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Dienstag, 19. August 2008

Der Atheismus siegt - aber die "Sehnsucht" bleibt

Gesellschaftliche Befindlichkeiten in alten und neuen Bundesländern

Kamenin von "Begrenzte Wissenschaft" macht spannenderweise mit einer neuen Google-Funktion vertraut, nämlich: "Google Insights". Und mit diesem neuen Forschungswerkzeug hat er gleich ein paar wirklich gute Belege zusammengestellt dafür, daß Atheismus nicht heißen muß, daß man nun "Ersatz" sucht in anderem religiösem oder pseudoreligiösem "Aberglauben". Im Gegenteil, auch pseudoreligiöser Aberglaube wird in den "religiöseren" (süd-)westdeutschen Bundesländern bei Google seit 2004 mehr nachgefragt als in den atheistischeren östlichen Bundesländern.

Das veranlaßt einen, ja mal selbst so seine Forschungen zu betreiben bezüglich der gesellschaftlichen Interessen und Befindlichkeiten westlich und östlich der Elbe. Man kann noch viele weitere Suchworte ausprobieren, sie bestätigen alle Kamenin's These mehr oder weniger - was einen ja fast, fast (!) ärgern könnte! Auch so allgemeine Begriffe wie "Gott", "Naturreligion" oder "Religion", "Spiritualität" werden westlich der Elbe stärker nachgefragt als östlich derselben.

Das scheint überhaupt ein ganz nützliches "Forschungswerkzeug" zu sein, weshalb man durchaus mal allerhand damit ausprobieren kann. Auch für so allgemeine Begriffe wie "Ehrfurcht", "Altruismus" oder "Kinderpsychologie" gibt es diesen Südwest-Nordost-Gradienten. Und interessanterweise nicht nur "Gott", sondern auch "Richard Dawkins" ist in Süddeutschland am stärksten nachgefragt. Vielleicht ist die Auseinandersetzung mit weltanschaulichen und (gesellschafts-)politischen Fragen überhaupt im Westen intensiver als östlich der Elbe? Denn auch solche Begriff wie "Revolution", "Ausbeutung", "Arbeitslosigkeit" werden im Westen stärker nachgefragt. - Nur bei so "Hardcore"-Nachfragen wie "Karl Marx" oder "Rosa Luxemburg" stimmt die Welt noch: in den neuen Bundesländern noch heute stärker nachgefragt als im Westen. - Das muß man wohl alles noch länger auf sich wirken lassen. Man darf gespannt sein, was mit diesem neuen "Forschungswerkzeug" noch alles herausgeknobelt werden kann.

Schließlich aber fand sich ein Wort, dessen Suchhäufigkeits-Verteilung wohl doch nicht so leicht einzuordnen ist, und das einen dann wieder so einigermaßen beruhigen und versöhnen könnte bezüglich der "kalten" (?), "emotionslosen" (?), gesellschaftlich weniger engagierten (?) "atheistischen" neuen Bundesländer: Das Suchwort "Sehnsucht" wird allgemein in den neuen Bundesländern stärker bei Google nachgefragt (seit 2004) als in den alten. In Mecklenburg-Vorpommern am allerhäufigsten. (!) Interessanterweise gilt exakt dasselbe für die Begriffe "Bevölkerungsentwicklung" und "Demographie". In Maßen auch für vielleicht so allgemein bedeutsame Begriffe wie "Globalisierung" oder "Intelligenz".

Der Begriff "Familienpolitik" wird besonders in Thüringen und Sachsen-Anhalt nachgefragt. Man wird sich weitere kluge "Suchwort-Forschungen" überlegen müssen, um hier noch allgemeinere "Muster" aufzuspüren.

Die christlichen Völker "mußten einen Glaubenswechsel verkraften"

Die "Evangelische Zentrale für  Weltanschauungsfragen" in Berlin (EZW) behandelt immer wieder einmal interessante Themen. Im gerade erschienen August-Heft ihres "Materialdienstes" findet sich ein augenscheinlich sehr überlegter Beitrag von Ingo Wiwjorra zum Thema "Was  wissen wir über die Religionen 'unserer Ahnen'?" (EZW2008). 

2003
Leider gibt es eine Bezahlschranke und nur der Anfang des Beitrages ist zugänglich. Aber er klingt wirklich schon sehr vielversprechend und erinnert - zufälligerweise! - auch an das Thema des vorletzten Beitrages hier auf dem Blog über die historische Stabilität und den Wandel von Kulturen und Gesellschaften (s. Stud. gen.). Ingo Wiwjorra schreibt zum Beispiel ganz ebenso von einer "kaum zu begreifenden Kulturkontinuität" in Australien, wobei religiöse Kontinuität mit inbegriffen ist:

Zur Überlieferung der Ureinwohner Australiens gehören Felszeichnungen, die zum Teil bis zu 40.000 Jahre alt sein sollen. Die Sitte, mythologische Bilder auf Felswänden festzuhalten, wird in Australien stellenweise noch bis in unsere Zeit geübt. Es heißt, daß die Bildwerke sowie eine lange Kette mündlicher Überlieferung eine für heutige Vorstellungen kaum zu begreifende Kulturkontinuität widerspiegeln. Die „Aborigines“ begreifen diese Zeitspanne als „Traumzeit“, in der sie sich in einer ewigen Verbindung zwischen den Ahnen und den zukünftigen Geschlechtern eingereiht sehen.
Auch das Beispiel der Juden verweist auf eine ungebrochene Weitergabe von Religion und Kultur über immerhin etwa 3000 Jahre. Allerdings ist die historische Verifizierung der mythischen Entstehung des jüdischen Volkes und seines Glaubens vor dem Hintergrund neuerer archäologischer Studien nicht unproblematisch.
Derartig lange Wege der Religions- und Kulturweitergabe haben eine große Anziehungskraft für viele Menschen unserer Zeit, die teils Bewunderung, teils Neid erkennen lassen. Die Anteilnahme bezieht sich weniger auf die Religionsinhalte, sondern schlicht auf die Attraktion des Alters und die Faszination der langen Kontinuität, die im Kontrast zur Kurzlebigkeit und Bindungslosigkeit unserer Gegenwart steht. Daß die Überlieferungen ethnisch bzw. an strenge Zugehörigkeitsregeln gebunden sind, verstärkt die Faszination eher noch, wirken sie in diesen Gruppen doch in erheblichem Maße identitätsprägend. Zwar hat bei den australischen Ureinwohnern der erzwungene und nahezu vollständige Traditionsabriß deren Existenz massiv in Frage gestellt, dennoch sehen manche von ihnen im Aufgreifen der Überlieferungen die essentielle Voraussetzung ihres ethnischen und kulturellen Fortbestehens. Auch für die Juden war das Wissen um die uralte religiöse und kulturelle Überlieferung stets ein Anlaß zur Selbstvergewisserung als Schicksalsgemeinschaft oder sogar als Nation und half, antisemitischen Ressentiments zu widerstehen.

Und dann kommt Wiwjorra auf die christianisierten Völker der Welt zu sprechen. Er sagt unter anderem wohl sehr richtig: "Aufgrund ihres Universalitätsanspruchs sieht sich die christliche Weltreligion nicht dazu berufen, das Bewußtsein ethnischer Identität hervorzukehren." Im Zusammenhang sagt er dazu:

Anders als die Juden und ähnlich wie die australischen Ureinwohner mußten die christianisierten Völker Europas (und der übrigen Welt) einen Glaubenswechsel verkraften. Die klischeehafte Vorstellung von der abrupten und nur gewaltsamen Missionierung „mit Feuer und Schwert“ verstellt jedoch den Blick auf die vielschichtigen historischen Prozesse, die in Mittel- und Nordeuropa etwa zwischen dem 8. und dem 13. Jahrhundert mit der Christianisierung verbunden waren. Aufgrund ihres Universalitätsanspruchs sieht sich die christliche Weltreligion nicht dazu berufen, das Bewußtsein ethnischer Identität hervorzukehren. Andererseits ist zu konstatieren, daß sich die europäischen Nationsvorstellungen gerade im Anschluß an das christliche Mittelalter herausbildeten. Die Frage, ob dies so auch ohne den Glaubenswechsel geschehen wäre, bleibt fiktional. Aber ebenso konstruiert und vor allem politisch motiviert ist die von radikalen Anhängern einer neuheidnischen Glaubensrenaissance unterstellte Behauptung, die Christianisierung hätte bewußt auf eine Identitätsabschneidung hingearbeitet.
Mit der unter antiklerikalen Vorzeichen stehenden Diskreditierung der Christianisierung zu einem moralisch nicht zu rechtfertigenden Gewaltakt wurde häufig die Annahme verknüpft, das Heidentum habe sich in bestimmten gesellschaftlichen Nischen über Jahrhunderte zumindest bruchstückhaft erhalten. Denkbar ist wohl, daß zum Teil Generationen vergingen, bis sich der christliche Glaube nicht nur in den Eliten, sondern auch in den unteren Volksschichten festigte, zumal die lateinische Liturgie einem individuellen Verständnis der Glaubensinhalte über Jahrhunderte hinderlich war. Dies mag zur Bildung synkretistischer Traditionen beigetragen haben. Inwieweit christliche Glaubensinhalte und noch gegenwärtiges heidnisches Brauchtum miteinander verschmolzen, war und ist eine von christlichen Theologen wie neuheidnischen Autoren leidenschaftlich diskutierte Frage. Bis heute wird darüber gestritten, ob Weihnachten und Ostern originär christlich sind oder ob die Bräuche dieser Jahresfeste auch Relikte heidnischer Glaubensformen enthalten.

Auf welch komplizierten Wegen sich die christlichen Nationen und Völker des Abendlandes herausbildeten und definierten, ist ja auch Thema des derzeitigen Wiener Forschungsprojektes um Walter Pohl (s. Stud. gen., siehe auch Schlagwort "Frühmittelalter" insgesamt). 

"Unvereinbarkeit von moderner Naturwissenschaft und Bibel"

Weiter Wiwjorra:

Das hier unter dem Begriff des Neuheidentums zusammengefaßte Spektrum einer rückwärtsgewandten Religionssuche ist von den gleichzeitig spürbar werdenden Krisenerscheinungen der Moderne nicht zu trennen. Diese vor allem milieubedingt und dort vorwiegend subjektiv empfundene „Krise der Moderne“ läßt sich mit drei Beispielen illustrieren: Erstens sind soziale Verwerfungen zu verzeichnen, die (...) als Reaktion eine facettenreiche Reformkultur hervorbrachte. Zweitens (...) eine Radikalisierung des politischen Denkens (...). Drittens läßt sich die Zuspitzung einer Glaubenskrise konstatieren, die aus der Unvereinbarkeit von moderner Naturwissenschaft und Bibel resultierte. Schöpfungsglaube und Evolutionstheorie traten in einen unversöhnlichen Gegensatz, der Formen eines massenmedial ausgetragenen Kulturkampfes annahm. Einzelne Inhalte und Formen der Krisenphänomene des ausgehenden 19. Jahrhunderts haben noch immer Aktualität. Das in dieser Zeit aufkommende Neuheidentum existiert bis heute und spiegelt die Identitäts- und Modernitätskrise in besonderem Maße wider.
Bei dem Versuch, die Frage zu beantworten „Was wissen wir über die Religionen ‚unserer Ahnen’?“, müssen die aus der umrissenen Modernitätskrise handlungsleitenden Motivationen berücksichtigt werden, weil diese die im 19. und 20. Jahrhundert gegebenen Antworten maßgeblich mitprägten und zum Teil noch heute relevant sind. Die mit der Frage verbundenen Erwartungshaltungen und Erkenntnisinteressen zwingen aber zu einer Präzisierung der Aufgabenstellung: Was meinen Neuheiden heute über die Religionen „unserer Ahnen“ zu wissen, und welchen methodischen Problemen und wissenschaftlichen Erkenntnismöglichkeiten stehen sie gegenüber?

Schade, daß der Weltnetz-Auszug hier endet. Aber natürlich ist schon absehbar, wie die Antwort lauten wird: Mit dem heutigen Stand des naturwissenschaftlichen Wissens sind auch die personalen Göttermythen "unserer Ahnen" nicht zu vereinbaren. Aber interessant ist immerhin, daß sich "unsere Ahnen" in der Bronzezeit, ja, schon in der Jungsteinzeit, offenbar so intensiv mit der Astronomie beschäftigt haben wie an den vielen Kreisgrabenanlagen, die sicherlich als "Volkssternwarten" gedeutet werden müssen, und manchem anderen ("Himmelsscheibe von Nebra") abzulesen ist.

Außerdem dürften sich in den "erzählten Geschichten" unserer Ahnen (siehe auch voriger Beitrag) viele Arten von Zugängen zum religiösen Bereich finden, die sich so in den erzählten Geschichten anderer Kulturen nicht finden. Darin wohl vor allem wird die Faszination, das dieses Thema ausübt, heute immer noch zu suchen sein. Jede Kultur auf dieser Erde ist einzigartig und universalistische Religionen neigen sehr stark dazu, diese Einzigartigkeit infrage zu stellen.

Sonntag, 16. Dezember 2007

Das subversive Lächeln in christlichen Kirchen

Wenn man immer wieder salbungsvolle christliche Sonntagsandachten im Radio zu hören kriegt, fragt man sich, wie eigentlich die Menschen in früheren Jahrhunderten auf all dieses "Salbungsvolle", Unechte, Gemachte reagiert haben. Was findet man zum Beispiel, wenn man in der Google-Bildersuche nach Anschauungs-Material für die folgenden Gedichtzeilen sucht:
Diethelm Trausenit

(1349)

Diethelm Trausenit, warum bot
bei Sankt Stephan dir niemand Dach und Gelaß?
Sie scheun wohl in deiner Zunge den Spott,
in deinen Augen den Haß.

Die Heiligen, die dein Meißel weckt,
die tragen dein eigen unheilig Gesicht.
Sie stehen steif, sie lächeln versteckt:
aber fromm sind sie nicht.

(...)

(Josef Weinheber)

Die Lächelnde Madonna von Lauter (um 1260 n. Ztr.) (südliche Rhön)

"... aber fromm sind sie nicht." - Man meint doch, solche christlichen "Heiligen"-Figuren zu kennen. Aber im Netz sind sie gar nicht so leicht zu finden. Das könnte einen überhaupt auf das Thema "Lächeln und subversives Grinsen in der Kunst" bringen. Wie steht es da zum Beispiel mit dem Lächeln der vorklassischen, griechischen Skulpturen, dem "heiteren" (?) "ionischen"? Und mit so vielem anderen Lächeln und Grinsen auf diesem Gebiet? Hier jedenfalls noch zwei weitere Netz-Funde:

Naumburger Stifterfiguren
Man beachte vor allem die grinsende "Reglindis" ganz rechts

Abgesehen davon, ob wir uns heute "Erlöste" oder "Heilige" oder vorbildlich "Gläubige" so vorstellen wie in diesen Bildern noch einmal die Frage: Darf man in christlichen Gottesdiensten heute nicht mehr so subversiv grinsen wie es doch sogar die in den Kirchen stehenden Figuren selbst tun? - - -

Man möchte meinen, wer religiöse Gemeinsamkeit mit anderen Menschen sucht, sollte ihnen mitunter auch zu erkennen geben, wenn er das Gefühl hat, daß er diese gerade in diesem Augenblick nicht empfindet und sieht. Waren die mittelalterlichen Menschen, Künstler da bewußter oder unbewußter ehrlicher als wir heute? Wir haben alles fein säuberlich getrennt: Auf der einen Seite der ernste Gottesdienst und die salbungsvollen (Radio-)Morgenandachten. Und auf der anderen Seite die Talkshow. Und beide haben nichts miteinander zu tun. Vielleicht liegt da überhaupt das ganzes Problem? ...

"Erlöste" - Fürstenportal Bamberger Dom

Donnerstag, 18. Oktober 2007

"... daß es nicht geklappt hat mit der Eigenorganisation des Menschen ohne Gott"

Die Familientherapeutin und Buchautorin Christa Meves, frühere Mitherausgeberin des "Rheinischen Merkur", ist immer wieder eine Autorin, die ich gerne lese. Hier ihr jüngster Kommentar zur Hysterie rund um Eva Herman. Ja, Hysterie. Irrsinnige Hysterie. Anders scheint man das meiner Meinung nach nicht benennen zu können. Vor allem um des letzten Satzes willen halte ich diese Ausführungen für lesenswert:
WORUM ES WIRKLICH GEHT

von Christa Meves

Klar, so lässt sich das gewissermaßen in einem Abwasch erledigen: Eva Herman, diese Lachnummer der Journaille, und die deutschen Katholiken von Mixa bis Gindert gleich mit - nach dem Motto: "Ist mir aber was nicht lieb - weg damit ist mein Prinzip."

Das Bedenkliche ist nur: Es handelt sich nicht um eine Petitesse. Es handelt sich auch erst recht nicht allein um eine grammatikalisch verunglückte Satzkonstruktion auf einer Pressekonferenz, die sich missdeuten lässt, wenn man Übles gegen eine Buchautorin im Sinn hat.

Vielmehr lässt sich an dem spektakulären Rummel um die abgehalfterte Fernsehmoderatorin Eva Herman ablesen, wie zum Zerreißen gespannt die geistige Situation in unserem Land ist: Auf der einen Seite die Dampfwalze einer seit 1969 das innere Aktionsfeld unserer Republik bestimmenden liberal- neomarxistischen feministischen Ideologie. Durch deren massive Verdrängungsdecke quellen unablässig die negativen Ergebnisse der seit vierzig Jahren revolutionär veränderten Einstellung:

* 50% Scheidungen, unruhige, psychotherapeutisch behandlungsbedürftige Kinder, ein immer mehr absinkendes Leistungsniveau,
* 20% der Schüler ohne Schulabschluss,
* 51% der Studenten ohne Universitätsexamen,

absinkende Zahl der Eheschließungen, Geburtenschwund ohne Ende, Massenabtreibung, hohe Kriminalität, das Avancieren der Depression zur zweithäufigsten unter den Krankheiten.

Mit aller Macht wird seit Jahrzehnten versucht, das Ungute dieser Entwicklung herunterzuspielen, ja, es überhaupt zu überhören. Aber die Halden verstörter Seelen werden immer höher, sie lassen sich nicht mehr durch Lärmkulissen verschleiern.

Auf der anderen Seite eine ahnungsschwere Bevölkerung, die zwar selten die Ursachen des Verhängnisses und den Zusammenhang mit dem vielen selbstgemachten Unglück und dem Verarmungsprozess zu durchschauen vermag (schließlich wurde sie kaum einmal unverblümt informiert). Aber sie spürt: Hier ist etwas faul im Staate Dänemark, schon ganz und gar, seit sogar die CDU die Fahnen gestrichen hat...

Deshalb muss man gegen diese eine von ihnen aus der Phalanx der Mächtigen, die ausgeschert ist und die gegen die Betondecke der Verdrängung auf die Barrikaden geht, mit diesem medialen Kanonengedonner vorgehen; denn mit Recht fürchtet die Mediendiktatur das Aufwachen der jahrzehntelang für dumm Verkauften.

Es könnte ins Bewusstsein geraten, dass ohne genug intakte Familien am Ende nur noch Verzweiflung bleibt. Es könnte bemerkt werden, dass ohne Mütter, die sich ihren Babys und Kleinkindern hinhalten, keine Leistungsgesellschaft aus dem Boden zu stampfen ist. Ja, es dämmert sogar vom Horizont her, dass es eben nicht geklappt hat mit der Eigenorganisation des Menschen ohne Gott.

Montag, 1. Oktober 2007

Beschäftigungsquote protestantischer Länder höher als katholischer Länder

Die traditionelle Religiosität eines Landes hat auch heute noch Einfluß auf die Beschäftigungsquote dieses Landes, wie eine neue Studie des Ökonomen Horst Feldmann herausarbeitete. (Wissenschaft.de)
... Feldmann sammelte die Wirtschaftsdaten und die Zahlen der religiösen Zusammensetzung der Bevölkerung von achtzig Ländern. Darunter befanden sich sowohl Industrieländer als auch Schwellen- und Entwicklungsländer. Feldmann berechnete, wie sich wirtschaftliche Faktoren wie Steuern, Einkommensstruktur, Gewerkschaften und Arbeitsschutzgesetze auswirken. Außerdem berücksichtigte er, welchen Einfluss Kriege und die geographische Lage haben. Diese Faktoren konnte er dadurch als Einflussgrößen auf die Beschäftigung herausrechnen, so dass der Faktor Religion übrig blieb.

Protestantische Länder haben den Ergebnissen zufolge im Durchschnitt eine um sechs Prozentpunkte höhere Beschäftigungsquote im Vergleich zu nichtprotestantischen Ländern. Frauen sind in protestantischen Ländern sogar mit elf Prozentpunkten höher beschäftigt. In diese Ländergruppe fallen beispielsweise die USA, Großbritannien, Dänemark und Schweden. Deutschland mit seinen jeweils rund 25 Millionen Protestanten wie Katholiken zählte der Forscher ebenfalls zur protestantisch geprägten Ländergruppe. (...)

In weiteren Studien will Feldmann nun untersuchen, wie sich die Beschäftigung in überwiegend katholisch oder islamisch geprägten Volkswirtschaften entwickelt.
Auch der durchschnittliche angeborene Intelligenzquotient der Bewohner eines Landes hat großen Einfluß auf die Wirtschaftsgestaltung desselben. Ein Abwägung wäre interessant dahingehend, ob die traditionelle Religiosität oder der IQ eines Landes insgesamt gesehen einen größeren Einfluß haben. Ich nehme an, daß der IQ einen größeren Einfluß hat, zugleich aber auch mit protestantischer Religiosität korrellieren wird.

Freitag, 21. September 2007

"Gottes größter Moment ..."

Im neuesten Rundbrief der "Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen" behandelt Matthias Pöhlmann den amerikanischen religiösen Bestseller-Autor Neale Donald Walsch, dessen Leben neuerdings verfilmt wurde. (EZW) Der viel verkaufte Buchtitel von Walsh lautet: "Gespräche mit Gott".

Walsh wird mit den Worten zitiert: "Gottes größter Moment ist der Augenblick, in dem die Menschen erkennen, dass sie keinen Gott brauchen!"

Meine Anmerkungen:

1. Woher weiß Walsh, was Gottes größter Moment ist???
2. Gott hat also auch kleinere Momente außer seinem größten? - So so. - Wer die Bibel kennt, weiß von den vielen "kleine(re)n" Momenten Gottes ..., den zum Teil sogar sehr, sehr kleinen Momenten ...
3. Entschuldigung also: ... was für ein Quatsch ....

Und Entschuldigung an die gutherzige Freundin, die mich schon vor langen Jahren auf Walsh hinwies und meinte, in seinen Büchern sei manches Wertvolle zu finden. Beim groben Durchblättern war es mir damals nicht gelungen, dieses Wertvolle zu finden. Sicherlich zu meinem eigenen Schaden ...

Donnerstag, 26. Juli 2007

Fortschritt oder Rückschritt? - Die Kinder im "Bibel-Gürtel" der USA ...

Die Kinder im Bible-Belt der USA

Die Welt ist ziemlich verrückt. In den USA gibt es den Bibel-Gürtel (Wiki). Das, was wir an den USA und (oft) auch an Israel am meisten kritisieren, ja, fürchten, eine bigotte Religiosität, scheint geradezu allein verantwortlich zu sein dafür, daß die USA (und sicher auch Israel) eine ausgeglichenere demographische Bilanz haben als die Europäer (Berlin-Institut):

... Die Gründe für den verhältnismäßigen Kinderreichtum der Amerikaner liegen unter anderem in den Wertvorstellungen der Gesellschaft. "Das hat viel mit Religiosität zu tun", sagt Nicholas Eberstadt. "Auswertungen des "World Values Survey" haben ergeben, dass die Menschen, die sich selbst als religiös bezeichnen würden, sowohl in Europa als auch in den USA gleichermaßen kinderreich sind. Klammert man diesen Effekt aus, bleibt kaum ein Unterschied in den Geburtenziffern." In den USA gebe es eben mehr religiöse Menschen. Ob in Zukunft auch in Europa mehr Menschen aufgrund ihrer Religiosität mehr Kinder bekommen werden (...) oder ob sich Amerikas breite Bevölkerung einmal von der Kirche abwenden könnte, ist schwer vorauszusagen.

Abb. 1: Rot = Bibel-Gürtel der USA (Wiki)

Die Tatsache, daß mittelalterliche Mentalitäten durchschnittlich zu mehr Kindern führen, als neuzeitliche, deutet nicht darauf hin, daß die westliche Welt sich derzeit auf einem fortschrittlichen Ast der gesellschaftlichen Entwicklung befindet. Klar scheint doch, daß man trotz der eher grotesken Bemühungen eines Jürgen Habermas, Menschen, die heute nicht mehr bibelgläubig sind, auch nicht dorthin zurück bekommen wird. Denn Wahrheit und Wahrhaftigkeit sind die fortschrittlichsten Werte überhaupt. Also wird es mit der traditionellen bibelgläubigen Form der Religiosität auch keine Wende in der demographischen Entwicklung geben.

Daß Resignation die Schlußfolgerung sein sollte oder müßte, erscheint geradezu absurd und ein Verrat an allen neuzeitlichen, abendländischen Werten. Man muß sich also über andere Arten von Religiosität Gedanken machen als über die traditionelle bibelgläubige. - Hat denn das Abendland da so wenig Alternativen zu bieten? Sind denn die hilflosen Worte eines Peter Sloterdijk, eines Frank Schirrmacher, eines Matthias Matussek die letzten Worte, die das Abendland zu sagen hat zu Fragen nach dem Sinn des Lebens?

Sonntag, 17. Juni 2007

Stammesorientierte Religiosität

Michael Blume wirft eine neue Thematik auf, die mich auch sehr interessiert: stammesorientierte Religiosität. (Religionswissenschaft) Viele Anzeichen in der modernen Humangenetik deuten darauf hin, daß sich die meiste Zeit in der menschlichen Evolution Ethnizität und Religiosität sehr stark überschnitten haben, gemeinsam evoluiert sind. Noch in den letzten tausend Jahren hat genau dieser Umstand offenbar den heute höchsten, durchschnittlichen Intelligenz-Quotienten eines Volkes weltweit, nämlich des aschkenasischen Judentums hervorgebracht.

Die eigentlichen "großen" Weltreligionen, die diese enge Verflechtung von Religiosität und Ethnizität aufgehoben haben, sind ja weltgeschichtlich gesehen nicht besonders alt. Und sie sind meist selbst aus einer stammesorientierten Religiosität hervorgegangen. So das Christentum und der Islam aus der - auch heute oft noch sehr stark stammesorientierten - jüdischen Religion. Es muß also eine solche Aufgabe von stammesbezogener Religiosität durch Annahme, Bekehrung zu Weltreligionen nicht das letzte Wort der Weltgeschichte und der Humanevolution gewesen sein.

Gerade in Zeiten "globaler" Krisen beginnen sich Menschen häufig wieder auf das Naheliegendere, Lokale, Heimatliche zu besinnen und es durchaus auch religiös oder quasi-religiös zu werten. So lautet etwa auch der Vorschlag von Martin Walser in seinem Text "Ich vertraue" von 1998, dem ich sehr viel abgewinnen kann.

Das "smaragdene Halsband Indiens"

Immer mehr Hinweise sammeln sich dafür an, daß Humanevolution insbesondere in Stämmen und Völkern stattfindet und durch sie. Und bekanntermaßen "arbeitet" Evolution - nicht nur in Bezug auf den Menschen - am besten mit Vielfalt - offenbar auch auf Gruppen-Ebene. Was diese Themen betrifft, geschieht derzeit in der Humangenetik und Soziobiologie sehr viel. Und auch in anderen Forschungsbereichen. Hier liegt ja für "Studium generale" derzeit auch ein Schwerpunkt. Denn es ist abzusehen, daß man da für die nächsten Jahre und Jahrzehnte noch manche rasanteren Fortschritte erwarten kann, die zu größeren Umbrüchen in unserem Denken und Handeln führen können. Der bekannte Sprachforscher Steven Pinker sprach ja diesbezüglich von der "gefährlichsten Idee der nächsten zehn Jahre".

Der Humangenetiker Armand Leroi führte vor einigen Jahren in einem vielbeachteten und -diskutierten NYT-Artikel zu der Thematik, daß Evolution in Rassen und Völkern unterschiedlich abgelaufen sein könnte, ein wunderschönes Zitat aus der "Indian Times" an, das gesprochen hatte von dem "smaragdenen Halsband Indiens". Dieses Wort bezieht sich auf all die menschheitsgeschichtlich uralten Volksgruppen und Minderheiten, die in Indien leben und die auch den Kernbesiedlungsraum Indiens umgeben. Es bezog sich vor allem auch auf die weit draußen im Indischen Ozean gelegenenen Andamanen-Inseln, deren Bewohner noch heute sehr direkte und isoliert bis heute lebende Nachfahren der ersten aus Afrika ausgewanderten Menschengruppen zu sein scheinen. (Nach den neueren genetischen Forschungen.)

Armand Leroi legt also den Schwerpunkt der Argumentation darauf, die kulturelle und biologische Vielfalt der menschlichen Rassen, Völker und Stämme als einen unersetzlichen Wert der Menschheit anzusehen - und nicht in erster Linie als eine Gefahrenquelle, die Kriege und Völkermorde hervorrufen kann. Wahrscheinlich wird dies die richtige Herangehensweise an all diese Fragen sein, die im 20. Jahrhundert zu so unendlich viel unheilvollem, politischen Mißbrauch und Leid geführt haben.

Dienstag, 12. Juni 2007

"Rasse, Religion und Vererbung" - Diskussionen an der Universität Durham

Im letzten Beitrag wurde ein Artikel über das "Institute of Advanced Study" an der Universität Durham gebracht, das ein Gespräch am Runden Tisch zum Thema "Rasse, Religion and Vererbung" offenbar auf dem neuesten Stand der Forschung und der Forschungs-Diskussion organisiert hat. Da auch der von mir sehr geschätzte Soziobiologe Robin Dunbar an ihm beteiligt war, kann man sich nur das Allerbeste von dieser Diskussion erwarten. Hier ist nun der offizielle Kurzbericht auf ihrer Netzseite (dur.ac.uk):

Am 26. April 2007 eröffnete die Universität Durham ihr Institut für Höhere Studien mit einer Podiumsdiskussion zum Thema „Rasse, Religion und Vererbung“ auf Schloß Durham.
Ein zentrales Thema des Instituts, das sich aus dem Gründungsthema „Das Vermächtnis von Charles Darwin“ ergab, betrifft das Verhältnis zwischen Klassifizierung und verantwortungsvollem Wissen. Ist es möglich, Klassifizierungsmethoden zu entwickeln, die nicht spaltend, schädlich oder ausgrenzend sind, insbesondere im Hinblick auf die verschiedenen menschlichen Rassen und Glaubenssysteme?
In der Podiumsdiskussion am 26. April richtete sich das Interesse des Instituts an der Klassifizierung auf die Frage, ob Klassen vorgegeben sind, ob die menschliche Taxonomie angeboren ist. Dies war eine Frage von grundlegendem öffentlichen Interesse im Kontext aktueller Kontroversen um die Ursprünge rassischer und religiöser Überzeugungen. Wir erleben ein Wiederaufleben biologischer Interpretationen von Rasse und Rassenunterschieden, den Aufstieg des religiösen Fundamentalismus und ein wachsendes öffentliches Interesse an der Abschaffung des transatlantischen Sklavenhandels im Gedenken an die Zweihundertjahrfeier. Diese Kontroversen – und mögliche Lösungsansätze im Hinblick auf religiöse und rassische Toleranz und Verständigung – kreisen um die ungelöste Frage, ob Unterschiede in Verhalten, Veranlagung und Affekt vererbt werden und, falls ja, durch welchen evolutionären Mechanismus.
Zu den hochkarätig besetzten Rednern gehörten:
John Hedley Brooke (IAS Fellow, Professor für Wissenschaftsgeschichte am Ian Ramsey Centre der Universität Oxford und Autor des preisgekrönten Buches „Science and Religion: Some Historical Perspectives“);
Madeleine Bunting (Autorin, Kolumnistin des Guardian und Trägerin des „Race in Media“-Preises der Kommission für Rassengleichheit im Jahr 2005);
Robin Dunbar (Professor für Evolutionspsychologie an der Universität Liverpool, Mitglied der British Academy und Autor von „The Human Story“);
John Dupré (IAS Fellow, Wissenschaftsphilosoph an der Universität Exeter, Direktor des ESRC Centre for Genomics in Society und Autor des vielbeachteten Buches „The Disorder of Things“);
Anthony P. Monaco (Professor für Humangenetik und Direktor des Wellcome Trust Centre for Human Genetics, Universität Oxford)
Die Debatte wurde vom neuen Vizekanzler der Universität Durham, Professor Christopher Higgins, geleitet.
Ein vollständiges Transkript und eine Videoaufzeichnung dieser Veranstaltung werden in Kürze verfügbar sein.
Letzte Änderung: 17. Mai 2007
On 26th April 2007 Durham University publically launched its Institute of Advanced Study by hosting a debate on Race, Religion and Inheritance at Durham Castle.
One topic that has emerged from the Institute's inaugural theme, 'The Legacy of Charles Darwin' concerns the relationship between classification and responsible knowing. Is it possible to develop means of classifying that are not divisive, harmful, or exclusionary, and especially among the human races and faith systems?
In the April 26 round-table debate, the Institute's interest in classification turned to the question of whether classes are pre-given, whether human taxonomy is hard-wired. This was a question of fundamental public interest, in the context of current controversies relating to the origins of racial and religious beliefs. We are seeing the resurgence of biological readings of race and racial difference, the rise and rise of religious fundamentalism, and growing bi-centennial public interest in the abolition of the transatlantic slave trade. These controversies – and possible solutions relating to religious and racial tolerance and understanding – hinge around the unresolved problem of whether differences of behaviour, disposition, and affect are inherited, and if they are, through what kind of evolutionary mechanism.
The panel of distinguished speakers included:
John Hedley Brooke (IAS Fellow, Professor of History of Science at the Ian Ramsey Centre, Oxford University, and author of the prize-winning book Science and Religion: Some Historical Perspectives);
Madeleine Bunting (Author, Guardian columnist, and recipient of the Race in Media award by the Commission for Racial Equality in 2005);
Robin Dunbar (Professor of Evolutionary Psychology at the University of Liverpool, Fellow of the British Academy and author of The Human Story);
John Dupré (IAS Fellow, Philosopher of Science at Exeter University, Director of the ESRC Centre for Genomics in Society, and author of the celebrated book The Disorder of Things);
Anthony P Monaco (Professor of Human Genetics and Director of the Wellcome Trust Centre for Human Genetics, Oxford University)
The debate was chaired by Durham University's new Vice-Chancellor, Professor Christopher Higgins.
A full transcript and video recording of this event will be available in due course.
Last modified: 17th May 2007

Es wäre von großem Interesse, über die Inhalte dieser Diskussionen mehr zu erfahren.

Donnerstag, 7. Juni 2007

Die Deutschen sind nicht christlich

"Fronleichnam"! Um halb neun schon dröhnten die Drommeten (?) im buddhistischen Gemeindezentrum nebenan. Jetzt um zehn läuten die Glocken. Sie locken die Scharen der Gläubigen in den Schoß der heiligen Mutter Kirche. - Hm! - Die Welt "zählt die Häupter ihrer Lieben" - und sieh, es sind nur noch wenige geblieben:

... Bei einer Bevölkerung von 82 Millionen Deutschen darf im Jahresschnitt also wohl mit höchstens fünf Millionen aktiven Christen gerechnet werden.

Die Bestandsaufnahme, die auch 15.000 Eintritte 90.000 Austritten aus der katholischen Kirche im letzten Jahr gegenüberstellt (was lediglich die geringsten Austrittszahlen seit 1989 darstellt!), endet folgendermaßen:

Das Bedürfnis vieler im säkularisierten Westen nach Antwort auf letzte Fragen, nach Wurzeln in einer sich beschleunigenden, globalisierten Welt ist überdeutlich. Doch die Anzeichen dafür, dass sie hierzulande wieder im Schoße der Großkirchen gefunden werden, sind bislang recht spärlich.

Samstag, 24. März 2007

"Haben wir noch genug Treibstoff im Tank, Mr. Spock?" - "Who cares? ..."

Eine Bekannte zeigte sich beeindruckt von einem "Gene Expression"-Eintrag über Buddhismus. Da ich über Buddhismus noch viel zu wenig Einzelheiten weiß, kann ich diesen mir insgesamt zu allgemeinen Ausführungen (noch) nicht besonders viel abgewinnen. Aber am Anfang dieses Eintrages fällt mir ein Rückverweis auf zu einem früheren Eintrag über den bekannten dritten naturalistischen Atheisten neben Richard Dawkins und Daniel C. Dennett, nämlich Sam Harris. Dessen Buchtitel lautet "The End of Faith".

Und in diesem Eintrag lerne ich nun ganz Neues über Sam Harris. Er wird unter anderem mit folgenden Worten zitiert:

"I do not deny that there is something at the core of the religious experience that is worth understanding. I do not even deny that there is something there worthy of our devotion. ..."

Sam Harris streitet also nicht ab, daß es "im Kern der religiösen Erfahrung" etwas gibt, was unserer "Hingabe" und "Aufopferung" wert ist. Ein ähnlich zurückhaltendes religiöses Wertempfinden kann man ja auch bei Richard Dawkins immer wieder herauslesen - und wird allzu oft übersehen. Deshalb ist mir dieser Eintrag wichtig.

"Gene Expression"-Inhaber Razib Khan sagt aber dazu nun etwas für mich sehr Überraschendes, etwas, wobei sich für mich trennende Welten auftun zwischen seiner Haltung und meiner:

"The reality is that I do not believe that Harris is an atheist in the way I am. I am a "cold atheist," dead to the touch of religion or its attractions. I am not engaged in the world of humanity in the same way, and I do not exhibit the passion for my fellow man that Harris does, for if there is one thing that we know of him it is that he cares. And I believe his caring has driven him to a deep detestation" (= Verabscheuung, Ekel) "of the myth of God, the father who has fled from our universe and gives us no succor but promises which remain unfulfilled. Evangelical Christians often say that their aggression in preaching their "Good News" is from love and altruism intent, would you not give a drowning man a helping hand and pull him up so that he could grasp at the glory of everlasting life? On a deep psychological level Sam Harris is, I believe, no different, he sees humanity drowning in false belief and he must witness. But do not confuse this for a coldness to religion and God, it is hot rage which motivates him, and Harris' openness to Eastern mysticism suggest that he still seeks a way to save humanity from the drowning oblivion of materialistic naturalism."

Ins Deutsche übersetzt: "Die Offenheit von Harris gegenüber dem östlichen Mystizismus" läßt Razib Khan also vermuten, daß Harris "heiße Leidenschaften" hat, und "daß er immer noch nach einem Weg sucht, um die Menschheit vor der tödlichen Vergessenheit des materialistischen Naturalismus zu bewahren."

Einer der Kommentare dazu lautete:

"There's always the worry that cold atheism will leave you in a Spock-like state, and the universe will appear without meaning, depth, or mystery."

Und Razib Khan präzisiert in der Antwort darauf seine eigene Haltung:

"Who worries about this? Cold atheists don't, we have meaning in our lives, but it is about the small and beautiful."

Also zu deutsch: "Wer macht sich darum Sorgen? Kalte Atheisten nicht, wir haben Sinn in unserem Leben aber in dem Kleinen und Schönen."

Diese Aussage ist zumindest wahrhaftig. Es wird also hier klar, daß wenn es zur persönlichen Moral und zum persönlichen Handeln, zur persönlichen Sorge kommt, "kalte Atheisten" sehr bewußt dazu tendieren können, sich selbst und ihr eigenes Handeln nicht mehr in die größeren Zusammenhänge zu stellen, für die sie sich ansonsten doch sehr lebhaft interessieren - aber einfach nur aus einem "kalten" Interesse heraus, ohne sich in der eigenen Moral von diesem Wissen angesprochen zu fühlen. - Man sollte das festhalten und sich dessen bewußt bleiben.

Wahrscheinlich handelt es sich hier um jene "Wertblindheit", von der Konrad Lorenz sprach, und von der er meinte, daß auch der "naivste Monotheist" davor gefeit sei - zu ergänzen: zumindest manchmal.

Donnerstag, 22. März 2007

Eine Kultur ohne Zynismus

Im "Epilog" des im vorigen Beitrages behandelten Buches über die Amish-People wird von Autor Peter Ester der Versuch gemacht, einiges Wesentliche auf den Punkt zu bringen. Nur ein stark gekürzter Auszug, um einen Eindruck zu vermitteln:

"Früher oder später stellt sich die Frage, was wir von den Amish lernen können. (...) Man kann nicht 'ein bischen' Amish sein, es ist alles oder nichts. Dennoch bietet die Amish-Lebensweise jedem etwas nach seinem Geschmack. Das progressive Amerika rühmt (...). Die Umweltbewegung ist beeindruckt (...). Landwirtschaftsexperten imponiert (...). Gesundheitsapostel (...) und Pädagogen sind (...) angetan. Politiker staunen (...) Der Wohlfahrtssektor ist (...) fasziniert (...). Moralisten verschiedener Schattierungen sind von der Tatsache ergriffen, daß Kriminalität, Drogen, Alkoholismus, Selbstmord, Ehescheidung und Abtreibung in der Amish-Gesellschaft nahezu unbekannte Phänomene sind. Touristen sind entzückt (...). Viele Intellektuelle, darunter auch ich, empfinden es wie ein wohltuendes Bad, eine Kultur kennen zu lernen, in der Zynismus gänzlich fehlt, in der Werte und Verhalten eng aufeinander bezogen sind, verbale Glanzleistungen nicht geschätzt werden, poröse und ärmliche Intellektualisierung von Problemen entlarvt wird und Kommunikation mit doppeltem Boden fehlt. Kultursoziologen schließlich sind (...) gefesselt (...)." (S. 169f)

Wenn sich eine Kultur wie die heutige westliche für Zynismus entscheidet, erhält sie halt auch Zynismus. Aus einem modernen naturalistischen Weltbild folgt eine solche Haltung meiner Meinung nach ganz und gar nicht zwangsläufig.

Montag, 12. März 2007

Was eigentlich ist Religiosität?

Wenn man andere - sinnvoll, ja, sogar sehr sinnvoll - über die evolutionäre Bedingtheit menschlicher Religiosität diskutieren hört (sieht), kommen einem auch selbst wieder neue Gedanken. Mein jüngster Diskussion-Beitrag auf dem Netztagebuch von Michael Blume:
"Der wahre Künstler kennt keinen Stolz ..."

Wenn Religiosität sich ganz allgemein auf die innerseelische (innerpsychische) Erfahrung eines Bereiches bezieht, der "jenseits" von Raum, Zeit und Kausalität anzusiedeln ist, also jenseits der erstmals von Immanuel Kant herausgearbeiteten Grenzen der reinen Vernunft, wenn weiterhin Menschen von Tieren durch die Eigenschaft unterschieden sind, daß sie frei zwischen Gut und Böse unterscheiden können, dann sollte aus diesen beiden Tatsachen zweierlei für die Religionsgeschichte der Menschheit folgen:

1. Innerseelische Erfahrungen über diesen Bereich sind schwer an andere Menschen weiterzugeben. Dichter, Bildhauer, Maler, Musiker, Tänzer, Architekten, Liebende ... versuchen, darüber zu "stammeln". Den großen Schaffenden kamen selbst ihre größten Werke immer "unädaquat" vor gegenüber dem, was sie eigentlich hatten aussagen wollen. (Beethoven: "... Der wahre Künstler hat keinen Stolz; leider sieht er, daß die Kunst keine Grenzen hat, er fühlt dunkel, wie weit er vom Ziele entfernt ist und indes er vielleicht von Andern bewundert wird, trauert er, noch nicht dahin gekommen zu sein, wohin ihm der bessere Genius nur wie eine ferne Sonne vorleuchtet. ...")

2. Menschen, fasziniert von dem "Großen", was Künstler schaffen und tun können, wollen es ihnen gleich tun, ohne dafür wirklich befähigt oder begabt zu sein, oder ohne bereit zu sein, die Entbehrungen und das Leid auf sich zu nehmen, die mit solchem Schaffen nur allzu oft verbunden sind (wie wir ja aus der Kulturgeschichte wissen). Sie verwenden Mittel, die für Aussagen zu diesem Bereich nicht angemessen sind. Ihre Motive sind weiterhin oftmals nicht "reine" (selbstlose), sondern sie erkennen, wie sie gerade mittels Aussagen über diesen Bereich Einfluß, Macht und Ansehen unter den Menschen gewinnen können. (Sie kennen also - im Gegensatz zum wahren Künstler - sehr wohl "Stolz", wenn sie sich auch oft bemühen, ihn unter "Demut" heuchlerisch zu verbergen - sich selbst und anderen gegenüber.) Das Schlimmste aber: Sie verwenden ihr logisches Denken, das die Evolution nur zur Erkenntnis der Dinge in Raum, Zeit und Kausalitäts-Zusammenhängen herausmodelliert hat, um Aussagen über Dinge jenseits von Raum, Zeit und Kausalität zu machen.

Und sehr schnell sind dann die Stammes- und Weltreligionen entstanden.

Man könnte das Gefühl haben: Um so dichter solche "Religionen" noch dem künstlerischen Bereich selbst an sich stehen, um so phantasievoller ihre Mythen sind, um so freundlicher (menschenfreundlicher), um so adäquater sind sie noch dem genannten Bereich, um den es sich bei Religiosität eigentlich nur handeln kann.

Und um so fortgeschrittener die Vernunft-Erkenntnis in der Menschengeschichte ist (durch die Ausbildung komplexer, arbeitsteiliger Gesellschaften), um so inadäquater werden die religiösen Vorstellungen, da (aus heutiger Sicht) streng naturwissenschaftlich begrenzte Erkenntnis nicht mehr scharf unterschieden wird von Aussagen, die allein dem geisteswissenschaftlichen Erkenntnisbereich zuzuordnen sind (also jenem Erkenntnisbereich, dem Religion, Kunst und Philosophie in erster Linie zuzuordnen sind).

Dienstag, 6. März 2007

Konfutius - ein kluger Mensch

Konfutius sagt:

"Kann man wirklich von Liebe sprechen, wenn man jemanden immer vor allen Mühen bewahren will? Kann man wirklich von Loyalität sprechen, wenn man jemanden nie auch einmal ermahnt?"

Ich wußte - ehrlich gesagt - gar nicht, daß Konfutius so klug ist (oder war). Aber er ist noch viel klüger, als ich dachte:

"Wenn im Staate Ordnung herrscht, ist es eine Schande, ein armer und gewöhnlicher Mensch zu sein. Wenn im Staate Verwirrung herrscht, so ist es eine Schande, reich und Beamter zu sein."

Woher weiß er das so genau?

"Das Alter Deiner Eltern sollte Dir immer bewusst sein - es ist eine Quelle der Freude, gibt aber auch Anlass zur Sorge."

Stimmt.

"Wer mit seinen Worten einen grundsoliden Eindruck erweckt, verdient zwar eigentlich Lob - dennoch ist zu prüfen, ob er wirklich eine edle Gesinnung hat, oder sich einfach nur wichtig macht."

Stimmt.

"Es gibt drei Arten von Freuden, die gesund sind und drei Arten von Freuden, die einem nur schaden. Es ist gut, sich mit gutem Stil und Musik selbst zu disziplinieren. Es ist auch gut, wenn man Freude daran hat, das Gute an anderen Menschen hervorzuheben. Ferner ist es gut, wenn man weise Freunde um sich sammelt. Schädlich hingegen ist es, sich an schlechter Musik zu ergötzen, wenn man sich Ausschweifungen hingibt und wenn man an übermäßigen Festgelagen teilnimmt."

Na klar.

"Richte Deinen Willen auf den Weg, halte Dich an die Tugend, stütze Dich auf die Menschlichkeit, suche Muße in den Künsten."

Wirklich nicht schlecht. Also Moses und Jesus Christus waren sicherlich nicht die einzigen klugen Menschen, die jemals auf dieser Erde lebten. Konfutius konnte ohne viel von Göttern und Religion zu sprechen dennoch viele Menschen, ja Staaten über Jahrhunderte sehr tief in ihrem Verhalten und Denken beeinflussen, auch altruistisches Verhalten fördern. Eine sicherlich interessante Erscheinung.
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