Dienstag, 30. Oktober 2007

Die Entstehung der Bandkeramik - Vortrag in Hannover

Am Donnerstag nächster Woche kann man im Landesmuseum Hannover einen sehr schönen Vortrag hören von Seiten des vor- und frühgeschichtlichen Archäologen Professor Jens Lüning (Frankfurt/M.), dem emeritierten bedeutendsten deutschen Spezialisten für die erste europäische Bauernkultur, nämlich die Bandkeramik (Urgeschichte.de, Newsletter):
Do., 08.11.2007, 19:30 Uhr

Religion in der Ur- und Frühgeschichte II

Wurde Mitteleuropa vor 7000 Jahren missioniert?

PD Dr. Jens Lüning, Frankfurt

Vor 7500 Jahren, also um 5500 v. Chr., drang auch nach Mitteleuropa die "Neolithische Revolution" vor, d. h., es vollzog sich im großen Raum zwischen Ungarn und dem Rhein der Übergang vom Jäger- und Sammlertum zur bäuerlichen Lebensweise, also zu Ackerbau, Viehzucht, Vorratswirtschaft und Sesshaftigkeit in festen Häusern. Dieses Bauerntum war schon 3000 Jahre früher am oberen Euphrat, d. h. im Grenzbereich zwischen Syrien und der Osttürkei, entstanden und hatte sich von dort langsam durch die Türkei, Griechenland und den Balkan bis nach Mitteleuropa vorgeschoben; hier trat es im Kleide der "Bandkeramischen Kultur" in Erscheinung.

Für alle Stationen dieses langen Ausbreitungsweges diskutiert die Forschung seit fast 100 Jahren die Ursachen und Mechanismen. Die Meinungen schwanken zwischen zwei Extremen: (1) massive Einwanderung einer fremden Menschenwoge ("Migration") aus dem Südosten oder (2) "Akkulturation" der einheimischen Jäger und Sammler, die sich mehr oder weniger freiwillig den kulturellen Einflüssen aus den jeweils schon "neolithisierten" Nachbargebieten öffneten und sich "dem Neolithikum anschlossen". Neuere Forschungen zeigen, dass zumindest für die Bandkeramik eher dieses letztere Modell zutreffen dürfte. Aber was war das Faszinosum an der Bandkeramik, das die Jägerbevölkerung so sehr anzog?

Vortrag zum Seminar des LV/NLMH/FUF/VHS "Leben, Tod und Kosmos - Religion und Kult unserer Vorfahren (11.10.07 - 13.12.07).
Wie schon hier auf dem Blog ausgeführt, entstand die Bandkeramik am Plattensee oder in der Nähe desselben. - "Faszinosum?" Ich denke mal, die dort ansässige Jäger- (oder Fischer-?)Bevölkerung war zunächst nicht besonderes "fasziniert" von diesen aus dem Süden vordringenden Dorfkulturen. Es dürften mancherlei Jahrzehnte ins Land gegangen sein, vielleicht hat man sich gegenseitig geheiratet, gleichzeitig versuchte Gruppen der Ansässigen lokale Traditionen zu bewahren oder zu etablieren und dadurch entstand dann aus einer "Mischkultur" eine völlig neue Kultur, nämlich die Bandkeramik, sozusagen ein ungeheuer erfolgreiches kulturelles Modell. Es werden aber viele selektive Prozesse bei ihrer Entstehung einer Rolle gespielt haben. Also: Faszination sicherlich auch. Aber "Streß" jeder Art, (insbesondere auch psychosozialer) werden ebenfalls zu unterstellen sein bei der Ethnogenese dieses Volkes.

Im Landesmuseum Hannover scheint man den Finger am Puls der Zeit zu haben, denn der nächste Vortrag ist ebenso spannend:
Do., 13.12.2007, 19:30 Uhr, Kuppelsaal des Landesmuseums

Religion in der Ur- und Frühgeschichte III

Gott, Gene und Gehirne - Die Evolution der Religiosität

Rüdiger Vaas, Leinfelden-Echterdingen

Hirnforscher, Evolutionspsychologen und Soziobiologen haben begonnen, nach Selektionsvorteilen, das heißt der Entstehung, dem Nutzen und "Sinn" der menschlichen Religiosität und Spiritualität zu suchen - und sind bereits zu erstaunlichen Ergebnissen gekommen. Ist Religion ein Mittel der Bewältigung von Zufall und Sinnlosigkeit sowie ein Instrument der Verhaltensformung oder Partnerwahl? Stärkt Religion Kooperation und Altruismus? Warum haben religiöse Menschen mehr Kinder?

Dieser Vortrag gibt eine Einführung in die biologischen und psychologischen Grundlagen der Religion und erörtert auch das schwierige Verhältnis von Naturwissenschaft, Philosophie und Theologie sowie die Frage nach der Wahrheit ihrer Aussagen.

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