Determinanten" vor? So ähnlich wie es neuerdings mit den tonalen und nicht-tonalen Sprachen weltweit vermutet wird? (siehe früherer St.g.-Beitrag)

Beziehungsweise: Es könnte sein, daß die genetische Ausstattung der jeweiligen Völker mit dem gleichzeitigen Essen evoluiert ist und evoluiert (!), das auf ihren Herdfeuern, dem Elektroherd oder in der Mikrowelle zubereitet wurde und wird.

"Krauts" und Milchreis-Bubi's

Der Autor des im folgenden zu nennenden Buches bringt auch noch einen weiteren Gedankengang ins Spiel: Kochen und Essen spielt in Paar-Werbung und -Beziehungen eine nicht geringe Rolle. Möglicherweise hat also auch die "geschlechtliche Zuchtwahl" auf diesem Gebiet mitgespielt.

Für die Erwachsenen-Milchverdauung der Nordeuropäer ist das ja schon seit längerem bekannt. Ebenso für die Alkohol-Unverträglichkeit der Ostasiaten. Inzwischen häufen sich aber die Hinweise für zahlreiche andere Nahrungsmittel und ihre Bekömmlichkeit, bzw. Unbekömmlichkeit für Menschen. Diesen Fragen geht nun ein 2004 in den USA erschienenes Buch nach (2006 als TB erschienen) (Hinweis wieder mal über Razbi Khan auf "Gene Expression" bekommen) mit dem Titel (übersetzt): "Warum es einige schärfer mögen als andere - Essen, Gene und kulturelle Vielfalt". (Amazon) Der Autor ist der Ethnobiologe Gary Paul Nabhan von der Universität des Nördlichen Arziona.

Hier ein paar aussagekräftigere Ausschnitte aus den Werbetexten bei Amazon:

From The Washington Post's Book World:

An ethnobiologist who heads the Center for Sustainable Environments at Northern Arizona University, Nabhan addresses fascinating issues: why half the world's population can tolerate lactose while the other half can't, why it's beneficial that teenage boys in Sardinia develop an anemia-like malaise every spring, why some ethnic groups have a predisposition to alcoholism, how genes can mutate due to changes in diet.

To explain how a culture's choice of food affects -- and is affected by -- its genetic characteristics, the author went to the highlands of Crete to sample the supposedly super-healthful Mediterranean diet. There Nabhan, winner of a MacArthur "genius" award in 1990, learned firsthand that many modern people just aren't equipped to digest so much olive oil.

Nabhan writes compassionately about indigenous groups -- like Native Americans and ethnic Hawaiians -- that are threatened by globalization. Our Fast Food Nation is overwhelming these cultures; just as important, it is jeopardizing their health.

From Publishers Weekly:

(...) this exploration of the coevolution of communities and their native foods (...) to show that even though 99.9% of the genetic makeup of all humans is identical, "each traditional cuisine has evolved to fit the inhabitants of a particular landscape or seascape over the last several millennia." Sardinians are genetically sensitive to fava beans, which can give them anemia but can also protect them from the malaria once epidemic in the region. (- Wahnsinn! Wußte ich noch gar nicht.) Navajos are similarly sensitive to sage (= Salbei). In both cases, traditional knowledge allows safe interactions with these powerful medicine/poisons through cooking methods or food combinations. (...) Most inspiring in this bioethnic detective story are Cretans, maintaining their health for centuries through traditional living, and Native Americans and Hawaiians, whose communities, devastated by diabetes, find an antidote by returning to their traditional foods, customs and agriculture.

"Was der Bauer nicht kennt, das ißt er nicht."

Daß finde ich spannend, daß offenbar die Rückkehr von Indianern und Hawaianern zu ihrer traditionellen Küche die Diabetes-Raten senken sollte in diesen Gemeinschaften. Auch wenn dieses Buch nicht nur so von harten wissenschaftlichen Fakten "strotzen" sollte, scheint es einem viele Anregungen geben zu können für weitere Forschungen und weiteres Nachdenken.

In Deutschland gibt es ein Sprichwort: "Was der Bauern nicht kennt, das ißt er nicht." Als ich Kind war, wurde mir das oft gesagt. Noch heute muß ich mir das oft selbst vorwerfen oder von anderen vorwerfen lassen. Zum Beispiel habe ich es bei Aufenthalten in Asien in der ersten Zeit als sehr schwierig empfunden, mich dort auch nur mit "irgend etwas" zu ernähren, satt zu essen. Es ist reiner Wahnsinn, wenn man in einem Supermarkt, prall gefüllt mit Nahrungsmitteln aller Arten steht, und kein einziges findet, von dem man auch nur "irgendwie" das Gefühl hat, daß es einem schmecken könnte. (Nun, auch damit kann sicherlich jeder anders umgehen.) - - Und weiterhin zeigen ja auch die Speisevorschriften in den Religionen, daß Essen eine nicht geringe Rolle in der Humanevolution spielte und spielt. Haben diese nicht auch die sephardischen von den aschkenaischen Juden voneinander getrennt, was dann die Evolution des höchsten Intelligenz-Quotienten einer Bevölkerungsgruppe weltweit innerhalb von tausend Jahren bewirkte? Also möglicherweise manchmal: Kleine Ursachen - große Wirkungen!

Nabhan hätte einer seiner frühen Freundinnen wohl lieber Blumen schenken sollen, so die Vermutung auf Amazon, als ihr ein selbstgekochtes Essen anzubieten, wenn er heute mit ihr hätte Kinder haben wollen ...

Freitag, 15. Juni 2007

Hat Rasse etwas mit Genen zu tun oder nicht?

Humangenetiker Razib Khan hat einen schönen Beitrag zum Thema "Why genes don't determine race?" über einen gleichlautenden Artikel in The New Republic, einem amerikanischen Mitte-Links-Journal. (Gene Expression, TNR) Khan sagt das, was mir inzwischen auch immer mehr klar geworden ist in privaten Diskussionen und hier auf dem Blog - zum Beispiel über ADHS.

Nämlich, daß Gene nicht "determinieren", daß das Schlagwort vom "genetischen Determinismus" ein Strohmann ist. Er sagt zum Beispiel, daß es der TNR-Artikel gut klar macht, daß die epidemische Fettleibigkeit unter amerikanischen Schwarzen nicht durch resignierende "Deklarationen" dahingehend gelöst werden könne, daß Fettleibigkeit halt "in ihren Genen" läge. Sondern das Verständnis des genetischen Hintergrunds fügt den Maßnahmen der Gesundheitspolitik ein nicht-triviales Werkzeug hinzu, so sagt er, um geeignete Antworten zu formulieren. Denn es würde so etwas wie eine "Reaktionsnorm" im Hintergrund stehen - also so etwas ähnliches wie bei den Herzkrankheiten in der schwarzen Minderheit in den USA.

Sonntag, 10. Juni 2007

Tschernobyl heute

"... Bei rund einem Drittel von etwa 250 Jungvögeln stellten der Biologe Timothy Mousseau von der Universität South Carolina und seine Kollegen verformte Schnäbel, Albinogefieder, verbogene Schwanzfedern oder andere Missbildungen fest. In einem Bericht in der Zeitschrift "Biology Letters" im März wiesen die Forscher auf elf seltene Missbildungen hin, die ihnen bei den Schwalben von Tschernobyl aufgefallen waren. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass die verstrahlte Zone als Rückzugsgebiet dient, in dem die Tiere aber schnell wieder aussterben, erklärte Mousseau. "Bei jedem Stein, den wir umdrehen, stoßen wir auf die Folgen der Katastrophe", sagt der Biologe." (Süddt.; identisch: Stern)

Weiter sagt er, daß Forscher, die von einem "aufblühenden" Ökosystem rund um Tschernobyl sprechen, die Situation verharmlosen

Donnerstag, 24. Mai 2007

Milch vom Bauernhof ...

Baldrian hilft beim Schlafen, wissenschaftlich nachgewiesen - aber mehr noch: Milch vom Bauernhof (also nicht pasteurisierte) schützt vor allergischen Krankheiten wie Heuschnupfen und Asthma. (Berliner Morgenpost 1, 2) - Allerdings nicht immer (wie Studien in der eigenen Familie ergeben haben ...).
.... Kinder, die regelmäßig Milch vom Bauernhof trinken, leiden seltener an Heuschnupfen und Asthma. Das gilt auch für alle Milchprodukte, die direkt auf einem landwirtschaftlichen Betrieb produziert werden. Auch der Verzehr von Freilandeiern kann demnach Heuschnupfen vorbeugen. Bemerkenswert finden die Experten, dass die Schutzwirkung nicht davon abhängt, ob die Kinder auf einem Bauernhof leben. Dies sei insofern eine wichtige Erkenntnis, als sie andere mögliche Schutzfaktoren des Landlebens ausschließe. ...
Und, nicht vergessen: Mutter hat immer recht, wenn sie mal nicht recht hat, tritt Paragraph 1 in Kraft (Berliner Morgenpost 3). - Und: Ihr steht mehr als 150 Euro Betreuungsgeld zu.

Anmerkung (2009): Die hier referierten Erkenntnisse sind inzwischen noch deutlich erweitert worden: siehe --> St. gen.. Es wird wohl so sein, daß Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft auf dem Bauernhof lebten, auch häufiger nicht pasteurisierte Milch vom Bauernhof trinken. Die Milch selbst wird da also nicht die Hauptrolle spielen, sondern die ---> "Schmutzimpfung" während der Schwangerschaft.

Sonntag, 20. Mai 2007

Hormonale Prägung durch die Umgebung, in der man aufwächst

Offenbar über die ganze erwachsene Lebenszeit eines Menschen hinweg ist sein hormoneller Zustand durch die Erfahrungen geprägt, die er vor der Pubertät gemacht hat.Das heißt: Der Mensch trägt sprichwörtlich bis an sein Lebensende seine Heimat in seinem Körper. So zumindest das Ergebnis der im folgenden erläuterten Studie ( Scienceticker):

"... Die Forscherinnen konnten 221 in Bangladesch bzw. England geborene Frauen für die Teilnahme an ihrer Studie gewinnen. Einen ganzen Regelzyklus lang bestimmten sie täglich den Spiegel des Hormons Progesteron im Speichel der Teilnehmerinnen. Das Hormon wird insbesondere nach dem Eisprung gebildet und bereitet die Gebärmutter auf die Einnistung eines befruchteten Eis vor.

Anhand der Messwerte konnten die Frauen in zwei Gruppen eingeteilt werden: Bei jenen, die stets in Bangladesch gelebt hatten oder erst als Erwachsene nach England gekommen waren, stiegen die Werte im Laufe des Zyklus deutlich weniger stark als bei jenen, die vor der Pubertät nach England gekommen waren oder schon immer dort gelebt hatten."

Also die Lebensheimat England führt zu höheren Progesteron-Werten im Erwachsenenleben. Die Forscher vermuten, daß das etwas mit der jeweiligen Ernährungssituation vor der Pubertät zu tun hat. Auch der Zeitpunkt des Eintritts der Pubertät wird nach ihren Ergebnissen durch diese Prägung bestimmt. - Wird die Ausschüttung eines Geschlechtshormons wie Progesteron und der Zeitpunkt des Eintritts der Pubertät nur durch die Ernährungsbedigungen geprägt? Zumindest für das Alter der Geschlechtsreife gibt es auch vielerlei Vermutungen, daß dies etwas mit den psychischen Lebensbedingungen zu tun hat, in denen man aufwächst.

Donnerstag, 10. Mai 2007

Mediziner uneins über medizinisches Wunder

1448 bis 1505 lebte eine Bönigheimerin (in der Nähe von Wimpfen, Baden-Württemberg), die in ihren 55 Lebensjahren 29 mal schwanger gewesen und dabei 53 Kinder zur Welt gebracht haben soll. (Welt) "19 von ihnen wurden tot geboren oder starben kurz nach der Geburt, keines sei älter als sieben Jahre geworden, gab die Mutter damals zu Protokoll." Heutige Medinzier zweifeln an solchen Möglichkeiten der menschlichen Natur - in Zeiten "ohne Hormonbehandlung", wie es heißt. "Doch," so schließt der Bericht, "es sind noch unwahrscheinlichere Kindersegen überliefert: Als kinderreichste Frau der Welt gilt eine russische Bäuerin, die im 18. Jahrhundert 69 Kinder geboren haben soll. Eine Frau in Chile soll Mutter von 55 Kindern gewesen sein."

Ich glaube, in unserer Zeit würde sich der Gerichtshof für Menschenrechts-Verletzungen mit einem solchen Fall befassen ... Da alle Kinder früh starben, fragt man sich allerdings auch aus evolutionsbiologischer Sicht nach der etwaigen "Rationalität" einer solchen Ausnahmeerscheinungen. Offenbar ist das Altarbild als Dank für diesen Kindersegen gedacht - im Sinne des biblischen "Seid fruchtbar und mehret euch!"

Nein, noch anders: Alle diese Kinder wurden getauft und hatten darum in den Augen der damaligen Menschen eine unsterbliche Seele, die im Himmel weiterleben würde. Wenn man sich das klar macht, wird das Altarbild verständlicher.

Sonntag, 6. Mai 2007

Kenia: "Laufen, um zu überleben"

In seinem Buch "Taboo" aus dem Jahr 2000 beschäftigt sich Jon Entine ausführlich mit den angeborenen unterschiedlichen sportlichen Begabungen von Völkern. Ein herausragendes Beispiel dafür ist die Langlauf-Begabung der Kenianer, besonders der Hirtenstämme im kenianischen Hochland. Diese Langstreckenlauf-Begabung hat schon viel Legendäres in der Sportgeschichte hervorgebracht. In Kenia ist Langlauf der National-Sport schlechthin geworden. Jon Entine referiert auch evolutionsbiologische Theorien, aufgrund welcher kultureller Selektion diese angeborene Langstreckenlauf-Begabung in diesen Völkern gefördert worden sein könnte. Hier spielt der Rinderdiebstahl bei Nachbarstämmen eine große Rolle. Nur wer schnell und weit laufen konnte, konnte viele Rinder rauben und dabei überleben und die geraubten Rinder in Fortpflanzungs-Erfolg umsetzen - um so mehr Rinder, um so mehr Frauen. Möglicherweise ein sehr einfacher Mechanismus: "Laufen, um zu überleben" - exakt dies sagt auch Dieter Baumann (siehe unten).

Auch von Sportwissenschaftlern in Bayreuth wird diese Langlauf-Begabung erforscht - mit neuen Ergebnissen (Berliner Morgenpost):

Die Dominanz der kenianischen Langstreckler in der internationalen Leichtathletik beruht offenbar nicht wie bisher vermutet auf der Höhenluft des ostafrikanischen Hochlands. Eine Studie Bayreuther Sportwissenschaftler unter der Leitung von Professor Walter Schmidt kommt stattdessen zu dem Ergebnis, dass die Ursache der größeren Leistungsfähigkeit im deutlich geringeren Körpergewicht der Afrikaner gegenüber gleich großen weißen Athleten zu sehen ist. Dazu kommen eine besseren Laufökonomie und günstigere biomechanische Voraussetzungen. "Wir haben festgestellt, dass die Kenianer bezüglich Blutvolumen und Hämoglobin keine wesentlich höheren Werte aufweisen als deutsche Ausdauer-Spitzensportler", erklärte Schmidt. Die Studie unterstützt auch die Auffassung des 5000-Meter-Olympiasiegers von 1992, Dieter Baumann. Der Tübinger setzt hinzu: "Die Kenianer haben eine Schmerztoleranz im Training, die man von unseren Athleten nicht kennt und kaum abverlangen kann. Laufen um zu überleben, ist dabei eine gängige Strategie." Bei der Bayreuther Studie wurde eine zehnköpfige kenianische Trainingsgruppe des ehemaligen 5000-Meter-Weltmeisters Yobes Ondieki sportwissenschaftlich begleitet.

Montag, 23. April 2007

Die Verbreitung genetisch bedingter Krankheiten

"Heute wächst zusammen, was zusammen gehört," gilt längst nicht mehr nur für politische oder gesellschaftliche Fragen. Dieser Satz gilt immer mehr auch für Fachrichtungen in den naturwissenschaftlichen Humanwissenschaften. Leser Reinhard, der diesem Blog schon manchen guten Tipp gegeben hat, hat die Aufmerksamkeit gelenkt auf das soeben neu erschienene Buch "Einführung in die genetische Epidemiologie" von Prof. Heike Bickeböller (Göttingen) und Dr. Christine Fischer (Heidelberg). (Amazon) Ohne einen solchen Anstoß würde man wohl ein Buch mit einem solchen Titel - ehrlich gesagt! - so schnell nicht in die Hand nehmen.

Die Genetische Epidemiologie ist ein Kind der jüngst neu geschlossenen Ehe zwischen traditioneller Humangenetik und traditioneller Krankheits-Verbreitungs-Lehre (wissenschaftlich: Epidemiologie). Dieses neue, unscheinbare Fach ist ein Teil des Paradigmenwechsels, der sich gegenwärtig in den naturwissenschaftlichen Humanwissenschaften vollzieht, und der sich in dem immensen Anwachsen der Datenmengen in Datenbanken wie "OMIM" (Online Mendelian Inheritance of Man) manifestiert, und über den auch "Studium generale" versucht, so regelmäßig wie möglich Auskunft zu geben. Es gibt dazu noch so wenig deutschsprachige Literatur, daß eine solche "Einführung" sehr zu begrüßen ist.

Man erfährt in Exkursen und Einschüben viel über die Geschichte dieses neuen Faches. Dies mag ein Zugang sein, der für den Außenstehenden zunächst der naheliegendste sein könnte. Für diese Geschichte spielen Forscher und ihre Arbeiten eine Rolle, die hier nur mit Namen und Jahreszahlen kurz angedeutet seien: Maupertius 1752, Thomas Bayes 1763 (Wahrscheinlichkeits-Rechnung), Gregor Mendel 1865, Francis Galton 1865, Garrod 1902. Die Lebensleistung solcher und anderer, auch dem naturwissenschaftlich Gebildeten oft nur schleierhaft bekannter Forscher, auch weiblicher, auch deutscher Forscher wird jeweils knapp in dem Lehrbuch in Exkursen erläutert.

So war einem als sporadischem Leser amerikanischer Forschungliteratur bislang nur der Name des Humangenetikers Neil Risch bekannt, der wesentliche Arbeiten zu der in der genetischen Forschung heute so wichtigen Koppelungs-(Ungleichgewicht-)Analyse geleistet hatte. Mit dieser Analyse erkennt man Abschnitte im menschlichen Genom, die aufgrund jüngster Selektionsereignisse, aufgrund von populationsgenetischen Gründerereignissen, Aussterbe-Ereignissen, Inzucht und aus anderen Gründen weniger durch "Crossing Over" in der Meiose der Geschlechtszellen-Reifung zerbrochen worden sind, als es statistisch zu erwarten sein müßte - wenn eben keiner der eben genannten Vorgänge etwas an diesem Genom-Abschnitt bewirkt hätte. Ein wesentlicher Teil dieses Lehrbuches dient der Erläuterung aller damit zusammen hängenden Fragen.

Und man erfährt, daß es der deutsche Humangenetiker Jürgen Ott (geb. 1939) war, der den ersten Lehrbuch-"Klassiker" zur Koppelungsanalyse geschrieben hat (1992), die er schon seit 1972 erforscht. Als wichtige Namen werden außerdem genannt: Peter Emil Bicker (1908 - 2000) (S. 40) und Marie-Claire King (Erforscherin des Gens, das Brustkrebs hervorruft) (S. 146). Außerdem wird in einem Exkurs erläutert, wie genetische (Familien-)Beratung heute gehandhabt wird. (S. 293f) Diese ist ja eine der unmittelbarsten und direktesten Anwendungen dieser Forschungsrichtung.

Das Lehrbuch macht in einem weiteren Hauptabschnitt schließlich auf die Bedeutung der Populationsgenetik in der heutigen medizinischen Forschung aufmerksam und erläutert diese anhand gut erforschter erblich bedingter Krankheiten. Letztere sind heute alle in der OMIM-Datenbank verzeichnet. Es wird jeweils genannt, wie viele Genorte heute schon als mitverursachend für eine Krankheit wie Mukoviszidose oder Alzheimer erkannt sind und wie in verschiedenen Populationen oft ganz andere Genorte für das Auftreten der gleichen Krankheit verantwortlich sind, die auch in den Häufigkeiten oft ganz unterschiedlich auf Populationen verteilt sind. (Sind diese Krankheiten phänotypisch also tatsächlich identisch - oder hat man nur noch nicht genau genug verglichen, da die eigentlichen, jeweils unterschiedlichen genetischen Ursachen erst seit wenigen Jahren bekannt sind?)

In wenigen Sätzen wird z.B. der heutige Stand der Alzheimer-Forschung zusammen gefaßt (S. 46) und man erfährt, daß das wichtigste Gen, das Alzheimer hervorruft, erstmals in der ethnischen Gruppe der Wolga-Deutschen entdeckt wurde. Es wird darauf verwiesen, welche Methoden bislang schon gute Erfolge gebracht haben bei der Suche nach krankheitsverursachenden Genen (S. 45): a) Phänotyp sorgfältig beschreiben und von anderen Phänotypen abgrenzen, b) Subgruppen, in denen der jeweilige Phänotyp auftritt, jeweils sorgfältig abgegrenzen, also: ethnische Gruppen, Familien, Menschen, in denen der Krankheitsbeginn im gleichen Alter einsetzt (bei Alzheimer ist zum Beispiel früher Beginn genetisch anders verschaltet als später Beginn) oder bei denen der Schweregrad der Erkrankung ähnlich ist.

Da die Genetik des Menschen auf allen Ebenen seiner phänotypischen Eigenschaften nach allem, was wir wissen, sehr ähnlich funktioniert, kann man aus der medizinischen Forschung, die auf vielen Gebieten am weitesten fortgeschritten ist, sicherlich auch viel über die menschliche Genetik psychischer Eigenschaften lernen - sowohl auf individueller wie auf Gruppenebene. Das kann dann weitreichende Implikationen und Auswirkungen haben. Es wird auf diesem Blog immer wieder versucht, auf diese hinzuweisen und sie zu thematisieren. Deshalb auch das Interesse an einem - von weitem - so "abseitig" anmutenden Spezialgebiet wie der "Genetischen Epidemiologie", der Lehre von der Verbreitung und Verursachung genetisch bedingter Krankheiten.

Samstag, 21. April 2007

Handy's am besten so wenig wie möglich benutzen

/ Der folgende Beitrag ist 2007 einmal so nebenbei eingestellt worden. Die Gründe dafür, daß er jetzt - 2025 - wieder Aufrufe zu verzeichnen hat, sind auf den ersten Blick nicht bekannt. Aber auf dem vorliegenden Wissenschaftsblog gibt es auch sonst spannende Beiträge. 😊/

Norwegen 2013 (W)
In den USA und Großbritannien scheint es ein mysteriöses Bienensterben zu geben. Manche Forscher vermuten, das könnte etwas mit dem überhandnehmenden Mobiltelefon-Gebrauch zu tun haben. (Independent, oe24.at) Das bleibe dahingestellt, denn es gibt auch Gegenargumente. Aber geradezu nur wie "nebenbei" erfährt man in dem Zusammenhang (Independent), daß sich die Hinweise immer mehr erhärten, daß Mobiltelefon-Gebrauch die Gehirntumor-Wahrscheinlichkeit um 40 Prozent erhöhen kann:

Die Hinweise auf die Gefahren von Mobiltelefonen mehren sich. Doch es fehlen noch immer eindeutige Beweise, vor allem weil viele der größten Risiken, wie beispielsweise Krebs, erst nach Jahrzehnten auftreten. Die meisten Krebsstudien lieferten bisher keine eindeutigen Ergebnisse. Eine finnische Studie ergab jedoch, daß Menschen, die länger als zehn Jahre telefonierten, ein um 40 Prozent erhöhtes Risiko hatten, einen Hirntumor auf der Seite zu entwickeln, auf der sie das Handy hielten.
Ebenso alarmierend: Eine renommierte schwedische Studie zeigte, daß die Strahlung von Mobiltelefonen Gehirnzellen abtötet. Dies deutet darauf hin, daß heutige Teenager mitten im Leben senil werden könnten. Studien in Indien und den USA legen die Vermutung nahe, dass Männer, die häufig Mobiltelefone nutzen, eine geringere Spermienzahl haben. (...)
Professor Sir William Stewart, der zwei offizielle Untersuchungsausschüsse leitete, warnte davor, dass Kinder unter acht Jahren keine Mobiltelefone benutzen sollten, und gab eine Reihe von Sicherheitsempfehlungen, die von den Ministern weitgehend ignoriert wurden.
"Evidence of dangers to people from mobile phones is increasing. But proof is still lacking, largely because many of the biggest perils, such as cancer, take decades to show up. Most research on cancer has so far proved inconclusive. But an official Finnish study found that people who used the phones for more than 10 years were 40 per cent more likely to get a brain tumour on the same side as they held the handset.
Equally alarming, blue-chip Swedish research revealed that radiation from mobile phones killed off brain cells, suggesting that today's teenagers could go senile in the prime of their lives. Studies in India and the US have raised the possibility that men who use mobile phones heavily have reduced sperm counts. (...)
Professor Sir William Stewart, who has headed two official inquiries, warned that children under eight should not use mobiles and made a series of safety recommendations, largely ignored by ministers."

/ 2025 / Dieser Blog hat seither die Thematik nicht weiter verfolgt und verweist auf entsprechende Überblicksdarstellungen zum Thema (Wiki).

Das Küssen und das Süßigkeiten-Schleckern

Das Zerschmelzen-Lassen von Schokolade auf der Zunge verdoppelt die Herzschlag-Rate und intensiviert die Gehirnströme (bei Paaren zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr) - und zwar beides um beträchliche Ausmaße mehr und länger als das - - - Küssen. (BBC)

Das ist auf den ersten Blick ein erstaunliches Ergebnis.

Sollte die sehr "technische" Versuchsanordnung (Elekroden auf dem Kopf) die Körper und Gehirn anregende Wirkung des Küssens vermindert haben? Naja, scheinbar hat eine Schokoladen-Firma diese Forschung finanziert. Und ein Sprecher derselben meint: "You'd think people would be shy about kissing in a laboratory, but that wasn't the case at all. We're not talking about a quick peck here."

Was also soll man davon halten?

Die Leser-Kommentare sind alle schön. (Die meisten sind von Frauen ...) Aber dieser trifft wohl den Zusammenhang am besten: "Chocolates kinda makes me fat though - but kissing seems to help me lose weight."

Die Frage stellt sich: Was hatten die Forscher eigentlich erwartet? Warum soll Küssen wie Schokolade oder Kaffee wirken? Vielleicht ist die Wirkung des Küssens viel subtiler und tiefer gehend? Vielleicht wirkt es zum Beispiel viel eher beruhigend und ausgleichend?

Freitag, 30. März 2007

Wunder Muttermilch

Alleiniges Stillen mit Muttermilch senkt in Südafrika die Ansteckungs-Wahrscheinlichkeit für HIV/Aids um das - - - elffache! ("Die Welt")

... An der Studie nahmen in KwaZulu-Natal, Südafrikas am stärksten von Aids betroffener Provinz, über drei Monate 1372 Kinder teil. Dabei befanden sich 83 Prozent in der Muttermilchgruppe; von ihnen wurden lediglich vier Prozent mit HIV infiziert. Zudem zeigte sich eine insgesamt geringere Sterblichkeit bei den Kindern, die nur die Brust erhielten. Sie lag bei 6,1 Prozent, während sie bei ausschließlich mit Ersatz-Nahrung gefütterten Kindern 15,1 Prozent betrug. (...) Eine Vermutung sei, dass fremde Proteine in künstlicher Baby-Nahrung die Angreifbarkeit von Kindern für den HI-Virus erhöhten.
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