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Samstag, 28. Februar 2026

Das Volk der Himmelsscheibe von Nebra - Es bewahrte über 1300 v. Ztr. hinweg Kontinuität

Genetisch und kulturell bis mindestens 750 v. Ztr.
- Und zwar als "Unstrut-Gruppe"- trotz der Ausbreitung der süddeutschen Urnenfelder-Kultur
- Nahe Nebra an der Unstrut, dreißig bis fünfzig Kilometer westlich von Halle

Wer sich ein Bild von vorgeschichtlichen Kulturen machen möchte, tut gut daran, sich immer wieder vor Augen zu führen, daß der Rinderwagen ab 4.000 v. Ztr. Verbreitung gefunden hat zwischen Vorderem Orient, sowie Nord- und Ostsee, ja, daß der Rinderwagen noch um 1200 v. Ztr. in Ägypten als Streitwagen benutzt worden ist (s. Abb. 1) (Stg2010). 

Abb. 1: Verteidigung Ägyptens durch von Rindern gezogene Streitwagen - Wandrelief von Medinet Habu, 1176 v. Ztr.

Er tut außerdem gut daran, sich klar zu machen, daß ab 2.200 v. Ztr. in Europa, im Vorderen Orient und in Asien die große Ära der von Pferden gezogenen Streitwagen (Wiki) begonnen hat (Abb. 2). Das wurde durch die Domestizierung des Pferdes ermöglicht (Stg2021).

Die Indogermanen, die sich ab 4.500 v. Ztr. von der Mittleren Wolga und ab 3.300 v. Ztr. vom Mittleren Dnjepr aus ausbreiteten, verehrten zwar das Wildpferd, das Przewalski-Pferd und nutzten es womöglich auch als bevorzugte Opfertiere, daß diese aber geritten worden sind oder als Zugpferde benutzt worden sind, scheint uns beim derzeitigen Stand der Forschung höchst zweifelhaft. Sie gingen bis 4.000 v. Ztr. zu Fuß und nutzten ab dieser Zeit auch den Rinderwagen  (Stg2024).

Abb. 2: Streitwagen der Eisen-, bzw. Bronzezeit - Bronzemodell aus Göchebi (Dedoplistsqaro), Georgien, erste Hälfte des 1. Jahrtausends v. Ztr., Sighnaghi-Museum, Georgien (Wiki)

Für die Zeit ab 2.200 v. Ztr. ist die Domestizierung des Pferdes sicher (Stg2021). Und jeder Gedanke auch an die europäische Bronzezeit wird sofort viel anschaulicher, wenn man sich klar macht, daß zu dieser Zeit sowohl Rinderwagen - für den Krieg wie den Transport - als auch Streitwagen - für die Kriegsführung - benutzt worden sind. Und daß die Geschwindigkeit dieser Fortbewegungsmittel den Alltag ebenso wie die Kriegsführung bestimmten.

Im Grunde macht es Sinn, an den Anfang jeden Blogartikels über die europäische Bronzezeit das Bild solcher Rinder- und Streitwagen zu stellen (Abb. 1 und 2). Denn sofort taucht ein ganz anderes Bild der bronzezeitlichen Gesellschaften vor dem inneren Auge auf als wenn man sich diesen Umstand nicht klar macht.

Die Verwendung der Streitwagen für den Krieg endete im Mittelmeer-Raum etwa um 750 v. Ztr. (zuletzt wohl genutzt von den Assyrern und Persern). Auf den britischen Inseln waren sie noch zur Zeit der Eroberung durch Cäsar in Gebrauch. Von nun ab wurden Pferde im Krieg vorwiegend geritten.

Diese Hinweise eigentlich nur vorweg. Denn im folgenden geht es einmal erneut um die mitteleuropäische Bronzezeit. Und es ist immer wieder der Eindruck vorhanden, daß es an "Anschaulichkeit" fehlt, wenn davon die Rede ist. 

***

In unserem Blogartikel "Bollwerk Germanien" (Stg2025) war von dem sagenhaften Eroberungszug der keltischen Urnenfelderkultur, bzw. besser der keltischen Goldhut-Kultur ab etwa 1300 v. Ztr. vom heutigen Serbien aus nach Süddeutschland, nach Böhmen und Frankreich - und von dort weiter bis Schlesien und Mecklenburg - die Rede gewesen (Abb 4).

Abb. 3: Pferdegeschirr der Lausitzer Kultur (Wiki) aus dem 8. Jhdt. v. Ztr. aus Mittelpommern, entdeckt 2020 durch Raubgräber - Aus einem Hort bei Schönberg (poln. Kaliska) (Wiki) (s.a. Hölkew) (GMaps) gelegen im Landkreis Schlochau in der einstigen Grenzmark Posen-Westpreußen (Wiki), drei Kilometer nördlich von Baldenburg (Wiki), 60 Kilometer südwestlich von Köslin (3)

Dort in Mecklenburg kam es an der Tollense zur sagenhaften, siegreichen Abwehrschlacht der Nordischen Bronzekultur gegen die Urnenfelder-Leute (Stg2025). Skandinavien konnte in der Folge nicht von der Urnenfelderkultur erobert werden (ein Zeichen dafür, daß die Schlacht für die Urnenfelder-Leute höchstwahrscheinlich nicht siegreich verlaufen sein wird). Sehr wohl aber konnten die Urnenfelder-Leute in der Folge die britischen Inseln erobern. Und sehr wohl sollten sie - vermutlich - als "Seevölker" bis vor die Tore Ägyptens gelangen (Stg2025). 

Durch diesen Eroberungszug breitete sich südeuropäische Glockenbecher-Genetik nach Norden aus (Stg2025). Die südeuropäische ("italo-keltische") Glockenbecher-Genetik ist durch höhere Herkunftsanteile anatolisch-neolitscher Bauerngenetik gekennzeichnet und durch geringere Anteile an (indogermanischer) Steppgenetik. In der nordeuropäischen Schnurkeramik-Genetik ist es umgekehrt.

Um einige Anhaltspunkte zu gewinnen, nenne ich einmal die unterschiedlichen Herkunftsanteile an Steppengenetik in Prozent innerhalb meiner eigenen Familie (lt. MyHeritage) (s. Stg2025):

  • 47,6 % mein Vater (Brandenburger) (geschlußfolgert unter der Annahme, daß ich auf der Mitte zwischen meinem Vater und meiner Mutter liegen werde)
  • 45,4 % ein angeheiratetes blondes Friesen-, Pommern- und Schlesierkind
  • 43,6 % ich
  • 39,6 % meine Mutter (Österreicherin)
  • 39,4 % mein Kind
  • 36,8 % die Mutter meines Kindes (Herkunft aus dem Rheinland und aus der Pfalz)

Diese Herkunftsanteile korrelieren schon in meiner eigenen Familie klar mit hellerer oder dunklerer Pigmentierung der Haare und der Augen.

Abb. 4: Bollwerk Germanien in Norddeutschland an der Tollense und die Eroberung des übrigen Europas durch die Urnenfelder-Kultur ausgehend von Serbien, 1300 bis 800 v. Ztr. (Wiki) - Der zeitgleiche Seevölker-Sturm im Mittelmeerraum, ebenfalls von Serbien ausgehend

Die Herkunftsanteile an Steppengenetik in Prozent betrugen nun nach einer neuen archäogenetischen Studie zu Mitteldeutschland (1) ... 

  • 52 % bei Menschen in der Frühbronzezeit 30 Kilometer westlich von Halle ("Aunjetitzer Kultur")
  • 49 % bei Menschen in der Spätbronzezeit 30 Kilometer westlich von Halle ("Unstrut-Gruppe")
  • 48 % bei Menschen in der Spätbronzezeit in Oberschlesien
  • 41 % bei Menschen in der Spätbronzezeit in Böhmen
  • 33 % bei Menschen in der Spätbronzezeit in Süddeutschland (Neckarsulm)

Diese Zahlen sind von mir selbst abgeleitet aus dem folgenden Zitat - und zwar unter der Voraussetzung, daß sich der dritte wesentliche Herkunftsanteil der Europäer seit dem Spätneolithikum, nämlich der Anteil der westeuropäischen Jäger-Sammler, von 10 bis 20 % im Durchschnitt bei den Menschen nicht mehr geändert hat. Er wird deshalb von mir im Mittel mit 15 % angenommen und einberechnet. Von dem folgenden Zitat können dann die oben genannten Prozent-Angaben abgeleitet werden (1):

Wir beobachten, daß spätbronzezeitliche Individuen aus Mitteldeutschland einen etwas höheren Anteil an anatolisch-neolithischer Abstammung (36,6 ± 2,9 %) aufweisen als jene aus der frühen Bronzezeit in Mitteldeutschland (33,2 ± 2,7 %). Darauf folgen spätbronzezeitliche Individuen aus Böhmen (43,7 ± 4,5 %) und spätbronzezeitliche Individuen aus Süddeutschland, die den höchsten Anteil an anatolisch-neolithischer Abstammung aufweisen (53,5 ± 5,3 %) (Abb. 2b, Ergänzende Daten  4a ). Von allen analysierten Individuen weist der genetische Ausreißer Neckarsulm021 (NES021) mit 67,2 ± 1,7 % den höchsten Anteil an EEF-verwandter Abstammung auf. Die vier spätbronzezeitlichen Individuen aus Oberschlesien/Zentralpolen zeigen ebenfalls einen geringeren Anteil an EEF-verwandter Abstammung (37,4 ± 2,9 %), ähnlich wie jene aus Mitteldeutschland. Angesichts der geringen Stichprobengröße bleibt jedoch offen, ob diese Individuen repräsentativ für die polnisch-schlesischen spätbronzezeitlichen Gruppen sind.

Dieselben Umstände sind in der Abbildung 3 grafisch dargestellt.

Abb. 5: Herkunftsanteile anatolisch-neolithischer Bauerngenetik in Süddeutschland (gelbe Linie oben), Böhmen (hellgrüne Linie), Mitteldeutschland (orange-braune Line) und Oberschlesien/Polen (blaue Linie)

Die anatolisch-neolithische Genetik lag in Süddeutschland schon in der Frühbronzezeit höher als in den anderen dargestellten Regionen (und dementsprechend die Steppengenetik niedriger), sie nahm aber ab 1800 v. Ztr. noch einmal sehr deutlich zu (vielleicht durch Zuwanderungen aus Serbien). In Böhmen nahm dieser Anteil etwas später und nicht ganz so abrupt zu. In Mitteldeutschland nahm er noch weniger abrupt zu. Auch in Oberschlesien/Polen nimmt er ab 1800 v. Ztr. recht deutlich zu, nimmt aber ab 1600 v. Ztr. wieder deutlich ab, um dann allmählich wieder erneut anzusteigen. Der Anstieg der anatolisch-neolithischen Herkunftsanteile in Mitteldeutschland wird in der Studie folgendermaßen erklärt (1):

Individuen der frühen Späten Bronzezeit in Mitteldeutschland können mit der frühbronzezeitlichen Aunjetitzer-Herkunft in Deutschland als einziger Quelle modelliert werden, was auf eine regionale Kontinuität seit der frühen Bronzezeit als sparsamste Erklärung hindeutet (...). Im Gegensatz dazu läßt sich die Abstammung der meisten spätbronzezeitlichen Individuen in Mitteldeutschland nicht allein durch die früheren frühbronzezeitlichen Populationen dieser Region modellieren. Sie wird am besten durch zwei Abstammungsquellen beschrieben: Deutschland frühbronzezeitliche Aunjetitzer Kultur als lokale Quelle und Deutschland_Lech_Mittlere_Bronzezeit, Tschechien_Mittlere_Bronzezeit_Tumulus oder Deutschland_Süddeutschland_Singen_Frühe_Bronzezeit als zweite, geografisch und chronologisch nächstgelegene, nicht-lokale Herkunft (Ergänzende Daten  4c sowie Abb.  4a und 4b ). Dieses Muster deutet auf eine Mischung aus lokaler Kontinuität und Genfluß aus südlichen und/oder östlichen Regionen hin, was mit einer zunehmenden Vernetzung innerhalb der geografischen Verbreitung/Ausdehnung der Urnenfelderkultur übereinstimmt (...), aber ohne daß das genauer eingegrenzt werden kann.

Aufgrund welcher Funde gelangte man zu diesen neuen Erkenntnissen?

Dreißig Kilometer westlich von Halle liegen die Dörfer Kuckenburg und Esperstedt (GMaps). Hier wurde bis 2009 die A38 gebaut und im Zuge der vorhergehenden archäologischen Grabungen wurde unter und östlich der heutigen Autobahnabfahrt ein Gräberfeld und eine zugehörige befestigte Siedlung ergraben, ebenso wurde eine befestigte bei dem gegenüber liegenden Kuckenburg ergraben. Aus den hierbei gefundenen Menschenresten konnte nach einer neuen archäogenetischen Studie die DNA von 36 Personen der Urnenfelder-Zeit, genauer der örtlichen Unstrut-Gruppe (1300-750 v. Ztr.) (Wiki) gewonnen werden.

Wennungen - Proto-urbane Siedlung der Unstrut-Gruppe

Eine noch weitaus größere proto-urbane Siedlung der "Unstrut-Gruppe" wurde nur zwanzig Kilometer weiter südlich der Kuckenburg über dem Unstrut-Tal gefunden (GMaps). Diese liegt nur sechs Kilometer östlich von Nebra an der Unstrut, dem Fundort der Himmelsscheibe (1850 v. Ztr.) und wurde vierhundert Jahre nach der Niederlegung der Himmelsscheibe angelegt. Über Wennungen lesen wir (Wiki):

In der späten Bronze- und der frühen Eisenzeit (12. bis frühes 5. Jh. v. Ztr.) trug die Hochfläche westlich des Dorfes (bis zum Dissaubach) eine etwa 300 Hektar umfassende „Proto-Stadt“ der Unstrut-Kultur, die mit Gräben und Wällen geschützt war und an einem Fernhandelsweg vom Thüringer Becken in die Leipziger Tieflandsbucht lag.

Also grob ein Kilometer breit und drei Kilometer lang. Und weiter (Wiki): 

Gegenüber den zeitgenössischen Siedlungen mit meist nur 1 bis 2 Hektar Größe nahm diese Großsiedlung eine deutlich herausgehobene, überregionale Bedeutung ein. Sole und Metallerze wurden hier in großen Mengen verarbeitet. In tausenden Vorratsgruben wurde Getreide gespeichert. Ihre Einwohnerzahl wird für ihren Höhepunkt auf mehrere tausend Menschen geschätzt. Einzigartig für jene Zeit sind die Reste einer ornamental bemalten Hauswand, etwa 1.500 Lehmputzsplitter - die größte vorgeschichtliche Wandmalerei nördlich der Alpen. Teile der Siedlung wurden von 2007 bis 2010 im Zuge von Bauarbeiten an der ICE-Schnellfahrstrecke Erfurt - Leipzig ergraben.

Es finden sich online Artikel zu den gefundenen Wandornamenten (s. ArchOnl). In Wennungen wurde innerhalb der Siedlung auch eine - sehr abstoßende - Siedlungsbestattung gefunden, die im Museum in Halle ausgestellt wird: ein junges behindertes Geschwisterpaar, das getötet und achtlos in eine Grube geworfen worden ist (Yt2021). Über die Unstrut-Gruppe heißt es bezeichnenderweise auch (Wiki):

Anfänglich dominierte die Körperbestattung in Baumsärgen und Holzkästen. Sie wurde jedoch nie ganz gegenüber der Brandbestattung aufgegeben, deren Nutzung ab dem 1. Jahrtausend v. Ztr. zunehmend einsetzte.

Die Brandbestattung wurde durch die Urnenfelder-Kultur ausgebreitet. Der offenbar durch sie bewirkte Anstieg der anatolisch-neolithischen Genetik erfolgte in der Unstrut-Gruppe offenbar nur ebenso allmählich an wie die zeitgleiche Übernahme der die Sitte der Bandbestattung. Also Hinweise sowohl auf genetische wie kulturelle Kontinuität im Angesicht einer Umbruchszeit. Dementsprechend heißt es auch in der Studie (1):

Insgesamt legen unsere Ergebnisse nahe, daß die unterschiedlichen Bestattungspraktiken in Kuckenburg und Esperstedt kulturell motiviert waren und lokale Traditionen sowie die bestehende regionale Vernetzung widerspiegelten und nicht den Zuzug neuer genetischer Gruppen oder nicht-lokaler Individuen.

Und (1):

Die Unstrut-Gruppe (ca. 1325–750 v. Ztr.), die zwischen dem Thüringer Wald und der Saale in Mitteldeutschland lebte und im Mittelpunkt dieser Studie steht, bestattete ihre Toten beispielsweise fast 500 Jahre lang, während benachbarte Gruppen wie die Saalemündungs-Gruppe zur Feuerbestattung übergingen.

In der Studie vereinzelte ausgewertete Funde stammen auch aus drei Dörfern in Oberschlesien.

Abb. 6: Die Fundorte der ausgewerteten Menschenfunde (1) - 1 Esperstedt, 2 Kuckenburg, 3 Leubingen, 4 Neckarsulm, 5 Türmitz (Sudetenland, tsch. Trmice), 6 Holubitz (tsch. Holubice), 7 Libschitz an der Moldau (tsch. Libčice nad Vltavou), 8 Kněževes (Dorf nahe Prag), 9 Praha-Ruzyně, 10 Schlan (tsch. Slaný), 11 Laband-Pschyschowka (Oberschlesien, poln. Łabędy Przyszówka), 12 Deutsch Neukirch (Oberschlesien, poln. Nowa Cerekwia), 13 Kornitz (Oberschlesien, poln. Kornice)

Sie gehören der Lausitzer Kultur an (GMaps). Da wir uns auch für die schlesische Landesgeschichte sehr interessieren, gehen wir im folgenden noch auf einige Einzelheiten dieser Fundorte ein.

Die bronzezeitlichen Menschenfunde aus Oberschlesien

Deutsch Neukirch

Die Menschenfunde stammen erstens aus dem Dorf Deutsch Neukirch (poln. Nowa Cerekwia) (Wiki), 16 Kilometer südlich von Leobschütz und 22 Kilometer entfernt von jenem Dorf Dobersdorf (GMaps), das auf unserem Parallelblog schon eine Rolle gespielt hat (Prbl2023). Die ausgewerteten Menschenfunde stammen aus Grabungen des Archäologischen Museums Breslau der Jahre 1973 und 1986 (1, Anhang, S. 50).

Kornitz

Die Menschenfunde stammen außerdem aus dem Dorf Kornitz (poln. Kornice) (Wiki), gelegen fünfzehn Kilometer östlich von Deutsch Neukirch (Wiki), sowie acht Kilometer westlich von Ratibor. Hier fanden 2008 bis 2013 Rettungsgrabungen des Archäologischen Museums Kattowitz statt im Vorfeld einer großflächigen Erweiterung der dortigen Fensterfabrik Eko-Okna (WikiFb) (Abb. 7). Sie ist der europaweit größte Hersteller von Aluminium- und PVC-Fenstern und -Türen. Die Firma hat gegenwärtig 13.000 Mitarbeiter.

Abb. 7: Fensterfabrik auf Gräberfeldern der Lausitzer Kultur bei Kornitz in Oberschlesien (Fb)

Über die Ausgrabung lesen wir (1, Anhang, S. 46):

Die Fundstätte liegt am linken Ufer der Zinna (poln. Psina), etwa 8 km westlich von Ratibor (Racibórz), in einer Region im Vorfeld des Mährischen Tores. Sie spielte eine wichtige Rolle für den Austausch und die Weitergabe kultureller Muster zwischen Gebieten südlich der Karpaten und Sudeten und Nordeuropa. Die Ausgrabungen führten zur Entdeckung jungpaläolithischer Fundstätten, neolithischer Siedlungen, darunter eine ausgedehnte Siedlung der Kugelamphorenkultur mit trapezförmigen Langhäusern, eines kleinen Siedlungskomplexes der Glockenbecherkultur mit Friedhof, zweier kleiner frühbronzezeitlicher Friedhöfe, einer mehrphasigen offenen und geschlossenen bronzezeitlichen Siedlung mit Friedhof, einer kaiserzeitlichen Siedlung, eines frühmittelalterlichen Friedhofs und eines spätmittelalterlichen Dorfes.

Über den hier erwähnten Oder-Nebenfluß Zinna lesen wir (Wiki):

Entlang der Zinna verlief auch die sprachliche Grenze zwischen dem lachischen und polnisch-schlesischen Dialekt - in einer örtlichen Überlieferung nördlich von Zinna fliegt wróna (Krähe) und südlich vrana.

Wir lesen über die Geschichte des Dorfes Kornitz im 20. Jahrhundert unter anderem (Wiki):

Bei der Volksabstimmung in Oberschlesien am 20. März 1921 stimmten vor Ort 133 Wahlberechtigte für einen Verbleib Oberschlesiens bei Deutschland und 79 für eine Zugehörigkeit zu Polen. Auf dem Gut stimmten 62 für Deutschland und drei für Polen. Kornitz verblieb nach der Teilung Oberschlesiens beim Deutschen Reich.

Nebenbei erhalten wir hier einen eindrucksvollen Hinweis auf den polnischen Wirtschaftsaufschwung in den letzten Jahren. 

Abb. 8: Die Mährische Pforte entlang des Oberlaufs der Oder - An ihrem östlichen Ende stießen tschechischer und polnischer Siedlungsraum zusammen, über die Mährische Pforte breiteten sich die Deutschen ab 1250 von Schlesien nach Mähren hinein aus - Das Teschener Schlesien blieb im Westen mehrheitlich tschechisch und im Osten mehrheitlich polnisch besiedelt, die Mährische Pforte trennte die Sudeten im Westen von den Karpaten im Osten, sie trennte auch Böhmen (links der Oder) von Mähren (rechts der Oder) (Wiki)

Außerdem stammen ausgewertete Funde aus dem Dorf Pschyschowka (poln. Przyszówka, dt. auch Waldenau) (Wiki) (Abb. 10) bei dem Dorf Laband, elf Kilometer nördlich von Gleiwitz (GMaps).

Pschyschowka bei Laband

Im Anhang der Studie lesen wir zu letzteren (1, Anhang, S. 49):

Die Rettungsgrabung im Jahr 1938 wurde von T. Kubiczek unter der wissenschaftlichen Leitung von F. Pfützenreiter vom Oberschlesischen Regionalmuseum in Beuthen durchgeführt. (...) Die Ausgrabung legte 80 Gräber frei, darunter 58 Körpergräber, 17 Brandbestattungen (sowohl Gruben- als auch Urnengräber) und 4 nicht näher bestimmte Gräber. Die Gräber dieser Stätte werden den HaC- und HaD-Phasen der Hallstattzeit zugeordnet. Der Friedhof von Laband-Pschyschowka (Łabędy-Przyszówka) gehört zu einer besonderen Gruppe von Friedhöfen mit zwei Bestattungsriten, in denen Körpergräber im Allgemeinen die Brandgräber überwiegen (z. B. Świbie). Diese Ansammlung von Gemeinschaften, die mit der Lausitzer Kultur verbunden sind und sich durch ihre besonderen Bestattungsbräuche auszeichnen, befindet sich in einem begrenzten Gebiet im östlichen Oberschlesien und westlichen Kleinpolen, zwischen Tschenstochau (Częstochowa) und Gleiwitz (Gliwice).

Die anthropologische Sammlung des Museums Beuthen hat sich offenbar über das Jahr 1945 hinweg erhalten.

Abb. 8: Antennenschwert vom Typ Weltenburg aus dem Kaliska-II-Schatzfund aus Mittelpommern, 7. Jhdt. v. Ztr. (3)

Aber von den 58 Körpergräbern konnte offenbar nur aus einem auswertbares Genmaterial gewonnen werden. Es stammte aus der Zeit grob um 700 v. Ztr.. Der hier genannte Archäologe und Botaniker Franz Pfützenreiter wurde 1888 in Bernterode bei Heiligenstadt in Thüringen geboren, starb 1968 in Stuttgart (LeoBW), wirkte aber bis 1945 in Schlesien. Er promovierte 1932 in Breslau und wurde 1934 Direktor des Oberschlesischen Landesmuseums in Beuthen. Später war er tätig als Leiter des Heimatmuseums Fraustadt (Wiki), das nahe der schlesischen Grenze zur Provinz Posen lag, die 1919 an Polen abgetreten worden war. Fraustadt gehörte ursprünglich zur Provinz Posen und war ab 1919 Teil der "Grenzmark Posen-Westpreußen" (Wiki). Nach 1945 wurde Pfützenreiter nordwürttembergischer Landesbeauftragter für Naturschutz und Landschaftspflege. Über die Ergebnisse der Volksabstimmung am 20. März 1921 im Dorf Laband heißt es (Wiki):

In Laband stimmten 1332 Wahlberechtigte (44,1 % der abgegebenen Stimmen) für einen Verbleib Oberschlesiens bei Deutschland, 1683 für eine Zugehörigkeit zu Polen (55,6 %), 8 Stimmen (0,3 %) waren ungültig. Die Wahlbeteiligung betrug 97,7 %. Laband verblieb nach der Teilung Oberschlesiens beim Deutschen Reich.

Das Schloß von Laband befand sich im Besitz der Adelsfamilie von Welczeck (Wiki), deren Angehörige über die Jahrhunderte als Offiziere und Diplomaten in preußischen Diensten standen. Noch 2011 wurde vor dem Verwaltungsgericht Köln über die deutsche Staatsangehörigkeit eines aus Pschyschowka stammenden Mannes entschieden (LegalData). 

Abb. 10: Postkarte aus Pschyschowka

Es wird spannend sein zu erfahren, wie es nach 750 v. Ztr. weiter ging. Sicher ist, daß es irgendwann im 1. Jahrhundert v. Ztr. zur Zuwanderung von Germanen aus Skandinavien kam. Diese lebten zuletzt als Thüringer in der Region der vormaligen Unstrut-Gruppe. Sie sind dann aber genetisch fast vollständig verschwunden. An ihrer Stelle breiteten sich ja dann die Slawen aus (Stg2025). Bis die Deutsche Ostsiedlung begann. 

___________

  1. Reconstruction of the lifeways of Central European Late Bronze Age communities using ancient DNA, isotope and osteoarchaeological analyses. E Orfanou, A Ghalichi, AB Rohrlach, E Paust, … Johannes Krause .... Harald Meller ... Philipp W. Stockhammer, Joachim Wahl, ... Wolfgang Haak.  Nature Communications, 24.2.2026 (Nature2026)
  2. Matthias Becker, Madeleine Fröhlich, Andreas Hüser, Helge Jarecki, Jan F. Kegler und Franziska Knoll: »Wenige hundert Schritte oberhalb des Dorfes Wennungen ...«, Archäologie in Deutschland 2011, 6-11 (Acad)
  3. The Kaliska II hoard: Interconnections and metal trade between Pomerania and the Nordic zone during the North European Bronze Age. By Grzegorz Szczurek, Łukasz Kowalski, Zofia Anna Stos-Gale, Maciej Kaczmarek, Roland Maas, Jon Woodhead. Journal of Archaeological Science: Reports. Volume 61, February 2025, 104877 (JAS2025)

Samstag, 8. März 2025

Bollwerk Germanien

Der Abwehrsieg der Germanen im Jahr 1250 v. Ztr. - Laßt uns ein neues Hermanns-Denkmal errichten - An der Tollense - Es ist so weit

Die großartige Goldhut-Kultur der Kelten - Sie eroberte Festland-Europa, England und die Levante (1300 bis 800 v. Ztr.) - Aber sie scheiterte an Germanien und Ägypten

Die Archäogenetik - Auch 2025 hageln aus ihr heraus wieder "Jahrhundert-Erkenntnisse":

  1. Die Eroberung Europas durch die Glockenbecher-Kultur ab 2360 v. Ztr.  - Ursprung: Nordfrankreich
  2. Die Eroberung Europas durch die Urnenfelder-Kultur ab 1300 v. Ztr. - Ursprung: Serbien

Die großartige Goldhut-Kultur, bzw. Urnenfelder-Kultur (Wiki) der Kelten entstand um 1900 v. Ztr. in Serbien und breitete sich ab 1300 v. Ztr. über ganz Europa aus (Abb. 1). 

Abb. 1: Bollwerk Germanien in Norddeutschland an der Tollense und die Eroberung des übrigen Europas durch die Urnenfelder-Kultur ausgehend von Serbien, 1300 bis 800 v. Ztr. (Wiki) - Der zeitgleiche Seevölker-Sturm im Mittelmeerraum, ebenfalls von Serbien ausgehend

Wir hatten diese Urnenfelder-Kultur hier auf dem Blog bislang noch nie wirklich als bedeutende, einflußreiche, geschichtsmächtige, archäologische Einheit, Kultur, Ethnie wahrgenommen. Wir hatten sie fast gar nicht "auf dem Schirm". Der Name selbst klingt ja auch schon nur nach Friedhof. Wie soll man bei einem solchen Namen auf Glanz, Herrlichkeit, Macht und Reichtum schließen? Wir nennen diese Kultur im folgenden nach den strahlendsten Gold-Kunstwerken, die sie hervorgebracht hat, wir nennen sie: die "Goldhut-Kultur" (Abb. 2).   

Wir müssen also mit diesem Blogartikel sehr viele Veränderungen der Wahrnehmung im Blick auf die europäische und mediterrane Geschichte mitteilen. Denn es sind wieder einmal reihenweise neue Erkenntnisse zusammen zu tragen, die sich nun alle - fast wie selbstverständlich - aus dem Fortschritt des Erkenntnisstandes der Archäogenetik ergeben (1). 

Die Urnenfelder-Kultur entfaltete sich zunächst zeitgleich zur großartigen Kultur von Mykene in Serbien. Sie griff aber dann räumlich noch viel weiter aus als das die Griechen der mykenischen Zeit innerhalb des Mittelmeerraumes getan haben. Man kann womöglich so sagen: 

  • 2.300 v. Ztr.: "Das Kommen der Griechen". Als die Jamnaja-Leute sich nach Griechenland hinein ausbreiteten, kam es zeitlich parallel zur Entstehung und Ausbreitung der keltischen Glockenbecher-Kultur über ganz Europa hinweg - von Nordfrankreich ausgehend (1). Die Ethnogenese der Italiker-Kelten, der Griechen und der Armenier erfolgte also in etwa zeitgleich.
  • 1.250 v. Ztr.: Blütezeit und Untergang von Mykene, Seevölkersturm. Sie können zeitlich parallel gesetzt werden zur Ausbreitung der keltischen Urnenfelder-Kultur über ganz Europa hinweg von Serbien ausgehend. Und vieles weist inzwischen darauf hin, daß der Untergang von Mykene und des Hethiter-Reiches auch mit der Ausbreitung der Urnenfelder-Kultur in Zusammenhang steht. 

Damit kann vielleicht verdeutlicht werden, daß die 3000-jährige Dynamik der keltischen Völkergeschichte in Europa um 1200 v. Ztr. ihren Höhepunkt erreicht und auch im Seevölkersturm im Mittelmeer-Raum ihren Ausdruck findet. 

Abb. 2: Die Goldhut-Kultur der Kelten um 1200 v. ztr. (Neues Museum, Berlin) (Fotograf: Sailko) (Wiki)

Die keltische Hallstatt-Kultur, die keltischen Wanderungen danach (Wiki), die Gallier zur Zeit Caesars, ja, die Blüte der antik-griechischen und hellenistischen Kultur könnten - aus dieser Sicht - auch "nur" als "Ausebben" einer noch viel gewaltigeren Dynamik eintausend Jahre zuvor angesehen werden.

Der englischsprachige Wikipedia-Artikel über die Goldhut-, bzw. Urnenfelderkultur (Wiki) gibt auch schon - allein über seine Bebilderung - ein viel differenzierteres Bild von dieser Kultur als dies der aktuell noch "langweiligere" deutschsprachige Artikel tut.

Wir selbst waren wir hier auf dem Blog in vielen Beiträgen schon oft genug mit dieser Urnenfelder-Kultur befaßt, ohne daß uns das bewußt war und ohne daß wir das Thema unter diesem Namen zusammen gefaßt hatten. So etwa in der Blogartikel-Serie zur "Bronzezeitlichen Stadtgeschichte" Mitteleuropas. (Ein Faux pas unsererseits? Oder einfach dem damaligen mangelhaften Kenntnisstand der Archäologie geschuldet? Wir sind verunsichert! Neue Erkenntnisse werfen ja nicht selten die Frage auf, warum man diese Erkenntnis nicht schon früher hatte, sondern sich so vergleichsweise "dumm" anstellte!)

Wann errichten wir ein Hermanns-Denkmal an der Tollense?

Es war offensichtlich diese großartige Goldhut- und Urnenfelder-Kultur, die um 1250 v. Ztr. in der Schlacht an der Tollense (Wiki) bei Altentreptow in Mecklenburg versucht hat, die Königreiche der Nordischen Bronzezeit in einem gigantischen Eroberungszug aufzurollen (s. Stg2019). Dort mußte das Großreich der Urnenfelder-Kultur eine erste und weltgeschichtlich offenbar zugleich auch noch sehr entscheidende Niederlage hinnehmen (s. Abb. 1). Die Königreiche der Nordischen Bronzezeit bewahrten sich durch diese Schlacht ihre germanische Sprache, Kultur und Genetik bis heute (1). Und damit bekommt die Schlacht an der Tollense um 1250 v. Ztr. eine ähnliche geschichtliche Bedeutung wie die Schlacht von Kalkriese im Jahre 9 n. Ztr. im Teutoburger Wald im Wiehengebirge. (Denn die Geographen und Historiker früherer Jahrhunderte hätten den Teutoburger Wald ja als Wiehengebirge bei Kalkriese identifizieren müssen, wenn sie schon so schlau gewesen wären wie wir heute.)  

Abb. 3: Kriegsausrüstung der Goldhut-/Urnenfelder Kultur (Wiki) - Kammhelme und Brustpanzer (aus einer Veröffentlichung von Gabriel de Mortillet [1821-1898])

Das Wiehengebirge ist der Teutoburger Wald, die Landkarten und der Sprachgebrauch müssen endlich der wissenschaftlichen Erkenntnis angepaßt werden so wie sie seit 25 Jahren festgestellt ist. Das Hermanns-Denkmal muß umgesetzt werden ins Wiehengebirge (!). Und an der Tollense muß ein weiteres Hermanns-Denkmal errichtet werden und dieses muß gemeinsam mit den Königen von Dänemark, Schweden und Norwegen eingeweiht werden (!). 

Es wird allmählich klar: So wie der Pharao Ramses III. (1221-1156 v. Ztr.) seinen Sieg über die Seevölker, über die Urnenfelder-Kultur (!?!) im Jahr 1180 v. Ztr. in großartigen Darstellungen verewigt hat (Wiki), so müssen auch wir Germanen unseren Sieg über die Urnenfelder-/Goldhut-Kultur siebzig Jahre zuvor feiern und seiner gedenken. Wann, wenn nicht jetzt?! Wir hatten damals einen starken Gegner. Genauso wie der Pharao Ramses III. von Ägypten. Und wir schlugen diesen Gegner. Genauso wie der Pharao von Ägypten 1180 v. Ztr., als er als Bericht einmeißeln ließ (Wiki):

Die Fremdländer verließen alle gemeinsam ihre Inseln. Es zogen fort und im Kampfgewühl sind die Länder verstreut auf einen Schlag. Kein Land hielt ihren Armen stand; von Ḫatti, Qadi, Qarqemiš, Arzawa, und Alasia an waren (nun) (alle) entwurzelt auf [einen Schlag].
Es wurde ein Lager aufgeschlagen an einem Ort im Inneren von Amurru. Sie vernichteten seine Leute und sein Land, als sei es nie gewesen. Sie kamen nun, indem die Flamme vor ihnen bereitet war, vorwärts gegen Ägypten, ihre Zwingburg (?). Die plst, ṯkr, šklš, dnjn und wšš, verbündete Länder, legten ihre Hände auf alle Länder bis ans Ende der Welt; ihre Herzen waren zuversichtlich und vertrauensvoll: Unsere Pläne gelingen.

Ein furchtbarer Kriegszug durch fast alle dem Pharao bekannten Länder - aus Gegenden heraus, die dem Pharao ganz unbekannt waren. 

Schon 2019 hatten wir grundlegende Zusammenhänge anhand einer neuen Studie des dänischen Archäologen Kristian Kristiansen verstanden. Wir veröffentlichten hier auf dem Blog unseren Artikel "Der große europäische Krieg, der zum Seevölkersturm führte".  Wir schrieben damals (Stg2019):

Ein junger "Makedonen"-König aus der Slowakei rollte ab 1340 v. Ztr. die süddeutsche Ökumene (Höhenburg-Kultur / Palast-Kultur) auf und führte dann - mit den Unterworfenen und neuen Verbündeten einen Kriegszug bis Mecklenburg, bis in das Tal der Tollense.

Wir kamen uns damals noch sehr kühn vor mit dieser "Hypothese". Der hier in phantastischer Weise mit dem jungen Makedonen-König Alexander dem Großen verglichene König aus der Slowakei wäre also jetzt zunächst einmal als ein König der Goldhut- und Urnenfeld-Kultur zu identifizieren.

Abb. 4: Das Portal der nordirischen Dorfkirche von Clonfert, über dem 16 in Stein gemeißelte abgeschnittene menschliche Köpfe "präsentiert" werden (Wiki) (aus: Stg2021)

Ein ähnlicher, herrlicher Abwehrsieg wie es den germanischen Königreichen der Nordischen Bronzezeit an der Tollense gelang und dem Pharao Ramses III. am Nil gelang offenbar den keltischen Königreichen auf den britischen Inseln nicht (wie wir noch sehen werden). Und anhand der Ausbreitungskarte der Urnenfelderkultur in Abb. 1 und der folgenden Ausführungen müssen wir nun auch die Lausitzer Kultur, die sich von der Gegend um Breslau aus nach Norden ausgebreitet hat, und deren Verhältnis zur keltischen Urnenfelderkultur wir schon vor drei Jahren umsonnen hatten (Stg2021), nun offenbar im Rahmen dieses Eroberungszuges der Urnenfelder-Kultur betrachten.

Schon 2021 hatten wir anhand von (2) über die Ausbreitungsbewegung der Urnenfelderkultur geschrieben (Stg2021):

Eine Besiedlungswelle ging insbesondere von der Urnenfelder-Kultur (Wiki) aus, die sich - ab 2000 v. Ztr. - vom zentralen Ungarn her ausbreitete. Die Forschung nimmt mehrheitlich an, daß sich mit ihr die nachmaligen Italiker, Iberer, Ligurer und Kelten ausbreiteten. (...) Ab 1900 v. Ztr. sei die Urnenfelder-Kultur im nordöstlichen Serbien südlich des Eisernen Tores anzutreffen. Während des darauffolgenden Zusammenbruchs des Tell-Systems um 1500 v. Ztr. breitete sich das Urnenfelder-Modell in einige weitere Regionen aus, in die südliche Poebene, auch in die Sava/Drava- und Untere Tisza-Ebene. In vielen dazwischenliegenden Regionen (etwa im Alpenraum) hat es lange keinerlei Urnenfelder-Kultur gegeben oder aber hybride Kulturen mit weniger radikaler Übernahme der Urnenfelder-Kultur-Elemente (etwa in der nördlichen Po-Ebene).

Aber es war uns noch nicht wirklich deutlich genug, daß dieses Unruhezentrum in Europa noch viel weitere Kreise gezogen hat. Durch die Archäogenetik wird dieser Umstand jetzt geklärt (1). 2011 hatten wir etwa schon - der Sache nach - von der süddeutsch-französischen "Kultur der Goldhüte" geschrieben (Stg2011), die sich bei dieser Gelegenheit ausbildete oder ausbreitete. Es haben sich also mit dieser Urnenfelder-Kultur auch erste Stadtanlagen nach Mitteleuropa hin ausgebreitet, die hier auf dem Blog vor vielen Jahren Thema waren. Die Urnenfelder-Kultur war vermutlich auch deshalb so erfolgreich, weil sie mit einer deutlich höheren Siedlungsdichte in den bronzezeitlichen Stadtanlagen samt der sie umgebenden Terrassierungen einher ging, die man ja zur gleichen Zeit von Mykene bis zu den britischen Inseln feststellt. Kein Wunder, daß sich das damit verbundene Bevölkerungswachstum zu einem "Seevölkersturm" auswachsen konnte.

Die Seevölker - Sie trugen die Waffen der Goldhut-/Urnenfelder-Kultur (!)

Wir lesen jetzt auch auf Wikipedia zu unserer Überraschung über die Herkunft der Seevölker (Wiki):

Nach neueren Forschungen der Archäologen Jung und Mehofer standen Gruppen in der Ägäis auch mit dem Apennin in engem Kontakt. Darauf weisen Ergebnisse archäometallurgischer Untersuchungen an spätbronzezeitlichen Schwertern und Fibeln hin. Die charakteristischen Hiebschwerter vom Typ Naue II wurden demnach in Italien hergestellt und verbreiteten sich von dort über die Ägäis in den östlichen Mittelmeerraum. Die typisch italischen Violinbogenfibeln wurden dagegen lokal in der Ägäis und der Levante hergestellt und wurden wohl von Auswanderern getragen, die zu Seevölkergruppen gehörten. Verschiedene Auswanderungswellen bildeten dann in einem Dominoeffekt den Seevölkersturm.
Mehofer und Jung (2013) sehen in ihren Untersuchungen eine Allianz zwischen italischen Ethnien und den zerfallenden mykenischen Stadtstaaten. Um 1200 v. Ztr. kollabierte die mykenische Palastkultur. Sie zerfiel in Stadtstaaten. Diese orientierten sich unter anderem an italischen Ethnien, die eine fortschrittliche Kriegstechnik entwickelt hatten. Mehofer und Jungs Neuwertung der bronzezeitlichen Funde aus Griechenland, Zypern, der Levante und Ägypten zeigen, daß etwa die Waffen nicht aus den jeweiligen Regionen stammen, sondern der Urnenfelderkultur Mitteleuropas (etwa 1300-800 v. Ztr.) zuzurechnen seien. So zeige sich seit dem 13. Jahrhundert v. Ztr. ein nachweisbarer Funktionswandel von den reinen Stich- zu den Hiebschwertern. So waren die in Mitteleuropa und Italien produzierten Griffzungenschwerter des Typs Naue II effektivere Waffen. Derartige Waffen verwendeten auch die Seevölker. Im östlichen Mittelmeer wurde bis ins 13. Jahrhundert v. Ztr. hauptsächlich mit Stichschwertern gekämpft, die funktionell dem neuzeitlichen Rapier oder Degen ähnelten. Die Kriegswerkzeuge des Typs Naue II hingegen konnten sowohl als Hieb- wie auch als Stichwaffen verwendet werden. Solche Waffensysteme waren den griechischen, levantinischen und ägyptischen Waffen überlegen, was zum militärischen Erfolg der Seevölker beitrug.

Hier auf dem Blog behandelten wir schon Hinweise darauf, daß das Volk der Phryger im Zusammenhang mit dem Seevölkersturm von der Lausitz aus über Thrakien nach Mittelanatolien eingewandert sein könnte (Stg20). Nun lesen wir in einer neuen archäogenetischen Studie, entstanden einmal erneut rund um die dänische Forschungsgruppe von Eske Willerslev und in Zusammenarbeit mit dem dänischen Archäologen Kristian Kristiansen, daß dieser Eroberungszug von der Slowakei und von Böhmen ausgehend auch archäogenetisch charakterisiert werden kann und - wie ebenfalls schon 2021 festgehalten - bis auf die britischen Inseln hin weiter verfolgt werden kann (1). 

Abb. 5: Eine mit Mauerwerk befestigte Siedlung der Daker in Siebenbürgen, dahinter aufgespießte Schädel, womöglich getötete Römer aus dem vorhergehenden Kriegszug des Domitian gegen die Daker, im Vordergrund geschlagene Daker, vermutlich Nachkommen der Urnenfelder-Kultur (aus: Stg2019)

Die neue Studie setzt aber thematisch zunächst tausend Jahre früher ein.

Die Glockenbecher-Kultur entstand um 2460 v. Ztr. in Nordfrankreich

Und zwar beim Zeitpunkt der Ethnogenese der Glockenbecher-Kultur und damit vermutlich der Ur-Italo-Kelten tausend Jahre zuvor, um 2460 v. Ztr., und zwar - offenbar - in Nordfrankreich (!) (1):

Wir verglichen zunächst die räumlich-zeitlichen Wahrscheinlichkeits-(bzw. "Kriging"-)Ergebnisse um 2300 v. Ztr., als die mit der Glockenbecher-Population verbundene Abstammung ihren ersten Höhepunkt erreichte, mit 500 v. Ztr., als die schriftlichen Aufzeichnungen die geografische Verbreitung der Kelten in ganz Europa dokumentieren. Während dieser Zeit blieb das Ausbreitungsgebiet der mit der Schnurkeramik verbundenen Abstammung unverändert (Abb. 2A, D), während sich die mit der Glockenbecher-Kultur verbundene Abstammung ausbreitete (Abb. 2B, E) und die mit den europäischen (mittelneolithischen) Bauern verbundene Abstammung ihr vormaliges Übergewicht verlor (Abb. 2C, F).
We first compared the spatio-temporal kriging results at around ~4300 BP, when ancestry associated with Bell Beaker population first peaks, to ~2500 BP, where the written record documents the geographical distribution of Celtic across Europe. During this period, the range of Corded Ware-related ancestry remains stable (Fig. 2A, D), but Bell Beaker-related ancestry expands (Fig. 2B, E) and European Farmer-related ancestry contracts, correspondingly (Fig. 2C, F).

Dieser Umstand war uns ja schon vor genau einem Jahr hier auf dem Blog so bedeutsam, ebenfalls erarbeitet anhand einer da,aöogem Archäogenetik-Studie aus der Gruppe um Eske Willerslev. Denn er gewährt einen völlig neuen Blick auf die wenig "dynamische" "germanische" Geschichte bis in die Römische Kaiserzeit hinein (Stg2024). Wir lesen nun weiter (1):

Basierend auf direkter Probenentnahme finden wir frühe Belege für Glockenbecher-Vorfahren in Frankreich ab 2463 v. Ztr., in den Niederlanden ab 2384 v. Ztr., auf den Britisch-Irischen Inseln ab ca. 2300 v. Ztr. (England: 2333 v. Ztr., Schottland: 2312 v. Ztr., Irland: 1906 v. Ztr.) und in Südeuropa ab ca. 2300 v. Ztr. (Spanien 2367 v. Ztr., Portugal 2158 v. Ztr., Italien 2212 v. Ztr.). Obwohl sie zu einer ähnlichen Zeit auftraten, ist der Anteil der Glockenbecher-Vorfahren in Frankreich, Spanien und Italien geringer als in Großbritannien und den Niederlanden (Ergänzende Abbildung S1.5).
Based on direct sampling, we find early evidence of Bell Beaker-related ancestry being present in France by 4463 BP, the Netherlands by 4384 BP, on the British-Irish Isles by ~4300 BP (England: 4333 BP, Scotland: 4312 BP, Ireland: 3906), and reaching southern Europe by ~4300 BP (Spain 4367 BP, Portugal 4158 BP, Italy 4212 BP). Despite occurring at a similar time, the proportion of Bell Beaker-related ancestry in France, Spain and Italy is less than that of Britain and the Netherlands (Supplementary Fig. S1.5).

Man kann damit vielleicht folgendes sagen: Die germanischen Völker in Skandinavien und Norddeutschland entstanden um 3.000 v. Ztr. mit der Zuwanderung der Schnurkeramiker. Diese germanischen Völker lebten dann für viele Jahrtausende einfach in Skandinavien, ohne daß sich ihre Genetik in größerem Umfang ausbreitete oder sich ihr Verbreitungsraum verringerte. Auch dank zweier welthistorisch bedeutsamer Schlachten, nämlich der an der Tollense um 1250 v. Ztr. und dank der Schlacht bei Kalkriese im Jahre 9 n. Ztr.. 

Abb. 6: Das Köpfen und Ermorden der Kriegsgefangenen bei der Eroberung Armeniens durch die Jamnaja - Silberbecher von Karashamb in Armenien, um 2.200 v. Ztr (s. Stg2023)

Die italo-keltische Völkergruppe entstand also an der Südgrenze des germanischen Verbreitungsraumes zeitgleich zur Entstehung der antiken Griechen. Und mit dieser italo-keltischen Völkergruppe kam offenbar für die nächsten drei Jahrtausende eine weitere Steigerung der Dynamik in die Völkergeschichte Europas. Über dreitausend Jahre hinweg wird die europäische Geschichte von den Kelten dominiert - nicht von Germanen. 

Es wäre übrigens mehr als naheliegend, für die Zeit um 2.300 v. Ztr. ebenfalls Abwehrschlachten der germanischen Völker gegen die italo-keltischen Glockenbecher-Leute anzunehmen. Diese werden einmal siegreicher, einmal weniger siegreich gewesen sein. Wir hörten hier auf dem Blog ja schon davon, daß die Glockenbecher-Leute als erste den Skagerrak direkt durchpaddelt haben. Das war für die damalige Zeit eine große seemännische Leistung. Und sie kamen damit zeitweise bis Norwegen (Stg2022). Aber sie haben dort dann aber offenbar doch keine Genetik hinterlassen. Vielleicht haben die Schnurkeramik-Nachfahren in Norwegen und Dänemark schließlich doch erbarmungsloser gegen sie zugeschlagen, als das bis heute bekannt geworden ist. Zeitgleich scheinen die Schnurkeramik-Nachfahren aber im Böhmischen Becken erbarmungslos ausgerottet worden zu sein (zumindest die Männer).

In Südeuropa tritt die (italo-keltische) Glockenbecher-Herkunft vermutlich insbesondere deshalb in geringerem Umfang auf, weil Südeuropa schon damals dichter besiedelt war und sich hier diese genetische Herkunft nicht ganz so leicht und stark durchsetzen konnte - in einer Art Replacement-Vorgang - wie auf den britischen Inseln oder auch in Teilen Mitteleuropas (z. B. in Böhmen).

In Nordfrankreich - Die gnadenlosen Ur-Italo-Kelten entstehen

Daß sich die Ethnogenese der frühen italo-keltischen Glockenbecher-Kultur in Nordfrankreich vollzogen hat. hören wir übrigens in dieser Studie zum ersten mal in der Literatur überhaupt. Offenbar ist dieser Entstehungsraum bislang noch nicht für die Glockenbecher-Kultur angenommen worden. Wir lesen weiter (1):

Weiter östlich ist die Schnurkeramik-Kultur der Glockenbecher-Kultur zeitlich voraus gegangen. Der Übergang (von ersterer zu letzterer) spiegelt sich genetisch wider, wobei die mit der Glockenbecher-Kultur verbundenen Individuen der Verbreitungsgrenze der mit der Schnurkeramik verbundenen Individuen folgen oder sich mit deren Ausbreitungsgrenze überschneiden. Dies ist in Deutschland (CWC-verwandt 2703-2358 v. Ztr., BB-verwandt bis 2439 v. Ztr.), Ungarn (BB-verwandt bis 2299 v. Ztr., andere CWC-verwandte aus derselben Zeit), der Tschechischen Republik (CWC-verwandt 2739-2477 v. Ztr., BB-verwandt bis 2333) und Polen (CWC-verwandt 2705-2239 v. Ztr., BB-verwandt bis 2250 v. Ztr.) zu beobachten. Darüber hinaus fanden wir in allen Regionen eine starke zeitliche Korrelation zwischen der Ankunft der mit den Glockenbecher-Leuten verwandten Herkunft und der Y-chromosomalen Haplogruppe R-P312, was die Verbindung zwischen beiden bestätigt (Supplementary Note S3).
Further east, the Bell Beaker period was preceded by the Corded Ware Culture. This transition is mirrored genetically in which the Bell Beaker-related individuals follow, or overlap with the end of, the temporal distribution of Corded Ware-related individuals. This is seen in Germany (CWC-related 4703–4358 BP, BB-related by 4439), Hungary (BB-related by 4299 BP, other CWC-related from the same time), Czech Republic (CWC-related 4739–4477 BP, BB-related by 4333), and Poland (CWC-related 4705–4239 BP, BB-related by 4250 BP). Additionally, in all regions, we found a strong temporal correlation between the arrival of Beaker-related ancestry and Y-chromosome haplogroup R-P312, confirming their association (Supplementary Note S3). 

Die Glockenbecher-Kultur ("Bell Beaker", deshalb "BB") ist also offenbar in Nordfrankreich entstanden und hat sich schon zehn Jahre später über Wallonien und Flandern bis an den Rhein ausgebreitet. Im Böhmischen Becken tritt sie einhundert Jahre später auf, in Ungarn noch einmal dreißig Jahre später, in Schlesien noch einmal 50 Jahre später. Eine solche schnelle demographische Ausbreitung muß zugleich aber auch daran liegen, daß die Menschen dieser Kultur sehr kinderreich gewesen sind.

Mit dieser Herkunft tritt ein neuer Y-chromosomaler Haplotyp auf, was darauf schließen läßt, daß die vorher in diesen eroberten Regionen lebenden Männer in größerem Umfang erschlagen worden sind. Dabei scheint es keine Rolle gespielt zu haben, ob die Feinde in ähnlichen Anteilen Steppengenetik in sich trugen (wie die Schnurkeramiker) oder nicht. Dieser Umstand ist schon 2021 in einer archäogenetischen Studie für Böhmen charakterisiert worden. Schon in dieser Studie war festgestellt worden (zit. n. Stg2021):

Sowohl die Schnurkeramiker wie die Glockenbecher-Leute durchliefen zwischen 2600 und 2400 v. Ztr. Veränderungen, die mit einschlossen einschneidende Rückgänge und vollständigen Austausch in der Vielfalt ihrer Y-Chromosomen.

Die Ur-Kelten scheinen also nicht gerade "zimperlich", sondern vielmehr ziemlich gnadenlos mit ihren Feinden umgegangen zu sein. Vielleicht waren sie auch schon "Kopfjäger" wie noch ihre Nachfahren in der Eisenzeit (Wiki) (s.a. Wiki) (Abb 1 und 2). Übrigens sind zur gleichen Zeit - 2.300/2.200 v. Ztr. - Armenien und Griechenland von den Jamnaja-Leuten erobert worden. Und vieles deutet darauf hin, daß diese Eroberungen ähnlich grausam vonstatten gingen wie die Eroberung Böhmens durch die Glockenbecher-Leute (Abb. 3) (s. Stg2023). 

Abb. 7: Ausrüstungsteile erschlagener Feinde - Präsentiert in einem Relief vom Osttor von Side an der Südküste der Türkei, 650 v. Ztr., ausgegraben aus den Dünen in den 1980er Jahren, heute im Museum von Side (eig. Aufn.) (aus: Stg2016)

Das Zurschaustellen von Ausrüstungsteilen erschlagener Feinde findet sich um 650 v Ztr. auch im anatolisch-indogermanischen Side an der Südküste der Türkei (Abb. 4).

Von wo stammten die Kelten, die um 1100 v. Ztr. die britischen Inseln eroberten?

Es werden dann die unterschiedlichen Herkunftsregionen der keltischen Zuwanderungen auf die britischen Inseln in verschiedenen Jahrhunderten charakterisiert anhand der jeweils vorherrschenden, bzw. hinzukommenden, regionalen mittelneolithischen Bauernkomponente. Das haben wir hier auf dem Blog in den Grundzügen auch schon anhand einer Studie von 2021 behandelt (Stg2021). Es heißt dazu (1):

Die Veränderungen in der (mittelneolithisch-)bäuerlichen Abstammung deuten auf Migrationen aus bestimmten Regionen Europas hin, in denen die jeweilige lokale (mittelneolithisch-)bäuerliche Abstammung vorherrschend war.
The changes in Farming ancestry present are suggestive of migrations from distinct regions of Europe in which local farming ancestry was incorporated.

Sprich, der Steppengenetik-Anteil unterscheidet sich nicht so stark wie der mittelneolithische bäuerliche Herkunftsanteil regional und deshalb kann man an letzteren die Zusammenhänge besser erkennen. Es gab auf den britischen Inseln Zuwanderungen aus Nordspanien ebenso wie aus Nordfrankreich. Und am Ende sogar aus Norditalien - laut dieser Studie. Auch in Nordfrankreich wird in der Eisenzeit ein Anstieg von italienischer mittelneolithischer Bauerngenetik festgestellt. Im Böhmischen Becken wird ein Anstieg dieser italienischen mittelneolithischen Bauerngenetik für die Zeit 1200 bis 800 v. Ztr. festgestellt. Es wird ausgeführt (1):

Durch eine weitere Aufschlüsselung der kulturellen Phasen der Region stellen wir fest, daß dieses Abstammungsprofil im Böhmischen Becken bereits ab 1300 v. Ztr. bei Personen auftrat, die mit der Tumulus-Kultur in Verbindung stehen, und sich bis in die Knovíz- und Hallstattzeit fortsetzte (Extended Data Fig. 1).
By splitting further into the cultural phases for the region, we find that this ancestry profile in the Czech Republic occurred by 1300 v. Ztr., in individuals associated with the Tumulus Culture and continuing into the Knovíz and Hallstatt Periods (Extended Data Fig. 1). 

Im Englischen bezeichnet "Tumulus-Kultur" (Wiki) die Nachfolge-Kultur der Aunjetitzer Kultur in Mitteleuropa. Im Deutschen wird diese als "Süddeutsche Bronzezeit" oder auch als "Hügelgräberzeit" (Wiki) bezeichnet. 

In diesen Regionen breiteten sich also Menschen mit Genetik der Urnenfelder-Kultur vom Balkan her aus. Und in Zusammenhang mit dieser Urnenfelder-Kultur stehen dann auch die sogenannten "Goldhüte" (Wiki). Vielleicht wäre es deshalb anschaulicher, die Urnenfelder-Kultur die "Goldhut-Kultur" zu nennen (Stg2011).

Die hier erwähnte Knovízer Kultur (1300-800 v. Ztr.) (Wikiengl) ist eine Untergruppe der Urnenfelder-Kultur und ist nach dem Dorf Knoviz in der Nähe von Prag an der Elbe benannt, gelegen im Böhmischen Becken. Von der zeitgleichen Lausitzer Kultur in Schlesien und im Oder- und Weichselraum war die Knovizer Kultur in Böhmen durch einen Streifen unbesiedelten Landes getrennt (s. Wiki).

Um besser zu verstehen, wie sich diese mit (mittel-)neolithischen Bauern in Zusammenhang stehenden Abstammungen während der Bronze- und Eisenzeit weiter verbreiteten, führten wir eine räumlich-zeitliche Wahrscheinlichkeits-(Kriging-)Analyse der IBD-Mixture-Modelling-Ergebnisse für diese Abstammungen durch (Extended Data Fig. 2). Für alle drei unterscheidbaren (mittelneolithischen) europäischen Bauern-Herkünfte sehen wir, daß ihr Herkunftsanteil im Laufe der Zeit abnimmt. Während wir eine allgemeine Verringerung der Reichweite der britischen und französisch-iberischen mittelneolithischen Herkünfte beobachten, stellen wir fest, daß sich die mittelneolithisch-italienische und die bronzezeitlich-anatolische Herkunft in diesen Zeiträumen ausbreitet.
To understand how these Neolithic Farmer-related ancestries spread during the Bronze and Iron Age more broadly, we performed spatio-temporal kriging on the IBD Mixture Modelling results for these ancestries (Extended Data Fig. 2). For the three European Farmer related ancestries, we see the proportion of ancestry modelled decreasing through time. However, while we see a general range reduction of the British and French/Iberian Neolithic-related ancestries, we find an increase in the geographical range of the Italian Neolithic-related and Bronze Age Anatolian-related ancestries throughout these periods.

Und weiter (1):

Wir stellen fest, daß bronzezeitliche französisch-iberische Herkunft in England während der mittleren Bronzezeit auftaucht und daß die ungarisch-serbische bronzezeitliche Herkunft während der Eisenzeit weit verbreitet war (Abb. 4). In der Tschechischen Republik stellen wir fest, daß fast alle Individuen aus der Spätbronzezeit mit einem großen Anteil ungarischer/serbischer Abstammung modelliert werden können.
We find the appearance of Bronze Age French/Iberian ancestry appearing in England during the Middle Bronze Age, and the Hungarian/Serbian Bronze Age reaching widespread distributions during the Iron Age (Fig. 4). In the Czech Republic, we find almost all individuals being modelled with a large proportion of Hungarian/Serbian ancestry during the Late Bronze Age.

Und (1):

Der Einfluß der Knovíz-bezogenen Abstammung ist besonders hoch in Frankreich, Deutschland und der Tschechischen Republik. In Österreich stellen wir an der gleichnamigen Ausgrabungsstätte von Hallstatt eine beträchtliche genetische Vielfalt fest, wobei Individuen mit besonders hohen Anteilen von entweder Knovíz- oder ungarisch/serbischer Abstammung aus der Bronzezeit modelliert wurden, also ähnlicher zu Herkunft aus Ungarn, Slowenien und der Slowakei, wo die ungarisch/serbische Abstammung aus der Bronzezeit als in hohen Anteilen vorliegend modelliert werden kann. (...) In England werden Individuen von der Spätbronzezeit bis zur Völkerwanderungszeit hauptsächlich von britisch-irischen Vorfahren aus der Bronzezeit modelliert, mit einigen Knovíz- oder französisch/iberischen Vorfahren aus der Bronzezeit (Supplementary Fig. S1.9).
The impact of Knovíz-related ancestry is particularly high in France, Germany and the Czech Republic. In Austria, we note considerable diversity at the eponymous Hallstatt site, with individuals modelled with particularly high proportions of either Knovíz or Hungarian/Serbia Bronze Age-related ancestry, more similar to Hungary, Slovenia and Slovakia, where the Hungarian/Serbian Bronze Age-related ancestry is modelled in high proportions. (...) In England from the Late Bronze Age until the Migration Period, individuals tend to be modelled primarily by the British-Irish Bronze Age ancestry, with some Knovíz or French/Iberian Bronze Age-related ancestry (Supplementary Fig. S1.9).

Soweit zur damit also vermutlich noch weiter zu differenzierenden "inneren" Geschichte der Urnenfelder-Kultur und der auf sie folgenden keltischen Kulturen. Es wird deutlich, daß mit dieser neuen archäogenetischen Studie da noch manche Details tiefenschärfer ausgeleuchtet werden können, was wir an dieser Stelle aber erst einmal übergehen wollen.

/ Ergänzung 1.3.26 / Um 2.200 v. Ztr. begann in Europa, im Vorderen Orient und in Asien die große Ära der Streitwagen (Stg2021) (Wiki).

Abb. 8: Streitwagen der Eisen-, bzw. Bronzezeit - Bronzemodell aus Göchebi (Dedoplistsqaro), Georgien, erste Hälfte des 1. Jahrtausends v. Ztr., Sighnaghi-Museum, Georgien (Wiki)

Jeder Gedanke auch an die europäische Bronzezeit wird sofort viel anschaulicher, wenn man sich klar macht, daß zu dieser Zeit sowohl Rinderwagen - für den Transport - wie Streitwagen - für die Kriegsführung - verwendet worden sind. Und daß die Geschwindigkeit dieser Fortbewegungsmittel den Alltag ebenso wie die Kriegsführung bestimmte. Im Grunde macht es Sinn, an den Anfang jeden Blogartikels über die europäische Bronzezeit das Bild eines solchen Streitwagens zu stellen (Abb. 8). Denn sofort taucht ein ganz anderes Bild der bronzezeitlichen Gesellschaften vor dem inneren Auge auf.

Die Verwendung der Streitwagen für den Krieg endete im Mittelmeer-Raum um 750 v. Ztr., auf den britischen Inseln waren sie noch zur Zeit der Ankunft Cäsars im Gebrauch.

Urnenfelder-Genetik in Nordostspanien

/ Ergänzung 5.9.2025 / 2.300 v. Ztr. hatte sich die Glockenbecher-Kultur von Nordfrankreich bis nach Spanien ausgebreitet (Stg2021Stg2024), vielleicht gelangte auch die Aunjetitzer Kultur aus dem Raum zwischen Elbe und Weichsel bis nach Spanien (Stg2025). Und ab 1.100 v. Ztr. hat sich die Urnenfelder-Kultur vom heutigen Serbien aus auch bis nach Nordostspanien, bis nach Katalonien ausgebreitet. Dortige Menschenfunde weisen zu 18 bis 30 % dieselbe genetische Herkunft auf wie Menschen der Urnenfelderkultur im heutigen Deutschland und im heutigen Böhmen (3). Die Y-chromosomalen Haplotypen ändern sich aber in Nordost-Spanien durch die neue Genetik gar nicht. Die Genetiker gehen deshalb davon aus, daß die zuwandernden Urnenfelder-Leute in Nordostspanien zum Beispiel aus dem südlichen Frankreich kamen und nicht direkt aus Böhmen.

Mitteleuropäische Genetik in Dänemark und Schweden nach 375 n. Ztr.

In der Völkerwanderungs- und Wikingerzeit nach 375 n. Ztr. kamen interessanterweise Menschen aus Mitteleuropa nach Dänemark und Südschweden, die geringe Teile von Urnenfelder-Genetik in sich trugen (1):

Der Zustrom kleiner Anteile kontinentaler Abstammung wird als Abstammung aus der Bronzezeit in Knovíz und Ungarn/Serbien modelliert, wobei die britisch-irische Bronzezeit und die französische/iberische Bronzezeit im Allgemeinen fehlen. Daher können wir die Niederlande, Frankreich, Großbritannien und Irland als Quelle dieser kontinentalen Abstammung ausschließen und auf eine weiter östlich gelegene Ursprungsregion schließen. Dies steht im direkten Gegensatz zu Norwegen, wo hohe Anteile der britisch-irischen Abstammung aus der Bronzezeit bei den meisten Personen mit nicht-lokaler Abstammung festgestellt werden, was mit früheren Studien übereinstimmt.
The influx of small proportions of continental ancestry is modelled as Knovíz and Hungary/Serbia Bronze Age-related ancestry, generally lacking British-Irish Bronze Age and French/Iberian Bronze Age. As such, we can exclude the Netherlands, France, Britain and Ireland as a source of this continental ancestry, and infer a source region further east. This stands in direct contrast to Norway, where high proportions of the British-Irish Bronze Age-related ancestry are detected in most individuals with non-local ancestry, consistent with previous studies.

Es gibt einerseits Hinweise auf eisenzeitliche Eroberungsversuche germanischer Stämme aus Norddeutschland, die Richtung Dänemark vorgestoßen sind. Aber vielleicht kamen Menschen dieser Herkunft eher noch im Rahmen des Sklavenhandels der Wikinger über Osteuropa hinweg nach Skandinavien? Solche Herkunft sollte es ja auch in Norddeutschland damals - vermutlich - nicht gegeben haben. Übrigens dürfte es viel Sinn machen, auch für die Urnenfelder-Kultur umfangreichen Sklavenhandel anzunehmen, ein Aspekt, der vermutlich auch leicht vergessen wird.

Im Diskussions-Teil der Studie werden unsere eigenen obigen Annahmen, Deutungen und Schlußfolgerungen bezüglich der Eroberungszüge der Urnenfelder-Kultur dann noch einmal ausdrücklich voll bestätigt. Und das dürfte unter anderem auf Kristian Kristiansen zurück gehen (1):

Die nordwärts gerichtete Expansion von Mitteleuropa nach Norddeutschland und Südskandinavien endete offenbar in einer bedeutenden Niederlage. Dies legt die Schlacht an der Tollense um 1.200 v. Ztr. nahe und wird auch durch das Fehlen von Knovíz-Herkunft in Skandinavien vor der Völkerwanderungszeit deutlich.
The northward expansion from Central Europe into northern Germany and southern Scandinavia appears to have culminated in a significant defeat, as suggested by the Tollense battle around 3200 BP and evident also from the lack of Knovíz related ancestry in Scandinavia prior to the Migration Period.

Wir dürfen also sagen: Bollwerk Germanien gegenüber der italo-keltischen Völkergruppe um 2.300 v. Ztr., um 1250 v. Ztr. und 9 n. Ztr.. Allerdings wollen wir bei Gelegenheit auch noch einmal den keltischen Kultureinflüssen auf die nordische Bronzezeit nachgehen, auf die wir etwa letztes Jahr im Museum in Kopenhagen gestoßen waren. Man wird sagen dürfen: Als Heiratspartner waren die Angehörigen der italo-keltischen Völkergruppe bis 375 n. Ztr. in "Germanien" nicht gern gesehen. Aber als Händler vermutlich doch. Vielleicht haben auch germanische Fürsten, die sich in den Dienst keltischer Könige gestellt haben, "Beute" und Kulturgüter mit nach Germanien gebracht.

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  1. Tracing the Spread of Celtic Languages using Ancient Genomics. Hugh McColl, Guus Kroonen, Thomaz Pinotti, John Koch, Johan Ling, Jean-Paul Demoule, Kristian Kristiansen, Martin Sikora and Eske Willerslev (bioRxiv. posted 1 March 2025) 10.1101/2025.02.28.640770
  2. Cavazzuti, C., Arena, A., Cardarelli, A., Fritzl, M., Gavranović, M., Hajdu, T., ... & Szeverényi, V. (2022). The First ‘Urnfields’ in the Plains of the Danube and the Po. Journal of World Prehistory, 1-42 (Springer)
  3. Bretos Ezcurra, M., Rohrlach, A.B., Papac, L. et al. (Roberto Risch, Johannes Krause, Wolfgang Haak) Genomic insights from a final Bronze Age community buried in a collective tumulus in an Urnfield settlement in Northeastern Iberia. Commun Biol 8, 1299 (2025). https://doi.org/10.1038/s42003-025-08668-7, Published 28 August 2025 (Nature)

Montag, 29. März 2021

Die mächtigen Völkerburgen Mitteleuropas 1200 bis 30 v. Ztr.

Einige stichprobenartige Einblicke in die Geschichte der Kelten

In Griechenland spielte sich ab 500 v. Ztr. ein bedeutungsvoller Zeitabschnitt der Weltgeschichte ab. Er wurde eingeleitet ab etwa 800 v. Ztr. mit der Niederschrift der "Ilias" von Homer. Die europäischen Völkerbewegungen, die diesem klassischen Griechenland voraus- und parallel gingen, vollzogen sich weitgehend im "Schatten der Weltgeschichte", sprich, im Schatten der Geschichtsschreibung und der schriftlichen Überlieferung. Deshalb haben wir nur wenig konkrete Vorstellungen von diesen Völkerbewegungen. Sie sind uns kaum im Bewußtsein. Und wir kennen nur wenige Stämme und Völker, bzw. ihre Könige beim Namen, die diese Völkerbewegungen getragen haben. Denn selbst die wachen griechischen Historiker haben nur wenig von ihnen berichtet.

Abb. 1: Völker-Ausbreitungen von den Urnenfelder-Proto-Kelten (1000 v. Ztr.) bis zu den vorrömischen Eroberungen des letzten Jahrhunderts vor der Zeitrechnung (Herkunft: Megistias [Wiki])

Doch die archäologische Forschung kann uns Einblicke geben. Das Zentrum des Unruheraumes der europäischen Völkerbewegungen zwischen Spätbronze- und Eisenzeit lag in Süddeutschland zwischen Thüringer Wald und Voralpen. (Abb. 1) (Wiki). Das ist dieselbe Region, die wir auch schon als Unruhe-Raum des Seevölkersturms um 1200 v. Ztr. hier auf dem Blog ausmachten, aus dem heraus die Teilnehmer an der Schlacht an der Tollense in Mecklenburg hervorgingen nach den Begleitfunden, die gemacht wurden (25).

Die kontinuierliche Entwicklung aus den ansässigen bronzezeitlichen Vorgängerkulturen Mitteleuropas, insbesondere der spätbronzezeitlichen Urnenfelderkultur, bis hin zu den aus historischer Zeit bezeugten Kelten ist heute zweifelsfrei belegt (Wiki).

Wie man sich die damaligen Völkerbewegungen vorstellen kann, davon gibt Caesar in seinem Bericht "Bellum gallicum", "Gallischer Krieg" sehr konkrete Vorstellungen: Große Stämme besiedelten damals einzelne mächtige Völkerburgen, gut zu verteidigende Großsiedlungen auf Bergen, "Oppida". Und diese Stämme führten Krieg miteinander und wanderten geschlossen ab, suchten neue Siedlungsregionen auf je nach dem, was religiöse und politische Berater wie Druiden oder weise Frauen diesen Stämmen jeweils rieten. Die Entscheidungen konnten oft zumindest für Außenstehende recht willkürlich anmuten.

Terrassierungen - In der Ägäis und in Deutschland, 1300 bis 1250 v. Ztr.

Wenn man heute in Oberfranken wandert, begegnet man den Hinterlassenschaften dieser Stämme geradezu auf "Schritt und Tritt". Überall Terrassierungen. Wir haben sie schon 2019 in einem Video behandelt (21, 18). Immer wieder tief eingeschnittene, historische Wege, die schon aufgrund des Umstandes, daß sie so tief in die Umgebung eingeschnitten sind, aufzeigen, über wie viele Jahrzehnte und Jahrhunderte sie benutzt worden sein müssen.

/ Nachtrag 30.5.21: Inzwischen hat ein archäologischer Fachartikel die Terrassierungen weltweit zum Thema gemacht (25). Auf Wikipedia werden sie Ackerterrassen (Wiki) genannt. Es wird aber immer nur von einem mittelalterlichen Ursprung gesprochen, während der spätbronzezeitliche viel naheliegender ist - wie wir gleich noch sehen werden.

Auf einer weltweiten Verbreitungskarte von Terrassierungen sind in dieser neuen Studie allerdings nur der Alpenraum, Frankreich und England berücksichtigt (25, Figure 1). Im Vorübergehen ist zwar von einer Verbreitung der Terrassierungen bis hinauf nach Norwegen die Rede (wo auch zwei Mitautoren forschen), aber darauf wird dann nicht mehr weiter eingegangen.

Sehr spannend aber ist, daß erwähnt wird, daß für einige griechische Inseln Daten vorliegen für das Ausmaß, in dem dort Terrassierungen vorherrschen. Auf Keos sind 70–80% des Ackerlandes terrassiert, auf Tinos über 90 % und auf Antikythera 26 % (25). Weder bei den antik-griechischen Autoren noch bei den antik-römischen Autoren findet man nennenswerte Ausführungen über das Prinzip der Terrassierung (25). Sie wurden also in der Klassischen Zeit schon als etwas völlig Selbstverständliches hingenommen. 

Mit noch größerer Spannung aber nimmt man zur Kenntnis, daß archäologische Forschungsprojekte zur Landschaftsnutzung im südlichen Griechenland, und zwar in der südlichen Argos und auf dem Peloponnes (Berbati-Limnes) schon vor vor 30 Jahren ergeben haben, daß die Ackerterrassierungen zuerst in der Späten Bronzezeit angelegt worden sind. Man beruft sich dazu auf das Buch von Van Andel, T. H., und C. Runnels "Beyond the Acropolis - A Rural Greek Past" - Stanford University Press 1987.

Diese Forschungen zur Landnnutzung in Griechenland gehen aber bis heute weiter. Wir finden sehr schnell eine Studie aus dem Jahr 2019, wonach der Grad der Terrassierungen in der Peloponnes zwischen 1300 und 1250 v. Ztr. am höchsten war (26, Figure 10). Dann folgen der Seevölkersturm und die "dunklen Jahrhunderte". Aber ab 750 v. Ztr. steigt der Grad der Terrassierungen bis etwa 250 v. Ztr. fast wieder auf den Stand um 1250 v. Ztr. an, erreicht ihn aber nicht mehr ganz. In der Spätantike und im Mittelalter werden diese noch viel weniger erreicht. Der Höhepunkt für die Terrassierungen und ihre Nutzung liegt also in der Peloponnes eindeutig in der Späten Bronzezeit: 1300 bis 1250 v. Ztr..

Das sollte einem doch zu denken geben. Die Autoren der jüngsten Studie schreiben zu den Gründen, weshalb Terrassierungen angelegt werden (25):

Grundsätzlich erhöhen alle Terrassen, einschließlich Pflugaufhäufungen ("Lynchets") die Produktivität pro Landeinheit. In extremen Fällen kann sie von nahezu Null (in begrasten aber unbewirtschafteten Höhenlagen) zu bis zu 60 % Steigerung in daselbst planierten Bereichen liegen. Sie erlauben außerdem den Anbau einer größeren Vielfalt von Früchten, was den Unterhalt einer größeren Vielfalt von Tieren ermöglicht. ...
Fundamentally all terraces, including lynchets, increase agricultural productivity per unit of planimetric land area. In extreme cases that can be from near zero (grazed but uncultivated hillsides) to 60%+ of planimetric area. Additionally, terracing also allows the cultivation of a wider range of crops, and the raising of more, and different, animals both of which can be seen as beneficial for dietary breadth and so reducing disease and infant mortality.

Sie erörtern auch (25) ...

darüberhinaus gehende Werte, die Terrassen mit sich bringen können, soziale, rituelle und politische. (...) Sie erlauben eine größere Bevölkerungszahl. (...)
other values that terraces can have; social, ritual and political (...) allowing the maintenance of higher population levels. (...) The relationships of terracing to settlements, including defended settlements, can be multi-factorial, through population but also through the use of terraces as transport routes, and as house sites as settlements expand.

Die größere Bevölkerungszahl wird schlichtweg der springende Punkt gewesen sein. / Ende des Nachtrags. /

Abb. 2: Terrassierungen in Northumberland um 1500 v. Ztr. (aus: 28)

/ Nachtrag 19.4.23: Terrassierungen ab etwa der Zeit um 1500 v. Ztr. finden sich auch in Northumberland, einer Grafschaft in Nordost-England an der Grenze zu Schottland (28). Im dortigen archäologischen Rahmen ist von "Früher und Mittlerer Bronzezeit" die Rede. Sie entspricht aber zeitlich der Spätbronzezeit Mitteleuropas und des Mittelmeerraumes (28):

Das zeitgleiche Auftreten unbefestigter Rundhaus-Siedlungen in Verbindung mit Feld- und Terrassierungs-Systemen zu dieser Zeit markiert einen plötzlichen Wandel, ohne daß es einen vorausgehenden Hinweis auf solche Bevölkerungsdichte und Dauerhaftigkeit von Siedlungen über die Landschaft hinweg gegeben hätte. (...) Schon die bloße Zahl von unbefestigten Siedlungen, die man durch Oberflächenfunde feststellen kann (mehrere hundert verteilt über die Cheviot-Berge), legt eine Phase dichter Besiedlung nahe.
The synchronous appearance of unenclosed roundhouse settlements with associated field and terrace systems at this time presents a sudden change, with no prior evidence for such density and permanence of settlement across this landscape. (...) The sheer number of unenclosed settlements visible as surface remains (with several hundred across the Cheviot Hills), however, suggests a period of dense settlement.

Viele untersuchte Siedlungen weisen auch eine Besiedlung über viele Generationen hinweg auf ("multi-phase"). Es werden in dieser Zeit auch Höhenlagen besiedelt, die davor und danach nicht besiedelt waren (28). (Ende Nachtrag) /

Die Stämme handelten als geschlossene Einheiten

Aus den historischen Berichten wissen wir: Die Stämme handelten geschlossen, sie siegten gemeinsam, sie gingen gemeinsam zugrunde. Wenn ein Stamm besiegt wurde, wurden die besiegten Menschen vom siegreichen Stamm ermordet oder versklavt. Die Leichen besiegter Krieger oder ermordeter Kriegsgefangener präsentierte man zur Abschreckung auf den Mauern oder in den Tempeln der Stadt (z.B. in den keltischen Viereckschanzen).

Man wundert sich, daß trotz solcher grausamer kriegerischer Vorgänge, die immer wieder als gegeben vorausgesetzt werden müssen, dennoch ein so reichhaltiges und blühendes Wirtschaftsleben, ein reichhaltiges politisches und kulturelles Leben sich entfalten konnte. Aber dasselbe sehen wir ja auch für das mykenische und nach-mykenische Griechenland. Beide - das zerstörende und das aufbauende Prinzip - konnten also über Jahrhundete, Jahrtausende parallel nebeneinander her gehen. (Wobei freilich immer einmal wieder auftretende sogenannte "dunkle Jahrhunderte" - zum Beispiel um 3.000 v. Ztr. auch in Dänemark - natürlich auch sehr zu denken geben können.)

2.500 bis 500 v. Ztr. finden sich auch im südlichen Kaukasus Höhenburgen wie neuerdings bekannt geworden ist (Erb-Satullo 2019).

Die Burgenforschung für die Zeit der Spätbronzezeit um 1000 v. Ztr. stellt ähnliche Erscheinungen auch schon tausend Jahre - früher wie tausend Jahre später - in Mitteleuropa fest. Und genau diese Burgenforschung stellt bis heute ein Desiderat der Forschung dar. So hat es der deutsche Archäologe Svend Hansen (geb. 1962) (Wiki) erst kürzlich in einem Vortrag geäußert (1) (ab 30. Minute).


Die ost- und mitteleuropäischen Höhenburgen, so führte er aus, sind in Mitteleuropa ab 1700 v. Ztr. errichtet worden, zu einer Zeit, in der es solche Burgen im Mittelmeer-Raum noch gar nicht gegeben hat, außer rund um die Adria herum. (Das war im Mittelmeerraum die Palastkultur der Minoer. Auch diese siedelten auf Bergen, aber ohne Verteidigungsmauern.) Vor 1700 v. Ztr. findet man metallene Schwerter und Lanzenspitzen nur im Vorderen Orient und im Kaukasus-Raum, so sagt er. Nach 1700 v. Ztr. findet man sie nur in West- und Mitteleuropa. 

Wir meinen, daß das letztlich auch etwas zu tun haben könnte mit der vorhergehenden Ausbreitung der Indogermanen als Glockenbecher- und Streitaxtkulturen, wobei diese anfangs nicht weniger kriegerisch gewesen sein muß, wenn sie eben statt mit Metallwaffen mit Steinäxten, Holzkeulen, sowie mit Pfeil und Bogen gekämpft haben. Es überzeugt keineswegs, daß ein sonderlich zusätzliches kriegerisches Zeitalter in Mitteleuropa erst ab 1700 v. Ztr. in Europa angebrochen sein soll.

Zu kritisieren scheint uns an diesem Vortrag auch, daß die Fokussierung auf das Thema "Konfliktforschung" aus dem Blick geraten läßt, daß die vorliegende Komplexität einer Gesellschaft nicht davon abhängig ist, ob man in ihr Waffen oder Befestigungsanlagen findet oder nicht, sondern eher, wie intensiv die Wirtschaftstätigkeit war und der wirtschaftliche Austausch, sprich Fernhandel, bzw. welcher kulturelle Reichtum vorliegt. Mit der Fokussierung auf das Thema Konfliktforschung wird der Blick auf die Thematik bronzezeitliche Höhensiedlungen unseres Erachtens zu sehr verengt. Auch mutet es unangemessen an, daß die mitteleuropäischen Gesellschaften erst um 1700 v. Ztr. so konfliktreich geworden sein sollen, wo doch mit hoher Wahrscheinlichkeit schon die Ausbreitung der indogermanischen Kulturen zuvor in Mitteleuropa nicht unbedingt nur friedlich verlaufen ist. Dafür liefert ja insbesondere die Erforschung der Genreste dieser Bevölkerungen deutliche Hinweise (Dezimierung der mittelneolithischen Völker, insbesondere der Männer und ihrer Y-Chromosomen).

Eine zweite Phase der Verbreitung von Höhenburgen hat es dann, so Hansen, zwischen 1300 und 900 v. Ztr. zur Zeit der Urnenfeldkultur gegeben, also in der Spätbronzezeit (36. Minute). Wenn wir es parallel zu Griechenland setzen, könnte dies die Zeit gewesen sein, in der ein nicht geringer Teil der Terrassierungen angelegt wurde. Gegenwärtig werden Burganlagen dieser Zeitstellung in Hessen zwischen Taunus und Rhön erforscht. Im folgenden nun nur noch einige stichprobenartige Einblicke in den gegenwärtigen Forschungsstand zu den Höhensiedlungen der Kelten.

Abb. 3: Einige keltische Oppida der Fränkischen Alp zwischen Donau und Main (GMaps)

An der Jahrtausende alten Straße von der Donau hinauf ins Obermain-Tal und ins Thüringer Becken reihten sich - über die ganze Fränkische Alp hinweg - auf prägnanten Bergen in keltischer Zeit Oppida, bzw. Großsiedlungen wie an einer Perlenkette entlang (s. Abb. 3):

  • der Schellenberg (Wiki) 30 Kilometer nördlich von Ingolstadt an der Donau
  • der Buchberg (Wiki) 30 Kilometer nördlich vom Schellenberg
  • die Ehrenbürg (Wiki) 66 Kilometer nördlich vom Buchberg
  • der Neubürg (Wiki) 32 Kilometer nördlich der Ehrenbürg
  • der Staffelberg (Wiki), 40 Kilometer nördlich des Neubürg
und viele andere mehr.

Die Ehrenbürg (südlich von Bamberg) - Zentralsiedlung um 1250 v. Ztr.

Zwischen Bamberg und Nürnberg in Oberfranken liegt die eben genannte Ehrenbürg. Über sie ist zu erfahren (Wiki):

Während des 13. vorchristlichen Jahrhunderts war der Berg mit einer spätbronzezeitlichen Steinmauer zu einer stark befestigten, großen Zentralsiedlung ausgebaut worden. (...) Der von Schlaifhausen zum antiken Tor heraufführende Weg diente als Zufahrt zu der Befestigung (...) und ist somit wahrscheinlich die älteste Fahrstraße Oberfrankens. Bei dem zusätzlich befestigten südlichen Teil Rodenstein handelte es sich wohl um die Akropolis dieser Siedlung.

Man darf es immerhin als aufwühlend empfinden, von einer Akropolis um 1200 v. Ztr. in einer Region südlich von Bamberg zu lsen. Ist denn schon in das Geschichtsbewußtsein der Menschen vor Ort eingesickert, was alles damit verbunden gewesen sein muß?

Ein heiliger Berg, eine heilige Stadt im Herzen Frankens um 1200 v. Ztr., besiedelt von einem heute dahin gegangenen Volk. Die Sprache, die dieses Volk gesprochen hat, die Kultur, die dieses Volk gelebt hat, sie alle sind dahin gegangen. Wohin? Wir werden es weiter unten noch sehen.

Der Bullenheimer Berg östlich von Würzburg (1.000 bis 900 v. Ztr.)

Da gibt es dann etwa den Bullenheimer Berg zwischen Würzburg, Fürth und Rothenburg ob der Tauber. Die früheste nachgewiesene Besiedlung der Wohnterrassierung erfolgte wohl etwa zwischen 1.000 und 800 v. Ztr.:

Zur Anlage der Terrasse wurde vom Mittelhangbereich aus hangaufwärts auf einer Breite von ungefähr 18 m flächig Material abgetragen. (...) Während der Lehm offensichtlich abtransportiert wurde, hat man mit dem Steinmaterial Unebenheiten auf der Terrasse - besonders im anschließend bebauten Bereich - ausgeglichen. (...) Die Neubesiedlung des Areals erfolgte dann unmittelbar auf der künstlich geschaffenen Oberfläche.

Im Bereich des Hauses, bzw. im Umfeld fanden sich Hinweise auf Keramikproduktion, auf Webstühle, auf Spinnwirtel, auf Verarbeitung von Pech. Auch die Niederlegung einer späturnenfelderzeitlichen Tasse findet sich auf der Terrasse, es wird ein Bauopfer vermutet. All das scheint um 900 v. Ztr. beendet worden zu sein durch einen Brand, der Brandschutt zurück ließ. Ein lebensvolles Volk, ein lebenskräftiger Stamm - untergegangen oder abgewandert (vermutlich) und schließlich in den Stürmen der Weltgeschichte "verronnen".

Die Heunischenburg bei Kronach (1.000 v. Ztr.)

Nahe der oberfränkischen Stadt Kronach befindet sich die Heunischenburg, die 1000 bis 800 v. Ztr. besiedelt und befestigt war, also in jener Zeit, in der in Griechenland die "Ilias" niedergeschrieben worden ist, und in der jene in der Ilias beschriebenen "Homerischen Heroengräber" sich von der Ägäis bis nach Dänemark und bis nach Westpreußen finden (siehe frühere Beiträge hier auf dem Blog), in der also vermutlich auch der Geist der Ilias in demselben Verbreitungsgebiet gelebt worden ist. Auf dieser Burg wurden sehr viele bronzene Pfeilspitzen und Waffen gefunden. Und wir erfahren (Wiki):

Eine typische Konstruktion von Zangentor und Ausfallpforte läßt spätmykenischen Einfluß erkennen, sodaß auf Kontakte zur mediterranen Zivilisation geschlossen werden kann. Die mächtige, jedoch kleinräumige Befestigung und die vielen gefundenen Waffen heben die Heunischenburg deutlich ab von den großen spätbronzezeitlichen Mittelpunktsiedlungen wie der Ehrenbürg bei Forchheim und dem Großen Gleichberg in Thüringen.

Wiederum ein Stamm, ein Volk, dessen Namen wir kaum kennen, und dessen Schicksale im weiteren Verlauf der Weltgeschichte "verronnen" sind.

Der Hohenberg in der Südpfalz (1.000 v. Ztr.)

Die deutsche Bronzezeit-Forschung  wird immer mehr aufmerksam auf die Notwendigkeit, sich dem Thema Höhensiedlungen der Bronzezeit zuzuwenden, so etwa auch für das Gebiet der Südpfalz (6):

Eine hohe Dichte bronzezeitlicher Fundplätze zwischen Pfälzerwald und Rheinlauf mit spektakulären Funden - wie dem Goldhut von Schifferstadt, den Bronzerädern von Haßloch und den Flußfunden von Bobenheim-Roxheim - ließen erwarten, daß das vermeintliche Fehlen von Höhensiedlungen eine Forschungslücke darstellt. Tatsächlich gelang es mit den Entdeckungen auf dem Hohenberg, am Rande des Pfälzerwaldes im Jahr 2014 erstmals, eine befestigte Höhensiedlung der Urnenfelderzeit in der Südpfalz nachzuweisen.

Ähnliche Zusammenhänge werden gegenwärtig und zukünftig sicher für viele weitere Regionen aufgezeigt werden können.

Die Burg an der Dömnitz bei Pritzwalk (800 v. Ztr.)

Zur Zeit der vielen Hügelgräber rund um das Königsgrab von Seddin (Wiki) in der Prignitz (zwischen Berlin und Hamburg) gab es sieben Kilometer östlich davon, flußaufwärts des Elbe-Nebenflusses Dömnitz - und von diesem umschlungen - eine bronzezeitliche Befestigungsanlage mit Zangentor.

Das keltische Volk der "Volker"

Das keltische Volk der "Volker" (Wiki)  ist den griechischen und römischen Historikern und Schriftstellern bekannt geworden, nachdem es ab etwa 300 v. Ztr. in den Einflußbreich dieser Kulturräume gewandert war. 

Abb. 4: Die Wanderungen des Volkes der Volker im 3. Jhdt. v. Ztr. (Wiki)

Es war also einerseits nach Griechenland und Kleinasien im Osten, andererseits in die Schweiz, in das Rhonetal, nach Toulouse und bis zu den Pyrenäen im Westen. 

Ihre Heimat lag aber in den deutschen Mittelgebirgen, in Hessen, Thüringen und Franken, wo auch Teile des Volkes bis zur Eroberung durch die Römer von Süden und durch die Germanen von Norden seßhaft geblieben sind.

Auf ihren Volksnamen "Volker" wird auch die germanische Volksbezeichnung "Welsche" zurückgeführt, wobei diese Bezeichnung wohl alles "Nicht-Germanische" umfassen wird, und wobei auch schon die Wahrnehmung der romanisierten "Volker", bzw. von deren Unterschichten mitgeschwungen haben kann, also der "gallo-romanischen" Bevölkerung. Durch die Zuwanderungen von Teilen der Volker in den griechisch-römischen Kulturraum lernten die dortigen Schriftsteller die Sitten und Bräuche dieses Volkes besser kennen.

Die Galater in Kleinasien

Im Jahr 280 v. Ztr. fielen zwei keltische Heere in Nordgriechenland ein. Eines stand unter der Führung des Heerführers "Brennus". Aber vielleicht handelte es sich bei diesem Namen auch einfach nur um eine keltische Bezeichnung für "Heerführer". Griechenland war damals innerlich zerstritten durch die Diadochenkämpfe. Das keltische Heer plünderte Delphi und gewann dabei einen berühmten Goldschatz, der nachmals als "Gold von Tolosa", sprich Toulouse, bekannt geworden ist. Denn die Kelten transportierten diesen Schatz bis Toulouse im Westen (Wiki). 279 v. Ztr. konnten sie dann aber in der Nähe von Delphi geschlagen werden. Brennus starb nach der Schlacht, vielleicht an seinen Wunden, vielleicht durch Selbstmord.

Die nach Griechenland eingedrungenen Kelten gründeten unter der Führung ihres neuen Herrschers Komontorios in Thrakien ein Fürstentum. Seine Hauptstadt war Tylis.

278 v. Ztr. gingen dann 20.000 Kelten, davon die Hälfte Krieger, als Söldner nach Kleinasien. Hier waren sie von einem König angeworben worden, der sie im Krieg gegen seinen Bruder benötigte. Er siedelte sie in der Gegend des heutigen Ankara an. Der Stamm bezeichnete sich als Galater (Wiki). Die Galater teilten sich nach den zeitgenössischen Berichten in drei Stämme, nämlich:

  • die Tolistobogier
  • die Tektosagen (mit ihren Teilstämmen: Ambitouti, Toutobodiaci und Voturi)
  • die Trokmer.

Vielleicht ist es naheliegend anzunehmen, daß jeder dieser Teilstämme einstmals eine mächtige Völkerburg im europäische Mittelgebirge besiedelt hat. Jeder Stamm war in vier Gruppen gegliedert, denen je ein Tetrarch obstand. Jedem dieser zwölf Tetrarchen unterstanden ein Priester und ein Feldherr, dem zudem noch zwei Befehlshaber untergeordnet waren. Der Gesamtrat der Galater bestand aus 300 Männern, die im gemeinsamen Versammlungsplatz Drunemeton („Heiliger Eichenhain“) zusammen kamen.

Antike Schriftsteller berichten, daß die Galater Kriegsgefangene geopfert haben. Dies kann durch die Archäologie bestätigt werden. Neben Menschenopfern wurden auch Pferde, Rinder und Hunde geopfert. Die Angabe, daß die Galater 189 v. Chr. völlig nackt in den Kampf gezogen seien, ist glaubhaft, da dies als alter gallischer Brauch bezeugt ist.

Diese Galater gingen in Kleinasien auf Plünderungszüge und wurden 268 v. Ztr. durch ein Heer mit Kriegselefanten geschlagen. Ihnen wurde daraufhin eine "Keltensteuer" auferlegt.

196 v. Ztr. mußten sie ein weiteres mal geschlagen werden. Die Galater wurden jedoch weiterhin von eigenen Herrschern regiert. 86 v. Ztr. wurden aber sämtliche galatische Adlige ermordet.  Noch im Jahr 400 n. Chr. bezeugte aber der Kirchenvater Hieronymus die Existenz keltisch sprechender Völker in der Gegend um das heutige Ankara.

Das Gold von Tolosa

Das eben schon genannte Gold von Tolosa (Wiki) führten die Kelten nach dem heutigen Toulouse mit. Dort lagerten sie es in einem Teich des keltischen Apollon-Heiligtums. 106 v. Ztr. wurde Tolosa bei der Rückeroberung von den Römern nach einem Aufstand geplündert. Dabei entdeckte der Konsul Quintus Servilius Caepio den Schatz. Er ließ ihn nach Massalia schicken. Der Schatz kam dort jedoch nie an, weil Caepios Männer ihn illegal für ihren Herrn in Besitz nahmen.

Caepio, der die Volcae-Koalition im Jahr 105 v. Chr. zermalmte, wurde der Sage nach von den Göttern mit einer Niederlage in einer Schlacht gegen die Kimbern gestraft. Das Wort aurum Tolosanum wurde deshalb bei den Römern zu einem Synonym für einen Unglück bringenden Gegenstand.

Der Keltenfürst vom Glauberg (550 bis 450 v. Ztr.)

In diese Zusammenhänge ist auch der berühmte Keltenfürst vom Glauberg (Wiki) in der Wetterau nördlich von Frankfurt am Main einzuordnen (26).

Die Ehrenburg - Völkerwanderung in der Latènezeit (480-380 v. Chr.)

Über die Ehrenbürg in Oberfranken zwischen Bamberg und Nürnberg zu erfahren (Wiki):

In der Frühlatènezeit (480-380 v. Chr.) wurde auf dem Hochplateau abermals eine 36 ha große, stadtähnliche Anlage mit einer mächtigen Steinmauer (Rekonstruktion vor Ort) errichtet. Durch Ausgrabungen und Magnetometerprospektionen konnten etwa 20.000 Kellergruben nachgewiesen werden, die auf eine dichte Besiedlung dieser frühen Stadt schließen lassen. (...) Archäologische Funde belegen, daß die frühkeltische Zentralsiedlung Kontakte bis in den mediterranen Raum hatte (Ausstellung im Pfalzmuseum Forchheim). Die Ehrenbürg war zu dieser Zeit ein politisches und wirtschaftliches Zentrum, dessen Einfluß weit über die Region hinausreichte. Die mächtige Siedlung wurde zu Anfang des 4. vorchristlichen Jahrhunderts wie alle anderen gleichzeitigen Befestigungen Oberfrankens verlassen. Das hängt sehr wahrscheinlich mit den historisch belegten Keltenwanderungen gen Süden in Zusammenhang, die wohl von Klimaveränderungen verursacht wurden.

Darüber ist unter "Kelten" (Wiki), "Keltische Südwanderungen" (Wiki) und "Volker" (Wiki) mehr zu erfahren. Und Einzelheiten dazu hatten wir gerade referiert. Es gilt aber zu beachten, daß die heutigen Deutschen südlich des Mains genetisch zu 55 % von den Kelten und nur zu 34 % von den Germanen abstammen (Stgen2024). Das aber kann nur heißen, daß diese keltischen Südwanderungen die Siedlungskontinuität der Kelten in Süddeutschland vor Ort bis heute nie infrage gestellt haben. 

Der Staffelberg in Oberfranken (120 bis 40 n. Ztr.) - Hier lebten "Kopfjäger"

Auf dem Staffelberg bei Bad Staffelstein im Obermaintal nördlich von Bamberg, bzw. zwischen Bamberg und Coburg wird gerade archäologisch gegraben. Grabungsleiter ist Markus Schußmann.

Der eindrucksvolle Staffelberg am Rande des Obermaintales in Franken (im "Gottesgarten") war schon in der Spätbronzezeit (ab der frühen Urnenfelderzeit) besiedelt (ab 1300 v. Ztr.). Dies bezeugen Waffen- und Schmuckfunde aus Bronze (Wiki):

Ob die Siedlung in diesen frühen Zeiten befestigt war, wie es etwa für die Ehrenbürg und die Heunischenburg zutrifft, ist unklar.

Nach Schußmann gibt es Nachweise für Siedlungen unterhalb der Akropolis bislang nur für die keltische Zeit (ab 120 v. Ztr.). Aber auch die Hänge unterhalb des dem Staffelberg südlich benachbarten Dornig sind fast bis hinunter nach dem Dorf Loffeld auffallend terrassiert. Es ist zu erfahren (InFranken 2018):

Das Gräberfeld auf dem Dornig umfasse insgesamt 84 Grabhügel, von denen die meisten schon im 19. Jahrhundert unter anderen von Pfarrer Lukas Hermann angegraben worden sind und Funde aus der Bronze- und Hallstattzeit enthielten. 

Dieser Berg war also ebenfalls in der Urnenfeldzeit besiedelt. 

Abb. 5: In diesen Ausmaßen wird sich laut dem Archäologen Markus Schußmann die keltische Stadt Menosgada vor mehr als 2000 Jahren auf dem Staffelberg etwa erstreckt haben. (Foto: Ronald Rinklef/Grafik: Michael Haller) (InFranken)

Dort festgestellte Befestigungsanlagen fallen aber erst in die Zeit der Völkerwanderung und in das Frühmittelalter (Wiki). 

Auf der Schauseite des neuerdings auf dem Staffelberg dort ausgegrabenen Zangetores fanden sich über 70 menschliche Schädelfragmente, ... (27)

.... die vermutlich bis zu 30 Individuen repräsentieren. Ihre Schädel waren als Trophäen beiderseits der Torgasse ausgestellt, wobei sich nun auch eine Konzentration im Torgebäude selbst abzeichnet. Wie in einem keltischen Heiligtum waren dort ferner (mindestens) zwei mittellatènezeitliche Schwertgarnituren - damals schon Altstücke  - aufgehängt gewesen. Ihre Überreste lagen im Schutt des durch Feuer vernichteten Gebäudes.

Eine solche Zurschaustellung der Leichen der erschlagenen Feinde und geopferten Kriegsgefangenen, sowie ihrer Schädel und Rüstungen ist sehr verbreitet im keltischen Kulturraum, insbesondere auch in den keltischen Heiligtümern ("Viereckschanzen") nachgewiesen worden. Es findet sich dies auch bei dem Volk der Daker (Stgen2021, Abb. 3). Es findet sich etwa auch um 650 v. Ztr. vor dem Tor der antiken Stadt Side in Pamphylien (der heutigen südlichen Türkei) (St.gen. 2016, Abb. 3). Wir haben es hier zu tun mit dem sogenannten Keltischen Kopfkult (Wiki).

Abb. 6: Das Portal der nordirischen Dorfkirche von Clonfert, über dem 16 in Stein gemeißelte abgeschnittene menschliche Köpfe "präsentiert" werden (Wiki)

Der keltische Kopfkult hat in Nordirland so lange nachgeklungen, daß eine solche Zurschaustellung von abgeschnittenen Köpfen noch über dem Portal der im 12. Jahrhundert errichteten nordirischen Dorfkirche von Clonfert zu finden ist. 16 in Stein gemeißelte Schädel sind dort "ausgestellt" (Wiki) (s. Abb. 6). Durch diese Pforte sind die Menschen allsonntäglich ein- und ausgegangen. Auf dem Staffelberg sogar täglich. Und da bekommt das Wort "Barbaren" wieder jenen berechtigten Klang zurück, aus dem er einstmals entsprungen war. 

Umtost von der Südwanderung der Sueben/Elbgermanen unter Ariovist ab 75 v. Ztr.

/Nachtrag 15.6.24:/ So hat es zwischenzeitlich auch eine Mitarbeiterin des Landratsamtes Lichtenfels, Lisa Lamm, dargestellt. Sie führt weiter aus (Nat.Geog.2022):

Warum die Kelten letztendlich ihr Oppidum am Staffelberg aufgaben, ist nicht eindeutig geklärt. „Was wir wissen, ist, daß die Bewohner von Menosgada die Stadt um das Jahr 40 n. Chr. verließen - und daß sie planmäßig abzogen und zumindest das ausgegrabene Tor selber niederbrannten“, so Büttner. Das sei vor allem daran zu erkennen, daß offenbar alle wertvolleren Einrichtungsgegenstände im und am Torhaus fehlten: Die Anlage wurde also systematisch geräumt, bevor man das Feuer legte. „Außerdem dürfte es nicht so leicht gewesen sein, das Torhaus von außen im Rahmen eines feindlichen Angriffs zu entzünden. Vielmehr sieht es so aus, daß das Feuer an neuralgischen Punkten im Durchgang des Torhauses selber entzündet wurde“, so Büttner.

Caesar berichtet auch von den Helvetiern, daß sie, bevor sie aus ihrer Heimat abgezogen sind, sorgfältig alles zur Abwanderung vorbereitet haben (Getreide aufgekauft usw.) und dann ihre Dörfer abgebrannt haben.

Ab ungefähr dem Jahr 75 v. Ztr. waren viele germanische Stämme zwischen Weser und Oder in Bewegung gekommen und sind unter Ariovist bis hinunter zu den Alpen und nach Gallien hinein gezogen. Sie scheinen dabei die keltischen Oppida auf ihren Wegen geduldet zu haben. Von den Archäologen werden diese Germanen unter dem Oberbegriff "Elbgermanen" (Wiki) zusammen gefaßt. Diese waren von der Mündung der Elbe bis nach Böhmen und von dort bis zur Donau verbreitetet (Wiki):

Im Unterschied zu den Siedlungsgebieten der Nordsee-, Oder-Weichsel- und Rhein-Weser-Germanen (aus denen später die Franken hervorgingen) kam es im elbgermanischen Siedlungsgebiet zu einer relativ einheitlichen Entwicklung im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereich. Dies zeigt sich vor allem an deutlichen Übereinstimmungen in der materiellen und geistigen Kultur (Keramik-, Geräte-, Waffen- und Schmuckformen, religiöse Bräuche u. Ä.). Ursache dafür waren intensive Kontakte sowohl der elbgermanischen Stämme untereinander als auch zu entfernteren germanischen Stammesverbänden.

Diese elbgermanischen Stämme hatten sich den Sueben (Wiki) unterstellt und angeschlossen, die sich von der Odermündung her ausbreiteten. Nach Caesar könnte sich das politische Zentrum der Sueben unter Ariovist im heutigen Hessen oder Thüringen befunden haben, vielleicht in Regionen wie der "Goldenen Aue" (Wiki). Jedenfalls hört man von besonders hartnäckigem Widerstand der keltischen Stämme südlich des Mains gegenüber den Sueben nichts. Es ist nur zu erfahren, daß Ariovist als Zweitfrau neben einer Suebin eine Keltin heiratete. Und es ist zu erfahren (Wiki):

Die (keltischen) Sequaner (...) ließen sich im Gebiet zwischen Saône, Rhone und dem Juragebirge nieder. Im Streit mit den Haeduern riefen sie im Jahr 72 v. Chr. den Germanenkönig Ariovist zu Hilfe. Im Jahr 61 v. Chr. wurden die Haeduer in der Schlacht bei Magetobriga (La-Moigte-de-Broie) geschlagen, im Gegenzug besetzte Ariovist aber große Teile des Sequanergebiets.

Dadurch hinwiederum fühlten sich die Helvetier in der heutigen Schweiz bedrängt und faßten 58 v. Ztr. den Entschluß, auszuwandern. Das aber wurde ihnen von Caesar untersagt. Nach der verlorenen Schlacht bei Bibracte kehrten sie noch im selben Jahr in ihre Heimat zurück (Wiki). Wir lesen (Wiki):

Ariovist hatte für die Sequaner Krieg geführt und war mit Landschenkungen im heutigen Elsaß belohnt worden. Die Ansiedlung der Germanen links des Rheins, der nach seiner Auffassung die Grenze zwischen Gallien und Germanien war, nahm Caesar als Vorwand, um im Sommer 58 v. Chr. gegen diese loszuschlagen: Nach Caesar plante Ariovist, der in düsteren Farben beschrieben wird, die Unterwerfung ganz Galliens. (...) Der Feldzug Caesars, der sich in diesem Zusammenhang zum Schutzherrn „aller Gallier“ aufspielte, war ein voller Erfolg: Ariovists Heer wurde geschlagen, der Suebenfürst selbst entkam nur mit knapper Not.

Wir lesen außerdem (Wiki): 

Caesar besiegte die unter Führung von Ariovist nach Gallien eingedrungenen Sueben im Jahr 58 v. Chr. in einer Schlacht am Rhein. In seinen Berichten begreift er als Sueben die östlich der Ubier und Sigambrer wohnenden Germanen und berichtet, daß sie 100 Gaue mit je 1000 streitbaren Männern gezählt, aber sich bei seinem Rheinübergang weit nach dem Wald Bacenis (die deutschen Mittelgebirge, die nach Caesar die Sueben von den Cheruskern trennten), zurückgezogen hätten. (...) Sie sollen keine festen Wohnsitze gehabt haben, sondern alljährlich zum Teil auf kriegerische Unternehmungen ausgezogen sein. Die Größe des suebischen Stammesverbandes ist wahrscheinlich in der Mehrzahl auf eine Selbstzuordnung anderer Stämme aufgrund des Kriegsruhmes der Sueben zurückzuführen. Cassius Dio berichtet jedenfalls, daß auch "viele andere Anspruch auf die Bezeichnung ‚Sueben‘ erheben".
Allerdings gab es nach Ausweis der archäologischen Quellen am Main und nördlich davon durchaus feste Siedlungen, sogar keltische Oppida waren in diesem Gebiet noch kurz nach der germanischen Einwanderung besiedelt. Diese sogenannten Mainsueben, die 10/9 v. Chr. von Drusus unterworfen wurden, gehörten nach dem Fundgut zu einer Mischung des elbgermanischen und des rheinwesergermanischen Kulturkreises.
Nach Inschriftenfunden lebten in der Gegend von Lopodunum (heute Ladenburg) im 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. unter römischer Herrschaft die Suebi Nicrenses, die Neckarsueben. Nach ihnen wurde die Civitas Ulpia Sueborum Nicretum in der Gegend von Ladenburg benannt. Es handelt sich wahrscheinlich um Reste, die nach der Vertreibung oder auch freiwilliger oder zwangsweiser Umsiedlung hier und in Diersheim zurückgeblieben waren.

Die Region Oberfranken hat also schon damals im Zusammenhang mit geographisch weit gespannten historischen Zusammenhängen gestanden (Stgen2021). Die keltischen Stämme südlich des Mains und des Erzgebirges sahen sich jedenfalls allseits von suebischen Stämmen überrannt. Der Sieg Caesars über Vercingetorix im Jahr 52 n. Ztr., wodurch die römische Herrschaft in ganz Gallien links des Rheines gesichert war, wird einen starken Eindruck auch auf die keltischen Stämme rechts des Rheines ausgeübt haben, die sich zugleich mit der elbgermanischen Südwanderung konfroniert sahen. 

In den nachfolgenden Jahrzehnten drangen die Römer von Süden her in ihre Siedlungsräume vor: Um 15 v. Ztr. hatten die Römer die keltischen Vindeliker bei der Insel Reichenau besiegt und danach Augsburg als römische Siedlung gegründet. Am Oberen Main und im böhmischen Becken hatte ein Nachfolger des Ariovist, der Markomannen-König Marbod, eine starke, aber auch kluge, nicht zu herausfordernde Stellung gegenüber dem Römischen Reich eingenommen. Die in Böhmen einheimischen keltischen Boier (Wiki) waren von den Markomannen unterworfen und zum Teil verdrängt worden.

Inmitten solcher Völkerbewegungen, militärischer und politischer Bestrebungen werden sich die Kelten vom Staffelberg zu einer Neuorientierung aufgerufen gesehen haben. Womöglich zogen sie in das Dekumatland (Wiki) am Neckar, siedelten sie sich also im Vorfeld des Limes an, um den Schutz des Römischen Reiches in Anspruch zu nehmen und zugleich dessen Vorfeld zu decken so wie es Tacitus berichtete (Wiki):

Nicht unter die Völker Germaniens möchte ich die Leute rechnen, die die agri decumates bearbeiten, obwohl sie sich jenseits von Rhein und Donau niedergelassen haben. Die abenteuerlustigsten Gallier, die die Not kühn gemacht hat, haben den Boden, dessen Besitz umstritten war, besetzt; seitdem dann der Limes angelegt und die Grenzwachen weiter nach vorn verlegt worden sind, bilden sie einen Vorposten unseres Imperiums und einen Teil der Provinz.

Am Neckar siedelten also offenbar sowohl "Gallier" (Kelten) wie auch Sueben (Wiki):

Unter Kaiser Augustus (regierte 31 v. Chr.–14 n. Chr.) versuchten die Römer in den augusteischen Germanenkriegen, das rechtsrheinische Germanien (die Germania magna) zu erobern. Nachdem diese Politik letztlich gescheitert war, zog sich das römische Militär auf die linke Seite des Rheins zurück und beschränkte sich auf eine indirekte Kontrolle des gegenüberliegenden Flußufers. In diesem Areal, das im Laufe der vorangegangenen Jahrzehnte stark entvölkert worden war, siedelten die Römer nun germanische Personengruppen an, die dieses Gebiet sichern und erschließen sollten. Im Bereich des unteren Neckars übernahm diese Funktion ein Teilstamm der Sueben, dessen Name in späteren lateinischen Inschriften als „Suebi Nicrenses“, also „Neckarsueben“ oder „Neckarschwaben“, erscheint. Wie stark diese Zusammenarbeit zwischen Römern und Neckarsueben formal festgeschrieben war und ob es sich um einen formell von Rom abhängigen Klientelstaat handelt, ist in der Forschung umstritten. Die Ansiedlung der Elbgermanen erfolgte dem archäologischen Fundmaterial nach noch während der Regierungszeit des Kaisers Tiberius (14–37 n. Chr.).

Vielleicht sind die Kelten vom Staffelberg ja sogar als Verbündete der Neckarschwaben ihnen "nachgezogen". /Ende Nachtrag./ 

Dieser Überblick wird - wie an den Nachträgen erkennbar - immer einmal wieder ergänzt und vervollständigt.

/Nachtrag 15.6.24:/ Wieviel mehr Gründe gibt es inzwischen dafür, sich mit den Themen dieses Blogartikels zu beschäftigen, seit wir wissen, daß die Deutschen südlich des Mains und im Alpenraum zu 55 % von den romanisierten Kelten aus er Zeit vor der Völkerwanderung ab 375 v. Ztr. abstammen und nur zu 34 % von den völkerwanderungszeitlichen Germanen Norddeutschlands wie den Bajuwaren oder den Alemannen, von denen diesbezüglich in der Geschichtsschreibung bislang viel häufiger die Rede war wenn es um die Ethngenese der Deutschen ging (Stgen2024).

 
/  Erster Entwurf: 2.8.19;
1. Nachtrag (beruhend auf: 25, 26): 30.5.21 
2. Nachtrag (beruhend auf 27): 13.6.21
3. Nachtrag (beruhend auf 28): 19.4.23
4. Nachtrag: 15.06., 9.7.24 /

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  1. Hansen, Svend: Prähistorische Konfliktforschung - Bronzezeitliche Burgen zwischen Taunus und Karpaten. Exzellenzcluster Topoi, 3.9.2018, https://youtu.be/cJ75oIZR_yc (der archäologische Teil beginnt erst ab Minute 21.30)
  2. Falkenstein, Frank: Bronzezeitliche Höhen- und Burgensiedlungen in der nördlichen Mittelgebirgszone. 2013, https://www.academia.edu/5848714/Bronzezeitliche_H%C3%B6hen-_und_Burgsiedlungen_in_der_n%C3%B6rdlichen_Mittelgebirgszone
  3. Schinkel, Philipp: Eine vergessene Stadt auf dem Muppberg um 1200 v. Ztr.. Vortrag im Deutschen Spielmuseum. 2016, Erörtert in siehe 2.
  4. Heß, Achim: Der Muppberg bei Neustadt bei Coburg, 21.6.2016, https://youtu.be/6l2evfxrGbo.
  5. Heß, Achim: Der Hexenhügel - größter ungeöffneter Grabhügel Europas? 06.09.2017, https://youtu.be/vWstJmoG9Hs.
  6. Bentz, Marc: Die urnenfelderzeitliche Höhensiedlung auf dem Hohenberg bei Annweiler, Rheinland-Pfalz.  Veröffentlicht etwa 2017, http://www.vfg.uni-wuerzburg.de/forschung/projekte/die-urnenfelderzeitliche-hoehensiedlung-hohenberg-bei-annweiler-rheinland-pfalz/
  7. Schußmann, Markus: Urnenfelderzeitliche Wohnterrassierungen auf dem Bullenheimer Berg. In: Das Archäologische Jahr in Bayern 2013, 57-59, https://www.academia.edu/34154855/Urnenfelderzeitliche_Wohnterr assierungen_auf_dem_Bullenheimer_Berg._Das_Arch%C3%A4ologische _Jahr_in_Bayern_2013_57-59
  8. Großmann, Stephan: Staffelberg - Archäologen sind den Kelten auf der Spur, 2.7.2018, https://www.infranken.de/regional/lichtenfels/staffelberg-archaeologen-sind-den-kelten-auf-der-spur;art220,3510470
  9. Faber, Annelie: Archäologische Ausgrabungen am Staffelberg - Einblicke in das Leben der Kelten. 12.9.2018, https://www.tvo.de/mediathek/video/archaeologische-ausgrabungen-am-staffelberg-einblicke-in-das-leben-der-kelten/
  10. https://de.wikipedia.org/wiki/Staffelberg, https://de.wikipedia.org/wiki/Menosgada
  11. https://de.wikipedia.org/wiki/Oppidum_(Kelten)
  12. https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%B6hensiedlung
  13. https://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkerwanderungszeitlich e_H%C3%B6hensiedlung
  14. https://de.wikipedia.org/wiki/Gleichberge
  15. Schrickel, Marco: Steinsburg bei Römhild, http://www.oppida.org/page.php?lg=fr&rub=00&id_oppidum=83
  16. https://de.wikipedia.org/wiki/Kelten
  17. https://de.wikipedia.org/wiki/Keltische_S%C3%BCdwanderungen
  18. hinz kunz: Europäische Feldterrassen 2000 Jahre älter als gedacht?, 25.1.2018,   http://atlantischeseuropa.blogspot.com/2018/01/europaische-terrassenfelder-schon-3000.html
  19. Bading, Ingo: Die bronzezeitliche Stadtgeschichte Mitteleuropas, in mehreren Teilen 2010, https://studgendeutsch.blogspot.com/2010/01/zur-religions-und-stadtgeschichte-des.html, https://studgendeutsch.blogspot.com/2010/05/2200-1600-v-ztr-zu-einigen.html, https://studgendeutsch.blogspot.com/2010/05/2200-1600-v-ztr-zu-einigen.html, https://studgendeutsch.blogspot.com/2010/01/2200-1600-v-ztr-die-stadte-der.html, https://studgendeutsch.blogspot.com/2010/05/2200-v-ztr-erste-stadte-zwischen.html, https://studgendeutsch.blogspot.com/2011/05/1400-800-v-ztr-hochhutige.html, https://studgendeutsch.blogspot.com/2014/09/die-stadte-der-indogermanen-und-ihre.html
  20. hinz kunz: Initialzündung für diesen Blog, 2014, http://atlantischeseuropa.blogspot.com/2014/07/2_13.html
  21. Bading, Ingo: Terrassen an bronzezeitlichen Höhenburgen in Deutschland, 26.03.2019, https://youtu.be/mFpq1XBbUzw.
  22. Heß, Achim (Filmemacher): La Mutta in Thüringen? Vergessene urzeitliche Höhensiedlungen um den Thüringer Wald, 21.01.2019, https://youtu.be/go_jRiOqlq0.
  23. Noelle, Hermann: Geh von deinem Acker, Kelte. Eine Roman vom Kampf der Kelten, Germanen und Römer. Hohenstaufen, 1963
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  26. Bonnier, Anton, Martin Finné, and Erika Weiberg. "Examining land-use through GIS-based kernel density estimation: A re-evaluation of legacy data from the berbati-limnes survey." Journal of Field Archaeology 44.2 (2019): 70-83, https://www.tandfonline.com/doi/pdf/10.1080/00934690.2019.1570481
  27. Markus Schußmann: Zum Abschluß der Ausgrabungen eines spätlatènezeitlichen Zangentores auf dem Staffelberg. In: Das archäologische Jahr in Bayern 2019 (Acad
  28. Brown, A., Fallu, D., Cucchiaro, S., Alonso-Eguiluz, M., Albert, R., Walsh, K., . . . Waddington, C. (2023). Early to Middle Bronze Age agricultural terraces in north-east England: Morphology, dating and cultural implications. Antiquity, 97(392), 348-366. doi:10.15184/aqy.2023.1 (Antiquity)
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