Sonntag, 24. Mai 2026

Die ersten Ackerbauern - Sie brachten den heutigen hohen IQ nach Europa

Die "allgegenwärtige" gerichtete Selektion hinsichtlich angeborener Eigenschaften und Begabungen in den Völkern Westeurasiens 

Der Archäogenetiker David Reich spricht der neuesten Studie, die er zusammen mit Mitarbeitern heraus gebracht hat (1), die größte Bedeutung unter allen Studien seiner bisherigen wissenschaftlichen Laufbahn zu.

Abb. 1: Die Veränderungen des "polygenic Score" für Intelligenz in den letzten 10.000 Jahren in Westeurasien - grün = Jäger und Sammler, orange = anatolisch-neolithische Bauern, lila = indogermanische Steppengenetik (nach 1, aus 2)  

Seine Studie handelt von denselben Themen und bringt ähnliche Ergebnisse wie sie akademische "Abweichler" wie der Italiener Davide Piffer und der Däne Emil Kirkegaard schon 2024 publiziert hatten (Stg26). Wir selbst hatten damals einen Blogartikel über die Ergebnisse jener Studie verfaßt, zögerten aber bis heute mit seiner Veröffentlichung. Erst nachdem nun dieselben Erkenntnisse auch von einem so angesehenen "Mainstream-Wissenschaftler" wie David Reich veröffentlicht werden, glauben wir die Sicherheit zu besitzen, daß Piffer und Kirkegaard ebenfalls schon solide gearbeitet hatten. Die Erkenntnisse der beiden waren uns aber vor zwei Jahren ein wenig zu kraß erschienen, als daß wir allein auf der Grundlage ihrer Studie schon unser Weltbild ändern wollten (Stg26). Jetzt aber sind wir dazu bereit, bzw. müssen wir dazu bereit sein.

David Reich tut allerdings jetzt so, als wären er und seine Mitarbeiter die ersten, die auf diese Ergebnisse gekommen wären. Ganz offensichtlich unterschlägt er bewußt die Veröffentlichungen von Piffer und Kirkegaard, die er in seiner Studie nicht zitiert (1). Piffer hat darüber bei "Nature" Beschwerde eingelegt, der Reich-Mitarbeiter Iosif Lazaridis hat ihm gegenüber auf Twitter versucht, vermittelnde Worte zu finden, was aber nicht wirklich überzeugend klingt.*)

Polygenic Score und Archäogenetik

In beiden Studien geht es darum, die Methoden und Erkenntnisse rund um die Erforschung der "polygenic scores" an heutigen Menschen auf die archäogenetisch gewonnenen Genome anzuwenden. Die Thematik der "polygenic scores" wurde durch ein Buch von Robert Plomin im Jahr 2018 öffentlich bekannt (Stg2018): Die meisten angeborenen Eigenschaften und Begabungen des Menschen werden "polygenetisch" vererbt, daß heißt, sie sind an vielen hunderten, tausenden oder zehntausenden, für sich genommen "Small-Effect-Genen" im Genom verschaltet und man kann deshalb angeborene Eigenschaften und Begabungen des Menschen erst dann aus dem Genom auslesen, wenn dieser Umstand berücksichtigt wird und dafür riesengroße Datensätze analysiert werden. Die Analyse so großer Datensätze ist erst durch die gesteigerten Computer-Leistungen möglich geworden, die inzwischen erreicht worden sind.

Die US-amerikanische Psychologin Kathryn Paige Harden hat da dann noch einen drauf gesetzt und 2021 in ihrem Buch versucht, die Bedeutung der neuen Erkenntnisse für Schule und Erziehung einzuordnen (Wiki).  

Wenn man nun ohne gar zu viel Vorbereitung hinein schaut in die neue Studie von David Reich oder wenn man Berichterstattung über sie liest, kommt einem das alles ein bisschen zu abstrakt vor und es wird einem nicht so leicht eingängig und klar, warum gerade diese Studie so bedeutend sein soll und wo ihre wesentlichsten Erkenntnisse liegen. Man hat den Eindruck, hier würde über eine wissenschaftliche Fachsprache insgesamt mehr vernebelt als geklärt, zumindest für Leute, die nicht unmittelbar "vom Fach" sind.

Aber in dem in den vorliegenden Blogartikel eingebundenen, ausführlichen Interview, das vor zwei Wochen veröffentlicht wurde (2), erläutert David Reich seine Studie sehr gut nachvollziehbar. Die Studie ist betitelt (1):

"Die Archäogenetik deckt allgegenwärtige, gerichtete Selektion über das gesamte westliche Eurasien hinweg auf"
("Ancient DNA reveals pervasive directional selection across West Eurasia")

Westliches Eurasien deshalb, weil bislang nur für diesen Erdteil ausreichende archäogenetische Daten verfügbar sind (10.000 bis 16.000 Genome aus der Nacheiszeit, dem Neolithikum, der Bronzezeit und der Eisenzeit). "Gerichtet" heißt hier: "nicht zufällig", kein zufälliges "Driften" von angeborenen Eigenschaften. Damit ist gemeint: Bestimmte angeborene Eigenschaften weisen in ihrer Häufigkeit und Verbreitung eine "Richtung" auf, sozusagen eine "zielgerichtete" Entwicklung. Am Anfang sind im westlichen Eurasien die meisten Menschen dunkelhäutig, am Ende hellhäutig(er) (Abb. 2). Am Anfang haben sie eine niedrigere angeborene Intelligenz, am Ende eine höhere (Abb. 1). Hier hat sich also eine "gerichtete" Entwicklung vollzogen dadurch, daß hellhäutige und intelligente Menschen mehr Nachkommen hatten als dunkelhäutige ("Selektion"). Und nun ist im Titel außerdem noch von "allgegenwärtig" die Rede. Damit ist gemeint: Signale von solchen gerichteten Selektion sind "allgegenwärtig" in den menschlichen Genomen in dem untersuchten Erdteil und in allen darin untersuchten Zeiträumen (Nacheiszeit, Neolithikum, Bronzezeit, Eisenzeit und heute). Damit ist gemeint: Hautfarbe und Intelligenz sind bei weitem nicht die einzigen angeborenen Eigenschaften, die in diesem Erdteil und in diesen Zeiträumen "gerichtete Selektion" erfahren haben.

Abb. 2: Die Veränderungen des "polygenic Score" für Hautfarbe in den letzten 10.000 Jahren in Westeurasien - grün = Jäger und Sammler, orange = anatolisch-neolithische Bauern, lila = indogermanische Steppengenetik (nach 1, aus 2)

Dieser Blog hat einen großen Teil der archäogenetischen Erkenntnisse, die auf diesem etwa seit 2018 referiert werden, dadurch verstanden, daß der Bloginhaber sich einfach Vorträge oder Interview's von David Reich gründlich angeschaut hat, ggfs. auch zu wiederholtem Mal. (Ebenso vergleichbare Beiträge von Johannes Krause und vereinzelt auch von anderen.) Wir finden, insbesondere David Reich spricht ein klares, gut verständliches Englisch und er kann hinreißend gut, klar und verständlich erklären. Außerdem ist er durchweg begeistert. Womit er zusätzlich sehr viel Anteilnahme wecken kann. So auch in diesem Video. 

Das Thema erfordert allerdings schon allerhand Konzentration, um alles zu verstehen. Und da so schnell gesprochen wird in diesem Video, ist es hilfreich, die englischsprachigen (oder deutschsprachigen) Untertitel anzustellen, um mitlesen zu können. Für uns stellt sich aber als noch hilfreicher heraus, sich nach ersten Eindrücken dem Video über das Transkript anzunähern, das verfügbar ist, und das man automatisch auf Deutsch übersetzen lassen kann. Mit diesem arbeiten wir im folgenden zumeist (Transkript).

Es wird aber schnell klar beim Zusehen in diesem Video und beim Lesen des Transkripts, daß das, was David Reich hier als "wissenschaftliche Revolution" des Jahres 2026 hinstellt, hier auf dem Blog schon seit 2005 behandelt wird, etwa unter Stichworten wie "jüngste Humanevolution" oder "jüngstselektierte Gene" oder "lokale Humanevolution" (3). Schon 2003 etwa war das Wort aufgekommen von "Lewontin's Fallacy", nämlich von dem Fehlschluß (andere nennen es einen bewußten wissenschaftlichen Betrug), zu sagen daß die genetischen Unterschiede zwischen Völkern gering wären im Vergleich zu den genetischen Unterschieden zwischen einzelnen Menschen.

Neu ist das ganze Thema also nicht.

Als Zeugnis dafür, daß das Thema nicht neu ist, mag auch unser Buchprojekt "10.000 Jahre Humanevolution" gelten, das wir 2007 im Entwurf und mit ausführlichem Literaturverzeichnis veröffentlicht haben (3). Liest man insbesondere englischsprachige Kommentare auf Twitter oder anderwärts zu dieser Studie, ist das auch viele anderen wissenschaftsnahen Menschen bewußt. Dieser Umstand hat sich längst herum gesprochen. 

Um den Grundgedanken unseres damaligen Buchprojektes noch einmal heraus zu stellen: Ausgangspunkt war, daß zum Beispiel Konrad Lorenz immer davon gesprochen hatte, wir seien Steinzeit-Menschen, die Düsenjäger fliegen (oder "Mammutjäger in der Metro" - oder ähnliche Metaphern). Dabei war die Wissenschaftler-Generation von Lorenz davon ausgegangen, daß es kaum oder wenig Evolution seit der Steinzeit gegeben hätte.

David Reich tut in seinem Interview so, als wäre davon auch noch seine Wissenschaftlergeneration ausgegangen. Da gibt er sich gewiß ahnungsloser als er war und ist. Die Erkenntnisse, von denen ich in meinem Buchprojekt 2007 spreche, und die bis dahin breit in der Wissenschaft und Öffentlichkeit behandelt worden waren (siehe dortiges Literaturverzeichnis) (3), wurden nur immer und immer wieder "klein geredet", da man den Menschen aus ideologischen Gründen möglichst als "unbeschriebenes Blatt" charakterisieren wollte, und da man von unterschiedlicher "gerichteter Evolution" von angeborenen Eigenschaften in unterschiedlichen Erdtteilen und Völkern schon einmal gar nichts wissen wollte. Warum sonst auch gelten so sauber arbeitende Wissenschaftler wie Piffer und Kirkegaard als "Abweichler"? Jetzt erfahren wir aber durch David Reich: Die Mainstream-Wissenschaft kommt auf keine anderen Ergebnisse als sie in diesem Sinne seit etwa dem Jahr 2000 und dem Jahr 2018 immer schon behandelt worden waren.

Über diesen Umstand geht David Reich also "husch husch" hinweg und gibt sich völlig naiv. Diese Naivität nehmen wir ihm nicht wirklich ab. Aber wir sind ihm deshalb nicht gar zu böse. Wir lernen grade wieder so viel Neues, daß wir diese angebliche "Naivität" gar keine so große Beachtung schenken wollen. Gott ja, es gibt Schlimmeres!, möchte man ausrufen. Wir sind ja wirklich schon allerhand gewohnt. Johannes Krause zum Beispiel hat bezüglich solcher Dinge über viele Jahre hinweg eine solche Naivität an den Tag gelegt, daß man sie ihm sogar abnehmen mußte als wirklich ehrlich gemeinte. Deshalb kleiner Tipp am Rande: Gib dich naiv, junger Akademiker, dann machst du am ehesten Karriere.

Seit der vollständige Sequenzierung des menschlichen Genoms im Jahr 2000 fand man also schon zunehmend mehr Hinweise dafür,

  1. daß die menschliche Intelligenz evoluierte und deshalb unterschiedlich auf Völker verteilt ist,
  2. daß die menschliche Verhaltensgenetik evoluierte und deshalb unterschiedlich auf Völker verteilt ist,
  3. daß die menschliche Verdauungsgenetik evoluierte und deshalb unterschiedlich auf Völker verteilt ist,
  4. daß die menschliche Immunabwehr evoluierte und unterschiedlich auf Völkerr verteilt ist ....

... und so weiter, und daß sich deshalb Völker weltweit in ihrem Spektrum angeborener Eigenschaften und Begabungen sehr deutlich unterscheiden. Der herzensgute Bestseller-Autor Steven Pinker, der sich so gut mit Jeffrey Epstein verstand im Rahmen von "The Edge" und anderwärts, nannte genau diese "Idee" ja im Jahr 2005 schon die "gefährlichste Idee der nächsten zehn Jahre", nämlich daß sich Völker hinsichtlich ihrer angeborenen Eigenschaften und Begabungen unterscheiden könnten. - Für wen eigentlich "gefährlich"?, möchte man im Nachhinein fragten. Für Bestrebungen eines Jeffrey Epstein und seiner Leute? Ach Gott, was fragen wir wieder naiv. .... Boah. Schnell weiter im Text ...

David Reich erzählt nun, daß die ersten archäogenetischen Studien, die diese genannte westeurasische Evolution zwischen Nacheiszeit und heute zu erfassen suchten auf der Ebene der Archäogenome, nur erstaunlich wenig Signale gefunden haben, die darauf hindeuteten, daß hinsichtlich bestimmter "polygenetischer Scores" (Eigenschaften, Begabungen) Evolution stattgefunden hätte. Der Grund dafür war, daß es noch nicht genügend sequenzierte Genome aus dem Neolithikum, der Bronze- und Eisenzeit gegeben hatte. Er nennt diesbezüglich eine Studie aus der Forschungsgruppe um Eske Willerslev (Stg19) und andere (Stg22).

Seither ist die Datengrundlage aber aufgrund der exponentiell steigenden Zahl sequenzierter, archäologisch gewonnener Genome viel umfangreicher geworden.

Die Bronzezeit - Ist sie wichtiger für die gerichtete Selektion als das Neolithikum?

Die meiste gerichtete Selektion in Westeurasien hat nach David Reich nun vermutlich nicht bei der Einführung des Ackerbaus stattgefunden, sondern in der Bronzezeit (so wird er gleich im Eingangssatz zum Interview angeführt). Die Bronzezeit (2) ...

"... war die Zeit, in der die Genfrequenzen für alles - von der Immunfunktion über das Körperfett bis hin zur Intelligenz - am stärksten schwankten,"

faßt der Interviewer zusammen. Und weiter (2):

"Im Laufe der letzten 10.000 Jahre hat die Selektion den genetischen Prädiktor für die kognitive Leistungsfähigkeit um etwa eine volle Standardabweichung erhöht - der größte Teil davon vor 4.000 bis 2.000 Jahren."

Hier ist vo einer Standardabweichung die Rede. Das ist also eine Erhöhung der angeborenen Intelligenz von etwa 80 oder 85 (wie man sie in Afrika und bei schwarzafrikanischen US-Amerikanern findet) auf 95 oder 100 (wie man sie bei heutigen Europäern findet).

David Reich stellt es noch einmal heraus, daß die Archäogenetik zwar mit wenigen sequenzierten Menschenfunden schon unglaublich viel über den Ablauf der Völkergeschichte heraus bekommen konnte, daß diese wenigen Genome aber nicht ausreichten dafür festzustellen, in welchen Bereichen des Genoms angeborene Eigenschaften und Fähigkeiten sich im Verlauf der Geschichte in bestimmte Richtungen hin selektiert, bzw. entwickelt hatten.

Das liegt daran, daß man mit den Genen eines einzigen Menschen zwar zugleich die Gene eines ganzen Volkes vor Augen hat. Jeder Mensch trägt die Gene seines Volkes in sich. Wenn man also ein einzelnes Genom aus der Vergangenheit sequenziert, sequenziert man damit zugleich das Genom eines ganzen Volkes. David Reich drückt das - etwas zurückhaltender, verschleiernder - folgendermaßen aus (2):

Die DNA einer einzelnen Person liefert eine enorme Menge an Informationen über die Geschichte. Denn die DNA einer Person repräsentiert nicht nur eine einzelne Person, sondern viele. Sie enthält die DNA der Eltern, der vier Großeltern, der acht Urgroßeltern, der sechzehn Ururgroßeltern und so weiter. Geht man in der Zeit zurück, so tragen Tausende, Zehntausende, ja Hunderttausende von Vorfahren zu den heutigen Menschen bei.

Ja, er hätte es auch kürzer ausdrücken können: Wenn ich ein einzelnes Individuum an der Mittleren Wolga um 4.500 v. Ztr. sequenziere, sehe ich in seinem Genom zugleich sein ganzes Volk, das sich als solches von allen anderen Völkern derselben Zeit auf kennzeichnende Weise unterscheidet. Man kann deshalb schon mit vergleichbar wenigen Genomen aus verschiedenen Regionen und Zeit-Epochen vergleichsweise umfangreich und zugleich detailliert und in den meisten Fällen völlig überraschend die gesamte Völkergeschichte Eurasiens nachvollziehen. Und zwar in den meisten Fällen in einer Weise, wie sie niemand zuvor erwartet hatte oder niemand zuvor zumindest mit dieser abschließenden Sicherheit hätte behaupten können.

Wenn man aber nun schauen will, wie sich angeborene Eigenschaften und Fähigkeiten im Verlauf der Geschichte in bestimmte Richtungen hin selektierten, entwickelten (auf der Ebene von Individuen und Völkern), reichen solche vereinzelte, "repräsentative" "Stichproben" nicht mehr aus. Man braucht einen viel größeren Datensatz (2):

Um ein hochauflösendes Bild der Frequenzveränderungen im Zeitverlauf zu erhalten, benötigt man sehr große Stichproben, wirklich sehr viele Personen. Das stand uns bis vor wenigen Jahren nicht zur Verfügung. Die Motivation für die Studie, über die wir heute sprechen, und die Arbeit, die hoffentlich in den kommenden Jahren von mehreren Forschungsgruppen durchgeführt wird, liegt darin, daß wir nun endlich über diese Zahlen verfügen. Wir können die Daten analysieren, um die Frequenzveränderungen im Zeitverlauf zu untersuchen.

Gibt es keine genetischen Unterschiede zwischen Ostasien und Europa? 

Dann sagt David Reich (2):

Es gibt jedoch fast keine genetischen Veränderungen, deren Häufigkeit sich zwischen Europäern und Ostasiaten zu 100 % unterscheidet.

Diese Aussage ist ein sogenannter Non-Starter. Sie mag ja formal durchaus richtig sein, aber sie verwischt, bzw. macht dabei zugleich geradezu unsichtbar die wesentlichsten Tatbestände. Mit 100 % ist die Latte sehr hoch gelegt. Sehr große angeborene Häufigkeitsunterschiede zwischen Ostasiaten und Europäern gibt es aber trotzdem. Man frage doch nur ChatGPT. Es zählt für uns die folgenden Beispiele auf:

Merkmal / GenvarianteOstasienEuropaBemerkung
ALDH2-Defizienzca. 25–45 %<1 %Ursache des häufigen „Asian Flush“
Schnelles ADH1B-Allel (Alkoholabbau)ca. 60–90 %ca. 5–20 %Beschleunigt Bildung von Acetaldehyd
Laktasepersistenzca. 5–20 %ca. 70–95 %Besonders hoch in Nordeuropa
EDAR-Variante V370Aca. 80–95 %<5 %Assoziiert mit dickem, glattem Haar
ABCC11-Polymorphismus (trockener Ohrenschmalz)ca. 80–95 %ca. 1–5 %Sehr klarer Populationsunterschied
Epikanthische Lidfaltehäufig, grob 50–90 %selten, meist <10 %Kein einzelnes „Gen“, sondern polygen
Sehr dichter Bartwuchs bei Männerneher seltendeutlich häufigerSchwer exakt zu quantifizieren
Helle Hautvarianten SLC24A5niedrig bis moderatoft >90 %Sehr stark in Europa verbreitet
Schaufelzähne („shovel incisors“)ca. 80–95 %ca. 10–20 %Häufig verwendetes anthropologisches Merkmal

So schnell kann man Aussagen von David Reich mit ChatGPT bloßstellen. Da wird also sehr schnell deutlich, daß die Aussage von David Reich die tatsächlichen Verhältnisse zum Teil kraß verwischt, und daß sie damit eigentlich fast schon wieder eine Täuschung ist. Nein, nicht 100 % Unterschiede - aber 95 % Unterschiede gibt es in einigen angeborenen Eigenschaften, Genvarianten durchaus!!!

Und das ist - wie gesagt - nicht erst seit heute bekannt, sondern Wissen darüber sammelt sich spätestens seit dem Jahr 2000 mehr und mehr an. Der geneigte Leser kann mit Hilfe der hier genannten Stichworte schnell die Dinge weiter verfolgen (zum Beispiel auf ChatGPT). ChatGPT benennt hier nur Körpermerkmale, aber bezüglich von psychischen Merkmalen könnten ebenfalls Beispiele angeführt werden. Eine für ADHS mitverantwortliche Variante, die in siebenfacher Wiederholung im Genom vorkommt, gibt es in China fast gar nicht, während sie in anderen Völkern viel höher ist. Ebenso hatten wir für das COMT-Sensibilitäts-Gen hier auf dem Blog schon vergleichsweise hohe Häufigkeitsunterschiede zwischen Völkern gesehen (Stg2019). Und damit kann sehr schnell abgeleitet werden, daß wesentliche kulturelle Merkmale und Begabungsprofile von Völkern in Europa und Ostasien sich auch aufgrund solcher Häufigkeitsunterschiede so markant voneinander unterscheiden. Deshalb stimmt es auch nicht, wenn David Reich sagt (2): 

Die seit 40.000 oder 50.000 Jahren vergangene Zeit ist auf einer evolutionären Zeitskala so kurz, daß es im Durchschnitt nur geringe genetische Unterschiede zwischen diesen beiden Gruppen gibt.

Aber im nächsten Satz widerspricht er der eben getätigten Äußerung gleich wieder (2):

Wenn jedoch natürliche Selektion stattgefunden hat, beispielsweise um Menschen an einem bestimmten Ort zu helfen, Alkohol oder Milch besser zu verdauen, könnte man erwarten, daß eine Mutation extrem häufig auftritt.

Es ist nicht nur zu erwarten, sondern längst bekannt, lieber Herr Reich.

Tuberkulose, Hämochromatose, pflanzlich dominierte Ernährung

Es werden dann Beispiele durchgegangen. Immun-Gene weisen die höchsten Selektions-Hinweise auf. Eine Genvariante, die im Zusammenhang mit Tuberkulose steht, wird behandelt. Diese Gen-Variante war 1000 v. Ztr. am häufigsten in Europa verbreitet und ist danach in ihrer Häufigkeit bis heute wieder sehr deutlich zurück gegangen. Die genauen Gründe dafür sind bislang noch nicht bekannt. Vielleicht war es eine andere Krankheit, so meint der Interviewer, der gegenüber diese Genvariante einen Überlebensvorteil bot. Reich will das nicht ausschließen als Möglichkeit. Reich:

Die TYK2-Variante, die mit einem erhöhten Tuberkulose-Risiko und einem erhöhten Risiko für Multiple Sklerose einhergeht, nahm vor der Bronzezeit deutlich zu und kehrte sich dann vor 2.000 bis 3.000 Jahren um. In Nordeuropa ist dieser Prozeß extrem stark ausgeprägt, mit sehr starker positiver und negativer Selektion. In Südeuropa hingegen ist er nur geringfügig und die negative Selektion nicht sehr stark. Auch die Hämochromatose, eine pathogene Eisenablagerung, die in Europa Probleme verursacht, hat sich um diesen Zeitraum herum umgekehrt.

Beiden typisch nordeuropäischen Erbkrankheiten habe ich schon in meinem Buch-Entwurf von 2007 Kapitel gewidmet (3). Durch diese neuen Ergebnisse kann man sich nun neue Gedanken machen, warum diese Erbkrankheiten in Nordeuropa noch heute so auffallend häufig sind. Es werden auch Hinweise gefunden für einen vermehrten Verzehr von pflanzlichen Nahrungsmitteln gegenüber fleischbasierter Nahrung. Der Interviewer fragt (2):

FADS1, das dabei hilft, pflanzliche Fettsäuren in langkettige Fettsäuren umzuwandeln, die der Körper benötigt: Das ist natürlich wichtig, wenn man von einer fleischbasierten Ernährung als Jäger und Sammler zu einer getreidebasierten Ernährung übergeht. Das ist auch ein Aspekt, den Sie, glaube ich, vor 5.000 bis 3.000 Jahren als besonders selektionsbedürftig identifiziert haben. Was ist also der Grund dafür? Warum ist die Bronzezeit in Bezug auf all diese verschiedenen Merkmale, die Sie beobachten, so besonders?

Reich antwortet (2):

Diese FADS1/2-Variante ist also eine Anpassung an Vegetarier bzw. Fleischesser. Bereits in früheren Arbeiten hatte Ian Mathieson, mit dem ich 2015 zusammengearbeitet habe, diese Variante als stark selektiert identifiziert. Sie ist tatsächlich uralt. Man findet Kopien davon auch bei archaischen Menschen.

Die Völker weltweit unterscheiden sich schon seit vielen Jahrzehntausenden darin, ob sie vorwiegend pflanzliche oder tierliche Nahrung zu sich nehmen. Für beide Möglichkeiten müssen im Genom Anpassungsmöglichkeiten vorliegen. David Reich sagt allgemein über die genetischen Veränderungen während der Bronzezeit in Europa im Vergleich zu denen während des Übergangs zum Ackerbau (2):

Diese Beobachtung, daß es sich um einen Wendepunkt handelt, verrät uns etwas darüber, wann die Menschen, zumindest in diesem Teil der Welt, gezwungen waren, eine Lebensweise einzuschlagen, die sich so stark von der ihrer Vorfahren als Jäger und Sammler unterschied, daß sich der Organismus enorm anpassen mußte. Möglicherweise war der Grad dieser Umstellung beim Übergang in die Bronzezeit qualitativ größer als derjenige, der beim anfänglichen Übergang zum Ackerbau stattfand. Das ist überraschend, denn unser vereinfachtes Bild läßt uns annehmen, daß der große Wandel im Ackerbau liegt. Doch die biologischen Daten zeigen, daß unser Genom viel stärker auf diese Ereignisse reagiert, die vor 5.000 Jahren stattfanden.

So völlig durchgängig kann ich ihm diese Aussage nicht abnehmen. Schließlich zeigen seine Daten, daß schon die Bandkeramiker einen IQ hatten wie wir heute. Da ist also das Wichtigste schon beim Übergang zum Ackerbau passiert, nicht erst in der Bronzezeit. Freilich, durch die mittelneolithische Vermischung mit den Restbevölkerungen von Jägern und Sammlern in Europa und durch die spätneolithische Vermischung mit indogermanischer Steppengenetik, war der IQ offenbar zunächst noch einmal wieder bis etwa 2000 v. Ztr. gesunken, um dann in der Spätbronzezeit fast wieder heutige Werte zu erreichen, um danach aber wieder abzusinken (s. Abb. 1). Nun gut. 

Beispiel Pigmentierung

Reich weiter (2):

Nehmen wir zum Beispiel die Pigmentierung, die in unseren Daten das stärkste Indiz für Selektion eines komplexen Merkmals ist. Man betrachtet genetische Mutationen, die bekanntermaßen die Pigmentierung beeinflussen. Addiert man ihre Wirkung über die gesamte DNA - es sind Dutzende oder Hunderte -, so findet man heraus, wann die natürliche Selektion am stärksten war. Dieser Zeitraum liegt tatsächlich vor 2.000 bis 4.000 Jahren. 

Ja, die Evolution der hellen Hautfarbe verlief offenbar stetiger als die Evolution des IQ in der europäischen Völkergeschichte (Abb. 2).

Beispiel Intelligenz

Reich weiter (2):

Die Daten zeigen deutlich, daß die Auswirkungen der Migration enorm sind. Betrachtet man beispielsweise die Entwicklung kognitiver Leistungsfähigkeit – die Ergebnisse von Intelligenztests bei weißen Briten heute – und vergleicht sie mit den entsprechenden Prädiktoren bei Menschen in der Antike, so liegt der Schätzwert für die Jäger und Sammler Europas drei Standardabweichungen unter dem heutigen Durchschnitt. Das ist ein gewaltiger Unterschied.

Oben war noch von einer Standardabweichung die Rede, jetzt wird sogar von drei Standardabweichungen gesprochen. Wenn es also heute bei Europäern einen IQ von 100 gibt ebenso wie bei den ersten Ackerbauern Europas, den Bandkeramikern, dann hätte es bei den europäischen Jägern und Sammlern vor dem Neolithikum einen IQ von 55 gegeben. Das entspricht dem IQ der Buschleute in Südafrika von heute und ist noch niedriger als der IQ der Bantu-Völker in Afrika. Das können wir auf den ersten Blick so nicht für glaubhaft halten. Hat sich Reich hier versprochen? Auch Piffer und Kirkegaard hatten 2024 nur eine Stanardabweichung Unterschied festgestellt, nicht drei. Reich weiter über die europäische IQ-Evolution (2):

Dann sieht man einen gewaltigen Sprung zu den Bauern, deren Werte im Mittel bei null liegen. Das ist Migration. Man sieht, daß diese beiden Gruppen unterschiedliche Ausgangswerte für diese Merkmale hatten. Die Steppenhirten haben einen niedrigeren Ausgangswert.

Also die Bandkeramiker hatten schon einen IQ von 100 so wie wir heute. Wie kraß. Und die Jamnaja, die Indogermanen der zweiten Ausbreitungswelle ab 3.300 v. Ztr. hatten einen IQ von 85. Also so hoch wie die heutigen Afroamerikaner in den USA. Das kommt uns ebenfalls sehr kraß unterschiedlich vor. Reich weiter (2):

Man beobachtet im Laufe der Zeit enorme Schwankungen im Prädiktor dieses Merkmals. Das beweist keine Selektion, sondern lediglich Migration. Unser Test zeigt aber Folgendes: Gibt es neben diesen migrationsbedingten Schwankungen einen konsistenten Effekt der natürlichen Selektion, der das Merkmal über alle Orte und Zeiten hinweg in dieselbe Richtung beeinflußt? Genau das untersuchen wir.

Der Interviewer stellt dann sehr uninformierte Vermutungen über die Evolution des IQ in den Raum. Diese übergehen wir hier. Beide geben sich in ihren "Vorannahmen" zu all diesen Themen rührend naiv. So als hätte es - zum Beispiel - die "Bell Curve"-Debatte des Jahres 1994 (Wiki) nie gegeben. Der Interviewer ist völlig fachfremd. Dem nehme ich diese Naivität ab. Bei David Reich scheint sie mir ein wenig gar zu deutlich durchgestylt zu sein, nämlich: um nicht gleich die volle Breitseite des akademischen Gegenwindes auf sich zu ziehen. Offenbar denkt er sich, die neuen Erkenntnisse könnten sich in die Wissenschaft geradezu unbemerkt einschleichen. Aber all das soll aktuell für uns nicht im Vordergrund stehen, wir wollen ihm das hier nicht gar zu sehr anrechnen, denn aktuell ist so viel anderes so viel wichtiger. Es gilt, erst einmal den neuen Forschungsstand nachzuvollziehen und dem bisherigen Wissen zuzuordnen.

Auch wie David Reich die IQ-, bzw. Educational Attainment- (EA-)Voraussage sonst einordnet, scheint uns keineswegs dem Stand der heutigen Intelligenz-Forschung zu entsprechen. Da der IQ mit so vielen anderen Merkmalen des Lebensverlaufs korreliert, meint er, ihm könnte auch ein anderer Faktor als der IQ selbst zugrunde liegen, etwa die Fähigkeit zum Belohnungsaufschub. Es sei das hier nur erwähnt. Wir glauben viel eher, daß höherer IQ auch Belohungsaufschub erleichtert. Aber all das ist für uns hier gar nicht das Thema.

Sehr spannend ist der Hinweis, daß die IQ-Evolution in China und Europa auf denselben polygenetic Score's zu beruhen scheint, so sagt Reich. Das darf man sicherlich als bemerkenswert empfinden. Denn es hätte ja auch sein können, daß die ostasiatische Intelligenz noch eine sozusagen "ganz andere" ist als die europäische. Aber nein, sie folgt offenbar denselben genetischen Verschaltungen. Das war sich zwischen Europa und Ostasien unterscheidet sind eher angeborene und muttersprachlich geprägte Neigungen hinsichtlich Individualismus versus Kollektivisimus oder hinsichtlich Veränderungsfreude oder Beharrungsfreude (hinsichtlich: erfinden oder kopieren) und so weiter.

War Intelligenz ein gesellschaftlicher Wert? Im Neolithikum? In der Bronzezeit?

Reich meint, in der "Ilias" oder im "Alten Testament", die in Zeiten entstanden, als der IQ am höchsten war, hätte Intelligenz als Wert keine Rolle gespielt, viel eher hätten Schönheit eine Rolle gespielt oder andere Werte. Wir sehen hier eine Inkonsistenz in der Argumentation. Schon die Bandkeramiker hatten einen vergleichbar hohen IQ. Wie soll der denn dann zustande gekommen sein? Ist nicht schlicht der Grad der gesellschaftlichen Arbeitsteilung, der schon bei den Bandkeramikern sehr hoch gewesen sein wird, ein ausschlaggebender Faktor? Den Befund, daß die (Spät-)Bronzezeit so wesentlich für die europäische IQ-Evolution gewesen sei, hatten wir zuvor für uns selbst während der Lektüre schon folgendermaßen eingeordnet: 

In der Bronzezeit gab es erste "Währungen" (Ösenhalsringe und anderes), es mußte also gezählt und gerechnet werden. Es gab spezialisiertes Handwerk. Bronze-Schmiede stellten Bronze-Waffen her, sie stellten Bronze-Schmuck her, bronzene Musikinstrumente. Überhaupt gab es einen Musikinstrumenten-Bau. Es gab ein Töpferhandwerk. Es gab Nah- und Fernhandel mit Rindern, Schweinen, Getreide, Gemüse, Obst, Fischen. Es gab Fischer, es gab Jäger. Die Kochkunst verfeinerte sich. Importwaren wurden über hunderte von Kilometern transportiert. Es gab spezialisierte Handwerker in der Textilherstellung. Es gab spezialisierte Handwerker in der Herstellung von Streitwagen und anderen Transportmitteln. Es gab Goldschmiede, die die steilen, hohen Goldhüte herstellten. Der Ackerbau wurde verbessert. Der höchste Gott der Kelten war noch in römischer Zeit der Gott Merkur, der Gott des Handels, des Handwerks und der Kunstfertigkeit. Das berichtet noch Cäsar von ihnen (Stg26). Von Sängern wurden lange Dichtungen vorgetragen, vergleichbar der Ilias des Homer. Zuhören war heilig bei den Kelten und in vielen anderen vorgeschichtlichen Völkern (Stg24). Aufmerksames Zuhören und Merken (Kurz- und Langzeitgedächtnis) fällt ja vermutlich um so leichter, um so intelligenter man ist. Wir sehen insbesondere in der Spätbronzezeit ein intensives Bevölkerungswachstum nicht nur in Griechenland, sondern wir sehen "Terrassierungen" in ganz Mitteleuropa bis hinauf nach England. All, solche Vorgänge werden bezüglich der IQ-Evolution zu berücksichtigen sein.

Die ganze Thematik, die der Interviewer mit Reich diskutiert, wird schon seit Jahrzehnten diskutiert. Vor diesem Hintergrund wirken die Erörterungen im Interview erneut eher naiv. Lange hatte man ja vermutet, daß die IQ-Evolution in China durch die konfuzianische Beamten-Elite voran getrieben worden sei. Sie erfolgte aber in allen Bevölkerungsschichten, insbesondere auf dem Land bei den Bauern, auch ganz ohne konfuzianische Gelehrsamkeit. Ebenso auch in Europa. Es müssen also deutlich allgemeinere Faktoren in Betracht gezogen werden. Für Europa in der Frühen Neuzeit gilt jedenfalls: Die reichsten Bauern haben immer die meisten Kinder gehabt. Das hat Eckart Voland in seiner Krummhörn-Studie festgestellt und das ist für viele andere Regionen Deutschlands und Europas ebenfalls festgestellt worden. Und genau über solche Mechanismen wird IQ-Evolution womöglich auch sonst zustande gekommen sein.

Viele weitere Teile des Interviews erscheinen uns zu spekulativ, als daß sie hier von uns weiter behandelt werden müßten. Es wird etwa erörtert, daß sich vergleichbare gerichtete Selektion bei den Menschen, die vor 100.000 oder vor 50.000 Jahren in Afrika gelebt haben, nicht gegeben hätte. Aber sind denn die aktuell vorlieegnden archäogenetischen Daten überhaupt ausreichend, um eine solche Behauptung aufzustellen? Wir glauben nicht. Und schließlich hat der Autor dieser Zeilen schon in seinem Buchentwurf von 2007 Gene genannt, die heute alle Menschen tragen, und die in dem genannten Zeitraum in Afrika erst entstanden sind. Also diese Erörterungen sind uns alle zu spekulativ und auch zu widersprüchlich.

Stattdessen wird gar nicht erörtert, wo denn der hohe IQ der europäischen Ackerbauern überhaupt herkommt und wie dieser evoluiert ist oder evolutiert sein könnte. Das wäre doch eine viel spannendere Frage. Aber dazu fehlen David Reich und ebenfalls dem Interviewer ausreichende wissenschaftliche Hintergrundinformationen aus fünfzig Jahren IQ-Forschung ebenso wie - etwa - aus fünfzig Jahren Bandkeramik-Forschung.

Mit diesem Blogartikel soll ein erster Einstieg in diese neue, spannende Thematik gegeben sein. Vielleicht müssen wir uns künftig den Forschungsartikel selbst (1) auch noch einmal gründlicher anschauen.

Anhang

*) Piffer schrieb am 16. April, ein Tag nach der Veröffentlichung der Reich-Studie einen Beitrag, warum er die Vorgehensweise des Nichtzitierens seiner thematisch sehr weitgehend deckungsgleichen Vorstudie für wissenschaftlich unredlich hält (Piffer). Einen Tag später, am 17. April, zwei Tage nach der Veröffentlichung der Reich-Studie schrieb er auf Twitter (Tw):

Reichs Team tut jetzt so, als ob seine Veröffentlichung ein Paradigmenwechsel wäre, und als ob niemand zuvor solche Ergebnisse veröffentlicht habe (falsch). Reich hat sich auch meine Idee angeeignet, daß diese Ergebnisse der Standardansicht widersprechen würden, nach der es über die letzten 100.000 Jahre keine Selektion gegeben habe, die ich hier kritisiert habe ...
Reich's team is now framing their publication as a paradigm shift, nobody had published such results before (wrong). Reich also appropriated my idea that these results challenge the standard view of no selection over 100K years, which I criticized here ...

... und er gibt dann den Hinweis auf einen Blogartikel vom Dezember 2025 (Piffer2025). Er spricht von Plagiat:

Die Ergebnisse, die sie in ihrem Plagiat darstellen, stammen allerdings größtenteils aus Fachzeitschriften, die mit Peer Review veröffentlichen.
The findings they plagiarized are mostly in peer reviewed journals though.

Piffer erhält für seine Aussage viel Zustimmung auf Twitter. Was ein Kommentator dort schreibt, ging uns genauso (Tw): 

Ich bin mir ziemlich sicher, daß ich bereits durch die Lektüre von Piffer wußte - lange bevor diese Studie erschien -, daß die anatolisch-neolithischen Bauern den höchsten Polygenic Score für Intelligenz aufwiesen. Die Griechen der ägäischen Bronzezeit wiesen einen hohen Anteil an anatolisch-neolithischer Bauernherkunft auf.
I’m pretty sure I knew the EEF had highest PGs for intelligence from reading Piffer way before this paper came out. Bronze Age Aegean Greeks have a lot of EEF.

Diese Bemerkung hat inzwischen 3.500 Likes, mehr als der Ausgangs-Beitrag von Piffer selbst. Diese 3.500 sind jene, die die Arbeit von Piffer ebenso verfolgen wie der vorliegende Blog.

Der griechische Archäogenetiker Iosif Lazaridis versuchte schließlich, sozusagen zwischen Piffer und David Reich zu vermitteln und argumentiert, daß jeder Autor selbst würde entscheiden können, welche vorherigen Arbeiten er zitiert und welche nicht (Tw). Nun gut, zumindest von Großmut zeugt die Haltung von David Reich in dieser Frage nicht. Am 18. April schreibt Piffer (Tw):

Würde ein Maler eine Kopie Ihres Werkes anfertigen, dann aber so tun, als hätte er ein eigenständiges Werk geschaffen, weil Ihr Pinselstrich „mangelhaft“ gewesen sei, dann können wir das getrost Betrug nennen. Wenn ich in der Wissenschaft „methodische Mängel“ vorschiebe, um dasselbe Modell und dieselben Ergebnisse zu ignorieren, die ich selbst nutze und gewinne, dann liegt nichts anderes vor als ein Plagiat mit Doktortitel.
If a painter copies your composition but denies credit because your brushwork was "inadequate," we call it a scam. In science, using "methodological inadequacy" to ignore the same model and results is just plagiarism with a PhD.

Am 28. und 30. April bringt er Kritiken an der David Reich-Studie heraus (Pfiffer2) (die wir noch nicht verstehen). Und er schreibt am 30. April auf Twitter (Tw):

Vor zwei Wochen habe ich mich wegen der Problematik des Nichtzitierens durch Akbari et al. an Nature gewandt. Die Herausgeber haben nun geantwortet: Sie prüfen den Fall. Wollen wir sehen, was dabei herauskommt.
Two weeks ago I escalated the Akbari et al. citation issue to Nature. Editors have now responded: they’re reviewing it. Let’s see where this goes. 

____________

  1. Akbari A, Perry A, Barton AR, Kariminejad M, Gazal S, Li Z, Zeng Y, Mittnik A, Patterson N, Mah M, Zhou X, Price AL, Lander ES, Pinhasi R, Rohland N, Mallick S, Reich D (2026) Ancient DNA reveals pervasive directional selection across West Eurasia. Nature, 15.4.2026 (Nature2026)
  2. Dwarkesh Patel: David Reich - Bronze Age shock, the Neanderthal puzzle, & the sudden spread of farming. Dwarkesh Podcast, 08.05.2026 (Yt2026) (Transkript)
  3. Bading, Ingo: 200.000 Jahre Humanevolution. Manuskript 2007 (Resg2007)

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