Dienstag, 10. Juli 2007

Tschetschenien - "die größte kriminelle Handlung unserer Zeit"

Der folgende Film handelt von Tschetschenien und ist aus dem Herbst des letzten Jahres. Er stellt den Charakter dieses Volkes und seiner außerordentlich grauenvollen und leidvollen Geschichte während des 20. Jahrhunderts und gegenwärtig ganz gut dar.
Es wird mit Sympathie für die Tschetschenen berichtet aber doch auch objektiv. Die Tschetschenen werden also weder als "Banditen" betrachtet - wie die russische Regierung und die russischen Medien das nur allzu oft noch in den letzten Jahren getan haben. Noch auch wird der tschetschenische Freiheitskampf der letzten Jahre, der nur allzu blutig war, und dessen tiefe Wunden, die noch lange nicht vernarbt sind, gar zu unangemessen "heroisiert".

Wenn man sich bei Google-Video-Suche umschaut, gibt es viele Video's, in denen russische Soldaten oder tschetschenische Freiheitskämpfer heroisiert werden oder sich selbst heroisieren. Schaut man sich diese gräßlichen Szenen an, von den Soldaten oder Kämpfern selbst gefilmt, wird klar, wie wenig wir im Westen von diesem ganzen Krieg mit bekommen haben.

"Liebe zur Freiheit und zur Religiosität"

In diesem Film nun heißt es ziemlich zu Anfang sehr treffend:

"... Das tschetschenische Volk ist für seine Liebe zur Freiheit und Religiosität bekannt. Sogar der russische Herrscher Alexander I. hat vor den Tschetschenen gewarnt, daß sie mit ihrer Neigung zur Freiheit den Widerstand der benachbarten Völker förderten. Er erklärte ebenso, daß es niemals Sicherheit für die Russen im Kaukasus geben wird, so lange auch nur ein einziger Tschetschene am Leben ist."
Das bestätigt jeder, der sich mit tschetschenischer Kultur und Geschichte etwas beschäftigt hat. Auch Alexander Solshenitzyn spricht mit großer Achtung von den Tschetschenen, die er im "Archipel Gulag" kennengelernt hat. Denn: Alexander I. war nicht der letzte russische Regierende, der nach dessen Motto gegenüber den Tschetschenen gehandelt hat. Der bisher letzte scheint Wladimir Putin zu heißen.

Vom zweiten Krieg Rußlands gegen Tschetschenien spricht der Film richtig und ohne jede sonst übliche Beschönigung als von "der größten kriminellen Handlung unserer Zeit, welche für immer als schwarze, dunkle Punkte in der Geschichte der Menschheit verbleiben werden."

"Es war offensichtlich, daß die Russen ihr Feuer gegen unschuldige Zivilisten gerichtet hatten, da sie nicht in der Lage waren, den kampferfahrenen und mutigen Mudschaheddin auf dem Schlachtfeld gegenüber zu treten."
An dem Film wird deutlich, wie ein zunächst eigentlich rein nationaler Freiheitskampf eines Volkes sehr bald religiöse Züge annimmt und im Angesicht einer drückenden russischen Übermacht und der Gleichgültigkeit von Seiten europäischer und US-amerikanischer Politik Anlehnung und Soldarität sucht in der übrigen islamischen Welt. Diese Verstärkung und Radikalisierung des Islams in Tschetschenien muß auch als eine Folge der Untätigkeit und Passivität des Westens gegenüber der Kriminalität der russischen Regierung angesehen werden.

Unangemessene islamische Propaganda

Das wird leider im Film nicht genügend herausgearbeitet, der offenbar von jungen, deutschen Islam-Gläubigen produziert worden ist. Der Film arbeitet nicht genügend heraus, daß die strenger islamgläubigen Strömungen im tschetschenischen Volk zur Zeit des Beginns der Unabhängigkeit Tschetscheniens noch nicht die vorherrschenden oder ausschlaggebenden Kräfte waren, sondern daß das tschetschenischen Volk durch die aktive russische und gleichgültige westliche Politik immer mehr in eine religiöse Polarisierung hineingetrieben wurde.

Bezüglich dieser Dinge verschiebt der Film dann gegen Ende zu stark die Perspektive. Er spricht davon, daß wenn alle Islam-Gläubigen so freiheitsliebend und tapfer wären wie die Tschetschenen, daß dann "der Islam die stärkste Macht der Welt" wäre. Das ist reiner Unsinn und wirkt sehr unreif. Die letzten 10 Minuten des 40-minüten Films wiederholen Szenen, die schon zuvor gebracht wurden und machen Propaganda für den Islam und seinen "Heiligen Krieg". Es kann nützlich sein, sich so etwas auch einmal von der Innenperspektive aus anzusehen. Aber zustimmen kann man dem natürlich nicht.

Der Schluß des Filmes hätte nicht nur deshalb nicht so viele Worte machen dürfen. Denn dem eigentlichen Entsetzen über den gegenwärtigen Völkermord in Tschetschenien wird damit eine ganz falsche Richtung und ein ganz ungenügender Ausdruck gegeben. Dies ist eine Gesellschaft, die im Sterben liegt - von niemanden auf der ganzen Welt wirklich verteidigt und unterstützt. Es gibt kein Volk heute auf der Erde, das so tief psychisch und physisch zerstört worden ist wie das tschetschenische. Und das in unserer "aufgeklärten" Zeit!!! - Da muß erst recht jede tagespolitische oder tagesreligiöse Propaganda schweigen, das kann nur noch stumm machen.

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