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Freitag, 12. Juni 2026

Rückzugsorte später Jäger und Sammler - An der Moldau und im Böhmerwald

Das südliche Böhmen um 5.000 und um 3.000 v. Ztr.
- Späte Jäger und Sammler bis 2.700 v. Ztr. - Řivnáč-Höhensiedlungen ab 2.700 v. Ztr. 

Nach und nach mehren sich archäologische Studien, durch die die späten Jäger und Sammler Mitteleuropas, die zur Ethnogenese zahlreicher mittel- und spätneolithischer Völker und Kulturen maßgeblich beigetragen haben, nach und nach besser faßbar werden. Die Archäologen tasten sich langsam - weiterhin noch vergleichsweise langsam - Schritt für Schritt an die Thematik dieser in Randregionen fortlebenden Jäger-Sammler-Populationen heran. 

Abb. 1: Blick in das Wittingauer Becken im südlichen Böhmen (Wiki) (Fotograf: Pavel Rychtecký)

Eine solche Region ist das Einzugsgebiet der Oberen Moldau in Böhmen, bzw. Tschechien. "Auf'd Wulda, auf'd Wulda, scheint Sunna so gulda" - so heißen die ersten Worte eines deutschen Volksliedes auf diese Moldau, auf die "Wulda", die im Böhmerwald entspringt. Sie fließt von dort nach Prag, um hinter Prag in die Elbe zu münden (Abb. 3) (Rbg).

Die Moldau trägt einen Namen germanischen Ursprungs. Nach der Besiedlung Böhmens durch die Tschechen erhielt die Moldau von den Slawen aber ebenfalls einen eigenen Namen, nämlich den Namen Vltava. Vom Böhmerwald nach Norden fließend kommt die Moldau unter anderem auch durch die Stadt Budweis. Zwanzig Kilometer östlich der Stadt Budweis  befindet sich dann das Wittingauer Becken, das über den Fluß Fluß Lainsitz (tschechisch: Lužnice) (Wiki) in die Moldau entwässert (Abb. 1-3).

Dieses Wittingauer Becken wird im vorliegenden Beitrag eine Rolle spielen. Deshalb wird eine flüchtige geographische Einordnung desselben voran gestellt.

Das Wittingauer Becken liegt rund um die Stadt Wittingau und es liegt im Bezirk Wittingau (Wiki). Die Stadt Wittingau liegt nur zwanzig Kilometer von der im Südosten gelegenen, heutigen österreichischen Grenze entfernt (GMaps). Der Bezirk Wittingau war dennoch immer schon tschechisch besiedelt. Er gehörte nicht zu dem bis 1945 von Deutschen besiedelten "Sudetenland". Um sich diesen Umstand klar zu machen, ist ein Blick auf die Abbildung 2 hilfreich. Dort sehen wir, daß es im südlichen Teil des Sudentenlandes einen ("weißen") Bezirk gibt, der immer schon tschechisch und nicht deutsch besiedelt war: der Bezirk Wittingau. Vielleicht waren es die weiter unten noch weiter erörterten landschaftlichen Charakteristika des Wittingauer Beckens, die es den deutschen Bauern weniger attraktiv erscheinen ließen für eine Besiedlung. Die Laisnitz, von der das Becken durchquert wird, mündet 45 Kilometer weiter nördlich in die Moldau (Abb. 3).

Zwei neue tschechische archäologische Studien

In zwei neuen tschechischen archäologischen Studien, in der auch dieses Wittingauer Becken eine Rolle spielt, werden jene durch die Archäogenetik aufgeworfenen Fragen erneut behandelt, die uns auch hier auf dem Blog schon seit einigen Jahren beschäftigen (1, 2).

Abb. 2: Der Anteil der deutschen Bevölkerung bis 1945 in den Gerichtsbezirken des Sudentenlandes

Es wird etwa das folgende ausgeführt (1): 

Fortschritte in der aDNA-Forschung zeigen auf, daß vormals vorherrschende Abstammungslinien (Völker) fortbestehen oder wiederaufleben, lange nachdem sie durch ihnen nachfolgende Ausbreitungsbewegungen (von Völkern) vermeintlich verdrängt worden waren. Aber diese Ergebnisse geben selten Aufschluß darüber, von woher diese wiederauflebenden Abstammungslinien eigentlich stammen. Einige Autoren vertreten die Ansicht, daß solche Herkunftsanteile durch demische Ausbreitung aus den Randgebieten der von großen Ausbreitungsbewegungen betroffenen Regionen wieder eingeführt wurden - also aus Gebieten, in denen sich ältere Herkunftsanteile innerhalb lokaler Gruppen erhalten hatten (Beau et al. 2017; Da Silva et al. 2025; Immel et al. 2021; Papac et al. 2021). Während dieses Szenario in bestimmten, mittels Admixture-Analysen untersuchten Fällen zutreffen mag (z. B. die von Papac et al. 2021 in verschiedenen neolithischen Populationen nachgewiesenen vielfältigen Quellen mesolithischer Abstammung; vgl. dazu Brami 2023, der auf die Grenzen dieser Tests hinweist), bleibt es in den meisten anderen Fällen weitgehend deduktiv begründet.
Although advances in aDNA sampling reveal substantial persistence or reappearance of earlier ancestries long after they were thought to have been erased by subsequent migrations, these results rarely indicate where the source populations may have come from. Some authors argue that such ancestries were reintroduced through demic expansions from the outskirts of areas affected by major migrations, where archaic ancestries remained available within local groups (Beau et al. 2017; Da Silva et al. 2025; Immel et al. 2021; Papac et al. 2021). While this scenario may hold in certain cases tested through admixture analyses (e.g. multiple sources of Mesolithic ancestry identified in various Neolithic populations by Papac et al. 2021,cf. Brami 2023, who highlights the limitations of these tests), it remains largely deductive in most other instances. More importantly, it implicitly reproduces the assumption that ‘otherness’ can be situated only at the outer frontiers, rather than within the interior landscapes of central Europe.

Insgesamt wecken die beiden Studien solchen Fragen gegenüber unseres Erachtens nun aber mehr Erwartungen als sie dann einlösen können. Immerhin präzisieren sie allmählich Schritt für Schritt zumindest die archäologischen Fragestellungen und Fragehorizonte.

Abb. 3: Reliefkarte von Böhmen und Mähren - In der Vergrößerung sind Wittingau und der Fluß Laisnitz zu sehen

Es werden zunächst die zeitlich versetzten Abläufe während des Frühneolithikums in fünf verschiedenen Regionen in und um Böhmen miteinander verglichen (1) (Abb. 4 und 5). Die Bandkeramik breitete sich bekanntlich von ihrer "Urheimat", dem Wiener Becken, ausgehend Donau-aufwärts aus.

Saatgerste und den Timopheev-Weizen im Südlichen Böhmen ab 5.200 v. Ztr.

Ab 5.400 v. Ztr. kam die Bandkeramik nach Bayern - "innerhalb einer Generation" von Wien bis Schweinfurt wie wir andernorts schau ausführten (Stg2022). Ab 5.350 v. Ztr. kam sie nach Mähren, kurze Zeit später an die Obere Elbe und erst ab 5.230 v. Ztr. in die Region an der Oberen Moldau ("Upper Vlatava") (Abb. 5). Über die zeitlich versetzte, bäuerliche Besiedlung der Region der Oberen Moldau wird ausgeführt (2):

Die durchschnittlichen Zeitunterschiede (der Besiedlung) der Region der Oberen Moldau und der Tiefländer (Böhmens) betragen zwischen 136 und 172 Jahren, was etwa 5 bis 7 Generationen entspricht. (...) Das im Allgemeinen einheitliche und nicht sehr breite Spektrum der von den frühen Bauern in Mitteleuropa angebauten Nutzpflanzen (Kreuz und Marinova 2017) wurde in der Region der Oberen Moldau durch die Saatgerste und den Timopheev-Weizen erweitert. Beide Arten gelten als geeignet für rauere Bedingungen; wenngleich sie im Gesamtspektrum der Nutzpflanzen nur einen geringen Anteil einnehmen läßt sich ihr Anbau als Anpassung an die lokale Umwelt deuten (Ptáková et al. 2024).
The median time difference between the Upper Vltavaand lowland regions ranges between 136 and 172 years, which equals approximately 5–7 generations. (...) The generally uniform and narrow spectrum of crops cultivated by early farmersin central Europe (Kreuz and Marinova 2017) was diversified in the Upper Vltava region by common barley and Timopheev’s wheat. Both species are considered suit-able for harsher conditions, and their cultivation, although still low in the total spec-trum of crops, can be interpreted as an adaptation to the local environment (Ptákováet al. 2024).

Von dem hier erwähnten Tricum timopheevii (Wiki) hören wir an dieser Stelle zum ersten mal. Auf Wikipedia heißt es, daß die Wildform dieses Weizens zwar in der Südosttürkei vorkommen würde, daß die domestizierte Form aber (heute?) allein in Georgien, also im Südkaukasus angebaut würde.

Und dennoch wäre sie von den anatolisch-neolithischen Bauern bis an die Obere Moldau mitgebracht worden!?! Obwohl sie selbst in ungünstigen Regionen nur in geringen Anteilen angebaut wurde? Reimt sich das zusammen? Es sei erst einmal nur so hier festgehalten.

Abb. 4: Geographische Regionen in und um Böhmen (aus 2) - Obere Moldau=Upper Vlatava, Egerland=Upper Beounuka

/ Ergänzung 25.7.26: Eine neue Studie geht dem Phänomen des Timopheev-Weizens weiter nach (3):

Populationsgenomische Analysen zeigen eine mosaikartige Haplotypzusammensetzung des domestizierten tetraploiden Timopheev-Weizens, was darauf hindeutet, daß er einst in einem größeren geografischen Gebiet angebaut wurde. Dies wird durch die Entdeckung „fossiler“ Haplotypsegmente in Brotweizen-Landsorten weiter untermauert, die wahrscheinlich von heute ausgestorbenen Populationen des domestizierten Timopheev-Weizens abstammen.

Da deutet sich also an, daß es zu dem Thema künftig noch weitere Erkenntnisse geben könnte. / Dennoch, so die Autoren weiter (2), ...

... war die Besiedlung der Region der Oberen Moldau sehr begrenzt. Bislang wurden lediglich 17 frühneolithische Siedlungen nachgewiesen, die sich größtenteils auf wenige kleine Cluster verteilen; diese orientieren sich an den ökologisch günstigsten Nischen der Region. Paradoxerweise läßt sich eine solche geringe Anzahl durchaus als Siedlungsboom werten, da die nachfolgenden Epochen durch eine noch spärlichere Fundlage gekennzeichnet waren. (...) Ein noch deutlicherer Rückgang der Siedlungsdichte ist in den Regionen der Oberen Moldau für den Zeitraum von ca. 4600 bis 3200 v. Ztr. zu verzeichnen; aus dieser Zeit liegen nur wenige Belege für eine Besiedlung vor. (...) Eine ähnliche Situation ergab sich nach 4600 v. Ztr. im Egerland (in der Region der Oberen Beraun, tschech. Berounka). Obwohl die Anzahl der Fundstellen hier etwas höher ist, erreicht sie dennoch nicht die Dichte, die im Tiefland verzeichnet wurde (Metlička 2015; Neustupný 2013).
The occupation of the Upper Vltava area was very limited. To date, only 17 Early Neolithic settlements have been identified being distributed mostly within afew small clusters that follow the environmentally most convenient niches of theregion. Paradoxically, such low numbers can be considered a settlement boom, asthe following periods were marked by even scantier records. (...) An even more pronounced decrease in settlement den-sity took place in the Upper Vltava regions in c. 4600–3200 BC during which verylittle evidence of occupation is available. (...) A similar situation occurred in the Upper Berounka region after 4600 BC. Although the num-ber of sites is slightly higher here, it still does not reach the density recorded in thelowlands (Metlička 2015; Neustupný 2013).

Daß das Egerland zuvor schon in bandkeramischer Zeit besiedelt worden wäre, dafür scheint es bislang noch weniger Belege zu geben.

Das Wittingauer Becken - Ein Rückzugsort der späten Jäger und Sammler

Nun aber hören wir doch von einigen etwas grundlegenderen neuen Erkenntnissen (2):

Die erst zeitlich versetzt einsetzende Besiedlung der Region der Oberen Moldau durch frühbäuerlicher Gemeinschaften könnte den dortigen Jägern und Sammlern die Möglichkeit geboten haben, ihre Subsistenzweise länger beizubehalten als andernorts. Insbesondere das im östlichen Teil der Region gelegene Wittingauer Becken (Třeboň-Becken), das von zahlreichen Seen früh-postglazialen Ursprungs durchsetzt ist, könnte eine attraktive ökologische Nische für Menschen geboten haben, die an der Lebensweise von Jägern und Sammlern festhielten (Hošek et al. 2019; Ptáková et al. 2023). Besonders gut belegt ist diese späte Präsenz am Schwarzenberg-See: Dort wurden am Ufer bereits elf Lagerplätze identifiziert, und die geschichteten paläoökologischen Befunde aus der Litoralzone sowie aus den Seesedimenten zeugen von einem erheblichen menschlichen Einfluß. Dieser äußert sich unter anderem in periodischen Brandereignissen, die vermutlich darauf abzielten, die Ufervegetation zu beseitigen und so die Bedingungen für Jagd und Sammeltätigkeit zu verbessern. Zudem wurden Makroreste eßbarer Wildpflanzen – von denen einige nicht zur typischen Flora von Seeumgebungen gehören – sowie weitere Pflanzenarten nachgewiesen, die indirekt auf menschliche Aktivitäten hinweisen (Pokorný et al. 2010; Šída und Pokorný 2021).
The delayed arrival of early farming communities in the Upper Vltava region could open a window of opportunity for local hunter-gatherers to retain their subsist-ence practices longer than elsewhere. In particular, the Třeboň Basin, located in theeastern part of the region and scattered with numerous lakes of early post-glacialorigin, might offer an attractive ecological niche for people retaining hunter-gath-erer practices (Hošek et  al. 2019; Ptáková et  al. 2023). Their late presence is best evidenced by Švarcenberk Lake, where eleven campsites have already been identified along the shore, and the stratified palaeoenvironmental records in the littoralzone, as well as in lake sediments, revealed considerable human impact. It involvesperiodic burning events, likely aimed at clearing lake shore vegetation to improvehunting and gathering opportunities. The presence of macroremains from consum-able wild plant species has also been identified, some of which are not indigenous tolake environments, along with other plant species indirectly indicating human activities (Pokorný et al. 2010; Šída and Pokorný 2021). 

Dem wasserreichen Wittingauer Becken (Wiki) sieht man es auf den ersten Blick an (s. Abb. 1), daß sich eine zahlenmäßig größere Fischer-, Jäger- und Sammler-Population in vergleichsweise höherer Siedlungsdichte hier für Jahrtausende ganz gut müßte gehalten haben können. Die Region erinnert vielleicht an die wasserreiche Region der Oberen Theiß und des Körös, wo Genetik der Karpaten-Jäger-Sammler festgestellt worden ist.

Abb. 5: Ankunft der Bandkeramik (aus 2)

Und weiter (2):

Bemerkenswert ist die räumliche Nähe zwischen den Fundplätzen des späten Mesolithikums und jenen der bäuerlichen Bevölkerung im Gebiet der Oberen Moldau. Jäger und Sammler nutzten den Schwarzenberg-See sowie weitere Seen, die unmittelbar an das Siedlungsgebiet der Bauern angrenzten (Einzelheiten siehe Ptáková et al. 2023). Da die beiden Fundplatztypen oft nur wenige Kilometer voneinander entfernt lagen, ist es kaum vorstellbar, daß die jeweiligen Bewohner nichts voneinander wußten. Überraschenderweise liefern die derzeit vorliegenden Daten keine Hinweise auf gegenseitige Beeinflussung; beide Gemeinschaften hielten an ihren jeweiligen Subsistenzstrategien fest. Nicht nur griffen die Bauern kaum auf wildlebende Nahrungsressourcen zurück, auch bei der Herstellung von Steinwerkzeugen und der Rohmaterialbeschaffung zeigten sich Unterschiede. Bereits seit dem frühen Mesolithikum nutzten die Jäger und Sammler der Oberen Moldau überwiegend lokale Materialien zur Herstellung vorwiegend mikrolithischer Werkzeuge (Vencl 2006). Opal, Quarz und andere Materialien, deren Vorkommen bis zu 50 km von den Fundplätzen entfernt lagen, machten 75 bis 90 % des Rohmaterialspektrums an den Lagerplätzen am Švarcenberk-See aus (z. B. Šída 2017; 2021; Šída et al. 2019). Die Bauern hingegen setzten auf nicht-lokale Materialien, die sie zu größeren Klingen verarbeiteten. Diese Materialien wurden vermutlich in Form von Kernen oder Halbfertigprodukten über größere Entfernungen aus benachbarten Regionen herangeführt. Trotz Anzeichen für Rohstoffknappheit - etwa häufige Wiederverwendung und vollständige Ausnutzung der Kerne in den Fundkomplexen der oberen Moldau - gaben die dortigen frühen Bauern dieses Beschaffungssystem nicht auf. Die deutlichen Unterschiede bei den Rohmaterialspektren und der Technologie widerlegen zudem die Hypothese, daß die anthropogenen Aktivitäten im Gebiet des Schwarzenberg-Sees im späten 6. und im 5. Jahrtausend v. Ztr. auf neolithische Gemeinschaften zurückzuführen sein könnten, die saisonal zwischen Ackerbau und Wildbeutertum wechselten.
Archäologische Forschungen haben belegt, daß die Interaktionsformen zwischen Jägern und Sammlern einerseits und Bauern andererseits je nach Region stark variieren konnten (z. B. Allentoft et al. 2024a; Bánffy 2019; Bollongino et al. 2013; Hofmanová et al. 2016; Jones et al. 2017; Shennan 2018; Simões et al. 2024). Insbesondere in Seegebieten konnten Jagd, Sammeln und Fischerei ein langfristig tragfähiges Wirtschaftssystem darstellen, das entweder eigenständig betrieben oder lediglich durch Ackerbau ergänzt wurde (Wieckowska-Lüth et al. 2021). In den Tiefländern, die von der frühen Ausbreitung der Bauern erfaßt wurden, sind Belege für einen engen Kontakt hingegen spärlich (Shennan 2018, S. 82–85); dies steht im Kontrast zur Region der Oberen Moldau. Hier deuten die vorliegenden Daten auf ein getrenntes Nebeneinander von spätmesolithischen Jägern und Sammlern sowie Bauern hin, wobei zu beachten ist, daß viele Anzeichen einer Vermischung aufgrund der lückenhaften archäologischen Überlieferung verborgen geblieben sein könnten. Da beide Gruppen jedoch unterschiedliche ökologische Nischen und Ressourcen der Region nutzten, stand ihre Beziehung wahrscheinlich nicht in Konkurrenz zueinander; vielmehr dürften sie einen dauerhaften *Modus vivendi* gefunden haben, insbesondere als die bäuerliche Bevölkerung in diesem Gebiet nach 5000 v. Ztr. zurückging. Auch wenn der Anteil nicht-lokaler Steinmaterialien bei den Jägern und Sammlern gering war, gelangten diese Objekte auch nach 5200 v. Ztr. in ihren Besitz - zu einer Zeit, als der Transport über Zwischenstationen von weit entfernten Rohstoffvorkommen bis zur Oberen Moldau von den neuen, in ganz Mitteleuropa ansässigen Bauerngesellschaften abhing.
The spatial proximity between the Late Mesolithic and farming-based sites inthe Upper Vltava region is notable. Hunter-gatherers utilized Švarcenberk andother lakes that immediately neighbor the zone occupied by farming-based settle-ments (see Ptáková et al. 2023 for details). The two types of sites were often onlya few kilometers apart, so it is difficult to imagine that their inhabitants would beunaware of each other. Surprisingly, there is no evidence in the currently availabledata for mutual influences; both communities adhered to their subsistence strategies.Not only did farmers make minimal use of wild food resources, but differences canalso be observed in the techniques and procurement of raw materials for stone tools. Since the Early Mesolithic, hunter-gatherers of the Upper Vltava region utilized alarge portion of local materials to produce mostly microlithic tools (Vencl 2006).Opal, quartz, and other materials, which outcrop up to 50 km from the site, cre-ate between 75 and 90% of the spectra at Švarcenberk campsites (e.g., Šída 2017;2021; Šída et al. 2019). Farmers, on the other hand, relied on non-local materials,which they chipped into larger blades. These materials should have been imported inthe form of cores or semi-products over larger distances from neighboring regions.Despite signs of material shortages, such as frequent reutilization and total extrac-tion of cores identified in Upper Vltava assemblages, local early farmers did notabandon this procurement system. The sharp difference in raw material spectra and technology also refutes the hypothesis that the late sixth and fifth millenniumanthropic activities around Švarcenberk Lake could refer to Neolithic communities,which might have altered between farming and foraging on a seasonal basis.Archaeological research has documented that the ways in which hunter-gather-ers and farmers interact might considerably differ region by region (e.g., Allentoftet  al. 2024a; Bánffy 2019; Bollongino et  al. 2013; Hofmanová et  al. 2016; Joneset al. 2017; Shennan 2018; Simões et al. 2024). Especially in lake zones, hunting,gathering, and fishing could prove a long-term sustainable economic system prac-ticed independently or just supplemented by agriculture (Wieckowska-Lüth et  al.2021). Nevertheless, in the lowlands reached by the early expansion of farmers, evi-dence for close contact is sparse (Shennan 2018, pp. 82–85), which contrasts withthe Upper Vltava region. Here, the available data point to the separate co-existenceof Late Mesolithic hunter-gatherers and farmers, but it should be noted that manyattributes of mingling may remain hidden due to the scarcity of the archaeologicalrecord. Still, as both groups utilized the different ecological niches and resources ofthe region, their relationship was likely not competitive, and they might have estab-lished a sustainable modus vivendi, especially when the farming population in thearea declined after 5000 BC. Although  the proportion of non-local stone materi-als among hunter-gatherers was minor, these objects had to find their way into theirhands even after 5200 BC, when the down-the-line transport from distant outcropsto the Upper Vltava relied on the new farmer societies settled throughout central Europe. 

Mit solchen Studien werden also die späten Jäger und Sammler Mitteleuropas, die zur Ethnogenese zahlreicher mittel- und spätneolithischer Völker und Kulturen maßgeblich beigetragen haben, nach und nach besser faßbar. Man erkennt: Die Archäologen tasten sich langsam - weiterhin noch sehr langsam - Schritt für Schritt an die Thematik dieser in Randregionen fortlebenden Jäger-Sammler-Populationen heran.

Wir möchten allerdings meinen, daß die neuen mittel- und spätneolithischen Kulturen des böhmischen Raumes, die aus der Vermischung zwischen Bandkeramikern und Jägern und Sammlern entstanden, eher im Karpatenraum entstanden sind, wo es womöglich noch volkreichere Jäger-Sammler-Stämme gegeben haben könnte als an der Oberen Moldau und im Böhmerwald. Aber diesbezüglich gibt es noch viele weiße Flecken auf unserer Wissenslandkarte.

Böhmen ab 3.000 v. Ztr.

Zur Zeit der Ankunft der Indogermanen in Mitteleuropa ab 2.900 v. Ztr. gab es dort neben der ostmitteleuropäischen Kugelamphorenkultur und der nordeuropäischen Trichterbecherkultur noch zahlreiche weitere spätneolithische "Regional-Kulturen", in Böhmen insbesondere die Řivnáč-Kultur (2.900 bis 2.400 v. Ztr.) (Wiki), in Ostbayern und im heutigen deutschsprachigen Alpenraum bis nach Nordtirol hinein gab es die Chamer Kultur (3.500-2.400 v. Ztr.) (Wiki). 

Abb. 6: Die Ankunft der Indogermanen in Böhmen und Mitteleuropa - "SGR burials" = Schnurkeramiker/Glockenbecherleute (aus 2)

Hier auf dem Blog hatten wir darüber schon anhand der aufregenden archäogenetischen Böhmen-Studie aus dem Jahr 2021, auf die auch im ersten hier gebrachten Zitat insbesondere Bezug genommen war, festgehalten (Stg2021):

Die Forscher vermuten, daß Böhmen zur Zeit der Ankunft der Schnurkeramiker zeitgleich besiedelt wurde einerseits von Gruppen der Kugelamphoren-Kultur und anderseits von Menschen der Řivnáč-Kultur. Beide Gruppen unterschieden sich nicht nur kulturell, sondern auch genetisch voneinander. Als Ausnahme fand sich ein sequenziertes Individuum bestattet im Kontext von Řivnáč-Kultur, trug aber in sich die Genetik der Kugelamphoren-Kultur.

Über die Řivnáč-Kultur hatten wir aus der 2021-Böhmen-Studie unter anderem die Worte zitiert (Stg2021):

Sie trat hauptsächlich in Mittelböhmen auf, aber auch in Nordwestböhmen und vereinzelt auch in Ostböhmen. In West- und Südböhmen gab es eine mit Řivnáč zeitgenössische Chamer Kultur.

Die Indogermanen treten nun als Schnurkeramiker auf ab 2.880 v. Ztr. an der Oberen Elbe, ab 2.700 v. Ztr. an der Oberen Donau und ab 2.500 v. Ztr. in Mähren (Abb. 6). Darüber wird ausgeführt (1):

Die Regionen Süd- und Westböhmens liefern nur wenige Hinweise auf eine Besiedlung während des Großteils des 4. Jahrtausends v. Ztr., doch gegen dessen Ende nimmt die Zahl der Fundplätze deutlich zu (John 2021; Metlička 2015). Sie werden den Kulturen von Řivnáč und Cham zugeordnet.

Das hieße also: Die Řivnáč-Kultur hätte sich von Mittelböhmen aus nach Westen ausgebreitet und die Chamer Kultur hätte sich von Ostbayern aus nach Böhmen ausgebreitet. Und weiter (1):

Sie waren Teil eines umfassenderen mitteleuropäischen Horizonts des Spätneolithikums, der durch gemeinsame Keramikmerkmale - wie etwa aufgerauhte Oberflächen oder plastische Leisten - sowie durch Siedlungen mit Grubenhäusern ("semi-sunken houses") gekennzeichnet war; diese Siedlungen waren häufig befestigt und lagen an exponierten Stellen, meist auf felsigen Kuppen oder Geländespornen über Flüssen (z. B. Bogner 2017; Engelhardt 2002; Gohlisch & Reisch 2001; Medunová 1977; Zápotocký & Zápotocká 2008; Zuber 2019). Aus Westböhmen sind fast 80 solcher Fundplätze bekannt, aus Südböhmen etwa zehn (John 2010; 2021). Im Einklang mit dem allgemeinen zeitlichen Rahmen der Řivnáč- und Cham-Kulturen in Böhmen wurden sie zunächst in den Zeitraum 3200–2800/2700 v. Ztr. datiert (Zápotocký 2013). Erst durch Radiokarbondatierungen - bei denen häufig Makroreste von Kulturpflanzen untersucht wurden - konnte nachgewiesen werden, daß die Gemeinschaften in Süd- und Westböhmen diese Siedlungsplätze weiterhin bewohnten und die Keramiktradition bis mindestens 2400 v. Ztr. fortführten. Dies ist ein um etwa drei Jahrhunderte längerer Zeitraum als in den benachbarten Regionen Mittelböhmen, Ostbayern und Mähren (Vondrovský et al., im Druck). Das Fortbestehen der Traditionen von Höhensiedlungen ging mit einer nur geringfügigen Integration neuer materieller Elemente einher - vor allem Schaftlochäxte und schnurverzierte Becher -, die im frühen 3. Jahrtausend v. Ztr. vorwiegend in Einzelgrabfeldern in ganz Mitteleuropa aufkamen.

Und zwar eben von Seiten des indogermanischen „Schnurkeramik-Volkes“. 

Die Frankenalp ab 3000 v. Ztr.

Wir lesen weiter (1):

Manche Gruppen nahmen diese Neuerungen nur zögerlich an oder lehnten sie weitgehend ab. In Süd- und Westböhmen fehlen nennenswerte Belege für dieses materielle Repertoire und für Einzelgräber, obwohl entsprechende Gräberfelder in den nordwestlichen und zentralen Gebieten Böhmens bereits ab 2900 v. Ztr. nachweisbar sind (Dobeš et al. 2021). Aus kulturhistorischer Sicht galten Süd- und Westböhmen während der Zeit der Schnurkeramik somit als weitgehend unbesiedelt (Menšík 2017). Die materiellen Hinterlassenschaften der Schnurkeramik sowie der späteren Glockenbecherkultur beschränken sich in diesen Regionen auf wenige isolierte Keramikfragmente und Streufunde von Streitäxten (John 2021; Metlička et al. 2007). (...) Ein Fall ist aufschlußreich: Ein typischer Streitaxtkopf von der Höhensiedlung Stupno-Břasy deutet darauf hin, daß den westböhmischen Höhensiedlungsgemeinschaften die neuen materiellen Ausdrucksformen, wie sie auf Gräberfeldern der Nachbarregionen auftraten, durchaus bekannt waren.
Vom späten 4. bis zum frühen 3. Jahrtausend v. Ztr. nahm auch im Gebiet der nördlichen Frankenalb (Bayern) die Intensität der Besiedlung und Landnutzung zu (Fuchs et al. 2011; Kothieringer et al. 2023; Pechtl 2024). Spätneolithische Kulturgruppen (Bernburg - Burgerroth - Cham - Goldberg III - Wartberg) bestanden hier bis weit in das 3. Jahrtausend hinein fort (Übersicht bei Nadler 2023, 912-25). So erbrachten beispielsweise Ausgrabungen in Voitmannsdorf-Stroholz eine Höhensiedlung mit einem charakteristischen Keramik- und Steinartefaktinventar, das keine eindeutigen Elemente der Schnurkeramik aufwies - und dies, obwohl eine Radiokarbondatierung an einem Tierknochen eine Besiedlung bis mindestens 2600-2300 v. Ztr. belegte (Dürr et al. 2004). Zu diesem Zeitpunkt waren die Erscheinungsformen der Schnurkeramik (insbesondere durch charakteristische Bestattungen) im benachbarten Flachland bereits fest etabliert (Seregély 2008; Ullrich 2008; Vondrovský et al. i. Vorb.), und im Nordwesten Bayerns traten um 2550 v. Ztr. erste Inventare der Glockenbecherkultur auf (Ullrich 2008). In dieser Zeit setzten die Gemeinschaften im Norden der Fränkischen Alb zudem die lokale Tradition der Höhlenbestattungen fort, die bis in das Mesolithikum und das frühe Neolithikum zurückreicht (Richter 2023, 669–72; Seregély 2012). In der Kirschbaumhöhle wurden im Zeitraum von 2900 bis 2600 v. Ztr. menschliche Körper niedergelegt (Seregély et al. 2015).
Andere Fundplätze zeugen jedoch von einer gewissen Integration von Objekten und materiellen Ausdrucksformen der Schnurkeramik-Kultur. Diese wurden in der Fränkischen Alb vereinzelt in eher ungewöhnlichen Kontexten dokumentiert, etwa an Felsüberhängen und an markanten Felsformationen (Falkenstein 2012). Eine faszinierende Mischung kultureller Elemente zeigt sich in Wattendorf-Motzenstein, einer zwischen 2630 und 2470 v. Ztr. besiedelten Fundstelle. Obwohl der Platz als Beispiel für eine Siedlung der Schnurkeramik-Kultur angeführt wird (Müller & Seregély 2008; Seregély 2008), weist er wesentliche Merkmale des späten Neolithikums auf: eine Höhenlage sowie Grubenhäuser. Elemente der Schnurkeramik manifestierten sich dennoch in der Keramik, sowohl in Hinsicht auf ihren Stil als auch in Hinsicht auf ihre Herstellungstechnik. In dieser Hinsicht weist die Fränkische Alb Parallelen zu einigen Fundorten entlang der Westgrenze der Verbreitung der Schnurkeramik im Alpenvorland auf, wo schnurverzierte Keramik in die Traditionen der dortigen Seeufersiedler integriert wurde (Suter 2017). Es ist jedoch darauf hinzuweisen, daß eine chronologische Überschneidung von Fundkomplexen des Spätneolithikums und der Schnurkeramik für Süddeutschland allgemein anerkannt ist (Dunne et al. 2023; Furholt 2003) und eine vergleichbare Vermischung gut belegt ist für Burgerroth, etwa 80 km südwestlich der Fränkischen Alb - eine befestigte Höhensiedlung, die bis ins 26. Jahrhundert besiedelt war (zuletzt Link 2025). Die Fränkische Alb ist somit am besten als räumlich spezifisches Beispiel für Prozesse zu verstehen, die sich im 3. Jahrtausend in einem größeren Gebiet der deutschen Mittelgebirge abspielten (Drummer 2025).

Am Hohlen Stein bei Bad Staffelstein wurden ja auch Schnurkeramiker zusammen mit Wildpferden bestattet, und zwar auch eher in einer abgelegenen Höhenlage (s. Stg2021).

Insgesamt wird ein vergleichsweise vielfältiges kulturelles Nebeneinander deutlich sowohl im Frühneolithikum wie auch im Spätneolithikum in Mitteleuropa. Menschen und Kulturen sehr unterschiedlicher genetischer und kultureller Herkunft trafen aufeinander und lebten Jahrzehnte und Jahrhunderte nebeneinander her.

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  1. Václav Vondrovský: Not just a Single Story: Conceptualising the Diversity of Neolithic Lifeways in Central Europe. Proceedings of the Prehistoric Society (2026), Juni 2026, 1–15 (Resg26
  2. Rethinking Key Transformations in the Neolithic and Bronze Age Central Europe: A Radiocarbon Modeling Approach. Václav Vondrovský, Václav Hrnčíř, Daniel Hlásek ... Michaela Ptáková. Journal of Archaeological Research 34(2):1-58, December 2025 (Resg25)
  3. Evolutionary dynamics of the Timopheevii wheat lineage. Laxman Adhikari, Emile Cavalet-Giorsa, Michael Abrouk, Dal-Hoe Koo, Samara Correia de Lemos, Thomas Lux, Georg Haberer, Vitaly Portnoy, Adil Salhi, Xin Gao, Péter Mikó, István Molnár, Nathalie Rodde, John Raupp, Hakan Özkan, Manuel Spannagl, Nadia Kamal, Assaf Distelfeld, Jesse Poland, Simon Krattinger. bioRxiv 2026.07.20.739399; doi: https://doi.org/10.64898/2026.07.20.739399 (bioRxiv2026)

Samstag, 19. August 2023

Ötzi - Der "letzte Antatolier"

Der Ötzi war einer der letzten Menschen mit ziemlich reiner anatolisch-neolithischer Herkunft (3.200 v. Ztr.)
- Er war Repräsentant von Relikt-Bevölkerungen in den Alpen
- In seiner Heimatgegend hatte man sich die Genetik der bäuerlichen Vorfahren aus dem Frühneolithikum bewahrt

Durch die Fortschritte in der Archäogenetik der letzten Jahre sehen wir immer deutlicher: Völkergeschichte kennt über viele Jahrtausende hinweg Relikt-Bevölkerungen, "Letzte ihrer Art", die noch in abgelegenen Rückzugsgebieten leben, während sich die Bevölkerung rund um sie herum kulturell und genetisch mehrheitlich schon sehr deutlich weiter entwickelt hat. Diese Relikt-Bevölkerungen können entweder in der Folge aussterben oder aber auch beträchtlichen Einfluß nehmen auf die Ethnogenese neuer Völker.

Abb. 1: Der Ötzi und der Broion-Mensch als Repräsentanten von Relikt-Bevölkerungen in Rückzugsgebieten in der Kupferzeit, bzw. im Spätneolithikum (aus 1)

So haben Jahrhunderte und Jahrtausende lang die Nachkommen europäischen Fischer, Jäger und Sammler des Mesolithikums unvermischt an Meeres-, See- und Flußufern, sowie in Höhenlagen der Mittelgebirge und der Alpen Europas, sowie auf den britischen Inseln weiter gelebt, während die fruchtbaren Schwarzerdeböden rund um diese Rückzugsräume herum auf dem Kontinent schon lange von Bauern anatolisch-neolithischer Herkunft besiedelt waren.

Und so haben auch Nachkommen der ursprünglichen anatolisch-neolithischen Bauern des Frühneolithikums noch unvermischt Jahrhunderte und Jahrtausende lang in Rückzugsgebieten weiter gelebt, während rund um sie herum längst Menschen neuer Genetik und Kultur entstanden waren, nämlich die typischen Menschen des Mittelneolithikums mit einem erneut erhöhten Anteil einheimischer Fischer-, Jäger- und Sammler-Genetik.

Abb. 2: Die Geschichte der Herkunftsgruppen in Italien (aus: "Research in Estonia" 2021, pdf, bzw. Physics2021) (Grafik erstellt von Eugenio Israel Chávez Barreto)

Daß letzteres der Fall gewesen ist, zeigte sich schon verschiedentlich in archäogenetischen Studien zu den Epochen nach der Ankunft der Steppengenetik in Europa, also nach 2.900 v. Ztr.. So etwa in einer Studie zur Archäogenetik der bronzezeitlichen Schweiz, zu der wir festhielten (Stgen2021):

Noch fast 1000 Jahre nach der Zuwanderung der Indogermanen in die Schweiz findet man hier nämlich männliche Indogermanen verheiratet mit einheimischen Frauen, die immer noch die typische reine europäische mittelneolithische genetische Signatur aufweisen. Entweder stammen diese Frauen also aus Unterschichten, die sich in den bisherigen Gräbern sonst gar nicht finden. Oder sie stammen aus entlegenen Alpentälern, in die sich die Indogermanen erst sehr spät eingemischt haben.

Es traten hier immer wieder Menschen auf, die aus Verbindungen hervorgegangen waren mit Menschen recht ursprünglicher, sprich mittelneolithisch-europäischer Genetik. Insbesondere hatte man solche im Alpenraum vermuten müssen. Und - sicherlich auch auf der Suche nach ihnen - sind die Gene des berühmten Ötzi (Wiki), der Eismumie aus Südtirol, neu sequenziert worden (1).

Der Ötzi liefert einmal erneut auffallendste Erkenntnisse

Überraschenderweise zeigt sich aber, daß seine Genetik nicht einmal nur rein "mittelneolithisch" war, sondern viel eher der "frühneolithischen" nahe stand.

Ötzi hat zwischen 3350 und 3120 v. Ztr. gelebt, das heißt, in der Zeit vor der Ankunft der Steppengenetik in Mitteleuropa und in den Alpen. Diese Ankunft wird grob erst auf 2900 v. Ztr. datiert und ist erst in den letzten Jahren durch die Archäogenetik besser verstanden worden (Stgen2021).

Ötzi hatte nach dieser neuen Studie 91,4 % anatolisch-neolithische Genetik und 8,6 % westeuropäische Jäger-Sammler-Genetik (1).

Abb. 3: Die Höhlen von Broion, gelegen in einem der südlichsten Ausläufer der Alpen (Unimore.it)

Es gibt noch ein weiteres Individuum ähnlicher Zeitstellung, ebenfalls grob aus dem Alpenraum, das eine noch überraschend geringere Jäger-Sammler-Beimischung aufwies, also eine solche, die eher typisch war für das Frühneolithikum. Dieses Individuum wurde gefunden in einer Höhle genannt "Grottina dei Covoloni del Broion" (3) im Monte Brosimo bei Lumignano (s. a. Wiki), grob auf der Hälfte des Weges zwischen Garda-See (im Westen) und Venedig (im Osten), 80 Kilometer östlich des Gardasees und 60 Kilometer westlich von Venedig, außerdem zwischen Verona und Padua, die ebenfalls auf dem Weg liegen (GMaps). Die Autoren schreiben (1):

Nur Individuen aus dem kupferzeitlichen Broion in Italien, die südlich der Alpen gefunden wurden, weisen eine ähnlich niedrige Jäger-Sammler-Abstammung auf wie der Mann aus dem Eis. Wir kommen zu dem Schluß, daß sowohl der Mann aus dem Eis als auch der Mann aus Italien_Broion_CA.SG Vertreter spezifischer Chalkolithikum-Gruppen sein könnten, die höhere Anteile frühneolithischer bäuerlicher Genetik aufweisen als jede andere zeitgenössische europäische Gruppe. Dies könnte auf einen geringeren Genfluß aus Gruppen hinweisen, die stärker mit Jägern und Sammlern vermischt sind, oder auf eine geringere Populationsgröße von Jägern und Sammlern in dieser Region im 5. und 4. Jahrtausend v. Ztr..
Only individuals from Italy_Broion_CA.SG found to the south of the Alps present similarly low hunter-gatherer ancestry as seen in the Iceman.21 We conclude that the Iceman and Italy_Broion_CA.SG might both be representatives of specific Chalcolithic groups carrying higher levels of early Neolithic-farmer-related ancestry than any other contemporaneous European group. This might indicate less gene flow from groups that are more admixed with hunter-gatherers or a smaller population size of hunter-gatherers in that region during the 5th and 4th millennium BCE.

In der Tat werden ja den Jägern und Sammler des Alpenraumes nach der Neolithisierung der Alpentäler, unter denen auch die größeren noch vergleichsweise schmal sind, nur noch vergleichsweise wenig Rückzugsräume geblieben sein. Und weiter (1):

Wir schätzten das Vermischungsdatum zwischen frühneolithischen, bauernbezogenen (unter Verwendung von Anatolia_N als Stellvertreter) und WHG-bezogenen Abstammungsquellen unter Verwendung von DATES22 auf 56 ± 21 Generationen vor dem Tod des Mannes aus dem Eis, was 4880 ± 635 kalibrierter v. Ztr. unter der Annahme von 29 Jahren pro Jahr entspricht Generation. (...) Im Vergleich mit dem Zeitpunkt der Vermischung zwischen frühneolithischen Bauern und Jägern und Sammlern in anderen Teilen Südeuropas, beispielsweise in Spanien und Süditalien, stellten wir fest, daß insbesondere die Vermischung mit Jägern und Sammlern, wie sie beim Mann aus dem Eis und in Italy_Broion_CA.SG zu sehen ist, neueren Datums ist, was auf ein möglicherweise längeres Überleben von Jäger-Sammler-Vorfahren in dieser geografischen Region schließen läßt.
We estimated the admixture date between the early Neolithic-farmer-related (using Anatolia_N as proxy) and WHG-related ancestry sources using DATES22 to be 56 ± 21 generations before the Iceman’s death, which corresponds to 4880 ± 635 calibrated BCE assuming 29 years per generation. (...) While compared with the admixture time between early Neolithic farmers and hunter-gatherers in other parts of southern Europe, for instance in Spain and southern Italy, we found that, particularly, the admixture with hunter-gatherers as seen in the Iceman and Italy_Broion_CA.SG is more recent (Figure 3B; Table S3), suggesting a potential longer survival of hunter-gatherer-related ancestry in this geographical region.

Das genannte Datum würde auf die Zeit des Untergangs der Bandkeramik hindeuten, auf den Beginn des Mittelneolithikums. Welche Vorgänge genauer dafür verantwortlich waren, wird man beim gegenwärtigen Zeitpunkt nur erahnen können. Denn die Neolithisierung des Alpenraumes erfolgte ja eigentlich erst ab 4.300 bis 4.100 v. Ztr. im Rahmen der sogenannten "tertiären Neolithisierung" (Stgen2011).

Abb. 4: Neolithische Kulturen in der Schweiz (Stöckli1995) - "Cortaillod" sind auch bäuerliche Kulturen

Und sie dürfte vom Süden her von vergleichsweise anderen Kulturen erfolgt sein als von Norden her, wobei sich die Genetik nicht sehr stark unterschieden haben braucht.

Auf jeden Fall ist nichts naheliegender als ein längeres Überleben von Jägern und Sammlern im Alpenraum. Etwas ähnliches sehen wir ja auch beispielsweise in den Karpaten oder im Ostseeraum. Von dieser Perspektive her, würde das Vermischungsereignis unter den Vorfahren des Ötzi sogar vergleichsweise früh gelegen haben. 

Auf Verbreitungskarten - beispielsweise zur Neolithisierung der Schweiz (Abb. 4) - sieht man deutlich, daß weite Gebiete der Zentralalpen über Jahrtausende hinweg offenbar nicht von bäuerlicher Bevölkerung besiedelt waren. Nur bäuerliche Kulturen sind überhaupt eingetragen und wurden bislang überhaupt behandelt für diese Zeiträume von Seiten der Forschung (5). Vielleicht deuten diese Ausführungen auf eher ursprüngliche Bevölkerungen (5):

Eine spezielle Problematik zeigt die Nordschweiz und das mittlere Juragebiet, wo viele Fundkomplexe mit zahlreichen sogenannten Dickenbännlispitzen bekannt sind, aber kaum Keramikscherben enthalten. Die Dickenbännlispitzen sind nach Vergleichsfunden in der Ostschweiz ab etwa 4500 v.Chr. bis ins 4. Jahrtausend v. Chr. zu datieren. Kulturell war das Gebiet nach Mitteleuropa ausgerichtet.

Vielleicht stammt Ötzi von Populationen ab, die ursprünglich am Rande der Alpen gelebt haben (so wie auch der Mann von Broion), und die sich dann von dort aus weiter in die Alpen hinein ausgebreitet haben während des 5. und/oder 4. Jahrhunderts v. Ztr.. Wir lesen (4):

Vielleicht blieben in der Bergregion beide Gruppen (Bauern und Jäger und Sammler) länger unter sich als anderswo in Europa.

Es ist ja auch auffallend genug, daß Ötzi selbst eher die Lebensweise von Jägern und Sammlern gelebt hat in den Zentralalpen, dabei er aber in stetiger Verbindung mit bäuerlichen Kulturen in den Tälern stand.

 Abb. 6: Rekonstruktion der Ötzi-Mumie, Vorgeschichtliches Museum Quinson, Provinz Alpes-de-Haute, Frankreich 2011 (Wiki) (Fotograf: "120")

Auf jeden Fall haben wir jetzt mit dem Ötzi einen Menschen vor uns, der mehr als alle anderen Funde und Befunde bisher als gültiger Repräsentant des Phänotyps der anatolisch-neolithischen Bauern gelten darf. Wir lesen (2):

Ötzi hatte eine noch dunklere Haut als bisher angenommen. „Es ist der dunkelste Hautton, den man in europäischen Funden aus derselben Zeit nachgewiesen hat“, erklärt Co-Autor Albert Zink vom Institut für Mumienforschung bei Eurac Research in Bozen. Ötzis Haut war demnach stärker pigmentiert als die der heutigen Bewohner Sardiniens oder andere Mittelmeerpopulationen. Das wirft auch ein neues Licht auf die Mumie des Gletschermannes: „Man dachte bisher, die Haut der Mumie sei während der Lagerung im Eis nachgedunkelt, aber vermutlich ist, was wir jetzt sehen, tatsächlich weitgehend Ötzis originale Hautfarbe“, sagt Zink. „Dies zu wissen, ist natürlich auch wichtig für die Konservierung.“ 
Die bisherige Vorstellung zum Aussehen von Ötzi stimmen offenbar auch in Bezug auf die Haare nicht: Bisherige Rekonstruktionen zeigten den Gletschermann immer mit langem, leicht gewelltem braunen Haupthaar und einem dichten Bart. Doch eine mit frühem Haarverlust verknüpfte Genvariante in seinem Genom legt nun nahe, daß Ötzi zum Zeitpunkt seines Todes wahrscheinlich eine Glatze oder höchstens noch einen schütteren Haarkranz besaß. „Das ist ein relativ eindeutiges Ergebnis und könnte auch erklären, warum bei der Mumie fast keine Haare gefunden wurden“, sagt Zink. Ein erhöhtes Risiko für Übergewicht und Diabetes Typ 2 lag ebenfalls in Ötzis Erbanlagen, kam jedoch dank seines gesunden Lebensstils wahrscheinlich nicht zum Tragen. (...) 
„Die Genomanalysen enthüllten phänotypische Merkmale wie eine starke Hautpigmentierung, dunkle Augenfarbe und männliche Glatzenbildung, die in starkem Kontrast zu früheren Rekonstruktionen stehen“, sagt Krause. (...) Elisabeth Vallazza, Direktorin des Südtiroler Archäologiemuseums, in dem eine auf den früheren Erkenntnissen basierende Rekonstruktion steht, kommentiert dazu: Bei der im Museum ausgestellten Ötzi-Figur stehe ein anderer Aspekt im Vordergrund: „Es ging dabei vor allem darum, zu zeigen, daß Ötzi ein moderner Mensch war: mittleren Alters, tätowiert, drahtig, wettergegerbt, ein Mensch wie du und ich“, so Vallaza. Eine Überarbeitung der Rekonstruktion sei derzeit nicht vorgesehen.

Ötzi war uns modernen Menschen also fremder als bislang angenommen. So wie der Menschentyp der Bandkeramiker auch und so wie der Menschentyp der antolisch-neolithischen Völkergruppe. Dieser Menschentyp ist heute ausgestorben. Seine Herkunft ist aber heute im Mittelmeer-Raum noch am häufigsten vertreten, vermischt mit Steppen-Genetik, sowie westeuropäischer Jäger-Sammler-Genetik. Wir lesen (4):

Vergleiche (zum Ötzi) sind rar, denn aus dem Alpenraum sind nur wenige Gendaten der Jungsteinzeit bekannt. Diese Lücke wollen die Forscherinnen und Forscher um Zink bald füllen. "Wir arbeiten gerade an der Untersuchung von Skelettfunden aus dem Raum Südtirol/Trentino, aus dem Neolithikum bis zur Bronzezeit", berichtet Zink. "Wir erhoffen uns dadurch ein besseres Verständnis, ob Ötzi ein typischer Vertreter seiner Zeit war (also innerhalb des Alpenraumes) oder sich von anderen Individuen unterschied."

Ergänzung 22.8.23: Der "Mann aus dem Eis" könnte also auch schon zu seiner Zeit - rein phänotypisch - einer Minderheitenbevölkerung angehört haben und ist womöglich sogar schon deshalb als gesellschaftlicher "Außenseiter" verfolgt worden.

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  1. Ke Wang, Kay Prüfer, Ben Krause-Kyora, Albert Zink, Stephan Schiffels, Johannes Krause u.a.: High-coverage genome of the Tyrolean Iceman reveals unusually high Anatolian farmer ancestry. Cell Genomics 16. August 2023, DOI:https://doi.org/10.1016/j.xgen.2023.100377, https://www.cell.com/cell-genomics/fulltext/S2666-979X(23)00174-X
  2. Nadja Podbregar: „Ötzi“ hatte dunkle Haut und kaum noch Haare (BdW 2023)
  3. Tina Saupe, Francesco Montinaro u.a. (Christiana L. Scheib): Ancient genomes reveal structural shifts after the arrival of Steppe-related ancestry in the Italian Peninsula. In: Current Biology 2021 https://www.cell.com/current-biology/fulltext/S0960-9822(21)00535-2
  4. Karin Schlott (Spektrum 2023
  5. Stöckli, Werner E.: "Neolithikum", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 07.09.2010. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/008012/2010-09-07/, konsultiert am 19.08.2023.

Samstag, 28. August 2021

Das farbenprächtige Bild der Völkergeschichte Böhmens

4.900 bis 2.100 v. Ztr.
- Die Archäogenetik entdeckt viele "funkelnde" Details zur Völkergeschichte Böhmens im 4. und 3. Jahrtausend v. Ztr.

Um so genauer die Archäogenetik die genetischen Herkunftsgruppen von Menschen unterschiedlicher kultureller Zugehörigkeit in einer bestimmten Epoche aufschlüsselt, um so Genaueres erfährt man dann auch über jene - oft recht unterschiedlichen - Herkunftsgruppen, von denen diese abstammen, und auf die die Forschung bislang noch gar nicht ausreichend aufmerksam geworden sein muß.

Abb. 1: Der Widder von Jordansmühl (Wiki), Schlesien, etwa 4.000 v. Ztr., gefunden 1925 - Er ist mit Strichmustern verziert (weitere Abbildungen: hier

So auch in der allerneuesten archäogenetischen Studie (1). Sie nimmt die Geschichte der mittel- und spätneolithischen Kulturen, sowie der frühbronzezeitlichen Indogermanen im Raum der Tschechei, bzw. von Böhmen in den Blick: Zu 65 archäogenetisch schon früher untersuchten Skelettresten kommen mit ihr nun weitere 206 neu untersuchte hinzu. 

Dieser genauere, tiefenschärfere Blick erlaubt nun Schlußfolgerungen auf die sehr unterschiedlichen Herkunftsanteile der sehr unterschiedlichen Völker, die diesen Raum - nacheinander - besiedelt haben. Es treten dabei Herkunftsgruppen in das Licht der Aufmerksamkeit, die zuvor nur wenig Beachtung gefunden hatten. Gehen wir die Ergebnisse im einzelnen durch.

1. Die prächtige Jordansmühler Kultur (4.300 bis 3.900 v. Ztr.)

Zunächst gibt es da hochinteressante Einblicke in eine archäologische Kultur, in die Geschichte eines Volkes, das bislang vermutlich noch viel zu wenig Bekanntheit erlangt hatte. Nach dieser Studie hatte die in Böhmen auf die Bandkeramik folgende Stichbandkeramik (4.900 bis 4.500 v. Ztr.) (Wiki) noch so gut wie keinen Anstieg in ihrer westeuropäischen Jäger-Sammler-Herkunft erfahren, die ansonsten so typisch ist für das Mittelneolithikum Mitteleuropas (und ebenso typisch ist schon für das Frühneolithikum Frankreichs). Auch nach dem Untergang der Bandkeramik blieb also im böhmischen Raum zunächst die bisherige genetische Kontinuität gewahrt. Die Stichbandkeramiker waren der Genetik nach - und damit womöglich auch der Sprache nach (?) - "Bandkeramiker".

Aber auf die Stichbandkeramik folgte ab 4.300 v. Ztr. die Jordansmühler Kultur (4.300 bis 3.900 v. Ztr.) (Wiki). Dies ist eine Kultur, die nach einer Ortschaft in Niederschlesien benannt worden ist. Dort hatte der Leiter des archäologischen Museums Breslau, ein Hans Seger (1864-1943) (Wiki), 1906 Grabungen unternommen. Er war es, der dieser Kultur den Namen gab. Wenn wir die Ergebnisse der neuen Studie zur Kenntnis nehmen (1), können wir nun wohl - plausibler Weise - sagen, daß diese Kultur sich aus der heutigen Slowakei (Mähren) heraus nach Böhmen (Prager Umland), Schlesien und Sachsen (Dresdener Umland) ausgebreitet haben wird und dabei die Menschen der Stichbandkeramik mehr oder weniger genetisch "ersetzt" hat.

Dies kann womöglich aus ihrer sehr spezifischen Jäger-Sammler-Herkunftskomponente (1, Figure 3B) abgelesen werden. Denn (erst!) mit ihr wuchs die Herkunftskomponente der westeuropäischen Jäger-Sammler innerhalb der mittelneolithischen Kulturen Böhmens von 8 auf knapp 20 Prozent an. Der Anstieg erfolgte klar und eindeutig am Übergang von der Stichbandkeramischen zur Jordansmühler Kultur (1, Figure 3A). Aus genetischer Sicht erfolgte also der Untergang der Bandkeramik in Böhmen nicht um 4.900 v. Ztr. - wie in vielen anderen Teilen Europas - sondern erst um 4.300 v. Ztr.. Das sind immerhin sechshundert Jahre später. Vielleicht wird man künftig sagen können: In Böhmen lebten die letzten Bandkeramiker.

Danach aber - und während des ganzen 4. Jahrtausends - blieb diese westeuropäische Jäger-Sammler-Herkunftskomponente im böhmischen Raum (wie wohl auch sonst in Europa) in etwa in gleicher Größe erhalten, bzw. sie stieg nur noch leicht auf 23 Prozent an. Und das, obwohl es einen vergleichsweise reichen Wechsel von Völkern und Kulturen gab.*) 

Wie ging das zu? Zunächst: Das Volk der Jordansmühler Kultur macht durch eindrucksvolle kulturelle Hinterlassenschaften auf sich aufmerksam. Es hat - zumindest zum Teil - Höhensiedlungen bewohnt. Vielleicht als Nachklang des Lebensraumes jener Jäger und Sammler, von denen diese Kultur abstammte. Sie mögen während der Ausbreitung der anatolisch-neolithischen Bauernkultur in die Höhenlagen der Mittelgebirge abgedrängt worden sein.

Die Menschen dieser Kultur schufen sich formschöne Keramik (Wiki). Vor allem aber entstammt ihrer Kultur jene prächtige, stolze, urwüchsige Widder-Figur, die 1925 bei Jordansmühl in Niederschlesien gefunden worden ist, und die seither das Wappen der Stadt schmückt (Abb. 1). (In der Studie wird diese Kultur übrigens polnisch "Jordanów-Kultur" genannt.)

(Nachtrag, 20.4.23: Vergleichbare, "fest in die Erde gewurzelte" Stier-Figuren gibt es auch aus der zeitgleichen Cucuteni-Kultur im Osten der Karpaten. Gegenseitige kulturelle Einflüsse zwischen beiden Kulturen - bzw. parallele, ähnliche Kulturentwicklung aus der Bandkeramik heraus in beiden Kulturen - wird man für naheliegend erachten können.)

Abb. 2: Jordansmühler Kultur, Landkreis Görlitz (aus 5, S. 166)

Dieses Volk scheint sich also (wie wäre es anders zur erklären?) im nördlichen Karpatenraum gebildet zu haben und sich von dort aus in der Spätphase der östereichisch-ungarischen Lengyel-Kultur (Wiki) - und zeitgleich mit der Michelsberger Kultur - die aus dem Pariser Becken heraus Verbreitung fand - bis nach Niederschlesien ausgebreitet zu haben. So viel also an dieser Stelle zu dieser Kultur, die sich in dem von ihr geschaffenen Widder als so außerordentlich bodenständig, tapfer und wehrhaft präsentiert.

2. Ein Fischer-Volk von der Oberen Theiß - Mit europäisch-einheimischer Genetik

Interessanterweise weist nun die Jordansmühler Kultur in ihrem Jäger-Sammler-Herkunftsanteil einen hohen Anteil (bislang in dieser Region von der Wissenschaft noch gar nicht entdeckter) Jäger-Sammler-Herkunft von der Oberen Theiß auf ("Körös HG") (1, Figure 3B). Diese ist zwar benannt nach der bäuerlichen "Körös-Kultur", aus der ein einzelner Jäger und Sammler bislang gefunden und sequenziert worden ist. Dieser ist aber an der Oberen Theiß, grob zwischen Bükk-Gebirge und Puszta gefunden worden (Stgen2022). An der oberen Theiß scheint es also vor Ankunft der anatolisch-neolithischen Bauern noch eine genetisch eigene europäische Jäger-Sammler-Herkunfts-Gruppe gegeben zu haben. Ihre Genetik war nun (1, Figure 3B) ...

  • bei Band- und Stichbandkeramik noch gar nicht vertreten (!), 
  • in der Jordansmühler Kultur sehr ausgeprägt vertreten,
  • in der auf die Jordansmühler Kultur folgenden Trichterbecher-Kultur viel geringer vorhanden, 
  • in der auf diese folgenden Badener Kultur gar nicht vorhanden,
  • in der auf diese folgenden Řivnáč-Kultur wieder viel größer (!!)
  • und in der auf diese folgenden Kugelamphoren-Kultur wieder deutlich geringer vorhanden.

Was für eine außerordentlich faszinierende Abfolge von Kulturen. Hier wird mit einem Schlage deutlich, daß alle diese Kulturen sich auch genetisch - mal mehr, mal weniger - voneinander unterschieden, und zwar erkennbar an genau dieser Herkunftskomponente, die einmal in größerem, einmal in geringerem Umfang vorhanden war, und die in einer Kultur gar nicht vorhanden ist.

Bei den hier genannten Jägern und Sammlern von der Oberen Theiß, bzw. aus den Karpaten dürfte es sich also um eine Gruppe einheimischer europäischer Jäger-Sammler handeln, die an der Ethnogenese der Bandkeramik im Wiener Becken gar nicht teilgenommen hatte. Und das, obwohl sie in unmittelbarer Umgebung jener ersten bäuerlichen Starvcevo-Körös-Kultur gelebt hat, aus der heraus die Bandkeramik erst entstanden ist.

Abb. 3: Grafische Zusammenfassung der Ergebnisse (aus: 2) - Die jeweiligen Verbreitungsräume der behandelten Kulturen ergänzen unseren eigenen Text sehr anschaulich

In der Auswertung derselben Studie durch den spanischen Archäogenetik-Blogger Carlos Quiles finde ich, daß diese "Körös-Hunter-Gatherer"-Herkunftsgruppe von der Oberen Theiß als osteuropäische Jäger-Sammler identifiziert werden (2) (s. Abb. 3). Wenn diese Angabe richtig ist, würde sich das Bild natürlich insgesamt ein wenig vereinfachen.

Die Genetik dieser (osteuropäischen) Jäger-Sammler von der Oberen Theiß ("Körös") findet also nun in der Jordansmühler Kultur - "noch einmal"? - in Europa - "erneute" (?) - Verbreitung. Und dieser Befund macht damit die Welt (also, zumindest die Wissenschaft) auf diese Herkunftsgruppe aufmerksam.

Die Jäger-Sammler-Einmischung in die Jordansmühler Kultur wird von den Forschern auf 4.600 bis 4.300 v. Ztr. datiert**). Das heißt, die Entstehung des Volkes der Jordansmühler Kultur wird auf einhundert oder zweihundert Jahre früher datiert als es sich dann kulturell manifestierte. Das war zur Zeit der Lengyel-Kultur im österreichisch-ungarischen Raum. Erst zu dieser Zeit wird es zur Vermischung von einheimischen "Körös-Jägern und Sammlern" mit Nachkommen der anatolisch-neolithischen Starcevo-Körös-Kultur gekommen sein. Plausibler Weise wird diese Vermischung im südmährischen-nordungarischen Raum stattgefunden haben, auf jeden Fall in der Nähe zum schon genannten Fluß Körös in der ungarischen Tiefebene.

Wer wohl diese Körös-Jäger-Sammler waren, die dort östlich der Theiß gelebt hatten, sich so getrennt gehalten hatten von den umlebenden Bauernvölkern, und die nun Anteil nahmen an der Ausgestaltung der Jordansmühler Kultur? Auf diese Frage werden wir wohl noch einmal in anderem Zusammenhang zurück kommen müssen. Denn an dieser Stelle müssen wir uns mit den weiteren Neuerkenntnissen beschäftigen, mit denen wir von Seiten der hier ausgewerteten Studie (1) geradezu "geflutet" werden.

3. Die Trichterbecher-Kultur (4.100 v. Ztr.)

Ab 4.100 v. Ztr. tritt die Trichterbecher-Kultur in Böhmen auf. Ihre ältesten Funde stammen unter anderem aus Ostholstein und datieren 4.300 v. Ztr. (Fundort Wangels). Und nun ist ein weiterer Umstand hoch interessant. Die Jäger-Sammler-Einmischung in die Trichterbecher-Kultur wird von den Forschern der Studie auf eine Zeit datiert, in der es die Trichterbecher-Kultur noch gar nicht gab. Die Trichterbecher-Kultur entstand wie gesagt um 4.300 v. Ztr. grob irgendwo in der Norddeutschen Tiefebene. Die Einmischung wird aber datiert auf grob 4.900 bis 4.800 v. Ztr.**). Damit wäre aufgezeigt, daß das Volk der Trichterbecher-Kultur genetisch schon deutlich früher entstand als es kulturell - zuerst im westlichen Ostseeraum - in Erscheinung trat. Daraus kann geschlußfolgert werden, daß die Menschen der Trichterbecher-Kultur aus Menschen einer bäuerlichen Vorgänger-Kultur hervor gegangen sein müssen. Viele Archäologen vermuten ja, daß die Trichterbecher-Kultur aus Populationen der (aus Frankreich kommenden) Michelsberger Kultur heraus entstanden sein könnten, da es in der materiellen Kultur manche Ähnlichkeiten gibt.

Da wird man jetzt - wie hinsichtlich der Herkunft der Jordansmühler Kultur - genauer hinschauen können, wann und wo genau diese spezifische Genetik sich heraus gebildet hat. Die Forscher sind sich jedenfalls sicher, daß die Genetik der Trichterbecher-Leute in Böhmen selbst nicht einheimisch war, sondern von außen dort hinein gekommen ist ab 4.100 v. Ztr.. 

4. Waren kulturelle Randbereiche im Mittelneolithikum die Entstehungsorte neuer Völker?

Von der darauf folgenden Řivnáč-Kultur (2.900 bis 2.700 v. Ztr.) (Wiki) Böhmens könnte man nun denken, daß es sich bei ihr genetisch einfach um eine späte Nachfolge-Kultur der Jordansmühler Kultur gehandelt hat. Die Forscher sagen aber, daß ihr Jäger-Sammler-Anteil sich bei ihnen ebenso spät eingemischt hat wie bei der Kugelamphoren-Kultur, nämlich erst ab 3.000 v. Ztr.. Das hinwiederum würde bedeuten, daß die Körös-Fischer sich bis zu diesem Zeitpunkt in genetischer Kontinuität unvermischt erhalten hätten und sich erneut ab 3.000 v. Ztr. mit Bauern anatolisch-neolithischer Herkunft vermischt hätten. Ähnliches wäre für die Kugelamphoren-Kultur anzunehmen, wobei hier auch noch mehr westeuropäische Jäger-Sammler-Herkunft hinzu gekommen ist.

Entstanden denn, so fragt man sich an dieser Stelle, neue Kulturen im Mittelneolithikum Europas quasi immer aus jeweils erneuter Vermischung von Bauern anatolisch-neolithischer Herkunft mit Fischer-, Jäger-Sammler-Populationen einheimischer Herkunft? Sind die Begegnungs- und Vermischungsregionen die Geburtsstätten neuer Völker zu dieser Zeit in Europa? Fast scheint sich allmählich diesbezüglich eine Regelmäßigkeit herauszuschälen und aufzudrängen. 

Womöglich kann das Siedeln der Řivnáč-Kultur in Höhensiedlungen wiederum darauf zurück geführt werden, daß auch die einheimischen Körös-Jäger-Sammler-Völker, von denen diese Kultur abstammt, sich vor allem in Höhenlagen der Mittelgebirge in Rückzugsräumen hatte halten können. Diese Kultur präsentiert sich ebenfalls mit ausgeklügelter - womöglich ein wenig exzentrisch anmutender - Keramik (Wiki). Über sie ist zu erfahren (Wiki) (laut Google Übersetzer):

Sie trat hauptsächlich in Mittelböhmen, aber auch in Nordwestböhmen und vereinzelt auch in Ostböhmen auf. In West- und Südböhmen gab es eine mit Řivnáč zeitgenössische Chamer Kultur. (...) Sie wurde erstmals 1925 von Jan Axamit entdeckt, fand aber erst in den 1940er Jahren größere Anerkennung. Wir verfügen über einen relativ großen Bestand an archäologischem Material aus der Řivnáč-Kultur. Das ist vor allem auf die gute Erforschung der Höhensiedlungen dieser Kultur zurückzuführen. Die Keramik folgte mehr oder weniger der vorherigen Badischen Kultur. Wir finden Tontrommeln und verschiedene anthropomorphe Gefäße mit wahrscheinlich rituellem Charakter. Anthropomorphe Götzen, von denen einige Hörner haben, dienen dem gleichen Zweck wie einige Gefäße.
Am Ende des Bestehens der Řivnáč-Kultur begannen in den Siedlungen, die aus den nördlichen Regionen nach Böhmen kamen, repräsentative Keramikstücke aus der Kultur der Kugelamphoren zu erscheinen, die vom Kontakt zwischen den beiden Kulturen zeugen.
Sowohl Höhen- als auch Flachlandsiedlungen sind bekannt. Die vorherrschenden Siedlungen sind jedoch Höhensiedlungen, von denen wir heute etwa 50-60 kennen (die Existenz von Flachlandsiedlungen war lange nicht bekannt).

Was für ein faszinierendes Geschehen.

5. Parallel-Gesellschaften in Böhmen 2.900 v. Ztr.

Die Forscher vermuten, daß Böhmen zur Zeit der Ankunft der Schnurkeramiker zeitgleich besiedelt wurde einerseits von Gruppen der Kugelamphoren-Kultur und anderseits von Menschen der Řivnáč-Kultur (1). Beide Gruppen unterschieden sich nicht nur kulturell, sondern auch genetisch voneinander. Als Ausnahme fand sich ein sequenziertes Individuum bestattet im Kontext von Řivnáč-Kultur, trug aber in sich die Genetik der Kugelamphoren-Kultur.

Möchte man eigentlich von noch stärkeren Belegen für die grundlegende These dieses Blogs hören, daß Völker die Geschichte machen, daß die Humanevolution - zumindest in den letzten zehntausend Jahren - in Völkern stattgefunden hat?

Beide Völker wiesen ansonsten, obwohl sie zur gleichen Zeit lebten wie die ersten Schnurkeramiker - oder sogar noch weiter fortbestanden nach Ankunft der Schnurkeramiker - keinerlei genetische Überschneidung untereinander oder mit den Schnurkeramikern auf. Hier wird noch einmal in deutlich, daß es im 3. Jahrtausend in Europa viele Jahrhunderte lang koexistierende Parallel-Gesellschaften gegeben hat. In der Schweiz, im Weichselraum, im Ostseeraum - das Bild ähnelt sich in all diesen Regionen.

6. Stammen die Schnurkeramiker von der Ostgrenze Polens (2.900 v. Ztr.)?

Um 2.900 v. Ztr. waren die Schnurkeramiker in Böhmen dann weit verbreitet. In dieser Studie wird aufgrund statistischer Ähnlichkeitsvergleiche vermutet, daß die Schnurkeramiker - im Unterschied zu den Menschen der Jamnaja-Kultur in der Ukraine - zu 5 bis 15 Prozent mittelneolithisch-lettische, neolithisch-ukrainische und/oder Grübchenkammkeramische Genetik von der Ostsee in sich trugen. Die Grübchenkammkeramische Kultur war die letzte archäologisch feststellbare Kultur der Völkergruppe der westeuropäischen Jäger und Sammler im Ostseeraum. In den beiden anderen genannten Herkunftsgruppen dürfte sich in unterschiedlichen Anteilen anatolisch-neolithische Genetik mit der Genetik osteuropäischer Jäger und Sammler verbunden haben. Diese womöglich sehr vielfältige Herkunft scheint überwiegend über Frauen in das Volk der Schnurkeramiker gelangt zu sein (1). Und womöglich ist das irgendwo am Ostrand des heutigen Polen geschehen, dort, wo die genannten Herkunftsgruppen aufeinander trafen.

7. Unterschiedliche Kinderzahlen - Aufgrund stabiler sozialer Ungleichheiten?

Hören wir weiter (1):

Sowohl die Schnurkeramiker wie die Glockenbecher-Leute durchliefen Veränderungen, die mit einschlossen zwischen 2600 und 2400 v. Ztr. einschneidende Rückgänge und vollständigen Austausch in der Vielfalt ihrer Y-Chromosomen.
Both Corded Ware and Bell Beaker groups underwent dynamic changes, involving sharp reductions and complete replacements of Y-chromosomal diversity at ~2600 and ~2400 BCE.

Dies kann bezüglich der Schnurkeramiker erklärt werden, so die Studie (1), mit der Annahme, daß die Männer der "überdauernden" Y-chromosomalen Linien über 500 Jahre hinweg 15 % mehr männliche Nachkommen pro Generation hatten als die Männer der "nicht überdauernden". Das ist ja eigentlich gar nicht so ein hoher Anteil. Bemerkenswert dürfte eher sein, daß das ja über 500 Jahre hinweg so konstant geblieben sein muß, daß wir es also hier vor allem mit großer Kontinuität zu tun haben.

Womöglich spiegeln sich in diesen Befunden, so möchten wir meinen, starke Wohlstands-Unterschiede wieder innerhalb des Volkes der Schnurkeramiker. Die also demzufolge auch über viele Jahrhunderte konstant geblieben sein könnten. Denn wer mehr Besitz hat, dem fällt es in der Regel leichter, mehr Kinder aufzuziehen, dem fällt es womöglich leichter, neben der Hauptfrau noch mit Nebenfrauen Kinder zu haben. Die reichsten Bauern haben sowieso in traditionellen Agrar-Gesellschaften - noch in der Frühen Neuzeit - die meisten Kinder. Das ist in vielen Studien zur Historischen Demographie der Frühen Neuzeit aufgezeigt worden, auch in den Krumhörn-Studien von Eckart Voland. Womöglich reichen schon die dort festgestellten Unterschiede in den Nachkommenzahlen, um den genannten Befund zu erklären. Vielleicht hat man allerdings in der Schnurkeramik-Zeit noch mehr wert gelegt auf Vererbung des Besitzes in der männlichen Linie als das in späteren Zeiten der Fall gewesen ist.

Dasselbe Phänomen ist 2015 auch schon für europäische neolithische Populationen beschrieben worden - wie es in der Studie heißt. Und das könnte ja dann ebenfalls ein Hinweis auf soziale Ungleichheit in den komplexen neolithischen Gesellschaften Europas sein.

8. Kriege der indogermanischen Stämme untereinander?

Ergänzung 20.10.21: Vielleicht ist die Erklärung aber auch einfacher. Wir lesen in Fritz Gschnitzers lesenswerter "Griechische Sozialgeschichte" (1981, neu aufgelegt 2013), die sich in Lehrbuchsammlungen deutscher Universitäten (zum Beispiel in Bamberg) findet (4, S. 46):

Da sich aber weder in homerischer Zeit noch später in der griechischen Geschichte die Sklaven selbst in genügender Zahl fortpflanzten (wir kommen darauf gleich zurück), konnte die Sklaverei als Institution nur bestehen bleiben, wenn immer wieder freie Menschen in großer Zahl in den Sklavenstand überführt wurden. (...) Der wichtigste Ursprung der Sklaverei liegt schon in homerischer Zeit, wie in allen späteren Abschnitten der griechischen Geschichte, in der Kriegsgefangenschaft. Die Sklaven sind zum Großteil ehemals Freie, die im Krieg - in der Schlacht, bei der Eroberung einer Stadt oder auch bei der Plünderung eines Landes - in Feindeshand gefallen sind. (...) Wenn es zur Eroberung ganzer Städte kommt, dann fallen alle zugleich und mit ihnen ihre ganze Habe in die Hände der Sieger. (...) Die Männer werden jetzt meist erschlagen, Frauen und Kinder nimmt man, wie das Vieh und die bewegliche Habe, als Beute mit nach Hause mit. (Die Männer konnte man nicht so leicht auf die Dauer festhalten, auch müßte man ihre Rache fürchten.)

Wenn also in einer solchen Weise schon Schnurkeramiker- und Glockenbecher-Stämme untereinander Krieg geführt haben sollten, wäre der Rückgang der Vielfalt bei ihren eigenen Y-Chromosomen noch leichter zu erklären. Es müßte dann nicht eine kontinuierliche soziale Ungleichheit über viele Jahrhunderte hinweg angenommen werden (die - nebenbei - zusätzlich auch eine Rolle gespielt haben kann). 

Gschnitzer führt noch aus, daß nicht in allen Fällen auch die Männer der unterworfenen Stämme erschlagen wurden, sondern daß es auch Fälle gab, in denen die gesamte Einwohnerschaft verklavt wurde (4, S. 49):

Anders als die vorhin beschriebenen Beute- und Kaufsklaven behielten sie ihre Familien und damit auch die Möglichkeit, sich in normalem Umfang fortzupflanzen (...), etwa in Sparta (Heloten), Kreta (Perioiken) und Thessalien (Penesten). (...) Ähnlich ist man dann später in einzelnen überseeischen Kolonien verfahren.

(Ergänzungs-Ende)

Die ersten schnurkeramischen Frauen, die keine schnurkeramische Genetik aufwiesen, stammten vermutlich aus der Kugelamphoren-Kultur, so die Forscher. Sie beziehen sich dabei auf die untersuchten Genome von vier Frauen. Da diese Frauen einen höheren Jäger-Sammler-Herkunftsanteil aufwiesen als Kugelamphoren-Leute in Böhmen, ist es wahrscheinlicher, daß sie aus anderen Bereichen der Kugelamphoren-Kultur stammten als aus Böhmen, etwa aus dem heutigen Polen.

An Skeletten, die in Vliněves bei Melnik an der Elbe, 40 Kilometer nördlich von Prag gefunden wurden, wird aufgezeigt, daß die frühesten, bislang gefundenen Schnurkeramiker in Böhmen an diesem Ort eine viel höhere genetische Vielfalt aufgewiesen haben als alle nachfolgenden Populationen in Europa und auch als die heutigen Europäer (1). An diesem Ort gab es einerseits Menschen, die genetisch fast nur anatolisch-neolithische Herkunft in sich trugen und Menschen, die fast nur davon abweichende Genetik hatten (also west-, bzw. osteuropäische Jäger-Sammler- und/oder Steppen-Genetik) (1) (Fig. 5).

9. Kamen die Glockenbecher-Leute Böhmens vom Rhein (2.500 v. Ztr.)?

Die Glockenbecher-Leute treten ab 2.500 v. Ztr. in Böhmen auf. An ihren Y-Chromosomen stellen die Forscher fest, daß sie und jene Y-Chromosomen der (späteren) Glockenbecherleute in England von gemeinsamen Vorfahren abstammen können. Sie meinen, diese könnten - zum Beispiel - in der Nähe des Rheins gelebt haben, von wo aus sie sich nach Osten und Norden ausgebreitet haben könnten (1).

10. Die Aunjetizter Kultur bringt neue Genetik - Aus dem Ostseeraum (2.200 v. Ztr.)?

Für die frühe Aunjetitzer Kultur (2.300 bis 1.600 v. Ztr.) (Wiki) vermuten die Forscher den zusätzlichen genetischen Beitrag von Glockenbecher-Populationen aus der späten Glockenbecher-Zeit (2.400 bis 2.200 v. Ztr.), die noch nicht sequenziert worden sind, um eine auftretende Verschiebung des genetischen Spektrums Richtung osteuropäischer und westsibirischer Jäger-Sammler-Genetik zu erklären (1). 

Eine solche genetische Umwälzung zeigt sich an dem Wechsel der Y-chromosomalen Linien noch deutlicher: 80 % der Y-chromosomalen Linien in der frühen Aunjetitzer Kultur sind neu, gehören aber zum Y-chromosomalen Glockenbecher-Spektrum.

All das würde nahelegen, daß es mit Aufkommen der Aunjetitzer Kultur noch einmal einen erneuten genetischen Umbruch in Böhmen gegeben hat, daß also eine Glockenbecher-Untergruppe unter dem Dach der Aunjetizer Kultur andere Glockenbecher-Untergruppen kriegerisch und/oder demographisch "verdrängt" hat. Der genetische Umbruch könnte 50 % der Genetik insgesamt betroffen haben, so die Forscher (1). Die Forscher sehen Hinweise darauf, daß die Indogermanen der Aunjetitzer Kultur aus dem Ostseeraum stammen (1). Wenn man sich Verbreitungskarten dieser Kultur ansieht (Wiki), könnte sie diesbezüglich am ehesten aus Pommern stammen.

Nach Zuwanderung der Aunjetitzer Kultur habe sich die Y-chromosomale Vielfalt hinwiederum nicht mehr verringert. War die soziale Ungleichheit in der Aunjetitzer Kultur geringer als zuvor? Das hinwiederum hatte die Lechtal-Studie zur Bronzezeit nicht nahegelegt. Hier werden noch mancherlei nicht abschließend zu klärende Fragen deutlich.

11. Genetischer Ursprung von Schnurkeramikern und Glockenbecher-Leuten ungeklärt

Die Forscher schreiben in der Zusammenfassung, daß es zwischen Schnurkeramik- und Glockenbecher-Kultur einerseits und der ukrainischen Jamanja-Kultur andererseits zwar viel genetische Ähnlichkeit gibt, allerdings keinerlei männliche genetische Kontinuität zwischen allen drei Gruppen (1):

... Es sind keine Gemeinsamkeiten in den Y-chromosomalen Linien gefunden worden zwischen den vornehmlich R1a-tragenden Schnurkeramik- und den vornehmlich R1b-Z2103-tragenden Jamnaja-Männern. .... Die Glockenbecherleute tragen vornehmlich R1b-P312, eine Y-chromosomale Linie, die bislang weder bei den Schnurkeramik-Männern noch bei den Jamanja-Männern gefunden wurde. .... (So der Befund) trotz des (schon lange in der Wissenschaft) vorgeschlagenen patrilokalen/patriarchalischen sozialen Verwandtschaftssystems dieser drei Gesellschaften.
Although it has been proposed that CW formed from a male-biased westward migration of genetically Yamnaya-like people (23, 41–44), no overlap in Y-chromosomal lineages (with the exception of a few nondiagnostic I2) has been found between the predominantly R1a-carrying CW and mainly R1b-Z2103–carrying Yamnaya males. Steppe ancestry is also present in BB individuals (5); however, they predominantly carry R1b-P312, a Y-lineage not yet found among CW or Yamnaya males. Therefore, despite their sharing of steppe ancestry (3, 4) and substantial chronological overlap (45), it is currently not possible to directly link Yamnaya, CW, and BB groups as paternal genealogical sources for one another, particularly noteworthy in light of steppe ancestry’s suggested male-driven spread (23, 41–43) and the proposed patrilocal/patriarchal social kinship systems of these three societies (46–48).

Die Schlußfolgerung kann nur lauten, daß die Schnurkeramik- und Glockenbecher-Leute von (womöglich kleinen) indogermanischen Gruppen abstammen, die bislang noch nicht hatten sequenziert werden können. 

Zusammenfassende und abschließende Bemerkungen der Forscher

Die Forscher schreiben außerdem zu zusammenfassenden Aspekten ihrer Studie (1):

Frühere Studien sind größtenteils interpretiert worden dahingehend, daß sie große Migrationen am Beginn und am Ende des Neolithikums aufzeigen würden (Zeiten, in denen hereinkommende Gruppen genetisch sehr unterschiedlich waren); unsere Ergebnisse zeigen jedoch weitere umfangreiche genetische Umbrüche auf. ... Wir zeigen, daß die Ausbreitung der Trichterbecher- und der Kugelamphoren-Kultur ebenso wie die Ursprünge der Aunjetitzer Kultur umfangreiche genetische Umbrüche in kurzen Zeitabschnitten mit sich brachten, die wahrscheinlich durch Ausbreitungsbewegungen erklärt werden können.
Previous studies have largely been interpreted as revealing major migrations at the beginning and end of the Neolithic (i.e., periods where the incoming groups were genetically very distinct); however, our results reveal additional large genetic turnovers. By sampling consecutive and partially contemporaneous cultural groups, we show that the spread of Funnelbeaker and GAC (69, 70), as well as the origin of Únětice, involved large genetic shifts over short time periods, likely explained by migrations.

In diesem Zitat sind mehrere in der Studie festgestellte genetische Umbrüche auch noch unberücksichtigt gelassen! Etwa der Umbruch von der Stichbandkeramik zur Jordansmühler Kultur, der Umbruch zur Badener Kultur (den wir hier auch noch nicht behandelt haben), sowie der Umbruch zur Řivnáč-Kultur. Das sei noch festgehalten. Es ist hier ein so unglaublich vielfältiges Geschehen festgestellt, wie es bislang wohl nur die wenigsten Forscher gewagt hätten anzunehmen. Praktisch jede archäologische Kultur vor der Bronzezeit geht auch mit jeweils neuer einzigartiger Genetik einher. Jede. Die Forscher schreiben außerdem (1):

... Die Schnurkeramiker waren genetisch außergewöhnlich vielfältig, einige ähnelten (genetisch) der Kugelamphorenkultur und der Jamnaja-Kultur, einige wenige fallen außerhalb der bislang erforschten zentraleuropäischen neolithischen genetischen Vielfalt.  ... Dies ist das Ergebnis einer Ansammlung von Menschen mit unterschiedlichem kulturellen und sprachlichen Hintergrund in einer archäologisch ähnlichen aber polyethnischen oder pluralen Gesellschaft. ... Das Ausmaß an genetischer Unterschiedlichkeit zwischen frühen Schnurkeramik-Individuen mit hoher Steppen-Herkunft und ohne eine solche legt lange biologische Isolation und damit unterschiedliche Herkunftsgeschichten nahe. Die Anwesenheit von Kugelamphoren- und Jamnaja-ähnlichen genetischen Profilen bei den frühen Schnurkeramikern legt die Integration von Menschen nahe, die aus unterschiedlichen Gesellschaften kamen .... Es ist wahrscheinlich, daß Kugelamphoren-Kultur und Schnurkeramik/Jamnaja-Individuen unterschiedliche Sprachen gesprochen haben ....
We show that early CW were genetically exceptionally diverse, some resembling GAC and Yamnaya, with a few also falling outside of previously sampled central European Neolithic genetic diversity. Such a notably diverse signal is likely the result of the agglomeration of people from diverse cultural and linguistic backgrounds into an archaeologically similar but polyethnic or plural society. Important factors in ethnic identity include ancestry, history, ideology, and language (71, 72). The level of genetic differentiation (i.e., time since common ancestor) between early CW individuals with high and no steppe ancestry implies long biological isolation and hence different histories. The finding of GAC-like and Yamnaya-like genetic profiles in early CW suggests integration of people who came from ideologically diverse societies (i.e., neither GAC nor Yamnaya practiced strong gender differentiation in mortuary practices, unlike CW). It is likely that GAC and CW/Yamnaya individuals spoke different languages (3, 4, 43), meaning that early CW society in Bohemia encompassed people who had demonstrably different histories, likely originating from ideologically diverse cultures, who spoke different mother tongues.

Tatsächlich ist noch ganz ungeklärt, wo hier in Böhmen zu einem solchen Zeitpunkt noch Menschen fast rein anatolisch-neolithischer Herkunft herkommen. Sie können nicht von den Bandkeramikern abstammen, denn diese hatten ja schon 8 % einheimische westeuropäische Jäger-Sammler-Genetik. Stammen sie von Menschen der Starcevo-Körös-Kultur ab, die sich bis zu diesem späten Zeitpunkt noch nicht mit einheimischen Jäger-Sammlern vermischt haben? Fragen über Fragen. Zum von uns schon oben genannten Fundort Vliněves heißt es im Zusammenhang damit (1):

Wir können archäologisch (also kulturell) keine Unterschiede erkennen zwischen Schnurkeramik-Gräbern mit Individuen, die Steppen-Herkunft in sich tragen und solchen, die keine solche Herkunft in sich tragen, und zwar an zwei Fundorten (Vliněves and Stadice).
We observe no archaeological differences between CW graves of individuals with and without steppe ancestry from two sites (Vliněves and Stadice).

Soweit die wichtigsten Ergebnisse, die wir in einem ersten gründlicheren Zugriff dieser Studie zu entnehmen in der Lage sind.

So wurden wir Europäer, was wir heute sind

Wenn wir im Titel von der "farbenprächtigen Völkergeschichte Böhmens" sprechen, wollen wir damit keinesfalls infrage stellen, daß diesselbe auch mit viel Gewalt, Not, Mord, Totschlag, Versklavung ganzer Völkerschaften, sowie gerne auch mit Menschenopfern einher gegangen sein kann. (Eindrucksvolle Hinweise auf solche Möglichkeiten finden sich ja schon in dem Buch von Harald Meller über das Mittelneolithikum von Sachsen-Anhalt [3].)

Völkergeschichte hat wohl zwangsläufig viel zu häufig beide Seiten aufzuweisen: die friedvolle Seite prächtiger Kultur und die abgründige  Seite, wo der Mensch dem Menschen als "Wolf" gegenüber steht. Wir müssen keine dieser beiden Seiten kleinreden, wenn wir in einem ersten Zugriff die Aufeinanderfolge so vieler, tatsächlich "farbenprächtiger", jeweils eigenartiger, charakteristischer, unterschiedlicher Kulturen mit ihren jeweiligen ganz eigenen Herkunftsgeschichten als ein außerordentlich faszinierendes Geschehen wahrnehmen.

Wir erinnern uns jederzeit daran, daß "Sein" nicht zwangsläufig "Sollen" bedeutet. Damit ist gesagt: Nur weil wir sehen, daß Völkergeschichte - zeitweise - mit viel genetischem Umbruch einhergegangen ist, muß das nicht heißen, daß sie "notwendigerweise" und "immer" mit genetischem Umbruch einhergehen "muß" oder gar "sollte". Jedes der hier genannten Völker wird sich mehr oder weniger standhaft, tapfer und wehrhaft dagegen aufgelehnt haben, genetisch und kulturell "ersetzt" zu werden - so oder so. Der Jordansmühler Widder mag als ein eindrucksvolles Symbol und Merkzeichen, als ein Ausdruck eines solchen kraftvollen Willens, einer solchen Lebendigkeit gelten.

Insgesamt: So wurden wir Europäer, was wir heute sind: Durch ein farbenprächtiges Kommen und Gehen von Menschengruppen (Völkern) oft recht unterschiedlicher, zumeist jedoch sehr charakteristischer kultureller und genetischer Herkunft hindurch. 

Und um nun doch eine behutsame Annäherung vom Sein zum Sollen hinüber zu wagen: Sollte es womöglich doch richtig sein, auf dieses Geschehen mit den Augen von Johann Gottfried Herder zu blicken, der - aus Ostpreußen stammend und zeitweise in Riga lehrend - in Begeisterung für die Sagenwelt, das Volksliedgut und die vielfältigen Kulturen und Sprachen der baltischen und slawischen Völker sein berühmtes Wort prägte: "Völker sind Gedanken Gottes"? Ein Gedanke Gottes sollte dann als unantastbar gelten, Völkermord wäre zu ächten. 

So wie heute der Rechts- und Verfassungstheorie nach die Bewertungen ja auch tatsächlich getroffen werden.

Schnurkeramiker und Glockenbecher verschmolzen miteinander

Ergänzung 2.4.24: In einer neuen Studie faßt grob die selbe Forschungsgruppe die Ergebnisse ihrer Studie von 2021 in den Worten zusammen (6):

Archäogenetische Studien der letzten Jahre zeigten, daß Schnurkeramik- und Glockenbecher-assoziierte Individuen einander nicht ersetzten, sondern sich langsam vermischten/verschmolzen, was zum genetischen Profil der frühbronzezeitlichen Aunjetzizer Kultur in Mitteleuropa führte.
Recent archaeogenetic studies showed that CW and BB-associated individuals did not replace each other, but slowly admixed/amalgamated, resulting in the genetic profile of the EBA Únětice in Central Europe.

So klar hatten wir das in der Studie von 2021 gar nicht heraus gelesen! Aber das Ergebnis paßt zu einer anderen aktuellen Studie. Im Bericht über diese (Stgen2024) hatten wir dieses Ergebnis schon voraus geahnt.

Außerdem wird in einer neuen skandinavischen Studie Ähnliches herausgearbeitet wie das, was schon für Böhmen, die britischen Inseln und Spanien herausgearbeitet worden ist, nämlich daß im Neolithikum ganze Völker landesweit ausgerottet worden sind (Phys2024): 

Die ersten Bauern Skandinaviens haben die Jäger-Sammler-Bevölkerung abgeschlachtet, wie eine DNA-Analyse zeigt.
Scandinavia's first farmers slaughtered the hunter-gatherer population, DNA analysis suggests


/ Ergänzt um Angaben entsprechend (2):1.9.2021,
entsprechend (4): 20.10.2021, entsprechend (5): 4.7.2022,
präzisiert anhand von (Stgen2022): 6.7.2022;
entsprechend (6): 2.4.2024 /

___________

') "We found this HG ancestry increase to be best modeled as a two-stage linear process (Fig. 3A, table S8, and the Supplementary Materials), with an increase in HG ancestry during the fifth millennium BCE, followed by stasis (nonsignificant slope) thereafter."
**) "The estimated date of WHG introgression for Funnelbeaker is significantly earlier (5079 to 4748 BCE) than for Jordanów (4636 to 4310 BCE) (Fig. 3B and table S11), consistent with Bohemian Funnelbeaker individuals being derived from a different population (whose HG ancestry was incorporated further back in time), which superseded the Jordanów population in Bohemia."
__________
  1. Dynamic changes in genomic and social structures in third millennium BCE central Europe. By Luka Papac, Michal Ernée, (...) Volker Heyd, Johannes Krause, Ron Pinhasi, David Reich, Stephan Schiffels, Wolfgang Haak. Science Advances, 25 Aug 2021, eabi6941, https://advances.sciencemag.org/content/7/35/eabi6941
  2. Quiles, Carlos: R1b-rich earliest Corded Ware, a Yamnaya-related vector of Indo-European languages, 27.8.2021, https://indo-european.eu/2021/08/r1b-rich-earliest-corded-ware-a-yamnaya-related-vector-of-indo-european-languages/
  3. Bading, Ingo: Königreiche im Elb-Saale-Gebiet - Seit dem Mittelneolithikum und in der Bronzezeit Herrschaftszentren der Reiche des Mittelneolithikums und der Bronzezeit, 13. September 2020, https://studgendeutsch.blogspot.com/2020/07/das-fruhbronzezeitliche-konigreich-im.html
  4. Gschnitzer, Fritz: Griechische Sozialgeschichte. Von der mykenischen bis zum Ausgang der klassischen Zeit. 2. Aufl. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2013 (EA: 1981) 
  5. Günter Wetzel: Frühe Keramik in Brandenburg und den Lausitzen - zwischen Bandkeramik und Trichterbecherkultur. In: Wolfram Schier, Jörg Orschiedt, Harald Stäuble, Carmen Liebermann (Hrsg.): Mesolithikum oder Neolithikum? Auf den Spuren später Wildbeuter. Tagungsbeiträge von 2014, 2021 (pdf)
  6. Penske, S., Küßner, M., Rohrlach, A.B. et al. Kinship practices at the early bronze age site of Leubingen in Central Germany. Sci Rep 14, 3871 (2024), 16.2.2024 (Nature), https://doi.org/10.1038/s41598-024-54462-6
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