Sonntag, 24. Mai 2026

Die bronzezeitlichen Griechen und die eisenzeitlichen Römer - Sie hatten den höchsten IQ

Jäger und Sammler-Völker bis 5.500 v. Ztr. hatten einen IQ von 82

Über die Evolution den menschlichen Intelligenz (IQ) (Wiki) in Europa in den letzten zehntausend Jahren entsprechend der Genomdaten der Archäogenetik hatten wir schon 2022 eine Forschungsstudie referiert (Stgen2022). 2024 ist zu diesem Thema eine neue Studie erschienen (1).

Abb. 1: Der Streitwagen - Das "Markenzeichen" - der Bronze- und Eisenzeit - Bronzemodell aus Göchebi (Dedoplistsqaro), Georgien, erste Hälfte des 1. Jahrtausends v. Ztr., Sighnaghi-Museum, Georgien (Wiki)

Der vorliegende Blogartikel wurde schon Anfang April 2024 verfaßt. Im Zuge der Erarbeitung des demnächst erscheinenden Folgeartikels, angeregt von dem jüngst veröffentlichten Interview mit dem Archäogenetiker David Reich (Yt2026) und basierend auf den darin vorgetragenen Forschungsergebnissen, fühlen wir uns ermutigt, zunächst diesen Blogartikel zu veröffentlichen, der schon vieles von dem vorweg nimmt, was nun auch der Mainstream-Wissenschaftler David Reich heraus gebracht hat. Daß David Reich im Großen und Ganzen zu denselben Ergebnissen kommt, zeigt, daß auch schon in der Studie von 2024 ordentlich gearbeitet worden ist. Hauptergebnis der Studie von 2024 (1):

Der Anstieg des Polygenic Score (der polygenetisch ausgelesenen Höhe) (PGS= "polygenic score") der Intelligenz betrug etwa 0,12 Standardabweichungen (SD) pro 1000 Jahre. Das bedeutet, daß der PGS für kognitive Fähigkeiten vor 10.000 Jahren etwa 1,2 SD niedriger war als heute.
The increase in cognitive PGSs was about 0.12 SDs per 1000 years, implying that 10,000 years ago the PGSs for cognitive abilities were about 1.2 SDs lower than they are today. 

Eine Standardabweichung entspricht 15 IQ-Punkten. Wenn der durchschnittliche IQ in Mitteleuropa heute bei 100 liegt, dann lag er vor 10.000 Jahren bei den Fischern, Jägern und Sammlern in Europa etwa bei 82, also ungefähr bei dem IQ der heutigen Schwarzafrikaner in Nordamerika (gnxp2006).

Ergänzung 2026: Damit ist die Theorie widerlegt, daß es die Eiszeit gewesen wäre, die den heutigen, vergleichsweise hohen, angeborenen IQ auf der Nordhalbkugel hervor gebracht hätte. Diese These war - soweit wir das überblicken - bislang die am ehesten für plausibel gehaltene unter traditionellen IQ-Forschern gewesen. Sie war zum Beispiel von dem ansonsten sehr schätzenswerten IQ-Forscher Richard Lynn vertreten worden (Wiki). Aber auch von vielen anderen. Hat sie nicht auch J. P. Rushton vertreten? Wie auch immer. Wir hatten immer schon Zweifel daran, denn dann hätten die Ureinwohner Amerikas, deren Vorfahren Jahrzehntausende in Sibirien gelebt hatten, und die von dort aus Amerika besiedelt haben, auch einen höheren IQ haben müssen. Mit dieser neuen Studie ist es nun bestätigt: Gar nichts hat sie in dieser Hinsicht hervor gebracht, die Eiszeit. Gar nichts.

(Dieses Ergebnis wird übrigens auch jene kleine Gruppe von Laienforschern bekümmern, die immer noch glauben, anhand moderner archäogenetischer und archäologischer Daten aufzeigen zu können, daß die Indogermanen in Nordeuropa in der Eiszeit entstanden wären und sich von dort aus ausgebreitet hätten. Tja, manche auf dürre Stelzen errichtete Kartenhäuser krachen irgendwann einmal dann auch wirklich zusammen. Aber das soll hier nicht unsere Sache sein.)  

Die anatolischen Bauern bringen einen höheren IQ mit

Im weiteren ist in der Studie von 2024 die Rede nicht nur vom IQ, sondern auch vom "Educational Attainment" (EA), also vom erreichten, bzw. vom am wahrscheinlichsten zu erreichenden Bildungsgrad, einer anderen, leicht abweichenden Meßgröße für IQ (1):

Die Abstammung von Jägern und Sammlern (insbesondere V2 oder WHG) war in den Regressionsmodellen (Ergänzungstabellen S1-S3) negativ mit EA3, EA4 und IQ assoziiert (...), was darauf hindeutet, daß der Anstieg in den kognitiven Fähigkeiten nicht allein durch die neolithische Revolution vorangetrieben wurde, sondern daß dieser teilweise durch die Vermischung mit den damit einhergehenden Einwanderern vermittelt wurde. Anatolische neolithische Bauern, die sich mit einheimischen Jägern und Sammlern vermischten, trugen zwischen etwa 40 % und 98 % zur neolithischen europäischen Abstammung bei (Chintalapatiet al., 2022).
Hunter-gatherer ancestry (particularly V2 or WHG) was negatively associated with EA3, EA4 and IQ in the regression models (Supplementary Tables S1−S3) even after accounting for Years BP (β = -0.314, -0.4, -0.249), suggesting that the increase in cognitive capacity was not solely driven by the Neolithic revolution but was partly mediated by admixture with the immigrants that accompanied it. Anatolian Neolithic farmers who intermixed with native HGs contributed between approximately 40% and 98% of Neolithic European ancestry (Chintalapatiet al., 2022). 

Kurz gesagt: Die anatolisch-neolithischen Bauern brachten einen höheren IQ mit nach Europa. Auch das ist nichts weniger als naheliegend, denn sie hatten arbeitsteilige Gesellschaften ausgebildet, in denen sicherlich auf höheren IQ selektiert worden ist.

Nachtrag 2026: Das läßt sich jetzt im Nachhinein natürlich leicht hier hin schreiben. Aber solange man es nicht sicher weiß, wäre diese Behauptung reine Spekulation und man würde dennoch weiter im Dunkeln tappen. Wie schön, daß man jetzt auch hier sicheren Boden unter den Füßen hat.

Und weiter (1):

Ein deutlicher „Sprung“ der Polygenic Scores für EA und IQ konnte auch beobachtet werden für den Übergang zwischen der Bronzezeit und der Eisenzeit, was auf eine Zeit der Selektion hindeutet, die anspruchsvolle kognitive Fähigkeiten begünstigte.
A significant ‘leap’ in the PGSs for EAand IQ was also observed between the Bronze Age and the Iron Age, hinting at a period of selection favoring sophisticated cognitive abilities.

Dieses Forschungsergebnis spielt nun in diesem Jahr 2026 auch für David Reich die aller größte Rolle (Yt2026) (siehe Folgeartikel).

Höchster IQ bei bronzezeitlichen Griechen und eisenzeitlichen Römern

Die bronzezeitlichen Griechen und die eisenzeitlichen Römer hatten den höchsten IQ (1):

Die bronzezeitlichen Griechen zeigten zwar durchschnittliche EA-Werte, zeigten aber die höchsten Werte im polygenetischen Wert (PGS) für IQ. Dieses Ergebnis kann schon abgelesen werden mit Hinblick auf die kulturellen Errungenschaften, die sie hervorgebracht haben und stimmt auch überein mit den früheren Schätzungen von Galton (Galton, 1869). Die ausgeprägte Diskrepanz zwischen dem PGS für EA und IQ bei den antiken Griechen macht auf die Notwendigkeit weiterer Forschung aufmerksam, um hier zu einem tieferen Verständnis zu gelangen.
The Bronze Age Greeks, while displaying average scores on EA, manifested the highest scores in IQ PGS. This result was predicted based on their renowned cultural accomplishments and is in agreement with the historical estimates by Galton (Galton,1869). The marked disparity between the EA and IQ PGS among ancient Greeks merits additional research for a deeper understanding. 

Spannend, daß schon Galton diese Annahme gemacht hat. Spannend noch mehr, daß die antiken Griechen diesen höchsten IQ schon in der Bronzezeit, nicht erst in der klassischen Antike hevor gebracht haben. Und weiter (1):

Menschen im Italien der Eisenzeit und des Mittelalters zeigten die höchsten Werte. Dies untermauert die Schlußfolgerungen unserer früheren Studie (Piffer et al., 2023), die darauf hinwies, daß Europas PGSs während der republikanischen Ära in Mittelitalien ihren Höhepunkt erreichten. Indem wir darüber hinaus Menschenfunde aus dem Bereich der Etrusker (N = 48) in unseren italienischen Datensatz aus der Eisenzeit mit einbezogen, die laut Posth et al. (2021) mit den Römern der republikanischen Zeit genetisch verwandt waren, wurden diese Ergebnisse weiter untermauert.
Samples from Iron Age and Medieval Italy showed the highest scores. This reinforces the conclusions of our recent study (Piffer et al., 2023), which indicated that Europe’s PGSs reached their zenith in central Italy during the Republican era. Additionally, incorporating a new Etruscan sample (N = 48), genetically akin to the Republican Romans as per Posth et al. (2021), into our Iron Age Italian dataset, further corroborates these results.

Soweit hatten wir wichtige Ergebnisse dieser Studie aus dem Jahr 2024 ausgewertet. Dasselbe behandelt Davide Piffer immer wieder auf seinem Blog (siehe etwa 2). Ein Abonnement hat er sicherlich verdient, jetzt, nachdem er von der Mainstream-Wissenschaft so deutlich bestätigt wurde, um so mehr.

Aber der vorliegende Blogartikel dient wie gesagt nur zur Vorbereitung auf den Folgeartikel, der auf Forschungen und Erörterungen beruht, die in den letzten Wochen öffentlich wurden (3, 4).

/ Entwurf: 5.4.24 /

__________

  1. Davide Piffer, Emil O. W. Kirkegaard: Evolutionary Trends of Polygenic Scores in European Populations From the Paleolithic to Modern Times. In: Twin Research and Human Genetics, March 2024, DOI: 10.1017/thg.2024.8 (Resg)
  2. Piffer, Davide: Does Ancient DNA Track Human Progress, or Just Time? 14.4.2026 (DavidePiffer2026)
  3. Akbari A, Perry A, Barton AR, Kariminejad M, Gazal S, Li Z, Zeng Y, Mittnik A, Patterson N, Mah M, Zhou X, Price AL, Lander ES, Pinhasi R, Rohland N, Mallick S, Reich D (2026) Ancient DNA reveals pervasive directional selection across West Eurasia. Nature, 21.4.2026 (Nature2026)
  4. Dwarkesh Patel: David Reich - Bronze Age shock, the Neanderthal puzzle, & the sudden spread of farming. Dwarkesh Podcast, 08.05.2026 (Yt2026) (Transkript)

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