Dienstag, 3. August 2021

Die "Lieblinge der Götter" - Die antiken Griechen - 2.200 v. Ztr. sind sie entstanden durch Zuwanderung der Indogermanen

Die Indogermanen kommen nach Griechenland - 2.200 v. Ztr.
- Ihr Herkunftsanteil bildete 50 % der Genetik der dortigen Bevölkerung

Seit April 2021 ist bekannt, wann die "Lieblinge der Götter", die antiken Griechen, als Kultur entstanden sind, sprich wann und wie die Indogermanen nach Griechenland gekommen sind und eines der an Begabungen reichsten Völker der Weltgeschichte begründet haben. Die Indogermanen kamen nach Griechenland zu ähnlicher Zeit wie sie nach Apulien gekommen sind, grob um 2.200 v. Ztr. (1, 2).

Abb. 1: Diadumenos - Eine Skulptur des griechischen Bildhauers Polyklet, um 440 v. Ztr. (Wiki) (Römische Marmorkopie des 1. Jh. n. Ztr. nach dem Bronzeoriginal)

Jetzt allmählich wird erforschbar, völlig neu zugänglich die uralte Frage: Warum gerade die Griechen? Warum sie? Warum nicht die Perser, die Inder, die Ägypter, die Römer sondern SIE, die Griechen. Vieles deutet darauf hin, daß das schon an den Besonderheiten der neolithischen Vorgängerbevölkerungen und -kulturen in Griechenland liegt. Darauf hat neuerdings auch Harald Haarmann hingewiesen (4). Zum Beispiel sind viele weibliche Gottheiten der Griechen (Hera, Athene)  gar nicht indogermanisch, sondern scheinen von der Vorbevölkerung her zu stammen. Aber dazu demnächst noch mehr hier auf dem Blog.

2.200 v. Ztr. - Die Indogermanen kommen nach Griechenland

Nach einer neuen archäogenetischen Studie gelangte die indogermanische Steppen-Herkunfts-Komponente nach Griechenland in der Mittleren Bronzeit (1):

Menschen im nördlichen Griechenland der Mittleren Bronzezeit unterscheiden sich von frühbronzezeitlichen Menschen darin, daß sie 50 % Steppen-Herkunft in sich tragen, datiert auf ungefähr 2.600 bis 2.000 v. Ztr..
Middle BA (MBA) individuals of northern Greece differ from EBA populations in showing ∼50% Pontic-Caspian Steppe-related ancestry, dated at ca. 2,600-2,000 BCE.

In der Studie heißt es über die frühbronzezeitliche Helladische Kultur, also die Vorgängerbevölkerung in Griechenland (1):

Trotz ihrer sehr unterschiedlichen Kulturen ähneln sich die Genome der frühbronzezeitlichen Helladischen Kultur, Kykladen-Kultur und der Minoer in allen Analysen.
Despite their distinct cultures, the EBA Helladic, Cycladic, and Minoan genomes resemble one another in all analyses.  
Sie tragen anatolisch-neolithische Herkunft in sich - aber auch 17 bis 27 % von jener iranisch-neolithischen Herkunftsgruppe (1), die wir hier auf dem Blog schon oft behandelt haben, und deren Ausbreitungsmodus in den östlichen Mittelmeerraum noch nicht so gut bestimmten archäologischen Erscheinungen zugeordnet ist. Zur Ankunft der Steppen-Genetik in Griechenland ergeben sich bei unterschiedlichen Analysen noch unterschiedliche Daten (1):
Die Datierung dieses Genzuflusses in die Vorfahren der helladischen mittelbronzezeitlichen Logkas-Bevölkerung sollte - basierend auf Radiokarbon-Daten der Logkas-Individuen um 1900 v. Ztr. aufgetreten sein und wurde in ABC-DL-Analysen auf auf 2.300 v. Ztr. geschätzt. ...
The timing of such gene flow into the ancestors of the Helladic-Logkas-MBA ought to have occurred by ∼1,900 BCE, based on the radiocarbon dates of the Logkas individuals, and was estimated at ∼2,300 BCE (2,616–2,003 BCE 95% highest posterior density interval) (Table S4) in the ABC-DL analysis. This suggests that a Steppe-like migration wave may have reached the Aegean by the MBA.

Also grob zu gleicher Zeit wie nach Apulien kommen die Indogermanen auch in das nördliche Griechenland.

Ein ausführlicher, inhaltsreicher archäologischer Anhang!

Diese archäogenetische Studie enthält einen begeisternden, weil außerordentlich inhaltsreichen, detaillierten archäologischen Anhang ("Supplement"). Er ist verfaßt von Seiten der 14 zumeist griechischen beteiligten Archäologen. In ihm findet sich sehr eindrucksvoll Wissenschaftsgeschichte von fast hundert Jahren dargestellt zur heiß umstrittenen Fragen nach dem Zeitpunkt und dem Modus der "Ankunft der Griechen" ("the comming of the Greeks"). Denn dazu hat es bislang in der Forschung sehr vielfältige Annahmen und Vermutungen gegeben, sowohl aufgrund von archäologischen wie sprachgeschichtlichen Argumentationen. Alle diese heiß diskutierten Fragen werden nun allmählich einer abschließenderen Beantwortung durch die Archäogenetik zugeführt. Die referierten wenigen ersten Ergebnisse stellen bezüglich der abschließenden Klärung nur einen Zwischenschritt dar. Es werden noch viele weitere archäogenetische Daten notwendig werden, um ein vollständiges Bild zu gewinnen. Im folgenden sollen Auszüge aus den Ausführungen der Archäologen gebracht werden (1) (pdf):

Während des Spätneolithikums (4.500-3.200 v. Ztr.), auch Kupferzeit genannt, ... kann ein abrupter Abbruch der Siedlungen beobachtet werden. Dies ist besonders offensichtlich im südöstlichen Bulgarien und südlichen Rumänien, wo Tell-Siedlungen ... aufgegeben worden sind. In Griechenland ist durch die Archäologie ebenfalls ein Siedlungsabbruch über mehrere Jahrhunderte hinweg bezeugt (500 bis 1000 Jahre) ... Für diesen Siedlungsabbruch sind unterschiedliche Ursachen vorgeschlagen worden: 1) klimatische Veränderungen, 2) ein Zusammenbruch der traditionellen Sozialstrukturen in den Gemeinschaften, und/oder 3) Invasion von Gruppen mit proto-indo-europäischer Sprache von den pontisch-kaspischen Steppen aus werden von den Wissenschaftlern ebenso erörtert. Für Mittel- und Südost-Europa sind die Einflüsse von solchen Gruppen jüngst durch paläogeneomische Studien aufgezeigt worden. Auf diesen Siedlungsabbruch folgten kulturelle Veränderungen, die deutlicher im nördlichen Griechenland (z.B. in Makedonien) zu erkennen sind. Im Süden bleibt die materielle Kultur in den letzten Phasen des Neolithikums und in der beginnenden Frühen Bronezeit unverändert.
During the Final Neolithic (4,500-3,200 BCE), also called Chalcolithic because of the first use of metals (...) throughout the Balkan peninsula an abrupt termination of habitation has been observed (for a different view see Kotsakis, 2018; Renfrew, 2018). This is particularly evident in southeastern Bulgaria and southern Romania, where tell sites like Karanovo, Yunatsite, Goljamo, Delcevo, Ovcarovo, Hotnica are abandoned (Todorova, 1995). Similarly, in Greece, the archaeological record reveals a discontinuity for several centuries (500–1,000 years), in tell sites like Servia, Mandalo, Sitagroi, Dikili Tash, flat settlements (Makriyalos, Vasilika) and caves (Alepotrypa Diros) (Manning, 1995; Andreou, 2012; Tsirtsoni, 2016b). Diverse causes for this abrupt termination of habitation have been suggested, including 1) climatic changes (Lespez et al., 2016; Todorova, 1995; Weninger et al., 2009), 2) a breakdown of traditional social structures in communities (Chapman et al., 2006; Windler et al., 2013), and/or 3) invasions of Proto-Indo-European-language groups from the Pontic-Caspian Steppe (Gimbutas, 1956; Coleman, 2000) also debated by other researchers (Andreou, 2012; Whittle, 1997). Paleogenomic studies have recently revealed the influence of such groups on Central and Southeast Europe (Allentoft et al., 2015; Mathieson et al., 2015; Mathieson et al., 2018). This disruption of habitation was followed by cultural changes, which are more evident in northern Greece (e.g., Macedonia). In the south, the material culture remained unchanged between the last phases of the Neolithic and the beginning of the Early Bronze Age (EBA) (Tsirtsoni, 2016a; Pullen, 2008). This continuity was more pronounced in the Cyclades and Crete, and in areas that had been settled late in the local Neolithic sequence (e.g. the Northeastern Aegean islands) (Tsirtsoni, 2016a).

Etwas genauer sollte gesagt werden: Die Paläogenetik zeigt einen genetischen Umbruch aus der Steppe heraus auf für Mitteleuropa ab 3.000 v. Ztr., für Warna in Südbulgarien ab 4.500 v. Ztr.. Das sind ja doch beträchtliche zeitliche Unterschiede. 

Kamen die Indogermanen nach Griechenland in mehreren Wellen? - Ungeklärt!

Die Archäologen berichten dann von der eindrucksvollen wirtschaftlichen und kulturellen Blüte der "Ägäis-Zivilisation" in den vielen Jahrhunderten der Frühbronzezeit (helladische, minoische und Kykladen-Kultur). Die Behandlung dieser bronzezeitlichen Ägäis-Zivilisation stand auch am Anfang der wissenschaftlichen Laufbahn des britischen Archäologen Colin Renfrew, der Anfang der 1970er Jahre darüber ein einflußreiches Buch veröffentlicht hat, das mehrere Auflagen erlebt hat. Die Archäologen schreiben weiter (1) (pdf):

Während der Mittleren Bronzezeit erreichte die Palast-Kultur von Kreta und Mykene ihren ausgefeilten Höhepunkt in der Architektur, in der Kunst und im Kunsthandwerk. In dieser Zeit treten in Europa auch die ersten niedergeschriebenen Sprachen auf .... 
It is during the MBA Period that the palatial civilizations of Crete and Mycenae reached their peak with elaborate architecture, fine art, and craftsmanship. During this period, the first written languages also appear in Europe, the undeciphered Linear A used by the Minoans (1,850-1,400 BCE) and the deciphered Linear B used by the Mycenaeans (1,400-1,200 BCE) (see Section 1.4). The latter is the earliest attested form of the Greek language (Ventris and Chadwick, 1953).

Die Archäologen beziehen sich an dieser Stelle insbesondere auf Arbeiten des auch von uns - hier auf dem Blog - sehr geschätzten dänisch-schwedischen Archäologen Kristian Kristiansen, um allgemeinere, europaweite Züge der bronzezeitlichen Wirtschaftsstrukturen herauszuarbeiten (Frühformen des "Kapitalismus", weitreichende Handelsnetzwerke etc.), Charakteristika, die von der Ägäis ihren Ausgang nehmen und bis hoch nach Skandinavien und England als ein fast einheitlicher Kulturraum zu beobachten sind. Die Archäologen berichten, daß in der Archäologie auch schon lange vermutet wird, daß Zuwanderungen aus Anatolien und dem Kaukasus zur Kulturentwicklung in der Ägäis beigetragen haben. Auch diese waren ja schon in den Fokus der Aufmerksamkeit dieses Blogs getreten (3). Aber wir sehen, daß wir mit unserem damaligen Ausführungen (3) der Komplexität der Thematik in keiner Weise gerecht geworden waren. Hier nun wird ausgeführt (1) (pdf):

Several hypotheses have been proposed for the origin and development of BA Aegean cultures, including: ... 2) the immigration of new populations from Anatolia and the Caucasus during the EBA and MBA (Blegen and Haley, 1928; Caskey, 1971; Wace and Blegen, 1916) ...

Als Vertreter dieser Meinung wird auch der US-amerikanische Archäologe norwegischer Abstammung Carl Blegen (1887-1971)(Wiki) angeführt. Wir wollen die weiteren, ganz hervorragend zusammen gefaßten Forschungsdiskussionen der letzten Jahrzehnte zum Zeitpunkt der Ankuft der Griechen hier nicht gar zu ausführlich referieren. Aber sie sind sehr spannend zu lesen. Der Archäologe Coleman akzeptierte den Geschichtsentwurf von Marija Gimbutas und nahm in einer Arbeit aus dem Jahr 2000 die Ankunft von Indogermanen im nördlichen Griechenland in mehreren Wellen an, die erste ab 4.400 v. Ztr., die zweite ab 3.800 bis 3.200 v. Ztr.. Das wäre zur selben Zeit gewesen als die Indogermanen nach Warna kamen und sogar schon bis an die Mittleren Donau (wie in früheren Artikeln dieses Jahres hier auf dem Blog referiert). (Und wir wiesen auch schon darauf hin, daß es aus dieser Zeit in Nordgriechenland vereinzelte Zepter-Funde gab.) Durch sie sei - gemeinsam mit den Einheimischen - das Frühhelladikum begründet worden. So Coleman. Über das damit verbundene Auftreten von "monumentaler Architektur" wird referiert (1) (pdf):

Diese gesellschaftliche Komplexität wird offenkundiger während des Frühhelladikums II (2.600 bis 2.300 v. Ztr.) mit dem Auftreten von monumentaler Architektur, einschließlich der sogenannten Korridor-Häuser, ... dem Rundbau auf Tiryns auf der Peloponnes, großen Vorratsgebäuden und Befestigungen ...
This complexity become more evident during EH II (2,600-2,300 BCE) with the appearance of the monumental architecture including the so-called corridor houses (famous examples are the House of Tiles at Lerna in Peloponnese and the White House on the island of Aegina), the Rundbau (circular building) at Tiryns in the Peloponnese, large storage facilities and fortifications. Metallurgy and administrative use of seals was widespread.
Man wird beim derzeitigen Kenntnisstand annehmen müssen, daß die "große" Einwanderungswelle der Indogermanen zu diesem Zeitpunkt noch nicht stattgefunden hat. Aber wirklich auszuschließen ist sie ebensowenig. Es ist in diesem Zitat vom "Haus der Ziegel" (Wiki) bei Lerna auf der Peloponnes die Rede. Auf Wikipedia steht über dieses Haus (Wiki):
Das Gebäude wird in das Frühhelladikum II (2500–2200 v. Ztr.) datiert und als Palast oder Verwaltungszentrum angesehen, wobei auch eine Funktion als Gemeindehaus vermutet wurde. (...) Im Haus wurde eine ziemlich große Anzahl an Siegeln gefunden. Das Haus der Ziegel besaß einige Merkmale hohen technischen Standards, darunter eine auf die zweite Etage führende Treppe sowie ein ziegelgedecktes Dach. (...) Radiokarbonmessungen ergaben, daß der Platz im 22. Jh. v. Ztr. durch ein Feuer zerstört wurde. Nicht lange danach wurde der Schutt über der Stelle als kleiner Tumulus aufgeschüttet.

Man beginnt zu ahnen, daß die "Ankunft der Griechen" in Griechenland auch ein vielschichtiger Prozeß gewesen sein kann, wobei die dort bislang einheimischen Kulturen noch sehr stark an diesem "Ankunfts-Prozeß" mitgewirkt haben. Griechenland nahm in jener Zeit nämich auch kulturelle Anregungen vom Nahen Osten auf und gab sie an das übrige Europa weiter. Aus diesem Umstand ist wohl seine weltgeschichtliche Einzigartigkeit vor allem und auch sonst am ehesten abzuleiten.

An der Nahtstelle zwischen Ost und West

Die Forscher schreiben (1) (pdf):

Metallverarbeitung, Siegel und die Benutzung von Gewichten ... die zuerst im Nahen Osten genutzt wurden .... Langhäuser .... Liman Tepe (Westtürkei) ... Eines der interessantesten Charakteristika dieser Zeit ist das Hereinströmen von Keramik aus Westanatolien nach Mittelgriechenland (insbesondere nach Boeotien, Attika, sowie den Inseln von Euboea und Keos) ..... interpretiert als die Einführung von neuen Eß- und Trink-Gewohnheiten innerhalb der Eliten der östlichen Ägäis im Zusammenhang mit den neu etablierten Gemeinschaftsfesten.
Metallurgy, the seals and the use of weights are consistent with systems first employed in the Near East. They appear first on the eastern shore of the Aegean and then in Greece, manifesting a westward diffusion (Rahmstorf, 2015). (...) Long houses, which emerged in mainland Greece by ca. 2,600 BCE were present in Liman Tepe by 3,000 BCE (Kouka, 2013). (...) One of the most interesting features of this period, is the influx to central Greece (specifically Boeotia, Attica and the islands of Euboea and Keos) at the end of EH II (ca. 2,300 BCE) of western Anatolian derived ceramics called the Kastri/Lefkandi ceramic assemblage. The name derives from the sites of Kastri on the Cycladic island of Syros and Lefkandi site on Euboea. The ceramic assemblage included plates or shallow bowls (one-handled tankards, bell-shaped cups, two-handled cylindrical goblets (the iconic depas amphikypellon) and beak-spouted jugs. These ceramics were mainly drinking, eating and pouring vessels and their appearance has been interpreted as the introduction of new eating and drinking habits by the elites of the eastern Aegean in context of the newly established commensal feasts (Kouka, 2013).
Liman Tepe (Wiki) liegt an der türkischen Westküste. Diese Keramik und diese Hausbau-Formen könnten natürlich auch mit entsprechendem Sklavenhandel oder durch Heirats-Verbindungen aller Art, auch der Eliten, nach Griechenland gekommen sein, womit die Ausbreitung der iranisch-neolithischen Genetik innerhalb des östlichen Mittelmeer-Raumes in dieser Zeit erklärt werden könnte. In der Forschung werden damit verbundene Bevölkerungsbewegungen von Anatolien nach Griechenland hinein nicht ausgeschlossen. Wir lesen weiter (1) (pdf) (S. 9):
Die Frühhelladikum II-Frühhelladikum III-"Kultur-Lücke" (2.300 v. Ztr.)
.... das Ende der kulturellen Komplexität, die während EH II/EC II angetroffen wurde. ... Ende des Korridor-Hauses, Niedergang des Siegel-Verwaltungssystems und dem Verschwinden von Luxusgütern.
The Early Helladic II-Early Helladic III "cultural gap" (2,300 BCE)
The third chronological and cultural period that has been strongly linked with the "coming of the Greeks" is the turning point from EH II to EH III /EC II to EC III (2,300-2,200 BCE). This period has been characterized in the archaeological literature (Rutter, 1979;270 Rutter, 1983) as the "cultural gap" of the EBA (updated views on the topic in Kouka (2013), Pullen (2008), and Wiener (2013)). The term "gap" refers to the termination of the cultural complexity seen during EH II/EC II. This is observed in the end of the corridor houses, the decline of sealing-administration systems, and the disappearance of luxury goods. In the Cyclades, the manufacture of marble objects ceased or sharply declined, and Cycladic material ceased to appear at Helladic sites. Burial in cist tombs also ended and fortifications were created on hilltops (Wiener, 2013). The theory of the "coming of the Greeks" was first triggered by the findings of the American archaeologist John Caskey. At the famous Peloponnesian site of Lerna, EH II is terminated by the destruction of the House of Tiles (a long corridor house). According to the American excavator (see theory 2 in the main text), this destruction took place throughout the Peloponnese and was the result of invaders (Caskey, 1960). His arguments were built around 1) the generalized destruction of sites; and 2) the appearance of new cultural elements such as tumuli (burial mounds), apsidal houses, terracotta anchors and shaft hole axes. Especially for Lerna the differences were significant. During EH II the site was fortified, the houses were rectangular "corridor houses" and the ceramics thin-walled, high-fired and light-coloured. During EH III, Lerna was not fortified, the houses were apsidal and the ceramics were thick-walled, porous and low-fired (Forsén, 2012). 
Und weiter (1) (pdf) (S. 10):
Der dritte Umbruchspunkt für die "Ankunft der Griechen" ist um 2.000-1,900 v. Ztr. am Beginn der Mittleren Bronzezeit angesetzt worden.
The third turning point for the "coming of the Greeks" was set around 2,000-1,900 BCE at the beginning of the Middle Bronze Age (MBA). The idea was triggered by the appearance of a new ceramic type of fine grey ware known as Minyan ware, a name given by Heinrich Schliemann who excavated at Orchomenos in Boeotia, central Greece.This ceramic ware was interpreted as reflecting influence of Indo-European people coming from the Steppes through Iran, especially by archaeologists, who excavated in the broader region of Iran (for overview, see Demoule (2017)). (...) Blegen, however, together with Haley in a second publication that combined archaeological and linguistic evidence (see Section 1.4), developed the idea of the "coming of the Greeks" (Blegen and Haley, 1928). They acknowledged a cultural movement from Anatolia during the EBA, that created a common cultural and linguistic substratum in the Aegean but they further defined a probable migration during MBA, of people who were the carriers of Minyan ware and the proto-Greek language.

Es wird sehr gut deutlich, wie vage und vielfältig alle diese Vermutungen der Archäologen bislang waren. Sollen die Indogermanen sogar vom Iran über Anatolien nach Griechenland gekommen sein? Gerade wohl auch bezüglich der Herkunft der Indogermanen in Griechenland (ähnlich übrigens wie in Apulien) wird noch manches von der Archäogenetik zu klären sein. Denn nur diese wird diese Frage abschließend klären können. 

Ein Dorf westlich des Olymp - besiedelt seit der Bronzezeit

Jene beiden Skelette, die die frühesten Zuflüsse indogermanischer Genetik mit etwa 50 % bezeugen, wurden auf einem bronzezeitlichen Friedhof (Abb. 5) gefunden, der in der Mitte des heutigen griechischen Dorfes Elati (Wiki) (Abb. 3) liegt. Und zwar im Jahr 2011 (Google Maps: "Elati 505 00, Griechenland"). 

Abb. 2: Der Aliakmonas-Fluß bei Elati (Wiki)

Das Dorf liegt im Westen Makedoniens. Der Breiten- und Längengrad des Ausgrabungsortes lautet laut Studie: "39.980392, 21.823641" (1) (pdf) (S. 20f). (So einfach auf Google Maps eingeben.) An der Stelle liegt also noch heute ein Dorf inmitten des Gebirges des Olymp, 60 Kilometer westlich seines Hauptgipfels, 170 Kilometer südwestlich von Thessaloniki. 

Abb. 3: Das Gebirgsdorf Elati - Blick Richtung Osten, Richtung Olymp (Wiki)

Das Dorf liegt drei Kilometer östlich des Mittellaufes des längsten Flusses Griechenlands, des Aliakmonas (Wiki).

Dieser Fluß fließt im Norden des Olymp von Westen nach Osten durch zum Teil wilde Gebirgslandschaft (Abb. 2) und mündet bei Thessaloniki ins Meer. Die Ortschaft Elati selbst liegt - seit der Frühbronzezeit - auf einem sanft ansteigenden Hang (Abb. 3). Von ihr aus hat man einen weiten Blick hinunter ins Flußtal des Aliakmonas (Abb. 6) und auf die umliegenden Berge (Abb. 4).

Abb. 4: Heiliger Berggipfel über dem Nordufer des Flusses Aliakmonas gegenüber von Eliati ("Moni Aghiou Nikanoros") (Wiki)

An diesem Fluß wurde 1974 50 Kilometer unterhalb von Elati damit begonnen, einen Staudamm zu errichten (1) (pdf) (S. 20) (Google Maps: "Polyfytos Dam [Aliakmonas River], Servia 501 00, Griechenland"). Der zu diesem Damm gehörige Stausee wurde 2012 geflutet und bedeckt seither 23 zuvor dem Flußlauf entlang entdeckte und erforschte archäologische Stätten. In Elati wurde ein bronzezeitlicher Friedhof mit mehr als 500 Gräbern entdeckt, der über die Früh-, Mittel- und Spätbronzezeit bis in die Frühe Eisenzeit (1050-900 v. Ztr.) belegt worden war.

Abb. 5: A - Blick auf den Friedhof bei Elati, über jedem Grab fand sich eine runde, steinerne Grabeinfassung, griechisch "Peribolos" genannt (Fotografiert von der Ausgräberin Dr. Georgia Karamitrou-Mentessidi von der Antiken-Abteilung von Kozani, unterstehend dem Kulturministerium Griechenlands) (aus: 1)

In diesem Dorf sind sie also bezeugt: Die - bislang - ersten und ältesten Griechen. Kein Wunder, daß der Olymp den Griechen bis in die Endzeit ihrer Kultur hinein ein Heiliger Berg blieb.

Abb. 6: Die Kirche von Elati - Mit Blick nach Norden, flußabwärts hinunter zum Aliakmonas

Über den meisten Gräbern des Friedhofs, in denen sich auch die beiden sequenzierten Skelette fanden, fand sich eine steinerne Grabeinfassung, griechisch "Peribolos" (Wiki) genannt. Grab Nummer 80.1 (Log04) (Abb. 5 B) ist ein Grubengrab, das unter der Erde nochmals von rohen Steinen umgeben war. Der Tote lag in kauernder Haltung auf der linken Seite, den Kopf auf seine Hände gebettet. Innerhalb desselben Steinrings fanden sich noch vier andere Gräber, es fanden sich aber so gut wie keine Grabbeigaben. Grab Nummer 22.1 (Log02) (Abb. 5 C) ist der Haupt-Verstorbene, der neben drei weiteren Bestattungen und einer Sekundärbestattung innerhalb des "Peribolos 22" bestattet lag. Das Grab ist wiederum umgrenzt von rohen Steinen, der Bestattete liegt auf einer Keramik-"Bahre". Mehrere vertikale Halterungen (?) derselben sind noch sichtbar. Auch hier fanden sich keine Grabbeigaben.  

Beim Anblick des Friedhofs von Elati und der vielen Grabeinfassungen (Abb. 5 - A) muß man daran denken, daß noch die Mutter des Kirchenvaters Augustinus im 4. Jahrhundert n. Ztr. - ansonsten eine Christin - an dem heidnischen, antiken Brauch festgehalten hat, jährlich in oder nahe der Gräber der Verstorbenen zu ihrem Angedenken ein Glas Wein trinken. So berichtet es der Kirchenvater Augustinus in seinen berühmten "Bekenntnissen".

Abb. 7: Das Gebirge des Olymp - Blick auf von Norden, von Petra aus (Wiki)

Man macht sich selten bewußt, daß das "maritime Griechenland" eigentlich - nämlich zu knapp 80 Prozent - aus Gebirgslandschaft besteht (Wiki):

Zentrale Gebirge und Gebirgszüge des Landes sind das Pindos-Gebirge, der Olymp-Ossa-Pilion-Gebirgszug sowie das Rhodope-Gebirge auf dem griechischen Festland, das Taygetos-Gebirge auf der Halbinsel von Peloponnes und darüber hinaus das Ida- bzw. Psiloritis-Gebirge auf der Insel Kreta.

Alls diese Gebirgsbezeichnungen haben ja einen "sagenumwobenen" Klang, waren Wohnsitze von Göttern, Halbgöttern und Nymphen in der griechischen Mythologie. Der Aliakmonas verbindet nun im Norden Griechenlands - sozusagen - das Pindos-Gebirge im Westen mit dem Olymp-Gebirge im Osten. Er entspringt im nördlichen Teil des Pindos-Gebirges und mündet im Norden des Olympos-Gebirges ins Meer.

All diese Namen von Gebirgen und Flüssen waren den Deutschen und Europäern vor 200 Jahren heilige Namen, Namen nicht nur der Vergangenheit, sondern voll zukünftiger Verheißung. Denn jene freiere, hellere, edlere Gesellschaft, die sie erhofften und erstrebten, sollte in vielen Zügen jener Gesellschaft gleichen, die die "Lieblinge der Götter" vor 2500 Jahren schon einmal ausgebildet und gelebt hatten.

___________________

  1. Florian Clemente, Martina Unterländer, Olga Dolgova, ... Jeffrey D. Jensen, J. Víctor Moreno-Mayar, Joachim Burger, Vitor C. Sousa, Oscar Lao, Anna-Sapfo Malaspinas, Christina Papageorgopoulou: The genomic history of the Aegean palatial civilizations. In: Cell, Volume 184, Issue 10, 2021, Pages 2565-2586.e21, https://doi.org/10.1016/j.cell.2021.03.039. (https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0092867421003706); Anhang (pdf)
  2. Wenn Genetik alte Zivilisationen zum Reden bringt, 2021, https://news.unil.ch/document/1619509570149.D1619541123867
  3. Bading, Ingo: 2.200 v. Ztr. - Kriegerische Glockenbecherleute im westlichen Mittelmeer-Raum, kriegerische Hethiter in Anatolien, 2019, https://studgendeutsch.blogspot.com/2019/04/2200-v-ztr-kriegerische.html 
  4. Haarmann, Harald: Wer zivilisierte die alten Griechen?  Das Erbe der Alteuropäischen Hochkultur Marix-Verlag, 2017 (Am.); behandelt auch im Internview mit Jonas Hopf, 24.5.2019, hier: https://youtu.be/EDWt5N8Z2q0?t=426.

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