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Sonntag, 30. Juni 2013

Multikulti - Bringt die Evolution nicht voran

Wer einmal einen Einblick haben will in das, was an der vordersten Front der Forschung derzeit in der ganz klassischen Biologie geschieht, dem kann ein neuer Artikel von einem Forscher aus Oxford empfohlen werden (1). (Der Artikel scheint nirgendwo in der deutschen Wissenschaftspresse behandelt worden zu sein. Grund genug, hier einmal auf die wesentlicheren Inhalte aufmerksam zu machen.)

Am Übergang von der Einzelligkeit zur Vielzelligkeit


Die Natur hat sehr vielfältig experimentiert am Übergang von der Einzelligkeit zur Vielzelligkeit. Es gibt da so berühmte Beispiele wie die Grünalge Volvox oder den Schleimpilz Dictyostelium. Sie gehören zu den einfachsten Formen von Vielzelligkeit in der Natur. Und sie sind nicht nur naturwissenschaftlich, sondern auch philosophisch von großem Interesse. Spätestens seit der deutsche Evolutionsbiologe August Weismann auf die Einführung des Alterstodes gleichzeitig mit der Einführung der Vielzelligkeit in der Evolution, die mit solchen Organismen einhergeht, hingewiesen hat. Warum es den gesetzmäßigen Alterstod überhaupt gibt in der Evolution und im Leben, ist ein bis heute von der Naturwissenschaft weitgehend ungeklärtes Problem. Da herrschen die vielfältigsten Theorien vor.

Abb. 1: Dictyostelium in der späten Aggregations-Phase
Philosophisch wurde die Tatsache der Einführung des Alterstodes in der Evolution erstmals von einer Schülerin von August Weismann, von Mathilde Ludendorff (1874 - 1966), ausgewertet. Soweit übersehbar hat es andere Philosophen, die in ihrer Nachfolge ähnliches versucht haben, bisher nicht gegeben. Wissenschaftlich weitergeführt worden sind die Forschungen - auf der Grundlage der Erkenntnisse von August Weismann und auch von Mathilde Ludendorff - unter anderem durch Gerold Adam (1933 - 1996) in Konstanz.

Gerold konnte sehr eindrucksvoll von dem Schleimpilz Dictyostelium erzählen. Und von jenen Notzeiten, wenn sich viele tausende von Einzelzellen, von einer "Ruferzelle" gerufen, "aggregieren", zusammenballen. "Die Massen rotten sich zusammen", ein gemeinsamer Wille beherrscht sie plötzlich. Und wie sie einen großen Zellstaat bilden. Und wie sich dieser Zellstaat - wie eine Nacktschnecke - günstigere Standortbedingungen sucht. Und wie dann jene Zellen, die zuvor gerufen hatten und zuerst auf den Ruf gehört hatten, schließlich den Stil bilden eines kleinen Pilzes. Und wie sie auf diesem Stil die übrigen Zellen als eine ("Frucht-")Kugel emporschieben. 


Das ist auch auf Wikipedia gut beschrieben., allerdings in z.T. argem Fachchinesisch. Man könnte diesen Lebenszyklus auch ganz anders beschreiben, etwa unter Bezugnahmen auf vielerlei Ereignisse in der Geschichte komplexer menschlicher Gesellschaften. Wie etwa auf den Ruf eines Herrschers aus allen Teilen des Landes die Menschen zu seinem Regierungssitz strömen, wie eine allgemeine Bewegung das gesamte Volk ergreift, wie Völker sich auf Wanderschaft begeben. Und wie, damit die anderen überleben, sich ein Teil des Volkes auf irgendeine Weise für den anderen Teil des Volkes aufopfert.

Jedenfalls: In der nächsten Lebensphase dieses Pilzes Dictyostelium schwärmen die Zellen der hochgeschobenen Kugel wieder aus, während die Zellen des Stils sterben, zugrunde gehen. Sie haben ihre Zellteilungsfähigkeit verloren. Damit tritt erstmals der gesetzmäßige Alterstod in der Evolution auf. Die ("genialeren") Ruferzellen und die frühesten Zellen, die auf den Ruf gehört haben, hatten den Stil gebildet und haben sich für die anderen Zellen, die Fortpflanzungszellen, aufgeopfert, indem sie ihnen eine erhöhte Ausgangsposition für erneute Verbreitung verschafften. Eine der frühesten und ältesten Formen von Altruismus in der Welt des Organischen.

Eine der ältesten Formen von Altruismus in der Welt des Organischen


Und der neue Artikel (1) nimmt nun die heute bekannte Vielfalt von solchen Formen des Übergangs zwischen Einzelligkeit und Vielzelligkeit in mehreren Zweigen des Artenstammbaums von Bakterien, Schleimpilzen, Grünalgen insgesamt und vergleichend in den Blick. Und er stellt hierbei fest, daß die genetische Verwandtschaft zwischen den aggregierenden, sich zusammenballenden Zellen von ausschlaggebender Bedeutung ist dafür, ob und wie komplex die Vielzelligkeit ist, die dann in der Folge ausgebildet wird. Im Artenvergleich wird Vielzelligkeit um so häufiger und um so komplexer ausgebildet, um so mehr die Einzelzellen der jeweiligen Art, die sich zusammenballen, miteinander genetisch verwandt sind, bzw. wenn sie genetisch miteinander identisch sind.

Das klingt zwar von vornherein plausibel. (Nur womöglich nicht für Anhänger multikultureller Gesellschaften.) Aber das mußte doch erst einmal vergleichend und auf statistischer Basis solide nachgewiesen werden. Wenn das nun erst im Jahr 2013 geschieht, merkt man daran, wie lange die Forschung manchmal dafür braucht, ganz einfache Fragestellungen zu klären. Aber da die genetische Verwandtschaft auch bei der Ausbildung von gesellschaftlicher Komplexität von Insektenstaaten erst vor einigen Jahren wieder intensiver erforscht worden ist (Stud.gen. 6/2008), werden auch die Mikrobiologen sich einmal aufgefordert gesehen haben, hier die Zusammenhänge genauer in den Blick zu nehmen.

In der Regel stammen die sich zusammenballenden Zellen alle nur von einer einzelnen Zelle ab, die sich zuvor viele male geteilt hatte. (Sie bildeten etwas, was in der Wissenschaft - und auch in diesem Artikel - "Klon" genannt wird.) Und deshalb sind sie alle wie "eineiige Zwillinge". Es gibt aber auch Arten, bei denen der genetischen Verwandtschaft bei der Aggregation, der Staatenbildung, keine so große Beachtung zugemessen wird. Man könnte sagen, das waren die "multikulturellen Gesellschaften" der damaligen Zeit. Oder auch die "Patchwork-Familien" der damaligen Zeit, die ja auch heute wieder so "hip" sind (also "angesagt" sind [bzw. als "schick" oder "trendy" gelten]). Diese Form der Aggregation und Staatenbildung hat jedenfalls in der Evolution von Vielzelligkeit und vielzelliger Komplexität bei weitem nicht so viel Erfolg gehabt, wie die erstgenannte.

"Multikulturelle Gesellschaften" der damaligen Zeit


In dem Artikel wird unterschieden zwischen obligater (sprich gesetzmäßiger) Vielzelligkeit im Lebenszyklus einer Art und fakultativer Vielzelligkeit. Bei der fakultativen Vielzelligkeit ist die Fortpflanzung der Art nicht zwingend davon abhängig, daß Vielzelligkeit ausgebildet wird. Alle Säugetiere beispielsweise sind obligate Vielzeller. Sie können sich nur dann fortpflanzen, wenn eine vielzellige Lebensphase ausgebildet wird. Dies ist also die komplexere Lebensform. Außerdem werden die Zahlen der sterilen, also dem Todesmuß verfallenen Zellen des ausgebildeten Vielzellers miteinander verglichen. Und auch die Zahl der dabei ausgebildeten Zelltypen (analog zu den Kasten der Insektenstaaten).

Sprich, im Artvergleich gilt: Um so mehr die Zellen miteinander genetisch verwandt sind, die sich zusammenballen zu einem vielzelligen Organismus, um so komplexer ist der Vielzeller, der dabei ausgebildet werden kann, gemessen an den eben genannten Kriterien.


Das Bild der Evolution vereinheitlicht sich zunehmend


Und mit diesem Forschungsergebnis vereinheitlicht sich immer mehr ein Bild von der Evolution überhaupt, das in den letzten Jahren gewonnen wird. (Und worüber es auf diesem Blog vor fünf Jahren schon mehrere Artikel gegeben hat: 11/2007, 6/2008, [9/2008], 5/2009, [7/2007].) 

Auch bei der Ausbildung von arbeitsteiligen Gesellschaften von Insekten bildet die genetische Verwandtschaft die ausschlaggebende Rolle, worauf erst vor wenigen Jahren in einem aufsehenerregenden Artikel (Hughes et. al. - und zwar gegen Edward O. Wilson's neue "Superorganismus"-Theorie gewandt) hingewiesen worden ist. Diese wird durch monogame Lebensweise der Staatengründer sichergestellt.

Und diese monogame Lebensweise hinwiederum korreliert - so nach Forschungen von Robin Dunbar - mit der evoluierten Gehirngröße über weite Teile des Artenstammbaumes der Säugetiere. Sprich: Um so monogamer eine Art lebt, um so größer  die Gehirne dieser Art (wobei die allein durch Körpergewicht bedingte Gehirngröße einer Art - wie üblich - herausgerechnet wird). Und bei den Primaten korreliert dann - nach den Forschungen von Robin Dunbar - wiederum die Gehirngröße mit der Gruppengröße, also mit jenen Tieren, die dauerhaft in einer Gruppe zusammenleben. So wie bei den Nichtprimaten monogame Paare dauerhaft zusammeleben ("Dunbar's Zahl").

Von zwei Lebensprinzipien also, die heute allerwärts in der Öffentlichkeit als besonders "fortschrittlich" und "liberal" und insbesondere auch "natürlich" propagiert werden, zeigt damit die Evolutionsforschung auf, daß diese nicht die Lebensprinzipien sind, die die Evolution (von arbeitsteiliger Komplexität und Gehirngröße) vorangebracht haben. Nämlich von den Lebensprinzipien: Polygamie und multikulturelle Gesellschaft.


Diese Tatsache dürfte einmal erneut auf die erhebliche philosophische wie auch geradezu tagespolitische und sozialethische Bedeutung evolutionsbiologischer Grundlagenforschung aufmerksam machen. Oder noch allgemeiner: Wenn wir die Lebensprinzipien unserer modernen Gesellschaften in Übereinstimmung bringen wollten mit den Erfolgsprinzipien der Evolution überhaupt, müßten wir sie auf einem ganz anderen moralischen Fundament errichten, als jenem, auf dem die derzeitigen modernen Gesellschaften errichtet sind. 

____________________________________
  1. Fisher RM, Cornwallis CK, & West SA (2013). Group formation, relatedness, and the evolution of multicellularity. Current biology : CB, 23 (12), 1120-5 PMID: 23746639

Dienstag, 20. November 2007

Die Atheisten in Deutschland sind stark "Männer-lastig"

Die Giordano Bruno-Stiftung veröffentlicht die Ergebnisse einer Umfrage unter ihren Förderkreis-Mitgliedern (pdf.). Solchartige Umfragen werden es künftig verstärkt sein, die auch Menschen wie Religionswissenschaftler Michael Blume interessieren könnten, da man manche der Umfrage-Ergebnisse zu "anderen" (von ihm ausgewerteten) Religionsstatistiken und ihren evolutionspsychologischen Erklärungen in Beziehung setzen kann. So schon gleich zum Anfang (S. 3) dieses Ergebnis:
"Die Giordano Bruno Stiftung ist stark Männer lastig. Nur knapp 13 % der Mitglieder im Förderkreis sind Frauen."
Ich habe den starken Verdacht, daß diese Ungleichgewichtigkeit sehr leicht und zügig verringert werden könnte, wenn sich die Stiftung weniger atheistisch und stärker pantheistisch positionieren würde. Letzteres wäre ja die naheliegendste Alternative, die auch Richard Dawkins oder Karlheinz Deschner sehen. Auch Michael Schmidt-Salomon hat eine solche Positionierung in jüngeren Äußerungen keineswegs ausgeschlossen. Auch stärkere Positionierung in Richtung "Verantwortungs-Ethik" statt bloßer "hedonistischer Ethik" dürfte übrigens in diese Richtung wirken. So möchte man es zumindest aus den evolutionspsychologischen Interpretationen von Michael Blume ableiten.

83 % der Förderkreis-Mitglieder, die an der Umfrage mitmachten, wünschen sich eine "Zurückdrängung des gesellschaftlichen Einflusses der Religionen". (S. 11) Die Umfrage hat auch zum Ergebnis, daß künftig "lokale Gruppen" aufgebaut werden sollen, da sich in diesen viele Mitglieder engagieren wollen. (Auch dies könnte/wird übrigens die Frauenquote heben, da "Netzwerk"-Bildung für Frauen in vieler Beziehung noch wichtiger ist als für Männer.)

Die Frage "Natürliche Evolution oder religiöse Schöpfungslehre" steht für die Mitglieder übrigens im Zentrum der Definition dessen, was unter säkularem Humanismus heute zu verstehen ist (für 80 % der Antwortenden). Auch "Diesseitsorientierung (Es gibt kein Jenseits)" (S. 20)

Ich halte die von der Giordano Bruno Stiftung vertretene Menschengruppe derzeit für die wichtigste und zukunftsweisende gesellschaftliche Gruppierung in Deutschland, auch wenn sie sich derzeit bezüglich der Notwendigkeit gesellschaftspolitischer Reformen - jenseits der engeren Religionsproblematik - noch sehr schwammig und unklar positioniert. Das müßte aus der Sicht eines weiterzuentwickelnden "darwinischen Konservatismus" nicht nötig sein.

Mittwoch, 4. Juli 2007

Happy 4th of July!

Heute ist der 4. Juli, der Tag der amerikanischen Unabhängigkeit. Larry Arnhart, amerikanischer Vordenker eines naturalistisch orientierten, konservativen Welt- und Menschenbildes, nimmt dies zum Anlaß, die Position des von ihm vertretenen "Darwinischen Konservatismus" zu dieser Frage zu erläutern. (Darwinian Conservatism) Die Kernsätze lauten (Hervorhebungen durch mich, I.B.):
Howard Zinn--best known as the author of The People's History of the United States--is one of the leading writers for the American Left. The website for The Progressive has a 4th of July article by Zinn, who argues that it is immoral for Americans to celebrate July 4th. (...)

As I have indicated in Darwinian Conservatism, this is one fundamental distinction between the utopianism of the Left and the realism of conservatism: the Left adheres to a rationalist utopianism of universal benevolence that denies patriotism, while conservatives recognize that it is natural and good for human beings to be more attached to those close to them than to strangers. (...)

A Darwinian account of human nature explains the ultimate causes of such group loyality as arising from evolutionary group selection that favors a tribal attachment to one's own. Of course, our natural capacity for sympathy allows us to extend our concern to ever wider groups, even to the point of feeling some concern for human strangers and even nonhuman animals. But this humanitarian concern will always be weaker than our attachments to kin, to friends, and to fellow citizens.

There is a dark side to such tribalism, as Zinn indicates, because our natural tendency to cooperate with our group to compete with out-groups can lead to brutual cruelty. But ...
Ich will es selbst in eigenen Worten fortsetzen: Wenn man es recht sieht, beruht die dunkle Seite dieser "Stammesorientiertheit" der menschlichen Psyche darauf, daß "thymotische Energien" von Seiten religiöser Anschauungen immer noch nicht genügend umgeleitet worden sind in innere, geistige und kulturelle Auseinandersetzungen mit sich selbst und anderen, sich also immer noch austoben in Auseinandersetzungen militärischer, terroristischer, auch staats-terroristischer Art.

Peter Sloterdijk (siehe voriger Beitrag) macht in seinem neuen Buch "Zorn und Zeit" in diesem Zusammenhang auf Platon aufmerksam, auf den "Psychologen der Selbstachtung":
Die herausragende Leistung des platonisch gedeuteten 'thymos' besteht in seiner Fähigkeit, eine Person gegen sich selber aufzubringen. Diese Wendung gegen sich selbst kann geschehen, wenn die Person die Ansprüche nicht erfüllt, die befriedigt werden müßten, damit sie die Achtung vor sich selbst nicht verliert. Platons Entdeckung liegt im Hinweis auf die moralische Bedeutung der heftigen Selbstmißbilligung. Diese manifestiert sich zweifach - zum einen in der Scham, als einer affektiven Totalstimmung, die das Subjekt bis ins Innerste durchdringt, zum anderen im zorngetönten Selbsttadel, der die Form einer inneren Rede an sich selbst annimmt. Die Selbstmißbilligung beweist dem Denker, daß der Mensch eine angeborene, wenngleich trübe Idee des Angemessenen, Gerechten und Lobenswerten besitzt, bei deren Verfehlung ein Teil der Seele, eben der 'thymos', Einspruch erhebt. Mit dieser Wendung zur Selbstablehnung beginnt das Abenteuer der Selbständigkeit. Erst wer sich selber tadeln kann, kann sich selber lenken." (S. 41)
Große Worte spricht hier Peter Sloterdijk sehr gelassen aus! Jedenfalls, wem derartige Dinge ab und an als Einzelmensch wie als Nation gelingen sollten (!), dem dürfte man zugestehen, sich und anderen ab und an auch einmal so offen und freundlich wie Larry Arnhart seinen Lesern zum Geburtstag der eigenen Nation zu wünschen:
Happy 4th of July!

Mittwoch, 27. Juni 2007

Wenn der Mensch eine Seele hat, dann müssen Tiere auch eine Seele haben

Die "New York Times" fragt, ob auch aus naturwissenschaftlicher Sicht gesagt werden kann, daß Menschen eine Seele haben. (NYT, Darwinian Conservatism) Und ihre Antwort ist mehr oder weniger: Wenn man dem Menschen eine Seele zuspricht, dann geht das nur, wenn man sie auch den Tieren zuspricht. Dem kann ich folgen.

NYT: ... there may be soul in the sense of “the universal spirit of the cosmos,” but the soul as it is usually spoken of, “an immaterial spirit that occupies individual brains and that only evolved in humans — all that is complete nonsense.”

Also wenn man also Naturwissenschaftler sagen möchte, daß Menschen eine Seele haben, dann muß man in jedem Fall sagen, daß auch Tiere eine haben. Das ist die zentrale Aussage dieses Artikels, auf die es ankommt. Natürlich muß man als Naturwissenschaftler derzeit noch nicht sagen, daß Menschen eine Seele haben. Man kann weiterhin davon ausgehen, daß die ganze Welt, alle Tiere und Menschen (und Pflanzen und Einzeller) nichts weiter als Maschinen seien. Tut man es aber nicht, kann man nicht nur dem Menschen Seele zusprechen, sondern muß dies auch den Schimpansen gegenüber tun oder dem Australopithecus. Denn alles, was beim Menschen Seele ausmacht, ist in der einen oder anderen Weise bei anderen Lebewesen auch schon vorhanden. Auch beim Hund in der Wohnung.

In der NYT wird dies folgendermaßen ausgedrückt: “Evolutionary biology shows the transition from animal to human to be too gradual to make sense of the idea that we humans have souls while animals do not,” wrote Dr. Murphy. (...) “All the human capacities once attributed to the mind or soul are now being fruitfully studied as brain processes — or, more accurately, I should say, processes involving the brain, the rest of the nervous system and other bodily systems, all interacting with the socio-cultural world.”

Therefore, she (Nancey Murphy) writes, it is “faulty” reasoning to want to distinguish people from the rest of creation. She and Dr. Haught cite the ideas of Thomas Aquinas, the 13th-century philosopher and theologian who, Dr. Haught said, “spoke of a vegetative and animal soul along with the human soul.” (...) "It’s wiser to recognize that there is something analogous to soul in all living beings.”

Does this mean, say, that Australopithecus afarensis, the proto-human famously exemplified by the fossil skeleton known as Lucy, had a soul? He paused and then said: “I think so, yes. I think all of our hominid ancestors were ensouled in some way, but that does not rule out the possibility that as evolution continues, the shape of the soul can vary just as it does from individual to individual.”

Und wo sind - wieder einmal - die Philosophen?

Kardinal Schönborn machte sich neulich in einem Interview noch ziemlich lächerlich, als er gefragt wurde, ob der Neandertaler eine Seele hätte und sagte, das wisse er nicht!! (Weil ja vom Neandertaler nix in der Bibel steht, grins!) - Das folgende würde ich allerdings zu diesem Thema auch sagen: Dr. Haught said it could be difficult to discuss the soul and evolution because it was one of many issues in which philosophical thinking was not keeping up with fast-moving science.

Auf diesem Gebiet hat der Atheismus (und natürlich auch der Monotheismus) philosophisch Tabula rasa gemacht. Und Philosophen, die sich - etwa - mit dem Deutschen Idealismus beschäftigen, wie etwa Dieter Henrich, von denen hat man noch nie etwas über moderne Naturwissenschaft gehört. (Ich zumindest nicht. Das ist diesen Philosophen wahrscheinlich zugleich 1. zu banal, 2. zu kompliziert.)

Konrad Lorenz würde - wohl - zustimmen

Dann wird auch noch Kenneth R. Miller zitiert, den ich - zusammen mit Richard Dawkins - sehr schätze. Er sagt: Als Wissenschaftler kann ich von Seele nicht reden. - Ich bin mir nicht sicher, ob sich diese "harte" Route wird durchhalten lassen. Musikalität hat etwas mit Seele zu tun - oder etwa nicht? Und wie ist es mit Empathie? Natürlich, im Zweifelsfall sind wir Maschinen, die sich für Musik begeistern. Im Zweifelsfall. Konrad Lorenz zum Beispiel hat sich gegen ein solches "szientistisches" Menschen- und Weltbild heftig gewehrt in seinem Buch "Der Abbau des Menschlichen" (siehe frühere St. gen.-Beiträge.) "Werterlebnisse" sind für Konrad Lorenz, wenn ich ihn recht verstanden habe, seelische, schöpferische Erfahrungen.

Was aber jetzt Larry Arnhart ("Darwinian Conservatism") aus diesem NYT-Artikel macht, das will mir auch nicht so recht gefallen. Er sagt, in der Bibel würde sich das Decarte'sche Denken gar nicht finden. Und er murmelt dann etwas von der Wiederauferstehung des wiederbeseelten (- "enspirited"?) Körpers. Und was soll das nun heißen? Ich glaube, das kann er seiner Großmutter erzählen. Meiner nicht. (Erstens weil sie nicht mehr lebt. Zweitens aber auch sonst nicht: "So ein Quatsch," hätte sie gesagt.)

Arnhart (Darwinian Conservatism): Moreover, I also believe that this Cartesian dualism contradicts the Bible, which teaches that our minds and bodies are inextricably intertwined. Rather than looking to the immortality of the soul separated from the body, the Bible looks to the resurrection of the enspirited body. Neuroscience explores this psychosomatic unity of mind and body.

- Er meint wahrscheinlich die Wiederauferstehung eines zuvor - vielleicht durch Depressionen - "entseelten" Körpers. Sonst wüßte ich nicht, was er meinen könnte. Aber ne, selbst dann: Dat is was für seine Großmutter, nicht für meine. Ich stehe auch manchmal von den Toten auf. Ich werde auch manchmal gekreuzigt. Ja. Religiöse Metaphern sind gut, so lange man sie allein philosophisch betrachtet. Und prinzipiell südamerikanische religiöse Metaphern genauso bewertet wie europäische. Und das ganze sonstige Bimbamborium drum herum beiseite läßt. Ich weißt aber nicht genau, wie Larry Arnhart das sieht. Denn: Warum redet er nur von biblischen und nicht gleichzeitig auch von südamerikanischen Märchen?

Dienstag, 8. Mai 2007

"Darwinischer Konservatismus"

Noch einige Ergänzungen zum Beitrag von gestern über "Darwinischen Konservatismus" (Studium generale), über den die "New York Times" einen Titel-Artikel brachte. Sein Hauptvertreter Larry Arnhart hat einen eigenen Blog, den ich gleich in meine Liste mit aufgenommen habe. Dort erfährt man, daß es einen weiteren Artikel zu der AEI-Konferenz gibt (Weekly Standard). Hier heißt es über Larry Arnhart's Position:
"Conservatives need Darwin," he said. Without the scientific evidence Darwinian theory offers, conservative views would be swamped by liberal sentimentality. The left-wing view of human nature as unfixed and endlessly manipulable has led to countless disastrous Utopian schemes. Hard-headed Darwinians, on the other hand, see human nature as settled and enduring and stubbornly unchangeable, and conservatives can wield the findings of Darwin to rebut the scheming, ambitious busybodies of the left and their subversion of custom and tradition. (I'm paraphrasing, by the way.)

Darwinism, he said, supports the conservative view of sexual differences and family life. Left-wingers see these things as social constructions, mere conventions that can be overridden in the quest for personal liberation; Darwin anchors them in nature. Darwinism supports the conservative view of private property and the marketplace, because our innermost desires, shaped by natural selection over thousands of years, include an unstoppable need to own property and to find gratification in trading our property with others. And Darwinism supports the view of limited, decentralized government, since the selfish human nature revealed by Darwin requires that no single authority be trusted with unchecked power.
Man kann sich die Podiumsdiskussion auch als Video ansehen (auch anhören) (AEI), da bekommt man einen besseren Eindruck von den Persönlichkeiten. Man muß aber auch sagen, daß Amerikaner (- nur Amerikaner oder besonders Amerikaner?) es lieben, riesen große Trivialitäten mit einer Eitelkeit zu verkünden, die auf mich eher lächerlich wirkt. So wenn zum Beispiel John Derbyshire anfängt zu verkünden, daß "die Wahrheit immer zuerst kommt". - So genau hatte ich's ja nun auch nicht wissen wollen!

Das was hier Larry Arnhart zum Teil vertritt, hatte ich bisher für mich immer ein "biologisch und wissenschaftlich informiertes Menschen- und Weltbild" genannt. Wenn ein solches Menschen- und Weltbild auch wieder viele früher eher konservative Standpunkte bekräftigen könnte, so kann es sich meiner Meinung doch nicht darum handeln (und so argumentiert ja auch John Derbyshire), daß man es genau deshalb vertritt. Sondern man vertritt es deshalb, weil es wissenschaftlich ist. Und Punkt. Daß man mit ihm quasi auf direktem Wege zu den "konservativen" Werten sagen wir der 1950er Jahre zurückkehren könnte, wäre doch absurd anzunehmen. Schließlich sind wir heute viel klüger als die Leute von damals.

Und wenn man sich all die Fragen zum Beispiel rund um Eugenik betrachtet, so wird sichtbar, daß diese in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts vor allem auch von eher politisch linksstehenden Menschen vertreten wurde. Da politisch Linksstehende immer schon den Naturwissenschaften näher standen, ist es eigentlich naheliegender, daß diese auch heute eher eine Politik fordern werden, die mit einem wissenschaftlich informierten Menschenbild in Einklang steht, als all die den geistigen und moralischen Entwicklungen immer um Jahrzehnte hinterher hängenden "Konservativen". Nun, da scheint man Geduld haben zu müssen, bis da überhaupt mal Leute anfangen, sich zu "positionieren". So geistig frisch und jung scheint die heutige politische Linke auch nicht mehr zu sein ...

Montag, 7. Mai 2007

Amerikanische Konservative befürworten Evolutionstheorie

In den USA scheinen die Konservativen, einige von ihnen zumindest, ernsthafter über Evolutionstheorie und Evolutionäre Psychologie nachzudenken (New York Times, [ganze Seite]). Einer der Vordenker ist Larry Arnhart (Bild siehe links). Sein Buch heißt "Darwinian Conservatism". (Amazon)
... Some of these thinkers have gone one step further, arguing that Darwin’s scientific theories about the evolution of species can be applied to today’s patterns of human behavior, and that natural selection can provide support for many bedrock conservative ideas, like traditional social roles for men and women, free-market capitalism and governmental checks and balances.

“I do indeed believe conservatives need Charles Darwin,” said Larry Arnhart, a professor of political science at Northern Illinois University in DeKalb, who has spearheaded the cause. “The intellectual vitality of conservatism in the 21st century will depend on the success of conservatives in appealing to advances in the biology of human nature as confirming conservative thought.” (...)

The fledgling field of evolutionary psychology also spurred some conservatives to invoke Darwinism in the 1990s. In “The Moral Sense” (1993), followed by “The Marriage Problem: How Our Culture Has Weakened Families” (2002), James Q. Wilson used evolution to explain the genesis of morality and to support traditional family and sex roles. Conservative thinkers from Francis Fukuyama to Richard Pipes have drawn on evolutionary psychology to support ideas like a natural human desire for private property and a biological basis for morality. (...)

Mr. Arnhart, in his 2005 book, “Darwinian Conservatism,” tackled the issue of conservatism’s compatibility with evolutionary theory head on, saying Darwinists and conservatives share a similar view of human beings: they are imperfect; they have organized in male-dominated hierarchies; they have a natural instinct for accumulation and power; and their moral thought has evolved over time.

The institutions that successfully evolved to deal with this natural order were conservative ones, founded in sentiment, tradition and judgment, like limited government and a system of balances to curb unchecked power, he explains. Unlike leftists, who assume “a utopian vision of human nature” liberated from the constraints of biology, Mr. Arnhart says, conservatives assume that evolved social traditions have more wisdom than rationally planned reforms.

While Darwinism does not resolve specific policy debates, Mr. Arnhart said in an interview on Thursday, it can provide overarching guidelines. Policies that are in tune with human nature, for example, like a male military or traditional social and sex roles, he said, are more likely to succeed. He added that “moral sympathy for the suffering of fellow human beings” allows for aid to the poor, weak and ill. (...)

As for Mr. Derbyshire, he would not say whether he thought evolutionary theory was good or bad for conservatism; the only thing that mattered was whether it was true. And, he said, if that turns out to be “bad for conservatives, then so much the worse for conservatism.”
Als wären Autoren und Wissenschaftler wie Charles Murray, Sally Satel und Jon Entine keine Konservativen, ja, als hätte der Leiter der Wissenschafts-Redaktion der "New York Times", der größten ("liberalen") Tageszeitung der Welt, als hätten Steven Pinker, Richard Dawkins, Richard Lynn, Philippe Rushton und so viele andere nichts über ein konservatives Weltbild zu sagen, wenn sie darüber berichten, daß, wie und mit welchen Folgen und Implikationen angeborene Begabungen unterschiedlich auf Völker und Gesellschaften verteilt sind.

Den im Artikel erwähnten konservativen Publizist John Derbyshire kennt "Studium generale" schon aus einem anderen Diskussion-Zusammenhang. Dessen Diskussion über die wissenschaftlichen, politischen und lobby-kritischen Thesen des amerikanischen Konservativen Kevin MacDonald in der Zeitschrift "Jewcy" hatten wir schon an früherer Stelle ausführlicher referiert.

Montag, 26. März 2007

Die Humanevolution und die Deutschen

Ich möchte hier einen Gedanke weiterführen, der in einem früheren Beitrag angeklungen war (siehe "Hat Kevin MacDonald recht?"). Die aschkenasischen Juden haben in den letzten tausend Jahren aufgrund bestimmter bewußter oder weniger bewußter Selektionsmechanismen den höchsten durchschnittlichen angeborenen Intelligenz-Quotienten "evoluiert", den heute eine Bevölkerung in der Welt besitzt (siehe bspw. hier und hier oder hier). Das spiegelt sich auch wieder beispielsweise in einem hohen Prozentsatz von Nobelpreisträgern, die dem aschkenasischen Judentum entstammen und in vielen anderen Erscheinungen des politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und wissenschaftlichen Lebens der westlichen Welt der letzten mindestens hundert Jahre, die hier genannt werden könnten.

Das Beispiel der aschkenasischen Juden macht deutlich, daß tatsächlich innerhalb von tausend Jahren Humanevolution stattfinden kann mit Ergebnissen, die deutlichen Einfluß auf die kulturelle Gestaltung des menschlichen Gemeinschaftslebens haben.

Der Soziobiologe Kevin MacDonald hat nun vorgeschlagen, daß eine solche Art von Humanevolution wie beim aschkenasisch-jüdischen Volk auf einer mehr oder weniger bewußten "gruppenevolutionären Strategie" beruht. Und der junge amerikanisch-jüdische Journalist Joey Kurztman ist - ohne Zweifel zusammen mit anderen modernen Juden - der Meinung, daß Kevin MacDonald die gegenwärtige Situation und historische Entwicklung des aschkenasischen Judentums in vielen Zügen richtig beschreibt.

Ich halte es auch für sehr bemerkenswert, daß die "Anti-Defamation-League" in den USA gleich nach Erscheinen der Bücher von Kevin MacDonald mehrere umfangreiche kritische Untersuchungen zu seinen Büchern in Auftrag gab, davon aber niemals etwas veröffentlichte, anstellen dessen aber - sozusagen - "grünes Licht" gab (d.h. freundliche Worte fand) für die parallele Studievon Gregory Cochran und Henry Harpending über die Evolution des aschkenasischen Intelligenz-Quotienten.

Im aschkenasischen Judentum ist also eine große Bereitschaft vorhanden, sich mit diesen Gedanken auseinander zu setzen und hier könnten viele bekannte Namen genannt werden (etwa Steven Pinker, Deborah Lipstadt, Abraham Foxman usw. usf.). So wird Joey Kurtzman nur etwas aussprechen, was auch viele andere denken werden, wenn er das Lesen der Bücher Kevin MacDonalds empfiehlt und dazu erläuternd sagt (in Übersetzung):

"... Juden benutzen natürlich nicht den Begriff 'gruppenevolutionäre Strategien'. Aber ich vermute, Kevin MacDonald würde sagen, daß in dem Ausmaß, in dem wir versuchen, auf Wegen zu handeln, die 'gut für die Juden' sind, oder auf denen wir arbeiten, um 'jüdische Kontinuität' sicherzustellen usw., daß wir dabei jene 'gruppenevolutionäre Strategie' (GES) verfolgen, die er behauptet. Für Juden, die diese Dinge sehr bewußt machen - und das sind sehr viele von uns, eingeschlossen meiner selbst - ist die Absicht eine ehrliche. Wie diese Strategie nun aufrecht erhalten wird? Nun, Kevin MacDonald weiß, daß es keine 'Weisen von Zion'-artigen Versammlungen gibt in einem Keller irgendwo in Brüssel oder in Borough Park (Broklyn, New York), in denen Juden ihre gruppenevolutionären Strategien organzisieren. Aber er sieht bestimmt eine wichtige Rolle für die jüdische Führung in all dem. Von den etwa 15 Millionen Juden in der Welt arbeitet nur ein sehr kleiner Anteil in jüdischen Organisationen. MacDonald behauptet, daß diese kleine Gruppe der organisierten Juden versucht, gemeinschaftliche Ziele unter der restlichen jüdischen Population zu verbreiten. Und natürlich stimmt all das - in offensichtlichster Weise. Jeder, der große jüdische Organisationen kennt, weiß, daß sie unglaublich hart arbeiten, um unter jungen Juden ein Gefühl für das jüdische Volk zu verbreiten und eine Verbundenheit mit gemeinschaftlichen Zielen."

Richard Dawkins weist ja ebenfalls in seinem neuen Buch "God Delusion" darauf hin, daß die aschkenasischen Juden noch heute herausstechen aus anderen Völkern in ihrer vergleichsweise geringen Geneigtheit, "gemischt-konfessionelle" Ehen einzugehen. Dies wäre sicherlich ein Hinweis darauf, daß die Arbeit der großen jüdischen Organisationen nicht ganz erfolglos ist.

Und Joey Kurtzman ist keineswegs der einzige Jude heute, der sich sagt: Warum sollen "gruppenevolutionäre Strategien", die über tausend Jahre lang humangenetisch erfolgreich gewesen sind, nicht auch weiterhin evolutionär gut und erfolgreich sein?

Die aschkenasischen Juden gelten derzeit als eine "Modellpopulation" für die genetische Forschung. Sollte es nicht naheliegend sein, sie auch ganz allgemein als ein denkbares Modell für künftige Humanevolution zu betrachten?

Das würde dann auch für andere Völker heißen, daß sie "gruppenevolutionäre Strategien" verfolgen würden, daß sie in ihrem eigenen Handeln danach fragen würden, was "gut ist für" - in unserem Fall - "die Deutschen" (und entsprechend: "die Finnen", "die Briten", "die Inuit" etc. pp.). Daß man also danach fragt: Was stellt die (genetische) Kontinuität eines (vor allem auch: meines) Volkes sicher? Wer die kulturelle und genetische Kontinuität eines Volkes bewußt untergräbt oder zerstört, begeht nach unseren modernen Rechtsgrundsätzen Völkermord. Da ist es naheliegend zu sagen, daß das gegenteilige Verhalten das nur allerbeste im Sinne von Humanevolution erachtet werden kann.

Und dementsprechend sind ja auch Eide und Gelöbnisse von Politikern und Soldaten traditionellerweise vor allem auf das Wohlergehen des eigenen Volkes bezogen. Wir haben von einem solchen Standpunkt aus viel Verständnis für die Überlebensinteressen kleiner oder größerer Völker oder Stämme in der Welt. Die kulturelle Vielfalt der Völker, ihrer Sprachen und Kulturen wird selbstverständlich als ein Wert angesehen. Wenn man nun noch einige moderne Erkenntnisse der Humangenetik dazu nimmt, die aufzeigen, daß (Human-)Evolution in wesentlichen Merkmalen Gruppen-Evolution ist, könnte auch das Berücksichtigen dessen, was "gut ist" für uns, "für die Deutschen", für ihre kulturelle und genetische Identität, ein wichtiges Handeln im Sinne künftiger Humanevolution darstellen.

Es geht mir in diesem Beitrag nur darum, diesen Gedanken überhaupt einmal zu formulieren, zur Diskussion zu stellen. Denn ich halte es schon fast für krass merkwürdig, daß im deutschen Sprachraum derartige Implikationen moderner Humangenom-Forschung mit tiefstem Stillschweigen bedeckt werden, gar nicht diskutiert werden. Dabei gibt es ja wohl kaum Naheliegenderes als sich mit solchen brisanten Gedanken zu befassen. Steven Pinker nannte sie die "gefährlichsten" der nächsten zehn Jahre.
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