Posts mit dem Label Täuschung und Selbsttäuschung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Täuschung und Selbsttäuschung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 28. Februar 2023

Ilias, Odysee und Bibel - Die Soziale Netzwerkanalyse spricht ihr Urteil

Historisch oder erfunden?
- Ilias = Historisch; Odysee = teilweise historisch, teilweise erfunden; Bibel =erfunden

Über die Soziale Netzwerkanalyse (SNA) (Wiki, engl) kann aufzeigt werden, ob eine Erzählung einen realen, historischen Hintergrund hat oder ob sie rein fiktionalen, ausgedachten Charakter hat.

Mit Hilfe der Sozialen Netzwerkanalyse wurde erkannt, daß in der "Ilias" von wirklichen, sozialen Verhältnissen berichtet wird. Im Jahr 2018 wurde dasselbe auch für die "Odyssee" nachgewiesen, allerdings nur, insoweit man die offensichtlich erfundenen Ungeheuer und Götter in der Geschichte unberücksichtigt läßt (Dönges):

Die Welt, in der der listenreiche Held seine zehnjährige Irrfahrt durchlebt, zeige deutliche Merkmale einer realistischen menschlichen Gesellschaft, schreibt eine Gruppe dreier Forscher im Magazin "PLoS One".

Die Eigenschaften realer, menschlicher Netzwerke (Dönges)

machten Miranda und Kollegen auch in der "Odyssee" ausfindig. Damit unterscheidet es sich von anderen mythologischen Erzählungen, wie etwa dem altirischen Epos vom "Rinderraub von Cooley" oder dem "Beowulf", die man ebenfalls in dieser Hinsicht analysiert hat. Die "Ilias", die Geschichte vom Trojanischen Krieg, erwies sich hingegen als dasjenige Werk, dessen Figurenkonstellation am meisten Ähnlichkeiten mit der Realität aufwies. 
In der "Odyssee" schälte sich das realistische Netzwerk allerdings erst dann heraus, wenn die Forscher die offenkundig fiktionalen Gestalten herausnahmen - also erst, wenn Zyklopen, Götter oder Meeresungeheuer entfernt wurden. Götter beispielsweise nähmen auf Grund ihrer Allgegenwart in einem solchen Netzwerk eine Position ein, die einfach nicht mit tatsächlich existierenden Figuren in Einklang zu bringen ist. Jetzt biete es sich an, auch andere Werke auf ihren Realismus hin abzuklopfen, meinen die Forscher - bis sich jemand die Bibel vornähme, sei es wohl nur eine Frage der Zeit.

Auch könnte einen diesbezüglich die Analyse des Nibelungenliedes interessieren, der isländischen Sagas oder der Erzählungen der "Edda". Übrigens wird es mancher auch mit Erleichterung aufnehmen, daß die düstere und schreckliche altenglische "Beowulf-Saga" nicht reale Verhältnisse widerspiegelt.


Abb. 1: Inselbildung ("Partitioning") in den Sozialen Netzwerken des Alten Testaments, kombiniert aus den ersten fünf Büchern Moses (aus: Massey 2016)

Schon 2016 wurde zum Alten Testament ausgeführt (Massey 2016):

Die Inselbildung ("partitioning") stimmt überein mit dem Gedanken, daß das Narrativ (des Alten Testaments) zusammen gesetzt wurde aus für sich stehenden Haupterzählungs-Einheiten, die nach chronologischen Gesichtspunkten miteinander kombiniert worden sind.
The partitioning is consistent with the idea that the narrative was comprised of major stand alone narrative units that were combined in a chronological fashion.

Es wird dann gar nicht mehr der Anspruch auf Vergleichbarkeit mit historischen Berichten erhoben, sondern nur noch mit fiktionalen (Massey 2016):

Soziale Netzwerkanalysen von fiktionalen, sozialen Netzwerken sind nur sehr begrenzt für Vergleiche geeignet. Das schließt Soziale Netzwerkanalysen ein von Charakteren, die enthalten sind: im Marvel Universe (Alberich et al. 2002; Gleiser 2007), in Victor Hugo’s Les Misérables, in J.R.R. Tolkien’s Fellowship of the Rings, in William Shakespeare’s Richard III und in J.K. Rowling’s Harry Potter (Mac Carron and Kenna 2012), es betrifft die Bücher von J.K. Rowling, G.R.R. Martin, Phillip Pullman und Les Misérables (Waumans et al. 2015).
For comparative purposes, social network analyses of fictional social networks are limited. They include social network analyses of characters contained within the Marvel Universe (Alberich et al. 2002; Gleiser 2007), Victor Hugo’s Les Misérables, J.R.R. Tolkien’s Fellowship of the Rings, William Shakespeare’s Richard III and J.K. Rowling’s Harry Potter (Mac Carron and Kenna 2012), and the books of J.K. Rowling, G.R.R. Martin, Phillip Pullman, and Les Misérables (Waumans et al. 2015).

2016 wurde allerdings als Vorbehalt auch geäußert (Massey 2016):

Gegenwärtig gibt es nur unzureichende Analysen, die klären würden, ob es Schlüsselunterschiede gibt gegenüber Sozialen Netzwerken in der realen Welt.
However, presently there are insufficient analyses in the literature to clarify if there are key differences with real world social networks.
Über Moses wurde ausgeführt (Massey 2016):
In unserer Analyse ist er Teil eines Netzwerkes, das einige Ähnlichkeiten mit Sozialen Netzwerken der realen Welt hat.
In our analysis, he is part of a network with some similarities to real world social networks.

Aber (Massey 2016):

Es ist wahrscheinlich, daß Mechanismen, die stark voneinander separierte Verteilungen hervor bringen, sich von sozialen Netzwerken in der realen Welt unterscheiden.
It is likely that mechanisms that produce heavy tailed distributions differ from those in real world social networks. 

ölkjöljölkj


Abb. 2: Soziale Netzwerke im Neuen Testament (aus: Massey 2019)

In der letzten Studie zum Thema aus dem Jahr 2019 heißt es (Massey 2019):

Es gibt eine zunehmende Zahl von sozialen Netzwerkanalysen erzählter Netzwerke und es sind Versuche gemacht worden, die Struktur von mythologischen und religiösen Netzwerken in Bezug auf ihre Geschichtlichkeit zu interpretieren. (...) Eine allgemeine Beobachtung ist die starke Unterteilung in den Verteilungen in mythologischen und religiösen erzählten Netzwerken ...
There are  a growing number of SNAs of narrative networks (Alberich et al. 2002; Gleiser 2007; Mac Carron and Kenna 2012, 2013; Waumans et al. 2015; Massey 2016; Yose et al.  2017), and attempts have been made to interpret the structure of mythological and religious networks in terms of historicity  (Mac Carron and Kenna 2012, 2013; Massey 2016; Yose et al. 2017). While this endeavor may be challenging due to difficulty in differentiating network topology from that of purely fictional narrative networks (Massey 2016), a general observation is the presence of heavy-tailed degree distributions in the mythological and religious narrative networks (Mac Carron and Kenna 2012, 2013; Massey 2016; Yose et al. 2017), the emergence of which involves as yet uncharacterized aspects of the compositional process (Massey 2016).

Von den Texten der Bibel wird hier nun schon von vornherein nicht angenommen, daß mit Hilfe der Sozialen Netzwerkanalyse Hinweise dafür zusammen getragen werden könnten, daß ihnen historisches Geschehen zugrunde liegen würde, und zwar weder für das Alte, noch für das Neue Testament (Massey 2019):

Angesichts der Tatsache, daß das Alte Testament ein komplexer Flickenteppich von Quellen, Perspektiven, Beweggründen, Themen, Stilen und Autoren darstellt, wäre es verblüffend, wenn es Eigenschaften von fiktionalen Erzählungen wiederspiegeln würde, die jeweils nur einen Autor aufweisen.
Given that the Old Testament is a complex patchwork of sources, perspectives, motivations, themes, styles and authors (for example, see Noth (1981) on the composition of the Pentateuch), it is intriguing that it should also reflect similar properties to those of single author fictional narratives (Drozdz et al. 2016).

Es wird aber  für unrealistisch gehalten, daß man in den erfundenen Geschichten der Bibel ähnliche Erzählstrukturen finden würde, die man in erfundenen Geschichten findet, die nur einen einzigen Autor, bzw. Erzähler haben. Dies wird als das zu untersuchende Problem formuliert, nicht mehr, ob mit Hilfe der Sozialen Netzwerkanalyse Hinweise dafür zusammen getragen werden könnten, daß den Geschichten der Bibel historisches Geschehen zugrunde liegen würde. 

Es werden sehr unausgewogene, sprich künstliche soziale Netzwerke in der Bibel festgestellt. Im Alten Testament kreisen sie sehr unausgewogen um Jahweh und Moses, im Neuen Testament kreisen sie sehr unausgewogen um Jesus und seine zwölf Jünger ("heavy-tailed degree distributions"). Über Moses wird gesagt (Massey 2016):

Ein beträchtlicher Anteil der Unausgewogenheit in dem sozialen Netzwerk rund um Moses verschwindet, wenn der Knotenpunkt ("node"), der ihn repräsentiert, aus dem Netzwerk entfernt wird. Das könnte möglicherweise auf einige Künstlichkeit hinsichtlich seiner Zentralität innerhalb des Netzwerkes hinweisen.
A substantial proportion of disassortativity in the social network based around Moses disappears when the node is removed, potentially indicating some artificiality in its orientation within the network.
Und (Massey 2016):
Die ungewöhnlich stark verbundenen Knotenpunkte, die die Gottheit und die Propheten charakterisieren, könnten ein (typisches) Charakteristikum von Sozialen Netzwerken sein, die aus religiösen Texten abgeleitet werden können.
Unusually highly connected nodes representing the deity and prophet may be characteristic of social networks derived from religious texts.

Hier werden also die Verhältnisse umgekehrt: Die Struktur des Sozialen Netzwerkes weist nicht auf Historizität, sondern wird geradezu als ein Kennzeichen für einen erfundenen religiösen Text benannt. Wobei unberücksichtigt bleibt, daß ja auch die "Ilias" ein religiöser Text ist und als religiöser Text gelesen wurde. Ob das also so allgemeingültig gesagt werden kann für "alle" religiösen Texte, bleibe dahin gestellt.

Am Schluß jedenfalls wird in diesem Sinne dann nur noch formuliert (Massey 2019):

Die Struktur sozialer Netzwerke, die aus religiösen Texten abgeleitet werden kann, könnte sich als nützlich erweisen in Arbeiten, die soziale Netzwerke benutzen, um die Entwicklung moralischer Normen in einer Gesellschaft zu thematisieren (McKenzie 2008).
Finally, the structure of social networks derived from religious texts might be useful in work that uses social networks to address the development of moral norms in society (McKenzie 2008).

Damit wird also gesagt, daß nicht nur mythische Geschichten mit historischem Hintergrund - wie die Ilias oder die Odysee - zur Entwicklung moralischer Normen in einer Gesellschaft beitragen können, sondern auch erfundene mythische Geschichten ohne deutlich erkennbaren realen, historischen Hintergrund. Das aber wußte man auch schon vorher. 

Nur, daß eben gerade von einigen der letzteren Geschichten ein historischer Wahrheitsgehalt vorausgesetzt, behauptet und der Glaube daran mit Ketzerverfolgungen, Dogmatismus und monotheistischem Eifer eingefordert wurde, wie das die Geschichten mit echtem historischen Hintergrund in dem Ausmaß - offenbar - nie nötig hatten.  ....

/ Im Entwurf: 
4.10.2019 /
______________________
  1. Pádraig Mac Carron and Ralph Kenna: Universal properties of mythological networks. Published 25 July 2012 in: EPL (Europhysics Letters), Volume 99, Number 2, https://doi.org/10.1209/0295-5075/99/28002
  2. Steven E. Massey: Social network analysis of the biblical Moses. In: Applied Network Science, December 2016, First Online: 14 November 2016, https://doi.org/10.1007/s41109-016-0012-1
  3. Miranda PJ, Baptista MS, de Souza Pinto SE (2018) The Odyssey’s mythological network. PLoS ONE 13(7): e0200703. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0200703
  4. Miranda PJ, Baptista MS, de Souza Pinto SE: How we showed Homer’s Odyssey is not pure fiction, with a little help from Facebook. In: The Conversation, 3. September 2018
  5. Dönges, Jan: Netzwerkanalyse: Wieso die "Odyssee" auf wahren Begebenheiten beruhen könnte. In: Spektrum der Wissenschaft, 3.9.2018
  6. Steven E. Massey: Form and relationship of the social networks of the New Testament. In: Social Network Analysis and Mining (2019), Online: 10. Juli 2019, https://doi.org/10.1007/s13278-019-0577-7 (Researchgate)

Sonntag, 31. August 2008

Die menschliche Fähigkeit zum Unterscheiden von günstigen und ungünstigen kulturellen Merkmalen

Magnus Enquist
Stefano Ghirlanda
Es gibt verschiedene Theorien darüber, wie es möglich wurde, daß der Mensch so viel mehr Fähigkeiten und Wissen durch Nachahmung und anderes "soziales Lernen" erwerben kann, als der Schimpanse und alle anderen auch sehr intelligenten sozial lebenden Tiere (etwa Delphine, Papageien, Raben etc.). Theorien also darüber, DASS es beim Menschen umfangreiche Weitergabe kultureller Merkmale gibt. Nach Meinung der schwedischen Autoren Magnus Enquista (Bild links) und Stefano Ghirlanda (Bild rechts) (Journal of Theoretical Biology) (1) ist in diesen Theorien bisher zu wenig darüber nachgedacht worden, daß der Mensch nicht nur fähig ist, kulturelle Merkmale zu erlernen und weiterzugeben, die gut für sein genetisches Überleben (oder das seiner Gruppe sind), die also "adaptiv" sind, sondern ebenso solche, die schlecht sind für sein genetisches Überleben (oder das seiner Gruppe). Dies könnte man als einen sehr wichtigen Gedanken empfinden. Denn das ist ja "das Humanum" an sich: Ein viel größerer "Freiheitsgrad" in den Entscheidungen bei der Weitergabe oder Übernahme kultureller Merkmale. Nicht durch die Gene "gezwungen" zu sein, "das Gute" oder das evolutionär Angepaßte zu tun oder zu erlernen.

ResearchBlogging.orgEnquista und Ghirlanda stellen mit ihrer Arbeit nun die neue wichtige, in vielerlei Hinsicht tatsächlich entscheidende Frage: Was bewirkt denn das Herausfiltern von evolutionär schlecht-angepaßten kulturellen Merkmalen in unserer Kultur (oder in der Kultur des ostafrikanischen Australopithecus)?
"To prevent accumulation of maladaptive traits, it appears that each generation must 'filter out', or discard, at least some maladaptive culture. Such adaptive filtering is an important addition that may increase the adaptive value of culture. (...) The possibility of adaptive filtering changes dramatically the coevolutionary scenario for the evolution of social learning. As we saw earlier, in the absence of adaptive filtering genetic evolution is expected to improve social learning until culture is no longer adaptive. (...)

If adaptive filtering is sufficiently strong, however, culture is adaptive. (...) With sufficient adaptive filtering, adaptive culture is possible even if (...) new traits are on average maladaptive. Genetic evolution favors individual capacities for adaptive filtering under broader conditions than capacities for social learning. (...) There can be selection for adaptive filtering even when the adaptive value of culture is small, suggesting that selection for adaptive filtering may have been stronger than selection for social learning at the dawn of human culture."
Tatsächlich, man könnte mutmaßen, daß das "Projekt Mensch" schon sehr früh in einer evolutionären Sackgasse geendet wäre, wenn die genetische Evolution nicht stärker noch als das soziale Lernen an sich die Fähigkeit zum "adaptiven Filtern" kultureller Merkmale hervorgebracht hätte. Der Mensch ist fähig, auf so viele unsinnige Gedanken und "Macken" zu kommen, daß das sehr nötig gewesen sein könnte und immer noch nötig ist.

Die große Frage aber bleibt: Wo ist dieser Scanner? Wie sieht er aus? Nach welchen Kriterien filtert er? Wie sehen seine Auslöse-Mechanismen aus? Meine Vermutung wäre, daß auch dies (zunächst) sehr viel mit "Gruppenverantwortung", mit Verwandten-Altruismus zu tun hat: Reifere, erwachsene weibliche oder männliche Tiere/Menschen in der Gruppe oder auch junge, innovative, sorgen mit wachsamem Auge darüber, daß sich nicht allzuviele maladaptive kulturelle Merkmale in der Gruppe ansammeln, bzw. erfinden adaptive Merkmale. (Vielleicht gibt es hier auch eine Aufteilung der Aufgaben für "Jung" und "Alt": Die Jungen erfinden Neues, die Alten "filtern" davon das Nützliche heraus?) Hierbei kommt dann sicherlich auch zunehmend mehr das logische Denken mit ins Spiel, die Fähigkeit des Durchdenkens von Folgen des Handelns auf der "inneren Bühne" der eigenen Psyche, was in der Folge dazu führen könnte, daß darauf gedrängt wird, gruppen- oder individuen-schädliche kulturelle Merkmale, Verhaltensweisen zu meiden und nützliche (adaptive) Merkmale und Verhaltensweisen zu fördern.

In einem weiteren Schritt wäre über das Themenfeld Täuschung und Selbsttäuschung nachzudenken. Denn der Mensch besitzt in einzigartigem Maße die Fähigkeit, sich selbst zu täuschen und dabei nicht ausreichend über die Folgen seines Handelns nachzudenken. Auch läßt er sich leicht und gern von anderen - bewußter oder weniger bewußt - täuschen. Diese "cheater detection", das Erkennen von Täuschern und Täuschungen (in sich selbst und anderen) dürfte ein wichtiges Merkmal aller menschlichen Kulturen sein, die sich ihre genetische Überlebensfähigkeit bewahren (oder bewahren wollen). Da Menschen sich wohl nirgends so folgenreich belügen und betrügen wie in der Politik, bzw. in der Geschichte, müßte aus evolutionärer Sicht gefordert sein, daß die Fähigkeit zur "cheater detection" gerade bei Politikwissenschaftlern und Historikern besonders ausgeprägt sein sollte.

Die Anwendung auf heutige Verhältnisse westlicher Gesellschaften kann an dieser Stelle des Nachdenkens dem Leser überlassen bleiben, bzw. er kann auf "cheater detection"-Literatur in unserem Buchladen verwiesen werden. Man könnte auch folgendes formulieren: Zeitgeschichts-Forschung ist heute nur noch selten das Erforschen grundlegender Wahrheiten über menschliches Verhalten in der Geschichte, sondern zunächst einmal größtenteils: cheater detection. Abschließend noch einmal die Autoren:
"Culture can remain adaptive, and imitation abilities continue to improve, if maladaptive traits are continuously filtered out. Thus the evolution of adaptive filtering may have been at least as important as the evolution of imitation for the origin of human culture. We may speculate that non-human animals have only rudimentary social learning abilities (compared to humans) not because social learning is especially difficult to evolve, but because it is not useful unless one cannot discriminate between adaptive and maladaptive cultural traits." "The evolution of such 'adaptive filtering' mechanisms may have been crucial for the birth of human culture."
Die Kultur muß insgesamt adaptiv sein und die menschliche Psyche ist fähig zu bewerten, ob sie das ist oder nicht. Der Mensch bleibt aufgefordert, diese seine psychischen Potentiale zu nutzen.

(ursprünglich veröffentlicht am 15.11.2007)

1. M ENQUIST, S GHIRLANDA (2007). Evolution of social learning does not explain the origin of human cumulative culture Journal of Theoretical Biology, 246 (1), 129-135 DOI: 10.1016/j.jtbi.2006.12.022

Samstag, 1. März 2008

Die Unvollkommenheit des Menschen und der Altruismus

Nachdenken über Altruismus (6. Teil)

Der vorige Beitrag dieser Reihe findet sich hier: 5. Teil. Um so älter die Beiträge dieser Reihe sind, um so weniger gelungen, inhaltsvoll erscheinen sie mir aus der Rückschau. *)

Was ist Altruismus in allgemeinstem Sinne? Was könnte Altruismus in allgemeinstem Sinne sein? Altruismus, so sei hier einmal die Behauptung aufgestellt, ist die Fähigkeit, mit der Andersartigkeit anderer Menschen im tiefsten Sinne human, das heißt weise, reif und in tieferem Sinne verständnisvoll umgehen zu können. Nun könnte es sich der Altruist leicht machen und sagen: Alles an der Andersartigkeit anderer Menschen ist "gut" und ich versuche, dieser "guten" Andersartigkeit Verständnis entgegenzubringen.

Abb. 1: Reinhold Begas - Prometheus (1900) (Wiki) - Er opferte sich auf für den Fortschritt der Menschheit

Allerdings weiß jeder Mensch, daß die Welt, daß insbesondere die eigene unmittelbare Mitwelt und die eigene Gesellschaft voll Egoismus, boshafter Rücksichtslosigkeit, voller Verbrechen, voller Heuchelei, voller Seichtigkeit und Oberflächlichkeit und so vieler anderer schlechter menschlicher Eigenschaften ist. Es kann doch gar nicht sein, daß man all diesen vielen schlechten Eigenschaften des Menschseins an sich "Verständnis" entgegenbringt, ohne selbst denselben zu erliegen. Aber vielleicht will man das ja gar nicht, da man nicht selbst diesen Kakao auch noch trinken will, durch den man zuvor gezogen wurde (nach dem bekannten Wort von Erich Kästner).

Nein, dadurch, daß ich mich mit all diesen schlechten Eigenschaften bei mir selbst und bei anderen auseinandersetze und sie bei mir selbst (und vielleicht auch anderen) zu überwinden trachte, erst dadurch werde ich doch ein guter Mensch. Das "Gutsein" ist mir doch nicht in die Wiege gelegt, sondern quasi mit der Muttermilch sauge ich all die gesellschaftliche Schlechtigkeit und Seichtigkeit auf, die mich umgibt. Und das Gutsein selbst ist mir im besten Falle als Aufgabe meines Menschseins an sich gestellt, fällt mir aber nicht wie ein "Geburtstagsgeschenk" zu.

Umgang mit der Andersartigkeit anderer Menschen


Die Andersartigkeit anderer Menschen bedeutet nun, daß jeder Mensch aufgrund seiner angeborenen und erworbenen Charaktereigenschaften und Persönlichkeitsmerkmale auf der einen Seite besondere Begabungen und Fähigkeiten für bestimmte Dinge hat und auf der anderen Seite besondere Schwächen und "Unfähigkeiten" für bestimmte Dinge. Jeder Mensch weist "Borniertheiten" auf. Jeder. Denn niemand ist vollkommen geboren und vielleicht nur ganz wenige erreichen irgendeinen Grad von Vollkommenheit in diesem Leben. Das heißt: Wenn wir uns bemühen, gute Menschen sein zu wollen, dann wird das jeder Mensch aufgrund seiner Stärken und Schwächen für bestimmte Formen des Gutseins oder Böseseins auf seine ganz eigene, besondere Weise auf vielleicht nur sehr beschränkten Bereichen tun, während er auf anderen Bereichen seine "Borniertheit" glänzen läßt.

Aber diese "Borniertheit" nimmt er meist selbst gar nicht wahr. Die Unvollkommenheit des Menschen ist dadurch sicher gestellt, daß er sich über sich selbst täuscht, täuschen kann. Wenn er sich nicht über sich selbst täuschen könnte, würde der Mensch wohl entweder in tiefste Depressionen über seine vielen "Unfähigkeiten zum Gutsein" verfallen oder es würde ihm relativ leicht - vielleicht zu leicht - fallen, ein vollkommener Mensch zu werden. Wenn aber Vollkommenheit im menschlichen Sein das Ziel der Schöpfung, der Evolution ist, gewesen sein sollte, gewesen sein könnte, dann sollte dies wohl doch ein so anspruchsvolles Ziel sein, daß dasselbe nicht allzu leicht zu erreichen ist. (Jedenfalls scheint es wohl doch keine kulturgeschichtlichen Zeugnisse zu geben, die nahelegen, daß es dem Menschen jemals in der Geschichte besonders leicht gefallen wäre, in moralischem Sinne vollkommen zu sein oder zu werden. Viele leiten daraus ab, daß es sowieso borniert ist, in moralischem Sinne vollkommener werden zu wollen. Aber mit solchen flachen Meinungen will ich mich hier jetzt nicht auseinandersetzen.)

Darum also vor allem wird der Mensch die "Fähigkeit" zu Täuschung und Selbsttäuschung sich selbst und anderen gegenüber besitzen: damit er nicht quasi "determiniert" das Gute tut und das Böse läßt.

Fehler kleinreden, Stärken herausstellen


Nun besteht selbstverständlich die natürliche Neigung des Menschen dazu, sich selbst und anderen gegenüber seine eigenen Schwächen und Fehler "kleinzureden" und seine eigenen Stärken und Fähigkeiten sich selbst und anderen gegenüber möglichst groß herauszustellen. Wer gibt schon gerne zu, daß er Fehler hat? Das ist also von vornherein wohl ein ganz natürlicher Drang.

Wie aber verhält sich der Altruist diesen grundlegenden menschlichen Umständen gegenüber? Der Altruist weiß zunächst einmal das folgende - oder versucht es sich immer wieder klar zu machen: Daß man leichter den Dorn im Auge des anderen sieht, als den Balken im eigenen Auge. (Eine Weisheit, die z.B. im Neuen Testament der Bibel überliefert ist, die aber - wie so vieles andere im Neuen Testament - vielleicht aus ganz anderen oder früheren Kulturen übernommen worden ist.) Wer sich das klar macht, wie schwer es ist - oder sein könnte - statt des Dornes beim anderen möglichst auch den Balken im eigenen Auge zu sehen, wer sich das klar macht, der bekommt vielleicht eine gewisse Ahnung darüber, was das eigentlich sein könnte: menschlicher Altruismus. Menschliche Entsagung. Darauf zu verzichten, recht zu haben. Darauf zu verzichten, per se "der Gutmensch" zu sein ...

Und das würde dann tatsächlich einen reiferen Umgang mit den Andersartigkeiten anderer Menschen bedeuten: Denn um so mehr ich von dem Balken im eigenen Auge weiß, um so treffsicherer werde ich doch wohl - mehr oder weniger selbstverständlich - mit den Dornen im Auge eines anderen umgehen können.

Fehler und Stärken möglichst treffsicher und ausgewogen erkennen und benennen zu können


Denn das wird wohl immer die Hauptschwierigkeit im Umgang zwischen Menschen untereinander sein: Erstens daß man eher die Schwächen des anderen sieht als die eigenen. Daran muß zunächst nichts Verwerfliches sein. Denn auch, indem ich mich mit Schwächen meiner Mitmenschen auseinandersetze, kann ich mich selbst im Gutsein stärken. Aber die zweite Hauptschwierigkeit ist dann, daß man die Schwächen der anderen nicht treffsicher genug benennen kann. Indem ich andere kritisiere, verletze ich vielleicht Stärken, die ich bei ihnen übersehen habe zugleich mit den Schwächen, da ihr ganz "persönlicher" Weg zum Gutsein ein ganz anderer ist als meiner und da ich zunächst geneigt bin, von mir selbst auf andere zu schließen und von anderen genau das zu erwarten, wozu auch ich selbst fähig bin. Das heißt, ich erwarte von anderen die gleichen Stärken und Schwächen wie von mir selber. Das ist aber per se eine Unmöglichkeit, denn andere Menschen sind nun einmal anders.

Eines jedenfalls ist klar: Um so unterschiedlicher die Andersartigkeit der anderen Menschen ist, mit denen man versucht zu kooperieren aufgrund genetischer oder kultureller Umstände, um so schwieriger wird es, nach dem schlichten Prinzip der "Gegenseitigkeit", des "tit for tat" zu kooperieren. Und da sollte es dann erst anfangen, in tieferem und echterem Sinne altruistisch zu werden.
_______________

*) D
er Vollständigkeit halber seien sie hier noch genannt: 1. Teil, 2. Teil, 3. Teil, 4. Teil. Oder einfach die Kategorie "Altruismus" benutzen, unter der sich freilich auch noch andere Beiträge finden.

Mittwoch, 9. Januar 2008

Wir "Intelligenten" und "Gerissenen" - wozu benutzen wir unsere Intelligenz?

- Seht euch die Krähen an!

Eine der Wissenschafts-Meldungen, die mich im letzten Jahr am meisten in Erstaunen - oder besser in "Verzückung" - versetzt hatte, war ein Bericht über neue Forschungen zu der wahnsinnig gerissenen Intelligenz von Raben. (Stud. gen.) Es handelt sich um eine grundlegende Erkenntnis, daß nicht nur Schimpansen, Gorilla's und Orang-Utan's in die Zukunft voraus planen können, sondern auch Krähen-Vögel. Es wäre dies ein weiteres Beispiel für die vielen von Simon Conway Morris gesammelten Beispiele für konvergente Evolution.

Ein weiterer Beitag zu dieser Thematik fand sich im letzten Jahr in "Science". (Science, 2.2.07) Er berichtete über das vorausschauende Planen von einer britischen Eichelhäher-Art, dem "western scrub jay" (Aphelocoma coerulescens).

Im Experiment hatte ein Individuum dieser Vögel zwei Übernachtungsmöglichkeiten in seinem Käfig, von denen jeweils pro Nacht nur eine zugänglich war. Die eine - sagen wir das "linke Zimmer" - stellte immer ein "Hotelzimmer" "mit Frühstück", die andere - sagen wir das "rechte Zimmer" - stellte immer ein "Hotelzimmer" "ohne Frühstück" dar. Wurde den Vögeln nun die Möglichkeit gegeben, tagsüber Nahrung in beiden Hotelzimmern zu horten, so brachten sie die Nahrung "vorausschauend" und "alle Eventualitäten mitbedenkend" immer in das (rechte) Hotelzimmer "ohne Frühstück".

Jocko, der Hund und Jimmy, die Krähe

Zu dem Bericht über diese Forschungen, der noch andere Einzelheiten enthält, gab es noch einen wunderschönen Leserbrief. (Science, 4.5.07) In ihm wird ein Foto aus dem Jahr 1955 gebracht von einem Leser, dessen Vater damals Besitzer eines Fischmarktes in Zentral-Oregon gewesen war. Der Vater war Besitzer eines Labrador-Hundes ("Jocko") und Liebhaber einer intelligenten Krähe ("Jimmy"), die er regelmäßig fütterte. Die Krähe versteckte auf dem Hof dann immer noch Reste ihrer Mahlzeit so wie das von diesen Vögeln bekannt ist. Wenn nun der Hund auf dem Hof mit seiner feinen Nase auf der Suche nach weiterem begehrten Fressen war, blieb ihm die Krähe immer auf den Fersen.

Und wenn der Hund der versteckten Nahrung aufgrund seiner guten Nase zu nahe kam, flog die Krähe flugs zum Versteck, schnappte sich den Bissen wieder und brachte ihn zu einer anderen Stelle. Der Leserbrief-Autor schloß: "Die Krähe verließ sich auf ihr Gedächtnis bezüglich des versteckten Bissens und es gelang dem Hund fast nie, sich den gesuchten Bissen zu ergattern."

Hier das Foto von Jocko und und dem verflixt "gerissenen" Jimmy.

Zum Teufel noch mal! Warum fühlt man sich von solchen "Gaunereien" immer so angesprochen? Weil wir uns selbst oft genauso gerissen "hinter's Licht führen"? Dieser Verdacht könnte sich einem aufdrängen. ... Der Mensch - zumal heute - ist oft deshalb so belächelnswert, weil er - "in weiser Voraussicht", was ihm alles blühen könnte, wenn er nicht genug "gerissen" ist - sich über die Möglichkeit der Selbsttäuschung um den Sinn des Lebens bringt. Ja, so wird es sein. Denn gerade die Selbsttäuschung könnte es sein, die sicherstellt, daß der Mensch nicht zwangsläufig das Gute tut, nicht zwangsläufig das Wahre und Wahrhaftige erkennt im eigenen Verhalten und in dem Verhalte anderer.

Ach, arm sind die dran, die "noch" gerissener sein wollen und ihre eigene Selbsttäuschung "hinter's Licht führen" wollen, um zur Wahrheit und Weisheit an sich zu kommen. Ein solcher - mit Namen Sokrates - mußte schließlich den Schierlingsbecher trinken. Ein anderer - mit Namen Giordano Bruno - verreckte schließlich sogar auf dem Scheiterhaufen. Aber in die lächerlichen und allzu gerissenen Selbsttäuschungen ihrer Mitmenschen wollten sie sich nicht mehr verstricken lassen. Statt dessen gingen sie lieber in den Tod.

Da gibt es dann halt doch Unterschiede zwischen Mensch und Krähe ...

________________________

Und hier noch mal der Originalbericht:


I read with interest the profile of Nicola Clayton and her work on cognition in birds ("Nicky and the jays," News Focus, V. Morell, 23 Feb., p. 1074). As an amusing aside to bird intelligence and food hiding, I contribute this photograph taken in 1955. My father owned a seafood market on the central Oregon coast and was very fond of crows as pets, which he valued highly for their intelligence. The attached picture represents a regular ritual of food hiding and searching between our labrador retriever and pet crow.

After the crow ate his fill, he would hide surplus food in the market's backyard, which afforded many niches under wood chips and other detritus. Our dog, Jocko, was always interested in an extral morsel and would scour the yard using his nose as his prime detector. The crow followed alongside him and when Jocko came too close to the concealed prize, Jimmy the crow would hop ahead of him, knock the wood chips aside, grab his food, and move it to another location. The crow relied on his memory of his stashed food to beat the dog to the prize nearly every time.

Arthur Straub
Reno, NV, USA

Freitag, 30. November 2007

Nachdenken über Altruismus - (2. Teil)

Der fließende Übergang zwischen dem Erleben, Beurteilen und eigenen Ausführen sozialen Handelns nach dem Gegenseitigkeits-Prinzip und nach anderen Formen von Altruismus

Das "Nachdenken über Altruismus" hier auf dem Blog soll über qualitative Überlegungen schrittweise näher an die modernen quantifizierbaren theoretischen Konzepte der modernen Altruismus-Forschung (Soziobiologie) herangeführt werden, um diesen Konzepten vielleicht später, in einem weiteren Schritt, neue Konzepte hinzuzufügen, beziehungsweise um diese Konzepte besser widerspruchslos mit dem in Übereinstimmung zu bringen, was man in der gesellschaftlichen und historischen Wirklichkeit - im Alltag und in außergewöhnlichen Zeiten - vorfindet.

In rein vorläufiger Überlegung soll zunächst von folgenden Unterscheidungen bei den Formen von Altruismus ausgegangen werden:
1. familiärer Altruismus
2. patriotischer / ethnischer Altruismus
3. religiöser / ideologischer Altruismus
4. Einzelgänger-Altruismus
A. Prägungsähnliches Lernen von Altruismus (in der Kindheit und Jugend)

Fast alle eben genannten Formen von Altruismus werden von prägungsähnlichen Lernvorgängen in frühen Lebensphasen zum Guten oder zum Schlechten hin "vorgebahnt", vorgeprägt (siehe Eckart Voland, "Die Natur des Menschen - Grundkurs Soziobiologie", behandelt auf: St. gen. 1, 2):
zu 1. - Wenn man viele jüngere Geschwister hat, hat man (kulturübergreifend, statistisch gesehen) selbst im Leben mehr Kinder (nach A. Chasiotis), es würde sich hier also um ein prägungsähnliches Lernen von Kinderfreundlichkeit handeln.
- Die Art der eigenen Paarbeziehung im späteren Leben wird über das elterliche Vorbild in bestimmten, genauer eingrenzbaren Lebensjahren vorgeprägt (besonders um das 7. Lebensjahr herum).

zu 2. - muttersprachliche Prägung auch von Wahrnehmungen, emotionalen Reaktionen, von Gruppenmoral und vielem anderen
- Prägung auf die heimatliche Landschaft in der Jugend, der man sich also besonders verbunden fühlt, für die man sich - vielleicht (?) - gerne einsetzt

zu 3. - Prägungen durch die religiöse Erziehung (tägliches Beten, Gottesdienst, Kommunion, Konfirmation etc.)
- ideologische (oder sozial-moralische) Beeinflussungen durch weltanschaulichen, politischen Unterricht, durch Gruppenerlebnisse, durch "Bravo" etc. (leichtere jugendliche Beeinflußbarkeit)
B. Modifizierungen des geprägten Altruismus in späteren Lebensphasen

Es ist nun so, daß jede dieser Formen von Altruismus weniger oder stärker vernunft-gesteuerte, Lohn-/Straf-gesteuerte An- oder Abtrainierungsvorgänge kennt ("Lernen durch Versuch und Irrtum" - siehe auch K. Lorenz/Die Rückseite des Spiegels). Das heißt: Gänzlich irreversibel sind die prägungsähnlichen Lernvorgänge der Kindheit und Jugend nicht. Dies kann geschehen beispielsweise durch starke Lust- und Leiderlebnisse im Leben (individuelle und gesellschaftliche "Lebenskrisen", "Revolutionen"). Dadurch kann es auch zu inneren Neuumstellungen kommen, zu verbesserter Anpassung des eigenen Handelns an die sozialen Lebensbedingungen, in denen man lebt. (siehe auch Wiliam Sargant.)

Somit hat die altruistische Psyche des Menschen sowohl stark konservative wie stark wandlungsfreudige Elemente, was bei der Beurteilung im Einzelfall jeweils möglichst fein gegeneinander abgewogen werden muß. (Individuell-unterschiedliche genetische Komponenten sind bis zu diesem Punkt der Überlegungen noch unberücksichtigt geblieben.)

Familiär, patriotisch und religiös(-ästhetisch) motivierter Altruismus funktionieren eigentlich ideal nur dann, wenn irgendwelche äußeren Signale, Verstärker gegeben werden, die bestimmtes Verhalten als vorbildlich erscheinen lassen oder anderes als wenig vorbildlich. (Stichworte wären: "Public Relations-Industrie", "Umerziehung", "Bekehrung", "Geschichten-Erzählen" etc..)

Diese Signale schaffen eine innerpsychische Situation, durch die man stärker oder weniger stark das "Gegenseitigkeits-Prinzip" in sozialen Handlungen erlebt. Die menschliche Psyche wertet nicht nur, wie Signale auf sie selbst wirken, sondern auch, wie stark sich andere Menschen durch diese beeinflussen lassen, das heißt, wie sehr künftig Handeln auf der Grundlage des Gegenseitigkeits-Prinzips und dieser Signale in der sozialen Umwelt erwartet werden darf. (Hier geht es also um die "Isolationsangst" im Sinne von Elisabeth Noelle-Neumann's Klassiker "Schweigespirale".)

Sind diese Signale nicht oder weniger gegeben, besitzt der Mensch aber immer noch die Möglichkeit, ohne auf das Prinzip Gegenseitigkeit zu setzen, altruistisch zu sein:
"Das Prinzip der Schweigespirale eröffnet dem einzelnen oder kleinen Gruppen die Möglichkeit, die Schweigespirale zu durchbrechen, wenn sie Isolationsangst nicht kennen oder sie überwinden."
(Sinngemäß zitiert nach E. Noelle-Neumann's "Schweigespirale", in dem viele historische Beispiele zu dieser These analysiert werden - etwa das Leben von Jean-Jaques Rousseau.)

C. "Selbstverantwortlicher" Altruismus versus "kollektiver" Altruismus

Ein solches letzteres Verhalten wird eher in Gesellschaften ausgeprägt sein, die genetisch und kulturell die individuelle Freiheit und Verantwortung und nicht nur das "Kollektiv-Angepaßte" im Verhalten betonen und positiv werten. Also zum Beispiel heute eher in westlichen als in ostasiatischen Gesellschaften. Auch z.B. eher in Gesellschaften, in denen es mehr Menschen mit erblicher Neigung zu ADHS gibt, in denen es geschichtlich gesehen weniger "Selektion gegen rebellische Charaktere" gegeben hat (wie das der chinesische Humangenetiker Bruce Lahn unlängst für China in den letzten Jahrtausenden vermutet hat). Bei diesen Gesellschaften könnte es sich dann grundsätzlich auch um innovationsfreudigere Gesellschaften handeln, die dann jedoch partiell von anderen Gefahren bezüglich sozialem Zerfall und Untergang bedroht sind als Gesellschaften mit dem Typus "kollektiv-angepaßtem" Altruismus.

Familiärer, ethnischer oder religiöser/ideologischer Altruismus könnten widerspruchslos miteinander im Einklang stehen im Leben des einzelnen und der jeweiligen Gesellschaft. Es können aber auch einzelne dieser Prinzipien auf Kosten anderer besonders stark gelebt werden. Auf jeden Fall ist von der typischen Situation der "Mehrebenen-Selektion" ("Multi-Level-Selection") auszugehen. Das heißt, es gibt in jedem Fall überall direkte und indirekte "Fitneß-Anteile" am altruistischen Verhalten (Altruismus bezogen auf direkte Nachkommen [direkte Fitneß], bzw. letztlich bezogen auf näher oder ferner verwandte Nachkommen [indirekte Fitneß]).

In einer Gesellschaft, in der alle altruistisch sind (familiär, patriotisch und/oder religiös/philosophisch), fällt es dem einzelnen nicht schwer, selbst ebenfalls altruistisch zu sein. In einer Gesellschaft, in der dabei stark religiös oder Schönheits-motivierter "selbstverantwortlicher" Altruismus vorherrscht (etwa im antiken Griechenland), könnte es dabei auch mit Augenzwinkern leichter toleriert werden, wenn der eine oder andere an der einen oder anderen Stelle auch einmal ein bischen weniger altruistisch ist, als alle anderen Angehörigen der Gesellschaft. Da würde man dann "locker drüber stehen". Man wäre sehr "wohlwollend", "großzügig", "gutmütig", würde vielleicht nur darüber lachen. Ja, man würde ein weniger altruistisches Verhalten als das allgemein Vorherrschende vielleicht sogar eher nur mit Befremden und als eine Art "Kuriosum" ansehen.

Vielleicht sind das alles Kennzeichen der antik-griechischen Gesellschaft im Umgang mit Altruismus. Diese könnten in krasserem Gegensatz stehen zum Umgang mit Altruismus in monotheistisch geprägten (despotischeren oder monarchischeren) Gesellschaften. Schiller dichtete über das antike Griechenland in einer Zeit des Vorherrschens des Monotheismus: "Damals war nichts heilig als das Schöne ..." - gemeint: "das Schöne" auch in Bezug auf moralisches Handeln. Das Schöne ist gut und umgekehrt.

Herrscht jedoch in einer Gesellschaft der Typus des hier "kollektiv-angepaßt" genannten Altruismus vor, so wird dieser stabilisiert dadurch, daß alle Menschen gegenseitig (und/oder despotische, monarchiche Strukturen) viel stärker darauf achten, daß man selbst und auch die anderen sich gesellschaftlich "angepaßt", "korrekt" verhält, daß die gesellschaftlichen Spielregeln sehr rigide eingehalten werden. (Auch durch das allgegenwärtige gesellschaftliche "Third-party-punishment-Spiel", sowie durch den Monarchen/Diktator oder durch "Gott als dritten Bestrafer" - siehe spätere Beiträge dazu hier auf dem Blog.) Allen, denen ein solches "angepaßtes" Verhalten leicht fällt, fällt es auch leicht, "altruistisch" im Sinne einer solchen Gesellschaft zu sein. Die anderen, die "Rebellischen" werden in solchen Gesellschaften leicht als Egoisten oder schlimmer empfunden.

In beiden eben genannten Formen altruistischer Gesellschaften jedoch, in der die Menschen nur noch subjektiv, nicht mehr objektiv alturistisch sind (im Sinne von Familie, Ethnie, Religion, Fortschritt der Menschheit), in der also Formen von Heuchelei, Selbsttäuschung, Unwahrhaftigkeit vorherrschen, in der also die gesellschaftlichen Mentalitäten "erstarrt" sind, "verkrustet" sind, "ideologisch vernagelt", in denen mangelnde echte, das heißt objektive Innovations-Freudigkeit vorherrscht, hat der einzelne mit viel innerpsychischem Druck und Leid zu rechnen, wenn er sich darum bemüht, auf bestimmten Gebieten dennoch "objektiv altruistisch" zu handeln, also ausgerichtet auf die langfristige (und nicht nur kurzfristige) Wohlfahrt, das Gedeihen der Gesellschaft, in der er lebt. Ausgerichtet also auf innere Wahrhaftigkeit. Denn er tut dies ja dann im Gegensatz zu den vorherrschenden Mentalitäten. (Die vorausgesetzte These bei letztgenanntem Ausgerichtetsein auf "Wahrhaftigkeit" ist: "das objektiv Wahre ist auch gut", bzw. langfristig evolutionär angepaßt.)

D. Weltgeschichtliche Entwicklungen mit Bezug zu menschlichem Altruismus

Es sind weltgeschichtliche Epochen denkbar, in denen weltweit die menschlichen Stämme und Völker jeweils weitgehend im Einklang mit ihrer eigenen Gruppenmoral gelebt haben. Das menschliche Handeln könnte zu jenen Zeiten viel stärker von einer einheitlichen Gruppenmoral, Stammesmoral geprägt gewesen sein, als dies heute - zumindest in westlichen Gesellschaften - der Fall ist. Noch im 19. Jahrhundert wird man ähnliches auch von den europäischen Völkern sagen können, in denen die gesellschaftliche Moral durch eine Form vorherrschender Religiosität (Christentum) stabilisiert und vereinheitlicht worden war. Das trug auch zur Stabilität aller familiären und sonstigen gesellschaftlichen Verhältnisse bei. (Nur wurde es oft eben von den gesellschaftlich fortschrittlichen Kräften nicht mehr als "wahrhaftig" empfunden.)

Eine solche Situation kann leicht zur Stagnation, zum Stillstand in der Weltgeschichte führen, wenn auch die fortschrittlichen Kräfte zu Hedonisten werden und sich anfangen, über ihren eigenen Altruismus zu täuschen. Denn psychische Zufriedenheit aufgrund ausreichender gegenseitiger moralischer Anerkennung innerhalb der eigenen Gruppe fördert nicht gerade die Innovationsfreudigkeit innerhalb einer Gruppe, fördert nicht gerade die kulturelle Weiterentwicklung hin zu komplexeren Gesellschaften, hin zu einer fortgeschritteneren, humaneren Form der menschlichen Kultur. Dies schafft erst die unbewußtere oder bewußtere "Unruhe", die "Unzufriedenheit" mit den vorherrschenden privaten oder gesellschaftlichen Zuständen und Verhältnissen.

Und letztere kommt wahrscheinlich weltgeschichtlich vor allem durch biologische und kulturelle Überlagerungen zustande, wie sie - im Prinzip - schon G.F.W. Hegel und Karl Marx beschrieben haben. Gegensätzliche Prinzipien, kulturelle und genetische Mentalitäten und Interessen (etwa solche gegensätzlichen wie oben genannt) stoßen weltgeschichtlich aufeinander und aus der beidseitigen "Entfremdung", "Verfremdung" der jeweils früher vorherrschenden Gruppenmoral, an die sie auch genetisch angepaßt gewesen sein mögen, - aus dieser psychischen und kulturellen "Krise" heraus erfolgt möglicherweise ein weltgeschichtlich starker Antrieb zum Schaffen von kulturell und zivilisatorisch Neuem, besonders dann in den bekannten Hochkulturen der Menschheit während der sogenannten "Achsenzeit". Es wird ja oft die These vertreten, daß diese Hochkulturen entstanden sind durch den weltgeschichtlich vielgestaltigen Zusammenprall und die gegenseitige Überlagerung von seßhaften, städtischen Kulturen durch stärker nomadisch geprägte Kulturen und umgekehrt. Dies geschah natürlich nicht nur in der "Achsenzeit", sondern auch davor und danach (seit etwa 10.000 v. Ztr bis heute).

E. Der Altruismus von "Kulturheroen" in arbeitsteiligen Gesellschaften

In solchen Situationen also würde erst "wahrer", echter Altruismus ins Leben treten, Altruismus also, in dem die innerpsychische oder äußerliche Gegenseitigkeits-Komponente immer geringer wird, in dem auf das Wohlwollen und die Bestätigung durch die Gemeinschaft zeitweise oder auf immer verzichtet wird. Die großen Altruisten der Menschheitsgeschichte haben ohne nach "Anerkennung" und "Dank" zu fragen, ja, oftmals unter dem größten Schwall von "Undank", "Mißachtung" und Mißverständnis, ja, Verleumdung, Verachtung ihr altruistisches Leben für die Familie, für die Ethnie, für "höhere menschliche Zwecke" (für die Religion, für den Fortschritt, für die Kunst, die Philosophie, die Wissenschaft) gelebt. Sie lebten oft unerkannt wie Odysseus im eigenen Haus mit den lärmenden "Freiern" zusammen, die niemals Besonderes geleistet hatten im Leben, und denen das "Haus der Kultur" - letztlich - gar nicht gehört. Denn dazu lärmen sie zu viel.

Große "Kulturheroen" der Menschheit - Prometheus, Herkules, Atlas, Buddha, Jesus, Nikolaus Kopernikus, Michelangelo, Giordano Bruno, Ludwig van Beethoven usw. - sind alle im wesentlichen Einzelgänger, "Einzelkämpfer", haben ihre kulturellen Leistungen größtenteils im Gegensatz zu den zu ihrer Zeit vorherrschenden gesellschaftlichen Meinungen erbracht. Gilt dies nicht auch für den chinesischen Philosophen Laotse? Sie kannten also keine oder weniger "Isolationsangst" (E. Noelle-Neumann), bzw. überwanden sie. Hier spielt auch die außerweltliche und innerweltliche Askese eine Rolle. Mönche wohnen gemeinsam, um die "außerweltliche Askese" nicht mehr in der Einsamkeit, sondern in gegenseitiger (!) Bestärkung gemeinsam zu leben. Genauso auch die "innerweltliche Askese" des Protestantismus. Durch rigide Sozialmoral der frühneuzeitlichen Gesellschaften (Abendmahls-Ausschluß) wurde sicher gestellt, daß diese Form der Askese auf der Grundlage der Gegenseitigkeit gelebt werden konnte, was den Menschen im allgemeinen viel leichter fällt, als wenn Gegenseitigkeit auf dem Gebiet der Askese gesellschaftlich nicht vorherrscht.

Aber natürlich haben die "Kulturheroen" des Protestantismus - Martin Luther und so viele andere - ebenfalls ihre Kulturleistungen zunächst einmal im Gegensatz zu gesellschaftlich vorherrschenden Meinungen erbracht ("Mönchlein, Mönchlein, du gehst einen schweren Gang," raunte der Ritter Sickingen dem Mönch Luther auf dem Reichstag zu Worms zu, auf dem letzterer hinwiederum als der große einsame Bekenner ausrief: "Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen!", wodurch er damals ein ganzes Volk, das ganze Abendland in Erschütterung versetzte).

Solche Menschen also vor allem hat man schon immer als die "großen", die "wahren", die "echten", die "vorbildlichen" Altruisten angesprochen. Das ist auch der Grund, weshalb sie besonders verehrt werden, man ihre Leidensfähigkeit als besonders vorbildlich erachtet, weshalb ihnen - vor allen Menschen sichtbar - Denkmäler errichtet werden. Diese Denkmäler sind "Signale", die günstigstenfalls zur moralischen Stabilität in einer Gesellschaft beitragen. Durch allgemeine gesellschaftliche Anerkennung eines "Kulturheroen" wird nämlich zugleich wieder das soziale, gesellschaftliche Handeln nach dem Gegenseitigkeits-Prinzip gestärkt, stabilsiert, es wird größere gesellschaftliche Übereinkunft erzielt dahingehend, was "gutes" Verhalten ist. Es wird größere Konformität, Übereinkunft in sozialen Fragen erzeugt, soziale Reibungsverluste werden verringert. Diese "Kulturheroen" haben also eine soziale Neuanpassung von Gesellschaften bewirkt, haben die Innovationsfreudigkeit und -fähigkeit von Gesellschaften bewahrt.

Auf diese und andere Weisen lassen sich also zunächst einmal rein "qualitativ" kontinuierliche Übergänge beschreiben zwischen einem Handeln und Erleben nach dem Prinzip der Gegenseitigkeit hin zu einem Handeln und Erleben nach Prinzipien von "echtem" ("echterem") Altruismus.Die Forschung hat zur evolutionären Erklärung des letztgenannten Altruismus in den letzten Jahren vor allem wieder den ethnischen/patriotischen/religiösen Altruismus in den Vordergrund gestellt, der aufgrund von "Gruppenselektion" evoluiert sein soll. (Siehe Kategorie "Gruppenselektion" hier auf dem Blog.)

Hier auf dem Blog soll aber nach und nach weiter die Frage verfolgt werden, ob nicht auch das Prinzip "arbeitsteilige Gliederung der Gesellschaft", "berufliche (oder ehrenamtliche) Spezialisierung" die evolutionäre Erklärung des Altruismus von Kulturheroen und ihren Nacheiferern - in besonderen Zeiten des Lebens und im Alltag - erleichtern kann (- Also die evolutionäre Erklärung ihres "commitment", ihres beruflichen und "ehrenamtlichen" Verantwortungsgefühls.)

Dienstag, 20. November 2007

"All about Evil - Das Böse"

"Uns war wichtig, daß die Menschen sich mit dem Bösen auseinander setzen."

Der Mensch kennt viele Differenzierungen, wenn es um "gut und böse" geht. Es gibt gute Menschen. Es gibt "Gutmenschen". "Gut gemeint ist oft nicht gut." Und das heißt: Selbsttäuschungen liegen vor: ich meine es gut, bin aber gar nicht gut. Wenn ich aber nicht gut bin, was bin ich dann? Bin ich böse? Liegen unter der Oberfläche "gut gemeinter" Absichten abscheulich bösartige, böswillige?

Eine hedonistische Gesellschaft neigt meistens nicht sehr stark dazu, solche sehr ernsthaften Selbstprüfungen vorzunehmen. Der einzelne muß immer erst mit dem Lebensschicksal zusammenprallen (oft in Form eines Lebenspartners und in Form von Paarbeziehungen), um tiefer unter der Oberfläche des bislang für gut gehaltenen der eigenen Persönlichkeit auf Dinge zu stoßen, die nicht zu seinem bisherigen Selbstbild passen.

Ein Besuch des Bremer Überseemuseums könnte da derzeit vielleicht Erkenntnisprozesse beschleunigen. (Spektr. d. Wiss.) Dort gibt es eine Ausstellung unter dem Titel "All about Evil""Das Böse" (1). Die Völker und Kulturen der Welt haben ein umfassendes und differenziertes Wissen nicht nur über das Gute am Menschen und in der Welt, sondern auch über "das Böse" in derselben. Erst wenn man all dieses "Böse" nicht mehr auf sich selbst bezieht, auf die Möglichkeit eigener Bosheit oder boshafter Elemente der Kultur in der eigenen Gesellschaft, verkommt eine solche Ausstellung wie sie derzeit im Übersee-Museum gezeigt wird, zur bloßen Kuriositäten-Sammlung:

Über 500 Exponate aus allen Kontinenten haben die Kuratoren des Völkerkundemuseums zusammengetragen, um einen Einblick in unseren Umgang mit dem Bösen zu geben. Die Ausstellung unterteilt sich dabei in drei Bereiche: Woher kommt das Böse? Welches Gesicht hat es? Und wie gehen wir damit um? Die Zeitspanne der Antworten reicht vom frühen Altägypten bis in unsere Zeit. (...)
"Uns war wichtig, daß die Menschen sich mit dem Bösen auseinander setzen", erklärt Kuratorin Silke Seybold die Intention. Gleichzeitig sollte die Ausstellung aber nicht zu schwer werden, betont sie: "Wir wollten die Besucher generationenübergreifend ansprechen".

Journalistin Tanja Krämer zeigt Kritikwürdiges bezüglich der Ausstellung auf (Hervorhebung I.B.):

Kein Hinweis auf die Frage, wie das Böse im realen Leben in die Welt kommt, keine Auseinandersetzung mit den Facetten menschlicher Bösartigkeit findet sich zwischen all den Masken, Puppen und Filmmitschnitten. Auch im umfangreichen Begleitprogramm zur Ausstellung werden die wirklich erschreckenden Aspekte des Bösen, werden Krieg, Satanismus oder Hexenverfolgung nicht thematisiert.

Womöglich ist ja schon die Verharmlosung des Bösen, seine "Hollywood-isierung" eine Boshaftigkeit ganz eigener Art für sich. Sich selbst und andere belügen, Dinge beschönigen oder verharmlosen, ist ja doch an sich schon boshaft. Insofern war die Ausstellung "Bilder, die lügen", die vor einigen Jahren an vielen Orten in Deutschland gezeigt wurde, ebenfalls eine Ausstellung zur Thematik, vielleicht eine, die Tanja Krämer - und manchen anderen - in diesem Zusammenhang eher befriedigt hätte.

_____________

  1. Seybold, Silke: All about evil - Das Böse. Anläßlich der Ausstellung "All about Evil - Das Böse" im Überseemuseum Bremen. von Zabern, Mainz 2007

Mittwoch, 4. Juli 2007

Keine NS-Mitgliedschaft ohne eigenhändige Unterschrift

Viele Dokumente zeigen, daß Mitgliedschaft in der NSDAP selbst in fortgeschrittenen Kriegsjahren ohne eigenhändige Unterschrift keineswegs üblich war, selbst nicht bei "hohen Tieren". Wie also dann bei gleich drei "kleinen" Hitlerjungen unabhängig voneinander? (Welt)


Der Partei-Eintritt war bürokratisch geregelt. Aufnahmen ohne Unterschrift sind kaum denkbar. Hier ein Dokument des Aufnahmeamts von 1943, in dem der Eingang von 498 Mitgliedskarten bestätigt wird, aber ...


... der Aufnahmeantrag für den Hitlerjungen Wolfgang St. (17) zurück gegeben wird, da die "eigenhändige Unterschrift ... fehlt".Adolf Hitler persönlich nimmt Generaloberst Eduard Dietl 1943 in die NSDAP auf. Die Reichsschatzmeisterei schreibt daraufhin am 24. Juli 1943 an den Schatzmeister des NS-Gaus Steiermark, ...... er solle von Dietl eine Unterschrift unter den Aufnahmeantrag erbitten.



Dietl, damals an der Nordfront im Einsatz, könne erst nach Eingang der Unterlagen aufgenommen werden. (Welt)

In einem begleitenden Artikel schreibt die "Welt":

(...) Andererseits wäre es schon überraschend, wenn zufällig bei allen bei den in der Kartei aufgetauchten Prominenten solche Ausnahmen vorlägen. Viel mehr spricht dafür, hier Entlastungsstrategien zu vermuten. Dabei ist derlei Entlastung eigentlich überflüssig. Die pure Mitgliedschaft in der NSDAP war nie strafwürdig, schon gar nicht bei Jugendlichen. (Welt)

Diese Herren haben und hatten immer schon vor ganz anderen "Strafen" Angst als den juristischen. Für einen Dieter Hildebrand gibt es schlimmere Strafen ... Sein ganzer Gestus hätte anders sein müssen ...

Mittwoch, 27. Juni 2007

Mord als Mittel der Politik: CIA

Für den amerikanischen Geheimdienst ist Mord ein Mittel der Politik. Dazu wurden neue Akten freigegeben. Und niemand (?) in der Öffentlichkeit schreit auf. (Zeit) Keine Sorge: Dann wird weitergemordet werden. Das hat schon unter Churchill und Roosevelt (und bei ausdrücklicher Mitwisserschaft beider) so gut geklappt. Der frei gewählte Präsident Tschetscheniens Dudajew ist erst vor wenigen Jahren mit einer russischen, auf sein Handy ausgerichteten Rakete ermordet worden, während er sich in Friedensverhandlungen mit einem Duma-Abgeordneten befand. Niemand soll dem Irrtum verfallen, irgendetwas an unseren Zeiten würde sich bessern ... Oder doch? Wir lesen:
Eine Expertin kritisierte, die Freigabe dieser Akten sei zu wenig. Es müssten mehr Informationen über die Möglichkeiten des CIA zur Terrorabwehr zur Zeit der Anschläge vom 11. September 2001 veröffentlicht werden, sagte die Politik-Beraterin Amy Ziegart. "Wenn der Geheimdienst wirklich verbessert werden soll, dann müssen diese Papiere herausgegeben werden", sagte sie.

Sonntag, 24. Juni 2007

Plastikwörter - Die Sprache einer internationalen Diktatur

Aus einer Rede, die am Donnerstag vor dem deutschen Bundestag gehalten wurde (Welt), sei das folgende zitiert. Man sollte hoffen, daß wenigstens einige Politiker mit dieser Rede etwas haben anfangen können. (Hoffen darf man immer - man braucht es aber nicht zu glauben ...):

"Was würdest du als erstes tun, wenn man dich mit den Regierungsgeschäften beauftragen würde?", wurde einmal Konfuzius gefragt. Die Antwort lautete folgendermaßen: "Das Wesentliche ist, die Dinge korrekt zu benennen. Wenn die Bezeichnungen nicht korrekt sind, passen die Wörter nicht mehr. Wenn die Wörter nicht mehr passen, gehen die Staatsgeschäfte schlecht. Wenn die Staatsgeschäfte schlecht gehen, können auch Rituale und Musik nicht gedeihen. Wenn Rituale und Musik nicht gedeihen können, sind Urteile und Strafen nicht länger gerecht. Wenn Urteile nicht mehr gerecht sind, weiß das Volk nicht mehr, wie es sich verhalten soll."...

Die Tugenden und die ausstrahlende Macht der Sprache haben jedoch auch eine Kehrseite der Medaille, und diese resultiert aus rhetorischem Missbrauch, ideologischer Missbildung, lexikaler Armut, grammatikalischem Primitivismus, schlechtem Geschmack und Falschheit. (...) Wir sprechen über brain-washing, Manipulation und psychischen Terror. Für jemand, der wie ich aus dem europäischen Osten kommt, heißt all dies "hölzerne Sprache". ... Die hölzerne Sprache ist ein Gemisch aus Armut und Redseligkeit.

Ich möchte hier dem ehemaligen rumänischen Außenminister, der diese wesentliche Rede gehalten hat, den Vorschlag machen, daß wir auf Deutsch nicht - wie er - von "hölzerner Sprache" sprechen, sondern von "holzschnittartiger Sprache". Das ist es nämlich genau, was in ideologisch geformten Sprachen geschieht: die vielen wesentlichen Details, die Schattierungen, die exakte Kennzeichnung des Individuellen, Persönlichen in der Wirklichkeit geht verloren. Das Bild, das gezeichnet wird, wird "holzschnitt-artig". Walter Lippmann spricht in seinem wichtigen Buch "Öffentliche Meinung" von "Stereotypisierung".

"Die holzschnittartige Sprache der westeuropäischen intellektuellen Linken"

Doch nun weiter Andrei Plesu:

Eine Statistik belegt, dass die Sprache der sowjetischen Presse, die zur Erziehung des "neuen Menschen" berufen war, nur 1500 von insgesamt 220.000 im Wörterbuch der russischen Sprache verzeichneten Wörtern verwendete. ...Wir finden äquivalente Missbildungen im Nazi-Diskurs, im kommunistischen Diskurs und, bis zu einem Punkt, in einer gewissen Demagogie der Französischen Revolution. Es gibt eine Holzsprache des Maoismus, eine der westeuropäischen intellektuellen Linken und eine der rechtsextremen Xenophobien. Mit dem von den beiden großen Totalitarismen des vergangenen Jahrhunderts hervorgerufenen linguistischen Desaster lässt sich sicherlich nichts vergleichen. Es schadet aber nicht, besondere Vorsicht walten zu lassen bei den bereits "holzigen" Komponenten des EU-Diskurses (Integration, Triumphalismus, Anti-Amerikanismus), des "liberalen Fundamentalismus" - wie John Gray ihn nennt - der Säkularisation, des missionarischen amerikanischen Ethizismus, des Ökologismus, des Macho-Konservatismus und der Homo-Emanzipation.

Und auch das sind schöne Worte:

Mir bleibt jetzt nichts anderes mehr übrig, als Sie zu warnen, dass jedes Mal, wenn Sie Scheu oder "political correctness"-Skrupel dazu bewegen, nicht Deutsch zu sprechen, Ihr Teil des Himmels unerforscht bleibt und Ihr Engel melancholisch wird.

So also der ehemalige Außenminister Rumäniens Andrei Plesu am Donnerstag vor dem deutschen Bundestag.

Weiterführender Literaturhinweis:

"Plastikwörter - Die Sprache einer internationalen Diktatur" von Uwe Pörksen (Klett-Cotta, 6. Aufl. 2004) (Amazon).

Donnerstag, 7. Juni 2007

"Zerreißen will ich das Geweb der Arglist ..."

Er hat die Schnauze voll - Ein Nobelpreisträger
(Zu Englisch: "He is pissed off ...")

Vorbemerkung (7.2.2016): Das Wort von der "Lügenpresse" kam 2014 auf den Pegida-Demonstraionen in Dresden auf (Wiki). Dieser Beitrag zeigt, dass das Phänomen "Pinocchiopresse", bzw. "Lügenäther" (Peter Sloterdijk) in der Wissenschaft schon spätestens seit 2006 bekannt ist.

Die folgenden Ausführungen werden Wolf Biermann, der auch oft die Schnauze voll hat oder voll nimmt, nicht gefallen. Andererseits müssen nicht jedem die jüngsten, sehr undifferenzierten Äußerungen Wolf Biermanns zum palästinensisch-arabischen Konflikt besonders gefallen. Und man darf sich insbesondere fragen, ob sie im Sinne seiner früh verstorbenen Freunde Rudi Dutschke, Jürgen Fuchs oder Rudolf Bahro wären, die alle - wohl - in ähnlicher Weise gewissen Geheimdiensten unbequem waren, so wie neuerdings der russische Regime-Gegner Alexander Litwinenko.

Robert Trivers

Durch "Gene Expression" stößt man auf ganz neue, sehr direkt politische Implikationen der modernen Soziobiologie und des etwaig durch diese wiederbelebten "neuen Atheismus". - Robert Trivers (geboren 1943) ist nach William D. Hamilton (1936 - 2000) der zweite große theoretische Begründer der Soziobiologie. Er hat das Prinzip des Gegenseitigkeits-Altruismus formuliert in Ergänzung zu William D. Hamilton's Prinzip des Verwandten-Altruismus, also "des E = mc2 der Evolutionären Psychologie". Bis heute hat er viele wichtige, weitere Beiträge zur modernen Evolutionsbiologie geleistet, unter anderem zur Theorie von Täuschung und Selbsttäuschung. Auch ein dickes Lehrbuch hat er verfaßt.

Robert Trivers ist, wie viele wohl heute zum ersten mal erfahren, ein unerschrockener Kritiker politischer Mißstände, vielleicht noch ein viel unerschrockenerer, als sein Freund Bill Hamilton, der in seinen Erinnerungen "Narrow Roads of Gene Land" durchaus auch schon so mancherlei Kritisches und "Unkorrektes" zu äußern bereit war, so daß jedenfalls die Herausgeber mehrmals über der Frage zögerten, ob sie diese Aufzeichnungen vollständig veröffentlichen sollten. Wir haben es also im folgenden mit einem weiteren, neuen Stadium in der politisch unkorrekten Geschichte dieser mißliebigen Wissenschaftsrichtung zu tun: der Soziobiologie ...

Alan Dershowitz

Wohl weil Robert Trivers (amerikanisch-)jüdischer Abstammung ist, interessiert er sich auch sehr stark für den israelisch-arabischen Konflikt (- wie ja jüngst auch Wolf Biermann). Und wie man aus neuesten Berichten erfährt (chronologisch: Inside Higher Education 2005, Seed 2006, Inside Higher Education April 07, Inside Higher Education Mai 07, Frontpage Magazine, Gene Expression), hat er vor kurzem aus diesem Anlaß einen privaten Brief an Alan Dershowitz, den Herausgeber des einflußreichen "Wall Street Journal" und zugleich Professor an der Harvard-Universität, geschrieben, der unter anderem eine heftige Passage enthielt. Sie schlägt einen herausfordernden - oder vielleicht auch richtiger: zornigen - Ton an, wie man ihn in dieser Weise bisher noch niemals von irgend einem Soziobiologen zu politischen Fragen vernommen hat:
“Regarding your rationalization of Israeli attacks on Lebanese civilians, let me just say that if there is a repeat of Israeli butchery toward Lebanon and if you decide once again to rationalize it publicly, look forward to a visit from me. Nazis — and Nazi-like apologists such as yourself — need to be confronted directly.”
Auf Deutsch übersetzt:
"Lassen Sie mich in Hinsicht auf Ihr Entgegenbringen von Verständnis gegenüber den israelischen Angriffen auf libanesische Zivilisten sagen, daß wenn es eine Wiederholung von israelischer Schlächterei gegen den Libanon geben sollte und Sie entscheiden sollten, diesem noch einmal öffentlich Verständnis entgegen zu bringen, daß Sie dann mit einem persönlichen Besuch meinerseits rechnen können. Nazis - und Nazi-ähnlichen Apologeten wie Ihnen - muß man sich direkt in den Weg stellen."
Nun. Recht unzweideutig. Wissenschaftsblogger Razib Khan fragt - rhetorisch -: "Bob Trivers - a bad ass?" Und ein Kommentator schreibt:
"Dershowitz hat wirklich ein schreckliches Maul, das mehr zum Nachteil der eigenen Sache hervorbringt, als er sich selbst vorstellen kann."
Aufgrund dieses Briefes jedenfalls wurde Trivers, der letztes Jahr den "Nobelpreis für Biologie" erhalten hatte (das ist der "Crafoord-Preis für Biowissenschaften"), kurzfristig von einem Vortrag ausgeladen, den er an der Harvard-Universität halten sollte. Dies geschah, nachdem Alan Dershowitz den zitierten Brief ("routinemäßig", wie er sagt) an die Polizei-Abteilung von Harvard weitergegeben hatte.

Norman G. Finkelstein

Trivers, so ist weiter zu erfahren, hatte diesen Brief geschrieben, um den Äußerungen von Dershowitz über Norman G. Finkelstein zu widersprechen, also um zugunsten des Kritikers der "Holocaust-Industrie" Partei zu ergreifen. - Neuerlich eine ziemlich brisante Sache ... Es geht noch weiter: Alan Dershowitz ist einer der prominentesten Vertreter der von Norman G. Finkelstein so apostrophierten und kritisierten "Holocaust-Industrie". Und er hat offenbar versucht, das Erscheinen des jüngsten Buches von Norman G. Finkelstein ("Beyond Chuzpah") zu verhindern. Alan Dershowitz scheint sich nach den Berichten unglaublich durch dieses Buch angegriffen zu fühlen. Das war 2005. - Wie man feststellen kann, ist das Internet voll mit Dershowitz-Kontroversen: Wikipedia.

Forschungsgelder

Dieses Jahr nun verweigerte der Dekan des Universitäts-Fachbereichs, an dem Israel Finkelstein arbeitet, die ihm vom Fachbereich selbst schon mehrheitlich gewährten Forschungsgelder. Es gehen Gerüchte um, daß Dershowitz daraufhin arbeitet, daß Finkelstein entlassen werden solle. Diese Umstände offenbar haben den Brief von Trivers ausgelöst. Aber weiterhin ist auch zu erfahren, daß zwei Schwestern von Trivers mit libanesischen Männern verheiratet sind. Seine Worte sind also aus direkter persönlicher Betroffenheit heraus geschrieben - man könnte auch sagen aus: Verwandten-Altruismus.

Täuschung und Selbsttäuschung

Robert Trivers hat vor allem auch die evolutionsbiologische Funktion von Täuschung und Selbsttäuschung auf der Ebene von Individuen und Gruppen erforscht. In einem Gespräch mit dem berühmten Sprachforscher und Kritiker einer zu Israel-freundlichen US-Außenpolitik, Noam Chomsky, im September letzten Jahres (Seed 2006) wurden daraus zahlreiche Nutzanwendungen für die gegenwärtigen Politik gezogen. So sagte Chomsky zum Beispiel (Hervorhebungen nicht im Original):
"... we now have huge industries deceiving the public—and they're very conscious about it, the public relations industry . Interestingly, this developed in the freest countries—in Britain and the US—roughly around time of WWI, when it was recognized that enough freedom had been won that people could no longer be controlled by force. So modes of deception and manipulation had to be developed in order to keep them under control. And by now these are huge industries. They not only dominate marketing of commodities, but they also control the political system. As anyone who watches a US election knows, it's marketing. It's the same techniques that are used to market toothpaste. And, of course, there are power systems in place to facilitate this. (...) You have to reconstruct a picture of the world in order to be conducive to the interests and concerns of the educated classes, and this involves a lot of self-deceit."
Zu deutsch:
"Wir haben nun riesige Industrien, die die Öffentlichkeit betrügen - sie sind sich dessen sehr bewußt, die Public relation-Industrie. Interessanterweise wurde sie in den freisten Ländern - in Großbritannien und den Vereinigten Staaten - ungefähr in der Zeit des Ersten Weltkrieges entwickelt, als erkannt worden war, daß genügend Freiheit gewonnen war, so daß Menschen nicht mehr länger durch Gewalt kontrolliert werden konnten. So wurden Wege der Täuschung und Manipulation entwickelt, um sie unter Kontrolle zu halten. Und nun sind es riesige Industrien. Sie dominieren nicht allein den Wirtschaftsbereich, sondern ebenso das politische System. Und jeder, der die US-Wahlen beobachtet, weiß, daß es Marketing ist. Es werden die gleichen Techniken benutzt wie die, mit denen Zahnpasta verkauft wird. Und natürlich gibt es da Machtsysteme, die das erleichtern. (...) Man muß ein Bild der Welt zeichnen, um die Interessen und Absichten der gebildeten Klassen zu fördern und dies schließt eine ganze Menge Selbsttäuschung mit ein."
Abb.: Pegida-Demonstration - Dresden, 21. April 2014 (Wiki)
Ein ganzer "Schwarm von Lügen"

Ja, als Zeithistoriker kann man jedes einzelne dieser Worte bestätigen. Das 20. Jahrhundert war ein "Jahrhundert der Lügen". Und was diesen Aspekt der Geschichte betrifft, so scheint das 20. Jahrhundert noch heute nicht zu Ende zu sein. Trivers antwortete unter anderem:
"... So let me ask you, when you think about the leaders—let's say the present set of organisms that launched this dreadful Iraq misadventure—how important is their level of self-deception? We know they launched the whole thing in a swarm of lies, the evidence for which is too overwhelming to even need to be referred to now. My view is that their deception leads to self-deception very easily. ..."
/ Ergänzung Febr. 2015: Soviel schon vor acht Jahren hier auf dem Blog zum Thema "Unwort des Jahres 2014", bzw. zu den Rufen auf den Dresdener Pegida-Demonstrationen "Lügenpresse - halt die Fresse". Chomsky und Trivers jedenfalls sagten schon vor vielen Jahren der Sache nach nichts anderes .../ Trivers sagt gegen Ende des Gespräches unter anderem:
"There is excellent work being done on deception in other creatures. To give you just one line of work that's of some interest: We find repeatedly now—in wasps, in birds and in monkeys—that when organisms realize they're being deceived, they get pissed off. And they often attack the deceiver. Especially if the deceiver is over-representing him or herself. If you're under-representing and showing yourself as having less dominance than you really have, you're not attacked. And the ones that do attack you are precisely those whose dominance status you are attempting to expropriate or mimic.
It's very interesting and it suggests some of the dynamic in which fear of being detected while deceiving can be a secondary signal, precisely because if you are detected, you may get your butt kicked or get chased out."
Das Gespräch ist noch viel länger. Aber mit den gebrachten Auszügen ist zunächst genug von der Richtung des Denkens aufgezeigt worden, das hier verfolgt wird. Insofern der "neue Atheismus" dabei mithelfen sollte, "das Geweb der Arglist" zu zerreißen, wie das ja auch Richard Dawkins, James Watson und viele andere immer wieder tun, könnte man allerdings sehr viel von ihm erwarten:
Zerreißen will ich das Geweb der Arglist,
aufdecken will ich alles, was ich weiß!
In der Tat kann das Verfolgen von Lobby-Interessen interpretiert werden als das Verfolgen von "gruppenevolutionären Strategien". Dazu hat der Evolutionäre Psychologe Kevin MacDonald aufschlussreiche Studien vorgelegt.

/Abbildung hinzugefügt: 7.2.16/

Montag, 4. Juni 2007

"Die brutalstmögliche Verhinderung des Unbequemen ..."

Viele Wahrheiten brauchen einen Mutigen, der sie ausspricht. Warum sprechen so wenige so klare Worte über manche Wahrheiten aus wie es der Rockmusiker Heinz Rudolf Kunze tut? "Sie haben zehn Behauptungen aufgestellt, in denen Sie die Medien heftig attackieren: Fernsehen sei die brutalstmögliche Verhinderung des Unbequemen ..." - "Ich habe nicht gesagt, daß das meine Meinung ist, sondern ich habe Thesen aufgestellt und warte darauf widerlegt zu werden."

Nun, diese "brutalstmögliche Verhinderung des Unbequemen" findet ja nicht nur im Fernsehen statt ... Konrad Lorenz hat es genannt "Dressur durch Verwöhnung". Die andere Form der Dressur ist "Dressur durch Einschüchterung". (Orwell und Aldous Huxley ...)

Außerdem sagt Kunze zu seiner Mitgliedschaft in einer Enquete-Kommission "Kultur in Deutschland" des Deutschen Bundestages: "Ich hoffe doch, daß wir es schaffen, ein Grundrecht auf Kultur zu verankern, ein Recht auf kulturelle Grundversorgung. Die Ökologie, also der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen, wurde ja bereits als Staatsziel aufgenommen. Und Kultur ist für mich Seelen- und Psychenökologie."

Auf jeden Fall: schöne Worte.

(Interview in der Zeitung "Die Gesellschafter", Mai 2007, S. 20)

- Aha, wollen wir doch mal alles im Zusammenhang kennen lernen, Kunze kriegt ja reichlich Schelte (Freitag) für das Aussprechen so banaler Wahrheiten. Da wollen wir doch gleich noch mal ein paar Auszüge bringen aus seinen 10 Thesen:

3. Es gibt einen Flüsterkonsens der Medienarbeiter in den Kantinen, der an das verdruckste Einverständnis von Mitläufern in Diktaturen erinnert.

Öha! Das ist eine Wahrheit - die wollen wir mal nicht zu laut aussprechen ... Schon gar nicht zu Ende denken ...

4. Fernsehen ist die brutalstmögliche Verhinderung des Unbequemen: ein totalitäres Kartell abwiegelnden Grinsens.

Kommentar überflüssig. Es stimmt schlicht. Und das "abwiegelnde Grinsen" - aber nicht nur das - ist beabsichtigt, so meine ganz bescheidene Meinung. Ist berechnet. Als würden sich die Fachleute mit Medienpsychologie nicht auskennen. Und mit "Psychologie der Massen".

8. Die Installation privater Medien war die Öffnung eines Höllentors. „Unterschichtenfernsehen" (Harald Schmidt) ist noch ein Euphemismus. Fassungslose und wehrlose Zeitgenossen müssen mit ansehen, wie von Jahr zu Jahr neue Tiefstände des Vulgären, Proletigen, Widerwärtigen erreicht werden. ...

Zugegeben, mir gefällt die Sprache Heinz Rudolf Kunzes nicht - "immer", nicht bei allen 10 Thesen. (Was mir nicht gefällt, bringe ich hier auch nicht.) Seine ausufernde Sprache ist ganz offensichtlich ein Spiegelbild oder besser: Produkt dessen, was er kritisiert, sie steht - leider - keineswegs durchgängig darüber. Schöner wär's, sie würde drüber stehen.

Aber hallo, es geht noch weiter:

10. Es gibt keine Hoffnung auf Besserung.
Elfte, völlig unsachliche Behauptung: Die Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland" des Deutschen Bundestags tut sich beklemmend schwer, Medusa ins Gesicht zu schauen. Oder sie auch nur anzublinzeln.

- Ich frage mich: Hat denn Kunze nicht längst seinen Fernseher auf den Müllplatz gebracht? Ich hab schon mit 15 Jahren (oder so) meiner Familie einen Vorschlaghammer neben den Fernseher gestellt. Und ich meinte es ernst. Ich meine es immer noch ernst. Fernsehn macht kaputt. Alles.

Freitag, 1. Juni 2007

Schwere Vorwürfe gegen den Papst

Im italienischen Fernsehen sind schwere Vorwürfe gegen den derzeitigen Papst erhoben worden. (Süddeutsche Ztg. ) Daß sie berechtigt sind, geht für mich schon aus folgendem hervor:

... Doch auch (Papst-Kritiker) O’Gorman hatte in der TV-Debatte einen starken Auftritt. Mehrmals habe er den Vatikan um Stellungnahme gebeten, ohne Antwort zu bekommen. Zudem habe die Kurie in den Missbrauchsfällen immer nur auf Druck der Öffentlichkeit und nicht aus eigener Einsicht agiert. Bis heute fehle dem Vatikan ein Konzept, Kinder weltweit vor Übergriffen pädophiler Priester zu schützen.

Der Rest dessen, was er recherchiert hat, wird auch stimmen:

... Danach soll der Vatikan in Mafia-Manier über Jahrzehnte versucht haben, sexuelle Übergriffe von Priestern auf Kinder unter einem Mantel des Schweigens zu verbergen und die Strafverfolgung zu behindern.

Colm O’Gorman, der irische Autor des Films, belegt an Fällen aus seiner Heimat, den USA und Brasilien, wie katholische Pfarrer Jungen und Mädchen missbrauchten. Statt dafür bestraft und aus dem Kirchendienst verbannt zu werden, schoben manche Ortsbischöfe die Täter von einer Pfarrei in die nächste, wo diese ihre Verbrechen fortsetzten. Der Dokumentation zufolge steckte dahinter eine Strategie des Vertuschens, die Joseph Ratzinger als langjähriger Chef der Glaubenskongregation im Vatikan mit zu verantworten habe. Die Kirche habe sich nicht um die Opfer geschert, sondern danach getrachtet, ihr Bild in der Öffentlichkeit rein zu halten, suggeriert der erschütternde Dokumentarfilm.

Bei so einem "deutschen" Papst kann man aufatmen, daß im Oktober ein freier, uneingeschüchterter Geist nach Deutschland kommt - - - Richard Dawkins.

Sonntag, 27. Mai 2007

"Gutes tun ist schwer" - König Ashoka (303 - 233 v. Ztr.)

Der Buddhismus gehört zu den Religionen, für die ich noch nicht so richtig Verständnis gefunden habe, zu denen ich innerlich noch keinen oder nur wenig Zugang gefunden habe. Man freut sich also über alles, was das Verständnis ein bißchen erleichtern könnte. Der "Spiegel" hat einen Bericht über den König Ashoka (303 - 233 v. Ztr.), der den Buddhismus in Indien eingeführt hat. Das war schon eine ganz merkwürdige Person, die für merkwürdige Dinge in ihrem Land Propaganda gemacht hat. Nämlich: alle Menschen sollen gut sein. Niemandem im Reich soll es schlecht gehen. Die Straßen sollen mit Bäumen bepflanzt werden, damit die Reisenden im Schatten reisen können. Wahnsinn. Irgendwie fühlt man sich an Alexander den Großen erinnert, der mit ähnlichem Sendungsbewußtsein die Welt durchzog, wenn auch offenbar bis zum Lebensende gewalttätiger als Ashoka. Aber diese "indische Sanftmut" ... Puh, da wird einem ja ganz anders ... Das "säuselt" einem nur so durch's Gebein. Ist vielleicht doch nicht so ganz das Rechte für mich, diesem indischen König Ashoka nachzueifern. - Wenngleich ... sein Harem dürfte sicherlich ganz annehmlich gewesen sein ... ;-) )

Übergehen wir die grausige Vorgeschichte und gehen wir gleich auf sein Leben nach seiner Bekehrung ein, jene Lebensphase, die allein geschichtlich bezeugt zu sein scheint:

... Über acht Monate ist Ashoka danach - das heißt nach seiner Bekehrung zum Buddhismus - auf Reisen, durchquert sein riesiges Imperium, sucht auch in entlegenen Landstrichen das Gespräch mit seinen Untertanen. Und täglich lässt er seine Entourage eine Botschaft verlesen, in der er sich als Laienanhänger des buddhistischen Ordens zu erkennen gibt. Auch dem Niedrigsten, so heißt es da, stehe der Himmel offen.

Dergleichen sind für einen indischen Herrscher ganz unerhörte Töne. Wenn in der Vergangenheit der König den Palast verließ, zu einer Jagd oder Lustreise, dann war die Straße mit Seilen abgesperrt. Ashoka, der Bekehrte, aber mischt sich unter sein Volk, verteilt Almosen und Geschenke an brahmanische Priester, an Asketen und Betagte.

Ein oder zwei Jahre nach der Reise entschließt er sich, auch dem übrigen Land von seiner Konversion zu berichten. Schriftlich und in einfachen Worten. Er entwirft für seine Untertanen eine Morallehre, die Dhamma-Regeln. Innerhalb weniger Jahre überzieht er das ganze Land mit Edikten, von seinen Handwerkern eingemeißelt in große Felsenflächen.

In diesen steinernen Botschaften spricht Ashoka in sanftmütigen Worten als "Götterliebling" zu seinen Untertanen. Er bekennt, sich dem buddhistischen Glauben zugewandt zu haben und nun "tiefe Reue" über die Eroberung Kalingas zu empfinden.

Die Felsen-Edikte verkünden allen Untertanen Ashokas die Dhamma-Regeln: Respekt vor Vater und Mutter und vor Älteren, Freundlichkeit und Wahrhaftigkeit. Gut sei es, keinerlei Lebewesen zu töten und Großzügigkeit zu üben gegenüber Freunden, Bekannten und Verwandten, gegenüber Brahmanen und Asketen.

Ashoka begnügt sich nicht mit allgemeinen Idealen, sondern verkündet auch konkrete Reformen. Der "Götterliebling" ordnet an, dass künftig kein Tier mehr zu Opferzwecken geschlachtet werden soll. Auch in der königlichen Küche dürfen die Köche bald kaum noch ein Tier töten.

In seinem Reich lässt Ashoka Heilpflanzen für Mensch und Tier kultivieren. Er ordnet an, die Handelsstraßen, über die Kaufmannskarawanen und Pilger im Sommer in sengender Hitze ziehen, mit Schatten spendenden Feigen- und Mangobäumen zu säumen. Seine Straßenbauer haben Befehl, alle 15 Kilometer Brunnen zu graben und Rasthäuser zu errichten.

Zudem entsendet der "Götterliebling" königliche Beamte in seine Provinzen, die alle fünf Jahre auf Inspektionsreise gehen, um das Volk in der Dhamma-Lehre zu unterweisen. (...)

Doch schon 256 v. Chr., nur zwei Jahre nach der Veröffentlichung seiner ersten Edikte, spürt Ashoka, so scheint es, Widerstand gegen seine Tugend-Reformen. Verwunderlich ist dies nicht. Neben allen Wohltaten bürden sie dem ganzen Land einen hehren Anspruch auf: Keinem Lebewesen, ob Mensch oder Tier, darf ein Leid geschehen.

Sollen Fischer in den Flüssen also nicht mehr ihre Netze auswerfen, Jäger nicht mehr die Wälder zum Schutz der Reisenden nach Raubtieren durchstreifen? Bauern beim Pflügen der Äcker auf jedes Gewürm und Insekt Acht geben?

Sollen Kranke auf die Tieropfer verzichten, die als Allheilmittel gegen jedes Übel gelten? Die Brahmanen-Priester auf das Geld, das sie mit diesen Opferdiensten einnehmen? Und die Höflinge in Ashokas Palast auf das unterhaltsame Spektakel der Tierkämpfe mit Elefanten, Rhinozerossen und Bullen?

Womöglich aber stachelt den König der Widerstand gegen seine Regeln in seinem Sendungsbewusstsein nur an. Denn er lässt nun eine weitere Serie von Edikten in Felspartien meißeln, zehn neue Botschaften des "Götterlieblings". "Gutes zu tun ist schwer", hebt er diesmal an und rühmt sich der vielen edlen Taten, die er bereits vollbracht habe - die neuen Dhamma-Edikte sind auch Leistungsbilanzen des Königs, Propaganda in eigener Sache.

Um den Unwillen zu brechen, auf den seine Reformen zu stoßen scheinen, ernennt Ashoka Dhamma-Beamte und lässt sie ins Land ausschwärmen. Es sind Spitzel im Zeichen des Guten, die prüfen, wer den Instruktionen des Königs noch nicht folgt. Zugleich sollen die Tugendpolizisten für die selig machende Dhamma-Lehre werben, zum Glück und zur Wohlfahrt aller. Unter den Gläubigen aller Religionen, bei Soldaten, Brahmanen und Hausvätern, unter Armen und den Alten. Sie sollen auch vor den Harems von Ashokas Brüdern nicht Halt machen und vor den Privat-Gemächern seiner Schwestern und übrigen Verwandten.

Die Botschaft ist eindeutig: Niemand darf sich mehr der Dhamma-Unterweisung durch die Sonderagenten des Königs entziehen. Ashoka errichtet eine Gesinnungsdiktatur im Namen von Wahrhaftigkeit und Toleranz: eine Tyrannei der Sanftmut. (...)

So heftig ist Ashokas missionarischer Eifer, dass seine Emissäre die Dhamma-Botschaft auch zu den nie eroberten Stammesgebieten innerhalb des Großreiches tragen müssen, zu den unabhängigen Gebieten im Süden des Subkontinents und auf die Insel Sri Lanka. Doch selbst damit gibt sich der König nicht zufrieden. Ashoka schickt sie auch in die nordwestlichen Grenzregionen des Imperiums, wo es griechische Ansiedlungen gibt. Und er lässt seine Botschafter in die Ferne reisen, viele Tausende Kilometer, bis ins hellenistische Reich der Seleukiden, zu den Ptolemäern, nach Makedonien, Kyrene in Nordafrika und Epirus im Nordwesten Griechenlands.

Eine vergleichbare diplomatische Unternehmung hat es wohl noch nie gegeben: Der Herrscher über ein mächtiges Großreich bekundet seinen Friedenswillen vor aller Welt. Ashoka versteht sein Dhamma inzwischen als eine universelle, kosmopolitische Morallehre - nützlich für alle Kasten, Stämme und Nationen. (...)

Um 242 v. Chr. lässt Ashoka eine letzte Serie von Edikten meißeln. Diesmal nicht in Felsen, sondern in schlanke, zwölf bis 15 Meter hohe Steinsäulen - es sind die frühesten heute noch erhaltenen Zeugnisse indischer Monumentalkunst. (...)

In den sieben neuen Edikten propagiert der "Götterliebling" seine Lehre eindringlicher als je zuvor. Immer spezieller fasst Ashoka seine Tötungsverbote. Verschont werden müssen: Papageien, Wildenten, Fledermäuse, Schildkröten und Stachelschweine. Aber auch Eichhörnchen, Hirsche, Bullen, Ameisenköniginnen, Sumpfschildkröten, wilde Esel, wilde und zahme Tauben sowie sämtliche vierfüßigen Kreaturen, die weder nützlich noch essbar sind.

Ja überhaupt alle Tiere, die nicht älter als sechs Monate sind. Und Hähne dürfen nicht mehr kastriert werden. Diese Säulenedikte sind vermutlich die letzten Inschriften, in denen sich der König an sein Volk wendet. Alles ist nun verkündet über die Dhamma-Lehre. (...)

Es muß wirklich nicht einfach gewesen sein für Ashoka, ein guter Mensch zu sein. Sonst wäre ihm das nicht so wichtig gewesen. "Tue Gutes und rede davon," ist ja auch immer mein Motto. Aber Ashoka, Ashoka, Ashoka, Du kommst mir doch ein bißchen ... "fremd" vor. Es kommt einem alles ein bißchen - - - "kitschig" vor. Sorry! Immer etwas gar zu viel "Schmalz". Bollywood oder Hollywood? No difference? - Brrrr!

So seelisch "besoffen" machen einen sonst eigentlich nur ... Frauen. Aha! Das ist's: Ashoka hatte zu viele Frauen in seinem Harem: Als Alleinherrscher residiert er im Palast von Pataliputra im Nordosten Indiens, umgeben von bewaffneten Frauen - denn weibliche Wächter gelten als besonders loyal.

Im Schutz "bewaffneter Frauen"! - Damit ist vielleicht schon alles gesagt. - - - Brrrr!

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

Beliebte Posts (*darunter finden sich leider selten neuere Beiträge*)

Registriert unter Wissenschafts-Blogs

bloggerei.de - deutsches Blogverzeichnis

Haftungsausschluß

Urheber- und Kennzeichenrecht

1. Der Autor ist bestrebt, in allen Publikationen die Urheberrechte der verwendeten Bilder, Grafiken, Tondokumente, Videosequenzen und Texte zu beachten, von ihm selbst erstellte Bilder, Grafiken, Tondokumente, Videosequenzen und Texte zu nutzen oder auf lizenzfreie Grafiken, Tondokumente, Videosequenzen und Texte zurückzugreifen.

2. Keine Abmahnung ohne sich vorher mit mir in Verbindung zu setzen.

Wenn der Inhalt oder die Aufmachung meiner Seiten gegen fremde Rechte Dritter oder gesetzliche Bestimmungen verstößt, so wünschen wir eine entsprechende Nachricht ohne Kostennote. Wir werden die entsprechenden Grafiken, Tondokumente, Videosequenzen und Texte sofort löschen, falls zu Recht beanstandet.