Montag, 22. Oktober 2007

300 Krankheitsgene im Genom von Craig Venter

Wir leben in der Zeit einzigartiger humangenetischer Fortschritte.

James Watson, Entdecker der molekularen Struktur unseres Erbgutes, Schüler von Max Delbrück

Als vor fünf Wochen die vollständige Erbsequenz des Genoms des Humangenetikers Craig Venter veröffentlicht wurde, wurden viele interessante Details zum derzeitigen Wissensstand mitgeteilt (Berliner Morgenpost, 5.9.07):
Der 60-jährige Wissenschaftler gab zu, seit der Sequenzierung seines Erbguts cholesterinsenkende Mittel zu nehmen. Venters Vater war 59-jährig an einem Infarkt gestorben. Er selbst trägt, dem Erbgut nach zu urteilen, auch die Anlage für schwere Herzprobleme ohne vorherige Ankündigung in seinen Genen. Bei der Analyse des Venterschen Genoms stießen die Forscher auf über 300 Krankheitsgene und auf 4000 bislang unerforschte Varianten der 25 000 bekannten Gene des Menschen.


Die genetische Karte von Craig Venter war zuvor schon im Internet in wissenschaftlichen Foren veröffentlicht worden. Auch die Genkarte von James Watson, einem der beiden Entdecker der molekularen Struktur der Erbsubstanz, ist seit einem Vierteljahr im Internet zugänglich. Was Watson und Venter für Hunderte von Millionen Dollar schafften, nämlich ihre Erbsubstanz Aminosäure für Aminosäure entschlüsseln zu lassen, wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren für fast jedermann möglich sein, sagen Mediziner. (...) Insgesamt, so heißt es in einem gestern vorgestellten Bericht zum Stand der Gendiagnostik in Deutschland, können derzeit etwa 3500 Krankheiten, die durch das Vorhandensein einer Genvariante im Menschen ausgelöst werden, molekulargenetisch diagnostiziert werden.

Dank moderner Forschung wird die Zahl dieser Krankheiten in Zukunft zunehmen. Die diagnostischen Mittel werden immer besser, und gleichzeitig sinken die Kosten für eine Sequenzierung des Erbgutes. Für 750 Euro könne in zehn Jahren jeder herausfinden, ob er ein auf einem oder wenigen Genen beruhendes Risiko für Krankheiten in sich trägt. "Bei bestimmten familiären Hintergründen kann das heute schon jeder", sagt Professor Jörg Schmidtke von der Medizinischen Hochschule Hannover, der am Gentechnologiebericht mitgearbeitet hat. "Von den 3500 bekannten Krankheiten werden 500 bis 1000 mit Tests diagnostiziert."
Schon hier wird deutlich, daß alle jene, die es sich nicht leisten können, ihr Genom zu sequenzieren und auswerten zu lassen, gesundheitlich benachteiligt sind gegenüber jenen, die dies jetzt schon können und machen lassen.

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