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Donnerstag, 1. April 2021

Die westeuropäischen Jäger und Sammler nach Ankunft der Ackerbauern

Teil 2, hier ist Teil 1 ---> (Stg2020).

Teil B - Die hellhäutigen Bauern aus dem Süden kommen (ab 5.700 v. Ztr.)

Der schon 1878 erschienene historische Roman "Rulaman" von David Friedrich Weinland (Wiki) hat das Zusammentreffen von hellhäutigen Bauern aus dem Süden mit dunkelhäutigen Einheimischen, die in den Höhlen der Schwäbischen Alp lebten, beschrieben. Er hat damit intuitiv ein Geschehen nachgezeichnet, das sich - nach heutigem Kenntnisstand - genau so ab etwa 5.500 v. Ztr. in Höhlen in der Schwäbischen Alp abgespielt haben kann.

Abb. 8a: Illustration aus dem Roman "Rulaman" von 1878

Es gibt Hinweise darauf, daß einheimische Jäger und Sammler als eine Art "Wegbahner" für die Ausbreitungsbewegung der Bandkeramiker tätig waren. Aufgrund ihres sehr großen Aktionsraumes hatten sie ja eine sehr gute Landeskenntnis (Stg22).

Während der Besiedlung Europas durch die hellhäutige, braunhaarige Völkergruppe der anatolisch-neolithischen Bauern kam es nämlich dann auch tatsächlich nicht nur zu friedlichem Kontakt, sondern auch zu Kämpfen zwischen beiden Völkergruppen (3) ebenso wie zu Vermischungen beider Völkergruppen. Durch die Vermischungen sind dann ganz neue Völker und Kulturen entstanden, insbesondere im Mittelneolithikum. In Rückzugsräumen lebten Stämme dieser dunkelhäutigen Ursprungsbevölkerung allerorten noch tausende von Jahren parallel zu den aus Anatolien stammenden hellhäutigeren Bauernkulturen. Erst in der Frühbronzezeit, als sich die indogermanischen Kulturen der Schnurkeramiker und der Glockenbecherleute bis nach Skandinavien, bzw. England und bis in den Mittelmeerraum ausbreiteten, sind - in Skandinavien - die letzten Stämme der dunkelhäutigen Ursprungsbevölkerung in Form des Volkes der Grübchenkeramischen Kultur untergegangen.

Als sich die hellhäutigen, braunhaarigen Bauern anatolisch-neolithischer Herkunft um 5.700 v. Ztr. von Süden her bis in das Wiener Becken ausgebreitet hatte, entstand an der dortige Siedlungsgrenze ein neues Volk, in das 7 % Genetik der einheimischen osteuropäischen Jäger und Sammler eingemischt war, wobei letztere - anzunehmenderweise - auch sprachlich Einfluß genommen haben auf die Ausformung eines neuen Volkes und einer neuen Kultur, nämlich der Bandkeramik. Die Siedlungsweise der Bandkeramik war nämlich nun etwas historisch ganz Neues, nicht mehr eine Dorfkultur wie bisher im Balkan-Raum, sondern eine Kultur, die in einzel oder weilerartig angeordneten Langhäusern lebte.

Diese großartige Kultur breitete sich dann sehr schnell über weite Räume Mitteleuropas aus, natürlich auch bis zu den Südhängen der Schwäbischen Alp (wo dies "Rulaman" und die alte Urahne des Romans so eindrucksvoll erleben). Diese Kultur hat allerdings nur die Täler besiedelt, die einheimischen Fischer, Jäger und Sammler blieben weiterhin in den Höhenlagen der europäischen Mittelgebirge wohnhaft. Das Volk des Rulman könnte also auch in der Schwäbischen Alp noch Jahrhunderte oder Jahrtausende lang fortgelebt haben.

Welche Reaktionsmöglichkeiten haben Jäger-Sammler-Völker bei der Ankunft von Bauernvölkern?

/ Einschub 2022/ Wie Jäger-Sammler-Völker auf die Ausbreitung und Ankunft von Bauern-Völkern in ihrer eigenen Heimat reagieren, wird immer genauer erforscht, auch im weltweiten völkerkundlichen Vergleich. Darauf macht neuerdings eine Studie zum Schicksal der Shabo-Jäger-Sammler (Wiki) im Regenwald von Südwestäthiopien aufmerksam (33). Bei ihnen handelt es sich um entfernte Verwandte der Hadza-Jäger-Sammler. Am ursprünglichsten überleben solche Gruppen in der Regel in marginalisieten Regionen, die für Ackerbau nicht infrage kommen (33). In anderen Fällen können Gruppen solcher Shabo-Jäger-Sammler sich dadurch demographische Stabilität erhalten, daß sie entweder einfache Formen von Ackerbau annehmen oder daß sie sich - schon vor Jahrtausenden - spezialisiert haben (etwa als Schmiede) (33). 

In anderen Gruppen haben Männer Frauen von umliegenden Bauernvölkern geheiratet, wodurch es auch zu kulturellen (und genetischen) Anpassungen kommen kann (33). Letzteres ist natürlich insbesondere auch von der Duldsamkeit und Friedfertigkeit der zuwandernden Bauern-Völker abhängig  und von der Art des Verhältnisses der vormals einheimischen Jäger-Sammler-Völker zu den Bauern-Völkern (33). / Bis hier eine ergänzende Einfügung vom 26.4.2022. /

/ Weiterer Einschub/ Auch bei der Ethnogenese der Vorfahren der "Landnahme-Ungarn", sowie der ihnen genetisch verwandten Baschkiren und Wolga-Tataren scheinen auch mesolithisch lebende Fischer, Jäger und Sammler südlich des Ural, die sibirische Nganasanen-Herkunft in sich trugen, Menschen der schnurkeramischen Andronowo-Kultur geheiratet zu haben (Stgen2022). Dabei haben sie sich in ihren Familien aber ihre finno-ugrische Sprache erhalten, auch dann wenn sie zwischenzeitlich - teilweise - das Leben als Reitervölker angenommen haben. (Baschkiren und Wolga-Tataren sind vermutlich erst im Mittelalter unter der Herrschaft der Goldenen Horde sprachlich turkisiert worden, während die Landnahme-Ungarn im Kampf gegen die Mongolen in Ungarn genetisch zwar ausgestorben sind, ihre finno-ugrische Sprache aber in Ungarn zurück gelassen haben.) / Ende Einschub /

Aus archäogenetischer Sicht am bislang besten erforscht ist in Hinsicht auf Reaktion auf die Ankunft von Bauernvölker das Schicksal der großen Völkergruppe der "westeuropäischen Jäger und Sammler" (Wiki). Es kann schon recht genau beschrieben werden, aufgrund welcher Umstände es dazu kam, daß diese Völkergruppe auch noch in uns heutigen Europäern in kleinen Prozentsätzen genetisch fort lebt. Eine estnische genetische Studie des Jahres 2022 sagt dazu (32):

Der Herkunftsanteil der westeuropäischen Jäger und Sammler ist in heutigen Menschen verbunden mit niedrigem Cholesterolspiegel, hohem Bodymass-Index und trägt vermutlich zur braunen Haar- und hellen Augenfarbe in der heutigen estischen Bevölkerung bei. (...) Genorte, die zu diesen Merkmalen beitragen, scheinen bei den Esten aber auch der Selektion unterworfen gewesen zu sein. Andere von dieser Herkunft herstammende Genmerkmale schließen geringeren Hüftumfang ein und die Neigung zu verstärktem Koffein-Verbrauch, sowie zu höherer Herzschlag-Rate.
WHG ancestry in present day individuals is linked to lower cholesterol levels, higher BMI, and putatively contributed brown hair and light eye color to the contemporary Estonian population. This last association has been previously described based on the HERC/OCA2 haplotypes found in ancient WHG samples. In addition, loci associated with these features also appear to have undergone selection in Estonians. Other region-specific associations for this ancestry include decreased hip circumference and increased caffeine consumption and heart rate.

Ein hoher BMI ist mit der Neigung zu Übergewichtigkeit verbunden. Diese große Völkergruppe lebt also genetisch in einigen Eigenschaften in uns fort. Als Völkergruppe selbst muß sie als ausgestorben angesprochen werden. Die letzten Menschen mit einem fast hälftigen Herkunftsanteil westeuropäischer Jäger und Sammler haben - nach derzeitigem Kenntnisstand - am Plattensee in Ungarn in der Bronzezeit ab 2.200 v. Ztr. gelebt (Stgen2022).

5.500 v. Ztr. - Westeuropäische Jäger und Sammler weichen bis zum Mittleren Dnjepr aus

Es könnte so gewesen sein, daß die Ausbreitung der Bandkeramiker dazu führte, daß Gruppen westeuropäischer Jäger und Sammler nach Osten ausgewichen sind bis an den Mittleren Dnjepr und dort zur Ethnogenese der Dnjepr-Donez-Kultur (5.500-4.200 v. Ztr.) beigetragen haben (Stg2024). Als solche hätte sich ihre Herkunft dann auch in die dort anschließende Sredni-Stog-Kultur fortgesetzt und über diese ab 3.300 v. Ztr. in die Jamnaja-Kultur (Ockergrab-Kultur). 

4.900 v. Ztr. - Die geschlossene Welt der Bandkeramik-Bauern löst sich auf

Spätestens ab 5.000 v. Ztr., im Zuge der Auflösung der europaweit sehr einheitlichen Bandkeramik in Regional-Kulturen, kam es offenbar auch zu blutigen Kriegen zwischen den Bandkeramikern und der ursprünglicher einheimischen Bevölkerung in den Mittelgebirgen.

Womöglich auf Kriegszügen in Gefangenschaft geratene Fischer, Jäger und Sammler wurden von den Bandkeramikern an Zentralorten rituell in größeren Zahlen getötet (3). Die auf die Bandkeramiker folgenden Bauernkulturen, deren Vorfahren oder Verwandten westeuropäische Jäger und Sammler zeitweise so grausam getötet hatten, haben sich dann aber dennoch verstärkt auch mit ihnen vermischt. Der genetische Anteil der westeuropäischen Jäger und Sammler in den Bauernvölkern stieg nun auf 15 bis 20 % an, in Mittelhessen zeitweise sogar auf 30 und 40 %. Wiederum können natürlich auch sprachliche Einflüsse der Jäger und Sammler bei der Neuentstehung der Völker und Kulturen des Mittelneolithikums angenommen werden.

Abb. 9: Die letzte Ausdehnung der Grübchekeramischen Kultur, nachdem sie vormalige Siedlungsräume der Trichterbecherkultur wieder übernommen hatte

Nachgewiesene Rückzugsräume der westeuropäischen Jäger und Sammler waren die Blätterhöhle in Westfalen, der Schweriner See, Neuwasser an der Pommerschen Ostseeküste (5), Schweden und Norwegen, sowie die dänischen und schwedischen Inseln in der Ostsee. Etwa von Neuwasser in Pommern aus unternahmen halbseßhafte Angehörige dieses Volkes als Fischer Handelsschiffahrten auf den großen Flüssen Oder und Weichsel bis weit in das Innere des Landes der Bauernkulturen hinein (5).

4.900 v. Ztr. - Beitrag zur Ethnogenese der mittelneolithischen Kulturen, insbesondere auch zur Cucuteni-Tripolje-Kultur

Zu den Rückzugsräumen der westeuropäischen Jäger und Sammler müssen auch die Karpaten gehört haben. Denn wir schrieben schon 2019 hier auf dem Blog aufgrund der damals neuesten archäogenetischen Erkenntnisse, daß sich die westeuropäischen Jäger und Sammler schon vor der Ausbreitung des Ackerbaus so weit nach Osteuropa ausgebreitet haben müssen, daß ihre Nachkommen nach dem Untergang der Bandkeramik um 4.900 v. Ztr. in Moldawien - so wie zu den mittelneolithischen Völkern in Mitteleuropa - zu etwa 20 % zur Ethnogenese der mittelneolithischen Cucuteni-Tripolje-Kultur beitragen konnten. Die anderen 80 % Herkunftsanteil stellten die Bandkeramiker.

Zu gleicher Zeit breiteten sich übrigens Keramik-Kulturen der iranisch-neolithischen Völkergruppe rund um das Kaspische Meer und das Schwarze Meer, sowie entlang der in diese von Norden her mündenden Flüsse - Wolga, Don, Dnjepr, Dnjestr - aus (26). Daraus ergab sich an der Mittleren Wolga - zwischen Samara und Chwalynsk an der Grenze zwischen Waldsteppe und Steppe - die Ethnogenese der Indogermanen, die dann etwa um 3.600 v. Ztr. sich mit den Menschen der Cucuteni-Tripolje-Kultur vermischten.

In einer archäogenetischen Studie zu Böhmen wird deutlich, wie die Jäger-Sammler-Herkunft aus den Karpaten immer wieder erneut zur Ethnogenese neuer archäologischer Kulturen beigetragen hat (Stg21). 

4.625 v. Ztr. - Beitrag zur Ethnogenese der ersten Großreiche in der Bretagne und an der Seine 

Auf der weniger Hektar großen bretonischen Felsinsel Téviec (Wiki) wurden 1928 aufsehenerregende mesolithische Gräber gefunden, die 1999 auf etwa 4.625 v. Ztr. datiert wurden.

Abb. 10: Die Bestattung zweier erschlagener junger Frauen auf der bretonischen Insel Téviec (um 4625 v. Ztr.) Fotograf Didier Descouens (Wiki)

Das war eine Zeit, in der es auf dem Festland im heutigen Frankreich gerade zum kulturellen Umbruch kam. Die Bandkeramiker hatten sich in das Pariser Becken und in Form einer Nachfolgekultur bis in die Bretagne ausgebreitet. Und aus dieser ging um 4.700 v. Ztr. erstmals eine neue Gesellschaftsform hervor, nämlich hierarchische bäuerliche Gesellschaften mit kulturellen Traditionen, die in vormaliger Jäger-Sammler-Kultur gewurzelt haben könnten (s. Stg25). Zu dieser Zeit wurden zwei junge Frauen der seefahrenden Jäger und Sammler an der Küste der Bretagne erschlagen und von ihren Angehörigen ehrenvoll bestattet (Wiki):

Unter einem großen Muschelhaufen befand sich das Grab von zwei unter 35 Jahre alten Menschen. Sie waren in einer flachen Grube sorgfältig nebeneinander mit aufrechtem Oberkörper und angewinkelten Beinen in Hockhaltung beigesetzt, und von Geweihstangen überwölbt unter Muschelresten begraben, deren hoher Kalkgehalt zur guten Konservierung beitrug. Neben Artefakten aus Flintstein und Wildschweinknochen als Grabbeigaben war an den Skeletten Schmuck erhalten: durchbohrte Meeresmuscheln, die zu Ketten montiert rings um Hals, Arme und Knöchel lagen, sowie Knochenobjekte mit gravierten Linien. Beide Skelette weisen Frakturen durch äußere Gewalteinwirkung auf, womöglich erst postmortal aufgetreten. An einigen Skeletten aus anderen Gräbern finden sich Hinweise auf tödliche oder schwerwiegende Verletzungen, etwa durch Pfeilwunden. Die bei den Grabungen gefundenen Mikrolithen und Geräte, darunter ein sogenannter Lochstab, lehnen sich in etwa dem Tardenoisien an.

Vielleicht war damals die Insel noch mit dem Festland verbunden und die Muschelhaufen waren Essensreste neben Wohnbereichen (Wiki). Ob hier die letzten Jäger und Sammler der Bretagne in einem erbitterten Krieg standen mit der sich in der Bretagne ausbreitenden Bauern-Kultur? 

4.300 v. Ztr. - Beitrag zur Ethnogenese der Trichterbecherkultur - Sie verdrängt die einheimische Ertebolle-Kultur im westlichen Ostseeraum

Um 4.300 v. Ztr. entsteht auf dem Festland in Ostholstein die erste Bauernkultur des Ostseeraumes, die Trichterbecherkultur. Auch die Trichterbecherleute hatten etwa 18 % Herkunftsanteil westeuropäischer Jäger-Sammler in sich, der Rest ihrer genetischen Herkunft bestand aus anatolisch-neolithischer Genetik.

Sie hatte sich von dort in den nächsten Jahrhunderten rund um den westlichen Ostseeraum ausgebreitet. Ob sie um 3.700 v. Ztr. auch schon auf der dänischen Insel Lolland nachweisbar ist, wäre interessant zu erfahren, denn dort lebten auf jeden Fall noch unvermischte, einheimische Fischer, Jäger und Sammler, die dort schon seit vielen Jahrtausenden gelebt hatten.

Gleichzeitig lebten aber noch bis 3.900 v. Ztr. im östlichen Ostseeraum, sprich im heutigen Finnland und in angrenzenden Ländern, westeuropäische Jäger und Sammler, bzw. Fischer weiter. In Finnland wurden diese westeuropäischen Jäger und Sammler ab 3.900 v. Ztr. durch osteuropäische Jäger und Sammler der Grübchenkeramik (Wikiengl) ersetzt. Auch hier werden "nicht-neolithische" Völkerverschiebungen innerhalb von Europa greifbar.

3.700 v. Ztr. - Eine der "Letzten ihres Stammes" auf der Insel Lolland

Um 3.700 v. Ztr., also tausend Jahre VOR dem Untergang der letzten Völker dieser Völkergruppe, lebte auf der dänischen Insel Lolland (beim heutigen Syltholm) eine solche braunhäutige, braunhaarige, blauäugige Frau dieses Volkes noch mit der reinen Genetik desselben. Sie kaute ein Birkenpech-Kaugummi. Und dieses wurde von Archäologen gefunden und in ihm haben sich Gene erhalten, die 2019 sequenziert werden konnten (6, 7).

Die Grübchenkeramische Kultur bestand im nördlichen Dänemark bis 2.700 v. Ztr. fort, also eintausend Jahre lang parallel zur Trichterbecherkultur (8). Es findet sich auf einer Grafik (6) auch, daß sequenzierte Träger dieser Kultur etwa 20 % Herkunftsanteile osteuropäischer Jäger und Sammler in sich trugen. Mit solchen Mischungsverhältnissen könnte diese Jäger-Sammler-Kultur auch in Finnland bis zur Ankunft der Schnurkeramiker fortbestanden haben.

Also die wirklich "Letzte ihres Stammes" kann man diese Birkenpech kauende Frau auf Lolland noch nicht wirklich nennen. Sie erscheint den Forschern deshalb so auffällig, weil sie noch keinerlei osteuropäische Jäger-Sammler-Genetik in sich trug - wie es sonst recht häufig im Ostsee-Raum vorkam in der Ertebollekultur. Jedenfalls scheinen es erst die nachfolgenden Indogermanen gewesen zu sein, die diesem Jahrtausende alten Jäger-Sammler-Volk sowohl im westlichen wie im östlichen Ostseeraum den endgültigen Garaus gemacht haben. Und es schwant einem so ein wenig, daß sich die Indogermanen mit ihnen auch direkt vermischt haben könnten (so wie sie es zuvor mit den Trichterbecherleuten getan haben). Insbesondere in Finnland könnte das der Fall gewesen sein.

3.200 v. Ztr. - Am Schweriner See

Auch am Ostorfer See bei Schwerin in Mecklenburg lebten zwischen 3.200 und 3.000 v. Ztr. noch einheimische, westeuropäische Fischer, Jäger und Sammler. Über sie stellten die Anthropologen fest (zit. n. Stgen2009):

„Das waren keine Bauern, sondern Paddler“, sagt Thomas Terberger über die Ostorfer von einst. Ihre Armknochen weisen die modifizierten Muskelansatzstellen auf, wie sie für Kajakfahrer oder Kanuten typisch sind. Und zwar bei Männern wie Frauen. Das jedenfalls entdeckten Mainzer Anthropologen vor kurzem bei einer morphologischen Untersuchung. Die Kiefer verrieten ihnen, daß die Jäger und Sammler das frugale Mahl intensiv kauen mußten. Sie verzehrten Fleisch und Rohkost, aber kaum Kohlenhydrate. Trotzdem konnte ihre mesolithische Diät sie nicht vor Karies bewahren. Auch zeigen die bei Ostorf geborgenen Skelette Abnutzungsspuren auf; die veränderten Bein- und Hüftknochen zeugen von starker Mobilität. Ähnliche Merkmale sind heute bei Marathon- und Langstreckenläufern zu beobachten.

Teil C - Die Indogermanen kommen (ab 3.100 v. Ztr.)

Vor zehn Jahren veröffentlichten wir unseren Artikel "3.100 v. Ztr. - Der Rinderwagen in der Weltgeschichte" über damals neu gedeutete Rinderwagen-Gräber in Norddänemark. Dort hatten wir in einer Nebenbemerkung festgehalten (18):

Wagenräder als Grabgut kennt die "Majkop-Kultur" am Westkaukasus schon zwischen 3.700 und 3.000 v. Ztr.. (...) Die neue Studie läßt sogar die Vermutung verschiedener Forscher anklingen, daß die parallelen Erscheinungen von Wagengräbern zwischen Westkaukasus und Norddänemark ähnlich wie die nachfolgende Ausbreitung der Indogermanen mit ihrer Kultur Pferde-gezogener Streitwagen auf großflächigen kulturellen oder sogar bevölkerungsmäßigen Ausbreitungsbewegungen beruhen könnte. 

Zu unserer Überraschung findet sich inzwischen in einer neuen archäologischen Studie, daß diese Rinderwagen-Gräber in Dänemark zeitgleich auftreten mit der Schnurkeramik-Kultur, also mit den Indogermanen (19):

Um 3.100 v. Ztr. breitet sich das Kugelamphoren-Phänomen mit seiner eigenen groben Keramik, Äxten, Dechsel-Typen ebenso wie Rindergräbern vom Südosten ins nördliche Jütland aus. Zur selben Zeit entwickelt sich das Phänomen der Einzelgrabkultur, räumlich verteilt in unterschiedlicher Intensität mit seinen eigenen Formen sozialer Organisation und seinen eigenen Symbolen sowie mit der Betonung auf einem zweiten Monumenten-Boom oder vielleicht auch auf der Rolle von Kriegern.
In 3100 BCE, the Globular Amphora phenomenon, with its own coarse ware, axe and adze types, as well as cattle burials, spreads from southeast to northern Jutland. At the same time, the phenomenon of the SGC develops, spatially in different intensities, with  its own forms of social organization and its own symbols, such as emphases on a second  monumental boom or perhaps on the role of warriors.

Im Süden der dänischen Halbinsel tritt diese Einzelgrabkultur ab 2.950 v. Ztr. auf, im Norden der dänischen Halbinsel ab 2.750 v. Ztr. (Abb. 10).

Völker im Umbruch auf der dänischen Halbinsel

Der Begriff "Dunkle Jahrhunderte" (Wiki) wird auf eine Phase der Geschichte Griechenlands zwischen 1200 und 800 v. Ztr. angewendet. Für diese Zeit nach dem "Seevölkersturm" beobachten Archäologen fundarme Jahrhunderte in Griechenland. Diese Jahrhunderte markieren dort den Übergang von der Bronze- zur Eisenzeit, den Untergang des mykischen und die Entstehung des klassischen Griechenland. Ähnliche "Dunkle Jahrhunderte" werden nun auch im Zusammenhang der Zuwanderung der Indogermanen nach dem heutigen Norddeutschland und Dänemark festgestellt (19):

Neue Studien über die Umweltveränderungen, das Ausmaß der Bewaldung, die Zahl der Großbauten (Monumente) und allgemein über den wirtschaftlichen Wandel haben eine Periode aufscheinen lassen zwischen 3.100 und 2.800 v. Ztr., in der keine neuen Monumente errichtet werden, und in der ein Rückgang des menschlichen Einflusses auf die Landschaft sowohl im nördlichen Deutschland als auch im südlichen Teil der dänischen Halbinsel festzustellen ist.
Original: New studies on environmental change, the degree of opening up of the land, the quantities of monuments, and economic change have shown a period between ca. 3100 and 2800 BCE without monumental building activity and a decrease in human impact on the environment in northern Germany and the southern part of  the Cimbrian peninsula.

Auf diesen "Hiatus", bzw. Bevölkerungsrückgang in Europa vor, bzw. während der Zeit der Ankunft der Indogermanen wird neuerdings auch von Seiten des Archäogenetikers Johannes Krause in seinem inhaltsreichen Buch "Die Reise unserer Gene" hingewiesen (20). Genau in diese Zeit der "Dunklen Jahrhunderte" fällt nun das Auftreten eines (neuen) Keramiktyps, der schon in den 1950er Jahren nahe des dänischen Ortes Store Valby gefunden wurde. Er wird deshalb "Store Valby Keramik" genannt. Diese Keramik war in ganz Dänemark, ebenso in Ostholstein ("Wagrien") und bis nach Dithmarschen verbreitet.

Abb. 11: Chronologische Einordnung der "Store-Valby-Übergangsgesellschaften auf der dänischen Halbinsel (aus: 19)

Dieser Keramiktyp wird nun in einer neuen Studie deutscher Archäologen als Keramiktyp der Zeit des Übergangs, der Zeit der "Dunklen Jahrhunderte des Nordens" gekennzeichnet. Und man glaubt mit diesem fehlenden Puzzleteil nun die Kulturabfolge in diesem Raum noch genauer zeitlich, räumlich und kulturell einordnen zu können (s. Abb. 11). Dabei ist zu berücksichtigen, daß in nördlichen Teilen der jütländischen Halbinsel bis 2.700 v. Ztr. interessanterweise sogar noch die Grübchenkeramik-Kultur ("Pitted Ware Societies"; Abb. 10) fortbestand, jenes Jahrzehntausende Jahre alte Volk westeuropäischer Jäger, Sammler und Fischer, das sich für den westlichen Ostseeraum hier mit seinen letzten Rückzugsorten bis zur Ausbreitung der Indogermanen hielt. (Etwas später ging dieses Volk auch im östlichen Ostseeraum unter.) Das Ergebnis der Studie lautet nun für die Viehzucht und ackerbautreibenden Kulturen (19):

In der Zeit 3.100 bis 2.900 v. Ztr. hatten die Menschen Zugang zu Keramik der Trichterbecherkultur, der Kugelamphorenkultur und der (regionalen) Store Valby-Keramik.
In  the  period 3100-2900 BCE, people could have had access to Bundsø/Lindø, Globular Amphora and Store Valby ceramics. 

Das könnte heißen, daß in dieser Zeit der "Landnahme" Menschen ganz unterschiedlicher kultureller und ggfs. auch genetischer Herkunft neben einander lebten. Im weiteren Verlauf, in der Zeit von 2.900 bis 2.600 v. Ztr. kam zu der soeben beschriebenen, schon vorhandenen Keramik noch die Keramik der Schnurkeramiker dazu (in Abb. 10 "Single Grave Societies", sprich Einzelgrab-Kultur).  Die kulturellen Spuren der Kugelamphorenkultur verlieren sich aber hinwiederum nach 2.700 v. Ztr. im Norden ebenso wie die der Grübchenkeramik-Kultur. Nur die Kultur der Schnurkeramik bleibt übrig.

Unsere Frage, bzw. Vermutung, bzw. Deutung: War das etwaige Großreich der Kugelamphoren-Kultur von den Indogermanen aus dem Osten erobert worden, haben diese Indogermanen Teile des Heeres des Großreiches der Kugelamphoren-Kultur in ihr eigenes Heer aufgenommen und haben wurden während der Landnahme auf der dänischen Halbinsel unterschiedlichen Heeresteilen unterschiedliche Siedlungsräume zugeordnet? Das ist jedenfalls das, was sich uns in diesen Zusammenhängen schemenhaft andeutet.

2.800 v. Ztr. - Die Indogermanen sind da

Erst also also die Indogermanen ab 2.800 v. Ztr. als Schnurkeramiker - womöglich in großen Heerzügen gemeinsam mit Kriegern der Kugelamphoren-Kultur - den westlichen Ostseeraum erobern, verlieren sich dort die kulturellen und genetischen Spuren der großartigen Völkergruppe der westeuropäischen Fischer, Jäger und Sammler, die sich dort lange als Ertebolle-Kultur (Wiki) und zuletzt als Grübchenkeramische Kultur ("pitted ware culture") (Wiki) gehalten hatte.

Zu dieser Zeit brachten die Schnurkeramiker den Ackerbau auch nach Finnland, also in den östlichen Ostseeraum. 

Es deutet inzwischen immer mehr darauf hin, daß hier sowohl in Form der anatolisch-neolithischen Trichterbecher- und Kugelamphoren-Kultur wie auch auf Seiten der Indogermanen stattliche Strukturen vorlagen, wie sie am ehesten in der Eisenzeit "Altitaliens" greifbar werden, das heißt, mit einer kriegerischen Adelsschicht, die sich Steinstelen als Grabsteine setzte, freien "Patriziern" und dem einfachen Volk, sowie auch Sklaven und Kriegsgefangene.

2.700 v. Ztr. - Die letzten einheimischen Fischer auf Gotland nehmen die indogermanische Streitaxt-Kultur an

Auf der Insel Gotland haben zwischen 3.300 v. Ztr. und 2.700 v. Ztr. Menschen der bäuerlichen Trichterbecherkultur gelebt, die mehrheitlich anatolisch-neolithischer genetischer Herkunft waren. Im Verlauf des Untergangs dieser bäuerlichen Trichterbecherkultur durch die Zuwanderung der Schnurkeramischen Kultur von Süden her bis nach Dänemark hinein, wurde diese Kultur ab 2.700 v. Ztr. noch einmal ersetzt von jenem im skandinavischen Raum schon viel länger einheimischen Fischer-Volk mesolithischer, genetischer Herkunft. Es war dies das Volk der Grübchenkeramischen Kultur. Was für ein verrückter Vorgang!

Die Archäologen hatten nämlich schon länger beobachtet, daß diese Grübchenkeramische Kultur auf Gotland zwischen 2.900 und 2.500 v. Ztr. etwa zur Hälfte Grabsitten und Grabausstattungen jener indogermanischen Streitaxt-Kultur angenommen hatte, die sich in dieser Zeit rund um den Ostsee-Raum ausgebreitet hat. Eine archäogenetische Studie von 25 Skeletten der Insel Gotland aus dem Juni 2020 zeigt nun auf, daß die dortigen Menschen der Grübchenkeramischen Kultur, die teilweise mit Streitäxten und in Hockerstellung begraben wurden, aus genetischer Sicht von skandinavischen Fischer-, Jäger und Sammler-Populationen abstammen (15) (Abb. 11). Vielleicht waren diese Menschen als "Verbündete" des Königs oder Fürsten der Streitaxt-Kultur sehr bewußt von anderen Gegenden her um- und auf Gotland angesiedelt worden.

Abb. 12: Die kulturell von der Streitaxt-Kultur beeinflußten Grübchenkeramischen Gräber auf Gotland (rote und orangene Dreiecke) waren genetisch identisch mit sonstigen Grübchenkeramischen Gräbern in Skandinavien. Insgesamt standen diese letzten Jäger und Sammler Skandinaviens genetisch den westeuropäischen Jägern und Sammlern näher als den osteuropäischen (aus: 15)

Zwölf der von der Insel Gotland sequenzierten Skelette waren jedenfalls in der typischen Rückenlage der Grübchenkeramischen Kultur bestattet, elf dieser Skeletten waren in der typischen Hockerlage der Streitaxt-Kultur bestattet. Letzteren war auch eine entsprechende typische Streitaxt beigegeben worden. Aber alle diese Skelette wiesen einheitliche, einheimische mesolithische, skandinavische Genetik auf. Trotz ihrer Streitaxt-Grabkultur hatten alle diese Menschen sich vornehmlich von Meerestieren ernährt, was untypisch ist für die Herdenhalter der Streitaxt-Kultur (15).

Ob wohl diese kulturell von der Streitaxt-Kultur überformten Menschen auf Gotland aus dem 3. Jahrtausend v. Ztr. als die geschichtlich letzten Vertreter der einstmals so großen Völkergruppe der westeuropäischen Jäger und Sammler angesprochen werden können? Und ob es solche kulturelle Überformung auch noch an anderen Orten des Ostseeraumes gegeben hat?

Westeuropäische Jäger- und Sammler-Herkunft und die Ethnogenese der Glockenbecher-Kultur (2.400 v. Ztr.)

[ 17.5.25 ] Erstaunlicherweise hat sich die westeuropäische Jäger-Sammler-Genetik am Niederrhein und an der Nordseeküste zwischen Bremen und Brügge, sowie bis nach Westfalen und Nordhessen hinein bis 2.400 v. Ztr. in Anteilen von 25 bis 50 % gehalten, obwohl die Menschen dort zunächst bäuerliche Lebensweise angenommen hatten und dann auch durch die Schnurkeramiker "indogermanisiert" worden sind. Und erstaunlicherweise ist genau dies dann auch die Urheimat der Glockenbecher-Kultur und damit der für die europäische Geschichte so bedeutenden italo-keltischen Völkergruppe (Stg25).

Abb. 13: Hoher verbliebener Jäger-Sammler-Herkunftsanteil zwischen Weserbergland, Bremen und Brügge zwischen 4.500 und 2.500 v. Ztr. (aus 38) - Ausgangspunkt für die Ethnogenese der Glockenbecher-Kultur (!) 

[ 14.2.22 ] Ebenso finden sich letzte Vertreter der großen Völkergruppe der westeuropäischen Jäger und Sammler am Plattensee zwischen 2.500 und 2.200 v. Ztr. (Stgen2022).

 
/ Entwurf: 30.6.20;
Ergänzung, Überarbeitung: 8.5.21;
Weitere Ergänzungen:
(28) 1.8.21, (32) 14.2.22, 
(33-35) 26.4.22, (37) 15.3.25,
(38, 39) 17.5.25 /
_________________

  1. Bading, Ingo: 2018 (Stg2018
  2. Torsten Günther, Helena Malmström, Emma Svensson, (...) Jan Storå, Anders Götherström, Mattias Jakobsson: Genomics of Mesolithic Scandinavia reveal colonization routes and high-latitude adaptation. doi: https://doi.org/10.1101/164400, Preprint 30.7.2017, biorxiv, veröffentlicht 9.1.2018, https://journals.plos.org/plosbiology/article?id=10.1371/journal.pbio.2003703
  3. https://studgendeutsch.blogspot.com/2020/01/ein-rassekrieg-am-ende-des-europaischen.html
  4. http://preussenlebt.blogspot.com/2017/04/zur-geschichte-des-dorfes-bahnitz-der.html
  5. Bading, Ingo: Ostsee-Handels-Schifffahrt lange vor dem Ackerbau Über die Ausgrabungen in Neuwasser in Hinterpommern seit 2003, 11. Juli 2017, https://studgendeutsch.blogspot.com/2017/07/ostsee-handels-schifffahrt-lange-vor.html
  6. https://www.nature.com/articles/s41467-019-13549-9
  7. https://www.spektrum.de/news/kaugummi-aus-der-jungsteinzeit/1693536 
  8. Brozio, Jan Piet et al. The Dark Ages in the North? A transformative phase at 3000-2750 BCE in the western Baltic: Brodersby-Schönhagen and the Store Valby phenomenon. Journal of Neolithic Archaeology, [S.l.], v. 21, p. 103–146, dec. 2019. ISSN 2197-649X. Available at: . Date accessed: 19 dec. 2019. doi: https://doi.org/10.12766/jna.2019.6. 
  9. https://www.nature.com/articles/s41598-019-41293-z
  10. https://www.helsinki.fi/en/news/language-culture/a-5000-year-old-barley-grain-discovered-in-aland-southern-finland-turns-researchers-understanding-of-ancient-northern-livelihoods-upside-down 
  11. https://studgendeutsch.blogspot.com/2014/08/die-schnurkeramiker-brachten-die.html 
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  13. Reich, David: The Genomic History of the Iberian Peninsula over the past eight-thousand years (Yt/01.11.2019)  
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  16. Dieffenbacher, Christoph: Steinzeitliche Massenproduktion, März 2021, Horizonte - Schweizer Forschungsmagazin, https://www.horizonte-magazin.ch/2021/03/04/steinzeitliche-massenproduktion/ 
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  20. Krause, Johannes: Die Reise unserer Gene. Eine Geschichte über uns und unsere Vorfahren. Propyläen Berlin 2019
  21. Das Grab der Schamanin von Bad Dürrenberg, 2021, https://youtu.be/ZzNYOaa4bEE
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  38. Long-term hunter-gatherer continuity in the Rhine-Meuse region was disrupted by local formation of expansive Bell Beaker groups. By: Iñigo Olalde, Eveline Altena, (...) Iosif Lazaridis, Swapan Mallick, Nick Patterson, Nadin Rohland, Martin B. Richards, Ron Pinhasi, Wolfgang Haak, Maria Pala, David Reich. bioRxiv 2025.03.24 (biorxiv)
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Dienstag, 30. Juni 2020

Die Ursprungsvölker Europas

Während und nach der letzten Phase der Eiszeit
- Ein Überblick

Bei den sogenannten "archäogenetischen Linien" (Wiki), die bis heute bekannt und erforscht sind, handelt es sich um "Völkergruppen" von Jäger-Sammler-Völkern, die vor dem jeweiligen regionalen Übergang zum Ackerbau große Territorien vergleichsweise dünn besiedelt haben (s.a. Wiki). Aus ihnen sind - zu unterschiedlichen genetischen Anteilen - die nachfolgenden Völkergruppen der frühen europäischen, neolithischen Bauernkulturen und der ersten Staaten Europas hervorgegangen.

Abb. 1: Illustration aus dem Roman "Rulaman" von 1878

Als erstes Ursprungsvolk sind zu nennen die Jäger und Sammler, bzw. ersten Bauern des Levanteraumes, die sogenannten "Natufier" (Erntevölker mit dörflicher Halbseßhaftigkeit in Rundhäusern, sowie auch schon mit Hausmaus) (Abb. 2). Von Seiten der Archäogenetik werden sie auch die levantinische Herkunftsgruppe genannt. Diese sind erstmals in der Menschheitsgeschichte zum Vollneolithikum übergegangen und haben einen großen Teil der heute in Europa verbreiteten Pflanzen- und Tierarten domestiziert.*) Dies geschah an den Oberläufen von Euphrat und Tigris in der Südtürkei, im Kernraum des sogenannten "Fruchtbaren Halbmonds". /20.11.25:/ Viele Hinweise deuten darauf hin, daß die semitische Sprachgruppe in ihnen ihren Ursprung hatte (Stg2020).

Von diesen haben dann die ("zentral"-)anatolischen Jäger und Sammler ab 7000 v. Ztr. den Ackerbau übernommen und wurden so zum Ursprungsvolk der großen Völkergruppe der anatolisch-neolithischen Bauernvölker (Wiki), die sich in den nachfolgenden Jahrtausenden bis auf die britischen Inseln und bis nach Skandinavien ausgebreitet hat. Zu ihnen gehörte beispielsweise auch der berühmte Ötzi (Wiki) aus der Zeit um 3.300 v. Ztr., aus der Zeit der letzten Phase der von diesen Völkern getragenen mittelneolithischen Geschichtsepoche mit den ersten Staaten und ersten Städten Europas. In Südeuropa, im Mittelmeerraum und bis nach Indien tragen Menschen in unterschiedlichen Anteilen Genetik dieser Völkergruppe in sich. Die heutigen Sarden auf Sardinien können am meisten genetische Herkunft auf diese Herkunftsguppe zurückführen (etwa 60 %).

Zu den europäischen Ursprungsvölkern gehören sodann die Jäger und Sammler des Magdalenien, benannt als "Goyet-Cluster" (Wiki), nämlich nach Menschenfunden in einer gleichnamigen Höhle in Belgien (!). Diese Herkunftsgruppe hat ursprünglich einmal die Eiszeitkultur des Magdalenien (18.000 bis 12.000 v. Ztr.) (Wiki) in Frankreich und Spanien getragen (1). Sie ist heute weitgehend ausgestorben, war aber bis nach Süddeutschland, Nordostfrankreich und Belgien verbreitet und hat sich daselbst schon während des Magdalenien auch mit den westeuropäischen Jägern und Sammlern (siehe gleich) vermischt. Die Einzelheiten dieser Vorgänge - insbesondere während der Eiszeit - sind von der Forschung wohl in den nächsten Jahren noch zu klären. Nach einem Menschenfund aus Nordostfrankreich um 5.100 v. Ztr. haben sich Menschen dieser Herkunftsgruppe aber auch noch mit den zugewanderten anatolisch-neolithischen Bandkeramikern vermischt (1).

Aktualisierung 16.4.2022: In einer ganz neuen archäogenetischen Studie wird aufgezeigt, daß die Herkunftsgruppe des Goyet-Clusters bis Sizilien verbreitet war und sich dort auch bis ins Spätmesolithikum gehalten hat (8). Es werden außerdem genetische Unterschiede zwischen früh- und spätmesolithische Jäger-Sammler-Gruppen auf Sizilien gefunden, also zwischen Jägern und Sammlern, die 10.000 v. Ztr. dort lebten und solchen, die um 7.000 v. Ztr. dort lebten (8):

Die unterschiedliche (genetische) Nähe der früh- und der spätmesolithischen westeurasischen Jäger-Sammler auf Sizilien könnte sich erklären lassen durch die verbleibende (mit der Magdalenien-Kultur in Verbindung stehende) GoyetQ2-ähnliche Herkunft in den frühmesolithischen Jägern und Sammler auf Sizilien oder alternativ durch kleinere Anteile von osteuropäischer Jäger-Sammler-Genetik in den spätmesolithischen Jägern und Sammlern auf Sizilien oder durch beides. (...) Wir konnten zeigen, daß die sizilischen frühmesolithischen Jäger und Sammler - verglichen mit dem Jäger und Sammler von Villabruna in Norditalien aus der Zeit um 12.000 v. Ztr., der mit der Kultur des Epigravettien in Verbindung steht - eine höhere genetische Nähe zu iberischen Jägern und Sammlern aufweisen, die mit den Kulturen des Magdalenien und des Azilien in Verbindung stehen, so wie die Menschenfunde von El Mirón und von Balma Guilanyà,
The difference in affinity to West-Eurasian HGs between Sicily EM and LM HGs could be explained by residual, (Magdalenian-associated) GoyetQ2-like ancestry present Sicily EM HGs, or alternatively, by the small proportion of Eastern Hunter-gatherer (EHG)-related ancestry in Sicily LM HGs, or by both. (...) We showed that compared to the ~14,000 yBP Epigravettian-associated HG Villabruna in northern Italy, the Sicily EM HGs have a higher genetic affinity to Iberian HGs associated with the Magdalenian and Azilian, such as El Mirón and Balma Guilanyà.

Die frühmesolithischen sizilianischen Jäger und Sammler werden als Schwester-Gruppe des Villabruna-Clusters charakterisiert. Sie haben sich also womöglich über viele Jahrtausende hin getrennt entwickelt. Das Villabruna-Cluster scheint also eher eine ursprüngliche "Sonderentwicklung" in Europa dargestellt zu haben, die sich dann auf Kosten des älteren Goyet-Clusters ausgebreitet hat. 

Außerdem besteht die Möglichkeit, daß die Genetik der spätmesolithischen Jäger und Sammler auf Sizilien durch 20 % hinzugekommene osteuropäische Jäger-Sammler-Genetik erklärt werden könnte, was man als einigermaßen überraschend empfinden darf. Dazu könnte die Population auf Sizilien auch einen genetischen Flaschenhals durchlaufen haben, so die Forscher (8). Außerdem vermuten sie, daß die osteuropäische Jäger-Sammler-Genetik sich auf dem Balkan gehalten hat und sich von dort aus nach Sizilien verbreitet hat. Auf dem Balkan fänden sich überhaupt die ältesten Individuen mit osteuropäischer Jäger-Sammler-Genetik. Womöglich stellt auch dies ein "Refugium" während der Eiszeit dar. Ja, mehr noch (8):

Seit Beginn des Frühen Holozäns um 9.700 v. Ztr.  kann eine Mischung aus osteuropäischen Jägern und Sammlern und anatolischen Jägern und Sammlern gefunden werden unter den Jägern und Sammlern von Skandinavien, dem Ostseeraum, der Ukraine und dem Balkan. Dies unterstreicht frühere Studien über eine langewährende Interaktionssphäre von Jägern und Sammlern mit osteuropäischer und anatolischer Jäger-Sammler-Herkunft vom nördlichen und östlichen Europa bis zum Nahen Osten und bis zum Kaukasus. Diese Population könnte bis Sizilien expandiert sein in Verlauf mit einer Westverschiebung des (archäologisch erkennbaren) Klingen-und-Trapez-Horizonts nach dem mittleren und südlichen Europa, das nach der klimatischen Anomalie um 7.300 v. Ztr. begonnen haben könnte.
From the start of the Early Holocene, ~11,700 yBP onwards, an EHG/Anatolia HG (AHG) mixture can be found among HGs from Scandinavia, the Baltic, Ukraine and the Balkans (Figure S6) (van de Loosdrecht, 2021). This underlines previous reports for a long-standing interaction sphere of HGs with EHG and AHG-related ancestry from northern and eastern Europe towards the Near East and the Caucasus (Feldman et al., 2019; Fu et al., 2016; Mathieson et al., 2018). This population may well have expanded into Sicily in the course of the westward shift of the blade-and-trapeze horizon into central and southern Europe, which seems to have begun after the climatic anomaly around 9,300 yBP (Gronenborn, 2017; van de Loosdrecht, 2021).

Von "südosteuropäischen Jägern und Sammlern" hatten wir auch schon in einem Beitrag vom November 2020 geschrieben (Stgen20). Immer deutlicher schält sich heraus, wie viel Dynamik und "Völkerbewegung" es auch schon im Mesolithikum in Europa gegeben hat und wie viel Dynamik auch noch im Verstehen der Geschichte dieser Herkunftsgruppen begründet ist. Mit Ankunft der anatolischen Bauern auf Sizilien kam es - wie auch sonst im östlichen Mittelmeerraum und in Mitteleuropa - zu einem fast vollständigen genetischen Austausch, also einem genetischen Erlöschen der bisherigen Jäger-Sammler-Herkunft. Erst im Mittelneolithikum gab es wieder mehr Jäger-Sammler-Herkunft auf Sizilien, die aber nicht zwangsläufig einheimischer Herkunft gewesen sein muß (8). [Ende der Aktualisierung.]

Abb. 2: Verbreitung der Ursprungsvölker Europas aus Sicht der Archäologie: Mittelmeer-Kulturen ("anatolische Jäger und Sammler"), Kulturen der Mittleren Donau (vermutlich "osteuropäische Jäger und Sammler"), Trialetien ("kaukasische Jäger und Sammler", Zarzian (iranische Jäger und Sammler), sowie Natufium (levantinische Jäger und Sammler) (Wiki)

Die westeuropäischen Jäger und Sammler (Wiki) sind jedenfalls fast das wichtigste europäische Ursprungsvolk. Auch aus Sicht der Archäologie weiß man über sie vergleichsweise viel, deshalb haben wir hier auf dem Blog schon einen sehr ausführlichen Blogartikel über die lange Geschichte dieser faszinierenden Herkunftsgruppe eingestellt (Stg20). Es handelt sich um dunkelhäutige, blauäugige Menschen, die sich nach der Eiszeit von Norditalien ("Villanova-Cluster") bis auf die britischen Inseln ("Cheddar-Man" [Wiki]) und bis nach Skandinavien ausgebreitet haben. Die westeuropäischen Jäger und Sammler haben einen nicht unbeträchtlichen genetischen Einfluß auf die Völker des Neolithikums Europas genommen (meistens 10 bis 30 % genetische Anteile), meistens auffälliger Weise über die männliche Linie. Diese Völkergruppe hat in Rückzugsräumen auch noch lange parallel zu umgebenden Bauernvölkern gelebt. Es hat mit den Bauernvölkern etwa von Mittelpommern aus auf Fischerbooten Handel über die Flüsse Oder und Weichsel getrieben. In Skandinavien (z.B. auf der Insel Gotland) befand sich einer ihrer letzten Rückzugsräume während der Frühbronzezeit. Es handelte sich hierbei um die Kultur der Grübchenkeramik (Wiki). Nach 2.300 v. Ztr. ist diese Völkergruppe kulturell und genetisch ausgestorben. Wir heutigen Europäer tragen allerdings noch einige wenige genetische Anteile von ihr in uns. Ehre ihrem Angedenken! Sie waren tapfere Seeleute, tapfere Fischer und Krieger. Sie haben viele Jahrhunderte, ja Jahrtausende friedlich im Austausch mit den umliegenden Bauernvölker gelebt (in den Höhenlagen der deutschen Mittelgebirge, sowie z.B. im Umkreis der Blätterhöhle in Westfalen, am Schweriner See, in Mittelpommern ...), aber sie haben sich - wenn es notwendig war - auch tapfer und erfolgreich gegen diese Bauernvölker gewehrt und wurden dann - gerne auch einmal - von ihnen als Gefangene blutig geopfert. Sie trugen in unterschiedlichen genetischen Anteilen zu den Völkern des Mittelneolithikums bei.

In dem schon 1878 erschienenen, noch heute lesenswerten historischen Roman "Rulaman" (von David Friedrich Weinland) (Wiki) ist dieser Völkergruppe ein Andenken gegeben worden, das noch einige Gültigkeit für sich beanspruchen darf (Abb. 1). Der Roman schildert auch das erste Zusammentreffen der dunkelhäutigen Einheimischen, die in den Höhlen der Schwäbischen Alp lebten, mit den hellhäutigen Bauern, die aus dem Süden her zuwanderten. Er hat damit intuitiv ein Geschehen vorweg genommen, das sich - nach heutigem Kenntnisstand - genau so ab etwa 5.500 v. Ztr. in Höhlen in der Schwäbischen Alp abgespielt haben kann und in nachfolgenden Jahrhunderten und Jahrtausenden immer und immer wieder bis hoch auf die britischen Inseln und bis hoch nach Skandinavien.

Zu den Ursprungsvölkern Europas gehörten weiterhin die hellhäutigen, osteuropäischen Jäger und Sammler (Wiki). Ihr Verbreitungsraum reichte von Sibirien bis nach Ungarn und bis in den Ostseeraum. Schon um 15.000 v. Ztr. haben Angehörige dieser Völkergruppe am Jennisei in Sibirien blonde Haarfarbe aufgewiesen. Sie sind zu nicht geringen genetischen Anteilen unsere Vorfahren. Vermutlich stammen alle blonden Menschen weltweit von ihnen ab.

Weiterhin gehören zu den Ursprungsvölkern Europas die kaukasischen Jäger und Sammler (Wiki). Sie finden sich wieder in der archäologischen Kultur des Trialetien (Wiki). Sie lebten vor allem von der Jagd auf Steinböcke, Wildschweine und Braunbären. Nach den neuesten Untersuchungen zur Domestizierung der Ziege haben gleich fünf der Ursprungsvölker Europas je ihre eigenen Ziegen domestiziert (2, 3). Ursprungspopulationen domestizierter Ziegen sind nachgewiesen sowohl für das westliche Zagros-Gebirge, für die Südhänge des Kaukasus, sowie für die Nordhänge des Kaukasus. Andere Ursprungspopulationen befinden sich außerdem im Levanteraum, in Südanatolien und auf der griechischen Halbinsel. Offenbar haben die Archäogenetiker einen vergleichbaren Unterschied in der Genetik der Menschen des Kaukasus mit denen des Iran bislang nicht gefunden. Aus genetischer Sicht scheint die Völkergruppe der kaukasischen Jäger und Sammler diejenigen des Iran (Zagros-Gebirge) und diejenigen am kaspischen Meer mit einzuschließen. So der derzeitige Forschungsstand.

Die skandinavischen Jäger und Sammler (Wiki) werden von den Archäogenetikern als eine Mischung zwischen westeuropäischen Jägern und Sammlern, die zuerst die Südküste der Ostsee besiedelt haben, und osteuropäischen Jägern und Sammlern, die zuerst die Nordküste der Ostsee besiedelt haben, beschrieben. 2017 behandelte eine entsprechende archäogenetische Studie die genetische Geschichte der Maglemose- (Wiki), der Kongemose- (Wiki) und der aus ihr folgenden Ertebolle-Kultur (Wiki) im Nord- und Ostseeraum zwischen dem heutigen England und Finnland und kam auf die genannten Ergebnisse (4). Und sie kamen zugleich zu dem Ergebnis, daß diese Völker genetisch heute als ausgestorben zu gelten haben.

Schließlich ist ab 4.800 v. Ztr. an der Mittleren Wolga das dort entstandene Volk der "Steppenhirten" (Wiki) zu nennen, bzw. der Indogermanen, die aus der Chwalynsk-Kultur hervorgegangen sind und die zu 43 % kaukasische Jäger-Sammler-Genetik in sich trugen und zu 57 % osteuropäische Jäger-Sammler-Genetik. Aus diesem Volk ging im Verlauf des Spätneolithikums und der nachfolgenden Geschichtsepochen eine ganz neue, riesige Völkergruppe hervor, deren Völker sich über ganz Asien, Europa und zum Teil über den Vorderen Orient ausbreiteten, und von der viele, weltgeschichtlich große Völker schon am Ende der Spätantike wieder untergegangen sind (antike Griechen, antike Römer, antike Perser, antike Sogder, antike Tocharer, Skythen und viele andere mehr). Bei ihr handelt es sich um jene Völkergruppe, auf die die heutigen Europäer zu größten Teilen ihre genetische Herkunft zurückführen können.

22.1.22: Noch einmal schön auf den Punkt gebracht wird der Kenntnisstand in diesem Zitat (5):

Vor der Ankunft der ersten Bauern aus dem Nahen Osten lebten im vorneolithischen Europa Jäger und Sammler. Es gab große Vielfalt unter den Jägern und Sammlern mit vier Hauptgruppen: westeuropäische Jäger und Sammler standen in Beziehung zum Villabruna-Cluster in Mitteleuropa, osteuropäische Jäger und Sammler in Rußland und der Ukraine standen in Beziehung zu der jungpaläolithischen Vorfahren-Gruppe "Nördliche Eurasier" ("Ancestral North Eurasians"), kaukasische Jäger und Sammler von Georgien stehen in Verbindung mit den ersten Bauern des Iran und das (spanische) GoyetQ2-Cluster steht in Verbindung zur Magdalenien-Kultur in Spanien und Portugal.
Pre-Neolithic Europe was inhabited by hunter-gatherers until the arrival of the first farmers from the Near East. There was large diversity among hunter-gatherers with four main groups - western hunter-gatherers (WHG) that were related to the Villabruna cluster in central Europe, eastern hunter-gatherers (EHG) from Russia and Ukraine related to the Upper Paleolithic group of Ancestral North Eurasians (ANE) ancestry, Caucasus hunter-gatherers (CHG) from Georgia associated to the first farmers from Iran, and the GoyetQ2-cluster associated to the Magdalenian culture in Spain and Portugal.

Welche heutigen Eigenschaften trugen welche Völkergruppen bei?

Ergänzung 14.2.2022: Eine estnische genetische Studie des Jahres 2022 sagt (6):

Der Herkunftsanteil der westeuropäischen Jäger und Sammler ist in heutigen Menschen verbunden mit niedrigem Cholesterolspiegel, hohem Bodymass-Index und trägt vermutlich zur braunen Haar- und hellen Augenfarbe in der heutigen estischen Bevölkerung bei. (...) Genorte, die zu diesen Merkmalen beitragen, scheinen bei den Esten aber auch der Selektion unterworfen gewesen zu sein. Andere von dieser Herkunft herstammende Genmerkmale schließen geringeren Hüftumfang ein und die Neigung zu verstärktem Koffein-Verbrauch, sowie zu höherer Herzschlag-Rate.
WHG ancestry in present day individuals is linked to lower cholesterol levels, higher BMI, and putatively contributed brown hair and light eye color to the contemporary Estonian population. This last association has been previously described based on the HERC/OCA2 haplotypes found in ancient WHG samples. In addition, loci associated with these features also appear to have undergone selection in Estonians. Other region-specific associations for this ancestry include decreased hip circumference and increased caffeine consumption and heart rate.
Ein hoher BMI ist mit der Neigung zu Übergewichtigkeit verbunden. Diese große Völkergruppe lebt also genetisch in einigen Eigenschaften in uns fort. Ebenso die anatolisch-neolithische Völkergruppe (6):
... verbunden mit reduziertem Bodymass-Index, hellen (aber nicht grünen) Augen und hellem Haar, späterem Menarche-Alter und verlangsamter Herzschlag-Rate.
Anatolia_N enrichment in trait-related genomic regions is connected with a reduced BMI-corrected waist-to-hip ratio, reduced BMI, light (but not green) eyes and fair hair, increased age at menarche, and reduced heart rate. Notably, covA(i,Anatolia_N) has a substantial weight only in IC2, the single IC that reaches significance when predicting heart rate, suggesting a prominent role for this ancestry in determining this trait.

In der Tat werden in Figurinen der Bandkeramiker die Menschen oft recht schlank und hager dargestellt. Andererseits kann das noch nicht die ganze Wahrheit sein, denn es gibt ja auch die übergewichtigen weiblichen Figurinen aus dieser Völkergruppe. Über die indogermanische Jamanaja-Herkunftsgruppe heißt es (6):

Yamnaja-Herkunft ist verbunden mit starkem Körperbau, mit großer Körperlänge und erweiterten Hüft- und Taille-Umfängen (...) aber ebenso zu schwarzem Haar und hohem Cholestrol-Spiegel.
An enriched Yamnaya ancestry is linked to a strong build, with tall stature (in agreement with previous studies) and increased hip and waist circumferences, both at genome-wide and region-specific levels, but also to black hairs and high-cholesterol concentrations when focusing on candidate regions. The associations of Yamnaya and WHG ancestries to respectively higher and lower cholesterol levels, together with the observed signatures of selection at loci connected to cholesterol and BMI, add a new component to our understanding of post-neolithic dietary adaptation with potential implications to disease risk and outcomes in present-day populations.

... Und in Asien?

Ergänzung 2.4.22: Östlich des Ural, also außerhalb Europas, schält sich immer deutlicher das Ursprungsvolk der westsibirischen Jäger und Sammler (Wiki) heraus. Diese waren im Süden verbreitet bis in den Ost-Iran, traditionell Turan-Region genannt (Stgen2018). Sie war verbreitet bis an den Süd- und Ostrand der Taklamakan. Im Osten war sie - womöglich - verbreitet bis zum Baikal-See. Zumindest lebte am Baikalsee eine diesem Ursprungsvolk sehr nah verwandte Vorfahrengruppe. Diese Herkunftsgruppe trug maßgeblich zur Entstehung 

  1. der Botai-Kultur in Nordkasachstan bei, ebenso wie zur Entstehung 
  2. der Marghiana-Kultur in Tadschikistan wie zur 
  3. Chermurchek-Kultur zwischen Tianshan- und Altai-Gebirge. Sie trug auch zur Entstehung 
  4. der Altai-Skythen bei.

Womöglich - womögich! - kam diese Vorfahrengruppe - anteilig - mit den Turkvölkern bis nach Anatolien. Im einzelnen ist dazu zu sagen:

  1. Die Botai-Kultur entstand durch Vermischung mit osteuropäischen Jägern und Sammlern.
  2. Die Marghiana-Kultur entstand durch Vermischung mit iranisch-neolithischen Bauern (in die sich schon ein anatolischer Herkunftsanteil eingemischt hatte), ebenso 
  3. die Chermurchek-Kultur. 
  4. Die Altai-Skythen entstanden durch Vermischung mit Indogermanen der zweiten indogermanischen Ostwanderung (Andronowo-Kultur).

Zu den Ursprungsvölkern Europas (Stgen2020) schält sich damit ein weit verbreitetes Ursprungsvolk im westlichen Asien heraus. Allerdings ist dieses Ursprungsvolk der westsibirischen Jäger und Sammler in seiner Entstehung, Abgrenzung von anderen Ursprungsvölkern, sowie seinen nachfolgenden Schicksalen noch nicht so sicher und zuverlässig verstanden wie das für die Ursprungsvölker Europas heute schon gelten kann.

Abb. 3: Der Entstehung und Verbreitung der hellen Augen-, Haar- und Hautfarbe Nordeuropas, zusammengestellt von Hanel und Carlberg (Wiki) (aus: 7)

 

_____________
*) "Desperate times forced rise of farming." (NewScientist1994) - "Notzeiten (Hungerzeiten) waren (vermutlich) der Antrieb zum Übergang zum Ackerbau".
**) Zitat (1):
Die Beobachtung, daß diese Herkunft von GoyetQ2 in Jägern und Sammlern gemeinsam mit Villabruna-Herkunft gefunden wurde Les Perrats im westlichen Frankreich (∼9,100 calB.P.), ebenso wie in Jägern und Sammlern in Rigney1 (zentralöstliches Frankreich; ∼15,500 calB.P.) und in zwei Höhlen im südwestlichen Deutschland, Hohlefels (∼15,000 calB.P.) und Burkhardtshöhle (∼14,600 calB.P.), legt eher nahe, daß diese gemischte Herkunft ein Charakteristikum der westeuropäischen Jäger und Sammler gewesen ist.
Original: The observation that the ancestry of GoyetQ2 was found alongside Villabruna ancestry in HGs from Les Perrats in western France (∼9,100 calB.P.), as well as in HGs from Rigney1 (central-eastern France; ∼15,500 calB.P.) and from two caves in southwestern Germany, Hohlefels (∼15,000 calB.P.) and Burkhardtshöhle (∼14,600 calB.P.), rather indicates that this mixed ancestry is characteristic of western European HGs.
Man wird gespannt sein dürfen, nach welcher Richtung hin sich die hier andeutenden Forschungsergebnisse künftig noch klären werden.
___________
  1. Ancient genomes from present-day France unveil 7,000 years of its demographic history. May 2020, Proceedings of the National Academy of Sciences 117(23):201918034, DOI: 10.1073/pnas.1918034117, veröffentlicht 26.5.2020, Samantha Brunel, Andrew Bennett, Laurent Cardin ... Melanie Pruvost, https://www.pnas.org/content/117/23/12791.abstract?etoc
  2. Kevin G. Daly et. al.: Ancient goat genomes reveal mosaic domestication in the Fertile Crescent. Science 06 Jul 2018: Vol. 361, Issue 6397, pp. 85-88, DOI: 10.1126/science.aas9411 http://science.sciencemag.org/content/361/6397/85.full.
  3. https://studgendeutsch.blogspot.com/2020/04/das-volk-der-cardial-keramik-es-stammt.html
  4. Torsten Günther, Helena Malmström, Emma Svensson, (...) Jan Storå, Anders Götherström, Mattias Jakobsson: Genomics of Mesolithic Scandinavia reveal colonization routes and high-latitude adaptation. doi: https://doi.org/10.1101/164400, Preprint 30.7.2017, https://www.biorxiv.org/content/early/2017/07/30/164400, veröffentlicht 9.1.2018, https://journals.plos.org/plosbiology/article?id=10.1371/journal.pbio.2003703
  5. Reconstructing the spatiotemporal patterns of admixture during the European Holocene using a novel genomic dating method Manjusha Chintalapati, Nick Patterson, Priya Moorjani bioRxiv 2022.01.18.476710; doi: https://doi.org/10.1101/2022.01.18.476710
  6. Marnetto, D., Pankratov, V., Mondal, M., Montinaro, F., Pärna, K., Vallini, L., ... & Estonian Biobank Research Team. (2022). Ancestral genomic contributions to complex traits in contemporary Europeans. Current Biology. (pdf)  
  7. Hanel, Andrea; Carlberg, Carsten. Skin colour and vitamin D: An update. Experimental Dermatology, 2020, 29. Jg., Nr. 9, S. 864-875, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/exd.14142
  8. Yu, H., van de Loosdrecht, M. S., Mannino, M. A., Talamo, S., Rohrlach, A. B., Childebayeva, A., Gronenborn, D. ... Haak, W. ... & Krause, J. (2022). Genomic and dietary discontinuities during the Mesolithic and Neolithic in Sicily. iScience, 104244, https://www.cell.com/iscience/fulltext/S2589-0042(22)00514-4.

Mittwoch, 26. Februar 2020

Völkerbewegungen im Mittelmeer-Raum ab 2.400 v. Ztr.

Indogermanen und iranisch-neolithische Bauern treffen auf anatolisch-neolithische Kulturen
- Die "Castelluccio-Kultur" auf Sizilien (2.500-1.400 v. Ztr.) nimmt eine Scharnierfunktion ein

Nach Dänemark kam die (anatolisch-neolithische) Kugelamphorenkultur über Zwischenstufen fast zeitgleich mit der indogermanischen schnurkeramischen Kultur zwischen 3.000 und 2.900 v. Ztr. (18, 19). Fast drängt sich dabei der Eindruck auf, als hätten die Schnurkeramiker Königreiche oder Fürstentümer der Kugelamphorenkultur unterworfen, Krieger dieser Kultur als geschlossene Heeresverbände in ihr Heer aufgenommen und eingegliedert und als hätten sie mit diesen gemeinsam Dänemark erobert. So würde es vielleicht am passendsten zu erklären sein, warum Schnurkeramiker und Kugelamphorenkultur zwar fast zeitgleich in Dänemark auftreten und auch einen einschneidenden Kulturumbruch mit sich bringen, warum aber dennoch anfangs beide Kulturen scheinbar getrennt voneinander und unvermischt auftreten. Womöglich wurden dabei unterschiedlichen Heeresteilen unterschiedliche Siedlungsräume zugewiesen (18). Jedenfalls haben wir hier die Erscheinung, daß eine große, in Ostmitteleuropa weitverbreitete Kultur, nämlich die Kugelamphorenkultur, in weiträumige Bewegung gerät kurz bevor dies auch für die indogermanische Schnurkeramik-Kultur gilt und kurz bevor diese große Kugelamphorenkultur untergeht und von den Schnurkeramikern ersetzt wird.

Eine irgendwie ähnliche Zeitabfolge könnte bezüglich der Ausbreitung der Indogermanen auch im Mittelmeerraum zu beobachten sein, insbesonderen im östlichen Mittelmeerraum: Die Unruhe der indogermanischen Glockenbecherkultur von Spanien und Italien aus könnte auf irgendeine Weise mit dazu beigetragen haben, daß sich dreihundert Jahre später die iranisch-neolithische Genetik im östlichen Mittelmeerraum (weiter) nach Westen ausgebreitet hat, obwohl die Steppengenetik selbst in diesem östlichen Mittelmeerraum wiederum erst mehrere Jahrhunderte später deutlicher in Erscheinung tritt.

Abb. 1: Die "Schlafende Frau "von Malta, etwa 3.600 bis 3.000 v. Ztr. (Wiki)

So jedenfalls in groben Umrissen und in vorläufiger Deutung jenes Geschehen, auf das durch zwei archäogenetische Studien zur Völkergeschichte des Mittelmeerraumes während der Bronzezeit erneut hingewiesen wird (1, 2, 14, 15). Im April letzten Jahres haben wir in einem ersten Teil des vorliegenden Beitrages (13) und in zugehörigen, erläuternden Videos (4, 5) jene archäogenetischen Preprint-Studien (1, 2) behandelt, deren endgültige Versionen in den letzten Tagen erschienen sind (14, 15, 16). Ihr Erscheinen regt dazu an, sich erneut mit der Thematik zu beschäftigen, nicht zuletzt deshalb, weil die beiden Studien zwischenzeitlich weitere Erkenntnisse mit sich bringen, bzw. frühere Erkenntnisse revidieren.

In der ersten Studie, die den westlichen Mittelmeerraum behandelt, sind jetzt nämlich nicht mehr nur 52, sondern 61 Skelette ausgewertet worden (14). In der zweiten Studie, die nur Sardinien behandelt (15), sind jetzt nicht mehr nur 43, sondern 70 Skelette - stammend von 21 Ausgrabungsstätten - ausgewertet worden. Hier gibt es offensichtlich archäologische Forschungsgruppen, die eng mit den archäogenetischen Laboren in Boston und anderwärts zusammenarbeiten. Diese Datenerweiterung und die damit zusammenhängende weitere intensive Beschäftigung der Forscher mit den Daten gab Anlaß, einige Aussagen der Preprint-Paper zu revidieren, bzw. sie zu entschiedeneren Aussagen umzuformulieren.

Allerdings geht die Studie immer noch nicht auf die von uns gestellte und behandelte Frage (13) ein, aufgrund welcher historischer Umstände es überhaupt zur Ausbreitung von iranisch-neolithischer Genetik nach Anatolien hinein gekommen sein könnte.  Aber schauen wir uns das im Einzelnen an.

Kreta

In der Einleitung der Studie wird zunächst recht prägnant die Geschichte Kretas und damit der minoischen Kultur rekapituliert nach dem Forschungsstand der letzten Jahre (14):

In keinem der bisher publizierten Individuen der minoischen Kultur der Mittleren und Späten Bronzezeit (2.400 bis 1.700 v. Ztr.) auf Kreta im östlichen Mittelmeerraum gab es irgendeine nennenswerte Steppengenetik, allerdings trugen die Menschen hier 15 % iranisch-neolithische Genetik in sich. In Kreta und im nahen griechischen Festland wird Steppengenetik erst zur Zeit der mykenischen Kultur greifbar (um 1.600 bis 1.200 v. Ztr.).
Original: On the island of Crete in the eastern  Mediterranean, there was little if any steppe ancestry in any of the published individuals from the Middle to Late Bronze Age Minoan culture (dating to 2400–1700 bc), although these individuals derived about 15% of their ancestry from groups related to early Iranian herders (Iranian-related ancestry). However, steppe ancestry arrived in Crete and nearby Greece by the time of the Mycenaean culture (around 1600–1200 bc; Fig. 1).

Das ist und bleibt weiterhin eine erstaunliche Aussage. Wenn das Ergebnis der Studien nämlich Bestand haben sollte, ergibt sich nämlich ein ziemlich verrücktes Szenario für die Geschichte des Mittelmeerraumes in der Bronzezeit. Ein Szenario, wie es frühere Forscher gewiß nicht erwartet haben: Die indogermanische Steppengenetik der Glockenbecherkultur breitete sich in Italien aus - und von Spanien aus im westlichen Mittelmeerraum ab 2.200 v. Ztr..

Abb. 2: Keramik der Castellucio-Kultur auf Sizilien (2.200 bis 1.700 v. Ztr.) (Herkunft: izi.travel)

Der östliche Mittelmeerraum einschließlich von Kreta blieb in jenen Zeiten davon aber noch unbehelligt. Und das, obwohl - oder weil? - die minoische Kultur auf Kreta ihre Paläste und Städte ja noch nicht einmal befestigt hatte und ein höchst prächtiges, aber friedliches Kulturbild von ihm auf uns heute überkommen ist. Tatsächlich sind die begeisternden Menschendarstellungen auf den berühmten minoischen Wandbildern auch alle sehr dunkelhaarig.

Sizilien

Im Neolithikum lebten auf Sizilien - wie sonst im Mittelmeerraum - Gesellschaften anatolisch-neolithischer Herkunft. Eher nebenbei sei bemerkt, was uns hier zum ersten mal auffällt: Diese trugen einen recht großen Herkunftsanteil westeuropäischer Jäger und Sammler in sich. Der westeuropäische Jäger-Sammler-Anteil als vorliegend schon im Mittelmeerraum in diesem Umfang war dem Autor dieser Zeilen bisher gar nicht bewußt. Vermutlich kam dieser schon bei der Ethnogenese der anatolisch-neolithischen Genetik dazu, also um 6.500 v. Ztr. und vor ihrer Ausbreitung über den gesamten Mittelmeer-Raum und bis nach Skandinavien. Wie auch immer. Die Menschen auf Sizilien legten eindrucksvolle Kollektivgräber an***) wie sie auch von anderen Mittelmeerinseln dieser Zeitstellung überliefert sind. Überhaupt ist ja auch die ikonografische Überlieferung der größeren Mittelmeerinseln aus dem Neolithikum sehr eindrucksvoll und bietet viel Gelegenheit zum Nachdenken (17) (Abb. 1).

Ab 2.200 v. Ztr. nun finden wir auf Sizilien Menschen mit Steppen-Genetik (14). Diese Steppengenetik kam nun - höchstwahrscheinlich - aus Spanien. Und anders als in Spanien brachte diese Steppen-Genetik auf Sizilien keineswegs einen vollständigen Bevölkerungsaustausch mit sich. Ursprüngliche Y-chromosomale Haplotypen blieben auf Sizilien - im Gegensatz zu Spanien - nämlich weiterhin existent. Die zwei frühesten Individuen mit Steppengenetik auf Sizilien besaßen 22 und 39 Prozent Steppen-Genetik. Dieser Anteil sank dann in nachfolgenden Jahrhunderten auf Sizilien auf 10 bis 15 Prozent.*) Ab 1800 v. Ztr. finden sich aber dann auf Sizilien Menschen mit einem Anteil von 15 % jener iranisch-neolithischen Genetik**), von der bezüglich der minoischen Kultur schon die Rede war. Im Diskussionsteil der Studie heißt es darüber (14):

Unsere Analyse zeigt, daß iranische genetische Herkunft, die in der Ägäis weit verbreitet war und während der Mittleren Bronzezeit in Verbindung stand mit der minoischen und der mykenischen Kultur, sich spätestens in der Zeit der Mykener zu einem beträchtlichen Anteil nach Westen bis Sizilien ausgebreitet hat. Eine Möglichkeit ist, daß sich diese Herkunft nach Westen ausgebreitet hat mit der mykenischen kulturellen Expansion.
Original: Our analysis shows that Iranian-related ancestry, which was widespread among the Aegean by the Middle Bronze Age in association with the Minoan and Mycenaean  cultures, had also spread west into Sicily in a substantial proportion at least by the time of the Mycenaeans. One possibility is that this ancestry spread west along with the Mycenaean cultural expansion.

Um 2.200 v. Ztr. kam also nach Sizilien zuerst einmal Steppengenetik von Spanien aus. Und ab 1.800 v. Ztr. breitete sich dann iranisch-neolithische Genetik nach Sizilien aus mit der mykenischen Kultur, die ja - nachgewiesener Maßen - eine indogermanischen Sprache sprach. Bislang fand sich aber - offenbar - keine Steppen-Genetik, die sich mit der mykenischen Kultur nach Sizilien ausgebreitet hat. Insgesamt bleibt all das einstweilen ein sehr verrücktes Geschehen. Es ist zunächst nicht leicht widerspruchslos mit sich selbst und allem schon bisher Bekannten in Einklang zu bringen. Aber es läßt einen über die einleitenden Gedanken dieses Beitrages wiederholt nachdenken. Doch dann bekommt der Gedankengang noch einmal eine ganz neue Wendung, wenn es weiter heit (14):

Doch Funde aus der Zeit vor dem Höhepunkt der mykenischen Kultur sowohl auf Malta, als auch in Griechenland und in Anatolien, die in Verbindung gebracht werden mit der sizilianischen Castellucio-Kultur, eröffnen die Möglichkeit eines früheren Genflusses, eine Hypothese, die untersucht werden kann, sobald Daten aus vorminoischer Zeit aus der Ägäis gewonnen worden sind.
Original: However, the presence of artifacts associated with the Sicilian Castellucian culture in Malta, Greece and Anatolia before the peak of the Mycenaean culture opens the possibility of earlier gene flows, a hypothesis that could be investigated once pre-Minoan data from the Aegean become available.

Hier wird man auf Zusammenhänge und Kulturen hingewiesen, die einem bislang völlig unbekannt waren. In der Geschichte Siziliens (Wiki) spielt also tatsächlich eine "Castelluccio-Kultur" eine Rolle (geeignetes Suchwort für Google-Bildersuche: "cultura di castelluccio"). Anfangs jünger datiert wird sie heute auf die Zeit 2500 bis 1400 v. Ztr. datiert. Von einem ihrer Ausgrabungsorte wird berichtet (Wiki):

Häufig stieß man auf geschnitzte Knochen, die als Idole angesehen werden und den Funden von Malta und Troja II und III ähneln.

Auf solche archäologischen Erkenntnisse scheinen sich die Vermutungen der archäogenetischen Studie (14) zu stützen. In dem zugehörigen Preprint (1) war von dieser Kultur noch nicht die Rede. Der Hinweis auf sie ist also nachträglich eingearbeitet worden.***) Allerdings sind die von uns gesuchten und geforderten archäologischen Hinweise darauf, wie denn eigentlich die iranisch-neolithische Genetik sich überhaupt nach Anatolien hatte ausbreiten können (13), in der endgültigen Version immer noch nicht eingearbeitet worden. Aber immerhin ist auch der Hinweis auf diese Castelluccio-Kultur wertvoll.

Es wird damit aber erahnbar, wie die kunsthistorisch noch sehr "schlichte" und "urtümlich" wirkende indogermanische Glockenbecherkultur mit ihren zumeist gesichtslosen Menhiren (17) auf recht ähnliche Kulturen mit gesichtslosen Menhiren und Kollektivgräbern nicht nur im übrigen Europa, sondern auch im Mittelmeer-Raum (s. Abb. 1) - hier Sizilien - gestoßen sind, wie sie aber parallel auch schon Bekanntschaft machten mit einer Hochkultur vom Range der minoischen auf Kreta. Es kann hier sicherlich von einem "Clash of Cultures", von einem Zusammentreffen von Kulturen gesprochen werden.

Es wird aber auch sofort erahnbar, daß die "Schlichtheit" der Kunstäußerungen all dieser Kulturen sehr leicht ganz falsche Rückschlüsse nahelegen könnten erstens auf die vorliegende gesellschaftlich-wirtschaftliche Komplexität jener Gesellschaften, mit denen wir es hier zu tun haben (sowohl was einheimische wie zuwandernde betrifft), ebenso wie auf die weitreichenden Bevölkerungsbewegungen, von denen sie sowohl zum einen nur tangiert sein konnten, ohne daß ein deutlicher kultureller Umbruch damit verbunden sein mußte (siehe Zuwanderung der Glockenbecher-Leute nach Sizilien), die aber auch weitreichende - und vermutlich vergleichsweise dichte - politische, Kultur- und Wirtschaftskontakte im östlichen Mittelmeerraum mit sich bringen konnten wie sich das hier mit dem Hereinkommen iranisch-neolithischer Genetik von Griechenland, Kreta und Anatolien aus nach Sizilien andeutet. Hinsichtlich von Sizilien gibt es für die nachfolgende geschichtliche Epoche dann eine sehr deutliche Aussage (14):

Nach der Bronzezeit gab es einen umfangreichen Bevölkerungsaustausch.
There was large-scale population replacement after the Bronze Age.

Das heißt: Im Gegensatz zu Sardinien leben heute auf Sizilien nicht mehr Menschen mit einem so hohen genetischen Anteil, den sie von den ursprünglich einheimischen Bevölkerung aus dem Neolithikum überliefert bekommen haben wie wir das gleich von den Sarden auf Sardinien sehen werden. Das heißt: Mit den Phöniziern begannen im ganzen Mittelmeerraum erneut umfangreiche Bevölkerungsverschiebungen, die in römischer und arabischer Zeit je nach Region ihre unterschiedliche Fortsetzung fanden.

Sardinien

Für Sardinien werden die Ergebnisse der Studie in der Zusammenfassung nun entschiedener als zuvor formuliert (14):

Bis zum ersten Jahrtausend v. Ztr. stammt fast die gesamte Herkunft von den ersten Bauern, die die Insel besiedelten. (...) Im ersten Jahrtausend v. Ztr. begann eine umfangreiche Einwanderung nach Sardinien und gegenwärtig stammt nur noch 56 bis 62 % der Herkunft der Sarden von den ersten Bauern. Dieser Wert ist niedriger als frühere Schätzungen und weist darauf hin, daß Sardinien - wie jede andere Region Europas - ein Ort umfangreicher Bevölkerungsverschiebung und - vermischung war.  
Original: In Sardinia, nearly all ancestry derived from the island’s early farmers until the first millennium bc (...). Major immigration into Sardinia began in the first millennium bc and, at present, no more than 56–62% of Sardinian ancestry is from its first farmers. This value is lower than previous estimates, highlighting that Sardinia, similar to every other region in Europe, has been a stage for major movement and mixtures of people.

Die Studie findet also für die heutigen Sarden nicht mehr 70 % anatolisch-neolithische Herkunft - wie noch im Preprint vor einem Jahr - sondern nur noch 56 bis 62 %. Diese Schätzung beruht darauf, daß schon früher ausgewertete Vergleichs-Genome moderner Sarden - vor dem Hintergrund genauerer Erkenntnisse aus der Archäogenetik - einer erneuten genauen Untersuchung unterworfen worden sind. Das Ergebnis lautet nun (14):

Wir schätzen, daß sich moderne Sarden zwischen 56 und 62 %  (...) ihrer Herkunft von der ursprünglichsten bäuerlichen Besiedlung erhalten haben, zusammen mit einem beträchtlichen nordafrikanisch-marokkanischen Herkunftsanteil, der zwischen 17 und 21 % liegt. 
We estimate that modern Sardinians retained between 56.3 ±  8.1% (when using Sardinia_Neolithic) and 62.2 ± 6.6% (with Sardinia_BA) of their ancestry from local populations, along with a substantial proportion of North African Morocco_LN-related ancestry that ranges between 22.7 ±   9.9%  (when  using  Sardinia_Neolithic) and 17.1 ± 8.0% (when using Sardinia_BA). This North-African-related  mixture is a plausible source for the sub-Saharan African admixture that has been detected in modern  people from the island in multiple previous studies. Even this range of estimates of ~56–62% is an upper bound, as we are forcing in pre-Iron-Age Sardinians as the only source of European farmer ancestry on the island in all of these models.

Es wird also erkennbar, wie sehr die Forschung hier noch im Fluß ist. Für Sardinien wird noch hingewiesen auf (14) ...

... einen Ausnahme-Fund aus dem dritten Jahrtausend v. Ztr., der vorwiegend nordafrikanische Herkunft aufzeigte, und der - gemeinsam ungefähr mit einem Zeitgenossen in Spanien - den weitreichenden Genfluß von Afrika nach Europa während der Kupferzeit dokumentiert.
... an outlier from the third millennium bc, who had primarily North African ancestry and who - along with an approximately contemporary Iberian - documents widespread Africa-to-Europe gene flow in the Chalcolithic.

Schon die Ausbreitung des Ackerbaus selbst um 6.500 v. Ztr. von Anatolien aus rund um das gesamte Mittelmeer herum war durch Seefahrt erfolgt. Ebenso die Ausbreitung der Cardial-Keramik (Wiki) von Levanteraum aus. Der Fund nordafrikanisch-levantinischer Genetik nicht nur in Spanien, sondern auch in Sardinien um 2.200 v. Ztr. herum macht einmal mehr darauf aufmerksam, daß ein wirtschaftlicher, kultureller und genetischer Austausch im Mittelmeerraum zwischen entfernten Küsten zu dieser Zeit schon stattfand.

Vor dem Hintergrund der in diesem und in unserem vorigen Beitrag zum Thema (13) referierten neuen archäogenetischen Erkenntnisse wird man auf die Geschichte der großen Kulturen des Mittelmeerraumes nun zum Teil einen völlig neuen Blick richten. Es muß jetzt viel ganz neu "sortiert" werden.

______________
*) Im Original heißt es darüber (14):
In  the Middle Neolithic, Sicilians harboured ancestry typical of early European farmers, which we fitted as a mixture of Anatolia_Neolithic and WHG (Figs. 2 and 4, Supplementary Table 14). (...)
In the Early Bronze Age, we found evidence of steppe ancestry by around 2200 bc. In distal qpAdm, the two outliers with the strongest evidence have 22.1 ± 3.6% steppe ancestry (Sicily_EBA8561) and 39.0 ± 3.5%  steppe  ancestry   (Sicily_EBA11443); the latter individual is consistent with forming a clade with Mallorca_EBA (P=0.245), suggesting that they may harbour ancestry from a similar source (most plausibly Iberian; see below; Fig. 4a, Supplementary Table 14). For the main Early Bronze Age cluster of four individuals and two other outliers, we also fit  steppe ancestry, albeit at  the lower proportions of 14.1 ± 3.4% in Sicily_EBA3123, 13.5 ± 3.4%  in Sicily_EBA3124  and  9.9  ± 2.2% in the main cluster of Sicily_EBA  (Fig. 4, Supplementary Table 14, Supplementary Information). For Sicily_EBA and Sicily_EBA3123, we could not rule out an alternative model of Iranian-related ancestry rather than steppe as a third ancestry source, although we favour steppe models because of the results from the proximal modelling and the definitive presence of this ancestry  in  the  two  extreme  outlier  individuals. The  presence of steppe ancestry in Early Bronze Age Sicily is also evident in Y-chromosome analysis, which revealed that three out of the five  Early  Bronze Age males carried haplogroup R1b1a1a2a1a2  (R1b-M269), which is associated with the first western Europeans who carried significant proportions of steppe ancestry (Supplementary  Data  1). Two of these individuals carried the Y-chromosome haplogroup subtype R1b1a1a2a1a2a1 (Z195), which is now largely restricted to Iberia and has been hypothesized to have originated there during 2500–2000 bc70. A parsimonious scenario is that west-to-east gene flow from Iberia introduced these haplogroups into Sicily as well as to the Balearic Islands, where Y-chromosome haplogroup R1b-M269 is also found in Menorca_LBA.
**) Im Original (14):
We detected Iranian-related ancestry in Sicily by the Middle Bronze Age 1800–1500 bc, consistent with the directional shift of these individuals towards Minoans  and Mycenaeans in the PCA  (Fig. 2b); in distal modelling, Sicily_MBA requires 15.7  ± 2.6% of Iran_Ganj_Dareh_Neolithic-related ancestry (P=0.060; Fig. 4, Supplementary Table 14). Sources closer in time always require Minoan_Lassithi or Anatolia_EBA as a source (Supplementary Table 21). Modern southern Italians harbour Iranian-related ancestry, and our results show that this ancestry must have reached Sicily before the period of Greek political control when Sicily and southern Italy were part of Magna Graecia. We  modelled  Sicily_LBA as  81.5 ± 1.6%  Anatolia_Neolithic, 5.9 ±  1.6% WHG and 12.7 ± 2.1% Yamnaya_Samara (Fig. 4b, Supplementary Table 14). Although this distal modelling provides no hint of Iranian-related ancestry, modelling with sources closer in time supports Sicily_LBA having such ancestry through groups such as Anatolia_EBA or Minoan_Lassithi (Supplementary Table 22). Our distal modelling of modern Sicilians requires not only that the two eastern ancestry sources that we have shown were present by the Bronze Age - 10.0 ± 2.6% Yamnaya_Samara and 19.9 ± 1.4% Iran_Ganj_Dareh_Neolithic - but also a predominant component of North African ancestry (46.9  ± 5.6%  Morocco_LN;  Fig.  4, Supplementary Table 14). These results are consistent with most of the North-African-related ancestry having come into Sicily during the Iron Age and afterwards - a scenario that is further supported by our observation that modern Sicilians form a clade with Ibiza_Phoenician  (P=0.060) and the three most recent Sardinian individuals in our time series (Supplementary Information). Although these results are consistent in principle with a nearly complete ancestry turnover on the island since the Bronze Age, we cannot rule out the possibility that Bronze Age Sicilians made a more modest ancestry contribution to modern Sicilians. Uniparental  markers in modern Sicilians overlap those from the Bronze Age, with Y-chromosome haplogroup R1b-M269 occurring at high frequency (~25%) and mitochondrial haplogroups H, T, U and K also being present in the Bronze Age as well as in present-day groups.
***) Über ein Kollektivgrab dieser Castelluccio-Kultur bei Contrada Paolina auf Sizilien heißt es beispielsweise (Suppl., S. 18, pdf):
Die Menschenfunde stammen aus Grab 2 (...) in der weit verbreiteten Typologie der Castelluccio-Gräber. In früheren Studien wurden mindestens 76 Bestattete geschätzt, einschließlich Erwachsenen und Kindern beiden Geschlechts. Die vielen Bestattungen waren entlang der Grabkammer angeordnet und wurden als aufeinanderfolgende Bestattungen aus unterschiedlichen Zeiten vermutlich von derselben Familie oder demselben Clan interpretiert. Eine einzelne Hauptbestattung wurde in der Mitte des Raumes gefunden.
The human remains come from Tomb 2 with a diameter of 2.40 and height of 1.32m, a “grotticella” tomb of the "oventype” in the common typology of the Castelluccian tombs. In previous studies, the presence of at least 76 individuals has been estimated, including adults, and infants of both sexes (determined anthropologically). The multiple depositions were grouped along the tomb chamberwalls, interpreted as subsequent burials in different times probably by family or clan (common rite in coeval sites), and a single primary undisturbed burial was found in the middle of the room.
_____________________________________________
  1. The Arrival of Steppe and Iranian Related Ancestry in the Islands of the Western Mediterranean. By Daniel M. Fernandes (...) Ron Pinhasi, David Reich, bioRxiv 584714; doi: https://doi.org/10.1101/584714, 21.3.2019, https://www.biorxiv.org/content/10.1101/584714v1 
  2. Population history from the Neolithic to present on the Mediterranean island of Sardinia: An ancient DNA perspective. By Joseph H. Marcus, (...) Wolfgang Haak, David Reich, David Schlessinger, Francesco Cucca, Johannes Krause, John Novembre. 21.3.2019, doi: https://doi.org/10.1101/583104, https://www.biorxiv.org/content/10.1101/583104v1
  3. The most violent group of people who ever lived. By Joe Pinkstone, Daily Mail, 29.3.2019, https://www.dailymail.co.uk/sciencetech/article-6865741/The-violent-group-people-lived.html
  4. Bading, Ingo: Die ersten Indogermanen auf Mallorca, 2.400 v. Ztr., Videoreferat, 02.04.2019, https://youtu.be/IO5jPLwX16Q
  5. Bading, Ingo: Wie kamen Nachkommen von Kaukasus-Bauern nach Sizilien, 1.800 v. Ztr.? Video-Referat, 02.04.2019, https://youtu.be/DKKKEg3Wwgs.
  6. https://en.wikipedia.org/wiki/Middle_Bronze_Age_migrations_(Ancient_Near_East) 
  7. Bading, Ingo: Die Indogermanen, ihre Nachbarvölker, ihre Ausbreitungsgebiete. 26.6.18, https://studgendeutsch.blogspot.com/2018/06/die-indogermanen-ihre-nachbarvolker.html
  8. https://de.wikipedia.org/wiki/James_Mellaart
  9. Mitochondrial genomes reveal an east to west cline of steppe ancestry in Corded Ware populations. By Anna Juras (...) Aleksander Kośko. In: Scientific Reports, Volume 8, 11603 (2018), 2.8.2018, https://www.nature.com/articles/s41598-018-29914-5 
  10. Yamnaya steppe ancestry, 1.3.2019, https://indo-european.eu/maps/yamnaya-steppe-ancestry/
  11. Deia, Mallorca, 16.10.2006, https://youtu.be/mYXNuLmylvs
  12. Erb-Satullo, N. L., Jachvliani, D., Kalayci, T., Puturidze, M., & Simon, K. (2019). Investigating the spatial organisation of Bronze and Iron Age fortress complexes in the South Caucasus. Antiquity, 93(368), 412–431. doi:10.15184/aqy.2018.191, https://www.cambridge.org/core/journals/antiquity/article/investigating-the-spatial-organisation-of-bronze-and-iron-age-fortress-complexes-in-the-south-caucasus/EB55B860C806435EB16FD25DB625C28A, url to share this paper: sci-hub.tw/10.15184/aqy.2018.191
  13. Bading, Ingo: 2.200 v. Ztr. - Kriegerische Glockenbecherleute im westlichen Mittelmeer-Raum, kriegerische Hethiter in Anatolien. 3. April 2019, https://studgendeutsch.blogspot.com/2019/04/2200-v-ztr-kriegerische.html
  14. The spread of steppe and Iranian-related ancestry in the islands of the western Mediterranean. By Daniel M. Fernandes, Alissa Mittnik, […] David Reich. In: Nature Ecology & Evolution (2020), Published: 24 February 2020, https://www.nature.com/articles/s41559-020-1102-0
  15. Genetic history from the Middle Neolithic to present on the Mediterranean island of Sardinia. By Joseph H. Marcus, Cosimo Posth, […] John Novembre. In: Nature Communications volume 11, Article number: 939 (2020), Published: 24 February 2020, https://www.nature.com/articles/s41467-020-14523-6.
  16. Bading, Ingo: Die ältesten Eigendarstellungen seßhafter, europäischer Völker (ab 4.200 v. Ztr.), 9. Dezember 2019, https://studgendeutsch.blogspot.com/2019/12/die-altesten-eigendarstellungen-der.html.
  17. Brozio, Jan Piet et al. The Dark Ages in the North? A transformative phase at 3000-2750 BCE in the western Baltic: Brodersby-Schönhagen and the Store Valby phenomenon. Journal of Neolithic Archaeology, [S.l.], v. 21, p. 103-146, dec. 2019. ISSN 2197-649X. Available at: <http://www.jna.uni-kiel.de/index.php/jna/article/view/181>. Date accessed: 19 dec. 2019. doi: https://doi.org/10.12766/jna.2019.6. 
  18. Bading, Ingo: 3.100 v. Ztr.: Der Rinderwagen in der Weltgeschichte - Prozessionen an Königsgräbern lassen um 3.100 v. Ztr. staatliche Strukturen in Norddänemark erkennen, Oktober 2010, https://studgendeutsch.blogspot.com/2010/10/3100-v-ztr-der-rinderwagen-in-der.html
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