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Sonntag, 17. April 2016

Wie kamen deutsche Hausmäuse nach Neuseeland?

Zwei Aussiedler-Schiffe aus Hamburg 1843/44

Deutsche Siedler eines Aussiedler-Schiffes aus Hamburg siedelten um 1850 rund um die Hafenstadt Nelson in Neuseeland. Händler kamen hinauf bis an den Rotoiti-See im gebirgigen Inland. Noch heute leben an diesem abgelegenen Ort Nachkommen ihrer Hamburger Hausmäuse.

Die genetische Forschung erzählt immer wieder aufregende Geschichten. Nicht zuletzt die genetische Erforschung der weltweiten Verbreitung der Hausmaus-Arten und -Stämme. Eine neue Studie (1) hat die Ausbreitung der Hausmaus-Arten in Neuseeland erforscht. Und damit wird ja zugleich immer auch ein Beitrag geleistet zur Erforschung der menschlichen Siedlungsgeschichte einer Region. Denn die Hausmäuse sind ja von Menschen eingeführt worden (1).

10
Die ersten Siedler Neuseelands kamen (über Australien) aus Großbritannien. Und so auch die Hausmäuse, die sie mitbrachten. Dann bestanden Handelskontakte mit China. Auch von dort kamen Hausmäuse. Schließlich aber kamen auch Deutsche (1):
"Mäuse des nordmitteleuropäischen Stammes D1, der verbreitet ist in Deutschland, haben sich bisher nur gefunden im Hafen von Nelson und an einem Ort 90 Kilometer im Inland," 
heißt es in der Studie. Und:  
"Die Provinz Nelson wurde von vielen deutschen Siedlern besiedelt."
Das möchte man dann doch genauer wissen. Wikipedia (Wiki):
"Der Hamburger Senatssyndicus Karl Sieveking (...) war Vertreter einer Gruppe von Hamburger Kaufleuten, die aus den Chatham-Inseln eine deutsche Kolonie machen wollten. Sie gründeten zu dem Vorhaben eigens die Deutsche Colonisation-Gesellschaft. John Nicholas Beit war der Vertreter der New Zealand Company in Hamburg, der alles versuchte, um das Ansiedlungsprojekt mit den Hamburgern zu realisieren und eigens dafür ein 71-seitiges Pamphlet erstellte." 
Dem ersten Siedlungsversuch auf den Chatham-Inseln durchkreuzte die britische Regierung, indem sie diese Inseln annektierte.
"Nachdem das Chatham-Island-Projekt fehlgeschlagen war, versuchte Beit, deutsche Siedlungswillige nach Nelson zu bekommen. Beit und De Chapeaurouge & Co, ein Unternehmen der hanseatischen Familie De Chapeaurouge, wurden sich einig und charterten die Bark St. Pauli um knapp 120 Siedler mit ihren Kindern, hauptsächlich aus Norddeutschland kommen und lutherischen Glaubens, nach Neuseeland zu bringen. Mit der Ankunft am 14. Juni 1843 in Nelson zeigte sich aber, dass das versprochene Land nicht zur Verfügung stand. Arthur Wakefield, der Vertreter der New Zealand Company in Nelson, entschärfte den Konflikt der Siedler mit Beit, indem er ihnen Land im Moutere Valley, gut 20 km westlich von Nelson gelegen, gab. Dort gründeten die Siedler die Ansiedlungen Schachtstal, zu Ehren des Kapitäns der St. Pauli so benannt, und St. Paulidorf, dem Schiff der Siedler nach benannt. Doch die Siedlungen wurde zu häufig von Überflutungen heimgesucht, so daß man im Oktober 1844 die Siedlungen schließlich wieder aufgab. Einige Familien siedelten in Nelson und Waimae Valley."
Gerade zu jener Zeit setzten sich die einheimischen Maori zum ersten mal gegenüber den Ansiedlungsversuchen zur Wehr. Im sogenannten Wairau-Tumult von 1843 wurden der genannte Wakefield, der Gründer der Siedlung Nelson, und 21 seiner Begleiter hingerichtet, als er auf einer Expedition einen Häuptling gefangen nehmen wollte und nachdem angesehene Frauen dieses Stammes ums Leben gekommen waren.

Mikrogeschichte einer genetisch isolierten Hausmaus-Population an einem abgelegenen Gebirgsort


1844 kam ein weiteres Schiff mit 140 deutschen Siedlern nach Nelson, die mehrere Dörfer im Umkreis gründeten, nämlich Ranzau, Sarau, Rosental und Neudorf.

Bei der Siedlung in 90 Kilometer Entfernung von Nelson handelt es sich um das Gebirgsdorf Saint Arnaud (früher Rotoiti) am Rotoiti-See. Es wurde und wird heute vor allem von Jägern, Fischern, Wasser-, Wander- und Skitouristen besucht. 1843 kamen die ersten Briten an diesen See, 1846 trieben sie die ersten Schafherden hier hinauf, 1847 bauten sie eine erste Hütte an einem viel begangenen Paß 8 Kilometer vom heutigen Gebirgsdorf entfernt. Dieser Paß war schon zu Maori-Zeiten ein viel begangener Weg und Fluchtweg ins Inland hinein und heraus. Über ihn flüchteten auch Überlebende des Wairau-Tumults von 1843. Und da das Haus bis dahin das höchst gelegene Haus Neuseelands war, wurde es Top House genannt.

Ab 1859 erforschte der deutsche Geologe Julius von Haast Neuseeland, auch um neue Siedlungsgebiete für Deutsche zu finden. Die von ihm geleiteten Expedition kam dabei auch an den Rotoiti-See (2).

Und im gleichen Jahr übernahm Adolph Wiesenhavern das Top House als Gasthaus, das als solches auch lizensiert wurde. Dieses Haus wird noch heute als ein historisches Gästehaus geführt. Es hat auch eine eigene Internetseite. Letztes Jahr ist es auch von einer Gruppe von Lokalhistorikern besucht worden.

Sicher wäre es eine spannende Frage, wo nun genau das genetische Material der untersuchten Hausmäuse des Rotoiti-Sees gesammelt wurde und wie es um die Mikrogeschichte der Hausmäuse vor Ort bestellt ist. Ist es plausibel, daß sie durch diesen Adolph Wiesenhavern um 1859 herum in diese Region gelangten?

Gerade eine solche eher abgelegene Region mit geringer Besiedlung dürfte es erlauben, einiges Genauere über grundlegendere Gesetzmäßigkeiten der Beziehung Mensch-Hausmaus heraus zu bekommen, bzw. die Hausmaus könnte umgekehrt auch neue Erkenntnisse zur Mikrogeschichte vor Ort erbringen.
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  1. What can the geographic distribution of mtDNA haplotypes tell us about the invasion of New Zealand by house mice Mus musculus? By Carolyn King, Alana Alexander, Tanya Chubb, Ray Cursons, Jamie MacKay, Helen McCormick, Elaine Murphy, Andrew Veale, Heng Zhang, First Online: 11 March 2016, Biological Invasions, June 2016, Volume 18, Issue 6, pp 1551–1565, https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs10530-016-1100-y
  2. James N. Bade: The German connection. New Zealand and German-speaking Europe in the nineteenth century. Oxford University Press, 1994, S. 147
  3. https://de.wikipedia.org/wiki/Siedlungsgeschichte_deutschsprachiger_Einwanderer_in_Neuseeland,
  4. https://de.wikipedia.org/wiki/Upper_Moutere,
  5. http://www.theprow.org.nz/places/tophouse/#.VxNC_dSLSUl,
  6. http://www.stuff.co.nz/marlborough-express/features/history/2513476/Access-escape-action-Tophouse-has-had-it-all
  7. Waimea South Meets Tophouse By waisouth on December 31, 2015, https://waisouth.wordpress.com/2015/12/31/waimea-south-meets-at-tophouse/,
  8. https://de.wikipedia.org/wiki/Wairau-Tumult

Samstag, 20. Februar 2010

Von Ratten, Göttern, Menschen und Wirtschaftssystemen

Ein weiter Weg - der geschichtliche Weg der Ratte 

Andere Völker - andere Kulturen: In Indien werden Ratten religiös verehrt, es gibt ganze, zehntausende von Menschen umfassende Stämme, die traditionell vom "Rattenfang" leben. In Europa hingegen werden Ratten im allgemeinen verabscheut. Doch auch wir können viel von ihnen über unsere Geschichte erfahren.

Nachdem die "freundlichere" Hausmaus als archäologischer Indikator wirtschaftlicher Intensität und gesellschaftlicher Komplexität auf diesem Blog schon mehrmals Thema war (1, 2), sind wir vielleicht gut darauf vorbereitet, uns mit einem noch "abwegigeren" Gegenstand zu befassen: Das Erscheinen einer neuen Studie zur Herkunft der Hausratte auf Madagaskar (3) sei Anlaß für einen kleinen Überblick zur Geschichte der Ratte als Tier religiöser Verehrung, als Nutz- und Haustier, als Kulturfolger und - - - als Schädling des Menschen.

1. Die Hausmaus - gebunden an die Städte (Bronze- und Wikingerzeit)

Zu Beginn sei noch einmal kurz die Hausmaus rekapituliert: Die Hausmaus hat sich in Europa mit den ersten, noch vergleichsweise kleinen Handelsstädten, Volksburgen und Fürstensitzen, sowie mit den zu ihnen gehörenden Fernhandelskontakten ("Argonauten-Fahrten") über Wasser und Land ausgebreitet. Nach Mitteleuropa und nach Südengland breitete sie sich - nach derzeitigem Kenntnisstand - in der frühen Bronzezeit aus. Nach Skandinavien, Schottland und Irland breitete sie sich hingegen erst mit den Wikingern aus. (1, 2, 4)

Aus diesen Gründen eignet sich die Hausmaus wahrscheinlich als gar nicht zu überschätzende Erkenntnisquelle der Archäologie zur Bronzezeit. Denn soweit die Literatur übersehbar ist (siehe etwa: 4), gibt es keine Fund- oder Befundgruppe, die über den Charakter der bronzezeitlichen Wirtschaftssysteme Mitteleuropas objektivere (!) Auskunft geben könnte, als die An- oder Abwesenheit der Hausmaus in einer bestimmten Region zu einer bestimmten Zeit. Deshalb kann nur dringend zur Erforschung der Ausbreitungsgeschichte der Hausmaus in der mitteleuropäischen Bronzezeit geraten werden, die bislang noch nicht sehr bewußt in den Mittelpunkt der Forschung gestellt worden ist. (Offenbar auch noch nicht von großen DFG-Projekten zur mitteleuropäischen Bronzezeit.)  

2. Die Pazifische Ratte - sie breitete sich mit den Polynesiern aus (ab 2.000 v. Ztr.) 

Es könnte sehr spezifische kulturelle Gründe haben, daß die Ausbreitungsgeschichte der Pazifischen Ratte (Rattus exulans) (engl. "Polynesian Rat") (a, b, c, d, e) in ihren Gesetzmäßigkeiten offenbar nur schwer parallel gesetzt werden kann zu der Ausbreitungsgeschichte der anderen beiden großen Rattenarten.

Abb: Ein Kunstwerk aus einem Maori-Versammlungshaus in Neuseeland zeigt die Bedeutung der Ratten für die polynesischen Kulturen auf: die Ratten tanzen auf dem Kopf einer mythologischen Figur (5)

Das Ausbreitungs-Gebiet der Pazifischen Ratte ist an die Lapida-Kultur, also an die polynesische, bäuerliche Kultur von Seefahrern mit Auslegerbooten gebunden. Diese Kultur hat sich ab etwa 2.000 v. Ztr. von Osttaiwan aus über die gesamte Inselwelt im Südpazifik ausgebreitet. Es war das ein Prozeß über viele Jahrhunderte hinweg. Im Südpazifik wie in anderen Teilen Asiens hat die Ratte noch heute einen ganz anderen Stellenwert als sie es jemals in Europa hatte (a):

Wahrscheinlich wurde die pazifische Ratte von den frühen Siedlern als Fleischlieferant genutzt. Heute ist sie in ganz Südostasien und Polynesien verbreitet, wird dort oft als Haustier oder zumindest als Nahrungslieferant gehalten und wird als sehr wohlschmeckend geschildert.

In Europa hingegen werden Ratten und Mäuse noch am ehesten in Hungerzeiten als bedeutenderer Fleischlieferant genutzt worden sein. Diese ganz andere Nutzungsart in Asien wird vor allem der Grund dafür sein, daß sich die Pazifische Ratte, wie die Forschung sagt (5, 6), jeweils sofort mit den ersten Siedlern ausgebreitet hat, jeweils immer zusammen mit Haushund und Hausschwein. Da dies aber einen sehr auffälligen Unterschied darstellt zur Ausbreitungsgeschichte der anderen beiden großen Rattenarten (siehe unten), weil sie dann gar nicht an das Vorhandensein stadtähnlicher Siedlungen oder von so intensiven Fernhandelskontakten gebunden gewesen wäre, wie in Europa, wird man die --> aktuelle Forschungsliteratur zu dieser Frage noch einmal sehr genau prüfen müssen. - Ob der Forschung dieser grundlegende Unterschied überhaupt bewußt ist, wird auf den ersten Blick ebenfalls nicht erschichtlich. (Siehe übrigens auch: 7.)

In Asien jedenfalls scheinen Ratten von Anfang an immer auch als nützliche Tiere angesehen und "gehalten" worden zu sein. In Europa hingegen wurden sie bestenfalls als Schädlinge "geduldet", weil man sie nicht ausrotten konnte.

Diese Umstände wären sicherlich auch in die Überlegungen von Jared Diamond's "Arm und Reich" mit einzubeziehen: Warum leben manche Kulturen gerne von Ratten, andere höchstens in Notzeiten? Es wäre dieser Unterschied ein weiterer Hinweis darauf, daß die bloße Verfügbarkeit einer grundsätzlich domestierbaren Tier- oder Pflanzenart noch nicht die einzige Ursache dafür sein muß, daß diesebe dann auch wirklich domestiziert wird oder als gern gesehener Begleiter des Menschen angesehen wird. Da spielen sicherlich auch unterschiedliche kulturelle Einstellungen und Mentalitäten eine Rolle. 

3. Die Hausratte in Indien  

Indien ist das Heimatland der Hausratte (Rattus rattus) (engl. "Black rat"). Hier wird die Hausratte sogar als ein den Göttern nahestehendes Tier verehrt und gefüttert (8; daraus auch die diversen Abbildungen dieses Beitrages zu indischen Gottheiten und Priestern mit Bezügen zu Ratten). In Indien scheint es außerdem sogar ganze Stämme zu geben, die traditionellerweise vom Rattenfang leben. Diese bis zu 3 Millionen Menschen zählenden Stämme leben an der untersten Armutsgrenze und gehören zu den "Unberührbaren". (9)

In Indien wie in anderen Teilen Asiens werden die Ratten auf den Feldern gejagt, etwa vergleichsweise zur Jagd auf Feldhasen in Europa.

4. Die Hausratte - gebunden an die großen Handelsrouten der Römer, Araber und Briten (in Antike, Mittelalter und Neuzeit) 

In Europa hat sich die Hausratte - offenbar - erst mit einigen der frühesten Großstädte der Menschheitsgeschichte ausgebreitet. Das sind sicherlich andere Umstände als in Südasien. Und auch andere Umstände als bezüglich der Hausmaus. Auf Wikipedia finden sich zur Ausbreitungsgeschichte der Hausratte folgende Hinweise (a):

Als ihre ursprüngliche Heimat gilt Südindien, von hier gelangte sie durch den bronzezeitlichen Handel nach Persien und dem Zweistromland. Aus Tell Isan Bahriyat (Iran) liegen Nachweise von Rattus rattus aus der Zeit um 1500 v. Chr. vor. Aus dem Zweistromland gelangte sie nach Ägypten und ins östliche Mittelmeer. Frühe Berichte über mittelbar durch Ratten ausgelöste Pestepidemien, beispielsweise die durch Thukydides beschriebene Pest in Athen, werden als indirekter Beweis für die Anwesenheit von Hausratten genutzt, aber nicht immer sind die Beschreibungen der Symptome eindeutig. Die Verbreitung auf dem afrikanischen und dem europäischen Kontinent erfolgte wahrscheinlich in einer zweiten Ausbreitungswelle mit dem Gewürzhandel über Schiffe der römischen Kaiserzeit. Der älteste Nachweis der Hausratte in Deutschland stammt aus Ladenburg bei Mannheim, aus dem 2. Jahrhundert. Nach Großbritannien gelangte die Hausratte vielleicht schon mit den Römern, hier wird eine Pest-Epidemie in Londinium (London) im 2. Jahrhundert n. Chr. als Beleg angeführt. Die ältesten Knochenfunde stammen jedoch erst aus einem Brunnen des 4. oder 5. Jahrhunderts aus Skeldergate, York. Manche Forscher nehmen an, dass die Ratte im Frühmittelalter wieder ausstarb (schlechtere Lebensbedingungen durch das Ende städtischer Siedlungen und der Klimaverschlechterung im 7. Jahrhundert) und erst mit heimkehrenden Kreuzrittern wieder eingeführt wurde. Bei Grabungen nahe der Stadt Haithabu wurde das Vorkommen der Hausratte um 1050 bestätigt, von wo sie sich weiter mit den Schiffen der Wikinger und später der Hanse verbreiten konnte.

Nach Mitteleuropa hat sich also die Hausratte - im Gegensatz zur Hausmaus - nicht schon in der Bronzezeit oder in der Keltenzeit ausgebreitet, sondern erst mit dem Römischen Weltreich. Und auch innerhalb desselben nur entlang der großen Handelsrouten (3):

The colonization history of the black rat, R. rattus, towards western Europe and Africa is hypothesized to be strongly connected to human migration and trade routes. This species was first found in North Africa (Egypt, Libya) in 2000 BC. (...) Rattus rattus arrived into southern Europe by the second to fourth centuries BC but would have remained confined to main commercial roads until a period of rapid urban growth; consequently, the rat population expanded around the 11th to 13th centuries AD.

Ergänzung 15.4.2021: Interessanterweise hat die Völkerwanderung zu einem starken Rückgang der Ratte in Mitteleuropa geführt. Es scheint dann zu einer Wiederbesiedlung in Mitteleuropa mit neuen Rattenpopulationen gekommen zu sein (10):

Hausratten treten erneut während des 9. und 10. Jahrhunderts in nordeuropäischen Handelssiedlungen auf, auch außerhalb ihres vormaligen römischen Ausbreitungsgebietes, und zwar einschließlich von Hedeby im nördlichen Deutschland und Birka in Schweden, ebenso wie in früheren römischen Städten und herausgehobenen frühmittelalterlichen Siedlungen wie York und Flixborough in England und Sulzbach in Bayern. 
Black rats reappear at northern European trading settlements during the 9th and 10th centuries CE, including sites well beyond their Roman range, including Hedeby in northern Germany and Birka in Sweden, as well as former Roman towns and high-status early medieval settlements such as York and Flixborough in England and Sulzbach in Bavaria.

Der Hinweis auf die Wikinger-Siedlung Haithabu ist interessant, ebenso sowie auf die (merowingerzeitliche) Burg Sulzbach in der Oberpfalz (Wiki) (besiedelt ab dem 8. Jahrhundert) (11). Im späten 14. Jahrhundert erreicht die Ratte dann sogar Finnland (10).

Solche Vorgänge wären dementsprechend natürlich auch denkbar für Hausmaus-Populationen während Bevölkerungsumbrüchen, etwa während der spätneolithischen Ausbreitung der Indogermanen (Glockenbecher und Schnurkeramik).

5. Die Hausratte auf Madagaskar kam aus Oman (um 850 n. Ztr.)  

Nach Madagaskar gelangte die Hausratte nach der neuen Studie der französischen Studentin Charlotte Tollenaere wahrscheinlich von Oman von der arabischen Halbinsel aus durch arabische oder indische Handelsschiffe und -gründungen. (3) Obwohl es eine erste spärliche menschliche Besiedlung im Südwesten Madagaskars schon um 300 v. Ztr. gegeben hat (durch wen eigentlich? - die Phönizier?), begann die eigentliche Besiedlung Madagaskars an seiner Ostküste um etwa 850 n. Ztr.. An der Ostküste finden sich heute auch die genetisch ältesten Hausratten-Linien auf Madagaskar. (3) Andere, kleinere Inseln wurden hingegen viel später von Großbritannien aus mit der Hausratte "infiziert".

In Amerika hat sich die Hausratte auffälligerweise nur an wenigen Stellen ausgebreitet (schmale Verbreitungsgebiete an der West- und Ostküste Nordamerikas). An ihrer Stelle hat sich ab 1755 die Wanderratte in Nordamerika ausgebreitet. Die Wanderratte verdrängt auch sonst auf der Erde die Hausratte.  

6. Die Wanderratte wittert die Industrielle Revolution und folgt ihr 

Die Wanderratte (engl. "Brown rat") hat noch heute den wissenschaftlichen Namen "Rattus norvegicus". Dieser beruht auf einem Irrtum. Die ersten wissenschaftlichen Bearbeiter in Großbritannien hatten angenommen, daß diese Rattenart um 1732 aus Norwegen in Großbritannien eingeführt worden wäre. Aber zum Zeitpunkt der Benennung dieser Rattenart gab es die Wanderratte in Norwegen noch gar nicht. Sie stammt nämlich aus China, wo es zur Zeit von Marco Polo (1254 - 1324) die damals größten Städte weltweit gab. Über die Verbreitungsgeschichte der Wanderratte berichtet Wikipedia (a):

Die Wanderratte stammt ursprünglich aus Zentralasien und Nordchina. Sie hat sich wie die Hausratte als Kulturfolger des Menschen in alle Welt ausgebreitet. (...) Die weltweite Verbreitung der Wanderratte begann erst im 18. Jahrhundert, sie führte zur Verdrängung der Hausratte. 1727 setzte die Wanderratte bei Astrachan über die Wolga, und 1732 wurde sie aus Indien nach England eingeschleppt. 1750 erschien sie in Ostpreußen, 1753 in Paris. Um 1780 war sie in Deutschland überall häufig, in der Schweiz aber erschien sie erst 1809. Nach Nordamerika gelangte sie 1755. Bedingt durch die veränderte Lebensweise der Menschen, den Bau moderner Häuser und die Kanalisation konnte sich die Wanderratte stark vermehren. In weniger modernen Siedlungen von Menschen ist ihr Verbreitungsgebiet dagegen beschränkt. So ist sie auch heute in Afrika nur in Groß- und Hafenstädten anzutreffen. Sie schwimmt, taucht und klettert sehr gut. Gerade in modernen Großstädten findet sie ideale Bedingungen vor. Man schätzt, dass z. B. in New York 16 Millionen Wanderratten leben, also zwei pro Einwohner.

Die Wanderratte ist offenbar an die moderne Industriegesellschaft und an ihre "Massenstädte" (noch) besser angepaßt als die Hausratte. Denn die Wanderratte hat sich auch über ganz Amerika ausgebreitet, während die Hausratte an schmale Küstenstreifen gebunden blieb.

ResearchBlogging.orgVielleicht wäre es noch sehr spannend, der Frage nachzugehen, ob sich die Ratten als Kulturfolger über die Erde ausgebreitet hätten, wenn es nicht in Asien diese große Nähe und Aufeinander-Bezogenheit zwischen Ratten und Menschen gäbe. Auch könnte man sich fragen, ob die Menschen in Europa für Krankheiten, die durch Ratten übertragen werden, genetisch leichter oder anders anfällig sind, als in Asien, und daß möglicherweise dadurch die große Abscheu gegenüber den Ratten in Europa entstand. Der Dichter Heinrich Heine jedenfalls sah in den Wanderratten nichts Heiliges mehr, sondern ein Abbild des zu seiner Zeit modern werdenden --> Proletariers. - Ein weiter Weg: der geschichtliche Weg der Ratte.

Literatur: 

  1. Bading, Ingo: Die Hausmaus als Erkenntnisquelle der Historiker. Studium generale, 5.10.2008 
  2. Bading, Ingo: Die Hausmaus in der Weltgeschichte. Studium generale, 31.8.2008  
  3. Tollenaere, C., Brouat, C., Duplantier, J., Rahalison, L., Rahelinirina, S., Pascal, M., Moné, H., Mouahid, G., Leirs, H., & Cosson, J. (2010). Phylogeography of the introduced species in the western Indian Ocean, with special emphasis on the colonization history of Madagascar Journal of Biogeography, 37 (3), 398-410 DOI: 10.1111/j.1365-2699.2009.02228.x  
  4. Bading, Ingo: Zur Religions- und Stadtgeschichte des bronzezeitlichen Mitteleuropa. Studium generale, 5.1.2010 
  5. Matisoo-Smith, E.; Robins, J. H.: Origins and dispersals of Pacific peoples: Evidence from mtDNA phylogenies of the Pacific rat. PNAS June 15, 2004 vol. 101 no. 24 9167-9172. frei --> html 
  6. Roberts, Mere: Origin, Dispersal Routes, and Geographic Distribution of Rattus exulans, with Special Reference to New Zealand. Pacific Science (1991), vol. 45, no. 2: 123-130 (freies pdf.
  7. Bading, Ingo: Jade-Handel in Südostasien 2.500 Jahre lang von Osttaiwan aus. Studium generale, 21.12.2007 
  8. Jordan, Claire M.: Deshnok - The Indian temple where ship rats are revered. [20.2.10] 
  9. Trivedi, Prithi: Reduce Poverty for Indigenous Rat Catchers. Globalgiving.org, August 2007 [20.2.10]
  10. Palaeogenomic analysis of black rat (Rattus rattus) reveals multiple European introductions associated with human economic history He Yu, Alexandra Jamieson, Ardern Hulme-Beaman, Chris J. Conroy, (...), Jean-Denis Vigne, Thomas Walker, Stephanie Wynne-Jones, Jørn Zeiler, Keith Dobney, Nicole Boivin, Jeremy Searle, Ben Krause-Kyora, Johannes Krause, Greger Larson, David Clive Orton bioRxiv 2021.04.14.439553; doi: https://doi.org/10.1101/2021.04.14.439553 This article is a preprint and has not been certified by peer review  
  11. Pasda,   K.   Tierknochen als Spiegel sozialer Verhältnisse im 8.-15. Jh. in Bayern. 931 (Praehistoricaverlag, 2004) (Academia)

Mittwoch, 26. März 2008

Kulturweitergabe in traditionellen Gesellschaften

In einem neuen "Science"-Artikel über die archäologische Erforschung der sozialen Weitergabe von Wissen beim Menschen (Science, 14.3.08) findet sich das folgende Foto:

Erläuterung: "Das Lernen der traditionellen mikronesischen Navigations-Kenntnisse"

So also haben die Polynesier, das heißt die Bewohner der weit verstreuten Inseln im Südpazifik, die Samoaner und all die anderen, in den letzten 3000 Jahren ihre bedeutenden Kenntnisse in Bezug auf die Navigation bei der Hochsee-Schiffahrt an ihre heranwachsende Jugend weitergegeben. Kontakte auch zwischen weit entfernten Inseln bestanden ja über viele Jahrhunderte wie inzwischen archäologisch hat nachgewiesen werden können.

Als eine der bedeutendsten Arbeiten zu dieser Thematik der Kultuweitergabe überhaupt wird man immer noch die umfangreiche emprische Studie "Semes and Genes in Africa" (Current Anthropology, 2002) ansprechen müssen, die in diesem "Science"-Artikel nicht genannt wird. Wenn die Archäologie auf dieser Linie weiteres beitragen kann zu dem, was die Völkerkunde schon zusammen getragen hat - das Hauptanliegen des neuen "Science"-Artikels -, dann können viele neue Erkenntnisse gewonnen werden.

Als ein anschauliches, paralleles Beispiel werden auch die Handels- und Seefahrtbeziehungen in der bronzeitliche Ägäis genannt. Und noch detaillierter heißt es zu dem obigen Foto (Literaturnachweis für die Ausführungen siehe daselbst):
... Large-scale models can be enhanced by considering the small-scale processes revealed by ethnography. For example, among Micronesian sailors, the traditional skills of navigation are passed down between generations, often from father to son. From a very young age, children are immersed in discussion of canoes and navigation, and from the age of perhaps five upwards, teaching becomes more explicit. Knowledge is acquired through rote learning, the rehearsal of drills, chants, and stories, and the construction of "star charts" and "stick maps" that transmit the details of voyages covering more than 1400 miles of ocean (see the photo). But this data is only part of the package; over more than 10 years, children are educated into a practical, physical understanding of how to use stars, ocean swells, currents, and wildlife in the actual performance of navigation.

Montag, 28. Januar 2008

Eindrucksvolle Abbildungen zu bislang weniger beachteten Aspekten der Kulturgeschichte der Menschheit

Hier sollen noch ein paar eher zufällige Bibliotheks-Funde der letzten Monate eingestellt werden zur Geschichte West- und Ostasiens (u.a. aus 1 und 2).

Zunächst ein Foto, das "Ureinwohner Taiwans" darstellt - wie man sie sonst noch nirgendwo abgebildet gefunden hat.



Sind doch von den Ureinwohnern Südost-Taiwans aus wichtige Handelsbeziehungen und Besiedelungs-Vorgänge bis nach Indonesien und bis zu den südpazifischen Inseln - auf Ausleger-Booten - ausgegangen. (Ausbreitung der austronesischen Sprachfamilie, siehe frühere St. gen.-Beiträge unter Kategorie "Südasien".)

Weiterhin ein Totenwagen aus dem 5. - 4. Jh. v. Chr., gefunden in dem fünften Kurgan von Pazyrk und nur aus Holz gefertigt.



Ein eindrucksvolles Beispiel für die Kultur der nomadisch lebenden skythischen Völker am Nordrand des chinesischen Reiches, der Sogder, Persiens und Griechenlands, wie es ebenfalls kaum bekannt ist.

Weiterhin die buddhistische Zeichnung einer in China ausländischen Gesellschaft mit Pferd aus dem Jahr 663 n. Ztr..



Sodann eine chinesische Zeichnung von Falknern aus den "Westlanden" aus dem Jahr 706 n. Ztr..



Und zum Schluß eine chinesische Tonplastik aus dem 9. Jahrhundert, wohl reichlich unpräzise benannt "Armenischer Weinverkäufer".



Es wird sich - wie bei vielen ähnlichen chinesischen, Tang-zeitlichen Plastiken um die Darstellung eines Sogders handeln. Die Museen weltweit ordnen derartige Darstellungen von "Ausländern" in der Tang-zeitlichen chinesischen Kunst oft unter ganz unterschiedlichen Bezeichnungen ein und doch handelt es sich sehr oft schlicht um Sogder. Zu den letzten drei Abbildungen siehe Suchwort "Sogder" auf "St. gen.".

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  1. Brentjes, Burchard: Mittelasien. Eine Kulturgeschichte der Völker zwischen Kaspischem Meer und Tien-Shan. Koehler & Amelang, Leipzig 1977
  2. Bauer, Wolfgang (Hrsg.): China und die Fremden. 3000 Jahre Auseinandersetzung in Krieg und Frieden. Verlag C. H. Beck, München o.J.

Dienstag, 5. Juni 2007

Kolumbus kam als letzter

Über Gene Expression werde ich auf spannende Forschungen aufmerksam, über die in der NYT berichtet wird. (Ein deutscher Bericht: bdw) Hühner, begraben im südlichen zentralen Chile ein Jahrhundert vor Kolumbus stammen genetisch offenbar eindeutig aus Polynesien. Das ist eine tolle Ergänzung zu manchen früheren Beiträgen hier auf dem Blog. Die Hühner haben sich in der Südsee offenbar vom südasiatischen Festland zunächst auf dem gleichen Weg ausgebreitet wie das Schwein - und dann also nun offenbar gleich auch noch weiter nach Südamerika. (Studium generale 1) Und auf dem Weg zurück kam die Süßkartoffel nach Polynesien. (Studium generale 2) Und auf dem Weg nach Westen breitete sich das Huhn ja auch aus Südasien aus und kam irgendwann - zu uns. (Studium generale 3).

Da bleibt dann nur noch der Verweis auf ein hübsches: "Chicken-Video" beim Fischblog!

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Ergänzung: Auch National Geographic hat einen Bericht. Die Osterinseln wurden um 1200 n. Ztr. von den Polynesiern besiedelt, die ältesten Hühnerknochen Südamerikas sind auf 1320 bis 1410 datiert. Es ist also wahrscheinlich, daß die Polynesier in dem dazwischen liegenden Zeitraum nach Südamerika kamen. Übrigens haben sich die Abkömmlinge der polynesischen Hühner in Südamerika bis heute selten mit den Abkömmlingen europäischer Hühner vermischt - vielleicht weil sie in abgelegenen Dörfen leben? - In jedem Fall: "Kolumbus kam als letzter."

Oh, zu viele spannende Sachen, als daß man schon abschließen könnte. Vorbemerkung: Vor ein paar Monaten hab ich für die GfbV Flugblätter verteilt, da das Überleben der Volksgruppe der Mapuche in Südamerika durch einen rücksichtslosen Staudamm-Bau schwer bedroht ist. Ich wußte gar nicht, was diese Volksgruppe historisch für eine Bedeutung hat. Im NG steht:

... Other evidence has suggested Polynesians made it to Chile, where the Mapuche people live today.

"There are many words in Mapuche language which are close to or identical with Polynesian, [and] the Mapuche war club is very similar to a distinctive Polynesian form," Anderson said.

But the evidence was "circumstantial," he said.

Sonntag, 27. Mai 2007

"Gutes tun ist schwer" - König Ashoka (303 - 233 v. Ztr.)

Der Buddhismus gehört zu den Religionen, für die ich noch nicht so richtig Verständnis gefunden habe, zu denen ich innerlich noch keinen oder nur wenig Zugang gefunden habe. Man freut sich also über alles, was das Verständnis ein bißchen erleichtern könnte. Der "Spiegel" hat einen Bericht über den König Ashoka (303 - 233 v. Ztr.), der den Buddhismus in Indien eingeführt hat. Das war schon eine ganz merkwürdige Person, die für merkwürdige Dinge in ihrem Land Propaganda gemacht hat. Nämlich: alle Menschen sollen gut sein. Niemandem im Reich soll es schlecht gehen. Die Straßen sollen mit Bäumen bepflanzt werden, damit die Reisenden im Schatten reisen können. Wahnsinn. Irgendwie fühlt man sich an Alexander den Großen erinnert, der mit ähnlichem Sendungsbewußtsein die Welt durchzog, wenn auch offenbar bis zum Lebensende gewalttätiger als Ashoka. Aber diese "indische Sanftmut" ... Puh, da wird einem ja ganz anders ... Das "säuselt" einem nur so durch's Gebein. Ist vielleicht doch nicht so ganz das Rechte für mich, diesem indischen König Ashoka nachzueifern. - Wenngleich ... sein Harem dürfte sicherlich ganz annehmlich gewesen sein ... ;-) )

Übergehen wir die grausige Vorgeschichte und gehen wir gleich auf sein Leben nach seiner Bekehrung ein, jene Lebensphase, die allein geschichtlich bezeugt zu sein scheint:

... Über acht Monate ist Ashoka danach - das heißt nach seiner Bekehrung zum Buddhismus - auf Reisen, durchquert sein riesiges Imperium, sucht auch in entlegenen Landstrichen das Gespräch mit seinen Untertanen. Und täglich lässt er seine Entourage eine Botschaft verlesen, in der er sich als Laienanhänger des buddhistischen Ordens zu erkennen gibt. Auch dem Niedrigsten, so heißt es da, stehe der Himmel offen.

Dergleichen sind für einen indischen Herrscher ganz unerhörte Töne. Wenn in der Vergangenheit der König den Palast verließ, zu einer Jagd oder Lustreise, dann war die Straße mit Seilen abgesperrt. Ashoka, der Bekehrte, aber mischt sich unter sein Volk, verteilt Almosen und Geschenke an brahmanische Priester, an Asketen und Betagte.

Ein oder zwei Jahre nach der Reise entschließt er sich, auch dem übrigen Land von seiner Konversion zu berichten. Schriftlich und in einfachen Worten. Er entwirft für seine Untertanen eine Morallehre, die Dhamma-Regeln. Innerhalb weniger Jahre überzieht er das ganze Land mit Edikten, von seinen Handwerkern eingemeißelt in große Felsenflächen.

In diesen steinernen Botschaften spricht Ashoka in sanftmütigen Worten als "Götterliebling" zu seinen Untertanen. Er bekennt, sich dem buddhistischen Glauben zugewandt zu haben und nun "tiefe Reue" über die Eroberung Kalingas zu empfinden.

Die Felsen-Edikte verkünden allen Untertanen Ashokas die Dhamma-Regeln: Respekt vor Vater und Mutter und vor Älteren, Freundlichkeit und Wahrhaftigkeit. Gut sei es, keinerlei Lebewesen zu töten und Großzügigkeit zu üben gegenüber Freunden, Bekannten und Verwandten, gegenüber Brahmanen und Asketen.

Ashoka begnügt sich nicht mit allgemeinen Idealen, sondern verkündet auch konkrete Reformen. Der "Götterliebling" ordnet an, dass künftig kein Tier mehr zu Opferzwecken geschlachtet werden soll. Auch in der königlichen Küche dürfen die Köche bald kaum noch ein Tier töten.

In seinem Reich lässt Ashoka Heilpflanzen für Mensch und Tier kultivieren. Er ordnet an, die Handelsstraßen, über die Kaufmannskarawanen und Pilger im Sommer in sengender Hitze ziehen, mit Schatten spendenden Feigen- und Mangobäumen zu säumen. Seine Straßenbauer haben Befehl, alle 15 Kilometer Brunnen zu graben und Rasthäuser zu errichten.

Zudem entsendet der "Götterliebling" königliche Beamte in seine Provinzen, die alle fünf Jahre auf Inspektionsreise gehen, um das Volk in der Dhamma-Lehre zu unterweisen. (...)

Doch schon 256 v. Chr., nur zwei Jahre nach der Veröffentlichung seiner ersten Edikte, spürt Ashoka, so scheint es, Widerstand gegen seine Tugend-Reformen. Verwunderlich ist dies nicht. Neben allen Wohltaten bürden sie dem ganzen Land einen hehren Anspruch auf: Keinem Lebewesen, ob Mensch oder Tier, darf ein Leid geschehen.

Sollen Fischer in den Flüssen also nicht mehr ihre Netze auswerfen, Jäger nicht mehr die Wälder zum Schutz der Reisenden nach Raubtieren durchstreifen? Bauern beim Pflügen der Äcker auf jedes Gewürm und Insekt Acht geben?

Sollen Kranke auf die Tieropfer verzichten, die als Allheilmittel gegen jedes Übel gelten? Die Brahmanen-Priester auf das Geld, das sie mit diesen Opferdiensten einnehmen? Und die Höflinge in Ashokas Palast auf das unterhaltsame Spektakel der Tierkämpfe mit Elefanten, Rhinozerossen und Bullen?

Womöglich aber stachelt den König der Widerstand gegen seine Regeln in seinem Sendungsbewusstsein nur an. Denn er lässt nun eine weitere Serie von Edikten in Felspartien meißeln, zehn neue Botschaften des "Götterlieblings". "Gutes zu tun ist schwer", hebt er diesmal an und rühmt sich der vielen edlen Taten, die er bereits vollbracht habe - die neuen Dhamma-Edikte sind auch Leistungsbilanzen des Königs, Propaganda in eigener Sache.

Um den Unwillen zu brechen, auf den seine Reformen zu stoßen scheinen, ernennt Ashoka Dhamma-Beamte und lässt sie ins Land ausschwärmen. Es sind Spitzel im Zeichen des Guten, die prüfen, wer den Instruktionen des Königs noch nicht folgt. Zugleich sollen die Tugendpolizisten für die selig machende Dhamma-Lehre werben, zum Glück und zur Wohlfahrt aller. Unter den Gläubigen aller Religionen, bei Soldaten, Brahmanen und Hausvätern, unter Armen und den Alten. Sie sollen auch vor den Harems von Ashokas Brüdern nicht Halt machen und vor den Privat-Gemächern seiner Schwestern und übrigen Verwandten.

Die Botschaft ist eindeutig: Niemand darf sich mehr der Dhamma-Unterweisung durch die Sonderagenten des Königs entziehen. Ashoka errichtet eine Gesinnungsdiktatur im Namen von Wahrhaftigkeit und Toleranz: eine Tyrannei der Sanftmut. (...)

So heftig ist Ashokas missionarischer Eifer, dass seine Emissäre die Dhamma-Botschaft auch zu den nie eroberten Stammesgebieten innerhalb des Großreiches tragen müssen, zu den unabhängigen Gebieten im Süden des Subkontinents und auf die Insel Sri Lanka. Doch selbst damit gibt sich der König nicht zufrieden. Ashoka schickt sie auch in die nordwestlichen Grenzregionen des Imperiums, wo es griechische Ansiedlungen gibt. Und er lässt seine Botschafter in die Ferne reisen, viele Tausende Kilometer, bis ins hellenistische Reich der Seleukiden, zu den Ptolemäern, nach Makedonien, Kyrene in Nordafrika und Epirus im Nordwesten Griechenlands.

Eine vergleichbare diplomatische Unternehmung hat es wohl noch nie gegeben: Der Herrscher über ein mächtiges Großreich bekundet seinen Friedenswillen vor aller Welt. Ashoka versteht sein Dhamma inzwischen als eine universelle, kosmopolitische Morallehre - nützlich für alle Kasten, Stämme und Nationen. (...)

Um 242 v. Chr. lässt Ashoka eine letzte Serie von Edikten meißeln. Diesmal nicht in Felsen, sondern in schlanke, zwölf bis 15 Meter hohe Steinsäulen - es sind die frühesten heute noch erhaltenen Zeugnisse indischer Monumentalkunst. (...)

In den sieben neuen Edikten propagiert der "Götterliebling" seine Lehre eindringlicher als je zuvor. Immer spezieller fasst Ashoka seine Tötungsverbote. Verschont werden müssen: Papageien, Wildenten, Fledermäuse, Schildkröten und Stachelschweine. Aber auch Eichhörnchen, Hirsche, Bullen, Ameisenköniginnen, Sumpfschildkröten, wilde Esel, wilde und zahme Tauben sowie sämtliche vierfüßigen Kreaturen, die weder nützlich noch essbar sind.

Ja überhaupt alle Tiere, die nicht älter als sechs Monate sind. Und Hähne dürfen nicht mehr kastriert werden. Diese Säulenedikte sind vermutlich die letzten Inschriften, in denen sich der König an sein Volk wendet. Alles ist nun verkündet über die Dhamma-Lehre. (...)

Es muß wirklich nicht einfach gewesen sein für Ashoka, ein guter Mensch zu sein. Sonst wäre ihm das nicht so wichtig gewesen. "Tue Gutes und rede davon," ist ja auch immer mein Motto. Aber Ashoka, Ashoka, Ashoka, Du kommst mir doch ein bißchen ... "fremd" vor. Es kommt einem alles ein bißchen - - - "kitschig" vor. Sorry! Immer etwas gar zu viel "Schmalz". Bollywood oder Hollywood? No difference? - Brrrr!

So seelisch "besoffen" machen einen sonst eigentlich nur ... Frauen. Aha! Das ist's: Ashoka hatte zu viele Frauen in seinem Harem: Als Alleinherrscher residiert er im Palast von Pataliputra im Nordosten Indiens, umgeben von bewaffneten Frauen - denn weibliche Wächter gelten als besonders loyal.

Im Schutz "bewaffneter Frauen"! - Damit ist vielleicht schon alles gesagt. - - - Brrrr!

Dienstag, 8. Mai 2007

Neue genetische Forschungen zu den australischen Ureinwohnern

Spektrum der Wissenschaft (nach PNAS):

"... Australier und Melanesier stammen von einer einzigen alten Gründerpopulation ab, die es vor etwa 50 000 bis 70 000 Jahren nach nur etwa gut 5000 Jahren Wanderschaft aus Afrika nach Ozeanien geschafft hatte. Auch alle anderen Menschen weltweit gehörten ursprünglich zu dieser alten Gruppe, die sich an Varianten der so genannten Haplotypen M und N verrät. In anderen Erdteilen aber haben sich daraus Menschenformen mit anderen Genvarianten entwickelt. Keine dieser Gruppen - weder aus Indien noch aus Ostasien - hat sich dann aber später noch einmal in den Genpool der Australier und Neuguinea-Bewohner gemischt, so die Forscher. Stattdessen blieben die Ureinwohner auf Kontinent Fünf also wohl sehr lange unter sich.

Das allerletzte Wort zur Aborigines-Evolution, so die Wissenschaftler, ist mit diesem erfreulich eindeutigen Ergebnis allerdings nicht gesprochen - eher im Gegenteil. Denn wo keine großflächige Einwanderung von außen erfolgte, müssen für nachgewiesene kulturelle Revolutionen, die bislang einem plötzlichen Fremdeinfluss zugeschrieben wurden, andere Erklärungen gefunden werden. Warum entwickelten sich in dem lang isoliert im eigenen Saft brütenden Australien zum Beispiel von heute auf morgen plötzlich neue Steinwerkzeug-Traditionen, die zudem denen an anderen Orten der Welt glichen? Oder warum trennten sich irgendwann die australischen Sprachen so gründlich, dass noch heute eine deutliche linguistische Grenze durch den Kontinent verläuft?

Eine Zuwanderung revolutionärer Ideen ohne die gleichzeitige Zuwanderung von Menschen kann all dies kaum erklären. Eher, so glauben Kivisild und Ko, haben irgendwann die vom Rest der Welt isolierten Australier selbst wohl begonnen, sich auch voneinander abzugrenzen - und auseinander zu entwickeln."

Man könnte auch vermuten, daß kleine Gruppen von Zuwanderern neue Ideen und Sprachen brachten, daß es aber in der Folgezeit "Selektion gegen" ihre Gene gegeben hat. Dies darf man ja auch für China und Ostasien vermuten. Doch auch eigenständige genetische Evolution (sie kann natürlich auch ebenfalls durch kleine aber entscheidende Einflüsse von außen in Gang gesetzt worden sein) scheint es in diesen 50.000 Jahren gegeben zu haben, erfahren wir doch einige Absätze vorher:

"Rätselhaft, weil nicht recht in die Evolutionsgeschichte der Restmenschheit passend, ist weiterhin die Form der alten Knochen selbst, die in Australien gefunden werden: Ganz frühe sind sehr fragil, etwas jüngere stattdessen von einer merkwürdig abweichenden Robustheit, die sich auch heute noch teilweise als Merkmal der lebenden Ureinwohner Australiens zeigt."

Samstag, 7. April 2007

Hühner sind in Nordeuropa "christliche" Tiere

Die Hähne krähen hier erst seit dem Frühmittelalter ...

Ein schöner Artikel über die Herkunft des Haushuhns (Berliner Zeitung) von Monika Offenberger (Auszug):

... Heute gibt es 14 Milliarden Hühner weltweit ... Sie alle sind durch gezielte Auslese aus einer einzigen Vogelart hervorgegangen: dem Bankivahuhn oder Roten Dschungelhuhn (Gallus gallus).

Noch heute findet man den scheuen Vogel in den Wäldern Südostasiens: von Kaschmir über Hinterindien, Südchina bis nach Malaysia und Sumatra. Die braunen Wildhennen sind im Unterholz gut getarnt. Auch der Hahn hat den Sommer über ein schlichtes Kleid und schmückt sich erst im Winter mit einem mehrfarbigen Prachtgefieder. Das ist bei seinem zahmen Urenkel namens Brauner Italiener immer noch so, der heutzutage auf Bauernhöfen überall in Europa lebt. Wenn mit dem Frühling die Balzzeit im Dschungel anbricht, beginnen die Hähne zu kämpfen. Sie wollen ihr Revier verteidigen und eine Hand voll Hennen erobern.

Biologen vermuten, dass diese spektakulären Zweikämpfe der Grund für die Domestikation von Gallus gallus waren. Zumindest bewegen Hahnenkämpfe seit jeher die Gemüter. Im antiken Babylonien waren sie beliebt, ebenso bei den alten Chinesen und Griechen. Noch heute sind die streitenden Gockel eine Attraktion - besonders in Regionen wie Borneo, Java, Sumatra, Bali und Malaysia sowie auf den Philippinen, also nahe der Heimat des Bankivahuhns.

Wie das Gackern nach Europa kam, versuchen Forscher anhand von Münzen und Malereien, Tonfiguren und Schriftstücken zu ergründen. Wo solche kulturellen Hinterlassenschaften fehlen, da helfen alte Knochen weiter, die zwischen den Scherben längst verlassener Siedlungen zu finden sind. Ihre Form und Größe verraten, ob sie von Wild- oder Haushühnern stammen, von Hennen oder Hähnen - ja sogar, ob die Hähne kastriert waren und wie man sie zubereitete.

Funde aus dem dritten Jahrtausend vor Ztr. belegen, da die Menschen, die damals an den fruchtbaren Ufern des Indus im heutigen Pakistan lebten, bereits Haushühner kannten. In Mohenjo-Daro, einer der großen Städte der Industal-Kultur, hielt man Hühner, die deutlich größer waren als ihre wilden Verwandten. Vom Indus brachten die Menschen ihr Federvieh spätestens gegen Ende des zweiten vorchristlichen Jahrtausends Richtung Westen nach Mesopotamien und weiter über Anatolien nach Griechenland.

In Ägypten wird das Haushuhn erstmals um die Mitte des zweiten Jahrtausends vor Christus erwähnt, in den Annalen von Thutmosis III. Darin werden Vögel geschildert, die als Mitbringsel aus einem nordöstlichen Land kamen und "täglich gebären", also jeden Tag Eier legen. Das ist ein Indiz dafür, dass die damaligen Haushühner schon bedeutend produktiver waren als ihre wilden Großmütter. Bankivahennen bringen es nur auf ein bis zwei Dutzend Eier im Jahr.

Die Spur der Hühner führt von Griechenland nach Italien und von dort gen Norden. Über die Alpen schaffte es der Vogel irgendwann im siebten Jahrhundert vor Christus. Archäologen fanden Hühnerknochen aus dieser Zeit in einem frühkeltischen Herrensitz an der oberen Donau sowie in einem etwa ebenso alten Hügelgrab bei Schirndorf in der Oberpfalz. In der Slowakei gehörten Hühnerknochen in der Latènezeit, also 600 bis 100 Jahre vor Christus, zu den regelmäßigen Grabbeigaben. Sie dienten als Wegzehrung und als Garant für neues Leben.

Die Römer und das Federvieh

Als die Römerzeit zu Ende ging, hätte es eines Vereins zu Erhaltung der Hühner-Artenvielfalt bedurft. Denn in der Blütezeit des Römischen Reichs hatte sich zwar bereits reiches Wissen über Hühnerhaltung und -züchtung angesammelt: Es gab mehrere Hühnerrassen, darunter auch Zwerg- und Haubenhühner, die aus Liebhaberei gezüchtet wurden. Doch mit dem Untergang des Imperiums ging diese Expertise verloren. Im frühen Mittelalter nahm die Formenvielfalt ab und die Hühner wurden mickeriger. Erst im Spätmittelalter bemühte man sich um die Züchtung neuer Landhuhnrassen, von denen einige bis heute existieren - zum Beispiel Thüringer Barthühner, Rheinländer, Hamburger, Altsteirer und Paduaner.

Monopol der Legehennen

Eine regelrechte Zuchtwut brach Anfang des 19. Jahrhunderts aus - zuerst in England ... 

Ergänzung 6./13.7.2022: Zwei neue Studien grenzen Ort und Zeit der Domestikation der Hühner genauer ein (Thailand, 1650 v. Ztr. - zusammen mit der Einführung des Reisanbaus) (1), ebenso ihre Ankunft in Europa (2).

__________

  1. Peters, J., Lebrasseur, O., Irving-Pease, E. K., Paxinos, P. D., Best, J., Smallman, R., ... & Larson, G. (2022). The biocultural origins and dispersal of domestic chickens. Proceedings of the National Academy of Sciences, 119(24), e2121978119, https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.2121978119
  2. Best, J., Doherty, S., Armit, I., Boev, Z., Buster, L., Cunliffe, B., ... & Sykes, N. (2022). Redefining the timing and circumstances of the chicken's introduction to Europe and north-west Africa. Antiquity, 7.6.2022 (Antiquity)

Montag, 26. März 2007

Das Schwein der Südsee - Aktualisierung

Die Herkunft der domestizierten Tiere in der Südsee, insbesondere der Schweine, (die dort auch schon früh ausgewildert sind,) wird derzeit lebhaft erforscht (hier, hier und hier). War schon vor einigen Monaten klar geworden, daß die genetische Herkunft des Schweines der Südsee auf das südasiatische Festland zurückgeleitet werden kann - und überraschenderweise nicht auf Süd-Taiwan, wo höchstwahrscheinlich eine wichtige Ursprungsbevölkerung der ersten menschlichen neolithischen Siedler der Südsee lebte -, so wurde jetzt das Herkunftsgebiet dieser Schweine noch stärker auf Vietnam, Burma und Thailand eingegrenzt.

Aber auch die Frage, wie sich diese domestizierten Schweine über die Molukken-Inseln und über Wallacea weiter ausbreiteten, wird derzeit von Archäologen und Genetikern lebhaft erforscht. Die Implikationen lauten, daß die Siedler von Taiwan kommend ihre Haustiere von anderen Gruppierungen in Südasien oder irgendwo in der Inselwelt rund um die Wallace-Linie übernahmen.

An dieser Stelle zunächst eine Karte, um das Verständnis des folgenden Textes zu erleichtern. Wallacea ist eine Region, die beiderseits der sogenannten "Wallace-Linie" verläuft. Die Wallace-Linie verläuft grob von Norden nach Süden östlich entlang der großen Insel Borneo (die große Insel in der Mitte der Karte). Die Molukken-Inseln sind auf der Karte hellgrün hervorgehoben, befinden sich also östlich (!) der "Wallacea"-Region.


Die Forscher der neuen Studie schreiben (hervorgehobene Textstellen nicht im Original): "The complete absence of Pacific Clade haplotypes from modern and ancient specimens from mainland China, Taiwan, the Philippines, Borneo, and Sulawesi suggests that any human dispersal from Taiwan to the New Guinea region via the Philippines, as purported by the "Out of Taiwan" model, did not include the movement of domestic pigs."

"In this context, the initial appearance of pigs in the northern Moluccas after 3500 B.P. is significant. The Neolithic settlers who arrived on these islands and subsequently moved into Oceania must have acquired pigs before this date from somewhere other than Taiwan and the Philippines, most likely in southern Wallacea, a region where significant cultural changes appear to take place during the initial spread of the Neolithic, and where our data show high frequencies of introduced domestic pigs exclusively possessing the Pacific signature. The restricted distribution of Pacific Clade pigs in mainland Southeast Asia, Sumatra, Java, the lesser Sunda islands, and New Guinea poses an interesting additional model for domestic pig (and by proxy human) dispersal, which links the Southeast Asian mainland to the Greater and Lesser Sunda islands and New Guinea."

Auf der folgenden Karte ist verzeichnet, wie sich die Forscher die Ausbreitung des Schweines der Südsee heute vorstellen (gelb markiert):

Offenbar gilt für domestizierte Hühner ein gleicher Ausbreitungsverlauf: "A recent genetic study of modern chickens also identified Southeast Asia (specifically Vietnam, Burma, and Thailand) as a likely geographic center of early chicken domestication. This finding raises the possibility that the earliest domestic chickens and pigs to arrive in Island South East Asia and Oceania derive from the same geographic source and may have formed part of the same Neolithic dispersal complex."

Das Bild der ersten Besiedlung der Südsee wird also immer komplexer und farbiger.
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