Freitag, 29. Juni 2007

Feministische Steinzeit

Macht die Männer nicht zu Frauen und die Frauen nicht zu Männern - weder im Kindergarten noch sonstwo. Diese Forderung findet langsam, ganz, ganz langsam auch im postfeministischen Zeitalter Anerkennung. Vor einigen Monaten wurde der greise Verhaltensforscher Irenäus Eibl-Eibesfeldt von Reportern, als es um psychische Geschlechtsunterschiede ging, ganz ungläubig - eigentlich naiv - gefragt: Ist die Natur wirklich so stark? (siehe St. gen.) Und auch in der "Zeit" stellt man sich immer noch ganz naiv, ungläubig diese Frage:

... In diesem Einfamilienhaus herrscht das typische Milieu der Reflektierten und ökonomisch Bessergestellten, der Political Correctness und des postfeministischen Diskurses. (Zeit) Und dennoch spielen in diesem Haus Zwillingsgeschwister - ein Junge und ein Mädchen: der Junge mit Jungen-Spielzeug und das Mädchen mit Mädchen-Spielzeug. Genauso in Kindergärten, so die "Zeit":

... »Wenn wir groß sind, heirate ich dich. Ich verdiene Geld, und du kochst.« So kräht ein Vierjähriger, dessen Eltern erstens unverheiratet und zweitens beide berufstätig sind. Und drittens: Wenn einer kocht, dann der Vater. Woher hat der Junge das?

Woher hat der Junge das?

Während eine Frau ganz selbstverständlich Bundeskanzlerin ist und der »Neue Mann« in Ehren ergraut, herrscht beim Nachwuchs emanzipatorische Steinzeit.

Offenbar reichen das gute Vorbild und der bewusste Verzicht auf stereotype Manipulation nicht aus – im Gegenteil, die Kleinen scheinen den Eltern demonstrieren zu wollen: Schaut her, so geht das! Doch wieso schlagen so zuverlässig die herkömmlichen Rollenmuster wieder durch? Auch selbstbewusste Frauen und selbstkritische Männer ertappen sich angesichts solcher Rückfälle ins Rollenspiel der Fünfziger bei Mutmaßungen über die biologische Verankerung von Macho- und Prinzessinnenrolle. Sind die Geschlechtsrollenklischees also doch angeboren? Waren sie einst ein evolutionärer Vorteil? (...)

Kinder zeigen den Ideologen: Schaut her, so geht das!

Für einen durchschnittlich ausgebildeten Biologen von heute eine völlig naive Frage. Völlig naiv. Es ist wirklich rätselhaft, wie solche naiven Fragen in renommierten Wochenzeitungen heute eigentlich überhaupt noch gestellt werden können, da sie schon lange schlüssig beantwortet sind. Die Frage lautet schlicht nur noch: Wollen wir weiter auf Ideologie machen oder endlich die moderne Forschung zur Kenntnis nehmen? Ja, die Erkenntnis setzt sich - offenbar - durch:

»Wer Identitäten zerstört, zerstört Menschen«, so der Bremer Sozialwissenschaftler Gerhard Amendt. (...)

Geschlechtsrollen werden in diesem Alter (von Kindern zwischen drei und sechs Jahren) als so gültig wie Naturgesetze oder moralische Prinzipien empfunden.

"Ein erschütterndes Dokument des Scheiterns"

Anfang der achtziger Jahre hat die Feministin Marianne Grabrucker dann sehr bewusst und mit dem Protokollblock in der Hand den Versuch unternommen, ihre kleine Tochter wirklich frei und geschlechtsneutral zu erziehen. Das Kind sollte auf gar keinen Fall »auf die Mädchenrolle zugerichtet« werden, stattdessen »die Neue Frau schlechthin« werden. Marianne Grabruckers Tagebuch (Typisch Mädchen… Prägung in den ersten drei Lebensjahren) ist als erschütterndes Dokument des Scheiterns zu lesen. Bei aller Mühe und Selbstkontrolle, heraus kam am Ende das Schlimmste: »mädchenhaftes Verhalten«.

Dabei hatte die Mutter wirklich aufgepasst. Sie hatte bei Substantiven sogar die weibliche Form bevorzugt (wenngleich ihr einmal das Wort »Lokomotivführerin« nicht über die Lippen kam, was sie sehr deprimierte). Kleine Erfolge hatten sich auch eingestellt: Als die Zweijährige einmal zauberte, benutzte sie die Worte »Hokuspokus Fidibus, dreimal schwarze Katerin«. Und doch scheiterte das Projekt. (...)

Man kommt sich vor, als wäre man in gespensterhafte Debatten involviert. In Debatten einer "emanzipatorischen Steinzeit"? Nein: in Debatten einer feministischen Steinzeit ...

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