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Samstag, 22. Juli 2023

"500 Jahre früher als erwartet" - Die Indogermanen an der Unteren Donau

4.100 v. Ztr. - Fürsten der Chwalynsk-Kultur erobern mit ihren Heeren die Untere Donau, ihre Krieger vermischen sich zu 50 % mit den einheimischen Bauern

An der Unteren Donau im heutigen Rumänien und Bulgarien gab es die bedeutende mittelneolithische Gumelniţa-Kultur (4.600 bis 4.250 v. Ztr.) (Wiki). Sie bestand zeitgleich zur ebenfalls großartigen Cucuteni-Tripolje-Kultur im Osten der Karpaten und war aus derselben anatolisch-neolithischen Völkergruppe hervor gegangen (Abb. 1a). Sie wies eine hohe Siedlungsdichte auf.

Abb. 1: Unterer Donau-Raum 4.500 bis 3.500 v. Ztr. - a) Vorherrschen der anatolisch-neolithischen Herkunft (aber schon vereinzelt Steppengenetik!), b) Die Steppengenetik kommt massiv ab 4.100 v. Ztr., c) Die Indogermanen vermischen sich auch mit Karpaten-Jäger-Sammlern 

Sie ging aber viele hundert Jahre früher unter als die Cucuteni-Tripolje-Kultur östlich der Karpaten. Eine der Großsiedlungen der Gumelniţa-Kultur war der Siedlungshügel Magură Gorgana bei Pietrele (Wiki) in Rumänien (4550-4250 v. Ztr.) am Nordufer der Unteren Donau. Dieser Siedlungshügel liegt 230 Kilometer nordwestlich von Warna und 50 Kilometer südlich von Bukarest (GMaps). Seit 2002 wird er von deutschen Archäologen rund um Svend Hansen (Berlin) ergraben (DaInst2020).

4.500 v. Ztr. - Ein dünner Schleier indogermanischer Ausbreitung donauaufwärts

Eine gerade neu erschienene archäogenetische Studie zeigt auf, daß sich vereinzelte Angehörige dieser Kultur schon früh mit Angehörigen der Indogermanen der Chwalynsk-Kultur von der Mittleren Wolga vermischt haben (Abb 1a), ein Geschehen, das schon in früheren Beiträgen hier auf dem Blog Thema war (z.B. Stgen2021Stgen2022). Sozusagen ein erster dünner Schleier von indogermanischer Ausbreitung ab 4.700 v. Ztr. bis in die Donau-Region von Ungarn hinein.

4.100 v. Ztr. - Die Indogermanen kommen massiv ins Donau-Delta

Die grundlegendere Neuerkenntnis dieser Studie ist, daß die der Gumelniţa-Kultur ab 4.100 v. nachfolgende Cernodova-Kultur (4100 bis 3.200 v. Ztr.) (Wiki) von Menschen getragen wurde, die vergleichsweise einheitlich mehr oder weniger als 50 % indogermanische Steppengenetik aufgewiesen haben (1) (Abb. 1b). Es sind insbesondere Skelette des Fundortes Kartal (4150-3400 v. Ztr.) im Donau-Delta am nördlichen Rand der vormaligen Gumelniţa-Kultur untersucht worden. Dieser gehörte zur Cernodova-Kultur. Die deutschen Archäogenetiker aus Leipzig schreiben (1):

Ein Hauptergebnis unserer Studie legt einen frühen Kontakt und eine Vermischung zwischen kupferzeitlichen Bauern-Gruppen des südöstlichen Europa mit spätneolithischen Gruppen aus der Steppenzone der heutigen südlichen Ukraine nahe, beginnend vermutlich ab der Mitte des fünften Jahrtausends v. Ztr., als sich die Siedlungsdichte weiter nach Norden verlagerte und die Region der Unteren Donau in Verbindung kam mit der Steppenregion an der Küste und mit Gruppen der Cucuteni-Tripolje-Kultur in der Waldsteppe. 
A principal finding from our study indicates early contact and admixture between CA farming groups from SEE and Eneolithic groups from the steppe zone in today’s southern Ukraine, possibly starting in the middle of the fifth millennium BC when settlement densities shifted further north, connecting the lower Danube region with the coastal steppe and Cucuteni–Trypillia groups of the forest–steppe.

In diesen neuen Sequenzierungen von Kartal, die auf die Zeit nach 4.100 v. Ztr. weisen, wird also eine zweite, deutlich massivere Einwanderungs-Welle von indogermanischen Steppen-Gruppen sichtbar. Weiter heißt es (1):

Während des vierten Jahrtausend v. Ztr. kam es in der nordwestlichen pontischen Raum zu verstärktem Kontakt mit spätneolithischen Gruppen der Steppe, während diese wiederum auch Kontakt mit Gruppen im Nordkaukasus wie der Maikop-Kultur hatten, was sich alles in den hier vorgelegten Genom-Daten widerspiegelt.
During the fourth millennium BC, the northwestern Pontic region experienced intensified contact with Steppe Eneolithic groups, while these in turn also had contact with groups in the North Caucasus, such as Maykop, all of which are mirrored by the genomic data presented here.

Diese Erkenntnis wirft natürlich auch einen neuen Blick auf jenen Eroberungszug, jene Militärinvasion der Maikop-Kultur um 3.500 v. Ztr. über das gesamte Gebiet der Cucuteni-Tripolje-Kultur hinweg, wie sie letztes Jahr von dem moldawischen Archäologen Valentin Dergachev jüngst herausgearbeitet worden war (Studgen2022). Diese war also - von dem Geschehen im Donau-Delta her gesehen - kein besonders "frühes", sondern schon ein vergleichsweise "spätes" Eroberung-Geschehen. Diesem war jedenfalls schon die vergleichsweise massive Eroberung der Unteren Donau-Region durch Angehörige, bzw. Nachkommen der Chwalynsk-Kultur voraus gegangen.

Nach den Daten, die bis heute vorliegen, war also die Einmischung indogermanischer Steppengenetik um 4.100 v. Ztr. innerhalb der Cucuteni-Tripolje-Kultur noch deutlich geringer. Die Cucuteni-Tripolje-Kultur begann in jener Zeit auch eine zweite Blütezeit, während es an der Unteren Donau schon zu viel umwälzenderen kulturellen und genetischen Umbrüchen gekommen ist.

Karpaten-Jäger-Sammler als Verbündete der Indogermanen?

Ein weiteres Ergebnis dieser neuen archäogenetischen Studie der Forscher rund Ringbauer, Stockhammer, Svend Hansen, Johannes Krause und Wolfgang Haak (Penske et al 2023) ist, daß in der mittelneolilthischen Siedlung Magură Gorgana bei Pietrele in Ausnahmefällen auch Menschen lebten (hier ein Individuum, das "PIE060" benannt wird), die neben der sonst für diese Region für das Mittelneolithikum typischen und gut bekannten anatolisch-neolithischen genetischen Herkunft um die 35 % westeuropäische Jäger-Sammler-Herkunft aufwiesen (1) (s. Abb. 1a). 

Man möchte annehmen, sie stammten von den Karpaten-Jäger-Sammlern ab, die ja zwischen Böhmen und Griechenland über viele Jahrtausende an den Ethnogenesen zahlreicher Völker und Kulturen dieser Region Anteil hatten, da sie sich offenbar in den Höhenlagen der Karpaten über lange Zeiträume hinweg unvermischt erhalten haben. Es könnte sich unserer Meinung nach um dieselbe Herkunftsgruppe handeln, die ursprünglich als "Körös-Jäger-Sammler" bezeichnet worden war (s. z.B. Stgen2021, Stgen2022). Die Forscher schreiben (1):

Die Herkunftsmodellierung (...) unterstützt ein Zwei-Wege-Modell (Abb. 3d ) mit südosteuropäisch-neolithischer Herkunft (SEE N) (ca. 65 %) und Jäger-Sammler-Genetik vom Eisernen Tor oder KO1 (osteuropäische Jäger-Sammler-Genetik von Kosteniki) (ca. 35 %) als besten Annäherungen. (...) Was darauf hindeutet, daß PIE060 aus einer Gemeinschaft außerhalb von Pietrele stammte, die kürzlich Kontakt mit Jäger-Sammlern hatte. Tatsächlich wurde von Individuen mit ähnlich hohen Anteilen an Jäger-Sammler-Abstammung auch aus nahegelegenen Orten wie Malak Preslavets (ca. 70 km) und Dzhulyunitsa (ca. 140 km) berichtet.
Ancestry modelling with qpAdm supports a two-way model (Fig. 3d) with SEE N (around 65%) and Iron Gates HG or KO1 (around 35%) as the best proxies. Using DATES33 to determine the time of admixture between SEE N and Iron Gates HG as a local HG ancestry, we obtained an admixture estimate of 16.3 ± 13.4 generations (Z = 1.213), which corresponds to around 81–832 years before the mean 14C date of PIE060, when a generation time of 28 years is assumed34. A flat decay curve (Extended Data Fig. 3a) supports the interpretation of a recent admixture date, which suggests that PIE060 came from a community outside Pietrele with recent contact with HGs. Indeed, individuals with similarly high amounts of HG ancestry have been reported from nearby sites in Malak Preslavets (around 70 km) and Dzhulyunitsa (around 140 km)29.

Man könnte auch hier der These nachgehen, die wir hier auf dem Blog schon mehrfach formuliert und verfolgt haben, nämlich daß einheimische Jäger und Sammler als "Randkulturen" und "Unterschichten" der großen mittelneolithischen Bauernkulturen und Königreiche sich mit den halbnomadischen Indogermanen von auswärts verbündet haben und es auf diese Weise zum vergleichsweise frühen Zusammenbruch der mittelneolithischen Gumelniţa-Kultur gekommen ist. 

In der neuen Studie fanden sich für die frühe Bronzezeit auch Menschen, die nur Karpaten-Jäger-Sammler-Genetik und Steppen-Genetik aufwiesen (s. Abb. 1c), was auch ein Hinweis auf das Bestehen eines solchen "Bündnisses" angsesehen werden könnte.

4.100 v. Ztr. - Entstehungszeit des indogermanisch-ägäischen Götter-Pantheons?

Diese neuen Erkenntnisse unterstreichen noch einmal die bedeutende Rolle, die schon frühe Wellen der indogermanischen Westausbreitung für die betroffenen Kulturen haben konnten, auch für die östlich benachbarte Cucuteni-Tripolje-Kultur. Womöglich erwies sich aber die Cucuteni-Tripolje-Kultur noch für mehrere Jahrhunderte - bis 3.500 v. Ztr. - als kulturell und militärisch stabiler und anpassungsfähiger im Vergleich zu der zeitgleichen Gumelniţa-Kultur in Rumänien, die eben schon vor 4.100 v. Ztr. vollständig scheint zusammen gebrochen zu sein und von der indogermanisierten Cernodova-Kultur ersetzt worden ist, die nun schon ein ganz anderes kulturelles und genetisches Gepräge aufwies. 

Man möchte auch meinen, daß jene indogermanische-mediterrane Mischkultur, als die sich uns die antiken Griechen in klassischer Zeit religiös, sprachlich, kulturell und genetisch zeigen, ihre Wurzeln haben könnten in einer Geschichte, die bis in das Geschehen um 4.100 v. Ztr. zurück weist. Ab 4.100 v. Ztr. könnte sich jedenfalls erstmals der Götter-Pantheon der Ägäis-Bauern mit dem Götter-Pantheon der Indogermanen von der Mittleren Wolga vermischt haben, grob gesagt: Zeus einerseits mit Apollon und Dionysos andererseits.  

"500 Jahre früher als erwartet"

In der Presseerklärung des Max-Planck-Instituts für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig äußert sich die Erstautorin ähnlich überrascht von ihren Ergebnissen wie wir es sind (MPG2023):

„Die größte Überraschung für uns war, daß wir eine Beimischung der typischen genetischen Steppensignatur nun mehr als 500 Jahre früher als erwartet fanden“, sagt Erstautorin Sandra Penske vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie.

In der Studie selbst wie auch in der Presseerklärung wird ausdrücklich betont, daß es aktuell keine Beweise gäbe dafür, daß es die Indogermanen waren, die die mittelneolithische Kultur im Donauraum zum Zusammenbruch gebracht hätten.

Das ist ja sehr nett von Seiten der Forscher. Aber wer möchte das glauben? Sie haben scheinbar einfach ein Problem damit, auch noch in diesem Punkt Marija Gimbutas recht zu geben, nachdem sie ihr schon sonst so viel Recht hatten geben müssen. Aber das wirkt dann wahrlich ein wenig kleinkariert.

Gewiß, so viel dürfte stimmen: Damit Großkulturen zusammen brechen, bedarf es mehr als nur einer Bedrohung von außen. Sie müssen auch von innen heraus - sozusagen - "reif zum Zusammenbruch" sein. Aber daß das Waffenarsenal, das die Indogermanen jener Zeit in so besonders auffälliger Weise - und im Gegensatz zu allen anderen Kulturen ihrer Zeit - mit sich führten, überhaupt nichts mit diesem Zusammenbruch zu tun gehabt haben soll, das möchte einem wahrlich nicht als besonders wahrscheinlich in den Sinn kommen .....

Aber vielleicht standen an den Bahnsteigen der ankommenden Indogermanen im Bereich der Unteren Donau um 4.100 v. Ztr. ebenfalls viele Menschen, schwenkten Fahnen und riefen: "Refugees welcome". Alles ist möglich. (Wir könnten uns ja vorstellen, daß das die an den Rand der Gesellschaft gedrängten Karpaten-Jäger-Sammler waren ...)

/ leicht überarbeitet: 
31.7.2023 /

__________________

  1. Penske, S., Rohrlach, A.B., Childebayeva, A. et al. Early contact between late farming and pastoralist societies in southeastern Europe. Nature (2023). https://doi.org/10.1038/s41586-023-06334-8, Published 19 July 2023, https://www.nature.com/articles/s41586-023-06334-8.

Mittwoch, 6. Juli 2022

Lepenski Vir - Ein Fischerdorf, von ersten europäischen Bauern errichtet

Frühneolithische Bauern treffen am Donaudurchbruch des Eisernen Tores auf einheimische Fischer, Jäger und Sammler (6.200 v. Ztr.)

Wir wollen hier festhalten, daß vor einer Woche, am 28. Juni, eine neue archäogenetische Studie zur berühmten "mesolithischen" Siedlung von Lepenski Vir (6.200 bis 5.900 v. Ztr) (Wiki, engl, Com.) nahe des Donaudurchbruchs in Serbien erschienen ist (1). Fünf Tage später erschien zu demselben Fundort eine zweite Studie von einer Untergruppe der Autoren der ersten Studie (2). In dieser zweiten Studie wird schon im Titel konkreter und präziser auf Schlußfolgerungen aufmerksam gemacht, die vermutlich aus beiden Studien gezogen werden können: "Ist das Fischerdorf von Lepenski Vir von den ersten europäischen Bauern errichtet worden?" (2)

Abb. 1: Die Häuser von Lepenski Vir weisen trapezoiden Grundriß auf und sind zum Fluß hin geöffnet, in der Mitte eine Feuerstelle, in den Wänden wurden - so wie in der Ägäis - Tote bestattet (Wiki)

Der Donaudurchbruch am Eisernen Tor in Serbien, der sich über zig Kilometer durchs Gebirge hinzieht, war bis ins 20. Jahrhundert hinein wegen der schnellen Strömung für die Schiffer gefährlich zu befahren. Es scheint, als wäre die Siedlung Lepenski Vir in vorgeschichtlicher Zeit nur entweder über den Fluß hinweg zu erreichen gewesen oder entlang eines schmalen Pfades durch die Berge. Lepenski Vir ist nach einer Siedlungsunterbrechung von 3000 Jahren um 6.200 v. Ztr. wieder besiedelt worden, und zwar mit ersten Häusern mit trapezoidem Grundriß und einem besonders ausgelegten Fußboden (Abb. 1). Erst ab 5.900 v. Ztr. finden sich domestizierte Tiere am Fundort. Eine gewöhnliche Landwirtschaft konnte an diesem Fundort nicht stattfinden, da dafür das Hinterland mit Lößböden fehlt.

Man kann also davon ausgehen, daß es sich um eine Art "Außenstation" der Starcevö-Körös-Kultur gehandelt hat, die sich in dieser Zeit über den ganzen Balkan ausgebreitet hat. Als "Außenstation" mag sie provisorischeren Charakter aufgewiesen haben als die Siedlungen dieser Kultur sonst. Und es mag in den ersten Generationen mehr Vermischungen mit einheimischen Jägern und Sammlern gegeben haben als das sonst für die Starcevö-Körös-Kultur beobachtet werden kann.

Die Häuser mit trapezoidem Grundriß waren zum Fluß hin ausgerichtet und wiesen in der Mitte eine Feuerstelle auf. Mitunter war an den Rand der Häuser oder der Feuerstelle ein Stein mit einem menschenähnlichen Gesicht aufgestellt, der einen fischartigen Mund aufwies. Womöglich war damit eine Flußgottheit dargestellt ("ancestor statues"). Diese Steine stellen das "Leitmotiv" der Kultur von Lepenski Vir dar. Sie muten sehr urtümlich an. In den Wänden der Häuser wurden - so wie damals auch in der Ägäis und in Anatolien - die Toten bestattet.

Wir haben ja schon bei den bis ins 20. Jahrhundert "mesolithisch" lebenden Mansen und Chanten in Westsibirien hier auf dem Blog gesehen, wie es bei ihnen geradezu für jede gejagte Tierart eine eigene Gottheit gab, die in Schreinen oder eigenen Häusern in Festen als "Besucher" verehrt wurden (z. B. im "Bärenfest"). Es ging darum, sich die jeweilige Gottheit dieser Tierart, der man sich selbst nah verwandt fühlte, die man als "Bruder" empfand, als "Verwandten" empfand, gewogen zu halten. Ähnliches könnte in Lepenski Vir vorgelegen haben.

Es wird in der Zusammenfassung der zweiten neuen Studie im Gegensatz zum bisherigen Forschungsstand ausgeführt (2):

Auch hier stehen Hausbau, frühe Dorfgesellschaft und Ackerbau vornehmlich in Verbindung mit den ersten europäischen Bauern, womit eine lange angenommene Deutung von Lepenski Vir als einer mesolithischen Gemeinschaft, die neolithische Praktiken übernommen hätte, widerlegt wird. Eine genaue Beachtung der Zeitabfolge der Bevölkerungsveränderungen am Fundort legt nahe, daß die ägäischen Ankömmlinge nicht einfach in eine bestehende mesolithische Gesellschaft integriert wurden, sondern daß sie viel eher neue Linien und Haushalte begründeten. Die Mesolithiker am Eisernen Tor und ihre vermischten Nachkömmlinge scheinen vornehmlich abgetrennt an den Rändern der Siedlung bestattet worden zu sein, ihre Ernährung zeigt keine wesentliche Verschiebung von Fischverzehr hin zu häufigerem Pflanzen- und sonstigem Tierverzehr.
Here too, house construction, early village society and agriculture were primarily associated with Europe's first farmers, thus challenging the long-held interpretation of Lepenski Vir as a Mesolithic community that adopted Neolithic practices. A detailed timeline of population changes at the site suggests that Aegean incomers did not simply integrate into an established Mesolithic society, rather founded new lineages and households. Iron Gates foragers and their admixed descendants appear to have been buried largely separately, on the fringes of the settlement, their diet showing no major shift from aquatic to terrestrial food resources.

Mesolithiker am Eisernen Tor - Eine eigene Untergruppe der westeuropäischen Jäger und Sammler

Über die ursprüngliche Genetik der Mesolithiker vor Ort wird ausgeführt (2):

Eine Studie von Marchi et al. zeigte jüngst, daß sich die südosteuropäischen Jäger und Sammler von den mittel- und westeuropäischen Jägern und Sammlern vor 23.000 Jahren getrennt hatten. (...) Unsere Analysen bestätigen, daß die Populationen am Eisernen Tor vor der Ankunft des Ackerbaus im Zentralen Balkan nicht zu denselben Heiratsnetzwerken gehörten wie die ägäischen und anatolischen Populationen.
A recent study by Marchi et al. has shown that southeastern European hunter-gatherers were separated from the central and western European hunter-gatherers since ~23 thousand years ago (Marchi et al., 2022; Mathieson et al., 2018). (...) Our analyses confirm that Iron Gates populations were not part of the same mating networks as Aegean and Anatolian populations before the advent of agriculture in the Central Balkans (Mathieson et al., 2018).

Aus den genannten Gründen werden die Jäger und Sammler am Eisernen Tor, die in dieser Studie behandelt werden, als jene vom Eisernen Tor bezeichnet, nicht als "westeuropäische Jäger und Sammler" - obwohl sie insgesamt gesehen zu dieser großen Völkergruppe der westeuropäischen Jäger und Sammler hinzuzuzählen sind.

Menschen mit vermischer Herkunft (mesolithischer vom Eisernen Tor und neolithischer von der Ägäis) gibt es in Lepenski Vir nur etwa 300 Jahre lang, also zwischen 6.200 v. Ztr. und 5.900 v. Ztr.. Danach findet sich vor Ort mesolithische Herkunft höchstens noch in wenigen Prozentsätzen (2). 

Abb. 2: Siedlungsgrenzen ("frontiers") bei der Ausbreitung des Ackerbaus in der Ägäis zwischen 9.500 und 5.500 v. Ztr. (aus 2)

In der Studie findet sich außerdem noch eine interessante Grafik, auf der Siedlungsgrenzen ("frontiers") bei der Ausbreitung des Ackerbaus zwischen 9.500 und 5.500 v. Ztr. dargestellt sind (Abb. 2). Für die Zeit ab 5.700 v. Ztr. wäre auf dieser eine weitere Siedlungsgrenze in der Region nördlich von Wien einzutragen (Bandkeramiker).

Immer mehr wird der Forschung bewußt, daß es sich bei der Ausbreitung des Ackerbaus um demographische Ausbreitung entlang von Siedlungsgrenzen ("Frontiers") handelt, das heißt, mehrheitlich nicht um weiträumige "Wanderungsbewegungen".

Das äußere Erscheinungsbild der Neuankömmlinge am Eisernen Tor glich dem der Neuankömmlinge auch sonst in Europa. Zu ihm wird ausgeführt (1):

Die neolithischen Individuen am Eisernen Tor waren von ihrer Körpergröße her kleiner und neigten dazu, hellere Pigmentierungen aufzuweisen als die einheimischen Mesolithiker.
Neolithic individuals (in the Danube Gorges) were smaller and tended to have lighter pigmentation than indigenous foragers.

Das betrifft Haut-, Augen- und Haarfarbe (1):

Hellere Hautfarbe, blauere Augen, lichtere Haarfarbe und dünnere Haare.
Lighter skin pigmentation, bluer eyes, lighter hair pigmentation and lighter hair shade.

So die kennzeichnenden Körpermerkmale für die Nachkommen der Bauern aus der Ägäis.

__________

  1. Between fishing and farming: palaeogenomic analyses reveal cross-cultural interactions triggered by the arrival of the Neolithic in the Danube Gorges. Zuzana Hofmanová, Carlos S. Reyna-Blanco, Camille de Becdelièvre, Ilektra Schulz, Jens Blöcher, Jelena Jovanović, Laura Winkelbach, Sylwia M. Figarska, Anna Schulz, Marko Porčić, Petr Květina, Alexandros Tsoupas, Mathias Currat, Alexandra Buzhilova, Fokke Gerritsen, Necmi Karul, George McGlynn, Jörg Orschiedt, Rana Özbal, Joris Peters, Bogdan Ridush, Thomas Terberger, Maria Teschler-Nicola, Gunita Zariņa, Andrea Zeeb-Lanz, Sofija Stefanović, Joachim Burger, Daniel Wegmann - 28.6.2022 (pdf), https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2022.06.24.497512v1
  2. Was fishing village of Lepenski Vir built by Europe's first farmers? Maxime Nicolas Brami, Laura Winkelbach, Ilektra Schulz, Mona Schreiber, Jens Bloecher, Yoan Diekmann, Joachim Burger bioRxiv 2022.06.28.498048; doi: https://doi.org/10.1101/2022.06.28.498048, https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2022.06.28.498048v1

Mittwoch, 29. Juni 2022

Zur Archäogenetik der Cucuteni-Tripolje-Kultur ab 4.800 v. Ztr.

Eine neue Studie

Die Ethnogenese, die Geschichte und der Untergang des großen Volkes der Cucuteni-Tripolje-Kultur (4.800 bis 2.750 v. Ztr.) (Wiki) östlich der Karpaten und auf den Schwarzerdeböden der Ukraine - samt ihrer "Megasites" - war schon mehrfach Thema hier auf dem Blog (Stgen2017, Stgen2019, Stgen2021, Stgen2021, Stgen2021). Nicht zuletzt deshalb, weil dies die erste seßhafte, komplex-arbeitsteilige Gesellschaft gewesen ist, auf die das Volk der Urindogermanen der Chwalynsk-Kultur von der Mittleren Wolga und vom Don aus auf seinem Weg der demographischen Ausbreitung gen Westen gestoßen ist.

Noch vor dem Höhepunkt der Ausbreitungsgeschichte der Cucuteni-Tripolje-Kultur hat sich indogermanische Steppen-Herkunft zu etwa 20 % in die Angehörigen dieser Kultur eingemischt. Dieser Vorgang scheint - so der Archäologe Vladimir Dergachev und andere - nicht ohne Krieg abgelaufen zu sein.

Nun ist eine neue archäogenetische Studie zur Geschichte dieser Kultur erschienen (1):

Die ältesten Siedlungsorte der Cucuteni-Kultur sind am Fuße der Karpaten gefunden worden und (...) datieren auf 4.800 v. Ztr.. Die Cucuteni-Kultur entstand aus dem Zusammenwirken mehrerer neolithischer Gruppierungen an der Donau, was sich in der Ähnlichkeit des Hausbaus, von Keramik-Stilen und von Steinwerkzeugen wiederspiegelt.
The earliest CTCC sites are found in the piedmont of the Carpathian Mountains and the earliest radiocarbon dates (from the Precucuteni 2 period) date to around 4800 BCE. The CTCC originated from the interaction of several Danubian Neolithic groups, with evidence for similarities in house construction, ceramic styles, and lithic artifact production.

Weiterhin wird in der Einleitung ausgeführt (1):

Während der mittleren bis späten Phasen der Tripolje-Kultur (4.100 bis 3.400 v. Ztr.) begründeten einige Gruppen außerordentlich große Siedlungen in der Mittleren Ukraine, die oft als Riesen-Siedlungen oder Megasites bezeichnet werden, und die 100 bis 320 Hektar umfaßten.
During the middle-to-late periods of the Trypillia culture (Trypillia BII to CI; 4100–3400 BCE), some CTCC groups established extremely large settlements in Central Ukraine, often referred to as “giant-settlements'' or “megasites,” which attained sizes of 100–320 ha. Rapid demographic growth within the CTCC around the turn of the fourth millennium BCE necessitated the exploitation of new territories, precipitating migrations to previously peripheral areas.

Und (1):

Interessanterweise wurden die Megasites um etwa 3.400 v. Ztr. im wesentlichen aufgegeben. Die Ursache dafür steht unter Debatte, eine Hypothese ist eine Zunahme an Konflikt aufgrund der Westausbreitung von Steppen-Populationen. Eine solche Hypothese könnte Unterstützung finden in den häufigen Hinweisen auf gewaltsamen Tod, die in der Verteba-Höhle gefunden worden sind.
Interestingly, after around 3400 BCE, the Trypillian mega-sites were largely abandoned. The cause of this abandonment has been widely debated, one hypothesis is an increase in conflict due to the westward expansion of steppe populations. Such a hypothesis may find corroboration in the frequent evidence of violent death discovered in Verteba cave.

So ist der bisherige Forschungsstand in der Einleitung referiert worden. Zur Datierung der 18 neu sequenzierten Menschenfunde aus der Verteba-Höhle am Sereth im Osten der Karpaten wird ausgeführt (1):

Sechs Funde (...) datieren auf 3.790 bis 3.535 v. Ztr., eines auf 1.960 bis 1.770 v. Ztr. und eines auf 980 bis 825 v. Ztr..
Eight of the samples were directly radiocarbon dated and we determined that six (VERT-035, VERT-106, VERT-031, VERT-100, VERT-104 and VERT-015) date to 3790–3535 cal BCE (2σ; Late Eneolithic), one individual (VERT-113) from Site 7 dates to 1960–1770 cal BCE (Middle Bronze Age; MBA) and one from Site 17 (VERT-114) dates to 980–825 cal BCE (Late Bronze Age; LBA).

Eine weite Zeitspanne, in der diese Höhle genutzt worden ist. Im zweiten und ersten Jahrtausend v. Ztr. natürlich von ganz anderen Kulturen als zuvor, denn da war die Cucuteni-Tripoje-Kultur längst untergegangen (nämlich etwa um 2.750 v. Ztr.). Wir haben es aber in der großen Mehrheit mit Menschenfunden zu tun der mittleren bis späten Phase der Tripolje-Kultur, also der Zeit der Megasites.

Abb. 1: Farben der Herkunftsgruppen: Rot - Westeuropäische Jäger und Sammler ("Loschbour" und "Körös"), Gelb - Anatolisch-neolithische Herkunft, Lila/Hellblau/Rot - (indogermanische) Steppen-Herkunft (aus 1)

Aus der Grafik in Abbildung 1 können wir nun die Herkunft dieser Menschen auslesen: Die Bandkeramiker des Frühneolithikums, die sich bis in den Ostkarpaten-Raum ausgebreitet hatten, waren zu etwa 8 Prozent mit westeuropäischen Jägern und Sammlern vermischt (gelb und rot). Sie und ihre Ausgangspopulationen finden sich in allen dargestellten Menschenfunde aus Ungarn ("Hungary"). Auffallenderweise weist ein spätneolithisches Individuum aus Ungarn schon eine geringe Einmischung von Steppen-Genetik auf (hell- und dunkelblau). Wir hatten ja schon die erstaunliche Tatsache festgestellt, daß sich diese Steppen-Genetik von der Mittleren Wolga aus um 4.500 v. Ztr. innerhalb nur weniger Jahrhunderte bis in den Donauraum Ungarns ausgebreitet hatte (zuletzt: Stgen2022).

Die Menschenfunde aus der Verteba-Höhle haben einen für das europäische Mittelneolithikum typischen, gegenüber der Bandkeramik leicht erhöhten Anteil westeuropäischer Jäger-Sammler-Genetik (bis zu 18 %). Und sie weisen - bis auf ein Individuum - in unterschiedlichen Anteilen Steppen-Genetik auf. Und zwar - in der Grafik - bis zu 25 %. Ganz oben in der Grafik kommen dann zwei zeitlich später datierte Menschenfunde der Verteba-Höhle zur Darstellung, die in der Studie folgendermaßen charakterisiert werden (1):

Die Hauptkomponenten-Analyse zeigt die große Ähnlichkeit der 18 neu sequenzierten Tripolje-Angehörigen mit den vier schon zuvor aus der Verteba-Höhle sequenzierten auf. Deshalb haben wir alle 22 Individuen gemeinsam als Verteba-Tripoljer bezeichnet und im weiteren gemeinsam analysiert. Die beiden bronzezeitlichen Individuen sind klare "Abweichler". Das Individuum VERT-114 fällt in die genetische Glockenbecher-Vielfalt und scheint genetisch tschechischen, ungarischen und polnischen Glockenbecher-Gruppen nahe zu stehen. Individuum VERT-113 scheint genetisch europäischen Schnurkeramik und Srubnava-Populationen nahe zu stehen, die eine starke Nähe zu Steppen-Menschenfunden aufzeigen.
The PCA also evidenced the extreme similarity between the 18 newly reported Trypillians and the other four Trypillians from Verteba Cave previously sequenced, therefore all these 22 individuals were labeled together as Verteba_Trypillia and further analyzed together. The two Bronze Age individuals are clear outliers. Individual VERT-114 falls within the Bell-Beaker diversity and appears to have a position close to the Czech, Hungarian and Polish Bell-Beaker groups. Individual VERT-113 appears close to European Corded-Ware and Srubnaya populations, showing a strong affinity to steppe samples.

Für die Tripolje-Bevölkerung wird als Herkunft festgestellt (1):

40% anatolisch-neolithisch, 20% westeuropäische Jäger-Sammler-Genetik, 40% Kaukasus-Jäger-Sammler-Genetik.
40% of Anatolia Neolithic-related ancestry, 20% of WHG and 40% of CHG.

Der hier genannte, auffallend hohe Anteil von Kaukasus-Jäger-Sammler-Genetik findet sich allerdings in der Grafik in Abbildung 1 nicht wieder. Diesen Widerspruch können wir vorderhand hier nicht klären. Die Herkunft der westeuropäischen Jäger-Sammler-Komponente kann, so wird weiterhin ausgeführt, am besten auf die Körös-Jäger-Sammler zurück geführt werden und nicht auf Jäger-Sammler-Gruppierungen, die vor dem Neolithikum in der Ukraine gelebt haben (1).

Die Körös-Jäger-Sammler spielten übrigens auch bei der Ethnogenese des Volkes der Jordansmühler Kultur in Bömen und Schlesien ab 4.300 v. Ztr. eine Rolle (Stgen2021).

Zum Phänotyp der Tripolje-Menschen wird gesagt (1):

Abgesehen von zwei Individuen wies die Mehrheit der Individuen in der Verteba-Höhle jene Variante von SNP rs12913832 auf, die mit blauen Augen in Verbindung steht, die anderen beiden jene, die mit dunklen in Verbindung steht.
Except for two individuals, the majority of individuals from Verteba cave have the variant of SNP rs12913832 associated with blue eyes and the other two associated with dark ones.

Womöglich waren uns die Menschen der Cucuteni-Tripolje-Kultur in ihrer Mehrheit phänotypisch viel ähnlicher als man so ohne weiteres hätte denken können. Zu unserer schon früher aufgeworfenen Frage, wie viele Generationen die Einmischung der Steppen-Genetik bei den Tripolje-Leuten zurück liegen könnte, wird folgendes ausgeführt (1):

Die Steppen-Herkunft war in den Verteba-Individuen geringer als in Moldavien. Das könnte mit dem jeweiligen Alter der Individuen zusammen hängen. Und das könnte nahe legen eine kontinuierliche Einmischung von Osten nach Westen, die die Steppen-Genetik während des vierten Jahrtausends v. Ztr. allmählich erhöht haben könnte.
We also observe the presence of steppe-related ancestry in these individuals, as was revealed in Moldova, although the proportion in the Verteba individuals is lower, which could correlate with the age of the individuals suggesting a continuous pulse from the East to the West gradually increasing the Yamnaya-related ancestry during the fourth millenium BCE.

Das wäre ein Szenario, mit dem wir hier auf dem Blog nicht so ohne weiteres gerechnet hatten bislang. Da die Indogermanen in Moldawien, in der Donaumündung, ja, in Ungarn genauso früh aufgetreten sind wie am Ostrand der Cucuteni-Tripolje-Kultur und da kriegerische Auseinandersetzungen beobachtbar sind innerhalb dieser Kultur von Beginn des Auftretens der Indogermanen ab etwa 4.500 v. Ztr. an, möchten wir weiterhin nicht ausschließen, daß diese Einmischung schon vergleichsweise früh, und zwar schon ab dem mittleren 5. Jahrtausend erfolgt ist. Aber vielleicht handelt es sich doch um einen kontinuierlicheren Prozeß der Einmischung als bislang erwartet.

Zu dieser Frage wird man weitere Studien in der Zukunft abwarten müssen. Beziehungsweise müßten wir uns noch genauer mit den Datierungen der jeweiligen hier untersuchten Individuuen beschäftigen, um uns von dieser These noch mehr überzeugen zu lassen. Interessant genug ist sie immerhin.

Haben die Glockenbecher-Leute östlich der Karpaten 1000 Jahre länger fortbestanden?

Das genannte Individuum Vert-114 aus dem 1. Jahrtausend v. Ztr., das genetisch Glockenbecher-Gruppen nahestand, wird auch auf Verwandtschaft mit den erst gestern im Blogartikel behandelten Kimmerern, bzw. Skythen untersucht (1):

Wir untersuchten ebenso mögliche Verbindungen dieses Individuums mit den Kimmerern, die sich in der heutigen Ukraine etwa ab 1.000 v. Ztr. bemerkbar machten, womit sie zeitgleich zu VERT-114 standen.
We also explored the possible connections between this individual and the Cimmerians, who established themselves in present-day Ukraine around the year 1000 BCE, being contemporary to VERT-114.

Es hätte sich aber eine größere genetische Nähe zu den Glockenbecher-Gruppen als zu den zeitgleichen Kimmerern gezeigt. So wird es auch noch einmal im Diskussionsteil ausgeführt (1):

Die Herkunftsanteile von VERT-114 legen eine Verbindung zu Glockenbecher-Gruppen nahe, obwohl es fast tausend Jahre jünger ist als das Ende der Glockenbecher-Kultur und obwohl es eher zeitgleich zu Kimmerern oder Skythen liegt. Dennoch (...) scheinen unsere Ergebnisse eher eine Ähnlichkeit mit Glockenbecher-Gruppen als mit Kimmerern nahezulegen.
The genomic composition of VERT-114 suggests a relationship with Beaker-related populations, despite being almost 1000 years younger than the end of the Bell Beaker phenomenon, and with a date that would be more coincident with the Cimmerians or Scythians. However, no qpAdm models with these cultures work and the f4 results do seem to confirm the similarity with the Bell Beakers over the Cimmerians. 

Die östlichste Ausbreitung der Glockenbecher-Kultur scheint bislang nur in den Westkarpaten festgestellt worden zu sein. Deshalb muß dieses Ergebnis zusätzlich überraschen. Auch hier wird man weitere Forschungen abwarten müssen. Ein vielfältiges Kommen und Gehen unterschiedlicher indogermanischer Völker innerhalb der Ukraine nach dem Untergang der Cucuteni-Tripolje-Kultur scheint sich hier anzudeuten. Diesem könnte man sicherlich anhand anderer archäogenetischer Studien noch genauer nachgehen: Soweit wir das bislang überblicken, sind hier festzustellen: Schnurkeramiker, Glockenbecher-Leute (?), Kimmerer, Skythen, Sarmaten und Goten. Aber diese List ist sicherlich noch nicht vollständig.

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  1. Gelabert, P., Schmidt, R. W., Fernandes, D. M., Karsten, J. K., Harper, T. K., Madden, G. D., ... & Pinhasi, R. (2022). Genomes from Verteba cave suggest diversity within the Trypillians in Ukraine. Scientific reports, 12(1), 4.5.2022, 1-12, https://www.nature.com/articles/s41598-022-11117-8.

Sonntag, 13. Februar 2022

2.200 v. Ztr. - Abwanderungen indogermanischer Völker aus Ungarn?

Ein Volk unbekannter Herkunft löste die vorhergehende indogermanische Kultur am Plattensee ab (2.200 bis 1900 v. Ztr.)
- Waren es vormalige Unterschichten-Verbündete der Indogermanen?  

2.200 v. Ztr. ist eine große Umbruchszeit im Leben der europäischen und vorderasiatischen Völker (Wiki). 800 bis 600 Jahre zuvor hatten die indogermanischen Schnurkeramik- und Glockenbecher-Kulturen begonnen, sich über weite Teile Mitteleuropas und Skandinaviens auszubreiten.

2.200 v. Ztr. - Eine Umbruchzeit im Völkerleben Europas und des Vorderen Orients

Um 2.200 v. Ztr. breitet sich der Streitwagen und das ihn ziehende domestizierte Pferd, das ab 3.500 v. Ztr. innerhalb der Maikop-Kultur (nördlich des Kaukasus), der Jamnaja-Kultur und der Poltavka-Kultur domestiziert worden war, sehr zügig über ganz Europa hinweg aus (Stgen/2021). Ebenso mit der Kura-Araxes-Kultur des Kaukasus und mit den aus dieser Kultur hervorgehenden, oberflächlicher bis ausgeprägter kulturell indogermanisierten Völkern nach Süden, zunächst mit den Hurritern und Mittani (Stgen/2022), später mit den Hethitern, Luwiern und Amoritern (die alle genetisch keinerlei Steppengenetik aufweisen, letztere sprachen eine semitische Sprache, ihre Herkunft ist noch dunkel.) 

In Westanatolien werden um 2.200 v. Ztr. sämtliche Städte zerstört, vermutlich von den indogermanisierten Hethitern und Luwiern aus dem Kaukasus (Wiki). In Syrien und im Levanteraum werden ebenfalls sämtliche Städte zerstört, vermutlich von den Amoritern (Wiki). 

Abb. 1: Die Glockenbecher-Kultur in Ungarn - Becher der "Csepel-Kultur", einer Untergruppe der Glockenbecher-Kultur im ungarisch-slowakischen Grenzraum, gefunden in der Nähe von Budapest, Museum von Budapest (Wiki)

Zur gleichen Zeit tritt in Nordgriechenland zum ersten mal indogermanische Steppengenetik auf (Stgen/2021). Zur gleichen Zeit, ab 2.200 v. Ztr. kommen die Indogermanen massiv nach Spanien (Stgen/2019, Stgen2021). Ebenso nach England (Stgen/2010, Stgen/2021) und Italien (Stgen2019). Ebenso nach Sizilien (Stgen/2020) und Sardinien (Stgen/2021) und nach Algerien und Marokko (Stgen2021). Die indogermanische Aunjetitzer Kultur breitet sich von Norden her nach Böhmen aus (Stgen/2021).

Am Nordrand der ungarischen Donau-Ebene entstehen die ersten städtischen Siedlungen (Stgen/2010). Stabdolche und Ösenhals-Ringe werden zu einer ersten europäischen "Währung" (Stgen/2010). 

Die Schnurkeramik-Kultur verbreitet sich nach Finnland (Stgen2016). Die Sintashta-Kultur entsteht südlich des Ural aus westlichen Schnurkeramik-Kulturen und breitet sich in den nächsten wenigen Jahrhunderten als "Arier" nach Nordindien aus (Stgen2020). In Turkmenistan entsteht die ausgereifte Marghiana-Kultur (Stgen2019) (allerdings noch ohne genetische oder kulturelle Beeinflussung durch Indogermanen, soweit bislang erkennbar). 

Aus der germanischen Völkerwanderung ab etwa 250 n. Ztr. ist bekannt, daß Völker, wenn sie auf Wanderschaft gingen, ihre vormalige Heimat gerne auch einmal weitgehend entvölkert zurück lassen konnten, so daß sich in diese Räume neue Völker hinein ausbreiten konnten. Dies ist etwa für manche Gegenden östlich der Elbe und der Oder bezeugt. Die an der Elbe zurückgebliebenen Wandalen schickten etwa Gesandtschaften nach Nordafrika mit der Bitte, die zurückgelassenen Ländereien neu verteilen zu dürfen. Diese Bitte wurde damals noch von den Wandalen in Nordafrika abgeschlagen. Nachdem sie in Nordafrika untergegangen waren, wird sich diese Problematik von selbst erledigt haben. Könnte es solche Erscheinungen auch schon in der Zeit um 2.200 v. Ztr. herum gegeben haben?

Blicken wir in den Raum des heutigen Ungarn, des heutigen Kroatiens und des heutigen Dalmatien. Zu diesen Regionen sind letztes und dieses Jahr zwei neue archäogenetische Studien erschienen, die auch Entwicklungen in der Zeit um 2.200 v. Ztr. in den Blick nehmen. Und wir erinnern uns daran, daß es Vermutungen gibt, daß Apulien im Süden Italiens um 2.200 v. Ztr. von indogermanischen Stämmen aus Dalmatien heraus besiedelt worden sein könnte (1). Diese scheinen vergleichsweise unvermischt nach Apulien gekommen zu sein (1). Wie das zustande gekommen sein kann, können wir in diesem Beitrag nicht abschließend klären. 

Denn wir werden unten sehen, daß wir es in Kroatien und Dalmatien schon ab 2.800 v. Ztr. mit vermischter Genetik (Steppengenetik/mittelneolithische Genetik) zu tun haben. Auf jeden Fall könnte dieses Übersetzen nach Apulien deutlich machen, daß es um 2.200 v. Ztr. herum, also in der Mittleren Bronzezeit, aus dem ungarisch-kroatischen Raum heraus auch wieder zu Abwanderungen indogermanischer Stämme gekommen ein könnte. 

Abb. 2: Gefäß der späten Mako-Kultur in Ungarn (2.500 bis 2.100 v. Ztr.) (Wiki)

Aber zunächst: In Kroatien und Dalmatien hatten die Menschen im Mittelneolithikum nur 2,4 % Herkunftsanteile westeuropäischer Jäger und Sammler. Sie stammten ansonsten ab von den anatolisch-neolithischen Bauern, die auch sonst das Frühneolithikum in Europa bestimmten. Diese wenigen Prozent scheinen schon zur Zeit der Ausbreitung des Ackerbaus in das Genom der Menschen in Kroatien hinein gekommen zu sein und über Jahrtausende dort fortexistiert zu haben (2). Dieser Umstand ist deshalb so wichtig, weil sich auch dieser mit der Ankunft der Indogermanen sehr deutlich ändern wird.

2.500 v. Ztr. - Die Indogermanen kommen nach Kroatien und Ungarn

In der Zeit zwischen 2.800 bis 2.500 v. Ztr. (2; Suppl. pdf, S. 5), also während der dortigen Kupferzeit, kam dann 30 % Steppengenetik in das Genom der Menschen, die im heutigen Kroatien lebten. Außerdem auch ein größerer Herkunftsanteil westeuropäischer Jäger und Sammler.

Das geschah zeitgleich zur Ausbreitung der indogermanischen Steppengenetik auch sonst in Mitteleuropa.

2.200 v. Ztr. - Jäger-Sammler-Herkunft kommt (zurück) nach Kroatien

In der Mittleren Bronzezeit in Kroatien treten dann 160 Kilometer südlich vom Plattensee Menschen auf, die ein erneutes Anwachsen der Herkunftskomponente der westeuropäischen Jäger und Sammler auf 20 % zeigen, gleichzeitig mit einem zusätzlichen Anwachsen der Steppenherkunft auf 33 % (frühneolithische Bauernkomponente 47 %). Der Zeitpunkt der Vermischung der frühneolithischen Bauernkomponente dieser Menschen mit der für diesen Raum ganz ungewöhnlichen Jäger-Sammler-Komponente wird - sehr grob - auf die Zeit um 3.000 v. Ztr. datiert (3.400 bis 2.400 v. Ztr.). Dies ist durch Menschenfunde aus einer Siedlung bei Jagodnjak/Katschfeld in Kroatien bezeugt*) (2). Eine vergleichbare Herkunftszusammensetzung findet sich bei zeitgleichen Menschenfunden von Makó in Ungarn, etwa 200 Kilometer nordöstlich von Jagodnjak (2) (s. Abb. 2).

Soweit Ergebnisse einer archäogenetischen Studie aus dem Herbst 2021 zu Kroatien und Dalmatien. Dieses Bild wird neuerdings noch verstärkt durch Ergebnisse einer neuen archäogenetischen Preprint-Studie zum Plattensee in Ungarn aus dem Februar 2022 (3).

Wir wissen, daß auf der Insel Gotland Menschen mesolithischer Herkunft angesiedelt wurden, die indogermanische Streitaxt-Kultur-Elemente angenommen hatten (4). Es war das parallel zum Untergang der Trichterbecher-Kultur auf der Insel Gotland geschehen, die auf dieser Insel keine Nachkommen hinterlassen hat.

Nun findet die Forschung das "Wiederauferstehen" eines Volkes vorwiegend mesolithischer Herkunft ebenso auch am Plattensee, das zugleich sowohl Glockebecher- wie Trichterbecher-Herkunft aufweist (3). Haben wir hier einen weiteren Stamm von "Unterschichten-Verbündeten" indogermanischer Völker vor uns (5), der mit den Eroberungszügen und etwaigen Abwanderungen der Indogermanen neue Dynamik erhalten hatte in der Früh- und Mittelbronzezeit? Dies ist bekannt geworden von dem (3) ...

... Fundort Balatonkeresztúr-Réti-dűlő im westlichen Ungarn, wo während Straßenbauarbeiten unter anderem bronzezeitliche Fundkonstellationen aufgedeckt worden sind. Es können drei archäologische Zeithorizonte unterschieden werden, die Somogyvár-Vinkovci-Kultur (~2500-2200 v. Ztr.), die Kisapostag-Kultur (~2200–1900 v. Ztr.) und die Kultur der inkrustierten Keramik (~1900–1450 BCE) ...
... Balatonkeresztúr-Réti-dűlő site in Western Hungary, where - among others - Bronze Age assemblies were found during roadwork in 2003. Three Bronze Age archaeological horizons can be distinguished, from the Somogyvár-Vinkovci culture (~2500-2200 BCE), Kisapostag culture (~2200–1900 BCE) and to the Encrusted pottery culture (~1900–1450 BCE) ....

Die Angehörigen der Somogyvár-Vinkovci-Kultur (~2500-2200 BCE) hatten nun fast zur Hälfte Glockenbecherleute-Abstammung. Aber auffallenderweise auch 17 % Jäger-Sammler-Herkunft (~17% HG, ~40% European farmer, ~43% steppe ancestry). Die Glockenbecher-Herkunft stammte von einer südöstlichen Glockenbecher-Gruppe in Polen, so die Studie (3). Der Ursprungsort der Jäger-Sammler-Herkunft kann bislang noch nicht lokalisiert werden.

// Ergänzung 9.11.22:  Die hier behandelte Preprint-Studie ist inzwischen in offenbar überarbeiteter Form erneut eingestellt worden. Neu in der Zusammenfassung sind die folgenden Sätze (3):

Unsere Ergebnisse legen einen hohen Steppengenetik-Anteil in der Somogyvar-Vinkovci-Kultur nahe, die ersetzt worden ist durch die Kisapostag-Gruppe, die einen außergewöhnlich hohen mesolithischen Jäger-Sammler-Herkunftsanteil in sich trug (bis zu 47 %).
Our results indicate the presence of high steppe ancestry in Somogyvar-Vinkovci culture that was replaced by the Kisapostag group having an outstandingly high (up to ~47%) Mesolithic hunter-gatherer ancestry.  

Und weiter heißt es (3):

Die Jäger-Sammler-Herkunft in der Kisapostag-Kultur stammt vermutlich aus zwei Hauptquellen, einmal aus einer Bevölkerung, die mit der Trichterbecher- oder Kugelamphoren-Kultur in Zusammenhang steht und aus einer bislang nicht erkannten Quelle in Osteuropa. Wir zeigen, daß diese Herkunft nicht nur in verschiedenen mitteleuropäischen bronzezeitlichen Gruppen auftritt, sondern ebenso zur Herkunft baltischer Bevölkerungen beitrug.
The hunter-gatherer ancestry in Kisapostag is likely derived from two main sources, one from a Funnelbeaker or Globular Amphora culture related population and one from a previously unrecognised source in Eastern Europe. We show that this ancestry not only appeared in various groups in Bronze Age Central Europe, but also made contributions to Baltic populations.

Ende der Einfügung. //

2.200 v. Ztr. - Jäger-Sammler-Herkunft kommt (zurück) nach Ungarn

Von der Kisapostag-Kultur (~2200–1900 BCE)  (Wiki) wurden acht Männer und zwei Frauen sequenziert. Sie weisen ~41% frühneolithische Bauernherkunft auf, nur noch 17 % Steppenherkunft und ungewöhnliche 42% Jäger-Sammler-Herkunft. Aufgrund von vielfältigen Auswertungsverfahren werden als die wahrscheinlichsten Ursprungs-Bevölkerungen angenommen (3):

... schwedische Trichterbecherkultur (33 %), polnische südöstliche Glockenbecher-Kultur (42 %) und eine Jäger-Sammler-Herkunft bislang unbekannter Herkunft von 29 %.
most plausible sources of Neolithic Sweden Funnel Beaker culture (~32±8%), Poland Southeast BBC (~41±6%) and an extra HG (~29±3%) ancestry of yet unknown origin.

Während wir also im südlichen Ungarn und Kroatien - siehe oben - in der Mittelbronzezeit eine Zunahme der Jäger-Sammler-Herkunft auf 20 % sehen, kommt es am Plattensee sogar zu einer Zunahme auf 29 % - wenn nicht gar auf 42 %. Auf 42 % summiert sich die Jäger-Sammler-Herkunft deshalb, weil es ja auch in der Trichterbecher-Kultur eine größere mesolithische  Jäger-Sammler-Herkunftskomponente gab (gemischt mit frühneolithischer Bauernherkunft). Diese summiert sich mit einer bislang unbekannten mesolithischen Herkunft in der Kisapostag-Kultur zu den angegebenen 42 %.

Ein letztes Auftreten von Menschen mit einem großen Herkunftsanteil westeuropäischer Jäger und Sammler und der damit verbundenen dunklen Haut- und Haarpigmentierung (4). Die letzten "reinen", ursprünglichen westeuropäischen Jäger und Sammler, die am Plattensee und in Dalmatien Jahrtausende lang ungestört gelebt hatten, waren um 5.700 v. Ztr. während der Ethnogenese der Bandkeramiker unter gegangen. Nun waren Nachkommen der westeuropäischen Jäger und Sammler aus anderen Gegenden Europas 3500 Jahre später (!!!) noch einmal "zurückgekehrt".

Da die Zusammenhänge bislang nicht so recht greifbar sind, aufgrund welcher Umstände es zu diesem "letzten" Anwachsen von Jäger-Sammler-Herkunft am Plattensee in der Mittelbronzezeit gekommen ist, ist es auch schwer, dasselbe in ein allgemeineres Bild einzuordnen. 

Es wird aber zunächst einmal schon vermutet werden dürfen, daß es sich hier - ähnlich wie auf der Insel Gotland oder auf Sardinien (5) - sozusagen um (vormalige) Unterschichten-Verbündete indogermanischer Stämme gehandelt haben könnte. Vielleicht konnten diese sich auch um den Plattensee ausbreiten, nachdem vormals dort vorherrschende Stämme abgewandert waren. Zum Beispiel nach Nordgriechenland oder nach Apulien oder noch weiter weg.

In der Studie wird - aufgrund archäologischer und archäogenetischer Hinweise - darüber nachgedacht, ob die Menschen der Kisapostag-Kultur vom Mittleren Dnjepr oder aus den nördlichen Karpaten stammen könnten (3).

Die Menschen der Kultur der inkustrierten Keramik (~1900–1450 BCE)**) werden dann als in direkter genetischer Kontinuität zu den Menschen der Kisapostag-Kultur stehend angesprochen mit kaum (3) ...:

... Verschiebungen in der Herkunfts-Zusammensetzung (29% Jäger-Sammler, 46% frühneolithische Bauern, 25 % Steppenherkunft).
Bk-III shows a shift in ancestry composition (~29% HG, ~46% European farmer, ~25% steppe).

Die Steppenherkunft wächst also wieder von 17 auf 25 %. Zu genetischen Eigenschaften, die mit den unterschiedlichen Herkunftsanteilen verbunden sind, ist noch zu erfahren (3):

Pigmentierungs-Farben unterscheiden sich sehr deutlich zwischen den archäologischen Schichten ... Die Menschen der Somogyvár-Vinkovci-Kultur weisen in der Regel helle Pigmentierung auf, blaue Augen, blondes Haar, während die Menschen der Kisapostag-Kultur eher Ähnlichkeit mit Populationen des neolithischen Europa aufweisen, obwohl sich auch einige Varianten heller Pigmentierung in dieser Gruppierung finden. Angehörige der Encrusted-Becher-Kultur zeigen eine große Vielfalt von dunklen bis hellen Tönen und sogar Menschen mit rotem Haar.
Pigmentation patterns highly differ between horizons, as Bk-I mostly possess variants for light pigmentation, blue eyes and blonde hair, while Bk-II is more similar to populations of Neolithic Europe (Fig. 2), although some variants for lighter pigmentation exist within this group too. Members of Bk-III on the other hand show a wide range from dark to light tones and even the presence of variants for red hair.

Als dann ab 1300 v. Ztr. - womöglich aus dem Donaubecken heraus - ein neues Großreich in Bewegung geriet und einen Kriegszug in den Ostsee-Raum führte, um sich dort an der Tollense in Mecklenburg mit Einheimischen eine Schlacht zu liefern, wurde eine weitere, neue Phase der Weltgeschichte eingeläutet: "Der große europäische Krieg, der zum Seevölkersturm führte" (7).


/ Ergänzt um (8): 24.6.24 /

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*) Dort lebten bis 1945 auch Donauschwaben.
**) "Encrusted pottery culture" wird ins Deutsche übersetzt mit "Kultur der inkrustierten Keramik" (s. 8). Diese Kultur war über Ungarn sehr weit verbreitet. Inkrustation ist eine Technik der Keramik-Herstellung, die es schon bei den Bandkeramikern gab (Wiki) und so auch bei vielen anderen Völkern. Bei ihr werden Muster in den Ton der Gefäße eingelegt mittels andersartiger Stoffe, oft heller, weißer. 

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  1. Bading, I.: Die Indogermanen in Apulien - Herkunftsanteil 20 bis 40 %, 31.07.2021, https://studgendeutsch.blogspot.com/2021/07/indogermanen-in-apulien-herkunftsanteil.html
  2. Freilich, S., Ringbauer, H., Los, D. et al. Reconstructing genetic histories and social organisation in Neolithic and Bronze Age Croatia. Sci Rep 11, 16729 (2021). 18.8.2021, https://doi.org/10.1038/s41598-021-94932-9, https://www.nature.com/articles/s41598-021-94932-9
  3. Interdisciplinary analyses of Bronze Age communities from Western Hungary reveal complex population histories. Daniel Gerber, Bea Szeifert, Orsolya Szekely, Balazs Egyed, Balazs Gyuris, Julia I Giblin, Aniko Horvath, Laszlo Palcsu, Kitti Kohler, Gabriella Kulcsar, Agnes Kustar, Vajk Szeverenyi, Szilvia Fabian, Balazs Gusztav Mende, Maria Bondar, Eszter Ari, Viktoria Kiss and Anna Szecsenyi-Nagy, bioRxiv. posted 6 February 2022, 10.1101/2022.02.03.478968, http://biorxiv.org/content/early/2022/02/06/2022.02.03.478968; erneut 7.11.22, https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2022.02.03.478968v2; Molecular Biology and Evolution 10.8.2023 (Acad)
  4. Bading, I.: 2.700 v. Ztr. - Die letzten einheimischen Fischer auf Gotland nehmen die indogermanische Streitaxt-Kultur an, 2020, https://studgendeutsch.blogspot.com/2020/06/die-westeuropaischen-jager-und-sammler.html
  5. Bading, I: Rebellen und Könige - Die Indogermanen, 21.08.2021, https://studgendeutsch.blogspot.com/2021/08/indogermane-sein-heit-revoluzzer-sein.html
  6. Bading, I.: Das farbenprächtige Bild der Völkergeschichte Böhmens, 28.08.2021, https://studgendeutsch.blogspot.com/2021/08/die-farbemprachtige-bild-der.html  
  7. Bading, I.: Der große europäische Krieg, der zum Seevölkersturm führte, 2019, https://studgendeutsch.blogspot.com/2019/10/volker-und-groreiche-in-bewegung-europa.html
  8. Lifeway narratives of a Bronze Age community from Balatonkeresztúr (Western Hungary) based on bioarchaeological analyses. By Viktória Kiss, Dániel Gerber, (...) Eszter Ari, and Anna Szécsényi-Nagy 2024 (pdf)

Montag, 14. Juni 2021

Östlich der Karpaten - Die Cucuteni-Kultur - Der "Deutsche Kreis"

Woher stammt der Name "Cucuteni-Tripolje-Kultur"?

In einem neuen Video des Bloginhabers wurden Inhalte der Artikel hier auf dem Blog seit Anfang Mai über die Indogermanen des 5. Jahrtausends v. Ztr. zusammenfassend referiert (1). Allerdings wurden auch unveröffentlichte Inhalte referiert. Und diese Inhalte sollen im vorliegenden Blogartikel zusätzlich noch zugänglich gemacht werden.

Denn - wie schon im Video erwähnt - die Frage stellt sich: Cucuteni-Tripolje-Kultur - woher kommen die Namen für diese Kultur? Indem man dieser Frage nachgeht, bekommt man noch einige neue Eindrücke von dieser Kultur und der sonstigen Geschichte ihres - wenig bekannten - geographischen Verbreitungsraumes.

Abb. 1: Blick von der "Deutschen Burg" bei "Târgu Neamț" ("Deutscher Markt") am Neamț (Deutscher Fluß) "im "Deutschen Kreis" in den Ostkarpaten (Wiki) - Es war dies ein Kernraum des Siedlungsgebietes der Cucuteni-Kultur. Dieser Ort liegt 40 Kilometer nördlich der Kreisstadt des "Deutschen Kreises", nämlich von Kreuzburg an der Bistritz

"Cucuteni"

Zunächst also der erste Teil des Doppelnamens. Die Ortschaft Cucuteni (Wiki) (2):

Sie liegt im Kreis Iași in Rumänien. Dort wurden die ersten Objekte entdeckt, die mit dieser Kultur in Verbindung gebracht worden sind. Cucuteni liegt in der Nähe der Stadt Iași, einem der ältesten Zentren der Kultur und der höheren Bildung in Rumänien (sie besitzt die älteste Universität des Landes). Dort gibt es eine große akademische Gemeinschaft. 1884 besuchte einer dieser akademisch Gebildeten von Iași, der Volkskundler und Lehrer Teodor T. Burada, den Siedlungshügel nahe des Dorfes Cucuteni. Während seines Besuches grub er wundervolle Keramik und Terracotta-Figurinen aus den Ruinen.
The culture was initially named after the village of Cucuteni, located in Iași County, Romania, where the first objects associated with it were discovered. Cucuteni is close to the city of Iași, which is one of the centres of culture and higher education in Romania (having the oldest university in the country), including a large academic community. In 1884, one of these Iaşi scholars, the folklorist and teacher Teodor T. Burada, visited the tell (hill-shaped ruins) located next to the village of Cucuteni. During his visit he unearthed some beautiful pottery and terracotta figurines from the ruins.

Es handelt sich hier um die historische Landschaft des westlichen Moldawien. Cucuteni liegt zwischen Sereth und Pruth, 27 Kilometer östlich des Sereth und 65 Kilometer westlich des Pruth. Sie liegt also im Kernraum der einstigen Cucuteni-Tripolje-Kultur. Sie liegt 180 Kilometer westlich von Chisinau, der Hauptstadt Moldawien, der lebenslangen Wirkungsstätte der moldavischen Archäologen Vladimir Dergachev.

Wie man auf Google Maps entdecken kann, liegt 80 Kilometer westlich von Cucuteni auch die Stadt Kreuzburg an der Bistritz (Wiki) (Abb. 2). Die Bistritz ist ein rechter Nebenfluß des Sereth. Dieser deutsche Name einer rumänischen Stadt läßt aufhorchen und genauer hinschauen. Rumänisch wird Kreuzburg interessanterweise "Piatra Neamț" genannt. Und das wiederum ist zu übersetzen mit "Deutschstein", und zwar benannt nach dem hohen bewaldeten Berg, der die Stadt dominiert (Abb. 2). Kreuzburg, bzw. Deutschstein ist nun - interessanterweise - auch die Kreisstadt eines rumänischen Landkreises, der Kreis Neamț (Wiki) benannt ist, also "Deutscher Kreis". Über diesen Kreis am östlichen Rande der Ostkarpaten lesen wir (Wiki):

Die über tausend Jahre hinweg existierende Cucuteni-Kultur ist im "Deutschen Kreis" mit einer bemerkenswerten Zahl von Siedlungen vertreten - ungefähr 150. In archäologischen Grabungen sind wichtige Museums-Sammlungen spätneolithischer Lebenszeugnisse ergraben worden.
The Cucuteni culture, whose development lasted approximately one thousand years (...) was attested in the territory of Neamţ county by a remarkable number of settlements (approx. 150), archaeological diggings unearthing important museum collections of Aeneolithic artifacts. 

40 Kilometer weiter nördlich - 60 Kilometer westlich von Cucuteni - liegt im Schutze einer Burg, die vom Deutschen Ritterorden begründet worden ist, die Stadt "Târgu Neamț" (Wiki, engl) - was mit "Deutscher Markt" zu übersetzen ist - am Fluß "Neamț", was mit "Deutscher Fluß" zu übersetzen ist (Abb. 1). Er mündet 13 Kilometer weiter im Osten in den Sereth, in den auch - weiter südlich - die Bistritz mündet.

Abb. 2: Kreuzburg an der Bistritz, Rumänisch "Piatra Neamt" ("Deutschstein") (Wiki) - Die Kreisstadt des Deutschen Kreises

Diese Ortsbezeichnungen machen einem bewußt, daß im Mittelalter nicht nur in Siebenbürgen Deutsche siedelten (Wiki):

Entsprechend der päpstlichen Bulle von 1232 - errichtete der Deutsche Orden aus dem Burzenland zwischen 1211 und 1225 auf der Ostseite der Karpaten ein castrum muntissimum, das später als diese Burg identifiziert wurde. 

Es wurde an diesem Ort auch ein eindrucksvolles mittelalterliches Kloster errichtet (Wiki):
Sächsische Siedler überquerten die Karpaten von Bistritz aus und errichteten eine Marksiedlung. (...) Niamtz war eine deutsche Siedlung des 13. Jahrhunderts, als der Deutsche Ritterorden Einfälle von Siebenbürgen aus gegen die Cumanen in Moldawien unternahm.
Saxon colonists crossed the Carpathians from the Bistrița area and built a commercial township. Some Romanian historians (...) consider that Târgu Neamț was probably a German settlement from the 13th century, when the Teutonic Order made incursions from Transylvania against the Cumanic peoples that were living in Moldavia.

In diesem Zusammenhang kann man sich auch daran erinnern, daß Deutsche in der Bukowina angesiedelt worden sind im 18. und 19. Jahrhundert, also rund zum Czernowitz, der Hauptstadt der Bukowina. Diese liegt 140 Kilometer nördlich von "Târgu Neamț"/"Deutscher Markt". Es sind das alles Gebiete, die im Mittelalter zum Fürstentum Moldau gehörten (Wiki):

Bereits seit dem 14. Jahrhundert lebte eine kleine Gruppe deutscher Handwerker und Kaufleute im Fürstentum Moldau. Sie verschwand aufgrund der Assimilation durch die Csango im Verlauf des 17. Jahrhunderts vollständig. 

Csango sind eine ungarische Volksgruppe, die ebenfalls in die Bukowina ausgewandert waren. Auch die Bukowina war Jahrtausende zuvor von der Cucuteni-Tripolje-Kultur besiedelt worden (Wiki). Der langjährige Leiter des bedeutenden Herder-Instituts in Marburg war Bukowina-Deutscher und hat 1955 in Hamburg über Geschichte des Deutschtums im Fürstentum Moldau promoviert (3). Er heißt Hugo Weczerka (1930-2. April 2021) (Wiki) und ist am 2. April dieses Jahres mit 91 Jahren in Marburg gestorben. Das 1950 begründete Herder-Institut in Marburg hat sich die Erforschung der Geschichte der deutschen Ostgebiete östlich des Bayerischen Waldes und der Oder, sowie der deutschen Volksgruppen in Ostmittel- und Osteuropa zur Aufgabe gemacht. Seine Bedeutung kann gar nicht überschätzt werden. Denn welch ein riesiges, 1941 bis 1945 untergegangenes kulturelles Erbe bewahrt es.

Tripolje

Tripolje ist heute ein Dorf 40 Kilometer südlich von Kiew am rechten (westlichen) Ufer des Dnjepr (Wiki):

Am Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte in seiner Umgebung der Archäologe Wikentij Chwoika die Reste einer großen Siedlung der Cucuteni-Tripolje-Kultur und grub sie aus. Die Siedlung existierte um 4800-4500 v. Chr. und zählte etwa 10.000 bis 20.000 Einwohner. Sie war damit für damalige Verhältnisse eine Großstadt.

Aber mehr noch (Wiki):

Auf dem Territorium der Ortschaft liegen die Überreste der erstmals 1032 in den Annalen Jaroslaws des Weisen erwähnten, befestigten Siedlung der Kiewer Rus Trepoli. In Trypillja befindet sich ein Museum mit zahlreichen Funden der Cucuteni-Tripolje-Kultur und späterer Epochen.

Von dem kulturellen Habitus her, der sich in der Keramik, in den Figurinen, in den Göttinnen-Figuren wiederspiegelt (4), kann die Cucuteni-Tripolje-Kultur wohl als eine der unverfälschtesten Forsetzungen der Kultur der Bandkeramik angesehen werden. Während die kulturelle Tradition der Bandkeramik in Europa sonst schon um 4.900 v. Ztr. abbricht, bzw. sich stärker wandelt, scheint sie sich am Ostrand der Karpaten zwar einesteils ebenfalls gewandelt zu haben. Dort scheint aber der kultureller Habitus der Bandkeramik, der "Geist" der Bandkeramik, insbesondere auch der Fleiß der Bandkeramiker bei der Bodenbearbeitung noch am ehesten weiter geführt worden zu sein.

Insbesondere auch scheint die Cucuteni-Tripolje-Kultur ebenso von jenem "zivilisatorischen" Siedlergeist beseelt gewesen zu sein, der die Bandkeramik so einzigartig gemacht hatte, der ihr die höchste Siedlungsdichte vor dem Frühmittelalter in Mitteleuropa ermöglicht hat. Ebenso fortschritttlich wie die Bandkeramik innerhalb der europäischen Geschichte im Frühneolithikum war dementsprechend die Cucutein-Tripolje-Kultur im Mittel- und Spätneolithikum. 

Und sie wies ein deutlich zäheres Leben auf als die Bandkeramik, ein deutlich zäheren Überlebenswillen und eine deutlich zähere Überlebenfähigkeit, indem sie bei aller "Konservativität" doch auch viel Anpassungsfähigkeit und Umformungsfähigkeit aufgewiesen hat.

Das Video, auf das wir uns hier beziehen (4), ist gut geeignet, um den kulturellen Habitus, den Gesamteindruck, "Geist" dieser Kultur auf sich wirken zu lassen. Das Thema "Symbole" wird in diesem Video - das aus dem Umfeld der Anastasia-Bewegung zu stammen scheint - deutlich überstrapaziert. Und das erinnert immer wieder einmal sehr deutlich an okkultes, verdummendes Denken. Aber man darf das Video gerne an bestimmten Stellen anhalten - oder sich wiederholt ansehen -, um diese herrliche, natürlich auch fremde Bilderwelt, die der wissenschaftlichen Literatur und Museen entnommen ist, auf sich wirken lassen.

Mit diesem Video wird für eine Sache Werbung gemacht mit Hilfe von Inhalten, die nicht Inhalte der Sache sind, für die mit ihnen Werbung gemacht wird. 

Aber welche reiche kulturelle und geschichtliche Vergangenheit die für einen durchschnittlichen Mitteleuropäer völlig unbekannten, riesigen Gebiete östlich der Karpaten aufweisen. Hier darf der Blick des Historikers, des Kunsthistorikers, des Kulturhistorikers, des Archäologen und des Geographen wirklich noch lange und mit Andacht verweilen.

_________

  1. Bading, Ingo: Die Indogermanen des 5. Jahrtausends, 13.6.2021, https://youtu.be/F27yn4zLVsw?t=110
  2. Ancient Cucuteni civilization on Romania current territory, Blurallis 15.02.2010, https://youtu.be/onY1QIv1Fro.  
  3. Hugo Weczerka: Das mittelalterliche und frühneuzeitliche Deutschtum im Fürstentum Moldau von seinen Anfängen bis zu seinem Untergang (13.-17. Jahrhundert). Hamburg 1955, (Hamburg, Universität, Dissertation, 1955, maschinenschriftlich; Druck: (=Buchreihe der Südostdeutschen Historischen Kommission. Band 4, Oldenbourg, München 1960).
  4. Zeichen der Cucuteni-Tripolje Kultur, ALLATRA, 25.05.2020, https://youtu.be/vt1fQumZs_8
  5. ceramica cucuteni (Offenbar nachgebildete Keramik - keine Museumsstücke!), 25.05.2013, https://youtu.be/cADbkg0V5Rw

Freitag, 28. Mai 2021

Wie gelangte die osteuropäische Hausmaus nach Mitteleuropa?

Vermutlich während der Umbruchzeit um 2.900 v. Ztr. auf den Rinderwagen der sich nach Westen ausbreitenden Völker. Denn in der Frühbronzeit gelangte ja auch die westeuropäische Hausmaus nach England

Vorbemerkung: Unser Blogartikel "Die Städte der Indogermanen und ihre Hausmäuse" (St.gen. 2014) aus dem Jahr 2014 stellen wir hier unter neuem Titel erneut ein, weil es im Jahr 2020 eine neue Studie zum Thema gegeben hat (5). Deren wesentlichste Erkenntnisse kommen unseren eigenen, schon 2014 geäußerten Vermutungen näher und sind deshalb in den alten Blogartikel eingearbeitet worden.

Neue Studien zur genetischen Geschichte der osteuropäischen und der indischen Hausmaus von 2013 und 2020

Seit 2008 verfolgen wir hier auf dem Blog in inzwischen sechs Beiträgen die Forschung zur Herkunft der europäischen Hausmaus-Arten. Es gibt eine westeuropäische (Mus domesticus) und eine osteuropäische (Mus musculus) Hausmaus-Art. Die Art-Grenze zwischen beiden zieht sich auffallender Weise - so wie es der Eiserne Vorhang während des Kalten Krieges tat - von Ostholstein aus nach Süden bis in den Balkanraum und von dort über Anatolien bis in den Kaukasus. Nördlich der Donau und des Kaukasus gibt es die osteuropäische Hausmaus (in Abbildung 1 die blauen Punkte), südlich der Donau und des Kaukasus gibt es die westeuropäische Hausmaus (siehe Abbildung 1 die roten Punkte).

Abb. 1: Die Verbreitung der Hausmaus-Arten in Asien. Nach einer japanische Studie aus dem Jahr 2013 (1) (rote Punkte = westeuropäische, blaue Punkte = osteuropäische, gelbe Punkte = indische Hausmäuse)

In Skandinavien (nicht in der Abbildung 1 verzeichnet!) lebt seit der Wikingerzeit eine Hausmaus-Art, die eine Mischung beider vorgenannter Arten darstellt. Sie entstand, was hier auf dem Blog der Ausgangspunkt war (s. Stg2008), in Oldenburg in Ostholstein. Und wo sie auftritt - etwa auf der Insel Madeira - ist sie ein Hinweis auf erste wikingerzeitliche Besiedlung.

Die ersten Hausmäuse in Großbritannien traten in der Frühbronzezeit in Südengland auf in der Gegend von Stonehenge, breiteten sich aber - interessanterweise! - über lange Jahrhunderte innerhalb Englands nicht weiter nach Norden aus.

Alle hier auf dem Blog behandelten Daten deuteten bisher darauf hin, daß die Hausmaus um sich auszubreiten eine vergleichsweise große, fast "stadtartige" Bevölkerungsdichte benötigt und überregionalen Handelsaustausch. Verhältnisse jedenfalls, wie sie es in der Wikinger-Zeit gegeben hat, dementsprechend (und inzwischen immer besser bekannt) auch ab dem europäischen Endneolithikum (der Schnurkeramik- und Glockenbecher-Kultur) und der Frühbronzezeit (z.B. Aunjetitzer Kultur mit Stadt-ähnlichen Höhenburgen und überregionalem Handel).

In dem ältesten Beitrag zum Thema hier auf dem Blog (s. Stg2008) ist später nachgetragen worden, daß es auch schon seit vielen Jahrzehnten Hinweise auf Hausmäuse - und sogar Katzen - in Siedlungen der Bandkeramik gibt, daß auch neuere genetische Studien deren Existenz dort annehmen (2012, S. 80), also innerhalb der ersten seßhaften Bauernkultur in Mitteleuropa, die ja zugleich schon eine der höchsten Siedlungsdichten aller Folgekulturen bis zum Frühmittelalter hatte. 

Man könnte es für denkbar halten, daß es nach dem Untergang der Bandkeramik und bis zur Frühbronzezeit in Mitteleuropa keine Hausmäuse mehr gegeben hat aufgrund der geringeren Siedlungsdichte der extensiver Rinderherden-Haltung betreibenden Nachfolgekulturen im Mittelneolithikum. Wie sonst soll die genannte, noch heute vorhandene markante Artgrenze zwischen west- und osteuropäischer Hausmaus quer durch Europa zustande gekommen sein, die mit dem Verbreitungsgebiet der bandkeramischen Kultur vom Schwarzen Meer bis zur Kanalküste ganz gewiß nicht erklärt werden kann.

Die westeuropäische Hausmaus stammte jedenfalls aus dem Mittelmeerraum, rund um dessen Küsten sie sich mit den ersten bäuerlichen Siedlern ausgebreitet hat. Und sie ist in jenem Fruchtbaren Halbmond - wahrscheinlich in Südanatolien - entstanden, wo auch der größte Teil unserer domestizierten "sonstigen" Haustierarten und -pflanzen her stammt. Man hat die Hausmaus dort überraschenderweise schon in den halb-seßhaften Siedlungen des "Natufiums" gefunden (9.000 v. Ztr.), also schon zu einer Zeit, als dort Getreide noch gar nicht angebaut wurde, sondern nur wilde Getreidearten geerntet und gelagert wurden. Während die Menschen gleichzeitig von Massen-Jagden auf wilde Gazellen-Herden lebten, was zusammen genommen auch eine hohe Bevölkerungsdichte ermöglichte.

/ Einfügung, 28.5.2021: Ob dieser Umstand auch zur Erklärung der etwaig frühen Domestizierung der osteuropäischen Hausmaus herangezogen werden kann? Hat es ein kulturelles Zentrum von Ernte-Völkern, die vom Ernten wilden Getreides gelebt haben, auch östlich des fruchtbaren Halbmondes gegeben oder im östlichen Teil desselben? Und hat sich die osteuropäische Hausmaus aus diesem Zentrum heraus zusammen mit den dortigen Bauernvölkern der iranisch-neolithischen Völkergruppe bis zur Marghiana und weiter verbreitet (so wie die iranisch-neolithische menschliche Herkunftskomponente auch)? Dies deutet sich immer mehr an mit neuen Forschungen (Abb. 2) (5). 

Abb. 2: Verbreitung der osteuropäischen Hausmaus aus dem Ostteil des Fruchtbaren Halbmonds herum ab etwa 16.000 bis 11.000 v. Ztr. - nach einer neuen Studie aus dem Jahr 2020 (aus: 5)

/ Ende der Einfügung. /

Zuletzt hatten wir 2011 hier auf dem Blog auf eine Studie über die osteuropäischen Hausmaus-Knochen und - Zähne hingewiesen, die man in der vorgeschichtlichen bulgarischen Königsstadt Warna am Schwarzen Meer (Stg2011) gefunden hat aus der Zeit um 4000 v. Ztr., die - gut denkbbar - gemeinsam mit indogermanischen Völkern der Steppe vom Kaspischen Meer aus nach Warna gebracht worden sind (gemeinsam mit der iranisch-neolithischen Herkunftskomponente) und sich von dort aus dann mit den endneolithischen Schnurkeramikern bis hoch an die Ostsee ausgebreitet haben.

Eine japanische Studie von 2013 widerspricht

In den letzten drei Jahren ist die Hausmaus-Forschung kräftig weitergegangen und es ist viel dazu publiziert worden, sogar ganze Bücher nur zu diesem Thema. Und so ist es natürlich spannend, einmal wieder einen Blick in sie hinein zu werfen. Eine 2013 erschienene japanische Studie (1) (siehe auch Abbildung 1) erweitert ganz besonders das Wissen. Geht sie doch der Herkunft und Verbreitung der osteuropäischen Hausmaus genauer nach als das bisher geschehen ist. Womit sie inhaltlich unmittelbar an unseren letzten Beitrag zum Thema hier auf dem Blog anknüpft. Zugleich verfolgt sie auch die Ausbreitung der indischen Hausmaus nach Südostasien hinein sehr detailliert.

Japanische Genetiker haben schon vor Jahrzehnten über ganz Asien hinweg Blutproben von Hausmäusen gesammelt. Diese konnten für die neue Studie erneut ausgewertet werden mit den verbesserten Gen-Sequenzierungs-Techniken, die in unseren Tagen verfügbar sind.

Die Forscher verschlagworten ihre Studie mit dem reichlich widersprüchlichen Begriff "wild house mouse". Denn sie vertreten die These, daß zwar die indische Hausmaus sich erst mit dem Domestizierung von Hirse und Reis von Nordindien nach Indien und Südostasien ausgebreitet habe. Das Entstehungsgebiet der osteuropäischen Hausmaus lokalisieren sie rund um das Kaspische Meer, was zunächst auch recht plausibel klingt. Allerdings soll diese sich nun von dort aus schon während der Eiszeit vor zehn- bis zwanzigtausend Jahren (!) über die Wüstenoasen der Taklamakan nach China hinein und über ganz Asien bis hoch nach Korea und Japan ausgebreitet haben, ebenso in Richtung Europa. Die Genetiker glauben für diese These mehrere unabhängige Belege anführen zu können, auf die hier nicht im einzelnen eingegangen werden soll. Man darf aber gespannt sein, ob sich diese These, daß die erste Verbreitung der osteuropäischen Hausmaus nicht an größere menschliche Bevölkerungsdichte gebunden gewesen sein soll, halten wird. Denn sie steht konträr zu unserem derzeitigen Wissen über die Verbreitung der westeuropäischen Hausmaus vom Fruchtbaren Halbmond aus bis nach England und Skandinavien und der indischen Hausmaus von Nordindien aus über ganz Südostasien.

Einfügung: Eine Studie von 2020 nähert sich dem Geschehen im Fruchtbaren Halbmond an

/ Einfügung, 28.5.2021: Die Datierung der Entstehung von Mus musculus  ist inzwischen in einer neuen Studie aus dem Jahr 2020 (5) auf 13.000 bis 18.000 vor heute vordatiert worden (11.000 bis 16.000 v. Ztr.) (s. Abb. 2). Das liegt schon zeitlich parallel zum Natufium im Vorderen Orient und damit sind wir schon zeitlich im Bereich des Übergangs zum Neolithikum auch für die Entstehung der osteuropäischen Hausmaus. Ende der Einfügung./

Sieht man sich das erstmals von genetischer Seite in dieser Studie gründlicher aufgearbeitete Verbreitungsgebiet der osteuropäischen Hausmaus an (die dunkel- und hellblauen Punkte in der Abbildung 1), dann will einem eine Ausbreitung dieser Hausmaus-Art gemeinsam mit den endneolithischen ersten Städten der indoeuropäischen Kurganvölker am Nordrand des Kaspischen und Schwarzen Meeres bis hoch nach Sibirien und bis nach Warna und bis in das sonstige Osteuropa hinein - so wie diese Stadtentwicklung so verdienstvoll von dem Archäologen Hermann Parzinger überblicksartig in einem ersten Wurf dargestellt worden ist (2) - viel plausibler erscheinen.

/ Einfügung 28.5.2021: Es deutet sich jetzt durch die Ergebnisse der Archäogenetik an, daß die indogermanische Herkunftskomponente schon vergleichsweise früh in die Cucuteni-Tripolje-Kultur sich eingemischt haben könnte (so wie in Warna, etwa 4.400 v. Ztr.), und daß deshalb auch schon die ältesten Städte Europas, die Megasites dieser Kultur von dieser mit getragen worden sind. Sie könnten ja auch die osteuropäische Hausmaus mit in diese Kultur gebracht haben, so wie sie sie offenbar nach Warna gebracht haben. /Ende der Einfügung./

Etwas mysteriös scheint sich auch die Frage zu gestalten nach der Geschichte der "Clade F"-Maus, die es heute sowohl in Deutschland gibt, andererseits (siehe Abbildung 1) auch eine so prononcierte, punktuelle weitläufige Verbreitung aufweist, daß sie einerseits in Somalia auftritt und andererseits im tiefsten China, bzw. Nordwestchina. Und zwar jeweils ganz punktuell. Die Orte ihres Auftretens in Nordwestchina - Lanzhou und Xining - werden auf der Handelsroute der Sogder während der Tang-Zeit in China gelegen haben. Ist diese Clade F also womöglich mit den Tocharern direkt von Westeuropa aus nach Innerasien gekommen?

Die Bedeutung der Hausmaus-Forschung sollte deutlicher als bisher ins Bewußtsein der Archäologen treten

Und auf dieser Linie gibt es noch zahlreiche weitere offene Fragen, wenn man sich die Verhältnisse regional vor Ort ansieht. Auch hier wird die Ancient-DNA-Forschung künftig sicherlich viel neues Licht auf die Dinge werfen können. Aber solange die Archäologen gar nicht auf breiterer Linie als bisher wahrnehmen und ihnen bewusst wird, dass die Hausmäuse vielleicht der hervorragendste Indikator für stadtähnliche Bevölkerungsdichten einer archäologischen Kultur und für überregionalen Handel darstellen und sich hierbei eignet womöglich zu einem weltweiten Vergleich - und das scheint in der Tat noch weite Wege zu haben - so lange werden wir bezüglich der genetischen Geschichte der Hausmaus wohl in den nächsten Jahren immer wieder einmal nur so vereinzelte, punktuelle Forschungsergebnisse erhalten wie bisher.

Dabei eignet sich das Thema hervorragend für ein breit angelegtes, internationales, interdisziplinäres Projekt wie sie so gerne von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und anderen gefördert werden. So lange das nicht erkannt ist, werden wir wohl auf ein rundes und abgeschlossenes Bild, in dem sich eine wichtige Etappe in der sozioökonomischen Entwicklung der Kulturen weltweit abspiegeln könnte, noch einige Jahrzehnte mehr als nötig warten müssen.

Die syrische Wildkatze in Mitteleuropa 5.500 bis 4.000 v. Ztr.

[Ergänzung 27.2.2018]: Lebten syrische Wildkatzen als Kulturfolger zwischen 5.500 und 4.000 v. Ztr. in der Nähe der frühneolithischen Siedlungen in Mitteleuropa - Und starben sie dort danach dann wieder aus?  Nach einer neuen polnischen ancientDNA-Studie (3) treten zwischen 5.500 v. Ztr. und 4.000 v. Ztr. Wildkatzen des Vorderen Orients im Umfeld von bäuerlichen Siedlungen in Mitteleuropa auf. Das deutet darauf hin, daß syrische Wildkatzen als Kulturfolger mit den ersten Bauern Europas, den Bandkeramikern, im Frühneolithikum aus dem Vorderen Orient nach Mitteleuropa kamen.

Damals war die Siedlungsdichte in Mitteleuropa die höchste vor dem Frühmittelalter. Als die Siedlungsdichte im Mittelneolithikum mit der Ausbreitung der Trichterbecherkultur wieder zurück ging, verschwand auch die syrische Wildkatze aus Mitteleuropa wieder. Anhand dieser Erkenntnisse kann nun genauer eingegrenzt werden, wie sich die mutmaßliche Hauptbeute dieser syrischen Wildkatze ausbreitete in Mitteleuropa, nämlich die Westeuropäische Hausmaus. Darüber wird in der neuen Studie gar nichts gesagt, aber es kann dazu gesagt werden, daß Voraussetzung des Aussterben der syrischen Wildkatze in Mitteleuropa um 4.000 v. Ztr. das gleichzeitige Aussterben der westeuropäischen Hausmaus in Mitteleuropa einhergegangen sein wird.

Aber um 4.300 v. Ztr. findet sich die osteuropäische Hausmaus schon in Warna in Bulgarien, wo zugleich die ersten Indogermanen feststellbar sind. Mit ihnen wird sie sich dann in den Folgejahrhunderten weiter nach Westen ausgebreitet haben, nachdem dort um 4.000 v. Ztr. sowohl die syrische Wildkatze als auch ihr Beutetier, die westeuropäische Hausmaus vorläufig ausgestorben waren. Die indogermanische, westeuropäische Glockenbecherkultur brachte dann die westeuropäische Hausmaus um 2.300 v. Ztr. nach Südengland. In dieser Zeit des Spätneolithikums könnten sich also osteuropäische und westeuropäische Hausmaus in Europa so ausgebreitet haben, daß sie die heutige Artgrenze an der Elbe von der Ostsee bis zur Donau ausbildeten. Vieles deutet darauf hin, daß das Schwanken des Auftretens der Hausmaus - wie schon im Frühneolithikum im Vorderen Orient - auch in Mitteleuropa mit der jeweiligen Siedlungsdichte korreliert (quasistädtische Siedlungsweise und überregionaler Handelsaustausch).

Einfügung 28.5.2021: Ob die Ausbildung der Artgrenze Mitten durch Europa auch etwas über das Verhältnis der miteinander verzahnt siedelnden Schnurkeramik- und Glockenbecherr-Kultur gerade eben im Bereich dieser Artgrenze aussagt? /Ende der Einfügung./

Die domestizierte Katze kam nach derzeitigem Kenntnisstand erst mit den Römern wieder nach Mitteleuropa. Zwischen 2.300 v. Ztr. bis 100 v. Ztr. scheint also der Hauptfeind der Hausmäuse in Mitteleuropa die europäische Wildkatze gewesen zu sein.

Ergänzung [15.3.2020]: Eine 2016 erschienene Studie russischer Genetiker zur osteuropäischen Hausmaus (4), auf die wir erst jetzt aufmerksam werden, hat - soweit erkennbar - keine wesentlichen neuen Erkenntnisse erbracht. In ihr heißt es (4):

Ein großer Teil Sibiriens ist durch einen Abstammungszweig der Hausmaus besiedelt worden, der durch die Transsibirische und die Baikal-Amur-Eisenbahnen ausgebreitet worden ist.
A vast part of Siberia was colonized by one phylogenetic branch of house mice, which were spread by the Trans-Siberian and Baikal-Amur railways.

Zur Erklärung der immer noch offenen Frage, wann und wie es zur Ausbildung der Artgrenze der west- und osteuropäischer Hausmäuse zwischen Ostsee und Donau gekommen ist, könnte gegenwärtig entweder das Ausbreitungsgebiet der Kugelamphoren-Kultur mit ihren Rinderwagen herangezogen werden, der westlich der Elbe die Wartburg-Kultur mit ihren Rinderwagen gegenüber stand oder aber die jeweiligen Hausmäuse haben sich erst mit der Schnurkeramik-Kultur, die ebenfalls in Hauptteilen nur bis zur Elbe kam, erklärt werden, während die Glockenbecher-Kultur sich über ganz Europa westlich der Elbe ausbreitete und - angenommener Weise - eine Siedlungsverdichtung und Intensivierung des Handelsaustausches mit sich brachte. Wann nun also die westeuropäische Hausmaus östlich der Elbe - wie zu vermuten steht - von der osteuropäischen Hausmaus daselbst abgelöst worden ist, kann beim derzeitigen Kenntnisstand noch nicht sicher gesagt werden.

Die naheliegendste Erklärung erscheint uns derzeit, daß die osteuropäische Hausmaus jene Hausmaus-Siedlungsräume in Osteuropa, die nach der Auflockerung der Siedlungsdichte und des weiträumigeren Handelsaustausches um 4.000 v. Ztr. "frei" wurden, im Laufe des 3. Jahrtausends gemeinsam mit der Kugelamphoren-Kultur, sowie mit deren Rinderwagen und dem damit verbundenen weiträumigeren Handel neu besiedelt haben werden, und daß parallel dazu auch die westeuropäischen Hausmäuse sich wieder weiter nach Norden ausgebreitet haben werden, hier vermutlich unter anderem mit den Rinderwagen der Wartburg-Kultur.

____________________________
  1. Suzuki H, Nunome M, Kinoshita G, Aplin KP, Vogel P, Kryukov AP, Jin ML, Han SH, Maryanto I, Tsuchiya K, Ikeda H, Shiroishi T, Yonekawa H, & Moriwaki K (2013). Evolutionary and dispersal history of Eurasian house mice Mus musculus clarified by more extensive geographic sampling of mitochondrial DNA. Heredity, 111 (5), 375-90 PMID: 23820581Heredity (2013) 111, 375–390 (freies pdf) (die wichtigste Abb.)
  2. Parzinger, Hermann: Die frühen Völker Eurasiens. Vom Neolithikum zum Mittelalter. Verlag C.H. Beck, München 2006
  3. Human mediated dispersal of cats in the Neolithic Central Europe, Preprint, February 2018, DOI10.1101/259143; Autoren: Mateusz Baca, Danijela Popovic, Hanna Panagiotopoulou, Adam Nadachowski u.a., https://www.biorxiv.org/content/early/2018/02/05/259143 (Researchgate)
  4. Maltsev, A. N., Stakheev, V. V., & Kotenkova, E. V. (2016). Role of invasions in formation of phylogeographic structure of house mouse (Mus musculus) in some areas of Russia and the near abroad. Russian Journal of Biological Invasions, 7(3), 255–267. doi:10.1134/s2075111716030061
  5. Li, Y., Fujiwara, K., Osada, N. et al. House mouse Mus musculus dispersal in East Eurasia inferred from 98 newly determined complete mitochondrial genome sequences. Heredity 126, 132–147 (2021). https://doi.org/10.1038/s41437-020-00364-y
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