Dienstag, 26. Juni 2007

Faule Eier

Zu meinem Demonstrations-Aufruf (siehe St. gen.) schrieb mir eine kinderreiche Mutter grundsätzlich zustimmend. Sie hatte aber folgenden Einwand:
"PS: Du wolltest doch immer sachlich bleiben, dazu paßt es nicht, wenn Du gegen Sachbeschädigung (werfen mit Eiern und Tomaten) nichts hast. Die Reinigungskosten tragen wir darüber hinaus alle, jedenfalls soweit Steuern gezahlt werden."
Darauf möchte ich folgendermaßen antworten:

Liebe ...,

die Sachbeschädigung durch Tomaten und faule Eier würde wohl wenig ausmachen gegenüber den 10.000 Euro pro Kind und Jahr, die Dir seit - wieviel? 16? - Jahren nicht gezahlt wurden. So hat das der Herr Kirchhof gesagt. (Siehe St. gen.) Und Kirchhof ist ja nun nicht irgendwer. Du hast sechs (?) Kinder. Nehmen wir an, das älteste ist 16 Jahre alt, das jüngste 6 Jahre alt, also:
16 mal 10.000 Euro = 160.000 Euro
14 mal 10.000 Euro = 140.000 Euro
12 mal 10.000 Euro = 120.000 Euro
10 mal 10.000 Euro = 100.000 Euro
8 mal 10.000 Euro = 80.000 Euro
6 mal 10.000 Euro = 60.000 Euro
Also zusammen 600.000 Euro. Soweit mein derzeitger Literatur-Überblick und meine eigene ganz gewöhnliche Logik reicht, müssen die Verdienstausfälle, die man durch Kinder-Aufziehen hat, erstattet werden. Das geschieht ja für die Reichen derzeit für die ersten zwei Lebensjahre des Kindes mit dem Elterngeld. Das Prinzip ist also an sich schon in Kraft gesetzt. Es muß jetzt nur für alle Eltern und bis mindestens zum Ende des Grundschul-Alters des jüngsten Kindes durchgesetzt werden. Oder wie siehst Du das? - Wenn Dir jemand einfach so 600.000 Euro klaut - wie reagierst Du? - Oder wieviel hattest Du bisher Verdienstausfall durch Übernahme von Mutterschaft? Mehr oder weniger als 600.000 Euro? Das ist ja nur erst mal so eine Faustregel. In alter Währung sind das übrigens 1 Million Deutsche Mark. Und wenn Deine Kinder alle volljährig sind und der bundesdeutschen Wirtschaft als Humankapital zur Verfügung stehen, sind sie noch mehr wert. Nach der Faustregel von Herrn Kirchhof: 180.000 Euro mal sechs, also etwa 1 Million Euro, 2 Millionen Deutsche Mark.

Soweit ich sehe, muß der Verdienstausfall erstattet werden (durch ein "Erziehungsgehalt") und das dann versteuert werden wie alle Gehälter. (Also versteuert werden muß ein Brutto-Verdienstausfall.) Und die Grundversorgung der Kinder (Essen, Kleidung, Wohnung etc.) muß durch alle finanziert werden, wie ja auch die Schulen durch alle finanziert werden, weil alle davon profitieren. Das müssen Eltern und Kinderlose so wie bisher durch ihre Steuern finanzieren. Aber gerecht und für jeden über- und durchschaubar und dadurch wenig täuschungsanfällig (von Seiten von Lobby-Gruppen) kriegt man das nur hin - soweit ich sehe - wenn man den Verdienstausfall (bzw. mindestens ein Kindergärtnerinnen-Gehalt) wie ein normales sonstiges Gehalt behandelt (und versteuert). Damit es in gleicher Weise zum Aufbringen der "Kinderrenten", der Finanzierung der Schulen usw. beiträgt wie alle übrigen Gehälter.

Für eine vernünftige Familienpolitik gibt es also dann nur zwei Bestandteile:
1. ein Erziehungsgehalt bis zum Ende des Grundschulalters des jüngsten Kindes
(= Erstattung des Verdienstausfalls)

2. eine "Kinderrente" zur Sicherstellung der Grundversorgung der Kinder
Und Kinderfreibeträge, Kindergeld, die Leistungs(un-)gerechtigkeit gar nicht übersichtlich und deutlich werden lassen, muß es dann nicht mehr geben. So mein derzeitger Stand. Ich hab dazu ja auf meinem Blog schon einiges zitiert: der "5. Familienbericht" von 1994, sowie die Studie des wissenschaftlichen Beirats des Familienministeriums von 2001 "Gerechtigkeit für Familien". Sie gehen grundsätzlich beide von dem gleichen von mir soeben genannten Prinzip aus, daß der Verdienstausfall erstattet werden müsse. Ebenso vom Tenor her gesehen verschiedene Bundesverfassungsgerichts-Urteile. Ebenso die Sozialreformer Gerhard Mackenroth und Winfried Schreiber, die der Adenauer-Regierung die Alters- und Kinderrenten-Reform vorschlugen, von denen die Adenauer-Regierung aber nur die Altersrenten-Reform verwirklichte. Das sind alles keine Randfiguren oder Rand-Literatur in der bundesdeutschen Wissenschaft und Sozialpolitik. Die Kinderrenten-Reform muß jetzt mit 50-jähriger Verzögerung und nach einem schon erfolgten tiefen Einbruch im (demographischen) Lebensbaum unserer Gesellschaft kommen.

Übrigens: Soll meine Mutter (siehe St. gen.) sich stillschweigend damit begnügen, daß sie schon von der Adenauer-Regierung um sagen wir 1 Million DM geprellt wurde? Sollte man das Geld nicht zurückverlangen? Ich denke: schon.

Der Mißstand, der sich aufgehäuft hat, seit Konrad Adenauer so kaltschnäuzig sagte, "Kinder bekommen die Leute von alleine", muß in seinem ganzen - schon rein finanziellen Umfang - zunächst einmal nur aufgezeigt werden. Und es muß wehtun. Es gibt irgendwo in der Welt Menschen, die die eine Million DM besitzen, die meiner Mutter zustehen und nicht diesen Menschen.

Und wenn sie diese 1 Million DM hat, werde ich ihr vorschlagen, ihren Beitrag zur Abgleichung der Reinigungskosten zu übernehmen. Ich wollte Eier auch gar nicht gegen geschlossene Fenster werfen. Oder höchstens gegen moderne Doppelglasscheiben. Und keine hartgekochten Eier, sondern nur ganz weiche. Aber möglichst faulige. (Ebenso Tomaten.)
Na! Herzliche Grüße!

PS: Übrigens betreffen diese Dinge auch alle Unverheirateten und Kinderlosen. Denn man wird wesentlich leichter zum Heiraten entschlossen sein und zum Kinderhaben, wenn man weiß, daß die materielle Basis der Familie sichergestellt ist.

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