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Mittwoch, 31. Dezember 2025

Die Völkergeschichte der eurasischen Steppen im Überblick

Aus Sicht der koreanischen Archäogenetik

Der Archäogenetiker Choongwon Jeong von der Universität Seoul in Korea hat einige Lehrjahre in dem Archäogenetik-Labor von Johannes Krause in Leipzig verbracht. Inzwischen hat er in Korea offenbar ein eigenes Archäogenetik-Labor aufgebaut. In dem hier eingestellten, ganz neu öffentlich zugänglich gewordenen, nur 20-minütigen Vortrag (1) gibt er einen sauberen, kurzen, groben Überblick über die Völkergeschichte der eurasischen Steppen.

Abb. 1: Streitwagen in den Felsbildern der Andronowo-Kultur in Sibirien (aus Kuzima 1994) (Acad)

Wir wollen einiges heraus greifen, was uns so noch nicht bewußt war - oder noch nicht in der Schärfe bewußt war:

Die Jäger- und Sammler-Völker leben nur am Rande der Steppe. Erst mit domestizierten Tierherden, mit Schaf- und Rinderherden konnte der Mensch die Steppe selbst für sich als Lebensraum gewinnen. Erst mit ihnen also konnten in diesem Lebensraum große Völker heranwachsen, die die Völkergeschichte maßgeblich mitbestimmt haben.

Ab etwa 3.500 v. Ztr. nutzten die Völker auch in der Steppe den vierrädrigen Rinderwagen, das ist das Spätneolithikum und die Frühe Bronzezeit mit der berühmten Jamnaja-Kultur, die dann sogar in Nordchina als Afanasiewo-Kultur auftritt.

Ab 2.200 v. Ztr. nutzten die Steppenvölker zusätzlich den zweirädrigen, von Pferden gezogenen Streitwagen. Das ist dann die Mittlere bis Späte Bronzezeit mit der Sintashta- und der Andronowo-Kultur (Abb. 1). Es ist das ist übrigens auch die Hochzeit der Aunjetitzer Kultur, sowie nachfolgend der Urnenfelderkultur in Deutschland und Mitteleuropa.

In der Eisenzeit gingen die Völker dann zum Reiten von Pferden über, als Steppenvölker haben wir nun Skythen und Sarmaten vor uns, die sich in unterschiedlichen Anteilen mit der einheimischen Bevölkerung vermischt haben.

Die Untergruppen der westsibirischen Herkunftsgruppe werden ab Minute 8 aufgeführt. Sie gruppieren sich jeweils um Flußsysteme:

  • Tobol-Ishim-Jäger-Sammler
  • Irtytsch-Jäger-Sammler
  • Jäger und Sammler vom Oberen Ob
  • Jäger und Sammler vom Oberen Jennissei 

Diese Völker haben sich jeweils von Norden nach Süden über viel weitere Strecken ausgebreitet als nach Westen oder Osten. Denn dort folgte ja das nächste Flußsystem. Sie waren also zunächst lediglich an ihre eigenen Flußsysteme gebunden. Da es einen genetischen Gradienten von "Ancient North East Asian" (Vorfahren der Mongolen) bis zu den osteuropäischen Jägern und Sammlern in Westen gab, muß man offenbar sagen, daß Sibirien zu dieser Zeit genetisch (und kulturell?) zu dieser Zeit eine größere Vielfalt aufwies als Europa.

Es wird dann verdeutlicht, daß die spätbronzezeitlichen Gruppen in der Mongolei die Lebensweise von Pferdehirten angenommen haben, ohne daß es genetischen Zufluß von westlichen, indogermanischen Andronowo-, bzw. deren Nachfolge-Kulturen gegeben habe.

Choongwon Jeong weist auf eine scharfe genetische Abgrenzung dieser mongolischen Gruppen hin entlang eines Grenzverlaufes, der sehr willkürlich anmutet. Er meint, er wisse den Grund für diese scharfe Abgrenzung nicht. Nun - wir möchten den starken Ethnozentrismus der Ostasiaten hier in Anschlag bringen.

Ab 200 v. Ztr. kommt es dann mit den Hunnen (in den chinesischen Quellen "Xiongnu" genannt) zur Vermischung sämtlicher, zuvor reich geographisch, genetisch und kulturell gegliederter Völker in der Steppe über die gesamte West-Ost-Ausdehnung hinweg. Dies geht soweit, daß die Archäogenetiker an einem einzelnen Ausgrabungsort die genetische Vielfalt des gesamten Großreichs der Hunnen finden (Minute 15). 

Auf die Entstehung der finno-ugrischen Völkergruppe oder der Völkergruppe der Turkvölker wird in diesem Vortrag nicht eingegangen.

_______

  1. Choongwon Jeong: Human Population History in North and East Asia. CARTA-Serie, University of California Television (UCTV), 27.12.2025 (Yt2025)

Freitag, 17. November 2023

Die Völker Sibiriens - Der Nebel über ihrer Herkunft lichtet sich

Die Urheimat der Jenissei-Sprachen: Sie lag westlich des Baikalsee's
- Die Urheimat der finno-ugrischen Sprachfamilie: Sie lag östlich des Baikalsees und in Nordost-Sibirien

Die Abfolge der Völkerwelt in Sibirien - in den letzten 40.000 Jahren war sie kaum weniger komplex, in ihr fanden kaum weniger Bevölkerungsumwälzungen (genetische "Austausch"-Vorgänge) statt als in Europa während des gleichen Zeitraumes. 

Abb. 1: Eine Frau der Keten am Jenissei - In ihrem Zelt während sie Fische auf Stöcken brät - Aufgenommen von Fritjof Nansen bei Turuchansk (Wiki) - Die Keten sind das letzte Volk der Jenissei-Sprachen, das als solches bis heute in genetischer und sprachlicher Kontinuität fortbesteht

Überraschenderweise sind die Völker, die vor der Bronzezeit in Sibirien lebten, heute genetisch so gut wie ausgestorben - genau so wie in Europa. Das gilt für die Völkergruppe der osteuropäischen Jäger und Sammler (der hälftigen Vorfahren der Indogermanen) ebenso wie für die Völkergruppe der westsibirischen Jäger und Sammler.

Jene Völker, die in den letzten Jahrhunderten und Jahrtausenden in Sibirien leben, lebten und leben zwar von ihrer Lebensweise her oft recht ähnlich den Fischern, Jägern und Sammler vor der Bronzezeit und während des Mesolithikums. Denn das Klima ist ja der Landwirtschaft bekanntermaßen nicht besonders günstig. Trotzdem sind die heutigen Völker Sibiriens sprachlich und genetisch in der Regel erst vergleichsweise spät entstanden und haben sich erst seit der Bronzezeit in Sibirien und Nordosteuropa ausgebreitet. Dabei haben sie die Völker der zuvor genannten Völkergruppen verdrängt und ersetzt.

Das geschah womöglich deshalb, weil Sibirien entlang seiner gesamten Süd- und Westgrenze an Völker grenzte, in denen Ackerbau betrieben wurde und wird. 

Die "Urheimat" jener Völker- und Sprachfamilien, die es heute in Sibirien und Nordosteuropa noch gibt, lag nun zumeist ganz im Osten von Sibirien. Und zwar einerseits in der Region rund um den Baikal-See und andererseits in Nordost-Sibirien. Die erstere Urheimat war die der Jenissei-Sprachfamilie (einer "paläosibirischen" Sprachfamilie), die zweitgenannte Urheimat war die der finno-ugrischen Sprachfamilie.     

Abb. 2: Die Paläosibirier 16.000 bis 8.000 v. Ztr. (aus 1)

Am Ende der Eiszeit lebten in Sibirien Völker, die von den Genetikern "Ancient Eurasian" genannt werden, erforscht anhand von Menschenfunden am Jenissei bei Afontova Gora, datiert auf 16.000 v. Ztr.. Dort trat auch zum ersten mal in der Menschheitsgeschichte die blonde Haarfarbe auf (siehe frühere Blogartikel hier auf dem Blog).

In Nordostsibirien lebte dann eine Population, die von den Genetikern "Ancient Paleosiberians" genannt wird. Von diesen "Ancient Paleosiberians" stammen auch die Ureinwohner Nordamerikas ab. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckte sich im Süden bis an die Ufer des Baikal-Sees (Abb. 2). 

Am Amur-Fluß schließlich lebte eine Population, die den größten Teil der Herkunft bildet, die noch die heutigen Mongolen in sich tragen, und die auch zur Ethnogenese der Koreaner und anderer Völker beigetragen hat. Das dortige kleine Volk der Ultschen hat sich bis heute als eines der wenigen sibirischen Völker eine ursprüngliche mesolithische Genetik unvermischt bewahrt. 

3.400 v. Ztr. - Urheimat der Jenissei-Völker westlich des Baikal-See

Ab 3.400 v. Ztr. entstand dann am Westufer des Baikalsee's das Urvolk der Völker der Jenissei-Sprachen (Wiki). Aber erst ab 1100 v. Ztr. breiteten sich die Völker dieser Sprachgruppe bis zum Oberen Jenissei aus. Auch die meisten der Jenissei-Sprachen sind heute ausgestorben - bis auf die Sprache der Keten (Wiki, engl) (Abb. 1). 

Wenn wir es recht verstehen,  gehörten aus genetischer Sicht auch die Vorfahren der heutigen Jakuten in Nordost-Sibirien, die erst vor 400 Jahren eine Turksprache angenommen haben, ursprünglich zu den Jenissei-Völkern. Erst in den letzten 400 Jahren gaben sie ihre Sprache zugunsten von Jakutisch auf. Genetisch gehören sie aber - soweit wir das verstehen - zu den Jenissei-Völkern.

Der Begriff "paläosibirisch" wird von Genetikern und Sprachforschern unterschiedlich verwendet. Da die Genetiker zeitlich viel weiter zurück blicken können als die Sprachforscher, und da sie mehr "Umbrüche" feststellen als die Sprachforscher, gehören für sie "paläosibirische" Völker einer deutlich früheren Zeitepoche an als bei den Sprachforschern. Die eben genannten Jenissei-Sprachen, die sich vermutlich vom Westufer des Baikalsees aus ausgebreitet haben, werden von den Sprachforschern zu den "paläosibirischen Sprachen" gerechnet. Diese dürfen aber nicht mit den "Palaeosiberians" der Genetiker verwechselt werden. Über die "paläosibirischen Sprachen" - die nach dem neuesten Kenntnisstand eher zeitlich jung anmuten, da das Urvolk derselben "erst" ab 3.400 v. Ztr., alsoim Spätneolithikum westlich des Baikalsees lebte - lesen wir (Wiki):

Sie sind die Reste mehrerer alteingesessener Sprachfamilien, die bereits vor der Einwanderung der turkischen, tungusischen und uralisch-samojedischen Ethnien nach Nord- und Ostsibirien dort ansässig waren. (...) Innerhalb der letzten 400 Jahre nahmen Gruppen von Sprechern paläosibirischer Sprachen allmählich das Jakutische oder andere turkische und tungusische Sprachen an. Die zur uralischen Sprachfamilie gehörenden samojedischen Sprachen haben die Sprachen heute ausgestorbener jenisseischer Stämme absorbiert.

Mit "uralisch-samojedische Ethnien" sind hier im übrigen Völker der finno-ugrischen Sprachfamilie angesprochen. Die hier genannten Umstände machen also darauf aufmerksam, daß sich in der Genetik der heutigen Jakuten die Genetik von Menschen findet, die vormals Jenissei-Sprachen gesprochen haben. 

2.500 v. Ztr. - Die Urheimat der finno-ugrischen Sprachgruppe liegt in Nordostsibirien

In Nordost-Sibirien hingegen, wo heute die Jakuten leben, entstand ab 2.500 v. Ztr. das Urvolk der uralischen Völker mit der "Nganasan-Herkunft" ("Yakutia_LNBA") (1). Diese Herkunft findet sich heute in Nordost-Sibirien gar nicht mehr - sondern hier finden  sich heute - wie gesagt - Jakuten, die  vormals Sprecher von Jenissei-Sprachen waren und auch deren Genetik in sich tragen. Die Nganasan-Herkunft ("Yakutia_LNBA") findet sich dafür aber heute noch in  Mittelsibirien bei den Nganasanen und weiter westlich überall in der uralischen und finno-ugrischen Völkerfamilie. Denn mit ihr hat sich die uralische und die finno-ugrische Sprachgruppe nach Westen ausgebreitet. Ab 2.200 v. Ztr. findet sich diese am Oberen Jenissei (also bevor sich dort die Jenissei-Sprachen vom Westufer des Baikalsees ab 1100 v. Ztr. ausbreiteten). In einer neuen archäogenetischen Studie heißt es dazu (1):

Bis zur Mitte des Holozäns entstanden in Ostsibirien durch die Vermischung dieser frühen nordostsibirischen Population mit Populationen aus dem Landesinneren Ostasiens und aus dem Einzugsgebiet des Amur zwei unterschiedliche Populationen, die eine wichtige Rolle spielten bei der Entstehung späterer Völker. Die Herkunft der ersten Population, Cis-Baikal-Spätneolithikum-Bronzezeit (Cisbaikal_LNBA), findet sich im Wesentlichen nur bei Jenissei-sprachigen Völkern und solchen, von denen bekannt ist, daß sie sich mit diesen vermischt haben.
Die Herkunft aus der zweiten, benannt "Jakutien im Spätneolithikum-Bronzezeit" (Yakutia_LNBA) ist eng mit den heutigen Uralisch-sprachigen Völkern verbunden. Wir zeigen, wie sich die Yakutia_LNBA-Abstammung von einem ostsibirischen Ursprung vor ca. 4.500 Jahren, zusammen mit Unterklassen der Y-Chromosomen-Haplogruppe N, die bei heutigen Uralsprechern häufig vorkommen, nach West- und Zentralsibirien in Gemeinschaften ausbreitete, die mit der Seima-Turbino-Metallurgie in Verbindung stehen: mehrere fortschrittliche Bronzegußtechniken, die sich explosionsartig über ein riesiges Gebiet Nord-Eurasiens vor ca. 4.000 Jahren ausbreiteten. Allerdings war die Herkunftzusammensetzung der 16 Individuen aus der Seima-Turbino-Zeit - der frühesten, die von Fundorten mit dieser Metallurgie untersucht wurden - ansonsten sehr vielfältig. Sie bestand teilweise aus der Herkunft indoiranischsprachiger Herdenhalter und mehrerer Jäger-Sammler-Populationen aus weit voneinander entfernten Regionen Eurasiens. Unsere Ergebnisse stützen Theorien, die darauf hindeuten, daß frühe Uralisch-Sprecher zu Beginn ihrer Ausbreitung nach Westen an der Ausbreitung der metallurgischen Traditionen der Seima-Turbino beteiligt waren, und legen nahe, daß sowohl kulturelle Übernahme als auch demographische Ausbreitung bei der Verbreitung der materiellen Kultur der Seima-Turbino eine Rolle spielten.

So heißt es in der Zusammenfassung (im "Abstract"). Hier wird ein unglaublich spannender Befund dargestellt, für den sich unter anderem auch der Filmemacher und Staatspräsident Lennart Meri sehr interessieren würde, wenn er denn heute noch leben würde. Er hat mehrere spannende Dokumentationen über die Geschichte der finno-ugrischen Völkergruppe erstellt (s. Stgen2022). Daß diese ursprünglich aus Nordost-Sibirien stammt, war - soweit man sehen kann - bislang noch nicht im Horizont der Sprachforscher und Völkerkundler (siehe "Proto-Uralic homeland" [Wiki]).

Hier auf dem Blog waren wir ja schon mehrmals auf die Archäogenetik der Völker der uralischen Sprachgruppe gestoßen (Stgen2018Stgen2019Stgen2022). Aber erst scheint die Forschung zu einer Klärung ihrer Urheimat zu kommen.

Bevor die Indogermanen nach Sibirien kamen

Aber gehen wir noch einmal einen Schritt zurück. In der Erläuterung zur Abb. 3 heißt es (1):

Tafel B zeigt die Herausformung des (genetischen) FSHG-Gradienten vor ca. 10.000 Jahren und die Bildung der Population an ihrem östlichen Ende (Transbaikal_EMN) durch Vermischung von Vorfahren des Amur-Flusses und ostasiatischer Binnenvorfahren. 

Die "ostasiatischen Binnenvorfahren" werden den  Vorfahren der Han-Chinesen nahegestanden haben. Dazu wäre weiter zu erläutern: In Sibirien besaßen die Menschen früher Keramik als in Europa. Sie besaßen schon Keramik, obwohl sie ansonsten noch weitgehend als Fischer, Jäger und Sammler lebten. Denn die früheste Keramik breitete sich von Japan aus nach Westen bis zur Ostsee aus, schon in der Zeit, bevor sich Keramik mit der anatolisch-neolithischen Völkergruppe von Anatolien aus nach Europa ausbreitete. 

Abb. 3: Die osteuropäischen und westsibirischen Fischer, Jäger und Sammler vor 4.000 v. Ztr. ("FSHG-Cline") (aus: 1)

Die Menschen in Sibirien und Nordosteuropa lebten trotzdem - wie schon einleitend gesagt - viel länger als Fischer, Jäger und Sammler als die Menschen in Europa. Auch die mesolithischen Ursprungsvölker hielten sich hier länger.

Wir sehen dann in der Zeit vor 4.000 v. Ztr. Populationen westlich des Baikal-See's ("Cis-Baikal") und östlich des Baikal-See's ("Transbaikal"), wir sehen Populationen in der Mongolei, in Nordchina, am Amur-Fluß und in Nordost-Sibirien (s. Abb. 3). Und wir sehen, wie Nordchina und die Transbaikal-Population genetisch Einfluß nehmen auf die Population in der Mongolei. 

Und wir sehen wie die Transbaikal-Population genetisch Einfluß nimmt auf die Population in Nordostsibirien, um die Nganasan-Herkunft der finno-ugrischen Völkergruppe, die Herkunftsgruppe "Yakutia_LNBA" zu bilden. Wobei die Bezeichnung "Yakutia" hier nur als geographischer Begriff zu verstehen ist. Die Jakuten, die heute in Nordost-Sibirien leben, haben ja bis vor 400 Jahren Jenissei-Sprachen gesprochen. Es wäre unseres Erachtens vielleicht besser gewesen, wenn die Forscher ihre Herkunftsgruppe "Nordost-Sibirien_LNBA" genannt hätten. Denn "Jakutien" weckt in diesem Zusammenhang ja eigentlich falsche Assoziationen. 

2.500 v. Ztr. - Die Indogermanen kommen nach Sibirien

Die ersten Indogermanen der Afanasiewo-Kultur kamen schon um 4000 v. Ztr. nach Sibirien und an die Nordgrenze Chinas (Shirenzigou, Dsungarei). Das war die erste Welle der indogermanischen Ostausbreitung.

Ab 2.500 v. Ztr. und später kommen neue indogermanische Völker nicht nur nach Armenien und Griechenland, nicht nur auf die britischen Inseln und nach Finnland, sondern auch nach Nordosteuropa, nach Westsibirien und in das Altai-Gebirge (s. Abb. 4: Europa_LNBA/Steppe_LNBA). Das war die zweite Welle der indogermanischen Ostausbreitung, mit der auch die "Arier" nach Nordindien kamen (s. Stgen2020). Man darf annehmen, daß die Indogermanen dort mit einem ähnlichen kriegerischen, herrschaftlichen Gestus auftraten wie zeitgleich in Armenien und in Griechenland. Genauer gesagt: Man darf annehmen, daß sie dort ähnlich als erbarmungslose "Kopfjäger" unterwegs waren wie um dieselbe Zeit in Armenien und wie noch später bei den Kelten (Stgen2023).

Die Indogermanen vermischten sich mit den einheimischen Fischer-, Jäger- und Sammler-Völkern. Daraus entstand um 2.000 v. Ztr. nicht nur das Seima-Turbino-Phänomen, das schon angesprochen worden ist und das uns noch beschäftigen wird. Daraus entstanden unter anderem um 1.400 v. Ztr. auch die Vorfahren der heutigen Chanten und Mansen, sowie die Vorfahren des Landnahme-Volkes der Ungarn (Stgen2022), sowie - aus genetischer Sicht - die Vorfahren der Baschkiren.

Da die Chanten und Mansen eine finno-ugrische Sprache sprechen, muß davon ausgegangen werden, daß sich die finno-ugrisch-sprachigen Vorfahren der Chanten, Mansen und Landnahme-Ungarn bis 1.400 v. Ztr. schon bis in die Region südlich des Ural ausgebreitet hatten, das nämlich ist die Region der Ethnogenese der Vorfahren der Chanten, Mansen und Landnahme-Ungarn. Was für ein tiefer Blick in die bisherige Dunkelheit der sehr differenzierten Völkergeschichte Sibiriens. Über die Chanten und Mansen und ihre genetischen Verwandten, die Nganasanen hatten wir schon letztes Jahr geschrieben (Stgen2022):

Es handelt sich bei den Nganasanen um eine andere Herkunftsgruppe als jene, von denen die Mongolen abstammen. Die ursprüngliche Herkunftsgruppe der Mongolen wird am ehesten durch das Volk der Ultschen am Amur-Fluß repräsentiert. Dem äußeren Erscheinungsbild nach finden sich aber sowohl bei Nganasanen wie bei Ultschen "mongolische" (sprich "asiatische") Gesichtszüge. Ob es also zwischen beiden Herkunftsgruppen trotz der vermutlich langen Isolation voneinander in Mesolithikum dennoch auch deutlichere genetische Gemeinsamkeiten gibt, wäre noch einmal gesondert zu klären. Die Genetiker scheinen jedenfalls diese beiden Herkunftsgruppen aufgrund Jahrtausende langer Isolation voneinander in Eiszeit, Mesolithikum und Neolithikum gut unterscheiden zu können.

Die hier umrätselten Zusammenhänge werden durch die neue archäogenetische Studie nun genauer aufgeklärt (1). Die Nganasanen-Herkunftsgruppe stammte ursprünglich aus der Region östlich des Baikal und war damit den Vorfahren der Mongolen am Amur-Fluß eng benachbart.

In der Erläuterung zu Abb. 4 heißt es nun (1):

Tafel C zeigt die Entstehung von Cisbaikal_LNBA und Yakutia_LNBA in genetischen Austauschvorgänge in den Regionen Cis-Baikal und Nordostsibirien im mittleren Holozän, sowie die genetische Vielfalt von Individuen aus der Seima-Turbino-Zeit ∼4,0 kya. 

Die finno-ugrischen Völker vermischten sich also mit den Indogermanen und dienten sich diesen auch sehr bald als Mischbevölkerungen an, die sich auf Bronzeverarbeitung spezialisiert hatten. Die Archäologen sprechen vom "Seima-Turbino-Phänomen" (2.300 bis 1.700 v. Ztr.) (Wiki). Mit diesen Bronze-Handwerkern könnte sich die uralische (bzw. finno-ugrische) Sprachgruppe über die nunmehr indogermanisch geprägte Völkerwelt hinweg bis an die Ostsee ausgebreitet haben, wobei kulturelle Weitergabe dieser besonderen Techniken ebenso infrage kommt wie Weitergabe vom Vater auf den Sohn, also gemeinsam mit genetischer Herkunft. 

Abb. 4: Die Indogermanen kommen nach Nordosteuropa und Sibirien - Die Bronzegießer der Seima-Turbino-Kultur bilden eine finno-ugrische Gruppe multiethnischer Herkunft

Dieses Geschehen, sowie weitere Fragestellungen werden in einer neuen archäogenetischen Studie aus dem Labor von David Reich untersucht anhand der Genetik von vorgeschichtlichen  Skeletten aus einer Region zwischen Baikalsee und Ural, darunter auch solche, die in Zusammenhang stehen mit dem "Seima-Turbino-Phänomen" (2.300 bis 1.700 v. Ztr.), das für die Mittlere Bronzezeit zu finden ist zwischen dem Tarim-Becken im Osten und der Ostsee im Westen. Dabei fällt neues Licht auf die Geschichte der "paläosibirischen" Jenissei-Völker vom oberen und mittleren Jenissei. Außerdem wird eine Ursprungsregion der uralischen (finno-ugrischen) Sprach- und Völker-Familie aufgedeckt, der - soweit uns übersehbar - bislang von kaum einem Forscher angenommen worden war (s. Wiki). Beider Urheimat lag in der Region des Baikal-See's. Es heißt dazu im Diskussionsteil der Studie (1):

Jakutien_LNBA-Abstammung könnte sich in Epochen menschlicher Mobilität ausgebreitet haben, die mit der prähistorischen Verbreitung der uralischen Sprachen in Zusammenhang standen in gleicher Weise wie das Auftreten der Jamnaja/Steppen_EMBA-Herkunft korreliert ist mit (demographischen) Ausbreitungsbewegungen, die für die Ausbreitung der indogermanischen Sprachen verantwortlich waren (...). Ebenso könnte die Cisbaikal_LNBA-Herkunft mit der Verbreitung von Jenissei-Sprachen in Zusammenhang stehen.
Yakutia_LNBA ancestry may have spread in episodes of human mobility that were associated with the prehistoric dispersal of Uralic languages, in the same way that the appearance of Yamnaya/Steppe_EMBA ancestry may be correlated with migrations responsible for the expansion of the Indo-European languages (a “tracer-dye”). Likewise, Cisbaikal_LNBA ancestry may be connected to the spread of Yeniseian languages.

Und (1):

Die aktive Teilhabe mehrerer sozialer Gruppen, die genetisch und kulturell unterschiedlich waren, bildete einen wesentlichen Teil des ST-Phänomens - eine Schlußfolgerung, die mit dem übrigen Inventar in ST-Gräberfeldern übereinstimmt, wie etwa Keramik (die Ähnlichkeiten aufweist mit derjenigen, die von westsibirischen Sammlern hergestellt wurden, sowie derjenigen der Waldsteppen rund um den Tatarka-Hügel), Artefakte aus Feuerstein, Knochen oder Jade (die Ähnlichkeiten aufweisen mit denen, die von Kulturen im äußersten Nordosten Sibiriens und vom Baikalsee hergestellt wurden) und Metallgegenstände aus Nicht-ST-Traditionen (die möglicherweise in der Sintashta-Kultur und insbesondere in den eng verwandten Abashevo-Kulturen entstanden sind). Diese drei Quellen materieller Kultur entsprechen sehr genau jenen drei bedeutendsten genetischen Herkunftsgruppen in unserem Datensatz.
Active participation of multiple social groups that were genetically and culturally distinct was an essential part of the ST phenomenon itself—a conclusion consistent with the rest of the inventory found in ST necropolises, such as pottery (which displays similarities to that produced by West Siberian foragers 61,62,69,78 and that of the forest-steppes around Tatarka Hill 56), artifacts of flint, bone, or jade (which displays similarities to those produced by cultures of far Northeast Siberia and Lake Baikal), and metal items from non-ST traditions (which may have been produced in the Sintashta and especially the closely-related Abashevo cultures) 61,62,69,78. These three sources of material culture closely parallel the three major genetic ancestries in our sample.

Womöglich waren die einheimischen Völker, die schon zwei Jahrtausende früher erstmals mit kulturellen Auswirkungen etwa der Oasen-Kultur an den Nordhängen des Tianshan in Berührung gekommen waren oder mit Indogermanen der Ost-Ausbreitungsbewegung, besonders fasziniert von besonderen Bronzeguß-Techniken und entwickelten sie nach und nach weiter und entwickelten so ein "Alleinstellungsmerkmal", ein "Spezialistentum", das sie für die damaligen indogermanischen Gesellschaften quasi unentbehrlich machte. 

Abb. 5: Eine Gruppe von Keten am Jenissei, aufgenommen von Fritjof Nansen 1913 (Wiki)

Und dabei kam es zur Vermischung der drei genannten Herkunftsgruppen, der finno-ugrischen Nganasan-Herkunft, der westsibirischen Jäger-Sammler-Herkunft und der indogermanischen Herkunft der Abashevo-Kultur. Ein aufregendes Geschehen.

In einer Filmdokumentation des Jahres 2010 wird dargestellt wie beispielsweise noch heute die besonderen Fertigkeiten der Keten im Kanu-Bau von zugezogenen russischen Fischern, Jägern und Fallenstellern gerne genutzt werden (2). Wir lesen außerdem (1):

Bei dem ST-Phänomen haben wir es zu tun mit dem plötzlichen Auftreten sehr ähnlicher Bronze-Gegenstände, die mit fortschrittlichen Techniken hergestellt worden sind, und die sich sehr schnell (etwa innerhalb eines Jahrhunderts oder so) in viele Kulturen hinein verbreitet haben, die über eine weite Spanne von Nordeurasien verbreitet waren, nämlich von China bis zur Ostsee.
The ST phenomenon refers to the sudden appearance of a very similar suite of bronze artifacts manufactured with advanced casting techniques that spread rapidly (in a century or so) into many cultures spanning a vast region of Northern Eurasia, from China to the Baltic Sea. Archaeologists credit this trans-cultural phenomenon for the introduction of metallurgy into Eastern Eurasia and the dissemination of advanced casting methods for tin bronze into Europe.

Aber gehen wir noch einmal erneut zeitlich einen größeren Schritt zurück: Keramik hat sich - wie oben schon erwähnt - erstmals von Ostasien aus über ganz Osteuropa bis an die Ostsee ausgebreitet. 

Die osteuropäischen und die westsibirischen Jäger und Sammler - Ausgestorben

Diese ältesten Keramik-Kulturen der Waldsteppe gehörten der Völkergruppe der osteuropäischen Jäger und Sammler an. Im Text der Studie finden wir noch folgende Erläuterung der Abbildung 4 des vorliegenden Beitrages (1):

Wenn wir vom westlichen Ende des Gradienten der Jäger und Sammler der Waldsteppe ausgehen, finden wir zunächst Jäger und Sammler zwischen der Ostsee und dem Ural. Im Westen werden sie der frühneolithischen Elshanka-Kultur zugerechnet. Es folgen die spätneolithische Kammkeramik-/Ljalowo-Kultur und die äneolithischen Volosovo-Kulturen (im Osten) bis hin zu den Kulturen des Samara-Äneolithikums, des Kama-Mündungs-Äneolithikums und des äneolithischen Urals. Diese alle weisen überwiegend osteuropäische Jäger-Sammler-Herkunft (EHG) auf zusammen mit geringen Anteilen an WHG-Herkunft. Das steht in Übereinstimmung mit Erkenntnissen früherer Studien. 
Starting from the western end of the e Forest-Steppe Hunter-Gatherer (FSHG) cline, hunter gatherers from the Baltic to the Urals, attributed to (in the west) the Early Neolithic Elshanka, Late Neolithic Pit-Comb Ware/Lyalovo, and Eneolithic Volosovo cultures, and (in the east) to the Samara Eneolithic, Kama Estuary Eneolithic and Eneolithic Ural cultures, have mostly EHG-related ancestry, with low levels of WHG-related ancestry, in line with previous findings. 

Hier auf dem Blog haben wir der Völkergruppe der westeuropäischen Jäger und Sammler schon einen ausführlichen und umfangreichen Blogartikel gewidmet, in den auch viele neuere archäologische Erkenntnisse eingeflossen sind (Stgen2021). Ein ähnlicher Beitrag über die Völkergruppe der osteuropäischen Jäger und Sammler scheitert vermutlich zunächst einmal an fehlenden russischen Sprachkenntnissen, obwohl sie einen ähnlich umfangreichen Beitrag verdient hätte. Denn diese Völkergruppe stellte die eine Hälfte der Vorfahren des Urvolkes der Indogermanen. Mit der hier behandelten Studie haben wir jedenfalls ein weiteres Puzzle-Teil für einen solchen Beitrag.

Ergänzung (2.12.23): 6000 v. Ztr. gab es östlich des Ural, also im damaligen Gebiet der osteuropäischen Jäger und Sammler, schon komplexe Gesellschaften, die ihre Siedlungen mit Wällen und Palisaden umgaben (Antiquity2023, ScMag2023). Dieser Umstand läßt ggfs. auch einen Blick werfen auf den Ursprung der Indogermanen an der Mittleren Wolga.

Abb.: Von Palisaden umgebene, feste Siedlungen um 6.000 v. Ztr. östlich des Ural (aus:(Antiquity2023)  

Östlich des Ural finden wir dann schon erste ausgeprägtere Mischbevölkerungen zwischen a) der Völkergruppe der osteuropäischen Jäger und Sammler, b) der Völkergruppe der westsibirischen Jäger und Sammler, bzw. des Tarim-Beckens und c) derjenigen des Baikalsees (1):

In Populationen östlich des Ural, die dem Tobol- und Mittelirtysch-Frühneolithikum zugehören und dem nachfolgenden Kreis der äneolithischen westsibirischen Kulturen, die Kammkeramik benutzen, mischte sich EHG-Abstammung mit Ancient North Eurasian-(ANE-)Herkunft, sowie mit geringen Mengen ostasiatischer Herkunft. Diese Populationen gleichen genetisch Individuen, die der benachbarten Botai-Kultur aus Nordkasachstan zugeschrieben werden (~5,4–5,1 kya).
Eastwards across the Urals, in populations of the Tobol and Middle Irtysh Early Neolithic and of the succeeding circle of Eneolithic West Siberian cultures using Comb-Pit Ware pottery, EHG ancestry admixed with ANE ancestry and low levels of East Asian ancestry. These populations are genetically similar to adjacent Botai-attributed individuals from northern Kazakhstan (~5.4-5.1 kya).

Wie dann weiter ausgeführt wird, ist die hier genannte, sehr alte ANE-Herkunft mit großer Wahrscheinlichkeit über die Zwischenstufe der Tarim-Herkunftsgruppe in die hier erörterten Populationen hinein gekommen, so wie wir das auch selbst schon in einem früheren Blogbeitrag angesprochen hatten.

Abb. 6: Ultschen - Fotografiert von Fritjof Nansen im Jahr 1913 - Die Ultschen leben in genetischer und kultureller Kontinuität seit dem Mesolithikum in der Gegend des Amur-Flusses - ein genetischer Ausnahmefall - Sie repräsentieren eine wichtige Ausgangspopulation bei der Ethnogenese sibirischer Völker

Dann heißt es weiter (1):

Individuen weiter östlich, vom Fuße des Altai und vom Oberen Ob, aus der Kuznetsk-Altai-Kultur, die das Frühe Neolithikum und das Eneolithikum überspannt (von Grabungsorten wie Firsovo-11, Tuzovskie-Bugry-1 and Ust’-Isha), können modelliert werden als eine Zwei-Wege-Vermischung von ANE und ostasiatischer Genetik. Dies setzt sich fort mit Individuen von neolithischen Siedlungen am Oberen Jenissei und aus dem Tal des Kan-Flusses (Siedlungen ohne klare kulturelle Zuschreibung), in denen die ANE-Herkunft zurück geht und die ostasiatische Herkunft zunimmt. Der Gradient erstreckt sich weiter bis zur Kitoi-Kultur der Baikal-Region durch die zuvor erörterte Cisbaikal_EN-Population hindurch, um auszulaufen in der Transbaikal_EMN-Population, die fast vollständig ostasiatische Herkunft aufweist.
Further east, individuals from the Altai foothills and the upper Ob, from the Kuznetsk-Altai culture spanning the Early Neolithic and Eneolithic (from sites such as Firsovo-11, Tuzovskie-Bugry-1 and Ust’-Isha), can be modeled as two-way admixtures of ANE and East Asian ancestry. This continues into individuals from Neolithic sites of the Upper Yenisei and Kan River Basin from sites without clear cultural attribution, where ANE ancestry declines and East Asian ancestry increases. The gradient extends into the Kitoi culture of the Baikal region, through the previously discussed Cisbaikal_EN population, to terminate in the Transbaikal_EMN population that is almost completely East Asian in ancestry.

Aber die ANE-Abstammung ist definiert durch ein sehr altes Individuum vom Unteren Jenissei (16.000 v. Ztr.), so daß sich die Forscher fragen, ob die hier behandelte, in viel späterer Zeit erneut vorgefundene Herkunft nicht aus anderer Quelle stammen könnte. Sie schreiben (1):

Es ist vorgeschlagen worden, daß Populationen, die genetisch mit Tarim_EMBA verwandt sind, in Zentralasien vor dem Aufkommen der Herdenhaltung während der Bronzezeit lebten; die Abstammung aus dieser Quelle könnte zu FSHG-Populationen in Westsibirien beigetragen haben, was unsere Ergebnisse erklären könnte, ein Szenario, das durch die kürzliche Entdeckung eines Individuums mit diesem hypothetischen Profil aus dem mesolithischen Tadschikistan noch plausibler wird. Daher könnten sich zwei Quellen in die ANE-reichen Populationen im Zentrum der FSHG-Kline eingemischt haben: eine Tarim_EMBA-ähnliche Population aus Zentralasien und eine Population wie die des späteren Kusnezk-Altai-Neolithikums der Altai-Region.
It has been suggested that populations genetically related to Tarim_EMBA lived in Central Asia before the arrival of pastoralism during the Bronze Age; ancestry from this source may have contributed to FSHG populations in West Siberia, explaining our results, a scenario made even more plaubsible by the recent discovery of an individual with this hypothesized profile from Mesolithic Tajikistan. Therefore, two sources may have admixed into the ANE-rich populations in the center of the FSHG cline: a Tarim_EMBA-like population from Central Asia, and a population like that of the later Kuznetsk-Altai Neolithic of the Altai region.

So die Studie.

Abb. 7: Die finno-ugrische Sprachfamilie vor der Ausbreitung der Russen im Mittelalter und in der Neuzeit

Als Erläuterung heißt es zur Abb. (1):

Tafel D zeigt den genetischen Gradienten zwischen westeurasischer Abstammung und Jakutien_LNBA, der von heutigen Ural-Populationen gebildet wird, zusammen mit allen Standorten, an denen heutige Populationen mit Cisbaikal_LNBA-Abstammung zu finden sind (graue Punkte mit schwarzem Ring), zusammen mit den geografischen Standorten von zwei Individuen aus der späten Bronzezeit/frühen Eisenzeit (graue Punkte mit gelben Ringen) mit >90 % Cisbaikal_LNBA-Abstammung.

Die Keten (auch "Ostjaken" genannt) lebten ursprünglich vor allem am Mittel- und Oberlauf des Jenissei. Sie lebten im Wesentlichen von dem Fischfang im Jenissei und von der Jagd an Land. Interessanterweise gab es bei den Keten einen ähnlichen Bärenkultur wie bei den Chanten und Mansen. Wir lesen (Wiki):

Wie bei anderen Völkern im Norden von Eurasien gehört zur Tradition der Keten ein Bärenkult. Ein Bär gilt als Ahn, weil in ihm die Seele eines verstorbenen Menschen steckt. Bei einem getöteten Bären wird nach bestimmten körperlichen Merkmalen gesucht, um herauszufinden, wessen Seele er beherbergte. Außerdem existiert die Vorstellung, der Bär habe hellseherische Fähigkeiten, er könne die menschliche Sprache verstehen und sogar Gedanken erraten. Deswegen wandten laut dem Bericht einer 1905 bis 1908 durchgeführten Forschungsexpedition die Keten eine Beschwichtigungsformel an, wenn sie einen Bären bei der Jagd umstellt hatten: „‚Sei nicht böse, Großvater! Komm zu uns als Gast.‘ Erst dann schlägt man ihn tot.“ Weitere Rituale waren beim Zerlegen des Bärenfleisches zu beachten, so durfte etwa kein Blut auf die Erde tropfen. Für den Schädel eines getöteten Bären wurde ein eigenes Bretterhäuschen errichtet. Der finnische Sprachwissenschaftler Kai Donner beschreibt ein Bärenfest, an dem er 1912 teilnahm, bei dem eine mit feuchter Holzkohle auf Birkenrinde gemalte Bärenfigur im Mittelpunkt stand.

Schon letztes Jahr hatten wir in einem Blogartikel-Entwurf Ausführungen festgehalten, die wir hier noch als Anhang bringen wollen.

Mittwoch, 6. April 2022

Die westsibirischen Jäger und Sammler in der Taklamakan

Eine große mesolithische Völkergruppe zwischen Kaspischem Meer und Baikalsee
- Zwei neue archäogenetische Studien lassen ihr Kerngebiet und ihre Schicksale deutlicher erkennbar werden

Im Oktober 2021 ging eine überraschende Meldung durch die Fachwelt: Die ältesten Wüstenmumien der Taklamakan sind gar nicht europäischer, indogermanischer Herkunft, sondern einheimischer Herkunft (1). Dieser Blog brauchte eine Weile, um diese Meldung zu "verdauen". Aber jetzt, wo man es für sich anfängt einzuordnen, muß man sich sagen: Nichts ist naheliegender als dieser Umstand.

Abb. 1: Zwischen Kaspischem Meer und Baikalsee - Verbreitungsgebiet der westsibirischen Jäger und Sammler - Route mit Fundorten, an denen ihre Genetik gefunden wurde; weitere Fundorte liegen im Süden und Osten der Wüste Taklamakan (untere Bildmitte) (G-Maps) - Gebirgszüge ihrer Heimat sind Pamir, Tianshan und Altai

Bis 2021 sind also die Wüstenmumien in der Taklamakan aus der Zeit um 2.000 v. Ztr., denen vorwiegend europäisches Aussehen zugesprochen worden war, ganz selbstverständlich als vorwiegend indogermanisch angesprochen worden - so wie das auch in älteren Beiträgen hier auf dem Blog geschehen ist. Nach neuesten archäogenetischen Untersuchungen der Jahre 2021 und 2022 weisen die Wüstenmumien und anderen Menschenfunde der Taklamakan aber zumindest in der Frühbronzezeit - um 2.000 v. Ztr. - eine sehr einheitliche einheimische westsibirische Jäger-Sammler-Genetik auf.

Ähnliches könnte deshalb auch für die kulturellen Elemente gelten, die im Zusammenhang mit diesen Wüstenmumien so eindrucksvoll feststellbar sind. Zwar sind westliche Einflüsse in ihnen unübersehbar - domestizierte Tier- und Pflanzenarten, die sowohl von den bronzezeitlichen Indogermanen im Norden des Tianshan wie von der bronzezeitlichen Marghiana-Kultur im Westen übernommen worden sein könnten. Viele andere kulturelle Elemente könnten aber - nach derzeitigem Forschungsstand - nun ebenso einheimischen Ursprungs sein wie die Genetik - und vielleicht auch die Sprache - dieser Menschen. Durch die neuen archäogenetischen Erkenntnisse sind diesbezüglich dieser Themen also ganz neue Fragen aufgeworfen worden.

Im westlichen Asien allgemein, also zwischen Kaspischem Meer und Baikalsee schälen sich damit immer deutlicher die westsibirischen Jäger und Sammler (Wiki) als ein mesolithisches Ursprungsvolk heraus. Es hatte eine ähnlich weite Verbreitung wie die beiden zeitgleichen großen mesolithischen Ursprungsvölker Europas (Stgen2020). Es war nach Norden zumindest bis Nordkasachstan verbreitet (dort repräsentiert durch die nachherige Botai-Kultur, die 25 % ihrer Genetik von ihnen geerbt hatte), im Süden war sie verbreitet bis in den Ost-Iran, traditionell Turan-Region genannt (Stgen2018), also vielleicht bis an das Ostufer des Kaspischen Meeres (repräsentiert in der nachherigen Marghiana-Kultur mit 13 %), das liegt 3000 Kilometer südlich von Nordkasachstan. Das ist eine Entfernung als ob man drei mal quer durch Deutschland reisen würde von Norden nach Süden.

Sie war verbreitet bis an den Süd- und Ostrand der Taklamakan und wird dort repräsentiert durch die ältesten Wüstenmumien der Taklamakan, die wohl zu 100 % ihre Genetik repräsentieren. So das Ergebnis der erwähnten Studie aus dem Oktober 2021 (1). Es handelt sich hier um die sogenannte Xiaohe-Kultur (Wiki, engl) am Tarim-Fluß , benannt nach einem dortigen berühmten Fundort. 

Im Osten war sie dann noch verbreitet bis zum Baikal-See. Zumindest lebte am Baikalsee eine diesem Ursprungsvolk sehr nah verwandte Vorfahrengruppe (G-Maps). 

Diese Herkunftsgruppe trug zur Entstehung bei unter anderem

  1. der Marghiana-Hochkultur in Tadschikistan (3.900-2.800 v. Ztr.) (Wiki) (13% der Genetik derselben),
  2. der Botai-Kultur in Nordkasachstan (3.700-3.100 v. Ztr.) (Wiki, engl) (25% der Genetik derselben), 
  3. der Chermurchek-Kultur (2.750-1.900 v. Ztr.) zwischen Tianshan- und Altai-Gebirge (~20% der Genetik derselben) 
  4. der Xiaohe-Kultur (Wiki, engl) am Tarim-Fluß (2.000 v. Ztr.) (100% der Genetik derselben)
  5. der Altai-Skythen, bzw. der Pazyryk-Kultur (20 bis 40% der Genetik).

Womöglich - womöglich! - sind diese Altai-Skythen die Vorfahrengruppe, die - anteilig - zur Entstehung der Turkvölker in Asien beigetragen hat, die sich im weiteren Verlauf bis nach Anatolien ausgebreitet haben. Womöglich.*) Im einzelnen ist zu dieser Aufzählung zu sagen:

  1. Die Marghiana-Kultur entstand durch Vermischung mit iranisch-neolithischen Bauern (die auch schon einen anatolischen Herkunftsanteil in sich trugen) (die zusammen 87 % zu ihrer Genetik einbrachten).
  2. Die Botai-Kultur entstand durch Vermischung mit osteuropäischen Jägern und Sammlern (die 75 % ihrer Genetik einbrachten).
  3. Die Chermurchek-Kultur ging hervor aus der Marghiana-Kultur - aber vermischt zu 60 bis 80 % mit Nachfahren der Botai-Kultur. 
  4. Die Xiaohe-Kultur (Wiki, engl) am Tarim-Fluß (2.000 v. Ztr.) hatte um 2.000 herum "westliche" Lebensweise angenommen, aber 100% der Genetik ihrer örtlichen Vorfahren beibehalten.
  5. Die Altai-Skythen entstanden durch Vermischung von Nachkommen westsibirischer Jäger und Sammler mit Indogermanen der zweiten indogermanischen Ostwanderung (Andronowo-Kultur) (die Indogermanen brachten 60-80 % zu ihrer Genetik ein) (Stgen2018).

Parallel zu den schon gut verstandenen Ursprungsvölkern Europas (Stgen2020) schält sich damit ein weiteres, sehr weit verbreitetes Ursprungsvolk heraus. In seiner Entstehung, Abgrenzung von anderen Ursprungsvölkern, sowie seinen nachfolgenden Schicksalen ist es allderdings immer noch erst in viel gröberen Umrissen erkennbar als das für die europäischen Ursprungsvölker gilt.

Völkergeschichte der Taklamakan - Die Nebel lichten sich

Im Oktober 2021 und Ende März 2022 sind zwei neue archäogenetische Studien erschienen zur Völkergeschichte jener Region, die durch die berühmten - europäisch anmutenden - Wüstenmumien der Taklamakan seit zwei Jahrzehnten zumindest in Fachkreisen so mancherlei Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat.

Mit ihnen hat die Völkergruppe der westsibirischen Jäger und Sammler einen deutlicheren Umriß erhalten. Denn mit ihnen wird verstanden, daß Angehörige dieser Völkergruppe auch im Tarim-Becken gelebt haben und mit ihren Nachkommen in kleineren Anteilen genetisch Einfluß genommen haben auf die nachfolgende Völkergeschichte dieser Region. Die Genetiker sagen, daß diese Jäger und Sammler den "Ancient North Eurasian" (Wiki) nahestanden, die um 15.000 v. Ztr. am Jennissei in Sibirien lebten (Fundort Afontova Gora), also unmittelbar nördlich des von uns angedeuteten Ausbreitungsgebietes der westsibirischen Jäger und Sammler. Viel muß das - für sich genommen - noch nicht heißen. Denn auf diese "Ancient North Eurasian" werden ja auch viele andere Ursprungsvölker zurückgeführt (Wiki). Aber schon die räumliche Nähe läßt diese These bezüglich der westsibirischen Jäger und Sammler besonders naheliegend erscheinen.

In der Botai-Kultur ist diese Herkunftsgruppe zum ersten mal festgestellt worden. Wir stellen eine Karte mit den auf Wikipedia genannten Fundorten dieser Kultur zusammen (G-Maps) (s.a. Abb. 1). Das ist einerseits das namengebende Dorf Botai (Wiki) am Fluß Imanburlyq (Wiki) in Nordkasachstan. Und das ist andererseits der Fundort Krasny Jar (Wiki) im östlichen Kasachstan. Beide Fundorte liegen grob 1.500 Kilometer voneinander entfernt.

Die Botai-Kultur entwickelte sich vergleichsweise spät, nämlich zeitlich parallel zur Marghiana-Kultur im Süden ihres Verbreitungsgebietes. Von Botai bis in den Ost-Iran, bis nach Turan, wo die westsibirische Herkunftskomponente als Teil der Marghiana-Kultur ebenfalls nachgewiesen wurde, sind es - wie gesagt - 3.000 Kilometer.

Von Krasny Jar bis Tekes an der Südgrenze Kasachstans und bis an die Nordhänge des Tianshan-Gebirges sind es 1.500 Kilometer (G-Maps).Von Aksu auf der dortigen Südseite des Tianshan über Lopnor bis zur Südseite der Taklamakan sind es 1.000 Kilometer (G-Maps). Diese Region gehört - nach den genannten Studien (1, 2) - neuerdings ebenfalls zum Verbreitungsgebiet der westsibirischen Jäger und Sammler. Aus archäogenetischer Sicht hatten wir über die Botai-Kultur hier auf dem Blog 2020 festgehalten (Stgen2020):

"Die Angehörigen der Botai-Kultur gehörten zu der Völkergruppe der osteuropäischen Jäger und Sammler, hatten sich aber zu etwa einem Viertel mit den westsibirischen Jägern und Sammlern, die am Baikal-See gelebt haben, vermischt."

Es mag dahin stehen, ob diese Ausführungen - seit die neueren Studien erschienen sind - schon das letzte Wort zu dieser Sache waren. In der Oktober2021-Studie heißt es dazu (1):
Die früh- und mittelbronzezeitlichen Individuen von den Fundorten Xiaohe und Gumugou im östlichen Tarimbecken bilden eine enge Verwandtschaftsgruppe mit vorbronzezeitlichen zentralasiatischen und sibirischen Individuen, die alle einen hohen Anteil an Ancient North Eurasian Herkunft miteinander teilen (zum Beispiel die kupferzeitliche Botai-Kultur). Ein zeitgleiches Individuum vom Fundort Beifang im südlichen Tarim-Becken steht sogar den frühbronzezeitlichen Individuen der Baikal-Region genetisch noch näher.
The EMBA individuals from the eastern Tarim sites of Xiaohe and Gumugou (Tarim_EMBA1) form a tight cluster close to pre-Bronze Age central steppe and Siberian individuals who share a high level of ancient North Eurasian (ANE) ancestry (for example, Botai_CA). A contemporaneous individual from the Beifang site (Tarim_EMBA2) in the southern Tarim Basin is slightly displaced from the Tarim_EMBA1 towards EBA individuals from the Baikal region.
Weiter heißt es (1):
Die frühebronzezeitlichen Tarim-Gruppen formen, obwohl sie über 600 Kilometer Wüste voneinander entfernt sind, eine genetisch homogene Population, die einen einschneidenden populationsgenetischen Flaschenhals durchlaufen hat, wie dies durch die hohe genetische Verwandtschaft untereinander und durch die wenig enge genetische Verwandtschaft nach außen nahegelegt wird, ebenso wie durch die begrenzte Vielfalt ihrer nur männlich  oder weiblich weitergegebenen Haplogruppen.
The Tarim_EMBA1 and Tarim_EMBA2 groups, although geographically separated by over 600 km of desert, form a homogeneous population that had undergone a substantial population bottleneck, as suggested by their high genetic affinity without close kinship, as well as by the limited diversity in their uniparental haplogroups.

Und weiter (1): 

Wir modellierten die Individuen des Tarimbeckens als eine Vermischung von zwei einheimischen eiszeitlichen asiatischen genetischen Gruppen: die Ancient North Eurasian, wie sie von einem Individuum von dem Fundort Afontova Gora aus dem Oberen Paläolithikum in der Unteren Jennissei-Region in Sibirien bekannt geworden sind (AG3) (72%) und einer eiszeitlichen nordostasiatischen Population, die durch die bronzezeitlichen Baikal-Menschen repräsentiert werden (etwa 28%).
We modelled the Tarim Basin individuals as a mixture of two ancient autochthonous Asian genetic groups: the ANE, represented by an Upper Palaeolithic individual from the Afontova Gora site in the upper Yenisei River region of Siberia (AG3) (about 72%), and ancient Northeast Asians, represented by Baikal_EBA (about 28%).

Die Genetiker sprechen dieses Tarim-Volk sogar als die eigentlichen Vertreter der westsibirischen Jäger-Sammler-Genetik an, die ja sonst in ursprünglicher Form noch nirgendwo gefunden worden war und die anderwärts (Baikal, Botai, Turan usw.) nur in Anteilen zu finden war. Sie sprechen von einer "isolierten Population". Sie schreiben (1): 

Die Genome der Tarim-Mumien geben uns einen Referenzrahmen für die genetische Modellierung nacheiszeitlicher Populationen und für die Rekonstruktion der Völkergeschichte Asiens.
The Tarim mummy genomes thus provide a critical reference point for genetically modelling Holocene-era populations and reconstructing the population history of Asia.

Das Tarim-Volk ist laut dieser Studie schon vor etwa 10.000 Jahren - also als Jäger und Sammler - entstanden.

Obwohl es sich also um ein völlig einheimisches Volk zu handeln scheint, scheint es die Haltung domestizierter Tiere - Schafe, Ziegen, Rinder - und damit einhergehende Käse-Herstellung, sowie den Anbau von Getreide - Weizen, Gerste - schon im Späten Neolithikum und in der Frühen Bronzezeit von außen angenommen zu haben (ähnlich wie die Botai-Kultur im nördlichen Kasachstan). Angeborene Rohmilchverdauung liegt bei diesem ursprünglichen Tarim-Volk - wie auch sonst in dieser Zeit auf der Welt - nicht vor. Der Genetiker Spencer Wells schrieb zu dieser Studie auf Twitter etwas verdaddert (Tw):

Ich muß ständig an diese Ancestral-North-Eurasians denken, die Jahrtausende im Tarim-Becken lebten, völlig isoliert, und die dann plötzlich entschieden: "warum nicht, klar wir übernehmen in Gänze eure Steppenkultur - aber keinerlei Vermischung ("Fraternisierung")."
Original: Can’t stop thinking about those Ancestral North Eurasians chilling in the Tarim basin for thousands of years, completely isolated, then suddenly deciding "why yes, we will adopt your steppe culture in its entirety - but no fraternizing."

Nun, das sind typische Äußerungen der ersten Überraschung. Nachdem er das länger auf sich hat wirken lasen, wird Spencer Wells - so wie wir - dazu sagen: Dasselbe sehen wir ja inzwischen auch bei anderen indogermanisch beeinflußten oder eine indogermanische Sprache sprechenden Völkern, die aus dem Kaukasus in Anatolien einwanderten (Hurriter, Mitanni, Hethiter und andere). Auch hier wurden Elemente der Steppenkultur übernommen, sogar ihre Sprache, sogar ihre Mentalität, ohne daß - bislang zumindest - ein nennenswerter genetischer Einfluß der Indogermanen in diesen Völkern hat gefunden werden können. Ähnliches findet sich auch sonst in ganz unterschiedlichen Regionen in Europa im Spätneolithikum und in der Bronzezeit (auf Sardinien etwa oder im Ostseeraum). Und ähnliches wäre - dementsprechend - natürlich auch für das Tarim-Becken denkbar. 

Aber dort muß man sich sowieso erst einmal mit dem archäologischen Kenntnisstand genauer vertraut machen, bevor man vorschnell Urteile fällt. Die Einwicklungen dort erstrecken sich ja ebenfalls über viele Jahrtausende. Und die wenigsten Menschen im Westen hatten bislang zu diesen Jahrtausenden einen guten Überblick. Auch dieser Blog hat sich erst vor zwei Jahren angefangen, in die dortige Jahrtausende alte Geschichte einzuarbeiten.

4.000 v. Ztr. - Eine erste iranische Hochkultur breitet sich bis zum Altai-Gebirge und bis zur Seidenstraße aus

Wenn wir also einen weiteren Überblick gewinnen wollen über die Entwicklungen in der Völkergeschichte Innerasiens und im Tarim-Becken, tun wir gut daran, uns zunächst den archäologischen Forschungsstand in Umrissen vor Augen zu führen. An entlegener Stelle hatten wir das hier auf dem Blog auch schon im November 2020 getan (Stgen2020). Da wir das aber sowieso auch uns selbst alles noch einmal erneut in Erinnerung rufen müssen, referieren wir hier noch einmal das dort Zusammengestellte. Wir hatten geschrieben:

... Noch einige Eindrücke von dem aktuellen Forschungsstand zum Spätneolithikum und zur Bronzezeit Innerasiens (10-16).

Die spätneolithischen und bronzezeitlichen Ausbreitungsbewegungen europäischer Völker und Kulturen bis an den Nord- und Westrand Chinas werden aus archäologischer Sicht immer genauer nachvollziehbar (10-12). Im November 2020 waren wir auf eine Grafik gestoßen, die gerade die früheste dieser Ausbreitungsbewegungen sehr gut zusammen faßt nach dem derzeitigem Forschungsstand (Abb. 2) (10). Diese Grafik wurde erstellt, um insbesondere die Einführung von westlichem Weizen und westlicher Gerste nach China besser verstehen zu können.

Abb. 2: Kulturen zwischen Tadschikistan und Mongolei ab 4.000 v. Ztr. - Die iranisch-neolithische "Oxus-Zivilisation" (BMAC) breitet sich ab 3.900 v. Ztr. aus, die indogermanische Afanassiewo-Kultur ab 3.300 v. Ztr. (aus: 10)

Dargestellt ist auf dieser, wie die hier auf dem Blog schon behandelte iranisch-neolithische Hochkultur der Marghiana (auf der Karte benannt als "Oxus-Zivilisation") (Wiki) (Stgen2019) *) sich vom Ost-Iran (Turan) (Gonur Tepe), bzw. von Tadschikistan aus am Nordhang des Tianshan-Gebirges entlang bis in den Süden des Altai-Gebirges ausgebreitet. In ihren östlichen Teilen, insbesondere im Altai-Gebirge wird diese Kultur von den Archäologen "Chemurchek-Kultur" benannt. 

Mit der Chemurchek-Kultur (2.750-1.900 v. Ztr.) im Altai-Gebirge hatten wir uns ebenfalls schon beschäftigt. Dieses Volk hatte - nach früheren Ausführungen - zu 60 bis 80 % genetische Botai-Herkunft und zu 20 bis 40 % iranisch-neolithische Marghiana-(BMAC-)Herkunft. Die einheimische Botai-Genetik hat im Norden des Altai 80 % betragen, im Süden des Altai 60 %. Mit dieser Chermurchek-Kultur hat sich also ebenfalls in kleineren Anteilen erneut einheimische, westsibirische Jäger-Sammler-Genetik in dieser Region ausgebreitet (Stgen2020).

Die anthropomorphen Stelen dieser Kultur gleichen sehr zeitgleichen anthropomorphen Stelen in Europa und Arabien (Abb. 3) (13). Im Westen sind sie - neben anderem - ein Anzeichen von "Hochadel", der also damit auch in der Chermurchek-Kultur anzunehmen ist, zumal diese ja aus der Marghiana-Hochkultur hervorgegangen ist. Diese Kultur ist gerade erst neu von den Archäogenetikern eingeordnet worden - wie wir in einem früheren Beitrag berichteten (Stgen2020). Die Archäologen benennen als einen Ausgangsort dieser Kultur (12, S. 6) ...
... den Fundort Sarazm in Tadschikistan am Zarafshan-Fluß, flankiert von Bergen und unterhalb der Oase von Samarkand. In der Keramik findet man Einflüsse aus der südlichen zentralasiatischen Oasenkultur von Namazga II. In Sarazm finden sich Belege für Weizenanbau 3.905-3.645 v. Ztr..
... the site of Sarazm in Tajikistan, on the Zarafshan river, flanked by mountains and upstream from the oasis of Samarkand. (...) The ceramic forms (...) reflect influences from the south Central Asian oasis culture of Namazga II. Sarazm has evidence for wheat cultivation (T. aestivum/ durum) from the mid-4th millennium BCE (3905-3645 cal. BCE) (Isakov, 1996; Isakov et al., 1987; Spengler & Willcox, 2013).

Diese Hochkultur also hat sich von der Region des östlichen Iran und von Samarkand aus bis zum Altai-Gebirge hin ausgebreitet.

Abb. 3: Die anthropomorphen Stelen der Chermurchek-Kultur, die sowohl Männer wie Frauen des Hochadels dieser Kultur darstellen (aus: 12) - Sie ähneln stark zeitgleichen aus ganz Europa (13)

Grob tausend Jahre später erfolgte dann im nördlichen Steppen-Raum die Ausbreitungsbewegung der ersten Welle der Indogermanen, der indogermanischen Afanassiewo-Kultur, ebenfalls bis zum Altai-Gebirge. / Das sind - wie man seit 2025 weiß - direkte Nachkommen der Jamnaja-Kultur, die ab 3.300 v. Ztr. am Mittleren Dnjepr entstanden ist. / 

3.000 v. Ztr. - Die ersten Indogermanen kommen

Nachkommen dieser ersten indogermanischen Zuwanderung lebten bis in die Eisenzeit in der Dsungarei, an Fundorten wie Shirenzigou. Auch die Oktober2021-Studie bestätigt, daß in der Dsungarei (u.a. am Fundort Shirenzigou) ab etwa 3.000 v. Ztr. sowohl kulturell wie genetisch die erste Welle der indogermanischen Zuwanderung in Form der Afanassjewo-Kultur (Wiki) festgestellt werden kann. Der Verbreitungsraum dieser Kultur erstreckte sich zwischen den Nordhängen des Tianshan und den Südhängen des Altai-Gebirges. Aus Sicht der Archäologie Xianjiang's wird dazu referiert (12, S. 5):

Im Nordwesten hatte sich die Afanassiewo-Kultur ausgebreitet, deren Zentrum westlich des Altai und im Minusinsk-Tal lag. Sie repräsentiert den frühesten Beleg für spätneolithisch/bronzezeitliche Herdenhaltung in der östlichen Steppe und ist jüngst auf 3.300 bis 2.500 v. Ztr. datiert worden. Die wirtschaftliche Grundlage der Afanassiewo-Kultur beruhte zu bis zu 50 % auf der Jagd, außerdem auf der Haltung einer Mischung von domestizierten Herdentieren, wobei Schafe und Ziegen mit Rindern kombiniert wurden. Weizenkörner, die auf 3.000 v. Ztr. datiert werden, sind jüngst in Verbindung mit Afanassiewo-Keramik an dem Fundort Tongtiandong im westlichen Xinjiang am Südufer des Irtysch-Flusses gefunden worden.
Original: To the northwest was the Afanasievo, centred on the western Altai and Minusinsk basin. It represents the earliest evidence for Éneolithic/ Bronze Age herding in the eastern steppe region (Frachetti, 2008, 2012) and has been recently dated to 3300-2500 cal. BCE (Svyatko et al., 2009). The Afanasievo economy included up to 50% reliance on hunting, together with a mix of domestic herds combining sheep/goat and cattle. Wheat grains dating from c. 3000 BCE associated with Afanasievo pottery have recently been found at the site of Tongtiandong in western Xinjiang on the south bank of the Irtysh river (Yu & He, 2017).

Neben Jagd und Herdenhaltung ist von Seiten der Afanassiewo-Kultur also auch Ackerbau getrieben worden. Der Irtysch (Wiki) ist ein Fluß, der im Altai entspringt. Er fließt durch die weiten Steppen Kasachstans und erreicht über sie östlich des Urals das Westsibirische Tiefland. Er fließt insbesondere durch die Stadt Omsk und mündet schließlich in den Ob (Wiki), mit dem zusammen er den Arktischen Ozean erreicht. Der Irtytsch spielt auch für die Geschichte des ugrischen Volkes der Chanten, die eng mit dem nordsibirischen Volk der Nganasanen verwandt sind, eine große Rolle (siehe Blogbeiträge von Anfang 2022).

2.000 v. Ztr. - Die zweite Welle der Indogermanen kommt

Die Archäologen schreiben (12):

Die Chermurchek- und Xiaohe-Kulturen entstanden aus Populationen des Altai und der Mongolei, sowie aus eurasischen Populationen heraus, während sich eine dritte frühe Gruppe, die Tianshanbeilu-Kultur am östlichen Ende des Tianshan von Oasen-Bauern in Gansu und dem Hexi-Korridor herleitet. Im frühen 2. Jahrtausend v. Ztr. breiteten sich neue eurasische, bäuerliche Herdenhalter vom Westen her aus, die dieselben Landstriche besiedelten wie die Chemurchek-Kultur. Sie breiteten sich entlang der westlichen Hügel und Berge von Xianjiang aus, entlang des Tianshan Richtung Osten und nach Süden in den Pamir bis an das westliche Ende der tibetischen Hochebene. Diese Gruppe wies im Großen und Ganzen eine Ähnlichkeit auf mit dem Andronowo-Kultur, die sich weit über Eurasien in der späteren Bronzezeit ausbreitete, am meisten mit der östlichen Federowo-Variante.
Qiemu’erqieke and Xiaohe/Gumugou emerged out of Altaic/Mongolian and east Eurasian populations [11–13], while a third early group, the Tianshanbeilu culture, appearing in the oasis of Hami at the eastern end of the Tianshan, had its ancestry to the east in early oasis farming populations in Gansu and the Hexi Corridor. [10, 14]. By the early 2nd millennium BCE, new Eurasian agro-pastoralists moved in from the west, occupying some of the same lands as the southerly expansion of Qiemu’erqieke peoples. They spread into the western hills and mountains of Xinjiang, along the Tianshan towards the east, and south into the Pamirs, close to the western end of the Tibetan Plateau. This group shared broad affinity with the loosely defined Andronovo complex that appeared widely across Eurasia in the later Bronze Age [15–17], more specifically the eastern Federovo variant [18].

In den Oasenstädten der Seidenstraße ist in späteren Jahrtausenden auch Tocharisch, eine westindogermanische Sprache gesprochen worden. Von dieser Sprache möchten wir hier auf dem Blog auch gerne annehmen, daß sie erst mit der zweiten Welle der indogermanischen Ausbreitung nach Innerasien gelangt ist. Aber das ist alles gegenwärtig noch Spekulation.

Abb. 4: Die bronzezeitliche Chemurchek-Kultur südlich des Altai-Gebirges (2.500-1.700 v. Ztr.), die Xiaohe-Kultur am Tarim-Fluß (2.200-1.500 v. Ztr.) (aus: 3)

Von der Xiaohe-Kultur wird von Seiten der Archäologen gesagt, daß sie weitgehend akeramisch gewesen sei und von dem Anbau von Weizen und Gerste, sowie von Rinderhaltung lebte (12, S. 4f). Daß die Xiaohe-Kultur von anderen Kulturen abgeleitet werden könnte, etwa von der Chermurchek-Kultur wird von den Archäologen aufgrund des sehr unterschiedlichen kulturellen Inventar-Vergleichs - auffallenderweise - verneint. 

Damit soll nur ausschnitthaft einiges zum archäologischen Forschungsstand jener Völker und Kulturen gesagt werden.

Die frühbronzezeitliche Bevölkerung des Tarim-Beckens weist noch keine europäische Herkunft auf

Am 21. Oktober 2021 war die Überraschung perfekt: In Menschenfunden der Frühen und Mittleren Bronzezeit im Tarimbecken war keine europäische oder Steppen-Genetik gefunden worden (1). Betitelt war die Studie "Die genetischen Ursprünge der Tarim-Mumien". Das verleitete zunächst leicht zu dem Mißverständnis, daß es ganz allgemein um die Tarim-Mumien ginge. Tatsächlich geht es aber nur um die ältesten Mumien-Funde aus der Zeit zwischen 2.100 und 1.800 v. Ztr.. Mit der Studie war also noch nichts über die jüngeren Wüstenmumien gesagt.

Mitautoren der Studie waren - neben vielen Chinesen - Johannes Krause und Christina Warinner, zwei Autoren, die einen Zweifel an der Seriosität der Studie erst gar nicht aufkommen lassen. Ebensowenig der Ort, an dem die Studie veröffentlicht worden war, nämlich "Nature". Der Archäogenetiker Lazaridis schrieb auf Twitter sehr richtig und sehr differenziert (Tw): 

"Das ist eine hoch interessante Studie! Sehr schön wäre gewesen, wenn phänotypische Informationen zu den untersuchten Individuen und - aus dem Genom heraus - voraussagbare Phänotypen zugänglich wären, um die Korrespondenz zu sehen - wenn es eine solche gibt - mit jenen Mumien, die in der westlichen Welt durch Viktor Mair und andere bekannt gemacht worden sind."
"This is a very interesting study! It would have been nice if phenotypic information on the studied individuals and predicted phenotypes were available, to see the correspondence -if any- with the mummies popularized in the West by V. Mair and others."

Auch seine erste Äußerung enthalt viel Überraschung. Nun, dazu ist eben jetzt Ende März eine zweite Studie erschienen, in der auch dieser Frage genauer nachgegangen wird (siehe gleich).

Damit ist allerdings weiterhin ungeklärt, wie eine westindogermanische Sprache bis an den Ostrand des Ausbreitungsgebietes der Indogermanen gelangen konnte. Die Forscher schreiben (1): 

(Archäogenetische) Studien zu den Fundorten und Zeitepochen, an und in denen die tocharischen Texte des ersten Jahrtausends entdeckt worden sind, sind notwendig, um die spätere Völkergeschichte des Tarimbeckens zu verstehen.
Studies of the sites and periods where first millennium ad Tocharian texts have been recovered - are necessary to understand the later population history of the Tarim Basin.

Als nächstverwandte Sprachen zum Tocharischen werden oft Hethitisch, Luwisch und Lykisch genannt (die indogermanischen Sprachen in Anatolien) (Wiki). Das würde heißen, daß sich die Tocharer von den Vorfahren dieser drei Völker, die womöglich nördlich des Kaukasus lebten, abgespalten haben und gen Osten gewandert sind, womöglich grob um 2.000 v. Ztr.. 

Man könnte - womöglich ganz willkürlich - mutmaßen, daß die Andronowo- und Sintashta-Kultur das Muttervolk aller Satem-Sprachen ist, und daß die südlicher existierende Poltavka-Kultur das Muttervolk von Hethitisch, Luwisch und Lykisch ist. Dabei wäre zu mutmaßen, daß die Glockenbecher-Kultur und die Schnurkeramik-Kultur im Westen sprachlich der Poltavka-Kultur näher gestanden hätten, da sie ja wie Tocharisch, Hethitisch, Luwisch und Lykisch Kentum-Sprachen blieben. Wilde Spekulation, ja. Aber jetzt, wo deutlich wird, daß die Zuwanderung der Tocharisch-Sprachigen in spätere Jahrhunderte fallen könnte als 1.700 v. Ztr., dürften solche Gedankengänge womöglich neu zu erörtern sein.

***

Nun die neueste archäogenetische Studie, die direkt aus China kommt. Sie präsentiert die archäogenetischen Daten von etwa 100 Individuen aus dem Tianshan-Gebirge, dem Tarim-Becken und der Dsungarei aus der Zeit zwischen 2000 v. Ztr. bis bis zur Zeitenwende (0 v./n. Ztr.), also aus Bronzezeit, Eisenzeit und Antike (3) (Abb. 1). 

Abb. 5: Fundorte der sequenzierten Menschenfunde - Die Funde in der Dsungarei sind vorwiegend bronzezeitlich (orange), im Tianshan-Gebirge und am Südrand des Tarim-Beckens vorwiegend eisenzeitlich (grün und blau) (aus 3)

Zu den Ergebnisses berichtet die "Chinesische Akademie der Wissenschaften" (4):

"Zusammengefaßt tragen bronzezeitliche Xinjiang-Populationen eine lokale Herkunftskomponente des Tarim-Beckens in sich, vermischt mit Herkunftsanteilen von drei unterschiedlichen Gruppen, die an das Tarim-Becken angrenzten: Menschen der Afanassiewo-Kultur (einer indoeuropäischen Steppenkultur), Menschen der Chermurchek-Kultur (die BMAC-Herkunft aus Zentralasien mit sich brachte) und Herkunft von einer nordostasiatischen Population, die Shamanka genannt wird.
"In all, Bronze Age Xinjiang populations were found to contain ancestral components of the 'local' Tarim Basin population mixed to varying degrees with those of three groups from the surrounding regions: the Afanasievo, an Indo-European-associated Steppe culture, a group called the Chemurchek, who contained BMAC ancestry from Central Asia, and ancestry from a Northeast Asian population called the Shamanka," said  Prof. FU, the last corresponding author of this paper.

Shamanka (Wiki) ist eine kleine Ortschaft in der Republik Burjatien (Wiki), die zu Rußland gehört. Die Republik Burjatien liegt am Ostufer des Baikalsees und reicht bis zum Jablonowy-Gebirge. Die dort lebenden Burjaten (Wiki) bilden die nördlichste Sprach- und Volksgruppe der heutigen Mongolen.

Abb. 6: Herkunftsanteile der sequenzierten Menschenfunde (aus 3)

In der beigegebenen Grafik (Abb. 6) sehen wir für die Bronzezeit ("BA"),

  • daß sich Afanassiewo-Leute (hellgrün) mit westsibirischer Jäger-Sammler-Genetik (hellblau) und mongolischer Genetik (rosa) vermischt haben (vermutlich Vorfahren der Altai-Skythen),
  • daß sich iranisch-neolithische Genetik (BMAC) mit westsibirischer Jäger-Sammler-Genetik (hellblau) und mit "karelischer" Genetik (grau) (ugrischer Nganasanen-Genetik?) vermischt haben (vermutlich Chermurchek-Kultur),
  • daß sich westsibirische Jäger und Sammler (rosa) mit Menschen mit mongolischer Genetik vermischt haben (welche Kultur?),
  • daß es (ab 2.000 v. Ztr.) Menschen mit reiner Andronowo-Genetik gegeben hat (orange),
  • daß sich Menschen mit Andronowo-Genetik mit Menschen der Chermurchek-Kultur (braun/rosa) vermischt haben.

Für die Eisenzeit ("IA") sehen wir, daß sich in größeren Herkunftsanteilen in den Menschen und Kulturen Afanassiewo-Genetik, Andronowo-Genetik, monoglische Genetik, westsibirische Jäger-Sammler-Genetik, BMAC-Genetik miteinander mischt. Dasselbe gilt für die Antike ("HE"). Wir sehen also

  • (einheimische) westsibirische Jäger-Sammler-Herkunft ("AfontovaGora3", "TMBA") (dunkelgrün / hellblau)
  • iranisch-neolithische Marghiana-Herkunft (BMCA, "Gonur2") (braun / gelb) 
  • mongolische Burjaten, bzw. "Shamanka"-Herkunft (rosa)
  • Afanassiewo-Herkunft der ersten indogermanischen Ostwanderung (hellgrün),
  • Andronowo-Herkunft (orange) und daraus folgend Sintashta-Herkunft (hell-orange) der zweiten indogermanischen Ostwanderung.

"TMBA" steht für "Tarim Bronzezeit" und repräsentiert die lokale, einheimische, sibirische Jäger-Sammler-Herkunftskomponente. Diese ist - offenbar - sowohl dunkelgrün wie auch hellblau gekennzeichnet. Die ältesten Funde dieser Herkunftsgruppe stammen vom Jennissei in Sibirien aus der Zeit um 15.000 v. Ztr. (Fundort Afontova Gora). Dort fanden sich auch die bislang frühesten Belege für blonde Haarfarbe weltweit. Somit muß es gar nicht so überraschend erscheinen, daß die Wüstenmumien so "europäisch" aussehen.

"Karelia" steht (offenbar) für die mesolithische Jäger-Sammler-Population in Karelien. Diese wird in der Studie mal eben so parallel gesetzt mit der sibirischen Botai-Herkunftsgruppe (3; Suppl, S. 5). Hier sind uns die Zusammenhänge noch nicht ganz klar.

Sicher scheint zu sein: Von der "Afontova Gora"-Jennissei-Bevölkerung aus der Zeit um 15.000 v. Ztr. stammt - nach jetzigem Kenntnisstand - sowohl die weit verbreitete Herkunftsgruppe der osteuropäischen Jäger und Sammler ab (die sich doch eigentlich auch bis Karelien ausgebreitet hatte - ?) wie auch die Botai-Herkunftsgruppe wie auch die Herkunftsgruppe des Tarim-Beckens. Dabei könnte sich aber zum Beispiel die blonde Haarfarbe nur bei den osteuropäischen Jäger und Sammlern gehalten haben, während sich andere Merkmale nur bei den Botai- oder den Tarim-Jägern- und Sammlern gehalten haben könnten. Will heißen: Womöglich haben alle drei Tochter-Populationen noch lange Phasen der Isolation voneinander durchlaufen.**)

Wie es zu diesen drei Tochter-Populationen gekommen ist - ausgehend von der Jennissei-Population um 15.000 v. Ztr. - und welche selektiven und Vermischungs-Prozesse damit verbunden waren, welche Verwandtschafts-Verhältnisse zwischen ihnen bestehen, wird uns sicherlich künftig noch genauer klar werden.

Abb. 7: Verbreitung und Häufigkeit der blonden Haarfarbe im metallzeitlichen Xiangjang (3, Supp, S. 45) in der Bronzezeit (schwarz umrandet), Späten Bronzezeit (grau umrandet), Eisenzeit (gelb umrandet) und Antike (lila umrandet) - "North" = Dsungarei, "West" = Altai-Gebirge, "South" = Tarim-Becken

Im bronzezeitlichen Tianshan-Gebirge ist für ein Individuum helle Haarfarbe nachgewiesen. Im eisenzeitlichen Tianshan-Gebirge hatten vier von 18 Individuen helle Haarfarbe, einer davon sehr stark nach blond tendierend (Abb. 7). Die blonde Haarfarbe kam also insbesondere mit der zweiten indogermanischen Ostwanderung nach Innerasien.

In der Eisenzeit hatten unter den Altai-Skythen ("West") zwei von 15 Individuen blaue Augenfarbe (Abb. 8). Es gab also im eisenzeitlichen Altai-Gebirge - unter den Pazyryk-Skythen - häufiger helle Haar- als Augenfarbe.

Abb. 8: Die Häufigkeit der blaue Augenfarbe in Xiangjiang in Bronze- und Eisenzeit, archäogenetisch bestimmt (aus 3, Suppl, S. 44) - - "North" = Dsungarei, "West" = Altai-Gebirge, "South" = Tarim-Becken

Es wird auch ausgeführt (4):

Zwei frühbronzezeitlichen Tarim-Mumien im östlichen Xinjiang hatten (laut Archäogenetik) dunkelbraune bis schwarze Haare und dunklere Haut trotz ihrer archäologisch als "westlich" eingeordneten Körpermerkmale. Und eine jüngere dritte Mumie aus der späten Bronzezeit hatte diesbezüglich eher mitteldunkle Hautfarbe.
Two Early Bronze Age Tarim Basin mummies in east Xinjiang were found likely to have had dark brown to black hair and darker skin, despite their archeologically-identified "western" features, and a more recent third mummy from the Late Bronze Age was likely to have had a more intermediate skin tone.

Es wird betont, daß die Völkergeschichte rund um das Tarim-Becken seit der Bronzezeit nicht durch "genetic replacements" gekennzeichnet ist, sondern durch wiederholte, zum Teil komplexe Vermischungen.

Beachtenswert ist jedoch weiterhin, daß auch nordostasiatische, also mongolische Herkunft schon während der Frühen Bronzezeit in Xiangjang zu finden ist. Diese hat sich also früher nach dorthin ausgebreitet als bislang bekannt war.

Wir sehen also in der Frühen Bronzezeit in Xiangjiang einheimische Tarim-Herkunft vermischt mit mongolischer "Shamanka"-Herkunft, wir sehen einheimische Herkunft vermischt mit Afanassiewo- und "Shamanka"-Herkunft. Wir sehen einheimische Herkunft vermischt mit "karelischer" (also vermutlich ugrischer) Herkunft und BMCA-Herkunft. Ab 2.000 v. Ztr. die Andronowo-, bzw. Shintashta-Herkunft hinzu kommen. Während der Eisenzeit und der Antike kommen noch hinzu:

  • Han-chinesische Herkunft (dunkelgrün)
  • karelische Herkunft (wohl gleichbedeutend mit ugurischer Ngananasan-Herkunft)

In zwei Fällen sind in Gräbern eineiige Zwillinge miteinander bestattet worden (3; Supp, S. 15). Zwillinge scheinen also lebenslang miteinander zusammen geblieben zu sein.

Soweit ein erster Einblick in die genannten Studien. Um so tiefenschärfer das "archäogenetische Mikroskop" eingestellt wird, um so mehr Prozesse der Ethnogenese, der Volkswerdung und des Untergangs von Völkern wird man feststellen können und genauer eingrenzen können in diesem Raum. Jahrtausende von Geschichte und die Schicksale von zehntausenden von Menschen, von ganzen Kulturen verbergen sich hinter diesen farbigen Balken der Grafik 6. 

Die in diesen Beitrag behandelten beiden archäogenetischen Studien wären es wert, noch viel detaillierter aufgearbeitet zu werden als das in diesem Beitrag geschehen konnte bislang. Vielleicht können wir das künftig noch nachtragen.

/ Ergänzung 20.1.26 / Eine neue archäogenetische Studie aus China bestätigt die hier referierten Abläufe und Zusammenhänge (17).

Einheitliche Kultur im Altai und in der Taklamakan noch in der Eisenzeit

/ Ergänzung 10.4.2026 / Ein schönes Zeugnis für die Einheitlichkeit der "westsibirischen" Kultur noch in der Eisenzeit über tausend Kilometer hinweg zwischen Altai-Gebirge und der Taklamakan-Wüste gibt der deutsche Archäologe Hermann Parzinger (geb. 1959) in einem 2024 geführten Interview (18). Parzinger ist bekannt geworden durch Ausgrabungen von eisenzeitlichen Kurganen der Skythen und der Pazyryk-Kultur im Altai-Gebirge und er sagt (Yt2024):

Interessant ist: Wir haben im Altai die Eismumien. Wir haben in Xinjiang in der Taklamakanwüste Trockenmumien. Die fangen ja schon der Bronzezeit an. Im Wüstensand in Baumsärgen liegen da die Verstorbenen. Und die sind mumifiziert, fantastisch erhalten. Wir haben im ersten Jahrtausend in der Skythenzeit kaum Verbindungen mit der materiellen Kultur. (Im) Tierstil ein bisschen was: man sieht, ja das geht in die Richtung (des) skythischen, aber (es) ist nicht wirklich skythisch. Also auch die Keramik - (das) ist alles schon sehr anders.
Aber die Trockenmumien, die haben ja auch Kleidungsstücke: Pelzmäntel, Röcke, lange Röcke bei den Frauen - die so wie die spanische Flagge (gefärbt sind) rot, gelb, rot in so drei breiten Streifen, wirklich knöchellange Röcke und solche "Harry Potter-Hüte", Filzhüte, wo innen drin so eine Perücke stand. Man hat so einen Holzstab mit so einem Block unten, da hat man das Haar rumgewickelt, die gehen senkrecht nach oben bis 80, 100 cm und darauf (wurde) dann so ein Hut drauf gepackt, also so (einen) spitzen hohen Hut mit so einer Krempe. Und all diese - was ich jetzt beschrieben habe - all diese Trachtbestandteile hat man in Eiskurganen gefunden (...) - und in den Trockenmumien.
Ein Hemd einer Frau, ein Unterhemd mit kurzen Ärmeln: Der Schnitt ..., da waren am Ärmelansatz rote Farbstreifen aufgenäht: identisch in der Taklamakan und im Altai.
Also das ist das, was uns immer wieder unser Lehrer Kossack gesagt hat: die Bruchstückhaftigkeit der Überlieferung. Wenn du das vergleichen würdest, die Gebiete, ...

gemeint ist: wenn man sie vergleichen würde nur aufgrund der Keramik und von Grabungsbefunden, ohne Kenntnis des jeweils erhaltenen organischen Materials,

... wirst du sagen, ja, okay, (das) ist dieselbe Zeit, aber (es besteht) keine Beziehung. Und schaust du dir die Kleidung an, die eigentliche Tracht, die ja in der Regel nicht erhalten ist: Eins zu eins, als wäre es derselbe Schneider gewesen. 

Also über tausend Kilometer hinweg "derselbe Schneider". Zur Erläuterung: Harald Meller und Hermann Parzinger waren akademische Schüler des Münchener Archäologen Georg Kossack (1923-2004) (Wiki), eines Schülers von Hans Reinerth - - - der nach 1945 zu Gero von Merhardt gewechselt ist.***)

Die Pest am Baikal-See 3.500 v. Ztr.

/ Ergänzung 22.6.2026 / Dutzende von Menschen, die zwischen 3500 bis 2850 v. Ztr. auf Gräberstätten am Angara-Fluß westlich vom Baikalsee bestattet wurden, sind sequenziert worden (19). Die Menschen trugen 80 bis 100 % nordostasiatische und bis zu 20 % westsibirische Herkunft in sich (Wiki). Wir lesen (19):

Die Genome der untersuchten Jäger und Sammler deuten auf ein langfristiges Kontinuum von Abstammung aus dem Gebiet der „Ancient North Eurasians“ und aus Nordostasien bis etwa 4500–4000 cal BP hin (Literaturstellen 21, 22).
The genomes of sampled hunter-gatherers indicate a long-term continuum of Ancient North Eurasian and North East Asian ancestry until c. 4500–4000 cal bp (refs. 21,22).

Die Herkunftsgruppe "Ancient North Eurasians" (ANE) steht hier für westsibirische Jäger-Sammler-Herkunft (Wiki):

Westsibirische Jäger und Sammler (WSHG) ist eine spezifische archäogenetische Herkunftsgruppe, die erstmals von Narasimhan et al. (2019) beschrieben wurde. Sie läßt sich als eine Mischung aus 20 % EHG, 73 % ANE und 6 % Ancient Northeast Asian modellieren.
West Siberian Hunter-Gatherer (WSHG) is a specific archaeogenetic lineage that was first reported by Narasimhan et al. (2019). It can be modeled as 20% EHG, 73% ANE and 6% Ancient Northeast Asian.

Die Menschen am Angara-Fluß westlich vom Baikal-See waren also Angehörige jener Herkunftsgruppe, aus der später auch die Hunnen und Mongolen hervor gegangen sind. Fast 40 % der Untersuchten wiesen nun den Pesterreger Yersinia pestis auf, eine noch höhere Rate als in früheren Jahren schon untersuchten mittelalterlichen Pestgräbern. Es gab am Baikalsee in dem genannten Zeitraum zwei Pestepidemien (ScMag2026, SpW2026). Es wird vermutet, daß der Pesterreger von Murmeltieren auf den Menschen über gesprungen ist. 

_____________

*) Aber diese Hypothese steht - zumindest für unser Verständnis - noch auf mancherlei wackligen Füßen (Stgen2018). Der Ursprung der Turkvölker wird von Sprachhistorikern gerne auch in der Manschurei verortet (Stgen2021), wobei die Zuordnung dieser Erkenntnis zur Archäogenetik ebenfalls noch wenig klar ausgearbeitet zu sein scheint - soweit wir das sehen.
**) Zu beachten wäre außerdem, daß sich nach Karelien während der Bronezezeit auch die ugrische "Nganasanen"-Jäger-Sammler-Herkunftsgruppe ausgebreitet hat, zusammen mit der ugrischen Sprachfamilie (zu der unter anderem die Chanten, Ungarn, Karelier und Esten gehören). Soll man die Ergebnisse dieser Studie so verstehen, daß sich diese ugrische Nganasan-Herkunft auch schon während der Bronzezeit bis über den Baikalsee hinaus nach Süden ausgebreitet hat? Die letzte Sprecherin einer ugrischen Sprache hat der estnische Filmemacher und Völkerkundler Lennart Meri ja noch in den 1970er Jahren östlich vom Baikalsee für einen seiner Filme interviewt (siehe andere Beiträge hier auf dem Blog). - Soviel wir aber bislang mitbekommen haben, sind Botai- und Nganasanen-Herkunft doch sehr unterschiedliche Herkunftsgruppen, ebenso wie Botai- und osteuropäische Jäger und Sammler.
***) Georg Kossack stammt aus Neuruppin, kannte also sicherlich das Archäologische Museum in Heiligengrabe und hat sich mit 18 Jahren im Januar 1941 freiwillig zur Wehrmacht, zur Division Großdeutschland gemeldet. Er hat dafür in Neuruppin das Notabitur erhalten. Nach schwerer Verwundung hat er 1942 bei Hans Reinerth in Berlin studiert. Kossack hat zeitlebens die "Wanderungen in der Mark Brandenburg" von Theodor Fontane geliebt (siehe Kossack-Nachlaß).

______________

  1. Zhang, F., Ning, C., Scott, A., Fu, Q., Bjørn, R., Li, W., ... & Cui, Y. (2021). The genomic origins of the Bronze Age Tarim Basin mummies. Nature, 599(7884), 256-261, https://www.nature.com/articles/s41586-021-04052-7
  2. What is the latest research on the Tarim Basin mummies? (Quora
  3. Vikas Kumar, Wenjun Wang, Jie Zhang, Yongqiang Wang, (...) E. Andrew Bennett, Qiaomei Fu: Bronze and Iron Age population movements underlie Xinjiang population history. Science, 31 Mar 2022, Vol 376, Issue 6588, S. 62-69, DOI: 10.1126/science.abk1534, https://www.science.org/doi/abs/10.1126/science.abk1534; Supp. (pdf)
  4. Chinese Academy of Sciences Headquarters: 5,000-year population history of Xinjiang brought to light in new ancient DNA study, 31.3.2022, https://www.eurekalert.org/news-releases/947799, https://phys.org/pdf567948272.pdf
  5. Bading, Ingo: Die Altai-Skythen und ihre Vorgängerkulturen, 2020 (Stg2020
  6. Bading, I.: Die Frühbronzezeit in den Fürstentümern der Seidenstraße - "Götter, Gräber und Gelehrte" - Ein neues Kapitel, 2007 (Stg2007)
  7. Bading, I.:  Turkvölker, Indogermanen, Sarmaten und Hunnen - Zwischen Mongolei und Kaukasus  Die Geschichte der Völker in der Mongolei und rund um das Altai-Gebirge, 2020, (Stg2020)
  8. .
  9. .
  10. Daniel Yang: Wann wurden Weizen und Hochlandgerste in China eingeführt? Quelle: China Tibet Online, 17.03.2020 (german.tibet2020)
  11. Jia P, Caspari G, Betts A, Mohamadi B, Balz T, Cong D, et al. (2020) Seasonal movements of Bronze Age transhumant pastoralists in western Xinjiang. PLoS ONE 15(11): e0240739. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0240739, https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0240739
  12. A new hypothesis for early Bronze Age cultural diversity in Xinjiang, China. A. Bettsa, P. Jiaa, I. Abuduresule. Archaeological Research in Asia, 2019
  13. Bading, Ingo: Die ältesten Eigendarstellungen seßhafter, europäischer Völker (ab 4200 v. Ztr.) , Dezember 2019, https://studgendeutsch.blogspot.com/2019/12/die-altesten-eigendarstellungen-der.html
  14. Prestel, Peter; Graichen, Gisela: Das Gold von Tuva. Schliemanns Erben - Spezial 1. ZDF 2002, https://youtu.be/1sOHDO_a5aI. [Grabungen Hermann Parzingers]
  15. Prestel, Peter; Graichen, Gisela: Das Geheimnis der Eismumie. Schliemanns Erben - Spezial 2, ZDF 2006 (Yt2006). [Grabungen Hermann Parzingers 2006]
  16. Prestel, Peter; Graichen, Gisela: Das Vermächtnis der Steppenkrieger. Schliemanns Erben 32, ZDF 2010, https://youtu.be/6PcDHUSc_2w. [Archäologe Rüdiger Krause, Spiralstadt Arkaim im Ural (Wiki), Andronowo-Kultur, 2.000 v. Ztr., Sarmaten 200 v. Ztr.]
  17. Zhao, X., Zhang, D., Sun, B. et al. Tracing bronze to iron age population dynamics in Northwest Xinjiang using ancient time-series genomic data. Genome Biol (2026). https://doi.org/10.1186/s13059-026-03943-0 (GenBio2026)
  18. Harald Meller trifft Hermann Parzinger - Skythen. Landesmuseum für Vorgeschichte Halle, 9.4.2026 (Yt2024)
  19. Macleod, R., Seersholm, F.V., De Sanctis, B. et al. Lethal plague outbreaks in Lake Baikal hunter-gatherers 5,500 years ago. Nature 654, 697–705 (2026). (Nature2026)
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