Montag, 11. Juni 2007

Charles Lindebergh - Hätten die USA 1941 seiner Politik folgen sollen?

Charles Lindbergh war der prominenteste Gegner des Eintritts der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg. Man macht es sich noch heute zu leicht, wenn man einfach darauf verweist, daß die Geschichte "bewiesen" hätte, daß die Position Charles Lindbergh's damals eine falsche gewesen wäre. Charles Lindbergh selbst ist auch zeitlebens der Meinung geblieben, daß es besser gewesen wäre, wenn die Vereinigten Staaten nicht in den Zweiten Weltkrieg eingetreten wären, auch nachdem er das Konzentrationslager Buchenwald kurz nach der Besetzung durch die Amerikaner besucht hatte.

Vergegenwärtigen wir uns die Situation, aus der heraus Charles Lindbergh damals argumentierte. Charles Lindbergh hatte vor dem Krieg die Sowjetunion bereist und man hat ihm "einiges" zur sowjetischen Flugzeug-Produktion gezeigt. Aufgrund dieser Reise hat Charles Lindbergh sicherlich ebenso wie die deutsche Führung unter Adolf Hitler und wie auch die westlichen Regierungen das Kriegspotential der Sowjetunion im Jahr 1941 bei weitem unterschätzt. Die Sowjetunion war 1941 die hochgerüstetste Militärmacht der ganzen Welt. Das hat Adolf Hitler nicht gewußt, bzw. nicht glauben wollen (obwohl es ihm der deutsche General Heinz Guderian, der selbst die Sowjetunion bereist hatte, gesagt hatte). Und das haben auch die westlichen Regierungen - so viel wir wissen - nicht gewußt. Im "Winterkrieg" gegen das kleine Finnland hatte sich die Sowjetunion - vorgeblich - vor der gesamten Weltöffentlichkeit militärisch maßlos blamiert. Wer weiß, ob diese "Blamage" nicht eine Kriegslist des "Fuchses" Josef Stalin war?

In jedem Fall sind sich alle Historiker heute darüber einig, daß die Sowjetunion trotz des ungeheuren Rüstungspotentials, über das sie 1941 verfügte, einen Krieg gegen Deutschland, der länger als zwei Jahre gedauert hätte, nicht hätte durchhalten können. Ohne die massiven Materiallieferungen der Vereinigten Staaten über die Murmansk-Linie wäre die Sowjetunion spätestens im Kriegsjahr 1942 zusammen gebrochen. (Siehe bspw. das Buch "Brute Force" und andere.)

Was aber hätte das bedeutet?

Der Zweite Weltkrieg kostete 55 Millionen Menschen das Leben. VOR dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten waren von diesen 55 Millionen Menschen erst wenige zehn- oder hunderttausend Menschen im Krieg gefallen oder - vor allem in Polen - ermordet worden. WAS aber im Jahr 1941 bekannt war, das war, daß die Geschichte der Sowjetunion seit 1917 in grausamsten Verbrechen schon mehrere ZEHN MILLIONEN Todesopfer gefordert hatte. Vor allem im ukrainischen Hungerholocaust der Jahre 1931 und 1932. Weiterhin in den Terrorjahren rund um 1938. (Siehe Robert Conquest und andere.) Also der größte Verbrecherstaat des 20. Jahrhunderts war im Jahr 1941 ganz klar und eindeutig die Sowjetunion. Und das war damals natürlich auch jedem bekannt, der sich nur einigermaßen den Sinn für Realitäten bewahrt hatte.

Und aus dem Nachhinein betrachtet ist es wahrhaftig merkwürdig, warum es den Vereinigten Staaten und Großbritannien so leicht fiel, mit diesem (bis dahin) größten Verbrecherstaat des 20. Jahrunderts im Herbst 1941 ein Bündnis einzugehen. Von Deutschland waren bis zum Jahr 1941 Massenverbrechen im Stile und Umfang Lenins oder Stalin auch nicht annähernd bekannt.

Wenn man sich all diese Tatsachen vergegenwärtig, wenn man sich weiterhin das große Mißtrauen Charles Lindbergh's gegenüber jeder Art von "Public Relation"-Industrie vergegenwärtig, dann hatte die damalige Position Charles Lindbergh's viel, sogar sehr viel Vernünftiges an sich. Und sie hat es noch heute. Denn:

Woher wissen wir denn eigentlich, wie der Krieg verlaufen wäre, wenn die USA nicht in ihn eingetreten wären? Eine Expansion nach Westen war von Adolf Hitler niemals beabsichtigt. Das war den westlichen Regierungen nur allzu gut bekannt. Ohne die Unterstützung der USA hätte der Bombenkrieg gegen die Zivilbevölkerung zwischen Deutschland und Großbritannien niemals diese Ausmaße angenommen. Und ohne die Gegnerschaft der USA hätte sich die deutsche Führung psychologisch Ende des Jahres 1941 niemals in einer so "bedrängten", "gefährdeten", "riskanten" Lage gesehen, wie sie sich damals sehen mußte.

Alle Deutschen wußten, daß der Kriegseintritt der USA den Ersten Weltkrieg entschieden hatte. Und warum sollte es jetzt so ganz anders sein? Aussprechen durfte das damals niemand - gedacht haben es viele, nein: alle.

Wir wissen nicht exakt, wann und wer die Befehle zum Mord an den europäischen Juden gegeben hat. Wir wissen nicht, ob nicht die deutsche Führung in weniger Tobsuchts-Anfälle was Grausamkeiten und Verbrechen im besetzten Polen und in der besetzten Sowjetunion geraten wäre, wenn es ihr schneller und quasi "souveräner" gelungen wäre, die Sowjetunion im Jahr 1941 oder spätestens im Jahr 1942 zu besiegen.

Wir wissen nicht, ob das Naziregime in Europa, vor allem in Osteuropa ähnliche Blutbäder angerichtet hätte, wie es die Sowjetunion in den Jahrzehnten davor vorexerziert hatte - in Jahren, in denen sie sich natürlich ebenfalls von äußeren und inneren Feinden bedroht fühlte wie das Deutschland der Jahre 1941 bis 1945. Wir wissen aber, daß der Zweite Weltkrieg ohne den Kriegseintritt der USA 1941, spätestens 1942 zu Ende hätte sein können. Daß zunächst einmal sicherlich 40 oder 50 Millionen Menschen nicht hätten sterben müssen.

- Eine schlechte argumentative Position von seiten Charles Lindbergh's? Das möchte man bei solchen Erwägungen nicht mehr so ohne weiteres behaupten. Daß Charles Lindbergh es jedenfalls weniger gut mit den Menschen dieseits und jenseits des Atlantiks und Pazifiks meinte als die damalige amerikanische Führung, dieser Gedanken jedenfalls wird der integren Persönlichkeit Charles Lindbergh's nicht gerecht. Die Geschichte kennt auch keine Einbahnstraßen. Der Wille der britischen und amerikanischen politischen Führung zur damaligen Zeit, die Sowjetunion bis an die Elbe vordringen zu lassen, diesen Willen kann man auch heute noch - und zwar mit Nachdruck - kritisieren. Das haben ja auch schon manche deutsche, britische und amerikanische Historiker getan (etwa Lothar Kettenacker und andere).

Mit Recht haben die deutschen Historiker Klaus Hildebrandt und Andreas Hillgruber schon vor zwei Jahrzehnten gefragt, ob die britische und amerikanische politische Führung in ihren Kriegszielen 1941 so viel "integrer" gewesen sind als die damaligen politischen Führungen der Sowjetunion und Deutschlands. Und mit Recht bezeichnet der amerikanische Sprachforscher Noam Chomsky das 20. Jahrhundert als ein Jahrhundert der Lügen.

Charles Lindbergh wollte im November 1938 mit seiner Familie nach Berlin ziehen, um das damalige Deutschland besser kennenlernen zu können. Als er von der Reichskristallnacht am 9. November 1938 erfuhr, nahm der davon Abstand. Für die Verbrechen des Nazi-Regimes hat er nie Verständnis gezeigt, er hat sie nie verharmlost, er hat sie nie entschuldigt. Die deutsche Widerstands-Bewegung gegen den Nationalsozialismus und Charles Lindbergh hätten sich hervorragend miteinander verstanden, wenn sie voneinander gewußt hätten. Die Regierung von Charles Lindbergh jedoch handelte anders. Sie ist mit dem Verbrecherstaat Sowjetunion ein Bündnis eingegangen und hat seine Verbrechen von 1941 bis 1989 ermöglicht.

Somit ragt Charles Lindbergh - soweit man sehen kann -, auch in diesen Fragen weit über das moralische Niveau seiner damaligen Regierung hinaus.

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