Sonntag, 8. April 2007

Brauchen wir eine Sprachregelung betreffend "Rasse"?

Nachdem seit der vollständigen Sequenzierung des menschlichen Genoms und der Entdeckung (evolutiv) "jüngster Selektionsereignisse" im menschlichen Genom die "geographische Differenzierung", die "geographische Herkunft" in der Humanbiologie und Humanpsychologie wieder eine immer stärkere Bedeutung bekommen, werden neue "Grabenkriege" geführt. Der Grabenkrieg handelt heute nicht mehr darum, daß - wie das seit Jahrzehnten geschehen war - geleugnet wird, daß das Phänomen (menschlicher) Rassen(-Unterschiede) biologische Bedeutung hätte und nicht nur "oberflächliche" Unterschiede signalisieren würde, sondern auch "tief unter die Haut" gehen würde. Darüber ist man sich (offenbar) in den letzten Jahren weitgehend einig geworden. So wie der Grabenkrieg derzeit geführt wird, geht es stattdessen heute nur noch um "Sprachregelungen". (Nature Genetics, Gene Expression)

In dem Zusammenhang ist zunächst bedeutsam, daß schon zahlreiche Mediziner und Genetiker - zum Teil seit vielen Jahren - sehr scharf darauf hinweisen, daß "politisch korrekte" Medizin, also eine solche, die auf Rasse-Unterschiede und ihre Erforschung keine Rücksicht nimmt, ja, sie bewußt ignoriert, daß also eine solche Medizin "tötet". Und wenn man das konsequent zu Ende denkt, dann hat sie in den letzten Jahrzehnten Millionen von Menschen, die länger hätten leben können, getötet. Als Beispiel kann genannt werden: Wenn die medizinische Forschung nur die Mehrheitsbevölkerung in den industrialisierten Ländern berücksichtigt, diskriminiert sie automatisch gegen Minderheitenbevölkerung und ihre - zum Teil ganz anderen - genetisch-medizinischen Bedürfnisse und die Art und die Menge der Arzneimittel, die diesen gerecht werden.

Nachdem Genetiker und Humanmediziner das erkannt haben, ist - unter anderem - die "Pharmacogenetics for Every Nation"-Inititative gegründet worden, die erstmals seit Jahrzehnten die bezüglich von Arzneimittel-Wirkungen bedeutsamen genetischen Unterschiede zwischen Menschenrassen und Volksgruppen in den Mittelpunkt der medizinischen Forschung und Entwicklungshilfe stellt. (PGNI, Gene Expression) Den Durchbruch auf diesem Gebiet brachte vor einigen Jahren die überraschende Erkenntnis, daß bestimmte Herz-Mittel, die bei Menschen europäischer Herkunft gut helfen, bei Menschen afrikanischer Herkunft, die oft besonders früh an Herzkrankheiten sterben, so gut wie keine Wirkung haben, daß aber bei der Erforschung von vormals "durchgefallenen" (neu entwickelten) Herzmitteln erkannt wurde, daß diese nur durchgefallen waren, weil man Menschen afrikanischer Herkunft nicht getrennt von Menschen europäischer Herkunft auf die Wirksamkeit dieses Arzneimittels getestet hatte.

Und es gibt inzwischen eine Fülle von Hinweisen weiterer "Rasse"-Unterschiede in der Arzneimittel-Wirkung. So wird ein großer Teil der in Europa zugelassenen Arzneimittel in Ostasien nicht zugelassen und umgekehrt. In "Nature Genetics" wird nun zu dem Buch "Before the Dawn" des NYT-Journalisten Nicholas Wade, das im letzten Jahr erstmals eine breitere Öffentlichkeit auf diese neue "Rasseforschung" hinwies, und das soeben auch als Taschenbuch erschienen ist (Amazon), folgendes gesagt:

... My reluctance to recommend the book stems also from Wade's discussions of 'race' and biology. I agree with Wade that there is something biological about racial categories. In my opinion, although racial identity is socially negotiated, people use physical traits as cues when 'assigning' a racial identity to themselves or another individual. Racial categorization isn't blind to biology. ... Although one might detect biological differences between races, any highlighting of the racial categories (just a subset of groups with biological correlates) has social costs, according to recent social science research. On the other hand, Neil Risch, cited often in the book, has argued that there are significant (medical) costs of ignoring the relationship between racial categories and biology. I suggest that these different costs be weighed in each circumstance where one might link 'race' and genetics.

Wade's broad description of races as clearly delineated biological entities is unjustified in the context of a book about human history intended for a general audience. Why use the term 'race', when 'geographic ancestry' or 'continental origin' are more accurate and less costly in social terms, especially since Wade's definition of 'race' is "continent of origin"?
I suggest acknowledging the correlation between racial labels and continents of origin, and saving the term 'race' for contexts in which social costs are outweighed by other costs.

Wenn hier von den "sozialen Kosten" der Verwendung des Rasse-Begriffes gesprochen wird, dann sollten diese sehr sorgfältig gegenüber jenen abgewogen werden, die oben zum Teil schon genannt wurden. Noch viel mehr aber sollte überlegt werden, ob man dadurch, daß man ein Thema per "Sprache" "regelt", glaubt, es auch in der Sache geregelt zu haben, und ob es nicht ein unglaubliches Zugeständnis an die Unvernunft des Menschen ist, ihm nicht zuzutrauen, sittlich und human mit Unterschieden zwischen Menschen umgehen zu können. Es scheint doch vielmehr so zu sein, daß der verantwortungsbewußte Umgang des Menschen mit Unterschieden zwischen Menschen zu dem eigentlichen "Humanum" an sich selbst gehört.

Wenn eine Epoche wie das 20. Jahrhundert aufgezeigt haben sollte, daß sie völlig unfähig war, mit solchen Unterschieden human umzugehen, sollte das noch nicht als Aufforderung dahingehend verstanden werden, sie jetzt zwar nicht mehr als "Sache" an sich hinwegzuleugnen (da das wissenschaftlich nicht mehr möglich ist), stattdessen aber die Sprache so zu regeln, daß die Sache den Menschen so wenig wie möglich ins Bewußtsein tritt.

Wir wissen zudem nämlich aus der modernsten Humanforschung, daß das Betonen von ethnischen Unterschieden und ihre Einhaltung noch in den letzten tausend Jahren einen wesentlichen positiven Beitrag zur Humanevolution geleistet hat. Man sehe sich dazu die IQ-Evolution des aschkenasischen Judentums an. Und sicherlich wird die Forschung auf diesem Gebiet in den nächsten Jahren noch viele weitere Erkenntnisse bringen, die aufzeigen werden, daß es - auch oder sogar vor allem - die ethnische und rassische Abgrenzung (durch Geographie und/oder Kultur) ist, daß es die ethnische Vielfalt ist, die den Fortschritt und die Anpassung in Sachen Humanevolution auf allen Gebieten der Humanbiologie und -psychologie gefördert hat und darum sicherlich auch künftig fördern wird.

Aufgrund von jüngsten Gen-Kultur-Koevolutions-Prozessen kann man nämlich inzwischen schon mutmaßen, daß ein großer Teil unserer Genetik sehr eng abgestimmt ist nicht nur auf die geographische Region, in der wir leben, sondern auch auf die Wirtschaftsweise, mit der wir seit einigen tausend Jahren leben (zum Beispiel Milchverdauung), ja auch auf die Kultur und die Religion, in der wir über viele Jahrhunderte hin gelebt haben. Sie alle haben "Humanevolution" bewirkt, haben nämlich Selektion in Fortpflanzungsraten bewirkt.

Also auch im allgemeineren Punkt Erkenntnisse zu "Humanevolution" und zum Humanum an sich gilt es, die "sozialen Kosten" sehr sorgfältig von dem "sozialen Nutzen" abzugrenzen und zu untersuchen und zu erwägen, wie die einen reduziert und die anderen vergrößert werden können. Die Unterscheidung, die im zweiten zitierten Absatz zwischen dem Elfenbein-Turm der Wissenschaft und einer "allgemeineren Zuhörerschaft" vorgenommen wird, ist einer modernen Wissensgesesellschaft nicht würdig.
Man sagt damit: Die breite Masse soll dumm bleiben, weil sie nicht - wie die Wissenschaftler - verantwortungsvoll mit Wissen umgehen kann. Hier muß überall viel zu viel öffentlich diskutiert werden, als daß man diese Diskussion durch "Sprachregelungen" beiseite "regeln" darf.

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