Zwei archäogenetische Forschungsstudien aus der Forschungsgruppe von David Reich sind 2023 und 2025 zur ungarischen Tiefebene erschienen (1, 2). Vor allem die zweite läßt uns ein wenig unbefriedigt zurück. Aber zunächst zur ersten Studie aus den Jahren 2023 (Preprint) und 2024.
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| Abb. 1: Weibliche Figur der Lengyel-Kultur aus Unterpullendorf im Burgenland, um 4.700 v. Ztr. (Wiki) |
Ihr Ergebnis lautet: Aus der Starcevo-Körös-Kultur (6.000-5.600 v. Ztr.) (Wiki) ging in der Ungarischen Tiefebene die Alföld-Linearkeramik (5.500-4.900 v. Ztr.) (Wiki) hervor. Die Menschen der letzteren Kultur trugen 12 % Jäger-Sammler-Genetik in sich, einen leicht höheren Prozentsatz als bei der zeitgleichen Bandkeramik im übrigen Europa (1). Auch von den Archäologen wurde die Alföld-Linearkeramik (Wiki) innerhalb Ungarns im Flußgebiet der Theiß schon seit Jahrzehnten allein aufgrund kultureller Merkmale von der übrigen Bandkeramik Mitteleuropas (Wiki) unterschieden. Wir lesen (Wiki):
Im Westen bildet ein siedlungsleerer Raum die Grenze zum Donaugebiet.
Dieser Umstand ist gut auf Abbildung 3 dargestellt. Das heißt, wir haben es tatsächlich mit zwei unterschiedlichen Völkern zu tun, die sich hier nicht zu nahe kommen wollten (Abb. 3). Und weiter (1):
Individuen der östlichen LBK-Kultur in Ungarn (ALPC) haben im Durchschnitt 11,5 ± 0,4 % WHG-Abstammung (p = 0,73 für Eignung) (Abbildung 2). Im Gegensatz dazu haben Personen aus der Slowakei_LBK und der Österreichischen_LBK einen durchschnittlichen WHG-Anteil von 4,0 ± 0,4 % (p = 0,06).Eastern LBK Hungary_ALPC individuals have, on average, 11.5±0.4% WHG ancestry (p=0.73 for fit) (Figure 2). In contrast, Slovakia_LBK and Austria_LBK individuals have an average of 4.0±0.4% WHG (p=0.06).
WHG steht hier für "westeuropäische Jäger und Sammler", die ursprünglich in diesen Regionen einheimische Bevölkerung.
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| Abb. 2: Die Heimat der Alföld-Linearkeramik im Verhältnis zur übrigen Bandkeramik (aus 1) |
Wir lesen dazu in der ersten Studie (1):
Die LBK wird häufig in zwei Untergruppen unterteilt: die „östliche LBK“ der "Alföld Linearbankeramik Culture" (ALPC), die auf den Osten des Karpatenbeckens beschränkt ist, und die ausgedehnte „westliche LBK“. Die westliche LBK breitete sich in zwei Wellen aus, zunächst von Transdanubien aus, ca. 5.500 v. Ztr. in die Slowakei, nach Österreich, Mähren, Böhmen sowie nach Mittel- und Ostdeutschland. Mehrere Jahrhunderte später erreichte eine zweite Welle das Pariser Becken und angrenzende Gebiete Frankreichs im Westen bis zur Normandie und im Osten bis nach Polen, der Ukraine, Moldawien und Rumänien.The LBK is often divided into two subgroups: the 'eastern LBK' Alföld Linearbankeramik Culture (ALPC) limited to the east of the Carpathian Basin, and the expansive 'western LBK'. The western LBK spread in two waves, first from Transdanubia, at ca. 5500 BCE, to Slovakia, Austria, Moravia, Bohemia, and central and eastern Germany. Several centuries later, a second wave reached the Paris basin and adjacent areas of France as far west as Normandy and as far east as Poland, Ukraine, Moldova, and Romania.
So der archäologische Forschungsstand.
Im Diskussionsteil heißt es (1):
Wir berichten von einem durchschnittlichen WHG-Anteil von etwa 11 % in der ALPC, der bei einigen Individuen bis zu 35 % erreichte. Dies steht im Gegensatz zum deutlich niedrigeren Durchschnitt bei den untersuchten Individuen aus Österreich (durchschnittlich 4,5 % mit einer Spanne von bis zu 14 %) und der Slowakei (durchschnittlich 4 % mit einer Spanne von bis zu 8 %). Dies deutet darauf hin, daß die Vermischung zwischen Bauern und Jägern der Großen Ungarischen Tiefebene umfangreicher war als in den westlicher gelegenen LBK-Gemeinschaften. Diese Vermischung zeigt trotz des hohen Anteils an mit WHG assoziierten Y-Chromosom-Haplogruppen keine geschlechtsspezifische Tendenz. Die Korrelation zwischen Isotopen- und Gendaten zeigt keine statistischen Zusammenhänge zwischen Ernährung und Mobilitätsmustern zwischen den Familien in Nitra Horné Krškany und Polgár-Ferenci-hát. Wir fanden jedoch Hinweise auf eine hohe Variabilität der Mobilität innerhalb der Familien, zumindest in Nitra Horné Krškany. Wir beobachteten keine Korrelation zwischen genetischen Mustern und archäologischen Markern des sozialen Status. Wir können daher keine Aussagen über eine durch den sozialen Status bedingte Bevölkerungsstruktur in der LBK treffen.We report an average of around 11% WHG ancestry in the ALPC, a proportion that reached as high as 35% in some individuals. This contrasts with the much lower average among the studied individuals from Austria (an average of 4.5% with a range of up to 14%) and Slovakia (an average of 4% with a range of up to 8%). This suggests that the admixture between farmers and hunters of the Great Hungarian Plain was more extensive than among the more westerly LBK communities. This admixture shows no sex-biased trend despite the high fraction of Y-chromosome haplogroups associated with WHG. The correlation between isotopic and genetic data shows no statistical relationships between diet and mobility patterns between families in Nitra Horné Krškany and Polgár-Ferenci-hát, but we found evidence for high variation in mobility within families, at least at Nitra Horné Krškany. We observed no evidence of a correlation between genetic patterns and archaeological markers of social status. We can therefore make no claims regarding population substructure driven by social status in the LBK.
Hier auf dem Blog waren wir bislang von einem durchschnittlichen WHG-Anteil der Bandkeramik von sieben Prozent ausgegangen. Nun ist die Rede von 4,5 und 4 Prozent.
Die hohe Bevölkerungsdichte der Bandkeramik
Es wird auch das Massaker von Schletz (Wiki), fünfzig Kilometer nördlich von Wien in der Zeit um 5.000 v. Ztr. erörtert, bei dem über 200 Gefangene getötet worden waren. Die Getöteten repräsentierten den Durchschnitt einer Bevölkerung, nur der Anteil junger Frauen war deutlich erniedrigt. Die neue Studie stellt außerdem fest, daß es keinerlei engere genetische Verwandtschaft zwischen den 200 getöteten Menschen des Massengrabes gab, was in eindrucksvoller Weise auf eine sehr große Ausgangsbevölkerung schließen läßt (1):
Dies läßt Zweifel an der Vorstellung aufkommen, daß die am Graben geborgenen Personen eine örtliche Gemeinschaft darstellen, und legt stattdessen nahe, daß die an diesem Ort massakrierten Menschen wahrscheinlich aus einer weit verteilten Bevölkerung stammten.This raises doubts regarding the idea that the individuals recovered at the ditch represent a local community, and instead suggests that people massacred at this key were likely drawn from a widespread population.
Auf jeden Fall macht dieser Umstand auch einmal erneut aufmerksam auf die hohe Bevölkerungsdichte der Bandkeramik.
Die Lengyel-Kultur in der Ungarischen Tiefebene
Massaker wie die von Schletz stehen am Ende der bandkeramischen Kultur westlich der Donau. Und östlich der Donau in der Ungarischen Tiefebene? Wie ging es dort nun nach dem Ende der Alföld-Bandkeramik weiter?
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| Abb. 4: Keramik der Lengyel-Kultur (Alch) |
Die Lengyel-Kultur entstand wohl westlich der Donau, breitete sich aber auch in die Ungarische Tiefebene aus, zumindest kulturell. In der Böhmen-Studie von 2021 hatten wir schon gesehen, daß sie mit einem erhöhten Herkunftsanteil von Karpaten-Jäger-Sammler-Genetik einher ging.
Die Archäologen finden in der Lengyel-Kultur nicht unbedingt "exzentrischere" Keramik-Formen als zuvor in der Bandkeramik, aber doch einen kennzeichnenden, eigenwilligen Gestaltungswillen (s. Abb. 4). Auch hier auf dem Blog hatten gelegentlich schon anthropomorphe Figurinen der Lengyel-Kultur die Aufmerksamkeit erregt. So als 2007 in Südmähren ein Bruchteil einer 50 Zentimeter hohen Frauenfigur gefunden wurde (Stg2007) und ebenso die weibliche Figur von Unterpullendorf im Burgenland (Abb. 1) geradezu als eine der Frühformen von Porträtdarstellungen in der Menschheitsgeschichte (Stg2021). Und genau diese anthropomorphe Figurinen der Lengyel-Kultur unterscheiden sie von anderen neolithischen Kulturen.
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| Abb. 5: Die deutliche Zunahme von Wildtierknochen in den Siedlungen der Lengyel-Kultur |
Während in der Starcevo-Körös-Kultur bislang 500 Figurinen entdeckt wurden, in der Bandkeramik 400 Figurinen, davon aber nur ganz wenige östlich der Oder und nördlich des Mährischen Tores (s. 3, Abb. 2), finden sich in der Lengyel-Kultur nun über 1200 Figurinen. In einer Studie aus dem Jahr 2024 heißt es dazu (3):
Im Westen gerieten die anthropomorphen Figurinen am Ende der Bandkeramik außer Gebrauch, während im Osten, insbesondere in der Lengyel-Kultur, die Anzahl der Funde dieser Figurinen sprunghaft anstieg. Die Lengyel-Figurinen stellen jedoch keine einfache Fortsetzung der bandkeramischen Figurinen dar. Sie zeigen Einflüsse der benachbarten Vinča-Kultur, weisen aber auch Merkmale auf, die an die mehrere Jahrhunderte zuvor entstandene Starčevo-Kultur erinnern, wie etwa verzerrte Körperproportionen und betonte Hüften und Gesäße sowie typische und standardisierte Bruchmuster. Offenbar verfolgten die nachbandkeramischen Gemeinschaften unterschiedliche Strategien, um mit den veränderten Umständen umzugehen: Im Westen wurde die Verwendung von Figurinen eingestellt, während im Osten mit einer größeren Anzahl an Figürchen als je zuvor die Situation besser bewältigt werden sollte und man so zu früheren Praktiken zurückkehrte.
Es handelt sich - wie bei der Keramik - um urtümlich und eigenwillig Gestaltetes (Abb. 1, 6). Das vermehrte Auftreten dieser Figurinen wird von den Forschern in Beziehung gesetzt zu dem ebenfalls sprunghaft ansteigenden Wildtierknochen-Anteil in den Lengyel-Siedlungen (Abb. 5).
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| Abb. 6: Vier Figurinen der Lengyel-Kultur aus Serbien (aus 3) - von links: a) aus Žarkovo, b) aus Grabovac, c) aus Banjica, d) aus PopovićSerbia. |
Alles deutet unserer Meinung deshalb darauf hin, daß sich mit der Lengyel-Kultur ein ganz neues Volk ausgebreitet hat, das - wie schon in der Böhmen-Studie von 2021 heraus gearbeitet - auch genetisch etwas Neues darstellte.
Die archäogenetische Studie der Forschungsgruppe um David Reich zu den nachbandkeramischen Kulturen in der Ungarischen Tiefebene betont allerdings die genetische Kontinuität gegenüber der Alföld-Keramik-Kultur: Durchschnittlich 12 % Jäger-Sammler-Genetik, die die Alföld-Bandkeramiker in sich trugen, seien in etwa auch in den neolithischen Nachfolge-Kulturen der Alföld-Linearkeramik erhalten geblieben (2).*)
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| Abb. 7: Der Jäger-Sammler-Herkunftsanteil in archäologischen Kulturen der Ungarischen Tiefebene (aus 2) |
Aber in diesen 12 % Jäger-Sammler-Anteil findet sich nun bei etwa der Hälfte der Angehörigen der Lengyel-Kultur in der ungarischen Tiefebene ein Herkunftsanteil von osteuropäischen Jägern und Sammlern ("EHG") (Abb. 7: rot) gegenüber dem bisher allein vorherrschenden Herkunftsanteil der westeuropäischen Jäger und Sammler ("WHG") (Abb. 7: blau). In den "Supplementary Informations" der Studie wird zu der untersuchten Kultur von archäologischer Seite ausgeführt (1; Suppl., S. 1):
Aszód-Papi földek ist eine Fundstätte der Lengyel-Kultur am Hang von Gödöllő in Nordungarn. (...) Die Siedlung läßt sich auf 4800-4730 v. Ztr. (68,3 %) bis 4760–4690 v. Ztr. (68,3 %) datieren. (...) Die materielle Kultur zeugt von intensivem Austausch sowohl mit der Großen Ungarischen Tiefebene als auch mit Transdanubien. Kulturell gehört Aszód-Papi földek zur osttransdanubischen Gruppe des Lengyel-Komplexes, wobei sowohl Keramik im Lengyel- als auch im Tisza-Stil vorkommt. (...) Polierte Steinbeil-Klingen, Anhänger aus Wildschweinhauern und Wildschweinkiefer waren Statussymbole für Männer und drückten ihre Führungsrolle aus.Aszód-Papi földek is a LN site in the Gödöllő hillside, Northern Hungary. (...) The settlement can be dated from 4800-4730 cal BCE (68.3%) to 4760-4690 cal BCE (68.3%) and the burial activity from 4760-4700 cal BCE (68.3%) to 4710-4640 cal BCE (68.3%). (...) The material culture reflects intensive interaction with both the Great Hungarian Plain and Transdanubia. Culturally, the Aszód-Papi földek site belongs to the East Transdanubian group of the Lengyel complex but both Lengyel- and Tisza-style pottery appear in the site. (...) Polished stone mace heads, wild boar tusk pendants, and wild boar mandibles were male status goods expressing the role of leading position.
Die hier festgestellten Erscheinungen lassen sich ohne weiteres in Parallele setzen zu den zeitgleichen Vorgängen etwa im Pariser Becken, wobei zum Beispiel zu fragen wäre, ob es sich bei den erwähnten Steinbeil-Klingen um Jade-Äxte gehandelt hat. Übrigens haben Wildschweinhauer auch am Mittleren Dnjepr in der dortigen Dnjepr-Donez-Kultur eine wichtige Rolle gespielt.
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| Abb. 8: 1300 Figurinen der Lengyel-Kultur (gelb) stehen 14 Figurinen der Rössener Kultur gegenüber (aus 3) |
Ab 4.500 v. Ztr. folgt in der Ungarischen Tiefebene die Tiszapolgár-Kultur (4.500-4.000 v. Ztr.) (Wiki), deren Auswirkungen zumindest auf kultureller Ebene bis nach Kleinpolen hinein von den Archäologen beschrieben werden. Während in den vorhergehenden Kulturen der Ungarischen Tiefebene nur einige ihr Zugehörige EHG-Herkunft aufwiesen, andere nicht, tragen nun so gut wie alle Angehörige der Tiszapolgár-Kultur auch EHG-Herkunft in sich (Abb. 7).
Die Tiszapolgár-Kultur in der Ungarischen Tiefebene
In der auf die Tiszapolgár-Kultur folgende Bodrogkeresztúr-Kultur (4.000-3.600 v. Ztr.) (Wiki) - zeitgleich zur Trichterbecher-Kultur im Norden - erhöht sich der EHG-Herkunftsanteil noch einmal. Im folgenden dazu ein zusammenfassendes Zitat aus der archäogenetischen Studie (2):
In unseren Analysen ist die anatolisch-neolithische Herkunft die dominierende Komponente in allen neolithischen bis kupferzeitlichen Populationen der Ungarischen Tiefebene (GHP) wie erwartet (durchschnittlich 88 %, ...). Die Verteilung der EHG- und WHG-Komponenten zeigt einerseits einen geringen EHG-Anteil in den spätneolithischen GHP-Gemeinschaften ...
... - immer wenn wie hier und im folgenden von "spätneolithischen" unf "frühkupferzeitlichen" Kulturen die Rede ist, ist aus mitteleuropäischer Sicht von mittelneolithischen Kulturen die Rede*) - ...
... und andererseits einen höheren Anteil in den frühkupferzeitlichen Urziceni-Vamă-Gemeinschaften (...). Sowohl die spätneolithische Population von Aszód-Papi földek als auch die spätneolithische Population von Polgár-Csőszhalom lassen sich mittels qpAdm (p = 0,26 bzw. 0,40) als direkte Nachkommen der älteren, mittelneolithischen Population von Polgár-Ferenci-hát ohne weitere Beimischung modellieren, was mit ihrer ähnlichen Position in der PCA übereinstimmt.In our analyses, as expected, ANF is the dominant component in all Neolithic to Copper Age populations of the GHP (88% on average, Fig. 2B, Supplementary Figs. 2–3). The distribution of EHG and WHG components shows limited EHG in the Late Neolithic GHP communities on one end, and more in Early Copper Age Urziceni-Vamă on the other (a two-sample t-test of their pairwise comparison resulted in p < 0.002 for the EHG component variance Fig. 2B, Supplementary Data 5A, B). Both the Late Neolithic Aszód-Papi földek and Late Neolithic Polgár-Csőszhalom populations can be modeled as direct descendants from the earlier local Middle Neolithic Polgár-Ferenci-hát population without additional admixture, using qpAdm (p = 0.26 and 0.40 respectively), consistent with their similar position in PCA.
Hier werden unseres Erachtens die vereinzelt schon auftretenden EHG-Beimischungen gar zu flüchtig übergangen. Sie stellen doch eine "weitere Beimischung" dar. Diese Kultur gehört doch archäologisch klar zur mittelneolithischen Lengyel-Kultur westlich der Donau, bzw. zu der von ihr ausgehenden Jordansmühler Kultur in Böhmen und in Schlesien, wo ja - ebenfalls (?!) - ein Karpaten-Jäger-Sammler-Signal sichtbar ist (Stg2021). Es ist uns unverständlich, daß diesem Umstand in dieser Studie offenbar nicht weiter nachgegangen wird und man einfach "genetische Kontinuität" unterstellt. Weiter heißt es (2):
Wir untersuchten die Abstammungsquellen der nachfolgenden Individuen der GHP-Kultur aus der frühen Kupferzeit und modellierten 24 von 30 Individuen in Basatanya, wobei die Polgár-Csőszhalom-Gemeinschaft als einzige Quelle diente (p > 0,05, siehe Ergänzende Daten 5E). In Urziceni-Vamă lassen sich 28 von 50 Individuen der frühen Kupferzeit allein durch eine lokale mittelneolithische Quelle modellieren; dieser geringere Anteil passender Modelle deutet auf zusätzliche Beimischung exogener Herkunft in diese Gemeinschaft hin (siehe Ergänzende Daten 5E). Ebenso läßt sich nur die Hälfte der Individuen der frühen Kupferzeit eindeutig einer genetisch identischen oder eng verwandten Population aus dem späten Neolithikum von Polgár-Csőszhalom zuordnen (p > 0,05). Entsprechend der in der f4-Statistik beobachteten Variabilität der Abstammung (Ergänzende Abb. 4) weisen die Individuen der Urziceni-Vamă-Kultur der frühen Kupferzeit Spuren mehrerer postneolithischer Zuwanderungsströme auf und zeigen unterschiedliche Abstammungsanteile. Diese korrelieren jedoch nicht mit den Keramikstilen (wie dem Bodrogkeresztúr- und dem Salcuța-Stil; siehe Ergänzende Abb. 1, Ergänzende Daten 4–5). (...) Die Gräber im Tiszapolgár-Stil in Basatanya weisen einen nicht signifikant niedrigeren EHG-Anteil auf als jene mit Keramik im Bodrogkeresztúr-Stil (durchschnittlich ca. 2,6 % gegenüber 4,6 %, t-Test für unabhängige Stichproben, p = 0,0765, siehe Ergänzende Daten 5B). In Basatanya gibt es zudem relativ wenige genetische Ausreißer; nur drei Individuen fallen im ANF-WHG-EHG-3-Wege-qpAdm-Modelltest durch (siehe Ergänzende Daten 5A).We tested ancestry sources of the subsequent Early Copper Age GHP individuals, and modelled 24 out of 30 individuals at Basatanya using the PolgárCsőszhalom community as a single source (p > 0.05, Supplementary Data 5E). At Urziceni-Vamă, 28 out of 50 Early Copper Age individuals can be modeled using a local Middle Neolithic source alone; this lower proportion of fitting models suggests additional admixture into this community from exogenous sources (Supplementary Data 5E). Similarly, only half of the Early Copper Age individuals fit as derived without admixture from a population genetically identical or closely related to Late Neolithic Polgár-Csőszhalom (p > 0.05). Consistent with the ancestry variability observed in f4-statistics (Supplementary Fig. 4), Early Copper Age Urziceni-Vamă individuals have evidence of several streams of post-Neolithic influx and show diverse ancestry proportions, which, however, do not correlate with pottery styles (such as Bodrogkeresztúr- and Salcuța-styles, see Supplementary Fig. 1, Supplementary Data 4–5). (...) The Tiszapolgár-style graves at the Basatanya site show a nonsignificantly lower EHG component compared to those that have Bodrogkeresztúr-style pottery (ca. 2.6% on average compared to 4.6%, two-sample t-test p = 0.0765, see Supplementary Data 5B). There are also relatively few genetic outliers at Basatanya, with only three individuals failing the ANF-WHG-EHG 3-way qpAdm model test (Supplementary Data 5A).
Die Aufmerksamkeit richtet sich in dieser Studie offenbar stärker auf die "kupferzeitlichen" Kulturen, weshalb der EHG-Anteil in den nachbandkeramischen Kulturen der Ungarischen Tiefebene unseres Erachtens zu sehr vernachlässigt wird.
Wir fragen uns hingegen: Handelt es sich bei dem geringen EHG-Anteil um die Karpaten-Jäger-Sammler-Genetik, die uns in verschiedenen Zusammenhängen hier auf dem Blog schon wichtig geworden ist (Stg2021), und die auch ein Hinweis sein könnte zur Art der Ethnogenese der Trichterbecher-Kultur? Daß es sich die David Reich-Forschungsgruppe bezüglich der Herkunft der Jäger-Sammler-Herkunftskomponente in der ungarischen Tiefebene nicht zu leicht gemacht hat, mag aus folgendem Zitat hervor gehen (2):
Die hälftige WHG-EHG-Genzusammensetzung der mesolithischen Bevölkerung des serbischen Eisernen Tors wurde bereits beschrieben und läßt auf eine hälftige oder duale Zusammensetzung der lokalen HG-Quellen im Karpatenbecken schließen. (...) Ein t-Test für unabhängige Stichproben wurde verwendet, um die Nullhypothese zu prüfen, daß kein signifikanter Unterschied (auf dem Signifikanzniveau von 0,05) in einer bestimmten Komponente zwischen Paaren ausgewählter Populationen besteht. Wir berechneten den Z-Score mithilfe der Pandas-Bibliothek (Version 2.2.2) in Python 3.12, um zu testen, wie stark der EHG- oder WHG-Komponentenwert eines Individuums vom Gruppenmittelwert abweicht (n > 3). Dabei nahmen wir an, daß die WHG-Daten normalverteilt sind und die EHG-Komponenten einer halbnormalen oder abgeschnittenen Normalverteilung folgen (Supplementary Fig. 2). Z-Scores über ±2 zeigen an, daß sich der Wert des Individuums signifikant vom Gruppenmittelwert unterscheidet (bezogen auf die Standardabweichung) (Supplementary Data 5).The intermediate WHG-EHG genetic composition of the Serbian Iron Gates Mesolithic population has been described previously, anticipating the intermediate or dual composition of the local HG sources in the Carpathian Basin as well5,127. (...) A two-sample t-test was used to test the null hypothesis that there is no significant difference (at the significance level of 0.05) in a given component between pairs of selected populations. We computed the Z-score using the Pandas v2.2.2 library in Python 3.12, to test how far an individual’s EHG or WHG component value deviates from the group mean for groups with n > 3, assuming that the WHG data are normally distributed and the EHG components follow half-normal or truncated normal distribution (Supplementary Fig. 2). Z-scores beyond ±2 indicate that the individual’s value is significantly different from the group mean (in terms of standard deviations) (Supplementary Data 5).
Man hat also versucht, Unterschiede zu anderen Kulturen im Jäger-Sammler-Herkunftsanteil zu finden, glaubt sie aber nicht gefunden zu haben - obwohl sie doch nun deutlich genug sichtbar ist in der beigegebenen Grafik (Abb. 7).
Kaukasus-Jäger-Sammler-Genetik in der Ungarischen Tiefebene
Es findet sich ab 4.500 v. Ztr. vereinzelt auch Kaukasus-Jäger-Sammler-Genetik ("CHG") in der Ungarischen Tiefebene, die, wenn sie zusammen mit EHG-Herkunft auftritt, auf die Frühen Urindogermanen der Mittleren Wolga zurück geführt werden kann, die aber auch ohne entsprechenden EHG-Anteil auftritt. Und für letztere Fälle konnte die eigentliche Ursprungsbevölkerung noch nicht identifiziert werden. Aber die Warna-Kultur am Schwarzen Meer wird als bislang beste Annäherung daran gekennzeichnet (2):
Vereinzelt finden sich Hinweise auf CHG-Abstammung (kaukasische Jäger und Sammler) in den Gräbern 17, 18 und 31. Dies könnte ein frühes Anzeichen für Steppeneinflüsse in der Region sein, da CHG und EHG gemeinsam auftreten, ähnlich wie bei späteren Gruppen aus der Jamnaja-Kultur. In neun Fällen läßt sich CHG jedoch ohne EHG-Komponente zuordnen (p>0,05, mit einem Z-Score der Komponente >2; siehe Ergänzende Daten 5D). Eine gruppenbasierte qpAdm-Analyse zeigt, daß die genetische Zusammensetzung der Urziceni-Vamă-Gruppe der von Basatanya am ähnlichsten ist, während die Vergleichsgruppen der kupferzeitlichen Fundstätten Pietrele (rumänisch) und Varna (bulgarisch) signifikante Unterschiede in ihrer WHG-Zusammensetzung aufweisen (siehe Ergänzende Daten 5F). Dies spiegelt die Beobachtung wider, daß die Varna-Gruppe neben der vorherrschenden ANF-Abstammung genetische Komponenten aller WHG-, EHG- und CHG-Gruppen in ähnlichem Verhältnis (4–6 %) aufweist. Obwohl die Bevölkerung von Varna insgesamt keine geeignete Gruppe für die Urziceni-Vamă-Population darstellt, lassen sich fünf Urziceni-Individuen, die nicht der spätneolithischen GHP-Quelle zugeordnet werden können, entweder mit Varna oder mit Pietrele als einziger Quelle modellieren (p> 0,05, siehe Ergänzende Daten 5E).Sporadic evidence of CHG (Caucasus huntergatherer) ancestry is evident in graves 17, 18 and 31, which can be early signs of steppe influence into the area, since CHG + EHG appears jointly, like in later Yamnaya-related groups7. However, in nine cases, CHG can be fit without an EHG component (p > 0.05, with component Z-score>2 Supplementary Data 5D). In a group-based qpAdm analysis, the genetic composition of the Urziceni-Vamă is most similar to Basatanya, whereas the comparative Copper Age Romanian Pietrele and Bulgarian Varna site groups show significant differences in their WHG composition58 (Supplementary Data 5F). This reflects the observation that the Varna group has genetic components from all WHG, EHG and CHG in similar proportion (4−6%), alongside the predominant ANF ancestry. Although the Varna population is not a suitable group source for Urziceni-Vamă overall, five Urziceni individuals who do not fit the Late Neolithic GHP source can be modeled using either Varna or Pietrele as a single source (p > 0.05, Supplementary Data 5E).
Es wird also erkennbar, daß in der Ungarischen Tiefebene genetische Einflüsse von der Mittleren Wolga festgestellt werden, ebenso wie genetische Einflüsse aus einer noch nicht identifizierten Kultur wohl aus dem Balkan-Raum.
Sollte es wirklich so schwer sein, die Karpaten-Jäger-Sammler als einzigartige Gruppe genetisch zu identifizieren, um dann feststellen zu können, zu welchen Ethnogenese sie im einzelnen beigetragen haben?
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- Social and genetic diversity in first farmers of central Europe. Pere Gelabert, Penny Bickle, Daniela Hofmann, Maria Teschler-Nicola, Alexandra Anders, Xin Huang, Inigo Olalde, Romain Fournier, Harald Ringbauer, Ali Akbari, Olivia Cheronet, Iosif Lazaridis (...) Tamas Hajdu, Ron Pinhasi and David Reich. bioRxiv. posted 9 July 2023, 10.1101/2023.07.07.548126 (biorxiv2023); offiziell veröffentlicht November 2024 (Nature2024) (pdf)
- Szécsényi-Nagy, Anna, et al. "Ancient DNA reveals diverse community organizations in the 5th millennium BCE Carpathian Basin." Nature Communications 16.1 (2025): 5318 (Nature2025) (pdf)
- Becker et al. 2024: V. Becker/C. Fiutak/R. Bristow/R. Iversen, Everything Was Better in the Good Old Days: On the End of the LBK and the Emergence of Lengyel Culture Figurines. JNA 26, 2024, 115–145. DOI: https://doi.org/10.12766/jna.2024.5 (UniKiel)








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