Samstag, 6. Oktober 2007

Vorgestellt: Der Maler und Grafiker Heinrich Otto (1858-1923)

Abb. 1: Heinrich Otto (1858-1923) - Selbstbildnis
Der bedeutendste Künstler, den die "Hessentagsstadt 2008" Homberg/Efze in ihrer Geschichte hervorgebracht hat, ist der Maler und Grafiker Heinrich Otto (1858-1923). Das Jahr 2008 bringt zugleich die 150. Wiederkehr seines Geburtstages. Doppelter Anlaß also, sich dieses bedeutenden deutschen Malers und Grafikers zu erinnern, der im Homberg nahegelegenen Dorf Wernswig als Sohn eines Bauern geboren wurde und dort auch selbst während des Ersten Weltkrieges, als sein Neffe Kriegsdienst leistete, die bäuerliche Wirtschaftsführung übernahm. (Wikipedia)

Abb. 2: Heinrich Otto - "Hessisches Dorf"
Das Heimatmuseum der Stadt Homberg "verfügt über eine umfangreiche Sammlung von Werken des Malers Heinrich Otto." (Wikipedia) Ein Besuch dieses Museums dürfte sich sicher allein deshalb schon lohnen. Werke von Heinrich Otto finden sich außerdem in der Neuen Galerie in Kassel, im Museum der Schwalm in Ziegenhain, im Kulturgeschichtlichen Museum in Marburg, im Malerstübchen in Willingshausen, sowie in zahlreichen privaten Sammlungen in Kassel und Umgebung. (Wikipedia)

Abb. 3: Heinrich Otto - Große Landschaft bei Wernswig
Einige Galerien bieten derzeit im Weltnetz Werke zum Verkauf an (Galerie Jürgen Wollmann) (Galerie Günter Mowe) (Eart.de). Von diesen stammen die meisten der hier gebrachten Abbildungen als Beispiele aus dem Schaffen von Heinrich Otto.

Abb. 4: Heinrich Otto - Ernteszene in Wernswig
Heinrich Otto war Mitglied der ältesten Künstlerkolonie Europas, nämlich der in Willingshausen und eng befreundet mit dem damals wohl bedeutendsten Maler dieser Kolonie Carl Bantzer (1857 - 1941) (Wikipedia).

Abb. 5: Heinrich Otto - Landschaft
Carl Bantzer schreibt in seiner "Kunstchronik von Willingshausen" über Heinrich Otto (zit. n. Fuldarer Zeitung, 6.8.2005):
Heinrich Otto war mit den besten menschlichen Eigenschaften ausgestattet, Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit und Güte, größte Gewissenhaftigkeit und Treue, Schlichtheit und Festigkeit, Fleiß und Beharrlichkeit in der Verfolgung seiner künstlerischen Ziele zeichneten ihn aus.
Abb. 6: Gemälde von Heinrich Otto
Und weiter schrieb Carl Bantzer (zit. n. Kleinsassen.de):

Die größte Stärke verleiht den Arbeiten von Heinrich Otto das Gefühl innigsten Verbundenseins mit der Scholle, auf der er lebte. Ob er Landschaften, Landsleute oder Tiere schildert, alles ist durchweht von dem Geiste der Echtheit, des Ungesuchten und Selbstverständlichen, da fühlt man den Menschen heraus, der auf dem Lande aufwuchs und der auch, wenn es die Not der Zeit erfordert, den Acker selbst bestellen kann.
Abb. 7: Heinrich Otto - Alte Schwalmbrücke in Treysa (1921)
Moderne Kunsthistoriker gehen noch weiter. Über eine Ausstellung von 44 seiner grafischen Werke im Jahr 2005 heißt es (Fuldarer Zeitung, 6.8.2005):
Einige Radierungen lehnen sich an den Jugendstil an, erinnern an die Landschaften der Worpsweder Künstlerkolonie um Heinrich Vogeler. Andere stehen bereits im Zeichen der Moderne, lassen einen ausgeprägten Hang zu ungewöhnlichen Kompositionen und Perspektiven erkennen; wie etwa das späte Blatt 'Landschaft' (1921), auf dem sowohl die Kronen der Bäume im Vordergrund als auch deren Seiten beschnitten sind, was dem Bild Spannung verleiht. In anderen Radierungen setzt Otto stark auf Reduktion, spekuliert auf die Assoziationsfähigkeiten des Betrachters, indem er Details zugunsten des Gesamteindrucks ausspart und es soweit als möglich bei Andeutungen belässt.
Abb. 8: Heinrich Otto - Hafenbecken von Lingen in Hannover
Heinrich Otto ist zwar Zeit seines Lebens häufig, oft und gern in sein Heimatdorf Wernswig zurückgekehrt (Wikipedia): "In Willingshausen und bevorzugt in Wernswig malte, zeichnete und radierte er unermüdlich Landschaften und Erntedarstellungen."

Abb. 9: Heinrich Otto - Hüttenwerk am Rhein (1920)
Doch das hinderte ihn nicht, auch weit außerhalb seiner engeren Heimat Werke zu schaffen und sich künstlerische Anregungen zu holen. Ganz offensichtlich trieb ihn im Ruhrgebiet auch die Auseinandersetzung mit der sozialen Frage um.

Abb. 10: Heinrich Otto - Hüttenwerk bei Nacht (1920)
Nach seiner künstlerischen Ausbildung in Kassel machte er Studienreisen nach Willingshausen, durch die Eifel und an den Niederrhein. "Während dieser Zeit entstanden zahlreiche Landschafts- und Genredarstellungen in Öl. 1901 erhielt Heinrich Otto in Dresden die Goldene Staatsmedaille für seine Lithographie Mondnacht. Seither gilt er als einer der bedeutendsten deutschen Zeichner und Radierer." "Er zählt neben Ludwig Emil Grimm und Ludwig Thoma zu den bedeutendsten Zeichnern der Romantik." (Wikipedia) (Gemeint sein kann hier nur der Schwarzwälder Maler Hans Thoma, später Frankfurt/Main. Ludwig Thoma war der bekannte Schriftsteller aus München, der ebenfalls um 1900 lebte.)
Abb. 11: Heinrich Otto - Mürlenbach (1908)
Mit Heinrich Otto hat man also sicherlich das seltene Beispiel eines Künstlers, der nicht nur Bauern malte, sondern selbst einer war. "Otto übernahm den landwirtschaftlichen Betrieb für seinen in den Ersten Weltkrieg eingezogenen Neffen in Wernswig." (Wikipedia) Das kann verglichen werden mit dem Schriftsteller Peter Rosegger (1843 - 1918), der ebenfalls Bauernsohn war.

Da der Autor dieser Zeilen zufälligerweise selbst in Wernswig aufgewachsen ist - ohne daß er sich damals jemals mit Heinrich Otto beschäftigt hätte oder daß ihn ein Wernswiger nachdrücklicher auf diesen bedeutenden Sohn des Dorfes hingewiesen hätte, ist es interessant zu sehen, welche Perspektiven dieser Maler als malenswert von einer Landschaft empfand, die man selbst wie seine eigene Hosentasche kennt. Man kann sich nicht erinnern, daß irgendein Wernswiger das eigene Dorf und seine Umgebung jemals als besonders malenswert empfunden oder benannt hätte. Heinrich Otto war dort in den 1970er Jahren ganz vergessen. Ob sich daran bis heute etwas geändert hat, kann man stark bezweifeln.

Abb. 12: Heinrich Otto - "Landschaft" (1921)
Seine Perspektiven auf die Landschaft - s.o. - vermitteln auch ein Erlebnis dieser Landschaft von ganz anderer Art als man sie selbst erlebt hat. Otto hat ganz andere Perspektiven als "malenswert" empfunden als man dies selbst ohne Kenntnis derselben erwarten würde. - Aber noch stärker ist man beeindruckt von vielen anderen seiner Werke, auch jenen, die er außerhalb Hessens geschaffen hat. So etwa das großartige Werk "Mürlenbach" von 1908 (die Darstellung eines Eifeldorfes).

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