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Montag, 9. Dezember 2024

Die Indogermanen - Vier Herkunftsgruppen eroberten die Welt

Die Indogermanen verzweigten sich:
  1. in Chwalynsk-Abkömmlinge (ab 4.500 v. Ztr.),
  2. in Jamnaja-Abkömmlinge (ab 3.300 v. Ztr.),
  3. in Schnurkeramik-Abkömmlinge (ab 3.000 v. Ztr.) und 
  4. in Glockenbecher-Abkömmlinge (ab 2.800 v. Ztr.).

Nachdem im Frühjahr 2024 die Schnurkeramiker archäogenetisch einfach und klar der germanischen Völkergruppe, die Glockenbecherkultur einfach und klar der keltischen Völkergruppe hatten zugeordnet werden können (s. Stg2024), klären sich in einer neuen Studie nun auch die Zuordnungen aller anderen großen indogermanischen Herkunftsgruppen (1).

Abb. 1: Steppenherkunftsanteile bei Italo-Kelten (Bell Beaker), Griechen und Armeniern (Yamnaya) und Germanen-Indo-Ariern im 3. Jahrtausend v. Ztr. (oben) und im 2. Jahrtausend v. Ztr. (unten) (aus 1)

Beide Studien stammen von Seiten der dänischen Forschungsgruppe um Eske Willerslev. Das letztere zu klären, war zwar womöglich schon zu einer "low hanging fruit" geworden. Man hätte es sich womöglich auch schon ohne diese neue Studie "zurecht reimen" können. Trotzdem gibt die neue Studie diesbezüglich Sicherheit. Das wesentlichste Ergebnis der neuen Studie (1) ist schon in der Abbildung 1 zusammen gefaßt:

Germanen, Balten, Slawen und Inder - Sie sind "eines Stammes"
---> Sie sind Abkömmlinge der Schnurkeramiker
Antike Armenier und antike Griechen - Sie sind "eines Stammes"
---> Sie sind direkte Nachkommen von Jamnaja-Leuten 
Kelten und Italiker - Sie sind "eines Stammes"
---> Sie sind Nachkommen von Glockenbecher-Leuten 
Die (ausgestorbenen) frühen anatolischen indogermanischen Völker (Hethiter, Lyder, Lyker usw.) - - -waren "eines Stammes"
---> Sie waren direkte Nachkommen der Chwalynsk-Kultur

Oder in den Worten der neuen Studie (1):

Um die genetische Entstehung der indoeuropäischen Sprachfamilie aufzuklären und ihre Verzweigung abzuleiten, untersuchten wir den Zustrom potenzieller ursprünglicher Herkunftspopulationen in den Mittelmeerraum im weiteren Sinne, einschließlich der Gebiete, in denen historisch die italischen, keltischen, griechischen und armenischen Sprachen gesprochen wurden. Die genetischen Ergebnisse, die durch IBD-Admixture-Modellierung mit mutmaßlich steppenverwandten Herkunftspopulationen erzielt wurden, stützen eine tiefe Aufzweigung zwischen indoeuropäisch sprechenden Gruppen im östlichen und westlichen Mittelmeerraum durch die Entdeckung von mit der Jamnaja- bzw. Glockenbecher-Kultur verwandten Steppenvorfahren. Diese Aufzweigung unterstützt die linguistischen Hypothesen zur Existenz der sogenannten Griechisch-Armenischen und Italo-Keltischen Untergruppen. Im Gegensatz dazu disqualifiziert sie die konkurrierenden kladistischen Hypothesen, die als Indo-Griechisch und Italo-Germanisch bekannt sind, da die Steppenvorfahren unter den Populationen historisch germanisch- und indo-iranischsprachiger Gebiete zuvor als hauptsächlich mit der Schnurkeramik verwandt charakterisiert wurden.
To elucidate the genetic formation and infer the divergence of the Indo-European language family, we investigated the contribution of potential ancestral source populations to the wider Mediterranean region, including from areas in which the Italic, Celtic, Greek, and Armenian languages are historically spoken. The genetic results obtained by IBD admixture modelling with putative steppe-related source populations support a deep divergence between Eastern and Western Mediterranean Indo-European-speaking groups through the detection of Yamnaya-related and Bell Beaker-related steppe ancestry respectively (Fig. 4). This divergence supports the linguistic hypotheses on the existence of the so-called Graeco-Armenian and Italo-Celtic subclades. In contrast, it disqualifies the rival cladistic hypotheses known as Indo-Greek and Italo-Germanic, the steppe ancestry among the populations of historically Germanic- and Indo-Iranian-speaking areas previously having been characterized as primarily Corded Ware-related.

Den zuletzt genannten Umstand hatten wir uns noch gar nicht wirklich bewußt gemacht, obwohl er schon länger nahe lag (Stg2020). Aber so lang nicht die sprachliche Zuordnung zwischen Schnurkeramikern und Glockenbecherleuten so klar festgestellt war wie seit Frühjahr dieses Jahres, war es keinesfalls sicher, ob es sinnvoll wäre, sich in anderen Richtungen hin gar zu weit aus dem Fenster zu lehnen. Seitdem ersteres aber klar ist - und mit dieser neuen Studie - lassen sich die hier genannten Schlußfolgerungen ziehen.  

Die Inder sind mit den Germanen verwandt

Es ist im Grunde eine neue Sichtweise, daß Menschen vorwiegend "germanischer" (nordeuropäischer) Abstammung genetisch - und ggfs. sprachlich - der Brahmanen-Kaste in Nordindien - vom Prinzip her - näher stehen als den Jamnaja-Abkömmlingen im antiken Griechenland und in Armenien und auch als den Glockenbecher-Abkömmlingen in Südeuropa.

Die Sprachforschung hatte diesbezüglich bis heute letztlich völlig im Dunkeln getappt. Wir waren ansatzweise auf die Thematik schon einmal hier auf dem Blog gestoßen (s. Stg2021).

Die Deutschen hatten sich kulturell immer als sehr eng mit dem antiken Griechenland verbunden gefühlt. Und es ist auch viel über tiefere Gemeinsamkeiten gemutmaßt worden, weil "große" metaphysische Philosophien ausgerechnet in zwei Völkern entstanden sind: bei den antiken Griechen und bei den Deutschen. Aber stattdessen tritt nun  viel eher eine gewisse gemeinsame genetische und sprachliche Herkunft zwischen den Germanen, den Balten, den Slawen und den Indern in den Vordergrund. 

Inder und Germanen teilen auf subtile Weise genetische und sprachliche Herkunft, die Germanen weder mit den Kelten/Italikern, noch mit den antiken Griechen/Armeniern teilen. Für die Wissenschaftler, die die indogermanische Sprachgeschichte erforschen, dürften diese Erkenntnisse doch noch mancherlei Schlußfolgerungen mit sich bringen. Die lange Zeit als tiefgreifend erachtete Trennung der indoeuropäischen Sprachen in östliche Satem- und westliche Kentum-Sprachen war immerhin schon aus rein sprachwissenschaftlichen Erkenntnissen heraus zwischenzeitlich längst verworfen worden (Wiki). Der Autor dieser Zeilen hatte sein Herz bis heute an dieser These hängen. Aber er wird auch hier nun durch die Archäogenetik eines Besseren belehrt und man ist nun auch leichter bereit, sich auf die dazu auf Wikipedia genannten Argumente einzulassen.

Man kann jetzt mit größerer Sicherheit nach sprachlichen Gemeinsamkeiten innerhalb der vier Herkunftsgruppen fragen.

Natürlich gilt es, noch weiteres zu beachten: Direkte Jamnaja-Abkömmlinge, direkte Glockenbecher-Abkömmlinge und direkte Schnurkeramik-Abkömmlinge sind ja in der Geschichte dann noch in vielen Regionen und bei vielen Gelegenheiten Jahrhunderte und Jahrtausende später erneut aufeinander getroffen. Sie haben Kriege miteinander geführt und neue Völker miteinander begründet. Auf den britischen Inseln entstanden die Engländer aus der Verschmelzung von Nachkommen von keltischen Glockenbecher-Leuten mit Nachkommen von germanischen Schnurkeramik-Leuten (letztere kamen als Angelsachsen nach England). Auch die Süddeutschen sind eine solche Mischung (Alemannen, Bajuwaren und Franken trafen auf vormalige Kelten). 

Aus einem Aufeinandertreffen von Schnurkeramik- und Jamnaja-Abkömmlingen sind zum Beispiel auch die Skythen entstanden (wie wir erst im letzten Kaukasus-Artikel wieder lernten). 

Die Phryger hinwiederum sind um 1200 v. Ztr. in Anatolien als Balkan-Jamnaja-Abkömmlinge (siehe unten) auf die Hethiter als Chwalynsk-Abkömmlinge gestoßen. Ähnlich stießen zur gleichen Zeit die Griechen vor Troja auf die Trojaner als Chwalynsk-Abkömmlinge. 

Die genetischen und sprachlich-kulturellen Gemeinsamkeiten können bei solchem Aufeinandertreffen jeweils ihre eigene Rolle gespielt haben.

Von Interesse ist weiterhin, daß es heute - weltgeschichtlich gesehen - in Nord- und Südeuropa immer noch klare Schnurkeramik- und Glockenbecher-Abkömmlinge gibt, daß aber die direkten Abkömmlinge der Jamnaja-Leute in Armenien, Griechenland und im östlichen Mittelmeerraum seit dem Frühmittelalter als genetisch und sprachlich-kulturell weitgehend ersetzt und ausgestorben werden angesehen müssen ebenso wie die Chwalynsk-Nachkommen in Anatolien. Nur leicht erhöhte Steppengenetik-Anteile könnten jeweils lokal noch ein Hinweis sein auf eine solche Vergangenheit (etwa bei den Armeniern oder Kurden).

Soweit die allgemeiner interessierenden Erkenntnisse der Studie. (Es sei nur noch einmal am Rande erwähnt, wie stark die Jahrzehnte lange "Pots-versus-People"-Debatte in der Archäologie gerade auch durch diese Neuerkenntnisse erneut in Richtung von "Kossinna's Smile" hin entschieden worden ist, sprich: Völker machen die Geschichte, und zwar vor allem über Demographie. Wer in heutigen deutschen Großstädten lebt, sollte diesen Umstand im übrigen auch nur schwer übersehen können.) 

Zypern aus Sicht der Archäogenetik 

Der Kupferhandel mit Skandinavien seit 2.000 v. Ztr. 

Von besonderem Interesse sind außerdem noch die vorgetragenen Ergebnisse zu Zypern. Zypern ist "das" Kupferland (FergusMurray) und zog deshalb das Interesse wirtschaftsstarker Mächte auf dem nahen Festland und von weiter entfernt auf sich. Zusammen gefaßt wird gesagt (1):

Aufgrund seiner reichen Kupfervorkommen unterhielt Zypern ausgedehnte Handelsnetze mit den meisten Mittelmeerländern; diese Situation spiegelt sich sehr passend in der Präsenz anatolischer, levantinischer, griechischer und europäischer Vorfahren in zypriotischen Genomen wider.
Due to its rich copper sources, Cyprus maintained extensive trading networks with most of the Mediterranean; this situation is well mirrored by the presence of Anatolian, Levantine, Greek, and European ancestries in the Cypriot genomes.

"Europäisch" ist hier als "nordeuropäisch" zu lesen - wie wir weiter unten sehen werden. Und weiter (1):

Unsere Ergebnisse legen nahe, daß Zypern und insbesondere seine Küstenstädte während der Bronzezeit ein genetischer und kultureller „Schmelztiegel“ waren.
Our results suggest that Cyprus, and in particular its coastal towns, were a genetic and cultural “melting pot” during the Bronze Age.

Die wirtschaftsstarken Städte Nordmesopotamiens und des Levanteraumes strahlten ja während des 3. Jahrtausends v. Ztr. kulturell recht weit in den Mittelmeerraum hinein. Wir hatten hier auf dem Blog für die Zeit vor 2.200 v. Ztr. von einer ausländischen Händler-Elite auf Sardinien gehört (Stg2021), die kulturell auf Nordmesopotamien zurück wies. In der spanischen Archäologie gibt es seit Jahrzehnten Diskussionen darüber, ob die Los Millares-Kultur (3.500-2.200 v. Ztr.) (Wiki) vom östlichen Mittelmeerraum her beeinflußt gewesen sei oder nicht. Der archäogenetische Forschungsstand ist dazu noch nicht sehr eindeutig (Stg2021). 

Nordmesopotamier auf Zypern (3.000 bis 2.500 v. Ztr.)

Aber zu Zypern klärt sich dieser Umstand jetzt (1):

Die Individuen aus der mittleren und späten Bronzezeit aus Zypern weisen ein genetisches Muster auf, das dem von Individuen aus der Bronzezeit im Libanon und Ostanatolien ähnelt, während ein (das älteste) Individuum aus Karavas (CGG_2_022531), das auf 3.000-2.500 v. Ztr. datiert wird (Archaeology Supplementary 2.2.3), eine besonders frühe anatolische Bauernabstammung aufweist.
The Middle and Late Bronze Age individuals from Cyprus show a genetic pattern similar to that of individuals from Lebanon and Eastern Anatolia Bronze Age, while one (the earliest) individual from Karavas (CGG_2_022531), dated to 5,000– 4,500 BP (Archaeology Supplementary 2.2.3), show extra early Anatolian farmer ancestry. 

Letzteres Individuum dürfte die ursprüngliche rein anatolisch-neolithische Bevölkerungsschicht auf Zypern widerspiegeln, die offenbar - wie auf Sardinien - von Eliten aus dem Levanteraum überschichtet worden ist. Das bronzezeitliche Herkunftsprofil der bisher sequenzierten Menschen auf Zypern weist jedenfalls zunächst auf den damaligen Libanon und auf Ostanatolien zurück.

Mykener auf Zypern - 2.100 und 1.500 v. Ztr. 

Aber schon ab dem Ende des 3. Jahrtausends v. Ztr. machten sich auf Zypern auch Mykener bemerkbar, Abkömmlinge der Jamanaja-Herkunftsgruppe. Und zwar nicht nur kulturell, sondern auch genetisch (1):

Eine genetische Fernverbindung wird in Hala Sultan Tekke festgestellt, einem genetischen Ausreißer mit balkanischer/ägäischer Abstammung, der der von Individuen aus der späten Bronzezeit in Griechenland ähnelt. Unser Datensatz deutet also auf enge Kontakte Zyperns mit dem Levanteraum und der Ägäis während der Bronzezeit und sogar früherer Perioden hin. 
A long-distance genetic connection is observed at Hala Sultan Tekke, one genetic outlier  carrying Balkan/Aegean ancestry similar to that of Late Bronze Age Greece individuals. Thus, our dataset suggests close contacts of Cyprus with the Levant and the Aegean during the Bronze Age and even earlier periods. 

Was "sogar frühere Perioden" heißt, wird im Diskussionsteil noch deutlicher ausgeführt, es ist hier von "Vor-Mykenern" die Rede (1):

Steppenherkunft wurde bei einer Reihe bislang unveröffentlichter Individuen aus Hala Sultan Tekke (CGG_2_022123, CGG_2_022924) und aus Lapithos (CGG_2_022517) festgestellt, was auf eine Zugehörigkeit zu späthelladischen (d. h. mykenischen) Populationen der Peloponnes hinweist. Dies steht im Einklang mit dem Auftreten mykenischer Keramikimporte in der Spätbronzezeit und mit der linguistischen Klassifizierung von Arkadisch-kyprischem Griechisch als Nachkomme desselben südgriechischen Dialekts wie Mykenisch, im Gegensatz zu anderen griechischen Dialekten wie Dorisch und Ionisch. Ein weiteres Individuum aus Lapithos (CGG_2_22488) ist jedoch, obwohl es 2.100-2.000 v. Ztr. begraben wurde, bereits mit LBA-Griechen assoziiert, was auf eine prämykenische Verbindung mit von der Steppe beeinflußten Populationen der Ägäis hindeutet.
Steppe ancestry is identified in a number of unpublished individuals from Hala Sultan Tekke (CGG_2_022123, CGG_2_022924) and from Lapithos (CGG_2_022517), reflecting an affiliation with Late Helladic (i.e. Mycenaean Age) populations of the Peloponnese. This aligns with the appearance of Mycenaean pottery imports in the Late Bronze Age and with the linguistic classification of Arcadocypriot as a descendant of the same South Greek dialect as Mycenaean, in contrast to other Greek dialects such as Doric and Ionic. However, one other individual from Lapithos (CGG_2_22488), although buried 4,100-4,000 BP, already clusters with LBA Greeks, suggesting PreMycenaean connectivity with steppe-impacted populations of the Aegean.

Daraus ist zu folgern, daß das "Kommen der Griechen", der "Hyperboräer" von Nordgriechenland aus nach Griechenland hinein sehr schnell - ab 2.100 v. Ztr. - auch auf Zypern übergegriffen hat. Womöglich wurde ja in jener Zeit auch auf Zypern ein Apollon-Heiligtum begründet - so wie auf in Olympia, Delphi und auf Delos (s. Stg2023)? Das Arkadisch-kyprische Griechisch (Wiki) ist auf Zypern durch Inschriften erhalten geblieben und wurde offenbar bis ins 3. Jahrhundert v. Ztr. gesprochen.

Vor-Germanen (Skandinavier) auf Zypern - Um 2.000 v. Ztr. (!)

Als große Überraschung darf gelten, daß mit dieser Studie auf Zypern erstmals direkte genetische bronzezeitliche Kontakte zwischen Skandinavien und dem Mittelmeer-Raum gefunden werden. 

Abb. 2: Bellapais im Norden Zyperns

Und zwar wären damit Skandinavier, also Schnurkeramik-Abkömmlinge fast zur gleichen Zeit in den Mittelmeer-Raum gekommen wie die Vor-Mykener (1):  

Darüber hinaus gibt es genetische Hinweise auf Fernkontakte mit Nordeuropa, wie ein skandinavischer genetischer Ausreißer (CGG_2_022535) aus einem in den Felsen gehauenen Grab in Vounous Bellapais zeigt, das von der schwedisch-zypriotischen Expedition ausgegraben und auf ca. 2.000-1.800 v. Ztr. datiert wurde. (Genetics and Strontium Supplementary Fig. S6.45, Archaeology Supplementary 2.2.7). Dieser Ausreißer stimmt überein mit Individuen aus der skandinavischen Bronzezeit und interessanterweise wird dieser Ursprung auch durch die Y-Haplogruppe I1 sowie durch eine nicht-lokale, stark radiogene Strontium-Isotopen-Signatur ergänzt, die zu einigen Teilen Skandinaviens paßt (Genetics and Strontium Supplementary S10; Supplementary Table S8).
Additionally, there is genetic evidence of long-distance interaction with Northern Europe, as seen in a Scandinavian genetic outlier (CGG_2_022535) from a rock-cut tomb at Vounous Bellapais, excavated by the Swedish-Cyprus expedition and dated to c. 4,000–3,800 BP. (Genetics and Strontium Supplementary Fig. S6.45, Archaeology Supplementary 2.2.7). This outlier clusters with Scandinavian Bronze Age individuals and, intriguingly, this origin is also supported by the Y-haplogroup I1 and by a non-local highly radiogenic strontium isotope signature compatible with some parts of Scandinavia (Genetics and Strontium Supplementary S10; Supplementary Table S8).

Für die etwas spätere mykenischen Zeit waren von den Archäologen schon längst vielfältige Kontakte Skandinaviens mit dem Mittelmeerraum angenommen worden, zum Beispiel aufgrund reicher ähnlicher Schwertfunde im Raum der Nordischen Bronzezeit und in Mykene (s. Stg2019). Man vermutet, daß skandinavische Söldner in Mykene Dienst getan haben.

Abb. 3: Bellapais gehört zu den drei bedeutendsten, wohlhabendsten Orten auf Zypern in der Mittleren Bronzezeit (Webb/Knapp2020)

Auch hatten wir hier hier auf dem Blog schon früher als Forschungsstand für Skandinavien festgehalten (Stg2019):

Kupferbarren und Bronzegegenstände der Nordischen Bronzezeit Schwedens stammen (...) spätestens seit 1600 v. Ztr. nicht aus Schweden selbst, sondern der Kupfer, aus dem sie bestehen, ist abgebaut worden in Österreich, Spanien, Sardinien und auf Zypern.

Aber 2.000 bis 1.800 v. Ztr. liegt noch früher als in diesem Zitat angesprochen.

Der Fundort Vounous-Bellapais (Wiki) liegt im bergreichen Norden Zyperns (Abb. 2, 3). Das Grab 69, in dem der Skandinavier bestattet war, ist zwischen 1931 und 1938 ausgegraben worden von verschiedenen Forschungsexpeditionen. Aus Sicht der Physischen Anthropologie war der Schädel aus Grab 69 als höchstens 30 Jahre alt charakterisiert worden. Interessanterweise war er 1947 schon aus Sicht der Physischen Anthropologie als Ausreißer charakterisiert worden (1, Arch.Suppl., 2.2.7):

Interessant ist hierbei, daß Schädel II laut Hjortsjös kraniometrischen Untersuchungen im Vergleich zu den anderen Schädeln der Region als eine Art Ausreißer angesehen wurde.
As a curiosity, it is interesting to mention that according to Hjortsjö's craniometrics studies73 (...) cranium II was considered a sort of outlier, compared to the other skulls from the region.

Bis 2020 war die Gesellschaft des mittelbronzezeitlichen Zypern als vornehmlich egalitär eingeschätzt worden. Aber das will im Grunde gar nichts heißen angesichts des ungeheuer reichen archäologischen Fundbestands auf Zypern, der schon für sich selbst von einer sehr komplexen, arbeitsteiligen Gesellschaft spricht. Man bedenke auch, was zur gleichen Zeit von dem nahegelegenen Ägypten, dem nahegelegenen Levanteraum und dem nicht gar zu weit entfernten Kreta bekannt ist. Angesichts all dieser Umstände äußern sich die Forscher offensichtlich bei weitem zu zurückhaltend, wenn sie schreiben (s. Webb/Knapp2020):

Mehrere metallreiche Grabstätten an der Nordküste der Insel weisen nicht nur auf gewisse Unterschiede in den Bestattungspraktiken hin, sondern implizieren auch ein gewisses Maß sozioökonomischer Ungleichheit (Kohler und Smith 2018; Price und Feinman 2012); solche Ungleichheiten scheinen teilweise auf dem Wettbewerb um die Kontrolle über Bodenschätze und den Zugang zu Wissen im Zusammenhang mit der metallurgischen Produktion und Herstellung zu beruhen.
Several metal-rich tombs from the island’s north coast not only signal some differentiation in mortuary practices but also imply a level of socioeconomic inequality (Kohler and Smith 2018; Price and Feinman 2012); such inequalities appear to have been based in part on competition for control over mineral resources and access to knowledge associated with metallurgical production and manufacturing.

Auf Zypern finden sich Vollgriffdolche (MetM), wie sie sich seit 2.200 v. Ztr. von Südostfrankreich aus über Mitteleuropa und Italien ausgebreitet haben, und die als Hinweis erachtet werden für die Ausbreitung der indogermanischen Italiker innerhalb von Italien (siehe unten). 

Abb. 4: Model eines urtümlichen Tempels auf Zypern (aus Kotsiatis-Marki im mittleren Zypern) (aus: Webb/Frankel2010)

Die reiche bronzezeitliche Kultur Zyperns wird schnell sichtbar, wenn man Bildersuche zum Beispiel mit dem Suchwort "Vounous" unternimmt (s.a. Webb/Frankel2010).  

Antike, ostmediterrane Herkunft auf Zypern ab 1200 v. Ztr.

Weiter heißt es in der Studie (1):

Während der darauffolgenden Eisenzeit deuten Daten aus Lapithos und Amathus auf eine zunehmend einheitliche Bevölkerung auf der ganzen Insel hin. Darüber hinaus zeigen Genome aus der Eisenzeit eine ähnliche Zusammensetzung wie Populationen der Eisenzeit der Ägäis und Westanatoliens, die einen kleinen Anteil Jamnaja-Herkunft aufweisen, was griechische Vorfahren widerspiegelt (Abb. 6).
During the subsequent Iron Age, data from both Lapithos and Amathus suggest an increasingly uniform population across the island. Moreover, Iron Age genomes show a formation similar to populations of the Aegean and Western Anatolia Iron Age, carrying a small proportion of Yamnaya ancestry which reflects Greece ancestry (Fig. 6).

Wir haben es hier mit dem typischen antiken ostmediterranen Herkunftsprofil mit etwa acht Prozent Steppengenetik zu tun. Ob für eine solche Vereinheitlichung nicht auch ein genetisches Replacement auf Zypern für die Zeit um 1200 v. Ztr. in Betracht gezogen werden muß, steht wohl noch offen. Zumindest für Kreta ist für die Zeit um 1200 v. Ztr. von Flucht und Verelendung der bis dahin dort einheimischen Bevölkerung die Rede (s. Stg2022).

Eine vertiefte Beschäftigung mit der Geschichte und Kunstgeschichte Zyperns sollte noch viele Erkenntnisse bereit halten hinsichtlich der Kunst- und Kulturgeschichte des Mittelmeer-Raumes allgemein. Die reiche Fülle der antiken Kunst auf Zypern kommt auf derzeitigen deutsch- und englischsprachigen Wikipedia-Artikeln keinesfalls zum Ausdruck. Zypern weist bis in die hellenistische Zeit hinein einen eigenen kulturellen Stil auf, beeinflußt von Nordmesopotamien, von Ägypten, von Mykene, von Phönizien und schließlich von Griechenland her. Wertvolle Sammlungen zur Kunstgeschichte Zyperns finden sich im Cypros-Museum in Nikosia (Wiki) und im Medelhavsmuseet in Stockholm (WikiCom).

Neuerkenntnisse zu anderen Regionen

Die Phryger stammten aus Thrakien (1200 v. Ztr.)

Und nun noch Neuerkenntnisse zu anderen Regionen. Zweifelhaft ist, ob die Dorer tatsächlich während oder nach dem Seevölkersturm um 1200 v. Ztr. in die Peleponnes eingewandert sind (sogenannte Dorische Wanderung). Sehr viel sicherer scheint hingegen zu sein, daß die Phryger (Wiki) um 1200 v. Ztr. von Thrakien aus nach Zentralanatolien zugewandert sind und sich im vormaligen Herrschaftszentrum des Hethitischen Reiches angesiedelt haben. Daß die Phryger aus Thrakien stammen würden, ist schon in der Antike von den Phrygern behauptet worden, von den Archäologen auch vermutet worden. Es wird jetzt durch die Archäogenetik bestätigt (1):

In den neu sequenzierten Menschenfunden aus der Eisenzeit in Zentral- und Nordwestanatolien (Kalehöyük, Antandros und Keçiçayırı) haben wir geringe Anteile von Steppenherkunft festgestellt, die dem Muster der Balkan-/griechischen Spätbronzezeit entsprechen und wahrscheinlich Migrationen aus dem Balkan widerspiegeln (Genetics and Strontium Supplementary Fig.S6.37; S6.38; S6.39; Supplementary Table S5). Da das Individuum aus Keçiçayırı (CGG_2_022162) im Phrygischen Tal ausgegraben wurde, kann das Auftreten dieser Herkunft mit der Entstehung des Phrygischen Staates im späten 2. Jahrtausend v. Ztr. in Verbindung gebracht werden (Archaeology Supplementary 2.12.5; Linguistic Supplementary 3.3).
In the newly sequenced Iron Age samples from Central and Northwestern Anatolia (Kalehöyük, Antandros and Keçiçayırı), we observed minor proportions of steppe ancestry with the pattern found in Balkans/Greek Late Bronze Age and probably reflects migrations from the Balkans (Genetics and Strontium Supplementary Fig. S6.37; S6.38; S6.39; Supplementary Table S5). Given that the individual from Keçiçayırı (CGG_2_022162) was unearthed from the Phrygian valley, the appearance of this ancestry may be associated with the emergence of the Phrygian state during the late 4th millennium BP48 (Archaeology Supplementary 2.12.5; Linguistic Supplementary 3.3).

Die Archäologen sind sich noch nicht sicher, ob die Phryger auch für den Untergang des Hethitischen Reiches verantwortlich waren. Aber warum sollen sie eigentlich nicht Teil des Seevölkersturmes gewesen sein? 669 v. Ztr. wurde das Phrygische Reich kurzzeitig von den indogermanischen Kimmerern erobert und zerstört, ohne daß die Kimmerer selbst in dieser Region eine eigene politische Macht ausgebildet hätten. Sie siedelten sich zwischen den Phrygern an. Später wurden die Phryger Untertanen der Lyder und mit diesen dann Untertanen des Großreichs der Perser.

Hatte es schon eine anatolisch-indogermanische Zuwanderung nach Griechenland gegeben um 2.700 v. Ztr.?

In der Studie wird auch Bezug genommen auf die vor-griechische Substrat-Sprache (Wiki) in Griechenland, also die Sprache, die vor Ankunft der Griechen in Griechenland gesprochen wurde. 

Abb. 5: Siedlungsgebiet der frühen Griechen um 2.200 v. Ztr. (Wiki) (Sie waren zu jener Zeit "Hyperboräer", sie lebten - aus der Sicht der damaligen Bewohner Südgriechenlands - "jenseits der Berge", "jenseits des Nordwinds")

Zu unserer Überraschung lesen wir, daß es eine stärkere Forschungsmeinung in der Sprachforschung gibt, die davon ausgeht, daß es sich bei dieser Substrat-Sprache um eine anatolisch-indogermanische Sprache gehandelt habe (Wiki):

Eine Substratsprache, deren Einfluß auf Altgriechisch und auf anatolische Sprachen erkennbar ist, wird von einer Reihe von Wissenschaftlern als eine indoeuropäische Sprache angesehen, die mit der anatolischen luwischen Sprache verwandt ist und für die weit verbreiteten Ortsnamen mit den Endungen
-ssa und -nda in Westkleinasien und
-ssos und -nthos auf dem griechischen Festland verantwortlich sein soll.
Beispielsweise wurde der Name des Berges Parnassos in Griechenland als das luwische parna- („Haus“) interpretiert, das an das Possessivsuffix -ssa- angehängt wurde. Sowohl hethitische als auch luwische Texte belegen auch einen Ortsnamen namens Parnassa, der verwandt sein könnte. Der Philologe Martin L. West hat vorgeschlagen, diese nicht belegte anatolische Sprache „Parnassianisch“ zu nennen, und argumentiert für „eine parallele Bewegung von Thrakien nach unten durch einen Zweig desselben Volkes, das nach Anatolien gelangte, das Volk, das 1.500 Jahre später als Luwier auftauchen sollte“. Aus der Verteilung der Namen geht hervor, daß diese Sprache während der Frühhelladischen II-Periode gesprochen wurde, die um 2800 v. Chr. begann.
One substrate language, whose influence is observable on Ancient Greek and Anatolian languages, is taken by a number of scholars to be an Indo-European language related to the Anatolian Luwian language,[4][5] and to be responsible for the widespread place-names ending in:
-ssa and -nda in western Asia Minor, and
-ssos and -nthos in mainland Greece.[6][7][4]
For instance, the name of the mount Parnassos in Greece has been interpreted as the Luwian parna- ('house') attached to the possessive suffix -ssa-. Both Hittite and Luwian texts also attest a place-name Parnassa, which could be related.[4] Philologist Martin L. West has proposed to name this unattested Anatolian language "Parnassian", and has argued for "a parallel movement down from Thrace by a branch of the same people as entered Anatolia, the people who were to appear 1,500 years later as the Luwians". From the distribution of the names, it appears that this language was spoken during the Early Helladic II period, which began around 2800 BC.

Wir hatten hier auf dem Blog schon behandelt, daß die erste indogermanische Ausbreitungswelle von der Mittleren Wolga aus (4.500 v. Ztr., 3.000 v. Ztr.) - zusammen mit Siedlungsabbrüchen vor Ort - bis nach Nordgriechenland gekommen war - aber nicht bis Südgriechenland (Stgen2021). Wildpferdekopf-Zepter der Frühen Urindogermanen finden sich in Nordgriechenland schon um 4.000 v. Ztr.. Es wäre also denkbar, daß die frühe urindogermanische Sprache der Chwalynsk-Kultur sich nicht nur in Anatolien ausgebreitet hat, sondern - von Nordgriechenland her oder von Anatolien her - sich auch nach Griechenland hin ausgebreitet hat. Hier dürfte in den nächsten Jahren noch manche spannende Erkenntnis gewonnen werden.

Zu diesem Thema hatte Philipp Stockhammer im November 2022 in einem Vortrag in Harvard auch schon einige interessante Dinge gesagt (Stg2023), nämlich über (wir wiederholen hier einen Absatz von uns selbst) ...

... Erkenntnisse aus einem Familien-Schachtgrab in Nea Styra auf Euböa aus dem Frühhelladikum II um 2.700 v. Ztr.. Und zwar über die Vorgänge, die womöglich auch dazu führten, daß sonst im Mittelmeer-Raum - etwa auf Sardinien - eine ausländische Elite die einheimische Bevölkerung unterwarf. Womöglich ist Ähnliches auch in Griechenland geschehen, wie hier deutlich wird. Zwei Menschen sind in diesem Grab begraben, die die traditionelle ägäisch-neolithische Herkunft in sich tragen. Drei Menschen sind in demselben Grab begraben, die eine andere Herkunft in sich tragen, nämlich eine solche anatolisch-kupferzeitlich-bronzezeitlicher genetischer Signatur. Sie haben keine genetische Herkunft aus der Ägäis. Nach der Radiocarbon-Datierung stammen alle bestatteten Menschen aus derselben Zeitstufe. Das paßt zu archäologischen Annahmen über das Hereinkommen von neuen Technologien (schnell drehende Töpferscheibe) und von Menschen von Anatolien oder Levante aus in die Ägäis und in den Mittelmeerraum hinein während der Frühbronzezeit.

Außerdem war von ersten Daten die Rede, die darauf hinweisen, daß sich in der Frühbronzezeit sowohl Gruppen aus Anatolien wie aus der Levante im Mittelmeerraum ausbreiteten.

Das "Kommen der Armenier" - um 2.200 v. Ztr.

Über das parallele "Kommen der Armenier" nach Armenien wird ausgeführt, was man sich schon hatte denken können und was wir hier auf dem Blog auch schon voraus gesetzt hatten (Stg2023), nämlich daß Griechen und Armenier von derselben Ausgangspopulation abstammten, und zwar von den Jamnaja (1):

Steppenabstammung wurde bereits in der mittleren Bronzezeit im Südkaukasus nachgewiesen, was mit dem Übergang von der Kura-Araxes-Kultur zur Trialeti-Kultur am Ende des 3. Jahrtausends v. Ztr. zusammenfiel. Wir können nun nachweisen, daß diese Personen sowie diejenigen aus urartäischen Kontexten Steppenabstammung aus derselben westlichen Jamnaja-Population erhielten wie Personen aus dem 2. Jahrtausend v. Ztr. aus der Ägäis (Extended Data Fig. 6, Genetics and Strontium Supplementary Fig. S6.19; S6.21). Diese Ergebnisse stützen die sprachliche griechisch-armenische Hypothese und legen nahe, daß der sprachliche Vorläufer des Armenischen am Ende des 3. Jahrtausends v. Ztr. über den Kaukasus kam.
Steppe ancestry has previously been detected in the South Caucasus from the Middle Bronze Age, coinciding with the transition from the Kura-Araxes culture to the Trialeti culture by the end of the 5th millennium BP. We can now demonstrate that these individuals, as well as those from Urartian contexts, received steppe ancestry from the same, western Yamnaya population as 4th millennium BP individuals from the Aegean (Extended Data Fig. 6, Genetics and Strontium Supplementary Fig. S6.19; S6.21). These findings support the linguistic Graeco-Armenian hypothesis and suggest that the linguistic precursor of Armenian was introduced to the Caucasus by the end of the 5th millennium BP.

Diese Vorgänge sind ja schon in der im Oktober 2024 erschienenen archäogenetischen Kaukasus-Studie sehr detailliert behandelt und aufgeschlüsselt worden (s. Stg2024). 

Italiker, Vollgriffdolche und Ösenhalsringe (ab 1.800 v. Ztr.)

Über die Archäogenetik Italiens wird im Diskussionsteil ausgeführt (1):

Glockenbecher-Populationen übten einen sehr starken genetischen und kulturellen Einfluß auf die Iberische Halbinsel aus. Die Situation in Italien ist allerdings komplexer. In Nordostitalien scheinen Glockenbecher-Gruppen in relativ geringer Zahl angekommen zu sein, wobei einige Individuen prominente Grabhügelbestattungen erhalten haben. Während der Frühbronzezeit und am Übergang zur Mittelbronzezeit tauchen jedoch Hinweise auf eine Verbindung zwischen Mitteleuropa und Italien in der Verbreitung dreieckiger Dolche auf, die oft in Hortfunden gefunden wurden. Diese Dolche sind in ganz Italien verbreitet, wobei ihr Auftauchen mit der weiten Verbreitung von Glockenbecher-Vorfahren über die italienische Halbinsel zwischen 1.800 und 1.500 v. Ztr. zusammenfällt.
Bell Beaker populations exerted a pronounced genetic and cultural impact in Iberia, whereas the situation in Italy is more complex. In Northeastern Italy, Bell Beaker groups appear to have arrived in relatively small numbers, with some individuals receiving prominent tumulus burials. However, during the Early Bronze Age and at the transition to the Middle Bronze Age, evidence emerges of a connection between Central Europe and Italy in the distribution of triangular daggers, often found in hoards. These daggers are distributed across Italy, with their appearance coinciding with the widespread diffusion of Bell Beaker-related ancestry across the Italian Peninsula between 3,800 and 3,500 BP.

Man bezieht sich in den Literaturangaben unter anderem auf eine deutsche Studie über die Verbreitung von "Vollgriffdolchen" aus dem Jahr 2003 (s.a. Ach-Onl) (s. Abb. 7). 

Abb. 6: Vollgriffdolche (2.200-1.600 v. Ztr.) - Ausgestellt im Kantonsmuseum für Archäologie und Geschichte in Lausanne (Wiki)

Auf diese waren wir hier auf dem Blog auch schon gestoßen (Stg2010). 

Abb. 7: Die Verbreitung von Vollgriffdolchen in Mitteleuropa und Italien (Schwenzer2003)

Damals hatten wir auch auf die Verbreitung von mitteleuropäischen Ösenhalsringen bis in den Levanteraum verwiesen (Stg2010). In dieser neuen archäogenetischen Studie aus Dänemark werden nun - dazu passend - Ösenhalsringe und Gewandnadeln der Aunjetitzer Kultur auf Zypern erwähnt (man bezieht sich dabei auf eine Arbeit von Kristian Kristiansen) (1):

Zu Beginn des 2. Jahrtausends v. Ztr. bestand darüber hinaus eine archäologische Verbindung zwischen der Aunjetitzer Kultur und dem östlichen Mittelmeerraum, einschließlich Zyperns, wie das Vorkommen von Aunjetitzer Ösenhalsringen (=ring ingots?) und Gewandnadeln belegt.
By the early 4th millennium BP, an archaeological connection additionally existed between the Únětice culture and the Eastern Mediterranean, including Cyprus, as exemplified by the presence of Únětice ring ingots and dress pins.

Weiter lesen wir nun in der neuen Studie (1):

Drei Genome von der mittel- und süditalienischen Küste (CGG_2_100646; NEO806; R1) weisen Ähnlichkeiten mit Balkanpopulationen auf, was auf anhaltende Kontakte zwischen beiden Seiten der Adria im 3. und 2. Jahrtausend v. Ztr. hinweist. Diese Kontakte reichten über die Adria hinaus bis zur Ägäis, wie das Vorhandensein mykenischer Keramik und anderer Waren in Siedlungen entlang der italienischen Küste zeigt. Genetische Abstammungen deuten außerdem auf kleinräumige Bewegungen von Menschen hin, möglicherweise unter Beteiligung spezialisierter Handwerker und Händler oder möglicherweise bedingt durch Exogamiepraktiken, was zur beobachteten genetischen Vermischung in der Region beiträgt.
Three genomes from the Central and Southern Italian litoral (CGG_2_100646; NEO806; R1) reveal affinities with Balkan populations, reflecting sustained contacts between both sides of the Adriatic Sea during the 5th and 4th millennia BP. These contacts extended beyond the Adriatic, reaching as far as the Aegean, as indicated by the presence of Mycenaean pottery and other goods in settlements along the Italian coast. Genetic ancestries further suggest small-scale movements of people, possibly involving specialized craftspeople and traders, or potentially driven by exogamy practices, contributing to the observed genetic admixture in the region.

Jene Jamnaja-Genetik, die sich ab 2.400 v. Ztr. nach Griechenland, bis nach Kreta und vereinzelt bis Zypern (siehe oben) ausgebreitet hatte, hat sich in kleineren Anteilen also auch schon früh entlang der Adria-Küste nach Norden ausgebreitet, auch an der italienischen Ostküste. Da diese Verbreitung gemeinsam mit mykenischem Kulturgut auftritt, ist es naheliegend zu sagen, daß es schon eine mykenische, bronzezeitliche "griechische" Kolonisation in der Adria gegeben hat (1):

Eine dritte kleinere Gruppe mit erhöhter Jamnaja-Abstammung, ähnlich den Balkan- und griechischen Populationen der Bronzezeit, läßt sich bei Individuen an der italienischen Adriaküste beobachten (Abb. 4; Genetics and Strontium Supplementary S6.2, CGG_2_100646, NEO806, R1). Interessanterweise weisen drei Individuen der Frühbronzezeit aus Nordostitalien eine zusätzliche Schnurkeramik- oder Jamnaja-Komponente auf, und ein solches Profil läßt sich auch bei Individuen aus Ungarn beobachten (Genetics and Strontium Supplementary S6.3). Diese Individuen, die in monumentalen Tumulusgräbern und einer Sargbestattung (CGG_2_022653) gefunden wurden, hatten wahrscheinlich einen besonderen sozialen oder kulturellen Status inne, wie die Komplexität der Tumuli und die mit diesen Monumenten verbundenen rituellen Aktivitäten nahelegen (Archaeological Supplementary 2.7.4; 2.7.9–11).
A third limited group with increased Yamnaya ancestry, similar to Balkan and Greek Bronze Age populations, is observed in individuals from the Adriatic coast of Italy (Fig. 4; Genetics and Strontium Supplementary S6.2, CGG_2_100646, NEO806, R1)6,20 271 . Interestingly, three Early Bronze Age individuals from Northeastern Italy carry an additional CWC or Yamnaya component, and such a profile is also observed in the individuals from Hungary Genetics and Strontium Supplementary S6.3). These individuals, found in monumental tumulus graves and a coffin burial (CGG_2_022653), likely held a special social or cultural status, as suggested by the complexity of the tumuli and the ritual activities linked to those monuments46 (Archaeological Supplementary 2.7.4; 2.7.9–11).

Wir hatten ja hier auf dem Blog schon vermutet, daß um 2.200 v. Ztr. herum Populationen vom Plattensee in Ungarn abgewandert sein könnten Richtung Adria und Richtung Griechenland (Stg2022). Vermutlich erfolgte diese Kolonisation der Adriaküste in Teilen also auch von Norden aus. Womöglich steht damit in Zusammenhang, was wir erst kürzlich auf Facebook weiter gegeben hatten (Fb), daß zwar eine archäogenetische Studie über die Picener in der Eisenzeit an der mittleren Adria-Küste eine ähnliche Herkunftszusammensetzung feststellt wie im übrigen Italien, daß sie aber außerdem noch feststellt (5):

Die Picener haben (...) einen größeren Anteil an Individuen mit blauen Augen (26,8 %) und blonder Haarfarbe (22,0 %) als andere italische Populationen. Bei den Etruskern und Römern sind diese helleren Phänotypen viel seltener (blaue Augen: 2,6 % bei den Etruskern, 10,0 % bei den Römern; blondes oder dunkelblondes Haar: 5,3 % bei den Etruskern, 10,0 % bei den Römern), wodurch diese Populationen früheren Individuen von der italienischen Halbinsel ähnlicher sind.

Dieser Umstand macht womöglich auch darauf aufmerksam, wie groß bei ähnlicher Herkunftszusammensetzung dennoch Phänotypen in unterschiedlicher Häufigkeit evoluieren können. Vielleicht ergab sich dieser Umstand daraus, daß selektive Heiratswahl diesen höheren Anteil Blonder bei den Picenern hervor brachte.

Hochmobile Lebensweise der Indogermanen um 2.200 v. Ztr.?

Insgesamt kann man jedenfalls wieder einmal nur sagen: "Völker in Bewegung". Eine weitere, neue Studie stellt anhand der Isotopen-Untersuchung (Wiki) von Skeletten aus einem Glockenbecher-zeitlichen Kollektivgrab auf Sardinien fest (3):

Stickstoff-, Kohlenstoff- und Sauerstoff-Isotope, gewonnen aus Knochen aus einem Kollektivgrab auf Sardinien ... weisen auf umfangreichen Fleischverzehr hin und auf wenig spezialisierte, extensive Viehhaltung, die wiederum zur Hypothese eines vergleichsweise mobilen Lebenstiles paßt.
Bone nitrogen, carbon, and oxygen stable isotopes from a collective burial in Sardinia ... show high consumption of animal products and generalized, extensive livestock management, fitting the hypothesis of a relatively mobile lifestyle.

In der Studie wird darauf hingewiesen, daß Ähnliches zuvor schon für die Glockenbecherleute in Großbritannien festgestellt worden war (3):

In Großbritannien (...) wurde eine Mobilität mittlerer Reichweite festgestellt, ohne viel Überseereisen und mit umfangreichem Verzehr von ausschließlich terrestrischen tierischen Proteinen (Jay et al., 2012, Jay und Richards, 2007a, Jay und Richards, 2007). Dies unterstützt eine Charakterisierung ihrer Gesellschaft als Herdenhalter, ein Befund, der durch die vorliegende Studie bekräftigt wird.
In Great Britain (...) medium-range mobility was detected, without much travel overseas and with high consumption of fully terrestrial animal proteins (Jay et al., 2012, Jay and Richards, 2007a, Jay and Richards, 2007). This supports a pastoral characterization of their society, a finding confirmed by the present study.

Es wird auch verwiesen auf die weltweite große Trockenheit und Abkühlung des 22. Jahrhunderts v. Ztr. (Wiki), die einhundert Jahre angehalten haben soll, und mit der in vielen Teilen der Erde politische und gesellschaftliche Umbrüche einhergingen. Die Ereignisse, die die Ankunft indogermanischer Völker in China (?), Indien, Anatolien, Nord- und Südeuropa mit sich brachten, scheinen durch sie noch einmal besonders akzentuiert, vielleicht beschleunigt worden zu sein. Vielleicht konnten die veränderungsbereiten, indogermanischen Herkunftsgruppen auf diese langanhaltende kühle Trockenperiode - aufgrund ihrer traditionellen Veränderungsfreudigkeit mit Herdenhaltung - flexibler reagieren als die bis dahin jeweils vor Ort einheimischen, seßhaften Bauernvölker. 

Die hoch mobile Lebensweise der Glockenbecher-Leute auf Sardinien und in England mit viel Konsumieren von Fleisch könnte ein Teil der Erklärung vieler Vorgänge sein.

/ Ergänzung 31.1.25: Während die neolithischen Schafe Europas aus Anatolien stammten, wurden sie genetisch in weiten Teilen durch die Schafe verdrängt, die die Indogermanen aus der Nordschwarzmeer-Steppe mit gebracht haben (ScMag2025, TCD2025, Phy2025). Wenn man mit Herden von Schafen, Rindern und Ziegen neue Länder aufsucht, ist man als wandernde Gruppe autark. / 

/ ergänzt um Ausführungen 
zu (5): 22.12.24 /

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*) Im germanischen Bereich der Schnurkeramiker benutzte man zu jener Zeit ähnlich geformte Feuersteindolche, auch Fischschwanz-Dolche (Wiki) genannt. Danach wird diese Zeitepoche von den skandinavischen Archäologen "Dolchzeit" (2350 bis 1700 v. Ztr.) (Wiki) genannt. Im Elbe-Oder-Bereich gab es den bronzenen Oder-Elbe-Dolch (Wiki). Man findet diese Vollgriffdolche auch verschlagwortet unter "Bronze Age daggers" (Wiki). Nahe dem Dorf Łęki Małe (Wiki) bei Lututow in der ehemaligen deutschen Provinz Posen - 30 Kilometer östlich von Wollstein, 50 Kilometer südwestlich von Posen, 70 Kilometer nördlich von Glogau an der Oder und 180 Kilometer östlich von Neißemünde - gab es mindestens 14 Grabhügeln der Aunjetitzer Kultur (2200-1600 v. Ztr.), von denen heute noch vier erhalten sind. In einem derselben fand sich sogar ein goldener Vollgriffdolch (Wiki). Die Fürstengräber der Aunjetitzer Kultur im Posener Raum und in Schlesien waren uns noch gar nicht bekannt und wir werden in einem künftigen Beitrag darauf zurück kommen. 

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  1. Ancient genomics support deep divergence between Eastern and Western Mediterranean Indo-European languages. By Fulya Eylem Yediay, Guus Kroonen, Serena Sabatini, Karin Margarita Frei, (...) Morten Erik Allentoft, Martin Sikora, Rasmus Nielsen, Kristian Kristiansen, Eske Willerslev, bioRxiv 2024.12.02.626332; doi: https://doi.org/10.1101/2024.12.02.626332 (bioRxiv2.12.24)
  2. Verhasselt, Gertjan: The Pre-Greek linguistic substratum. An overview of current research. Les Études Classiques 77.3-4 (2009). (pdf)
  3. Luca Lai, Ornella Fonzo, Jessica F. Beckett, Robert H. Tykot, Ethan Goddard, David Hollander, Luca Medda, Giuseppa Tanda: Understanding the intersection of Rapid climate change and subsistence Practices: An isotopic perspective from a Mediterranean Bell Beaker case study. Journal of Anthropological Archaeology, Volume 77, March 2025, 101637, https://doi.org/10.1016/j.jaa.2024.101637 (ScDir-22.11.2024)
  4. Webb, Jennifer M., Knapp, Arthur B.: Rethinking Middle Bronze Age Communities on Cyprus: “Egalitarian” and Isolated or Complex and Interconnected?. J Archaeol Res 29, 203–253 (2021). https://doi.org/10.1007/s10814-020-09148-8; Published 14 September 2020 (Resg)
  5. Ravasini, F., Kabral, H., Solnik, A. et al. The genomic portrait of the Picene culture provides new insights into the Italic Iron Age and the legacy of the Roman Empire in Central Italy. Genome Biol 25, 292 (2024). https://doi.org/10.1186/s13059-024-03430-4, Published 21 November 2024 (Spri)

Donnerstag, 3. Oktober 2024

Völker Europas - Eure Wurzeln liegen am Unteren Dnjepr

Grabstelen und Dyēus-Heiligtümer der Urindogermanen an Inhulez, Dnjepr und Molotschna
- Unsere Vorfahren waren erfüllt vom Strahlenden
Die emphatische Lebens- und Gottbejahung der Urindogermanen
- Heiligtümer in Anbetung der leuchtenden Morgenröte
- In Andacht erfüllt vom strahlenden, göttlichen Licht 
- Von Dämmerung zu Dämmerung

Die Indogermanen wurden schon oft als "Lichtbringer", "Heilsbringer" in der Weltgeschichte charakterisiert. Als strahlende "Arier", die weit über alle anderen Völkern hinaus ragen würden, nicht nur körperlich. Und die diesen anderen Völkern eine neue Gott- und Weltanschauung bringen würden, eine neue Weltsicht, eine edlere, heldenmütigere Lebenshaltung. Eine erhabene.  

Abb. 1: Der Abendstern - Gemälde von Caspar David Friedrich

Ob sie mitunter auch selbst so von sich gedacht haben, wird man vorerst weder geradewegs verneinen noch bejahen wollen. Sie waren erfüllt von Dyēus (Tius/Zeus/Deus) (Wiki), ursprünglich von dem "Strahlenden, Erstrahlenden". Vielleicht wurde diese Erfahrung auch schon zu ihrer Zeit mit einer persönlichen Gottvorstellung in Verbindung gebracht. Aber parallel dazu blieb sicherlich - bis in die Antike hinein, also über 3500 Jahre hinweg - als Überlieferung erhalten, was noch Tacitus über die Germanen sagte (Germ):

Im übrigen glauben die Germanen, daß es der Hoheit der Himmlischen nicht gemäß sei, Götter in Wände einzuschließen oder irgendwie der menschlichen Gestalt nachzubilden. Sie weihen ihnen Lichtungen und Haine, und mit göttlichen Namen benennen sie jenes geheimnisvolle Wesen, das sie nur in frommer Verehrung erblicken.

Womöglich kann man sich die Urindogermanen erfüllt vorstellen vom Erleben der Allgewalt des Göttlichen. Und womöglich wollten sie dem Erleben dieser Allgewalt Ausdruck verleihen - im Gemeinschaftsleben, vielleicht auch in der Begegnung mit anderen Völkern und im Angesicht anderer Gottauffassungen und im Angesicht von anderem Gotterleben. 

Wir wollen im folgenden Beitrag den archäogenetischen und archäologischen Neuerkenntnissen, die wir im Mai und Juni hier auf dem Blog in drei Beiträgen referiert haben (zuletzt: Stgen2024) noch weiter nachgehen. Insbesondere den Inhalten des letzteren Beitrages über Kurgan-Heiligtümer als definierendes Element der "Kern-Jamnaja-Kultur". 

Ein "Zigeuner"-Volk weit hinten in abgelegener Steppe

Für die damaligen "wohlhabenden" Zentren der spätneolithischen Bauern-Großreiche waren die Indogermanen an so entlegenen Flüssen wie Inhulez, Dnjepr und Molotschna zunächst sicher nur ein "armes", "zurückgebliebenes", halbnomadisch lebendes "Zigeuner"-Volk, das wirtschaftlich und von der Bevölkerungsdichte her ursprünglich und noch über viele weitere Jahrhunderte hinweg auch nicht ansatzweise mithalten konnte mit den reichen seßhaften Bauernvölkern der Großreiche, von denen sie umgeben waren - im Süden, im Norden und im Westen.

Abb. 2: Eingesunkene Jamnaja-Kurgane 15 Kilometer westlich von Apostolowo bei dem Dorf Schewtschenko (Wiki) (GMaps), Kurgan 28 und 29,  oben Blick von Süden, unten Blick von Norden (Abb. 66 in: Chernykh/Daragan 2014) - Apostolowo liegt 60 Kilometer nördlich von Michailowka am Dnjepr

Das brauchte aber diese "Zigeuner" in der Steppe auch gar nicht weiter kümmern. Die Frage ist ja viel eher: Wie konnte es kommen, daß dennoch ausgerechnet solch ein "Zigeuner"-Volk weit ab von allen Zentren der damaligen "Zivilisation" innerhalb von tausend Jahren die gesamte westliche Welt zur Übernahme ihrer Sprache und Weltsicht bringen konnte, "indogermanisieren" konnte? Also in viel schnellerer Zeit als die westliche Welt zuvor bis nach Skandinavien hinauf neolithisiert worden war (zwischen 6.500 bis 4.000 v. Ztr.) . Und auch diese neolithischen Völker Europas hatten ja schon allerorten ihre "Volkssternwarten" (Grabenwerke), wo sie in Andacht dem Himmlischen in sich und über sich Aufmerksamkeit widmeten. Auch die Ägypter, auch die Babylonier verehrten den Lauf der Gestirne. Was eigentlich sollten die zigeunerhaften, armen Indogermanen aus den Nordschwarzmeer-Steppen all diesen Großreichen rundum noch Neues bringen können?

Es könnte insbesondere damals die Emphase gewesen sein, es könnte eine weitere Steigerung der inneren Erfülltheit, des Stolzes, der Eigenmächtigkeit und individuellen Selbstbestimmung gewesen sein. Es könnte gewesen sein, daß die Indogermanen - so wie sie körperlich alle anderen Völker überragten - auch seelisch sich "groß" gefühlt haben, sich als größer, erhabener gefühlt haben als Angehörige anderer Völker. Vielleicht vergleichbar dem, was noch der deutsche Schriftsteller Felix Dahn von jenem (offenbar unhistorischen) heidnischen Norweger vermutet hat, der (womöglich?) Sizilien (?) erobert hat, und von dem die Einheimischen in der Dichtung sagten, daß er "durch uns hingeht wie ein Gott". Siehe dazu das Jugendgedicht von Felix Dahn "Der stolze Gast" (Zn). Aber das mag nur einer von mehreren Denkansätzen zu diesem Thema insgesamt sein. 

"Annahme einer innovativen Weltanschauung"?

Schon 2021 konnte man von Seiten ukrainischer Archäologen lesen (Resg2021), ...

... daß die Träger der Jamnaja-Kultur vor allem durch die Gemeinsamkeit der Weltanschauung und religiös-mythologischer Vorstellungen vereint waren. Die „neue Ideologie“, die sich in einem einheitlichen Bestattungsritus widerspiegelte, wurde zur Grundlage für die Bildung einer neuen kulturellen und historischen Gemeinschaft, die sich durch die Zusammenführung einer vielfältigen Bevölkerungen auf der Grundlage der Annahme einer innovativen Weltanschauung auszeichnete. 
... that the carriers of the YC were primarily united by the commonality of the worldview and religious-mythological ideas. Reflected in a unified funeral rite, the "new ideology" became the basis for the formation of a new cultural and historical community, characterized by the bringing together a diverse population based on the adoption of an innovative worldview. 

Das waren vollmundige Worte wie man sie nicht oft aus dem Munde von Archäologen hört. Worauf gründen sich diese eigentlich? Ähnliche Worte lasen wir dann ja auch - wohl von Seiten derselben Autoren - im Anhang der archäogenetischen Studie von 2024 (Stgen2024). Den Forschungen, auf denen diese Worte gründen, wollen wir im vorliegenden Blogbeitrag weiter nachgehen, und zwar auch kritisch nachgehen. 

So hatten es also der Hauptautor der archäogenetischen Studie von 2024, der ukrainische Bioarchäologe Alexey G. Nikitin (GVSU) (Schol) (Reseg) schon 2021 zusammen mit der ukrainischen Archäologin Swetlana Iwanowa (ukr. Svitlana Ivanova, Світлана Іванова) (Schol) (Acad) geschrieben. Letztere ist auch eine Mitautorin von 2024. Ob sich da zwei Archäologen in ihrer ersten Begeisterung nicht ein wenig gar zu weit aus dem Fenster gelehnt haben? Ob das trägt, was da ausgeführt worden war, und was wir auch im früheren Blogartikel ausführlicher zitiert hatten (Stgen2024)? Was sollte denn konkret so "innovativ" gewesen sein an der Weltanschauung des Urvolkes der Indogermanen? Liest man die Studien, die sie dazu zitieren, bleibt das - wenigstens uns - doch einigermaßen vage.

Aber indem wir dieser Frage nachgehen, stoßen wir auf viele andere Erkenntnisse zum Volk der Späten Urindogermanen, die in den letzten Jahrzehnten von der ukrainischen Archäologie erarbeitet worden sind und noch kaum im "Westen" rezipiert worden sind. Beide genannten Archäologen hatten 2021 und 2022 Vorstudien erstellt, die den Weg markieren hin zu dem wiederum zum Teil sehr vollmundigen archäologischen Text im Anhang der archäogenetischen Studie von 2024. 

Mag sein, daß die Autoren insbesondere 2021 den vielen, überraschenden neuen Daten aus der Archäogenetik auch auf kultureller Seite etwas Gewichtiges entgegen stellen wollten und deshalb das Bedürfnis verspürten, diese religiöse Komponente und das vorgeblich "Innovative" derselben noch einmal besonders heraus zu stellen. (Und zwar womöglich auch in erster Abwehr-Reaktion auf  "Kossinna's Smile". Siehe dazu mehr unten im Anhang.) Um so wichtiger ist es, sich die von ihnen zitierte archäologische Literatur dazu nun auch anzuschauen (soweit das geht).

Abb. 3: Ritualfeuer am Cromlech in der Steppe - In den Boden eingerammte Baumstämme scheinen mit Absicht bis in den Boden hinein niedergebrannt worden zu sein (Abb. 2 in: Chernykh/Daragan 2014)

Das ist natürlich nicht sehr einfach, da die Publikationen in ukrainischer Sprache verfaßt sind. Die Theorie, daß die oben mit Plattformen versehenen Kurgane Heiligtümer darstellen, ist insbesondere in zwei ukrainischen archäologischen Studien erarbeitet worden, die beide aus dem Jahr 2014 stammen. Die eine stammt von dem ukrainischen Archäologe Sergey Zh. Pustovalov (Сергій Пустовалов) (geb. 1953) (Schol). Ihm wurde 2018 zum 65. Geburtstag eine Festschrift gewidmet (s. pdf). Er berichtet im Kern von Ausgrabungen bei Alt-Nassau (seit 1945 Vinogradnoe, bzw. Wynohradne) (Wiki) (GMaps)(nördlich von Melitopol), die er schon 1982 durchgeführt hatte. Er stellt die Forschungsergebnisse dort in Parallele zu Erkenntnissen an anderen Jamnaja-Kurganen, wie sie in einer halbmondförmigen Region zwischen Inhulez (Wiki), Dnjepr und Molotschna zu finden sind. 

Die 500-seitige Studie zweier anderer ukrainischer Archäologinnen, Lyudmila Andreevna Chernykh (Черных Людмила Андреевна) (Schol) (Doktortitel 1997 erworben) und Marina Daragan (Acad), fußt aber noch auf einem ganz anderen, viel umfangreicheren Daten-Material. Aufgrund des umfangreichen Tagebau's auf Mangan-Eisenerz in der Region nordwestlich von Nikopol (um dessentwillen die Stadt 1943/44 so besonders stark umkämpft war) haben daselbst in den letzten Jahrzehnten umfangreiche Rettungsgrabungen von Kurganen stattgefunden. Diese Grabungen werden in ihrer Studie von 2014 ausgewertet. 

Beide genannten Studien von 2014 sind in Ukrainisch verfaßt, aber die letztere Studie hat den Vorteil, daß sie am Ende eine ausführliche Zusammenfassung in deutschsprachiger Übersetzung präsentiert (wenn sie auch etwas holprig übersetzt ist). Außerdem enthält die Studie einige eindrucksvolle Abbildungen, die oft schon selbsterklärend sind. Sie sind schon für sich oft aussagekräftiger als jede Textbeschreibung (s. z.B. Abb. 3). 

"Mehr von allem, mehr, mehr, mehr" - Die Bevölkerungsexplosion in der Steppe ab 3.300 v. Ztr.

Die beiden Archäologinnen weisen aber - eher unerwartet - auf etwas uns zunächst noch viel Wesentlicheres hin. Nämlich auf quasi "notwendigerweise" zu schlußfolgernde demographische Entwicklungen innerhalb der Jamnaja-Kultur. So deutlich und klar liest man das sonst offenbar nicht in der Forschungsliteratur. Sie schreiben über die erforschte Region nordwestlich von Nikopol (Chernykh/Daragan 2014, S. 564f):

Der Bereich zwischen den Flüssen Bazavluk, Solenaja und Čertomlyk zeichnet sich durch eine 21 km lange, sich von Südwest nach Nordost erstreckende Hochebene mit steppenartigem Charakter aus, die im Westen an das Flußtal des Bazavluk, im Nordwesten an seinen linken Nebenfluß Solenaja und im Osten an Čertomlyk grenzt.

Erläutert sei: Der Fluß Basawluk (Wiki) mündet westlich von Nikopol von Norden her in den Dnjepr. Das Städtchen Tschortomlyk (Wiki) liegt 22 Kilometer nordöstlich von Nikopol. In Tschortomlyk wurde 1862 ein reich ausgestatteter skythischer Königsgrabhügel (Wiki) ausgegraben.

Abb. 4: Die frühesten Eigendarstellungen der Indogermanen - Hier aus dem Balkan-Karpaten-Gebiet (aus EKaiser2019, S. 207)

Die beiden Autorinnen schreiben dann weiter zur Siedlungsabfolge in dieser umschriebenen Region (Chernykh/Daragan 2014, S. 564f):

Die früh-äneolithische Bevölkerung besiedelte ausschließlich die Flußtäler. Alle Flachnekropolen wurden auf niedriger gelegenem Gelände erbaut.
Die Veränderungen treten in der Zeit des mittleren Äneolithikums auf. Es entstehen Kurgane, dabei bleiben solche Traditionen der Nekropolen (Errichtung einiger Gräber unter einer Aufschüttung oder einige nebeneinander angeordnete Kurgane) erhalten, obwohl die Zahl der Gräber in solchen Nekropolen niedriger als in den vorherigen ist. Die Bevölkerung fängt an, die Wasserscheiden zu erschließen. Dabei geht sie noch nicht weit in die Steppe, in allen bekannten Fällen geht es ausschließlich um die Gebiete, die nahe zu den Flußtälern liegen.
In der Zeit der Grubengrabkultur verändert sich die Erschließungskonzeption des Raumes grundlegend. Es werden mehr Kurgane gebaut, die Zahl der Gräber darin steigt, die Aufschüttungen werden größer und die Kurgane bilden große Nekropolen. Dabei besiedelt die Bevölkerung dieser Kultur wesentlich größere Flächen. So werden in dieser Zeit auf dem Gebiet zwischen den Flüssen Bazavluk, Solenaja und Čertomlyk alle ökologischen Nischen besiedelt. Die gleiche Erscheinung ist auch in den benachbarten Regionen am Unteren Dnjepr zu beobachten. Allen heute bekannten sozialökonomischen Rekonstruktionen der Grubengrabkultur liegt das Wort „mehr“ zugrunde: Mehr Kurgane - mehr Bevölkerung - mehr Viehherden - es wird notwendig, sich auf immer größeren Flächen zu bewegen.

So und nicht anders kann es ja nur gewesen sein. Genau solche Umstände müssen ja sowieso vorausgesetzt werden, wenn man erklären will, wie demographisch aus einer kleinen Kernregion heraus ein "Urvolk" sich über seine Nachkommen über die gesamte Nordschwarzmeer-Steppe bis in die ungarische Tiefebene hinein ausbreitet und über Nachfolgekulturen über ganz Europa und weite Teile Asiens. Das geht nur, wenn eines vorliegt, nämlich wenn allem "das Wort "mehr" zugrunde liegt: Mehr Kurgane - mehr Bevölkerung - mehr Viehherden"

Es ist wunderbar, daß die Archäologie genau das, was gefunden werden muß, nun auch findet. Hier hat eine Bevölkerung, ein Volk eine Art des Zusammenlebens und Wirtschaftens gefunden (nach Gerhard Mackenroth eine "Bevölkerungsweise"), die eine solche Bevölkerungsexplosion möglich gemacht hat. Die Menschen haben einfach "ihr Ding" gemacht, es gab - offenbar - Möglichkeiten des Bevölkerungswachstums und die Menschen haben diese Möglichkeiten genutzt. So wie dies immer bei Frontier-Populationen der Fall gewesen ist, sei es im 18. und 19. Jahrhundert in den USA, sei es im Mittelalter während der deutschen Ostsiedlung, sei es unter den deutschen Rodungsbauern in Wolhynien, unter den deutschen Kolonisten in der Ukraine und an der Wolga im 19. Jahrhundert, sei es noch heute unter den Hutterern und Amischen in den USA.    

Nichts anderes als solche Umstände müssen ja vorausgesetzt werden, wenn aus der Region am Unteren Dnjepr, die im Durchmesser 200 bis 300 Kilometer beträgt, und die der Größe eines größeren deutschen Bundeslandes entspricht, alle Indogermanen hervorgehen, die selbst und deren Nachkommen dann innerhalb der nächsten tausend Jahre Europa und weite Teile Asiens "indogermanisieren". Aus einer so kleinen Region und Ausgangspopulation heraus. Natürlich ist die Voraussetzung dafür: Mehr, mehr, mehr. Mehr von allem. Vor allem ein großer Kinderreichtum der Nomaden-Familien. Es ist das eine ähnliche Erscheinung wie sie zum Beispiel für die vergleichsweise schnelle Ausbreitung der Kultur der Bandkeramik aus dem Wiener Becken heraus über ganz Mitteleuropa 2.200 Jahre früher vorausgesetzt werden muß (als das Rad noch nicht erfunden war).

Abb. 5: Porträt-Grabstelen der Jamnaja-Kultur - 170 Porträt-Grabstelen im Bereich des Dnjestr und des Südlichen Bug (!) - rot = detaillierte Darstellungen, blau = einfache Steine mit Kopffortsatz

Wir möchten meinen, daß schon allein in diesem Umstand das "Innovativste" beschlossen liegt, was die Jamanja-Kultur in die damalige Welt gebracht hat. Aber natürlich darf gefragt werden, wie sich diese Lebenshaltung des "Mehr, Mehr, Mehr" zum Beispiel auch auf religiösem Gebiet ausgewirkt hat oder auch ausgewirkt hat in Richtung auf früheste Eigendarstellungen der Indogermanen. Auch diese erscheinen uns zunächst Wesentlicher als die Kurgane mit oberer Plattform, die von Alexey Nikitin und anderen ukrainischen Archäologen neuerdings so in den Mittelpunkt gestellt werden.

Die steinernen Eigendarstellungen des Urvolks der Indogermanen

Eine der wenigen deutschsprachigen Überblicksdarstellung zum Stand der Erforschung der Jamnaja-Kultur in der Ukraine von Seiten der Berliner Archäologin Elke Kaiser behandelt glücklicherweise auch die Grabstelen und Eigendarstellungen daselbst. Sie gehören nämlich, so erfahren wir hier, zum Kerninventar der Jamnaja-Kultur und stellen in der gesamten Nordschwarzmeer-Region eine echte Innovation dar. Warum Alexey Nikitin nicht zunächst einmal diese Innovation in den Vordergrund gestellt hat, ist uns rätselhaft. Hier steht man ja auf viel sichererem Boden als bei den Spekulationen zum Zweck der Kurgane mit oberer Plattform. 

Wir selbst waren Ende 2019 ebenfalls auf dieses Thema gestoßen (Stgen2019). Wir waren damals bei der Recherche noch nicht auf die Studie von Elke Kaiser gestoßen. Und so können wir das, was diese an Neuem enthält hier jetzt nachtragen.

Der Brauch, steinerne Grabstelen zu schaffen, ist klar ein definierendes Element des Urvolkes der Späten Urindogermanen, der Jamnaja-Kultur am Unteren Dnjepr ab etwa 3.300 v. Ztr. (Kaiser2019, S. 207ff). Es ist bis auf weiteres nicht erkennbar, daß die Jamnaja-Leute für diesen Brauch Anregungen aus anderen Regionen erhalten haben. Er scheint ein konstitutives und innovatives Element ihrer Kultur zu sein. Bis nach Mitteleuropa und bis in den Alpenraum hinein erfolgte die Verbreitung -ausgehend vom Nordschwarzmeer-Raum - nicht. Denn es besteht vielmehr eine Verbreitungslücke zwischen Ostkarpaten und Alpen (s. Stgen2019).

Die Jamnaja-Kultur selbst hat sich ja nach Westen auch nur bis in die ungarische Tiefebene ausgebreitet. Ihr Ausbreitungsgebiet endet ja bezeichnenderweise überall dort, wo auch die Steppe endet. In der Übergangszone zu anderen Lebensräumen entstand dann ja die Schnurkeramik (s. David Reich in Yt-2024).

Abb. 6: Beispiele für sternförmige Wegeführung zu Grabhügeln hin, von ihnen weg und an ihnen vorbei  (aus Chernykh/Daragan 2014)

Wenn innerhalb von Mittel- und Westeuropa und innerhalb des Alpenraumes die dort ankommenden Indogermanen (Schnurkeramiker, Glockenbecherleute) den Brauch wieder aufgenommen haben, Stelen aufzustellen, dann haben sie dies offenbar jeweils von den Menschen vor Ort übernommen, die diesen Brauch selbst als Innovation eingeführt hatten. Vielleicht war ihnen von ihren Vorfahren in der Steppe her noch in Erinnerung, daß auch diese diesen Brauch ausgeübt hatten. Vermutlich lag ein solcher Grabbrauch auch einfach "im Geist der Zeit", so daß er in ähnlicher Zeitstellung in unterschiedlichen Regionen Europas bei unterschiedlichen Kulturen aufkam und je nach dem weiter geführt wurde oder in Vergessenheit geriet (s. Stgen2019)

Es erscheint naheliegend anzunehmen, daß diese Stelen selbst schon ein Zeichen für größere soziale Ungleichheit sind. Die Vergrößerung sozialer Ungleichheit wird nämlich in der Ukraine ab 3.600 v. Ztr. festgestellt, ausgerechnet in der Zeit, in der sich die Maikop- und die Jamnaja-Kultur im Gebiet der Tripolje-Kultur ausbreiteten (Damals2024). Und viele Erforscher der Urindogermanen nehmen ja auch eine soziale Dreigliederung derselben an in Priester, Krieger und Bauern (Wiki).

Es war uns ja schon im früheren Beitrag klar geworden, daß die Indogermanen nicht die ersten waren, die solche Stelen erarbeitet und aufgestellt haben, zumindest außerhalb der Ukraine nicht die ersten. Wir erfahren über die Stelen in der Ukraine (Kaiser2019, S. 207):

Die einfach gestalteten Stelen wurden meist als Bestandteil(e) von Abdeckungen der Grabgruben der Jamnaja-Kultur entdeckt, dabei kann eine einzelne Stele eine kleine Grube überlagern, doch häufiger bildete sie eine von mehreren, vorwiegend unbearbeiteten Steinplatten.

Sie verweist auf eine englischsprachige Behandlung des Themas durch Telegin und Mallory aus dem Jahr 1994 (Kaiser2019, S. 207):

Mehr als 300 Stelen waren Telegin und Mallory bekannt, wobei ihre Kartierung eine starke Konzentration im nordpontischen Gebiet zwischen den Flüssen Dnjepr und unterer Donau sowie auf dem linken Ufer des Dnjepr in der Sivašregion und auf der Krim zeigt. (...) 218 Stelen zählten O.G. Šapošnikova und ihre Kollegen im Gebiet zwischen Dnjepr und Südlichem Bug.

Der Schwerpunkt der geographischen Verteilung ist also klar die Urheimat der Späten Urindogermanen. Das geht auch noch einmal eindeutig aus der beigegebenen Abbildung hervor (Abb. 5).

Abb. 7: Beispiele für sternförmige Wegführung zu Grabhügeln hin, von ihnen weg und an ihnen vorbei  (aus Chernykh/Daragan 2014)

Wir lesen (Kaiser2019, S. 210):

An der Verbreitung im Westpontikum ist auffällig, daß die Stelen bis auf die Ausnahme des Bruchstücks aus Stan eng begrenzt auf das Gebiet nahe der Bucht von Varna sind und mit den Funden aus Hamangia ein Bindeglied zum nordwestlichen Schwarzmeergebiet vorliegt. Aus dieser Region sind ebenfalls zahlreiche Bestattungen der Jamnaja-Kultur bekannt, so daß der Transfer von Stelen im Grabritus kulturell eingebunden scheint.

Elke Kaiser geht noch der Frage nach, ob dieser Brauch sich von der Krim ausgehend und der dortigen Kemi-Oba-Kultur zum Unteren Dnjepr ausgebreitet haben könnte (EKaiser2019, S. 212). Auf der Krim ebenso wie in der Unteren-Michailowka-Kultur am Unteren Dnjepr wurden richtige Steinkisten mit solchen Schrägstrichverzierungen gesetzt, die auch sonst und später typisch sind für indogermanische Kulturen (Kaiser2019, S. 213):

Außerhalb des nördlichen Schwarzmeerraums wurden anthropomorphe Stelen nur selten aufgefunden (...), und nie waren sie Bestandteil einer Grababdeckung. (...) Es ist zu vermuten, daß die Sitte der Einbindung von Stelen in den Grabritus außerhalb des nordwestpontischen Gebiets sich allmählich änderte und sie deshalb seltener verwendet wurden.

Insgesamt ist also festzuhalten, daß Grabstelen ein genuiner Grabbrauch der Jamnaja-Kultur vom Unteren Dnjepr sind und daß einstweilen nicht erkennbar ist, woher sie Anregungen dazu erhalten haben sollten, außer daß ein solcher Grabbrauch einfach "im Geist der Zeit" gelegen zu haben scheint, zumal für ein so körperlich hoch gewachsenes und zugleich "heldenmütig" gesonnenes Volk wie das Volk der "Späten Urindogermanen".

Abb. 8: Hier lag ein Mensch bestattet, der zu den frühesten Repräsentanten gehört, die genau jene "Steppengenetik" in sich trugen, die heute alle Europäer in sich tragen (die "Kern-Jamnaja-Genetik") - Es handelt sich um den großen Kurgan bei Alt-Nassau an der Molotschna ("Konskiy Brod Kurgan, Winogradnoje") (GoTo)

Kehren wir zu den beiden Studien über die Kurgane mit oberen Plattformen aus dem Jahr 2014 zurück, um auch hier die Argumentation weiter zu verfolgen. Auf den der Chernykh/Daragan-Studie beigegebenen Fotografien macht die sternförmige Wegführung zu den Grabhügeln hin und von ihnen hinweg nicht den Eindruck, als ob es sich um eine besonders "systematische" Wegeführung handelt (Abb. 6 und 7). Womöglich können diese Wege nur bezeugen, daß die Menschen mit ihren Rinderwagen häufig - und zwar aus allen Richtungen - zu diesen Grabhügeln hin gekommen sind, vielleicht sie auch umrundet haben - und wieder nach Hause gefahren sind in ihre Nomadenlager, die in alle Richtungen rund um die Grabhügel verteilt gewesen sein mögen. Vielleicht alljährlich zu Jahresfesten. Dabei können sich die Wege ja gut ausgefahren haben.

Die sternförmige Wegeführung rund um viele Kurgane mit oberer Plattform

Man muß ja auch bedenken, daß diese Kurgane in der Landschaft weithin sichtbar waren und Orientierungspunkte darstellten. Den zu ihnen hin führenden Wegen muß man deshalb nicht gleich eine besondere religiöse Eigenbedeutung zusprechen oder ihnen gar mit astronomischen Deutungen - wie mit dem Tierkreis - zu Leibe rücken. Ansonsten hätte diese sternförmige Wegeführung ja doch sozusagen deutlich systematischer angelegt worden sein müssen. Dieser Umstand wird zum Beispiel besonders gut in Alt-Nassau (Wyhnoradne) an der Molotschna deutlich (Abb. 10): Nur dort, wo Rinderwagen auf der Ebene gut fahren konnten, befanden sich auch solche Wege. Natürlich nicht an der Steilkante hinunter zur Molotschna. Von dieser Seite her konnten nicht einfach sternförmigen Wege genutzt werden, die die Abbruchkante unberücksichtigt gelassen hätte. Also gibt es auf dieser Seite solche Wege auch nicht.

Die Wege werden wohl vor allem ein abermaliges Zeugnis sein für den Bevölkerungsreichtum, der sich in den Nomadenlagern rund um diese Grabhügel entfaltete, und der entsprechend viele Wege brauchte bei großen Jahresfesten oder auch sonst im Alltag. Dies sei hier allerdings zunächst nur als laienhaften Eindruck festgehalten. Wer solche Kurgane selbst ausgräbt und erforscht und sich intensiver mit der Thematik beschäftigt (was durch die ukrainische Sprache der Veröffentlichungen für Nicht-Ukrainer erschwert wird), könnte natürlich auch noch zu anderen Ergebnissen kommen. Das wollen wir durchaus zugestehen.

Versuchen wir nun noch zu verstehen, was wesentliche Inhalte der erstgenannten Studie, der Studie des Archäologen Sergey Pustovalo von 2014 sein könnten.

/ Ergänzung 24.12.24: Zwischenzeitlich ist ein Video erschienen - auf dem Kanal von "Dan Davis History" (Yt), das viele wesentliche Inhalte des vorliegenden Beitrages hervorragend und in ähnlicher weise aufarbeitet wie in das im vorliegenden Beitrag geschehen ist. Es ist sehr empfehlenswert, deshalb binden wir es in diesen Blogartikel mit ein. /   

"Eines der herausragendsten Monumente der Steppenvölker jener Zeit" - Der Kurgan von Alt-Nassau

Wir lesen einleitend (mit Hilfe von Google-Übersetzer) (Pustovalo2014):

Der äußere Aufbau von Kurgan-Heiligtümern und ihr möglicher astronomischer Zweck werden behandelt. Solche Grabhügel haben in der Regel eine flache Oberseite und dunkle, strahlenförmig angeordnete Wege, die vom Hügel wegführen. Die Heiligtümer liegen in einem Halbmond vom Mittellauf des Flusses Molotschna bis nach Saporischja. Es gibt gute Gründe anzunehmen, daß solche Grabhügel Observatorien zur Beobachtung des Himmels waren.

In beigegebenen Abbildungen werden Parallelen zu Zikkuraten der babylonischen Kultur erwogen (Abb. 9). Das möchte man nicht gleich von der Hand weisen. Die Grundintentionen könnten ähnliche gewesen sein: Die Nähe zum Göttlichen.

Abb. 9: Der Grabhügel und das Heiligtum bei Alt-Nassau (Vinogradnoe) an der Molotschna und seine Analogien: 5 - Seite der Westrampe; 6 - 1. Bauphase des Heiligtums (Rekonstruktion durch S.Zh. Pustovalov); 7 - 2. Bauphase des Heiligtums (Rekonstruktion durch S.Zh. Pustovalov); 8 - 3I. Bauphase des Heiligtums (Rekonstruktion durch S.Zh. Pustovalov); 9 - 12 - Rekonstruktion der Zikkurate (Klengel-Brandt, 1991) (aus: Pustovalo2014)

Wir lesen weiter (Pustovalo2014):

Es gibt ein sehr großes Kurgan-Heiligtum unweit der Stadt Molochansk im Bezirk Tokmak in der Region Saporischja, das 1982 vom Autor untersucht worden ist. (...) Genauen Untersuchungen zufolge erhob sich die Spitze des Hügels 80 Meter über der Flußsenke (der Molotschna). Die Höhe betrug 8,05 m, der Durchmesser 100 m. Die Böschung hatte die Form eines Kegelstumpfes (...). Bei der Ausgrabung wurde festgestellt, daß sich unter der Oberfläche des Hügels neben Bestattungen auch ein einzigartiges Heiligtum von komplexer Bauweise befand. Dieser Umstand macht den Kurgan Nr. 3 in der Nähe des Dorfes Alt-Nassau (Vynogradne, Molochanské svytalyshche) zu einem der herausragendsten religiösen Monumente der Steppenbewohner in der Ukraine in jener Zeit.

Auch um diesen Hügel findet sich - wie oben schon kurz angedeutet - sternförmige Wegeführung, allerdings unterbrochen durch die Steilkante hinunter zur Molotschna (s. Abb. 10).

Abb. 10: Der Grabhügel und das Heiligtum bei Alt-Nassau (Vinogradnoe) an der Molotschna und seine Analogien: 1. - Plan des Hügels; 2 - das Schema der strahlenförmig vom Hügel hinwegführenden Wege; 3 - Zeichnung der Kurve der Ostrampe; 4 - Plan der Wende der Ostrampe (aus Pustovalo2014)

Die wesentlichsten Erkenntnisse zu diesem Kurgan 3 bei Alt-Nassau an der Molotschna sind in zwei Abbildungen enthalten, die der Studie beigegeben worden sind (Abb. 9 und 10). Darin werden drei Bauphasen unterschieden. Wir lesen weiter (grobe Inhaltsangabe nach Google Übersetzer) (Pustovalo2014):

Nach Luftaufnahmen verlaufen 13 dunkle Linien, also gerade Wege vom Hügel ausgehend sternförmig in die Steppe nach Norden, Nordwesten, Westen und Südwesten - Wege mit einer Länge von bis zu 1200 m.  In einigen Fällen endeten sie mit Flecken, die dunkler oder heller sind als der sie umgebende Boden. Diese Radiallinien werden von mehreren genau gleichen Linien geschnitten, die von Norden nach Süden gehen. Vielleicht sind das Spuren alter örtlicher Wege, die rituellen, heiligen oder astronomischen Charakter haben. Auf der gegenüberliegenden Seite in der Flußsenke, in der sich die Stadt Molochansk befindet, wurden keine Spuren von Linien gefunden, die zum Hügel Nr. 3 führen. Interessant ist, daß die rekonstruierte Zahl der Schächte mit der Anzahl der Wegelinien überein stimmt.

"Schächte" bezieht sich wohl auf das früheste rekonstruierte Monument (Abb. 9.6), das einem in dieser Form sehr unwahrscheinlich vorkommt, weil es doch sonst noch nirgendwo ähnlich beobachtet worden ist (?). Wie auch immer. In einem Blogartikel aus dem Jahr 2014 findet man eine gute Zusammenfassung über die Ausgrabung und erläuternde Fotografien dazu. Der Grabhügel wird hier "Konskogo Broda" genannt (andernorts "Konskiy Brod"). An Ende heißt es (7):

Die vorgeschichtlichen Baumeister haben eine gute Wahl getroffen für den Ort eines Heiligtums: Gegen Abend wird die Luft nahe der Molotschna nahezu durchsichtig. Der Blick wird frei auf einen weiten Horizont. Man sieht bis zu den fünfzig Kilometer entfernten Außenbezirken von Melitopol. Man sieht den gesamten Tokmak-Fluß und die Steppe am linken Ufer der Molotschna. Etwa zehn Kilometer weiter südlich entlang der Molotschna blickt man auf einen weiteren zehn Meter hohen Hügel, dahinter, etwas weiter, in der Nähe von Bogdanowka sieht man einen elf Meter hohen Hügel. Sie bilden eine Linie mit "Konskogo Broda" und es ist nicht schwer, sich eine gepflasterte Straße entlang dieser Hügel vorzustellen. 

Es ist also zunächst einmal vor allem die landschaftliche Schönheit, die den Späten Urindogermanen bemerkenswert war, und von der sie sich beeindruckt zeigten (Abb. 11).

Abb. 11: Herrlicher Blick von einer Anhöhe bei Alt-Nassau (Vinogradnoe) an der Molotschna hinunter in die Steppe

Der Archäologe Pustovalo hält aber in seiner Studie von 2014 für noch wichtiger das folgende (grobe Inhaltsangabe nach Google Übersetzer) (Pustovalo2014):

Es sollte beachtet werden, daß die wichtigsten äußeren Merkmale des Molotschna-Heiligtums die flache Oberseite des Hügels sind und das Vorhandensein von Wegen um ihn herum. Fragen wir, ob andere ausgegrabene Hügelgräber von der nördlichen Schwarzmeerküste diese Merkmale ebenfalls aufweisen. 
Zum ersten Mal widmete sich in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts K. Shishkin den von Wegen umgebenen Hügeln. Er führte als Beispiel Luftaufnahmen eines Kurgans an, der von einer Reihe von Wegen umgeben war, die zur Mitte des Hügels hin ausgerichtet waren. Um ihn herum gab es 12 strahlenförmig angeordnete Wege. Später veröffentlichte Y. Shilov über den Kurgan „Hostra Mohyla“. Von den Profilen des Randes dieses Kurgans her gesehen, kann man schließen, daß die flache Oberseite in mindestens vier Bauphasen entstand. 

Es werden noch weitere Beispiele angeführt. Etwa der Kurgan „Sharp Grave“. Er soll der gleichen Zeitstellung angehören wie der Kurgan von Alt-Nassau und auch durch eine flache obere Plattform geprägt gewesen sein.

Kurgane gleicher Zeitstellung, die dem von Alt-Nassau ähneln 

Und (Pustovalo2014):

Einer von ihnen war vom Autor dieses Artikels im Jahr 1975 ausgegraben im Gebiet Dnipropetrowsk. Kurgan Nr. 13 in der Nähe des Dorfes Volodymyrivka enthielt auch mindestens zwei Hügel-Bauphasen mit einer flachen Oberseite. Ebenso wie im Fall von „Hostraya Gyola“ gab es keine zentrale Bestattung als solche. An dieser Stelle wurden lediglich Reste von Holz und Schilfstreu erfaßt. Es handelte sich also wahrscheinlich um einen Kenotaph.

Kenotaph ist ein Schein- oder Ehrengrab (Pustovalo2014):

Ein weiterer Kurgan (Nr. 14) mit flacher Plattform oben wurde 1978 von der Cherson-Expedition in der Nähe des Dorfes Shevchenkivka untersucht. (...) Beim Betrachten von Luftaufnahmen des Ortes, an dem sich der Hügel befand, wurden mindestens sechs sich strahlenförmig vom Hügel entfernende Wege entdeckt . 

Ein weiterer Hügel mit einem flachen Quadrat

an der Spitze wurde von O. Melnyk ausgegraben nördlich von Krywyj Rih. Es handelt sich um den Grabhügel Nr. 1 aus der Gruppe der Privatgräber (Northern Mining and Processing Plant). Das Gleiche wie im vorherigen Fall, die zweite und dritte Böschung hatte flache Spitzen. Die Höhe des Hügels nach der zweiten Verfüllung erreichte 4,3 m bei einem Durchmesser von 35 m. Das flache Quadrat hatte einen Durchmesser von 10-11 m. Der Autor der Veröffentlichung O. Melnyk, Maidan, glaubt, daß der Kurgan als Heiligtum genutzt wurde.

Pustovalo macht sich dann Gedanken über einen möglichen astronomischen Sinn der sternförmigen Wegeführung (Tierkreis u.ä.).

Abb. 12: Lage des Kurgan 3 bei Alt-Nassau an der Molotschna (Auf: byslaikyr2014)

Interessant mögen davon die folgenden Ausführungen sein (Pustovalo2014):

M. Chmykhov entwickelte eine Methode zur Tierkreisdatierung archäologischer Denkmäler, die auf der Analyse von alten Tierkreissymbolen basiert. Er schrieb: 
„Es handelt sich um eine Weltraumsymbolik. Die Hügel entsprachen dem Weltanschauungssystem, das die Existenz einer Gesellschaft und der Natur vom Typ des altindischen „rit“ (slawische „Reihe“) auf dem Konzept eines universellen Gesetzes deutet, welches zum geozentrischen Modell des Universums wurde: der Tierkreis".
Nach seinen Vorstellungen könnten die Hügelgräber als Heiligtümer-Observatorien fungieren. In der Antike mangelte es an optischen Geräten, deshalb hing die Genauigkeit astronomischer Beobachtungen von zwei Bezugspunkten ab, die auf einen bestimmten Himmelskörper gerichtet waren. Je größer diese Basis war, desto genauer war es möglich, das Erscheinen von Himmelskörpern zu einem bestimmten Zeitpunkt über dem Horizont vorherzusagen. (...)
Die Analyse von Luftbildern (Google Earth) ergab, daß es nicht überall im Gebiet der Steppenukraine solche Heiligtümer gibt, sondern nur an bestimmten Orten. Die Kartierung solcher Hügel zeigt, daß ihre geographische Verteilung einen Kreis mit einem offenen Ende bildet. Er beginnt am Oberlauf des Molotschna-Flusses und führt entlang des rechten Ufers des Moltoschna-Flusses nach Prysivash. Dann wendet sich eine Reihe dieser Hügel nach Westen und Nordwesten. Sie überquert den Dnjepr im Gebiet von Kachowka. Von hier zieht sich einerseits eine Reihe von Heiligtümern mit strahlenförmiger Wegeführung entlang des Inhulets, eine zweite entlang des rechten Ufers des Dnjepr. Das letzte Heiligtum dieser Art befindet sich zwischen dem Dorf Wolodymyriwka und dem Bahnhof Myrove (Hügel Nr. 13, Dorf Wolodymyriwka). Separate Heiligtümer dieser Art kommen auf der nördlichen Krim und am rechten Ufer des Dnjepr unterhalb von Cherson vor.
Im Allgemeinen wurden nach Satellitenfotos 46 Grabhügel mit sternförmiger Wegeführung gefunden. Das kann nicht alles sein. Wir sind sicher, daß die eigentliche Zahl von Grabhügeln mit sternförmiger Wegeführung nicht immer sichtbar sind, je nach den verschiedenen Betrachtungswinkeln, unterschiedlichen Lichtverhältnissen und anderen Faktoren. Fotos in Google ändern sich, so daß man neue Hügel mit sternenförmiger Wegeführung finden kann (obwohl auf den neuen Fotos einige zuvor gefundene mit sternförmiger Wegeführungen rund um Grabhügel nun nicht mehr sichtbar sind). So kann im Laufe der Zeit die Anzahl solcher Hügel noch zunehmen. (...) 
Man kann mit Sicherheit sagen, daß nicht alle Wege einen astronomischen Zweck hatten. Bestimmt hatte ein Teil hatte einen gewöhnlichen Alltagscharakter.

Es wird also deutlich, daß bezüglich konkreterer astronomischer Deutung, worin ja wohl allein das "Innovative" dessen liegen könnte, was die Autoren eingangs benannten, das meiste noch äußerst vage ist. 

Abb. 13: Typische Raumverteilung von Nomaden-Lagern in der Steppe - hier: Nomadenlager der Mongolen, fotografiert von dem Schweizer Abenteuer-Schriftsteller Bruno Blum (geb. 1967) im Jahr 2010 (Alam) - Wenn sich von solchen Nomadenlagern ausgehend die Menschen bei zentralen Grabhügeln mit Rinderwagen sammeln, können doch leicht sternförmige Wege entstehen

Alexey G. Nikitin und Swetlana Iwanowa vertreten in ihrer Vorstudie von 2021 zur archäogenetischen Studie von 2024 noch deutlich betonter - sozusagen - "Anti-Kossinna-" und "Anti-Gimbutas-Positionen" als sie das 2022 und 2024 tun.

Schon Wissenschaftsgeschichte: Von Kossinna's Stirnrunzeln (1999/2021) zu Kossinna's Lachen (2024) (quasi als Anhang)   

Iwanowa hat ursprünglich an der Universität Odessa (Odessa) gearbeitet, in der Studie von 2022 wird aber das Institut für Archäologie in Kiew (an der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine) als ihr Arbeitgeber angegeben. Erwähnt sei außerdem, daß schon in der Vorstudie von 2022 sehr häufig auf Arbeiten von Nadezhda S. Kotova (Schol) (AcadResg) Bezug genommen ist, einer weiteren Mitautorin von 2024. Diese hat unter anderem auch in Brunn am Gebirge im Wiener Becken zusammen mit Peter Stadler zu den Ursprüngen der Bandkeramik geforscht. Einer etwas älteren Generation unter den Autoren von 2024 gehört der ukrainische Archäologe Mykhailo Videiko (geb. 1956) (Wiki) an. Er ist insbesondere Spezialist für die Tripolje-Kultur (Schol).

In der Studie von 2021, die bezeichnenderweise nur auf Ukrainisch erschienen ist, heben die beiden erstgenannten Archäologen zwar schon hervor, daß die Ethnogenese am Unteren Dnjepr mit einer "neuen Ideologie" zu tun gehabt haben wird, hadern aber ansonsten noch ziemlich kräftig damit, sich so endgültig und abschließend auf die Gustaf Kossinna/Marija Gimbutas-Seite der Interpretation der Ausbreitung der Kurgan-Kulturen zu schlagen. Und das sogar, obwohl es gerade diese beiden sind, die schon zu diesem Zeitpunkt über die archäogenetischen Erkenntnisse, die sie jetzt im Jahr 2024 zusammen mit David Reich präsentiert haben, in großen Zügen informiert waren. In der Zusammenfassung der Studie von 2021 schreiben sie nach den oben schon zitierten Worten folgendes (Resg2021):

Es gibt offensichtliche materielle Kulturunterschiede zwischen den lokalen Gruppen der Jamnaja-Kultur, die sich in Keramik und anderen Artefakten manifestieren. Die Daten aus der Genetik zeigen auch eine gewisse Heterogenität der Träger der Jamnaja-Kultur und weisen gleichzeitig auf genetische Kernmerkmale hin, die höchstwahrscheinlich den gemeinsamen Ursprung der Vertreter der Jamnaja-Kultur aus den meso-eneolithischen ponto-kaspischen Populationen widerspiegeln, die mit genetischen Determinanten durchdrungen sind, die für Jäger und Sammler des Kaukasus und iranische Bauern charakteristisch sind, mit unterschiedlicher genetischer Beimischung anatolischer und europäischer neolithischer Bauern.
There are obvious material culture differences among the local groups of YC, which are manifested in ceramics and other artifacts. The data from genetics also show certain heterogeneity of the carriers of the YC, at the same time indicating core genetic features that most likely reflect the common origin of the representatives of the YC from the Meso-Eneolithic Ponto-Caspian populations infused with genetic determinants characteristic of hunters and gatherers of the Caucasus and Iranian farmers, with varying genetic admixture of Anatolian and European Neolithic farmers. 

Genau. Das ist das Hauptergebnis der archäogenetischen Studie von 2024. Dann schreiben sie weiter (Resg2021): 

Die Hauptidee dieses Artikels besteht darin, mit Hilfe der "Frontier-" (bzw. Siedlungsgrenzen-)Theorie und unter Verwendung genetischer Daten die Hypothese über die Entstehung der Jamna-Kultur in der Wolga-Ural-Region und die Migration ihrer Träger nach Westen, einschließlich des nördlichen Schwarzen Meeres sowie Südost- und Mitteleuropas, zu widerlegen.
The main idea of the article is to refute, with the help of the Frontier theory and with the use of genetic data, the hypothesis about the formation of the Yamna culture in the Volga-Ural region and the migration of its carriers to the west, including the Northern Black Sea, Southeastern and Central Europe. 

(!!!) Das ist schon ein sozusagen "starkes Stück", so möchte man meinen. Sie haben Kunde von den neuen archäogenetischen Erkenntnissen und versuchen sie zunächst dennoch mit aller Gewalt in eine Anti-Kossinna-Interpretation aller vorliegenden Daten zu pressen. Diese "Hauptidee" verfolgen sie in den beiden nachfolgenden Veröffentlichungen dann nicht mehr so explizit. Sie schreiben in diesem Sinne 2021 weiter (Resg2021):     

Dieser Artikel soll auch zeigen, daß Handel (und nicht Invasion oder Eroberung) der entscheidende Faktor war, der die kulturhistorische und genetische Grundlage der Bevölkerungen des kulturhistorischen Komplexes von Jamna auf der Grundlage der Interaktionen zwischen Bevölkerungen der nordwestlichen pontischen Region und verschiedener Teile Europas formte, die sich entlang der Grenzzone bildeten und ausbreiteten, wo sich soziale, kulturelle und ethnische Markierungen überschneiden. Eine besondere Rolle in diesen Prozessen kommt der Budzhak-Kultur der nordwestlichen Schwarzmeerküste zu. Einer der Hauptanreize für die Bewegung ihrer Bevölkerung in westlicher Richtung war die Aufnahme von Handelsbeziehungen und die Bildung von Handelsrouten.
The article also aims to demonstrate that trade (rather than invasion or conquest) was the determining factor that shaped the cultural-historical as well as genetic foundation of the populations of the Yamna Cultural-Historical Complex on the interactions between populations of the northwest Pontic region and various parts ofEurope, forming and spreading along the frontier zone, where social, cultural and ethnic markers intersect. A special role in these processes is given to the Budzhak culture of the North-Western Black Sea coast. One of the main stimuli for the movement of its population in the western direction was the establishment of trade relations and the formation of trade routes. 

Soweit übersehbar, wird in der Studie selbst die Thematik Religion/Weltanschauung/Ideologie gar nicht mehr ausführlicher behandelt (was im Widerspruch zur Zusammenfassung steht). Es steht vielmehr im Vordergrund, was man schon dem Text der Zusammenfassung anmerkt, nämlich wie erregt die Archäologen von den neuen archäogenetischen Erkenntnissen des David Reich-Labors sind, wobei sie aber offenbar noch von einem Zwischenstand des Jahres 2021 und noch nicht von dem vorläufigen Endergebnis des Jahres 2024 auszugehen scheinen. In ihrem 2021-Text brodelt und schwelt immer noch unvergoren die "pots versus people"-Debatte. Unsere Ahnung bestätigt sich, wenn wir in den Text der Studie selbst hinein schauen (Resg2021):

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat G. Kosinna kriegerische Feldzüge der Arier von West nach Ost angenommen, von der Oder bis zum Dnjepr (...). Nach einer anderen Sichtweise gab es einen Zustrom von von Osten nach Westen, von der osteuropäischen Steppe bis nach Mitteleuropa (Childe, 1926; Gimbutas, 1956; Brjusow, 1952; Danylenko, 1974; Merpert, 1974). Das Konzept der Bevölkerungsbewegung der „Kurgan-Kultur“ nach Westen, die als Folge die landwirtschaftlichen Zivilisationen des Balkans zerstört habe, ist innerhalb der Archäologie weiterhin umstritten, das reicht von Kritik (Tytov, 1982; Manzura, 2000; Koncha, 2001 usw.) bis zu voller Unterstützung und Nutzung für eigene historische Rekonstruktionen (Chernikh, 1987; Mallory, 1997; Dergachev, 1999 usw.). Jetzt haben sich einige Genetiker angeschlossen (Allentoft et al., 2015; Haak et al., 2015; Mathieson et al., 2015).

Mit Hilfe von Google-Übersetzer kann jeder, der möchte, diese Studie auch selbst weiter lesen, auf die wir hier nicht weiter eingehen wollen. Sie scheint in einigen Grundannahmen wohl nicht mehr der Position der beiden Forscher des Jahres 2024 zu entsprechend. Natürlich trug die Bevölkerung am Unteren Dnjepr unterschiedliche Herkunftsanteile in unterschiedlichem Umfang in sich. Aber offenbar ist ja dann die "Kern-Jamnaja-Population", die ab 3.300 v. Ztr. eine Bevölkerungsexplosion erlebt, genetisch sehr einheitlich. Insofern darf man schon auch infrage stellen, ob die Religion die von ihr gelebt wurde, vor allem dazu gedient haben soll, Bevölkerungen unterschiedlicher Herkunft zu vereinigen. Das wäre dann eher für die Jahrhunderte vor 3.300 v. Ztr. anzunehmen, als die Herkunftsanteile noch viel schwankender waren. Aber all das wäre ja dann auch schon zu sagen von der Kurgan-Kultur im Nordkaukasus, also von der Ethnogenese der Chwalynsk-Kultur an der Mittleren Wolga selbst und von der Ethnogenese der Maikop-Kultur. Wie gehört, wird dann in diesem Text vor allem den Handelsverbindungen eine große Rolle zugesprochen bei der Ausbreitung der Indogermanen nach Westen. Auch diese Schwerpunktlegung wirkt übertrieben einseitig, um nur ja nicht zu sehr auf die "Kossinna-Seite" der Sichtweisen zu geraten. Immerhin mag aber gerade dieses Zögern der Archäologen dazu geführt haben, daß sie die kulturell-ideologisch-religiöse Seite auch noch 2024 auffallend betont herausstellen. 

Und gerade deshalb mag es am Platz sein, diese Sichtweise besonders kritisch zu betrachten. Das ist im vorliegenden Blogbeitrag in einem ersten Schritt geschehen.

Rassamakin 1999

Der ukrainische Archäologe Juri Rassamakin hat in seiner meistzitierten Arbeit, die aus dem Jahr 1999 stammt (meistzitiert, weil auf Englisch erschienen!) vergleichend die bis dahin aufgeworfenen verschiedenen Modelle zur Abfolge der Kulturen zwischen Wolga und Dnjepr und der Kausalzusammenhänge zwischen ihnen im Zeitraum 4.500 bis 3.000 v. Ztr. referiert. Diese Studie macht deutlich, daß die ukrainische Archäologie sich schon seit vielen Jahrzehnten sehr intensiv bemüht, diese Fragen zu klären. Sie macht auch in einer ersten Ahnung deutlich, welch umfangreiche Forschungen diesen Diskussionen zu Grunde liegen. Diese sind fast alle auf Ukrainisch erschienen und deshalb fast gar nicht im Westen rezipiert worden.

Die Modelle von Marija Gimbutas (zuletzt ausformuliert 1994) werden denen anderer gegenübergestellt, unter anderem von V. N. Danilenko 1974 , D. Y. Telegin 1986. Schon 1974 spricht Danilenko von der "Mikhailovka period", bzw. von "Lower Mikhailovka Culture", die er in den Mittelpunkt seines Modells stellt (Rassamakin1999, S. 61). Die "Untere Michailowka-Kultur" wird als eine eigene Kulturstufe angesehen, darauf werden wir in einem folgenden Blogbeitrag noch etwas näher eingehen (s.a. Kaiser2019). Danilenko hatte sein Modell 1955 in Kurzform präsentiert und 1974 ausführlicher. Michailowka war ja schon in den 1950er Jahren ausgegraben worden und es war schnell darüber publiziert worden (Rassamakin1999, S. 61):

Danilenko ging davon aus, daß das gesamte kulturelle Phänomen im Osten entstand, in der Zone des „Kontakts zwischen den primitiven Landwirten des Nahen Ostens und den primitiven Viehzüchtern Zentralasiens und der Kaspischen Region“ - ein Phänomen, das „sich anschließend rasch in der Steppenzone der Schwarzmeerküste ausbreitete“. (...) Danilenko brachte dies mit (...) der Verbreitung von Zeptern mit Pferdeköpfen in Verbindung.
Danilenko saw the whole cultural phenomenon as originating in the east, in the zone of "contact between the primitive agriculturalists of the Near East and the primitive pastoralists of Central Asia and the Caspian region" - a phenomenon that was "subsequently swiftly diffused through the steppe zone of the Black Sea coast". (...) Danilenko associated these with (...) the diffusion of horse-headed sceptres.

Wie wir heute besser wissen - und auch Rassamakin in seiner Zusammenfassung gut ausführt (siehe gleich), wäre bei Pferdkopf-Zepter genauer von Wildpferdekopf-Zeptern zu sprechen (Stgen2024). Rassamakin geht auch schon 1999 von einer Siedlungsarmut in der Steppe um 4.000 v. Ztr. aus ("Steppe hiatus") (Rassamakin1999, S. 73, 77). In seinem Text ist viel von der "Skelya culture" die Rede, das ist (offenbar) ein Name für eine frühe Phase der Sredny Stog-Kultur. 

Man ist in jedem Fall erstaunt, wie intensiv und detailliert man in der ukrainischen wissenschaftlichen Literatur schon Jahrzehnte lang den Zusammenhängen der Kulturen in der Ukraine nachgegangen ist. Nur auf Grund dieser Jahrzehnte langen detaillierten Forschung der ukrainischen Archäologie kann im Jahr 2024, wo die Zusammenhängen endgültig durch die Archäogenetik geklärt werden, gleich auch schon so viel Definitives von Seiten der Archäologie zu dem Thema gesagt werden, und zwar sehr viel Definitives, was bislang nur den regional arbeitenden Archäologen vor Ort bekannt gewesen war, und was nur von sehr wenigen westlichen Archäologen detaillierter verfolgt worden war. Wobei auch die Archäologen vor Ort in der Ukraine erst jetzt die Zusammenhänge voll verstehen. Auch war ja bislang die "weltgeschichtliche" Bedeutung dieser Forschungen nicht wirklich eindeutig geklärt, bzw. wurde sie offenbar auch noch von Rassamakin 1999 infrage gestellt. Denn nach der vergleichenden Betrachtung all verschiedenen Modelle meint er in der Schlußfolgerung (Rassamakin1999, S. 154):

Es ist klar, daß es für die Annahme (von Gimbutas oder Danilenko), daß es innerhalb der Steppe Invasionen von Osten her gegeben hätte (nämlich von Seiten der Chwalynsk-Kultur), keine Anhaltspunkte gibt.
It is clear that claims concerning eastern invasions from the Volga and the Caspian region are groundless.

Damit positioniert sich Rassamakin als radikaler Anhänger der "Anti-Gimbutas"- und "Anti-Kossinna"-Fraktion innerhalb der damaligen Archäologie. Diese Arbeit war von deutschen Forschungs-Stiftungen finanziert worden. Er schreibt interessanterweise aber auch (Rassamakin1999, S. 155):

Gegenwärtig gibt es keinen Grund, die Wirtschaft der Steppenstämme (...) als beruhend auf spezialisierter Pferdezucht zu interpretieren. Auf eine Zeit des kultisch-prestigeträchtigen Interesses an Pferden und einer Zunahme ihrer Jagd folgte eine Zeit des Vorhandenseins stark genutzter Pferdeknochen in Siedlungen in der Dnjepr-Region bei völligem Fehlen derselben in der Kultpraxis.
At present, there is no reason for interpreting the economy of the steppe tribes (...) as based on specialized horse-breeding. A period of cult-prestige interest in horses and an increase in their hunting was followed by the presence of strongly utilized horse bones at settlements in the Dnepr region and their and their complete absence from cult practice.

Er erklärt weiterhin - in starker Übereinstimung mit der Anti-Gimbutas- und Anti-Kossinna-Fraktion in der damaligen Archäologie - die Jamnaja-Kultur hätte sich weder aus irgendeiner enger zu umschreibenden und charakterisierenden Region heraus ausgebreitet in viele Richtungen, noch sei sie kriegerisch gewesen, noch hätte sie nomadische Lebensweise aufgewiesen. Es handele sich um eine seßhafte Kultur, deren Schwerpunkt auf der Tierhaltung gelegen hätte und die Entwicklung dorthin hätte flächendeckend in der gesamten Ukraine jeweils lokal vor Ort stattgefunden. Nun, eine sehr bekannte, inzwischen kraß widerlegte Annahme. Interessant, daß er dennoch schon Michailowka so sehr in den Mittelpunkt vieler Ausführungen stellte. 

In seiner Arbeit gibt es auch eine Abbildung eines Frühen Katakomben-Kultur-Grabes aus dem Kurgan 24, Grab 34 bei Vinogradnoe mit Rädern (Rassamakin1999, S. 156). Auch in den Steppen-Weiten an der Molotschna hat sich auch die Jamnaja-Kultur ohne Zweifel schon mit Rinderwagen fortbewegt, zumindest angesehenere, wohlhabendere Teile der Gesellschaft. 

_______

  1. A genomic history of the North Pontic Region from the Neolithic to the Bronze Age. Autoren: Alexey G. Nikitin, Iosif Lazaridis, Nick Patterson, Svitlana Ivanova, Mykhailo Videiko, Valentin Dergachev (...) David Reich, 18. April 2024 (Biorxiv2024)
  2. Long-distance exchanges along the Black Sea coast in the Eneolithic and the steppe genetic ancestry problem. Autoren: Alexey G Nikitin, Svetlana Ivanova. In: Steppe Transmissions (eds. PredaBălănică, B. & Ahola, M.) 9-27 (Archaeolingua, Budapest, 2023). doi:10.33774/coe-2022-7m315 (Preprint, Nov 2022: Reseg
  3. Chernykh, L. A. & Daragan, M. N.: Kurgany Epokhi Eneolita-Bronzy Mezhdurech’ya Bazavluka, Solenoy, Chertomlyka : Monografiya. Kurgany Ukrainy. vol. 4 (Oleg Filyuk, Kiev, 2014) (555 Seiten) (Acad) (EBooks) [übersetzt heißt er Titel "Äneolithisch-bronzezeitliche Hügelgräber im Flußgebiet zwischen Bazavluk, Solenaya, Chertomlyk"]
  4. Pustovalov, S.: Курганні святилища доби ранньої бронзи степової частини України. (Kurhanni svyatylyshcha doby rannʹoyi bronzy stepovoyi chastyny Ukrayiny ta yikh astronomichna skladova.) In: Українське небо. Студії над історією астрономії в Україні (Ukrayinsʹke nebo. Studiyi nad istoriyeyu astronomiyi v Ukrayini) (ed. Petruk, O.), S. 39-50 (Instytut prykladnykh problem mekhaniky i matematyky im. YA. S. Pidstryhacha NAN Ukrayiny, Lviv, 2014 [Deutsch: "Hügelheiligtümer der frühen Bronzezeit im Steppenteil der Ukraine" In: "Ukrainischer Himmel. Studien zur Geschichte der Astronomie in der Ukraine", Lemberg 2014] (Acad) (iapmm) (pdf) (GB)
  5. Kaiser, Elke: Das dritte Jahrtausend im osteuropäischen Steppenraum. Kulturhistorische Studien zu prähistorischer Subsistenzwirtschaft und Interaktion mit benachbarten Räumen. edition topoi FU Berlin 2019 [Berlin Studies of the Ancient World, Bd. 37]
  6. Rassamakin, Yuri: The Eneolithic Black See Steppe - Dynamics of Cultural and Economic Developments 4500-2300 BC. In: Levine M., Rassamakin Yu., Kislenko A. and Tatarintseva N. (with an introduction by C.Renfrew): Late Prehistoric Exploitation of the Eurasian Steppe. McDonald Institute Monographs, University of Cambridge, 1999 (216 pp.): pp. 59-182 (Acad)
  7. Konstantin Sushko: Der Grabhügel "Konskiy Brod" - Was verbirgt der alte Hügel in der Nähe von Tokmak? (Russ.: "Курган «Конский Брод»: что скрывает древняя насыпь неподалеку от Токмака?") In: Zeitung „Subbota Plus“ 3. Mai 2001 (Perunica) (ähnlich - mit weiteren Fotografien: shukach/dombrovskii_a2011) (Sowie: byslaikyr-Blog 4.2.2014
  8. Dan Davis History: Der mysteriöse Tempelhügel der prähistorischen Ukraine. 23.12.2024 (Yt)
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