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Mittwoch, 17. November 2021

Tiere betreiben "Social Distancing"

Selbstloser Dienst am Gemeinwohl
- Neue Erkenntnisse zur Immun-Gruppenpsychologie

Schon bei Ameisen und bei vielen anderen Tierarten ziehen sich einzelne erkrankte Tiere aus der Gemeinschaft zurück. Die Gemeinschaft grenzt sich nach außen ab, weil in anderen Gemeinschaften andere Krankheitskeime vorherrschen als in der eigenen. Gemeinschaften jedoch, die sich zu sehr abgrenzen, können sich gegebenenfalls nicht schnell genug an neue Krankheitskeime anpassen und sterben massenhaft dahin. Das bekannteste Beispiel ist Mittelamerika im 16. Jahrhundert.

Aber ein solches Geschehen kann es natürlich auch zu anderen Zeiten in der Weltgeschichte gegeben haben. Manche Archäogenetiker schreiben der Pest im Zusammenhang mit der Ausbreitung der Indogermanen eine solche Rolle zu. Auf jeden Fall gibt es eine Risikovariante dafür, an Covid 19 zu sterben (SNPedia). Die Hälfte aller Inder besitzt sie, in Ostasien aber gibt es diese Risikovariante aber kaum und bei Menschen europäischer Herkunft nur zu etwa 8 Prozent (6-9). Das könnte daran liegen, daß diese Risikovariante (die nur vom Neandertaler stammt - nicht vom Denisova-Menschen, nicht vom anatomisch modernen Menschen aus Afrika) schon in früheren Epidemien in Asien und z.T. in Europa "ausgerottet" worden ist.

Durch solches Geschehen, bzw. in Auseinandersetzung mit solchem Geschehen sind im Tierreich schon früh Verhaltensinstinkte evoluiert worden. Über einen neuen Artikel in der Zeitschrift "Science" (1) wird in "Bild der Wissenschaft", bzw. "Natur" berichtet (2):

Wie Tiere auf Distanz gehen - Social Distancing in der Natur - Anhand von Beispielen zeigen Forscher auf, wie verbreitet die verschiedenen Formen des Social Distancings bei Tieren sind und welche Parallelen sowie Unterschiede es dabei zum menschlichen Verhalten gibt. Welche Formen des Abstandhaltens es gibt..

Damit wird auf ein Thema aufmerksam gemacht, das wir hier auf dem Blog schon vor 13 Jahren aufgegriffen hatten (3, 4), und an das wir uns durch diesen Artikel wieder erinnern. Nämlich daß die Gruppenpsychologie des Menschen und sein sonstiges Verhalten mitgeleitet sind von der Gefahr von sich ausbreitenden Krankheiten.

Mandrill (Wiki)

Ein erster Hinweis dafür ist, daß schwangere Frauen, geleitet durch das Vertrauenshormon Oxytocin auf "Fremde", "fremdartige Menschen" stärker reagieren als wenn sie nicht schwanger sind. Menschen aus fernen Ländern können Träger von Krankheitskeimen sein, an die die Körper einheimischer Menschen nicht angepaßt sind. Und schwangere Frauen sind diesbezüglich noch einmal besonders gefährdet.

Es ist naheliegend, daß die Gruppenpsychologie schon seit Jahrtausenden darauf - unbewußt oder bewußter - selektiert worden ist und reagiert, unter anderem auch mit Ethnozentrismus, mit Bezogenheit auf die eigene Gruppe und mit Abgrenzung von anderen Gruppen, also mit: "Social Distancing". Wir lesen (1):

Mandrills (eine in Gruppen lebende Halbaffen-Art) gehen strategisch mit ihrem Distanzierungsverhalten um: Sie meiden kranke Artgenossen, doch sie erhöhen manchmal ihr Infektionsrisiko, indem sie sich weiterhin um infizierte Verwandte kümmern.
Es wird ausgeführt, daß sich nicht nur Menschen, sondern auch kranke Tiere - zum Beispiel Fledermäuse - aus dem sozialen Umfeld zurückziehen, wenn sie krank werden. Gerade sozial lebende Tiere, insbesondere in komplexen Gesellschaften scheinen hier besonders eindrucksvolle Abwehr-Mechanismen ausgebildet zu haben (2):

Eine Parallele dazu ist von Ameisen bekannt: Bei manchen Arten verlassen kranke Individuen gezielt die Gemeinschaft. Diese Reaktionen betrachten die Forscher als einen selbstlosen Dienst für das Gemeinwohl: Die aktive Selbstisolation schützt den Rest der Kolonie vor einer Ansteckung. Bei Bienen ist hingegen ein Beispiel für den Fall dokumentiert, bei dem die gesunden Individuen gezielt für Distanz zu den Kranken sorgen, um die Gemeinschaft zu schützen. Durch bestimmte Anzeichen können die Insekten manche Erkrankungen bei ihren Stockgenossen erkennen und reagieren dann recht rabiat: Die Infizierten werden aus der Gemeinschaft ausgeschlossen.

 / Entwurf: 10.3.21 /

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  1. Infectious diseases and social distancing in nature | Science (sciencemag.org)Sebastian Stockmaier, Nathalie Stroeymeyer, Eric C. Shattuck, Dana M. Hawley, Lauren Ancel Meyers, Daniel I. Bolnick, Science Mag., 5.3.2021
  2. Wie Tiere auf Distanz gehen - Social Distancing in der Natur, 8.3.2021, https://www.wissenschaft.de/umwelt-natur/social-distancing-in-der-natur/
  3. Bading, Ingo: Studium generale: Beeinflussen Krankheitsgefahren die Gruppen- und Religionspsychologie? (studgendeutsch.blogspot.com), 5.8.2008
  4. Bading, Ingo: Studium generale: Der „infizierte Volkskörper“, die „kranke Kirche“ (studgendeutsch.blogspot.com), 8.8.2008
  5. Hannes Rusch, Charlotte Störmer: An Evolutionary Perspective on War Heroism, 2015, https://www.militairespectator.nl/thema/ethiek/artikel/evolutionary-perspective-war-heroism
  6. Zeberg/Pääbo, Svaante: The major genetic risk factor for severe COVID-19 is inherited from Neanderthals, Nature, 30.9.2020, https://www.nature.com/articles/s41586-020-2818-3 
  7. Identification of LZTFL1 as a candidate effector gene at a COVID-19 risk locus, Nature Genetics, 4. November 2021, https://www.nature.com/articles/s41588-021-00955-3
  8. Podbregar, Nadine: Covid-19: Risiko-Genvariante erhöht Sterberisiko 15. November 2021, https://www.wissenschaft.de/gesundheit-medizin/covid-19-risiko-genvariante-erhoeht-sterberisiko/
  9. https://opensnp.org/snps/rs17713054 

Mittwoch, 20. Mai 2020

An das Leben in einer - einheitlichen - Rasse angepaßt: Der Mensch

Gesichter anderer Rassen werden vom Gehirn nicht als individuelle Gesichter verarbeitet

Dieser Umstand wird aufgezeigt durch aktuelle Studien im Bereich der Hirnforschungen (1, 2): Das Gehirn strengt sich von sich aus an, Menschen (Gesichter) der eigenen Rasse individuell zu erkennen. Sieht es ein Gesicht aus der eigenen Rasse ein zweites mal, aktiviert es nur noch Hirnareale zur "Wiedererkennung", nicht mehr zur erstmaligen Neuerkennung eines individuellen Gesichtes.

Abb. 1: Menschliche Gesichter unterschiedlicher Rassen: Hausa man from Northern Nigeria ; man of Asian descent; Yali tribesman in the Baliem Valley; shaman in the Amazon rainforest; Icelander; San man (Wiki)

Anders ist es, wenn das Gehirn Menschen einer anderen Rasse sieht. Es ordnet die Gesichter derselben dann von vornherein unter "Wiedererkennung" ein - nämlich eben dieser Rasse. Und es bemüht sich - von sich aus - erst einmal nicht weiter um individuelle Unterscheidungen (nämlich ob es sich um das Gesicht dieses oder jenes Menschen innerhalb einer anderen Rasse handelt).

Ein wenig auffällig ist, daß in einem deutschsprachigen Artikel über diese Forschungen anstelle des Begriffes "Rasse" - wie in der Originalstudie - der Begriff "Ethnie" verwendet wird. Diese Begriffsverwendung ist aber ganz klar so unscharf, daß man sich wundert, daß das so gemacht wird. Denn in der Studie geht es ja eben nicht um Menschen unterschiedliche Ethnien, die einer einzigen Rasse angehören (zum Beispiel um Tschechen, Franzosen und Deutsche), sondern um Menschen unterschiedlicher Rassen.

Es dürfte sehr unwahrscheinlich sein, daß das Gehirn auf der Ebene sehr subtilen Gesichtsunterschiede zwischen Ethnien ebenso arbeitet wie auf der Ebene der Gesichtsunterscheidungen zwischen Rassen, die ja auf sehr grober Ebene stattfinden können.

Aber "Neusprech" ist offenbar der Redaktion von "Spektrum der Wissenschaft" so wichtig, daß dies offenbar auch gerne einmal auf Kosten der wissenschaftlichen Korrektheit geschehen kann.

Die Tatsache, daß Altruismus (Hilfsbereitschaft) und sozialer Zusammenhalt in multikulturellen Wohnumfeldern geringer ausgeprägt ist als in einheitlichen kulturellen Wohnumfeldern ist ja von Seiten der Soziologie schon gut erforscht worden (etwa von Seiten Robert Putnam, dargestellt in seinem Buch "Bowling alone"). Mit diesen neuen Studien gibt es einige - von vielen denkbaren - neue Daten zur evolutionären Erklärung dieser Sachverhalte.

Damit gibt es weitere Hinwiese dafür, daß Menschen und Gehirne im allgemeinen mit einem Zusammenleben unterschiedlicher Rassen innerhalb derselben Gesellschaft mehr gefordert sind als in Gesellschaften, in denen die Menschen alle derselben Rasse angehören. Und das Gehirn ist darauf ausgelegt, es sich möglichst "einfach" und "sparsam" zu machen im sozialen Zusammenleben.
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  1. Human face-selective cortex does not distinguish between members of a racial outgroup Niv Reggev, Kirstan Brodie, Mina Cikara, Jason P. Mitchell eNeuro 18 May 2020, ENEURO.0431-19.2020; DOI: 10.1523/ENEURO.0431-19.2020, https://www.eneuro.org/content/early/2020/05/18/ENEURO.0431-19.2020
  2. Janosch Deeg: Gesichter unterscheiden: Dem Gehirn erscheinen fremde Ethnien "bekannter", 19.05.2020, https://www.spektrum.de/news/dem-gehirn-erscheinen-fremde-ethnien-bekannter/1735892

Samstag, 14. März 2020

"Bamboo ceiling" - Das Weiterwirken ethnischer Mentalitäten in modernen Firmenkulturen

Die Benachteiligung von Ostasiaten in Führungspositionen der USA

Ostasiaten - also Menschen chinesischer, koreanischer und japanischer Abstammung - sind in Bezug auf das Erreichen von Führungspositionen in den USA sehr stark benachteiligt. Dieser Umstand wird gegenwärtig unter dem Stichwort "Bamboo ceiling" (Wiki), also "Bambus-Decke" erörtert. Dieses Wort ist eine Metapher dafür, daß Ostasiaten Führungspositionen oft in unmittelbarer Sichtweite über sich sehen, sie aber dennoch nie erreichen. Dieses Thema belehrt einmal erneut eindrucksvoll über die großen Mentalitäts-Unterschiede zwischen Kulturen und wie diese sich auf das tägliche Leben und auf Firmenkulturen auswirken.

Abb. 1: Fischersmann und Fischersfrau,
 gemalt von dem chinesischen Maler
Huang Shen (1687-1772) (Wiki)

Man hatte bislang bei diesem Thema alle Asiaten in einen Topf gesteckt, es waren also auch die Inder zu dieser benachteiligten Gruppe gezählt worden. Eine neue Studie (1) macht aber nun darauf aufmerksam, daß sogar Weiße gegenüber Indern in Führungspositionen der USA benachteiligt sind (wenn man den jeweiligen Anteil in Führungspositionen in Beziehung setzt zu dem Anteil der jeweiligen Ethnie in der Gesamtbevölkerung). Und die Studie benennt als Ursache für diese starken Unterschiede zwischen Ostasiaten und Indern die Eigenschaft, bzw. das Persönlichkeitsmerkmal "Durchsetzungsvermögen".

Bei dieser Gelegenheit versteht man vielleicht auch zum ersten mal besser die Bedeutung der Inhalte des Buches von Angela Saini "Geek Nation - How Indian Science is Taking Over the World" (2). Saini ist Engländerin indischer Abstammung. Und in England dürften die Inder auch keine geringe Rolle in Führungspositionen spielen.

Die Bedeutung des Themas insgesamt wird an folgendem Umstand erkennbar (Wiki): Asiaten machen nur 5,6 % der Einwohner der USA aus, sie haben aber Anteil an 50 % der Technologie-Industrie im Silicon Valley, also der Zukunftstechnologie.

Die Tatsache, daß es derzeit noch so gut wie keine deutschsprachigen Artikel über das Thema "Bamboo celing" gibt (Ausnahme: 3), zeigt, daß Deutschland offenbar noch nicht in dem Umfang eine multikulturelle Gesellschaft ist oder als solche wahrgenommen wird wie die USA (oder Großbritannien).

Es ist sehr interessant, wie das Verhalten von Ostasiaten innerhalb von Firmenkulturen in diesem Zusammenhang beschrieben wird. Sie werden "als fleißige Arbeitsbienen" wahrgenommen, die nicht auffallen, die sich aber auch nicht zu Wort melden, wenn kontrovers diskutiert wird. Hingegen scheint es auch wieder nicht gut zu laufen, wenn sie sich im Widerspruch zu diesem weit verbreiteten Klischee verhalten (3):

"Einem temperamentvollen Asiaten werde leicht nachgesagt, daß er dazu neigt, die Fassung zu verlieren, sagt Psychologin Kawahara. Eine Studie der Universität Toronto zu Klischees am Arbeitsplatz wies nach: Emotional oder dominant auftretende Asiaten wurden von ihren weißen Kollegen häufig geschnitten. Eine gängige Forderung sei, daß sie sich den Erwartungen entsprechend verhalten und 'da bleiben sollen, wo sie hingehören', schreiben die Autorinnen Jennifer Berdahl und Ji-A Min."

Schlußfolgerung: Der Ethnozentrismus (Wiki) ist in jedem von uns viel tiefer drin als die meisten Menschen wahrhaben oder sich eingestehen wollen. Es tragen viele Faktoren zu ihm bei. 1. Unterschiedliche angeborene Muster in der Wahrnehmung, in emotionalen Reaktionen, im Denken, im Handeln, 2. frühkindlich durch Muttersprachenerwerb geprägte ebensolche Muster in der Wahrnehmung, in den Emotionen, im Denken und im Handeln, sowie 3. durch Religionen wie Stammesreligionen oder Konfuzianismus, Buddhismus oder Christentum seit Jahrhunderten gebahnte Muster und 4. schließlich alle mehr bewußter in der Peer-Group, in Schule und Ausbildung in der Gegenwart gebahnte, eingeübte, gelernte und antrainierten entsprechenden Muster. Es können zwischen diesen Ebenen durchaus Widersprüche bestehen, also Widersprüche zwischen dem in oberen Bewußtseinsschichten verschalteten Mustern zu Muster, die in tieferen Bewußtseinsschichten verschaltet sind. Sehr unterschätzt wird in dieser Hinsicht auch noch die Prägung der Kinder durch die vorherrschenden Rhythmen, bzw. durch den "Geist" der vorherrschenden Musikkultur, sprich, heute, der (außergewöhnlich unernsten, infantilisierten) "Pop-Kultur".

Ethnozentrismus ist auch durch multikulturelle Gesellschafts-Experimente nicht aus der Welt zu schaffen

Man versteht jedenfalls insgesamt, was für ein großer emotionaler Aufwand von Seiten der großen Medienanstalten betrieben werden muß, um einerseits neue, fast künstlich erdachte, gesellschaftliche Leitbilder zu kreieren und diese dann auch noch weltweit durchzusetzen zu wollen und dabei einheitlichere Ethnien und Nationen zu multikulturellen Nationen umzugestalten zu wollen und andererseits dabei auch noch ethnozentrisch verursachte Benachteiligungen einzelner Ethnien vermeiden zu wollen.

Es wird nachvollziehbar: Man braucht starke Feindbilder und muß über ausgebaute Machtpositionen - in Medienanstalten und anderwärts - verfügen, muß - zum Beispiel über Pop-Kultur - ganze Völker denkunfähig gemacht haben, um es sich zuzutrauen, das Widerstreben von Gesellschaften gegenüber solchen riesigen, gesellschaftlichen Umformungsprozessen überwinden zu können. Dieses Überwinden geschieht gegenwärtig dadurch, daß sie emotional außergewöhnlich stark polarisiert werden und dadurch über kurz oder lang zur Unterwerfung unter das neue Leitbild gezwungen werden. Es erscheint sehr zweifelhaft, daß solches Wollen, solche neuen, künstlichen und polarisierenden Leitbilder aus "der Mitte der Gesellschaft" heraus entstanden und kreiert worden sind. Dazu sind sie wohl doch viel zu künstlich und dazu ist der Besitz von Medienanstalten heute viel zu monopolisiert.

Vielmehr macht die weltweite Geschichte der letzten hundert Jahre ja ausreichend erkennbar: Man schreckt zur Erreichung solcher Ziele ja auch nicht vor Kriegen, Bürgerkriegen, Völkermorden und Atombomben zurück. Die Geschichte und Gegenwart erweisen dies zur Genüge.

Die Inder - Spielen sie eine besondere Rolle in der Weltgeschichte?

Das "Konzert der Nationen": Die Weltgeschichte hat bei der Schaffung von Hochkulturen viele Möglichkeiten bereit gestellt, komplexe arbeitsteilige Gesellschaft zu leben. Mit der hier behandelten Studie sehen wir die ostasiatische Möglichkeit, die indische Möglichkeit und die europäische Möglichkeit. Wenn es um IQ-starke Ethnien ging, sind die Inder bislang vielleicht nicht genügend als solche wahrgenommen worden, weil man ihre eigentümlichen Leistungen innerhalb der USA oder Großbritanniens nicht ausreichend für sich in den Blick genommen haben mag.

Diese neue Studie macht aber nun auf diese aufmerksam. Wenn es um wirtschaftlichen und kulturellen Erfolg geht, kommt es eben nicht nur auf Intelligenz an, sondern auch auf angeborene und kulturell geformte Verhaltensdispositionen. Während Europäer hinsichtlich ihres Verhaltens zu sehr viel Exzentrizität neigen, neigen Ostasiaten im Alltag hingegen - aufgrund ihrer an eine Konsens-Kultur angepaßte Mentalität - zu sehr viel weniger Exzentrizität. Womöglich halten die Inder diesbezüglich eine "günstige Mitte" inne? Besitzt ihre Mentalität damit womöglich eine Zukunftsfähigkeit, die die beiden anderen genannten großen Herkunftsgruppen der Menschheit nicht besitzen? Das mag zunächst nur eine vage Vermutung sein. Ihr kann und sollte aber womöglich weiter nachgegangen werden.

- Und soeben ist auch ein Artikel erschienen darüber, daß auch in Indien nicht alle Ethnien in gleichem Maße in der Wissenschaft Karriere machen, sondern daß dort die Jahrhunderte alte Ethnien der Brahminen die Wissenschaft dominieren. Das läge daran, daß die Brahminen schon seit Jahrhunderten mehr Geduld aufweisen würden für den Wissenserwerb und nicht auf das "schnelle Geld" aus wären (5). Auch wieder sehr interessant. Ein außergewöhnlicher Beitrag indischer Wissenschaftler zur Wissenschaft allgemein ist einem allerdings bislang wohl auch noch nicht aufgefallen. 

[26.5.2022] Das mangelnde verbale Durchsetzungsvermögen ("assertitiveness") von Ostasiaten führt auch dazu, daß sie in rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten weniger erfolgreich sind als dies in andere Wissenschaftsbereichen der Fall ist. Wiederum gilt dies nicht für Inder (6, 7).

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  1. Why East Asians but not South Asians are underrepresented in leadership positions in the United States Jackson G. Lu, Richard E. Nisbett, and Michael W. Morris PNAS March 3, 2020 117 (9) 4590-4600; first published February 18, 2020, https://www.pnas.org/content/117/9/4590
  2. Angela Saini: Geek Nation: How Indian Science is Taking Over the World. 2011
  3. https://www.merckgroup.com/de/pro/articles/beyond-the-bamboo-ceiling.html
  4. https://www.pnas.org/content/117/10/5100
  5. Renny Thomas: Brahmins on India’s elite campuses say studying science is natural to upper castes: Study I researched Brahmin domination in science in India. 13 March, 2020, https://theprint.in/opinion/brahmins-on-india-campuses-studying-science-is-natural-to-upper-castes/378901/
  6. Lu, Jackson G., Richard E. Nisbett, and Michael W. Morris. "The surprising underperformance of East Asians in US law and business schools: The liability of low assertiveness and the ameliorative potential of online classrooms." Proceedings of the National Academy of Sciences 119.13 (2022): e2118244119, https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.2118244119 
  7. Xie, Yu. "A bamboo ceiling in the classroom?." Proceedings of the National Academy of Sciences 119.22 (2022): e2203850119; https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.2203850119

Donnerstag, 29. Oktober 2015

War Norditalien der Entstehungsort der Gründerpopulation des aschkenasischen Judentums?

"Der Ursprung der Ashkenasim ist ungeklärt"
The origins of the Ashkenazim are obscure,

heißt es auf dem diesbezüglichen Artikel auf Wikipedia bis heute.

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Die Ursprünge sind also noch nicht vollständig geklärt - auch nicht nach mehr als zehn Jahren insbesondere intensiver humangenetischer Forschung zu diesem Thema (s. den Abschnitt "Genetics" auf "Ashkenazi Jews", der dort seit Jahren vorbildlich aktuell gehalten wird). Über diesen Ursprung haben wir uns schon in früheren Blogartikeln immer wieder einmal Gedanken gemacht. Und diese sollen im folgenden Blogartikel durch einige neue Gedankengänge ein wenig weitergeführt werden. Denn es gibt aus genetischer Sicht und aus der Sicht der Evolution von Intelligenzbegabung fast kein spannenderes Volk weltweit als das Volk der aschkenasischen Juden. Schon Anfang 2008 hatten wir den Ursprung dieses Volkes deshalb auf dem Parallelblog "Studium generale" erörtert ("Zu welchen Anteilen stammen die aschkenasischen Juden von deutschen Frauen ab?"). Er wurde auch auf anderen Blogs in verschiedenen Zusammenhängen immer einmal wieder angesprochen, zuletzt 2013 im Kommentarbereich der Scilogs ("Der Rassismus der Guten"), wo von mir im allerletzten Kommentar auch auf den bis dato wohl aktuellen Stand der Forschung auf diesem Gebiet hingewiesen wurde.

In den letzten Jahren hat sich in der Humangenetik also - trotz immer wieder auch anderslautender Studienergebnisse - die Erkenntnis herausgeschält und erhärtet, dass die heutigen 10 Millionen aschkenasischen Juden weltweit aus einer nur höchstens wenige hundert Menschen umfassenden Gründerpopulation hervorgegangen sind (einer "Flaschenhalspopulation"), die vor zwölf- bis sechzehnhundert Jahren am Rhein gelebt hat (deshalb auch der traditionelle alemannische Dialekt, das Jiddische, als Muttersprache). Und dass der größte Teil der Frauen dieser Gründerpopulation lokaler, nichtjüdischer, sprich germanisch-deutscher Herkunft war. Die Hälfte aller aschkenasischen Juden weltweit soll ja von nur vier solcher Frauen abstammen nach den derzeitigen Erkenntnissen der Humangenetik, die, nachdem sie eine Zeit lang verworfen worden waren, dennoch wieder bestätigt worden sind.

(Schon das äußere Erscheinungsbild vieler aschkenasischer Juden, unter denen es ja auch Blonde und Blauäugige gibt, sollte einem dieses Forschungsergebnis nahe liegend erscheinen lassen.)

Ein neuer Gedankengang dazu

Abb. 1: Die Mutter Albert Einsteins

Wenn man sich nun überlegt, aufgrund welcher Szenarien diese so sehr noch im Dunkeln liegende Gründerpopulation zustande gekommen sein kann, so kommt man zu folgender neuer Überlegung: So weit bekannt, spielen die jüdischen Frauen, sprich, die jüdischen Mütter eine große Rolle für die aschkenasisch-jüdische Kultur. Eine nicht hinweg zu denkende. Wohin man blickt, wird in ihr dementsprechend auch von der jüdischen Mutter mit Ehrfurcht und Respekt gesprochen.

Die Rabbiner haben sich auch immer wieder eingehend damit beschäftigt, dass den Frauen eine äußerst wohlwollende Stimmung innerhalb ihres Volkes entgegen gebracht würde. Schon das ist eigentlich sehr interessant zu beobachten.

Die Frage stellt sich aber dennoch: Wie konnten die aus den romanischsprachigen Teilen des damaligen untergehenden römischen Reiches und der dortigen germanischen Nachfolgereiche nach dem Rhein zuwandernden Männer jüdischer Herkunft (oft Angehöriger der Priesterkaste Kohanim, die sich bis in die Gegenwart genetisch in männlicher Linie "rein" erhalten hat) einheimische germanische Frauen so sehr von ihrer jüdischen Religion und Lebensweise überzeugen, dass diese bis heute eine solche starke Überzeugtheit von dieser und Identifikation mit derselben aufzeigen? Und zwar obwohl sie zum Beispiel im religiösen Leben der Gemeinden klar untergeordnet sind, kaum ein Mitspracherecht haben, ihre Anwesenheit in den Gottesdiensten eigentlich gar nicht notwendig ist aus der Sicht der Priesterschaft?

Der uns wichtige, neue Gedankengang ist nun folgender: Man möchte meinen, dass nichtjüdische Frauen, die in einem solch umfangreichen Ausmaß zur Identifikation mit der jüdischen Religion und Kultur gebracht werden sollen, zuvor schon "vorbereitet" gewesen sein müssen. Man möchte also meinen, dass es sich um Frauen gehandelt hat aus germanischen Bevölkerungsteilen, die schon seit vielen Generationen christianisiert worden waren. Diese Überlegung drängt den Gedanken auf, dass es sich um Frauen aus jenen alemannischen und fränkischen Bevölkerungsteilen gehandelt haben könnte, die am frühesten zum Christentum übergetreten sind.

Der christliche Königshof der Burgunder in Worms (406 bis 435)

Um nun die Ethnogenese des aschkenasisch-jüdischen Volkes zeitlich und räumlich noch klarer eingrenzen zu können, müßte man sich deshalb wohl die Siedlungs- und Missionsgeschichte der Alemannen und Franken anhand der archäologischen Ausgrabungen und der schriftlichen Überlieferungen anschauen. Zu den Burgundern heißt es auf Wikipedia:

Nach dem Abzug eines großen Teiles der römischen Truppen vom Rhein im Jahr 401 war der Weg über den Fluß frei. Der Übergang bei Mainz am 31. Dezember 406 (siehe Rheinübergang von 406) setzte vermutlich die Landnahme des nördlichen Alamannenlandes bis zum unteren Neckarbergland voraus. (...) Nach Olympiodoros von Theben (dessen Werk aber nur fragmentarisch erhalten ist) erhoben im Jahr 411 Burgunden unter ihrem Anführer Gundahar (auch als Gundihar oder Gunthahar überliefert) gemeinsam mit Alanen unter Goar in Mundiacum in der Provinz Germania II den Gallorömer Jovinus zum Gegenkaiser. Die ältere Forschung hat dies in der Regel dahingehend „verbessert“, daß das unbekannte Mundiacum mit Moguntiacum (=Mogontiacum bzw. Mainz) in der Provinz Germania I gleichgesetzt wurde.

Die Burgunder wurden von den Römern offenbar als Bundesgenossen innerhalb der Reichsgrenzen am Rhein angesiedelt. Weiter heißt es:

Orosius († um 418) behauptete in seinen letzten Lebensjahren, die Burgunden seien nunmehr Christen und überdies keine Feinde mehr, sondern Beschützer der Römer (Hist. adv. pag. 7,32). (...) Doch Gundahars Bemühungen, seinen Machtbereich unter Ausnutzung erneuter innerrömischer Konflikte nach Westen (in die Provinz Belgica I) auszudehnen, brachte die Burgunden schließlich in Konflikt mit den Römern. Im Jahr 435 wurde ein burgundisches Heer vom weströmischen Heermeister Aëtius besiegt und mußte sich wieder in die Germania I zurückziehen. Ein Jahr darauf wurde das Burgundenreich am Rhein von hunnischen Hilfstruppen Westroms endgültig vernichtet. Dieses Ereignis stellt den historischen Kern der Nibelungensage dar, wobei Attila, das Vorbild für den mittelhochdeutschen Etzel bzw. altnordischen Atli der Sage, in Wahrheit keine Rolle beim Untergang des rheinischen Burgundenreiches spielte.
Das um 1200 entstandene Nibelungenlied nennt dieses Volk Burgonden und seinen König Gunther. Das Burgund des 12. Jahrhunderts lag jedoch um Arles (Königreich Arles) sowie weiter nördlich (Herzogtum Burgund in der Region um Dijon), während die Burgunden des 5. Jahrhunderts einige Jahre nach der Zerschlagung ihres Reichs am Rhein in der Gegend südlich des Genfer Sees angesiedelt wurden (siehe unten). Um die Unterschiede zu betonen, ist es in der Forschung oft üblich, nur das Volk der Nibelungensage als Burgunden, das historische Volk hingegen als Burgunder zu bezeichnen.

Damit spielt das christliche Burgunderreich von Worms nur in den Jahren 406 bis 435 eine Rolle. Man fühlt sich an die kurze Lebensdauer der etwas später begründeten Reiche der Wandalen in Nordafrika (429 bis 533) und der Ostgoten in Italien (488 bis 552) erinnert. Daß schon zumindest ein Teil der Burgunden in Worms christlich geworden ist, ebenso wie wir dies von den eben genannten Ostgoten wissen, ebenso wie dies von den die Burgunden in Worms ablösenden Franken gilt, wird auch durch zwei auf dem Wormser Kirchfriedhof schon im 19. Jahrhundert gefundene römischsprachige Grabsteine bezeugt für die 50-jährige "Pauta" und den 30-jährigen Ludino. Beide Grabsteine weisen christliche Bildsprache auf (u. a. Christogramm). Ihre beiden Namen ebenso wie die anderen auf den Steinen genannten Namen sind von der Forschung als germanische aufgefaßt worden (1, S. 870):

Beide Grabinschriften belegen überzeugend, daß es hier bereits zu Beginn des 5. Jahrhunderts Germanen gab, die sich zum Christentum bekannten.
Die Inschrift des ersten, ins erste Drittel des 5. Jahrhunderts datierten Grabsteins lautet übersetzt (1, S. 871):
Hier ruht in Frieden Pauta ihres Namens, gestorben nach 50 Jahren, 6 Monaten und 15 Tagen. Den Grabstein errichteten Puasi und Quito und Siggo, Boddi, Ivio. 
Die Inschrift des zweiten, ins zweite Drittel des 5. Jahrhunderts datierten Grabsteins lautet übersetzt (1, S. 870):
Hier ruht in Frieden Ludino, der 30 Jahre lebte. Die Inschrift setzte seine Ehefrau Duda.

(Abbildungen der beiden Grabsteine hier, sowie hier und hier.) Wir wissen von den Westgoten, daß sie nach dem Hunnensturm von 375 und in Flucht vor demselben nur dann über die Donau hinter die Grenzen des römischen Reiches fliehen durften, wenn sie sich zugleich zum Christentum bekehrten. Vielleicht galt ähnliches auch für die als Bundesgenossen der Römer über den Rhein vorgedrungenen Burgunden. Jedenfalls deutet somit vieles darauf hin, daß die christlichen Gemeinden in den vormals römischen Städten Trier, Köln, Mainz, Worms und anderwärts während der Völkerwanderungszeit niemals ganz untergegangen sein müssen. Die die Kirchen umgebenden Friedhöfe scheinen ohne Unterbrechung von Christen benutzt worden zu sein, wobei sich auch die zuwandernden Germanen in die christlichen Gottesdienste und in die Friedhofsbenutzung scheinen eingeordnet zu haben. All das ist ja auch von dem etwas später begründeten Goten-Reich Theoderichs des Großen (451-526) bekannt.

Die Juden unter den Westgoten (418 bis 711)

Wahrscheinlich haben die Juden des römischen Reiches zu den toleranteren Arianern unter den christianisierten Germanenvölkern sogar noch eher Zugang gefunden als zu den damaligen romanischsprachigen "Mehrheitschristen", unter denen der religiöse Antisemitismus ja schon sehr stark ausgeprägt gewesen ist. Jedenfalls wurden damals von den Mehrheitschristen wo immer sie auftraten "Heiden, Juden und Arianer" in einem Atemzug genannt. Interessant sind in diesem Zusammenhang die Beschlüsse des dritten Konzils von Toledo der Westgoten im Jahr 589 gegen Arianer und Juden, nachdem der westgotische König zu den Mehrheitschristen übergetreten war und nachdem die Westgoten damit eine ganz neue Identität als Volk angenommen hatten (Wiki):

Zu den Konzilsbeschlüssen gehörten auch Maßnahmen gegen die Juden; ihnen wurde unter anderem verboten, christliche Frauen zu heiraten oder christliche Konkubinen zu haben, und Kinder aus solchen bereits bestehenden Verbindungen mussten getauft werden.
Über das vierte Konzil von Toledo im Jahr 633 heißt es:
Das Konzil missbilligte die von König Sisebut (612–621) angeordneten Zwangstaufen der Juden, erklärte sie aber für kirchenrechtlich gültig; den auf Sisebuts Veranlassung zwangsweise getauften Juden wurde verboten, zu ihrem angestammten Glauben zurückzukehren.
Das sechste Konzil tagte im Jahr 638:
Es fasste unter anderem Beschlüsse gegen die Juden, wobei den Konzilsakten zufolge der König die treibende Kraft war. Die Bischöfe billigten die Absicht des Königs, das Judentum in seinem Reich gänzlich auszurotten und keine Nichtkatholiken zu dulden.

Auch noch 693 und 694 wurden entsprechend scharfe Gesetze gegen das Judentum beschlossen, da man sie verdächtigte, die Muslime zum Angriff auf das Westgoten-Reich in Spanien zu ermuntern. In diesem Angriff ist das Westgoten-Reich dann ja auch ab 711 untergegangen.

Christianisierte germanische Frauen in etwa dritter Generation?

Es ist also bekannt, daß in der Regel zuerst die Oberschicht der germanischen Völker zum Christentum übergetreten ist. Und dies wird ebenfalls zunächst vor allem für die frühe Stadtbevölkerung dieser Völker gelten. So wie die romanisierten Bevölkerungen links des Rheins werden auch die dort lebenden ("sephardischen") Juden mit den zuwandernden Germanen-Völkern auf einen ganz neuen "Menschenschlag" getroffen sein. Und dieser "Kulturschock" wird am Rhein nicht - wie unter den Westgoten in Spanien oder an der Loire und Seine unter den Franken dadurch abgemildert gewesen sein, daß es noch eine größere romanischsprachige Vorbevölkerung gab. Diese wurde am Rhein vielmehr ebenfalls "germanisiert". Und so wird für die ("sephardischen") Juden am Rhein noch viel schwieriger gewesen sein, sich - zumal als eigenständige religiöse und ethnische Gruppierung - inmitten dieses ganz neuen Menschenschlages zu behaupten als weiter westlich, zumal nachdem auch die Franken unter Chlodwig um 500 zum katholischen (nicht arianischen) Christentum übergetreten waren.

Auf dem Flächenland rechts des Rheines treten um 500 n. Ztr. ganz unregelmäßig Kreuzbeigaben und andere christliche Symbole in den alemannischen und fränkischen heidnischen Reihengräbern auf. In dem Augenblick, in dem die Reihengräberfelder nicht mehr weiter belegt wurden, sondern sich die nun eindeutig christlichen Gräber um eine örtliche Kirche gruppierten, ist die jeweilige Christianisierung vor Ort als im wesentlichen abgeschlossen zu erachten. Auf Wikipedia heißt es (Alemannen):

Im 7. Jahrhundert begannen Teile der Oberschicht, ihre Toten nicht mehr auf den Reihengräberfeldern, sondern beim Herrenhof zu bestatten. In dieser Zeit zeichnen oft Steinkisten die Gräber aus. Durch die Christianisierung wurden Anfang des 8. Jahrhunderts die Reihengräberfelder ganz aufgegeben und die Friedhöfe künftig um die Kirche herum angelegt.

Genauer detailliert ist auf einer anderen Internetseite zu erfahren, wobei der Schwerpunkt der Betrachtung auf dem etwas abgelegeneren Allgäu liegt (Oberstdorf-Lexikon) (Oberstorf Online):

Im 6. und 7. Jahrhundert sind die Zeugnisse für ein bewußtes und lebendiges Heidentum der Alemannen leicht nachweisbar. So wurden im ländlichen Raum noch nahezu alle Toten in Reihengräberfeldern mit Grabbeigaben bestattet. Funde in Sonthofen, Altstätten und Fischen belegen dies auch für unser Gebiet. Die Kirchenorganisation im 6. Jahrhundert war einfach noch nicht in der Lage, eine Missionierung in größerem Stile durchzuführen.
Dies änderte zu Beginn des 7. Jahrhunderts (...). Beschleunigt wurde zu dieser Zeit die Christianisierung durch den Machtzuwachs des fränkisch-alemannischen Adels, der zunehmend den Bau von Kirchen betrieb. Häufig waren das sogenannte Eigenkirchen, die zum Teil aus heidnischen Tempeln zu Kirchen umgewandelt wurden. Der Grundherr und nicht der Bischof bestimmte die Priester, die häufig selbst noch dem alten Glauben zugetan waren. Erst etwas um 720 wurde dann an der Stelle der Zelle de Hl. Gallus das Kloster St. Gallen gegründet, das sich, wie wir unten lesen werden, der kirchlichen Durchdringung des alemannischen Allgäus annahm. (...)
Durch die Reihengräberfunde in Sonthofen, Altstätten und Fischen wissen wir sicher, daß sich die Allgäuer Alemannen um 700 noch zu ihren alten Göttern bekannten. Dies blieb so bis Mitte des 8. Jahrhunderts, denn warum sonst sollte der erste sicher nachgewiesene Bischof der Diözese Augsburg Wikterp († um 772) Magnus ins Allgäu holen.
Das hieße, daß die Alemannen auf dem Land erst um 750 n. Ztr. in ihrer großen Mehrheit zum Christentum übergetreten sind. Der burgundische Königshof von Worms ist es womöglich schon um das Jahr 406 herum. Man sieht aus diesen beiden Jahreszahlen die große zeitliche Dauer, den der Christianisierungs-Prozeß der germanischen Völker in Anspruch nahm.

Die zentrale Rolle von Mainz, Speyer und Worms

Auf Wikipedia findet sich neuerdings der vielleicht wichtige und sehr konkrete Eintrag:

Die drei SchUM-Gemeinden Mainz (belegt ab 917), Speyer und Worms (ab 980) gelten als Beginn des aschkenasischen Judentums.

Und über diese heißt es:

Aufgrund ihrer zentralen Bedeutung für die jüdischen Gemeinden in Zentraleuropa gelten sie als Geburtsstätte der aschkenasischen religiösen Kultur.

So deutlich hat man es früher auf Wikipedia nicht gelesen und liest man es noch heute auf dem englischsprachigen Wikipedia-Artikel noch nicht. Freilich ist das Jahr 917 schon recht spät. Aber so unwahrscheinlich wird es dennoch nicht sein, dass sich die Volkwerdung des aschkenasisch-jüdischen Volkes zwischen 400 und 700 n. Ztr. in den drei Städten Mainz, Speyer und Worms vollzogen hat. Ob hier die Archäologie noch neue Erkenntnisse zutage bringen wird? Womöglich sogar die DNA-Forschung an Knochenfunden aus nachweisbar jüdischen Gräbern in einer dieser drei Städte, bzw. natürlich auch an Knochenfunden aus nichtjüdischen Gräbern?

Gab es zwischen 700 und 800 n. Ztr. christliche, sich stark auf das Judentum hin orientierende Gemeinden in Mainz, Speyer und Worms?

Ein Gemeinschaftsgefühl unter allen ostfränkischen germanischen Stämmen bildete sich mit dem Bewußtwerden einer gemeinsamen Volkssprache heraus (im Gegensatz zum Lateinischen und den romanischen Sprachen bei den westfränkischen Stämmen). Die zweisprachig abgefaßten Straßburger Eide aus dem Jahr 842 werden allgemein als erstes Anzeichen der sprachlichen Trennung zwischen dem französischen und dem deutschen Volk angesehen.

Abb. 2: Judenfriedhof von Worms (dahinter Dom)
Fotograf: Jörg Bürgis

Es wäre nun einmal zu untersuchen, ob es schon in damaligen germanisch-christlichen Bevölkerungsteilen in Worms und anderwärts Gruppen gegeben hat, die nicht nur zum Christentum neigten, sondern die aufgrund dieser Religion auch ein erhöhtes Interesse an der jüdischen Religion selbst entwickelten, die diese jüdische Religion also nicht aus "zweiter Hand" (von Nichtchristen) gepredigt bekommen wollten, sondern vom "Volk des Heils" selbst. Und die sich davon nicht mit Hilfe des Arguments abschrecken ließen, dass es ja "die Juden" gewesen seien, die den Heiland ans Kreuz geschlagen hätten. Solche Menschen, gerade auch Frauen, gibt es auch heute noch in Deutschland. Und es mag belehrend sein, sich einmal einen solchen jüdischen Gottesdienst für christliche Juden und nichtjüdische Christen anzusehen und mitzuerleben.

Falls es damals solche Gruppierungen gegeben hätte, könnte man erwarten, dass die jüdischen Männer der Gründerpopulation des aschkenasischen Judentums in diesen Gruppierungen am ehesten ihre Frauen gefunden haben werden. Denn hier bestand sicherlich die größte Aufgeschlossenheit ihnen und ihrer Religion und Kultur gegenüber. Das Verheiraten mit einheimischen Frauen wird ihnen nun auch deshalb sinnvoll vorgekommen sein, weil dadurch das allein physische Aussehen ihrer Kinder und Kindeskinder nicht mehr als gar so krass im Gegensatz stehend empfunden zu werden brauchte zu dem "Menschenschlag" und dessen physischem Aussehen der einheimischen Bevölkerung, weshalb diese dann auch wiederum eher geneigt gewesen sein könnte, die Anwesenheit einer solchen Gruppierung in ihrer Stadt zu tolerieren und sich dem wirtschaftlichen und sonstigen Austausch mit ihr zu öffnen, mit einer Volksgruppe, die ja noch über das ganze Mittelalter hinweg dennoch als sehr fremd empfunden worden ist in allen europäischen Völkern.

Und man möchte weiterhin vermuten, dass das starke Volksgefühl auch noch der christlichen Deutschen der nächsten Jahrhunderte - repräsentiert etwa von König Heinrich I., der sich weigerte, sich vom Bischof salben zu lassen - dazu geführt haben könnte, dass die Ablehnung gegenüber den jüdischen Gemeinden so stark gewesen ist, dass von aschkenasisch-jüdischer Seite aus unterbewusst - oder sogar bewusst - das Gefühl vorgeherrscht haben mag, dass man nur die intelligentesten Söhne der Gemeinde unter solche Nichtjuden schicken könne, und dass es von diesen intelligenten Söhnen deshalb gar nicht genug geben könne in ihren Gemeinden. Und insofern mag innerhalb des aschkenasisch-jüdischen Volkes schon in den ersten Generationen der Gründerpopulation mehr als bis dahin innerhalb des sephardischen Judentums oder innerhalb anderer jüdischer Volksteile in der Welt Wert gelegt worden sein darauf, dass jene Söhne die meisten Kinder hatten, den reichsten Schwiegervater bekamen, die sich als die begabtesten in der Talmudschule erwiesen. (Wie etwa bei Kevin MacDonald "A People that shall dwell alone" ausgeführt und belegt wird.)

Und aufgrund solcher kulturpsychologischer Mechanismen mag es zu jenen kulturellen Selektionsmechanismen gekommen sein, die dazu führten, dass heute die aschkenasischen Juden allein von ihrer angeborenen Intelligenz her gesehen als das begabteste Volk der Erde angesehen werden müssen.

Wie wir gesehen haben, heirateten unter den Westgoten in Spanien Juden christliche Frauen, wurden Juden zwangschristianisiert, kehrten danach aber auch gerne wiederholt zu ihrer angestammten Religion zurück. Wenn es ähnliche Vorgänge auch in Worms und in den Nachbarstädten am Rhein gegeben hätte, wäre die Bildung des aschkenasischen Judentums als eines jüdisch-germanischen Mischvolkes durchaus erklärbar.

/ Ergänzung 29.10.2015 / Der vorliegende Blogartikel erschien vor genau drei Monaten und ging der These nach, daß die Gründerpopulation des aschkenasischen Judentums in Worms, Speyer und Mainz entstanden wäre und von Anfang an da gelebt hätte. Diese These soll heute aktualisiert werden anhand neuer Hinweise (2). In die genannten Rheinstädte Worms, Speyer und Mainz ist nämlich im 9. Jahrhundert auch die bedeutende jüdische Familie der Kalonymiden aus Norditalien (Lucca) zugewandert (s.a. Wikipedia dt. und engl.). Was uns bislang nicht bekannt war. Dies ist aber das Thema eines angekündigten Vortrages von Michael Schneider im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg am 4. November 2015: "Aschkenas – Archäologie des Judentums in Mitteleuropa von der Spätantike bis in die Neuzeit", der angekündigt wird mit den Worten:

Etwa seit dem 4. Jahrhundert n. Chr. leben Juden in Aschkenas, also auf dem Gebiet Mitteleuropas. Die meisten kamen im Zuge der römischen Expansion nach Germanien. Ihre Geschichte ist von Anfang an eng mit der Kulturgeschichte Deutschlands verwoben. (...) Das Judentum ist eine Gemeinschaft der Sprache, der Schrift und deren Tradierung. In dem Vortrag wird dargestellt, inwieweit die Archäologie hilfreich bei der Erforschung und der Rekonstruktion jüdischen Lebens wirken kann. An aktuellen Beispielen u.a. der SCHUM-Gemeinden (Speyer, Worms und Mainz) werden die Ergebnisse zusammenfassend erörtert und anschaulich jüdisches Leben dargestellt.

Der genaue Zeitpunkt der Zuwanderung der genannten Kalonymiden-Familie kann anhand der innerjüdischen schriftlichen Überlieferungen bislang von der Forschung nicht sicher genannt werden, scheint aber nicht vor dem 9. Jahrhundert zu liegen (2). 

Aktuelle genetische Untersuchungen, die explizit Bezug nehmen würden auf die Familiengeschichte der Kalonymiden finden sich auf Google Scholar derzeit noch nicht. Allerdings fragte Michael Balter ja schon 2013 in "Science" im Kommentar zu der damals erschienen neuen spannenden genetischen Studie: "Did Modern Jews Originate in Italy?" (3). Das hatte man 2013, als man es las, eher als "Artefakt" gewertet, als einen eher zufälligen und willkürlichen Ausschlag im Datengewimmel. Mit der Kenntnis um die Familiengeschichte der Kalonymiden jedoch bekommt dieses damalige Ergebnis doch eigentlich ganz neue Bedeutung. Balter schrieb über das zu 80 Prozent europäische mitochondriale Genom der Aschkenasen:

The closest matches were with mtDNAs from people who today live in and around Italy.
(!!!) Und Balter weiter: 
The results imply that the Jews can trace their heritage to women who had lived in Europe at that time. Very few Ashkenazi mtDNAs could be traced to the Middle East.

Ergäbe sich daraus also, daß die Gründerpopulation des aschkenasischen Judentums in Norditalien zu suchen ist? Und daß die germanischen und europäischen Frauen, die zu dieser beitrugen, dann Langobardinnen waren, bzw. allgemeiner: Norditalienerinnen? Und nicht Franken oder Alemannen, wie bislang hier auf dem Blog vermutet und auch bisher im vorliegenden Blogartikel? Das wäre eine sehr spannende These. Und dann wären die folgenden Gedankengänge nach Italien zu verlegen. Was eigentlich wirklich nicht sehr dumm erscheint.

Die Langobarden besetzten ab dem Jahr 568 Norditalien. Und fragt man nun Google Bücher nach den Beziehungen zwischen Langobarden und Juden, stößt man als erstes auf folgendes Zitat eines Wilhelm Kaltenstadler, in dem er sich mit Uwe Topper's Geschichtstheorien auseinandersetzt (die man bislang für außerordentlich merkwürdig hielt) (4):

Wie die Juden legten auch die Langobarden auf ihre langen Bärte und das lange Haupthaar größten Wert.

In der Tat. Lango-Barden. Es wird da von Topper manches - scheinbar - im Sinne diverser alter geheimer und bekannter Männerorden geschichtsphilosophisch, ritualgeschichtlich und ideengeschichtlich mit imaginärer oder realer Bedeutung versehen (Bogumilen, "Lichtreligion" etc.) entlang altbekannter, auch hier auf dem Blog schon behandelter (gnostischer?) Denkmuster. Dem - und vielem anderen - wird man künftig noch einmal genauer nachgehen müssen.

Doch im folgenden bleibe der ursprünglichen Blogartikel einfach so stehen, wie er bisher eingestellt war, mit Ausführungen, die der Sache nach womöglich nun eher auf Norditalien als auf den deutschen Rhein zu beziehen wären. Sie geben also weiterhin höchstens noch Zeugnis von unserem intensiven Suchen, weniger vom abschließenden Finden. Sie geben also Zeugnis davon, daß Wissenschaft immer auch verbunden ist mit Irrwegen und zunächst falschen Hypothesen! (Aber man kann sie oft auch erst um so leichter und bedeutungsvoller widerlegen, um so intensiver man ihnen zuvor nachgegangen ist.)

/ Ergänzung 3.10.21 / In einem neuen Blogartikel hat der Humangenetik-Blogger Razib Khan die Herkunft der aschkenasischen Juden noch einmal grafisch eindrucksvoll gefaßt.

Abb. 1: Herkunft der aschkansischen Juden (aus: 5, nach: 6)

Offensichtlich beruhen seine Ausführungen weitgehend auf einer Studie aus dem Jahr 2017 (6), die sich in den Ergebnissen mit dem von Michael Balter schon 2013 Referierten deckt.

/ Ergänzung 26.2.26 / In einer neuen Auswertung schon bekannter archäogenetischer und genetischer Daten, vorgenommen an den Islamischen Universitäten von Nigeria und Medina heißt es als Ergebnis (7):

Moderne Palästinenser weisen eine hohe genetische Herkunfts-Kontinuität auf, die sich aus einem Kernbeitrag von 75–88 % eisenzeitlicher levantinischer Herkunft (p > 0,05) und einem sekundären Genfluß aus Afrika südlich der Sahara (≈8–12 %) widerspiegelt. Im Gegensatz dazu zeigt das Genom der aschkenasischen Juden eine mosaikartige Umstrukturierung, die durch heterogene südeuropäische Introgression von 30 % (mittelalterlich) bis 60 % (modern) gekennzeichnet ist. Diese Divergenz ist auf ein bedeutendes Gründerereignis im 14. Jahrhundert zurückzuführen, das durch f4-Statistiken bestätigt wird, die auf einen starken genetischen Flaschenhals hindeuten (Z > 3).
Modern Palestinians exhibit high levels of ancestral persistence, modeled with a 75–88% core contribution from the Iron Age Levant (p > 0.05) alongside secondary gene flow from Sub-Saharan Africa (≈8–12%). In contrast, the Ashkenazi Jewish genome reflects a mosaic reconfiguration characterized by heterogeneous Southern European introgression ranging from 30% (medieval) to 60% (modern). This divergence is anchored by a significant 14th-century founder event, confirmed by f4-statistics indicative of a severe bottleneck (Z > 3).

öjölkj


/ Zuerst veröffentlicht am 29.7.2015 auf GA-j!, 
ergänzt um Ausführungen rund um Literaturangaben 2 bis 4: 29.10.15, 
verschoben auf den Blog "Studium generale" am 27.11.2015;
ergänzt um Ausführungen zu Lit.angaben 5 und 6: 3.10.2021 /
________________________________________________
  1. Boppert, W.; Wieczorek, A.: Die Gräber des Ludino und der Pauta aus Worms. In: Die Franken - Wegbereiter Europas. Vor 1500 Jahren: König Chlodwig und seine Erben. Reiss-Museum Mannheim und Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1996, S. 870-872
  2. Wernitz, Rene: Verwirrende Familienchronik des Kalonymos. Ließen sich Juden aus Italien im 10. Jahrhundert von einem König Karl nach Norden locken? In: Brawo (Anzeigenblättchen des Landes Brandenburg), 25.10.2015, S. 6
  3. Balter, Michael: Did Modern Jews Originate in Italy? In: Science, 8.10.2013, http://news.sciencemag.org/biology/2013/10/did-modern-jews-originate-italy
  4. Kaltenstadler, Wilhelm: Judentum, Christentum und Kulturtransfer. In: Nicolas Benzin (Hrsg.): Beiträge zur Kulturgeschichte des Judentums und der Geschichte der Medizin. Band 2, 2010 , S. 23-69
  5. Khan, Razib: Ashkenazi Jewish genetics: a match made in the Mediterranean - How and when did the Ashkenazim come to be? 2021, https://razib.substack.com/p/ashkenazi-jewish-genetics-a-match
  6. Xue J, Lencz T, Darvasi A, Pe’er I, Carmi S (2017) The time and place of European admixture in Ashkenazi Jewish history. PLoS Genet 13(4): e1006644. https://doi.org/10.1371/journal.pgen.1006644
  7. Bryan P. Permana (HIKAM Institute of Science & Research; Faculty of Sharia, Islamic University of Madinah). Genetic Proximity of Modern Palestinians and Ashkenazi Jews to Iron Age Levantines. Bio J Integ Sci Tech Innov 2026; 1(1): 1–10, 14.2.2026 (Resg)

Mittwoch, 26. Mai 2010

Stimmt das etwa: "Ein Volk zu sein, ist die Religion unserer Zeit"?

Zur "Dialektik der Aufklärung" betreffs moderner Humangenetik

a) Grundsätzliches als Einleitung

"Ein Volk zu sein, ist die Religion unserer Zeit," rief der deutsche "National-" und Freiheitsdichter Ernst Moritz Arndt zur Zeit der deutschen Freiheitskriege gegen Napoleon aus. In dem gleichen Jahrzehnt dichtete der deutsche Dichter Friedrich Hölderlin: "Oh du der Geisterkräfte gewaltigste, du löwenstolze Liebe des Vaterlands!" Und Friedrich Schiller dichtete sein berühmtes: "Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not und trennen noch Gefahr ..." Und wiederum Friedrich Hölderlin dichtete: "Oh heilig Herz der Völker, oh Vaterland ...".

Abb. 1: Schach - Ein Jude spielt gegen einen Moslem Schach, Darstellung aus dem 13. Jahrhundert aus  Andalusien (im "El Libro de los Juegos, commissioned by Alphonse X of Castile, 13th century, Madrid) (Wiki)

Johann Gottfried Herder prägte in ähnlichen Zeiten das Wort: "Völker sind Gedanken Gottes". Jacob Grimm (Stgen2008) begründete nicht nur viele moderne, geisteswissenschaftliche Disziplinen, in denen insbesondere die Eigenart der Völker über ihre jeweilig einzigartigen kulturellen Hervorbringungen erforscht wurde (Germanistik ..., Slawistik ...., Volkskunde ...), sondern gewann aus diesen Forschungen als politisch frei und niemals "korrekt" denkender Mensch auch den Impetus, um an der Entwicklung Deutschlands hin zu einem demokratischen und sozial gerechten Rechts- und Verfassungsstaat mitzuwirken (... "Göttinger Sieben", ... Abgeordneter der deutschen Nationalversammlung von 1848 ...).

Niedergang des Christentums - Aufgang einer neuen "Religion"?

Es waren die Jahre nach der Französischen Revolution und vor den europäischen Freiheits- und Nationalkriegen gegen Kaiser Napoleon. ("... Mit Mann und Roß und Wagen, so hat sie Gott geschlagen ...") Es waren die Jahre, als den europäischen Eliten ihr vormals unerschütterlicher Glaube an die unumschränkte Wahrheit der christlichen Religion abhanden gekommen war, so wie als einem der ersten: Giordano Bruno. Es war jene Zeit, als einer der ersten und zugleich letzten großen, freigeistigen Theologen der Geschichte des Abendlandes, als Friedrich Schleiermacher in Berlin seine bedeutendste Schrift herausgab: "Über Religion - an die Gebildeten unter ihren Verächtern".

Und als Ersatz wählten diese "Verächter" (aber auch andere) sehr oft jene "Religion", die ein Ernst Moritz Arndt und so viele andere Dichter des 19. Jahrhunderts in Worte faßten. Wobei zugleich die Zweischneidigkeit dieser "Religion" deutlich wurde. Dichtete doch ein solcher Dichter wie Ernst Moritz Arndt gerne auch blutrünstigste Kampfgedichte voller Franzosenhaß.

Eine "kopernikanische Wende" durch die Humangenetik

Aber was haben all diese Geschichten des 19. Jahrhunderts mit der Humangenetik des 21. Jahrhunderts zu tun? 

  • Mit der vollständigen Sequenzierung des menschlichen Genoms, die im Jahr 2000 verkündet wurde, 
  • mit der Erforschung "gruppenevolutionärer Strategien" durch die Soziobiologie, die besonders seit den 1990er Jahren an Fahrt aufgenommen hat, 
  • mit der neuen Disziplin der Religionsdemographie und -biologie und
  • mit der Erkenntnis von der hohen Erblichkeit der menschlichen Intelligenz und ihrer sehr deutlich unterschiedlichen Häufigkeitsverteilung über die Völker und Rassen weltweit und über die Epochen der Humanevolution hinweg 

hat sich ein kopernikanischer Umschwung in der Wissenschaft und damit früher oder später auch im Weltbild angebahnt (siehe auch Einleitung von: 2).

Möglicherweise hatte nämlich Ernst Moritz Arndt viel stärker recht, als wir ihm das bis heute gerne hätten zugestehen wollen, ja, als das vielleicht sogar die politisch extremsten Nachfolger auf dem Gebiet nationaler und nationalistischer Politikgestaltung gewagt hätten vorauszusagen als Ergebnis künftiger anthropologischer und evolutionärer Forschung.

"Ein Volk zu sein war und ist die Religion aller Zeiten!"

Vielleicht ist die Lehre aus dieser kopernikanischen Wende in der derzeitigen Anthropologie nämlich tatsächlich vor allem die Erkenntnis: "Ein Volk zu sein war und ist die Religion aller Zeiten!" Denn wenn das aschkenasische Judentum tatsächlich die "Speerspitze der Evolution" bilden sollte, da es den höchsten, durchschnittlichen, angeborenen Intelligenzquotienten weltweit aufweist - und das, obwohl es erst etwa 1.000 bis 1.500 Jahre alt ist -, wenn dies tatsächlich der Fall sein sollte, dann wäre zu fragen, ob der Fall der "Evolution der aschkenasischen Intelligenz" (Wiki) (1) verallgemeinert werden kann, ja, muß auf die Humanevolution, auf die Evolution von Völkern überhaupt.

Vom Volk der Bibel jedenfalls kann sicherlich schon seit mindestens zweitausend Jahren gesagt werden, daß "ein Volk zu sein" für dieses "Religion" immer schon gewesen ist. Und darin wird möglicherweise auch die Ursache für den evolutionären Erfolg dieser letzten "Speerspitze der Evolution" zu suchen sein, was Intelligenz-Evolution betrifft. Und war nicht diese "Religion" letztlich die Religion aller Völker, bevor sie zu globalistischen sogenannten "Weltreligionen" bekehrt wurden - nämlich: "ein Volk zu sein"?

Hat nicht auch der Freiheitskämpfer Arminius seinem auf Römerseite stehenden Bruder gegenüber die eigenen Götter beschworen und die eigenen kulturellen Überlieferungen, als er ihn auf seine Seite herüberziehen wollte - nach dem Bericht der römischen Historiker?  Also der Sieger des Jahres 9 n. Ztr. in der Schlacht vom Teutoburger Wald, der heute Wiehengebirge genannt wird. 

Waren nicht früher alle Völker und Stämme stolz auf sich selbst? Und ist dieser Stolz auf die individuelle, kulturelle und gerne auch biologische Eigenart der eigenen Gruppe, der eigenen Kultur nicht immer schon - ausgesprochen oder unausgesprochen - "Religion" des Menschen in der gesamten Zeit der Weltgeschichte und der Humanevolution gewesen?

Wäre dies etwa bei den Jäger- und Sammler-Völkern anders gewesen? Bei den zahllosen, aufeinander folgenden schriftlosen oder Schrift besitzenden Völkern und Kulturen des Neolithikums, der Bronzezeit und der Eisenzeit? Sind nicht sogar viele Völker und Stämme auf sich selbst so selbstverständlich stolz, daß sie nur sich selbst "Mensch" nennen, die Menschen aller anderen Völker aber mit abwertenden Bezeichnungen, mit Bezeichnungen, die eher an Tiere denn an Menschen erinnern? Die Piraha, ein Indianerstamm im südamerikanischen Urwald, die keine Zahlworte haben, sind so stolz, daß sie sich selbst "gerader Kopf" = Piraha und alle anderen Menschen "krummer Kopf" nennen. Und wie recht haben sie. Schließlich verkörpern sie eine Art von Menschsein, die kein anderer Stamm weltweit verkörpert.

Alle Völker finden sich selbst besser als andere

Und wäre gerade der geistesgeschichtlich sicherlich "notwendige" Untergang der supernaturalistischen "Weltreligionen" Christentum und Islam eine Entwicklung, die auf mehr oder weniger "natürlichem" Wege Platz schaffen würde für eine Rückkehr zu den ursprünglichen Gesetzmäßigkeiten von Humanevolution überhaupt, die jetzt durch die Humangenetik und Soziobiologie allmählich - wieder - aufgedeckt werden?

b) Neue historische Studie

Aber nach solch grundsätzlichen Bemerkungen, die man doch einmal hatte loswerden müssen, da über diese Thematik seit mehreren Jahren mehr geschwiegen als geredet wird, soll noch mit einigen Anmerkungen auf eine neue historische Studie (3) aufmerksam gemacht werden, die letztlich darauf zielt, die Forschung des letzten Jahrhunderts zur Geschichte des Judentums mit den humangenetischen und soziobiologischen Forschungen zur Evolution der aschkenasischen Intelligenz der beiden letzten Jahrzehnte (2) in Einklang zu bringen.

Auf dieser Linie wird wohl in nächster Zeit noch so manche weitere Studie erscheinen. Natürlich auch zu anderen Völkern.

Gen-Kultur-Koevolution schafft Völkervielfalt

Auf dem Blog von Lars Fischer hat es ja kürzlich schon eine schöne Diskussion über das Thema "Gen-Kultur-Koevolution" gegeben. In dieser haben unter anderem Edgar Dahl und Michael Blume manches Wichtige zur Thematik festgestellt (Fischblog, 12.4.10). In ihr wurde allerdings noch kaum thematisiert, daß die Vielfalt der menschlichen Kulturen und Lebensweisen weltweit schon seit tausenden und zehntausenden von Jahren unterschiedliche Selektionsbedingungen für die Völker weltweit geschaffen hat, an die sich die Genome der Völker dann auch angepaßt haben. Das können wir heute in diesen Genomen immer besser erkennen (s.a. 4) - und zwar sowohl was die Genetik physiologischer Körpermerkmale betrifft, als auch was die Genetik von psychischen Merkmalen betrifft.

Dabei wies Leser "itz" freundlicherweise auf einen neuen Artikel des NYT-Wissenschaftsjournalisten Nicholas Wade hin, der die eingangs genannte kopernikanische Wende schon in seinem Buch "Before the Dawn" im Jahr 2006 umrissen hatte, und der sie jüngst wieder einmal neu erläuterte in seinem Aufsatz: "Human Culture, an Evolutionary Force". Wade machte unter anderem auf folgenden Meinungsumschwung innerhalb der Wissenschaft aufmerksam (NYT, 1.3.10):

Der Gedanke, daß Gene und Kultur koevolvieren wabert schon seit mehreren Jahrzehnten (innerhalb der Wissenschaft). Aber er hat erst jüngst begonnen, Anhänger zu gewinnen. Zwei führende Befürworter, Robert Boyd von der Universität von Kalifornien in Los Angeles und Peter J. Richerson von der Universität von Kalifornien in Davis argumentieren schon seit Jahren, daß Gene und Kultur in Abhängigkeit voneinander stehen bei der Formung der menschlichen Evolution. "Es ist nicht so gewesen, daß wir verachtet wurden, nur irgendwie ignoriert," sagt Dr. Boyd. Aber in den wenigen letzten Jahren hat das Zitieren ihrer Veröffentlichungen durch andere Wissenschaftler "umfangreich zugenommen", sagt er. 
The idea that genes and culture co-evolve has been around for several decades but has started to win converts only recently. Two leading proponents, Robert Boyd of the University of California, Los Angeles, and Peter J. Richerson of the University of California, Davis, have argued for years that genes and culture were intertwined in shaping human evolution. “It wasn’t like we were despised, just kind of ignored,” Dr. Boyd said. But in the last few years, references by other scientists to their writings have “gone up hugely,” he said.

Unter diesen Umständen macht es sicher Sinn, wenn man sich eine der jüngsten Arbeiten von Boyd und Richerson einmal wieder genauer anschaut, z.B. jene, die im Rahmen eines  auch sonst hochkarätig besetzten Kolloquiums im letzten Dezember veröffentlicht worden ist (2) (PNAS). Denn durch diese Arbeit wird man - unter anderem - auch auf die im folgenden kurz zu behandelnde neue Studie (3) aufmerksam gemacht.

Die historischen Umstände zur Zeit der Ethnogenese des aschkenasischen Judentums

Diese letztere Studie erläutert und präzisiert noch einmal unser historisches Wissen um die Umstände der Entstehung des aschkenasischen Judentums - zunächst als früh-, bzw. hochmittelalterliche Rand- und Splittergruppe des bis dahin demographisch und auch sonstig dominierenden sephardischen Judentums. Und was diese Arbeit besonders deutlich hervorhebt, das ist der Umstand, daß zur Zeit der Entstehung des aschkenasischen Judentums das politische, wirtschaftliche und religiöse Zentrum des damaligen "weltweiten" Judentums sehr selbstverständlich im islamischen Machtbereich lag (3, S. 915):

Während des achten und neunten Jahrhunderts bildete das Abbasiden-Reich im Nahen Osten das demographische, wirtschaftliche und religiöse Zentrum der jüdischen Gemeinschaften.
During the eighth-ninth centuries the demographic, economic, and religious center of Jewish communities was the Abbasid Empire in the Near East.

Und man bekommt von diesem Blickwinkel her noch ein besseres Verständnis für die historische Situation, innerhalb welcher die Gründerpopulation des aschkenasischen Judentums sich etabliert haben muß. Die aschkenasischen Juden waren am Anfang - nach allen präsentierten demographischen und sonstigen historischen Daten - sicherlich bloß eine marginale untergeordnete Randgruppe des Judentums der damals bekannten Welt, eine Randgruppe, die sich eben in die Dienste der "barbarischen", germanischen, bzw. nordeuropäischen Fürsten stellte (3, S. 916).

Sicherlich blickte man um 800 von Bagdad aus auf die an der Seine, an der Themse und am Rhein operierenden Juden, mit denen man in Briefkontakt stand, mit mancherlei Mitleid oder gar Herablassung. Denn damals erachtete man sich selbst in Bagdad sicherlich als kulturell höherwertig, bzw. seine ganze dortige kulturelle und ökonomische Umgebung. (Man lese dazu etwa wikipedia-Artikel wie "Golden age of Jewish culture in Spain" [Wiki] oder "Sephardic Jews" [Wiki], bzw. ihre deutschsprachigen Pendants.)

Aschkenasische Juden um 800: Zunächst eine kleine, abseitige "Splittergruppe" im andersartigen Norden

Aber wenn man die möglicherweise mental als besonders "harsch" und "barbarisch" empfundenen Lebensbedingungen, unter denen die ursprünglich aus einem Mittelmeervolk stammenden deutschsprachigen (jiddisch-sprachigen = aschkenasischen) Juden leben mußten, wenn man diese Bedingungen mit jenen von Bagdad oder Cordoba in Spanien verglich, dann konnte sich bei der damaligen Splittergruppe der deutschsprachigen Juden durchaus auch eine Art Sonderbewußtsein herausbilden. Man konnte einen gewissen Stolz der Tatsache gegenüber entwickeln, daß man es auch unter so andersartigen Bedingungen "aushielt".

Und diese Bedingungen könnten diese ethnische Splittergruppe auch unter besondere genetische Selektionsbedingungen gestellt haben, die dann eben zu den besonderen genetischen und kulturellen Eigenarten der aschkenasischen Juden führten, die sie von ihren sephardischen (also traditionell romanisch- oder arabischsprachigen) Brüdern und Schwestern bis heute so deutlich absetzen.

Auf weitere Einzelheiten soll an dieser Stelle nicht eingegangen werden, zumal das Thema schon oft hier auf dem Blog in der einen oder anderen Weise behandelt worden ist und zumal mindestens zwei der zitierten Artikel (1, 3) auch frei im Netz zugänglich sind.

Aber da sich das Thema auf der Schnittstelle von Genetik und klassischer Geschichtswissenschaft bewegt, sind eben auch ganz traditionell arbeitende Historiker aufgerufen, sich mit der Thematik überhaupt zu beschäftigen.

Straßburger Eide von 842 ein wichtiges Datum

Jedenfalls ein klassischer Fall von Ethnogenese ("Volkwerdung") etwa zu gleicher Zeit und parallel zu den Ethnogenesen (= "Volkwerdungen") der heute noch bestehenden anderen europäischen Völker, wie sie sich nach dem Abschwellen der Unruhezeit der Völkerwanderung vollzogen - aufgrund sprachlicher, politischer und sonstiger kultureller Entwicklungen. Als ein wichtiges Datum bei der kulturellen - und damit zugleich auch biologischen - Herausbildung des aschkenasischen Judentums werden auch die Straßburger  Eide 842 (Wikizu nennen sein, durch die die sprachliche Trennung des französischen vom deutschen Volk erstmals in Schriftdokumenten manifest wurde.

Ob übrigens die Hauptthese der hier angesprochenen Arbeit (3) durch diese Arbeit selbst als erhärtet angesehen werden kann, nämlich daß die religiöse Forderung nach Schulbildung die Juden schon früher als andere Völker auf IQ-Selektion hin ausrichtete, muß schon deshalb infrage gestellt werden, weil in dieser Arbeit größtenteils von den sephardischen Juden die Rede ist, deren durchschnittlicher angeborener Intelligenzquotient heute gerade nicht über dem der übrigen europäischen Völker liegt, wie das eben so auffälligerweise allein für das aschkenasische Judentum gilt. So viel wie hinsichtlich des aschkenasischen Judentums gibt es hinsichtlich des sephardischen Judentums gar nicht zu erklären, was IQ-Evolution betrifft.

Aber das entwertet bestimmt nicht die vielen und oft detailreichen historischen Angaben, die auch sonst der Studie entnommen werden können. - "Ein Volk zu sein", ist die Religion des Judentums, auch oftmals des heute nicht mehr bibelgläubigen (5). Und dieser Umstand könnte in vielerlei Hinsicht ein exemplarischer Fall für die Evolutionsforschung überhaupt darstellen.

___________

  1. COCHRAN, G., HARDY, J., & HARPENDING, H. (2005). NATURAL HISTORY OF ASHKENAZI INTELLIGENCE Journal of Biosocial Science, 38 (05) DOI: 10.1017/S0021932005027069
  2. Richerson, P., Boyd, R., & Henrich, J. (2010). Colloquium Paper: Gene-culture coevolution in the age of genomics Proceedings of the National Academy of Sciences, 107 (Supplement_2), 8985-8992 DOI: 10.1073/pnas.0914631107
  3. Botticini, M., & Eckstein, Z. (2007). From Farmers to Merchants, Conversions and Diaspora: Human Capital and Jewish History Journal of the European Economic Association, 5 (5), 885-926 DOI: 10.1162/JEEA.2007.5.5.885
  4. Hancock, A., Witonsky, D., Ehler, E., Alkorta-Aranburu, G., Beall, C., Gebremedhin, A., Sukernik, R., Utermann, G., Pritchard, J., Coop, G., & Di Rienzo, A. (2010). Colloquium Paper: Human adaptations to diet, subsistence, and ecoregion are due to subtle shifts in allele frequency Proceedings of the National Academy of Sciences, 107 (Supplement_2), 8924-8930 DOI: 10.1073/pnas.0914625107
  5. MacDonald, Kevin: A Culture of Critique. An Evolutionary Analysis of Jewish Involvement in Twentieth-Century Intellectual and Political Movements, 1998.
  6. Hancock, A., Witonsky, D., Ehler, E., Alkorta-Aranburu, G., Beall, C., Gebremedhin, A., Sukernik, R., Utermann, G., Pritchard, J., Coop, G., & Di Rienzo, A. (2010). Colloquium Paper: Human adaptations to diet, subsistence, and ecoregion are due to subtle shifts in allele frequency Proceedings of the National Academy of Sciences, 107 (Supplement_2), 8924-8930 DOI: 10.1073/pnas.0914625107
  7. MacDonald, Kevin: A Culture of Critique. An Evolutionary Analysis of Jewish Involvement in Twentieth-Century Intellectual and Political Movements, 1998.
  8. MacDonald, Kevin: A Culture of Critique. An Evolutionary Analysis of Jewish Involvement in Twentieth-Century Intellectual and Political Movements, 1998.
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