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Dienstag, 14. Oktober 2014

Zur Evolution des weiblichen Hinterns

Ein Interview für "Radio Fritz" zur Frage:
Warum finden Männer den Po von Frauen attraktiv?

Abb. 1: Venus Kallipygos (Wiki) - Die "Schönhintrige"
Letzte Woche half dieser Blog ein wenig, den Bildungsauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu erfüllen. Der Bloginhaber ließ sich breitschlagen, dem Brandenburger Jugendsender "Radio Fritz" ein "Experten"-Interview zu geben. Zum Glück sind meine Aussagen beim Zusammenschnitt nicht entstellt worden. Meine gezahlten GEZ-Gebühren - oder ein Teil davon - wurden mir allerdings trotzdem nicht erstattet.

Gestern wurde das Interview gesendet. "Radio Fritz" hatte den ganzen Tag thematisch dem weiblichen Hinterteil gewidmet. Dafür wurde der jugendsprachliche (und frühneuzeitliche) Ausdruck "Arsch" benutzt, Titel "Wer Arsch sagt, muß auch Bescheid wissen" (s. Fritz Reportagen, Fritz Interviews, Arschquiz).

Dem Blogautor wurde im Interview die Frage gestellt (Audio):

Warum stehen Männer auf Hintern? - Diese Frage beschäftigt die Menschheit schon seit Jahrtausenden. Der Anthropologe Ingo Bading klärt die RadioFritzen am Nachmittag endlich auf.

Immerhin wissen wir jetzt, wie man zum "Experten" wird. Das Thema dieses Tages hat insbesondere RBB-Mitarbeiterin Henrike Möller recherchiert und interviewt. (Wie kam sie auf mich? Etwa weil ich mich einmal 2009 auf den Scienceblogs kommentierender Weise zu dem Blogbeitrag "Sexy Ärsche" von Emmanuel Heitlinger geäußert hatte?) Das Interview mit dem Experten für Musikkultur hat dann einige Inhalte abgedeckt, die auch Thema meines Interviews waren, die aber nicht gesendet worden sind. Deshalb will ich auf dieses zuerst zu sprechen kommen (Audio):

Arsch und Rap - Warum wird vor allem in Rap-Songs immer wieder auf die Schönheit und die Fülle des weiblichen Hinterteils verwiesen? Rap-Journalist Falk Schacht kennt die Antwort.

Und Frank Schacht sagt dann im Interview (Hervorhebung nicht im Original):

Man kann sicherlich sagen, dass die Begeisterung für große Hintern im Hip-Hop deshalb so groß ist, weil Afroamerikaner da einen speziellen Faible für haben. Es ist da zumindest weiter verbreitet, als in den weißeren Musikgenres wie Metal oder Rock, zumindest wird es dort seit Jahrzehnten gepriesen. Es gibt zum Beispiel von 1972 ein Track von  Funkadelic "Loose Booty", da wird sich auch schon auf Ärsche bezogen. Ich glaube, über hundert mal werden da Ärsche in dem Song erwähnt. Und diese Begeisterung hält bis heute an. (...) In den letzten Jahren hat vor allem das Tworken, also der Tanz stark zugenommen. (...) Zirka seit Mitte der Nullerjahre.

(Weitergehendes zu den hier erwähnten Inhalten siehe übrigens: "Loose Booty". "Twerking" ist Tanzen mit Popopwackeln.) An diese Ausführungen anknüpfend, hätten gerne auch noch viele andere Inhalte des Interviews, das ich gegeben habe, gebracht werden können, nämlich über die kontinentalen Unterschiede nicht nur in der durchschnittlichen Gesäßgröße und damit zusammenhängende in der polygamen oder monogamen Lebensweise, sondern auch damit zusammenhängende, naheliegendere Schlußfolgerungen in Bezug auf die Evolution der menschlichen Intelligenz. Mein etwa einstündiges Interview wurde allerdings auf etwa eine Minute zusammen geschnitten. Nun, so nutze ich eben meinen Blog, um jene Interview-Inhalte, die ich zuvor für das Interview recherchiert hatte, bzw. die mir schon vorgegeben worden waren als Anregung, hier noch einmal in Schriftform zusammen zu stellen. Also um dem Bildungsauftrag der Öffentlich-Rechtlichen auch hier gerecht zu werden. :)

"Wer Arsch sagt, muss auch Bescheid wissen."

Der Tag auf "Radio Fritz" war übrigens immer wieder mit schönen Wortspielen untermalt, die sich ja geradezu aufdrängen. So stand er etwa unter dem hübschen Motto: "Wer Arsch sagt, muss auch Bescheid wissen." Weitere Sendebeiträge zum Thema des Tages waren: "Warum sagt man 'Leck mich am Arsch'?" - Interview mit Linguist Simon Meier (Audio), "Ist Po-Grabschen eine sexuelle Belästigung?" - Interview mit Fachanwalt Christian Hieronimi (Audio), "Der Po in der Werbung" - Interview mit Marketingexperting Diana Jaffé (Audio) und - recherchiert und gesprochen von Henrike Möller: eine "Chronologie des Booty-Hypes" (Audio).

Nun denn, worüber sollte Bescheid wissen, wer Arsch sagt? Vorbemerkung: Jederzeit sollte man sich bewußt bleiben, daß es sich bei evolutionären Erklärungen der folgenden Art zumeist derzeit immer noch um so genannte "Just so-Stories" handelt. Also oft um recht willkürliche, vielleicht nahe liegende Hypothesen, die aber noch keine abschließende Bestätigung durch empirische Forschung (etwa in Form von Erkenntnissen zu konkreten genetischen Selektions-Prozessen, die damit verbunden sind) gefunden haben. Das bezieht sich also Ausführungen, die ich als Einstimmung zugesandt erhalten hatte wie:

In der Werbung und in der Popkultur trifft man immer häufiger auf die Zurschaustellung von Hinterteilen. Man hat das Gefühl, Gesäße hätten den Busen aktuell als Sexsymbol verdrängt. (...) Wie haben sich Schönheitsideale verändert? Welche Bedeutung hat das Gesäß für andere Kulturen? (...)
Warum ist der Mann evolutionsbiologisch darauf getrimmt, Interesse am Arsch der Frau zu haben? Hat das etwas mit den archaischen Begattungsriten zu tun? (...)
  • Früher, als wir noch nicht aufrecht gegangen sind, also noch Säugetiere wie die Affen waren, hat man sich von hinten bestiegen. 
  • Vorteil: Mann hat Frau fest im Griff, kann sie kontrollieren und Feinde schneller sehen.
  • Brust war also völlig uninteressant damals. Diese archaische Begattungsweise haben wir noch nicht abgelegt. 
  • Hintern werden bei Affen ja auch immer noch rot, wenn sie Lust auf Fortpflanzung haben. Hintern war für unsere Vorfahren also eine wichtige optische und geruchliche Signalwirkung
  • Viel Fett im Hintern suggeriert außerdem: Frau ist gesund, fruchtbar, kann Kinder ernähren (auch in schwierigen Zeiten)

Gut, das ist ja im Interview dann auch gesagt worden. Was nicht gebracht worden ist, sind folgende meiner Überlegungen zur Evolution des menschlichen Po's:

1. Durch Nacktheit wird der ganze Körper zur erogenen Zone - auch der Po

Dass der anatomisch moderne Mensch heute überhaupt die ihm eigene Anatomie aufweist, hängt sicher sehr viel damit zusammen, dass er sein Fell verloren hat, dass er eben ein "nackter Affe" geworden ist. Eine wesentliche Folge davon war ja, dass der Zärtlichkeit, dem Streicheln und dem Schmusen - über die "soziale Fellpflege" der behaarten Primaten hinaus - eine besondere Bedeutung zukam. Dass dasselbe also eine größere Befriedigung in den emotionalen Belohnungszenten im Gehirn des Menschen auslöst.

Dieser Umstand war in der Humanevolution sicherlich einer der ersten Schritte weg von der bloßen Fixierung auf die primären Geschlechtsorgane, wie sie gut bei Schimpansen und Bonobos beobachtbar sind. Beim Menschen hingegen wird der ganze Körper zur potentiell erogenen (oder zur "nicht spezfischen erogenen") Zone.

Und damit im Zusammenhang wird sich ergeben, dass jugendliche, rundere, wohlgeformtere Körperteile größere Beachtung gefunden haben und finden, größeres Verlangen wecken und größere Befriedigung in den emotionalen Belohnungszentren des Gehirns auslösen, als "hagerere", "abgemagerte" Körperteile wie sie bei vielen Säugetieren sonst anzutreffen sind. All das wird ja ohne Haare viel besser spürbar und weckt deshalb auch viel größeres taktiles Wohlgefallen. Diese Argumentation war aber der Interviewerin wohl nicht eingängig genug und nicht konkret genug auf den Po bezogen. Nun denn.

2. Dicker Po als Folge eines Menschen-spezifischen Fettleibigkeits-Gens 

Das ist ja im Interview erläutert worden und stützt sich auf die Wissenschaftsberichterstattung früherer Jahre, bzw. den entsprechenden Originalartikel (1) (siehe auch Zusammenfassung der jüngeren Forschungen auf der OMIM-Datenbank - "Online Mendelian Inheritance in Man" zu das 825T-Allel). Allerdings wurden meine Interview-Ausschnitte, in denen ich auf die charakteristischen kontinentalen Unterschiede der Verbreitung dieses Fettleibigkeitsgens sprach, und die, wie gesagt, gut zu dem anderen Interview passen, nicht gebracht. Siehe (Uni Essen 1999):

In homozygoter Form findet sich das Gen bei 60 v. H. aller Schwarzafrikaner und amerikanischen Schwarzen, bei 20 v. H. der untersuchten Ostasiaten - Chinesen, Japaner und Koreaner - und bei rund 10 v. H. der Kaukasier.

Eigentlich ist das eine sehr spannende Thematik. Warum ging der Anteil dieses Gens auf der Nordhalbkugel wieder zurück? Und hat das etwas damit zu tun, dass die Eiszeitjäger zwar mit der Venus von Willendorf noch recht dicke Po's zur Darstellung brachten, dass das danach dann aber womöglich im kulturellen Zusammenhang keine so große Rolle mehr gespielt hat wie zuvor (abgesehen von der Rubens-Zeit)? Die Originalstudie wäre es sicherlich wert, dass sie sich darauf noch einmal sehr genau angesehen würde.

3. Zusammenhang von dickem Po und (ursprünglicherer) polygamer Lebensweise?

Meine Argumentation ging dann aber - davon ausgehend - noch weiter. Der anatomische Unterschied zwischen Mann und Frau, Sexualdimorphismus genannt, ist in der Regel im Artenvergleich bei Primaten um so größer, um so polygamer eine Art lebt (2). Er ist zum Beispiel groß bei Gorillas und Orang-Utas, zwei Arten, bei denen jeweils ein Männchen mehrere Weibchen dominiert. Er ist wesentlich geringer bei Schimpansen oder Gibbons, die beide innerhalb größerer Gruppen familienähnliche Untergruppen aufweisen, bzw. sogar monogam leben.

Und der gleiche Zusammenhang deutet sich ja auch in menschlichen Bevölkerungen an. Von Afrika und allgemein von der Südhalbkugel, wo es eine größere Häufigkeit von polygamer Lebensweise gibt als auf der Nordhalbkugel gibt, kann womöglich gesagt werden, dass dort auch der Geschlechtsdimorphismus tendenziell stärker ausgeprägt ist, eben insbesondere erkennbar am oft größeren weiblichen Hintern, besungen noch heute oder heute sogar verstärkt wieder vom afroamerikanisch geprägten Hip Hop. Allerdings gilt dasselbe der Tendenz nach ja auch von dem größeren Penis des Mannes. In Europa und Ostasien ist dieser Geschlechtsdimorphismus weniger stark ausgeprägt, hier ist auch monogame Lebensweise häufiger als auf der Südhalbkugel.

Bei der Feststellung des vorherrschenden Schönheitsideals arbeitet die Forschung häufig mit dem Taille-Hüft-Verhältnis (waist-hip-ratio = WHR). Dazu muss man die Taillen-Größe durch die Hüft-Größe teilen.

In westlichen Ländern bevorzugen Männer ein Taillen-Hüft-Verhältnis bei den Frauen von 0,6 bis 0,7, also etwa von etwa 2:3, die sogenannten "Sanduhr-Figur". So heute auch in Asien. Es gibt aber isolierte Kulturen (Hadza in Afrika etwa, Bevölkerungsgruppen in Ecuador), wo das Ideal bei 0,9 liegt - also kein so deutlicher Unterschied zwischen Taille und Hüfte (3).

In Afrika und unter Afroamerikanern werden nun wohlbeleibtere Frauen mehr bevorzugt als andernorts (3). Auch eine Studie von 2011 stellte deutliche ethnische Unterschiede im Schönheitsideal fest (4):

Unsere Ergebnisse zeigten, daß südafrikanische Männer die schwarze Figur mit hohem Taille-Hüfte-Verhältnis gemeinsam mit großen Brüsten attraktiv fanden und die weiße Figur mit hohem Taille-Hüfte-Verhältnis gemeinsam mit kleinen Brüsten. Im Gegensatz dazu zeigten britische Kaukasier und und britische Afrikaner (Buren) eine Bevorzugung für die schwarze Figuren mit hohem Taille-Hüfte-Verhältnis gemeinsam mit kleinen Brüsten und die weiße Figur mit hohem Taille-Hüfte-Verhältnis gemeinsam mit großen Brüsten. 
Original: Our results showed that South African men found attractive the high-WHR black figure with large breasts and the high-WHR white figure with small breasts. By contrast, British Caucasians and British Africans showed a preference for the high-WHR black figure with small breasts and the high-WHR white figure with large breasts.
4. Dicker Po und Intelligenz-Evolution

Zu dem sich daran anknüpfenden Zusammenhang zwischen Intelligenz und großen Po's (bzw. großem Penis) gibt es derzeit allerdings - merkwürdigerweise!?! - offenbar noch zwei sich konträr und diametral gegenüber stehende Forschungsergebnisse.

Der britische Anthropologe Robin Dunbar hat aufgezeigt, dass monogame Lebensweise und durchschnittlich größeres Gehirnvolumen über den gesamten Säuger-Stammbaum miteinander korrelieren: Um so monogamer eine Art lebt, um so größer ist das Gehirnvolumen (wobei die Unterschiede, die allein auf Körpergröße beruhen, herausgerechnet sind) (siehe frühere Beiträge hier auf dem Blog). Und genau diesen Zusammenhang finden wir wiederum beim Menschen: Der durchschnittliche angeborene Intelligenz-Quotient auf der Nordhalbkugel liegt deutlich höher als auf der Südhalbkugel.

Daraus würde sich grob gesagt der Zusammenhang ergeben: Größerer weiblicher Hintern hat etwas mit polygamer Lebensweise zu tun und diese hängt wieder zusammen mit einem ursprünglicheren Zustand der Intelligenz-Evolution des Menschen, der ja auch auf der Südhalbkugel festgestellt wird. (Wobei, wie natürlich zu betonen ist, der Wert eines Menschen als Menschen nicht von der Intelligenz abhängig zu machen ist - sehr oft eher im Gegenteil!)

Der Mensch stammt aus Afrika ("out of africa"). Die schon erwähnten weiblichen Figurinen der europäischen Eiszeitjäger, der ersten anatomisch modernen Menschen in Europa, die ebenfalls häufig ausgeprägte weibliche Gesäße aufzeigen, können deutlich machen, daß auch unsere Vorfahren in Europa einst eine der heutigen afrikanischen Lebensweise und Phase der Intelligenz-Evolution nahe stehende aufgewiesen haben könnten. Dies hätte sich aber in den 10.000 Jahren nach der Eiszeit - vor allem mit der Ausbildung von Agrar- und Dienstleistungsgesellschaften - deutlich geändert.

Also Evolution in Richtung auf höhere Intelligenz wäre dann einher gegangen mit Evolution in Richtung auf weniger große Hintern.

Diese Erkenntnisse und unterstellten Zusammenhänge stehen aber nun in deutlicherem Widerspruch zu neueren Forschungsergebnissen, nach denen Frauen mit größeren Brüsten und Gesäßen durchschnittlich intelligenter sein sollen als Frauen mit weniger großen Brüsten und Gesäßen (Sciences360Chicago TribuneKristie Leong 2007):

Gemäß einer Studie, die 2003 von Seiten eines Chicagoer Soziologen durchgeführt wurde, hatten Frauen mit großen Brüsten durchschnittlich zehn IQ-Punkte mehr als ihre weniger gut ausgestatteten Geschlechtsgenossinnen.
Original: According to a study carried out by a Chicago sociologist in 2003, women with big breasts had ten point higher I.Q’s. on average than their less well endowed counterparts.

Das scheint ja ein ziemlich eindeutiges Ergebnis zu sein. Man darf gespannt sein, wie diese zunächst widersprüchlichen Erkenntnisse miteinander in Einklang zu bringen sein werden. Und natürlich sind mit diesen wenigen Gedankengängen nur einige von vielen Hypothesen formuliert zu der Frage, warum Männer den Po von Frauen attraktiv finden und welche Männer welchen besonders.

5. Die Erblichkeit der Fettverteilung auf dem Körper ist bei Frauen weltweit etwa doppelt so hoch wie bei Männern

[6.6.21] Aktualisierung: In einem Aufsatz, der neuere Forschungen überblicksartig und zusammenfassend behandelt ("Review") wird berichtet (8):

Die Erblichkeit der Fettverteilung auf dem Körper ist sehr stark geschlechtsspezifisch.
The heritability of fat distribution is highly sex-specific as well. For example, the heritability of WHR varied significantly between sexes in the Framingham Heart Study (h2 women = 0.46, h 2 men = 0.19, Pdifference = 0.0037) and the TwinGene Study (h2 women = 0.56, h2 men = 0.32, Pdifference = 0.001). In line with this, numerous genetic studies have found a considerable number of WHR-related loci manifesting marked sexual dimorphism.

Das heißt, bei Frauen ist die Erblichkeit fast doppelt so hoch wie bei Männern. Wenn das nicht zu denken geben sollte. Man fand 12 Gen-Orte, die in Zusammenhang mit dem Taille-Hüft-Verhältnis bei Frauen stehen aber nur drei, die diesbezüglich in Zusammenhang bei Männern stehen (8):

Sex-stratified analyses by Heid et al. showed that 12 of 14 WHR-associated loci reached genome-wide significance level in women, but only three in men.

Dies gilt sowohl in Populationen europäischer wie in solchen afrikanischer und asiatischer Abstammung.


/ Letzte Aktualisierung:
6.6.21 /

______________________________________________
  1. W. Siffert, P. Forster, K. H. Jockel, D. A. Mvere, B. Brinkmann, C. Naber, R. Crookes, P. Heyns Du, J. T. Epplen, J. Fridey, B. I. Freedman, N. Muller, D. Stolke, A. M. Sharma, K. al Moutaery, H. Grosse-Wilde, B. Buerbaum, T. Ehrlich, H. R. Ahmad, B. Horsthemke, E. D. Du Toit, A. Tiilikainen, J. Ge, Y. Wang, and D. Yang. Worldwide ethnic distribution of the G protein beta3 subunit 825T allele and its association with obesity in Caucasian, Chinese, and Black African individuals. J.Am.Soc.Nephrol. 10 (9):1921-1930, 1999
  2. Klemmstein, Wolfgang: Evolution von Sozialstrukturen. Unterrichtsmodell für die Sekundarstufe II. In: Unterricht Biologie, 18. Jg., Folge 200, Dezember 1994, S. 38-46
  3. William D. Lasseka, Steven J.C. Gaulin: Waist-hip ratio and cognitive ability. Is gluteofemoral fat a privileged store of neurodevelopmental resources? Evolution and Human Behavior 29 (2008) 26–34 (freies pdf)
  4. Viren Swami, John Jones, Dorothy Einon, Adrian Furnham: Men's preferences for women's profile waist-to-hip ratio, breast size, and ethnic group in Britain and South Africa. British Journal of Psychology, Volume 100, Issue 2, pages 313–325, May 2009, Article first published online: 18 Mar 2011, DOI: 10.1348/000712608X329525
  5. Miller, Geoffrey F.: How Mate Choice Shaped Human Nature - A Review of Sexual Selection and Human Evolution. In: Charles B. Crawford, Dennis Krebs (eds.): Handbook of Evolutionary Psychology: Ideas, Issues, and Applications. Lawrence Erlbaum Assoc Inc, 1997, S. 87-126, hier S. 112f
  6. Lynn, Richard: An examination of Rushton’s theory of differences in penis length and circumference and r-K life history theory in 113 populations. In: Personality and Individual Differences (2012), doi:10.1016/j.paid.2012.02.016 (freies pdf)
  7. K N Manolopoulos, F Karpe, K N Frayn: Gluteofemoral body fat as a determinant of metabolic health. International Journal of Obesity 34, 949-959 (June 2010) | doi:10.1038/ijo.2009.286 (kein freies pdf)
  8. C Sun, P Kovacs, E Guiu-Jurado: Genetics of Body Fat Distribution: Comparative Analyses in Populations with European, Asian and African Ancestries. In: Genes, 2021

Sonntag, 31. August 2008

Die menschliche Fähigkeit zum Unterscheiden von günstigen und ungünstigen kulturellen Merkmalen

Magnus Enquist
Stefano Ghirlanda
Es gibt verschiedene Theorien darüber, wie es möglich wurde, daß der Mensch so viel mehr Fähigkeiten und Wissen durch Nachahmung und anderes "soziales Lernen" erwerben kann, als der Schimpanse und alle anderen auch sehr intelligenten sozial lebenden Tiere (etwa Delphine, Papageien, Raben etc.). Theorien also darüber, DASS es beim Menschen umfangreiche Weitergabe kultureller Merkmale gibt. Nach Meinung der schwedischen Autoren Magnus Enquista (Bild links) und Stefano Ghirlanda (Bild rechts) (Journal of Theoretical Biology) (1) ist in diesen Theorien bisher zu wenig darüber nachgedacht worden, daß der Mensch nicht nur fähig ist, kulturelle Merkmale zu erlernen und weiterzugeben, die gut für sein genetisches Überleben (oder das seiner Gruppe sind), die also "adaptiv" sind, sondern ebenso solche, die schlecht sind für sein genetisches Überleben (oder das seiner Gruppe). Dies könnte man als einen sehr wichtigen Gedanken empfinden. Denn das ist ja "das Humanum" an sich: Ein viel größerer "Freiheitsgrad" in den Entscheidungen bei der Weitergabe oder Übernahme kultureller Merkmale. Nicht durch die Gene "gezwungen" zu sein, "das Gute" oder das evolutionär Angepaßte zu tun oder zu erlernen.

ResearchBlogging.orgEnquista und Ghirlanda stellen mit ihrer Arbeit nun die neue wichtige, in vielerlei Hinsicht tatsächlich entscheidende Frage: Was bewirkt denn das Herausfiltern von evolutionär schlecht-angepaßten kulturellen Merkmalen in unserer Kultur (oder in der Kultur des ostafrikanischen Australopithecus)?
"To prevent accumulation of maladaptive traits, it appears that each generation must 'filter out', or discard, at least some maladaptive culture. Such adaptive filtering is an important addition that may increase the adaptive value of culture. (...) The possibility of adaptive filtering changes dramatically the coevolutionary scenario for the evolution of social learning. As we saw earlier, in the absence of adaptive filtering genetic evolution is expected to improve social learning until culture is no longer adaptive. (...)

If adaptive filtering is sufficiently strong, however, culture is adaptive. (...) With sufficient adaptive filtering, adaptive culture is possible even if (...) new traits are on average maladaptive. Genetic evolution favors individual capacities for adaptive filtering under broader conditions than capacities for social learning. (...) There can be selection for adaptive filtering even when the adaptive value of culture is small, suggesting that selection for adaptive filtering may have been stronger than selection for social learning at the dawn of human culture."
Tatsächlich, man könnte mutmaßen, daß das "Projekt Mensch" schon sehr früh in einer evolutionären Sackgasse geendet wäre, wenn die genetische Evolution nicht stärker noch als das soziale Lernen an sich die Fähigkeit zum "adaptiven Filtern" kultureller Merkmale hervorgebracht hätte. Der Mensch ist fähig, auf so viele unsinnige Gedanken und "Macken" zu kommen, daß das sehr nötig gewesen sein könnte und immer noch nötig ist.

Die große Frage aber bleibt: Wo ist dieser Scanner? Wie sieht er aus? Nach welchen Kriterien filtert er? Wie sehen seine Auslöse-Mechanismen aus? Meine Vermutung wäre, daß auch dies (zunächst) sehr viel mit "Gruppenverantwortung", mit Verwandten-Altruismus zu tun hat: Reifere, erwachsene weibliche oder männliche Tiere/Menschen in der Gruppe oder auch junge, innovative, sorgen mit wachsamem Auge darüber, daß sich nicht allzuviele maladaptive kulturelle Merkmale in der Gruppe ansammeln, bzw. erfinden adaptive Merkmale. (Vielleicht gibt es hier auch eine Aufteilung der Aufgaben für "Jung" und "Alt": Die Jungen erfinden Neues, die Alten "filtern" davon das Nützliche heraus?) Hierbei kommt dann sicherlich auch zunehmend mehr das logische Denken mit ins Spiel, die Fähigkeit des Durchdenkens von Folgen des Handelns auf der "inneren Bühne" der eigenen Psyche, was in der Folge dazu führen könnte, daß darauf gedrängt wird, gruppen- oder individuen-schädliche kulturelle Merkmale, Verhaltensweisen zu meiden und nützliche (adaptive) Merkmale und Verhaltensweisen zu fördern.

In einem weiteren Schritt wäre über das Themenfeld Täuschung und Selbsttäuschung nachzudenken. Denn der Mensch besitzt in einzigartigem Maße die Fähigkeit, sich selbst zu täuschen und dabei nicht ausreichend über die Folgen seines Handelns nachzudenken. Auch läßt er sich leicht und gern von anderen - bewußter oder weniger bewußt - täuschen. Diese "cheater detection", das Erkennen von Täuschern und Täuschungen (in sich selbst und anderen) dürfte ein wichtiges Merkmal aller menschlichen Kulturen sein, die sich ihre genetische Überlebensfähigkeit bewahren (oder bewahren wollen). Da Menschen sich wohl nirgends so folgenreich belügen und betrügen wie in der Politik, bzw. in der Geschichte, müßte aus evolutionärer Sicht gefordert sein, daß die Fähigkeit zur "cheater detection" gerade bei Politikwissenschaftlern und Historikern besonders ausgeprägt sein sollte.

Die Anwendung auf heutige Verhältnisse westlicher Gesellschaften kann an dieser Stelle des Nachdenkens dem Leser überlassen bleiben, bzw. er kann auf "cheater detection"-Literatur in unserem Buchladen verwiesen werden. Man könnte auch folgendes formulieren: Zeitgeschichts-Forschung ist heute nur noch selten das Erforschen grundlegender Wahrheiten über menschliches Verhalten in der Geschichte, sondern zunächst einmal größtenteils: cheater detection. Abschließend noch einmal die Autoren:
"Culture can remain adaptive, and imitation abilities continue to improve, if maladaptive traits are continuously filtered out. Thus the evolution of adaptive filtering may have been at least as important as the evolution of imitation for the origin of human culture. We may speculate that non-human animals have only rudimentary social learning abilities (compared to humans) not because social learning is especially difficult to evolve, but because it is not useful unless one cannot discriminate between adaptive and maladaptive cultural traits." "The evolution of such 'adaptive filtering' mechanisms may have been crucial for the birth of human culture."
Die Kultur muß insgesamt adaptiv sein und die menschliche Psyche ist fähig zu bewerten, ob sie das ist oder nicht. Der Mensch bleibt aufgefordert, diese seine psychischen Potentiale zu nutzen.

(ursprünglich veröffentlicht am 15.11.2007)

1. M ENQUIST, S GHIRLANDA (2007). Evolution of social learning does not explain the origin of human cumulative culture Journal of Theoretical Biology, 246 (1), 129-135 DOI: 10.1016/j.jtbi.2006.12.022

Donnerstag, 28. August 2008

Hoimar von Ditfurth - vor 20 Jahren

Hoimar von Ditfurth hat glaubwürdig Religiosität mit einem naturalistischen Weltbild verbunden. Von Menschen wie ihm bräuchten wir heute mehr.



Ditfurth 1988, ein Jahr vor seinem Tod: "Sie meinen, ob ich Angst vor dem Tode habe? Ich glaube, daß ich das ehrlich verneinen kann ..."

(Das Video braucht lange zum Herunterladen - am besten leise stellen und zwischendurch was anderes machen und ansehen, wenn es fertig heruntergeladen ist.)

Hoimar von Ditfurth würde sich heute für viele ähnliche Dinge interessieren, für die sich "Studium generale" interessiert. In seinem letzten Buch "Innenansichten eines Artgenossen - Meine Bilanz" findet sich auch viel von seinen persönlichen Lebenserfahrungen. Während des Zweiten Weltkrieges hat er Medizin studiert. Er analysiert vieles sehr nüchtern und ganz ehrlich.Lesenswert zum Beispiel das Kapitel "Die Paläontologie des Gehirns" (S. 141ff) und andere.

Dienstag, 12. Februar 2008

Deutsche nationale Identität ja - aber wie?

Auf dem Blog von Michael Blume hat sich eine interessante kleine Diskussion zur deutschen nationalen Identität ergeben (unter dem Titel "Deutschland - eine NS-Vergleiche"). *)

"Unser Land" - ein Abstraktum?

Wissenschaftsblogger Lars Fischer schrieb dort unter anderem:
Identitätsbildung ist ein langfristiger Prozess, und die (neu-)Bildung der "deutschen" Identität hat erst 1990 wirklich begonnen. (...)

Was dabei rauskommt kann man jetzt natürlich noch nicht sagen. Erfreulicherweise dürfte es auch auf etwas anderes hinauslaufen als die gängigen Feindetotschlag-Feiertage in anderen Ländern. Möglicherweise wird Deutschland als solches deswegen nie mehr eine nationale Identität entwickeln.

Wozu auch? Das mag zwar "für die Zukunft unseres Landes" wichtig sein, aber "unser Land" ist ein Abstraktum, das für die konkreten Menschen im Ernstfall eher zweitrangig ist ...

Werner Heisenberg - ein deutscher Patriot
"Goethe, Lessing, Kant & Co. nicht den Dummköpfen überlassen"

Darauf antwortete Michael unter anderem, es komme
entscheidend darauf an, dass die demokratische Mitte der Gesellschaft sich die symbolische Bedeutung und Definition von Heimat, Geschichte, Identität, Vaterland etc. nicht entwinden läßt. Deutschland, seine Sprache, Leistungen, Denker etc. sollten wir nicht den Dumpfköpfen überlassen, die Goethe, Lessing, Kant & Co. vor lauter Suff und Hass meist nicht einmal buchstabieren können. (...)

Wenn wir uns darum herumdrücken, Heimat positiv zu leben und zu erzählen - wie kann dann eine gemeinsame Identität entstehen. Aus der Begeisterung um die Fussball-WM ist mir vor allem der erleichterte Seufzer deutsch-ausländischer Freunde im Gedächtnis geblieben: "Endlich mögen sich die Deutschen mal selbst - dann kann ich endlich auch dazu gehören."
Werner Heisenberg

Und darauf hin schrieb ein Dmitrij Pliner:
Eine interessante Frage ist, wie definiert man die eigene Identität, die man mit einer Gruppe teilt? Über die gemeinsame Vergangenheit oder gemeinsame Gegenwart?
In langen Gesprächen erklärte Werner Heisenberg Nils Bohr, mit welcher Einstellung die Deutschen 1914 in den Krieg gezogen sind (siehe sein Buch "Der Teil und das Ganze - Gespräche im Umkreis der Atomphysik").

Ein gemeinsames "emotionales Fundament"?


Offensichtlich sieht er bezüglich vieler Menschen in Deutschland heute eine gemeinsame Gegenwart, nicht aber eine gemeinsame Vergangenheit. Michael weiß darauf aber scheinbar auch keine rechte Antwort. Er schreibt:
Ich würde sagen: immer beides. Denn schon der Terminus "gemeinsam" verweist ja auf Verbindungen, die (auch) in der Vergangenheit bestanden.
Ja? Und welche wären das? - Und weiter sagt er:
Mir ist keine, bedeutendere politische Körperschaft bekannt, die ohne zivilreligiöse Mythen, Rituale, Feiertage etc. ausgekommen wäre. Wo diese Klammern schwach bleiben (z.B. Belgien), drohen sie irgendwann auseinander zu brechen. Und schon aus demografischen Gründen nimmt die Vielfalt hierzulande stark zu - und so stellt sich die Frage, ob wir ein gemeinsames Haus auch mit emotionalem Fundament werden errichten können...
Werner Heisenberg (rechts) mit seinem Vater und seinem Bruder 1914 bei Kriegsausbruch

Deutsches Nationalgefühl ist zum Teil anders als das der Franzosen, Briten und Amerikaner

Jedenfalls gab ich dann - unter anderem - folgenden Senf dazu:
Ist es nicht so, daß wenn man als Deutscher anfängt, seine eigene nationale Identität positiv zu bewerten, man wie in ein minen-verseuchtes Gelände kommt, wo man sich gar nicht mehr traut, irgendwo einen Fuß hinzusetzen?

Ich habe es Anfang 1990 auf einer CDU-Wahlveranstaltung in Weimar mit großer Überraschung erlebt, wie leicht (westliche) Politiker, auch solche, von denen man es im Westen nie erwartet hätte, auf der "nationalen Welle" schwimmen können. Und zwar jede Art von Politiker, das hat mich so gewundert. Nationale Gefühle auszulösen ist für einen Politiker unglaublich einfach. Und man ist als Zuhörer in einer größeren Menge in einer politischen Versammlung sehr leicht geneigt, auf "nationales Schwadronieren" zu reagieren und mitzugehen. Und mehr noch: Ich hatte das sichere Gefühl: All diese Politiker wissen das. Sie setzen das sehr bewußt bei ihren Reden ein - oder eben auch nicht.

Jedenfalls wird dieses "leichte Ansprechen" der Hauptgrund sein, weshalb auf diesem Gebiet überall Tretminen ausgelegt sind. Das Nationalgefühl von uns Deutschen ist auch - schon geschichtlich - ein ganz anderes als das der Franzosen, der Briten, der Nordamerikaner. Ich bin mit dem Philosophen Fichte ("Reden an die deutsche Nation") oder mit Heinrich Heine ("Über Religion und Philosophie in Deutschland") der Meinung, daß wir Deutschen allein aufgrund unserer Sprache "dichter dran sind" an bestimmten Arten von Religiosität (und Philosophie) als andere, westliche Völker. Wir sind leicht geneigt, unser Heimatgefühl zu einer irrsinnig gewaltigen Religion hochzupuschen. Jedenfalls viel leichter als die westlichen Völker.

Die Briten - z.B. - sind leichter geneigt, aus dem Darwinismus eine Religion zu machen. Das würde uns Deutschen - in der Selbstverständlichkeit, in der es dort geschieht - wohl nie in den Sinn kommen. Einen Richard Dawkins, einen William D. Hamilton, einen Charles Darwin und wie sie alle heißen mit all ihrem "pragmatischen Denken" kann man sich in Deutschland gar nicht vorstellen. Das ist eine Stärke und eine Schwäche, jeweils auf beiden Seiten in unterschiedlicher Weise. Idealerweise würden sich beide Völker dann ergänzen, statt jeweils nur die Schwäche des anderen zu sehen.

Denn ich bin der tiefen Überzeugung, daß (auch) dieser einzigartige "deutsche Geist" von dieser Welt nicht verschwinden darf. Dazu muß man ihn aber als Deutscher erst einmal leben. Und das ist - schon wegen der vielen Tretminen - schwer genug.
Erläuterung der 1925 auf Helgoland entdeckten Heisenberg'schen Unbestimmtheits-Relation in Kurzform:
"Nein, Herr Polizist, ich weiß nicht, wie schnell ich gefahren bin. Aber ich weiß
genau, wo ich bin." (Werner Heisenberg bei einer Verkehrskontrolle)

- Darauf käme es wohl an: Auch dann, wenn man geistig "schnell fährt", noch genau zu wissen, wo man ist. Werner Heisenberg war ein zutiefst religiöser und philosophischer Mensch, der geistig "schnell fahren" konnte. Und er wußte deshalb auch auf Fragen der deutschen Nationalgefühls tiefer ausgelegte Antworten zu geben, als sie gemeinhin gegeben und erörtert werden. Werner Heisenberg übrigens entstammte ebenfalls der Jugendbewegung und fühlte sich ihr verbunden. (Siehe voriger Beitrag und ebenfalls das genannte Buch "Der Teil und das Ganze".)
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*) Da für mich der Atomphysiker Werner Heisenberg im 20. Jahrhundert sehr vorbildlich deutschen Patriotismus gelebt hat, was man in seinem Buch "Der Teil und das Ganze" genauer nachlesen kann, habe ich diesen Beitrag mit einigen Bildern von ihm illustriert.

Dienstag, 22. Januar 2008

Khaled Hosseini - Drachenläufer

Der Film "Drachenläufer" nach dem gleichnamigen, 2004 erschienenen Roman-Bestseller von Khaled Hosseini, der am 17. Januar in den deutschen Kino's angelaufen ist, ist wirklich gut. Ein wirklich guter Film. Man erfährt zum ersten mal (!) etwas von dem traditionellen Denken in den Stämmen Afghanistan's, insbesondere bei den Paschtunen, ein Denken in den Kategorien von Ehre und Respekt, das sich auch bei modern denkenden Paschtunen gehalten hat, selbst bei jenen, die in die USA emigriert sind. Und dieses Denken kann einem auch Achtung abgewinnen, da es Menschen auch veranlassen kann, um gewisser Prinzipien willen sehr edel zu handeln, um gewisser Prinzipien willen ihre Heimat zu verlassen, ihr Leben auf das Spiel zu setzen - mitten aus dem Alltag heraus.

Filmszene

Traditionell-modernes Stammesdenken in Afghanistan

Man erfährt auch, daß dieses Denken bei modern denkenden Afghanen das Denken in den Kategorien von Verachtung der Angehörigen anderer Stämme (hier der Hazara) überwinden kann - eines der Hauptthemen dieses Romans und Films. Es gibt übrigens Vermutungen, daß die Hazara Nachkommen der Mongolen unter Tschingis Khan waren.

Filmszene

Die sowjetische Invasion in Afghanistan wird ganz und gar als das dargestellt, was sie war: abscheulich und hassenswert. Die fanatischen Mullah's und die Taliban werden als das dargestellt, was sie - offenbar - wirklich zu großen Teilen waren und sind: zutiefst abscheulich und hassenswert. Es kommt aber auch zum Ausdruck, daß die Herrschaft der Taliban zu Teilen nur eine Folge der sowjetischen Besatzung und des Widerstandes gegen sie war.

Das eine Extrem wurde mit einem anderen Extrem beantwortet - wie so oft in den letzten hundert Jahren. Und heute hat man in Afghanistan damit immer noch zu tun - mit den Folgen der russischen Besatzung. Auch in Tschetschenien war und ist es nicht anders. Und die Gemäßigten, die aber dennoch das traditionelle Denken in moderne Zeiten retten wollen, so wie offenbar Khaled Hosseini selbst, sowie der Vater und Schwiegervater des Protagonisten im Roman, sie werden zwischen den Mühlsteinen der Geschichte zerrieben.

Khaled Hosseini

Der 1967 geborene Khaled Hosseini sagt über seinen Roman (berlinverlage.de):
Ich wollte die Leute daran erinnern, daß es ein Afghanistan vor der sowjetischen Invasion von 1979 gab und daß Afghanistan jahrzehnte lang in Frieden gelebt hatte, ohne daß irgend jemand eine Rakete abfeuerte. (...) Da ich in dieser Zeit - den letzten Jahren der Monarchie, der Geburt der Republik und den ersten Jahren von Daoud Khans Herrschaft - in Kabul gelebt habe, fühlte es sich richtig an, darüber zu schreiben.
Der Autor Khaled Hosseini setzt sich inzwischen auch für andere vergewaltigte Völker in der Welt ein. (UNHCR)

Warum - erst - jetzt?

Der Film ist also wirklich gut. Ich frage mich nur eines: Warum jetzt? Warum - erst - jetzt? Als ich vor Jahren auf dem Stand der "Gesellschaft für bedrohte Völker" auf der Buchmesse in Frankfurt half und unser Thema die Unterdrückung der Frau in Afghanistan war, hatte ich sogar Gelegenheit, mir von Afghanen selbst die Situation in Afghanistan erklären zu lassen. - Ich habe dabei damals praktisch nichts verstanden. Es kam mir alles viel zu kompliziert vor. Der Film jetzt gibt mir zum ersten mal einen echten Einblick, so daß ich mir sage: Ja, ich glaube, etwas über die Situation in Afghanistan zu verstehen.

Noch einmal: Warum erst jetzt?

Warum ist eine solche gute filmische Darstellung, die tiefer in das eigentliche innere Leben und Denken der Menschen in Afghanistan einführt, und die zugleich einen solchen Bekanntheitsgrad bekommen hat, nicht schon viel früher, vor Jahren, vor Jahrzehnten in die Kino's gekommen? Warum haben zumindest ähnlich wertvolle Filme von Tschetschenen selbst über das Schicksal ihres eigenen Landes, Filme, die ich selbst zu später Stunde im deutschen Fernsehen zufällig habe sehen können, niemals einen solchen Bekanntheitsgrad erhalten, eine solche Breitenwirkung in der westlichen Welt entfalten können?

Ich mißtraue der "public relations-Industrie" zutiefst. Ich habe den Verdacht, auch dieser Film dient einem sehr vordergründigen politischen Zweck: Er soll den eigentlich sowieso nur noch dumpf bestehenden Widerstand in der westlichen Welt gegen den Einsatz internationaler militärischer Kräfe, unter anderem auch deutscher in Afghanistan psychologisch-emotional unterlaufen. Er soll diesen Einsatz rechtfertigen. Man sagt sich: Jetzt, wo ich etwas mehr über Afghanistan weiß, verstehe ich auch, warum deutsche Truppen dort sein müssen. Warum es gut ist, daß sie dort sind ...

Hosseini und Forster, der Macher des Filmes

Oh, die "public relations-Industrie" ist eine sehr perfide Angelegenheit und ich mißtraue ihr zutiefst. Der Film ist gut. Und Khaled Hosseini ahnt bestimmt nicht besonders scharf, daß er "benutzt" wird. Oder er duldet es ... Oh, diese perfide "public relations-Industrie". Menschliches Leid wird fast immer erst dann für sie interessant, wenn es zu politischen Zwecken ausgeschlachtet werden kann. Noch einmal: Das ändert nichts daran, daß der Film gut ist. Auch der Roman "Nicht ohne meine Tochter" vor allerhand Jahren war gut, selbst wenn seine Popularität auch damals wahrscheinlich gewissen politischen Zwecken gedient haben dürfte.

Hosseini mit Dabbelju

So edel wie die Paschtunen in dem Film denkt doch in der "public relations-Industrie" heute keiner mehr ...



Khaled Hosseini in Dafur

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Ergänzung 23.1.07: Aha, wer sagt es denn. - Meldung von heute: "Bundeswehr-Kampfeinsatz in Afghanistan rückt angeblich näher". (Yahoo)

Mittwoch, 5. Dezember 2007

"Gegen Gossenjournalismus zur Quotenmaximierung"

Frau Maria Steuer, die Leiterin des Familiennetzwerks, weist in ihrem jüngsten Rundbrief auf die Mahnwache einer "Interessengemeinschaft gegen Medienmanipulation" beim ZDF in Mainz am Freitag aus Anlaß der Fernsehrats-Sitzung hin. In letzterer soll auch die Kerner/Herman-Angelegenheit besprochen werden. Diese "Interessengemeinschaft" fordert seit vielen Wochen vom ZDF und anderen Medien, deutlich wahrnehmbare Konsequenzen aus dem Geschehenen zu ziehen. Es heißt auf ihrer Seite:
Diese Homepage und das hinterlegte Forum dienen in erster Linie der Dokumentation aller veröffentlichten Presseberichte und Hintergrundinformationen, auch offener Briefe und Kommentare zum "Kerner-Eklat". Die Zusammenfassung der Chronologie und weitere Beobachtung der Begleitumstände rund um die offensichtlich gezielte Manipulation der Medien zwecks Diffamierung einer Einzelperson, hier Frau Eva Herman, ist Anlass für die Bildung einer "Interessengemeinschaft gegen Medienmanipulation", die sich aus mündigen Bürgern zusammensetzt, welche sich einem gemeinsamen Ziel verpflichtet fühlen: Sie wollen in einer die Freiheit der Rede achtenden Demokratie leben, die diese Bezeichnung auch verdient. Und sie sind nicht bereit hinzunehmen, wie zunehmend wirtschaftliche und politische Interessen die freie Informationsbeschaffung und objektive Berichterstattung unterdrücken und manipulieren.
Ich kenne die Leute nicht, die dies organisieren - aber das klingt für mich alles sehr gut:
Dies ist keinesfalls eine "Eva-Herman-Fanseite". Es geht uns nicht darum, für die familienpolitischen Ansichten von Eva Herman einzutreten, die sie in Ihren öffentlichen Auftritten und Publikationen vertritt, sondern darum, das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung zu verteidigen. Und da der Medienskandal Eva Herman nach wie vor hochaktuell ist, wollen wir nicht nur, dass die in diesem Zusammenhang vorgenommenen Zitatfälschungen, Verdrehungen und Manipulationen lückenlos aufgeklärt, sondern vor allem auch, dass sie nicht weiter fortgeführt werden. Unabhängig davon, ob wir die Meinung von Eva Herman nun teilen oder wie wir persönlich zu ihren Thesen stehen: Unser Ziel muss es auch sein, zu Frau Hermans vollständiger Rehabilitation beizutragen. Der Erfolg unserer Interessengemeinschaft wird nicht zuletzt auch davon abhängen, inwieweit es uns gelingt deutlich mehr Menschen über die Vorfälle aufzuklären, zum Nachdenken anzuregen und für die Mitarbeit zu gewinnen. Auch für die Aktionen die wir vorhaben, denn es gibt noch viel zu tun.
Auf der Seite werden viele sehr klare Worte geäußert. Hier zum Beispiel ein Aufruf zur Mahwache beim Landesstudio des ZDF in Düsseldorf von B. Bruns (Hervorhebung durch mich, I.B.):
Mahnwache in Düsseldorf

Freitag, 26. 10. 2007, ab 14:00 Uhr

vor dem Landesstudio des Zweiten Deutschen Fernsehens,
Josef-Gockeln-Straße 8

Gegen die mediale Hinrichtung der integeren Frau Eva Herman durch den ZDF-Moderator Johannes B. Kerner;

Gegen den Gossenjournalismus zur Quotenmaximierung und den Verfall des kulturellen Niveaus, insbesondere in den von den Bürgern zwangsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Medien mit gesetzlichem Sendeauftrag;

Gegen die ungeprüfte fahrlässige Übernahme evident falscher Agenturmeldungen, die letztlich in der Konsequenz zu einer Gleichschaltung der Medien bei der Verbreitung von bedenklicher Berichterstattung führen.

Der würdelose Umgang von Johannes. B. Kerner in seiner Sendung vom 9.10.2007 mit seiner eingeladenen Gesprächspartnerin Eva Herman führte in der Bevölkerung zu einer Empörungswelle, die wohl einmalig sein dürfte in der deutschen Mediengeschichte. Dabei hatte Eva Herman in dem Kerner-Tribunal mehrfach unmissverständlich von einer ihr unterstellten ideologischen Nähe zum damaligen verbrecherischen Naziregime distanziert. Jedenfalls hat Sie in dieser Sendung nichts gesagt, dass die Toleranzschwelle von Demokraten auch nur annähernd hätte tangieren können.

In Tag- und Nachtschichten artikulieren die verärgerten und entsetzten Bürger und Bürgerinnen seither im „besetzten“ Forum des ZDF ihre massive Kritik an dieser offenbar gezielt inszenierten Krawallsendung. Viele tausende von Protesten und Forderungen – auch in den Foren diverser Printmedien - konnten bis heute die Verantwortlichen des ZDF nicht zu einer nachvollziehbaren Stellungnahme bewegen.

Das ZDF verweigert zu der von ihr zu verantwortenden Skandalsendung beharrlich jeden Dialog mit seinen kritischen Zuschauern. Der öffentlich-rechtliche zwangsfinanzierte „Kommunikationskonzern“ mag mit seinen Zuschauern partout nicht kommunizieren. Die Menschen, die Antworten auf den Vorgang verlangten, erlebten beim ZDF einen unvermuteten Abgrund an Arroganz. Offenbar wird in den Chefetagen der Sendeanstalt die naive Strategie verfolgt, den Skandal auszusitzen und abzuwarten, bis die Gebührenzahler ermüden, peinliche Fragen – auch mit Wirkung für die Zukunft – zu stellen. Diese plumpe Strategie wird scheitern.

Die Kerner-Affäre hat sich derweil zu einer massiven Vertrauens- und Glaubwürdigkeitskrise des ganzen Zweiten Deutschen Fernsehens entwickelt. Ein Krisenmanagement gibt es in dieser Sendeanstalt offenbar nicht. Alle vorgesehenen Kontrollgremien versagen kläglich. Das ist das traurige Resümee der Community.

Bereits in Mainz hat jüngst eine von der Community delegierte Gruppe von Menschen versucht, einen Dialog mit dem Sender zu erreichen. Es gab vage Versprechungen, bisher ohne Erfolg.

Jetzt folgen engagierte Aktionen der Internetgemeinde in Düsseldorf, Hamburg. Berlin und anderswo um mit ZDF-Verantwortlichen endlich ins Gespräch zu kommen.

Der mediale Kerner-Krawall, dieser Glaubwürdigkeits-Gau, hatte allerdings auch eine höchst wertvolle Wirkung: Viele tausend Menschen sind dadurch aufgewacht. Und sie fragen sich seither, warum die evidente Lüge und Manipulation zum Handwerkszeug der „Meinungsmacher“ gehören. Denn es hat sich an diesem Skandal auch gezeigt, dass der Mainstream der Medien – die veröffentlichte Meinung – oft bei weitem nicht identisch ist mit der Meinung jener, die hier zu Lande in der Politik nur noch bei Wahlen wahrgenommen werden.

Die anhaltende Empörung der Menschen – jenseits aller politischen und weltanschaulichen Präferenzen – muss Folgen haben. Eine der Forderungen: Herr Kerner hat sich bei der integeren Frau Herman öffentlich zu entschuldigen oder er kann als Repräsentant eines öffentlich-rechtlichen Senders nicht mehr konsensfähig sein. Auch wird vom ZDF verlangt, dass der unakzeptable Vorgang in einer ZDF-Sendung adäquat und transparent „aufgearbeitet“ wird: Vergangenheitsbewältigung sozusagen.
In Mainz hat einmal eine Elisabeth Noelle-Neumann gelehrt. Es sollte dort wohl doch eine Besinnung auf anständigen Journalismus möglich sein.

Samstag, 24. November 2007

Vergoogelt und veräppelt?

Fragen zur "Politik" von Google

Hab ich was gegen Apple? Nichts habe ich gegen Apple. Warum denn auch. Aber habe ich vielleicht etwas gegen Google? Aber ja doch, ja. Seit Neuestem hab ich vielleicht was gegen Google. Gegen Google, Google, Google.

Und das kam so. Gebe ich doch gestern das Suchwort "Robin Dunbar" in die Google-Suche ein und vergleiche die Treffer dort mit denen bei der Yahoo-Suche. Bei Yahoo kommt der entsprechende neueste (und - wie ich finde - nicht ganz unwichtige) "Studium generale"-Beitrag zu diesem Thema an 14. Stelle (Seiten auf Deutsch) und an 19. Stelle (international). Aber bei Google? Was ist denn da los? Google, Google, Google! - ???

Erste Verwunderung: Auf Platz 6 erscheint der Buchladen von "Studium generale" mit dem entsprechenden "Robin Dunbar"-Buch. Nun gut, nichts dagegen. Aber was ist mit "Studium generale" selbst? Darauf kommt's doch eigentlich an. Ich blättere und blättere und blättere (Suchfunktion "Seiten auf Deutsch"). Und auf Seite 6 habe ich immer noch keinen "Studium generale"-Treffer gefunden und bin mit meiner Geduld am Ende. Nur über "Bloggerei.de" (am 10. Platz) und über einen beiläufigen Kommentar bei Michael Blume (auf dem 41. Platz) stolpere ich schon vorher mal - mit viel Glück - über "Studium generale". - Aber Hallo! Aber Hallo! Was ist denn hier los? Warum wird die Kommentar-Funktion von Michael Blume von Google besser bewertet als die Beiträge selbst von "Studium generale"? Ich gönne es Michael ja ...

... aber: Was macht denn Google hier für eine "Politik"?

Entwicklung von Besucherzahlen

Zum ersten mal beginne ich, mir wirklich ernsthaft Gedanken über die Entwicklung der Besucherstatistik von "Studium generale" zu machen. Im Januar dieses Jahres gegründet verzeichnete "Studium generale" bis Juli einen rasanten Besucher-Anstieg - zumindest einmal für mich "rasant". Anstieg von Februar bis Juni von monatlich 750 zu monatlich 3.000 Besuchen. Das hätte doch eigentlich so weitergehen können? Aber dann, im letzten Drittel des Monats Juli ein ganz plötzlicher und abrupter Einbruch in den Besucherzahlen, wonach seither die Zahl der monatlichen Besuche weitgehend gleich geblieben ist. Aber wieso denn nun das?

Nun ist (mir) ja schon längst klar, daß der größte Teil der Besucher auf einem Blog über Google-Suche bei diesem landet. Das ist - beispielsweise - auch bei "Gene Expression" so. Und bei "Studium generale" nicht anders. Das sieht man ja auf dem eingebauten "Sitemeter" (hier auf dem Blog ganz unten) sehr deutlich. Und wenn man eben über Inhalte schreibt, nach denen viele Menschen bei Google suchen, kriegt man halt viele Besucher. So einfach ist das. - Dachte ich.

Seit Juli redete ich mir immer noch ein, daß vielleicht Google-Suche nach Häufigkeit neuer Einträge auf einem Blog mitwertet, und daß möglicherweise deshalb "Studium generale" offenbar seit Ende Juli nicht mehr auf den vorderen Treffenrängen landet. Denn Anfang August begann ich für zwei Monate weniger zu schreiben als in den Monaten davor (wie man an der Randspalte "Blog-Archiv" deutlich sieht).

Aber ich hatte auch schon damals - Ende Juli - das dumpfe Gefühl, daß das mit der Zahl der wöchentlichen Beiträge eigentlich nicht viel zu tun haben kann, denn die Besucherzahlen sanken schon recht abrupt früher als die wöchentliche Zahl meiner Beiträge. Außerdem sind die letzteren längst seit Monaten wieder auf einem höheren Stand, insofern hätte sich längst wieder eine Steigerung der Besucherzahlen ergeben müssen, wenn ein solcher Zusammenhang bestehen würde. Aber nichts davon zu sehen:


Was hat denn Google gegen "Studium generale"?

Und diese "Robin Dunbar"-Probe macht dies für mich nun ganz eindeutig. Eine zweite Probe ist das Suchwort "Daseinskompetenzen", über das ich schon am 21. April geschrieben hatte. Mein damaliger Beitrag begann mit den Worten:
Ich habe gerade meinen ersten Wikipedia-Artikel geschrieben, nachdem ich festgestellt habe, daß "Studium generale" als erster Treffer bei Google angezeigt wird, wenn man den Begriff "Daseinskompetenzen" eingibt. (...)
Man gebe heute einmal den Begriff "Daseinskompetenzen" bei Google ein. Wiederum von "Studium generale" weit und breit nichts zu sehen. Und wiederum bei Yahoo-Suche gleich auf dem dritten Platz (wie zuvor ja auch bei Google). Auf dem 8. Platz bei Google nur wieder eine weitere "Filiale" von "Studium generale", nämlich sein "Archiv" bei Yahoo-Groups, das nun wiederum von Google besser bewertet wird als "Studium generale" selbst.

Was hat denn Google gegen "Studium generale"? Früher gepäppelt, heute veräppelt? Oder gibt es dafür eine rein technische Erklärung, die mit bewußter "Politik" nichts zu tun hat? Leide ich schon an Verfolgungswahn? Aber sprechen die Tatsachen nicht für sich selbst?

Zum Thema "Google in der Kritik" findet man bei Wikipedia einiges Nützliche.

Dienstag, 6. November 2007

Die Altruisten von Tschernobyl

Die Reakterkatastrophe von Tschernobyl darf nie vergessen werden. Ein damaliger Fotograph hat einen wertvollen Fotoband zu diesem Thema veröffentlicht. (Buchladen) In einer Rezension des Biophysikers Frank Schubert heißt es (Spektr. d. Wiss.) (Hervorhebungen durch mich, I.B.):
(...) Sowohl die Dokumentation als auch der Bildband sind sehr beeindruckend. Sie zeigen auf erschütternde Weise: Die Tschernobyl-Katastrophe war ein GAU, ein größter anzunehmender Unfall, der heute sehr zu Unrecht im kollektiven Vergessen versinkt. Denn das Ausmaß der Katastrophe bleibt unvorstellbar und dürfte dem größten Teil der Öffentlichkeit nie bewusst geworden sein. Die Folgen des Unglücks halten bis heute an und werden die nächsten Jahrtausende andauern.

Fast eine Million Menschen waren 1986 an den Aufräumarbeiten um den explodierten Reaktor beteiligt. Die meist jungen "Liquidatoren" - Hubschrauberpiloten, Soldaten, Reservisten, Bergmänner, Feuerwehrleute, Zivilisten - sollten die Folgen des Unfalls "liquidieren": die Trümmer des Reaktors einsammeln, das verseuchte Land reinigen, die Reaktor-Ruine mit einer Schutzhülle umgeben. Sie wurden aus der gesamten ehemaligen Sowjetunion nach Tschernobyl gekarrt, um gegen die Strahlung zu kämpfen. Viele bezahlten diesen Kampf mit ihrem Leben. Vermutlich waren es Zehntausende. Eine aussagekräftige Statistik dazu gibt es nicht.

Die Überlebenden sagen heute: Irgendjemand musste es tun. Und das ist die bittere Wahrheit, wie die Dokumentation und der Bildband zeigen. Jeder Windstoß wirbelte radioaktiven Staub in die Atmosphäre, der anschließend um die ganze Welt verteilt wurde. Und die Reaktor-Ruine setzte Tag für Tag strahlenden Rauch frei. Es gab keine andere Möglichkeit, als die radioaktiven Trümmer einzusammeln, zusammen mit dem Reaktor zu versiegeln und die Landschaft großflächig zu "dekontaminieren".

Man versuchte, hierfür Roboter einzusetzen. Ohne Erfolg - die Schaltkreise der Maschinen hielten der Strahlenbelastung nicht stand. Unterdessen rannte die Zeit davon. Was nur wenige wissen: Es drohte eine zweite Explosion in Tschernobyl. Sie wäre wesentlich schlimmer ausgefallen als die erste. Hätte sie stattgefunden, wäre Europa zum großen Teil unbewohnbar geworden.

Es ist dem Einsatz der Liquidatoren zu danken, dass diese zweite Explosion ausblieb und die Reaktorruine mit einem Betonsarkophag ummantelt wurde. Darauf weisen der Film und das Buch immer wieder hin. Gleichzeitig prangern sie an, wie die offiziellen Stellen mit den Liquidatoren umgingen. "Die Menschen, die am Sarkophag von Tschernobyl arbeiten, haben keine Namen", schreibt Kostin. "Sie kommen in keinem Register vor. Die Statistiken ignorieren sie. Man betrachtet sie als Versuchskaninchen."

Die Sowjets, das zeigt "Tschernobyl!" sehr deutlich, versuchten von Anfang an, die Auswirkungen der Katastrophe systematisch zu vertuschen. Und sie hatten anscheinend Erfolg damit. Weil statistische Erhebungen über die Opfer weit gehend fehlen, wird wohl niemand je die ganze Wahrheit über Tschernobyl herausfinden.

Doch leider tat sich auch der Westen in dieser Hinsicht unrühmlich hervor. Auf der ersten Tschernobyl-Konferenz Ende August 1986 in Wien sagten sowjetische Wissenschaftler, sie rechneten in den kommenden Jahrzehnten mit vierzigtausend Krebstoten infolge des Unfalls. Diese Zahl wollten einige Verantwortliche Westeuropas nicht akzeptieren. Als die Konferenz endete, sprach man von nur viertausend Toten - eine Zahl, die noch heute von offizieller Seite genannt wird. Zu den Gegnern einer transparenten Politik gehörte auch der damalige französische Gesundheitsminister Pierre Pellerin, der 1986 öffentlich bestritt, dass die radioaktive Wolke über sein Land gezogen sei.

Sowohl die Dokumentation "Tschernobyl!" als auch der Bildband "Tschernobyl - Nahaufnahme" sind sehr empfehlenswert, denn sie folgen nicht nur den damaligen Ereignissen, sondern zeigen auch, dass die verstrahlten Landschaften noch lange Zeit unbewohnbar bleiben werden. Schließlich haben die freigesetzten Radioisotope eine Halbwertszeit von vielen tausend Jahren.

Die größte Reaktorkatastrophe der Geschichte, das tritt deutlich hervor, wird auch die künftigen Generationen prägen. Eine Botschaft, die gerade heute wieder betont werden muss - in einer Zeit, wo die Supermächte fleißig ihre Nuklearwaffenarsenale modernisieren und über den Einsatz von so genannten taktischen Atomwaffen nachdenken.
Man muß den "Liquidatoren" von Tschernobyl Denkmäler setzen. Vielleicht - wahrscheinlich? - verdanken wir ihnen unser Leben. Zumindest wenn die Aussagen dieser Rezension richtig sind. Warum macht das niemand den Menschen im Westen klar? Was mich beeindruckt, ist der schlichte Satz der (bislang) "überlebenden" "Liquidatoren": "Irgend jemand mußte es tun." Diejenigen, die dies getan haben, haben jedenfalls wertvollere Dinge getan, als jene russischen Soldaten, die in Tschetschenien eingesetzt gewesen waren und immer noch sind. Vielleicht wird man sie irgendwann zu den größten Altruisten des 20. Jahrhunderts zählen?

War vielleicht gar Tschernobyl der Auftakt für "1989"? Für gänzlich ausgeschlossen muß man das nicht halten. Und außerdem: Die Sowjetunion hatte immer ihre "Helfershelfer" im Westen. Wer weiß, ob sie nicht heute immer noch tätig sind ... - Eine große Geschichte über ein Menschheits-Verbrechen und über Aufopferung von zehntausenden von Menschen für Millionen Menschen. Aufgeopfert haben sich übrigens auch all jene Atomkraftgegner, die seit den 1970er Jahren die größte Protestwelle in der deutschen Geschichte hervorgerufen haben. Wann endlich wird weltweit das letzte dieser Teufelsdinger genannt Atomkraftwerk abgestellt?

Offensichtlich reagieren die Mächtigen in der großen Politik immer erst nach großen Katastrophen. Die Wende von 1989 wurde wahrscheinlich von den Geheimdiensten in Ost und West eingeleitet nach diesem grandiosen Versagen des sozialistischen Systems - in der Sache selbst, nicht in der Propaganda und in der Desinformation.

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Freitag, 2. November 2007

Holocaust-Leugnung - hahaha ...

"Jewcy", ein "junges", "spritziges" amerikanisch-jüdisches Online-Kultur-Magazin, liebt es, in allen Farben zu schillern und in allen Tonlagen zu provozieren. Nicht, daß die "Washington Post" deshalb entsetzt wäre, sie betrachtet dieses junge journalistische Unternehmen mit Wohlgefallen. Die neueste Ausgabe von "Jewcy" hat einen Artikel mit der bösartigen Überschrift: "Holocaust-Leugnung im Jahr 2022". (Jewcy) Darin wird ein fiktiver Artikel aus dem Jahr 2022 formuliert - wohlgemerkt: alles reiner Spaß! -, der das "Neue Deutschland" den Völkermord an den Juden während des Zweiten Weltkrieges genauso leugnen läßt wie derzeit die Türkei den Völkermord an den Armeniern während des Ersten Weltkrieges leugnet.

Ach, es ist immer so schön zu provozieren und in allen Farben zu schillern, besonders bei Themen, bei denen andere ins Gefängnis kommen, wenn sie es nur ein bischen weniger lustig meinen. Aber wir meinen es hier ja auch lustig und zitieren entscheidende Ausschnitte, insbesondere deshalb, weil sie beklemmend "realitätsnah" klingen. Es wird die spitzfindige Unterscheidung zwischen bewußtem "Völkermord" ("genocide") und ("bloßem",) zum Teil weniger bewußten "Greueln", "Massakern" ("atrocity", "massacre") gemacht:
(...) New Germany acknowledges that between 1 and 1.6 million Jews died during the war, but contends that a vast majority of those deaths occurred in the throes of war (= in der Endphase des Krieges) when disease and starvation was widespread. According to New Germany the intent to exterminate Jews is historically unfounded. "There was a context for these events. Many Germans died and suffered as well, far exceeding the number of Jews. These were the sad unintended consequences of war." (...)
Der Artikel geht noch bösartiger weiter uns spricht von einer fortschrittlichen Bewegung im "Neuen Deutschland", genannt "Identitäts-Reformation":
(...) The Jewish tragedy is a sensitive issue in New Germany. Under a progressive movement called "Identity Reformation," the New Germans have radically reconsidered what an older generation had taken for granted. Historians in New Germany argue that between the First and Second World War Germany was caught between Jewish industrialists and Jewish socialists intent on overthrowing the German state. "They wanted to destroy the country from within," said New German Ambassador Norbert Sommer. "It was a difficult time. Everyone regrets the death of Jews, but wartime choices had to be made to save Germany's very existence."

Today, New Germany rejects the verdicts of the Nuremberg Trials that found members of the Nazi party guilty of war crimes, pointing out that Germans admitted to those crimes under duress from the prosecuting Allies. "No document has ever been produced that shows that Hitler ordered the extermination of Jews," Sommer said. "Indeed, many attempts were made by Germans at the time to find a safe harbor for Jews, including some negotiations with Zionists in Europe. It is a total fallacy that there was anything resembling genocide." (...)
Die Kommentatoren auf der "Jewcy"-Seite zu diesem Artikel sind bislang alle begeistert.

Was hier mit viel bösartigem Spott und Humor daher kommt, hat - wahrscheinlich - (auch) einen ernsthafteren Hintergrund: Man versucht, längerfristig einzukalkulieren, was alles auf das jüdische Volk zukommen könnte in der Zukunft und versucht, auch mental darauf vorbereitet zu sein.

Aber allgemeiner gefragt: Kommen wir aus der Epoche der humorlosen Moralisiererei heraus, ohne in die Barbarei des 20. Jahrhunderts zurückzufallen? Das dürfte eine entscheidende Frage der Zukunft sein. Das unbekümmerte Übersehen von Völkermord, der heute passiert (etwa in Tschetschenien) von Seiten der freiesten Gesellschaften, die es wahrscheinlich je in der Geschichte gegeben hat, läßt einen bezüglich einer solchen Fragestellung nicht besonders hoffnungsfreudig sein.

Verkehrte Welt ...

Während James Watson in der Öffentlichkeit, auch in "Slate", für den Vorschlag niedergemacht wurde, daß man Afrika anders fördern müsse als bisher - nämlich an seine distinkte Verhaltens- und IQ-Genetik angepaßt, wird weiter in der Öffentlichkeit, auch in "Slate" fröhlich über den besonderen Zusammenhang zwischen Genen und Kultur bei den Juden diskutiert:
(...) A culture that trains its young people to procreate only with one another becomes, over time, a genetically distinct population. And if that culture glorifies intelligence to such a degree that it drives less intelligent people out of the community—or prevents them from attracting mates—it becomes an IQ machine. Cultural selection replaces natural selection. For example, Jews have long emphasized male literacy. For this reason, Murray argued, anyone who was Jewish and stupid 2,000 years ago found "it was a lot easier to be a Christian." Entine called this kind of process a "bio-cultural feedback loop." (...)
Sehr fröhlich (Zitat: "your goyishe kop") auch in der Washington Post. Niemand wird entlassen oder bekommt Termine abgesagt. Die Geschichte macht fröhlich die Runde. (AEI, Gene Expr., Ph. Weiss, Steve Sailer) Ach so: Noch nicht mal die Entlassung von Charles Murray wird gefordert, noch nicht mal die von Jon Entine ... - Verkehrte Welt, oder was? Oder neue Bestätigung so mancher Thesen von Kevin MacDonald?

Donnerstag, 1. November 2007

James Watson's Kritiker gründlich widerlegt

Jason Malloy hat auf "Gene Expression" noch einmal ausführlich zur öffentlichen Verurteilung von James Watson Stellung genommen und insbesondere die Fakten diskutiert.
Watson's claim was that intelligence testing shows lower intelligence scores in Africa than Europe. Is this or is this not true?
"Watson sagte, daß Intelligenztests niedrigere WErte in Afrika als in Europa erbringen. Ist das wahr oder nicht?" Und er führt die Fakten an. Überraschend darunter für mich auch die neue Studie des deutschen Psychologen Heiner Rindermann in "European Journal of Personality" vom August dieses Jahres, die auf die enge Korrelation von verschiedenen Intelligenz-Tests über die Nationen hinweg verweist. Titel: "The g-factor of international cognitive ability comparisons: the homogeneity of results in PISA, TIMSS, PIRLS and IQ-tests across nations".

Und auch da werden durchschnittliche IQ-Werte für Südafrika von 63 bis 75 angeführt. Zum Teufel, also, was will man denn noch mehr! Und Jason Malloy verweist auch darauf, daß diese Studie von 31 internationalen Wissenschaftlern öffentlich diskutiert wurde, was von Rindermann beantwortet wurde, daß es sich also um eine durch und durch wissenschaftliche Abhandlung handelte.

Er verweist auch darauf, daß die Definition von "geistig behindert" eine reine kulturelle Definition ist. Sie wurde in den USA auch 1973 schon von 85 auf 70 heruntergesetzt, als bewußt geworden war, daß 50 % der Schwarzen in den USA unter diese Kategorien gefallen waren. Auch das könnte zeigen, daß Völker wie auf anderen Gebieten auch Gesundheit und Krankheit unterschiedlich bewerten.

Jason Malloy behandelt dann noch die Einwände, daß Intelligenz und Rasse als wissenschaftliche Kategorien "nicht existieren" würden, und daß die Psyche des Menschen ein "unbeschriebenes Blatt" wäre. Diese Abhandlung könnte James Watson als Presseerklärung herausgeben ...

Dienstag, 30. Oktober 2007

James Watson: Richard Dawkins, Edward O. Wilson und PZ Myers auf seiner Seite

In einem Artikel des Guardian finden sich einige Stellungnahmen von bekannten Wissenschaftlern zu James Watson. Die wichtigste ist die von Richard Dawkins, der ja schon in seinem vorletzten Buch "Ancestor's Tale" (im Kapitel "A Grasshopper's Tale") zur Frage der unterschiedlichen Genetik von Menschen-Gruppen Stellung genommen hatte:
'What is ethically wrong is the hounding, by what can only be described as an illiberal and intolerant "thought police", of one of the most distinguished scientists of our time, out of the Science Museum, and maybe out of the laboratory that he has devoted much of his life to, building up a world-class reputation,' said Richard Dawkins, who been due to conduct a public interview with Watson this week in Oxford.
Übersetzt:
"Was ethisch falsch ist, ist das Hinaus-Hetzen aus dem Science Museum und vielleicht aus dem Institut, dem er einen großen Teil seines Lebens gewidmet hat, um dessen Weltklasse-Reputation aufzubauen, ein Hetzen, das nur als illiberale und intolerante 'Gedanken-Polizei' bezeichnet werden kann gegenüber einem der ausgezeichnetsten Wissenschaftler unserer Zeit."
Die zweitwichtigste Stellungnahme für mich ist die von Edward O. Wilson, wie Dawkins einer der Gründerväter der Soziobiologie:
'We have become firm friends. Today we are the two grand old men of biology in America and get on really well. I certainly don't see him as a Caligula figure any more. I have come to see him as a very intelligent, straight, honest individual. Of course, he would never get a job as a diplomat in the State Department. He is just too outspoken. But one thing I am absolutely sure of is that he is not a racist. I am shocked at what has happened to him.'
Übersetzt:
"Ich bin absolut sicher, daß er kein Rassist ist. Ich bin schockiert über das, was ihm geschehen ist."
Außerdem wird der Oxforder Neurologe Colin Blakemore zitiert:
'Defining intelligence is complex and there are many forms of intelligence, not all of which are captured by IQ tests. In any case, it would be as unethical to organise society around some numerical indicator of difference as it would to do so on the basis of skin colour.'
Wenn man genau hinhört, bestreitet Blakemore keineswegs, daß jene Intelligenz, die mit IQ-Tests gemessen wird, vererbt wird und deshalb auch in unterschiedlichen Gruppen in unterschiedlicher Häufigkeit vererbt werden kann. Ganz richtig sagt er nur, daß diese Intelligenz nicht die einzige vererbbare Eigenschaft des Menschen ist, die ihn zum Menschen macht. In jedem Fall aber erachtet er es als unethisch, eine Gesellschaft allein um den IQ-Wert von Menschen herum zu organisieren. Alles Aussagen, denen man zustimmen kann. Auch Watson, Dawkins und Wilson werden denselben sofort zustimmen. Und weiterhin sagt Blakemore:
'Jim Watson is well known for being provocative and politically incorrect. But it would be a sad world if such a distinguished scientist was silenced because of his more unpalatable views.'
Übersetzt:
"Jim Watson ist bekannt für seine provokative und politische Unkorrektheit. Aber es wäre eine traurige Welt, wenn solch einem ausgezeichneten Wissenschaftler der Mund verboten würde, nur weil er ein paar unschmackhafte Gedanken äußert."
Also auch er steht auf der Seite von James Watson und macht die Hetze nicht mit.

Craig Venter allerdings wird mit den Worten zitiert:
'There is no basis in scientific fact or in the human gene code for the notion that skin colour will be predictive of intelligence.'
Ich halte diese Aussage für wissenschaftlich nicht absolut korrekt. Richard Dawkins ist in seinem Buch korrekter. Er sagt - der Sache nach -, daß die Kenntnis der Hautfarbe die Wahrscheinlichkeit eines richtigen Urteils über die Intelligenz eines Menschen erhöhen könnte.

Man kann diesen Blogeintrag auch ansehen als Antwort auf eine Frage von Steve Sailer ( auf seinem Blog: 1, 2), welcher bekannte Wissenschaftler sich öffentlich auf die Seite eines der bedeutendsten Wissenschaftler unserer Zeit stellen würde in dieser Sache: Richard Dawkins, Edward O. Wilson und Colin Blakemore haben dies getan. Mehr kann man nicht verlagen. Wenn die Journalisten diesen Leuten nicht zuhören, ist das ihre Sache - aber nicht mehr die Sache dieser Wissenschaftler.

Der Artikel benennt auch den Menschen, der offenbar verantwortlich ist für die öffentliche Hetze gegen James Watson:
(...) Thus it was left to Simon Kelner, editor of the Independent, to take Watson's claims and to run them as its lead story on Wednesday, under the banner: 'Africans are less intelligent that Westerners, says DNA pioneer'. In this way, Watson's fate was sealed.
Wie kann es sein, daß ein Journalist über das Schicksal eines der bedeutendsten Wissenschaftler unserer Zeit bestimmen kann?

Zusatz: Auch PZ Myers verteidigt das Recht von James Watson, derartiges zu äußern, ohne deshalb entlassen zu werden.

Donnerstag, 25. Oktober 2007

Cui bono? - Der "Watson-Skandal" ein Schaden für die Wissenschaft?

Ich stimme diesen Sätzen des neuesten Editorials von "Nature" zur "James Watson-Sache" zu:
(...) Many human geneticists are engaged in the sensitive task of unravelling differences between the world's population groups, all the while acknowledging that 'race' is an emotive and unscientific word. Others are investigating the equally sensitive genetics of 'desirable' traits, such as cognitive ability.

Asking such questions has always been controversial, given the potential for abuse of the outcomes demonstrated by the history of eugenics. Scientists explore the world as it is, rather than as they would like it to be. There will be important debates in the future as we gain a fuller understanding of the influence of genetics on human attributes and behaviour. Crass comments by Nobel laureates undermine our very ability to debate such issues, and thus damage science itself.

Hervorhebung durch mich. Und ich möchte hinzufügen: Krasse Reaktionen auf krasse Kommentare unterminieren ebenfalls unsere Fähigkeit, solche Themen zu diskutieren. Man kann auch ruhig und gelassen über die Forschungsergebnisse und -thesen eines Richard Lynn, eines Bruce Lahn, eines Henry Harpending und wie sie alle heißen, diskutieren, so wie das in den letzten beiden Jahren auch immer geschehen ist. Man kann vermuten, daß das Aufbauschen der Watson-Äußerung einfach einen neuen Ton in die Debatte bringen sollte - und zwar von Seiten jener, die sie aufgebauscht haben.

Denn wenn man das öffentliche Auftreten und die öffentlichen Äußerungen von James Watson hätte kritisieren wollen, dann hätte man schon zu vielen früheren Gelegenheiten dazu Anlaß nehmen können. Ich vermute, der etwas naive Watson wurde hier von bestimmten Leuten in der Public-Relations-Industrie nur für etwas benutzt, was man für "an der Zeit" hielt.

Schon die erste Reaktion von James Watson, seine schon gebrachte Antwort zeigte, daß James Watson durch und durch zu sachlichen Diskussionbeiträgen fähig ist. Das zeigten nicht alle Reaktionen in diesem "Skandal". (Siehe auch Gen. Expr.)

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