Mittwoch, 20. Juni 2007

Diese Erdbeeren ...

Vom Verwandten-Altruismus bei den Erdbeeren

Wer Erdbeeren gerne anbaut oder ißt, wird sich für die Frage interessieren, wie man Erdbeer-Pflanzen eigentlich mit dem geringsten Aufwand die größte Süßigkeit hervorbringen lassen kann. Das geschieht nach neuesten Forschungsberichten (FAZ) offenbar dadurch, daß man sie nicht als Einzelpflanzen wachsen läßt, sondern die Ausläufer zwischen ihnen bestehen läßt und sie als "Klone" weiter gedeihen läßt. Dann stören sie sich gegenseitig nicht im Wurzel-Wachstum und praktizieren Arbeitsteilung, insbesondere bei ungleichmäßigem Terrain. Der Klon mit weniger Licht profitiert vom Austausch mit dem, der mehr Licht hat, der Klon mit weniger Stickstoff im Boden profitiert vom Austausch mit dem, der mehr hat.

Genaue Untersuchungen ergaben, daß diese Form der "Verwandten-Kooperation" dem Wachsen als einzelnen Pflanzen deutlich überlegen ist. Und die Forscher vermuten, daß das auch für zahlreiche andere Pflanzen gilt. Überraschend nämlich ebenfalls, daß sich die Wurzeln von Einzelpflanzen gegenseitig Konkurrenz machen auch dann, wenn sie genetisch identische Pflanzen sind:
Erdbeerpflanzen profitieren von der Kooperation mit ihren genetisch identischen Nachbarn. Bleiben sie oberirdisch miteinander verbunden, kommen sich auch ihre Wurzeln nicht ins Gehege. Fehlt der Kontakt, kommt es zu unterirdischen Konkurrenzkämpfen. (...) Es stellte sich heraus, dass oberirdische Kontakte einen unterirdischen Konkurrenzkampf verhindern: Ist die Verbindung intakt, so vermieden es die Pflanzen, in den Wurzelraum ihres Nachbarn einzudringen. Wenn aber der Ausläufer zwischen den Erdbeerpflanzen gekappt war, wurde das Mittelfeld von beiden Seiten beansprucht. Dort konzentrierte sich deshalb der größte Teil der Wurzelmasse. Diese Pflanzen gediehen deutlich schlechter.
Kooperation und Arbeitsteilung bringen also auch die Erdbeeren weiter. Noch ein Grund mehr, sich die Erdbeeren schmecken zu lassen. Besonders auch die wilden im Wald unterhalb solcher Alpenberge wie etwa dem Dachstein (siehe Fotos). Oder lassen wir unsere Dichterinnen und Dichter sprechen. Nun gut, Eduard Mörike ("Versuchung") scheint nicht ganz jugendfrei zu sein, also lassen wir es bei der "albernen Barbe", der 14-jährigen Annette von Droste-Hülshoff:



Das vierzehnjährige Herz

(...)

Heut' bin ich in aller Frühe erwacht,
Beim ersten Glitzern der Sonnen,
Und habe mich gleich auf die Sohlen gemacht
Zum Hügel drüben am Bronnen;
Erdbeeren fand ich, glüh wie Rubin,
Schau, wie im Korbe sie lachen!
Die stell' ich ihm nun an das Lager hin,
Da sieht er sie gleich beim Erwachen.

Ich weiß, er denkt mit dem ersten Blick:
»Das tat meine alberne Barbe!«
Und freundlich streicht er das Haar zurück
Von seiner rühmlichen Narbe,
Ruft mich bei Namen, und zieht mich nah,
Daß Tränen die Augen mir trüben;
Ach, er ist mein herrlicher Vater ja,
Soll ich ihn denn nicht lieben, nicht lieben?

(Annette von Droste-Hülshoff, 1844)

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