Montag, 29. März 2021

Die mächtigen Völkerburgen Mitteleuropas 1200 bis 30 v. Ztr.

Einige stichprobenartige Einblicke in die Geschichte der Kelten

In Griechenland spielte sich ab 500 v. Ztr. ein bedeutungsvoller Zeitabschnitt der Weltgeschichte ab. Er wurde eingeleitet ab etwa 800 v. Ztr. mit der Niederschrift der "Ilias" von Homer. Die europäischen Völkerbewegungen, die diesem klassischen Griechenland voraus- und parallel gingen, vollzogen sich weitgehend im "Schatten der Weltgeschichte", sprich, im Schatten der Geschichtsschreibung und der schriftlichen Überlieferung. Deshalb haben wir nur wenig konkrete Vorstellungen von diesen Völkerbewegungen. Sie sind uns kaum im Bewußtsein. Und wir kennen nur wenige Stämme und Völker, bzw. ihre Könige beim Namen, die diese Völkerbewegungen getragen haben. Denn selbst die wachen griechischen Historiker haben nur wenig von ihnen berichtet.


       Abb. 1: Völker-Ausbreitungen von den Urnenfelder-Proto-Kelten (1000 v. Ztr.) bis zu den vorrömischen Eroberungen des letzten Jahrhunderts vor der Zeitrechung (Herkunft: Megistias [Wiki])

Doch die archäologische Forschung kann uns Einblicke geben. Das Zentrum des Unruheraumes der europäischen Völkerbewegungen zwischen Spätbronze- und Eisenzeit lag in Süddeutschland zwischen Thüringer Wald und Voralpen. (Abb. 1) (Wiki). Das ist diesselbe Region, die wir auch schon als Unruhe-Raum des Seevölkersturms um 1200 v. Ztr. hier auf dem Blog ausmachten, aus dem heraus die Teilnehmer an der Schlacht an der Tollense in Mecklenburg hervorgingen nach den Begleitfunden, die gemacht wurden (25).

Die kontinuierliche Entwicklung aus den ansässigen bronzezeitlichen Vorgängerkulturen Mitteleuropas, insbesondere der spätbronzezeitlichen Urnenfelderkultur, bis hin zu den aus historischer Zeit bezeugten Kelten ist heute zweifelsfrei belegt (Wiki).

Wie man sich die damaligen Völkerbewegungen vorstellen kann, davon gibt Caesar in seinem Bericht "Bellum gallicum", "Gallischer Krieg" sehr konkrete Vorstellungen: Große Stämme besiedelten damals einzelne mächtige Völkerburgen, gut zu verteidigende Großsiedlungen auf Bergen, "Oppida". Und diese Stämme führten Krieg miteinander und wanderten geschlossen ab, suchten neue Siedlungsregionen auf je nach dem, was religiöse und politische Berater wie Druiden oder weise Frauen diesen Stämmen jeweils rieten. Die Entscheidungen konnten oft zumindest für Außenstehende recht willkürlich anmuten.

Wenn man heute in Oberfranken wandert, begegnet man den Hinterlassenschaften dieser Stämme geradezu auf "Schritt und Tritt". Überall Terrassierungen, die schon Thema hier auf dem Blog waren. Immer wieder tief eingeschnittene, historische Wege, die schon aufgrund des Umstandes, daß sie so tief in die Umgebung eingeschnitten sind, aufzeigen, über wie viele Jahrzehnte und Jahrhunderte sie benutzt worden sein müssen.

Aus den historischen Berichten wissen wir: Die Stämme handelten geschlossen, sie siegten gemeinsam, sie gingen gemeinsam zugrunde. Wurde ein Stamm besiegt, wurden die besiegten Menschen vom siegreichen Stamm ermordet oder versklavt. Die Leichen besiegter Krieger oder ermordeter Kriegsgefangener präsentierte man zur Abschreckung auf den Mauern oder in den Tempeln der Stadt (Viereckschanzen).

Man wundert sich, daß trotz solcher grausamer kriegerischer Vorgänge, die immer wieder als gegeben vorausgesetzt werden müssen, dennoch ein so reichhaltiges und blühendes Wirtschaftsleben, ein reichhaltiges politisches und kulturelles Leben sich entfalten konnte. Aber dasselbe sehen wir ja auch für das mykenische und nach-mykenische Griechenland. Es ist also nichts Besonderes.

2.500 bis 500 v. Ztr. finden sich auch im südlichen Kaukasus Höhenburgen wie neuerdings bekannt geworden ist (Erb-Satullo 2019).

Die Burgenforschung für die Zeit der Spätbronzezeit um 1000 v. Ztr. stellt ähnliche Erscheinungen auch schon tausend Jahre - früher wie tausend Jahre später - in Mitteleuropa fest. Und genau diese Burgenforschung stellt bis heute ein Desiderat der Forschung dar. So hat es der deutsche Archäologe Svend Hansen (geb. 1962) (Wiki) erst kürzlich in einem Vortrag geäußert (1) (ab 30. Minute).




Die ost- und mitteleuropäischen Höhenburgen, so führte er aus, würden in Mitteleuropa ab 1700 v. Ztr. errichtet worden sein, zu einer Zeit, in der es solche Burgen im Mittelmeer-Raum eigentlich nicht gegeben habe, außer rund um die Adria herum. (Das war im Mittelmeerraum die Palastkultur der Minoer. Auch diese siedelten auf Bergen, aber ohne Verteidigungsmauern.) Vor 1700 v. Ztr. findet man metallene Schwerter und Lanzenspitzen nur im Vorderen Orient und im Kaukasus-Raum, so sagt er. Nach 1700 v. Ztr. findet man sie nur in West- und Mitteleuropa. 

Wir meinen, daß das letztlich auch etwas zu tun haben könnte mit der vorhergehenden Ausbreitung der Indogermanen als Glockenbecher- und Streitaxtkulturen, wobei diese anfangs nicht weniger kriegerisch gewesen sein muß, wenn sie eben statt mit Metallwaffen mit Steinäxten, Holzkeulen, sowie mit Pfeil und Bogen gekämpft haben. Es überzeugt keineswegs, daß ein sonderlich zusätzliches kriegerisches Zeitalter in Mitteleuropa erst ab 1700 v. Ztr. in Europa angebrochen sein soll.

Zu kritisieren scheint uns an diesem Vortrag auch, daß die Fokussierung auf das Thema "Konfliktforschung" aus dem Blick geraten läßt, daß die vorliegende Komplexität einer Gesellschaft nicht davon abhängig ist, ob man in ihr Waffen oder Befestigungsanlagen findet oder nicht, sondern eher, wie intensiv die Wirtschaftstätigkeit war und der wirtschaftliche Austausch, sprich Fernhandel, bzw. welcher kulturelle Reichtum vorliegt. Mit der Fokussierung auf das Thema Konfliktforschung wird der Blick auf die Thematik bronzezeitliche Höhensiedlungen unseres Erachtens zu sehr verengt. Auch mutet es sonderbar an, daß die mitteleuropäischen Gesellschaften erst um 1700 v. Ztr. so konfliktreich geworden sein sollen, wo doch vermutlich schon die Ausbreitung der indogermanischen Kulturen zuvor in Mitteleuropa nicht unbedingt nur besonders friedlich verlaufen sein muß, bzw. wird. Dafür liefert ja insbesondere die Erforschung der Genreste dieser Bevölkerungen recht deutliche Hinweise (sehr deutliches Aussterben der mittelneolithischen Völker, insbesondere der Männer und ihrer Y-Chromosomen).

Eine zweite Phase der Verbreitung von Höhenburgen habe es dann, so Hansen, zwischen 1300 und 900 v. Ztr. zur Zeit der Urnenfeldkultur gegeben, also in der Spätbronzezeit (36. Minute). Gegenwärtig werden Burganlagen dieser Zeitstellung in Hessen zwischen Taunus und Rhön erforscht. Im folgenden nur einige stichprobenartige Einblicke in den gegenwärtigen Forschungsstand.

Die Ehrenbürg (südlich von Bamberg) - Zentralsiedlung um 1250 v. Ztr.

An der Jahrtauende alten Straße von der Donau hinauf ins Thüringer Becken reihten sich in keltischer Zeit quer durch Franken die Oppida, bzw. Großsiedlungen auf prägnanten Bergen wie an einer Perlenkette auf: Staffelstein, Ehrenbürg, Haubürg, Buchberg, Schellenberg und viele andere mehr. Zwischen Bamberg und Nürnberg liegt in Oberfranken die Ehrenbürg. Über sie ist zu erfahren (Wiki):

Während des 13. vorchristlichen Jahrhunderts war der Berg mit einer spätbronzezeitlichen Steinmauer zu einer stark befestigten, großen Zentralsiedlung ausgebaut worden. (...) Der von Schlaifhausen zum antiken Tor heraufführende Weg diente als Zufahrt zu der Befestigung (...) und ist somit wahrscheinlich die älteste Fahrstraße Oberfrankens. Bei dem zusätzlich befestigten südlichen Teil Rodenstein handelte es sich wohl um die Akropolis dieser Siedlung.

Es ist so unglaublich aufwühlend, wenn man von einer Akropolis um 1200 v. Ztr. in einer Region südlich von Bamberg liest. Ist denn schon in das Geschichtsbewußtsein der Menschen vor Ort eingesickert, was damit alles verbunden sein muß? Ein heiliger Berg, eine heilige Stadt im Herzen Frankens um 1200 v. Ztr., besiedelt von einem heute dahin gegangenen Volk. Die Sprache, die dieses Volk gesprochen hat, die Kultur, die dieses Volk gelebt hat, sie alle sind dahin gegangen. Wohin? Wir werden es weiter unten noch sehen.

Der Bullenheimer Berg östlich von Würzburg (1.000 bis 900 v. Ztr.)

Dann gibt es den Bullenheimer Berg zwischen Würzburg, Fürth und Rothenburg ob der Tauber. Die früheste nachgewiesene Besiedlung der Wohnterrassierung erfolgte wohl etwa zwischen 1.000 und 800 v. Ztr.:

Zur Anlage der Terrasse wurde vom Mittelhangbereich aus hangaufwärts auf einer Breite von ungefähr 18 m flächig Material abgetragen. (...) Während der Lehm offensichtlich abtransportiert wurde, hat man mit dem Steinmaterial Unebenheiten auf der Terrasse - besonders im anschließend bebauten Bereich - ausgeglichen. (...) Die Neubesiedlung des Areals erfolgte dann unmittelbar auf der künstlich geschaffenen Oberfläche.

Im Bereich des Hauses, bzw. im Umfeld fanden sich Hinweise auf Keramikproduktion, auf Webstühle, auf Spinnwirtel, auf Verarbeitung von Pech. Auch die Niederlegung einer späturnenfelderzeitlichen Tasse findet sich auf der Terrasse, es wird ein Bauopfer vermutet. All das scheint um 900 v. Ztr. beendet worden zu sein durch einen Brand, der Brandschutt zurück ließ. Ein lebensvolles Volk, ein lebenskräftiger Stamm - untergegangen oder abgewandert (vermutlich) und schließlich in den Stürmen der Weltgeschichte "verronnen".

Die Heunischenburg bei Kronach (1.000 v. Ztr.)

Nahe der oberfränkischen Stadt Kronach befindet sich die Heunischenburg, die 1000 bis 800 v. Ztr. besiedelt und befestigt war, also in jener Zeit, in der in Griechenland die "Ilias" niedergeschrieben worden ist, und in der jene in der Ilias beschriebenen "Homerischen Heroengräber" sich von der Ägäis bis nach Dänemark und bis nach Westpreußen finden (siehe frühere Beiträge hier auf dem Blog), in der also vermutlich auch der Geist der Ilias in demselben Verbreitungsgebiet gelebt worden ist. Auf dieser Burg wurden sehr viele bronzene Pfeilspitzen und Waffen gefunden. Und wir erfahren (Wiki):

Eine typische Konstruktion von Zangentor und Ausfallpforte läßt spätmykenischen Einfluß erkennen, sodaß auf Kontakte zur mediterranen Zivilisation geschlossen werden kann. Die mächtige, jedoch kleinräumige Befestigung und die vielen gefundenen Waffen heben die Heunischenburg deutlich ab von den großen spätbronzezeitlichen Mittelpunktsiedlungen wie der Ehrenbürg bei Forchheim und dem Großen Gleichberg in Thüringen.

Wiederum ein Stamm, ein Volk, dessen Namen wir kaum kennen, und dessen Schicksale im weiteren Verlauf der Weltgeschichte "verronnen" sind.

Der Hohenberg in der Südpfalz (1.000 v. Ztr.)

Die deutsche Bronzezeit-Forschung  wird immer mehr aufmerksam auf die Notwendigkeit, sich dem Thema Höhensiedlungen der Bronzezeit zuzuwenden, so etwa auch für das Gebiet der Südpfalz (6):

Eine hohe Dichte bronzezeitlicher Fundplätze zwischen Pfälzerwald und Rheinlauf mit spektakulären Funden - wie dem Goldhut von Schifferstadt, den Bronzerädern von Haßloch und den Flußfunden von Bobenheim-Roxheim - ließen erwarten, daß das vermeintliche Fehlen von Höhensiedlungen eine Forschungslücke darstellt. Tatsächlich gelang es mit den Entdeckungen auf dem Hohenberg, am Rande des Pfälzerwaldes im Jahr 2014 erstmals, eine befestigte Höhensiedlung der Urnenfelderzeit in der Südpfalz nachzuweisen.

Ähnliche Zusammenhänge werden gegenwärtig und zukünftig sicher für viele weitere Regionen aufgezeigt werden können.

Die Burg an der Dömnitz bei Pritzwalk (800 v. Ztr.)

Zur Zeit der vielen Hügelgräber rund um das Königsgrab von Seddin (Wiki) in der Prignitz (zwischen Berlin und Hamburg) gab es sieben Kilometer östlich davon, flußaufwärts des Elbe-Nebenflusses Dömnitz - und von diesem umschlungen - eine bronzezeitliche Befestigungsanlage mit Zangentor.



Abb. 2: Die Wanderungen des Volkes der Volker im 3. Jhdt. v. Ztr.

Das keltische Volk der "Volker"

Das keltische Volk der "Volker" (Wiki)  ist den griechischen und römischen Historikern und Schriftstellern bekannt geworden, nachdem es ab etwa 300 v. Ztr. in den Einflußbreich dieser Kulturräume gewandert war, also einerseits nach Griechenland und Kleinasien im Osten, andererseits in die Schweiz, in das Rhonetal, nach Toulouse und bis zu den Pyrenäen im Westen. Ihre Heimat lag aber in den deutschen Mittelgebirgen, in Hessen, Thüringen und Franken, wo auch Teile des Volkes bis zur Eroberung durch die Römer von Süden und durch die Germanen von Norden seßhaft geblieben sind.

Auf ihren Volksnamen "Volker" wird auch die germanische Volksbezeichnung "Welsche" zurückgeführt, wobei diese Bezeichnung wohl alles "Nicht-Germanische" umfassen wird, und wobei auch schon die Wahrnehmung der romanisierten "Volker", bzw. von deren Unterschichten mitgeschwungen haben kann, also der "gallo-romanischen" Bevölkerung. Durch die Zuwanderungen von Teilen der Volker in den griechisch-römischen Kulturraum lernten die dortigen Schriftsteller die Sitten und Bräuche dieses Volkes besser kennen.

Die Galater in Kleinasien

Im Jahr 280 v. Ztr. fielen zwei keltische Heere in Nordgriechenland ein. Eines stand unter der Führung des Heerführers "Brennus". Aber vielleicht handelte es sich bei diesem Namen auch einfach nur um eine keltische Bezeichnung für "Heerführer". Griechenland war damals innerlich zerstritten durch die Diadochenkämpfe. Das keltische Heer plünderte Delphi und gewann dabei einen berühmten Goldschatz, der nachmals als "Gold von Tolosa", sprich Toulouse, bekannt geworden ist. Denn die Kelten transportierten diesen Schatz bis Toulouse im Westen (Wiki). 279 v. Ztr. konnten sie dann aber in der Nähe von Delphi geschlagen werden. Brennus starb nach der Schlacht, vielleicht an seinen Wunden, vielleicht an Selbstmord.

Die nach Griechenland eingedrungenen Kelten gründeten unter der Führung ihres neuen Herrschers Komontorios in Thrakien ein Fürstentum. Seine Hauptstadt war Tylis.

278 v. Ztr. gingen dann 20.000 Kelten, davon die Hälfte Krieger, als Söldner nach Kleinasien. Hier waren sie von einem König angeworben worden, der sie im Krieg gegen seinen Bruder benötigte. Er siedelte sie in der Gegend des heutigen Ankara an. Der Stamm bezeichnete sich als Galater (Wiki). Die Galater teilten sich nach den zeitgenössischen Berichten in drei Stämme, nämlich:

  • die Tolistobogier
  • die Tektosagen (mit ihren Teilstämmen: Ambitouti, Toutobodiaci und Voturi)
  • die Trokmer.

Vielleicht ist es naheliegend anzunehmen, daß jeder dieser Teilstämme einstmals eine mächtige Völkerburg im europäische Mittelgebirge besiedelt hat. Jeder Stamm war in vier Gruppen gegliedert, denen je ein Tetrarch obstand. Jedem dieser zwölf Tetrarchen unterstanden ein Priester und ein Feldherr, dem zudem noch zwei Befehlshaber untergeordnet waren. Der Gesamtrat der Galater bestand aus 300 Männern, die im gemeinsamen Versammlungsplatz Drunemeton („Heiliger Eichenhain“) zusammen kamen.

Antike Schriftsteller berichten, daß die Galater Kriegsgefangene geopfert haben. Dies kann durch die Archäologie bestätigt werden. Neben Menschenopfern wurden auch Pferde, Rinder und Hunde geopfert. Die Angabe, daß die Galater 189 v. Chr. völlig nackt in den Kampf gezogen seien, ist glaubhaft, da dies als alter gallischer Brauch bezeugt ist.

Diese Galater gingen in Kleinasien auf Plünderungszüge und wurden 268 v. Ztr. durch ein Heer mit Kriegselefanten geschlagen. Ihnen wurde daraufhin eine "Keltensteuer" auferlegt.

196 v. Ztr. mußten sie ein weiteres mal geschlagen werden. Die Galater wurden jedoch weiterhin von eigenen Herrschern regiert. 86 v. Ztr. wurden aber sämtliche galatische Adlige ermordet.  Noch im Jahr 400 n. Chr. bezeugte aber der Kirchenvater Hieronymus die Existenz keltisch sprechender Völker in der Gegend um das heutige Ankara.

Das Gold von Tolosa

Das eben schon genannte Gold von Tolosa (Wiki) führten die Kelten nach dem heutigen Toulouse mit. Dort lagerten sie es in einem Teich des keltischen Apollon-Heiligtums. 106 v. Ztr. wurde Tolosa bei der Rückeroberung von den Römern nach einem Aufstand geplündert. Dabei entdeckte der Konsul Quintus Servilius Caepio den Schatz. Er ließ ihn nach Massalia schicken. Der Schatz kam dort jedoch nie an, weil Caepios Männer ihn illegal für ihren Herrn in Besitz nahmen.

Caepio, der die Volcae-Koalition im Jahr 105 v. Chr. zermalmte, wurde der Sage nach von den Göttern mit einer Niederlage in einer Schlacht gegen die Kimbern gestraft. Das Wort aurum Tolosanum wurde deshalb bei den Römern zu einem Synonym für einen Unglück bringenden Gegenstand.

Der Keltenfürst vom Glauberg (550 bis 450 v. Ztr.)

In diese Zusammenhänge ist auch der berühmte Keltenfürst vom Glauberg (Wiki) in der Wetterau nördlich von Frankfurt am Main einzuordnen (26).

Die Ehrenburg - Völkerwanderung in der Latènezeit (480-380 v. Chr.)

Über die Ehrenbürg in Oberfranken zwischen Bamberg und Nürnberg zu erfahren (Wiki):

In der Frühlatènezeit (480-380 v. Chr.) wurde auf dem Hochplateau abermals eine 36 ha große, stadtähnliche Anlage mit einer mächtigen Steinmauer (Rekonstruktion vor Ort) errichtet. Durch Ausgrabungen und Magnetometerprospektionen konnten etwa 20.000 Kellergruben nachgewiesen werden, die auf eine dichte Besiedlung dieser frühen Stadt schließen lassen. (...) Archäologische Funde belegen, daß die frühkeltische Zentralsiedlung Kontakte bis in den mediterranen Raum hatte (Ausstellung im Pfalzmuseum Forchheim). Die Ehrenbürg war zu dieser Zeit ein politisches und wirtschaftliches Zentrum, dessen Einfluß weit über die Region hinausreichte. Die mächtige Siedlung wurde zu Anfang des 4. vorchristlichen Jahrhunderts wie alle anderen gleichzeitigen Befestigungen Oberfrankens verlassen. Das hängt sehr wahrscheinlich mit den historisch belegten Keltenwanderungen gen Süden in Zusammenhang, die wohl von Klimaveränderungen verursacht wurden.

Darüber ist unter "Kelten" (Wiki), "Keltische Südwanderungen" (Wiki) und "Volker" (Wiki) mehr zu erfahren. Und Einzelheiten dazu hatten wir gerade referiert.

Abb. 3: In diesen Ausmaßen wird sich laut dem Archäologen Markus Schußmann die keltische Stadt Menosgada vor mehr als 2000 Jahren auf dem Staffelberg etwa erstreckt haben. (Foto: Ronald Rinklef/Grafik: Michael Haller) (InFranken)

Der Staffelberg (120 bis 30 v. Ztr.) - Keltisches Zangentor

Auf dem Staffelberg bei Bad Staffelstein im Obermaintal nördlich von Bamberg, bzw. zwischen Bamberg und Coburg wird gerade archäologisch gegraben. Grabungsleiter ist Markus Schußmann. Der eindrucksvolle Staffelberg am Rande des Obermaintales in Franken (im "Gottesgarten") zwischen Coburg und Bamberg war schon in der Spätbronzezeit (ab der frühen Urnenfelderzeit) besiedelt (ab 1300 v. Ztr.). Dies bezeugen Waffen- und Schmuckfunde aus Bronze (Wiki):

Ob die Siedlung in diesen frühen Zeiten befestigt war, wie es etwa für die Ehrenbürg und die Heunischenburg zutrifft, ist unklar.
Nach Schußmann gibt es Nachweise für Siedlungen unterhalb der Akropolis bislang nur für die keltische Zeit (120 v. Ztr.).

Auch die Hänge unterhalb des dem Staffelberg gegenüber liegenden Dornig sind fast bis hinunter nach Loffeld auffallend terrassiert. Es ist zu erfahren (InFranken 2018):
Das Gräberfeld auf dem Dornig umfasse insgesamt 84 Grabhügel, von denen die meisten schon im 19. Jahrhundert unter anderen von Pfarrer Lukas Hermann angegraben worden sind und Funde aus der Bronze- und Hallstattzeit enthielten. 

Dieser Berg war also ebenfalls in der Urnenfeldzeit besiedelt. Dort festgestellte Befestigungsanlagen werden aber erst der Völkerwanderung und dem Frühmittelalter zugewiesen (Wiki).

Dieser Überblick soll gegebenenfalls künftig noch weiter vervollständigt werden.

 
[Entwurf:
2.8.2019]

________________________________________________________
  1. Hansen, Svend: Prähistorische Konfliktforschung - Bronzezeitliche Burgen zwischen Taunus und Karpaten. Exzellenzcluster Topoi, 3.9.2018, https://youtu.be/cJ75oIZR_yc (der archäologische Teil beginnt erst ab Minute 21.30)
  2. Falkenstein, Frank: Bronzezeitliche Höhen- und Burgensiedlungen in der nördlichen Mittelgebirgszone. 2013, https://www.academia.edu/5848714/Bronzezeitliche_H%C3%B6hen-_und_Burgsiedlungen_in_der_n%C3%B6rdlichen_Mittelgebirgszone
  3. Schinkel, Philipp: Eine vergessene Stadt auf dem Muppberg um 1200 v. Ztr.. Vortrag im Deutschen Spielmuseum. 2016, Erörtert in siehe 2.
  4. Heß, Achim: Der Muppberg bei Neustadt bei Coburg, 21.6.2016, https://youtu.be/6l2evfxrGbo.
  5. Heß, Achim: Der Hexenhügel - größter ungeöffneter Grabhügel Europas? 06.09.2017, https://youtu.be/vWstJmoG9Hs.
  6. Bentz, Marc: Die urnenfelderzeitliche Höhensiedlung auf dem Hohenberg bei Annweiler, Rheinland-Pfalz.  Veröffentlicht etwa 2017, http://www.vfg.uni-wuerzburg.de/forschung/projekte/die-urnenfelderzeitliche-hoehensiedlung-hohenberg-bei-annweiler-rheinland-pfalz/
  7. Schußmann, Markus: Urnenfelderzeitliche Wohnterrassierungen auf dem Bullenheimer Berg. In: Das Archäologische Jahr in Bayern 2013, 57-59, https://www.academia.edu/34154855/Urnenfelderzeitliche_Wohnterr assierungen_auf_dem_Bullenheimer_Berg._Das_Arch%C3%A4ologische _Jahr_in_Bayern_2013_57-59
  8. Großmann, Stephan: Staffelberg - Archäologen sind den Kelten auf der Spur, 2.7.2018, https://www.infranken.de/regional/lichtenfels/staffelberg-archaeologen-sind-den-kelten-auf-der-spur;art220,3510470
  9. Faber, Annelie: Archäologische Ausgrabungen am Staffelberg - Einblicke in das Leben der Kelten. 12.9.2018, https://www.tvo.de/mediathek/video/archaeologische-ausgrabungen-am-staffelberg-einblicke-in-das-leben-der-kelten/
  10. https://de.wikipedia.org/wiki/Staffelberg, https://de.wikipedia.org/wiki/Menosgada
  11. https://de.wikipedia.org/wiki/Oppidum_(Kelten)
  12. https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%B6hensiedlung
  13. https://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkerwanderungszeitlich e_H%C3%B6hensiedlung
  14. https://de.wikipedia.org/wiki/Gleichberge
  15. Schrickel, Marco: Steinsburg bei Römhild, http://www.oppida.org/page.php?lg=fr&rub=00&id_oppidum=83
  16. https://de.wikipedia.org/wiki/Kelten
  17. https://de.wikipedia.org/wiki/Keltische_S%C3%BCdwanderungen
  18. hinz kunz: Europäische Feldterrassen 2000 Jahre älter als gedacht?, 25.1.2018,   http://atlantischeseuropa.blogspot.com/2018/01/europaische-terrassenfelder-schon-3000.html
  19. Bading, Ingo: Die bronzezeitliche Stadtgeschichte Mitteleuropas, in mehreren Teilen 2010, https://studgendeutsch.blogspot.com/2010/01/zur-religions-und-stadtgeschichte-des.html, https://studgendeutsch.blogspot.com/2010/05/2200-1600-v-ztr-zu-einigen.html, https://studgendeutsch.blogspot.com/2010/05/2200-1600-v-ztr-zu-einigen.html, https://studgendeutsch.blogspot.com/2010/01/2200-1600-v-ztr-die-stadte-der.html, https://studgendeutsch.blogspot.com/2010/05/2200-v-ztr-erste-stadte-zwischen.html, https://studgendeutsch.blogspot.com/2011/05/1400-800-v-ztr-hochhutige.html, https://studgendeutsch.blogspot.com/2014/09/die-stadte-der-indogermanen-und-ihre.html
  20. hinz kunz: Initialzündung für diesen Blog, 2014, http://atlantischeseuropa.blogspot.com/2014/07/2_13.html
  21. Bading, Ingo: https://youtu.be/mFpq1XBbUzw
  22. Heß, Achim (Filmemacher): La Mutta in Thüringen? Vergessene urzeitliche Höhensiedlungen um den Thüringer Wald, 21.01.2019, https://youtu.be/go_jRiOqlq0.
  23. Noelle, Hermann: Geh von deinem Acker, Kelte. Eine Roman vom Kampf der Kelten, Germanen und Römer. Hohenstaufen, 1963 
  24. Erb-Satullo, N. L., Jachvliani, D., Kalayci, T., Puturidze, M., & Simon, K. (2019). Investigating the spatial organisation of Bronze and Iron Age fortress complexes in the South Caucasus. Antiquity, 93(368), 412–431. doi:10.15184/aqy.2018.191, url to share this paper: 
  25. sci-hub.tw/10.15184/aqy.2018.191
  26. sci-hub.tw/10.15184/aqy.2018.191sci-hub.tw/10.15184/aqy.2018.191

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