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Donnerstag, 23. April 2026

Hilf lieber den Tieren!

Ingrid Visser - Die beste Walretterin der Welt

Der deutsche Tier- und Naturschützer, sowie Kameramann Robert Marc Lehmann (geb. 1983) (Wiki) nennt sie die beste und erfahrenste Walretterin der Welt, die neuseeländische Walforscherin Dr. Ingrid Visser (geboren am 20. Februar 1966) (Wikiengl) (OrcaResearch). 

Abb. 1: Ingrid Visser, Meeresbiologin

Die Vorgänge rund um den in der Ostsee nun schon mehrfach gestrandeten Buckelwal, genannt "Timmy" (Wiki), lassen uns erstmals aufmerksam werden auf den Tierschützer und Tierfilmer Robert Marc Lehmann. 

Durch seine detaillierte und umfassende Dokumentation seiner eigenen, immer wohl durchdachten, kenntnisreich und praxisnah organisierten Rettungsaktion (Yt17.4.26) bekommt man Hochachtung vor seinem Engagement, vor seinem Wissen, seiner Urteilsfähigkeit und seiner Erfahrung.

Und wenn er dann davon spricht, daß er "Walretten" gelernt hat bei Ingrid Visser, dann möchte man natürlich auch über diese Frau mehr erfahren.

Lehmann hat 2022 eine hervorragende, mehrteilige Dokumentation über Ingrid Visser und ihre Arbeit erstellt und heraus gebracht (Yt2022).

Abb. 2: Ingrid Visser - Ted Talk

Man findet aber auch sonst genug über sie im Internet.

Ansprachen, Interviews, Dokus, Forschungsstudien ... 

Abb. 3: Ingrid Visser - Am meisten lacht sie, wenn sie mit Orcas zusammen ist

Vielleicht wollen wir zu all dem demnächst noch mehr zusammen tragen in dem vorliegenden Beitrag.

Abb. 4: Mehrteilige Doku von Robert Lehmann, 2022

Zunächst einmal seien nur einige eindrucksvolle Fotografien von und mit Ingrid Visser eingestellt.

Abb. 5: Ingrid Visser, 2005

Schon mit 39 Jahren veröffentlichte sie 2005 "Lebenserinnerungen" (1). Wenn man diese liest und erfährt, wie umtriebig diese Ingrid Visser war, um - zwar persönlich ermutigt durch David Attenborough  (1, S. 27) - aber dann weitgehend aus eigener Kraft heraus eine Doktorarbeit über die Schwertwale Neuseelands zu schreiben - gegen alle Hürden und Widerstände innerhalb des akademischen Bereiches, dann mag das für den einen oder anderen einstigen Doktoranden auch einen vergleichenden Blick ermöglichen auf die - mitunter zeitgleichen - eigenen Bemühungen, eine Doktorarbeit auf den Weg zu bringen und fertig zu schreiben.

Ingrid Visser ist derselbe Jahrgang wie der Verfasser dieser Zeilen. Und ihre Lebenserinnerungen geben ihm diesbezüglich manches zu denken. Ihre Doktorarbeit hat sie im Jahr 2000 veröffentlicht.

Abb. 6: Mehrteilige Doku von Robert Marc Lehmann, 2022

Alles, was sie in Neuseeland aufgebaut hat, hat sie aus eigener Kraft aufgebaut.

Ihr Vater besaß eine Farm mit über tausend Schafen und Kühen auf Neuseeland. Er ist, als sie 16 Jahre alt war, mit seiner ganzen Familie vier Jahre lang rund um die Erde gesegelt. Ingrid Visser sagt, daß sie diese vier Jahre tief geprägt haben.

Ihr weiteres Buch liest sich über weite Strecken vergleichsweise "trocken" und wissenschaftlich. Sie erläutert ausführlich die Methoden der Orca-Forschung, die Bild-Identifizierung der einzelnen Individuen, so daß sie wieder erkennbar werden. Sie berichtet, daß die früheste Orca-Forschung an der Nordwestküste der USA und Kanada's begonnen wurde. Sie berichtet von den ursprünglichen Fragestellungen und wie sich diese nach und nach weiter entwickelt haben.

Aber wie gesagt: Dieser Beitrag soll wenn möglich nach und nach noch vervollständigt werden.

Menschen, die mit Tieren und mit der Natur verbunden sind, sind immer wieder so ermutigend. Das fing für den Bloginhaber an mit Leuten wie Konrad Lorenz oder Jane Goodall, mit Irenäus Eibl-Eibesfeldt oder Hans Hass. All diese haben Nachfolger gefunden, zum Beispiel Ingrid Visser in Neuseeland. Zum Beispiel Robert Marc Lehmann in Deutschland.

Und wenn man den ganzen "Fraß" der täglichen Nachrichten versucht zur Kenntnis zu nehmen, dann ist man froh, sich - stattdessen - lieber mit Walrettung zu beschäftigen. "Hilf lieber den Tieren," sagt eine deutsche Philosophin, anstatt daß du seelenlosen, seelentoten Menschen Aufmerksamkeit schenkst und dadurch ihr Leichengift in dich aufnimmst.

/ Ergänzt 15.5.2026 / 

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  1. Visser, Ingrid: Swimming with Orca. My Life with New Zealand's Killer Whales. Penguin Books, 2005

Donnerstag, 10. Januar 2019

Werner Heisenberg und seine Liebe zu Adelheid von Weizsäcker (1928 bis 1936)

 Sie strukturierte für ihn seine Welt- und Wirklichkeitswahrnehmung, 
- Ebenso auch die Art der schöpferischen Kräfte, aus denen heraus er lebte

Der Atomphysiker Werner Heisenberg (1901-1976) (Wiki) - er war ein sehr nach innen gekehrter Mensch. In Mitteilungen über sein Innenleben und Gefühlsleben war er Zeit seines Lebens eher zurückhaltend. Man möchte fast sagen: schamhaft. Es gibt aber eine Schrift von ihm, in der er ein wenig mehr über sein Innenleben und über seine Sicht auf sich selbst preisgibt (11). Er hat sie in den Jahren 1941 und 1942 verfaßt, in einer Zeit, in Kriegszeiten, in Zeiten, in denen er Leiter des streng geheimen deutschen Atomprojektes war, und in denen keineswegs sicher war, ob man diese Zeiten lebend überstehen würde, so oder so. Er hat sie damals also sicherlich auch als eine Art Testament verfaßt. Da sie vieles sehr Persönliche enthält, hat er sie vermutlich nach 1945, nachdem er die gefährlichen Zeiten lebend überstanden hatte, nicht mehr selbst veröffentlichen wollen. Immerhin blieb sie in seinem Nachlaß erhalten.


Abb. 1: Der 33-jährige Werner Heisenberg mit seinem Assistenten Carl Friedrich von Weizsäcker, Leipzig 1934

Aber auch bezüglich dieser Schrift findet der Leser nur das, was er von sich aus in diese hinein legen kann. Sie kann "klanglos" an ihm vorbei rauschen. 

Sollte man aber eine gewisse Sensibilität in sich für sie ausgebildet haben, dann findet man - geradezu plötzlich und überraschend - in dieser Schrift den "Schlüssel" für jene Lebenswertungen, die Thema des folgenden Beitrages sind.

"Ich muß viel Glück haben, wenn aus meinem Leben noch etwas werden soll."

Denn wenn man genau liest und hinterher horcht, wie sich Werner Heisenberg auch sonst äußert oder geäußert hat, wird man doch manche sehr deutliche Hinweise auf sein Innenleben finden können. So etwa in seinen - erst 2003 - veröffentlichten Briefen an seine Eltern (1). In ihnen fallen Sätze wie der folgende vom 28. Februar 1936 (1, S. 248):

Ich muß viel Glück haben, wenn aus meinem Leben noch etwas werden soll.
Was für ein Satz! Wenn man nicht die Hintergründe der Lebenseinstellung von Werner Heisenberg aus seinem "Testament" des Jahres 1942 kennen würde, kann er einem geradezu unverständlich sein. Denn dieser Satz wurde nicht nur niedergeschrieben von einem Professor für Physik an der Universität Leipzig, nein, er ist nieder geschrieben worden vier Jahre nachdem ihm vor aller Welt der Physik-Nobelpreis des Jahres 1932 verliehen worden war.

Allein dieser kurze Satz zeigt, daß für Werner Heisenberg selbst ein Nobelpreis keinerlei Zeichen dafür war, daß aus einem Menschenleben - insgesamt und in letzter Instanz, so oder so - etwas "geworden" war, daß es also irgendwie als ein gelungenes angesehen werden könne. Darüber entschied für ihn offensichtlich erst der letzte Tag im Leben dieses Menschen. Bis dahin konnte alles noch auf des Messers Schneide stehen. Und es entschied sich das für ihn offenbar auch innerhalb von Bereichen, an die diesbezüglich nicht jeder Mensch als erstes denken wird.

Schlägt man sein Manuskript von 1942 auf, wird einem sofort deutlich, welche immense Bedeutung er der Wirklichkeit der Liebe in ihm zumißt (11). Und dann versteht man: Wie sich das menschliche Leben insgesamt entscheidet, konnte für ihn nur wenig allein mit seiner wissenschaftlichen Entwicklungen zu tun haben, etwa mit seinen wissenschaftlichen Erfolgen und Ehrungen. Der eigentliche Wert eines Menschenlebens, der durch äußere Ehrungen wie einen Nobelpreis gar nicht berührt zu werden braucht, lag für ihn in völlig anderen Bereichen. Und das sogar sehr entschieden und konsequent, geradezu selbstverständlich.

Es kommt nicht auf äußere Erfolge im Menschenleben an. Ein Menschenleben kann scheitern. Es kann scheitern, auch wenn ihm viele äußere Erfolge beschieden gewesen sind. Daß Werner Heisenberg Lebenentscheidungen so gewichtet hat, das mag ihn als einen besonderen Menschen kennzeichnen.

Ich muß viel Glück haben, wenn aus meinem Leben noch etwas werden soll.

Es ist dieser Satz keine eitle Selbstbespiegelung oder Phrase. Dafür wäre sich Heisenberg zu schade gewesen. Dieser Satz wurde vielmehr geschrieben als es sich abzeichnete, daß seine langjährige Liebe zur Schwester seines engsten lebenslangen Freundes, zur Schwester von Carl-Friedrich von Weizsäcker (1912-2007) (Wiki), nämlich zu Adelheid von Weizsäcker (1916–2004) nicht Erfüllung finden würde.*) Und zwar - wenn es recht zu verstehen ist - aufgrund der Entscheidung dieser Adelheid von Weizsäcker selbst, nicht aufgrund äußerer, hinderlicher Umstände.

Und auf genau dieses Geschehen scheint sich sogar eine längere Passage gleich am Anfang seiner Schrift "Ordnung der Wirklichkeit" zu beziehen, die weiter unten noch anzuführen ist (11, S. 33).

"Die Erinnerung an die wesentlichen Dinge"

Und genau diese Erfahrung scheint Heisenberg in dieser Zeit gemacht zu haben. Zwar sollten in den nachfolgenden Monaten des Jahres 1936 kurzzeitig noch einmal Hoffnungen aufflackern. Aber am Ende des Jahres klingt aus den Briefen von Heisenberg noch größere Enttäuschung heraus als sie schon Anfang des Jahres heraus geklungen hatte. Der Satz vor dem zitierten Satz vom 28. Februar 1936 lautete (1, S. 248):

Ich weiß, daß sich in diesem Sommer nun alles entscheiden muß und ich habe etwas Angst davor.

Es ist klar: Er wußte nicht, wie er selbst damit umgehen würde, ob er es schaffen würde, diese Enttäuschung zu verkraften, ob er es schaffen würde, an ihr menschlich zu wachsen oder ob diese Entscheidung menschlich ihm zu viel abverlangen würde. Diese Liebe bedeutete ihm - fast - alles. Sie strukturierte für ihn die "Ordnung der Wirklichkeit", wie er sie bis zu dieser Zeit wahrgenommen hatte (11). Wie ernst er es damit nahm, machte schon der erste Satz des Briefes deutlich (1, S. 248):

Liebe Mama! Dieser Brief wird ein sehr ernster Brief!

Und auch der Satz nach den beiden schon zitierten Sätzen läßt daran keinen Zweifel (1, S. 248):

Wenn Du in Gedanken in den nächsten Monaten bei mir bist, ohne zuviel äußerlich nach mir zu fragen, so wird mir das viel helfen.

Heisenberg wußte, daß er durch einen Sturm gehen würde, einen Sturm, der ihn im Innersten erschüttern würde. Und er wappnete sich, er suchte Rückversicherung bei seiner Mutter, aber sicherlich noch mehr in sich selbst. Er suchte sich zu fassen, um den von ihm erwarteten Sturm zu durchstehen. Adelheid von Weizsäcker war 1936 gerade erst 20 Jahre alt geworden. Bis November 1936 nun scheint sich für Heisenberg das Verhältnis zu Adelheid geklärt zu haben, wenn er es auch nicht deutlich ausspricht. Am 3. November schreibt er an seine Mutter, die ihn an seinen Geburtstag, seinen 35. Geburtstag am 5. Dezember erinnert hatte (1, S. 253):

Es ist mir nicht sehr nach feiern zu Mut und ich bin froh, wenn ich mich in der nächsten Zeit tief in meine Arbeit vergraben kann. Ich empfinde sehr stark die Wohltat, in diesem einen Bereich ganz von der übrigen Welt abgeschlossen sein zu dürfen und beneide niemand, der gezwungen ist, sich immer mit dem Spiel der Welt draußen abzugeben.

Und eine Woche später (1, S. 253):

Auch ist mir das einsame Leben nur durch die Arbeit an der Wissenschaft erträglich, aber auf die Dauer wäre es sehr schlimm, wenn ich ohne einen ganz jungen Menschen neben mir auskommen müßte. Wie sich hier mein Leben weiter gestalten wird, weiß ich natürlich nicht. Die Verbindung zur Familie Weizsäcker wird wohl ganz abgebrochen werden und dadurch wird alles völlig anders als bisher. (...) Einstweilen will ich mich der Arbeit widmen, um derentwillen ich auf die Welt gekommen zu sein scheine; und die Erinnerung an die wesentlichen Dinge soll diese Arbeit nur wie eine ferne Musik begleiten.

Es ist erahnbar, wie viel Beben diesen Worten vorausging und von wieviel Beben sie begleitet sind. In seinen Lebenserinnerungen "Der Teil und das Ganze - Gespräche im Umkreis der Atomphysik" wird Heisenberg später ja sehr genau beschreiben und kennzeichnen, wie er diesen - womöglich - tiefsten Punkt seines persönlichen Lebens erlebt hat. Daß es dabei aber um die unerfüllte Liebe zu einem Mädchen gegangen war, deutet er dort mit keinem Wort an. Das wird erst in diesen Briefen an die Eltern deutlich.


Abb. 2: Werner Heisenberg und Ehefrau Margarethe, geborene Schumacher, etwa 1946

Um alles noch etwas genauer zu verstehen und einordnen zu können, muß man acht Jahre im Leben von Werner Heisenberg zurück gehen. So lange nämlich schon war sein Leben erfüllt von einer unerfüllten Liebe zu Adelheid, nämlich seit 1928. 1928 war Heisenberg 27 Jahre alt und Adelheid war erst 12 Jahre alt. .....

Die einzelnen Stationen im Verhältnis von Heisenberg zu Adelheid und insbesondere zu ihrer ganzen Familie müssen künftig an dieser Stelle noch nachgetragen werden. Die Mutter von Adelheid, Marianne von Weizsäcker, die Heisenberg anfangs sehr freundlich in ihrem Haus in Berlin aufgenommen hatte, hat sich später, um so mehr erkennbar wurde, welche inneren Bande Heisenberg an die Familie knüpften, gegen diese Liebe gewandt. Adelheid selbst blieb diesbezüglich aber bis 1936 indifferent, so daß sich Heisenberg immer noch Hoffnungen hatte machen können.

Am 10. September 1932 hat Werner Heisenberg etwa an seine Mutter geschrieben, daß er Adelheid während seines Berlin-Besuches aus der Ferne gesehen habe (zit. n. 10, S. 917):

"Nachher bin ich den ganzen Weg nochmal allein zurückgegangen, die Straßen leuchteten noch ein wenig, wo sie vorbei gekommen war. Aber hier ist jetzt alles grau."

Was sich in diesen wenigen Worten alles andeutet. Heisenbergs Mutter schrieb Anfang 1933 an Adelheids Mutter. Diese antwortete auch ausführlich. Sie beklagte sich, daß Heisenberg immer noch nicht (zit. n. 10, S. 944)

"mehr männliche Einstellung diesen Dingen gegenüber"

zeige, das heißt, ihre Sorgen mißverstand und

"in seiner eigenen Einstellung zu unserer damals noch nicht 16jährigen Tochter nicht selbst die Folgerung zog".

Deshalb hatte sie Heisenberg Hausverbot bei ihrer Familie ausgesprochen.

Die meisten Autoren und Heisenberg-Biographen, die auf diese erste, unerfüllte Liebe im Leben von Werner Heisenberg zu sprechen kommen (wenn sie das überhaupt tun) (z. B. 9, 10), erwähnen doese nur sehr leichthin im Vorübergehen. Sie scheinen sie gerne auch nur als etwas Kindlich-einfältig-Kindisches zu erachten. Sie nehmen die Worte von Heisenberg nicht wahr und ernst, nach dem diese unerfüllte Liebe ihm viel wichtiger war als der ganze Nobelpreis.

Solche Aussagen müssen einfach voll von jenen berücksichtigt werden, die sich anmaßen, das innere Leben von Werner Heisenberg in diesen Jahren voll zu verstehen, in den Jahren übrigens der Formierung der Quantenmechanik. Als würde ein menschlich ganz unreifer Mensch fähig sein, so grundlegende Dinge in der Wissenschaft erarbeiten zu können. Das wäre doch ein gar zu arger Widerspruch in sich.

Im Januar 1937 lernte Werner Heisenberg Margarethe Schumacher kennen. Er heiratete sie nur wenige Monate später. Adelheid von Weizsäcker heiratete ebenfalls nur ein Jahr später den ostpreußischen Rittergutsbesitzer und Reserveoffizier Botho-Ernst Dietlof Graf zu Eulenburg-Wicken (1903-1944). Mit ihm lebte sie auf Gut Wicken im Kreis Friedland in Ostpreußen. Ihr ebenfalls dort lebender Schwiegervater (Wiki) war Major im Ersten Weltkrieg gewesen, er war außerdem 1918/19 ein bekannter Freikorpsoffizier gewesen und war vor 1933 führer des Frontsoldatenbundes "Der Stahlhelm" in Ostpreußen gewesen, der einen Flügel hatte, der politisch zur DNVP hin gerichtet war und einen Flügel, der politisch zur liberaleren DVP gerichtet war. Adelheid hatte dann zwei Töchter. Die ältere der beiden Töchter wurde die nachmalige Schriftstellerin Heilwig Gräfin zu Eulenburg (10. September 1939-1975) (Wiki). Seit 1944 gilt Adelheids Ehemann in Weißrußland als vermißt. Sie selbst mußte mit ihren beiden Kindern und ihren Schwiegereltern 1945 aus Ostpreußen fliehen. Eine neue Heimat fand die Familie in Lindau am Bodensee.

Verwandlungen der Wirklichkeit

Eine Deutung des Geschehens rund um seine erste, große, unerfüllte Liebe gibt Werner Heisenberg 1941/42 in dem schon genannten Manuskript. Es behandelt an verschiedenen persönlichen und geschichtlichen Beispielen, wie sich Wirklichkeit für Menschen ändern, verwandeln kann. Es wird zunächst über die Fähigkeit des Kindes gesprochen, das Wirkliche zu verwandeln, indem es sich sehr sicher im Zauberreich der Phantasie bewegt. Er gibt dann ein Beispiel aus seinem persönlichen Leben über ein Landschaftserlebnis am Übergang vom Kindsein zum Erwachsensein und schreibt dann 11, S. 33):

... Zum ersten Mal, wenn auch nur für kurze Zeit, betritt das Kind den neuen Bereich der Wirklichkeit, in dessen Allerheiligstem später die Liebe wohnt.

Und es heißt dann dann weiter (11, S. 33f):

Auch in die Jahre des tätigen Schaffens, in denen dem erwachsenen Manne neue Erfahrungen kaum mehr die Welt verändern, kann eine plötzliche und unheimliche Verwandlung der Wirklichkeit einbrechen. Zu leicht etwa verweben wir in unser Leben eine leitende Idee, einen Wunsch, der bald als der einzige Sinn dieses Lebens erscheint. An diesem Wunsch entwickeln sich alle guten Kräfte, der Glaube an seine Erfüllbarkeit erscheint als die Quelle allen Lebens schlechthin. Dann kann es geschehen, daß das Schicksal die Grundlage des Wunsches plötzlich zerstört, daß es seine Unerfüllbarkeit ein für allemal festlegt. In diesem Augenblick kann sich die Welt in der unheimlichsten Weise verändern. Menschen und Dinge, die lebendig zu uns gesprochen haben, bleiben stumm und sehen starr und unwirklich aus. Dort, wo ein sinnerfüllter Zusammenhang unser Leben enthalten hatte, waltet ein starres Gesetz, das nur nach Ursache und Wirkung und ohne Ansehen höherer Zusammenhänge entscheidet. - Frühere Zeiten sprachen davon, daß Gott einen Menschen verlassen könnte. Vielleicht gibt es in unserer Zeit viele Menschen, für die die Welt ein graues und starres Antlitz trägt.

Solchen Verwandlungen der Wirklichkeitserfahrung durch die Liebe scheint das Weltbild von Werner Heisenberg sehr grundlegend bestimmt zu haben (11). In seinem Buch "Der Teil und das Ganze" schreibt er über dieselbe Zeit, wobei er mehr die politischen Aspekte hervor hebt (14, S. 195):

Die Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg sind mir, soweit ich sie in Deutschland verbracht habe, immer als eine Zeit unendlicher Einsamkeit erschienen. (...) Das Leben in dieser Welt des Mißtrauens war mir unerträglich. (...) So erinnere ich mich an einen grauen, kalten Vormittag im Januar 1937, an dem ich auf den Straßen der Leipziger Innenstadt Wirtschaftshilfezeichen zu verkaufen hatte. (...) Ich war, während ich mit der Sammelbüchse umherging, in einem Zustand völliger Verzweiflung. Nicht wegen der verlangten Geste der Unterwerfung, die mir unwichtig erschien, sondern wegen der völligen Sinn- und Hoffnungslosigkeit dessen, was ich tat und was sich um mich herum abspielte. So geriet ich in einen merkwürdigen und unheimlichen seelischen Zustand. Die Häuser an den schmalen Straßen schienen mir weit entfernt und fast unwirklich, so als seien sie schon zerstört und nur noch als Bilder übrig geblieben; die Menschen wirkten durchsichtig, ihre Körper waren gewissermaßen schon aus der materiellen Welt herausgetreten und nur ihre seelische Struktur noch erkennbar. Hinter diesen schemenhaften Gestalten und dem grauen Himmel empfand ich eine starke Helligkeit. Es fiel mir auf, daß einige Menschen mir besonders freundlich begegneten und mir ihren Beitrag mit einem Blick reichten, der mich für einen Moment aus meiner Ferne zurückholte und mich dann eng mit ihnen verband. Aber dann war ich wieder weit weg und begann zu spüren, daß diese äußerste Einsamkeit vielleicht über meine Kräfte gehen könnte.

Noch am gleichen Abend lernte er, wie er weiter schreibt, auf einem Kammermusik-Abend seine spätere Frau kennen (11, S. 196):

Eine der jungen Zuhörerinnen, die zum ersten Mal im Hause Bücking verkehrte, konnte schon bei unserem ersten Gespräch die Ferne überblicken, in die ich an diesem merkwürdigen Tag geraten war. Ich spürte, wie die Wirklichkeit mir wieder näher rückte, und der langsame Satz des Trios wurde von meiner Seite schon eine Fortsetzung des Gesprächs mit dieser Zuhörerin. Wir haben dann einige Monate später geheiratet und Elisabeth Schumacher hat in den kommenden Jahren mit großer Tapferkeit alle Schwierigkeiten und Gefahren mit mir geteilt. So war ein neuer Anfang gesetzt, und wir konnten uns darauf einrichten, das herannahende Unwetter gemeinsam zu bestehen.

Nachbemerkung, persönliche

Sich am Leben bedeutender Menschen zu orientieren, kann viel für das eigene Leben bedeuten. Was wir in dem Leben großer Menschen wahrnehmen, ist auch das, was in uns selbst lebt. Oder eben nicht. 

Im Jahr 2003 hat der Autor dieser Zeilen die hier behandelten Briefe Werner Heisenbergs an seine Eltern (bzw. später nur noch an seine Mutter) (1) das erste mal in seine Hände bekommen. Diese Briefe fielen damals bei ihm nur auf wenig fruchtbaren Boden. Er kann nicht sagen, daß er zu jener Zeit von diesen Briefen ähnlich ergriffen worden wäre wie er lange zuvor - etwa um 1990 herum (oder schon früher) - von der Lektüre der abgeklärten Lebenserinnerungen "Der Teil und das Ganze" ergriffen gewesen war. Nachdem er Heisenbergs Briefe an seine Eltern aber fünfzehn Jahre später noch einmal neu in die Hand genommen hat (um 2018), ging ihm erst auf, wie sehr man doch von der ganzen Stimmung, die diese Briefe enthalten, in Bann gezogen wird, wie man in ihnen das innere und äußere Ringen Heisenbergs nachverfolgen kann, wie deutlich wird, was ihm wichtig war im Leben und was nicht.

Nimmt der Autor dieser Zeilen nun noch einmal seinen bislang nie veröffentlichten Aufsatz-Entwurf aus dem Dezember 2003 zu diesem Buch in die Hand - immerhin 18 Din-A-4-Seiten! -, dann findet er darin in keiner Weise, daß er in diesem Aufsatz-Entwurf der Stimmung, dem Wert dieser Briefe gerecht geworden war. Es ist also doch immer die Frage: Wo steht man eigentlich selbst, welchen Wert gibt man sich selbst, wenn man über einen Gehalt urteilt, dem man - womöglich - innerlich gar nicht gewachsen ist, bzw. den man innerlich gar nicht wahrnimmt.**)

Fast dasselbe kann auch von der Lektüre der Schrift "Ordnung der Wirklichkeit" gesagt werden, die der Autor dieser Zeilen irgendwann Anfang der 1990er Jahre gekauft und gelesen haben muß. Daß in dieser so auffällig von der Rose als einem Symbol für eine andere Seite der Wirklichkeit die Rede war, das blieb vage in Erinnerung. Aber wie viel wertvollen Inhalt diese Schrift auch sonst hat - reihenweise hat - das geht ihm erst jetzt, im Januar 2021 auf.



erneut überarbeitet: 14.3.2020;
inhaltlich deutlich ergänzt und überarbeitet 
nach Lektüre von (11):
28.01.2021  /
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*) Zwei Fotografien von Adelheid aus dem Jahr 1929: http://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/69518834, https://ebookstr.e-bookshelf.de/products/reading-epub/product-id/26257/title/Vier%2BZeiten.html
**) Geradezu Seelenleere starrt ihm aus diesem 18-seitigen 2003-Manuskript an. Der innere Geist in dem damaligen Manuskript stimmte nicht. Der ganze Geist des Manuskriptes ödet den Leser an. Es ist ohne alle Ergriffenheit geschrieben und kann deshalb auch keine wecken.
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  1. Heisenberg, Werner; Hirsch-Heisenberg, Anna M.: Liebe Eltern! Briefe aus kritischer Zeit 1918 bis 1945. Langen/Müller, München 2003
  2. Kleint, Christian; Wiemers, Gerald (Hrsg.): Werner Heisenberg im Spiegel seiner Leipziger Schüler und Kollegen. Leipziger Universitätsverlag, 2006
  3. Heisenberg, Werner; Heisenberg, Elisabeth; Hirsch-Heisenberg, Anna M.: Meine liebe Li! Der Briefwechsel 1937 - 1946. Residenz, 2011 
  4. Lindner, Konrad: Jugendliches Genie - Carl Friedrich von Weizsäcker als Student in Leipzig. Dezember 2016, http://www.leipzig-lese.de/index.php?article_id=835
  5. Lindner, Konrad:  Heisenbergs jüdische Meisterschüler - zur Physik in der Weimarer Republik. http://www.leipzig-lese.de/index.php?article_id=679
  6. Werner Heisenberg und Carl Friedrich Freiherr von Weizsäcker - München 1966, https://av.tib.eu/media/14335
  7. Rekonstruktion der Quantentheorie und Theorie der Ur-Alternativen - Carl Friedrich von Weizsäcker diskutiert seine Thesen mit Manfred Eigen und Manfred R. Schroeder, 1988, https://av.tib.eu/media/11191
  8. Rechenberg, Helmut; Wiemers, Gerhard: Werner Heisenberg 1901-1976. Forscher, Lehrer und Organisator der Wissenschaft. Eine Ausstellung zum 100. Geburtstag, 2001, https://www.archiv.uni-leipzig.de/heisenberg/intro.htm
  9. Martin Ebner: Wen schert Heisenbergs Liebeskummer? Besprechung von "Werner Heisenberg. Liebe Eltern! Briefe aus kritischer Zeit 1918 bis 1945". Neue Züricher Zeitung, 21.9.2003, https://www.nzz.ch/article9065U-1.306192.
  10. Rechenberg, Helmut: Werner Heisenberg - Die Sprache der Atome. Leben und Wirken - Eine wissenschaftliche Biographie. Band 1: Die "Fröhliche Wissenschaft" (Jugend bis Nobelpreis). Springer, Heidelberg 2010 (GB)
  11. Heisenberg, Werner: Ordnung der Wirklichkeit. Verfaßt 1941/42, aus dem Nachlaß: Piper, München 1989; 
  12. Bading, Ingo: Die schöpferischen Kräfte der Seele ... Behandelt in einem Manuskript Werner Heisenbergs aus den Jahren 1941/42, 24.01.2021, https://youtu.be/40IkqgY1BKE, Teil 2: https://youtu.be/DnftqrKyyGI, Teil 3: https://youtu.be/0SK8wxmFHY0.
  13. Heisenberg, Werner: Ordnung der Wirklichkeit. Versehen mit einem Kommentar von Ernst Peter Fischer, Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg 2019, https://www.springer.com/de/book/9783662595282, https://books.google.de/books?id=4gqwDwAAQBAJ.
  14. Heisenberg, Werner: Der Teil und das Ganze (1969) dtv 1988

Samstag, 5. Januar 2019

Die Liebe, die Wissenschaft und Max Delbrück

Wie fühlt es sich an, wenn man einen genialen Wissenschaftler als Freund hat?

Der Konstanzer Wissenschaftshistoriker Ernst Peter Fischer (geb. 1947) (Wiki) hat die bis heute ausführlichste und gelungenste Biographie über den deutsch-amerikanischen Biophysiker und Nobelpreisträger Max Delbrück (1906-1981) (Wiki) verfaßt. In der Erstauflage trug sie den Titel "Licht und Leben" (1). Bei dieser Biographie handelt es sich um ein hinreißendes Buch. Der Geist einer ganzen Generation von Wissenschaftlern, die im Leben von Max Delbrück eine Rolle gespielt haben, von denen Max Delbrück angeregt worden ist (Niels Bohr etwa) oder die von Max Delbrück selbst angeregt worden sind, findet sich in diesem Buch wieder.

Ernst Peter Fischer ist der Öffentlichkeit nach der Veröffentlichung dieser Biographie bis heute durch viele weitere Bücher und durch Vorträge bekannt geworden. Es finden sich viele Vorträge und Interviews von ihm auch in Videoform im Internet. Ein Interview mit ihm aus dem Jahr 2018 mag man nicht zuletzt deshalb als bemerkenswert empfinden, weil darin - Minuten 14'35 bis 19'48 - davon die Rede ist, daß Max Delbrück als letzte Bemerkung vor seinem Tod an seinen Biografen noch die Frage gerichtet hatte (2):

Wie kannst du es wagen, mein Leben zu beschreiben, wenn du nichts über mein Sex life weißt?

Fischer bringt gleich im Anschluß daran das Beispiel Werner Heisenberg, und daß ein Biograph bei Heisenberg genug zu tun hätte, dessen Wissenschaft zu beschreiben. Aber gerade der Fall Heisenberg kann auch deutlich machen, wie sehr Delbrück mit seiner Bemerkung den Nagel auf den Kopf getroffen hatte. Denn auch für Heisenberg war - wie wir heute wissen (3) - die erste große, unerfüllte Liebe in seinen Leben für viele Jahre ein weitaus bedeutsamerer Lebensinhalt als der Nobelpreis, den er in derselben Zeit erhalten hat. Heisenberg gab in dieser Zeit sogar zum Ausdruck, daß sein ganzes Leben scheitern könne, wenn er bezüglich dieser Fragen nicht zu einer gelungenen Lösung fände (3).

"Amoröse Szenen"  - wie sich Fischer ausdrückt - wird man bei Heisenberg - wie zu vermuten steht - kaum finden. Deutlich genug geht das aus dem sich über viele Jahre hinweg erstreckenden Briefen an seine Eltern hervor (3). Schon allein bei einer Formulierung wie der, Heisenberg sei "den Frauen hinterher gelaufen, um nachher die Quantenmechanik zu machen" - so formuliert es Fischer als nicht ganz ernst genommene Hypothese - gerät außerordentlich vieles in Schieflage. Eine solche Aussage würde die Dinge wohl sogar bezüglich eines Menschen wie Johann Wolfgang von Goethe in Schieflage bringen. Nebenbei sei bemerkt, daß eine solche Hypothese sogar gegenüber einem Heisenberg-Freund wie Pauli ganz falsch sein könnte, selbst wenn hier mehr Anlaß bestehen sollte, eine solche überhaupt aufzustellen. Deshalb wird diese Frage von Max Delbrück natürlich auch nicht "die Schnappsidee eines alten Mannes, der stirbt" sein - wie das Ernst Peter Fischer charakterisiert. Sondern es handelt sich um das menschlichste Thema das es gibt. Es handelt sich um jenes Thema, das uns Menschen erst zu Menschen macht.

Ernst Peter Fischer hat aber nun tatsächlich "gewagt", seine Biographie über Max Delbrück zu schreiben, ohne auf dieses Thema einzugehen (1). Und diese Biographie hat nun auch in der Tat aufregende Inhalte genug, als daß es der Behandlung dieses Thema noch zusätzlich bedurft hätte, um sie spannend zu machen. Allerdings hatte der Leser schon bei der ersten Lektüre derselben das Gefühl, daß er mehr wissen können sollte und daß er gerne mehr wissen würde über das Verhältnis von Max Delbrück zu den Frauen, zu jenen, die in seinem Leben eine Rolle gespielt haben.

Wenn man aber nun noch zusätzlich erfährt, daß Max Delbrück sogar in dieser Weise eine klare Anregung gegeben hat, bedauert man es um so mehr, daß sich Fischer auf dieses "Wagnis" eingelassen hat, es nicht zu behandeln. Die ersten Andeutungen allerdings, die Fischer dann gibt - hinsichtlich des fröhlichen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens in Cold Spring Harbour - sind dann viel zu ungenügend, um aus diesen irgendwelche Schlußfolgerungen ziehen zu können. James Watson hat in Erinnerungen (4) und Büchern wie "Genes, Girls and Gamov" (5) (vielleicht auch in anderen wie etwa in "Avoid Boring People") darüber ja ebenfalls schon Andeutungen gegeben, durchaus wertvolle Andeutungen. Letzteres ist dem flapsigen Titel des genannten Buches keineswegs unbedingt anzumerken.

Vom August 1965 bis Dezember 1966 war mein Onkel, der vormalige Konstanzer Biophysiker Gerold Adam (1933-1966) (Wiki), Mitarbeiter von Max Delbrück in Pasadena. Diese Zeit in Kalifornien hat ihn maßgeblich geprägt. Bis zum Tod von Max Delbrück blieb Gerold mit ihm in freundschaftlicher Verbindung und im regen Austausch von Briefen. Gerold erhielt eine Professur an der - unter maßgeblicher Mithilfe von Max Delbrück gegründeten - Forschungsuniversität Konstanz.

"Du bist Ishi!" (1967)

Mit Hilfe des Briefwechsels zwischen Gerold und Max Delbrück sowie mit Hilfe dessen, was Gerold darüber zu Lebzeiten erzählt hat, können die von Ernst Peter Fischer angesprochenen Fragen noch eine zusätzliche Erläuterung und Illustrierung erhalten. Gerold hat erzählt, daß Manny und Max Delbrück während seines Aufenthaltes in Pasadena immer wieder versucht haben, ihn mit jungen Frauen zusammen zu bringen. Denn sie waren der Meinung, es würde ihm gut tun, verheiratet zu sein. Zu diesem Zweck wurden junge Frauen zu gemeinsamen Essen eingeladen. Gerold erzählte, daß Manny und Max Delbrück ihm zum Abschied die damals ganz neu erschienene Biographie über Ishi (Wiki), den berühmten, letzten frei lebenden Indianer Kaliforniens, geschenkt hätten, benannt "Ishi in two worlds" (6). Manny habe in diesem Zusammenhang zu Gerold gesagt: "Du bist Ishi!" Gerold hat auch wiederholt gerne von Ishi selbst erzählt. Ishi ist als letzter Überlebender seiners Stammes auf Angebote von jungen, weißen Frauen, mit ihm Kinder zu haben, nicht eingegangen. Gerolds Unterton war, daß er sich tatsächlich oft selbst als ein solcher "Letzter seines Stammes" fühlte und - wie die Aussage von Manny andeutet - auch von damaligen Freunden so wahrgenommen worden ist.

Gerold ist dann im Dezember 1966 von Pasadena aus - über Island - nach Marburg an seine Heimat-Universität zurück gekehrt (nach fünfjährigem Auslandsaufenthalt). Um die warmherzige Art zu charakterisieren, die Max dann zeitlebens gegenüber Gerold innehielt, sei hier zitiert, was Max gleich nach der Abreise an Gerold schrieb: 

Prost Neujahr! Ich hoffe, daß du nicht auf Island stecken geblieben bist. Ich hatte noch versucht, Dich am Huntington Hotel zu treffen, um Dir Brecht's "Kalendergeschichten" als Reiselektüre mitzugeben. Leider kam ich erst in dem Augenblick an, als Dein Bus schon losfuhr. Zu viel Party letzte Nacht! Alles ist nun sehr ruhig in den Phyco- und Phage-Laboren. M.
Original: Prosit Neujahr! Hope you did not get stuck in Iceland. Tried to see you off at Huntington Hotel and give you Brecht's „Kalendergeschichten“ as Reiselektüre but got there just as your bus pulled out. Too much party in the night before! Now all very quiet in the Phyco and Phage labs. M.
Der Abschied von Gerold war - wie man an diesen Worten erkennen kann - ausgiebig gefeiert worden. Man erhält hier Anregung, einmal in die Kalendergeschichten von Bertolt Brecht (Wiki) hinein zu schauen, die 1949 erschienen sind. Am 27. Januar 1967 beendete Max einen längeren Brief an Gerold mit den Worten: 
Wir alle vermissen Dich. Ich vor allem. M.
We all miss you. I especially. M.
Auch der damals junge Biologe Martin Heisenberg (Sohn von Werner Heisenberg), der damals noch länger bei Max Delbrück blieb, stand kurzzeitig mit Gerold im Briefwechsel. Am 11. März 1967 schrieb Max in einem Brief an Gerold in Marburg etwa auch: 
Lieber Gerold, was für ein Ungemach, lange Briefe schreiben zu müssen, anstatt einfach runter in die Halle zu zuckeln und dort die Dinge durchzusprechen.
Dear Gerold: What a nuisance it is to have to write a long letter to you rather than trotting down the hall and talking things over.
Der Briefwechsel enthält dann natürlich viel "schwere Kost", nämlich wissenschaftliches Forschen im Bereich der theoretischen Biologie und auch Nachdenken darüber, wo Gerold seine wissenschaftliche Laufbahn weiter führen könne. Das soll andernorts noch einmal ausführlicher dokumentiert werden. Hier seien nur noch die Ausschnitte zitiert, die Bezug haben zu den von Ernst Peter Fischer in seinem Interview aufgeworfenen Fragen. Manny schrieb am 14. April 1967 an Gerold: 
Lieber Gerry, (...) ich bin froh, daß Du "Ishi" bekommen und gelesen hast mit ebenso viel Sympathie wie ich auf Dich gezählt hatte, daß Du sie haben würdest für diese Persönlichkeit.
Dear Gerry, (...) I am glad, you received and read "Ischi" with as much sympathy as I counted on you to feel for this personality.

Es wird deutlich, daß über Ishi schon vor der Abreise gesprochen worden war. Manny hatte Gerold das Buch nachgeschickt.

"Was macht dein Liebesleben?" (1968)

Ein Jahr später, am 26. Juni 1968, schrieb Manny einen vierseitigen Brief aus dem vom Sommersturm umbrausten Cold Spring Harbor an Gerold. In diesem schildert sie lebhaft und bildhaft das fröhliche, wissenschaftliche und außerwissenschaftliche Leben dort, das ja aus vielen Berichten über Max Delbrück gut bekannt ist, und in dem sie unter anderem schreibt: 

Wir hatten gestern Abend eine Hummer- und Wein-Party. Jim Watson und seine neue, junge Frau waren da. Und dem ersten Augenschein nach sieht es nach einer glücklichen Zukunft für sie aus. - Und Max sagt deshalb, daß auch Du Mut fassen sollst, eines Tages wirst auch Du eine Begleiterin finden, was um so kostbarer sein wird, nachdem Du so lange ohne eine solche gelebt hast.
Last night we had a lobster wine party. Jim Watson and his new young wife were there and from first appearances it looks like a happy future for them - so Max says, you should take heart for one day you too will find a compagnion, the more precious for having gone long without. 
Was für wunderschöne Worte das sind. Wer wünscht sich nicht solche Freunde? Und - tatsächlich, nur wenige Wochen später hat Gerold seine nachmalige Frau kennen gelernt. Am 27. Oktober 1969 schrieb Max an Gerold als handschriftlichen Zusatz zu einem Brief: 
Was macht Dein Liebesleben? Martin hat Dich überholt.
What about your love life? Martin got ahead of you.

Damit ist höchstwahrscheinlich Martin Heisenberg gemeint. Dies ist die Zeit, in der Max den Nobelpreis erhalten hat und er von viel Rummel umgeben war. Und es ist die Zeit, in der Gerold eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Konstanz erhalten hat.

Hochzeit (1969)

Am 6. Dezember 1969 hat Gerold geheiratet. Ob er oder Martin Heisenberg nun schneller waren, wäre ja vielleicht noch einmal zu klären. Die Hochzeitsreise von Gerold und seiner Braut führte durch die Pyrenäen. Am 21. Januar 1970 schrieb Manny: 

Eure Heiratsanzeige und den Bericht von Eurer wunderschönen Reise durch Spanien haben wir erhalten noch bevor wir Euch hatten gratulieren können! Natürlich hofften wir, Euch rund um den Hochzeitstermin herum zu sehen, irgendwann vor unserem nächsten Besuch in Konstanz, wo wir dann hoffen, Deine Frau kennenzulernen. Ich fragte Patty Reau (?) (die jetzt wieder zurück in Pasadena ist und in Max's Labor an ihrem eigenen Phyco-Projekt arbeitet). Aber sie sagte, daß Deine Frau bei ihr in Konstanz niemals aufgetaucht sei.
We have your wedding announcement and the description of your beautiful trip through Spain already came before we got around the congratulations! Of course, we expected you to see around to the wedding sometime before our next visit to Konstanz when we'll look forward meeting your wife. I questioned Patty Reau (?) (who is now back in Pasadena, installed in Max's lab with her own phyco project) but she replied that your wife never did show up in Konstanz to her.
Dann ist noch vom Hochzeitsgeschenk die Rede. Der Brief schließt mit: 
Seid glücklich miteinander! Eure Manny und Max.
Be happy together! Yours Manny and Max.

So viel an dieser Stelle als Ergänzung zu den Andeutungen von Ernst Peter Fischer, ebenso als eine Ergänzung natürlich zu den wissenschaftlichen Biographien von Gerold und Max Delbrück. Nachdem wir diesen Beitrag nach längerem zeitlichen Abstand einmal wieder durchsehen, kommt uns die Erinnerung an Andeutungen Gerolds dahingehend, daß es von Seiten des weiblichen Teils der Mitarbeiterschaft an der Universität sehr wohl gelegentlich Versuche gab, das ausschließliche Band Gerolds zu seiner Frau als doch nicht so ausschließlich zu erachten. Nunja, für sie wird gegolten haben, was so oft gilt: Versuch macht klug. In dieser Hinsicht blieb Gerold - - - "Ishi".

Dummheiten (1980)

Und damit wären wir gleich noch bei einem zweiten Interview angelangt, das in den letzten Jahren zugänglich geworden ist (7). Es handelt such um ein im Jahr 1980 mit Max Delbrück geführtes Interview. Es ist ein Jahr vor dem Tod von Max geführt worden. Delbrück ist deshalb in diesem schon sehr alt. Er antwortet in demselben vielleicht deshalb auch etwas zögerlicher als er das in jüngeren Jahren getan haben wird. Er scheint - insbesondere anfangs - nach den Worten der deutschen Sprache zu suchen, die er ja in den USA nicht mehr täglich nutzte.

Es bricht aber immer einmal wieder sein famoser Humor durch, eine famose, mehr nach innen gekehrte Heiterkeit. Es wird auch deutlich, wie überlegt, wie ernst im Überdenken Max Delbrück sein konnte, um wie viel Genauigkeit er auch in seinen Bewertungen bemüht war. Als er nach einer etwaigen preußischen Disziplin in seinem Elternhaus gefragt wird, verneint er diese zunächst, korrigiert sich dann aber: Es war vielleicht eine gemäßigte. Eigentlich ist es doch sehr schön, wenn Menschen so genau sind.

Auch ist spürbar, daß er vieles unausgesprochen läßt, es wird spürbar, daß er zu vielem noch viel, viel mehr sagen könnte.

Mehrmals spricht Max über Dummheiten, die erstaunliche Wirkungen hatten. Die Dummheiten in den Vermutungen von Niels Bohr über Biologie führten dazu, daß er, Delbrück, sich ganz der Biologie zugewandt hat. Sie hatten also doch eine positive Wirkung. Zuvor hatte seine eigene Dummheit dazu geführt (und auch die von Bohr und anderen), daß die Atomkernspaltung erst 1937 entdeckt wurde und nicht schon drei oder fünf Jahre früher. Delbrück sagt ganz richtig - aber auch mit jenem überlegenem Abstand, der sich selbst nicht gar so wichtig nimmt, daß sich ohne seine damalige Dummheit die Weltgeschichte beträchtlich anders hätte entwickeln können. Mit einem so feinen Humor sagt er das, mit einer so famosen, sanften Heiterkeit.

Vaterfiguren und prägungsähnliches Lernen

Es ist nur allzu offensichtlich, daß Gerold einen Menschen wie Max sehr, sehr geliebt und verehrt hat. Das geht aus mancher Stelle der Briefe zwischen ihnen hervor. Gerold beklagt einmal, daß er in Konstanz niemanden hätte, mit dem er sich so gut unterhalten könne wie mit ihm, Max. Aber Max hatte ja einen außerordentlich großen Freundeskreis. Er kam vielen Aufgaben im internationalen Wissenschaftsleben nach aufgrund seiner großen Bekanntheit. Es ist deutlich, daß er für Gerold später nicht mehr so viel Zeit hatte wie Gerold sich gerne gewünscht hätte.

Mit einem solchen Interview jedoch (7) merkt man, was für eine Gunst des Schicksals - und natürlich auch eigenen Verdienstes - es war, im Leben auf einen solchen Freund wie Max Delbrück getroffen zu sein. Solche Menschen wie Max hat es - ohne allen Zweifel - es schon zu Lebzeiten von Gerold nur noch sehr selten gegeben. Als ich die Biographie "Licht und Leben" einige Jahre nach Gerolds Tod das erste mal las, wurde mir erst bewußt, wieviel an der Art von Gerold auf sein vormaliges Zusammensein mit Max Delbrück zurück zu führen sein wird. Es liegt hier womöglich eine Art prägungsähnliches Lernen vor, das sogar noch an mich weiter gegeben worden ist, der ich von Gerold sicherlich ebenso stark fasziniert war, wie Gerold zuvor von Max Delbrück fasziniert gewesen ist. Deshalb ist auch für den Autor dieser Zeilen an dieser Thematik so viel menschlich Bewegendes. Womöglich hat Gerold eine bestimmte Art zu sprechen von Max übernommen, eine bestimmte Art zu überlegen, ja, womöglich auch eine bestimmte Art zu lachen. Es muß eine glänzende Zeit damals gewesen sein, in Pasadena.

Auch hat man das Gefühl, daß Delbrück in dem Interview oft darum bemüht ist, seinen Humor nicht zu sehr durchbrechen zu lassen, da er von einem so durch und durch steifen, trockenen Gesprächspartner interviewt wird. Der ist ja auch wirklich schon überraschend trocken. Und das konnte eigentlich schon ein Unterhaltungswert für sich sein für einen Delbrück. Dieser Gesprächspartner ist ja fast eine lebende Karikatur. Aber das durfte Delbrück natürlich nicht zum Ausdruck bringen. Dennoch fragt man sich beim Ansehen ständig - und Delbrück wollte scheinbar diesen Eindruck auch nicht völlig verwischen: Sollten zwei so unterschiedliche Menschen wie diese beiden einander wirklich etwas zu sagen haben?

Interessant auch, wie Delbrück in dem Interview die Zeit in der Atomphysik in Göttingen nach 1925 charakterisiert. Wenn man es recht versteht, hat womöglich Max Delbrück vieles an seiner persönlichen Art von seiner wiederum seiner eigenen Vaterfigur übenommen, als die er ja in diesem Interview so klar und deutlich Niels Bohr charakterisiert. Was für eine Zeit, was für ein Leben. All diesen Reichtum an innerem Leben hat Gerold an all jene, die ihn enger persönlich kannten, in vollem Ausmaß weiter gegeben.


/erweitert 5.1.2018;
in vielem nun gültiger
 formuliert 14.3.2020/
______________
  1. Fischer, Peter: Licht und Leben. Ein Bericht über Max Delbrück, den Wegbereiter der Molekularbiologie. Universitätsverlag, Konstanz 1985 [Konstanzer Bibliothek, Bd. 2] (= Das Atom der Biologen. Max Delbrück und der Ursprung der Molekulargenetik. Piper-Verlag, München 1988)
  2. Helmut Fink: Fischer • Podcast-Gespräch • Verzauberung oder Entzauberung? Kortizes, 19.12.2018, https://youtu.be/hs9nwJuPpEs 
  3. Bading, Ingo: Werner Heisenberg - Seine erste große unerfüllte Liebe, 10. Januar 2019, https://fuerkultur.blogspot.com/2019/01/werner-heisenberg-und-seine-liebe-zu.html 
  4. Watson, J. D.: Growing Up in the Phage Group. In: Cairns, J.; Stent, G.S.; Watson, J.D. (eds.): Phage and the Origins of Molecular Biology. New York 1966; Expanded Edition. Cold Spring Harbor Laboratory Press 1992, S. 239-245 (Deutsch: Phagen und die Entwicklung der Molekularbiologie. Festschrift für Max Delbrück zum 60. Geburtstag. Berlin (Ost) 1972)
  5. Watson, James D.: Gene, Girls und Gamow. (After the Double Helix, engl. 2001) Piper-Verlag, München 2003
  6. Kroeber, Theodora: Ishi in two worlds. A biography of the last wild Indian in North America. 1961, viele Folgeauflagen; deutsch: Der Mann, der aus der Steinzeit kam (1967) 
  7. Zeugen des Jahrhunderts. Max Delbrück im Gespräch mit Peter von Zahn. 1980, https://youtu.be/ynobDNSnMKc
  8. Bading, Ingo: http://studgendeutsch.blogspot.de/2007/11/die-pipette-ist-meine-klarinette.html
  9. Detlev Ganten über Max Delbrück. Videokanal des Max Delbrück Centrum, 24.03.2016, https://youtu.be/ZdAYHrOJ7aQ
  10. Göldenboog, Christian: Das Loch im Walfisch. Die Philosophie der Biologie. Klett-Cotta, Stuttgart 2003 (Lizenzausgabe für die Wissenschaftliche Buchgesellschaft)

Sonntag, 21. Oktober 2018

Irenäus Eibl-Eibesfeldt ist gestorben

Auf der Internetseite des Max Planck-Instituts für Ornithologie in Seewiesen kann man entdecken, daß der österreichische und deutsche Verhaltensforscher Professor Irenäus Eibl-Eibesfeldt (1928-2018) (Wiki) im Juni dieses Jahres in seinem 89. Lebensjahr nach kurzer Krankheit verstorben ist.

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Irenäus Eibl-Eibesfeldt hat auch den geistigen Weg des Autors dieser Zeilen sehr stark mitbestimmt. Er hat wohl fast alle seine Bücher in seiner Jugend gelesen. Eibl-Eibesfeldts dickes Lehrbuch "Die Biologie des menschlichen Verhaltens" hat er gründlich studiert und das Werk hat immer einen ehrenden Platz in seinem Bücherschrank inne gehabt und es bestimmt sein Welt- und Menschenbild bis heute. Ebenso etwa sein "Der Mensch, das riskierte Wesen".

Der Autor dieser Zeilen schrieb ihn sogar einmal 1995 an, als er sich nach einem Doktorvater umsah. Damals antwortete zunächst sein Schüler Wulf Schiefenhövel, da sich Eibl-Eibesfeldt gerade einmal wieder auf Forschungsreise befand. Aber auch Eibl-Eibesfeldt selbst antwortete schließlich wohlwollend und ging auf die vorgetragenen Überlegungen mit Interesse ein. In der Zwischenzeit hatte ich mich aber schon an einen damals jüngeren, aufstrebenden Wissenschaftler, an Eckart Voland, damals Göttingen, gewandt.

2003 konnte ich Eibl-Eibesfeld auch noch einmal persönlich erleben auf einer Tagung der MVE-Liste, also der deutschen Soziobiologen, und zwar in Seewiesen. Es handelte sich um eine Tagung, die Wulf Schiefenhövel organisiert hatte, und zu der viele namhafte Schüler von Konrad Lorenz gekommen waren. Der namhafteste unter diesen war Eibl-Eibesfeldt. Er saß in der vordersten Reihe und wenn einer von diesen inzwischen alt gewordenen Schülern von Konrad Lorenz während der Tagung das Wort ergriff, war sofort ein ganz anderes Leben im Raum, herrschte sofort eine viel lebendigere Stimmung vor. Auch der letzte Schüler von Eibl-Eibesfeldt, Frank Salter, referierte auf dieser Tagung. Aber während die meisten referierenden Soziobiologen abstrakte Statistiken, Tabellen und mathematische Überlegungen vorstellte, konnten alle diese Schüler von Konrad Lorenz - auch Norbert Bischof war dabei, ebenso das Ehepaar Großmann aus Regensburg - alle so bunt und farbig und anschaulich erzählen, hatten sie alle dabei so viele Detail-Erkenntnisse aus den unterschiedlichsten Bereichen des Tierlebens vor Augen und sprachen nun jeweils aus diesem Fundus eines langen Forscherlebens heraus.

Gegen die multikulturelle Gesellschaft


Die anwesenden Soziobiologen der ihnen nachfolgenden Forschergeneration, die ich damals erlebte, dachten und argumentierten nie aus einer so breiten lebendigen Anschauung heraus, aus einem so reichen, erlebten empirischen, beobachteten Erfahrungsschatz wie das noch die erste Forschergeneration nach Konrad Lorenz getan hat.

Konrad Lorenz hat als Verhaltensforscher bis an sein Lebensende auch klar politisch Stellung bezogen. Er ging dabei an die Grenzen des Ertäglichen, eine Grenze, die es gerade noch als zulässig erscheinen ließ, daß ihm der Nobelpreis verliehen wurde. Diese Tradition setzte sein Schüler Eibel-Eibesfeldt fort und überschritt in den letzten Jahrzehnten seines Lebens auch - wieder und wieder - die Grenzen des "Erträglichen" (!!!) und warnte - unbekümmert - vor der multikulturellen Gesellschaft. Er tat das wie kein zweiter angesehener deutscher Wissenschaftler. Und das ist sicher der Grund, weshalb viele jüngere Menschen von seinem Leben und Tod heute kaum etwas mitbekommen und weshalb sogar ich selbst erst vier Monate nach seinem Tod erfahre, daß er gestorben ist. Wer sich so klar und deutlich gegen die multikulturelle Gesellschaft aussprach wie Irenäus Eibl-Eibesfeldt, dessen öffentliches und sogar wissenschaftliches Ansehen wird nicht mehr mit dem gleichen Wohlwollen und in der gleichen öffentlichen Breite behandelt wie zuvor.

Außerdem hat man die junge Generation längst dazu gebracht, sich nicht mehr vorwiegend mit ihrer Umwelt und den darin lebenden Lebewesen zu beschäftigen, auch nicht mit den darin herumstehenden und käuflich zu erwerbenden Büchern, sondern mit - - - Computerspielen. Wen interessiert da noch ein Forscher wie Irenäus Eibl-Eibesfeldt?

Wissenschaftliche Dokumentation "Wir Menschen" von 1976


Aber in Nachrufen auf ihn ist insbesondere auch davon die Rede, daß seine umfangreiche humanethologische Filmsammlung inzwischen vom Senckenberg-Museum in Frankfurt am Main aufgekauft worden ist und daß es Überlegungen gibt, sie zum UNESCO-Weltkulturerbe zu erklären, da es sich um Aufnahmen von Menschen und Kulturen handelt, die es oft schon heute in dieser Form gar nicht mehr gibt.

In allen großen Zeitungen erschienen - meist kürzere - Nachrufe auf ihn. Aber vor allem die Nachrufe auf der Internetseite des Bayerischen Rundfunks erscheinen mir lesenswert (1-3). Schön ist es auch, wenn Wulf Schiefenhövel über seinen Lehrer erzählt (6). Wulf Schiefenhövel ist am ehesten einer der Angehörigen der Enkelgeneration von Konrad Lorenz, der ebenso lebendig und farbenprächtig von seinem wissenschaftlichen Leben erzählen kann wie sein wissenschaftlicher Mentor Eibl-Eibesfeldt und dessen Mentor Lorenz.

Sogar die TAZ findet wohlwollende Worte für Eibl-Eibesfeld (4) - jetzt, wo er tot ist. Übrigens kann man sich - meines Erachtens - an das Lebenswerk von Eibl-Eibesfeldt viel besser annähern über seine Bücher als über zahlreiche Interviews, die man im Internet von ihm auch findet. Aber bei der Recherche hierzu entdecke ich auch gerade, daß die Sendereihe "Wir Menschen" von Hans Hass aus dem Jahr 1976 vollständig zugänglich ist im Internet (5). Ich mag alle Filme von Hans Hass. Sie sind voller Begeisterung. Und ich entdecke gerade, daß inzwischen auf Youtube wohl fast alle großen Filme von Hans Hass frei zugänglich sind.

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  1. https://www.br.de/themen/wissen/humanethologe-irenaeus-eibl-eibesfeldt-100.html
  2. https://www.br.de/nachricht/oberbayern/inhalt/verhaltensforscher-irenaeus-eibl-eibesfeld-ist-tot-100.html
  3. https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/eins-zu-eins-der-talk/irenaeus-eibl-eibesfeldt-verhaltsforscher-evolutionsbiologe-100.html
  4. Riechelmann, Cord: Irenäus Eibl-Eibesfeldt ist tot Nachruf auf den Popbiologen. TAZ, 5.6.2018, http://www.taz.de/!5510384/
  5. https://youtu.be/cKGzQWaKqBk
  6. Schiefenhövel, Wulf: Nachruf: Irenäus Eibl-Eibesfeldt, Begründer der Humanethologie und des humanethologischen Filmarchivs ist gestorben*. In: Naturwissenschaftliche Rundschau 2018, auch auf: https://mve-liste.de/221-nachruf-eibl-eibesfeldt.html

Donnerstag, 28. August 2008

Hoimar von Ditfurth - vor 20 Jahren

Hoimar von Ditfurth hat glaubwürdig Religiosität mit einem naturalistischen Weltbild verbunden. Von Menschen wie ihm bräuchten wir heute mehr.



Ditfurth 1988, ein Jahr vor seinem Tod: "Sie meinen, ob ich Angst vor dem Tode habe? Ich glaube, daß ich das ehrlich verneinen kann ..."

(Das Video braucht lange zum Herunterladen - am besten leise stellen und zwischendurch was anderes machen und ansehen, wenn es fertig heruntergeladen ist.)

Hoimar von Ditfurth würde sich heute für viele ähnliche Dinge interessieren, für die sich "Studium generale" interessiert. In seinem letzten Buch "Innenansichten eines Artgenossen - Meine Bilanz" findet sich auch viel von seinen persönlichen Lebenserfahrungen. Während des Zweiten Weltkrieges hat er Medizin studiert. Er analysiert vieles sehr nüchtern und ganz ehrlich.Lesenswert zum Beispiel das Kapitel "Die Paläontologie des Gehirns" (S. 141ff) und andere.

Dienstag, 8. April 2008

Von der Religiosität eigenverantwortlichen Handelns

- ein paar frei schweifende Gedanken

Eigenverantwortlichkeit ist dadurch gekennzeichnet, daß man auch gegen Widerstände, auch gegen Mehrheitsmeinungen, auch gegen den Zeitgeist an dem festhält, was man für wahr und richtig hält. Diese Selbstbehauptung des eigenen Lebensprinzips in einer Umwelt, die anderen Lebensprinzipien folgt, (und ohne sich eine Kugel durch den Kopf zu schießen wie etwa Heinrich von Kleist im Jahr 1811), eine solche Selbstbehauptung könnte als eine der bedeutendsten Bewährungen erachtet werden, die wir im menschlichen Leben und in der Kulturgeschichte überhaupt kennen.

Alle großen Persönlichkeiten der Kulturgeschichte und oft auch der politischen Geschichte waren in der einen oder anderen Weise vor diese "Bewährung" gestellt. Und darin wird oft - oder zumeist - ihre eigentliche Bewährung gesehen, daß sie Wege gingen, die zuvor niemand gegangen war, daß sie die ersten waren, die in der Kunst, in der Wissenschaft, in der Technik, in der Politik neue "Erfindungen" machten, Prinzipien als "Avantgarde" gegenüber einer trägen Masse, die am Alten hing und bei demselben verharrte, geltend machte.

Dieses Tun, nämlich zwischen sich selbst und der großen Menge der Menschen einen "Unterschied" zu machen, zu etablieren, aufrecht zu erhalten, zu leben, diese "Spezialisierung" fordert oft große psychische Anstrengung und Überwindung. Der einzelne trifft "einsame" Entscheidungen, er stellt sich in Widerspruch oft sogar zu seinen nächsten Freunden.

Gerade deshalb auch wird der Weg dieser Einsamen, Seltenen oft zu einer "Gratwanderung", weil ihnen eben die schlafwandlerische Sicherheit verloren geht - oder verloren gehen kann - die darin besteht, daß man Rückhalt, Zustimmung, Anerkennung, Aufmunterung bei seinen Freunden und "Geistesverwandten" oder in einer Liebesbeziehung findet. Wer diesen Rückhalt nicht hat, muß ihn einzig und allein in sich selbst finden, in seinem eigenen Lebensprinzip. Oft gelingt es dem einzelnen, diesen Rückhalt in der Kunst, in der Natur zu finden. Oder allgemeiner: Im eigenen Gestalten, Zum-Ausdruck-Bringen des neuen oder selten gelebten Lebensprinzips.

Um so größer die Neigung ist, die ja vielleicht sogar "Begabung" genannt werden kann, sich an andere, an die Umgebung anzupassen, sich an andere anzuschließen, ein "verträglicher" Mitmensch und Zeitgenosse (resp. "Schwiegersohn") zu sein, um so größer sind oft die Gefahren für den einzelnen, wenn er plötzlich nicht mehr dem Lebensprinzip aller folgt. Um so größer aber sind möglicherweise auch die Gewinne des einzelnen, wenn es ihm gelingt, diese Gefahren längerfristig zu überwinden.

Denn diese Menschen sind die großen "Hoffnungsblüten" der Menschheit, sie sind vielleicht überhaupt Rechtfertigung dafür, daß es Menschen gibt. Sie leben jenes Menschentum, jene wahre Humanität, Weisheit, Güte, die zu gewissen Zeiten vielleicht nur den Seltenen zu leben gegeben und aufgegeben ist.

Oder sollten etwa Meier, Müller, Schulze, respektive Otto "Normalbürger" Rechtfertigung dafür sein, daß sich die Evolution die Mühe gegeben hat, Menschen hervorzubringen?

Willig nehmen sie, die Genialen, die Seltenen ihre Aufgabe auf die Schulter. Aber für wen tun sie es? Um der Müllers, Meiers oder Schulzes wegen, die fast durch jede Tat, durch jeden Gedanken das Göttliche, die Vollkommenheit, Güte, Weisheit leugnen, zu denen Menschen der Möglichkeit nach vielleicht fähig sein könnten? Um ihnen, ausgerechnet ihnen zu "helfen"?

Nein, sie tun es nicht um ihretwillen. Sie tun es um des Göttlichen selbst willen. "Auf daß das Gute in der Welt sei," wie Marie von Ebner-Eschenbach sagt. Es gibt Zeiten in der Menschheitsgeschichte, da hat sich die Menschheit so sehr von dem Göttlichen entfernt, entfremdet, daß sie, die Seltenen, wirklich keinen anderen Grund mehr nennen können.

Vom Heroenkult, Geniekult, vom Kult des Menschen, der nach Vollkommenheit strebt

In Zeiten des klassischen Athens mag vielleicht mancher helle Jüngling gesagt haben: Ich interessiere mich für das Edle, für die Wahrheit, für das Schöne um des Aufleuchtens in den Augen meines Freundes willen, um das zu sehen, um diesen Zusammenklang der Seelen zu erleben. Denn er interessiert sich für das gleiche. Aber wie sollte das heute einer der "Seltenen", genialeren Menschen sagen? Leben wir heute nicht alle wie auf "getrenntesten Bergen", wie Hölderlin sagt? Voller greller, schreiender Mißverständisse, voller Verständnislosigkeiten zwischen Menschen? Ist nicht das Heiligste und Frömmste in den Dreck getreten? Einer Meute zähnefletschender Hunde vor die Fänge geworfen worden?

Bordet unser quasi- und pseudo-"kulturelles" Leben nicht über von sich dreimal im Flickflack überschlagenden Frivolitäten, Frechheiten, Zynismen, Bigotterien, Aftergläubigkeiten? Von der frivolen Zurschaustellung alles menschlich Heiligen, Intimen, Geheimen, Persönlichen?

Haben wir uns nicht alle selbst so mit dem Kopf in die Erde gerammt, wie es das neue Giordano Bruno-Denkmal in Berlin-Mitte implizit von unserem Umgang mit dem Andenken großer Menschen überhaupt behauptet? Und zwar mehr als treffsicher behauptet? (Siehe Beitrag vorigen Monat.) Wir sind lieber dreimal dumm und doof, banal und "stocknüchtern", als einmal genial. Wir stecken lieber dreimal den Kopf in den Sand, wir rammen ihn hinein, mit zappelnden Beinen zum Himmel hinauf, als auch nur einmal den Versuch zu wagen, das Menschsein menschlich zu gestalten.

"Von den heroischen Leidenschaften". So lautet eine Gedichtsammlung von Giordano Bruno, in der er das heroische Leben desjenigen feiert und besingt, der sein Leben um tiefer menschlicher Werte willen opfert.

Aber wir? Nichts von alledem. - Lacht man denn heute nicht über Bosheiten genauso wie über etwaig Gegenteiliges? Gibt es noch einen Bereich, der nicht mit Spott und Häme, nicht mit der ätzendsten Säure des Zynismus oder doch zumindest des schrecklichsten Verdachts überschüttet wurde? "Warum lacht ihr so?" fragte Hölderlin. "Oh, ihr müßt," ging es ihm dann plötzlich durch den Sinn: "denn dies tun Verzweifelte nur."

Mittwoch, 5. März 2008

Giordano Bruno-Denkmal in der Mitte Berlins

Der Potsdamer Platz liegt im Zentrum Berlins und ihm wird traditionell eine große Bedeutung zugesprochen. Seit der Wiedervereinigung ist er mit moderner Architektur neu aufgebaut worden. Dabei bildete er zeitweise die größte Baustelle Europas. Man muß nicht unbedingt mit der dort heute gebotenen Architektur etwas anfangen können. Ob der neue Platz irgendwie "individuell" geworden ist oder ob er wieder nur das "Dutzend-Gesicht" von hunderten von modernen Großstadt-Plätzen heute auf dem Erdball zeigt, kann hier dahingestellt bleiben. Nachdem der "Rausch der Neuheit" vergangen sein wird, wird sich, wie man vermuten kann, allmählich auch diesbezüglich sehr bald eine Mehrheitsmeinung in der Bevölkerung herausbilden. Und wenn es in einigen Jahrzehnten um Abbruchgenehmigungen gehen wird, werden die "berühmten" Architekten wieder der Tatsache hinterhertrauern, daß man ihre Gebäude nicht unter Denkmalschutz stellt - was ein gültigeres Kriterium dafür wäre, daß es sich um eher "überzeitliche" Architektur handelt.

Am 2. März ist nun auf diesem Platz ein Giordano Bruno-Denkmal enthüllt worden. Über die Ästhetik der kopfüber dargestellten Giordano Bruno-Statue neben einer Rolltreppe wird man sicherlich ebenfalls geteilter Meinung sein dürfen. Das Denkmal soll nicht nur an das Leiden eines einzelnen Denkers, sondern an das aller religiös Verfolgten erinnern.

"Heldenverehrung" im Sinne des 19. Jahrhunderts wird hier bestimmt nicht betrieben. Was man nicht will, wird deutlich. Was man will, nicht wirklich ... Eine neue Art "Jesus-Kult"? Anbetung des Leidens einer - nun auf wissenschaftlich-philosophischem Wege - die Menschheit "erlösenden" Kreatur? Es kann sich einem auch die Frage stellen, warum ein solches Denkmal vertieft stehen muß und warum eine Statue, die an einen solchen Feuergeist wie Giordano Bruno erinnern will, ein Dach über dem Kopf tragen muß. Erinnerung an seinen Kerker?

Und warum gerade Berlin?

Ein sicherlich beabsichtigter Symbolgehalt eines solchen Denkmals ist also nicht übersehbar. Er wird insbesondere durch seine Nähe zu dem nur wenige hundert Meter entfernten Holocaust-Mahnmal, zum Bundeskanzleramt (wo auch oft "leidende" Mienen aufgesetzt werden und man gerne mal - sinnbildlich gesprochen - "Kopf steht"), zum Reichstagsgebäude und zum Brandenburger Tor unterstrichen. Sowie zu zahlreichen sonstigen bedeutungsvolleren "Institutionen" und Erinnerungsstätten im Zentrum der deutschen - und früheren preußischen - Hauptstadt.

Aber: Giordano Bruno in Berlin? Ausgerechnet in Berlin? Ist er dort nicht immer noch "irgendwie" ein Fremdkörper? Giordano Bruno weilte, bevor er in die Kerker der römischen Inquistition geriet, in Deutschland, an den damals protestantischen Universitäten Marburg, Wittenberg, Prag, Helmstedt und Frankfurt am Main. Nicht jedoch in dem damals noch ganz unbedeutenden Berlin. Wären da nicht jene genannten Orte zur Aufstellung eines solchen Denkmales viel naheliegender gewesen? Und besonders in Wittenberg, der Kernstadt des Protestantismus weltweit, jener Stadt, die mit dem "Intercity" nur eine halbe Stunde vor der preußisch-protestantischen Stadt Berlin gelegen ist? (Stud. gen.) Hätte man dort ein Giordano-Bruno-Denkmal aufgestellt, hätte man zugleich bewußt gemacht, daß die europäische Aufklärung gar nicht möglich war ohne die vormalige Reformation.

Hat man sich denn gar nicht klar gemacht, daß gerade auf kulturellem Gebiet Deutschland nicht dadurch geprägt ist, daß es - wie etwa Frankreich - eine einzelne, besondere Hauptstadt hat, sondern viele kleinere kulturelle Zentren? So würde man es doch als bedeutende Aufwertung jeder einzelnen dieser "kleineren" genannten Städte empfinden, wenn in diesen daran erinnert würde, daß hier Giordano Bruno, einer der bedeutensten Denker der europäischen Geschichte auf seinem schweren Lebensweg Zuflucht gefunden hatte - und sei es auch nur für einige Monate. Es kostet Mühe, sich einen solchen Feuerkopf selbst heute noch in einer unserer modernen Städte vorzustellen. Feuerköpfe passen hier irgendwie gar nicht mehr hin. Und schon gar nicht in akademische Zirkel ...

Aus Anlaß der Denkmal-Enthüllung wurde aber auch eine ganz nützliche Internet-Seite eingerichtet, der man mancherlei Auskünfte entnehmen kann: www.bruno-denkmal.de.

Nützliche Auskünfte über Giordano Bruno

Giordano Bruno ist ja nicht eine Geistesgröße, die uns Heutigen noch besonders leicht zugänglich wäre. Seine Werke lesen sich nicht einfach. Sie sind aus einem ganz anderen Zeitgeist heraus entstanden, auch aus einem ganz anderen akademischen Zeitgeist. Zudem sind sie original in Italienisch und Latein erschienen und Standard-Übersetzungen ins Deutsche haben sich bis heute nicht durchgesetzt. Man erfährt auf der angegebenen Seite, daß der Meiner-Verlag eine Gesamtausgabe in deutscher Sprache vorbereitet.

Der Lebensweg von Giordano Bruno wird dort ebenfalls skizziert, sowie seine Hauptwerke genannt. Auch wird eine offenbar gut ausgewählte Liste von jüngst erschienener Literatur über Giordano Bruno geboten. Erstaunlich viele Neuerscheinungen in den letzten zehn Jahren.

Die auf der Seite gebrachten Zitate aus den Werken Bruno's sind nicht alle selbsterklärend. Aber auch in ihnen wird besonders deutlich, wie sehr Giordano Bruno Zeit seines Lebens damit beschäftigt war - und offenbar damit beschäftigt sein mußte -, sich zunächst einmal nur die bombastische ("barocke") Dummheit seiner Zeitgenossen vom Leibe zu halten. Schön auch ein gebrachtes Zitat des deutschen Philosophen Georg Friedrich Wilhelm Hegel über Bruno:
... seine Philosophie zeugt von einem eigentümlichen, überlebendigen und sehr originellen Geist. Der Inhalt seiner allgemeinen Gedanken ist die Begeisterung für die schon erwähnte Lebendigkeit der Natur, Göttlichkeit, Gegenwart der Vernunft in der Natur.

Viele Phrasen und Urteile in den Werken Hegels wird man sich als entstanden vorstellen müssen in den langen philosophischen Gesprächen mit seinem Freund Friedrich Hölderlin, der selbst von allen Deutschen sicherlich noch am ehesten als ein Geistesverwandter Giordano Bruno's angesprochen werden kann. (Jedenfalls gewiß nicht Hegel selbst ...)

Auch ein Zitat von Friedrich Nietzsche ist schön - Giordano Bruno hat auch Gedichte geschrieben, die er unter dem Titel "Heroische Leidenschaften" herausgebracht hat:
Mein lieber Herr Doktor, diese Gedichte von Giordano Bruno sind ein Geschenk, für welches ich Ihnen von ganzem Herzen dankbar bin. Ich habe mir erlaubt, sie mir zuzueignen, wie als ob ich sie gemacht hätte und für mich - und sie als stärkende Tropfen „eingenommen“. Ja. wenn Sie wüssten, wie selten noch etwas Stärkendes von außen zu mir kommt!
- - - Merkwürdig überhaupt: Die Giordano Bruno-Stiftung, die maßgeblich an der Errichtung dieses Denkmales beteiligt war, "verwaltet" ein breites geistesgeschichtliches europäisches Erbe, für das sich außer ihr kaum noch eine andere gesellschaftliche Gruppierung heute in größerem Umfang und fokussierterer Weise verantwortlich fühlen würde. Und doch könnte es sich dabei um zentralste Bestandteile der abendländischen Kultur handeln. Beispielsweise die Werke eines Hegel, eines Nietzsche waren von Anliegen erfüllt, von Anliegen, deren gesellschaftliche Verwirklichung auch heute noch aussteht.

Samstag, 1. März 2008

Unbekannte Lichtbilder der Gebrüder Grimm

Die Bedeutung der Gebrüder Grimm für die Geistes- und Wissenschaftsgeschichte Deutschlands, Europas und der Welt kann man nicht überschätzen. Jacob Grimm (1785-1863) war der Begründer der deutschen Sprach- und Literaturwissenschaft, der Germanistik. Das Gründungsjahr der Germanistik datiert auf das Jahr 1817, das Ersterscheinungsjahr der "Deutschen Grammatik" von Jacob Grimm. Bekannt auch außerhalb der Wissenschaft wurden die Brüder weltweit natürlich durch die Veröffentlichung der deutschen Märchen, die sie insbesondere in Nordhessen gesammelt hatten. Außerdem legten sie in unermüdlicher, jahrelanger Arbeit den Grundstein zum ersten großen deutschen Wörterbuch, jenes, dessen letzter Band erst 1961 erschienen ist. Noch viele andere Gebiete der deutschen und europäischen Kulturgeschichte, Sprach- und Literaturwissenschaft, ja sogar der Politik - Jacob Grimm war Abgeordneter des Paulskirchen-Parlaments von 1848 - befruchtete ihr Schaffen und Wirken.

Die Gebrüder Grimm wurden in Hanau geboren, verbrachten aber schon ihre wichtigeren Schuljahre nach dem frühen Tod des Vaters in Kassel bei einer Tante. Diese Tante war Hofdame am Hof des Kurfürsten. Nach dem Studium in Marburg kehrten sie wieder nach Kassel zurück, wo sie als Bibliothekare vom König Jerome angestellt wurden. Nach zwei Jahren als Professoren in Göttingen kehrten sie 1837 wiederum - mit ihrer berühmten Entlassung als Köpfe der "Göttinger Sieben" - nach Kassel zurück. Im Jahr 1840 fanden sie dann Anstellung durch den neuen preußischen König Wilhelm IV. an der Universität Berlin. Sie lebten in einer damals stillen Wohnung ganz in der Nähe des heute so belebten und völlig neu bebauten Potsdamer Platzes. Hier in Berlin starben sie schließlich auch und sind dort begraben.

Die Gebrüder Grimm in Kassel

Somit verbrachten die Gebrüder Grimm ihre prägendsten Jahre und viele der bedeutendsten ihrer Lebensjahre in Kassel. Wer als aufmerksamer Mensch durch Kassel geht, kann sich ihrer überall leicht erinnern. Geht er zum Beispiel in die Hessische Landesbibliothek, auch "Murrhardt'sche Bibliothek" genannt, gelegen am heutigen Brüder-Grimm-Platz, befindet er sich fast im Mittelpunkt des Lebens der Gebrüder Grimm im damaligen Kassel.

Und verschafft man sich - etwa im Gebrüder-Grimm-Museum - einen Eindruck von der Schönheit Kassels in früheren Jahrhunderten, wird einem klar, dass auch die damaligen Wohnstätten der Gebrüder Grimm heute als solche in besonders günstiger Lage gelten würden. Da ist zunächst ihr heute noch vorhandenes Wohnhaus direkt am Anfang der Wilhelmshöher Allee (ebenfalls am Gebrüder-Grimm-Platz), eines der beiden Stadttor-Gebäude, wo sie lange Jahre im zweiten Stock als Mieter des Kurfürsten, bzw. des Königs lebten. Von dort aus müssen sie damals einen herrlichen Blick hinüber zum Schloss Wilhelmshöhe und seinem heute noch berühmten Bergpark gehabt haben. Denn damals endete die Stadt schon hier bei diesen Gebäuden. Und von dort aus gingen die Brüder Grimm täglich nur wenige Minuten die (Obere) Königsstraße hinunter, die auch heute noch die große Einkaufsstraße Kassels ist, zum heute ebenfalls noch vorhandenen "Fridericianum", damals die Bibliothek, in der sie arbeiteten. (Heute das Hauptgebäude der "Documenta".)

Und von dort wiederum sind es nur wenige Schritte zur "Schönen Aussicht", wo sie in späteren Jahren wohnten, und wo sich heute noch das "Gebrüder-Grimm-Museum" befindet im letzten noch erhaltenen Haus des alten Kassel an der "Schönen Aussicht". Von der "Schönen Aussicht" hat ihr Malerbruder Ludwig Grimm, wie im Museum besichtigt werden kann, unzählige Gemälde und Zeichnungen geschaffen, so dass man sich heute einen guten Eindruck von der Herrlichkeit der Landschaft machen kann, von der die Gebrüder Grimm und alle ihre Zeitgenossen in Kassel damals umgeben gewesen sind. - Zwar ist auch heute noch die von dort aus sichtbare Orangerie und die Karlsaue weitgehend unverändert. Aber welch ein Unterschied zu heute, wenn man sich nur allein jene "Atombombe" städtebaulicher Architektur ansieht, genannt "Cinema". Ein solches ganz unmögliches Kinogebäude beherrscht heute städtebaulich den damaligen Lebensmittelpunkt der Gebrüder Grimm in Kassel und erdrückt alles um sich herum. (Um von den vielen anderen städtebaulichen Unmöglichkeiten des heutigen Kassel gar nicht erst zu reden.)

Weniger bekannte Photographien der Gebrüder Grimm

Im Gebrüder-Grimm-Museum in Kassel, das derzeit erweitert werden soll, wird eine kleine Schrift verkauft, die schon vor Jahren viele überraschende, unbekannte Photographien der Gebrüder Grimm, insbesondere von Jacob Grimm, zusammen gestellt hat (1). Photographien geben ja zumeist ein viel lebendigeres und lebensnäheres Bild von einem Menschen, als dies gemalte, gezeichnete oder gemeißelte Bildnisse könnten, selbst wenn diese von den bedeutendsten Künstlern geschaffen worden sein sollten. Deshalb sollen hier einmal die viel weniger bekannten auch zusammengestellt werden (2).

Abb. 1: Wilhelm und Jacob Grimm, 1847
Man erfährt aus dieser Schrift, dass Jacob Grimm über die von den Brüdern Grimm heute noch am meisten verbreitete Photographie selbst aus dem Jahr 1847 (Abb. 1) überhaupt nicht erfreut war.

"Wilhelm sitzt da wie ein Kranker ..."

Diese Photographie war von einem der frühesten Photographen der damaligen Zeit gemacht worden und von dem Verleger des "Deutschen Wörterbuches" in Leipzig dem ersten Band desselben als Stahlstich beigegeben worden. Jacob Grimm schrieb an seinen Verleger Hirzel (1, S. 49):
"Die ganze Komposition ist mir zuwider."
Und im August 1852 nochmals (1, S. 50):
"Lieber Hirzel (...) Die Geschichte mit dem Bild ist mir nicht recht und tut mir leid. Der Biow" (der Photograph) "quälte uns zum Daguerreotyp für seine Sammlung und ich überließ die getroffene Anordnung damals ganz seiner Phantasie, weil wir das Bild nicht für uns bestellten. Nun sitzt Wilhelm da im Stuhl wie ein Kranker und ich habe das Ansehn eines herangerufenen Hausverwalters. Mehr in meinem Sinne gewesen wäre, wenn wir (...) auf zwei Stühlen gerade neben einander sitzend aufgenommen und der Welt vorgestellt worden wären. Das hätte sich ruhiger und natürlicher ausgenommen."
Interessanterweise scheint ausgerechnet diese Photographie dann später auch noch die Vorlage und Idee gegeben haben zum deutschen Nationaldenkmal von den Gebrüdern Grimm in Hanau. Ganz sicherlich kommt die Eigenwilligkeit der Persönlichkeit Jacob Grimms auf dieser Photographie nicht so deutlich heraus wie auf anderen Photographien von ihm und offensichtlich wirkt Wilhelm Grimm auf der Photographie tatsächlich "kränker" als er in seinen besten Lebensjahren ausgesehen hat.

Abb. 2: Wilhelms Frau, Jacob Grimm, Wilhelm Grimm, um 1854
Tatsächlich scheint wenige Jahre später ein Gruppenbild gemacht worden zu sein, das mehr im Sinne von Jacob Grimm gewesen sein könnte. Hier sind jedenfalls die Brüder zusammen mit Wilhelms Frau abgebildet und auch Wilhelm sieht gesund aus. Allerdings war dieses Foto wohl nur für den familiären Kreis hergestellt worden und ist in schlechter Qualität erhalten.

Wahrscheinlich im Oktober 1856 schrieb Jacob Grimm an seinen Verleger Hirzel (1, S. 58):
"Neulich bin ich von einem Photographen etwas besser behandelt worden und ich hebe Ihnen einen Abdruck des Bildes auf."
Abb. 3: Jacob Grimm, 1856 (aus:1)
Welche Photographie hiermit gemeint sein könnte, ist der Forschung nicht ganz klar. Es könnte sich um Abbildung 3 handeln.

"Großes Vergnügen an photographischen Portraits"

Herman Grimm, der Neffe Jacob Grimms, schreibt über seinen Onkel in dessen Altersjahren (1, S. 57):
"Jacob hatte in den letzten Jahren großes Vergnügen an kleinen photographischen Portraits. Es kam bald eine ziemliche Anzahl davon zusammen und wir versäumten keine Gelegenheit, sie zu vermehren."
Abb. 4: Jacob Grimm, 1860 (Wiki)
Fast alle Menschen in der Verwandtschaft und Bekanntschaft der Grimms begannen in der damaligen Zeit, Photographien in Visitenkarten-Format von ihren Verwandten und Freunden zu sammeln und untereinander auszutauschen. Diese waren sehr oft gar nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Sie sind deshalb auch bis heute einer breiteren Öffentlichkeit gar nicht bekannt geworden.

Abb. 5: Jacob Grimm, 1860 (aus:1)
Eine von diesen Photographien von sich selbst sandte Jacob Grimm 1860 an eine Verehrerin, die in seinem Geburtsort Hanau wohnte. Und er schrieb dazu (1, S. 100):
"Zu den früher übersandten Bildern sende ich Ihnen noch eine Photographie, die neulich von mir aufgenommen wurde und die vor ihrem betrachtenden Auge nicht einmal den Hut abzieht, sondern still stehen bleibt."
Abb. 6: Jacob Grimm, 1860 (aus:1)
Die Hanauerin Luise Gies schickte eine eigene Photographie und schrieb (1, S. 100):
"Ihr Bildchen muß sprechend ähnlich sein, dies sagt mir jeder Zug desselben; und so eifrig habe ich es studiert, daß ich es, wie man sagt, auswendig kann. Was mich aber so besonders freut, daß Sie so deutsch darauf aussehen; auf den ersten Blick erkennt man den deutschen Gelehrten (...). Wenn Sie aber scherzhafter Weise bedauerten, daß Ihr Bild vor meinem betrachtenden Auge den Hut nicht abnehmen könne, was müßte ich dann sagen, daß das Meinige nicht einmal ehrerbietig aufstehen kann vor seinem hohen Freunde."
Abb. 7: Jacob Grimm, 1862 (aus:1)
Auf einer anderen Photographie (siehe oben) steht rückseitig verzeichnet (1, S. 102):
"Jacob Grimm - die Rose ist vom Grab seines Bruders Wilhelm."
Welche große Bedeutung Jacob Grimm solchen Photographien tatsächlich beimaß, wird vielleicht noch an seinem Verhalten auf dem Sterbebett deutlich. Sein Neffe Herman Grimm berichtet darüber (1, S. 81):
"Einmal glaubten wir ihn schon verloren, als er eine Photographie Wilhelms, die dalag, plötzlich ergriff, mit der gesunden Hand rasch und wie er zu tun pflegte, dicht vor seine Augen führte, einige Momente betrachtete und dann auf die Decke legte."
Jacob Grimm - trotz aller Anteilnahme ein Einsamer?

Was mich selbst an diesen Photographien von Jacob Grimm so frappierte, das war, wie doch offenbar so einsam dieser Mann inmitten seiner Zeit vielleicht doch gelebt hat trotz all der Anteilnahme, die er in seiner Familie und bei seinen Zeitgenossen fand. Dieser Mann würde, so scheint mir, nicht nur in unserer Zeit eine ziemlich "fremde" menschliche Erscheinung bilden. Er war es - wahrscheinlich - in vielerlei Hinsicht schon für seine eigenen Zeitgenossen. Bedeutende Menschen stehen wohl auf die eine oder andere Weise immer irgendwie "abseits".

Viele Menschen, die Jacob Grimm begegnet sind, haben das auch so empfunden. Sie fanden keinen Zugang zu seiner Persönlichkeit. So schrieb etwa ein Emil Kuh 1857 (1, S. 63):
"So angenehm Wilhelm auf mich wirkte, so abstoßend war mir Jacob Grimm. Er frug mich, ob ich Philolog sei, und Ähnliches mehr. Der stiere Blick, der stes bloß das Weiße des Auges und spärlich die Pupille blicken läßt, sodann seine Schwerhörigkeit vermehren das Unbehagen. Als ich mich (...) verabschiedete (...), da trat Jacob Grimm, während ich noch in der Tür war, buchstäblich wie ein aus der Ruh gestört gewesener Biber in seine viereckige Bücherwohnung zurück, und ich dankte dem Himmel, daß ich die Begegnung hinter mir hatte."
Und ein Julius Rodenberg schrieb 1853 aber unter anderem auch etwas günstiger über Jacob Grimm (1, S. 63):
"Er ist ein kleiner Mann, der in seinem altfränkischen Frack aussieht wie ein Stück der guten, alten Zeit, gar nichts von einem Stubengelehrten und noch weniger von dem vornehmen Berliner Professor an sich hat. Die hohe Stirn umgraut ein volles Haar, und die Augen funkeln."

Abb. 8: Jacob Grimm, 1863 (aus:1)

_________________________________________
1. Wiegand, Thomas: Die Brüder Grimm und die Photographie. In: Jahrbuch der Brüder Grimm-Gesellschaft VI, 1996, S. 41 - 104. Auch als Sonderdruck: Brüder Grimm-Gesellschaft e.V., Kassel 2000

2. Als Blogger muss man sich neuerdings viele Gedanken über das Urheberrecht machen, weil Abmahn-Räuber durch die Wälder ziehen und hinter jedem Baum lauern können mit der Forderung der Zahlung von nachträglichen Lizenz-Gebühren und Rechtsanwaltskosten. Soweit übersehbar, werden die Photographien dieses Beitrages heute "gemeinfreisein im Sinne des Urheberrechts (auf englisch "Public Domain"): "Dies gilt für alle Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 100 Jahren oder weniger nach dem Tod des Urhebers," heißt es auf Wikipedia. In Deutschland gelten 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers. Wenn ein Fotograf 1862 25 Jahre alt war, wäre er im Jahr 1837 geboren und im Jahr 1937 100 Jahre alt geworden. 2007 wäre damit die gesetzliche Schutzfrist abgelaufen. (Erst 2007! ...)

Falls dennoch mit der Veröffentlichung dieser Photographien aus der vorgenannten Schrift hier auf dem Blog irgendwelche Urheberrechte verletzt sein sollten, bittet der Bloginhaber, ihn davon in Kenntnis zu setzen, damit er das korrigieren kann. 
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