Möchte man sich einen Überblick verschaffen über die neolithischen Kulturen zwischen Oder und Weichsel, trifft man zunächst auf die Sprachhürde: Auch die aktuellen Forschungen sind oft nur auf Polnisch veröffentlicht, ebenso die Berichterstattung darüber. Bei der Suche auf Google Scholar finden wir schließlich zumindest einen guten englischsprachigen Überblick über die neolithischen Kulturen zwischen Oder und Weichsel, über die Bandkeramik-Kultur und die nachfolgenden mittelneolithischen Kulturen, und zwar von Seiten des Archäologen Marek Nowak (Acad) (Resg) von der Universität Krakau aus dem Jahr 2019 (1).
Und irgendwann erinnern wir uns, daß wir schon 2021 hier auf dem Blog eine uns sehr wertvoll und innovativ erscheinende Studie von Marek Nowak ausgewertet hatten, und zwar zum Nebeneinander von Bandkeramikern und einheimischen mesolithischen Fischern (Stg2021).
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| Abb. 1: Gefäß der Bandkeramik - aus dem Landkreis Straubing (Niederbayern), Gäubodenmuseum in Straubing (Wiki) |
Marek Nowak gibt zunächst einen sehr guten Überblick über die Besiedlung des Landes zwischen Oder und Weichsel durch die Bandkeramik, gut zusammen gefaßt in der Abbildung 2 unseres vorliegenden Blogartikels.
Bevor wir auf den Aufsatz von Marek Nowak gestoßen waren, hatten wir uns die Frage "Wie kam die Bandkeramik denn überhaupt in die Regionen östlich der Oder?" schon auf anderem Wege beantwortet. Diese Frage war letztes Jahr hier auf dem Blog schon einmal kurzzeitig im Frage-Horizont aufgetaucht, als wir wichtige neue Funde zur Aunjetitzer Kultur, die in dem Dorf Mauskow in Ostbrandenburg östlich der Oder gemacht worden waren, historisch und geographisch einzuordnen versuchten (Stg2025). Wir hatten uns gefragt, ob denn nicht auch diese Region schon zuvor von der Bandkeramik besiedelt worden ist. Damals hatten wir gar nicht so schnell eine Antwort auf diese Frage finden können ....
Die Bandkeramik in Schlesien, im Wartheland, in Kleinpolen, in Kujawien und schließlich - - - kurz vor der Weichselmündung
In den letzten Tagen wurde uns bewußt: Diese Frage muß ja auch ganz anders angegangen werden. Über den polnischen Wikipedia-Artikel zur Bandkeramik-Kultur, polnisch "Kultura ceramiki wstęgowej rytej (KCWR)" genannt, erhalten wir einen ersten groben Überblick (Wiki):
Vertreter dieser Kultur gelangten um 5600 v. Ztr. durch das Mährische Tor und über den Glatzer Kessel hinweg in das Gebiet des heutigen Polen. Die Bandkeramik bestand bis etwa 4900 v. Ztr.. (...) Sie breitete sich relativ schnell (3 km pro Jahr) entlang des Verlaufs der Flüsse Weichsel und Warthe durch Südpolen aus. (...) Sie breitete sich auch entlang der Oder aus.
Also "durch das Mährische Tor und über den Glatzer Kessel hinweg". Diese Angabe muß man erst einmal auf sich wirken lassen. Das heißt: Von Süden aus, von Mähren aus.
Erwähnt wird außerdem noch (Wiki):
Die Bandkeramiker fertigten Perlen aus verschiedenen Materialien (Knochen, Muscheln, Ton, Stein) und verzierten damit ihre Kleidung. In Samborzec wurde ein Grab entdeckt, in dem die Verstorbene eine Art Rock oder breiten Gürtel trug, der mit in Reihen angeordneten Knochenperlen besetzt war. Weitere Perlen schmückten den Kopf der Verstorbenen.
Samborzec liegt von Krakau aus 150 Kilometer Weichsel-abwärts, zehn Kilometer südlich von Sandomir (Wiki). Also in "Kleinpolen". (An solche geographischen Bezeichnungen muß man sich erst gewöhnen.)
Davon immer noch ziemlich unbefriedigt fragten wir ChatGPT ("Wo überall im heutigen Polen hat es Bandkeramik gegeben?") Die Antwort lautet in zusammen geraffter Form und zur Überraschung des Verfassers dieser Zeilen:
- in Oberschlesien und in Niederschlesien (entlang der Oder)
- in Kleinpolen und im Karpatenvorland (also entlang der Oberen Weichsel)
- in Kujawien (entlang der Unteren Weichsel) (bedeutende Siedlungen: Brześć Kujawski, Osłonki, aus ihnen entwickelte sich nach 4.900 v. Ztr. die sogenannte "Brester Kultur" ("Brześć-Kujawski-Gruppe") (4.350-4.000 v. Ztr.)
- weniger dicht in Teilen an der Mittleren Warthe in der ehemaligen deutschen Provinz Posen (polnisch "Großpolen" genannt)
- außerdem in Südostpolen, insbesondere im Raum um Rzeszów, von wo aus erneut riesige Gebiete der Ukraine östlich der Karpaten besiedelt wurden.
Ein gigantisches Geschehen, dieser Siedlungsvorgang, würdig, ihn - etwa - der Besiedlung Nordamerikas im 19. Jahrhundert an die Seite zu stellen. Ein gigantisches Geschehen nur allein schon für diese weiten Regionen Ostmitteleuropas. Schlesien war nach ChatGPT eine der am dichtesten von Bandkeramikern besiedelten Regionen, ebenso Kujawien an der Unteren Weichsel. Die Bandkeramik breitete sich - nach ChatGPT - kaum oder gar nicht aus in Regionen wie Masowien, Masuren und Pommern. Diese Antwort läßt zunächst auch deutlich werden, warum - womöglich - Ostbranbrandenburg östlich der Oder im Schatten dieser großen Siedlungsbewegungen der Bandkeramiker gestanden sein mag.
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| Abb. 3: Bandkeramik-Siedlungen an der Unteren Weichsel, an der Warthe und an der Unteren Oder ab 5.300 v. Ztr. (Acad) |
Und mit Marek Nowak können wir dann außerdem noch lernen (siehe nächster Blogbeitrag), daß selbst durch diese gigantische Siedlungsbewegung erst 30 % des Territoriums zwischen Oder und Weichsel für die landwirtschaftliche Lebensweise erschlossen worden sind - nämlich insbesondere in jenen Siedlungskammern, die auf Abbildung 2 zu sehen sind (1).
Es gilt sich jedenfalls zunächst vor Augen zu führen, daß die Flüsse Oder und Weichsel von Süden aus, durch die Mährische Pforte hindurch von den Bandkeramikern besiedelt wurden, ja, daß sich der Besiedlungsvorgang durch dieses "Schlupfloch" hindurch bis an die Osthänge der Karpaten fortsetzte, wo sich dann später die große und bedeutende Cucuteni-Tripolje-Kultur entwickelte. Also über die Flüsse San, Bug und Dnjestr hinweg. Aber auch in Kujawien sollte sich - wie wir gerade hörten - zeitgleich zur Cucuteni-Tripolje-Kultur - eine Brester Kultur ("Brześć-Kujawski-Gruppe") aus der Bandkeramik heraus entwickeln.
Die erste bäuerliche Besiedlung dieser Regionen folgte also ganz anderen Gesetzmäßigkeiten als - sagen wir - die mittelalterliche deutsche Ostsiedlung vom Niederrhein und über Weser und Elbe hinweg zur Oder, zur Weichsel, zur Memel und zur Düna.
Die Sichtweise von Forschenden, die östlich der Oder forschen, auf die Bandkeramik ist eine zum Teil ganz andere als diejenige von Forschenden, die westlich der Oder forschen. Den ersteren ist bewußt, daß Schlesien, Kleinpolen und die anderen genannten Regionen nicht von Westen, sondern von Süden her - durch die Mährische Pforte hindurch - besiedelt worden sind.
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| Abb. 4: Bandkeramische Siedlungen im Kulmer Land zwischen Thorn im Süden, Kulm im Westen und Graudenz im Norden (GMaps) - Lauter kleine Dörfer: von Boguschau (Wiki) (poln. Boguszewo) im Norden über Rinsk (Wiki) (poln. Ryńsk) und Bottschin (Wiki) (poln. Bocień) nach Lissewo (Wiki) (poln. Lisewo) |
In einer Studie aus dem Jahr 2025 werden die frühesten bandkeramischen Siedlungen nördlich der Karpaten übrigens auf 5.350 v. Ztr. datiert (Resg2025) - so wie auch in Abbildung 2 eingezeichnet.
Gehen wir für einige wenige, eher willkürlich ausgewählte Regionen noch ein wenig ins Detail, um erste Eindrücke zu sammeln. Natürlich interessieren die Siedlungen der Bandkeramik am meisten, die am weitesten im Norden liegen. Während wir die nördlichste Siedlung der Bandkeramik in Ostholstein hier auf dem Blog schon erörtert hatten (Stg2026) und uns über weite fundleere Räume wunderten zu den zunächst gelegenen südlicheren Fundorten (rund um Helmstedt), ist die Situation an der Oder vielleicht vergleichbar, an der Weichsel aber eine ganz andere.
... Bis kurz vor Danzig!
Der Danziger Archäologe Lech Czerniak (Acad) hat 2016 über Siedlungen der Bandkeramik an der Unteren Weichsel und bis in das Weichseldelta hinein berichtet (2). Die nördlichsten bislang bekannten bandkeramischen Siedlungsstellen liegen (GMaps)
- bei Gischkau (Wiki) (poln. Juszkowo) zwölf Kilometer südlich von Danzig,
- bei Deutsch Brodden (poln. Brody Pomorskie) (Wiki), 65 Kilometer südlich von Danzig (entdeckt 1987),
- bei Barloschno (Wiki) (poln. Barłożno) und Kornatka (Wiki), 80 Kilometer südlich von Danzig und
- bei Kirchenjahn (poln. Kościelna Jania), 86 Kilometer südlich von Danzig (entdeckt 1998)
Das sind alles Dörfer in der ehemals gemischtsprachigen deutschen Provinz Westßpreußen, gelegen in Gebieten, die 1920 als sogenannter "polnischer Korridor" vom Deutschen Reich an Polen abgetreten wurden, woraufhin in den beiden folgenden Jahrzehnten ein starker Druck auf die einheimische deutsche Bevölkerung ausgeübt wurde, damit sie das Land verlassen würde.
Bei Kirchenjahn wurden - im Vorfeld des Baus der dortigen Autobahn A1 - 2002 und 2004 - neben bandkeramischen Siedlungsresten auch solche der Frühen Trichterbecherkultur entdeckt (2). Einige Scherben werden sogar der frühen Phase der Bandkeramik zugeordnet also dem Zeitraum zwischen 5.500 und 5.300 v. Ztr.. Die meisten Scherben sind der Phase II zugehörig, der Zeit der Mittleren Bandkeramik ab 5.300 v. Ztr.. Bandkeramische Siedlungen im Kulmer Land seien älter und würden deutlicher bis in die Phase 1 vor 5.300 v. Ztr. zurück reichen (2).
Die Bandkeramik im Kulmer Land in Westpreußen
Eine weitere, sehr nördlich gelegene Siedlungskammer der Bandkeramik befand sich im Kulmer Land, in einer weiträumig von der Weichsel umflossenen Region zwischen Thorn im Süden, Kulm im Westen und Graudenz im Norden (Abb. 4 und 5). Es werden hier unter anderem Fundstätten erforscht (s. Resg):
- bei dem Dorf Boguschau (poln. Boguszewo), es gehört zur Gemeinde Grutta (Wiki), zum früheren Landkreis Graudenz
- bei dem Dorf Rinsk (Wiki) (poln. Ryńsk), es gehörte zum Landkreis Briesen (Wiki)
- bei dem Dorf Bottschin (Wiki) (poln. Bocień), es gehört zur Gemeinde Kulmsee, diese gehörte zum Landkreis Thorn
- bei dem Dorf Lissewo (Wiki) (poln. Lisewo), es gehörte erneut zum Landkreis Briesen
Alle bis 1920 zugehörig zum Regierungsbezirk Marienwerder in Westpreußen. Der Landkreis Briesen war bis 1920 von der Einwohnerschaft her gesehen knapp zur Hälfte von Deutschen besiedelt. 1864 wurde in der Stadt Briesen beispielsweise der spätere Chemie-Nobelpreisträger Walther Nernst geboren.
Die bandkeramische Siedlung in Boguszewo wird als leicht älter datiert als die Siedlung von Kirchenjahn südlich von Danzig (2).
Das Dorf Rinsk (Wiki) liegt 33 Kilometer nördlich von Thorn an der Weichsel (GMaps) und zehn Kilometer südöstlich der Kreisstadt Briesen (GMaps). In seiner Nähe wurde von Seiten von Archäologen der Universität Thorn ein sehr schöner und auffälliger Satz von Gefäßen der Bandkeramik gefunden (Midgard, Yt).
Rekonstruktionen dieser Gefäße werden im Museum in Graudenz ausgestellt und sind auch digital dreidimensional rekonstruiert worden und auf Youtube veröffentlicht worden, um der Öffentlichkeit die Kultur der Bandkeramik etwas deutlicher vor Augen zu führen als durch einen Haufen Scherben (Midgard, Yt):
Das Projekt wurde unter der Leitung von Dr. Kamil Adamczak vom Archäologischen Institut der Nikolaus-Kopernikus-Universität Thorn durchgeführt. Es umfaßte die 3D-Rekonstruktion von über einem Dutzend neolithischer Gefäße aus dem Gräberfeld der Linearbandkeramik in Rinsk. Ein besonders interessantes Objekt war eine reich verzierte, bemalte Schale auf einem hohlen Stiel. Im Inneren wurden Reste einer verbrannten Substanz gefunden, die möglicherweise ursprünglich als Räucherwerk verwendet wurde. Das Gefäß selbst wies vier kleine Löcher auf, die das Aufhängen an Seilen ermöglichten. Die Schale diente vermutlich als Räuchergefäß und könnte eine kultische Funktion gehabt haben.
Wir lesen (Sc2024):
Die archäologische Stätte Rinsk (...) lieferte überzeugende Belege für weite Reisen von Menschen und Keramik aus dem 6. Jahrtausend v. Ztr. nach Mitteleuropa. Der Fund einer kunstvoll gefertigten Keramikschale mit Fuß, die sich der Karpatenregion zuordnen läßt, belegt die Herkunft dieser Funde. (...) Der interregionale Austausch von Keramik im Alföld-Stil, der sich im Gebiet zwischen der Großen Ungarischen Tiefebene und der Karpatenukraine entwickelte, trägt zu diesem Bild bei. Einer der nördlichsten Punkte dieses Austauschnetzwerks war die archäologische Stätte Rinsk (...), die eine Keramikschale mit Fuß hervorbrachte, die als starker archäologischer Beweis für Fernreisen von Menschen und Artefakten aus dem 6. Jahrtausend v. Ztr. in Mitteleuropa angesehen werden kann.
Also schon zur Zeit der Bandkeramik gab es - offenbar - Fernkontakte bis in die Karpatenregion. Diese Fernkontakte sind ja auch für das grob zeitgleiche mesolithische Fischerdorf Neuwasser in Pommern belegt.
Karpaten-Figurine in Pommern!
Aber nicht nur Keramikschalen aus der Karpatenregion haben sich - offenbar - bis nach Westpreußen oder Pommern "verloren". Eine 2022 von einem polnischen Bauern gefundene weibliche, neolithische Figurine ist als "Venus von Kolberg" (Wiki) bekannt geworden und scheint ebenfalls eher aus Süd- denn Mittel- oder Nordeuropa zu stammen (Abb. 6).
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| Abb. 6: Weibliche neolithische Figurine aus Wobrow an der Persante, gelegen sechs Kilometer südlich von Kolberg (Wiki) - Museum Kolberg |
Sie wurde in dem Dorf Wobrow (Wiki) (poln. Obroty) an der Persante, sechs Kilometer südlich von Kolberg und südlich des dortigen Ostseestrandes gefunden (GMaps). Wobrow hatte 1939 260 Einwohner. Die Figurine weist - insbesondere wenn sie von schräg oben betrachtet wird (Abb. 6) - manche Ähnlichkeit mit Figurinen aus der Starcevo-Körös-Kultur westlich der Karpaten oder auch aus der Cucuteni-Tripolje-Kultur östlich der Karpaten auf.
Man möchte jedenfalls meinen, daß diese Figurine keineswegs besonders einfach einem bandkeramischen Kontext zugeordnet werden kann. Woher also mag sie stammen? Und wie gelangte sie ausgerechnet nach Pommern zu einer Volksgruppe, in der es vermutlich zu der Zeit der Nutzung dieser Figurine noch gar keinen Ackerbau gegeben hat?! Es scheint, als hätten mesolithische Fischer vom Ostseestrand zumindest ähnlich viel Lust auf Fernkontakte und auf "Mitbringsel" gehabt wie die bandkeramischen "Landratten" im Innern des Kontinents.
Hier auf dem Blog hatten wir diese mesolithisch-neolithischen Fernkontakte schon behandelt (Stg2017). Siebzig Kilometer östlich von Wobrow liegt das pommersche Fischerdorf Neuwasser (poln. Dąbki) (GMaps) und hier lebten zwischen 5.000 und 3.000 v. Ztr. Fischer, Jäger und Sammler, in deren Siedlung die Archäologen Scherben von Gefäßen der Bandkeramik, der Brester Kultur ("Brześć-Kujawski-Kultur") in Kujawien an der Weichsel oder auch der Lengyel-Kultur in Österreich fanden, auch Trichterbecher-Kultur. Es fanden sich auch Keramikscherben, die aus der 1000 Kilometer entfernten ungarischen Bodrogkeresztúr-Kultur stammen, also aus dem Donauraum (Stg2017). Vor diesem Hintergrund wird vermutlich auch die neu im Dorf Wobrow gefundene Figurine eine Erklärung finden.
Der Name des Flusses Persante (Wiki) stammt vermutlich aus dem Prussischen, so lernen wir hier noch im Vorübergehen: Er gilt als westliche Grenze des einstmals baltischen Sprachgebietes.
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| Abb. 7: Die Landkreise Westpreußens (bis 1920, bzw. 1944) - Lage des Landkreises Briesen nördlich von Thorn innerhalb des Regierungsbezirkes Marienwerder (Genealogy) |
In Kujawien an der Weichsel ist die Bandkeramik insgesamt schon sehr gut erforscht. Dort gibt es auch das Flüßchen Tonzyna (poln. Tążyna) (Wiki), einen linken Nebenfluß der Weichsel. Das Flüßchen kommt aus der Gegend nordöstlich von Hohensalza und mündet 18 Kilometer südlich von Thorn in die Weichsel (GMaps). Sein Unterlauf bildete bis 1918 die Staatsgrenze zwischen dem Deutschen Reich und Rußland.
An diesem Unterlauf nun wurden sechs sehr untypische bandkeramische Siedlungen entdeckt, weil diese nicht auf den für die Bandkeramik typischen Schwarzerdeböden gegründet worden sind. Die nördlichste von diesen Siedlungen wurde 14 Kilometer südlich der Tonzyna-Mündung entdeckt (GMaps). Diese Siedlungen werden interpretiert als ein "Experiment" der Siedler, das langfristig nicht hatte aufrecht erhalten werden können. Diese Siedlungen seien in der Zeit der Späten Bandkeramik wieder aufgegeben worden (Rzepecki2013) (4).
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| Abb. 8: Die Ausbreitung der Bandkeramik entlang der Flüsse Elbe (Leba), Oder (Odra) und Weichsel (Wisla) - Stand: 2012 (Resg) - Besonders markiert: Das Kulmer Land in Westpreußen nördlich von Thorn - Ostbrandenburg übrigens wurde offenbar nicht besiedelt (!?!) |
Abschließend: So viele Ortsnamen in diesem Blogartikel, Namen sind das, die für "uns Deutsche" heute ...
... mehr nach Ferne klingenals Singapur, Los Angeles, La Paz und Katmandu, ....
... um einmal - womöglich unangemessen - Worte von Reinhard Mey zu zitieren (Sg). Mit der archäologischen Forschung kommen sie uns zumindest wieder ein wenig näher. Und dabei sind wir auf die weiten Regionen von Oberschlesien und Niederschlesien noch ebenso wenig eingegangen wie auf das Odermündungs-Gebiet.
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*) Gib die Suchworte "Kultura ceramiki wstęgowej rytej" in Dein Suchfenster ein, wenn Du etwas erfahren möchtest über die Geschichte der bandkeramischen Kultur in Europa östlich der Oder. Und danach mußt du natürlich mit Übersetzer arbeiten, wenn du kein Polnisch kannst. Du kannst aber auch die regelmäßig die Zeitschrift "Archeologia Żywa" (ArchPl) im Auge behalten, um auf dem Laufenden zu bleiben. Sie scheint das Gegenstück zu der äußerst spannenden Zeitschrift "Archäologie in Deutschland" zu sein.
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- Nowak, Marek. "The first vs. second stage of neolithisation in Polish territories (to say nothing of the third?)." Documenta Praehistorica 46 (2019): 102-127 (Resg)
- Czerniak, Lech, Joanna Pyzel, and Marcin Wąs: The beginnings of the Neolithic in Eastern Pomerania: a Linear Pottery culture settlement at site 13, Kościelna Jania, Smętowo graniczne Commune. Sprawozdania Archeologiczne 68 (2016): 193-222 (Acad)
- Werra, Dagmara: Langhäuser der Linearbandkeramik-Kultur im Chełmno-Land: Doppelpfeilertechnik. Polnisch: Długie domy społeczności kultury ceramiki wstęgowej rytej na ziemi chełmińskiej: technika podwójnych słupów. Archeologia Polski (Archäologie Polens), Bd. LVII: 2012, z. 1–2 (Resg)
- Rzepecki, Seweryn. "Beside the mainstream. Some reflections on the LBK in Kujavia= Poza głównym nurtem. Atypowe osadnictwo kultury ceramiki wstęgowej rytej na Kujawach." Sprawozdania Archeologiczne 65 (2013): 79-130 (pdf)








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