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Mittwoch, 31. Dezember 2025

Die Völkergeschichte der eurasischen Steppen im Überblick

Aus Sicht der koreanischen Archäogenetik

Der Archäogenetiker Choongwon Jeong von der Universität Seoul in Korea hat einige Lehrjahre in dem Archäogenetik-Labor von Johannes Krause in Leipzig verbracht. Inzwischen hat er in Korea offenbar ein eigenes Archäogenetik-Labor aufgebaut. In dem hier eingestellten, ganz neu öffentlich zugänglich gewordenen, nur 20-minütigen Vortrag (1) gibt er einen sauberen, kurzen, groben Überblick über die Völkergeschichte der eurasischen Steppen.

Abb. 1: Streitwagen in den Felsbildern der Andronowo-Kultur in Sibirien (aus Kuzima 1994) (Acad)

Wir wollen einiges heraus greifen, was uns so noch nicht bewußt war - oder noch nicht in der Schärfe bewußt war:

Die Jäger- und Sammler-Völker leben nur am Rande der Steppe. Erst mit domestizierten Tierherden, mit Schaf- und Rinderherden konnte der Mensch die Steppe selbst für sich als Lebensraum gewinnen. Erst mit ihnen also konnten in diesem Lebensraum große Völker heranwachsen, die die Völkergeschichte maßgeblich mitbestimmt haben.

Ab etwa 3.500 v. Ztr. nutzten die Völker auch in der Steppe den vierrädrigen Rinderwagen, das ist das Spätneolithikum und die Frühe Bronzezeit mit der berühmten Jamnaja-Kultur, die dann sogar in Nordchina als Afanasiewo-Kultur auftritt.

Ab 2.200 v. Ztr. nutzten die Steppenvölker zusätzlich den zweirädrigen, von Pferden gezogenen Streitwagen. Das ist dann die Mittlere bis Späte Bronzezeit mit der Sintashta- und der Andronowo-Kultur (Abb. 1). Es ist das ist übrigens auch die Hochzeit der Aunjetitzer Kultur, sowie nachfolgend der Urnenfelderkultur in Deutschland und Mitteleuropa.

In der Eisenzeit gingen die Völker dann zum Reiten von Pferden über, als Steppenvölker haben wir nun Skythen und Sarmaten vor uns, die sich in unterschiedlichen Anteilen mit der einheimischen Bevölkerung vermischt haben.

Die Untergruppen der westsibirischen Herkunftsgruppe werden ab Minute 8 aufgeführt. Sie gruppieren sich jeweils um Flußsysteme:

  • Tobol-Ishim-Jäger-Sammler
  • Irtytsch-Jäger-Sammler
  • Jäger und Sammler vom Oberen Ob
  • Jäger und Sammler vom Oberen Jennissei 

Diese Völker haben sich jeweils von Norden nach Süden über viel weitere Strecken ausgebreitet als nach Westen oder Osten. Denn dort folgte ja das nächste Flußsystem. Sie waren also zunächst lediglich an ihre eigenen Flußsysteme gebunden. Da es einen genetischen Gradienten von "Ancient North East Asian" (Vorfahren der Mongolen) bis zu den osteuropäischen Jägern und Sammlern in Westen gab, muß man offenbar sagen, daß Sibirien zu dieser Zeit genetisch (und kulturell?) zu dieser Zeit eine größere Vielfalt aufwies als Europa.

Es wird dann verdeutlicht, daß die spätbronzezeitlichen Gruppen in der Mongolei die Lebensweise von Pferdehirten angenommen haben, ohne daß es genetischen Zufluß von westlichen, indogermanischen Andronowo-, bzw. deren Nachfolge-Kulturen gegeben habe.

Choongwon Jeong weist auf eine scharfe genetische Abgrenzung dieser mongolischen Gruppen hin entlang eines Grenzverlaufes, der sehr willkürlich anmutet. Er meint, er wisse den Grund für diese scharfe Abgrenzung nicht. Nun - wir möchten den starken Ethnozentrismus der Ostasiaten hier in Anschlag bringen.

Ab 200 v. Ztr. kommt es dann mit den Hunnen (in den chinesischen Quellen "Xiongnu" genannt) zur Vermischung sämtlicher, zuvor reich geographisch, genetisch und kulturell gegliederter Völker in der Steppe über die gesamte West-Ost-Ausdehnung hinweg. Dies geht soweit, daß die Archäogenetiker an einem einzelnen Ausgrabungsort die genetische Vielfalt des gesamten Großreichs der Hunnen finden (Minute 15). 

Auf die Entstehung der finno-ugrischen Völkergruppe oder der Völkergruppe der Turkvölker wird in diesem Vortrag nicht eingegangen.

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  1. Choongwon Jeong: Human Population History in North and East Asia. CARTA-Serie, University of California Television (UCTV), 27.12.2025 (Yt2025)

Mittwoch, 6. April 2022

Die westsibirischen Jäger und Sammler in der Taklamakan

Eine große mesolithische Völkergruppe zwischen Kaspischem Meer und Baikalsee
- Zwei neue archäogenetische Studien lassen ihr Kerngebiet und ihre Schicksale deutlicher erkennbar werden

Im Oktober 2021 ging eine überraschende Meldung durch die Fachwelt: Die ältesten Wüstenmumien der Taklamakan sind gar nicht europäischer, indogermanischer Herkunft, sondern einheimischer Herkunft (1). Dieser Blog brauchte eine Weile, um diese Meldung zu "verdauen". Aber jetzt, wo man es für sich anfängt einzuordnen, muß man sich sagen: Nichts ist naheliegender als dieser Umstand.

Abb. 1: Zwischen Kaspischem Meer und Baikalsee - Verbreitungsgebiet der westsibirischen Jäger und Sammler - Route mit Fundorten, an denen ihre Genetik gefunden wurde; weitere Fundorte liegen im Süden und Osten der Wüste Taklamakan (untere Bildmitte) (G-Maps) - Gebirgszüge ihrer Heimat sind Pamir, Tianshan und Altai

Bis 2021 sind also die Wüstenmumien in der Taklamakan aus der Zeit um 2.000 v. Ztr., denen vorwiegend europäisches Aussehen zugesprochen worden war, ganz selbstverständlich als vorwiegend indogermanisch angesprochen worden - so wie das auch in älteren Beiträgen hier auf dem Blog geschehen ist. Nach neuesten archäogenetischen Untersuchungen der Jahre 2021 und 2022 weisen die Wüstenmumien und anderen Menschenfunde der Taklamakan aber zumindest in der Frühbronzezeit - um 2.000 v. Ztr. - eine sehr einheitliche einheimische westsibirische Jäger-Sammler-Genetik auf.

Ähnliches könnte deshalb auch für die kulturellen Elemente gelten, die im Zusammenhang mit diesen Wüstenmumien so eindrucksvoll feststellbar sind. Zwar sind westliche Einflüsse in ihnen unübersehbar - domestizierte Tier- und Pflanzenarten, die sowohl von den bronzezeitlichen Indogermanen im Norden des Tianshan wie von der bronzezeitlichen Marghiana-Kultur im Westen übernommen worden sein könnten. Viele andere kulturelle Elemente könnten aber - nach derzeitigem Forschungsstand - nun ebenso einheimischen Ursprungs sein wie die Genetik - und vielleicht auch die Sprache - dieser Menschen. Durch die neuen archäogenetischen Erkenntnisse sind diesbezüglich dieser Themen also ganz neue Fragen aufgeworfen worden.

Im westlichen Asien allgemein, also zwischen Kaspischem Meer und Baikalsee schälen sich damit immer deutlicher die westsibirischen Jäger und Sammler (Wiki) als ein mesolithisches Ursprungsvolk heraus. Es hatte eine ähnlich weite Verbreitung wie die beiden zeitgleichen großen mesolithischen Ursprungsvölker Europas (Stgen2020). Es war nach Norden zumindest bis Nordkasachstan verbreitet (dort repräsentiert durch die nachherige Botai-Kultur, die 25 % ihrer Genetik von ihnen geerbt hatte), im Süden war sie verbreitet bis in den Ost-Iran, traditionell Turan-Region genannt (Stgen2018), also vielleicht bis an das Ostufer des Kaspischen Meeres (repräsentiert in der nachherigen Marghiana-Kultur mit 13 %), das liegt 3000 Kilometer südlich von Nordkasachstan. Das ist eine Entfernung als ob man drei mal quer durch Deutschland reisen würde von Norden nach Süden.

Sie war verbreitet bis an den Süd- und Ostrand der Taklamakan und wird dort repräsentiert durch die ältesten Wüstenmumien der Taklamakan, die wohl zu 100 % ihre Genetik repräsentieren. So das Ergebnis der erwähnten Studie aus dem Oktober 2021 (1). Es handelt sich hier um die sogenannte Xiaohe-Kultur (Wiki, engl) am Tarim-Fluß , benannt nach einem dortigen berühmten Fundort. 

Im Osten war sie dann noch verbreitet bis zum Baikal-See. Zumindest lebte am Baikalsee eine diesem Ursprungsvolk sehr nah verwandte Vorfahrengruppe (G-Maps). 

Diese Herkunftsgruppe trug zur Entstehung bei unter anderem

  1. der Marghiana-Hochkultur in Tadschikistan (3.900-2.800 v. Ztr.) (Wiki) (13% der Genetik derselben),
  2. der Botai-Kultur in Nordkasachstan (3.700-3.100 v. Ztr.) (Wiki, engl) (25% der Genetik derselben), 
  3. der Chermurchek-Kultur (2.750-1.900 v. Ztr.) zwischen Tianshan- und Altai-Gebirge (~20% der Genetik derselben) 
  4. der Xiaohe-Kultur (Wiki, engl) am Tarim-Fluß (2.000 v. Ztr.) (100% der Genetik derselben)
  5. der Altai-Skythen, bzw. der Pazyryk-Kultur (20 bis 40% der Genetik).

Womöglich - womöglich! - sind diese Altai-Skythen die Vorfahrengruppe, die - anteilig - zur Entstehung der Turkvölker in Asien beigetragen hat, die sich im weiteren Verlauf bis nach Anatolien ausgebreitet haben. Womöglich.*) Im einzelnen ist zu dieser Aufzählung zu sagen:

  1. Die Marghiana-Kultur entstand durch Vermischung mit iranisch-neolithischen Bauern (die auch schon einen anatolischen Herkunftsanteil in sich trugen) (die zusammen 87 % zu ihrer Genetik einbrachten).
  2. Die Botai-Kultur entstand durch Vermischung mit osteuropäischen Jägern und Sammlern (die 75 % ihrer Genetik einbrachten).
  3. Die Chermurchek-Kultur ging hervor aus der Marghiana-Kultur - aber vermischt zu 60 bis 80 % mit Nachfahren der Botai-Kultur. 
  4. Die Xiaohe-Kultur (Wiki, engl) am Tarim-Fluß (2.000 v. Ztr.) hatte um 2.000 herum "westliche" Lebensweise angenommen, aber 100% der Genetik ihrer örtlichen Vorfahren beibehalten.
  5. Die Altai-Skythen entstanden durch Vermischung von Nachkommen westsibirischer Jäger und Sammler mit Indogermanen der zweiten indogermanischen Ostwanderung (Andronowo-Kultur) (die Indogermanen brachten 60-80 % zu ihrer Genetik ein) (Stgen2018).

Parallel zu den schon gut verstandenen Ursprungsvölkern Europas (Stgen2020) schält sich damit ein weiteres, sehr weit verbreitetes Ursprungsvolk heraus. In seiner Entstehung, Abgrenzung von anderen Ursprungsvölkern, sowie seinen nachfolgenden Schicksalen ist es allderdings immer noch erst in viel gröberen Umrissen erkennbar als das für die europäischen Ursprungsvölker gilt.

Völkergeschichte der Taklamakan - Die Nebel lichten sich

Im Oktober 2021 und Ende März 2022 sind zwei neue archäogenetische Studien erschienen zur Völkergeschichte jener Region, die durch die berühmten - europäisch anmutenden - Wüstenmumien der Taklamakan seit zwei Jahrzehnten zumindest in Fachkreisen so mancherlei Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat.

Mit ihnen hat die Völkergruppe der westsibirischen Jäger und Sammler einen deutlicheren Umriß erhalten. Denn mit ihnen wird verstanden, daß Angehörige dieser Völkergruppe auch im Tarim-Becken gelebt haben und mit ihren Nachkommen in kleineren Anteilen genetisch Einfluß genommen haben auf die nachfolgende Völkergeschichte dieser Region. Die Genetiker sagen, daß diese Jäger und Sammler den "Ancient North Eurasian" (Wiki) nahestanden, die um 15.000 v. Ztr. am Jennissei in Sibirien lebten (Fundort Afontova Gora), also unmittelbar nördlich des von uns angedeuteten Ausbreitungsgebietes der westsibirischen Jäger und Sammler. Viel muß das - für sich genommen - noch nicht heißen. Denn auf diese "Ancient North Eurasian" werden ja auch viele andere Ursprungsvölker zurückgeführt (Wiki). Aber schon die räumliche Nähe läßt diese These bezüglich der westsibirischen Jäger und Sammler besonders naheliegend erscheinen.

In der Botai-Kultur ist diese Herkunftsgruppe zum ersten mal festgestellt worden. Wir stellen eine Karte mit den auf Wikipedia genannten Fundorten dieser Kultur zusammen (G-Maps) (s.a. Abb. 1). Das ist einerseits das namengebende Dorf Botai (Wiki) am Fluß Imanburlyq (Wiki) in Nordkasachstan. Und das ist andererseits der Fundort Krasny Jar (Wiki) im östlichen Kasachstan. Beide Fundorte liegen grob 1.500 Kilometer voneinander entfernt.

Die Botai-Kultur entwickelte sich vergleichsweise spät, nämlich zeitlich parallel zur Marghiana-Kultur im Süden ihres Verbreitungsgebietes. Von Botai bis in den Ost-Iran, bis nach Turan, wo die westsibirische Herkunftskomponente als Teil der Marghiana-Kultur ebenfalls nachgewiesen wurde, sind es - wie gesagt - 3.000 Kilometer.

Von Krasny Jar bis Tekes an der Südgrenze Kasachstans und bis an die Nordhänge des Tianshan-Gebirges sind es 1.500 Kilometer (G-Maps).Von Aksu auf der dortigen Südseite des Tianshan über Lopnor bis zur Südseite der Taklamakan sind es 1.000 Kilometer (G-Maps). Diese Region gehört - nach den genannten Studien (1, 2) - neuerdings ebenfalls zum Verbreitungsgebiet der westsibirischen Jäger und Sammler. Aus archäogenetischer Sicht hatten wir über die Botai-Kultur hier auf dem Blog 2020 festgehalten (Stgen2020):

"Die Angehörigen der Botai-Kultur gehörten zu der Völkergruppe der osteuropäischen Jäger und Sammler, hatten sich aber zu etwa einem Viertel mit den westsibirischen Jägern und Sammlern, die am Baikal-See gelebt haben, vermischt."

Es mag dahin stehen, ob diese Ausführungen - seit die neueren Studien erschienen sind - schon das letzte Wort zu dieser Sache waren. In der Oktober2021-Studie heißt es dazu (1):
Die früh- und mittelbronzezeitlichen Individuen von den Fundorten Xiaohe und Gumugou im östlichen Tarimbecken bilden eine enge Verwandtschaftsgruppe mit vorbronzezeitlichen zentralasiatischen und sibirischen Individuen, die alle einen hohen Anteil an Ancient North Eurasian Herkunft miteinander teilen (zum Beispiel die kupferzeitliche Botai-Kultur). Ein zeitgleiches Individuum vom Fundort Beifang im südlichen Tarim-Becken steht sogar den frühbronzezeitlichen Individuen der Baikal-Region genetisch noch näher.
The EMBA individuals from the eastern Tarim sites of Xiaohe and Gumugou (Tarim_EMBA1) form a tight cluster close to pre-Bronze Age central steppe and Siberian individuals who share a high level of ancient North Eurasian (ANE) ancestry (for example, Botai_CA). A contemporaneous individual from the Beifang site (Tarim_EMBA2) in the southern Tarim Basin is slightly displaced from the Tarim_EMBA1 towards EBA individuals from the Baikal region.
Weiter heißt es (1):
Die frühebronzezeitlichen Tarim-Gruppen formen, obwohl sie über 600 Kilometer Wüste voneinander entfernt sind, eine genetisch homogene Population, die einen einschneidenden populationsgenetischen Flaschenhals durchlaufen hat, wie dies durch die hohe genetische Verwandtschaft untereinander und durch die wenig enge genetische Verwandtschaft nach außen nahegelegt wird, ebenso wie durch die begrenzte Vielfalt ihrer nur männlich  oder weiblich weitergegebenen Haplogruppen.
The Tarim_EMBA1 and Tarim_EMBA2 groups, although geographically separated by over 600 km of desert, form a homogeneous population that had undergone a substantial population bottleneck, as suggested by their high genetic affinity without close kinship, as well as by the limited diversity in their uniparental haplogroups.

Und weiter (1): 

Wir modellierten die Individuen des Tarimbeckens als eine Vermischung von zwei einheimischen eiszeitlichen asiatischen genetischen Gruppen: die Ancient North Eurasian, wie sie von einem Individuum von dem Fundort Afontova Gora aus dem Oberen Paläolithikum in der Unteren Jennissei-Region in Sibirien bekannt geworden sind (AG3) (72%) und einer eiszeitlichen nordostasiatischen Population, die durch die bronzezeitlichen Baikal-Menschen repräsentiert werden (etwa 28%).
We modelled the Tarim Basin individuals as a mixture of two ancient autochthonous Asian genetic groups: the ANE, represented by an Upper Palaeolithic individual from the Afontova Gora site in the upper Yenisei River region of Siberia (AG3) (about 72%), and ancient Northeast Asians, represented by Baikal_EBA (about 28%).

Die Genetiker sprechen dieses Tarim-Volk sogar als die eigentlichen Vertreter der westsibirischen Jäger-Sammler-Genetik an, die ja sonst in ursprünglicher Form noch nirgendwo gefunden worden war und die anderwärts (Baikal, Botai, Turan usw.) nur in Anteilen zu finden war. Sie sprechen von einer "isolierten Population". Sie schreiben (1): 

Die Genome der Tarim-Mumien geben uns einen Referenzrahmen für die genetische Modellierung nacheiszeitlicher Populationen und für die Rekonstruktion der Völkergeschichte Asiens.
The Tarim mummy genomes thus provide a critical reference point for genetically modelling Holocene-era populations and reconstructing the population history of Asia.

Das Tarim-Volk ist laut dieser Studie schon vor etwa 10.000 Jahren - also als Jäger und Sammler - entstanden.

Obwohl es sich also um ein völlig einheimisches Volk zu handeln scheint, scheint es die Haltung domestizierter Tiere - Schafe, Ziegen, Rinder - und damit einhergehende Käse-Herstellung, sowie den Anbau von Getreide - Weizen, Gerste - schon im Späten Neolithikum und in der Frühen Bronzezeit von außen angenommen zu haben (ähnlich wie die Botai-Kultur im nördlichen Kasachstan). Angeborene Rohmilchverdauung liegt bei diesem ursprünglichen Tarim-Volk - wie auch sonst in dieser Zeit auf der Welt - nicht vor. Der Genetiker Spencer Wells schrieb zu dieser Studie auf Twitter etwas verdaddert (Tw):

Ich muß ständig an diese Ancestral-North-Eurasians denken, die Jahrtausende im Tarim-Becken lebten, völlig isoliert, und die dann plötzlich entschieden: "warum nicht, klar wir übernehmen in Gänze eure Steppenkultur - aber keinerlei Vermischung ("Fraternisierung")."
Original: Can’t stop thinking about those Ancestral North Eurasians chilling in the Tarim basin for thousands of years, completely isolated, then suddenly deciding "why yes, we will adopt your steppe culture in its entirety - but no fraternizing."

Nun, das sind typische Äußerungen der ersten Überraschung. Nachdem er das länger auf sich hat wirken lasen, wird Spencer Wells - so wie wir - dazu sagen: Dasselbe sehen wir ja inzwischen auch bei anderen indogermanisch beeinflußten oder eine indogermanische Sprache sprechenden Völkern, die aus dem Kaukasus in Anatolien einwanderten (Hurriter, Mitanni, Hethiter und andere). Auch hier wurden Elemente der Steppenkultur übernommen, sogar ihre Sprache, sogar ihre Mentalität, ohne daß - bislang zumindest - ein nennenswerter genetischer Einfluß der Indogermanen in diesen Völkern hat gefunden werden können. Ähnliches findet sich auch sonst in ganz unterschiedlichen Regionen in Europa im Spätneolithikum und in der Bronzezeit (auf Sardinien etwa oder im Ostseeraum). Und ähnliches wäre - dementsprechend - natürlich auch für das Tarim-Becken denkbar. 

Aber dort muß man sich sowieso erst einmal mit dem archäologischen Kenntnisstand genauer vertraut machen, bevor man vorschnell Urteile fällt. Die Einwicklungen dort erstrecken sich ja ebenfalls über viele Jahrtausende. Und die wenigsten Menschen im Westen hatten bislang zu diesen Jahrtausenden einen guten Überblick. Auch dieser Blog hat sich erst vor zwei Jahren angefangen, in die dortige Jahrtausende alte Geschichte einzuarbeiten.

4.000 v. Ztr. - Eine erste iranische Hochkultur breitet sich bis zum Altai-Gebirge und bis zur Seidenstraße aus

Wenn wir also einen weiteren Überblick gewinnen wollen über die Entwicklungen in der Völkergeschichte Innerasiens und im Tarim-Becken, tun wir gut daran, uns zunächst den archäologischen Forschungsstand in Umrissen vor Augen zu führen. An entlegener Stelle hatten wir das hier auf dem Blog auch schon im November 2020 getan (Stgen2020). Da wir das aber sowieso auch uns selbst alles noch einmal erneut in Erinnerung rufen müssen, referieren wir hier noch einmal das dort Zusammengestellte. Wir hatten geschrieben:

... Noch einige Eindrücke von dem aktuellen Forschungsstand zum Spätneolithikum und zur Bronzezeit Innerasiens (10-16).

Die spätneolithischen und bronzezeitlichen Ausbreitungsbewegungen europäischer Völker und Kulturen bis an den Nord- und Westrand Chinas werden aus archäologischer Sicht immer genauer nachvollziehbar (10-12). Im November 2020 waren wir auf eine Grafik gestoßen, die gerade die früheste dieser Ausbreitungsbewegungen sehr gut zusammen faßt nach dem derzeitigem Forschungsstand (Abb. 2) (10). Diese Grafik wurde erstellt, um insbesondere die Einführung von westlichem Weizen und westlicher Gerste nach China besser verstehen zu können.

Abb. 2: Kulturen zwischen Tadschikistan und Mongolei ab 4.000 v. Ztr. - Die iranisch-neolithische "Oxus-Zivilisation" (BMAC) breitet sich ab 3.900 v. Ztr. aus, die indogermanische Afanassiewo-Kultur ab 3.300 v. Ztr. (aus: 10)

Dargestellt ist auf dieser, wie die hier auf dem Blog schon behandelte iranisch-neolithische Hochkultur der Marghiana (auf der Karte benannt als "Oxus-Zivilisation") (Wiki) (Stgen2019) *) sich vom Ost-Iran (Turan) (Gonur Tepe), bzw. von Tadschikistan aus am Nordhang des Tianshan-Gebirges entlang bis in den Süden des Altai-Gebirges ausgebreitet. In ihren östlichen Teilen, insbesondere im Altai-Gebirge wird diese Kultur von den Archäologen "Chemurchek-Kultur" benannt. 

Mit der Chemurchek-Kultur (2.750-1.900 v. Ztr.) im Altai-Gebirge hatten wir uns ebenfalls schon beschäftigt. Dieses Volk hatte - nach früheren Ausführungen - zu 60 bis 80 % genetische Botai-Herkunft und zu 20 bis 40 % iranisch-neolithische Marghiana-(BMAC-)Herkunft. Die einheimische Botai-Genetik hat im Norden des Altai 80 % betragen, im Süden des Altai 60 %. Mit dieser Chermurchek-Kultur hat sich also ebenfalls in kleineren Anteilen erneut einheimische, westsibirische Jäger-Sammler-Genetik in dieser Region ausgebreitet (Stgen2020).

Die anthropomorphen Stelen dieser Kultur gleichen sehr zeitgleichen anthropomorphen Stelen in Europa und Arabien (Abb. 3) (13). Im Westen sind sie - neben anderem - ein Anzeichen von "Hochadel", der also damit auch in der Chermurchek-Kultur anzunehmen ist, zumal diese ja aus der Marghiana-Hochkultur hervorgegangen ist. Diese Kultur ist gerade erst neu von den Archäogenetikern eingeordnet worden - wie wir in einem früheren Beitrag berichteten (Stgen2020). Die Archäologen benennen als einen Ausgangsort dieser Kultur (12, S. 6) ...
... den Fundort Sarazm in Tadschikistan am Zarafshan-Fluß, flankiert von Bergen und unterhalb der Oase von Samarkand. In der Keramik findet man Einflüsse aus der südlichen zentralasiatischen Oasenkultur von Namazga II. In Sarazm finden sich Belege für Weizenanbau 3.905-3.645 v. Ztr..
... the site of Sarazm in Tajikistan, on the Zarafshan river, flanked by mountains and upstream from the oasis of Samarkand. (...) The ceramic forms (...) reflect influences from the south Central Asian oasis culture of Namazga II. Sarazm has evidence for wheat cultivation (T. aestivum/ durum) from the mid-4th millennium BCE (3905-3645 cal. BCE) (Isakov, 1996; Isakov et al., 1987; Spengler & Willcox, 2013).

Diese Hochkultur also hat sich von der Region des östlichen Iran und von Samarkand aus bis zum Altai-Gebirge hin ausgebreitet.

Abb. 3: Die anthropomorphen Stelen der Chermurchek-Kultur, die sowohl Männer wie Frauen des Hochadels dieser Kultur darstellen (aus: 12) - Sie ähneln stark zeitgleichen aus ganz Europa (13)

Grob tausend Jahre später erfolgte dann im nördlichen Steppen-Raum die Ausbreitungsbewegung der ersten Welle der Indogermanen, der indogermanischen Afanassiewo-Kultur, ebenfalls bis zum Altai-Gebirge. / Das sind - wie man seit 2025 weiß - direkte Nachkommen der Jamnaja-Kultur, die ab 3.300 v. Ztr. am Mittleren Dnjepr entstanden ist. / 

3.000 v. Ztr. - Die ersten Indogermanen kommen

Nachkommen dieser ersten indogermanischen Zuwanderung lebten bis in die Eisenzeit in der Dsungarei, an Fundorten wie Shirenzigou. Auch die Oktober2021-Studie bestätigt, daß in der Dsungarei (u.a. am Fundort Shirenzigou) ab etwa 3.000 v. Ztr. sowohl kulturell wie genetisch die erste Welle der indogermanischen Zuwanderung in Form der Afanassjewo-Kultur (Wiki) festgestellt werden kann. Der Verbreitungsraum dieser Kultur erstreckte sich zwischen den Nordhängen des Tianshan und den Südhängen des Altai-Gebirges. Aus Sicht der Archäologie Xianjiang's wird dazu referiert (12, S. 5):

Im Nordwesten hatte sich die Afanassiewo-Kultur ausgebreitet, deren Zentrum westlich des Altai und im Minusinsk-Tal lag. Sie repräsentiert den frühesten Beleg für spätneolithisch/bronzezeitliche Herdenhaltung in der östlichen Steppe und ist jüngst auf 3.300 bis 2.500 v. Ztr. datiert worden. Die wirtschaftliche Grundlage der Afanassiewo-Kultur beruhte zu bis zu 50 % auf der Jagd, außerdem auf der Haltung einer Mischung von domestizierten Herdentieren, wobei Schafe und Ziegen mit Rindern kombiniert wurden. Weizenkörner, die auf 3.000 v. Ztr. datiert werden, sind jüngst in Verbindung mit Afanassiewo-Keramik an dem Fundort Tongtiandong im westlichen Xinjiang am Südufer des Irtysch-Flusses gefunden worden.
Original: To the northwest was the Afanasievo, centred on the western Altai and Minusinsk basin. It represents the earliest evidence for Éneolithic/ Bronze Age herding in the eastern steppe region (Frachetti, 2008, 2012) and has been recently dated to 3300-2500 cal. BCE (Svyatko et al., 2009). The Afanasievo economy included up to 50% reliance on hunting, together with a mix of domestic herds combining sheep/goat and cattle. Wheat grains dating from c. 3000 BCE associated with Afanasievo pottery have recently been found at the site of Tongtiandong in western Xinjiang on the south bank of the Irtysh river (Yu & He, 2017).

Neben Jagd und Herdenhaltung ist von Seiten der Afanassiewo-Kultur also auch Ackerbau getrieben worden. Der Irtysch (Wiki) ist ein Fluß, der im Altai entspringt. Er fließt durch die weiten Steppen Kasachstans und erreicht über sie östlich des Urals das Westsibirische Tiefland. Er fließt insbesondere durch die Stadt Omsk und mündet schließlich in den Ob (Wiki), mit dem zusammen er den Arktischen Ozean erreicht. Der Irtytsch spielt auch für die Geschichte des ugrischen Volkes der Chanten, die eng mit dem nordsibirischen Volk der Nganasanen verwandt sind, eine große Rolle (siehe Blogbeiträge von Anfang 2022).

2.000 v. Ztr. - Die zweite Welle der Indogermanen kommt

Die Archäologen schreiben (12):

Die Chermurchek- und Xiaohe-Kulturen entstanden aus Populationen des Altai und der Mongolei, sowie aus eurasischen Populationen heraus, während sich eine dritte frühe Gruppe, die Tianshanbeilu-Kultur am östlichen Ende des Tianshan von Oasen-Bauern in Gansu und dem Hexi-Korridor herleitet. Im frühen 2. Jahrtausend v. Ztr. breiteten sich neue eurasische, bäuerliche Herdenhalter vom Westen her aus, die dieselben Landstriche besiedelten wie die Chemurchek-Kultur. Sie breiteten sich entlang der westlichen Hügel und Berge von Xianjiang aus, entlang des Tianshan Richtung Osten und nach Süden in den Pamir bis an das westliche Ende der tibetischen Hochebene. Diese Gruppe wies im Großen und Ganzen eine Ähnlichkeit auf mit dem Andronowo-Kultur, die sich weit über Eurasien in der späteren Bronzezeit ausbreitete, am meisten mit der östlichen Federowo-Variante.
Qiemu’erqieke and Xiaohe/Gumugou emerged out of Altaic/Mongolian and east Eurasian populations [11–13], while a third early group, the Tianshanbeilu culture, appearing in the oasis of Hami at the eastern end of the Tianshan, had its ancestry to the east in early oasis farming populations in Gansu and the Hexi Corridor. [10, 14]. By the early 2nd millennium BCE, new Eurasian agro-pastoralists moved in from the west, occupying some of the same lands as the southerly expansion of Qiemu’erqieke peoples. They spread into the western hills and mountains of Xinjiang, along the Tianshan towards the east, and south into the Pamirs, close to the western end of the Tibetan Plateau. This group shared broad affinity with the loosely defined Andronovo complex that appeared widely across Eurasia in the later Bronze Age [15–17], more specifically the eastern Federovo variant [18].

In den Oasenstädten der Seidenstraße ist in späteren Jahrtausenden auch Tocharisch, eine westindogermanische Sprache gesprochen worden. Von dieser Sprache möchten wir hier auf dem Blog auch gerne annehmen, daß sie erst mit der zweiten Welle der indogermanischen Ausbreitung nach Innerasien gelangt ist. Aber das ist alles gegenwärtig noch Spekulation.

Abb. 4: Die bronzezeitliche Chemurchek-Kultur südlich des Altai-Gebirges (2.500-1.700 v. Ztr.), die Xiaohe-Kultur am Tarim-Fluß (2.200-1.500 v. Ztr.) (aus: 3)

Von der Xiaohe-Kultur wird von Seiten der Archäologen gesagt, daß sie weitgehend akeramisch gewesen sei und von dem Anbau von Weizen und Gerste, sowie von Rinderhaltung lebte (12, S. 4f). Daß die Xiaohe-Kultur von anderen Kulturen abgeleitet werden könnte, etwa von der Chermurchek-Kultur wird von den Archäologen aufgrund des sehr unterschiedlichen kulturellen Inventar-Vergleichs - auffallenderweise - verneint. 

Damit soll nur ausschnitthaft einiges zum archäologischen Forschungsstand jener Völker und Kulturen gesagt werden.

Die frühbronzezeitliche Bevölkerung des Tarim-Beckens weist noch keine europäische Herkunft auf

Am 21. Oktober 2021 war die Überraschung perfekt: In Menschenfunden der Frühen und Mittleren Bronzezeit im Tarimbecken war keine europäische oder Steppen-Genetik gefunden worden (1). Betitelt war die Studie "Die genetischen Ursprünge der Tarim-Mumien". Das verleitete zunächst leicht zu dem Mißverständnis, daß es ganz allgemein um die Tarim-Mumien ginge. Tatsächlich geht es aber nur um die ältesten Mumien-Funde aus der Zeit zwischen 2.100 und 1.800 v. Ztr.. Mit der Studie war also noch nichts über die jüngeren Wüstenmumien gesagt.

Mitautoren der Studie waren - neben vielen Chinesen - Johannes Krause und Christina Warinner, zwei Autoren, die einen Zweifel an der Seriosität der Studie erst gar nicht aufkommen lassen. Ebensowenig der Ort, an dem die Studie veröffentlicht worden war, nämlich "Nature". Der Archäogenetiker Lazaridis schrieb auf Twitter sehr richtig und sehr differenziert (Tw): 

"Das ist eine hoch interessante Studie! Sehr schön wäre gewesen, wenn phänotypische Informationen zu den untersuchten Individuen und - aus dem Genom heraus - voraussagbare Phänotypen zugänglich wären, um die Korrespondenz zu sehen - wenn es eine solche gibt - mit jenen Mumien, die in der westlichen Welt durch Viktor Mair und andere bekannt gemacht worden sind."
"This is a very interesting study! It would have been nice if phenotypic information on the studied individuals and predicted phenotypes were available, to see the correspondence -if any- with the mummies popularized in the West by V. Mair and others."

Auch seine erste Äußerung enthalt viel Überraschung. Nun, dazu ist eben jetzt Ende März eine zweite Studie erschienen, in der auch dieser Frage genauer nachgegangen wird (siehe gleich).

Damit ist allerdings weiterhin ungeklärt, wie eine westindogermanische Sprache bis an den Ostrand des Ausbreitungsgebietes der Indogermanen gelangen konnte. Die Forscher schreiben (1): 

(Archäogenetische) Studien zu den Fundorten und Zeitepochen, an und in denen die tocharischen Texte des ersten Jahrtausends entdeckt worden sind, sind notwendig, um die spätere Völkergeschichte des Tarimbeckens zu verstehen.
Studies of the sites and periods where first millennium ad Tocharian texts have been recovered - are necessary to understand the later population history of the Tarim Basin.

Als nächstverwandte Sprachen zum Tocharischen werden oft Hethitisch, Luwisch und Lykisch genannt (die indogermanischen Sprachen in Anatolien) (Wiki). Das würde heißen, daß sich die Tocharer von den Vorfahren dieser drei Völker, die womöglich nördlich des Kaukasus lebten, abgespalten haben und gen Osten gewandert sind, womöglich grob um 2.000 v. Ztr.. 

Man könnte - womöglich ganz willkürlich - mutmaßen, daß die Andronowo- und Sintashta-Kultur das Muttervolk aller Satem-Sprachen ist, und daß die südlicher existierende Poltavka-Kultur das Muttervolk von Hethitisch, Luwisch und Lykisch ist. Dabei wäre zu mutmaßen, daß die Glockenbecher-Kultur und die Schnurkeramik-Kultur im Westen sprachlich der Poltavka-Kultur näher gestanden hätten, da sie ja wie Tocharisch, Hethitisch, Luwisch und Lykisch Kentum-Sprachen blieben. Wilde Spekulation, ja. Aber jetzt, wo deutlich wird, daß die Zuwanderung der Tocharisch-Sprachigen in spätere Jahrhunderte fallen könnte als 1.700 v. Ztr., dürften solche Gedankengänge womöglich neu zu erörtern sein.

***

Nun die neueste archäogenetische Studie, die direkt aus China kommt. Sie präsentiert die archäogenetischen Daten von etwa 100 Individuen aus dem Tianshan-Gebirge, dem Tarim-Becken und der Dsungarei aus der Zeit zwischen 2000 v. Ztr. bis bis zur Zeitenwende (0 v./n. Ztr.), also aus Bronzezeit, Eisenzeit und Antike (3) (Abb. 1). 

Abb. 5: Fundorte der sequenzierten Menschenfunde - Die Funde in der Dsungarei sind vorwiegend bronzezeitlich (orange), im Tianshan-Gebirge und am Südrand des Tarim-Beckens vorwiegend eisenzeitlich (grün und blau) (aus 3)

Zu den Ergebnisses berichtet die "Chinesische Akademie der Wissenschaften" (4):

"Zusammengefaßt tragen bronzezeitliche Xinjiang-Populationen eine lokale Herkunftskomponente des Tarim-Beckens in sich, vermischt mit Herkunftsanteilen von drei unterschiedlichen Gruppen, die an das Tarim-Becken angrenzten: Menschen der Afanassiewo-Kultur (einer indoeuropäischen Steppenkultur), Menschen der Chermurchek-Kultur (die BMAC-Herkunft aus Zentralasien mit sich brachte) und Herkunft von einer nordostasiatischen Population, die Shamanka genannt wird.
"In all, Bronze Age Xinjiang populations were found to contain ancestral components of the 'local' Tarim Basin population mixed to varying degrees with those of three groups from the surrounding regions: the Afanasievo, an Indo-European-associated Steppe culture, a group called the Chemurchek, who contained BMAC ancestry from Central Asia, and ancestry from a Northeast Asian population called the Shamanka," said  Prof. FU, the last corresponding author of this paper.

Shamanka (Wiki) ist eine kleine Ortschaft in der Republik Burjatien (Wiki), die zu Rußland gehört. Die Republik Burjatien liegt am Ostufer des Baikalsees und reicht bis zum Jablonowy-Gebirge. Die dort lebenden Burjaten (Wiki) bilden die nördlichste Sprach- und Volksgruppe der heutigen Mongolen.

Abb. 6: Herkunftsanteile der sequenzierten Menschenfunde (aus 3)

In der beigegebenen Grafik (Abb. 6) sehen wir für die Bronzezeit ("BA"),

  • daß sich Afanassiewo-Leute (hellgrün) mit westsibirischer Jäger-Sammler-Genetik (hellblau) und mongolischer Genetik (rosa) vermischt haben (vermutlich Vorfahren der Altai-Skythen),
  • daß sich iranisch-neolithische Genetik (BMAC) mit westsibirischer Jäger-Sammler-Genetik (hellblau) und mit "karelischer" Genetik (grau) (ugrischer Nganasanen-Genetik?) vermischt haben (vermutlich Chermurchek-Kultur),
  • daß sich westsibirische Jäger und Sammler (rosa) mit Menschen mit mongolischer Genetik vermischt haben (welche Kultur?),
  • daß es (ab 2.000 v. Ztr.) Menschen mit reiner Andronowo-Genetik gegeben hat (orange),
  • daß sich Menschen mit Andronowo-Genetik mit Menschen der Chermurchek-Kultur (braun/rosa) vermischt haben.

Für die Eisenzeit ("IA") sehen wir, daß sich in größeren Herkunftsanteilen in den Menschen und Kulturen Afanassiewo-Genetik, Andronowo-Genetik, monoglische Genetik, westsibirische Jäger-Sammler-Genetik, BMAC-Genetik miteinander mischt. Dasselbe gilt für die Antike ("HE"). Wir sehen also

  • (einheimische) westsibirische Jäger-Sammler-Herkunft ("AfontovaGora3", "TMBA") (dunkelgrün / hellblau)
  • iranisch-neolithische Marghiana-Herkunft (BMCA, "Gonur2") (braun / gelb) 
  • mongolische Burjaten, bzw. "Shamanka"-Herkunft (rosa)
  • Afanassiewo-Herkunft der ersten indogermanischen Ostwanderung (hellgrün),
  • Andronowo-Herkunft (orange) und daraus folgend Sintashta-Herkunft (hell-orange) der zweiten indogermanischen Ostwanderung.

"TMBA" steht für "Tarim Bronzezeit" und repräsentiert die lokale, einheimische, sibirische Jäger-Sammler-Herkunftskomponente. Diese ist - offenbar - sowohl dunkelgrün wie auch hellblau gekennzeichnet. Die ältesten Funde dieser Herkunftsgruppe stammen vom Jennissei in Sibirien aus der Zeit um 15.000 v. Ztr. (Fundort Afontova Gora). Dort fanden sich auch die bislang frühesten Belege für blonde Haarfarbe weltweit. Somit muß es gar nicht so überraschend erscheinen, daß die Wüstenmumien so "europäisch" aussehen.

"Karelia" steht (offenbar) für die mesolithische Jäger-Sammler-Population in Karelien. Diese wird in der Studie mal eben so parallel gesetzt mit der sibirischen Botai-Herkunftsgruppe (3; Suppl, S. 5). Hier sind uns die Zusammenhänge noch nicht ganz klar.

Sicher scheint zu sein: Von der "Afontova Gora"-Jennissei-Bevölkerung aus der Zeit um 15.000 v. Ztr. stammt - nach jetzigem Kenntnisstand - sowohl die weit verbreitete Herkunftsgruppe der osteuropäischen Jäger und Sammler ab (die sich doch eigentlich auch bis Karelien ausgebreitet hatte - ?) wie auch die Botai-Herkunftsgruppe wie auch die Herkunftsgruppe des Tarim-Beckens. Dabei könnte sich aber zum Beispiel die blonde Haarfarbe nur bei den osteuropäischen Jäger und Sammlern gehalten haben, während sich andere Merkmale nur bei den Botai- oder den Tarim-Jägern- und Sammlern gehalten haben könnten. Will heißen: Womöglich haben alle drei Tochter-Populationen noch lange Phasen der Isolation voneinander durchlaufen.**)

Wie es zu diesen drei Tochter-Populationen gekommen ist - ausgehend von der Jennissei-Population um 15.000 v. Ztr. - und welche selektiven und Vermischungs-Prozesse damit verbunden waren, welche Verwandtschafts-Verhältnisse zwischen ihnen bestehen, wird uns sicherlich künftig noch genauer klar werden.

Abb. 7: Verbreitung und Häufigkeit der blonden Haarfarbe im metallzeitlichen Xiangjang (3, Supp, S. 45) in der Bronzezeit (schwarz umrandet), Späten Bronzezeit (grau umrandet), Eisenzeit (gelb umrandet) und Antike (lila umrandet) - "North" = Dsungarei, "West" = Altai-Gebirge, "South" = Tarim-Becken

Im bronzezeitlichen Tianshan-Gebirge ist für ein Individuum helle Haarfarbe nachgewiesen. Im eisenzeitlichen Tianshan-Gebirge hatten vier von 18 Individuen helle Haarfarbe, einer davon sehr stark nach blond tendierend (Abb. 7). Die blonde Haarfarbe kam also insbesondere mit der zweiten indogermanischen Ostwanderung nach Innerasien.

In der Eisenzeit hatten unter den Altai-Skythen ("West") zwei von 15 Individuen blaue Augenfarbe (Abb. 8). Es gab also im eisenzeitlichen Altai-Gebirge - unter den Pazyryk-Skythen - häufiger helle Haar- als Augenfarbe.

Abb. 8: Die Häufigkeit der blaue Augenfarbe in Xiangjiang in Bronze- und Eisenzeit, archäogenetisch bestimmt (aus 3, Suppl, S. 44) - - "North" = Dsungarei, "West" = Altai-Gebirge, "South" = Tarim-Becken

Es wird auch ausgeführt (4):

Zwei frühbronzezeitlichen Tarim-Mumien im östlichen Xinjiang hatten (laut Archäogenetik) dunkelbraune bis schwarze Haare und dunklere Haut trotz ihrer archäologisch als "westlich" eingeordneten Körpermerkmale. Und eine jüngere dritte Mumie aus der späten Bronzezeit hatte diesbezüglich eher mitteldunkle Hautfarbe.
Two Early Bronze Age Tarim Basin mummies in east Xinjiang were found likely to have had dark brown to black hair and darker skin, despite their archeologically-identified "western" features, and a more recent third mummy from the Late Bronze Age was likely to have had a more intermediate skin tone.

Es wird betont, daß die Völkergeschichte rund um das Tarim-Becken seit der Bronzezeit nicht durch "genetic replacements" gekennzeichnet ist, sondern durch wiederholte, zum Teil komplexe Vermischungen.

Beachtenswert ist jedoch weiterhin, daß auch nordostasiatische, also mongolische Herkunft schon während der Frühen Bronzezeit in Xiangjang zu finden ist. Diese hat sich also früher nach dorthin ausgebreitet als bislang bekannt war.

Wir sehen also in der Frühen Bronzezeit in Xiangjiang einheimische Tarim-Herkunft vermischt mit mongolischer "Shamanka"-Herkunft, wir sehen einheimische Herkunft vermischt mit Afanassiewo- und "Shamanka"-Herkunft. Wir sehen einheimische Herkunft vermischt mit "karelischer" (also vermutlich ugrischer) Herkunft und BMCA-Herkunft. Ab 2.000 v. Ztr. die Andronowo-, bzw. Shintashta-Herkunft hinzu kommen. Während der Eisenzeit und der Antike kommen noch hinzu:

  • Han-chinesische Herkunft (dunkelgrün)
  • karelische Herkunft (wohl gleichbedeutend mit ugurischer Ngananasan-Herkunft)

In zwei Fällen sind in Gräbern eineiige Zwillinge miteinander bestattet worden (3; Supp, S. 15). Zwillinge scheinen also lebenslang miteinander zusammen geblieben zu sein.

Soweit ein erster Einblick in die genannten Studien. Um so tiefenschärfer das "archäogenetische Mikroskop" eingestellt wird, um so mehr Prozesse der Ethnogenese, der Volkswerdung und des Untergangs von Völkern wird man feststellen können und genauer eingrenzen können in diesem Raum. Jahrtausende von Geschichte und die Schicksale von zehntausenden von Menschen, von ganzen Kulturen verbergen sich hinter diesen farbigen Balken der Grafik 6. 

Die in diesen Beitrag behandelten beiden archäogenetischen Studien wären es wert, noch viel detaillierter aufgearbeitet zu werden als das in diesem Beitrag geschehen konnte bislang. Vielleicht können wir das künftig noch nachtragen.

/ Ergänzung 20.1.26 / Eine neue archäogenetische Studie aus China bestätigt die hier referierten Abläufe und Zusammenhänge (17).

Einheitliche Kultur im Altai und in der Taklamakan noch in der Eisenzeit

/ Ergänzung 10.4.2026 / Ein schönes Zeugnis für die Einheitlichkeit der "westsibirischen" Kultur noch in der Eisenzeit über tausend Kilometer hinweg zwischen Altai-Gebirge und der Taklamakan-Wüste gibt der deutsche Archäologe Hermann Parzinger (geb. 1959) in einem 2024 geführten Interview (18). Parzinger ist bekannt geworden durch Ausgrabungen von eisenzeitlichen Kurganen der Skythen und der Pazyryk-Kultur im Altai-Gebirge und er sagt (Yt2024):

Interessant ist: Wir haben im Altai die Eismumien. Wir haben in Xinjiang in der Taklamakanwüste Trockenmumien. Die fangen ja schon der Bronzezeit an. Im Wüstensand in Baumsärgen liegen da die Verstorbenen. Und die sind mumifiziert, fantastisch erhalten. Wir haben im ersten Jahrtausend in der Skythenzeit kaum Verbindungen mit der materiellen Kultur. (Im) Tierstil ein bisschen was: man sieht, ja das geht in die Richtung (des) skythischen, aber (es) ist nicht wirklich skythisch. Also auch die Keramik - (das) ist alles schon sehr anders.
Aber die Trockenmumien, die haben ja auch Kleidungsstücke: Pelzmäntel, Röcke, lange Röcke bei den Frauen - die so wie die spanische Flagge (gefärbt sind) rot, gelb, rot in so drei breiten Streifen, wirklich knöchellange Röcke und solche "Harry Potter-Hüte", Filzhüte, wo innen drin so eine Perücke stand. Man hat so einen Holzstab mit so einem Block unten, da hat man das Haar rumgewickelt, die gehen senkrecht nach oben bis 80, 100 cm und darauf (wurde) dann so ein Hut drauf gepackt, also so (einen) spitzen hohen Hut mit so einer Krempe. Und all diese - was ich jetzt beschrieben habe - all diese Trachtbestandteile hat man in Eiskurganen gefunden (...) - und in den Trockenmumien.
Ein Hemd einer Frau, ein Unterhemd mit kurzen Ärmeln: Der Schnitt ..., da waren am Ärmelansatz rote Farbstreifen aufgenäht: identisch in der Taklamakan und im Altai.
Also das ist das, was uns immer wieder unser Lehrer Kossack gesagt hat: die Bruchstückhaftigkeit der Überlieferung. Wenn du das vergleichen würdest, die Gebiete, ...

gemeint ist: wenn man sie vergleichen würde nur aufgrund der Keramik und von Grabungsbefunden, ohne Kenntnis des jeweils erhaltenen organischen Materials,

... wirst du sagen, ja, okay, (das) ist dieselbe Zeit, aber (es besteht) keine Beziehung. Und schaust du dir die Kleidung an, die eigentliche Tracht, die ja in der Regel nicht erhalten ist: Eins zu eins, als wäre es derselbe Schneider gewesen. 

Also über tausend Kilometer hinweg "derselbe Schneider". Zur Erläuterung: Harald Meller und Hermann Parzinger waren akademische Schüler des Münchener Archäologen Georg Kossack (1923-2004) (Wiki), eines Schülers von Hans Reinerth - - - der nach 1945 zu Gero von Merhardt gewechselt ist.***)

Die Pest am Baikal-See 3.500 v. Ztr.

/ Ergänzung 22.6.2026 / Dutzende von Menschen, die zwischen 3500 bis 2850 v. Ztr. auf Gräberstätten am Angara-Fluß westlich vom Baikalsee bestattet wurden, sind sequenziert worden (19). Die Menschen trugen 80 bis 100 % nordostasiatische und bis zu 20 % westsibirische Herkunft in sich (Wiki). Wir lesen (19):

Die Genome der untersuchten Jäger und Sammler deuten auf ein langfristiges Kontinuum von Abstammung aus dem Gebiet der „Ancient North Eurasians“ und aus Nordostasien bis etwa 4500–4000 cal BP hin (Literaturstellen 21, 22).
The genomes of sampled hunter-gatherers indicate a long-term continuum of Ancient North Eurasian and North East Asian ancestry until c. 4500–4000 cal bp (refs. 21,22).

Die Herkunftsgruppe "Ancient North Eurasians" (ANE) steht hier für westsibirische Jäger-Sammler-Herkunft (Wiki):

Westsibirische Jäger und Sammler (WSHG) ist eine spezifische archäogenetische Herkunftsgruppe, die erstmals von Narasimhan et al. (2019) beschrieben wurde. Sie läßt sich als eine Mischung aus 20 % EHG, 73 % ANE und 6 % Ancient Northeast Asian modellieren.
West Siberian Hunter-Gatherer (WSHG) is a specific archaeogenetic lineage that was first reported by Narasimhan et al. (2019). It can be modeled as 20% EHG, 73% ANE and 6% Ancient Northeast Asian.

Die Menschen am Angara-Fluß westlich vom Baikal-See waren also Angehörige jener Herkunftsgruppe, aus der später auch die Hunnen und Mongolen hervor gegangen sind. Fast 40 % der Untersuchten wiesen nun den Pesterreger Yersinia pestis auf, eine noch höhere Rate als in früheren Jahren schon untersuchten mittelalterlichen Pestgräbern. Es gab am Baikalsee in dem genannten Zeitraum zwei Pestepidemien (ScMag2026, SpW2026). Es wird vermutet, daß der Pesterreger von Murmeltieren auf den Menschen über gesprungen ist. 

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*) Aber diese Hypothese steht - zumindest für unser Verständnis - noch auf mancherlei wackligen Füßen (Stgen2018). Der Ursprung der Turkvölker wird von Sprachhistorikern gerne auch in der Manschurei verortet (Stgen2021), wobei die Zuordnung dieser Erkenntnis zur Archäogenetik ebenfalls noch wenig klar ausgearbeitet zu sein scheint - soweit wir das sehen.
**) Zu beachten wäre außerdem, daß sich nach Karelien während der Bronezezeit auch die ugrische "Nganasanen"-Jäger-Sammler-Herkunftsgruppe ausgebreitet hat, zusammen mit der ugrischen Sprachfamilie (zu der unter anderem die Chanten, Ungarn, Karelier und Esten gehören). Soll man die Ergebnisse dieser Studie so verstehen, daß sich diese ugrische Nganasan-Herkunft auch schon während der Bronzezeit bis über den Baikalsee hinaus nach Süden ausgebreitet hat? Die letzte Sprecherin einer ugrischen Sprache hat der estnische Filmemacher und Völkerkundler Lennart Meri ja noch in den 1970er Jahren östlich vom Baikalsee für einen seiner Filme interviewt (siehe andere Beiträge hier auf dem Blog). - Soviel wir aber bislang mitbekommen haben, sind Botai- und Nganasanen-Herkunft doch sehr unterschiedliche Herkunftsgruppen, ebenso wie Botai- und osteuropäische Jäger und Sammler.
***) Georg Kossack stammt aus Neuruppin, kannte also sicherlich das Archäologische Museum in Heiligengrabe und hat sich mit 18 Jahren im Januar 1941 freiwillig zur Wehrmacht, zur Division Großdeutschland gemeldet. Er hat dafür in Neuruppin das Notabitur erhalten. Nach schwerer Verwundung hat er 1942 bei Hans Reinerth in Berlin studiert. Kossack hat zeitlebens die "Wanderungen in der Mark Brandenburg" von Theodor Fontane geliebt (siehe Kossack-Nachlaß).

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  1. Zhang, F., Ning, C., Scott, A., Fu, Q., Bjørn, R., Li, W., ... & Cui, Y. (2021). The genomic origins of the Bronze Age Tarim Basin mummies. Nature, 599(7884), 256-261, https://www.nature.com/articles/s41586-021-04052-7
  2. What is the latest research on the Tarim Basin mummies? (Quora
  3. Vikas Kumar, Wenjun Wang, Jie Zhang, Yongqiang Wang, (...) E. Andrew Bennett, Qiaomei Fu: Bronze and Iron Age population movements underlie Xinjiang population history. Science, 31 Mar 2022, Vol 376, Issue 6588, S. 62-69, DOI: 10.1126/science.abk1534, https://www.science.org/doi/abs/10.1126/science.abk1534; Supp. (pdf)
  4. Chinese Academy of Sciences Headquarters: 5,000-year population history of Xinjiang brought to light in new ancient DNA study, 31.3.2022, https://www.eurekalert.org/news-releases/947799, https://phys.org/pdf567948272.pdf
  5. Bading, Ingo: Die Altai-Skythen und ihre Vorgängerkulturen, 2020 (Stg2020
  6. Bading, I.: Die Frühbronzezeit in den Fürstentümern der Seidenstraße - "Götter, Gräber und Gelehrte" - Ein neues Kapitel, 2007 (Stg2007)
  7. Bading, I.:  Turkvölker, Indogermanen, Sarmaten und Hunnen - Zwischen Mongolei und Kaukasus  Die Geschichte der Völker in der Mongolei und rund um das Altai-Gebirge, 2020, (Stg2020)
  8. .
  9. .
  10. Daniel Yang: Wann wurden Weizen und Hochlandgerste in China eingeführt? Quelle: China Tibet Online, 17.03.2020 (german.tibet2020)
  11. Jia P, Caspari G, Betts A, Mohamadi B, Balz T, Cong D, et al. (2020) Seasonal movements of Bronze Age transhumant pastoralists in western Xinjiang. PLoS ONE 15(11): e0240739. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0240739, https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0240739
  12. A new hypothesis for early Bronze Age cultural diversity in Xinjiang, China. A. Bettsa, P. Jiaa, I. Abuduresule. Archaeological Research in Asia, 2019
  13. Bading, Ingo: Die ältesten Eigendarstellungen seßhafter, europäischer Völker (ab 4200 v. Ztr.) , Dezember 2019, https://studgendeutsch.blogspot.com/2019/12/die-altesten-eigendarstellungen-der.html
  14. Prestel, Peter; Graichen, Gisela: Das Gold von Tuva. Schliemanns Erben - Spezial 1. ZDF 2002, https://youtu.be/1sOHDO_a5aI. [Grabungen Hermann Parzingers]
  15. Prestel, Peter; Graichen, Gisela: Das Geheimnis der Eismumie. Schliemanns Erben - Spezial 2, ZDF 2006 (Yt2006). [Grabungen Hermann Parzingers 2006]
  16. Prestel, Peter; Graichen, Gisela: Das Vermächtnis der Steppenkrieger. Schliemanns Erben 32, ZDF 2010, https://youtu.be/6PcDHUSc_2w. [Archäologe Rüdiger Krause, Spiralstadt Arkaim im Ural (Wiki), Andronowo-Kultur, 2.000 v. Ztr., Sarmaten 200 v. Ztr.]
  17. Zhao, X., Zhang, D., Sun, B. et al. Tracing bronze to iron age population dynamics in Northwest Xinjiang using ancient time-series genomic data. Genome Biol (2026). https://doi.org/10.1186/s13059-026-03943-0 (GenBio2026)
  18. Harald Meller trifft Hermann Parzinger - Skythen. Landesmuseum für Vorgeschichte Halle, 9.4.2026 (Yt2024)
  19. Macleod, R., Seersholm, F.V., De Sanctis, B. et al. Lethal plague outbreaks in Lake Baikal hunter-gatherers 5,500 years ago. Nature 654, 697–705 (2026). (Nature2026)

Samstag, 7. November 2020

Turkvölker, Indogermanen, Sarmaten und Hunnen - Zwischen Mongolei und Kaukasus

Die Geschichte der Völker in der Mongolei und rund um das Altai-Gebirge

Vorbemerkung: Die Inhalte dieses Blogartikels werden auch behandelt und erläutert in einem Video auf meinem Videokanal: https://youtu.be/sA6wpUUvV-c.

Eine neue Studie im Bereich der Archäogenetik ist erschienen (1, 2). Sie wartet mit neuen "Farbspektren" der Herkunftsanteile der vielen Völker auf, die im Laufe der Geschichte in der Mongolei aufgetreten - und wieder untergegangen sind (Abb. 1 und 2). Was für ein farbenprächtiges, wechselhaftes Bild!

In Teilen knüpft die Studie natürlich an ältere Studien an (z.B. 3; siehe auch: 4, 5).

Tasten wir uns nach und nach an diese Völkervielfalt und Epochenvielfalt heran.

Die einzige genetische Kontinuität im Wechsel der Völker innerhalb der Mongolei seit dem Neolithikum stellt die nordostasiatische Jäger-Sammler-Herkunftskomponente dar, repräsentiert ursprünglich durch Funde in der "Devil's Cave" nördlich von Korea und durch noch heute am Amur-Fluß und in Nordost-Sibirien lebende Völker. Bei den heutigen Mongolen macht diese Herkunftskomponente 65 % aus (in Abb. 1 die grünen Balken). Geschichtliche Großreiche bildend, trat dieser Herkunftskomponente aber offenbar erst sehr spät in der Weltgeschichte auf.

Die heutigen Mongolen tragen außerdem zu 15 % indogermanische (westliche) Genetik in sich (Abb. 1 blauer Balken) und 20 % Han-chinesische Genetik (Abb. 1 gelber Balken). (s. Abb. 1: "lateMed_Mongol").

Der Han-chinesische Herkunftsanteil ist jedoch in der Mongolei der allerjüngste Herkunftsanteil von allen, die dort jemals aufgetreten sind. Er ist erst nach der Zeitenwende - etwa ab dem 1. Jahrhundert n. Ztr. - in die Mongolei gelangt. Wenn diese Herkunftsanteile also erst ab der Eisenzeit in der Geschichte der Mongolei "umtriebiger" geworden sind - welche Völker waren es zuvor? Nun, Völker, die - zu nicht geringen Teilen -  vor Ort in der Mongolei heute als ausgestorben gelten müssen.

Im Norden der Mongolei, im Altai-Gebirge und am Baikal-See lebten Angehörige der Völkergruppe der westsibirischen Jäger und Sammler. Es gibt Hinweise, daß das Ausbreitungsgebiet dieser Völkergruppe ursprünglich bis in den Ostiran reichte (4) (s.a. Stgen2022). In Abbildung 1 findet sie sich vor allem in den hellblauen Balken wieder.

In einer anderen archäogenetischen Studie aus dem letzten Jahr wurden zusätzlich noch die Nganasanen (Wiki, engl) als eine wichtige Herkunftsgruppe nordasiatischer Völker genannt (5; in der dortigen Abbildung 1 in der ersten Reihe das dritte Volk von rechts mit dunkelgrüne Farbe). Ihre "paläosibirische Genetik" hat sich später bis auf die Kola-Halbinsel zu den Samen ausgebreitet, ebenso lebt sie in einigen Völkern der Waldtundra weiter, etwa bei den Besermenen und Udmurten (5; Abb. 1 zweite Reihe) und ebenso bei vielen stolzen Reitervölkern wie den Tataren (Ttm, Ttk, Ttz, Tts), der Baschkiren (Bsn, Bsc, Bss), den Altaiern (Alt, Ack), den Tubalaren (Tbl) und den Kasachen (Khk) (5; Abb. 1 dritte Reihe). // Ergänzung 21.6.2022: Inzwischen wissen wir, daß von ihnen auch die Landnahme-Ungarn abstammen (Stgen2022). // Soweit erkennbar, spielt diese Vorfahrengruppe aber in den Völkern und Kulturen, die in dieser neuen Studie erforscht werden, keine Rolle. Umgekehrt scheint die Vorfahrengruppe der westsibirischen Jäger und Sammler in der genannten archäogenetischen Studie aus dem letzten Jahr (5) nicht berücksichtigt zu sein. Ist das eine Folge des Umstands, daß die westsibirische Genetik im Altai-Gebirge und in der Mongolei tatsächlich ausgestorben ist?

Weiter im Westen - im Altai-Gebirge - hatten sich diese westsibirischen Jäger und Sammler jedenfalls mit osteuropäischen Jägern und Sammlern vermischt. Dabei entstand die Botai-Kultur (3.700 bis 3.100 v. Ztr.) (Wiki) (4; darin Abb. 1). Die Angehörige der Botai-Kultur gehörten zu der Völkergruppe der osteuropäischen Jäger und Sammler, hatten sich aber zu etwa einem Viertel mit den westsibirischen Jäger-Sammlern, die am Baikal-See gelebt haben, vermischt (4; darin Abb. 1). Es waren dies Fischer, Jäger und Sammler, die auch von der Jagd auf wilde Pferde lebten. Daß sie es gewesen sein könnten, die das Pferd domestiziert haben, ist länger von der Forschung vermutet worden. Bis heute ist diese Frage aber nicht wirklich geklärt.

Der westsibirische Herkunftsanteil ist nun rund um das Altai-Gebirge und in der westlichen Mongolei im Laufe der Geschichte, also nach der Eisenzeit - scheinbar - völlig ausgestorben. Stattdessen scheint er sich während der Eisenzeit - wahrscheinlich mit den Turkvölkern - bis nach Anatolien und innerhalb der nordindischen Hochkultur offenbar bis nach Ostindien ausgebreitet zu haben (4; darin Abb. 1 - oranger Herkunftsanteil).

Abb. 1: Herkunftskomponenten der Völker rund um das Altai-Gebirge: A. Grün = Ostsibirische Jäger und Sammler (Devil's Cave), Schwarz = Botai-Jäger und Sammler, Hellblau = Westsibirische Jäger und Sammler, Braun = Iranisch-neolithische Bauern, Rot=Urvolk der Indogermanen, Hellbraun=Zweite Welle der Indogermanen

Aber noch der Herkunftsanteil einer weiteren großen Völkergruppe gelangte in das Altai-Gebirge. Ab 2.750 v. Ztr. haben sich Angehörige der Hochkultur der Marghiana aus Turkmenistan (BMAC) (Wiki) (6), also Angehörige vornehmlich der iranisch-neolithischen Völkergruppe, bis in das Altai-Gebirge ausgebreitet. Sie haben sich dort mit den Angehörigen der Botai-Kultur vermischt (1). Daraus entstand die Chemurchek-Kultur (2.750-1.900 v. Ztr.). Dieses Volk hatte zu 60 bis 80 % genetische Botai-Herkunft und zu 20 bis 40 % BMAC-Herkunft (1, S. 4). Die einheimische Botai-Genetik hat im Norden des Altai 80 % betragen, im Süden des Altai 60 %. Die bisherigen archäogenetischen Daten scheinen aber nahezulegen, daß dieses Volk der Chemurchek-Kultur im Altai schon in der Mittleren Bronzezeit genetisch wieder ausgestorben ist (4, S. 4). Wie wechselhaft sich hier die Geschichte gestaltete!

Der Ostiran und die erst spät entdeckte bronzezeitliche Hochkultur der Marghiana in Turkmenistan (auch "Turan-Region", "Oasenkultur") ist erst vor zwei Jahren näher in den Aufmerksamkeits-Kegel der Archäogenetik geraten (4) und nur wenige Jahre zuvor in die Aufmerksamkeit der westlichen Archäologen überhaupt. In dieser Hochkultur in Turkmenistan hatten sich nach Norden ausbreitetende iranisch-neolithische Kulturen mit den einheimischen, westsibirischen Jägern und Sammlern vermischt, also - vermutlich - den Vorfahren der heutigen Turkvölker, die ursprünglich am Baikal-See gelebt hatten (4). Ab 2.300 v. Ztr. findet sich in Baktrien/Turan/Ostiran dann 60 % iranisch-neolithische Herkunft neben 21 % anatolisch-neolithischer Herkunft und 13 % westsibirischer Jäger-Sammler-Herkunft (4).

Kein Wunder vielleicht, daß am Nordrand dieser Hochkultur der Marghiana auch noch ganz andere Völker entstanden sind, nun durch die Zuwanderung indogermanischer Völker nach Osten.

Die Pazyryk-Kultur - Nachkommen westsibirischer Jäger und Sammler

Nach 3.000 v. Ztr. begannen sich nach Westsibirien, in die westliche Mongolei und in das Altai-Gebirge nämlich Angehörige der zweiten Welle der indogermanischen Ostwanderung auszubreiten. In der Mittleren und Späten Bronzezeit stammten im Norden der Mongolei die Angehörigen des einheimischen Volkes der westsibirischen Jäger und Sammler ("Khövsgöl"/"Khovsgol") zu etwa 10 % von diesen Indogermanen ab, zur gleichen Zeit im Altai-Gebirge zu etwa 50 % (Abb. 1: "Altai_MLBA").

Im Osten der Mongolei nahmen die Menschen zwar in dieser Zeit auch die Lebensweise der Herdenhaltung an, die sie - vermutlich - von den Indogermanen kennengelernt hatten. Aber sie scheinen sich über lange Jahrtausende hinweg genetisch so gut wie gar nicht mit diesen Indogermanen aus dem Westen vermischt zu haben (s. "Ulaanzuukh" in Abb. 1). Sie sind repräsentiert durch die Plattengrab-Kultur (Wiki), englisch Slab-Grave-Kultur (Wiki), die im späten 2. und 1. Jahrtausend v. Ztr. über die ganze heutige Mongolei verbreitet war (1.300 bis 300 v. Ztr.).

Während der Frühen Eisenzeit erhöhte sich dieser indogermanische genetische Anteil in Westsibirien auf 50 %. Im südlichen Sibirien gab es die Aldy-Bel-Kultur (Wiki) und die Sagly-Baschi-Kultur (Wiki), auch "Chandman"-Kultur genannt. Sie standen in großer kultureller Nähe zur Pazyryk-Kultur (Wiki). Bei ihnen handelte es sich wiederum zur Hälfte um Nachkommen der zweiten Welle der Indogermanen, zur anderen Hälfte um Nachkommen der westsibirischen Jäger und Sammler. Diese Völkerschaften haben, so scheint es, in der Mongolei und rund um das Altai-Gebirge aber später genetisch keine Nachkommen mehr hinterlassen, sind dort also ausgestorben. Aber sie könnten den Grundstock der nachherigen Turkvölker gebildet haben, also der Uiguren und vieler weiter westlich lebender Turkvölker.

Abb. 2: Die eisenzeitlichen Sarmaten ("Early Samartian IA") tragen Spuren von westsibirischer Jäger-Sammler-Genetik in sich (hellblau), ihre bronzezeitlichen Vorfahren ("Poltavka") noch nicht

Aus dieser Sagli-Baschi-Kultur - mit zur Hälfte indogermanischer Genetik, zur anderen Hälfte westsibirischer Genetik und einem kleinen Anteil iranisch-neolithische Marghiana-Genetik - entsteht dann das Großreich der Xiongnu in der westlichen Mongolei. Im Verlauf seiner Geschichte vermischen sich die westlichen Xiongnu mit den Einwohnern der östlichen Mongolei, wodurch zusätzlich nordostasiatische Genetik in dieses Volk hinein kommt. Das wird in der Studie folgendermaßen charakterisiert (1):

Sechs Individuen stehen genetisch auf der Mitte zwischen den "Frühen Xiongnu im Westen" und dem genetischen Cluster der Plattengrab-Kultur. Vier tragen unterschiedliche genetische Anteile der "Frühen Xiongnu im Westen" (39 bis 75 %) und der Plattengrab-Kultur (25 bis 61 %), zwei sind von der Genetik der Plattengrab-Kultur nicht zu unterscheiden. Hier wird das Verschmelzen von zwei genetisch sehr unterschiedlichen Gruppen in der östlichen Steppe erkennbar.
Six individuals (‘‘earlyXiongnu_rest’’) fall intermediate between the earlyXiongnu_west and Ulaanzuukh_SlabGrave clusters; four carry varying degrees of earlyXiongnu_west (39%–75%) and Ulaanzuukh_SlabGrave (25%–61%) related ancestry, and two (SKT004, JAG001) are indistinguishable from the Ulaanzuukh_- SlabGrave cluster (Figure 3D; Tables S5F and S5G). This genetic cline linking the earlyXiongnu_west and Ulaanzuukh_SlabGrave gene pools signifies the unification of two deeply diverged and distinct lineages on the Eastern Steppe.

Und damit sind dann die Hunnen entstanden, die indogermanische Genetik, Turkvolk-Genetik und "mongolische" Genetik in sich tragen, in der späteren Zeit aber überwiegend die nachmalige "mongolische" Genetik (s. Abb. 1B).

Und während dieses Verschmelzungsprozesses stoßen indogermanische Sarmaten (Wiki) und Alanen (Wiki) zu diesem Großreich der Xiongnu hinzu. Während der westsibirische genetische Anteil ebenso wie der ursprünglichere indogermanische genetische Anteil in dieser Zeit sehr stark zurückgedrängt wird im Großreich der Xiongnu, wird er also noch einmal - sozusagen - "erneuert" durch den Zuzug von Sarmaten und Alanen. Mit ihnen zusammen entstehen nachmalige Turkvölker wie die Uiguren und sicherlich andere Turkvölker, die sich dann bis in den Kaukasus und nach Anatolien ausgebreitet haben.

Die Sarmaten

Wer aber nun waren die genannten Sarmaten? Sie waren ein Reitervolk aus dem Süden des Ural, das zur gleichen Zeit - ab 300 v. Ztr. - die ganze Völkergruppe der hochherzigen antiken Skythen nördlich des Schwarzen Meeres aufgerollt hat (berichtet von den zeitgleichen griechischen Historikern), und das - soweit erkennbar - einen völlig neuen Geist in die europäische Völkergeschichte gebracht hat, womöglich auch neue religiöse Vorstellungen. Ausgerechnet die Genetik dieser Sarmaten nun, von deren Kriegsdiensten im Römischen Reich man viele gute Kenntnisse hat, findet man - zur großen Überraschung der Forscher - um 200 v. Ztr. in der Mongolei bei den  "Weißen Hunnen", bei den "Xiongnu" (2): 

Elf Skelette der Xiongnu-Zeit zeigen eine genetische Signatur, die der der Sarmaten gleicht, Krieger-Nomaden, die die Region nördlich des Schwarzen Meeres dominierten, 2000 Kilometer offener Steppe entfernt von der Mongolei. "Es gibt keine schriftliche Belegen für einen Kontakt der Xiongnu mit Sarmaten und er ist auch durch die Archäologie (noch) nicht gut belegt. Es ist wirklich sehr überraschend, daß sie sich über diese weiten Entfernungen vermischt haben," sagt Tsagaan Turbat, ein Archäologe des Instituts für Archäologie der Mongolischen Akademie der Wissenschaften. "Solche Informationen sind wirkliche 'Game Changer' (etwas Bahnbrechendes). ...
Original: Eleven Xiongnu  period skeletons showed genetic signatures similar to those of the  Sarmatians, nomad warriors who dominated the region north of the Black Sea, 2000 kilometers across the open steppe from Mongolia. “There’s  no written evidence of [Xiongnu] contact with Sarmatians, and it’s not  well-attested archaeologically. It’s really surprising they’re mixing over these long distances,” says Tsagaan Turbat, an archaeologist at the  Mongolian Academy of Sciences’s Institute of Archaeology. “This kind of  information is really a game changer.” In the future, researchers hope the genomes will help reveal how the mysterious nomad empire worked. The  Xiongnu are “doing the things that empires do - forcing or enticing  people to move,” says University of Michigan, Ann Arbor, archaeologist Bryan Miller. “Are people sent out to rule, or are local elites allowed to continue?” he asks. “Only genetics could answer that.”

2017 hieß es in einer archäogenetischen Studie über Sarmaten vom Fundort Pokrovka südwestlich des Ural (3):

Die beiden frühen Sarmaten-Funde aus dem Westen fallen (genetisch gesehen) in die Nähe eines eisenzeitlichen Fundes aus dem Samara-Distrikt und stehen im allgemeinen den frühbronzezeitlichen Yamnaya-Funden von Samara und Kalmykien und den mittelbronzezeitlichen Poltavka-Funden von Samara nahe.
The two Early Sarmatian samples from the West (group #3 in Fig. 2) fall close to an Iron Age sample from the Samara district and are generally close to the Early Bronze Age Yamnaya samples from Samara and Kalmykia and the Middle Bronze Age Poltavka samples from Samara.

Zusammen genommen mit den Auskünften aus den Abbildungen 1 und 2 der neuen Studie (1) ist das dahingehend zu verstehen, daß sich die Sarmaten südwestlich des Ural ("Poltavka") - wie andere indogermanische Kulturen an der Wolga (Samara) - bis zum Ende der Bronzezeit im wesentlichen die ursprünglichste Genetik des Urvolkes der Indogermanen erhalten hatten (siehe Poltavka, Yamnaya_Samara/Kalmykia und Afanasievo in Abbildung 2). Das heißt, daß sie bis dahin nicht jene typische Einmischung anatolisch-neolithischer Genetik aufgewiesen haben, die für viele indogermanischen Kulturen rund um sie herum ab 3.000 v. Ztr. charakteristisch wurden (Sintashta, Schnurkeramik, Glockenbecher, Andronovo, Srubnaya).

Abb. 3: Samarten mit Spangenhelmen - Darstellung auf römischem Sarkophag

Ab der Eisenzeit allerdings sind auch bei ihnen erstens kleinere Anteile von Einmischungen zu anatolisch-neolithischer Genetik zu erkennen. Ebenso aber auch Einmischungen von ursprünglicher westsibirischer wie auch nordostasiatischer Genetik ("Devils Gate"). Und genau dieses genetische Profil scheint sich dann um die Zeitenwende in der Mongolei bei den Xiognu wiederzufinden, weshalb die Archäogenetiker auf eine Zuwanderung von Saramaten in die Mongolei schließen.

Haben die Sarmaten die Religion der völkerwanderungszeitlichen Germanen beeinflußt?

Noch heutige wilde Bergvölker des Kaukasus wie die Osseten und andere führen ihre Herkunft auf Sarmaten und Alanen zurück. Ihre Mythologie (Wiki), die mündlich überlieferten "Narten"-Sagen (Wiki, engl), erinnern nun vom Geist und Inhalt in vielem an die religionsgeschichtlich jüngeren germanischen Göttergestalten Loki und Odin, an Götter also, die oft als Zutaten zur ursprünglichen indogermanischen Mythologie gedeutet werden (7, 8).*) Dies gilt insbesondere für einen Unterstamm der Samarten, die Narten (Wiki). Bei ihnen findet man viele ähnliche mythologische Elemente wie bei den germanischen Völkern. Die Alanen siedelten im Zuge der germanischen Völkerwanderung fast in allen Teilen Europas, bergründeten kurzzeitig auch in Spanien ein eigenes Reich. Und noch im Mittelalter führten viele Adlige stolz ihre Herkunft auf die Alanen zurück.

Noch der klassische Spangenhelm (Wiki) der völkerwanderungszeitlichen Germanen wird auf den Spangenhelm der Sarmaten zurück geführt, von denen viele als Hilfstruppen bis hoch hinauf nach Britannien innerhalb des römischen Heeres gedient haben.

Als im Jahr 375 n. Ztr. die Hunnen (Wiki) die Goten an der Wolga besiegten und nach Westen vordrangen und hier die germanische Völkerwanderung auslösten, war damit also nur die allerletzte Phase einer unglaublich langen und wechselvollen Völkergeschichte auf der West-Ost-Achse zwischen Mongolei und Atlantikküste eingeläutet, einer Völkergeschichte, die mehr als fünftausend Jahre zuvor begonnen hatte.

Um es also noch einmal klar zu sagen: Nach den Ergebnissen dieser neuen Studie verliert sich die westsibirische Herkunftskomponente nach dem Ende des Großreiches der Xiongnu im Großraum der Mongolei. In den nachfolgenden Turkvölkern scheint sie ebensowenig mehr vorhanden zu sein wie die vorherigen indogermanischen Herkunftsanteile. Aber an ihre Stelle tritt - zu 5 % (bei den Khitan [Wiki]) bis 45 % (bei den Uiguren) - Genetik der Sarmaten und Alanen.

Anhang: Snorri Sturleson 1230 n. Ztr. zur Frage, wie der Gott Odin nach Skandinavien kam

 
Vielleicht macht es auch in solchen Zusammenhängen Sinn, sich an das zu erinnern, was ein Laienforscher und Georgien-Freund namens Walter Schüle (Backnang, Jahrgang etwa 1958) (Fb) schon 2016 auf Facebook über den isländischen Historiker Snorri Sturleson (1179-1241) (Wiki) schreibt (FB 2016):
Der Isländer Snorri Sturluson war ein Dichter und Gelehrter des 12./13. Jahrhunderts. Er schrieb um 1230 das beachtenswerte Werk "Heimskringla", das die nordische Mythologie anhand völlig weltlicher Geschichte erklärte. Demnach war die germanische Göttin "Freya" ursprünglich die Tochter eines Stadtbewohners aus Vanaheim/Tanais, einer griechischsprachigen Kolonie in der heutigen Südukraine. Nachdem die Stadtbewohner die Asen eigentlich besiegt hatten (vgl auch Völuspà, Vers 28), sich aber auf einen Verhandlungsfrieden mit den Asen einigten, kam Freya, urprünglich eine Priesterin aus Tanais als Geisel zu den Asen, die daraufhin statt griechischen Schwarzmeerkolonien den Norden, insbesondere Sachsen und Schweden heimsuchten. Odin, nach Sturluson ein weltlicher Asenfürst, nahm seinen Heimsitz am Välarsee in Schweden, wo er in seinem Bett starb und sich kurz vor seinem Tod mit der Lanze verletzen liess, um den Tod eines Kriegers nach zu empfinden. Auf Odin als König Schwedens folgte daraufhin der reiche Njörður (Freyas Vater) als König des Friedens und unglaublichen Wohlstands. Seine Tochter Freya aber wirkte als Priesterin (auch als Vollzieherin der Blutopfer) und ihr Name wurde fortan zur ehrenvollen Anrede aller Frauen verwendet, woher das Wort "Frue" herstammen würde. (Vgl. Snorri Sturlusons "Heimskringla", Kapitel 1-13)
2019 schrieb Walter Schüle (FB 2019):
Nimmt man Snorri Sturlusons Bericht über die Heimskringla ernst, dann entstand das kriegerische Element der germanischen Religion kurz vor der römischen Ausbreitung. Womit übrigens der Wodans-Kult nur unwesentlich älter als das Christentum wäre. Da Snorris Bericht auf eine ethnisch iranische Herkunft des historischen Wodans (und eine griechische Herkunft der Vanen-Götter) hinweist, erklärt dies auch, warum die aus dem Mittelalter überlieferten Relikte der kriegerischen germanischen Religion überhaupt nicht zum Nerthus- oder Forseti-Kult passen, die etwa von Tacitus überliefert wurden. Demnach war die germanische Religion wohl tatsächlich relativ friedlich und annähernd egalitär. Kurz vor der römischen Ausbreitung belagerte eine iranische Elite aus dem nördlichen Schwarzmeerraum vergeblich eine griechische Kolonie am Don-Delta und eroberte dann (mit drei Griechen im Schlepptau) Teile Mitteleuropas und Skandinaviens. Aus deren Gefolge entstand eine kriegerische Elite, die dann den Grundstock für die sehr kampfstarken Germanenheere des Altertums bildeten. Jedenfalls, wenn man (wie ich) der Heimskringla historischen Wert beimißt.
Und:
Bei Snorri Sturlusons Heimskringla handelt es sich um eine historische Erklärung für den Hintergrund der beiden Eddas. Sturluson zufolge lag Vanaheim am Delta des Dons. Was auf eine griechische Schwarzmeerkolonie hinweist. Für die umliegenden Völker am Don nimmt die Mainstream-Linguistik einen iranischen Hintergrund an, genauer gesagt: Es dürfte sich um die sprachlichen Onkels der heutigen Osseten handeln. Der Ausdruck "Vanen" bzw. "Vanaheim" passt übrigens exzellent in die iranische Annahme, da das Suffix -van, das sich auch noch im nicht-iranischen armenisch findet, in einigen iranischen Sprachen "befestigter Ort" bedeutet. Vanaheim würde sich dann als "Ort befestigter Städten" bzw. "umfriedetes Stadtgebiet" und "Vanen" als "Stadtbewohner" deuten lassen. Auch der Name "Asen" passt wunderbar auf die nähere Verwandtschaft der Osseten. Der Namen "Osseten" ist ein georgisches Fremdwort" und verweist im Original auf ein Volk, das sich selbst "Osen" nennt. Der Sprung von Osen zu Asen ist nicht sonderlich weit, wobei die Variante "Asen" ebenfalls in der Selbstbezeichnung der Osseten auftaucht. Die Osseten jedenfalls sind ohne Zweifel ein iranisches Volk, das in der Antike sehr gut nachweisbare Ausläufer bis nach Mitteleuropa aufwies. Sprachliche Zeugnisse, die eine enge Beziehung zum ossetischen Iron aufweisen, wurden übrigens noch im mittelalterlichen Ungarn gefunden (siehe Jazygen). Weiterhin sind sehr enge politische Verflechtungen zwischen iranischen Alanen und germanischen Heeren nachweisbar. Insbesondere unter Bogenschützen und leichter Kavallerie. Die Annahme, dass es sich bei den nordischen Asen um die historischen Asen handelte, würde übrigens auch den Namen der Vanen erklären. Der Ausdruck "Van" taucht nämlich in einigen iranischen Sprachen (und auch in der nicht-iranischen armenischen Sprache, die sehr viele Iranismen beinhaltet) im Sinne von "befestigter Ort" auf. Die Vanen wären demnach ganz einfach die Stadtbewohner. Es gibt übrigens eine Reihe von Logikfehlern in der Edda, die sich ziemlich gut auflösen lassen, wenn man die Heimskringla als historische Erklärung des Hintergrunds gelten liesse.
Und:
Mal zu den Logikfehlern in der Edda: Die Edda beschreibt den Vanenkrieg, einen Krieg zwischen Asen und Vanen. So weit so gut. Am Ende dieses Krieges tauchen die Vanen bei den Asen als "2. Geige" auf. Die Mainstream-Philologie interpretiert dies als Sieg der kriegerischen Asen, die ihre besiegten, nicht so kriegstüchtigen Gegner in ihren Stamm aufnahmen. Diese These hat aber einen Logikfehler: Die Edda schreibt NIRGENDS von einem Sieg der Asen im Vanenkrieg! Nirgends! Stattdessen schreibt schon das erste Lied der Edda (die Völuspa) von einer vernichtenden Niederlage der Asen. Ausgelöst durch die Kriegskunst der ganz und gar nicht untüchtigen Vanen! Zitat: "Gebrochen war der Burgwall der Asen. Schlachtkundige Vanen stampften das Feld." (Völuspa, Vers 24). Die beiden Eddas alleine vermögen die folgende Situation nicht aufzulösen: Warum sind die Wanen, die sogar die Stammburg der Asen niederbrennen zwar die völlig unbestreitbaren Sieger im Vanenkrieg, spielen aber dennoch später die zweite Geige? Der Mainstream argumentiert hier mit einer irgendwie vorkommenden Niederlage der Vanen, die man nur vergessen hätte, in einer der Eddas niederzuschreiben. Und die auch Snorri Sturluson irgendwie vergessen hätte zu erwähnen. Die Eddas schreiben ja nur von einem überwältigenden Sieg der Vanen. Nun, Snorri Sturluson hat nichts vergessen. Er schrieb außer der Prosa-Edda noch die Heimskringla, ein von den Germanisten eher stiefmütterlich betrachtetes Werk. Die Heimskringla, die in geografischer Hinsicht Vanaheim ausdrücklich am Nordufer des schwarzen Meeres (Raum Don/Asowsches Meer) verortet, beschreibt nicht nur einen klaren Punktsieg der Vanen im Vanenkrieg. Sie beschreibt auch, dass Asen und Vanen letztlich einen Friedensvertrag aushandelten, der die gegenseitige Überstellung von Geiseln beinhaltete. Dabei kamen von den Stadtbewohnern drei Personen als Geiseln zu den Vanen, nämlich Njörd und seine beiden Kinder Freyr und Freya. Ob es sich um Eigennamen der Betroffenen handelt, um germanische Analogien oder vielleicht um iranische Spitznamen, wäre separat zu klären. Auch die Asen sandten nach der Heimskringla zwei kluge Männer als Geiseln zu den Vanen: Nämlich Hönir und Mimir. Wobei Mimir tatsächlich klug, Hönir aber ein Vollidiot war. Sobald die Wanen bemerkten, dass sie nicht zwei weise Männer, sondern einen Weisen und einen Vollidioten bekommen hatten, köpften sie Mimir und schickten Odin dessen abgetrenntes Haupt, das er offenbar mumifizieren oder sonstwie konservieren liess. Diese Variante der Heimskringla ist jedenfalls in sich stimmig. Ganz im Gegensatz zur Auffassung, dass die Edda lediglich vergessen hätte, den glänzenden Sieg der Asen im ersten Götterkrieg zu berichten. Die Heimskringla berichtet auch, dass Odin daraufhin beschlossen hatte, dass seine Nachkommen im Norden herrschen sollte und er unterwarf Sachsen und Schweden, starb in seinem Bett in der Nähe des heutigen Stockholm und liess sich vor seinem Tod nochmals mit einer Lanze verletzen, um einen Kriegertod nachzufühlen. Politisch beerbt wurde Odin von dem Vanen Njörd unter dem der Handel aufblühte und dann von Njörds Tochter Freya. Da der Heimskringla zufolge der skandinawische Adel von Odin und seinem Gefolge abstammt, kann hier sehr wohl von einer iranischen Elite innerhalb eines germanischen Substrats gesprochen werden. Ob diese Elite sich auch genetisch bemerkbar machen muss, steht auf einem anderen Blatt. Denn die Heimskringla überliefert nicht, aus welchen Ethnien die Krieger Odins stammten. Ich persönlich vermute, dass er überwiegend iranische Völker aus heute slawischsprachigen Gegenden rekrutierte, man also nach ukrainischer, polnischer oder weißrussischer DNA suchen müsste. Nicht unwahrscheinlich ist aber auch, dass er womöglich im Rahmen innergermanischer Konflikte auch größere Mengen germanischer Fußtruppen hatte. Ähnlich wie die Germanen der Völkerwanderung in großem Stil iranische Söldner unter den Alanen anwarben.
Und:
Eine weitere unlogische Sache in der Edda: Die Edda erwähnt Odins Frau Frigga und Odins Brüder Wili und We. Alle drei spielen aber sehr untergeordnete Rollen, Wili und We sind sogar reine Statisten mit nur einmaliger Erwähnung. Auch hier führt die Heimskringla eine überzeugende Erklärung an: Odin, Wili und We waren tatsächlich drei Brüder. Odin ging auf einen Kriegszug, wurde für Tod gehalten und nach vermutbarem Brauch stieg seine Frau Frigga dann offenbar mit seinen Brüdern Wili und We ins Bett (warum ausgerechnet mit allen beiden, bleibe dem Kopfkino des Lesers überlassen). Jedenfalls: Totgeglaubte leben länger. So auch Odin, der doch noch unter den Lebenden weilte. Man braucht nicht viel Empathie für die Vermutung, dass bei Odins daraufhin der Haussegen etwas schief hing. Spätestens nachdem Odin vergeblich Tanais/Vanaheim belagerte und sein Betrug beim Austausch der Geiseln bemerkt wurde, war es Zeit, den Brüdern Lebewohl zu sagen. Und weit weg zu gehen. Zum Beispiel in den Norden, nach Sachsen und Schweden. Seine Brüder kamen offenbar nicht mit. Und ob Frigga danach noch die glücklichste Ehefrau Europas war, mag man auch mal bezweifeln.
Auf private Nachfrage schrieb mir Walter Schüle dazu noch:
Meine Überlegung geht fast ausschliesslich aus dem Studium der Primärliteratur zurück. Anstöße aus Sekundärliteratur nahm ich natürlich auf, allerdings ist mir kein Buch untergekommen, das den von mir favorisierten Ansatz verfolgt. Es ist daher zumindest mal ein von mir entwickelter Ansatz. Was nicht ausschliesst, dass jemand anders mal den gleichen Gedanken hatte.

_________

*) Interessanterweise hat zu diesem Thema auch der oberste Priester der russisch-orthodoxen Kirche in Deutschland André Sikojev (geb. 1961) (Wiki) Quellentext auf Deutsch herausgebracht.

_________
  1. A Dynamic 6,000-Year Genetic History of Eurasia’s Eastern Steppe. Choongwon Jeong, Ke Wang, Shevan Wilkin, Myagmar Erdene, Jessica Hendy, Christina Warinner. Cell, Open Access, Published:November 05, 2020, DOI:https://doi.org/10.1016/j.cell.2020.10.015, https://www.cell.com/cell/fulltext/S0092-8674(20)31321-0.
  2. How the horse powered human prehistory, Andrew Curry Science  06 Nov 2020: Vol. 370, Issue 6517, pp. 646-647, DOI: 10.1126/science.370.6517.646 https://science.sciencemag.org/content/370/6517/646
  3. Ancestry and demography and descendants of Iron Age nomads of the Eurasian Steppe. Martina Unterländer, Friso Palstra, Iosif Lazaridis, Aleksandr Pilipenko, Zuzana Hofmanová, Melanie Groß, Christian Sell, Jens Blöcher, Karola Kirsanow, Nadin Rohland, Benjamin Rieger, Elke Kaiser, Wolfram Schier, Dimitri Pozdniakov, Aleksandr Khokhlov, Myriam Georges, Sandra Wilde, Adam Powell, Evelyne Heyer, Mathias Currat, David Reich, Zainolla Samashev, Hermann Parzinger, Vyacheslav I. Molodin & Joachim Burger. Nature Communications volume 8, Article number: 14615 (2017), Published: 03 March 2017, https://www.nature.com/articles/ncomms14615
  4. Bading, Ingo: Die Indogermanen, ihre Nachbarvölker, ihre Ausbreitungsgebiete ,06/2018, https://studgendeutsch.blogspot.com/2018/06/die-indogermanen-ihre-nachbarvolker.html
  5. Bading, Ingo: Ihr Völker Asiens, ihr Völker Europas, 1. Mai 2019, https://studgendeutsch.blogspot.com/2019/05/ihr-volker-asiens-ihr-volker-europas.html
  6. Bading, Ingo: Die Marghiana - Eine Hochkultur im Westen der Seidenstraße, 11/2019, https://studgendeutsch.blogspot.com/2019/11/eine-hochkultur-im-westen-der.html 
  7. Georges Dumézil: Loki. Darmstadt 1959 
  8. Kinder der Sonne. Die Narten - das große Epos des Kaukasus. Hrsg. von André Sikojev, Hugendubel, Kreuzlingen 2007
  9. Bading, Ingo: Die Ethnogenese des chinesischen Volkes - Sie erfolgte offenbar (bis in historische Zeit hinein) autochthon, ohne größere Zuwanderung von auswärts, 27. März 2020, https://studgendeutsch.blogspot.com/2020/03/die-ethnogenese-des-chinesischen-volkes.html
  10. Bading, Ingo: "Söhne der Sonne" - Die Indogermanen Asiens, 1. Juli 2018 (mit aktuellem Nachtrag vom 8.11.2020), https://studgendeutsch.blogspot.com/2018/07/sohne-der-sonne-die-indogermanen-asiens.html.
  11. manasataramgini:  The ethnogenesis of the Mongols, 6.11.2020, https://twitter.com/blog_supplement/status/1324593436822044673
  12. Damgaard et. al. 2018 (Eske Willerslev): 137 ancient human genomes from across the Eurasian steppes. Nature Magazine, 9. Mai 2018
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