Sonntag, 27. Mai 2007

"Gutes tun ist schwer" - König Ashoka (303 - 233 v. Ztr.)

Der Buddhismus gehört zu den Religionen, für die ich noch nicht so richtig Verständnis gefunden habe, zu denen ich innerlich noch keinen oder nur wenig Zugang gefunden habe. Man freut sich also über alles, was das Verständnis ein bißchen erleichtern könnte. Der "Spiegel" hat einen Bericht über den König Ashoka (303 - 233 v. Ztr.), der den Buddhismus in Indien eingeführt hat. Das war schon eine ganz merkwürdige Person, die für merkwürdige Dinge in ihrem Land Propaganda gemacht hat. Nämlich: alle Menschen sollen gut sein. Niemandem im Reich soll es schlecht gehen. Die Straßen sollen mit Bäumen bepflanzt werden, damit die Reisenden im Schatten reisen können. Wahnsinn. Irgendwie fühlt man sich an Alexander den Großen erinnert, der mit ähnlichem Sendungsbewußtsein die Welt durchzog, wenn auch offenbar bis zum Lebensende gewalttätiger als Ashoka. Aber diese "indische Sanftmut" ... Puh, da wird einem ja ganz anders ... Das "säuselt" einem nur so durch's Gebein. Ist vielleicht doch nicht so ganz das Rechte für mich, diesem indischen König Ashoka nachzueifern. - Wenngleich ... sein Harem dürfte sicherlich ganz annehmlich gewesen sein ... ;-) )

Übergehen wir die grausige Vorgeschichte und gehen wir gleich auf sein Leben nach seiner Bekehrung ein, jene Lebensphase, die allein geschichtlich bezeugt zu sein scheint:

... Über acht Monate ist Ashoka danach - das heißt nach seiner Bekehrung zum Buddhismus - auf Reisen, durchquert sein riesiges Imperium, sucht auch in entlegenen Landstrichen das Gespräch mit seinen Untertanen. Und täglich lässt er seine Entourage eine Botschaft verlesen, in der er sich als Laienanhänger des buddhistischen Ordens zu erkennen gibt. Auch dem Niedrigsten, so heißt es da, stehe der Himmel offen.

Dergleichen sind für einen indischen Herrscher ganz unerhörte Töne. Wenn in der Vergangenheit der König den Palast verließ, zu einer Jagd oder Lustreise, dann war die Straße mit Seilen abgesperrt. Ashoka, der Bekehrte, aber mischt sich unter sein Volk, verteilt Almosen und Geschenke an brahmanische Priester, an Asketen und Betagte.

Ein oder zwei Jahre nach der Reise entschließt er sich, auch dem übrigen Land von seiner Konversion zu berichten. Schriftlich und in einfachen Worten. Er entwirft für seine Untertanen eine Morallehre, die Dhamma-Regeln. Innerhalb weniger Jahre überzieht er das ganze Land mit Edikten, von seinen Handwerkern eingemeißelt in große Felsenflächen.

In diesen steinernen Botschaften spricht Ashoka in sanftmütigen Worten als "Götterliebling" zu seinen Untertanen. Er bekennt, sich dem buddhistischen Glauben zugewandt zu haben und nun "tiefe Reue" über die Eroberung Kalingas zu empfinden.

Die Felsen-Edikte verkünden allen Untertanen Ashokas die Dhamma-Regeln: Respekt vor Vater und Mutter und vor Älteren, Freundlichkeit und Wahrhaftigkeit. Gut sei es, keinerlei Lebewesen zu töten und Großzügigkeit zu üben gegenüber Freunden, Bekannten und Verwandten, gegenüber Brahmanen und Asketen.

Ashoka begnügt sich nicht mit allgemeinen Idealen, sondern verkündet auch konkrete Reformen. Der "Götterliebling" ordnet an, dass künftig kein Tier mehr zu Opferzwecken geschlachtet werden soll. Auch in der königlichen Küche dürfen die Köche bald kaum noch ein Tier töten.

In seinem Reich lässt Ashoka Heilpflanzen für Mensch und Tier kultivieren. Er ordnet an, die Handelsstraßen, über die Kaufmannskarawanen und Pilger im Sommer in sengender Hitze ziehen, mit Schatten spendenden Feigen- und Mangobäumen zu säumen. Seine Straßenbauer haben Befehl, alle 15 Kilometer Brunnen zu graben und Rasthäuser zu errichten.

Zudem entsendet der "Götterliebling" königliche Beamte in seine Provinzen, die alle fünf Jahre auf Inspektionsreise gehen, um das Volk in der Dhamma-Lehre zu unterweisen. (...)

Doch schon 256 v. Chr., nur zwei Jahre nach der Veröffentlichung seiner ersten Edikte, spürt Ashoka, so scheint es, Widerstand gegen seine Tugend-Reformen. Verwunderlich ist dies nicht. Neben allen Wohltaten bürden sie dem ganzen Land einen hehren Anspruch auf: Keinem Lebewesen, ob Mensch oder Tier, darf ein Leid geschehen.

Sollen Fischer in den Flüssen also nicht mehr ihre Netze auswerfen, Jäger nicht mehr die Wälder zum Schutz der Reisenden nach Raubtieren durchstreifen? Bauern beim Pflügen der Äcker auf jedes Gewürm und Insekt Acht geben?

Sollen Kranke auf die Tieropfer verzichten, die als Allheilmittel gegen jedes Übel gelten? Die Brahmanen-Priester auf das Geld, das sie mit diesen Opferdiensten einnehmen? Und die Höflinge in Ashokas Palast auf das unterhaltsame Spektakel der Tierkämpfe mit Elefanten, Rhinozerossen und Bullen?

Womöglich aber stachelt den König der Widerstand gegen seine Regeln in seinem Sendungsbewusstsein nur an. Denn er lässt nun eine weitere Serie von Edikten in Felspartien meißeln, zehn neue Botschaften des "Götterlieblings". "Gutes zu tun ist schwer", hebt er diesmal an und rühmt sich der vielen edlen Taten, die er bereits vollbracht habe - die neuen Dhamma-Edikte sind auch Leistungsbilanzen des Königs, Propaganda in eigener Sache.

Um den Unwillen zu brechen, auf den seine Reformen zu stoßen scheinen, ernennt Ashoka Dhamma-Beamte und lässt sie ins Land ausschwärmen. Es sind Spitzel im Zeichen des Guten, die prüfen, wer den Instruktionen des Königs noch nicht folgt. Zugleich sollen die Tugendpolizisten für die selig machende Dhamma-Lehre werben, zum Glück und zur Wohlfahrt aller. Unter den Gläubigen aller Religionen, bei Soldaten, Brahmanen und Hausvätern, unter Armen und den Alten. Sie sollen auch vor den Harems von Ashokas Brüdern nicht Halt machen und vor den Privat-Gemächern seiner Schwestern und übrigen Verwandten.

Die Botschaft ist eindeutig: Niemand darf sich mehr der Dhamma-Unterweisung durch die Sonderagenten des Königs entziehen. Ashoka errichtet eine Gesinnungsdiktatur im Namen von Wahrhaftigkeit und Toleranz: eine Tyrannei der Sanftmut. (...)

So heftig ist Ashokas missionarischer Eifer, dass seine Emissäre die Dhamma-Botschaft auch zu den nie eroberten Stammesgebieten innerhalb des Großreiches tragen müssen, zu den unabhängigen Gebieten im Süden des Subkontinents und auf die Insel Sri Lanka. Doch selbst damit gibt sich der König nicht zufrieden. Ashoka schickt sie auch in die nordwestlichen Grenzregionen des Imperiums, wo es griechische Ansiedlungen gibt. Und er lässt seine Botschafter in die Ferne reisen, viele Tausende Kilometer, bis ins hellenistische Reich der Seleukiden, zu den Ptolemäern, nach Makedonien, Kyrene in Nordafrika und Epirus im Nordwesten Griechenlands.

Eine vergleichbare diplomatische Unternehmung hat es wohl noch nie gegeben: Der Herrscher über ein mächtiges Großreich bekundet seinen Friedenswillen vor aller Welt. Ashoka versteht sein Dhamma inzwischen als eine universelle, kosmopolitische Morallehre - nützlich für alle Kasten, Stämme und Nationen. (...)

Um 242 v. Chr. lässt Ashoka eine letzte Serie von Edikten meißeln. Diesmal nicht in Felsen, sondern in schlanke, zwölf bis 15 Meter hohe Steinsäulen - es sind die frühesten heute noch erhaltenen Zeugnisse indischer Monumentalkunst. (...)

In den sieben neuen Edikten propagiert der "Götterliebling" seine Lehre eindringlicher als je zuvor. Immer spezieller fasst Ashoka seine Tötungsverbote. Verschont werden müssen: Papageien, Wildenten, Fledermäuse, Schildkröten und Stachelschweine. Aber auch Eichhörnchen, Hirsche, Bullen, Ameisenköniginnen, Sumpfschildkröten, wilde Esel, wilde und zahme Tauben sowie sämtliche vierfüßigen Kreaturen, die weder nützlich noch essbar sind.

Ja überhaupt alle Tiere, die nicht älter als sechs Monate sind. Und Hähne dürfen nicht mehr kastriert werden. Diese Säulenedikte sind vermutlich die letzten Inschriften, in denen sich der König an sein Volk wendet. Alles ist nun verkündet über die Dhamma-Lehre. (...)

Es muß wirklich nicht einfach gewesen sein für Ashoka, ein guter Mensch zu sein. Sonst wäre ihm das nicht so wichtig gewesen. "Tue Gutes und rede davon," ist ja auch immer mein Motto. Aber Ashoka, Ashoka, Ashoka, Du kommst mir doch ein bißchen ... "fremd" vor. Es kommt einem alles ein bißchen - - - "kitschig" vor. Sorry! Immer etwas gar zu viel "Schmalz". Bollywood oder Hollywood? No difference? - Brrrr!

So seelisch "besoffen" machen einen sonst eigentlich nur ... Frauen. Aha! Das ist's: Ashoka hatte zu viele Frauen in seinem Harem: Als Alleinherrscher residiert er im Palast von Pataliputra im Nordosten Indiens, umgeben von bewaffneten Frauen - denn weibliche Wächter gelten als besonders loyal.

Im Schutz "bewaffneter Frauen"! - Damit ist vielleicht schon alles gesagt. - - - Brrrr!

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