Samstag, 7. April 2007

Hühner sind in Nordeuropa "christliche" Tiere, die Hähne krähen hier erst seit dem Frühmittelalter ...

Ein schöner Artikel über die Herkunft des Haushuhns (Berliner Zeitung) von Monika Offenberger (Auszug):

... Heute gibt es 14 Milliarden Hühner weltweit ... Sie alle sind durch gezielte Auslese aus einer einzigen Vogelart hervorgegangen: dem Bankivahuhn oder Roten Dschungelhuhn (Gallus gallus).

Noch heute findet man den scheuen Vogel in den Wäldern Südostasiens: von Kaschmir über Hinterindien, Südchina bis nach Malaysia und Sumatra. Die braunen Wildhennen sind im Unterholz gut getarnt. Auch der Hahn hat den Sommer über ein schlichtes Kleid und schmückt sich erst im Winter mit einem mehrfarbigen Prachtgefieder. Das ist bei seinem zahmen Urenkel namens Brauner Italiener immer noch so, der heutzutage auf Bauernhöfen überall in Europa lebt. Wenn mit dem Frühling die Balzzeit im Dschungel anbricht, beginnen die Hähne zu kämpfen. Sie wollen ihr Revier verteidigen und eine Hand voll Hennen erobern.

Biologen vermuten, dass diese spektakulären Zweikämpfe der Grund für die Domestikation von Gallus gallus waren. Zumindest bewegen Hahnenkämpfe seit jeher die Gemüter. Im antiken Babylonien waren sie beliebt, ebenso bei den alten Chinesen und Griechen. Noch heute sind die streitenden Gockel eine Attraktion - besonders in Regionen wie Borneo, Java, Sumatra, Bali und Malaysia sowie auf den Philippinen, also nahe der Heimat des Bankivahuhns.

Wie das Gackern nach Europa kam, versuchen Forscher anhand von Münzen und Malereien, Tonfiguren und Schriftstücken zu ergründen. Wo solche kulturellen Hinterlassenschaften fehlen, da helfen alte Knochen weiter, die zwischen den Scherben längst verlassener Siedlungen zu finden sind. Ihre Form und Größe verraten, ob sie von Wild- oder Haushühnern stammen, von Hennen oder Hähnen - ja sogar, ob die Hähne kastriert waren und wie man sie zubereitete.

Funde aus dem dritten Jahrtausend vor Christus belegen, dass die Menschen, die damals an den fruchtbaren Ufern des Indus im heutigen Pakistan lebten, bereits Haushühner kannten. In Mohenjo-Daro, einer der großen Städte der Industal-Kultur, hielt man Hühner, die deutlich größer waren als ihre wilden Verwandten. Vom Indus brachten die Menschen ihr Federvieh spätestens gegen Ende des zweiten vorchristlichen Jahrtausends Richtung Westen nach Mesopotamien und weiter über Anatolien nach Griechenland.

In Ägypten wird das Haushuhn erstmals um die Mitte des zweiten Jahrtausends vor Christus erwähnt, in den Annalen von Thutmosis III. Darin werden Vögel geschildert, die als Mitbringsel aus einem nordöstlichen Land kamen und "täglich gebären", also jeden Tag Eier legen. Das ist ein Indiz dafür, dass die damaligen Haushühner schon bedeutend produktiver waren als ihre wilden Großmütter. Bankivahennen bringen es nur auf ein bis zwei Dutzend Eier im Jahr.

Die Spur der Hühner führt von Griechenland nach Italien und von dort gen Norden. Über die Alpen schaffte es der Vogel irgendwann im siebten Jahrhundert vor Christus. Archäologen fanden Hühnerknochen aus dieser Zeit in einem frühkeltischen Herrensitz an der oberen Donau sowie in einem etwa ebenso alten Hügelgrab bei Schirndorf in der Oberpfalz. In der Slowakei gehörten Hühnerknochen in der Latènezeit, also 600 bis 100 Jahre vor Christus, zu den regelmäßigen Grabbeigaben. Sie dienten als Wegzehrung und als Garant für neues Leben.

Die Römer und das Federvieh

Als die Römerzeit zu Ende ging, hätte es eines Vereins zu Erhaltung der Hühner-Artenvielfalt bedurft. Denn in der Blütezeit des Römischen Reichs hatte sich zwar bereits reiches Wissen über Hühnerhaltung und -züchtung angesammelt: Es gab mehrere Hühnerrassen, darunter auch Zwerg- und Haubenhühner, die aus Liebhaberei gezüchtet wurden. Doch mit dem Untergang des Imperiums ging diese Expertise verloren. Im frühen Mittelalter nahm die Formenvielfalt ab und die Hühner wurden mickeriger. Erst im Spätmittelalter bemühte man sich um die Züchtung neuer Landhuhnrassen, von denen einige bis heute existieren - zum Beispiel Thüringer Barthühner, Rheinländer, Hamburger, Altsteirer und Paduaner.

Monopol der Legehennen

Eine regelrechte Zuchtwut brach Anfang des 19. Jahrhunderts aus - zuerst in England ...

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