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Montag, 23. September 2019

Im Jangtse-Delta entstand ein großes, begabtes Volk

Die Entstehung des chinesischen Volkes zwischen Früh- und Spätneolithikum

- Auch in Ostasien stand Rassemischung während des Neolithikums an der Wiege dreier großer heutiger Industrienationen der Nordhalbkugel

Die Ostasiaten sind - offenbar - das Produkt einer "geglückten", "gleichberechtigten" Völker-Vermischung einer vorneolithischen süd- und einer vorneolithischen nordasiatischen Völkergruppe - so wie die Indogermanen eine geglückte Vermischung einer südlichen (iranischen) Völkergruppe mit einer nordeuropäischen Völkergruppe sind. - Für Asien zeichnet sich insbesondere auch die Bedeutung der südchinesischen Amis (Taiwan) für die dortige Geschichte ab.

Vorbemerkung, nachträglich eingefügt am 16.2.2020: Die im folgenden Blogartikel erörterten Fragen habe ich inzwischen auch kurz angesprochen in einem Livestream, den ich am 15.2.2020 aufgenommen habe (ab 32'29):

Beginnen wir nun mit dem ursprünglichen Artikel: Nachdem wir die Geschichte der Bauernvölker Europas vor und nach der Ausbreitung der Indogermanen im Spätneolitikum durch die Archäogenetik der letzten vier Jahre in groben Zügen glauben verstanden zu haben, richtet sich mit um so größerem Interesse der Blick nach Osten, insbesondere nach China. Und die Frage entsteht: Wie hat sich dort alles verhalten? Ob dort parallele Vorgänge zu beobachten sind mit ähnlichen "Gesetzmäßigkeiten" und ähnlichen vielschichtigen geschichtlichen Vorgängen? Oder verlief dort alles "ganz anders" mit "ganz anderen" "Gesetzmäßigkeiten"? Im Zentrum der Geschichte Chinas stehen zwei Flüsse: der Gelbe Fluß im Norden und der Jangtse-Fluß im Süden. Beide Flüsse fließen in etwa 800 Kilometer Entfernung voneinander von Westen nach Osten. Am nördlichen Gelben Fluß wurde über Jahrtausende hinweg vornehmlich Hirse angebaut, am Jangtse bis heute vornehmlich Reis. Wir lesen auf Wikipedia (Wiki):

Vor 8000 Jahren dürfte südlich des Gelben Flusses der erste Ackerbau betrieben worden sein, eventuell begann man auch in Südchina etwa zur gleichen Zeit mit Ackerbau. (...) Es ist belegt, daß man in Nordchina vor 8000 Jahren mit dem Anbau von Hirse begann, die mit Steinsicheln geerntet und in getöpferten Schalen oder Dreifußbehältern aufbewahrt wurde. (...) Die Kulturen Südchinas weisen einen anderen Charakter auf als jene Nordchinas. Statt Hirse domestizierten die Menschen Südchinas den Reis; der älteste Nachweis von Nassreisanbau stammt aus Hemudu und ist 7000 Jahre alt. Es gibt Funde von Reis, die mit 11.500 Jahren ein deutlich höheres Alter aufweisen, hierbei ist es aber unsicher, ob es sich um gesammelten oder angepflanzten Reis handelt.

So wie im Vorderen Orient gesammelter wilder Einkorn-Weizen eine große Bedeutung für das dortige Bevölkerungswachstum hatte lange bevor dieser Einkorn-Weizen domestiziert wurde, so kann das natürlich auch für das Jangtse-Delta angenommen werden, bzw. deutet es sich an. An beiden Orten dürften sogenannte "Erntevölker" gelebt haben, die über Halbseßhaftigkeit zur vollen Seßhaftigkeit übergegangen sind. Geradezu lächerlicher Weise hat die Archäogenetik inzwischen nun zwar die Gene vorgeschichtlicher Menschen aus allen Kontinenten und fast aller Zeitstufen sequenziert - nur Menschen des chinesischen Großraumes aus dem Neolithikum sind bislang so gut wie nicht dabei. Eine neue Studie versucht deshalb, anhand der heutigen Herkunftsanteile der asiatischen Völker Licht ins Dunkle der Volkswerdung des chinesischen Volkes während des Neolithikums zu werfen (1):

Obwohl von archäogenetischen Daten aus den neolithischen Kernländern in China noch nicht in ausreichendem Maße berichtet worden ist, versuchen wir dennoch, ein allgemeines demographisches Verhaltensmuster aufzudecken, indem wir die genetische Vielfalt benutzen, die sich in heutigen Völkern und archäogenetischen Erkenntnissen von peripheren Räumen Ostasiens gewinnen läßt, und die als ein Anhaltspunkt genutzt werden können für weitere archäogenetische Studien über die demographische Dynamik des südlichen Ostasien.
Even though the ancient genomic data from the Neolithic farming heartlands in China have not been sufficiently reported yet, we still recover a general demographic pattern using both the genetic diversity preserved in present-day populations and ancient samples from peripheral regions of East Asia, which can be served as a foothold for further archaeogenetic studies on the demographic dynamic of the southern East Asia.

Wie wir heute wissen und wie auch hier auf dem Blog schon behandelt wurde (2, 3), haben die Menschen Nord- und Südchinas im Wesentlichen dieselbe genetische Herkunft. Diese genetische Herkunft besteht aus einem südasiatischen Herkunftsanteil (Stichwort "Amis" - wird noch erläutert), der sich auch bei Thailändern, Kambodschanern (Khmer) und vielen anderen südostasiatischen Völkern findet und aus einem nordasiatischen Herkunftsanteil (Stichwort "Devil's Cave" und "Ultschen") (2, 3), der sich auch bei Mongolen und vielen anderen nordasiatischen Steppenvölkern findet. Und so entsteht die große Frage: Wann und wie konnten sich eigentlich diese beiden Herkunftsanteile bei den Chinesen so gleichmäßig miteinander vermischen wie man sie heute bei ihnen vorfindet und wie sich sich dann in der Bronzezeit mit dem Reisanbau auch nach Korea und Japan ausbreiten konnte? Das bleibt vorerst eine der letzten großen zu klärenden Fragen der Archäogenetik.

In der Vorabveröffentlichung einer neuen Studie über die Herkunft der Völker Chinas findet sich nun eine schöne Grafik, die uns schon vieles zum Nachdenken gibt (Abb. 1) (1).

Abb. 1: Die Vorfahren-Anteile der Völker (Nord-)Asiens - Rot: Südchinesisch (Taiwan); Blau: Nordasiatisch; Dunkellila: Früh-Indogermanisch; Helllila: Namazga (Turkmenistan, wohl Turkvolk-Herkunft); Grün: Ur-Vietnamesisch (Hoabinien); Hellblau: Paläosibirisch (aus 1)

Diese Grafik ist Ausgangspunkt der folgenden Überlegungen und sei deshalb genauer erläutert. Schon in einem früheren Blogbeitrag haben wir auf das Fischervolk der Amis im Südosten von Taiwan hingewiesen, das aufgrund der entlegenen Lage auf der Insel Taiwan sich eine südchinesische, bzw. südostasiatische genetische Herkunft weitgehend unverfälscht erhalten hat, die in fast allen anderen Volksgruppen Asiens durch Vermischung mit nordchinesischen und anderen Herkunftsanteilen sozusagen "verfälscht" worden ist (2). In einem Blogbeitrag davor hatten wir auch schon danach gefragt, wie die Genetik der drei erfolgreichsten, IQ-stärksten Industrievölker Ostasiens zustande gekommen sein mag (3). Die Lösung dieser Frage rückt, so erahnt man mit dieser neuen Studie, nah und immer näher.

Wir sehen in der Grafik (Abb. 1) zunächst, worüber in unseren beiden genannten Beiträgen schon berichtet wurde, nämlich daß die Han-Chinesen (in der Grafik Abb. 1 ganz unten), sowie die Koreaner und Japaner (in der Grafik weiter oben) zusammen gesetzt sind aus einem nordasiatischen Herkunftsanteil ("Devil's Cave"/"Ultschen"; Blau) und einem südasiatischen Herkunftsanteil ("Amis"; Rot). Die archäologische Kultur der Hui hat zudem noch einen früh-indogermanischen Herkunftsanteil, ebenso die archäologische Kultur der (östlichen) Xiongnu. Den Tibetern und den Ureinwohnern Japans, den Jomon, fehlt allerdings der südchinesische Herkunftsanteil, der durch die Amis auf Taiwan repräsentiert wird. Dafür haben sie einen Ur-Vietnamesischen Herkunftsanteil, archäogenetisch bekannt aus der "Hoabinhian-Kultur" 12.000 bis 10.000 v. Ztr. in Vietnam (Wiki), der sich hinwiederum nicht (!) bei den heutigen Chinesen, Koreanern und Japanern findet. Daß es herkunftmäßige Verwandtschaft zwischen den Jomon und den Tibetern gibt, die zurück geführt werden kann auf die Frühzeit der Besiedlung Asiens durch anatomisch moderne Menschen, war ja schon in Andeutungen bekannt und davon war auch hier auf dem Blog schon gesprochen worden. Aber ob es schon früher Hinweise aus der Physischen Anthropologie, Sprach- oder Völkerkunde gab, daß Tibeter und Jomon zwar Vietnamesische, aber keine südchinesische (Amis-)Herkunft haben? Dieser Umstand könnte doch, so wird uns gerade bewußt, helles Licht werfen auf bislang noch sehr im Verborgenen liegende weltgeschichtliche Zusammenhänge.

Die Völker Ostasiens und ihre Herkunftsanteile - Eine neue Übersicht 

Hier deutet sich ja an, was sich auch für die Mittlere Wolga um 4.500 v. Ztr. andeutete: Die modernste Genetik des heutigen Ostasien mit (IQ von 105) konnte in Form der modernen Chinesen (Koreaner und Japaner) erst entstehen, als es zu einer "glücklichen", "gleichberechtigten" Kombination südchinesischer und nordchinesischer Genetik gekommen war. Das könnte in Parallele gesetzt werden zu einem ähnlichen Vorgang bei der Ethnogenese der Indogermanen um 4.500 v. Ztr. an der Mittleren Wolga, wo es zu einer "glücklichen", "gleichberechtigten" Kombination kaukasisch-neolithischer Bauern- und nordosteuropäischer Jäger-Sammler-Genetik gekommen war.*)

Ob so die Intelligenz-Evolution dieser beiden Völkergruppen auf der Nordhalbkugel im Zusammenspiel mit den Bauernkulturen des frühen fünften Jahrtausends, die sich von Süden her gen Norden ausbreiteten, erklärt werden kann?

Sind zwischen Gelbem Fluß und Jangtse zwei sehr unterschiedliche Völkergruppen aufeinander getroffen und ist aus dem Zusammentreffen dieser beiden sehr unterschiedlichen Völkergruppen einerseits am Gelben Fluß der seßhafte Hirseanbau und am Jangtse der seßhafte Reisanbau entstanden? Der Spielraum für denkbare Szenarien wird jedenfalls um so mehr Anhaltspunkte man zusammen trägt, kleiner.

Doch gehen wir zunächst erst einmal noch die Grafik (Abb. 1) einigermaßen zu Ende durch: Die archäologischen Kulturen der westlichen Xiongnu und die archäologische Kultur der Hunnen des Tianshan hatten den größten Anteil früh-indogermanischer Genetik dieser Zusammenstellung. Sie hatten grob eine ähnliche Herkunftszusammensetzung wie noch heute die Kalmücken, bei denen sich aber die Genetik stark in Richtung Überwiegen des nordasiatischen Herkunftsanteils verschoben hat seither. Auffälligerweise findet sich hier offenbar nirgendwo der südchinesische Amis-Herkunftsanteil. Falls es also überhaupt direkten Kontakt der indogermanischen Steppenvölker mit chinesischen Bauern gegeben hat, so hat dieser Kontakt keine umfangreichen Heiratsbeziehungen mit sich gebracht. Heiratsbeziehungen gingen die Indogermanen offenbar nur mit nordasiatischen Steppenvölkern ein, die noch keine Bauern der chinesischen Kultur im Engeren waren. Naheliegenderweise stammt der "nordchinesische" Herkunftsanteil dieser Steppenvölker also gar nicht von chinesischen Ackerbauern, sondern von Herdenhaltern nördlich des seßhaften China, die deshalb auch noch gar keine südchinesischen genetischen Anteile in sich aufgenommen hatten. Man spürt hier schon, wie dicht man der Lösung des Rätsels der Ethnogenese der Chinesen ist.

Die Mongolen hinwiederum haben den südasiatischen Herkunftsanteil, den auch die Chinesen haben, wenn auch nicht in dem Umfang wie die Chinesen. Andere genannte Steppenvölker weisen aber - wie gesagt - den nordasiatischen Herkunftsanteil der Chinesen auf aber keinerlei südasiatischen Anteil. Das könnte heißen, daß die Mongolen erst sehr spät aus Vermischung mit Chinesen entstanden sein könnten, während andere Steppenvölker schon zuvor entstanden waren aus Vermischung von Indogermanen mit rein nordasiatischen Steppenvölkern.

Wenn wir es außerdem recht verstehen, steht "Namazga" in Abb. 1 für Turkvolk-Herkunft. Allerdings wäre noch zu klären, ob die früheste Ackerbau-Kultur in Turkmenistan, nämlich die Namazga-Kultur (Wiki), wirklich eine ganz eigene, alte genetische Herkunftsgruppe repräsentierte, wie das hier nahegelegt scheint. Aber wir gehen einstweilen einmal davon aus.

Jedenfalls gewinnt man den Eindruck, daß die Amis-Herkunft sich erst - lange (?) - nach der ur-vietnamesischen Herkunft in Südasien ausgebreitet hat. Und da wäre es schon interessant, die Einzelheiten dieses Prozesses noch besser kennenzulernen. Und so sei noch einmal die Frage wiederholt: Ist diese südchinesische Amis-Herkunft der Herkunftsanteil jener Völkergruppe, die zuerst zum Ackerbau übergegangen ist in Asien, womit sie parallel gesetzt werden könnte zu den kaukasus- und anatolisch-neolithischen Völkergruppen in Europa und im Vorderen Orient?

Offenbar war es doch auch diese Amis-Völkergruppe, die so fortschrittlich und begabt war, daß sie nachmals zur Ausbreitung der ganzen austroasiatischen Völkergruppe im Südostpazifik Anlaß gab. Große Linien der Völker- und Weltgeschichte deuten sich hier an.**) Plötzlich bekommt diese südchinesische Amis-Völkergruppe für Asien eine ganz neue Bedeutung. Ihre Bedeutung für die Ethnogenese der drei großen heutigen ostasiatischen Industrienationen war ja bislang im Grunde entweder gar nicht bekannt oder machte man sich gar nicht so recht bewußt. Aber gerade diesem Herkunftsanteil scheint man ja die allergrößte Bedeutung zusprechen zu müssen. Wobei auch hier wieder gilt: Isoliert für sich genommen hatte sie nicht eine solche weltgeschichtliche Explosivkraft entfaltet als sie es dann tat in Kombination mit dem nordasiatischen Herkunftsanteil, was dann Bronzezeit, Achsenzeit und viele andere Folgewirkungen mit sich brachte.***)

Übrigens kann daran erinnert werden, daß auch die dritte Volksgruppe mit hohem Intelligenz-Quotienten, die aschkenasischen Juden Produkt einer "geglückten", "gleichberechtigten" Vermischung zweier sehr unterschiedlicher Herkunftsanteile zu sein scheinen, nämlich - grob gesprochen - der vorderorientalischen Herkunft und der - grob gesprochen - europäischen Herkunft. Ob wohl aus all dem eine allgemeinere Regel abgeleitet werden kann? Wie wir an zahllosen anderen Beispielen von Vermischungen sehen können, haben die wenigsten solchen Völkervermischungen solche immensen Folgen wie jene bei der Ethnogenese des chinesischen Volkes, wie jene bei der Ethnogenese der Indogermanen und wie jene bei der Ethnogenese der aschkenasischen Juden. Im Gegenteil: Insgesamt drängt die Weltgeschichte einem eher den Eindruck auf, daß Völker um so mehr an Begabung verlieren, um so mehr sie sich mit anderen vermischen - eben abgesehen von den bekannten genannten und sicherlich noch einigen weiteren - aber wenigen - Ausnahmen.

Wenn also seit dem Spätneolithikum neue Völkergruppen ("Rassen") auf der Nordhalbkugel entstanden, die auch noch die Hervorbringung der heutigen Industrienationen getragen haben, dann sind sie jeweils entstanden aus einer "geglückten", "gleichberechtigten" Vermischung zweier jeweils sehr unterschiedlicher genetischer Herkünfte. So viel darf sicherlich schon zu jetzigem Zeitpunkt als einigermaßen sicher festgehalten werden.

Es geschah das wahrscheinlich dadurch, daß die Verhaltensgenetik der einen Völkergruppe unter großem Streß in die Verhaltensgenetik einer völlig anderen Völkergruppe "integriert" wurde, daß beide miteinander "fusionierten", wobei viele genetische und kulturelle Anpassungsprozesse notwendig gewesen sein mögen, und wobei viel kulturelle und genetische Selektion dazu beigetragen haben mag, daß geglückte, erfolgreiche Produkte dabei heraus gekommen sind, die in folgenden Jahrhunderten und Jahrtausenden sehr erfolgreiche gruppenevolutionäre Strategien ausbilden sollten, Strategien, die noch heute allerorts auf der Erde besichtigt werden können (allerdings heute vielerorts auch Evolutionsstabilität verloren haben).

Große asiatische Völker wie die Vietnamesen oder die Kambodschaner (Khmer) gehören zu den austroasiatischen Sprachen (Wiki). Kleine Minderheitenvölker wie die Hmong in Südchina gehören zu der Hmong-Mien-Sprachfamilie (Wiki). Thailändisch gehört zu den Tai-Kadai- (Kra-Dai-)Sprachen (Wiki). Alle diese Völker weisen heute - obwohl unterschiedlichen Sprachfamilien angehörend - weit über 50 % südasiatische Amis-Herkunft auf (s. Abb. 1). Außer bei den südchinesischen Hmong weisen sie auch alle einen kleineren Anteil von Hoabinhian-Genetik auf. Diese Hoabinhian-Genetik hat aber keinen Einfluß auf das chinesische Volk genommen, was ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal der Chinesen von den genannten südasiatischen Völkern darstellt. Womöglich kann also als allgemeinere Regel festgestellt werden: Erfolgreich ist, wer sich vermischt, aber zugleich auch, wer sich nicht zu viel vermischt.

Die Thailänder und Kambodschaner weisen also - wie schon gesagt - einen kleinen Anteil Namazga-Genetik auf. Die Amis (Wiki) selbst sprechen nun wiederum eine Sprache der austronesischen Sprachgruppe (Wiki). Das ist ja auch naheliegend, denn sie wohnen im Ursprungsraum dieser südpazifischen Sprachgruppe mit ihrem riesigen Ausbreitungsraum, wobei das Austronesische kulturell auch Einfluß auf das Japanische genommen haben soll (wobei allerdings genetische Einflüsse kaum eine Rolle gespielt haben). Die ursprüngliche südchinesische "Amis"-Völkergruppe hat heute also Nachkommen in vier großen Sprachfamilien. Ob das auf bäuerliche Expansion vom Jangtsetal in alle Richtungen hin zurück geführt werden kann? Und ob Vergleichbares auch für andere Großgruppen (Völkergruppen) der Menschheit gesagt werden kann?

Die viel gesuchten "Geister-Populationen", die zur Ethnogenese des chinesischen Volkes beitrugen

In der Vorabdruck-Studie wird mit Bezug auf ein Zitat aus dem Buch von David Reich über jene "Geister-Population am Gelben Fluß, bzw. am Jangtse" ausgeführt, nach der die Archäogenetik derzeit sucht (1):

Die südlichen Han sind von ihrer Herkunft her angeordnet zwischen den nördlichen Ostasiaten und den südöstlichen Asiaten, was übereinstimmt mit der Theorie des "Geister-Volkes am Gelben Fluß, bzw. am Jangtse" und der Schlußfolgerung, daß die Han-Chinesen eine Vermischung beider vorgeschlagener Völkergruppen sind.
Original: Southern Hàn clusters between northern East Asians and Southeast Asians, consistent the “Yellow/Yangtze River Ghost Population” theory and the inference that Hàn Chinese is the admixture of both proposed populations.

Zu dieser Theorie finden wir im Internet die Angabe (LostFootsteps):

Das Geister-Volk am Gelben Fluß könnte eine Sprache gesprochen haben, aus der später das Burmesische, das Tibetische und das Chinesische entstand. Das Geister-Volk am Jangtse-Fluß könnte eine Sprache gesprochen haben, aus der später das Munda (in Indien), Mon, das Kambodschanische und das Vietnamesische entstand. Die Han-Chinesen entstanden wahrscheinlich aus einer Vermischung dieser beiden "Geister-Völker" um 3.000 v. Ztr..
Original: The Yellow River ghost population may have spoken a language ancestral to Burmese, Tibetan, and Chinese. The Yangtze River ghost population likely spoke a language ancestral to Munda (in India), Mon, Cambodian, and Vietnamese. The "Han" Chinese likely emerged from a mix of these two 'ghost' populations around 5,000 BP..
(Siehe auch: Anthropogenica 2018). 3.000 v. Ztr. ist sehr, sehr spät angesetzt. Auch könnte der Gedankengang noch viel zu schlicht formuliert sein. Man möchte doch eher vermuten, daß das chinesische Volk zu einer Zeit entstanden ist, als die Bevölkerungsdichte noch nicht so hoch war wie sie unter Bauernvölkern dieses Raumes um 3.000 v. Ztr. zwangsläufig gewesen sein muß. Sonst hätte sich doch die Genetik nicht so einheitlich über einen so großen Raum hinweg durchsetzen können. Jedenfalls: So einfach wie hier kann man es sich heute auch bei der Ethnogenese des Volkes der Urindogermanen nicht machen. Das könnte also auch in Ostasien noch deutlich komplexer gewesen sein als es hier im ersten Rätselraten vermutet wird. Vielleicht ist auch das folgende Detail noch weiterführend (1):
Es gibt eine enge Verbindung zwischen der materiellen Kultur des neolithischen Jangtse-Delta's und den späteren austronesischen, pazifischen Inseln.
Original: There is a strong bond between the material culture of Neolithic Yangtze Delta and later Austronesian Pacific islands.

Wenn auch die Ausbreitung des Austronesischen erst vergleichsweise spät einsetzte, deutet sich dennoch das Jangtse-Delta als ein Angelpunkt der Geschehnisse an. Ging hier um 10.000 v. Ztr. (?) ein Amis-Fischer-Volk zum Reisanbau über und breitet sich von dort aus mitsamt dem Reis-, bzw. Hirse-Anbau sehr schnell alle Richtungen hin aus? Was wohl da zwischen Gelbem Fluß und Jangtse geschah als zwei sehr unterschiedliche Kulturen und damit verbundene Begabungsgenetiken zusammen trafen?

"Hybrid fitness"?

In der Biologie ist ganz allgemein von der "hybrid fitness" die Rede (PlosGenetics2019). Dabei wird diskutiert, daß Mischlinge zwischen zwei Arten oder Unterarten einer Tier- oder Pflanzenart entweder evolutive Vor- oder Nachteile mit sich bringen können. Das wird auch unter Stichworten wie "Hybride" (Wiki, engl) und "Hybrid vigor" oder "Heterosis-Effekt" (Wiki, engl) oder "Heterozygote adventage" erörtert.

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*) In Tibet übrigens hat sich aus einer ursprünglicheren asiatischen Genetik heraus eine herrschsüchtige, männliche Priesterkaste gebildet, die parallel gesetzt werden kann zu der römisch-katholischen Priesterkaste in Euroopa, die schwerpunktmäßig ebenfalls aus einer eher ursprünglicheren europäischen Genetik hervorgegangen ist. Beide Priesterkasten schauen seit Jahrhunderten - im Verbund mit jeweiligen "Ultramontanen" - mit "Ressentiment" und Herrschsucht auf die fortschrittlicheren Völker im Norden ihrer jeweiligen Kontinente. Womöglich ist hier eine der tieferen, antreibenden Gegensätze der Weltgeschichte zu finden.
**) Zumindest dem Blogautor, andere mögen sie schon vorher erahnt haben, ohne daß der Blogautor davon etwas mitbekommen hat.
***) Auffällig, daß der Vorabdruck, auf den wir uns hier beziehen, obwohl er seit dem 9. August öffentlich ist, weder auf Twitter noch auf Facebook bis heute ein einziges mal scheint geteilt worden zu sein (1). Das ist doch sonst bei solchen Vorabdrucken nicht der Fall. Oder hatten alle potentiellen Leser und Blogger ebensowenig Zeit, sich diesen Vorabdruck bislang vorzuknöpfen wie der Autor dieser Zeilen?
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  1. Inland-coastal bifurcation of southern East Asians revealed by Hmong-Mien genomic history. By Zi-Yang Xia, Shi Yan, Chuan-Chao Wang, Hong-Xiang Zheng, Fan Zhang, Yu-Chi Liu, Ge Yu, Bin-Xia Yu, Li-Li Shu, Li Jin bioRxiv 730903, 9.8.2019; doi: https://doi.org/10.1101/730903, https://www.biorxiv.org/content/10.1101/730903v1.full
  2. Bading, Ingo: Die Indogermanen an der Nordgrenze Chinas - Neues über Yuezhi, Xiongnu, Weiße Hunnen und Skythen Zur Archäogenetik der Dsungarei - und des benachbarten Tarim-Beckens, 10. August 2019, https://studgendeutsch.blogspot.com/2019/08/die-indogermanen-der-nordgrenze-chinas.html
  3. Bading, Ingo: Die Intelligenz-Evolution der Völker weltweit - Mit und ohne "genetic replacement" Im Vorderen Orient und in Ostasien gab es viel genetische Kontinuität seit 10.000 Jahren, in Europa nicht, 9. Mai 2019, https://studgendeutsch.blogspot.com/2019/05/intelligenz-evolution-mit-und-ohne.html
  4. Bading, Ingo: Wie evoluiert die Intelligenz? Livestream vom 15.2.2020, https://youtu.be/WmKpAvLsp3I?t=1948

Montag, 16. September 2019

Krieger oder Zweifler - Was bist du?

Schau Dir Dein COMT-Gen an!
Nämlich: das SNP rs4680

Aus der Reihe "Meine Gene", Teil 10

Ein guter Bekannter, der in der Prignitz, das heißt im Norden des Bundeslandes Brandenburg, wohnhaft ist, wo vermutlich auch seine Vorfahren lebten, hat sich von meinen Veröffentlichungen dazu anregen lassen, seine Gene sequenzieren zu lassen. Dabei ist er auf spannende Ergebnisse gekommen, die es ihm erleichtern, seine Persönlichkeitsstruktur zu verstehen. 

Auch mir selbst wird dadurch erleichtert, die Persönlichkeitsstruktur von Mitmenschen zu verstehen, nachdem ich begonnen habe, mich mit dem von ihm entdeckten Thema zu beschäftigen.

Abb. 1: Unter den Europäern gibt es mehr "Zweifler" (A/A) als unter den Afrikanern und Asiaten (1)

Die Geschichte beginnt im Mai dieses Jahres, da hatte er mir geschrieben:

Hallo Ingo, ich habe meine DNA-Ergebnisse von myheritage nun bekommen und war gleich hellauf begeistert, über die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben können. 

Und dazu führte er noch einiges weitere aus.*) Heute aber, im September dieses Jahres, schreibt er mir:

Hallo Ingo,

ich habe jetzt meine ganze Familie bei myheritage analysieren lassen. Die Ergebnisse der Herkunft sind spannend, aber die Erforschung der eigenen SNPs sind auch sehr interessant und aufschlußreich. Und nun komme ich auch gleich zu meinem Anliegen. Ich habe mich jetzt ausgiebig mit dem SNP rs4680 beschäftigt. Dieses SNP ist Teil des COMT Gens, welches für ein Enzym kodiert, das den Dopaminabbau im präfrontalen Kortex steuert. Ich bin Träger der "Risikovariante" AA. Das heißt, daß die Fähigkeit des COMT-Enzyms nur eine Leistung von 25% gegenüber der GG Variante besitzt. AA Träger sind für Depression, Angsterkrankung und Streß anfälliger, da das Dopamin dafür sorgt, daß besonders nach streßreichen Erlebnissen die Gedanken länger um diese kreisen und sich eine Grübelstimmung einstellt. Rumination und Perseveration sollen hier als Stichwörter erwähnt sein. Dem gegenüber stehen die GG Träger, welche schneller wieder auf andere Gedanken kommen können.

Die GG und AA Träger werden deshalb auch als Warrior (Krieger) (GG) und Worrier (Zweifler) (AA) bezeichnet. Dieses SNP ist ein in seiner Wirkung sehr gut erforschtes SNP, deshalb gäbe es noch viel mehr zu erwähnen. Du bist übrigens AG Träger. Das habe ich bei OpenSNP nachgeschaut. Der Wildtyp ist übrigens GG. Interessant ist auch die Verteilung von rs4680 in der Bevölkerung. In europäischen Völkern gibt es eine gleichmäßige Verteilung von je 25% für AA und GG, und 50% für AG. In Afrika dagegen ist die AA Variante nur zu knapp 9% verbreitet. Dafür überwiegt die GG Variante mit etwa 53% (1; Graphik unten auf der Seite).

Nun habe ich mir Gedanken zur gesellschaftlichen Bedeutung dieses SNP gemacht. Du bist ja ein Mensch, der das Christentum eher abzulehnen scheint. Ich bin ihm recht aufgeschlossen gegenüber. Das liegt nicht zuletzt an seiner Tiefgründigkeit, die bei intensiverer Betrachtung zum Vorschein kommt. Auch hier gäbe es viel zu sagen, doch ich will mich nur auf einige Beispiele beschränken. Die Beichte setzt ein intensives Auseinandersetzen mit sich und seinen Taten voraus, welches wohl durch ein Wiederkauen von Gedanken an das eigene Fehlverhalten begünstigt wird. "Mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa" (meine Schuld, meine Schuld, meine große Schuld) wird in der katholischen Kirche oft von den Gläubigen bekannt. In Österreich soll sich noch der Brauch erhalten haben sich dabei auf die eigene Brust zu schlagen.

Deshalb glaube ich, daß sich das Christentum besonders in Europa ausbreiten konnte, weil es eben in seiner Philosophie ganz besonders 25% der Bevölkerung in deren mentalen Verfassung ansprechen konnte. Die ersten Christen in Rom mußten sich aus Angst vor Verfolgung in den Katakomben treffen. Und überirdisch wurden die Gladiatorenkämpfe bejubelt. Zwei völlig unterschiedliche Empfindungsebenen lassen sich so erkennen. Der lebensfrohe, ungestüme Welteroberer und der in sich gekehrte, selbstreflektierende Denker. Eben der Warrior und der Worrier. Meine Theorie ist nun, daß dieses SNP weit mehr zur Geschichte Europas beigetragen hat, als uns bewußt ist. Geschichte ist stets eine Verschiebung der Macht gewesen, doch oftmals kamen auch neue Gedanken mit den neuen Mächten. Insbesondere die Verdrängung der europäischen Kulturen durch den christlichen Glauben und wieder die Abkehr von demselben durch die Aufklärung, aber auch durch Ideologien, wie dem Kommunismus, der die Tat der Arbeit und nicht das Gebet als Schlüssel zum Heil pries.  Vielleicht ist dieses SNP, womöglich unter vielen anderen, ein ewiger potentieller Auslöser für Zwist im eigenen Volk. Gerade auch, weil es quantitativ so ausgewogen ist und unserem Volk einen manisch-depressiven Charakter zu verleihen scheint. Was hältst du von meinen Gedanken?

Diese Gedanken finde ich außerordentlich spannend. Als erstes möchte ich dazu bemerken, daß es auch umgekehrt gewesen sein kann, daß nämlich die Einführung des Christentums es begünstigt haben könnte, daß Menschen mit AA kinderreicher waren im Verhältnis zu Menschen mit GG. Womöglich könnte eine solche These schon anhand der Daten der Wikinger-Studie, die in diesem Sommer veröffentlicht wurde, und über die hier auf dem Blog schon berichtet wurde (2, 3), überprüft werden. Wäre dies nicht durch die Einführung des Christentums bewirkt worden, müßte es ja andere Selektionsfaktoren geben, die es bewirkt haben, daß in Europa und Indien der Anteil der AA-Zweifler größer ist als in Afrika und Asien.

/ Einfügung 15.6.2026 / Zu der Thematik des vorliegenden Blogartikels gibt es inzwischen einen ganz neuen Wissensstand (s. Piffer2026). Aufgrund dieses Wissensstandes ist heute bekannt, daß die Met-Variante des COMT-Genes im Mesolithikum bei den Jägern und Sammler Nordeuropas sogar zu 100 % verbreitet war, während nur 30 % der ersten Bauern Europas diese Met-Variante mit nach Europa herein brachten. Diese Met-Variante ist also etwas so typisch Nordeuropäisches wie auch die blaue Augen- und blonde Haarfarbe. Durch diesen neuen Wissensstand erübrigen sich die Erörterungen im vorliegenden Blogartikel keineswegs. Denn es ist noch in keiner Weise geklärt, warum die Häufigkeit der Met-Variante in Nordeuropa nach der Eiszeit so häufig war wie sie sonst nirgendwo in der Welt war oder ist. / Ende Einfügung /

Gibt es einen Zusammenhang mit Religiosität?

In einer weiteren Zuschrift ergänzte er:

Ich habe meine Theorie, daß rs4680 auf die religiöse Geschichte Europas Einfluß hatte, untermauern wollen und bin auf den Gedanken gekommen, bei OpenSNP die OpenHuman Sammlung von Rohdaten nach rs4680 zu durchsuchen und das Ergebnis in Verbindung mit den Angaben der Nutzer zu ihrer religiösen Einstellung zu bringen. Ich habe mir etliche Rohdatensätze heruntergeladen und diese dank einiger Konsolenbefehle meines Linuxsystems schnell nach dem SNP durchsuchen können. Das Ergebnis möchte ich dir gerne mitteilen.

Als erstes interessierten mich die SNPs derer, die sich selber als Atheisten bezeichnet haben. Ich konnte 110 Datensätze verwenden. Das Ergebnis lautet:

GG 38 (34,5%)
AG 43 (39,0%)
AA 29 (26,4%)

Auch wenn das noch zu wenig Datensätze sind, um eine klare Aussage zu treffen, so gibt es eine klare Verschiebung der Häufigkeit nach Richtung GG. So wie ich es erwartet habe. Als nächstes schaute ich nach den bekennenden Christen. Leider waren nur 15 Datensätze verwendbar. Das Ergebnis lautet:

GG 2 (13,3%)
AG 8 (53,3%)
AA 5 (33,3%)

Auch hier bestätigte sich mein Verdacht. Die Agnostiker machen 26 Datensätze aus. Das Ergebnis lautet:

GG  6 (23,1%)
AG 12 (46,2%)
AA  8 (30,8%)

Agnostiker sind in meinen Augen Menschen, die offen für Religion und Spiritualität sind, sich aber aus den verschiedensten Gründen nie für eine Religion entscheiden konnten. Sie sind daher religiösen Menschen eher zuzuordnen, als bekennenden Atheisten. Wenn man die Gruppen jetzt einteilt in strenge Atheisten, deren Religionsablehnung ein klares Bekenntnis zur Ungläubigkeit ist, und auf der anderen Seite und Christen und Agnostiker als Spiritualität Suchende, so kommt die Gruppe der Christen und Atheisten zusammen auf folgendes Ergebnis für 41 Datensätze:

GG  8 (19,5%)
AG 20 (48,8%)
AA 13 (31,7%)

Auch hier ist eine klare Tendenz Richtung AA zu erkennen. Die letzte und ebenfalls wichtige Gruppe, ist die derjenigen, die bei Religion einfach No angegeben haben. Quasi die Personen, denen Religion egal ist, die keinen Glauben, auch nicht den Glauben des Unglaubens der Atheisten. Denn in dieser Gruppe ist die Verteilung so, wie das SNP in der Bevölkerung verteilt ist. 33 Datensätze ergeben:

GG  8 (24,2%)
AG 16 (48,5%)
AA  9 (27,3%)

Ich werde demnächst noch Datensätze nach dem Punkt spirituelles Interesse durchsuchen. Bin schon auf die Ergebnisse gespannt.

Wenn mein Bekannter so weiter macht, sollte er sich mal an die eine oder andere deutsche Forschungsgruppe wenden, die ähnliche Anliegen verfolgt. Ich halte diese Forschungsansätze allemal für wert, daß man ihnen weiter nachgeht. Die Anregung, sich mit rs4680 zu beschäftigen, erhielt er übrigens hier (5) (ab Minute 20).

Ich selbst habe AG, ebenso meine Mutter und meine Tochter. Die Mutter meiner Tochter hat allerdings GG. (Vielleicht paßt das zu dem Umstand, daß letztere im Gegensatz zu mir 18 % südeuropäische Gene hat und sogar 1,7 % afrikanische Gene. 15 % südeuropäische Gene hat aber auch meine Mutter**)).

Eine iranische Studie aus dem letzten Jahr fand bei 100 an Schizophrenie Erkrankten und 100 bipolar Erkrankten einen deutlichen Zusammenhang zwischen SNP rs4680 und Schizophrenie (4):

AA- Schizophrenie: 94      Bipolar: 67      Kontrollgruppe: 74
GG                            0                   10                                 1
AG                           6                    23                                25

Sonderbar ist allerdings der hohe Anteil von AA in den 100 psychisch Gesunden der Kontrollgruppe. Ob dieser typisch ist für den südwestlichen Iran? Die Forscher schreiben noch dazu (4):
Viele Wissenschaftler haben den rs4680-Polymorphismus des COMT-Genes studiert. Die Verbindung der Variante mit Schizophrenie ist komplex und könnte auch von der genetischen Substruktur menschlicher Populationen beeinflußt sein.
Many researchers have studied the rs4680 polymorphism of COMT gene. The association of this variant with SCZ is complex and might be influenced by genetic substructure of human populations (Glatt et al., 2003).

Neulich im Radio übrigens hörte ich ein Interview zum Thema Angst, das ich ganz interessant fand (6). Insbesondere das Beispiel mit dem Boxer darin ab Minute 6 fand ich interessant. Hier geht es darum, daß auch Ängste und Zweifel in etwas Produktives umgewandelt werden können, bzw. vielleicht gerade erst diese. Und dazu fällt mir ein, daß es nach einer Forschungsstudie von vor allerhand Jahren in Ostasien viel mehr genetische Anlagen zu Depression gibt als in Europa, tatsächlich erkrankt sind an Depression aber viel mehr Menschen in Europa als in Asien. Die vertretene Forschungsthese dazu lautet: Die hohe Veranlagung zu Depression führt zur Ausbildung einer Kultur in Ostasien (der Konsenskultur), die dafür sorgt, daß die Menschen ihre Depression besser im Griff behalten können (nun, traditionell zumindest, in jüngster Zeit vielleicht auch nicht mehr so). Da bei uns es aber gar nicht eine SO starke Neigung zu Depression gibt wie in Asien, geht unsere Kultur viel sorgloser damit um.

Auch solche Zusammenhänge sollte man im Auge behalten, auch bezüglich des Themas genetische Veranlagung zu Angst und Zweifel.

Es gibt einen Zusammenhang mit Chronischer Erschöpfung

Ergänzung 5.2.23: Menschen mit dem Zweifler-Gen AA haben auch eine angeboren erhöhte Neigung, an chronischer Erschöpfung (CFS) zu erkranken (8):

In Studien mit Fibromyalgie- und CFS-Patienten wurde gezeigt, daß Träger von Sequenzvarianten in den Genen der Catechol-O-Methyltransferase (COMT) und/oder des Serotonintransporters (SLC6A4) signifikant häufiger an Symptomen dieser Krankheiten leiden. 

Und (8):

Der COMT Polymorphismus hat Einfluß auf antipsychotische Therapien insbesondere bei Therapie mit einigen Wirkstoffen der Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI). Darüber hinaus wird über ein gesteigertes Schmerzempfinden bei Trägern der Genvariante berichtet und steht in Zusammenhang mit Symptomen aus dem Formenkreis der Fibromyalgie und des chronischen Erschöpfungssyndroms.

In der israelischen Studie, auf die man sich dabei bezieht, heißt es zunächst (9):

Der val/val-Genotyp zeigt die höchste Aktivität von COMT auf, der met/met-Genotyp zeigt die niedrigste Aktivität von COMT auf, mischerbige Individuen stehen dazwischen. Diese Genotypen sind in Zusammenhang gebracht worden mit einer Reihe von Verhaltenskrankheiten, die komplexe Ursprünge aufweisen.
The alleles are codominant so that individuals with the val/val genotype have the highest activity of COMT, those with the met/met genotype have the lowest activity of COMT, and heterozygous individuals are intermediate. The val 158 met genotypes have been linked to a number of behavioural diseases of complex etiology.

val/val steht also für G/G, met/met steht für AA.

Bei den 208 weiblichen Fibromyalgie-Patienten, die an der Studie teilnahmen, war der val-Genotyp in der gleichen Häufigkeit vertreten wie der met-Genotyp. Das heißt, es gab mischerbige und es gab reinerbige. Aber unter den Reinerbigen gab es ebenso viel GG wie AA.

Bei der Kontrollgruppe hingegen, die aus 186 weiblichen Verwandten ersten Grades der 208 untersuchten Fibromyalgie-Patientinnen bestanden, gab es 61 % val-Genotypen und nur 39 % met-Genotypen. Das heißt, der Anteil der reinerbigen GG-Genotypen (met/met-Genotypen) war bei ihnen deutlich erhöht gegenüber dem Anteil der AA-Genotypen. Oder in anderen Worten (9):

Die met/met und met/val-Genotypen zusammen genommen waren unter den Patientinnen häufiger als in der Kontrollgruppe. Die val/val-Genotypen waren unter den Patientinnen deutlich niedriger als in der Kontrollgruppe.     
The met/met and met/val genotypes together were more highly represented in patients than controls (p=0.024). In addition, val/val genotypes in patients were significantly lower than in the control groups (p=0.04).

Außerdem: Während Patientinnen mit dem met/met-Genotyp auf einer Schmerz-Skala von 0 bis 10 durchschnittlich von 9 Schmerz-Punkten berichten und Patientinnen mit dem val/met-Genotyp von 8,8 Punkten, berichten die Patientinnen mit dem val/val-Genotyp nur von 6,5 Schmerz-Punkten. Wenn solche Menschen - zum Beispiel als Krebs-Patienten - mit Morphium behandelt, dann brauchen allerdings die met/met-Patienten weniger Morphium als die val/val-Patienten (9):

Patienten mit dem val/val-Genotyp brauchten mehr Morphium vergleichen mit Patienten des val/met- und des met/met-Genotyps.
Patients with the val/ val genotype needed more morphine when compared to the val/met and the met/met genotype groups.  

Das scheint zunächst im Widerspruch zu den anderen Ergebnissen zu stehen. Es wird von den Forschern aber dahingehend interpretiert, daß met/met-Patienten schneller, weil sensibler auf Morphium reagieren.

Worin vielleicht implizit schon ein allgemeinerer Heilungsweg enthalten ist: Solche sensiblen Zweifler-Menschen könnten eben auch ganz allgemein nicht nur auf schmerzverstärkende, sondern auch auf schmerzdämpfende Umwelteinflüsse leichter, schneller reagieren. Wofür man im Umgang mit Menschen dieser Erbeigenschaft auch mancherlei Anhaltspunkte finden mag. Es mag unseres Erachtens deshalb sinnvoll sein, dieses Gen nicht das "Zweifler-", sondern das Sensibilitäts-Gen zu nennen.

Ergänzung 17.11.25: Es gibt einen Aufsatz von Davide Piffer, der das hier behandelte Thema 2013 aufgegriffen hat. Wir haben schon seit einem Jahr einen weiteren Blogartikel in Arbeit, in dem das Thema weiter geführt werden soll. 

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*) Er schrieb allgemeiner weiter, deshalb kann es in eine Anmerkung gesetzt werden:
Da du es warst, der mich damals erst auf diese kostengünstigen Anbieter aufmerksam gemacht hat und es dich wahrscheinlich ebenfalls interessieren wird, möchte ich dich auch gerne an meinen Ergebnissen teilhaben lassen. Meine Herkunft schlüsselt sich folgendermaßen auf: 37,6 % Engländer, 21,1 % Nord- und Westeuropäer, 16,8 % Balkanbewohner, 16,4 % Balte und 8,1 % Skandinavier. Eine Mischung, mit der ich sehr gut leben kann. Ich selber hatte mit einem größeren osteuropäischen Teil gerechnet. Deshalb hat mich der englische Anteil völlig überrascht. Mir sind nicht einmal englische Verwandte bekannt.
Nun, da die Angelsachsen vor 1.300 Jahren aus Angeln (Dänemark) und Sachsen zu den britischen Inseln ausgewandert sind und dort bis heute leben, sind sie eben insgesamt recht deutlich mit uns Deutschen verwandt, so möchte man meinen. Auch mit uns Deutschen in Ostelbien, die viele Vorfahren haben, die im Hochmittelalter aus den Niederlanden oder von Flandern aus in das Land östlich der Elbe auswanderten (wo es ja noch heute den "Fläming" gibt). 
**) Die u.a. von niederösterreichischen Bauern und der venezianischen Adelsfamilie Nobile Cicogna abstammt.
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  1. https://www.selfdecode.com/snp/rs4680/
  2. Bading, Ingo: "Polygenetische Risiko-Faktoren" vor 1.000 Jahren - Die Nachfahren der Wikinger blieben sich genetisch gleich in Skandinavien bist heute. 20. Juli 2019, https://studgendeutsch.blogspot.com/2019/07/polygenetische-risiko-faktoren-vor-1000.html
  3. Bading, Ingo: https://studgendeutsch.blogspot.com/2019/09/wikinger-gene-in-elite-grabern-gropolens.html 
  4. Genetic Variations of DAOA (rs947267 and rs3918342) and COMT Genes (rs165599 and rs4680) in Schizophrenia and Bipolar I Disorder. Leila Ahmadi, Seyed Reza Kazemi Nezhad, Parisima Behbahani, Nilofar Khajeddin, and Mehdi Pourmehdi-Boroujeni. Basic Clin Neurosci. 2018 Nov-Dec; 9(6): 429–438. Published online 2018 Nov 1. doi: 10.32598/bcn.9.6.429, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6359688/ 
  5. Genetische Programmierung - Wie Gene unsere Persönlichkeit beeinflussen. Doku 2015, 11.12.2015, https://youtu.be/z6w678W3p30
  6. Gregor Eisenhauer, Schriftsteller und Nachrufschreiber  ... zu seinem neuen Buch "Wie wir die Angst vor der Angst verlieren". 05.08.2019, https://www.rbb-online.de/rbbkultur/radio/ programm/schema/sendungen /rbbkultur_am_nachmittag/archiv/ 20190805_1505/zu_gast_ 1610.html 
  7. Gregor Eisenhauer: Wie wir die Angst vor der Angst verlieren. Furchtlos in sieben Tagen. DuMont Verlag, 2019 
  8. Schnakenberg, Eckart: Genetische Disposition bei MCS/CFS/Fibromyalgie. IPgD Institut für Pharmakogenetik und genetische Disposition, Peine, https://www.ipgd-labore.de/institut-leistungsspektrum/genetische-disposition/mcs-cfs-fibromyalgie/mcs-cfs-fibromyalgie.html und: https://www.ipgd-labore.de/institut-leistungsspektrum/analysen-a-z/c115/catechol-o-methyltransferase/
  9. Cohen H, Neumann L, Glazer Y, Ebstein RP, Buskila D. The relationship between a common catechol-O-methyltransferase (COMT) polymorphism val(158) met and fibromyalgia. Clin Exp Rheumatol. 2009; 27:51-6 (pdf
  10. Piffer, Davide: Correlation of the COMT Val158Met polymorphism with latitude and a hunter-gather lifestyle suggests culture-gene coevolution and selective pressure on cognition genes due to climate. In: Anthropological Science, 2013, Volume 121, Issue 3, Pages 161-171, Released on J-STAGE December 25, 2013, Advance online publication September 14, 2013, https://www.jstage.jst.go.jp/article/ase/121/3/121_130731/_html/-char/en

Montag, 15. Mai 2017

Meine Gene, Teil 2: Sportliche Befähigungen

/ Dieser Aufsatz erscheint 
in Fortsetzungen. Dies ist Teil 2
Hier --> Teil 1 und Teil 3. /

Von der kanadischen Firma BioMD Genetics wurde mir kürzlich freundlicherweise und kostenlos eine Auswertung meines sequenzierten Genoms in Bezug auf die Lebensbereiche "Sport und Fitneß" zugestellt.

Abb. 1: Rückentraining (Wiki) (Symbolbild)

Dies kam dadurch zustande, daß ich mein sequenziertes Genom (GA-j!, 13.5.2016) unter anderem auf OpenSNP öffentlich zur Verfügung gestellt hatte (OpenSNP). Über dieses Portal hatte ich dann vor einer Woche die genannte Auswertung erhalten, verbunden mit der Frage:

Darf ich Sie freundlich darum bitten, mir Ihre Meinung über diese Auswertung zukommen zu lassen? Finden Sie sie nützlich? Sind Sie interessiert an anderen Auswertungen?
Original: "I kindly ask you to provide me with your opinion about this report? Do you find it useful? Are you interested in other reports?"

Ergänzung: Nachdem ich Ende 2018 das Buch "Blueprint" von Robert Plomin gelesen habe über die polygenetische Revolution, lese ich die folgenden Zeilen noch mit größerer Anteilnahme wieder. Denn so genau wie für Sport und Fitneß man aus den Genen das Leben voraussagen kann, so genau wird man es schon in kurzer Zeit - so sagt Plomin - auch für Schulleistungen voraussagen können (also Intelligenz).

Wie nützlich solche Voraussagen sind, ist ja erst die zweite Frage. Die erste Frage ist vielmehr: Wie treffend sind sie? Wie genau kann man aus dem Genotyp den Phänotyp vorher sagen. Und ich muß sagen, daß ich sehr erstaunt bin, wie genau das diese Auswertung in Bezug auf "Sport und Fitneß" - was meine Person betrifft - kann.

Als Deutscher, der wenig mit Leistungssport am Hut hat, muß ich mir allerdings viele in der Auswertung enthaltene englische sportwissenschaftliche Fachbegriffe erst ins Deutsche zurück übersetzen. Das erleichtert die Lektüre nicht gerade. Aber da kann ich ja auch gleich einen Blogartikel darüber schreiben und damit eine Ergänzung geben zu dem früheren Blogartikel zu dem selben allgemeinen Thema (GA-j!, 13.5.2016) (unten folgen dann die etwas neu gegliederten Ausführungen des alten Blogartikels vom letzten Jahr).

Es steht in meinen Genen: Der geborene Sportler bin ich nicht

Was mir selbst schon seit langem bekannt ist, darin werde ich durch diese neue Auswertung überraschend bestätigt: Der geborene Sportler bin ich nicht, überhaupt nicht. Es ist doch sehr erstaunlich, daß die Firma BioMD Genetics das herausbekommt, ohne mich selbst im geringsten zu kennen, nur dadurch, daß sie meine Gene kennt. Es wird erkennbar, daß man aus den Genen allerhand Persönliches heraus lesen kann, was kaum ein anderer Mensch so genau über mich weiß wie ich selbst, ja, sogar Dinge, die noch nicht einmal ich selbst bislang wußte oder wissen konnte. Aber zunächst einmal vielen Dank nun auch für die schriftliche Bestätigung, daß ich nicht der geborene Sportler bin. So unverfroren ist mir das bislang noch nie gesagt worden. Aber erklärt das in der Rückschau nicht so manche meiner Lebensstationen? In dem Bericht heißt es einleitend zur Erläuterung: 

Wir machen eine Angabe über ihre genetischen Voraussetzungen für eine bestimmte Gruppe von Sportarten, indem wir Medaillen benutzen. Die größte Zahl von Medaillen ist vier, das Minimum eine. Je größer die Zahl der Medaillen, um so größer ist Ihre genetische Voraussetzung dafür, ein erfolgreicher Sportler in der jeweiligen Gruppe von Sportarten werden zu können.
Orginal: "We indicate your genetic predisposition to a particular group of sports using medals. The maximum number of medals is 4, the minimum is 1. The higher the number of medals, the higher your genetic predisposition is to be a successful athlete in this group of sports."

Liegt nun bei dem Schreiber dieser Zeilen auch nur irgendeine genetische Voraussetzung vor, die es wahrscheinlich macht, daß er auch nur in irgendeiner Sportart ein erfolgreicher Sportler werden könnte? - Nein! :-) Für keinen der ausgewerteten Sportbereiche bekommt der Verfasser dieser Zeilen vier Medaillen, auch für keinen drei Medaillen, für keinen zwei Medaillen. Immerhin: für sieben der 23 behandelten Sportarten erhält er eine Medaille. Dies sind: (Straßen-)Radrennen, Skifahren Biathlon, Schwimmen auf lange Distanzen, sowie Schwimmen auf kurze Distanzen, Eishockey, Tennis und Fußball. Und BioMD Genetics fragt mich, ob ich diese Ergebnisse nützlich finde.

Ich finde sie gar nicht einmal nützlich, das ist zunächst einmal gar nicht die Frage. Sondern ich finde meinen Phänotyp erstaunlich genau voraus gesagt, nur allein anhand meiner Gene: Ich fahre gerne Fahrrad, ich war bei der Bundeswehr bei den Gebirgsjägern, wo ich immer gerne Ski gefahren bin, auch gerne geschossen habe (wie schon zuvor eine Weile im Schützenverein) (Biathlon). Ich schwimme durchaus gerne, traue mir aber keineswegs irgendwelche Geschwindigkeits-Leistungen zu, weder auf kurze, noch auf lange Distanzen. (Vielleicht sollte ich mich von dieser Auswertung dazu ermutigen lassen!?!) Da ich mit etwa 10 Jahren immer nur auf der Ersatzbank saß beim örtlichen Fußball-Verein, habe ich diese Sportart ganz schnell wieder aufgegeben.

Die Ergebnisse werden übrigens unter anderem dadurch gewonnen, daß man schaut, ob man selbst Gensequenzen hat, die Leistungssportler in einer bestimmten Sportart überdurchschnittlich häufig, bzw. unterdurchschnittlich wenig häufig aufweisen. In dem Bericht gibt es bislang Auswertungen für die Bereiche

  • Muskelkraft (power)
  • Ausdauer (endurance)
  • körperliche Besonderheiten wie:
  1. angeborene Neigung zu Muskelfaserriß
  2. angeborene Neigung zu beeinträchtigtem Schlaf-Wach-Rhythmus
  3. angeborenes Verhältnis von Östrogen zu Testosteron
  4. angeborene Muskelkontraktionskraft (für Springen, Werfen, Boxen etc.)
  5. angeborene Stoffwechsel-Reaktion für Ausdauer-Training (aerobes Training)
  6. etwaige angeborene Beeinträchtigungen hinsichtlich von anaerobem Training (Höchstkraft-Training)
  7. Neigung zu Muskelvergrößerung (muscle hypertrophy) nach einem Training
  8. angeborenes Verhältnis der weißen (schnellen) zu den roten (langsamen) Muskelfasern (s. Wiki)
  9. angeborene Maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) (Wiki) (eine hohe ist gut für Ausdauersportarten)
  • Verletzungsrisiken
  • Neigung zu Sehnenschäden (Tendonopathie)
  • Neigung zu leichter Gehirnerschütterung (concussion) (wichtig für Boxsport)
  • Neigung zu traumatischer Gehirnerkrankung (Enzephalopathie) (wichtig für Boxsport)
  • .... / noch einiges andere / 
  • Neigung zu Arthrose (Osteoarthritis)

Zum Schluß werden dann Vorschläge gemacht, wie man in einer bestimmten Sportart trainieren soll. Das muß man sich noch genauer anschauen. Es soll an dieser Stelle auch nicht über alle Details aus diesem hoch interessanten Bericht referiert werden.

Jedenfalls: Nach dieser Auswertung wird mir eine mäßige Begabung für eine von fünf Sportarten im Bereich Schnelligkeits- und Kraftsport zugesprochen, nämlich - wie schon in der Kurzaufzählung gesagt - für Schwimmen auf kurze Distanzen. Als gar nicht begabt werde ich hingegen erachtet für: Kurzstreckenlauf, Werfen, Kurzstrecken-Eislauf und Gewichtheben. (Wie wahr! Als Kind läßt man sich ja im Sport nicht so leicht die gute Laune verderben, welche Leistung man auch immer hat. Aber unbehaglich, glaube ich, war es mir schon, daß ich hier selten irgendwo habe glänzen können.)

Eine mäßige Begabung wird mir zugesprochen für drei von sieben Sportarten in Mannschafts- und Kampfsportarten, nämlich für: Fußball, Eishockey und Tennis. Gar nicht für Boxen, Handball, Fechten und Ringen. - Es hat mich immer ein bisschen geärgert, daß ich auch bei Volleyball und Basketball nie mich selbst befriedigend genug mithalten konnte.

Eine mäßige Begabung wird mir dann zugesprochen für vier von elf Ausdauer-Sportarten, nämlich für: Biathlon, Straßenradrennen, Schwimmen auf lange Distanzen, sowie Schifahren. Gar keine Begabung für: Kanufahren, Ironman, Schnellgehen, Lauf auf weite Distanzen, Skilanglauf auf weite Distanzen, Rudern und Marathon. - Für Ausdauersport habe ich mich selbst immer etwas besser erachtet, auch bei der Bundeswehr. Dort mußte ich für die Reserveoffiziers-Laufbahn, wenn ich mich recht erinnere, wohl auch 1000 Meter Laufstrecke in einer bestimmten Zeit schaffen. Es dauerte eine Weile, bis ich das hin bekam. (Es wird sich womöglich schon damals um den Basis-Fitneß-Test gehandelt haben [Wiki, s.a. Wiki].)

Daß ich zumindest für mäßig begabt gehalten werde für den Schwimmsport, wundert mich ein wenig. Mit Biathlon und Radfahren kann ich mich - wie oben schon gesagt - noch am ehesten identifizieren. Ein bisschen wundert mich, daß ich für andere Ausdauersportarten noch weniger geeignet sein soll. Immerhin habe ich doch bei den Gebirgsjägern (also bei der Bundeswehr vor dreißig Jahren) etwa bei den Gebirgsleistungsmärschen ganz gut mitgehalten. Aber vielleicht war ich auch einfach nur mehr motiviert als andere. (Beim Gebirgsleistungsmarsch müssen mit 20 kg Gepäck an zwei aufeinander folgenden Tagen mindestens 2500 Höhenmeter überwunden werden [s. Berchtesgaden].)

Jedenfalls weiß ich jetzt, warum ich über meine ganze Schullaufbahn hinweg konstant im Unterrichtsfach Sport die schlechteste Note im Zeugnis hatte (meistens "vier", seltener "drei"). Künftig werden Lehrer womöglich schon bei Schuleintritt den die "polygenetische Einschätzung" ("polygenetic score") aus einem Gentest für jeden Schüler bekommen und dann die Schüler genauer als bisher daraufhin beobachten können, ob der einzelne Schüler die Erwartungen, die er aufgrund der Genetik weckt, inne hält oder hinter ihnen zurück bleibt. Und dann kann der Lehrer nach den jeweiligen Ursachen fragen.

Und mein zeitweises Liebäugeln mit der Absolvierung einer Trainerlizenz, bzw. einer Umschulung zum Fitneßtrainer sollte ich dann womöglich doch auch noch einmal sehr kritisch hinterfragen. Diese Auswertung macht durchaus klar, daß es sinnvoll sein kann, einen solchen Test zu machen, bevor man sich - zum Beispiel - für eine sportliche berufliche Laufbahn entscheidet. Das geschieht gegenwärtig womöglich auch schon im Hochleistungssport.

Abschließend: Wenige oder keine Medaillen in diesem Bericht kann ja wohl nicht heißen, daß ich keinen Sport treiben soll. (- Notiz an mich selbst!!!!) :-)

/überarbeitet: 
13.1.2018/

Meine künftige Arthrose ....

Das deutlichste Ergebnis liegt allerdings noch in einem anderen Bereich. Für Arthrose (Osteoathritis) wird mir das größte Verletzungsrisiko zugesprochen und zwar durchgängig durch die meisten Sportarten. Sonst werden keine auffälligen Verletzungsrisiken angeführt. Bei allerhand Sportarten wird mir sogar eine unterdurchschnittliche Verletzungsgefahr (etwa für Knie- und Hüftgelenke, sowie für Sehnen) zugesprochen. Zum Bandscheiben-Vorfall im Nackenbereich, der mich vor zwei Jahren für viele Wochen außer Gefecht gesetzt hat, ja, bis kurz vor den OP-Tisch gebracht hatte ("Wurzelkompressionssyndrom Digiti I bis IV links", insbesondere Protusion in HWK 6/7), finde ich in der Auswertung nirgendwo eine Entsprechung (engl.: spinal disc). Da Rückenprobleme doch auch nicht geringe Probleme von Sportlern sind, sollte da womöglich die Forschung auch einmal das eine oder andere Auge darauf werfen. Es bleibt die Arthritis. Und da findet ich das krasseste Ergebnis in der ganzen Auswertung:

Ihre Voraussetzung hierfür ist höher als die Voraussetzung, die wir in 91 % aller Menschen in der Vergleichsgruppe gefunden haben.
Original: "Your predisposition is higher than the predisposition found in 91% of individuals."
Und das beruht vornehmlich - soweit ich sehe - auf dem SNP rs11842874 in Gen MCF2L, für das Reinerbigkeit AA besteht. (Ob das nicht letztlich doch auch etwas mit einem Bandscheibenvorfall zu tun hat?) Von einer Ärztin, mit der ich über die mütterliche Linie 25 % meiner Gene teile, wird mir dazu noch geschrieben:
Ich bin noch ziemlich glimpflich davongekommen bezüglich Arthrose. Natürlich habe ich Abnützungserscheinungen; aber noch keine neue Hüfte im Gegensatz zu meinen Schwestern und meiner Mutter, und auch im Vergleich zu Gleichaltrigen kann ich noch nicht über viel Arthrosebeschwerden klagen. Ein Vorteil bei mir war und ist wohl das eher geringe Körpergewicht. Deine Mutter klagt sehr über die schmerzhafte Arthrose in den Daumengrundgelenken, bei mir fängt es jetzt in den Fingerendgelenken an. Hast Du nicht eine Tante (väterlicherseits), die sehr früh Probleme mit den Knochen oder Gelenken hatte? Ein Tipp: erst nach 20 min. Bewegung kommt die Gelenksschmiere in Gang, die ja für die Gelenke, v.a. Knorpel, so wichtig ist!

Soweit also zu der Auswertung hinsichtlich: Sport, Fitneß und Beweglichkeit von Seiten der kanadischen Firma BioMD Genetics. Soweit ich das alles oberflächlich überblicke, kann ich diese Auswertung für sehr seriös und für sehr wirklichkeitsnah halten. Aber ich habe nirgendwo genauer in die Einzelheiten hinein geschaut, fast keine Forschungsstudie angeschaut, auf die sich die Auswertung bezieht. Diesen Vorbehalt muß an dieser Stelle machen.

- - -  Kurz nach Veröffentlichung dieser Zeilen erhalte ich von BioMD Genetics die Rückmeldung:

Ihr Blogbeitrag ist sehr hilfreich für uns. Sie haben uns auf einige Probleme hingewiesen, die wir in unserer Auswertung noch erörtern müssen. ("Your post is very helpful for us. You found a number of problems we have to discuss in reports.")

😎 Und:

Es gibt immer noch keine gut abgesicherten SNP's, die mit Bandscheibenvorfällen in Verbindung gebracht werden können. Natürlich hoffen wir, daß die Wissenschaft sie in Zukunft finden wird. Und dann werden wir unser Produkt weiter verbessern.
"There are still no well-proved SNPs which are associated with mirrowing of spinal discs. However, we hope that scientists will find them in the future GWAS studies. And then we update our product."

In jedem Fall schon einmal danke für all die wertvollen Informationen!

Mein Asthma

Nun zu einem anderen Gesundheitsthema - Asthma. Die genetische Verursachung ist laut Wikipedia vergleichsweise gering (Wiki):

If one identical twin is affected, the probability of the other having the disease is approximately 25%.
Das ist deutlich geringer als beispielsweise Übergewicht, wo die Wahrscheinlichkeit 60 % beträgt. Außerdem heißt es:
Onset before age 12 is more likely due to genetic influence, while onset after 12 is more likely due to environmental influence.
Tatsächlich habe ich Asthma seit wohl etwa dem fünften Lebensjahr. Auf dem deutschen Wikipedia heißt es (Wiki):
Für eine polygen vererbte Anlage spricht die Beobachtung, daß Kinder von Eltern, die beide an allergischem Asthma leiden, ein Erkrankungsrisiko von 60-80 % haben. Auf der Insel Tristan da Cunha leidet die Hälfte der Einwohner an Asthma infolge familiärer Vererbung.

Ist diese Angabe mit den genannten 25 % widerspruchslos in Übereinstimmung zu bringen. Eine genetische Verursachung ist jedenfalls gegeben, sie ist aber nicht so stark ausgeprägt wie eine solche in anderen Bereichen gegeben ist. Ob eine solche nun bei mir vorliegt, habe ich anhand meiner Genomdaten noch nicht genannt bekommen. Während meiner zweijährigen Bundeswehrzeit und auch noch während des Grundstudiums konnte das Asthma gerne auch krasses Anstrengungsasthma sein.  Es hat aber kaum allergische Ursachen. (Eine vorliegende Allergie gegen Aspirin, die sich erst nach dem 35. Lebensjahr entwickelt hat, kann Asthma allerdings schon auslösen). Das Asthma hat meiner starken Überzeugung nach nicht zuletzt auch psychosomatische Ursachen (stockender Atem bei Erschrecken oder Entsetzen). Asthma ist ganz allgemein - so meine Interpretation seitdem ich die Wirkung der Arzneimittel studiert habe, die ich einnehmen soll - die Folge einer Überreaktion des Parasympathikus. Und dieser hinwiederum versetzt die Lunge in einen Schlafzustand, auch wenn der übrige Körper wach ist. Durch Adrenalin-ähnliche Medikamente kann akutes Asthma bekämpft werden. Diese brauche ich seit dem 40. Lebensjahr isoliert gar nicht mehr. Durch 2 Hub Kortison ("Foster Nexthaler") je morgens und abends erreicht meine Lunge schon seit Jahren die ihr mögliche Bestleistung (70 bis 80 % des Atemvolumens). Und mit dieser Medikament-Gabe wird am ehesten der Gefahr eines Sportlerherzens vorgebeugt (so erklären mir das die Lungenärzte). Subjektiv fühle ich mich durch das Asthma seit dem 40. Lebensjahr kaum noch beeinträchtigt. Nur ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich bei einer leichten Erkältung oder Halsentzündung schweren Husten bekomme, wenn ich nicht sofort mit der Höchstgabe von Kortison gegensteuere, doch noch sehr hoch.

Eine der klarsten Ursachen für mein Asthma ist, dass meine Mutter während ihrer Schwangerschaft im Jahr 1965 mit mir nicht auf dem Bauernhof auf dem Land lebte, sondern in einem Zigaretten verqualmten Büro arbeitete (Wiki):

Zigarettenrauch in der elterlichen Wohnung begünstigt Asthma,

heißt es auf Wikipedia. Wenn mein Asthma ohne eine solche verqualmte Schwangerschaft vermeidbar gewesen wäre, hätten die immensen Gesundheitskosten, die mein Asthma mit sich bringt, doch vergleichsweise leicht eingespart werden können. Das sollte man allen aktiv und passiv rauchenden Eltern, auch den werdenden einmal zahlenmäßig vorrechnen. - Außerdem wären mir die körperlichen Einschränkungen, die mir vor allem im dritten Lebensjahrzehnt das Leben schwer gemacht haben, erspart geblieben.

Abb. 1: Mein Zigarre rauchender Opa mit seinen beiden ältesten Kindern vor seinem Haus (um 1935)
- Sein Enkelsohn hustet immer noch!!!!

Es gibt aber auch noch andere Verursachungs-Quellen. Meine beiden Großväter waren Raucher. Ob sie damit ihre Ehefrauen zu passiven Raucherinnen gemacht haben, ist in meiner Familie wohl noch nie erörtert worden. Auch nicht, ob ein etwaig durch aktives oder passives Rauchen verändertes Methylierungsmuster (epigenetisch) an die Kinder und Enkelkinder weiter gegeben worden ist (das kann ja potentiell gehen sowohl über die Samen- wie die Eizelle). In unserer Familie gibt es klar eine erhöhte genetische Neigung zum Zigarettenkonsum (siehe unten), ich selbst habe aber nie geraucht. Auf Wikipedia steht nun (Wiki):

Tierversuche liefern Hinweise darauf, dass Tabakkonsum auch über Generationen hinweg zu Asthma führen kann. In einer 2014 durchgeführten Studie mit dem Ziel, Indizien hierfür auch bei Menschen zu finden, konnte dieses nicht belegt werden.
Aber das ist zu schlicht formuliert. Die an dieser Stelle angeführte Studie von 2014 sagt auch:
There was some evidence of an increase in asthma risk with paternal prenatal exposure when the study mother was a nonsmoker.
Also:
Es gibt einige Hinweise auf ein erhöhtes Risiko, Asthma zu bekommen, wenn es väterlicherseits vorgeburtliches passives Rauchen gab, auch wenn die Mutter eine Nichtraucherin war.

Also genau die Konstellation, die bei mir vorgelegen haben könnte. Hier ginge es also um passives Rauchen und das ist offenbar in der Studie noch nicht ausreichend untersucht worden, sondern wurde offenbar quasi nur wie nebenbei festgestellt. So stellt sich die Frage: Hat mein Opa in der Nähe meiner Oma väterlicherseits geraucht als sie mit meinem Vater schwanger war? Also 1933/34 auf einem Bauernhof im Havelland? Gab es andere Raucher auf dem Hof (Knechte?, Verwalter?), die in der Küche geraucht haben? Auf Fotos aus dieser Zeit ist mein Opa durchaus immer einmal wieder mit einer Zigarette oder einer Zigarre zu sehen. Auch in nächster Nähe zu Kindern (s. Abb. 1). Als ich selbst Kind war (1970er Jahre), war das Rauchen meines Opas ("Overstolz Ohne") ein Dauerthema zwischen ihm und meiner resoluten Oma, die bei uns im großen Haus eine eigene Wohnung hatten. Mein Opa durfte in ihrer Wohnung nicht rauchen, nur auf dem Flur. Ich habe nicht in Erinnerung, dass sie sich besonders oft gestritten haben oder mein Opa besonders oft aus der Wohnung geworfen wurde. Aber wenn so etwas vorkam, dann hat es nach meiner Erinnerung wenn nicht immer, so doch recht oft etwas mit Rauchen zu tun gehabt. Das Rauchen in der Wohnung war also noch an beider Lebensende ein nicht unwesentlicher Streitpunkt. Und ich muss meiner Oma aus heutiger Sicht weitaus mehr recht geben, als ich es als Kind sicherlich getan habe. Die joviale, männliche Nonchalance meines Opas ließ mich - und ich glaube, auch die anderen Kinder - emotional bei solchen Dingen eher auf Opas Seite sein. Im übrigen hat mein Opa durch sein Rauchen im Hausflur, selbst wenn gelüftet worden sein wird, wohl dennoch unsere ganze Familie zu passiven Rauchern gemacht. Auch das wird mir erst jetzt voll bewußt.

Auch für die Zeit, als meine Großmutter mit meiner Mutter schwanger war - 1940/41 in einer Stadtwohnung in Zell am See in Österreich - wird das genauso wenig ausgeschlossen werden können. Auch mein Großvater mütterlicherseits war nämlich Raucher.

Mein übriges Genom: Begabungen, Neigungen, Körperreaktionen, Erbkrankheiten

/ Und nun im folgenden die etwas erweiterte und inhaltlich neu gegliederte Version unseres Blogartikels vom 13./14.5.2016 (also hiervon: GA-j!, 13.5.2016) /

Letztes Jahr habe ich meine Gene sequenzieren lassen bei der US-amerikanischen Firma 23andMe (GA-j!, 27.4.2016). Aufgrund der bundesdeutschen Gesetzlage wurde nach Deutschland aber nur der sogenannte "Ancestry Report", also Vorfahren-Bericht ausgeliefert als Auswertung der sequenzierten Daten (die ich zusätzlich als Datei erhielt). Der viel spannendere und aussagekräftigere zugehörige "Health Report", also Gesundheits-Bericht der Firma 23andMe, wird in Deutschland bis heute nicht zur Verfügung gestellt.*)

Abb. 2: 23andme Starterpaket

Auf dem Nutzer-Forum von 23andMe erhält man aber den wertvollen Hinweis, dass man diesen "Health Report" auch bei "Promethase" bekommen kann (SNPedia, bzw. Promethease.com). Das kostet 5 Dollar (zu bezahlen per Kreditkarte oder über Bitcoin). Und nur fünf Minuten nach der Bezahlung bekommt man von dort den Bericht. Nämlich nachdem man die Rohdaten, die man von 23andMe als Datei erhalten hat, Promethase zur Verfügung gestellt hat.

Und im vorliegenden Artikel wird anhand der Auszüge aus diesem Gesundheitsbericht von Promethase ein Profil der angeborenen seelischen und körperlichen Eigenschaften des Blogautors erarbeitet - zumindest wie sie nach heutigem Stand der Forschung sich in seinem Genom wiederzufinden scheinen. Da einem letztlich die seelischen Eigenschaften die wichtigsten sein können, werden diese im folgenden zuerst behandelt. Es wird bald deutlich, dass es zu fast jedem gefundenen Genotyp noch viel zu erforschen und weiter zu fragen gibt. Auch wird deutlich, dass der folgende Überblick fortlaufend erweitert werden kann durch weitere Recherchen oder durch neue Forschungsergebnisse.

Ein Wikipedia für humangenetische Beratung: "SNPedia"

SNPedia, so kann kurz gefasst gesagt werden, ist das Wikipedia für humangenetische Beratung. Da man mit ihm arbeiten muss, sollte man sich zuvor klar machen, wie SNPedia seine Auskünfte aufschlüsselt (nach SNPedia-Hilfe). Jedes SNP, also jeder "Einzelnukleotid-Polymorphismus" (Wiki), wird von SNPedia folgendermaßen charakterisiert, bzw. eingeordnet:

- Unter "Repute" (Ansehen) wird eine Aussage gemacht darüber, ob es generell als ein positives genetisches Merkmal eingeschätzt wird oder als ein negatives (good oder bad, gut oder schlecht). Entsprechend erfolgt auch eine farbliche Charakterisierung.

- Unter "Magnitude" (Bedeutsamkeit) wird eine Einschätzung gegeben, wie spannend das jeweilige SNP sein könnte, zum Beispiel aufgrund seiner Seltenheit oder seiner bedeutsamen Auswirkung willen. (Diese Einschätzung kann sich im Laufe der Zeit ändern, etwa durch neue Nutzer-Bewertungen oder durch neue Forschungsergebnisse.)

- Unter "References" (Referenzen) wird die Zahl der wissenschaftlichen Studien genannt, die bislang zu diesem SNP Erkenntnisse liefern (es können aber inzwischen auch schon mehr sein als angegeben).

- Unter "Frequency" (Häufigkeit) wird eine Angabe gemacht über die Häufigkeit des SNPs in jener Population, der man von SNPedia (bzw. 23andMe) - vorläufig - zugeordnet worden ist. Es handelt sich auffälliger Weise schlussendlich wieder einmal um Ethnien. Weil wenig anderes "Sinn" macht. Und warum macht es wenig Sinn? Nun, weil der Mensch, wie wir seit bald zehn Jahren unaufhörlich auf unseren Blogs und auch auf den Scilogs*) betonen und herausarbeiten, bislang immer in Völkern, in Ethnien evoluiert ist. Und weil es viel Sinn macht, wenn die Menschen sich darauf ausrichten, dass das auch künftig so sein wird. Weshalb auch Frauke Petry so viel recht gehabt haben wird, als sie einen Tag vor dem letzten AfD-Parteitag in Stuttgart, nämlich am 28. April 2016, in einem Fernseh-Interview - und im Anschluß daran auf ihrem Facebook-Profil - dazu angeregt hat (Facebook),

mit dem Begriff ,Volk' oder ,völkisch' entspannter umgehen, denn sich für das eigene Volk einzusetzen, ist die Aufgabe eines jeden Politikers und ich spreche über die Zukunft unserer Partei.

Aber das hier nur am Rande. Populationen jedenfalls werden auf SNPedia zunächst nur von jenen gebildet, die auch am häufigsten bei SNPedia mitarbeiten. Ich bin bislang dort eingeordnet in die Population der Europäer nord- und westeuropäischer Abstammung ("Caucasians from Northern and Western Europe"). Aber es gibt dort inzwischen auch schon die Populationen der Mexikaner, der Hanchinesen, der Toscana-Italiener, der Japaner, der (Yoruba-)Afrikaner, der Massai und der Inder. Und es ist mitunter außerordentlich spannend, die Häufigkeit der eigenen Gene (genauer: SNP's) in der eigenen Bevölkerung mit der Häufigkeit der eigenen Gene (genauer: SNP's) in den anderen Populationen zu vergleichen. Was mit einem Mausklick möglich ist. Das ist fantastisch. Bei der Koffeinverstoffwechslung beispielsweise oder bei der Hautfarbe habe ich da gleich sehr spannende Dinge gefunden (siehe unten!).

- Unter den "Topics" kann man dann auch noch zusätzlich nach typischen ethnischen Genmerkmalen suchen, etwa für "aschkenasische Juden" (bislang 23 SNP's), Afrikaner (bislang 4 SNP's), amerikanische Ureinwohner (bislang 2 SNP's), Neandertaler (bislang 36 SNP's). Man kann hier aber auch suchen nach SNP's, die verantwortlich gemacht werden für die Lebensdauer (aging), für Sommersprossen, Haarfarbe, Augenfarbe, Intelligenz, Persönlichkeitstyp, psychische Anfälligkeiten ("mental health"), musikalische Begabung, Schmerzverarbeitung und so weiter und so fort.

Nach all diesen Sortierungs-Möglichkeiten kann ich meine eigenen SNP's sortieren und einordnen, vergleichen, bzw. werden mir die "spannendsten" zunächst vorgeschlagen. Ich muss zugeben, dass ich trotz all dieser Sortierungsmöglichkeiten vieles nicht gleich finde, was ich gerne schneller finden würde. Aber hier lernt man ja Tag für Tag dazu durch Ausprobieren. Und dieser Blogbeitrag kann und will eigentlich nur jeden Leser dazu anregen, dieses Ausprobieren selbst durchzuführen. Es handelt sich dabei um humangenetische Volksbildung vom Allerfeinsten. Sozusagen um ein "Selbstlernprogramm". Obwohl natürlich - zum Beispiel - die Volkshochschulen ruhig auch einmal Kurse anbieten könnten, wie man solche Dinge für sich recherchiert.

1. Mein größeres Vertrauen und größere Einfühlsamkeit gegenüber Mitmenschen und Kindern

- Mein Oxytocin-Rezeptor-Gen

SNP "rs53576(G;G)" auf Chromosom 3 ergibt eine Variante im Oxytocin-Rezeptor-Gen und lässt mich - womöglich - Stress besser verarbeiten und mich leichter die Emotionen anderer erkennen und mich weniger schreckhaft sein. Es scheint so zu wirken, als ob ich eines zusätzlichen Sprühstosses Oxytocin in die Nase nicht bedürfte, um all diese positiven Eigenschaften Wirklichkeit werden zu lassen. Es lässt mich also allgemein mehr Vertrauen in meine Umwelt haben und mich ein verträglicher, umgänglicher Mensch sein. Wer möchte diese Variante nicht auch haben.

Sie scheint aber nur zu 0,4 % in der Bevölkerung verbreitet zu sein (- ?). Wirklich? Vielleicht lese ich das auch grade falsch. Studien haben jedenfalls ergeben, dass Menschen mit dem G-Allel einfühlsamer sind, sich weniger allein fühlen, auch als Eltern einfühlsamer sind und es unter ihnen statistisch gesehen eine niedrigere Häufigkeit von Autismus gibt. Die Variante ist also ein Schutz vor Autismus. SNPedia führt zahlreiche neuere Studien an für das eben Gesagte. Das ist ja praktisch ein Supergen.

(Oh, weia, wenn ich das meinen nächsten Angehörigen erzähle, die verstehen die Welt nicht mehr ... Die werden sagen: Ingo, was bloß hast Du mit dieser Begabung gemacht. Wie ist sie auf den Hund gekommen!)

Der einsichtsvolle Humangenetiker sagt an dieser Stelle vielleicht: Da wird es noch Antagonisten geben, also Genvarianten, die gegenteiliges Verhalten wahrscheinlich machen. Denn wir können ja Positives heutzutage niemals mehr ohne das Gegenteil denken.

Aber noch ein anderer Gedanke: Hat jemand, der so verträglich und vertrauensvoll ist, also gegebenenfalls so in sich ruht, mehr Mut, sich von Menschen zu isolieren, als jemand, der das nicht ist? Sprich, hat so jemand mehr Mut, abweichende Meinungen zu vertreten? Könnte ja sein ... Dann wäre der Blog "Gesellschaftlicher Aufbruch - jetzt!" der "rs53576(G;G)-Blog"!

Auf der OMIM-Datenbank wird noch ausgeführt, dass dieses Gen auch Volumenverhältnisse von Teilen des limbischen Systems mitsteuert, heißt es dort derzeit doch (OMIM, Hervorheb. n. i. Orig.):

Tost et al. (2010) studied over 200 healthy individuals for neurophysiologic and behavioral correlations with a G-to-A polymorphism in intron 3 of the OXTR gene (rs53576). The 'A' allele has been associated with deficits in sociobehavioral domains. Using neuroradiologic methods, Tost et al. (2010) found an association between the A risk allele and decreased gray matter volume in the hypothalamus in both sexes, as well as increased gray matter volume in the right amygdala in males. There was also an increase in structural coupling between the hypothalamus and amygdala in A allele carriers. Evaluation of reward dependence, a measure of human sociality, was determined by a questionnaire. Homozygous carriers of the A allele showed the lowest values, indicating greater social detachment, compared to A/G heterozygotes and G/G homozygotes, and the results suggested a dosage effect. There was a negative correlation between amygdala volume and reward dependence scores in the total sample, and a correlation between decreased hippocampal volume and lower prosocial scores in males. Functional imaging during the processing of social cues showed that carriers of the A allele had lower task-related amygdala activation and increased coupling of the amygdala and hypothalamus compared to those with the G allele. Tost et al. (2010) concluded that variation in the OXTR gene may reflect changes in limbic structures related to prosocial temperaments, particularly in males.

2. Bin ich altruistischer/egoistischer, tänzerischer/weniger tänzerisch begabt, monogamer/polygamer?

- Mein Arginin-Vasopressin-Rezeptor-1A-Gen (AVPR1A)

AVPR1A auf Chromosom 12. Aber was es nun genau bei mir tut, das weiß ich jetzt immer noch nicht. Darüber habe ich zwar schon vor acht Jahren gebloggt (St. gen. 2008, s.a. OMIM). Aber von Promethease erhalte ich nun - offenbar - keine Auskünfte, wie meine eigene genetische Beschaffenheit hier nun sein könnte. Oder bin ich zu dumm, das zu finden? Solche Dinge finde ich ärgerlich. Das sind doch spannende Fragen. Um so etwas müssen sich doch 23andMe und Promethease kümmern. 23andMe sagt, dass es von diesem Gen neun SNP's sequenziert hat (23andMe). Aber haben diese neun SNP's nun irgendeine Aussagekraft? - Promethease jedenfalls scheint da nichts zu finden.

3. Mein leichteres Vermeiden von Irrtümern

- Mein Dopamin-2-Rezeptor-Gen (DRD2) 

SNP "rs1800497(C;C)". Ich kann leichter Irrtümer vermeiden dank einer Dopamin-Rezeptor-Variante. Diese senkt zugleich mein Risiko, ADHS zu bekommen, abhängig zu werden von Alkohol, Nikotin oder übermäßigem Essen, sie senkt mein Risiko, postoperative Übelkeit zu haben. Es gibt da etwa auch den schönen, fast philosophischen Satz: "Lower obesity due to increased pleasure response to food." Also: Ich habe eine geringeres Risiko, übergewichtig zu werden, weil die Befriedigung über zu mir genommenes Essen offenbar größer ist als bei anderen.

Das ist ein wahrhaft breites Spektrum von Auswirkungen eines einzigen SNP's. Warum zum Teufel vermeidet man leichter Irrtümer dank dieser Variante? Weil man weniger Entbehrungen auf manchen Gebieten empfindet und dadurch weniger Anlass, sich über eigenes Verhalten zu täuschen? Das muss man sich künftig noch einmal alles sehr genau anhand der Forschungsliteratur ansehen. - - - 

Dopamin gilt ja als Glückshormon. Und es dürfte sehr spannend sein, nun allerhand Forschungsstudien zu dieser Genvariante zu lesen ... (Die findet man, darauf kann ja auch gleich einmal verwiesen werden, schön versammelt auf der OMIM-Datenbank, die "Online Mendelian Inheritance of Man"-Datenbank. Aber natürlich kann man auch einfach mit dem SNP auf Google Scholar suchen.) Das ist übrigens fast schon ein philosophischer Satz: Indem mir mein Körper eine intensivere Lust-Empfindung beim Essen gibt, esse ich nicht mehr (!), sondern weniger. Hätte man nicht ohne diese Erkenntnis geglaubt, dass größere Lustreaktion dazu führt, dass man noch mehr essen möchte?

3. Meine Veränderungs- und Risikofreude, sowie Neugier auf Neues (ADHS)

- Mein Dopamin-4-Rezeptor-Gen (DRD4) 

SNP rs1800955(C;C). Chromosom 11.

[Neu eingefügt 28.10.2017] Auf SNPdia habe ich mir mal die Seite "Attention deficit hyperactivity disorder" angesehen (SNPdia) und bin von dort weiter gegangen zur DRD4-Seite (SNPdia), da ich weiß, daß dieses Gen wichtig sein könnte. Und dort wird angezeigt, daß "rs1800955" wichtiger sein könnte (SNPdia). Und man braucht ja nur seine Rohdaten-Datei öffnen und nach dem Stichwort "rs1800955" in ihr zu suchen. Und schon erhalte ich die Auskunft, daß ich bezüglich dieses SNP's reinerbig CC bin, also erhöhte Wahrscheinlichkeit zu ADHS habe, zum Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (SNPdia). So ist es auch andernorts verzeichnet. Wenn man weiß, wo man suchen muß, findet man es gleich (OpenSNP, 23andme). 23andme sagt aber zu diesem SNP gar nichts, OpenSNP versorgt einen wenigstens mit ein paar Forschungsartikeln zu diesem SNP (keineswegs vollständig, wie eine Suche auf Google Scholar leicht zeigen kann). - Nebenbei: Inzwischen wurden übrigens bei MyHeritage auch die Gene meiner Mutter sequenziert. In Rohdaten dieser Sequenzierung finde ich aber das Stichwort "rs1800955" gar nicht. - Aber auf Google Scholar finde ich nun eine spannende ancient-DNA-Studie aus dem letzten Jahr genau zu diesem SNP (1) bei 79 Personen aus Völkern in den Zentral-Anden in Südamerika, die dort seit 5.500 v. Ztr. leben, bis 3.500 v. Ztr. nomadisch, seit 3.500 halbseßhaft und seit 1.800 v. Ztr. seßhaft. Gab es in diesen Völkern über die Zeit hinweg eine Änderung in der Häufigkeit es Vorkommens dieses SNP? In der Studie heißt es zunächst:

Most studies on the DRD4 gene have largely focused on the 7 repeat allele of the 48 base-pair VNTR in exon 3. Since we aim to address our hypothesis using ancient DNA, issues of preservation would prevent us from observing a polymorphism involving so many base pairs. For this reason, this study looks at the −521 C/T SNP (rs1800955) instead.
Ergebnis: In den frühesten nomadischen Völkern (n=9) hatten 33 Prozent CC, 33 Prozent CT und 33 Prozent TT. Danach verschob sich das Verhältnis bis zu den vorkolumbianischen Bevölkerungen hin zu 50 Prozent TT, das auch der Häufigkeit im modernen Lima entspricht, in dem der CC-Typ nur noch zu etwa 14 Prozent vertreten ist. In der Studie heißt es aber auch:
The populations from the Americas exhibit the highest mean frequency of the T allele (0.63) referring to the 100 Genome Project data. On the individual population level ALFRED reveals a high amount of diversity between native American groups with T allele frequencies ranging from ~0.62–0.95. The Karitiana, an indigenous Amazonian group practicing a foraging lifestyle mixed with horticulture and little contact to agricultural groups, exhibit one the highest DRD4 -521 T allele frequencies.
Von den derzeit 832 Menschen, die ihre Gensequenzierungsdaten auf OpenSNP hochgeladen haben, haben 31 % CC und nur 1 % TT (OpenSNP)! Nun, unter diesen Menschen werden überrepräsentativ viele vertreten sein, die sich für Neues interessieren! :-) Weiter heißt es:
We find a slightly significant lower frequency of the C allele that is thought to contribute to the novelty seeking phenotype in samples deriving from state level societies (Wari, Inca, Modern) of the Central Andes than in all earlier populations.
Der CC-Typ war in unteren Höhenlagen der Anden häufiger vertreten als in höheren Höhenlagen. Weiter heißt es:
The comparisons we made suggest that differences in social structure and political organization might be the driving factors. This of course would make it necessary to assume that Novelity Seeking or risk-taking behavior is actually beneficial in human groups exhibiting lower grades of hierarchical structure and specialization. (...)
Weiter wird angeführt, daß bei Primaten Tiere mit höherem Status häufiger das Neugier-Gen aufweisen:
This to some extend correlates with the hypothesis that exploratory behavior and intense excitement in response to novel stimuli, impulsive decision making, and quick loss of temper and avoidance of frustration associated with the Novelity Seeking phenotype are less beneficial in highly structured social environments with specialized social/economic roles when the individual does not belong to a socially privileged group or has political power.

Nun, in arbeitsteiligen Gesellschaften wir ihr Anteil sicher geringer sein dürfen und sie werden auch stabiler sein, wenn ihr Anteil geringer ist.  , war aber schon vor 2000 Jahren auf einen Anteil von 10 bis 25 % gesunken, nur in einer Zwischenphase wuchs er noch einmal auf 29 % an.

Abb. 3: Die DRD4-Gen-Region beim Menschen; aus: Ding et. al. 2001 (PNAS)

Allerdings weiß ich noch nicht, ob ich mit meinen Daten heraus kriegen kann, welche Art von Exon 3 ich habe entsprechend der Studie von Ding et. al. 2001 (PNAS): 2R, 4R, 7R oder was? Diese Studie zeigt nämlich auf, daß bei Chinesen und Buschleuten die siebenfache Sequenz (7R), die 3 % des Vorkommens von ADHS weltweit erklären kann, gar nicht vorkommt, bei indianischen Ureinwohnern und auch in Europa aber doch. Nun würde ich gerne wissen: Welche Variante habe ich diesbezüglich? Bei solchen konkreten Fragen lassen mich 23andMe und Promethease offenbar noch im Stich. Das wäre - soweit ich mit dieser Feststellung recht haben sollte - erneut ärgerlich. Oder ist man wiederum zu blöd, die Daten zu finden?

4. Meine sexuellen Funktionen werden durch einige Antidepressiva (Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) beeinträchtigt

- Meine Serotonin-Rezeptor2A-Variante 

SNP "rs6311(C;C)" auf Chromosom 13. Ich habe ein 3,6-fach erhöhtes Risiko, sexuelle Dysfunktion zu bekommen, wenn ich SSRI-Antidepressiva (selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) nehme. Zum Glück habe ich noch keine genommen. Aber Citalopram ist mir vor knapp zwei Jahren schon einmal - angesichts von Dauerstreß - von Bekannten empfohlen worden. Ich hab es ungebraucht in der Schublade liegen lassen, inzwischen ist das Verfallsdatum überschritten. Eine innere Stimme muss mich gewarnt haben. Irgendwie scheint sich hier jedoch anzudeuten, dass es doch offenbar einen Zusammenhang zu geben scheint zwischen Depression und Sexualität. Auch hier könnte man noch weiter forschen. - Es heißt dann:

"rs6311 together with rs6314 have a modest effect on depression severity. (...) Three (rs643627-rs594242-rs6311: A-C-T), two (rs594242-rs6311: C-T) and a single functional (rs6311: T) marker were protective against suicidal behavior. The complementary markers (rs594242-rs6311: G-C and rs6311: C) were associated with increased risk for non-violent and impulsive suicidal behavior. Furthermore, CC-homozygotes for the functional SNP rs6311 reported more anger- and aggression-related behavior."

Also dieses SNP scheint schon für sich ein Schutz gegen Selbstmord-Verhalten zu sein, scheint aber mit überdurchschnittlichem Zorn- und Aggressions-Verhalten verbunden zu sein. Vielleicht ist ja letzteres der Schutz gegen Selbstmord-Verhalten, weil man Frust nicht in sich hinein frisst (siehe "Zorn und Zeit" von Peter Sloterdijk über gesellschaftliches Selbstmordverhalten und etwaigen Schutz dagegen). So könnte man das ja in einem ersten Schritt einmal charakterisieren oder interpretieren. Schon in der Schule war ich jemand, der im Gemeinschaftskunde-Unterricht plädierte für den Grundsatz: "Macht kaputt was euch kaputt macht!"

5. Meine schnelle Verstoffwechselung von Koffein

- Eine Variante meiner Stoffwechsel-Proteine lässt meine Leber Koffein sehr schnell verstoffwechseln

SNP "rs762551(A;A)". Kaffee spielt eine nicht unwichtige Rolle auch für mein Seelenleben. Deshalb sei das folgende direkt an die Behandlung von Genen für Psychisches angeschlossen. Meine Leber verstoffwechselt Koffein schnell. Dieses SNP haben 53% aller Nordmitteleuropäer, 58% aller Mexikaner, 44% aller Hanchinesen, 40% der Toskana-Italiener, 35% der Japaner, 32% der (Yoruba-)Afrikaner, 28% der Massai, 25% der Inder:

"caffeine is broken down faster in your liver, so it has less effect on you. (...) In terms of genotypes, only rs762551(A;A) individuals are considered fast metabolizers. Individuals who are rs762551(A;C) heterozygotes or rs762551(C;C) homozygotes are both considered slow metabolizers."

- - - Ich bin allerdings im Gegensatz zu diesen Feststellungen der Meinung, dass Koffein eine sehr große Wirkung auf mich hat. Deshalb ist für mich genaue Dosierung sehr wichtig. Zum Frühstück zwei Tassen Kaffee (nicht zu stark und nicht zu schwach) und um 15 Uhr noch einmal eine Tasse Kaffee ist für mich gleichbedeutend mit der Möglichkeit geistiger Höchstleistungen. Trinke ich den Nachmittagskaffee (oder grünen oder schwarzen Tee) nach 17 Uhr, schlafe ich in der Regel schlecht ein oder schlafe überhaupt schlechter, bzw. unruhiger. Tja, da gibt es also allerhand Diskussions- und Vergleichsbedarf.

Wann gibt es für so etwas endlich ein deutschsprachiges Forum? Das - wie mir scheint - sehr stark moderierte Nutzer-Forum auf 23andMe (auch nur für angemeldete Nutzer) ist vornehmlich mit Herkunfts-Haplotypen befasst, die man - im Vergleich mit den hier behandelten kodierenden SNP's - inzwischen doch längst als ziemlich langweilig empfinden kann. Außerdem ist es auch noch thematisch wenig übersichtlich gegliedert. Ich kann den Eindruck nicht loswerden, als hätte das Methode. Mag sich aber jeder denken, was er will. Jedenfalls ist mir noch nicht ganz klar geworden, warum der Konstanzer Biologe Axel Meyer die Firma 23andMe und ihre Internetseite als so empfehlenswert ansieht, wie er das Anfang 2016 auf Facebook geäußert hat. Es wäre gut, wenn dieser Bereich der Mitmach-Genetik ("consumer genetics") bald wieder weniger monopolisiert würde als dies derzeit der Fall ist mit 23andMe und als Folge der Einstellung des Dienstes der Isländischen Firma DeCodeMe. Letztere hatte lange Zeit gute wissenschaftliche Arbeit geleistet und hätte auch weiterhin viel Schwung in die weitere Entwicklung bringen können (Wiki).

5. Meine Hautfarbe evoluierte erst mit dem Ackerbau in Europa

SNP "rs1426654(A;A)". Die ist ein sehr interessantes SNP auf Chromosom 18. Es ist (mit-)verantwortlich für die Hautfarbe und bedeutet laut SNPedia, dass ich "wahrscheinlich hellhäutig und europäischer Abstammung" bin:

estimates that the rs1426654(A) allele (light skin pigmentation) spread through the European population around 6,000 - 12,000 years ago. Prior to that, 'European ancestors' were most likely relatively brown-skinned.

Dieses SNP hat sich also erst seit und mit der Einführung des Ackerbaus in Europa ausgebreitet. Die ausgestorbenen Jäger und Sammler, die zuvor in Mitteleuropa lebten, waren (nach der Untersuchung der erhaltenen DNA in ihren Skeletten dunkelhäutiger. Aufgrund dieser evolutionären Geschichte hat dieses SNP heute bei Nordwesteuropäern eine Häufigkeit von 100 %, bei Toscana-Italienern eine solche von 99 %, bei Indern von 89 %, bei Mexikanern von - - - 33 %, bei Massai von - - - 10 % (- immerhin! auffällig! spannend! - woher kommen überhaupt die 10 %?!) und bei Hanchinesen, Japanern, Afrikanern eine Häufigkeit von sage und schreibe - - - 0 %! Es liegt hier also konvergente Evolution von heller Hautfarbe vor, sprich parallele Evolution in Nordeuropa und in Nordasien. Das ist ja schon seit einigen Jahren bekannt und ich schrieb darüber auch schon auf meinem Wissenschaftsblog. Schön, das jetzt in den eigenen Genen wieder zu sehen.

6. Mein erhöhtes Risiko für Schilddürsenkrebs

Also. Ich habe (gegenüber der Durchschnittsbevölkerung)

- ein 1,6 fach größeres Risiko, Prostatakrebs zu bekommen ("rs6983267(G;G) 1.6x increased risk for prostate cancer; also other cancers 1.4 times as likely to develop colorectal cancer"),

- ein siebenfach größeres Risiko, eine Glatze zu bekommen ("gs122").

Ich habe ein erhöhtes Risiko gastrointestinale Blutungen zu bekommen, wenn ich Ibuprofen nehme ("problem metabolizing NSAIDs impaired NSAID drug metabolism, which is a risk factor for gastrointestinal bleeding when taking any of these medications: aceclofenac, celecoxib, diclofenac, ibuprofen, indomethazine, lornoxicam, meloxicam, naproxen, piroxicam, tenoxicam and valdecoxib").

Ich habe eine genetische Anlage für hellgrüne, braune oder haselnussbraune Augenfarbe ("gs241"). Mein Phänotyp ist aber graublau! :)

Ich habe ein 9,2-fach erhöhtes Risiko, Schilddrüsen-Krebs zu bekommen, weil mein damit in Verbindung stehendes SNP homozygot ist (rs2145418(G;G)) (s.a.: rs2145418). Und sofort stellt sich mir die Frage, ob dieses SNP auch etwas mit jener Schilddrüsenhormonmangel-Erkrankung (Schilddrüsen-Unterfunktion, engl. Hypothyroidism) zu tun haben kann, die nicht bei mir, aber bei Verwandten erstes Grades vorkommt. Eine Forschungsstudie von 2008 wird angeführt (frei zugänglich: Cancer Epidemiology, Biomarkers & Prevention, 2008). Merkwürdigerweise gibt es zu diesem SNP, soweit übersehbar, gar keinen Eintrag auf der OMIM-Datenbank.

Aber soweit ich mich erinnere, starb meine Oma väterlicherseits - Johanna Bading, geborene Bleis - 1984 mit etwa 75 Jahren schließlich an Schilddrüsen-Unterfunktion, -Versagen oder -Krebs. (Muss noch mal nachgefragt werden.)

Ich habe - aufgrund einer Genvariante ("rs16969968(A;A)") - ein höheres Risiko, von Nikotin abhängig zu werden, die zugleich ein geringeres Risiko mit sich bringt, von Kokain abhängig zu werden. Nun scheint diese Genvariante aber durch andere (bekannte oder unbekannte) Genvarianten wieder modifiziert zu werden. Sowie durch günstige Kindheits- und Sozialisierungs-Bedingungen. Beide Eigenschaften sind jedenfalls seit fünfzig Jahren phänotypisch Null Komma nichts zu beobachten gewesen bei mir.

Ich habe ein erhöhtes Risiko, an Zöliakie zu erkranken ("rs3184504(T;T)"). Und in der Tat: Zöliakie-Erkrankung gibt es zwar nicht unter den Verwandten ersten, wohl aber unter genetischen Verwandten zweiten Grades.

Mein erhöhtes Risiko für Zöliakie

Ich bin heterozygot, was eine genetische Anlage für Hemochromatose betrifft, die eine häufige nord- und mitteleuropäische Erbkrankheit ist, und die (wohl) auftritt, wenn man homozygot ist. ("You are unlikely to be affected unless also a carrier of rs1800562(A) C282Y, but others in your family may be. This is a treatable condition.") ("rs1799945(C;G)") Ich habe noch nicht gehört, dass das in meiner Familie irgendwo aufgetreten ist.

Abb. 4: Tja, kleiner Mann, was nicht alles in
Deinen Genen steht (Aufnahme von 1966)

Ich habe noch eine weitere Anlage, die ein zweifaches Risiko mit sich bringt, eine Glatze zu bekommen ("rs2180439(T;T)"). Die Gene haben sich gegen mich verschworen.

Ich habe ein 1,3-fach erhöhtes Risiko, Brustkrebs zu bekommen (das sollen auch Männer kriegen können, wir mir gerade gesagt) ("rs2981582(C;T)".

Ich habe ein 1,5-fach größeres Risiko, eine koronare Herzerkankung zu bekommen ("rs1333049(C;G)").

Ich habe auch eine Variante, die die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass ich das Empfinden habe, dass Koriander wie Soße schmeckt. So so.

Ich habe ein 1,3-fach erhöhtes Risiko, an Typ 2-Diabetes zu erkranken. Das damit in Zusammenhang stehende SNP (Einzelnukleotid-Polymorphismus) liegt auf Chromosom 6 und kommt, häufiger bei aschkenasischen Juden vor und haben - soweit ich sehe - im nördlichen und westlichen Europa ("Caucasians from Northern and Western Europe") 10 % der Bevölkerung ("rs7754840(C;C)".

Soweit ein erster kleiner Einblick. Übrigens gibt es in den USA eine neue Berufsrichtung, den "genetic counselor" (Wiki). Also den "genetischen Ratgeber". Jemanden, der einem hilft, die Rohdaten der Sequenzierung seines persönlichen Genoms besser zu verstehen und daraus konkrete Handlungsrichtlinien abzuleiten. Ein toller Beruf, in Deutschland läuft das unter "humangenetische Beratung" (Wiki).

Ein Blick in die Verwandtschaft bestätigt vieles

Die Zuschrift einer weiblichen Verwandten mütterlicherseits illustriert sehr schön viele der bisherigen Mitteilungen:

Hier einige Familien-Krankheiten: Eine Deiner Tanten hat Typ II Diabetes. Deine Großmutter hatte Dickdarmkrebs (und auch schwarzen Hautkrebs), Brustkrebs können auch Männer kriegen (Brustkrebs hatten eine Deiner Großtanten und eine ihrer Töchter), zwei oder drei Deiner Onkel haben/hatten Prostatakrebs, Glatze hatte Dein Großvater, seine Söhne haben noch keine. Nikotinsüchtig waren Dein Großvater und zwei seiner Söhne, einer davon ist es noch immer.

Das bestätigt ja sehr schnell sehr deutlich vieles von dem oben Gesagten. Durch weitere Gespräche erfahre ich: Mein Großvater mütterlicherseits kam schon mit schütterem Haar aus dem Ersten Weltkrieg nach Hause. Weil er so viel den Helm tragen mußte, heißt es. Und eine Tante väterlicherseits hatte Brustkrebs.

Da wären also in unserer Familie baldmöglichst Vorsorge-Untersuchungen anzuraten. Das war mir so noch nicht klar. Und das dürfte schon ein erster sehr konkreter Nutzen sein, wenn man seine Gene sequenzieren läßt. Nämlich zu wissen, daß und welche Vorsorgeuntersuchungen für einen von Bedeutung sein könnten.

So viele Leute scheint es im Internet noch nicht zu geben, die über ihre sequenzierten Gene berichten. Hier (2) eine interessante Erfahrung mit einer Genomsequenzierung.

/ Dieser Aufsatz erscheint in Fortsetzungen. Dies ist Teil 2. Hier --> Teil 1 und Teil 3. /

______________________

*) Erst über ein halbes Jahr später finden wir Zeit zu recherchieren, daß das daran liegt, daß die etwas bigotte Gesetzeslage in Deutschland, die international auch ziemlich aus dem Rahmen fällt, dies derzeit nicht erlaubt. Das deutsche "Gendiagnostikgesetz" schreibt vor, dass medizinische Beratung auf der Grundlage von Gensequenzierung nur durchgeführt werden darf durch promovierte Humangenetiker oder durch Fachhumangenetiker nach fünfjähriger Ausbildung. Man glaubt, der mündige Bürger wäre nicht fähig, mit so viel möglichen Wissen über sich selbst eigenverantwortlich umgehen zu können. Man hat Angst, dass er sich sofort aus dem Fenster stürzt, wenn er von den vielen überdurchschnittlichen Krankheitsrisiken liest, die sich in seinen Genen finden .... 
**) Aus diesem Anlaß sehe ich heute, am 15. Mai 2016 gerade, daß mein Scilogs-Beitrag aus dem Jahr 2011 im Rahmen des dortigen "Bloggewitters" "Deutungshoheit der Biowissenschaften" (siehe auch hier) nicht mehr im Netz zugänglich ist! (siehe auch GA-j! 2011) Deshalb wurde er gerade hier auf dem Blog (erneut) öffentlich zugänglich gemacht.

_______________________
  1. Austin de RubiraLea Georges; Lars Fehren-Schmitz: Ancient DNA Reveals That the Variability of the DRD4 -521 C/T SNP Associated with Novelty Seeking Behavior is Influenced by Selection in Western South American Populations. In: Adaptive Human Behavior and Physiology  March 2016, Volume 2, Issue 1, pp 77–91, https://link.springer.com/article/10.1007/s40750-015-0033-5  
  2. Lukas F. Hartmann (@mntnm): 23andme - Wie ich für todkrank erklärt wurde und mich wieder gesund debuggte. Auf: "Ctrl-Verlust", 25. Juli 2013, http://www.ctrl-verlust.net/23andme-wie-ich-fur-todkrank-erklart-wurde-und-mich-wieder-gesund-debuggte/ 
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