Dienstag, 1. Mai 2007

China und "das Pompeji Tadschikistans" um 550 n. Ztr.

Über Dienekes und die dort gegebenen Verweise erfährt man noch viel mehr Spannendes, Überraschendes, Erstaunliches zum Thema des letzten Beitrages. Erstaunlich, was da schon alles bekannt ist und auf wieviele wenig bekannte historische Umstände Schlaglichter geworfen werden. Yu Hong ist offenbar doch kein Adeliger der Tocharer gewesen (wie ich zunächst vermutet hatte), sondern des wohlhabenden Stammes der "Ruru", die offenbar südwestlich von Tocharistan in Sogdien beheimatet waren (heutiges Usbekistan und Tadschikistan, damaliges griechisch beeinflußtes Königreich Baktrien). Sie sprachen die Sogdische Sprache und werden "die Sogder" genannt. (Wikipedia deutsch, englisch) Das Sogdische ist offenbar eine ost-indogermanische Sprache (so wie das Persische und alle anderen indogermanischen Sprachen in diesem Raum [also eine Satem-, keine Kentum-Sprache wie das Tocharische]).

Und somit wäre es wohl fehlerhaft, Yu Hong als Tocharer anzusprechen. Man kann vermuten, daß die Tocharer viel Verwandtschaft mit den Sogdern aufwiesen- zumal in dieser Spätzeit der Geschichte ihres Volkes, nachdem sie selbst oftmals unterworfen worden waren und außer Landes gezogen waren. Wikipedia berichtet, daß auch die Sogder heute als weitgehend untergegangen angesehen werden müssen: "Als letztes Überbleibsel der alten sogdischen Bevölkerung bleiben die Jagnoben im heutigen Tadschikistan übrig, die heute eine Mundart sprechen, die auf die alte sogdische Sprache zurückgeführt wird. Das hohe Niveau ihrer Kultur, die westliche und östliche Einflüsse gleichermaßen aufnahm, ist vor allem an Pendschikent und Afrasiab abzulesen. Dies sind die Hauptstädte von Fürstentümern, deren Reste bei Ausgrabungen gefunden wurden und die besonders gut erhalten sind." Der erstere Ort wird auch das "Pompeji Tadschikiskans" genannt. Wichtige Funde von dort werden heute in der Eremitage in Sankt Petersburg ausgestellt.

Yu Hong diente als ein "Sabao", das ist ein Führer von Ausländern, vornehmlich von Händlern, die auf chinesischem Boden lebten. Und er führte immer wieder Gesandtschaften und Handelszüge von China aus nach Persien und zurück. Hier eine schematische Abbildung seines Sakrophages, der im traditionellen chinesischen Stil, jedoch nicht aus Holz, sondern aus Stein geschaffen wurde:

Die Seitenwände tragen kostbare Reliefs, die Zeugnis geben von der Reichweite kultureller und religiöser Gedanken und Strömungen vom Römischen Reich und Arabien im Westen bis nach Zentralchina hinein. Es gibt Jagdszenen von Reitern mit Pfeil und Bogen auf Pferden, Elefanten und Kamelen, die Löwen, Stiere und viele andere Tiere jagen. Es gibt Szenen von Empfängen und Festmählern mit Flöten-, Harfen-Musik und Tanz. Der Mithrasglaube spielt in das Dargestellte hinein, der Glaube Zoroasthras, der Buddhismus. Inhalte aus der Welt Assyriens , der Sassaniden, der Araber und der Türken. Hier ein Beispiel für diese Reliefs (ein Reiter wird von vier Dienern empfangen und wird von Hunden umsprungen):

Und hier noch Auszüge von Dienekes:

More on the Yu Hong tomb. From the second link:
Yu Hong (d. 592) was a high-ranking member of a community of Sogdians who had settled on the northern border of China at the beginning of the fourth century. While barely in his teens, Yu Hong began his career in the service of the most powerful nomadic tribe at the time, known as the Ruru, and was posted as an emissary to several countries, including Iran.
From a book on the subject:

The highlight of the excavation was the superbly-carved white marble sarcophagus which bears detailed scenes of daily life, hunting, mythology, banqueting and entertainment that have a strong Central Asian influence, including Sogdian and Sassanian. Many of the figures depicted are Caucasian.

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