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Mittwoch, 20. August 2008

"Kinderzahl pro Frau steigt ..." - Aber niemand jubelt ...

Auf Web.de wird stolz verkündet, daß die "Kinderzahl pro Frau ansteigt": "... Bundesfamilienminister Ursula von der Leyen sieht in dem Anstieg der Geburten einen 'Vertrauensvorschuss' auf die Familienpolitik."

Merkwürdig nur: Inzwischen sind zu diesem Beitrag 26 Leserkommentare abgegeben worden. Unter ihnen offenbar viele junge Mütter und Väter, einige Studentinnen. Diese Leserkommentare durchzieht allesamt ein ganz, ganz tiefer Zug von Skepsis. Und zwar Skepsis auf vielen Ebenen.

Weiß eigentlich die Politik noch, was im Lande vor sich geht? Oder "saufen" die sich die "Volksstimmung" "schön"?

Offenbar hat doch das "einfache Volk" einen ganz anderen Blick auf die Familienpolitik der Regierung, als die Regierung selbst. Einen wesentlich nüchterneren. Dieser Blick lautet so ungefähr: Betrogen werden wir sowieso. Dieser Blick lautet so ungefähr: Mehr Kinder? Mehr verwahrloste Kinder, mehr vaterlose Kinder etc. pp..

Oh, Deutschland, was ist hier in diesem Land eigentlich los? Oder sind die Leser von Web.de nicht repräsentativ? - Und warum erfährt man das immer nur aus "privaten" Leserkommentaren? Während Johannes B. Kerner-Show's erst dann fröhlich werden, wenn Frauen wie Eva Herman nicht mehr mitdiskutieren ...

Zum Beispiel auch dieser Leserkommentar:
Ich lese fast überall Elterngeld.
Paare, Ausnahmen gibt´s immer, bekommen doch kein Kind weil´s dafür Geld gibt.
Was soll denn dieser Gedankengang.
Soviel Geld kann einem der Staat gar nicht zahlen, was es kostet, sich bewußt für ein oder mehrere Kinder zu entscheiden.
Wenn ich auch Geld nicht ganz so unwichtig einschätzen würde, so meine ich dennoch, daß es tatsächlich auch viel zu leicht überschätzt wird. Zumal bei dieser Stimmung derzeit im Land. Man soll doch einfach "soziale Gerechtigkeit" herstellen, damit endlich aufgehört wird, in diesem Zusammenhang dauernd immer nur über Geld zu reden. Ein 18-jährige Mensch stellt einen wirtschaftlichen Wert dar und den muß die bundesdeutsche Wirtschaft vollständig den Eltern bezahlen. Und Punkt. Da muß einfach schlicht volkswirtschaftlich gerechnet werden, weil alles in unserer Gesellschaft derzeit mit dem Maßstab des Geldes gemessen wird - nur nicht soziale Fürsorge.

Jetzt, nachdem ich zu Ende geschrieben habe, sind es schon 33 Leserkommentare und noch immer keiner, der jubelt.

Freitag, 8. Februar 2008

"Unser elftes Kind ist da!"

"Kinder sind eine Gabe Gottes," sagt der glückliche Vater eines elften Kindes, das jüngst in Kassel geboren wurde. (HNA, HNA-Video) Er ist Filialleiter eines Supermarktes und er sagt über den Familien-Alltag in dem Video:
"Der Alltag hier ist nicht stressig bei uns zu Hause, sondern er ist arbeitsintensiv. Aber wenn das organisiert ist und das liegt ja weitgehendst in den Händen meiner Frau, dann läuft das sehr gut. Und dann macht es auch Spaß." - Interviewer: "Und die Kinder helfen ordentlich mit?" - "Alle Kinder müssen mithelfen, sonst funktioniert so ein Haushalt nicht."
- Nun, ein Supermarkt-Leiter muß das ja wissen! Aber man atmet ja richtiggehend auf, wenn man sieht, daß es auch Supermarkt-Leitern und nicht nur Bundesfamilien-Ministerinnen gelingt und Spaß macht, eine kinderreiche Familie zu haben.

Und da er religiöse Bezüge herstellt, könnte die Gretchenfrage bei der Familiengründung durchaus eine Rolle gespielt haben - entweder mehr oder weniger bewußt.

- Zwar nur ein Einzelfall. Aber doch vielleicht eine schöne Illustration der Tatsache, daß Kinderreichtum etwas mit Religiosität zu tun zu haben könnte, so wie es auch Religionswissenschaftler Michael Blume immer wieder aufgezeigt und diskutiert.

Außerdem wohnt die Familie auf dem Dorf, tief im Kaufunger Wald in Nordhessen. Dieses Dorf Stauffenberg-Sichelstein beherbergt damit eine der kinderreichsten Familien Deutschlands. Es liegt dort, wo sich die A7 hinter Kassel nach Norden durch die wilden Berge zur eindrucksvollen Werra-Brücke hindurchschlängelt, dort wo sich jüngst bei Hedemünden an der Werra Wälle und Überreste eines riesigen Militärlagers des römischen Feldherren Drusus aus der Zeit um 7 v. Ztr. gefunden haben. Dort, wo ganz in der Nähe die Chatten ihre "alte Stammesgottheit", den Herkules verehren.

Welche Gottheit aber nun auch immer Lidia (36) und Ralf (42) Bake anbeten sollten, so ganz religionslos werden sie nicht sein. Außerdem ist die Familie, wie dem Video entnommen werden kann, musikalisch. - Man fühlt sich beim Ansehen des Video's auch sehr stark erinnert an das schöne amerikanische Buch "Im Dutzend billiger", das von der Familie eines bekannten amerikanischen Rationalisierungs-Fachmannes aus den 1920er Jahren berichtet (der Gilbreth-Familie).

Übrigens stammt auch die 1967 geborene, derzeit sehr erfolgreiche deutsche Schauspielerin Judith Rosmair, die wie ihr Name schon sagt, aus Bayern stammt, als jüngstes Kind aus einer Familie mit neun Kindern. So konnte man es jüngst in der Reise-Zeitschrift der deutschen Bundesbahn nachlesen.

Ohne kinderreiche Familien gäbe es uns nicht

Wie der französische Demograph und Kulturhistoriker Pierre Chaunu in seinem schon in den 1980er Jahren erschienenen, sehr lesenswerten Buch "Die verhütete Zukunft" aufgezeigt hat, stammen wir alle heute vornehmlich von kinderreichen Familien ab. Auch die Zukunft von Gesellschaften hängt vornehmlich davon ab, daß es genügend kinderreiche Familien in ihnen gibt. Familien mit ein oder zwei Kindern stellen die Zukunft unserer Gesellschaften nicht sicher ob mit viel oder weniger Kinder-Aufbewahrungs-Anstalten wird dabei nur eine geringe Rolle spielen wie auch schon Nobelpreisträger Gary Becker betonte.

Solche Tatsache sollte sich das deutsche Familienministerium mehr auf der Zunge zergehen lassen. "War die Kinderschar geplant?" fragt das Video. Und der Vater gibt die Antwort (schade, daß offenbar die Mutter medienscheuer ist):
"Wir haben uns eigentlich von Anfang an immer dazu entschieden, daß wir viele Kinder haben möchten. Wir haben uns nie eine Zahl gegeben, sondern wir haben die Kinder so genommen, wie sie gekommen sind. Wir haben nie gesagt, wir möchten viel oder wenig haben. Aber es war einfach unsere Lebenseinstellung. Und das hat bis dato immer gepaßt."
Und der Kommentator schließt:
"Es sieht nicht so aus, als ginge der Familie Bake die Freude an der Großfamilie jemals verloren."

Samstag, 27. Oktober 2007

Die Wirtschaft "freut" sich ...

Die Journalistin Andrea Seibel hat ihrem Herzen Luft gemacht über die derzeitige "Krippenpolitik" der Bundesregierung. (Welt, über: Vfa-ev.de) (Hervorhebungen durch mich, I.B.)
(...) Krippe: ein schönes Wort, man denkt an Joseph und Maria und den kleinen Jesus, an die Urfamilie der Christen. Doch es geht um staatliche Kinderbetreuung. Das große Unbehagen der Konservativen an der geplanten Verdreifachung der Unterbringung von Kindern unter drei Jahren wird bleiben, auch wenn der gesetzgeberische Impuls mit Vehemenz aus den Reihen der Union kommt. In erster Linie geht es denn auch um die Garantie der Berufstätigkeit der (Mittelschichts-)Frau, worüber sich besonders die Wirtschaft freut. Den Sozialdemokraten und Linken ist die Gleichheit wichtig: Frau ist Mann. Vom Kind ist unverhohlen wenig die Rede, wie auch nicht von der Qualität der "Horte" - noch so ein schönes Wort.

(...) Als seien die Gegner der Krippen Hinterwäldler und Reaktionäre, die die Signale der Moderne einfach nicht hören wollten. Obwohl jeder im Innern weiß, dass Kleinkinder zur Mutter gehören. Nun öffnet sich auch der Konservatismus, der modernen Arbeitswelt zuliebe. Ein Experiment beginnt. Es wird sich zeigen, wie viele Familien tatsächlich von diesen Einrichtungen Gebrauch machen und ob nun mehr Kinder geboren werden. Ein Schelm, wer hoffte, dass all dies zu Neubesinnungen führen wird? Zu intelligenteren Lebensrhythmen und Planungen? Wer weiß. Vorerst ist der Beruf der Hausfrau auf der Strecke geblieben.

Langsam erst erkennen wir, und dies schreibt eine berufstätige Frau, wie sehr die Berufstätigkeit der Frau die Lebenswelten verändert hat und noch verändern wird.
Mir klingt dieser Kommentar zu resigniert, viel zu resigniert. Wenn das die Reaktionen sind, die die "engagierte" Familienpolitik unserer allseits beliebten "Ministerin" hervorruft - Resignation statt lebhaftes Diskutieren über neue Lebens- und Gesellschaftsmodelle -, dann wird man sie so engagiert wohl doch nicht nennen könnne. Wenn es jeder im Innern weiß, das Kleinkinder zur Mutter gehören, dann soll er auch entsprechend energisch fordern, daß sich die Politik und Gesellschaft danach richtet und nicht ein Gesellschafts- und Lebensmodell auf Kosten der Kinder und der Zukunft favorisiert, das gilt doch auch für Sie, Frau Andrea Seibel!

Was ist das übrigens für eine "Wirtschaft", die sich über eine so kurzfristig denkende Politik auch noch "freut"? Sollte denn nicht wenigstens dort endlich einmal Vernunft einkehren?

Dienstag, 28. August 2007

Oskar Lafontaine: Macht oder Wahrheit?

Oskar Lafontaine hat sich offenbar weitgehend vollständig zu der derzeitigen Mehrheitsmeinung betreffend Krippenpolitik in seiner "Linkspartei" bekannt. (Yahoo Nachrichten) Wie schon früher berichtet, hatte es da ja innerhalb und außerhalb der Partei einige "Sorgen" und "Mutmaßungen" gegeben. (s. St. gen.) Nun hat sich Lafontaine zur Mehrheitsmeinung bekannt - allerdings offenbar erst nach längerer Debatte. In einer Erklärung von Lafontaine und Bisky heißt es aber treffender Weise außerdem:
Einigkeit herrschte im Parteivorstand auch darüber, dass es nicht dem modernen Familienbild der Linken entspricht, dass ein Mann seine Frau zur Ordnung ruft, wenn sie eine andere Meinung als er vertritt.
Ein schlauer Fuchs, dieser Lafontaine ... Er läßt sich also eine Hintertür offen.

Allerdings hätte ebenfalls ergänzt werden können, daß es sicherlich auch nicht dem Familienbild der Linken widerspricht, wenn ein Mann ab und an einmal auf seine Frau hört .... Zumal in so entscheidenden Fragen wie einer Gesellschaftsreform ausgehend von dem wesentlichsten Gebiet, aus dem heraus sich Gesellschaft formt, nämlich dem der Familienpolitik. Diese Gesellschaftsreform ist schon lange notwendig, will unsere Gesellschaft überleben. Und das sollte Lafontaine seinen Parteigenossen und der Öffentlichkeit auch so bald wie möglich klar machen. Einen wichtigereren Politikbereich als diesen gibt es nicht.

Lafontaine sieht klar: Größeren politischen Einfluß kann man gegenwärtig mit dem Vertreten eines solchen Standpunktes noch nicht gewinnen. Da macht er dann - typisch Politiker von heute - lieber ein paar Abstriche an der Wahrheit.

Freitag, 17. August 2007

Kinderbetreuung ist doch "Erwerbstätigkeit"

Auch die frauenpolitische Sprecherin der Linkspartei im deutschen Bundestag hat sich zwischenzeitlich zum Thema Erziehungsgehalt (Christa Müller) zu Wort gemeldet. (Yahoo-Nachrichten)
Die frauenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, Kirsten Tackmann, rief Lafontaine am Dienstag in Berlin zur Klarstellung der Parteiposition in der Familienpolitik auf. In Bezug auf Müllers Plädoyer für eine Kindererziehung zu Hause durch die Mutter sagte Tackmann der Deutschen Presse-Agentur dpa: «Ich erwarte von Oskar Lafontaine, dass er deutlich macht, wer für die Mehrheit der Partei spricht.» Die Auffassung seiner Frau sei in der Partei eine «Einzelmeinung». (...)

Tackmann sagte, es sei legitim, die Frage zu stellen, ob Mütter nicht lieber zu Hause bleiben wollten. Sie müssten sozial abgesichert sein. Zum Leitbild der Partei gehöre, dass Eltern die Wahlfreiheit hätten, wer ihre Kinder betreue. Müllers «Ernährermodell» sei nicht im Sinne der Linken. Mit Erwerbstätigkeit sicherten sich Frauen finanzielle Unabhängigkeit. Ferner sei es erwiesen, dass Kinder schon mit sieben Monaten untereinander kommunizierten. In öffentlichen Einrichtungen mit hohen Qualitätsanforderungen sei das eher möglich. Eine derart kritische Sicht, wie Müller sie habe, sei nicht berechtigt. «Dieses Schreckgespenst ist absolut absurd.»
Hm. Frau Dr. Tackmann ist Veterinärmedizinerin und Chemielaborantin. Geboren 1960. "Seit 1979 Mitglied der SED/SED-PDS, Ruhen der Mitgliedschaft von Ende 1990 bis Juni 2001, dann Wiedereintritt in die PDS." (Bundestag.de) Sie hat im Juni gegen die Verlängerung des Einsatzes der Bundeswehr im Kosovo und in Dafur gestimmt und im März gegen den Tornado-Einsatz der Bundeswehr, sowie früher schon oftmals ähnlich abgestimmt. (Abgeordnetenwatch.de) An die Särge deutscher Soldaten und Polizisten kann sie anders herantreten als andere deutsche Bundestags-Abgeordnete.

Ich habe gerade folgenden öffentlichen Brief auf "Abgeordnetenwatch" an Frau Tackmann geschrieben:
Liebe Frau Dr. Tackmann,

Sie haben jüngst gesagt "Mit Erwerbstätigkeit sicherten sich Frauen finanzielle Unabhängigkeit."

Das ist ja exakt richtig und vielen Dank für diese Klarstellung. Genau das ist ja die zentrale Forderung von Christa Müller. Ich verstehe gar nicht, warum Sie das im Widerspruch zu Christa Müller formulieren. Und um so mehr das klar ist, daß Kinderbetreuung für Männer wie Frauen schlicht ebenso Erwerbstätigkeit ist wie jede andere, also bspw. für die Kindergärtnerinnen, um so überschaubarer werden alle Zusammenhänge gesamtgesellschaftlich, gesamtwirtschaftlich, sozialpolitisch, und indiviualpsychologisch. Es entspricht allein dem Gerechtigkeitsempfinden des einzelnen.

Niemand wirft Kindergärtnerinnen vor, sie würden sich "ernähren" lassen. Nein, sie gehen ihrer Erwerbstätigkeit nach. Und niemand fragt herablassend (oder schlimmer), ob sie ihr verdientes Geld in Kneipen oder an Zigaretten-Automaten ausgeben. Und Eltern tun schlichtweg nichts anderes als Kindergärtnerinnen.

Ihre rattenschlechte Bezahlung im Vergleich sogar gegenüber Kindergärtnerinnen mußte - da ihr Beruf nicht so leicht und unverbindlich an den Nagel zu hängen ist, wie der der Kindergärtnerin - zu jenem Gebärstreik der Kinderlosen und Eltern führen, den es seit Jahrzehnten gibt.

So wie es jedem Menschen früher schon aufgrund der wirtschaftlichen Zusammenhänge klar war, daß (eigene) Kinder Rentenversicherung sind, so wird dies auch nur durch die schliche Eingliederung der Tätigkeit des Kinderaufziehens in die übrigen gesamtwirtschaftlichen Zusammenhänge wieder voll bewußt gemacht - sowohl dem einzelnen wie der Gesamtgesellschaft.

Kinder sind erwünscht und wir lassen sie uns etwas kosten, indem wir die Eltern für ihre Tätigkeit - selbstverständlich - bezahlen.

Anstelle der in Deutschland nicht "produzierten" Kinder die Kinder im Ausland "herstellen" zu lassen (in "Billiglohnländern"), führt zur Verzerrung aller vernünftigen wirtschaftlichen und sozialpsychologischen Zusammenhänge.

Sehen Sie das nicht genauso?

Dienstag, 14. August 2007

Hat Lafontaine auch familienpolitisch Rückgrat?

"Lafontaine stützt familienpolitische Thesen seiner Frau," hatte Yahoo-Nachrichten vor einer Woche gemeldet und sich dabei auf den "Kölner Stadt-Anzeiger" berufen. Dieser hatte in einer kurzen, wenig aussagekräftigen Vorabmitteilung mitgeteilt: "Lafontaine familienpolitisch auf seiten seiner Frau". Heute titelt Yahoo-Nachrichten: "Lafontaine soll sich für Äußerungen seiner Frau rechtfertigen". Die dort erwähnten scharfen Angriffe (s.u.) lassen einen doch noch einmal vehementer nachfragen, was im "Kölner Stadt-Anzeiger" eigentlich über Lafontaine berichtet worden war. Man muß länger suchen, um diesen Artikel zu finden. (Kölner Stadt-Anzeiger) Es handelt sich um den Bericht über einen lokalpolitischen Auftritt Oskar Lafontaine's im Saarland. Hier nun die Passage des Artikels, die von seinen familienpolitischen Äußerungen handelt:
(...)

"Ich sehe hier viele ältere Frauen, die Kinder großgezogen und Familienangehörige gepflegt haben", bemerkt Lafontaine scheinbar leichthin. Er bezeichnet sich als "Sohn einer Kriegerwitwe". Sein untrüglicher Instinkt sagt ihm, dass er hier und jetzt etwas klarstellen muss. Seine Frau Christa Müller hatte mit Bemerkungen zur Kinderbetreuung Aufsehen erregt. Sie mochte Kinderkrippen nicht den Vorzug geben vor der Betreuung durch die Eltern. Dafür scholten einige Parteifreundinnen, aus den östlichen Landesverbänden zumal, Müller kräftig.

"Wir wollen niemandem vorschreiben, wie er die Kindererziehung gestaltet", stellt Lafontaine klar. Aber er sei sich sicher, "dass viele Kinder, wenn sie die Wahl hätten, sich für die Betreuung in der Familie entscheiden würden". Die Saar-Linke trete für Wahlfreiheit und die finanzielle Anerkennung häuslicher Erziehung ein, so interpretiert Lafontaine seine irgendwo vorn links sitzende Frau, freilich ohne sie zu erwähnen. Wer bestreitet, dass es sich dabei um linke Positionen handele, dem empfiehlt er die Verfassung Venezuelas, in der eben dies festgelegt sei. Wenn Lafontaine von der "Famillje" redet, hört sich es fast an wie einst bei Helmut Kohl.

Im Gespräch mit den innerparteilichen Querelen konfrontiert, reagiert der Parteichef zuerst schmallippig und dann ungehalten. "Ich bin nicht dazu da, meine Frau zu begutachten." Hängt da der Haussegen womöglich ein bisschen schief daheim in Saarlouis? Lafontaine rutscht ungeduldig auf der Bank unter dem Aussichtsturm hin und her: "Dazu sage ich nichts, das ist doch Boulevard." Christa Müller in sehr rotem Kleid mit passendem Jäckchen plaudert derweil am Tresen. Zum Streit um die Familienpolitik mag sie sich auch auf Nachfrage nicht äußern. Als sie irgendwann am Abend ans Steuer ihres Familien-Vans klettert, hält sie einen rot-grünen Luftballon in der Hand.

Sehr viel lieber als über familiäre Familienpolitik redet Oskar Lafontaine über die SPD und deren "ratlosen Strategen" Kurt Beck. (...)
Und das war's dann scheinbar auch schon. Und diese wenigen Äußerungen, die man vermutlich noch nicht einmal im Original gelesen hat, bewirkten folgende Reaktionen in Berlin (Yahoo Nachrichten):
Der Partei- und Fraktionschef der Linken, Oskar Lafontaine, soll sich für die umstrittenen familienpolitischen Auffassungen seiner Frau Christa Müller rechtfertigen. Sie stellten den Ruf der Linken als emanzipatorische Partei in Frage, sagte die stellvertretende Vorsitzende Katina Schubert der «Berliner Zeitung» (Dienstagausgabe) nach einer Sitzung des geschäftsführenden Vorstands. (...)
Ach, du liebe Güte! - Man darf gespannt sein, ob Lafontaine einigermaßen Rückgrat besitzt. Denn auch sonst sagte er auf der lokalpolitischen Veranstaltung sehr Wesentliches, Richtiges, Notwendiges:
Lafontaine zögert nicht, Bush und Blair als "Terroristen" zu brandmarken, weil sie "das Töten unschuldiger Menschen zur Durchsetzung politischer Ziele" in Kauf nähmen. Den vielleicht stärksten Applaus an diesem Nachmittag gibt es, als er bemängelt, dass der Gewaltverzicht, ein Kernpunkt der Außenpolitik Willy Brandts, im Vokabular der Bundesregierung unter Angela Merkel, "dieser Miss World", nicht mehr vorkomme.
Wer die Presse verfolgt, auch die Stimmung und Stimmungsmache unter den Journalisten und Politikern, der kann schnell zu der Meinung kommen, daß die vernünftigen politischen Kräfte in Deutschland derzeit immer noch viel zu wenig "Wind" machen. Sie sollten sich enger zusammen schließen und ihre Arbeit koordinieren. Die Agitation eines "Familiennetzwerkes" würde rein stimmungsmäßig auch stärker zu Kriegsvermeidung führen, da bin ich mir sicher. Wer Familien in den Mittelpunkt der Politik stellt, führt keine Kriege mehr.

Warum kann ein Herr Stoiber nicht begrüßen, was ein Herr Lafontaine sagt und umgekehrt? Frau Müller ist ja auch fähig zu sagen, daß sie mit dem übereinstimmt, was Frau Herman sagt. Muß es denn dauernd um Parteipolitik gehen? Warum kann man nicht mal kräftige Unterscheidungen machen zwischen wichtig und unwichtig? Will heißen: Wenn etwas wichtig ist, dann ist es 1. Familienpolitik und 2. bekloppte Kriegspolitik. Und wenn etwas unwichtig ist, dann sind dies - diesen Themen gegenüber - sehr viele andere Themen ...

Samstag, 14. Juli 2007

37-jährige SPD-Politikerin wünscht sich ein Kind

Einerseits ist es dumm: Was geht es die Öffentlichkeit an, wenn sich eine Frau ein Kind wünscht? Andererseits ist es uns wichtig: Denn wir wollen wissen, wie diejenigen, die auch die Familienpolitik mitgestalten, selbst privat mit diesen Dingen umgehen, welche Erfahrungen sie damit machen.

Wenn also die 37-jährige SPD-Politikerin Andrea Nahles öffentlich darüber spricht, sollten wir ihr gefälligst auch zuhören und nicht verschämt weghören (Ad-hoc-News):
Andrea Nahles wünscht sich ein Kind

Andrea Nahles (37), SPD-Politikerin, hat privat einen großen Traum. «Ich wünsche mir ein Kind», sagte die 37-Jährige der «Bild am Sonntag». «Wenn es so weit ist, werde ich mein Leben anders organisieren», kündigte Nahles an: «Zum Glück habe ich eine starke Familie im Rücken, die mich unterstützen wird. Und ich habe die Möglichkeit, eine individuelle Tagesbetreuung zu finanzieren - das können viele Familien sich ja nicht leisten.» Im Kanzleramt habe sie sich bereits Rat von einer CDU-Kollegin geholt: «Ich habe mich neulich bei Staatsministerin Hildegard Müller erkundigt, wie sie das mit ihrem kleinen Kind managt. Auf der Ebene tauschen wir jungen Frauen uns schon aus», sagte Nahles, die laut «BamS» seit sieben Jahren mit dem VW-Arbeitsdirektor Horst Neumann (58) liiert ist.
Sie hat die Möglichkeit, eine individuelle Tagesbetreuung zu finanzieren. Sollte sie nicht dafür arbeiten, daß diese Möglichkeit jede deutsche Mutter hat? Und diese Möglichkeit hätte sie ja, wenn ihr ein ihr zustehendes Erziehungsgehalt bezahlt würde. Wikipedia übrigens informiert uns: Frau Nahles bewohnt zusammen mit ihrem Lebensgefährten "den Bauernhof in der Eifel, auf dem schon ihre Urgroßeltern gelebt haben."

Da drücken wir jedenfalls Frau Nahles die Daumen, da das ja bekanntlich bei 37-jährigen Erstgebärenden nicht mehr ganz so einfach ist wie zehn oder zwanzig Jahre früher.

Montag, 2. Juli 2007

"Wat is'n Dampfmaschin?" - Pädagogik im Sinne "feministischer Steinzeit"

Ergänzung zum Beitrag "Feministische Steinzeit" (s. Stud. gen.).

Physikunterricht
Die Berichterstattung in der "Zeit" ist schon komisch*). In dem einen Artikel (siehe Stud. gen.) tut man so, als hätte man von Tuten und Blasen keine Ahnung, wenn es um die Biologie des Menschen und seiner Geschlechts-Unterschiede geht. In einem begleitenden Artikel werden diese dann isoliert für sich referiert (Zeit). Wäre es nicht klüger gewesen, die beiden Autoren hätten sich mal für einen Nachmittag zusammen gesetzt und einen gemeinsamen Artikel geschrieben? Aber was diese Dinge betrifft, scheint die "Zeit" auch "Steinzeit"-Pädagogik zu bevorzugen nach dem Motto von Lehrer Bömmel aus Heinrich Spoerls "Feuerzangenbowle":
"... Aha, heute krieje mer de Dampfmaschin. Also, wat is en Dampfmaschin? Da stelle mer uns janz dumm. Und da sage mer so: En Dampfmaschin, dat is ene jroße schwarze Raum, der hat hinten un vorn e Loch. Dat eine Loch, dat is de Feuerung. Und dat andere Loch, dat krieje mer später. ..."
Ein hübsches Kinder-Video gibts auch (Zeit), in denen interviewte Kinder ein bischen zögerlich und schüchtern aber dennoch ihr tiefschürfendes Wissen zur Geschlechterpsychologie preisgeben. - Apropos "Dampfmaschin" ...





____________________________________________
*) Ergänzung (25.5.2017): Zehn Jahre später schon und mit weiter anhaltender Medienmanipulation haben wir dafür kürzere Worte, um verständlich zu machen, worum es hier geht: um bewusste Verdummung und Verblödung durch die Lügen-Presse als Ausfluss abartiger elitärer satanistisch-monotheistischer Ideologien und damit einhergehender krimineller, kultischer Praktiken.

Donnerstag, 28. Juni 2007

Deutschland wird familienfreundlicher - der "Windel-Willi"

Deutschland heizt jetzt mit gebrauchten Windeln.

Jeder, der Kinder hatte, weiß es: Diese Masse an Windeln. Und jedes ökologische Gewissen versinkt vor Scham 10 Meter tief unter die Erde, wenn es sich gestattet, nicht Stoffwindeln zu benutzen, die unendlich aufwendig gewaschen werden müssen.

Aber nun endlich der Fortschritt: Der "Windel-Willi" - "Made in Germany". (Berliner Morgenpost)

(Aha, Hauptlieferanten des "Windel-Willi's" sind - offenbar - derzeit noch die Altersheime. - Na, da könnte ja eine andere Familienpolitik etwas dran ändern ...)

Mit gebrauchten Windeln effizient heizen

Meckenbeuren - Der Heimbetreiber Stiftung Liebenau hat eine mit Windeln befeuerte Heizanlage entwickelt. Der Spezialofen verbrennt bis zu 5000 Tonnen der gebrauchten Windeln im Jahr. Mit der entstehenden Wärme versorgt die Stiftung ihre Wäscherei und heizt Wasser auf. Die elf Meter hohe Anlage sei europaweit zum Patent angemeldet, sagte der Bauleiter der Stiftung, Marco Nauerz.

Derzeit liefern 40 Heime und Pflegeeinrichtungen Windeln, 26 davon gehören zur Stiftung. Bis Ende des Jahres soll sich die Zahl verdoppeln. Die Stiftung spart durch den Ofen Gas und Öl sowie Müllgebühren von 350 000 Euro für die Entsorgung ihrer 2,1 Millionen Windeln im Jahr.

In die "Windel-Willi" genannte Verbrennungsanlage investierte sie rund drei Millionen Euro. Als langwierig und kompliziert erwies sich die Genehmigung, da das Gesetz Windeln nicht als Brennstoff vorsieht. Gemeinsam mit einem Ofenhersteller und einem Unternehmen für Verbands- und Hygieneartikel will die Stiftung die neue Technik auch vermarkten. Die Stiftung Liebenau ist ein Unternehmensverbund, der im Pflege-, Behinderten- und Bildungsbereich tätig ist.

Mittwoch, 27. Juni 2007

Geburtenrate und öffentliche Diskussion

Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung bringt ein Interview mit Bevölkerungsforscher Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung. Unter dem Titel "Wenn Kinder rar werden". (WAZ) Darin wird noch einmal deutlich, wie wichtig öffentliche Diskussion ist - und wie schlimm es ist, daß man damit erst vor zehn Jahren und nur ganz zögerlich angefangen hat.
...

WAZ: Aber das Klima für Kinder ist doch besser geworden?

Klingholz: Weil wir, die Gesellschaft, darüber reden und nicht nur die Politik. Sie wäre von allein nicht darauf gekommen. Die öffentliche Diskussion hat sie durch die Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung, durch Bücher zu den Folgen der Überalterung wachgerüttelt. Wer vor zehn Jahren über Geburtenrate geredet hätte, wäre dem Verdacht ausgesetzt gewesen, reaktionär zu sein.

Donnerstag, 24. Mai 2007

Unwort des Jahres

"Studium generale" erklärt hiermit zum Unwort des Jahres:

Frühkindliche Bildung.

Es ist unglaublich, was sich Politiker alles herausnehmen und behaupten zu wissen, was gut sei für Kinder. Jetzt behaupten sie auch noch, Krippenbetreuung sei besser als häusliche Betreuung. Jetzt soll "Integration" schon in den ersten drei Lebensjahren in der Kinderkrippe anfangen. Als "Bildung". Unglaublich. Es ist kaum vorstellbar, daß Menschen, die so reden, noch irgendwelche humanen Gefühle gegenüber Kindern haben.

Hier wird deutlicher als jemals offenbar, wohin Atheismus führt (Spiegel):
Städtetags-Geschäftsführer Stephan Articus, etwas gewunden: "Im Hinblick auf das Ziel, dass man Defizite in der frühkindlichen Bildung verhindern will, herrschte mehrheitlich eine gewisse Skepsis in Bezug auf die Wirkung des Betreuungsgeldes."
Was für ein Wahnsinn. Diese Selbstverständlichkeit, mit der sich dieses Unwort in der Sprache der Polit-Manager Deutschlands schon eingebürgert hat.
Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) in der "Zeit": Ein monatlicher Zuschuss für Eltern, die sich zu Hause um ihr Kind kümmern, "scheint mir geradezu eine Prämie für Frauen zu sein, die ihrem Beruf fernbleiben".
- Ja, was glauben denn Sie? Diese Prämie haben sie auch bitter nötig. Man glaubt es nicht.

Aber das Allerschlimmste ist, daß auch Edmund Stoiber dieses Unwort benutzt - man glaubt immer erst, man würde falsch lesen:
"Die Zahlung verhindere nicht die frühkindliche Bildung in den Krippen ..."
Komplett weggetreten. Eine Gesellschaft, die solch einen Sprachgebrauch unwidersprochen hinnimmt.

Dienstag, 8. Mai 2007

Großfamilie im Mehrgenerationenhaus

Die "Zeit" hat einen neuen Artikel über Mehrgenerationenhäuser, einen wie man finden kann, grundsätzlich sehr sinnvollen Ansatz der Familienministerin von der Leyen. (Siehe früherer Beitrag von Studium generale.)
... Mit diesen Häusern will Ursula von der Leyen den Zusammenhalt in der Gesellschaft verbessern. Ältere Menschen sollen mehr am Alltagsleben teilnehmen. „Die Idee dazu gründet sich auf meinen Erfahrungen in der Großfamilie”, berichtet von der Leyen. Einst mit sechs Geschwistern in Niedersachsen aufgewachsen und nun selbst Mutter von sieben Kindern, habe sie erfahren, wie viele Alltagskompetenzen – Kultur, Teamfähigkeit und clevere, selbstsichere Bewältigung von Problemsituationen sowie „instinktive” Erziehung – von Generation zu Generation weitergegeben werden. Diese Erfahrungen hält von der Leyen für ein Stück Kultur und dürfen ihrer Ansicht nach nicht verloren gehen. ...
Und wenn man schon dabei ist: Der Opa soll nicht vergessen werden, der wichtigste Bewohner eines Mehrfamilienhauses.
Dies war der Opa des Blogautors.
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