Der deutsche Kaiser Heinrich II. (973-1024) (Wiki) ist im Jahr 1002 zum deutschen König gekrönt worden.
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| Abb. 1: Zeitgenössisches Porträt des Kaisers Heinrich II., von ihm selbst in Auftrag gegeben wohl bald nach seinem Regierungsantritt im Jahr 1002, enthalten im "Sakramentar Heinrichs II." (Wiki) |
In den Jahren danach hat er von dieser Zeremonie ein "Thronbild" anfertigen lassen (Abb. 1). Es dürfte sich also um ein einigermaßen authentischen Bild des Kaisers handeln. Dem Thronbild waren die Worte beigegeben (Wiki):
Siehe, von Gott wird gekrönt und gesegnetder fromme, durch den Stamm seiner Ahnen hoch gerühmte König Heinrich.(...)Ein Engel bringt die Lanze und wehrt dadurch ängstliche Sorge von ihm ab;der andere übergibt ihm das Schwert, mit dem er Furcht verbreiten wird.
Angst und Furcht sind vorherrschende Gefühle des Mittelalters. Selbst bei einem Kaiser. Das Thronbild stellt die wichtigste Seite in dem 358-seitigen, von Heinrich II. in Auftrag gegebenen "Sakramentar" statt, das viele Jahrhunderte zum Teil des Domschatzes von Bamberg gehörte. Da der Kaiser kinderlos starb, verbreitete sich die für das Mittelalter typische Legende, der Kaiser habe während seiner Ehe in Keuschheit gelebt. (Kinder zu haben, ist also weniger keusch.) Und diese Legende trug 120 Jahre nach seinem Tod dazu bei, daß der Kaiser Heinrich II. vom Papst in Rom zu einem Heiligen erklärt worden ist. In der Heiligsprechung des Papstes heißt es (Wiki):
Jetzt aber haben wir vieles […] erfahren über seine Keuschheit, über die Gründung der Bamberger Kirche und vieler anderer, auch über die Wiederherstellung bischöflicher Sitze und die vielfältige Freigebigkeit seiner Spenden, über die Bekehrung König Stephans und ganz Ungarns, von ihm herbeigeführt durch Gottes Hilfe, über seinen glorreichen Tod und über mehrere Wunder nach seinem Tod, geschehen in Gegenwart seines Leibes. Darunter halten wir besonders bemerkenswert, daß er nach Empfang von Krone und Zepter des Reiches nicht kaiserlich, sondern geistlich lebte und daß er in rechtmäßiger Ehegemeinschaft, wie wohl nur wenige bis ans Lebensende unversehrte Keuschheit bewahrte.
Nun, damit stehen wir tief im "Mittelalter". Befremden erfaßt uns.
Eine neue archäogenetische Studie
Warum beschäftigen wir uns mit Kaiser Heinrich II.? Seine sterblichen Reste in Bamberg sind neuerdings ebenso wie die von seinem Großonkel Kaiser Otto I. von Archäogenetikern untersucht worden (1).
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| Abb. 2: Das heutige geographische Vorkommen der mitochondrialen Haplogruppen der Kaiser Otto I. und Heinrich II. |
Beide tragen danach die Y-chromosomale Haplogruppe R1b-FTA63331 in sich, was ein starker Hinweis darauf ist, daß es sich tatsächlich um die Gebeine dieser beiden historischen Personen handelt. Diese Haplogruppe tragen heute 17.000 Männer in Deutschland in sich, sowie 2000 in den Niederlanden und 1600 in Dänemark. Es handelt sich also um eine Haplogruppe, wie sie typisch ist für Menschen mit vorwiegend germanischen Vorfahren. Vielleicht kann damit auch in Zusammenhang gebracht werden die Blondheit des Kaisers (s. Abb. 1).
Die mitochondrialen, über die mütterlichen Vorfahren weitergegebenen Haplogruppen der beiden deutschen Kaiser sind jedoch deutlich unterschieden (1) (s. Abb. 2). Die mütterliche Linie von Otto I. stammt ebenfalls aus dem germanischen Bereich, während die heutige Häufigkeitsverteilung der mütterliche Linie von Kaiser Heinrich II. wohl recht deutlich auf den keltischen Bereich verweist. Die Zuweisung zur germanischen und keltischen Völkergruppe und zu damit verbundenen Körpermerkmalen wird in der Studie selbst nicht vorgenommen, sie scheint uns aber naheliegend.
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| Abb. 3: Verwandtschaftsverhältnis zwischen Otto I. und Heinrich II. (aus 1) |
Die Mutter von Kaiser Heinrich II. war Gisela von Burgund (Wiki). Deren Mutter hinwiederum war eine Adelana, über die wenig bekannt ist (Wiki). Es ist doch wahrscheinlich, daß sie eine Angehörige des burgundischen Hochadels war so wie wohl die meisten Ehepartner in der väterlichen Vorfahren-Linie der Gisela von Burgund. Diese väterliche Vorfahren-Linie kann nämlich bis zu Welf I. zurück geführt werden, dem Begründer der Welfen-Dynastie. Diese Vorfahren-Linie hat, soweit uns übersehbar, vorwiegend in Burgund gelebt und geheiratet. Somit könnte man schlußfolgern, daß der burgundische Hochadel des Mittelalters - zumindest in Teilen - Vorfahren in der keltischen Völkergruppe hatte. Vielleicht kann damit in Zusammenhang gebracht werden die dunkle Augenfarbe des Kaisers Heinrich II. (s. Abb. 1).
Der Dom zu Bamberg
Das Andenken des Kaisers Heinrich II. wird insbesondere im Dom zu Bamberg gepflegt, auf dessen Begründung dieser Dom zurück geht, und in dem dieser Kaiser zusammen mit seiner Frau im zentralen Grab bestattet ist.
Abb. 4: Der Bamberger Reiter (Wiki) - Aufgestellt im Bamberger Dom im Jahr 1237 |
Dieser Dom übt immer wieder neu seine Faszination aus um der Kunstwerke willen, die in Erinnerung an Kaiser Heinrich II. in nachfolgenden Jahrhunderten geschaffen worden sind.
Und zwar insbesondere um des Bamberger Reiters willen, der hier 1237 aufgestellt worden ist (Abb. 4)(FK2018), zweihundert Jahre nach dem Tod Kaiser Heinrichs II. in unmittelbarer Nähe des Grabes von Kaiser Heinrichs II..
Heinrich liebte die Königspfalz in Bamberg. Er hat sie deshalb 1007 - gegen erhebliche Widerstände von Seiten des Bischofs von Würzburg - zum Bistum Bamberg erhoben. Er setzte hier seinen Kanzler als ersten Bischof ein. Um seiner Heiligsprechung willen und um der sonstigen Erinnerung an den Kaiser in Bamberg ist dort 1237 wohl der Bamberger Reiter aufgestellt worden, vielleicht zur Erinnerung an Zeiten, in denen es weniger Unfrieden und Hader innerhalb des Deutschen Reiches und mit dem Papst in Rom gegeben hat als in der Gegenwart des Jahres 1237. Eine Deutung zum Bamberger Reiter lautet (Wiki):
Da die Figur in einer Kirche aufgestellt und keine Grabfigur ist, soll es sich wegen des Baldachins um einen Heiligen handeln. Könige, die Beziehungen zu Bamberg haben und zugleich heiliggesprochen wurden, sind Heinrich II. (1146 heiliggesprochen), der im Dom begraben ist, sowie Stephan I., der mit Heinrich II. verschwägert war, 1083 heiliggesprochen und im Bamberger Dom verehrt wurde. Heinrich war nicht nur römisch-deutscher König, sondern auch Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, und wäre als Kaiser dargestellt worden. Deshalb ist Stephan wahrscheinlicher, wofür die Verwandtschaftsbeziehungen Bischofs Ekbert von Andechs-Meranien, in dessen Amtszeit die Skulptur vermutlich aufgestellt wurde, nach Ungarn sprechen.
Dann würde dazu womöglich auch die weitere Deutung passen (Wiki):
Es wird angenommen, daß der heutige räumliche Bezug zum Doppelgrab des Kaiserpaars Heinrich II. und Kunigunde und zum Fürstenportal Teil der ursprünglichen Anlage und damit in die Deutung einzubeziehen ist: Nach der räumlichen Anordnung ist der steinerne König imaginär durch dieses Portal hineingeritten und hält, dem früheren Grab des Kaiserpaars huldigend zugewandt, inne.
Es ist ja naheliegend, daß König Stephan zur Grablegung Heinrichs II. als dessen Schwager anwesend gewesen ist - zusammen mit der Schwester Heinrichs II.. Oder daß beide später nach Bamberg gekommen sind, um das Grab des Bruders und Schwagers zu besuchen. Da Stephan verehrt wird als derjenige, der den Ungarn das Christentum gebracht hat, mußten ihm und seinen Nachfolgern die Verbindungen nach Deutschland und Bamberg wichtig sein - ebenso wie es natürlich umgekehrt ein Anliegen des Bamberger Bistums gewesen war, die Christianisierung der Ungarn zu fördern und durch Heiligsprechungen zu würdigen.
Soweit zur Deutung dieses Reiterstandbildes.
1499 bis 1513 wurde das "Hochgrab" für das Kaiserpaar durch den Bildhauer Tilman Riemenschneider aus Würzburg geschaffen (Wiki). Es ist wieder von ganz eigenem künstlerischen Wert. Man kann die steinernen Riemenschneider-Reliefs fast noch besser durch Fotografien auf sich wirken lassen als vor Ort in der Kirche (WikiC). Die Riemenschneider-Reliefs machen noch einmal deutlich, wie viele Sagen sich rund um das Leben des Kaiserpaares im Laufe der Jahrhunderte woben, sicherlich gefördert durch die katholische Kirche. Auch in diesen Reliefs geht es um die eheliche "Keuschheit" des Kaiserpaares.
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- Reconstructing their genomes confirms the historically attested genealogy of the two medieval emperors Otto I (the Great) and Heinrich II (Saint Henry) Harald Ringbauer, Thomas Wozniak, Joerg Feuchter, Goran Runfeldt, Raffaela Angelina Bianco, Ganyu Zhang, Kay Pruefer, Joerg Orschiedt, Annika Simm, Paul Maier, Michael Sager, Veit Dresely, Johannes Krause, Harald Meller and Donat Wehner. bioRxiv. posted 20 March 2026, 10.64898/2026.03.18.712637 (biorxiv2026)




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