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Freitag, 15. Mai 2026

Kelten - Römer - Germanen - Ihr Zusammentreffen in Süddeutschland

Eine neue archäogenetische Studie zu Altheim an der Isar (400 bis 600 n. Ztr.)

2024 wurde durch die archäogenetische Forschungsgruppe um Johannes Krause in Leipzig festgestellt, die heutigen Menschen in Süddeutschland tragen grob in sich (Stg24) ...

  • 55 % genetische Herkunft der Kelten,
  • 34 % genetische Herkunft der Germanen und
  • 12 % genetische Herkunft der Slawen.

Dieses erstaunliche Ergebnis versuchen wir seither hier auf dem Blog einzuordnen. Und dazu ist soeben eine neue Studie von Seiten der archäogenetischen Forschungsgruppe in Mainz in erschienen. In "Nature (1).

Abb. 1: Der Spangenhelm von Stößen in Thüringen (zwischen 470 und 520 n. Ztr.) - Als Symbolbild - Museum für Ur- und Frühgeschichte in Weimar (Wiki)

Diese Studie ist nicht gerade einfach zu lesen. Denn den genannten Forschungshorizont scheint sie überhaupt nicht zu berücksichtigen. Daß so etwas bei der angesehensten Wissenschaftszeitschrift der Welt, bei "Nature", durchgeht, wundert uns.

Als grobe Mutmaßung hatten wir schon 2024 hier auf dem Blog festgehalten, daß es vom Frühmittelalter bis heute in Süddeutschland noch ein Anwachsen des festgestellten keltischen Herkunftsanteiles gegeben haben muß. Wir schrieben (Stg24):

Die germanische genetische Herkunft stellte ab dem Frühmittelalter in Süddeutschland 62 % der gesamten Herkunft. Das heißt, die Herkunft der Glockenbecherleute und Kelten betrug im Frühmittelalter in den damals kulturell dominierenden Bevölkerungsteilen in Süddeutschland nur noch 38 %. Wobei allerdings vor allem Menschen der germanischen Reihengräberfelder untersucht worden sein werden und frühmittelalterliche Menschen in Rückzugsräumen, etwa in Höhenlagen der Mittelgebirge (Schwarzwald, Schwäbische Alp etc.) bislang weniger in den Fokus der Wissenschaft getreten sein werden.

Wir halten hier noch einmal fest: 38 % keltische Herkunft in den Reihengräberfeldern. Und wir hatten für künftige Blogartikel 2024 noch (unveröffentlicht, im Entwurf) als Vermutung/These festgehalten:

Stammt der keltische Herkunftsanteil der Süddeutschen zu 70 % von freie Kelten her und zu etwa 30 % von romanisierte Kelten?
Vielleicht wird man in erster Annäherung sagen können, daß die 55% keltische Abstammung der Süddeutschen zu mindestens 70 % auf die Vermischung der zuwandernden Germanen mit freien, heidnischen Kelten zurück geführt werden kann, die niemals romanisiert worden waren und zu etwa 30 % auf Vermischung mit Kelten, die zuvor schon romanisiert worden waren (weil sie südlich und westlich des Limes lebten). Denn wenn die genannten 55 % als die Gesamtheit des heutigen keltischen Erbes in Süddeutschland angesehen werden (und damit auf 100 % gesetzt werden), dann betragen die 37 %, die sich schon in den Reihengräberfeldern finden, 70 % dieser Gesamtheit.

Nun, das sind nur grobe, hypothetische Annäherungen. Aber zunächst noch ein kleiner Ausflug in die Wissenschaftsgeschichte: Der Freiburger Anatom Alexander Ecker hatte 1865 erstmals "Reihengräber-Schädel" untersucht (2, S. 17):

Eckert nannte diesen Schädeltypus den Reihengräbertypus, eine Bezeichnung, die sich bis heute durchgesetzt hat. Der entspricht dem nordiden Rassentypus bei Lebenden. Gelegentlich kamen die Reihengräberschädel auch schon in der Hügelgräberbevölkerung vor.

"Hügelgräberbevölkerung" waren die Nachkommen der Glockenbecher-Kultur, aus denen ab der Urnenfelder-Kultur um 1200 v. Ztr. die Kelten hervorgegangen sind. Kelten unterscheiden sich von den Germanen genetisch durch einen höheren Anteil anatolisch-neolithischer Herkunft.

Abb. 2: Die Römer brachten Hochkultur nach Bayern: Jupiter (2./3.Jhdt. n. Ztr. ) (Wiki) - Ihm war der Isarübergang bei Altheim geweiht - Bronzestatue aus dem Schatzfund von Weißenburg, Römermuseum Weißenburg  in Bayern

Nicht völlig geklärt ist bis heute die Frage: Stammt die keltische Herkunft der heutigen Westdeutschen, Süddeutschen, Österreicher, Schweizer und Elsässer von freien keltischen Stämmen nördlich des Limes (mit denen sich die Germanen spätestens seit Ariovist vermischt haben könnten) oder von "Keltoromanen" südlich und westlich des Limes?

In Bayern wären diese Keltoromanen die Vindeliker, die nach römischen Quellen noch im Jahr 431 zusammen mit den Norikern in Kärnten einen Aufstand gegen die römische Besatzungsmacht unternahmen, und zwar als die germanischen Juthungen einmal erneut von Norden her den Limes überschritten (Wiki). Diese Vindeliker waren also noch zu diesem Zeitpunkt höchst lebendig in ihrem Stammesbewußtsein. Die Germanen nördlich des Limes und die Vindeliker südlich des Limes hatten spätestens seit dem "Limesfall" von 260 n. Ztr. eng zusammen gelebt. Die heutigen Bayern und Schwaben werden jedenfalls - nach allem, was erkennbar ist - zu nicht geringen Anteilen von diesen Vindelikern und von anderen süddeutschen, keltischen Stämmen abstammen.

Die Kelten werden nicht erwähnt

Nun zu der neuen Studie (1). In dieser werden die Vindeliker oder auch allgemein die Kelten mit keinem einzigen Wort erwähnt. Wir kritisieren diesen Umstand sehr deutlich. Unter den Hauptautoren wird genannt der Tübinger Mittelalter-Historiker Steffen Patzold (geb. 1966). Von seinen ganzen Forschungsschwerpunkten her scheint er nicht der Mann zu sein, um darauf hinzuweisen, daß man sich in dieser Studie mit den Kelten und ihrer Herkunft beschäftigen müsse. Hat denn auch sonst niemand darauf hingewiesen innerhalb der großen Forschungsgruppe, die an dieser Veröffentlichung beteiligt war? Ihr Forscher, ihr lebt in Mainz, in Tübingen, in der Schweiz oder wo sonst noch alle auf vormals keltischem Siedlungsboden. Ist euch das nicht bewußt???

Ist diese Studie einmal erneut ein Zeichen dafür, wie wenig die Kelten im Zusammenhang mit der deutschen geschichtlichen Identität Beachtung finden? Wie schon seit vielen Jahrhunderten? Will man die Kelten immer noch "den Franzosen" überlassen als Teil ihrer geschichtlichen Identität? Das kommt uns alles sehr merkwürdig vor.

Abb. 3: Eros (2./3.Jhdt. n. Ztr. ) (Wiki) - Die Römer brachten Hochkultur nach Bayern: Bronzestatue aus dem Schatzfund von Weißenburg (Römermuseum Weißenburg)

Im Zentrum der Studie steht das Dorf Altheim (Essenbach) (Wiki) (GMaps) an der Isar. Also inmitten des schönen Bayernlandes. Altheim liegt von München aus gesehen 77 Kilometer flußabwärts an der Isar. Es liegt im Hügelland, in das die Münchener Schotterebene (Wiki) übergeht an ihrem nordöstlichen Ende. (Das Dorf liegt im dortigen Landkreis Landshut in Niederbayern.)

Regensburg und Straubing mit ihren dortigen einstmaligen römischen Kastellen liegen fünfzig Kilometer nördlich von Altheim (GMaps). Das römische Kastell Weißenburg (Wiki) liegt 115 Kilometer nordwestlich von Altheim (Abb. 4). Altheim lag also vergleichsweise weit entfernt im Hinterland des Limes.

An dem Schatzfund von Weißenburg (Wiki) kann gut aufgezeigt werden, welche hinreißende, durch Griechenland beeinflußte Hochkultur die Römer nach Bayern und Süddeutschland gebracht haben (Abb. 2, 3). Ob die einheimischen Vindeliker oder auch die nördlich lebenden Germanenstämme für diese Hochkultur damals schon einen "Sinn" hatten? - Nun, so ganz unmöglich muß auch das nicht sein: Die richtig teure, klassisch-antike Bronzeskulptur des "Jünglings vom Magdalensberg" (Wiki) in Kärnten ist im ersten Jahrhundert n. Ztr. dem Bergheiligtum der keltischen Noriker als Schenkung überlassen worden und zwar gemeinsam von einem keltischen Freien, einem keltischen Freigelassenen und einem keltischen Sklaven (s. Wiki). Zweierlei kann man dem entnehmen: Kelten konnten der antik-griechischen Kunst Wertschätzung entgegenbringen. Und zweitens: Wenn das Freie, Freigelassene und Sklaven gemeinsam tun konnten, dann wird es auch nicht unmöglich sein, daß sie sich gemeinsam - wie "gleichberechtigt" - in Reihengräberfeldern haben bestatten lassen. So möchte man meinen. (Diese Überlegung wird weiter unten noch wichtig werden.)

Aber unabhängig von solchen zumindest vereinzelten kunstliebenden keltischen Norikern haben wir heutigen Deutschen natürlich ebenfalls Grund genug, den hinreißenden Charakter dieser Hochkultur als den zu würdigen, als der er sich als Importware manifestiert hat. Ausstrahlungen der antik-griechischen Kultur bis nach Weißenburg in Mittelfranken am Nordrand der Fränkischen Alp, 60 Kilometer südlich von Nürnberg. "Jetzt komme, Feuer!" hat Friedrich Hölderlin zu dieser Verbindung des antiken Griechenland mit dem abendländischen Deutschland die Donau aufwärts - geschichtsphilosophisch - gesagt (Ged): "Was aber jener tuet, der Strom, / weiß niemand." - - -

Zurück nach Altheim an der Isar: Hier wurde unmittelbar neben der Sankt Andreas-Kirche, wo sich heute noch Acker befindet, von 1989 bis 1992 eines der größten Reihengräberfelder Bayerns ausgegraben (LdkLandshut). In der neuen Studie stammen 112 der 258 untersuchten Individuen von diesem Gräberfeld. Andere Individuen stammen aus anderen Teilen Bayerns, aus der Rhein-Main-Gegend, zum Teil auch aus österreichischen Gegenden Donau-abwärts. Das Reihengräberfeld von Altheim lag benachbart zu einer römischen Villa (1, Suppl.):

In unmittelbarer Umgebung wurden mehrere weitere Bestattungsplätze aus der Merowingerzeit freigelegt, die allesamt auf einer das Isartal überblickenden Terrasse gelegen sind. Südlich des Gräberfeldes wurden Spuren einer römischen Villa aus dem 1. bis 3. Jahrhundert entdeckt, unweit einer antiken Römerstraße, die entlang der Isar verlief.

Womöglich lagen die Villa und das Gräberfeld nicht unweit des "Isarübergangs des Jupiter", des "Iovis Isura", der im "Itinerarium Antonini" Erwähnung findet (s. Abb. 4).  

Abb. 4: Der Rätische Donaulimes (Wiki) - ChatGPT: "Iovisura ist eine antike römische Straßenstation, die im Itinerarium Antonini verzeichnet ist. Sie befand sich vermutlich in der Nähe von Ohu (Gemeinde Essenbach) bei Landshut an einer Römerstraße, die den Inn mit Regensburg verband. Der Name wird als 'Isarübergang des Jupiter' (aus Iovis Isura) gedeutet" - Ohu ist nur 3 km von Altheim entfernt

Deshalb auch stellen wir eine römische Jupiter-Skulptur, gefunden im Bayernland, hier in unseren Beitrag mit ein (Abb. 2). Die frühesten Gräber auf dem Reihengräberfeld waren beigabenlos (1, Suppl.):

Im westlichen Abschnitt stammen die bestatteten Individuen aus dem 5. Jahrhundert und zählen zu den frühesten auf dem Gräberfeld. Ihre Datierung stützt sich maßgeblich auf 14C-Analysen, da diese Gräber keine Grabbeigaben enthalten und sich nicht mittels anderer Methoden datieren lassen. Es bleibt ungewiß, ob die Bestattungen bereits um 400 n. Ztr. begannen.

Bevor wir uns die Studie noch genauer anschauen, rekapitulieren wir noch einmal kurz: Schon mit Ariovist waren ab 70 v. Ztr. Germanen nach Süddeutschland gekommen, hatten den Rhein im Elsaß überschritten und waren von Cäsar zurück über den Rhein geworfen worden, wo sie sich - laut römischer Geschichtsquellen - angesiedelt haben. Die Germanen könnten die Sprache und Kultur der Kelten angenommen haben, da die Archäologen - zum Beispiel im Elsaß - nur wenige Nachweise für Germanen daselbst finden. 

Die Germanen kommen ab 70 v. Ztr. nach Süddeutschland

Dann folgten die Augusteische Alpenfeldzüge (25 bis 14 v. Ztr.) (Wiki). Dabei kamen die Kelten des Alpenraumes und Süddeutschlands bis südlich von Augsburg unter Römische Herrschaft. Bei Augsburg wurde ein Römerkastell errichtet, das zum Kern der nachmaligen Stadt Augsburg wurde. Leopold von Ranke schreibt in seiner "Weltgeschichte" über die Eingliederung der Alpen in das Römische Reich:

Im Jahre 15 vor unserer Ära drangen die beiden Stiefsöhne des Augustus in das Gebirge ein, der eine von Italien längs der Etsch in die Tridentiner Alpen; es ist der jüngere, Drusus; er ging über den Brenner und rückte in das untere Inntal vor. Die Straße, die er eröffnete, ist dieselbe, die seitdem immer in Gebrauch geblieben ist. Indessen gelangte der andere, Tiberius Nero, von Gallien her an den Bodensee, besiegte die Vindelicer, die sich ihm an der Insel Reichenau entgegenstellten, und drang ebenfalls in die Alpen ein. So viel Täler, so viel unabhängige Stämme - die vereinten Römer suchten sie jetzt hier auf bezwangen sie, nicht ohne auf die tapferste Gegenwehr zu stoßen. Um nicht immer aufs neue mit ihnen kämpfen zu müssen, wurden viele von ihnen nach anderen Wohnsitzen weggeführt. Bald sehen wir in der Nordseite der Alpen Augusta Vindelicorum gegründet.

Damit ist Augsburg angesprochen. Zwar wurden die Römer 9 v. Ztr. durch die Cherusker unter Arminius bei Kalkriese vernichtend geschlagen. Dennoch schoben sie ihren Herrschaftsbereich in Süddeutschland weiter vor bis nach Regensburg, Straubing und Weißenburg. Dort errichteten sie ab 100 n. Ztr. den Limes, der von dort quer durch Süddeutschland bis zum Unteren Main bei Frankfurt führte.

Die Römer kommen ab 15 v. Ztr. nach Süddeutschland

Aus den römischen Provinzen vom Balkan, aus Italien und aus dem östlichen Mittelmeerraum strömten Menschen nach Süddeutschland wie wir der neuen Studie entnehmen (siehe gleich). Sie brachten, wie gesagt, hinreißende Hochkultur mit in die Länder nördlich der Donau. 

260 n. Ztr. drangen dann die Juthungen über den Limes bis nach Mailand vor. Es handelte sich um den sogenannten "Limesfall" (Wiki). Hundert Jahre später, ab 360 mußte das Umland von Regensburg, Straubing und Künzig von den römischen Legionen geräumt werden.

Nicht bekannt war bislang, in welchem Umfang die römische Provinzbevölkerung auch bei Abwesenheit der römischen Legionen im Land blieb. Wie wir noch sehen werden, blieben die Nachkommen der aus den genannten römischen Provinzen zugezogenen "Römer" noch bis 620 n. Ztr. im Land. So das Ergebnis der neuen Studie (siehe unten) (1).

Die Germanen und die ursprünglich hier ansässigen Kelten scheinen sich gegenüber der römischen Zivilbevölkerung tolerant verhalten zu haben. Oder aber sie haben die römische Zivilbevölkerung schlicht versklavt. Das ist auch denkbar, wie uns scheint. / Ergänzung 13.8.26: Nein, mehr noch, sie wurden von den germanischen Königen offenbar mitunter sogar weiter nach Norden umgesiedelt (BdW21.7.26), so daß die Archäogenetiker sie letztes Jahr sogar in Thüringen feststellen können, wo sie den Archäologen schon zuvor auffällig geworden waren (Stg25). / 

Augsburg wurde von den Römern noch bis 450 gehalten. - Im Grunde eine irre und spannende Zeit, womöglich auch eine sehr unsichere Zeit in diesem bis heute so solide und fest wirkenden Bayern-Land.

Ab 400 wird dann das Reihengräberfeld von Altheim nördlich der Isar genutzt. Ob Altheim zu dieser Zeit noch unter römischer Verwaltung stand, erscheint doch sehr unsicher. Soweit wir sehen, werden all diese Details in der neuen Studie gar nicht behandelt. Es bleibt also für Historiker und Archäologen noch viel zu tun, um die neuen Erkenntnisse dem bisherigen Forschungsstand zuzuordnen.

Und - wie gesagt: Merkwürdigerweise ist in der ganzen Studie - und dementsprechend auch in öffentlichen Äußerungen der Wissenschaftler - nie ausdrücklich von Kelten oder Keltoromanen die Rede. Die Zuwanderer seien "aus dem Norden" gekommen, heißt es überall. Es wird nicht ausdrücklich zwischen Kelten und Germanen unterschieden. Nur die zugewanderte Bevölkerung aus anderen Provinzen des römischen Reiches (vom Balkan, Griechenland, Italien), die sich schlicht als "Römer" empfunden haben werden, und die so hinreißende Hochkultur mitgebracht haben, erhält Aufmerksamkeit.

Abb. 4: Die genetische Herkunft auf dem Reihengräberfeld bei Altheim an der Isar (Landkreis Landshut)  400 bis 620 n. Ztr. (aus 1)

Wir selbst haben diese Studie nach einem ersten Durchgang deshalb enttäuscht und entmutigt zur Seite gelegt. Dann aber wurde uns klar: Wir können uns die Zusammenhänge ja selbst dennoch anhand der eingestellten Grafiken in Abbildung 4 verdeutlichen (Abb. 4, a-f), auch wenn sie im Studien-Text nicht so eindeutig benannt sind wie wir uns das wünschen und wie sie doch so eindrucksvoll aus den Grafiken hervor gehen, zumindest für uns hervor zu gehen scheinen.

Unsere eigene Auswertung der Hauptkomponenten-Analyse

Rechts unten in der Grafik f (Abb. 4) sind die Herkunfts-Häufigkeiten dargestellt von Menschen, die in heutigen Zeiten in einem Krankenhaus in Kiel behandelt worden sind (gelb) und von Menschen, die in heutigen Zeiten in einem Krankenhaus in München behandelt worden sind (rot). Das sind sogenannte "Vergleichs-Populationen". (Man sieht etwa auch, daß in München vereinzelt Norddeutsche behandelt wurden und daß in Kiel vereinzelt Süddeutsche behandelt wurden. Aber die genetische Trennung ist insgesamt schon sehr eindeutig.)

Die Süddeutschen (rot) tragen - wie wir hier auf dem Blog schon wissen - durchschnittlich 55 % keltische Herkunft in sich. Und zwar im Gegensatz zu den gelben Punkten weiter "nördlich" in Grafik f, die diese keltische Herkunft nicht aufweisen und - sozusagen - unvermischte germanische Herkunft in sich tragen.

Die hellblauen Punkte sind nun alle frühmittelalterlichen Menschen aus Altheim, aus Bayern und Main-Hessen, die in der Studie untersucht worden sind. Sie weisen - wie man sieht - ein viel weiteres Herkunfts-Spektrum auf als es dieses seit dem Ende des Frühmittelalters in Deutschland - sowohl in Nord- wie Süddeutschland - gegeben hat.

Damit es also bei der Vermischung der Germanen (gelb) mit der keltischen Bevölkerung in Süddeutschland zu der heutigen süddeutschen Bevölkerung (rot) kommen konnte, muß vorausgesetzt werden eine Vermischung der gelben Herkunft mit der blauen Herkunft weiter unten. Man wird also grob sagen können, daß etwa die Hälfte der "südliche Hälfte" der blauen Herkunftsverteilung keltische Herkunft repräsentiert.

Wir müssen das so "grob" auswerten, da sich eine solche Auswertung in der Studie selbst - soweit für uns übersehbar - mit keinem Wort findet. 

Und man wird grob sagen können, daß das ("südlichste") Viertel Herkunft aus Mittelitalien, aus dem Balkan und aus dem östlichen Mittelmeerraum repräsentiert. Und das heißt: Es hat in römischer Zeit (ab 100 n. Ztr.) durchaus viel Zuzug aus den Mittelmeerländern in die Regionen südlich des Limes gegeben. Einen solchen Zuzug aus dem Süden sieht die Archäogenetik ja - wie in früheren Beiträgen hier auf dem Blog schon behandelt - auch in anderen römischen Provinzen, etwa auf dem Balkan. Er war ja überraschenderweise sogar in Thüringen erkennbar geworden, also weit außerhalb der römischen Grenzen (Stg2025).

Abb. 5: In Trier hat sich ein steinernes römisches Stadttor erhalten - die Porta Nigra (s. Zikad) -, die einem zeitgleich in Regensburg bestehenden sehr ähnelt - So mancher Vindeliker oder Juthunge wird beeindruckt durch das Stadttor von Regenburg geschritten sein 

Diese südeuropäische Herkunft verschwindet - so wie in Thüringen und in anderen vormals römischen Provinzen auf dem Balkan - auch in Bayern und Main-Hessen am Ende des Frühmittelalters. Und zurück bleibt die heutige süddeutsche Bevölkerung (rote Punkte).

Soweit die Grundzüge.

Wenn wir uns aber nun noch weitere Einzelheiten anschauen anhand der Grafiken a bis d, wird es noch einmal viel spannender. Welche Herkunft die hinterlegte Farbverteilung auf den Grafiken a bis d repräsentieren, wird auf der Grafik e erkennbar: Hellrot ist östlicher Mittelmeerraum (antik-griechische Herkunft), blau-lila ist eisenzeitliche Ungarn-Balkan-Herkunft, dunkelgrün ist eisenzeitliche italienische Herkunft, hellgrün ist eisenzeitlicher westlicher Mittelmeerraum, hellblau ist das eisenzeitliche Skandinavien (Germanen), hellbraun sind eisenzeitliche Kelten.

Vor 470 sind auf dem Reihengräberfeld in Altheim an der Isar nun fast mehr Menschen mit keltischer als mit germanischer Herkunft bestattet (Grafik a) (!!!). Das ist der Befund, der der wirklich spannende in dieser Studie ist. Denn das heißt: Reihengräberfelder sind in Süddeutschland also tatsächlich nicht "rein germanisch" wie bislang vielleicht von vielen gedacht. An dieser wichtigen Erkenntnis gehen die Wissenschaftler der Studie, soweit wir das sehen, völlig vorbei (!!!). Sie starren nur auf die südeuropäische Herkunft. Das Schicksal der keltischen Herkunft behandeln sie, soweit wir sehen, in der Studie und in öffentlichen Äußerungen gar nicht!*) Dabei ist es total wesentlich. Schon in der ersten Generation ab 400 sehen wir Germanen und Kelten miteinander vermischt! Die Bajuwaren sind also schon um 400 keine reinen Germanen mehr. (Außerdem gibt es auch noch eine Person mit Herkunft aus dem östlichen Mittelmeerraum, vielleicht eine geraubte Sklavin aus der Region südlich der Isar, wer weiß.)

Sowohl Menschen mit keltischer als auch Menschen mit germanischer Herkunft sehen wir in Bayern, Main-Hessen und an der österreichischen Donau vereinzelt vor 470 nach römischem Grabbrauch bestattet (Abb. 4, Grafik a). (Vielleicht römische Offiziere oder Soldaten oder ähnlich.) In jeder der genannten Regionen fand ja der Übergang von römischer Verwaltung zu selbst verwalteten, freien germanischen Stämmen zu unterschiedlichen Zeiten statt. Vielleicht ist die Zeitangabe "vor 470" deshalb auch viel zu grobkörnig. Auch das könnte kritisiert werden. Die große Mehrheit jedenfalls der Menschen, die in Bayern und in Main-Hessen und an der österreichischen Donau nach römischen Grabbrauch bestattet sind, stammen aus dem östlichen Mittelmeerraum oder vom Balkan. "Römer" eben. Hochkultur. Ebenfalls ein spannender Befund. Hier könnte es sich zu nicht geringen Teilen um Heeres-Angehörige, ihre Familien oder um "Heeres-Zulieferer" (Handwerker etc.) handeln oder um römische Zivilbeamte oder um Kolonen auf den großen römischen Landvillen und Latifundien. Oder um Bedienstete der Thermen. Oder um Menschen, die hinreißende Bronzeskulpturen herstellen können oder die sie zumindest aus dem Süden importieren, weil sie Geschmack für diese haben (Abb. 2 und 3).

Die Römer selbst blieben noch hundert Jahre länger als die römischen Legionen

Die südeuropäischen Menschen verschwinden aber nun nicht einfach mit den römischen Legionen und mit der römischen Verwaltung! Das hat bisher so eindeutig niemand gewußt. Vielmehr sehen wir auf Grafik b und c (Abb. 4) zwischen 470 und 620, daß sich die keltisch-germanische Mischbevölkerung der Reihengräberfelder mit den römischen Provinzialen vermischt. Diese werden alle - offenbar - in germanischer Tradition bestattet. Heirats-Grenzen zwischen den beiden Ausgangspopulationen scheint es nicht mehr zu geben (wenn wir die Studie richtig verstehen).

Abb. 6: Römisches Straßennetz in Bayern (nach Tom Brughmans, 2025) (Itinere) (s. ScAm2026) - Bei Iovisura ist hier allerdings kein "Isarübergang" eingezeichnet ;-)

Es kann spekuliert werden, welche Sprache diese Bevölkerung sprach. Da die römische Verwaltung zusammen gebrochen war, werden die Menschen zunehmend alt-bajuwarische oder - in Main-Hessen - alt-fränkische Dialekte gesprochen haben. 

Ab 620 n. Ztr. gibt es in Altheim dann jene Herkunftszusammensetzung in der Bevölkerung, die bis heute daselbst fortbesteht.

Aber dann entsteht erneut die Frage: Wenn es zuvor zur Vermischung gekommen war mit den zugezogenen römischen Provinzialen - wie kam es dann eigentlich danach wieder zu dieser erstaunlichen "Entmischung"? Warum hatten die Nachkommen der römischen Provinzialen keine Kinder? Uns fällt als Erklärung ein: Sie waren Sklaven. Und sie waren als solche auch gesellschaftlich gekennzeichnet. Und Sklaven blieben in der Geschichte auch sonst sehr oft kinderlos. Aber das ist an dieser Stelle zunächst nur Spekulation.

Ein kritischer Blick auf den Text der Studie

Wie unsensibel die Studie womöglich vorgeht, scheint uns an dem folgenden Zitat erkennbar zu sein (1):

In der frühesten Phase (400-470  n. Ztr.) (...) gruppieren sich die Individuen mit nordeuropäischen Individuen der Eisenzeit (Fig. 2a, Fig. S3 und Fig. S7.3 und S7.4 ) sowie mit heutigen Populationen, vor allem aus Norddeutschland (Fig. 2), den Niederlanden und Dänemark (Fig. S7.1 und S7.2 ), was mit einer nordischen Abstammung übereinstimmt (22). Im Folgenden verwenden wir den Begriff „nordische Abstammung“, um diesen genetischen Hintergrund zu bezeichnen.
In the earliest phase (400-470 ce) (...). These individuals cluster with Iron Age northern Europeans (Fig. 2a, Extended Data Fig. 3 and Supplementary Figs. 7.3 and 7.4) and with present-day populations, above all from Northern Germany (Fig. 2), the Netherlands and Denmark (Supplementary Figs. 7.1 and 7.2), consistent with northern ancestral origins22. Hereafter, we use the term ‘northern ancestry’ to denote this genetic background.

Kein Wort von Kelten. "Nordeuropa" ist ein ausgedehnter Begriff. Es schließt - wie der Text ausführt - neben Skandinavien Norddeutschland und die Niederlande mit ein. Soweit wir nicht eines Besseren belehrt werden, halten wir das für falsch oder doch für sehr unscharf, ungenau interpretiert.**) Diese Individuen "clustern" keineswegs nur mit "Nordeuropäern" allgemein (im genannten Sinne), sondern zum Beispiel auch mit eisenzeitlichen keltischen Bevölkerungen auf den britischen Inseln (braun gefärbt). Natürlich sind das auch "Nordeuropäer", werden aber im Text nicht genannt. Wir sind deshalb hochgradig verwirrt von diesem Text.

Da die Kelten als eigenständige Gruppierung nirgendwo in der Studie auftauchen, werden sie, soweit wir das erkennen können, offenbar unter dem Begriff "nordische Abstammung" verdeckt, anstatt von dieser unterschieden und für sich als eigenständige Gruppierung heraus gearbeitet. Und das, obwohl das zuvor ja schon so deutlich von den Forschungsgruppen um Eske Willerslev in Kopenhagen und um Johannes Krause in Leipzig geschehen war. Wie konnten das die Gutachter von "Nature" durchgehen lassen?

Ein Hunne in Altheim an der Isar (gest. um 540)

Es seien noch einige Details heraus gegriffen (1):

Ein Mann aus Altheim (Alh_245; 528–553  n. Ztr. ), der lange IBD-Abschnitte mit Individuen aus der Nekropole von Berel im heutigen Kasachstan teilt, hat etwa zwei Drittel seiner Abstammung ostasiatischen Ursprungs und ein Drittel von Bevölkerungsgruppen der westlichen Steppe.

Das wird heißen, daß er unter seine Vorfahren Hunnen und Sarmaten zählte wie sie typisch waren für den Hof und das Heer des Hunnenkönigs Attila (gest. 453). Aber 470, zwanzig Jahre nach dem Tod von Attila, war das Hunnenreich schon wieder zerfallen und die nachfolgenden Awaren waren um 540 noch nicht in Europa aufgetreten. Vielleicht hat ein Bajuware diesen Mann als Kriegskamerad, den er in byzantinischen Diensten kennengelernt hat, mit nach Altheim gebracht? Damit er dort seinen Lebensabend verbringen konnte? Oder handelte es sich erneut um einen Sklaven? Aber wie kommt die weit entfernte Verwandtschaft mit Kasachstan zustande? 

Außerdem erfahren wir von einem Menschenfund aus der Wetterau in Mittelhessen, 37 Kilometer nördlich von Frankfurt am Main, ähnliches (1):

Ein zeitgenössischer Mann aus Wölfersheim (W67) weist eine ähnliche, wenn auch geringere asiatische Abstammung auf, während Frauen aus dem späten fünften Jahrhundert mit künstlicher Schädeldeformation (Wh4 und Wh59) keine Steppen-Abstammung aufweisen und stattdessen Muster zeigen, die mit nachrömischer Vermischung übereinstimmen.

"Nachrömische Vermischung" soll wohl heißen, daß wir es hier mit den Vorfahren der heutigen Bayern, Hessen und Franken zu tun haben wie sie nach 620 üblich sind im befreiten Germanien und Rätien westlich und südlich des Limes.

David Neuhäuser hat nachgefragt

/ Ergänzung 13.8.2026 / Zwischenzeitlich hatten wir einen Autor dieser Studie mit unserer Frage angeschrieben. Am 30. Juni hatte er geantwortet und am Ende festgehalten:

In unseren Modellen ist zwar durchaus ein Ancestry-Anteil aus südwesteuropäischen Eisenzeitpopulationen zu sehen, dieser ist jedoch deutlich geringer als die Anteile aus Nord- und Südosteuropa. Ob es sich hier etwa um eine "keltische" Bevölkerung oder deren Nachfahren, die bereits in einer römisch geprägten Gesellschaft aufgegangen waren, gehandelt hat, läßt sich nicht eindeutig klären.

Drei Wochen später hat der Historiker David Neuhäuser (geb. 1986), der auch für Zeitschriften wie "Damals", "Die Zeit" oder den "Spiegel" schreibt, und der auch einen eigenen Podcast betreibt ("Damals & heute" [Yt]), in "Bild der Wissenschaft" einen lesenswerten Artikel über diese Forschungsstudie veröffentlicht. Hier taucht in der Wissenschafts-Berichterstattung zum ersten mal im Zusammenhang mit dieser Studie der Begriff "keltisch" auf. Ob Neuhäuser unsere Kritik gelesen hatte und dann bei Joachim Burger, dem Leiter der Forschungsgruppe, etwas kritischer nachgefragt hat? Wir möchten uns fast einreden, daß es so sein könnte. Es heißt nämlich (BdW21.7.26):

Wer schon in der vorrömischen Zeit in Bayern als Einheimischer lebte, läßt sich zumindest im Labor nicht leicht beantworten. „Es gibt nur wenige Daten darüber, wie die Bevölkerung in Mitteleuropa vor den Römern ausgesehen hat“, so Burger. Dagegen läßt sich ein in der Region begrabener Römer mit ostasiatischen Wurzeln dank dem Gräberfeld von Berel (Altaigebirge/Ostkasachstan) identifizieren - von dort gibt es Vergleichsfunde aus der Zeit vom Ende des 4. bis zum frühen 3. Jahrhundert v. Chr. Eine ähnliche Referenz gibt es für mögliche keltische Einschläge im bayerischen Altheim nicht. Man kann nur vermuten, daß alteingesessene Familien seit dem Beginn der römischen Besatzung über Generationen hinweg mit den römischen Neuankömmlingen zu einer gemischten reichsrömischen Bevölkerung verschmolzen sind, die sich vor allem in den Garnisonssiedlungen sammelte.

Damit haben zwei Autoren der Studie der von uns vorgetragenen These und Interpretation zumindest nicht rundweg widersprochen. Im Grunde haben sie ihr ja fast schon zugestimmt. Dabei scheint es doch für Laien wie uns gar nicht so schwer, die Hauptkomponenten-Analysen in unserer Abbildung 4 diesbezüglich zu deuten. Deshalb bleibt bei uns weiterhin allerhand Verwunderung bestehen, warum sich die Forscher zu diesem Thema so außerordentlich zurückhaltend äußern.  

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*) Wie verwirrend sich der Studienleiter Joachim Burger äußern kann, wird deutlich, wenn er sagt, in den frühesten Gräbern in Altheim fänden sich Personen, deren Vorfahren (1) "während der römischen Epoche" aus dem Norden Bayerns gekommen seien. Das ist der Sache nach schon richtig, klingt aber ganz mißverständlich. Viel wichtiger erscheint uns: Mit ihrer Ankunft war die römische Verwaltung doch - höchstwahrscheinlich - beendet oder doch zumindest im Niedergang. Burger sagt also (zit. n. LdkLandshut):

In den ältesten Gräbern der Zeit zwischen 410 und 470 n. Chr. finden wir in Altheim fast ausschließlich Personen, deren Vorfahren bereits während der römischen Epoche aus dem Norden nach Bayern gekommen waren. Über Generationen heirateten sie innerhalb ihrer Gruppe, doch gegen Ende des 5. Jahrhunderts vermischten sie sich mit der Bevölkerung aus römischen Stadt- und Militärsiedlungen. Diese ‚Römer‘ bildeten selbst keine abgeschlossene genetische Gemeinschaft. Ihre Vorfahren stammten aus den unterschiedlichsten Teilen Europas aber auch aus Asien, viele aus dem Balkan und Nordeuropa. Sie waren in der römischen Armee oder ihrem Gefolge in die Region gekommen

Das ist alles richtig. Aber wie gesagt: Die in Bayern noch im 5. Jahrhundert durch Geschichtsquellen bezeugten Vindeliker, die einheimische keltische Bevölkerung, kommt in der Aussage von Burger - so wie in seiner ganzen Studie - mit keinem Wort vor. Dieser Blog wird doch wohl sicher nicht der einzige sein, der diesen Mißstand kritisiert.
**) Ist hier in "nordisch" auch die polnische Aunjetitzer Kultur der Bronzezeit mit eingeschlossen? Dies könnte nach der angeführten Anmerkung 22 gefolgert werden, die eine Studie bezeichnet, die wir hier auf dem Blog schon ausgewertet haben (s. Stg25). Aber die Aunjetitzer Kultur unterschied sich ja genetisch sehr deutlich von der germanischen Herkunft in Skandinavien. Sie war eine Mischkultur zwischen Schnurkeramikern (Germanen-Vorfahren) und Glockenbecherleuten (Kelten-Vorfahren). 
***) Über die Hunnen der Zeit um 540 lesen wir (Wiki): "Hunnen dienten später noch als Söldner, etwa für Ostrom (während der Kriege Justinians wurden sie unter anderem von Belisar eingesetzt). Ein Teil der Hunnen unter Ernak wurde unter römischer Oberherrschaft in der späteren Dobrudscha angesiedelt. Andere ließen sich an der heutigen serbisch-bulgarischen Grenze nieder und gingen später in der dortigen Bevölkerung auf. An den Läufen der Unteren Wolga siedelten noch Reste der Hunno-Bulgaren. Vereinzelte Volkssplitter der Hunnen (die Kutriguren) wurden noch 559 von oströmischen Geschichtsschreibern erwähnt, als diese bis nach Korinth und Konstantinopel vorstießen. ..."

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  1. Blöcher, J., Vallini, L., Velte, M. et al. Demography and life histories across the Roman frontier in Germany 400–700 ce. Nature (2026). https://doi.org/10.1038/s41586-026-10437-3, 29.4.2026 (Nature2026)
  2. Vonderach, Andreas: Die anthropologische Erforschung Deutschlands. Ihre Geschichte und Ergebnisse von 1860 bis zur Gegenwart. Lindenbaum-Verlag , Beltheim-Schnellbach 2025
  3. Sebrich, Johannes: Das spätantik-frühmittelalterliche Gräberfeld von Essenbach-Altheim. Materialhefte zur Bayerischen Archäologie 110. Verlag Michael Laßleben, Kallmünz 2019 [Diss. Uni München 2017] (Akad)

Mittwoch, 12. Oktober 2022

Von Ungarn nach Norditalien - Goten und Langobarden

Kleiner Einblick zu der vielfältigen dereitigen Erforschung ihrer Archäogenetik
- nebst einem Seitenblick auf die Kunst der Langobarden und Lombarden 

Die Geschichte der Langobarden in Norditalien ist eine faszinierende. Zur höchsten Blüte gelangte die Geschichte ihrer Nachfahren, der "Lombarden" in der italienischen Renaissance und im Barockzeitalter. Welche Fülle an kulturellen Hinterlassenschaften, an Literatur, an Kunst, an Wissenschaft verdankt die Welt diesem Zeitalter.

Abb. 1: Pfalzkapelle der Langobarden in Cividale, 8. Jhdt., Westwand (Wiki) (Fotograf: Wolfgang Sauber)

Einer der ältesten Orte des langobardischen Weltkulturerbes ist die Stadt Cividale in Friaul (Wiki), die wie die meisten Städte dieser Region unter Julius Cäsar gegründet worden ist. Diese Stadt war einst, ab dem 568 n. Ztr., die Hauptstadt der Langobarden, später ein Herzogsitz der Langobarden. In der dortigen einstigen Pfalzkapelle (heute Kloster Santa Maria), errichtet von den dort residierenden langobardischen Herzögen (Wiki) oder gar von dem langobardischen König Aistulf (gest. 756) (Wiki), hat sich ein herrliches Werk der frühen langobardischen Kunst erhalten (Abb. 1).

Welche Personen diese Reliefskulpturen voller kindlich-reifer Schönheit und zugleich herrschaftlicher Würde an der Westwand dieser Kapelle aus dem 8. Jahrhhundert darstellen (Abb. 1), ist nicht bekannt. Manche stilistischen Elemente dieser Kapelle sind von Byzanz beeinflußt, andere von der arabischen Kultur. Ihr Baustil gehört der "Lombardischen Präromanik" (Wiki) an, die auch von den Bauten Theoderichs des Großen in Ravenna beeinflußt war.

Die meisten frühen steinernen Reliefs der Langobarden, die sich erhalten haben, sind ansonsten noch im typischen germanischen Tierstil gehalten, etwa auch auf Sarkophagen (Wiki). Dabei erinnern die noch sehr archaischen Darstellungen des menschlichen Gesichts an europäische Statuenmenhire wie sie Jahrtausende lang in Europa aufgestellt worden waren (Stgen2019). Vielleicht sind die Skulpturen der Pfalzkapelle in Cividale (Abb. 1) demgegenüber ein erster reifer, ja, sogleich auch vollendeter Ausdruck langobardischer Kunst.

Die lombardische Kunst hat im 12. Jahrhundert bis in Bauerndörfer der Halbinsel Istrien ausgestrahlt. So hat sich ein hölzernes Kruzifix aus dieser Zeit erhalten in der Sankt Justus Kirche in Galižana auf Istrien (nördlich von Pula), das den  Betrachter noch heute anspricht in seiner Würde und in der einfachen, gemessenen Ruhe seines Ausdrucks (Abb. 2) (s.a. PPM, Chr. Winters).

Abb. 2: Hölzernes Kurzifix der lombardischen Schule aus dem 12. Jhdt. - In der Sankt Justus Kirche in Galižana in Istrien (aus 3)

Es ragt aus der Unzahl gekünstelt schmerzvoller Jesus-Darstellungen der europäischen Kunstgeschichte jedenfalls klar heraus.

Die Langobarden waren 568 aus Ungarn nach Norditalien zugewandert. Am Plattensee in Ungarn sind die Gräber ihrer Vorfahren archäogenetisch untersucht worden (2). Das war 16 Jahre nach dem Untergang der Ostgoten unter König Teja in der Schlacht Schlacht am Mons Lactarius, in der der "Schwarze Teja" den Tod fand. Dieser Untergang der Ostgoten ist auch noch für heutige Leser ergreifend dargestellt in dem früher viel gelesenen Roman von Felix Dahn "Ein Kampf um Rom" (1876) (Wiki). Viele der damals in Norditalien verbliebenen Goten haben sich aus diesem Anlaß den benachbarten Franken und den Langobarden angeschlossen (Wiki).

Abb. 3: Herkunftsanteile gotischer und langobardischer Krieger auf vier Gräberfeldern am Südufer des Plattensees in Ungarn zwischen etwa 450 und 550 n. Ztr. (aus 2) (blau=germanische Herkunft, rot=antik-toskanische Herkunft, orange=finnische Herkunft)

Aus der Archäogenetik ist inzwischen gut bekannt, daß die Langobarden - ebenso wie die Goten - aus Skandinavien stammen (Wiki). 

Die neue Studie konnte einige jener Goten und Langobarden, die am Plattensee in Ungarn bestattet worden waren zwischen 450 und 550 n. Ztr. genetisch gar nicht unterscheiden. 

Aber die zeitlich früheren Gräberfelder (Abb. 3 links) werden Goten gewesen sein (s. Abb. 4). Sie wiesen nämlich mitunter auch die besonders für die Goten typischen Schädeldeformierungen auf, die entstehen durch Bandagierungen des Kopfes in der frühen Kindheit. Das ist eine Sitte, die vermutlich mit den Hunnen aufgekommen ist (Wiki):

Schädeldeformationen sind im 5. und 6. Jahrhundert gelegentlich an Grabfunden der von den Hunnen unterworfenen oder beeinflußten Völker wie den Goten, Gepiden (in diesen Fällen bis in das 6. Jahrhundert), Thüringern, Alamannen, Franken (bei den letzten beiden eher selten, 7. Jahrhundert), Bajuwaren (mindestens 20 Schädel an 7 Fundstellen, vor allem am Reihengräberfeld Straubing-Bajuwarenstraße an einem Mann und 10 Frauen), Heruler, Langobarden und Burgundern nachweisbar. 

Bei den untersuchten, zeitlich späteren Gräberfeldern am Plattensee wird es sich um Langobarden handeln, wenn auch die Forscher dazu keine genauen Angaben machen wollen. Unter beiden Gruppierungen gab es jedenfalls Krieger und Frauen, die fast nur nordeuropäische Herkunft aufwiesen (in Abb. 3: blau). Der Anteil derselben war aber bei den Langobarden deutlich höher als bei den Goten. Die Goten hatten bekanntlich schon mehrere Jahrhunderte länger am Nordufer des Schwarzen Meeres und auf dem Balkan gelebt, so daß es vermutlich eher erstaunlich ist, daß einige unter ihnen immer noch reine germanische Herkunft aufgewiesen haben. 

Ebenso wurden dort Menschen bestattet, die nur die Herkunft der Bewohner des vormals dort bestehenden Römischen Reiches aufwiesen (Abb. 3: rot).

Und schließlich stammen viele bestattete Krieger auch von beiden Herkunftsgruppen ab, das heißt, die zugewanderten langobardischen Krieger haben einheimische Frauen geheiratet, ob aus der jeweils eigenen sozialen Schicht oder nicht, kann derzeit noch kaum gesagt werden. Die jeweilige Herkunft kann auch sonst nicht zwangsläufig an den Grabbeigaben abgelesen werden. ("Differences and changes in material culture do not necessarily correspond to genetic shifts and differences.") Das heißt, Menschen einheimischer Herkunft waren nicht zwangsäufig sozial schlechter gestellt als die zugewanderten Angehörigen der germanischen Stämme.

Die Gräberfelder der Goten scheinen mehr um die mütterliche Herkunft herum organisiert zu sein. Welche Schicksale wohl die Nachfahren dieser Goten in Italien erfahren haben. Vielleicht waren die Vorfahren von ostgotischen Königen dabei wie Theoderich, Amalaswintha, Wittichis, Totila oder Teja oder anderen ostgotischen Heerführern. Die Gräberfelder der Langobarden sind klar entlang der väterliche Herkunft organisiert.

Ungarn - Ein kurzer weltgeschichtlicher Überblick

Schon im April hatten wir im Entwurf mit einem Beitrag begonnen, der aus diesem Anlaß mit eingestellt werden soll. Mehrere Beiträge hier auf dem Blog haben sich ja inzwischen mit der Geschichte Ungarns beschäftigt. Diese Geschichte ist sehr wechselhaft, sehr vielfältig, sehr abwechslungsreich. Sich diesen Umstand vor Augen zu führen, kann ja einmal ganz sinnvoll sein (Label:Ungarn). 

In Ungarn - zwischen Plattensee und Wiener Becken - entstand die große Kultur der Bandkeramik. Dazu gibt es viele Artikel hier auf dem Blog. Genannt sei an dieser Stelle nur einer der letzten (Stgen2019).

Schon um 4.500 v. Ztr. treten "sporadisch" die ersten Urindogermanen, abstammend von der Chwalynsk-Kultur an der Mittleren Wolga in Ungarn auf (Stgen2022). Ab 2.900 v. Ztr. folgt eine weitere, demographisch deutlich stärkere indogermanische Zuwanderung.

2.200 v. Ztr. scheinen indogermanische Völker aus Ungarn dann wieder abgezogen zu sein (Stgen2022). Völker mit höheren Anteilen westeuropäischer Jäger-Sammler-Genetik, die es seit 5.600 v. Ztr. in Ungarn gar nicht mehr gegeben hatte, siedelten in Ungarn. Erste städtische Zentren entstanden in dieser Zeit (Stgen2022).

Mit diesen städtischen Zentren entstand ein Bevölkerungsüberschuß, der dazu führte, daß aus dem Raum Ungarn heraus viele Anstöße gekommen zu sein scheinen zu großen Kriegszügen nach Westen, Norden (Tollensetal in Mecklenburg!) und schließlich Süden, also zu jenen Kriegszügen, die im Seevölkersturm um 1200 v. Ztr. im Mittelmeerraum mündeten (Stgen2019).

In der Eisenzeit siedelten Sarmaten in Ungarn. Zu ihnen gehörte auch der Stamm der Jazygen. Diese Sarmaten waren zum Teil Gegner, zum Teil Verbündete anderer germanischer und indogermanischer Völker dieses Raumes, etwa auch des Quaden-Fürsten Marbod, der Grundlagen für den Sieg der Cherusker bei Kalkriese im Jahr 9 n. Ztr. legte (Stgen2021). Verbündete etwa auch der Daker in ihrem Überlebenskampf gegen die Römer (Stgen2021).

Später kamen die Goten unter und neben den Hunnenkönigen nach Ungarn (Stgen2021).

Zur Völkerwanderungszeit finden wir gerade folgende, recht gelungene, kurze Zusammenfassung (1):

Vor der Ankunft der Awaren war der westliche Teil des Karpatenbeckens von den Römern besetzt, der östliche Teil desselben von den Sarmaten (etwa 1 bis 400 n. Ztr.). Die Römer wurden durch das kurzlebige Reich der Hunnen ersetzt (400 bis 455 v. Ztr.) und durch mehrere germanisch-sprachige Gruppen: Goten und Langobarden in Pannonien, Gepiden entlang der Tisza (400 bis 568). 567/68 zerstörten die Langobarden das Königreich der Gepiden und zogen nach Italien, während die Awaren das Karpatenbecken und seine einheimische Bevölkerung eroberten (Pohl, 2018).
Before the Avars arrived, the Romans had occupied the western part of the Carpathian Basin and the Sarmatians the eastern part (c. 1–400 CE). The Romans were replaced by the short-lived empire of the Huns (400–455 CE), and by diverse Germanic-speaking groups: Goths and Longobards in Pannonia, Gepids along the Tisza (400 to c. 568). In 567/68, the Longobards destroyed the Gepid kingdom and moved to Italy, while the Avars conquered the Carpathian Basin and its local population (Pohl, 2018).

Um 900 kommt es dann zu den Einfällen der namengebenden "Ungarn" in Ungarn, zur sogenannten "Landnahmezeit" (Stgen2022). Die sibirische, ugrische Sprache der Landnahme-Ungarn blieb bis heute erhalten, ihre Gene sind in Ungarn heute ausgestorben. 

Abb. 4: Gräberfelder am Südufer des Plattensees in Ungarn und ihre zeitliche Stellung (aus 2)

Hier noch einmal ein graphischer Überblick über die Geschichte Ungarns in der Völkerwanderungszeit (Abb. 4).

Langobarden-Gräber in Westungarn (ab 500 v. Ztr.)

/ Ergänzung 14.6.2026 / Eine neue archäogenetische Studie zu den Langobarden in Westungarn ist erschienen, im wesentlichen von der selben Forschungsgruppe wie die frühere Studie (4).

Untersucht wurden Langobarden-Gräber rund um das Römerkastell Arrabona (Wiki) an der Donau, das unter der heutigen ungarischen Stadt Győr verborgen liegt, gelegen auf halbem Weg zwischen Wien und Budapest. Außerdem wurden Langobarden-Gräber untersucht weiter südlich davon, unter anderem bei Szeleste und Stein am Anger (röm. Savaria, ungar. Szombathely) (GMaps) (s. Abb. 5 und 6).

Abb. 5: Langobarden-Gräber entlang des Weges von der römischen Stadt Savaria zum Römerkastell Arrabona an der Donau, bzw. heute von der Stein am Anger nach Győr im heutigen Westungarn (Kleine Ungarische Tiefebene), also grob zwischen Wien und Budapest (GMaps)

Ergebnis der Studie ist: Die Langobarden vermischten sich schon in Westungarn mit der einheimischen Bevölkerung vorwiegend südeuropäischer Herkunft. Aber mehrheitlich blieb die skandinavische genetische Herkunft bei ihnen erhalten.

Abb. 6: Langobarden-Gräber bei Arrabona und südlich davon (aus 4)

Das heute für die Region zuständige archäologische Museum, "Savaria Museum", befindet sich heute in Stein am Anger, bzw. ungar. Szombathely. In diesem sind unter anderem viele römische Grabsteine ausgestellt.

Abb. 5: Relief auf einem römischen Grabstein in Savaria (heute Stein am Anger, bzw. ungar. Szombathely) - Briseis wird aus dem Zelt des Achilles geführt (RomanArtLover)

Auf einem dieser Grabsteine findet sich die Darstellung jener Szene aus der Ilias, in der Briseis aus dem Zelt des Achilles geführt wird, ein beliebtes Kunstmotiv in römischer Zeit.

/ Entwurf zu [1]: 5.4.22
Ergänzung 14.6.2026 /

________________

  1. Ancient genomes reveal origin and rapid trans-Eurasian migration of 7th century Avar elites. Gnecchi-Ruscone, G. A., Szécsényi-Nagy, A., Koncz, I., Csiky, G., Rácz, Z., Rohrlach, A. B., ... & Krause, J. (2022). Cell. (Cell2022)
  2. Investigating community formation through dense spatial and temporal sampling of 5-6th century cemeteries in Pannonia. Deven Nikunj Vyas, István Koncz, Alessandra Modi, Balázs Gusztáv Mende, Yijie Tian, Paolo Francalacci, Martina Lari, Stefania Vai, Péter Straub, Zsolt Gallina, Tamás Szeniczey, Tamás Hajdu, Rita Radzevi, Zuzana Hofmanová, Sándor Évinger, Zsolt Bernert, Walter Pohl, David Caramelli, Tivadar Vida, Patrick J Geary and Krishna Ranganaden Veeramah. bioRxiv. posted 27 September 2022, , 10.1101/2022.09.26.509582 (bioRxiv2022)
  3. Barbarlich-Geromella, Elis: Geistige Itinerarien in und um Vodnjan - Eine Begegnung mit der Stille. Libar od Grodza, Pula 1995
  4. Yijie Tian (...), Kurt W. Alt, Zuzana Hofmanová, Walter Pohl, Johannes Krause, Tivadar Vida, Patrick J. Geary, Krishna R. Vereramah: Unveiling the complexity of post-Roman polity formation in Pannonia using ancient DNA, Science (2026) (Science2026) (pdf)

Dienstag, 14. September 2021

Die Goten - Gene, Sprache und Kultur schwanden dahin

Erste Einblicke von Seiten der Archäogenetik

Amalaswintha (gest. 535) (Wiki) war die Tochter Theoderichs des Großen (451/456-526) (Wiki). Der oströmisch-griechische Geschichtsschreiber Prokop schildert sie als ebenso weise und weitblickend wie ihren Vater (1). Da ihr Sohn erst 10 Jahre alt war als Theoderich starb, führte sie für ihn die Regentschaft. Doch sie hatte es mit einem rauhen gotischen Adel zu tun, der an ihr kritisierte, daß sie ihren Sohn nicht zum Krieger, sondern zum Gelehrten erziehen würde. Was für eine Schande, dieser rauhe gotische Adel. Waren Goten denn immer nur zum Kriegführen geboren? Theoderich und Amalaswintha dachten - offenbar - weiter. Aber diese Haltung konnte sich bei den Goten nicht dauerhaft durchsetzen.

Abb. 1: Römische Grenzsicherung am Donau-Limes (Wiki) - Singidunum (heute: Belgrad)

Mit diesen Geschehnissen stehen wir mitten in dem Spannungsfeld zwischen zerstörerischen und aufbauenden Kräften in der Weltgeschichte. In einer Kultur, in der Bildung, Lernen, Erwerben von Fähigkeiten und Kenntnissen handwerklicher und geistiger Art, Arbeiten, Studieren einen Wert für sich darstellt, werden die Menschen durch die Arbeit zivilisiert. In einer Gesellschaft, in der die beliebteste und angesehenste Tätigkeit die Kriegsführung ist und in der das Leben von Gütern und Luxus, die auf dem Erfolg in der Kriegsführung beruhen, übermütig macht, werden leichter die zerstörerischen Kräfte der Welt- und Völkergeschichte aktiviert. Aus der Geschichte der germanischen Völker der Völkerwanderungszeit kann man über dieses Spannungsfeld viel lernen.

Möchte man das alles eigentlich genauer wissen? Was ist Völkerwanderung anderes als einerseits Leben von Raub und andererseits Imperialismus? Aber haben die "zivilisierteren" Römer es denn anders gemacht? Waren nicht auch sie fortlaufend mit Raub, Ausbeutung und Imperialismus beschäftigt? Auf beiden Seiten - sowohl auf Seiten der Römer wie auf Seiten der Germanen - gab es aufbauende und zerstörende Kräfte in ihren Kulturen. Ganz offensichtlich waren die aufbauenden Kräfte auf Seiten der Römer zu jener Zeit deutlicher ausgeprägt als auf Seiten der Germanen. Erst ab dem Frühmittelalter wurden auch die Germanen "weiser" und investierten nach und nach mehr Energie in den Erwerb von Fähigkeiten und Kenntnissen anstatt in die Kriegsführung. Nach und nach. Das Leitwort "Ora et Labora", das in den zeitgleichen Klöstern gelebt wurde, wies den Weg. "Bete und arbeite". Ob diese Entwicklung schon als erfolgreich abgeschlossen genannt werden kann, das sei freilich dahin gestellt.

Denn auch mit einem bloß oberflächlichen, halbherzigen Erwerb von Kenntnissen und Fähigkeiten ist es ja nicht getan, wenn es gilt, die aufbauenden Kräfte in der Völkergeschichte zu fördern.

Es befällt einen so viel Trauer, wenn man blühende Völker - wie die Goten, wie die Wandalen - in den Untergang ziehen sieht. Und warum? Weil sie lieber als Krieger lebten, denn als Gelehrte. Und von wem wurden sie besiegt? Von Gelehrten, die zugleich Krieger waren, oft sehr tapfere Krieger. So wie schon Sokrates. Das nämlich waren die Kaiser, Feldherren, Offiziere und Beamten des byzantinischen Reiches: Gelehrt und tapfer. Die Goten aber waren in der Regel "nur" tapfer. In der Regel waren deshalb die gebildeten Krieger des römischen Reiches den ungebildeten Goten oder Wandalen um einen Schritt voraus in der Klugheit und Sorgfalt ihrer Kriegsführung, mehr nicht. Aber das reichte ja schon. Amalaswintha und ihr Vater Theoderich hatten weiter geblickt als die meisten ihrer gotischen Stammesverwandten. Wie so oft aber, wo "Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet" (Schiller), gingen die Menschen lieber sehenden Auges in der Untergang. Wie anders wollte man die weiteren Schicksale der Ostgoten in Italien kennzeichnen, auf die wir im folgenden nicht weiter eingehen wollen.

Aber wir stehen mitten in der Geschichte der Goten, wenn wir uns diese Lebensproblematik der Amalaswintha verdeutlichen. Die germanischen Völker nördlich der Alpen, die von diesem Spannungsfeld eher verschont geblieben sind, da sie niemals so sehr von Raub, Imperialismus und Krieg lebten wie die germanischen Völker südlich der Alpen, in ihnen bebte das erschütternde Geschehen, das mit der Völkerwanderung verbunden war, dennoch nach.

Das älteste Sprachdokument in althochdeutscher Sprache, das berühmte Hildebrandslied (Wiki), handelt von dem Lebensschicksal des Heermeisters Theoderichs des Großen, Hildebrand, der seinen Sohn Hadubrand, in die Heimat zurückkehrend nach 60 Jahren Kriegerleben, im Zweikampf erschlägt:
"Ik gihorta dat seggen,
dat sih urhettun ænon muotin,
Hiltibrant enti Hadubrant untar heriun tuem.
sunufatarungo iro saro rihtun."

Das blieb den Germanen nördlich der Alpen in Erinnerung: Der Krieg als Unheil. Der Vater erschlägt den Sohn. Und Dietrich von Bern selbst (Theoderich) erschlägt die Nibelungen - am Hof des Hunnenkönigs Attila unter Zustimmung der Königin Kriemhilde. Die Sage hat den Untergang der Nibelungen in die Lebenszeit von Personen gelegt, die erst lebten, als das Burgunderreich in Worms schon zerschlagen war. Aber Pannonien und Dalmatien, die Kernräume der Geschichte der Goten des 4. und 5. Jahrhunderts, sowie das Personal der dort handelnden Könige und Heerführer blieben im Gedächtnis.

Da die Goten lieber Krieg führten, als sich das Lesen und Schreiben beibringen zu lassen, wissen wir gar zu viel nicht über ihr vorhergehendes Leben an der Unteren Donau, über ihr Leben in Dakien, in Thrakien, in Mösien, Dalmatien und Pannonien. Ihr Leben dort überspannt immerhin inhaltsreiche 200 Jahre. Und noch einmal viele Jahrhunderte lebten sie davor im Nordschwarzmeer-Raum. Wir wissen von ihnen nur, was bei den römischen und griechischen Geschichtsschreibern festgehalten worden ist. Und auch diese berichten über die Goten fast immer nur über Krieg, Eroberung, Unterwerfung.

Ein Dokument freilich friedlicher, zivilisatorischer Arbeit hat sich aus dem gotischen Kulturkreis erhalten. Das älteste Sprachdokument germanischer Sprachen. Es entstand in der Provinz Mösien, im heutigen nördlichen Bulgarien, in Nikopolis an der Unteren Donau, das die Goten schon 249 so eifrig belagert hatten: die Gotenbibel des Gotenbischofs Wulfila. Ausgerechnet eines der inhaltlich und moralisch flachsten, wirrsten und unheilvollsten Textdokumente, die je in der Geschichte der Völker eine Rolle gespielt haben, und die erst wenige Jahrhunderte zuvor zusammen gestellt worden waren, ausgerechnet diese wurden in die gotische Sprache übersetzt!

Die Weltgeschichte schlägt wahrlich Kapriolen. Nicht die "Ilias", nicht Platon, nicht Sokrates, nicht Aristoteles. Nein: Die Bibel.

Kein Wunder, daß noch Shakespeare, Schiller, Goethe, Lessing und Wieland mit dem Eindruck lebten und starben, daß wir Nordeuropäer von "Barbaren" abstammen. Kein Wunder. Wahrlich: Barbarisch, dieses Geschehen. 

Aus Kriegern werden - - - "Bibelkundige".

Merkst Du etwas, später nord- und mitteleuropäischer Nachfahre? Was wir Germanen und Indogermanen für eine Geschichte hinter uns haben?

Was hat diese Geschichte damit vor? Wo will sie damit hin?

Wohin könnte sie damit hinaus wollen?

/ 8.3.26 - Und die Übersetzung dieses moralisch äußerst niedrigen Buches erfolgte auch gar nicht einmal von einem Menschen, der - so weit wir wissen - vornehmlich gotischer, genetischer Herkunft war. Immer mehr erfahren wir davon, daß zu seiner Zeit dem Volk der Goten sehr viele Menschen angehörten, die vorwiegend anatolische und/oder eisenzeitliche Balkan-Herkunft aufwiesen. Soweit auch aus den Schriftquellen deutlich wird, hat Wulfila zumindest hälftig auch diese Herkunft aufgewiesen. /

Die Neigungen, die Bildung und der Weiblick von Theoderich und Amalaswintha hatten aber noch weit über bloße Bibelkunde hinaus gewiesen - soweit wir das heute nachvollziehen können. Am Hof Theoderichs des Großen bewegten sich nicht nur Priester, nein, vor allem auch Philosophen. Nur allzu bald sollte das ganz anders werden im "Abendland". - - - Soweit etwas grundlegendere, einleitende Überlegungen.

Die Mittlere und Untere Donau in der Spätantike

Die Mittlere und Untere Donau - dies ist der Raum, in dem der Hof des Hunenkönigs Attila lag, hier wurde der Gotenkönig Theoderich der Große geboren, hier fand sich 1837 der Goldschatz von Pietroasa (Wiki) (Abb. 2 und 3). Hier vollzog sich - der bedeutendsten Sage des deutschen Mittelalters nach - der Untergang der Nibelungen.

All das und vieles mehr spielte sich ab innerhalb der römischen Provinzen Pannonien (Wiki), Dalmatien (Wiki), Mösien und Dakien, sowie jenseits der Grenzen dieser Provinzen, jenseits des sogenannten "Donau-Limes" (Wiki). Es waren dies die "illyrischen Provinzen" (Wiki) des Römischen Reiches. Es waren wirtschaftlich wohlhabende, reiche Länder. Seit dem 3. Jahrhundert v. Ztr. waren sie von den Römern erobert und unterworfen worden. Noch zur Zeit des Arminius um 9 n. Ztr. gab es in Illyrien schwere Aufstände gegen die Römerherrschaft. Aber in der Zeit danach hört man von keinem Widerstand mehr.

Abb. 2: Ein Stück aus dem gotischen Goldschatz von Pietroasa (Nationalmuseum für Rumänische Geschichte, Bukarest) (Wiki) - aus der Zeit um 350 oder 450 n. Ztr. - In der Mitte thronend vielleicht Nerthus, um sie herum gruppiert andere germanische Gottheiten, allerdings in griechischer Kunstauffassung (Wiki), alle in friedlichen Zusammenhängen, ohne Waffen, vielleicht hergestellt in einer griechischen Stadt an der Nordküste des Schwarzen Meeres, wo auch noch skythischer Kunstgeschmack weiter lebte

Das zeitgleiche Geschehen und Schicksal germanischer Völker in Nordafrika, in Spanien, in Frankreich - es ist in Vergessenheit geraten, hallt nicht oder viel weniger in Sagen des deutschen Mittelalters wieder. Zu wenige Krieger waren von ihren Kriegsdiensten von dort aus in die Heimat nördlich der Alpen zurück gekehrt, so wie noch der Fürst von Planing, begraben bei Bad Kreuznach am Mittleren Rhein mit seinem herrlichen, prächtigen vergoldeten Spangenhelm und mit einer Münze des byzantinischen Kaisers Leo I. (457-474 n. Ztr.) (Wiki) im Mund (13-15) (Abb. 10). Entdeckt im Jahr 1939 bei Kanalarbeiten. Krieger seines Schlages, die zum Teil weit herum gekommen sein mögen als Verbündete großer Heerführer oder im Dienste irgendeines Gefolgschaftsführers, zum Beispiel auch eines gotischen Heerführers wie Theoderich, Krieger seines Schlages und Männer ihres Gefolges werden alle Sagen, Geschichten und Heldenlieder nach Norden gebracht haben, die aus dieser Zeit überliefert sind.

Neue Erkenntnisse

Ausgerechnet zu diesen illyrischen Provinzen, zu Pannonien, Dalmatien, Mösien und Dakien ist in diesem Sommer 2021 in Vorveröffentlichung eine erste archäogenetische Längsschnitt-Studie erschienen zum ersten Jahrtausend (nach der Zeitreichnung) in diesem Raum (2). 90 Skelette aus den Gräberfeldern der Römerstädte Viminatium an der Donau (Wiki), "Timacum Minus" (Wiki), 200 Kilometer südlich von Viminatium und Mediana (Wiki), noch einmal 60 Kilometer südlich von "Timacum Minus" wurden für diese Studie neu ausgewertet.

Außerdem ist in den letzten zehn Jahren eine spannende, völlig neue Schriftquelle zur Geschichte der Goten in diesem Raum von Seiten der Wissenschaft erschlossen worden. Nämlich Fragmente der Geschichte der Gotenkriege ("Scythia"), die der Kaiser Decius (190-251) (Wiki) geführt hat, und zwar aus der Feder eines zeitgleichen griechischen Militärbefehlshabers und Historikers, nämlich von Dexippus von Athen (210-275) (Wiki). Welche wohlüberlegten Gedankengänge von Seiten des Decius in diesen Text-Fragmente überliefern sind im Angesicht der Überschwemmung der illyrischen Provinzen, sowie Griechenlands durch die Goten schon im Jahr 249. Auch berichten sie von der Verteidigungsbereitschaft Griechenlands und Athens.

Von Viminatium bis Naissus - Drei Römerstädte

Doch zunächst zur Archäogenetik: 52 von den genannten 90 untersuchten Skelette stammen aus der römischen Grenzfestung Viminatium (Wiki), südwestlich des Donau-Ufers gelegen, also am rechten Ufer der Donau. Hier verlief der Donau-Limes und Viminatium war die bedeutendste Grenzfestung aller illyrischen Provinzen. Sie lag 90 Kilometer südöstlich des Militärlagers Singidunum, der heutigen Stadt Belgrad (Abb. 1). Schon in keltischer Zeit war Viminatium - wie die meisten Römerstädte dieses Raumes besiedelt. Auch auf dem größten der Gräberfelder von Viminatium finden sich Gräber aus keltischer Zeit (2, Anhang). Viminatium gilt aufgrund seiner Größe als das "Pompeji Serbiens".

Viminatium war die Hauptstadt der Provinz Ober-Mösien. An diesem Ort waren zwei römische Legionen stationiert. An diesem Ort überquert die "Pannonische Straße", vom heutigen Ungarn her kommend, die Donau, um südlich der Donau das Schwarze Meer und Konstantinopel zu erreichen, die Hauptstadt des oströmischen Reiches (2, Anhang). Hier in Viminatium befindet sich - zum Beispiel - das Mausoleum des römischen Kaisers Hostilian (gest. 251). Hier auch fanden wesentliche politische Verhandlungen im Zusammenhang mit den "Gotenkriegen" des 4. Jahrhunderts statt. 

Weitere 18 untersuchte Skelette stammen aus "Timacum Minus" (Wiki), eine Befestigung und dörfliche Siedlung aus der Römischen Kaiserzeit, 200 Kilometer südlich von Viminatium (G-Maps). 

Die restlichen Skelette stammen aus der Kaiservilla Mediana (Wiki), noch einmal 60 Kilometer südlicher gelegen, nahe der römischen Stadt Naissus (Wiki).

Die untersuchten Skelette von Viminatium sind vier Gräberfeldern entommen, die rund um die Stadt angeordnet waren. Den Grabbeigaben nach zu schließen, stammen die meisten dieser Gräber nicht von "Wohlhabenden", sondern von Mittelschichten und ärmeren Bevölkerungsschichten, allerdings gibt es auch Sakrophage von reicheren Bevölkerungsteilen. In diesen Skeletten spiegelt sich das Hereinströmen von Bevölkerungsteilen kaiserzeitlich-anatolischer Herkunft in die illyrischen Provinzen wieder, die sich mit der Herrschaft Roms ergeben hat, und deren Genetik sich mit dem Ende der Römerherrschaft interessanterweise auch wieder in diesem Raum verliert (2).

Auch die genannten Stadt Naissus hat es schon in keltischer Zeit gegeben. In ihr ist niemand geringerer geboren worden als Kaiser Konstantin der Große (280-337) (Wiki), jener Kaiser, der das Christentum im Römischen Reich zur privelegierten Reichsreligion, also quasi zur Staatsreligion erhoben hat. Konstantin hatte nun das genannte nahegelegene Mediana keineswegs etwa zu einem Kloster, sondern zu einer luxeriösen Kaiser-Villa umbauen lassen. Wozu auch soll man als Förderer des Christentums ins Kloster gehen, wird sich Konstantin gesagt haben. Vielleicht sagten ihm dies auch seine nun notwendig gewordenen "geistlichen Berater". Verschiedene seiner Nachfolger hatten sich in Mediana ebenfalls aufgehalten, darunter übrigens auch Kaiser Julian "der Abtrünnige", der letzte Heide auf dem römischen Kaiserthron. Das war im Jahr 361. Ganz zuletzt hielt sich Kaiser Constantius III. im Jahr 425 daselbst auf. 442, nach den Einfällen der Hunnen unter Attila, ist diese Residenz dann ganz aufgegeben worden. Fluch über sie und jenen Kaiser, der das Christentum im ganzen südlichen Europa zur Staatsreligion erhoben hat.

Wenn man bedenkt: Schon 249 gab es einen ersten schwerwiegenden Goteneinfall in diesen Provinzen. Aber das im Sterben und in der Agonie liegende Römische Reich hatte noch so viel Kraft, seinen Untergang um 200 Jahre hinaus zu zögern.

In der genannten Kaiservilla nun bestatten um 400 n. Ztr. Menschen aus den Stammesverbänden der Goten zwei ihrer Verstorbenen (2, Anhang). Die Schädel dieser Bestatteten wiesen die typischen Schädeldeformierungen (Wiki) auf, wie sie schon oft in den östlichen Völkerwanderungsvölkern gefunden worden sind. Diese Schädeldeformierung (Schädelverlängerung, -streckung), die auf Bandagierungen des Kopfes vom Babyalter an zurück gehen, ist von den Goten als Sitte von den Hunnen (oder von den Sarmaten?) übernommen worden. Auch in einigen Germanen-Gräbern von Viminatium findet sich diese Sitte (2, Anhang). Vielleicht handelt es sich bei ihnen um jene westgotischen Völker und ihre Verbündeten, die, bedrängt vom Hunnensturm und nach Annahme des Christentums hinter den Donau-Limes Zuflucht nehmen durften und dort als Bundesgenossen des oströmischen Kaisers angesiedelt wurden, bzw. dabei auch gerne gewaltsam zur Landnahme schritten.

Die Genetik dieser Skelette paßt zur Genetik von Goten. Ein kleiner genetischer Anteil in ihnen ist sarmatischer Herkunft (siehe unten), das heißt, die Vermischung mit Sarmaten könnte schon mehrere Jahrhunderte zuvor stattgehabt haben. Außerdem haben sie sich - offenbar schon in der ersten Generation - mit Einheimischen vermischt (2).

Abb. 3: Gottheiten der Goten im Nordschwarzmeer-Gebiet, alle ohne Waffen und in friedlichen Zusammenhängen dargestellt auf der goldenen Schale von Pietroasa (Wiki) (siehe Abb. 2) - Anklänge an skythische Hirtenkultur werden ebenso sichtbar wie die Bedeutung von Vögeln und Fischen; ein Zitherspieler ist dargestellt, zu seinen Füßen Pegasus (Baldur/Apollon) - Unter den 16 Figuren finden sich vier Frauen (zur genaueren Betrachtung vergrößern!)

Soweit uns das bislang überblickbar ist, ist von den germanischen Völkern der Völkerwanderungszeit keinerlei heiratsmäßige Abgrenzung zu der unterworfenen Bevölkerung im Mittelmeer-Raum bekannt geworden, weder aus den Schriftquellen, noch auch aus der Archäogenetik. Somit wird man, wenn in Schriftquellen von "Goten" die Rede ist, sehr oft voraussetzen müssen, daß sie zwar gotische Sprache gesprochen und Kultur gelebt haben, daß sie aber auch schon zur Hälfte mit der einheimischen Bevölkerung illyrischer Abstammung (die Genetiker sprechen von "eisenzeitlicher Balkan-Abstammung") vermischt haben können.

20 n. Ztr. - Die Jazygen

Die neue archäogenetische Studie weckt ein ganz neues Interesse für die Geschichte der Goten, Hunnen und Sarmaten in den illyrischen Provinzen. Sie gibt Anlaß, sich die geschichtlichen Vorgänge zunächst der Jahrhunderte langen Reichsverteidigung gegen die "Barbaren" und schließlich dann der germanischen Völkerwanderung in diesem Raum etwas genauer anzuschauen. Auf Youtube finden sich überraschend viele Vorträge von Gelehrten zur Geschichte der Goten, insbesondere auf einer Tagung der Katholischen Akademie Bayern in München im Februar 2020 gehalten, die man sich hierzu gerne noch einmal anhören darf, weil man hier sehr kenntnisreiche Menschen reden hört (Beispiel: 3). Auch die Manuskripte dieser Vorträge liegen vor (3).

Mit Verweis auf diese Vorträge können wir uns hier auf das Referieren einiger wesentlicher Eckdaten beschränken. Die Geschichte dieses Raumes in dieser Zeit ist außerordentlich reich und für einige Geschichtsphasen und Regionen vergleichsweise gut durch römische Geschichtsschreiber und sonstige Quellen dokumentiert, für andere Geschichtsphasen und Regionen liegt sie dagegen sehr weitgehend im Dunkeln.

Der Sarmaten-Stamm der Jazygen (Wiki) weicht um 20 n. Ztr. vor den Goten aus. Diese hatten - nach der antiken Gotengeschichte (1) - die Völker in Pommern und Danzig vertrieben oder unterworfen und sich dasselbst angesiedelt, und waren von dort nach und nach über die Jahrzehnte und Jahrhunderte bis hinunter in die Ukraine gekommen, wo sie wiederum - die jeweils einheimischen Stämme unterworfen und/oder vertrieben haben. 

Die genannten Jazygen siedeln später - mit römischer Befürwortung - in der ungarischen Tiefebene. Die Römer erhoffen sich in den sarmatischen Reiterkriegern Verbündeten gegen das kriegerische Grenzvolk der Daker zu gewinnen.

Der in einem freundlichen Verhältnis zu den Römern stehende Quaden-König Vannius wurde König auch der Jazygen. Es entwickelten sich gute Beziehungen zwischen den Quaden und den Jazygen. Jahrhunderte lang sollten diese halten. Womöglich waren es gerade diese freundschaftlichen Beziehungen, über die so viele östliche Kulturelemente (Odins-Glaube?, skythischer Tierstil?, Spangenhelm? etc. pp.) in die westliche, germanische Welt Eingang gefunden haben. Denn die Quaden hinwiederum unterhielten ja auch gute Beziehungen zu Markomannen und Hermunduren im Norden. Immerhin waren es ja die Quaden und ihr König Marbod erst kurz zuvor gewesen, die die Grundlagen für den Sieg des Arminius bei Kalkriese gelegt hatten (4).

Auch Sauromaten wurden die Jazygen genannt. Plinius nennt sie "Serboi". Zu den Ursprüngen des Volksnamen der Serben gibt es viele Theorien, eine stützt sich auf diesen Umstand. Wenig später teilte sich dann in der heutigen Ukraine das Volk der Goten, nämlich in Ost- und Westgoten. 

Die Willenberg-Kultur - Eine archäogenetische Studie aus dem Jahr 2019

Die zugehörige archäologische Kultur der Goten auf dem Gebiet des heutigen Polen und Rußland ist die Willenberg-Kultur (Wiki). Diese Kultur ist benannt nach einem gotischen Gräberfeld bei dem westpreußischen Dorf Willenberg (poln. Wielbark) (Wiki), das sechs Kilometer südlich der bis 1945 deutschen Stadt Marienburg an der Nogat liegt. 1874 sind dort 3.000 Gräber entdeckt worden. (Auf Polnisch wird dieses Dorf seit 1945 "Wielbark" genannt. In der englischsprachigen Forschungsliteratur ist deshalb von der "Wielbark-Culture" die Rede. Da die Einwohnerschaft der Stadt Marienburg in Westpreußen im Jahr 1905 zu 97 % aus Deutschen bestand [Wiki], wird dies in ähnlicher Weise auch gelten für das sechs Kilometer entfernte Dorf Willenberg, das der Landgemeinde von Marienburg zugehörte.)

Abb. 4: Ein gotisches Langhaus, rekonstruiert aufgebaut entsprechend archäologischer Erkenntnisse im gotischen Dorf in Masłomęcz (Wiki)

Schon im Mai 2019 war zu dieser Kultur eine archäogenetische Studie erschienen (17). Ihr Ergebnis ist (Wiki), daß die Goten der untersuchten Gräberfelder genetisch eine Mischbevölkerung darstellten, wobei der skandinavische Herkunftsanteil vornehmlich über die Männer in die Weichselregion und später in die Ukraine gelangt war und der Herkunftsanteil (einheimischer) osteuropäischer Bauern vornehmlich über die Frauen hinein gekommen ist (Wiki):

... daß die Willenberg-Kultur gemischter Herkunft war, wobei die Männer vornehmlich von eisenzeitlichen Populationen in Skandinavien abstammten und die Frauen vornehmlich von örtlichen Bauernpopulationen des östlichen Europa. ....
"In a 2019 genetic study published in Scientific Reports and conducted on individuals identified with the Wielbark culture and the Goths, it appeared that people of the Wielbark culture were of mixed origin, with its male component largely traced to Iron Age populations of Scandinavia and its female component largely traced to local farming populations of Eastern Europe. These results seem consistent with the historical narrative of a southern Scandinavian origin of the Goths."

/ Ergänzung 8.3.2026: Da aber noch bis 300 n. Ztr. Goten in Bulgarien gefunden worden sind, die eine typisch skandinavische Genetik aufgewiesen haben mit nur leichten Einmischungen von Sarmaten, Skythen oder Hunnen, und zwar Einmischungen, die erst in der Ukraine stattgefunden haben können, werden wohl sich nicht alle Angehörige der Willenberg-Kultur mit Einheimischen vermischt haben. /

180 n. Ztr. - Goten in Pommern - Markomannen in Südmähren

Außerdem: Daß es um das Jahr 180 n. Ztr. herum gute Verbindungen gab zwischen immer noch in Pommern an der Ostseeküste lebenden Goten einerseits und Markomannen und Jazygen andererseits, die im Donauraum lebten, ist durch die Funde von sehr ähnlichen Bronzekesseln belegt. 

Abb. 5: Markomannischer Bronzekessel aus Muschau in Südmähren, um 180 n. Ztr. (Wiki)

Im Jahr 1988 wurde in Muschau in Südmähren ("Mušov") (Wiki) nahe eines dortigen römischen Militärlagers aus der Zeit der Markomannenkriege (166 bis 180 n. Ztr.) (Wiki) ein germanisches Königsgrab von Seiten eines - vermutlich - römerfreundlichen Germanenfürsten entdeckt (Wiki). Es könnte sich um das Grab des schriftlich bezeugten Markomannenkönigs Ballomar handeln. Das Grab enthielt einen Bronzekessel, dessen Henkel mit Köpfen von Germanen geschmückt waren, die den sogenannten "Suebenknoten" (Wiki) als Haartracht trugen.

Abb. 6: Gotischer Bronzekessel aus Lauenburg in Pommern, um 180 n. Ztr. (Rudaweb)

Im Jahr 2000 wurde von Seiten des Archäologischen Museums Danzig in Scharnhorst bei Lauenburg in Pommern (poln. Lebork) ein dem erstgenannten Bronzekessel sehr ähnlicher gefunden (18, 19). Er wurde innerhalb eines Gräberfeldes der Willenberg-Kultur gefunden, das zwischen dem 2. Jahrhundert v. Ztr. bis Anfang des 3. Jahrhunderts n. Ztr. genutzt worden war. Während nun der südmährische Bronzekessel dem suebischen Kulturkreis zugerechnet wird, wird der Lauenburger Bronzekessel dem gotischen Kulturkreis zugerechnet. 

Möchte man nicht doch von diesen "Eingedarstellungen" der Germanen ableiten, daß es damals ein "gemeingermanisches" Bewußtsein gegeben hat, das Bewußtsein einer allgemein ähnlichen sprachlichen und kulturellen Identität, zusätzlich betont durch den Suebenknoten? Aber dieser Gedanke nur nebenbei.

249 - Kaiser Decius gegen Ostrogotha und Kniva

Die Westgoten breiteten sich - im Gefolge der Jazygen - bis zur Donau aus (Wiki):

238 brach der sogenannte „Gotensturm“ los: Die Goten begannen erste Angriffe auf römisches Gebiet und eroberten die südlich der Donau gelegene Stadt Histros, während die Karpen in die Provinz Moesia inferior (Niedermösien) einfielen.

Der Völkername Karpen steht in Bezug zu den Karpaten und dürfte einen Unterstamm der Daker darstellen. Sie haben sich oft mit unterschiedlichen germanischen Stämmen gegen die Römer verbündet (Wiki):

An der Donau bedrohten unter anderem die Goten und Sarmaten den römischen Balkanraum. In den 250er und 260er Jahren unternahmen Goten, Heruler und Boraner Plünderungszüge bis nach Griechenland und (per Schiff) in das nördliche Kleinasien.

Einer der Befehlshaber der römischen Verteidigungsmaßnahmen in Griechenland gegen die Goten war der oben schon erwähnte Dexippus von Athen (210-275) (Wiki). Er war ein bedeutender Geschichtsschreiber, allerdings sind nur wenige Fragmente seiner Werke erhalten. 2007/2009 wurden in Wien neue, aufsehenerregende Fragmente seines Werkes "Scythia" ("Gotenkriege") entdeckt (3). Die Entdeckerin war die slowakische Philologin Jana Grusková (Uni Bratislawa). Diese Fragmente werden gerade nach und nach veröffentlicht und erforscht (5-10). Eine zusammenfassende Veröffentlichung in Buchform steht noch aus. Das Werk ist auf Griechisch verfaßt (5):

2007 bis 2009, während eines Forschungsprojektes der Österreichischen Akademie der Wissenschaften über griechische Palimpsesten der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien, entdeckte Jana Grusková Fragmente eines unbekannten antiken Textes auf acht Seiten eines mittelalterlichen (byzantinischen) Manuskriptes aus dem 11. Jahrhundert und identifizierte sie als herstammend wahrscheinlich von Dexippus' Scythia.

Der römische Kaiser Decius (190-251) (Wiki) stammte selbst aus der Provinz Pannonien. Auf Wikipedia ist schon der aktuelle, detailliertere Forschungsstand zu seinem Gotenkrieg eingearbeitet, der sich aus der Auswertung der Fragmente ergibt. Dort wird ausgeführt (Wiki):

Während seiner kurzen Regierungszeit war Decius vor allem mit wichtigen Militäroperationen gegen die Goten beschäftigt, die die Donaugrenze seit einiger Zeit bedrängten (...). Diese hatten nach dem Abzug der Truppen 249 die Donau überquert und die Provinzen Moesia und Thracia (Thrakien) überrannt. (...) Decius sammelte ein Heer und zog zusammen mit seinem Sohn und Mitkaiser Herennius persönlich gegen die Feinde (sein jüngerer Sohn Hostilian blieb in Rom). Die Goten wurden von Decius offenbar bei der Belagerung von Nikopolis an der Donau überrascht. Bei seiner Annäherung überquerten sie das Balkangebirge und griffen Philippopolis an. Decius folgte ihnen, aber eine schwere Niederlage bei Beroë, dem heutigen Stara Sagora, machte es ihm unmöglich, Philippopolis zu retten, das in die Hand der Goten fiel, die die Stadt mit verheerender Grausamkeit behandelten. Ihr Kommandeur Priscus erklärte sich selbst zum Kaiser unter gotischem Schutz. Ein neuer Pergamentfund (aus den sogenannten Scythica Vindobonensia und wohl aus dem Werk des Dexippos stammend) offenbart auch den Anführer dieser Goten, einen gotischen Heerführer namens Ostrogotha. Die Belagerung von Philippopolis hatte Anzahl und Kräfte der Goten aber dermaßen erschöpft, daß sie anboten, ihre Beute und ihre Gefangenen unter der Bedingung freien Abzugs auszuliefern. Aber Decius war es endlich gelungen, sie einzukesseln, und nun hoffte er, ihren Rückzug abzuschneiden und einen entscheidenden Sieg zu erringen. Er weigerte sich zu verhandeln. Das letzte Gefecht, in dem die Goten mit dem Mut der Verzweiflung kämpften, fand auf dem sumpfigen Boden der Dobrudscha bei Abrit(t)us (Schlacht von Abrittus) oder Forum Trebonii statt.  Jordanes (6. Jahrhundert) berichtet in seiner Gotengeschichte, daß Decius’ Sohn Herennius schon zu Beginn der Schlacht von einem Pfeil getötet wurde, und der Kaiser daraufhin ausrief: "Lasst uns niemanden betrauern; der Tod eines Soldaten ist kein großer Verlust für den Staat." (Jordanes, Getica 18,101) (...) Die römische Armee wurde in dieser Schlacht aufgrund taktischer Fehler vernichtet und Decius erschlagen.

Mit blutigen Kriegen betreten die Goten die Bühne der Geschichte. Philippopolis (Wiki) ist heute die zweitgrößte Stadt Bulgariens (Plowdiw). Hier wurde 1967 die Paläoontologin Madelaine Böhme geboren, die dort inmitten eines großen antiken Erbes aufwuchs (wie sie in Interviews berichtet). Philippopolis liegt in der Thrakischen Ebene, 250 Kilometer südlich von Nikopolis an der Donau (Wiki). Sie gehört heute ebenfalls zu Bulgarien (G-Maps). Philippopolis war 341 v. Ztr. von Philipp, dem Vater Alexanders des Großen, erobert und nach ihm benannt worden. Sie war zwischendurch aber immer wieder auch die Residenzstadt der thrakischen Könige. 72 v. Ztr. wurde sie von den Römern erobert und bildete die Hauptstadt der Provinz Thrakien. 116 n. Ztr. wurde hier ein Theater erbaut, das immer noch sehr gut erhalten ist, und in dem alljährlich Aufführungen stattfinden (Wiki).

Abb. 7: Der Gotenkrieg 250/51 (Wiki)

Zur gleichen Zeit waren die Goten in Griechenland selbst eingefallen (5):

Ein weiteres Fragment berichtet von Männern, die aus allen Teilen Griechenlands zum strategisch wichtigen Thermopylen-Paß strömen, um einen weiteren "Barbaren"-Angriff abzuwehren. In der Ansprache an die Truppen zieht ein römischer Beamter explizit Parallelen zur legendären Schlacht bei den Thermopylen um 480 vor Christus zwischen Griechen und Persern.  

Der Originaltext des diesbezüglichen Fragments ist bislang folgendermaßen rekonstruiert und lautet in Übersetzung:

… Thrakien und Makedonien. Und sie plünderten das gesamte dortige Gebiet und griffen darüber hinaus mit ihrer gesamten Streitmacht Thessalonike im Sturm an und versuchten so, die Stadt einzunehmen. Als aber die Verteidiger auf der Mauer sich mutig zur Wehr setzten, die Abteilungen durch ihre Vielzahl abwehrend, und nichts gemäß ihren Erwartungen [d. h. der Skythen] voranging, da heben sie die Belagerung auf. Und der Meinung der meisten folgend, zogen sie mit dem Heer nach Athen und nach Achaia, wegen des Rufs der goldenen und silbernen Weihegaben und der Prozessionsgeräte in den griechischen Heiligtümern; denn sie hatten gehört, daß die Gegend dort sehr reich sei. Als der Anmarsch der Skythen den Griechen gemeldet wurde, kamen sie  bei den Thermopylen zusammen und machten sich daran, sie bei den dortigen Engstellen am Durchmarsch zu hindern. Manche brachten Speere mit sich, andere Äxte, wieder andere erzbeschlagene und an der Spitze eisenbewehrte Spieße, und das, was ein jeder an Bewaffnung zur Verfügung hatte. Und als sie versammelt waren, setzten sie die Quermauer instand und kümmerten sich mit großem Eifer um die Bewachung. Die Gegend schien auch sonst die größte Sicherheit zu bieten, weil der Weg, der in den Teil Griechenlands innerhalb der Thermopylen führt, durch die Schwierigkeit des Geländes eng und unwegsam ist: Das Meer bei Euböa erstreckt sich nämlich sehr weit und macht damit das Gebiet nahe den Bergen wegen des Sumpfes ... für einen Einfall äußerst ungeeignet, und daran schließt sich das Oitagebirge an und macht so durch die Enge der Felsen die Gegend für Fußheer und Reiterei äußerst schwer zu durchqueren. Zu gewählten Führern des gesamten Krieges wurden von den Griechen erklärt: Marianos, der vom Kaiser zum Statthalter des innerhalb der Thermopylen liegenden Griechenlands ausgewählt worden war, und neben ihm Philostratos aus Athen, ein Mann von besonderen Rede- und Geistesgaben, und Dexippos, der zum fünften Mal die Arché bei den Böotern innehatte. Es schien das Günstigste zu sein, sie [d. h. die Griechen] durch eine Rede zu ermutigen und ihnen die Tapferkeit ihrer Vorfahren ins Gedächtnis zu rufen, damit sie den ganzen Krieg couragierter angingen und nicht in der Bewachung nachließen, sei es daß der feindliche Angriff auf die Mauer durch die versammelte Streitmacht, sei es daß er längere Zeit hindurch erfolge. Und als sie sich versammelt hatten, sprach Marianos, dem aufgrund seines Ranges das Privileg zu reden eingeräumt wurde, folgendermaßen: "Griechen! Der Beweggrund, aus dem ihr euch versammelt habt - unsere Rettung -, und die Gegend, in der ihr euch aufgestellt habt, sind beide in hohem Maße dazu angetan, die Erinnerung an vollbrachte Leistungen zu erwecken. Denn auch eure Vorfahren haben, wenn sie an diesem Ort kämpften, nie den Kampf um die Freiheit Griechenlands verloren. In den Perserkriegen haben sie sich nämlich auf das Beste geschlagen und im sogenannten Lamischen Krieg und auch dann wieder, als sie Antiochos, den Herrscher Asiens, in die Flucht schlugen, schon auf Seiten der damals herrschenden Römer. Gewissermaßen wie vom Schicksal, nach Willen irgendeiner Gottheit, war und ist den Griechen in diesem Ort in den Kämpfen gegen die Barbaren Glück zugewiesen und enden euere eigenen militärischen Unternehmungen hier schon seit langer Zeit in Erfolg. Zuversicht könnt ihr nun schöpfen einerseits aus eurer eigenen Heeresmacht, andererseits aus der natürlichen Befestigung des Geländes, durch die ihr euch den Gegnern auch bei den früheren Angriffen als Furcht erweckend erwiesen habt. Aus diesen Gründen ist meiner Ansicht nach auch die Zukunft keineswegs hoffnungslos, da ich gut weiß, daß ... zum besseren ..."

Es ist doch erstaunlich, wenn eine vom Text her so umfangreiche Quelle nach Jahrtausenden wieder zum Vorschein kommt. Trotz dieser Verteidigungsbemühungen konnten die Goten bis nach Athen vordringen (Wiki).

269 - Kaiser Claudius Gothicus besiegt die Goten bei Naissus

An der Mündung des Dnjestr hatten die Goten eine Schwarzmeerflotte erbaut, mit Hilfe derer sie Thessaloniki belagert hatten (Wiki).

Abb. 8: Goteneinfälle im oströmischen Reich im 3. Jahrhundert (Wiki)

Eigentlich in allen weiteren Jahrzehnten hielten die Goten und andere germanische Völker das byzantinische Reich in Atem. Immer wieder unternahmen sie Einfälle in das Reich, sowohl zu Lande wie zur See. Das mutet nicht anders an als die Einfälle der Wikinger im Frankenreich und in Britannien im 9., 10. und 11. Jahrhundert. 269 wurden die Goten bei Naissus von Kaiser Claudius Gothicus geschlagen (Wiki). Erst nach solchen Siegen des Kaisers Claudius Gothicus (268-270) zerfiel die große Allianz der germanischen Völker unter Kniva wieder.

290 - Dakien wird "Gotenland"

Um 290 siedeln die westgotischen Terwingen (Wiki) in der Provinz Dakien, nördlich der Unteren Donau, in einem Gebiet, das ab dieser Zeit - bis zum Hunnensturm 375 - also grob hundert Jahre lang "Gothia" genannt wurde, "Gotenland". Viele Goten traten hier zum arianischen Christentum über, das sich in dieser Zeit unter den germanischen Völker auszubreiten begann, unter anderem auch durch die versklavte Bevölkerung, die die Goten von ihren Kriegszügen innerhalb des byzantinischen Reiches mitbrachten. 

Dreißig Jahre später schon, 325, erhob der schon genannte Kaiser Konstantin (280-337) (Wiki), der aus Naissus stammte, die christliche Religion zur priveligierten Religion im Römischen Reich. 332 war er es auch, der die Goten in einer Schlacht besiegte und mit ihnen einen Vertrag abschloß.

370 - "Arm und unkriegerisch" - Die ersten Christen bei den Goten

Noch einmal 40 Jahre und eine Generation später lebte der Gotenbischof Wulfila (311-383) (Wiki). Er hatte - sicherlich typisch für die damaligen Verhältnisse - einen gotischen Vater und auch nichtgotische Vorfahren, die aus Kapadokien in der zentralen Türkei stammten und die 257 von den Goten verschleppt worden waren. Dieser Umstand paßt auch sehr gut zu der Genetik, die in Viminatium gefunden wurde (2). Dort allerdings ging in jener Zeit der kaiserzeitlich-anatolische genetische Anteil zurück und verschwand in den folgenden Jahrhunderten (siehe unten). Seinen Zeitgenossen galt Wulfila als Gote. Er war als Missionsbischof an der Unteren Donau tätig, lebte wohl vor allem in Nikopolis an der Donau und sollte dort die Goten zum Christentum bekehren. Zu diesem Zweck übersetzte er die Bibel ins Gotische, es entstand die berühmte Wulfilabibel. Dazu formte er die germanische Runenschrift, das Futhark zu einer flüssigeren Schrift um.

Von den heidnischen Goten wurde Wulfila aber vertrieben. Sie wollten, daß ihre - in den Augen von Jacob Grimm: herrliche - Sprache in jenen heidnischen Zusammenhängen gesprochen wurde, in denen sie entstanden war, nicht in christlichen. Wulfila fand Aufnahme in der Provinz Mösien (in Nordbulgarien). Er und seine mit ihm vertriebenen "Kleingoten" wurden bei Nikopolis angesiedelt. Jordanes schreibt in seiner Gotengeschichte über sie (3):

„Es gab auch noch andere Goten, die sogenannten Kleingoten, ein unzähliges Volk. Ihr Priester und oberster Bischof war Wulfila, der ihnen auch die Buchstaben erfunden haben soll. Heutzutage bewohnen sie in Mösien die Gegend von Nikopolis am Fuß des Emimontus, ein zahlreiches, aber armes und unkriegerisches Volk, das an nichts reicher ist als an Herden aller Art, an Triften für das Vieh und Holz im Wald; das Land hat wenig Weizen, ist aber reich an anderen Fruchtarten. Von Weinpflanzungen aber wissen sie nicht einmal, daß es anderswo solche gibt, und sie kaufen sich den Wein aus der Nachbarschaft. Meist aber trinken sie Milch.“

Womöglich waren es also auch bei den Goten zunächst vor allem Unterschichten, die sich vom Christentum angesprochen fühlten. Aber auch diese bauen wenig Getreide an und leben vornehmlich von der Viehzucht. - Im übrigen versuchte Wulfila auf Bischofssynoden, dem bei den germanischen Völkern üblichen arianischen Christentum gegenüber dem bei den Römern vorherrschenden katholischen Christentum Freiräume zu erhalten. Er starb schließlich in Konstantinopel. Interessant ist auch folgende Aussage (3):

Philostorgios berichtet, Wulfila habe bewußt die alttestamentarischen Bücher der Könige nicht übersetzt, da die Goten ohnehin kriegerisch seien und in dieser Hinsicht keines weiteren Zuspruchs bedürften.

367 begann Kaiser Valens von Konstantinopel aus einen Krieg gegen die Goten in Dakien, weil diese einen Usurpator auf dem Kaiserthron mit Truppen unterstützt hatten. Im Stammesrat wählten die Goten Athanarich (gest. 381) (Wiki) zu ihrem König. Er wich den in Dakien eindringenden Römern aus, die das Land verwüsteten, bevor sie wieder abzogen.

Große Überschwemmungen brachten die Goten 368 in große Not, weshalb sie zu Verhandlungen mit den Römern bereit waren. Athanarich traf sich mit Kaiser Valens dazu auf einem Boot in der Mitte der Donau.

372 bis 376 kam es zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen bei den Goten, weil sich Athanarich gegen das Christentum stellte, ein Gegenkönig Fridigern sich aber für dasselbe erklärte und Unterstützung bei Kaiser Valens fand. 

Die Hunnen (Wiki) haben 374 die Wolga überschritten und zwischen Wolga und Kaukasus das dortige Reich der Alanen zerschlagen. 375 zerschlugen sie das Reich der Goten (Greutungen) unter König Ermanarich in der heutigen Ukraine. Ermanarich beging infolge dessen Selbstmord. Viele Greutungen flohen vor den Hunnen nach Westen.

Zwischen Dnjestr und Sereth lebten damals die Westgoten, deren Verbreitungsgebiet sich bis nach Dakien im Balkan erstreckte.

376 bis 382 - Ein erneuter Gotenkrieg

376 begann Athanarich mit Verteidigungsmaßnahmen gegen die Hunnen im Osten. Die Hunnen besiegten Athanarich in einer Schlacht zwischen Sereth und Pruth. Den Christen im Volk der Goten, sowie jenen, die sich aus diesem Anlaß taufen ließen, gelang es, bei Kaiser Valens den Übergang über die Donau zu erreichen, um sich in den Schutz des Römischen Reiches zu begeben. 200.000 Menschen wurden von der römischen Donauflotte über die Donau gesetzt. 

Athanarich hingegen floh mit seinen Getreuen in ein von den Geschichtsschreibern "Caucaland" (Wiki) genanntes Gebiet, das von den meisten Forschern mit Höhenlagen der Karpaten identifiziert wird. Zumindest die ältere Forschung hatte mehrheitlich angenommen, daß der Schatz von Pietroasa bei dieser Gelegenheit auf Befehl des Athanarich in die Erde gelangt ist (Wiki). Da Athanarich wenige Jahre später in Konstantinopel gestorben und begraben worden ist (siehe gleich), hatte der Schatz womöglich leicht in Vergessenheit geraten können.

376 stehen also die Hunnen am linken Ufer der Donau, überschreiten diese aber nicht und machen sich den Römern gegenüber kaum bemerkbar. Bei den Hunnen kam es immer wieder auch zu inneren Streitigkeiten. Am ehesten noch wurden Hunnen von den Römern dann als Hilfstruppen angestellt. Ihr Herrschaftszentrum befand sich in der ungarischen Tiefebene, in der Nähe der Donau, womöglich nahe des heutigen Budapest, des antiken Aquincum (Wiki).

378 werden die Römer dann in der Schlacht von Adrianopel (Wiki) im Nordwesten der Türkei von den Goten vernichtend geschlagen, nachdem es kurz zuvor noch Friedensverhandlungen hatte geben sollen, die aber von übereifrigen römischen Soldaten unterlaufen wurden, indem diese angriffen. Kaiser Valens fand den Tod. Es handelte sich bei dieser Schlacht nach Einschätzung der Geschichtsschreibung um den größten germanischen Sieg über Römer seit Kalkriese im Jahre 9 n. Ztr..

Athanarich wurde 380 aus Caucaland vertrieben und suchte ebenfalls Schutz hinter der Donau. 381 wurde er vom Kaiser ehrenvoll in Konstantinopel empfangen, wo er zehn Tage später überraschend starb und ein Staatsbegräbnis erhielt.

Kaiser Theodosius und Gratian trafen sich 382 in Viminatium. Dort war auch die römische Donauflotte stationiert. Im gleichen Jahr erhielten die Terwingen einen Föderatenvertrag, mit dem der "Gotenkrieg" (Wiki) beendet wurde, und wodurch die Westgoten zu Unterstützern des oströmischen Kaisertums wurden. 

Vielleicht ist während dieser Kriege der im Stil üppige, ja schwülstige Goldschatz von Pietroasa der Goten im heutigen Rumänien (Wiki) auf der nördlichen Donau-Seite versteckt worden und zurück geblieben. Vielleicht stammte er von König Athanarich. Es scheint aber noch ungeklärt zu sein, ob dieser Schatz nicht doch eher aus der Mite des 5. statt aus der Mitte des 4. Jahrhunderts stammt. Sollte letzteres der Fall sein, wären noch andere Zusammenhänge zu unterstellen, in denen dieser Schatz versteckt worden ist. Es wäre dann im Zeitalter von Atilla und Odoaker gewesen oder aus der Zeit der drei Brüder, die die dortigen Goten beherrschten (Valamir, Thiudimir und Vidimir, darunter der Vater Theoderichs).

Abb. 9: Als Adler geformte Fibel, Trinkschale (Wiki) - Weitere Teile des Goldschatzes von Pietroasa, vermutlich aus der Zeit um 350 oder 450 n. Ztr. - "Das Motiv des Adlers wurde von den Ostgoten aus der skytho-sarmatischen Kunst übernommen, es geht auf reiternomadische Vorstellungen vom Adler  als höchster Gottheit zurück." (Thü. Land.mus.) - So großer Fibel-Schmuck wurde von Männern und Frauen durchaus auch an der Schulter getragen, etwa auch von Justinian I. (Wiki) (siehe auch: a, b)

395 begannen die bisher immer sehr erfolgreich verteidigten Grenzen des römischen Reiches infolge des vielfachen Einfalls fast aller germanischer Völker und auch der Hunnen auf den Limes zu bröckeln. In dieser Zeit nutzten die Römer neben germanischen auch hunnische Hilfsvölker, um andere Germanenstämme oder um Hunnen abzuwehren.

425 bis 454 - Flavius Aëtius inmitten tobender Kämpfe

Einer der letzten bedeutenden Vertreter der römischen Balkan-Provinzen war in dieser Zeit der römische Heermeister Flavius Aëtius (390-454) (Wiki). Mütterlicherseits stammte er aus adliger italischer Familie. Auch schon sein Vater war weströmischer Heermeister gewesen. Als solcher war er von Soldaten in Gallien erschlagen worden. Wüste Zeiten, in denen Aëtius aufgewachsen ist - und kein gutes Omen!

Aëtius hat einen Teil seiner Jugend als Geisel bei den Westgoten verbracht. Dies geschah wohl in den Jahren zwischen 405 bis 408 als die Goten in Thrakien lebten und bis nach Norditalien eindrangen, wo sie hinwiederum geschlagen wurden. Später hat er Jahre als Geisel bei den Hunnen verbracht, wahrscheinlich die Jahre 411 bis 414. Er konnte also schon in früher Jugend viele Erfahrungen sammeln.

Flavius Aëtius ist in dieser Zeit insbesondere ein Freund des Hunnenkönigs Ruga (gest. 434) (Wiki) geworden, des Onkels und Vorgängers von König Attila. Ruga hatte sich durch Kriegszüge in Thrakien Tributleistungen des Kaiserhofes in Konstantinopel erzwungen. 

War in dieser Zeit aufgrund irgendwelcher Umstände der Goldschatz von Pietroasa vergraben worden? Pietroasa liegt 250 Kilometer nordöstlich von Belgrad auf halbem Wege von Belgrad an der Donau nach Siebenbürgen. Es liegt grob auch auf dem Weg von Wien nach dem damaligen Konstantinopel (heute Istanbul) (1.600 Kilometer), und zwar nach einem Drittel des Weges (G-Maps). Bei seiner Entdeckung im Jahr 1837 bestand er aus etwa 22 Gegenständen. Nur 12 Gegenstände - in einem Gesamtgewicht von 19 Kilogramm - konnten von den damaligen Behörden noch sichergestellt werden konnten, der Rest war schon an Hehler verkauft worden. In dem Schatz befanden sich insgesamt vier Gold-Fibeln, darunter drei Adler-Fibeln (s. Abb. 8) (Wiki):

Aus der Beschreibung, die die Endecker von den gefundenen Objekten gaben, ergab sich, daß ein weiteres Paar verloren gegangen war. (...) Als Befestigung der bestickten Gewänder von Königen oder Stammesfürsten wurden sie als Beiwerk zu großen Feierlichkeiten getragen, wo sie durch ihre majestätische Erscheinung den Luxus erhöhten. (...) Bei den zehn verlorenen Gegenständen soll es sich um vier Halsketten gehandelt haben, von denen zwei aus Edelsteinen bestanden, eine mit einer Inschrift, eine kleine Brosche, die paarweise zu der erhaltenen paßte, ein Kelch ähnlich einem Weinkelch, ein einfacher schmuckloser Topf und zwei Armreifen mit Edelsteinen.

Zu gleicher Zeit war der Bruder des Hunnenkönigs Rua, Oktar, gegen die damals mächtigen Burgunder bei Worms in den Krieg gezogen.

Aëtius heiratete dann die Tochter eines anderen weströmischen Heermeisters. Um zu einem Bündnis mit den Hunnen zu gelangen, hat Aëtius ihnen die Provinz Pannonien abgetreten. 425 zog er dann in innerrömischen Streitigkeiten mit einem starken hunnischen Heer nach Italien. In Gallien kämpfte Aëtius gegen die Westgoten und die Franken.

430 - Macht und Untergang der Burgunder

430 besiegten dann die Burgunder, deren Reichszentrum in Worms lag, die Hunnen. Die Hunnen waren durch den Tod von Oktar führerlos geworden. 

Die Freundschaft des Aëtius zu Ruga verschaffte Aëtius Ansehen bei einem Teil der hunnischen Völkerschaften über den Tod des Ruga hinaus. Und dieses Ansehen wurde dann zu einem stabilen Faktor in seinem Leben in den Wirren der Völkerwanderung.

Mit Hilfe hunnischer Hilfstruppen konnte Aëtius 436 das Burgunderreich in Worms vernichten. Diese Vorgänge bildeten den Ausgangspunkt der Nibelungensage, die aber in der Sage mit "eindrucksvollen" Personen verbunden worden sind, die dann erst eine Generation später lebten. So arbeitet die Erinnerung in Bezug auf Erlebnisse im persönlichen Leben übrigens ebenfalls. Nämlich daß Erlebnisse, die erst durch nachfolgendes Geschehen als besonders "eindrucksvoll" bewertet werden, vermengt werden mit jenen nachfolgenden Ereignissen (weil sie so "eindrucksvoll" sind), obwohl sie eigentlich schon zuvor geschehen waren. (Dies hat der Verfasser dieser Zeilen selbst erlebt beim Lesen von Tagebuch-Einträgen aus seiner Jugendzeit über Erlebnisse, die auf mehrere Jahre verteilt waren, obwohl sie in der Erinnerung auf ein Ereignis zusammen gezogen worden waren.) 

Zur Zeit des Untergangs des Burgunderreiches bei Worms spielte König Atilla - historisch gesehen - noch gar keine Rolle. In der Sage scheint also Ruga mit Atilla verwechselt worden zu sein. Und das Ende der Burgunder wird an den Hof des Königs Atilla verlegt, obwohl es in ihrem eigenen Land stattfand. Von einem "freundschaftlichen" Zug der Burgunder an den Hof des Hunnenkönigs die Donau hinab wissen die römischen Geschichtsschreiber nichts. Er ist aber schließlich dennoch denkbar für irgendeinen Zeitpunkt. Allerdings lebte auch der Gotenkönig Theoderich, der "Dietrich von Bern" der Sage, eine Generation nach dem Untergang der Burgunder, möglicherweise sicherlich auch zeitweise am Hof des Hunnenkönigs. Vielleicht wird auch diese Gestalt mit einem Goten verwechselt, der eine Generation vor Theoderich lebte. Es wäre vielleicht einmal sehr spannend, die heutigen Ergebnisse der Forschungen darüber wie menschliche Erinnerung arbeitet, an einer Erklärung der Entstehung dieser Sagen zu erproben. (Oder vielleicht ist das schon irgendwo geschehen?)

Aëtius war dann jedenfalls auch verantwortlich für die Ansiedlung der übriggebliebenen Burgunder im Rhonetal, wo sie ab 443 als Puffer gegen die Alemannen und Westgoten dienen sollten. Davon weiß dann die Sage hinwiederum gar nichts mehr.

... Und noch mal zurück zur Archäogenetik

Die Angehörigen all dieser germanischen Stammesverbände, die sich vor, aber insbesondere während und nach den Gotenkriegen, in dem Land rechts der Donau angesiedelt haben, werden in der neuen archäogenetischen Studie folgendermaßen charakterisiert (2):

Wir stellen beginnend ab dem 4. Jahrhundert eine neue genetische Herkunftskomponente fest in Mediana, auf dem Slog-Gräberfeld von Timacum Minus, sowie in Viminacium ... Eine Gruppierung von 10 Individuen von diesen drei Gräberfeldern sind in der Hauptkomponenten-Analyse von der eisenzeitlichen Balkan-Genetik (Kelten) verschoben in Richtung antiker mittel-nord-europäischer Genetik und in Richtung der Genetik heutiger dortiger Populationen. ... Diese Gruppe leitet sich aus zwei Haupt-Ursprüngen ab: Etwa 38 % einheimische eisenzeitliche Balkan-Genetik (...) und 50 % mittel-nord-europäische Genetik (ähnlich einem zeitgleichen langobardischen Gräberfeld in Ungarn). ... Ein beträchtlicher Herkunftsanteil (etwa 14 %) leitet sich von zeitgleichen nomadischen Steppengruppen her (Späte Sarmaten der östlichen pontisch-kaspischen Steppe) ab ... Zwei Individuen von dem Pecine-Gräberfeld bei Viminacium trugen 43 % eisenzeitliche Balkangeetik und 57 % Späte Sarmatische Genetik in sich. .... 5 von 7 Männern besaßen mittelnordeuropäische und Steppen-Y-Chromosmen, die es auf dem Balkan zuvor nicht gegeben hatte ....
We also observe new ancestry during this period at Mediana, Slog necropolis at Timacum Minus and Viminacium (mostly at Pecine and Vise Grobalja necropoli), as early as the 4th century CE. A cluster of 10 individuals from these necropoli is shifted in PCA from the Balkans Iron Age-related cluster toward Central/Northern European ancient and present-day populations (Figure 1B). This group which we refer to as Central/Northern European cluster, could be modeled as deriving from two main sources: ∼38% related to the local Balkans Iron Age substratum (we use the Balkans Iron Age-related cluster as a proxy for this type of ancestry) and 50% Central/Northern European ancestry (we use as a proxy individuals from a roughly contemporaneous Langobard-associated cemetery in Hungary 25). To obtain a fitting model, a significant proportion of ancestry (∼14%) related to contemporaneous nomadic steppe groups (proxied in our analysis by Late Sarmatians from the Eastern Pontic-Caspian steppe 26) is also needed (Figure 2; Supplementary section 12.6). This is even more evident in two individuals from the Pecine necropolis in Viminacium (referred to as Steppe cluster), who could be modelled as deriving ∼43% of ancestry from the Balkans Iron Age-related cluster and 57% ancestry from Late Sarmatian-related Steppe groups (Figure 2; Supplementary section 12.7). Y-chromosome lineages also provide evidence for gene-flow, as 5 of 7 males in the Central/Northern European and Steppe cluster belonged to two lineages not found in the Balkans earlier: haplogroup I1 with a strong Northern European distribution and haplogroup R1a-Z645, common in the Steppe during the Iron Age and early 1st millennium CE.

Nun ist die Anwesenheit von Germanen südlich der Donau ab dem 4. Jahrhundert, insbesondere ab 376 also auch von Seiten der Archäogenetik festgestellt, und zwar gleich auch mit einem vergleichsweise einheitlichen genetischen Bild, das sich über mehr als 200 Kilometer von der Donau aus nach Süden bis Naissus zieht. Nur die 57 % sarmatische Genetik fällt da etwas heraus. Aus ihr kann abgelesen werden, daß hier Sarmaten gesiedelt haben, die erst vergleichsweise spät sich mit lokaler Bevölkerung vermischt hat, aufgrund welcher Umstände auch immer. 

Immerhin konnten die Sarmaten, die von Schnurkeramiker-Populationen aus der Gegend südlich des Ural abstammten, wo sie lange vergleichsweise "zurückgezogen" gelebt hatten, die sich dann aber mit und nach dem Untergang der Skythen weit verbreiteten, zwischen nördlichem China und Britannien, immerhin mußten diese, wenn sie ihre kulturelle und sprachliche Identität als vergleichsweise kleine kriegerische Gruppen über so weite, kulturell unterschiedliche Räume hinweg erhalten haben wollten bis ins 4. Jahrhundert, über lange Zeiträume hinweg auch endogam gelebt haben.

Wie wir gesehen haben, sind die Goten schon um 0 v/n. Ztr. auf die sarmatischen Stammesverbände nördlich des Schwarzen Meeres gestoßen. Sie haben sie verdrängt, mit ihnen Bündnisse geschlossen und es hat - wie hier die Genetik ebenfalls zeigt - offenbar schon recht bald Heiraten mit den Sarmaten gegeben. Im weiteren Verlauf haben sich Goten und Sarmaten zu beiden Seiten der Donau mit der dort einheimischen ländlichen Bevölkerung vermischt, nicht aber mit der städtischen, die genetisch anatolischer Herkunft war, und deren Genetik sich in dieser Zeit allmählich im Balkanraum "verliert" (2). Vermutlich, so die Studie (2), weil die Menschen in den ländlichen Regionen viel mehr Kinder hatten als die verbliebenen Menschen in den - verarmten - Römerstädten (die ja dann auch allmählich zumindest zum Teil zu Ruinen-Landschaften herabsanken).

Noch zur Zeit der Gotenkriege in Italien treten die Goten als "Wächter" der befestigten Römerstädte auf, sie lebten also mit ihren Familien in den Städten selbst. Unter den römischen Mitbürgern gibt es welche, die eher zu den Goten halten und solche, die eher dem Kaiser in Konstantinopel die Treue halten. Solche Verhältnisse wird man auch für die Provinz Mösien unterstellen können, auch schon ein Jahrhundert zuvor, wo man die Gene der Goten auf den Gräberfeldern der Städte findet.

441 - Der Hunnenkönig Attila

441 wurde Viminacium vom Hunnenkönig Attila (gest. 453) (Wiki) zerstört. Nachdem Attila die oströmischen Provinzen ausgeplündert hatte und die Hunnen den Bosporus nicht hatten überschreiten können, wandten sie sich gegen Westen. 

451 zog Attila nach Gallien.

Dort kam es im gleichen Jahr zur berühmten Schlacht auf den Katalaunischen Feldern. 

453 starb Attila. Das Hunnenreich brach auseinander.

454 wurde Aëtius eigenhändig von Kaiser Valentinian in Rom - während einer Audienz - erschlagen. Aëtius, so wird berichtet, rechnete dem Kaiser die Steuereinnahmen und die Finanzlage vor. Solche Ereignisse könnten es natürlich auch gewesen sein, die in die deutschen Sagen eingeflossen sind. Schließlich wurden diese von den Germanenstämmen oft sehr nah miterlebt.

Ein Jahr später wurde dann auch Valentinian seinerseits durch Anhänger des Aëtius erschlagen.

Abb. 10: Theoderich im Feldherrnmantel mit langem, gotisch getragenen Haar, Oberlippenbart, seine rechte Hand zur Ansprache erhoben. In der linken Hand ist die Siegesgöttin (Victoria) auf einem Globus zu sehen. Die Aufschrift lautet: Rex Theodericus Pius Princ(eps) i(nvictu)s (Medaillon, gefunden in Morro d’Alba (Wiki), an der Ostküste Italiens, nahe Ancona

454 - Die Brüder Valamir, Thiudimir und Vidimir in Pannonien

Wie stand es nun zu dieser Zeit um die Goten? Die Althistorikerin Verena Epp gibt in ihrem im Februar 2020 in München gehaltenen Vortrag einen sehr gedrängten, aber aufregenden Überblick über die Geschichte der Goten zu dieser Zeit. Was für ein vielfältiges Geschehen (16; 8'39 bis 23'55):

Bedroht vom Hunnenzug nach Westen hatten die Goten Ende des 4. Jahrhunderts nur die Wahl, sich dem Imperium Romanum oder dem Reitervolk zu unterwerfen. Aus der Gruppe, die sich für das Imperium entschied, entstanden die Goten Alarichs und aus diesen die Westgoten. Aus den Goten unter hunnischer Oberhoheit entstanden die Goten Valamirs und seiner beiden Brüder, Thiudimir und Vidimir, aus deren jahrzehntelangen Rivalitäten um die Führung der gesamten gens schließlich die Gruppe um Theoderich, des Sohnes von Thiudimir, letztlich zufällig als Sieger hervorging.

So faßt Verena Epp die Vorgänge einleitend zusammen. Sie berichtet weiter (16):

Nach dem Fehlschlag ihres Gallien-Feldzuges und dem plötzlichen Tod König Attilas 453 ließ die Macht der Hunnen auf dem Balkan nach, so daß verschiedene gentile Gruppen es 454 wagten, um ihre Unabhängigkeit zu kämpfen. Am Fluß Nedao in Pannonien kam es zur Schlacht, in der ostgotische Gruppen auf Seiten der Unterlegenen kämpften. Sie mußten Zuflucht im  Imperium Romanum suchen, und das heißt bei Ostrom, denn Ravenna hatte sich seit der Mitte des 5. Jh. aus diesem Gebiet zurückgezogen. Kaiser Markian gestattete König Valamir die Ansiedlung seiner Gruppe in Pannonien als römische Föderaten. Sie erhielten die pannonischen Provinzen zwischen Sirmium und Vindobona und waren für die Bewachung der Grenze zwischen ost- und  weströmischem Machtbereich zuständig - eine heikle Aufgabe, bei der man leicht zwischen die Fronten geraten konnte.
Die Goten siedelten entsprechend ihrer gentilen Dreigliederung in drei Bereichen: im Westen siedelte Thiudimir, in der Mitte der jüngste Bruder Vidimir, im Osten Valamir als der tatkräftigste, der den am meisten bedrohten Grenzabschnitt überwachte. Insgesamt dürften die drei über etwa 18.000 Krieger verfügt haben. (...)
Während der westliche Reichsfeldherr Rikimer die gens aus Noricum zu verdrängen suchte, verfolgte Konstantinopel die Strategie, sich mit den außerhalb des Imperiums siedelnden Föderaten gegen die Goten zu verbünden. Eine unübersichtliche und stets prekäre politische Gemengelage war die Folge, in  der ethnisch heterogene Gefolgschaftsgruppen einzelner gentiler Fürsten vom Ostkaiser phasenweise gegen Zahlungen in Dienst genommen und anschließend wieder bekriegt wurden. 
Als Reaktion auf diesen Wankelmut unterstrichen die gotischen Föderaten ihre Forderungen nach Subsidien 460 mit Raubzügen nach Ostillyrien. Unter  diesem Druck schloß Kaiser Leo I. umgehend mit dem Amalerkönig Valamir ein Bündnis, welches mit der Vergeiselung seines Neffen Theoderich, des späteren Großen, bekräftigt wurde, der in  der Folge zehn prägende Jahre in der politischen und kulturellen Weltmetropole Konstantinopel verbrachte. Im Gegenzug halfen die gotischen Föderaten  dem Ostreich sogar im Jahr 469, den Sohn Attilas, Dengizich, zu besiegen und zu töten. (...)
Kaiser Leo I. schickte 471 die inzwischen 18jährige Vertragsgeisel Theoderich an die gens zurück. Dieser übernahm das Gebiet seines inzwischen gefallenen Onkels Valamir, während sein Vater Thiudimir König aller pannonischen Goten wurde. Der Sohn jedoch profilierte sich in der Folge, ohne den Vater einzuweihen, durch eigene Kriegszüge gegen die Sarmaten, er eroberte Singidunum, das heutige Belgrad, ohne es an Konstantinopel zurückzugeben (...). Damit  brachte sich Theoderich als potentieller  Kandidat für das Königtum der gesamten gens ins Spiel. Von diesem Zeitpunkt an datierte er später auch den  Beginn seiner eigenständigen Königsherrschaft, so bei der Feier der Tricennalien im Jahr 500.

Außerordentlich verrückt und kennzeichnend das weitere Geschehen (16):

Jordanes berichtet, daß die Goten Theoderichs (...) aus Mangel an Beutemöglichkeiten in ihrem Umfeld und aus Friedensmüdigkeit („hominibus, quibus dudum bella alimonia prestitissent, pax coepit esse contraria“) Thiudimir „cum magno clamore“ aufgesucht und gefordert hätten, er möge sie wohin auch immer in den Krieg führen

So nahmen dann Thiudimir und sein Sohn Naissus und Stobi ein und marschierten ins Illyricum, wo sie Heraclea und Larissa plünderten. 474 starb Theoderichs Vater. Als gotischer Heerführer wurde von Seiten des Kaisers in Konstantinopel Strabon gefördert, der in Konkurrenz zu Theoderich trat. Als sie aber nicht - wie erwünscht - Krieg miteinander führten, rief der Kaiser die Bulgaren gegen die Goten ins Land. Strabon (16) ...

... schlug sie zurück und marschierte Richtung Konstantinopel. Strabon war kurz vor dem Ziel, alleiniger  Gotenkönig zu werden - wenn nicht, ja wenn nicht 481 ein Reitunfall sein Leben jäh beendet hätte. Er wurde von einem noch nicht zugerittenen Pferd aus dem Sattel geschleudert und stürzte im Fallen so unglücklich auf eine Lanzenspitze, daß er kurz darauf seinen Verletzungen erlag.
Theoderich und die zunächst in Pannonien und dann in Mösien siedelnden Goten waren die Gewinner dieses Unglücks. Der überlebende Theoderich band die Gefolgsleute seines toten Gegners an sich und ermordete höchst selbst den Sohn seines Rivalen, Rekitach, und zwar mit Wissen des Kaisers. Er durchbohrte ihn, als dieser nichtsahnend vom  Bad in der Vorstadt Bonophatianae zu  einem Fest ging, eigenhändig mit dem Schwert. Anschließend startete er eine Eroberungsaktion in Griechenland, deren Verwüstungen (Kaiser) Zenon dazu zwangen, ihm endlich die gewünschten Vertragsbedingungen zu gewähren. Er wurde wieder magister militum und patricius, zum Konsul für das Jahr 484 designiert sowie mit Uferdakien und Teilen Mösiens ausgestattet.
Das wechselseitige Misstrauen zwischen gotischem Heerführer und Kaiser war damit keineswegs ausgeräumt. In  den Jahren 486 und 487 kam es zum offenen Schlagabtausch: Zenon stachelte erneut die Bulgaren gegen die Goten auf, Theoderich marschierte auf Konstantinopel, besetzte wichtige Vororte und unterbrach die Wasserversorgung der Stadt, deren Topographie er aus der Zeit seiner Geiselhaft bestens kannte. Zenon mußte ihm daraufhin die immer noch in Geiselhaft gehaltene Schwester Amalafrida zurückgeben und er zog nach Thrakien ab.
Doch ihm war klar, daß er im Ostreich keine sichere Perspektive für sich  und seine Leute hatte, da der Kaiser  keine militärische Dominanz der Goten im Ostreich dulden würde. Als der Konflikt zwischen Zenon und dem italischen Königreich unter dem Skiren Odoaker einsetzte, ergriff Theoderich daher die Chance, sich vertraglich als Stellvertreter des Kaisers nach Italien entsenden zu lassen, um dort „praeregnare“, die Herrschaft auszuüben, bis der Kaiser selbst in diese Region kommen würde.

Es ist sicherlich wichtig, diese ganze frühe Geschichte des Lebens von Theoderich und der von ihm geführten Goten zu kennen, wenn man ihre weitere Geschichte in Italien dann angemessen einordnen will.

454 bis 468 - Der Heermeister Marcellinus in Dalmatien

Soweit die Geschehnisse in Pannonien. Was aber geschah zeitgleich in Dalmatien? Der hier befehlende Marcellinus (gest. 468) (Wiki) war ein guter Freund des Aëtius gewesen. Marcellinus stammte aus einer Honoratiorenfamilie in Dalmatien und sagte sich nach der Ermordung des Aëtius vom weströmischen Reich los. Er errichtete in Dalmatien einen eigenen Herrschaftsbereich. Marcellinus war kein Christ. Er war vielmehr ein eifriger Anhänger der alten heidnischen Kulte. Er pflegte die Freundschaft zu heidnischen Philosophen. Außerdem soll er sich als Wahrsager betätigt haben. Das alles noch einhundert Jahre nach der Regierungszeit des Kaisers Julian des Abtrünnigen, der ja ähnliche Einstellungen an den Tag gelegt hatte.

Militärisch entwickelte sich Marcellinus zu einem kompetenten Truppeführer, der seine Soldaten stets gut ausrüstete. Marcellinus stellte sich später wieder in den Dienst des weströmischen Kaisers und kämpfte gegen die Wandalen in Sizilien und Sardinien. An der Eroberung von Karthago jedoch scheiterte er. 468 wurde auch er von einem seiner Offiziere auf Sizilien ermordet. 

Kaum eine führende Gestalt dieser Zeit scheint nicht durch Mord ihr Leben beendet zu haben. Julius Nepos (430 bis 480) (Wiki), ein Neffe des Marcellinus, wurde dessen Nachfolger in Dalmatien. Der Kaiser in Konstantinopel gab ihm eine seiner Nichten zur Frau und sandte ihn mit einem Heer nach Italien. 474 nahm Julius Nepos in Rom den Kaisertitel an. Er wurde aber 475 von einem konkurrierenden Heermeister wieder aus Italien vertrieben. Er floh zurück nach Dalmatien.

476 bis 493 - Odoaker in Italien

476 riß Odoaker (433 bis 493) (Wiki) in Italien die Herrschaft an sich. Er wurde König von Italien. Odoaker stammte mütterlicherseits aus dem germanischen Volksstamm der Skiren (Wiki). Diese lebten schon 200 v. Ztr. am Schwarzen Meer und gelangten im Verband des Heeres der Hunnen nach Westen. Sein Vater hinwiederum scheint thüringischer Herkunft gewesen zu sein. Er hatte im Dienst des Hunnenkönigs Attila gestanden. An dessen Hof war Odoaker auch aufgewachsen. (Womöglich hat die Nibelungensage diesen Vater des Odoaker mit dem erst später lebenden Theoderich verwechselt.)

Odoaker diente im weströmischen Heer und stellte sich 476 an die Spitze von Meuterern, die ihn zum König wählten. Er übernahm die Herrschaft in Italien, sandte aber den kaiserlichen Ornat nach Konstantinopel und unterstellte sich damit formell dem oströmischen Kaiser. Das weströmische Kaisertum endete damit zwar. Die römische Verwaltung blieb allerdings erhalten.

Odoaker vergab Land an Heruler, Skiren und Thüringer. Allerdings verfolgte Odoaker andere Germanen auch mit "Haß" wie es im Hildebrandslied heißt. So den Hildebrand, angenommenerweise den Heermeister des Königs Theoderich, der nach Osten floh und 60 Jahre außer Landes weilte (Wiki).

488 bis 526 - Theoderich

488 zog Theoderich dann mit seinem Volk, Goten und verbündeten Rugiern aus Noricum - etwa 100.000 Menschen, darunter 20.000 Kriegern - nach Italien. Pannonien blieb unter seiner Herrschaft. Von 490 bis 493 belagerte Theoderich Ravenna. Dorthin hatte sich Odoaker geflüchtet. Nach dem Friedensschluß ermordete Theoderich Odoaker und übernahm die Alleinherrschaft in Italien.

Zwischen 500 und 550 lebte der Geschichtsschreiber Jordanes (Wiki), der selbst gotischer Abstammung war und als Sekretär des römischen Heermeisters von Thrakien tätig gewesen war. Er schrieb in Konstantinopel die einzige vollständig überlieferte Geschichte der Goten, allerdings auf der Grundlage einer nicht überlieferten Goten-Geschichte, die 520 im Auftrag von Theoderich dem Großen in Italien verfaßt worden war von Seiten des römischen Senators Cassiodor. 

Keineswegs sind aber alle Goten aus Dalmatien mit Theoderich nach Italien abgezogen, Dalmatien blieb ja Teil des Gotenreiches. Nach dem Tod von Theoderich wurde Dalmatien von dem Goten Grippa verteidigt. Er und sein Heer wurden aus Dalmatien von dem byzantinischen Feldherrn Konstantian vertrieben. Grippa zog sich in die Gegend von Ravenna zurück. Prokop berichtet (1):

So fiel ganz Dalmatien und Liburnien in Konstantians Hände, der auch alle Goten, die dort wohnten, auf seine Seite zog. 

Zu dem byzantinischen Feldherrn Belisar, der zur gleichen Zeit über Neapel auf Rom zog, gingen ebenfalls Goten über wie Prokop berichtet (1):

Von den Goten selbst ging zu Belisar über Ebrimuth mit seinen Kindern, Theodats Schwiegersohn, der dessen Tochter Theodenantha zur Frau hatte. Er wurde sogleich zum Kaiser geschickt und erhielt außer anderen Ehrengeschenken die Würde des Patricius.

Die Genetik dieser Goten dürfte sich bis heute sowohl in Dalmatien wie in Italien gehalten haben. Aktualisierung 13.12.23: Nein, das ist nicht der Fall, zumindest trifft dies nicht für Dalmatien zu wie es in der endgültigen Veröffentlichung der hier behandelten Studie inzwischen sehr ausdrücklich heißt (20).*)

Kaiser Maurice 

582 wurde Viminacium durch die Awaren zerstört. 599 konnten die Awaren in einer Schlacht besiegt werden. Die Awaren sind aber wieder eine andere Geschichte.

Abb. 11: Spangenhelm aus dem Fürstengrab bei Planig bei Bad Kreuznach, 520 n. Ztr. - Teil der byzantinischen Offiziersausstattung - Hier auf dem Umschlagbild von "Deutsche Heldensagen", hrsg. von E. Mudrak (Verlag Ensslin & Laiblin, Reutlingen) - Seit 1955 in mehr als 30 Auflagen erschienen

Sie waren im Kern vermutlich ein Turkvolk aus dem Inneren Asiens.

2021 - Die Archäogenetik erforscht die Goten

Es sei noch zitiert, wie die Ergebnisse der genannten archäogenetischen Studie in der Zusammenfassung benannt werden (2):

  • Unsere Analysen decken große Bevölkerungsbewegungen aus Anatolien heraus auf während der Römischen Kaiserzeit, ähnlich dem Geschehen, das zu gleicher Zeit in Rom zu beobachten ist; sogar einzelne Fälle von Menschen aus dem östlichen Afrika.
  • Zwischen ungefähr 250 und 500 n. Ztr. stellen wir einen Gen-Zufluß aus dem Mittleren und Nördlichen Europa fest, der auch Einmischungen eisenzeitlicher Steppen-Gruppen in sich birgt.
  • Originaltext:
    • Our analyses reveal large scale-movements from Anatolia during Imperial rule, similar to the pattern observed in Rome, and cases of individual mobility from as far as East Africa.
    • Between ca 250-500 CE, we detect gene-flow from Central/Northern Europe harboring admixtures of Iron Age steppe groups.

Die Ausbreitung der kaiserzeitlichen, anatolischen Genetik in den Balkanraum war, wie wir gleich hören werden, historisch gesehen nur "vorübergehender" Art. Die Studie stellt für die Völkerwanderungszeit fest (2):

Das genetische Erbe der eisenzeitlichen Völker des Balkans lebte in vermischter Form in späteren Gruppen, einschließlich der heutigen fort, während das nahöstliche (anatolische) genetische Erbe vermutlich abebbte zugunsten der nördlichen und osteuropäischen Herkunft. Eine Erscheinung, die ähnlich auch in der Stadt Rom selbst beobachtet werden konnte. Dieses Ergebnis unterstützt die Hypothese, daß jene Individuen, die genetisch Teil der kosmopolitischen Bevölkerung des Römischen Reiches waren, vornehmlich in den kaiserzeitlichen Städten und Großstädten lebten und daß sie über die Zeit hinweg demographisch von den Populationen auf dem Lande ersetzt worden sind durch höhere Geburtenzahlen oder durch Völker ohne so großen nahöstlichen genetischen Einfluß.
Original: The legacy of Balkans Iron Age groups persists in admixed form in later groups including present-day Balkan populations (see below), whereas the Near Eastern-related ancestral legacy eventually ebbed in favor of Northern/Eastern European-related ancestry, similar to the patterns observed in the city of Rome itself . These findings support the hypothesis that such individuals were part of a cosmopolitan group comprising a large proportion of individuals in Imperial towns and cities who over time were demographically overwhelmed by populations in the countryside or by faster reproductive rates of rural or populations without as much Near Eastern influence.

/ Ergänzung 18.1.2026 / Ähnliche Feststellungen wurden im August 2025 auch durch ein Forschungsteam um Johannes Krause in Leipzig auf einer Tagung in Turin zur Archäogenetik des spätantiken Pannonien präsentiert. 

Das Stadtbürgertum des römischen Reiches wandert aus dem Balkan ab

In der Zusammenfassung lesen wir dazu (21):

Vom 1. bis zum 4. Jahrhundert spielten die pannonischen Provinzen eine Schlüsselrolle für das Funktionieren und die Versorgung des Römischen Reiches. Berichten zufolge lebten in den städtischen Siedlungen Tausende von Menschen. Im 5. Jahrhundert gab die römische Verwaltung dieses Gebiet nach und nach auf, möglicherweise aufgrund der zunehmenden Instabilität der Region. Archäologische und historische Quellen belegen eine fortgesetzte Nutzung der Infrastrukturen bis ins 5. Jahrhundert hinein und darüber hinaus, und archäologische Untersuchungen deuten auf eine zumindest teilweise Kontinuität der Bevölkerung hin. Dennoch fehlt es bisher an einer systematischen Untersuchung der genetischen Auswirkungen auf die städtische Bevölkerung um die Wende zum 5. Jahrhundert.
From the 1st to the 4th century, Pannonian provinces played a key role in the functioning and supply of the empire, with urban complexes reportedly counting thousands of individuals. During the 5th century, the Roman Empire administration progressively abandoned this area, possibly as a consequence of the growing instability of the region. Archaeological and historical sources report a continued usage of the infrastructures through and after the 5th century, and archaeological investigations suggest at least partial population continuity. Nonetheless, there is yet no systematic investigation of the genetic impact on urban populations at the turn of the 5th century.

Und weiter (21):

Hier präsentieren wir ca. 300 neue autosomale Genome aus ehemaligen römischen Städten der Region, datiert zwischen dem 3. und 7. Jahrhundert. Ergänzt wurden diese durch eine systematische Isotopenanalyse zur Untersuchung von Ernährung und Mobilität. In Übereinstimmung mit der bisherigen Forschung zeichnet sich die Bevölkerung der römischen Zeit durch eine große genetische Vielfalt aus. Die Analyse von Gräberfeldern aus dem 5. Jahrhundert zeigt jedoch ein Verschwinden von Abstammungslinien aus dem östlichen Mittelmeerraum und Afrika. Dadurch reduziert sich die genetische Komplexität auf ein Niveau, das mit dem von Bevölkerungsgruppen vergleichbar ist, die mit „barbarischen“ Einflüssen in der Region assoziiert werden. Gräberfelder aus dem 6. und 7. Jahrhundert weisen zudem homogenere Abstammungsmuster auf: Die Analyse der biologischen Verwandtschaft und der Isotopenverhältnisse deutet hier auf eine rezente Ansiedlung (quasi-)lokaler Gruppen in ehemaligen Stadtkomplexen hin. Dies läßt auf erhebliche demografische Veränderungen zum Zeitpunkt des Untergangs des Römischen Reiches in dieser Region und insbesondere in den ehemaligen römischen Städten schließen.
Here, we present ~300 new autosomal genomes from former Roman cities in the region, dated between the 3rd and 7th century, complemented with a systematic strategy of isotope analysis to investigate diet and mobility. In concordance with previous literature, a wide genetic diversity in the area characterizes the population of the Roman period. Yet, the analysis of 5th century cemeteries reveals a disappearance of ancestries associated with the Eastern Mediterranean and African areas, shrinking the ancestral complexity to one that is comparable to that of “barbaric”-associated contexts in the area. Moreover, cemeteries dated to the 6th and 7th century present further homogeneous ancestry patterns: here, the analysis of biological relatedness and isotopes point to a recent settling in former urban complexes from (quasi-)local groups. This suggests sizable demographic changes at the fall of the Roman empire in this region and particularly in the contexts of former Roman cities.

/ Ende Ergänzung. / Aus dem zehnten Jahrhundert sind im übrigen zwei Individuen sequenziert worden, die eineiige Zwillinge waren, und die genetisch aus dem südwestlichen Europa (also wohl doch: Spanien) (!) stammten (2).

Sicherlich ein auffallender Befund, der noch auf eine plausible historischen Erklärung und Einordnung wartet. Das 10. Jahrhundert ist die Zeit des Beginns der Wiedereroberung Spaniens von Norden aus durch die christlich-abendländische Ritterschaft (Wiki).

... Und die Urheimat der Slawen? - Im Nordosten Europas?

Weiter heißt es in der archäogenetischen Studie, die Ausgangspunkt für den vorliegenden Blogartikel war (2):

Individuen des 10. Jahrhunderts n. Ztr. tragen nordosteuropäische Genetik in sich, die vielleicht in Beziehung stehen zu slawischsprachigen Völkern, die genetisch zu über 20 % der Herkunft der heutigen Völker auf dem Balkan beigetragen haben.
Tenth-century CE individuals harbored North-Eastern European-related ancestry likely associated to Slavic-speakers, which contributed >20% of the ancestry of today's Balkan people.

In dieser Zeit war ein neuer Y-chromosomaler Haplotyp nach Serbien gekommen, der zuvor, in der Völkerwanderungszeit dort nicht zu finden war. Auch hatte sich die Genetik noch einmal Richtung nordöstlichem Europa verschoben. Die Menschen stammten zu 56 % von eisenzeitlicher Balkan-Genetik ab und zu 44 % von eisenzeitlicher nordosteuropäischer Genetik. In der Studie heißt es (2):

Die Slawen, die die Balkanländer während des 6. Jahrhunderts plünderten, und die sich in dieser Region im 6. Jahrhundert ansiedelten, hatten einen langfristigen kulturellen Einfluß, der sich in den slawischen Sprachen widerspiegelt, die in dieser Region heute gesprochen werden, einschließlich Serbisch, Kroatisch, Montenegrinisch, Bosnisch, Slowenisch, Makedonisch und Bulgarisch. Sogar die heutigen Menschen der Peloponnes tragen einen kleinen aber bemerkenswerten Anteil slawischer genetischer Herkunft in sich. Aber die Urheimat der slawischen Völker und das Ausmaß ihres demographischen Einflusses innerhalb der Region ist bislang noch nicht gut verstanden.
The Slavs, who raided the Balkans during the 6th century and settled in the region in the 7th century, had a particularly long-lasting cultural impact, reflected in the Slavic languages widely spoken in the region today including Serbian, Croatian, Montenegrin, Bosnian, Slovenian, Macedonian, and Bulgarian. Even present-day Peloponnesians (southern tip of the Balkan Peninsula) carry a small yet significant amount of Slavic-related ancestry, but the ultimate origin of Slavic speakers and the degree of demographic impact in the region is not yet well understood.

Sogar auf dem griechischen Festland und den ägäischen Inseln findet die Studie 30 %, bzw. 7 bis 20 % dieser genetischen Herkunftsgruppe. Offenbar gelingt es mit dieser Studie immer noch nicht, diese genetische Herkunftsgruppe genauer zeitlich und örtlich einzugrenzen außer sie als grob "eisenzeitlich nordosteuropäisch" zu benennen.

/ Ergänzung 8.3.26: Die sich hier andeutenden Erkenntnisse zur Herkunft und Ausbreitung der Slawen sind inzwischen in einer weiteren Studie sehr grundlegend bestätigt worden (Stg2025). /

Abschluß

Seit jener Zeit ist das genetische Erbe der Goten und der anderen ostgermanischen und sarmatischen Völker auf dem Balkan bis heute erhalten geblieben. Die prächtigen, rührigen Völker der Goten und der Sarmaten: Sowohl ihre Gene, ebenso wie ihre reiche Vielfalt an Sprachen, ihre reiche Vielfalt an Kultur - alles dahingeschmolzen vor dem heißen Atem der Völkergeschichte.

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*) Aktualisierung 13.12.23: Auch den Titel des vorliegenden Blogartikels haben wir abgeändert. Ursprünglich hatte er gelautet: "Die Goten - Ihre Gene blieben erhalten - Sprache und Kultur schwanden dahin". - Bei neuerlichem Lesen der 2021-Studie (2) wird uns vielmehr deutlich, daß von einem Erhalten-Bleiben der Genetik von Goten und Sarmaten auf dem Balkan in dieser Studie überhaupt nicht die Rede war. Wir müssen das in sie hinein gelesen haben, womöglich einfach, weil sie eine solche Möglichkeit noch nicht so ausdrücklich verneint hatte wie jetzt in der endgültigen Veröffentlichung der Studie (10).  

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  1. Jordanes und Prokop: Geschichte der Goten, https://archive.org/details/diegeschichtschr0507weimuoft/page/n5/mode/2up
  2. Cosmopolitanism at the Roman Danubian Frontier, Slavic Migrations, and the Genomic Formation of Modern Balkan Peoples Inigo Olalde, Pablo Carrion, Ilija Mikic, Nadin Rohland, Shop Mallick, Iosif Lazaridis, Miomir Korac, Snezana Golubovic, Sofija Petkovic, Natasa Miladinovic-Radmilovic, Dragana Vulovic, Kristin Stewardson, Ann Marie Lawson, Fatma Zalzala, Kim Callan, Zeljko Tomanovic, Dusan Keckarevic, Miodrag Grbic, Carles Lalueza-Fox, David E. Reich bioRxiv 2021.08.30.458211; veröffentlicht 31.8.2021, doi: https://doi.org/10.1101/2021.08.30.458211 This article is a preprint and has not been certified by peer review 
  3. Wolfram, Herwig: Die Anfänge der Goten und die Scythica Vindobonensia, Katholische Akademie in Bayern, 26.2.2020. Einführungsvortrag zu der Veranstaltung" Die Goten in der Geschichte Europas - Vermittler zwischen Antike und Mittelalter". Sonderheft 4/2020, Historische Tage 2020, Manuskript: https://www.kath-akademie-bayern.de/dokumentation/debatten/debatte/die-goten-in-der-geschichte-europas.html; Programm: https://www.kath-akademie-bayern.de/veranstaltungen/veranstaltungen/veranstaltung/2020-die-goten-in-der-geschichte-europas.html;  siehe auch AUDIO-Kanal, 26.03.2020, https://youtu.be/0C9g1u66Aog.
  4. Bading, Ingo: Ein Zauderer legte die Grundlagen für den Sieg bei Kalkriese 9 n. Ztr., 4.9.21, https://studgendeutsch.blogspot.com/2021/09/ein-zauderer-legte-die-grundlagen-fur.html
  5. Grusková, Jana: Dexippos Vinbonensis, https://www.oeaw.ac.at/scythica-vindobonensia/
  6. Zwischen den Zeilen gelesen, 2014, https://www.archaeologie-online.de/nachrichten/zwischen-den-zeilen-gelesen-2710/
  7. Günther Martin, Jana Grusková: „Dexippus Vindobonensis“(?). Ein neues Handschriftenfragment zum sog. Herulereinfall der Jahre 267/268, Wiener Studien 2014, S. 101-120, doi:10.1553/wst127s101 (Academia
  8. Günther Martin, Jana Grusková: “Scythica Vindobonensia” by Dexippus(?): New Fragments on Decius’ Gothic Wars. In: Greek, Roman and Byzantine Studies, 2014, S. 228-254, https://grbs.library.duke.edu/article/view/15071
  9. Fritz Mitthof/Gunther Martin/Jana Grusková (Hrsg.): Empire in Crisis: Gothic Invasions and Roman Historiography. Beiträge einer internationalen Tagung zu den Wiener Dexipp-Fragmenten (Dexippus Vindobonensis), Wien, 3.-6. Mai 2017. Holzhausen, Wien 2020 (Tyche - Supplementband 12). X  (608 S.) (E-Book, als pdf frei verfügbar)
  10. Ulrich  Huttner : Rezension zu 9. In: Plekos 23 , 2021, 139-159 (URL:  http://www.plekos.uni-muenchen.de/2021/r- empire_in_crisis .pdf)(Rezension: DocPlayer)
  11. Bading, Ingo: Turkvölker, Indogermanen, Sarmaten und Hunnen - Zwischen Mongolei und Kaukasus  Die Geschichte der Völker in der Mongolei und rund um das Altai-Gebirge, 7.11.2020, https://studgendeutsch.blogspot.com/2020/11/turkvolker-indogermanen-sarmaten-und.html
  12. Wolfram, Herwig: Die Goten. Von den Anfängen bis zur Mitte des sechsten Jahrhunderts.1990 (G-Books
  13. Fürst von Planig, https://rlp.museum-digital.de/index.php?t=objekt&oges=2892
  14. Panholzer, Torsten: Geschichte von Planig und der Pfarrei St. Gordianus, https://bistummainz.de/pfarrei/bad-kreuznach-st-gordianus/geschichte/geschichte-von-planig-und-pfarrei/
  15. Deutsches Historisches Museum: Spangenhelm vom Typ Baldenheim aus dem 6. Jahrhundert  - Wissenswertes aus vergangenen Epochen, 2020, https://www.facebook.com/Wissenswertes.aus.vergangenen.Epochen/photos/a.1834901409885617/3766696410039431/
  16. Verena Epp: Ostgotische Gruppen als Beutegenossen und Föderaten auf dem Balkan (454-488). Vortrag gehalten auf einer Tagung der Katholischen Akademie in Bayern, München, Februar 2020, https://youtu.be/RX_QnkVYfKQ; Manuskript: https://www.kath-akademie-bayern.de/dokumentation/debatten/debatte/die-goten-in-der-geschichte-europas.html
  17. Stolarek, I. (1 May 2019): "Goth migration induced changes in the matrilineal genetic structure of the central-east European population". Scientific Reports. 9 (1): 6737. doi:10.1038/s41598-019-43183-w 
  18. Die "Germanenkessel" von Mušov und Czarnówko. Zwei spektakuläre Neufunde mit Germanenbildern im Vergleich. http://austriaca.at/0xc1aa500d_0x0006e1c0
  19. Magdalena Maczynska, Dorota Rudnicka: Ein Grab mit römischen Importen aus Czarnówko,Kr. Lêbork (Pommern). In: GERMANIA 82-2, 2004 (Archive.org)
  20. Inigo Olalde, Pablo Carrion, Ilija Mikic, ..., Miodrag Grbic, Carles Lalueza-Fox, David Reich: A genetic history of the Balkans from Roman frontier to Slavic migrations. Cell 186, December 7, 2023, 5472–5485, https://doi.org/10.1016/j.cell.2023.10.018
  21. Keszthely, Sirmium, Singidunum: Genetic Insights into the End of Roman Cities at the Limes. Luca Traverso, Ádám Bollók, Vujadin Ivanišević, Ivan Bugarski, Guido Alberto, Gnecchi-Ruscone,  Tivadar Vida, Johannes Krause, Zuzana Hofmanová. ISBA 11. 26-29 August 2025, Turin. Abstract book of the 11th International Symposium of Biomolecular Archaeology (pdf)
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