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Freitag, 12. April 2019

Mein erster Archäogenetik-Test ....

Er sagt, ich bin ein Germane

Aus der Reihe "Meine Gene", Teil 8

Angesichts des rasanten Fortschritts im Bereich der Archäogenetik war es nur eine Frage der Zeit, wann es die ersten Angebote geben würde, seine eigenen sequenzierten Gene mit denen von archäologischen Kulturen zu vergleichen. Nun wird mir das erste diesbezügliche Angebot bekannt (über die Facebook-Gruppe "Ancient DNA"). 

Auf der Internetseite "My True Ancestry" ( https://mytrueancestry.com ), betrieben von einer Schweizer Firma mit Namen "DNA Check LLC" (registriert im US-Bundesstaat Delaware), kann man seine eigenen sequenzierten Gene hochladen und auf Ähnlichkeit vergleichen mit den sequenzierten Genen inzwischen schon archäogenetisch erforschter archäologischer Kulturen. Natürlich habe ich das Angebot sofort wahrgenommen. Der Abgleich dauert nach dem Hochladen des Gendatensatzes nur fünf Minuten und er ist in der Einstiegs-Variante kostenlos. Hier nun die zur Verfügung gestellte Ergebnis-Karte (Abb. 1).

Abb. 1: Die archäologischen Kulturen, zu deren Angehörigen ich die höchste genetische Verwandtschaft aufweise

Zur Karte wird als Erläuterung in der Rubrik "FAQ" gesagt:

Blaue Punkte benennen eine klar definierte Gruppe von archäologischen Menschen. Rote Punkte benennen archäologische Funde, bei denen die Identität aufgrund der archäologischen Zusammenhänge allein schwer festzustellen ist. Helle Punkte bedeuten entferntere Verbindungen, dunkle Punkte bedeuten engere DNA-Nähe zu dir.
Blue dots link to a clearly defined set of ancient peoples. Red dots refer to ancient samples where identity is difficult to determine based on archaelogical evidence. Faded dots mean distant connection, brighter dots mean very close DNA distance to you.
Als archäologische Kulturen, die mir genetisch am nächsten stehen, werden mir unter den Rubrik "Your closest Ancient populations ..." genannt:
  1. Kelten + Langobarden (7.685)
  2. Langobarden + Franken (7.795)
  3. Franken (9.07)
  4. Langobarden (9.487)
  5. Kelten (9.985),
kurz gefaßt:
  1. Die Langobarden
  2. Die Franken
  3. Die Kelten

Die sind ja auf der Karte auch blau gekennzeichnet. In einer weiteren Rubrik werden mir "Your closest Archaeogenetic matches ..." genannt. Hier geht es vermutlich um die roten Punkte auf der Karte. Daß die archäologische Zuordnung zu bestimmten Stämmen und Völkern nicht sicher ist, halte ich übrigens für wenig wichtig. Schließlich ist die Genetik selbst der sicherste Hinweis, in welchen vermutlich auch kulturellen Zusammenhängen sie sich bewegt haben, zumal wenn die jeweilige Zeitstellung hinzugenommen wird. Hier werden mir dann noch einmal andere Volksstämme angeführt, mit denen ich am nahesten genetisch verwandt bin:

  1. Alemannisches Bayern (450 n. Ztr.) (6.469) 
  2. [Hidden] - upgrade your account (7.637) 
  3. Halstatt (775 v. Ztr.) (7.957) 
  4. [Hidden] - upgrade your account (9.07) 
  5. Glockenbecher-Kultur (2500 v. Ztr.) (9.483) 
  6. [Hidden] - upgrade your account (9.487) 
  7. Alemannisches Bayern (500 n. Ztr.) (9.929) 
  8. [Hidden] - upgrade your account (9.985) 
  9. Keltisch / Ungarisch (590 n. Ztr.) (10.19)
  10. .... die Liste wird noch bis 20. forgeführt, allerdings mit "verborgenen" Positionen

Kurz und gut: Ich bin ein Germane. Wie stark sich Germanen und Kelten genetisch überhaupt voneinander unterscheiden, darüber habe ich noch nie eine Studie gelesen. Aber solche sollte es ja - angesichts dieser Auswertung - auch schon geben. Da muß ich noch einmal recherchieren. Es dürfte überhaupt interessant sein, ob man die einzelnen germanischen Stämme der Völkerwanderungszeit rein genetisch voneinander unterscheiden kann. Kann man das?  Das wäre mir neu.

Sicher ist, daß man die oft männlichen, nach Süden zugewanderten Völkerwanderungsgermanen aus dem Norden, die man in den Reihengräberfeldern schon von Seiten der Physischen Anthropologie her als sehr einheitlich erkennen konnte, auch genetisch (als zugleich groß, blond und blauäugig) klar von den Frauen unterscheiden kann, die sie südlich von Main und Donau geheiratet haben, und die genetische Verwandtschaft zum Balkan aufwiesen. Eine solche genetische Verwandtschaft wird mir nicht angezeigt, auch nicht zu anderen heutigen Osteuropäern. Es würde mich interessieren, ob das für heutige Deutsche typisch ist und wie dieser Befund dann zu bewerten wäre angesichts der durch die Archäogenetik schon aufgezeigten Tatsache, daß es in der Völkerwanderung ja doch zu Vermischungen gekommen ist und man das ja auch heute noch im Bereich der Physischen Anthropologie sehen kann. (... Oder hat die heutige Vielfalt in der Physischen Anthropologie auch schon bei den Glockenbecher-Leuten vorgelegen? Das wäre ja interessant.)

Die Punkte hinter der Klammer geben übrigens, wenn ich es recht verstehe, statistische Verwandtschaftsbewertungen an. In der Erläuterung ("Info") werden anstelle dieser Zahlen die Zahlen 5, 10 und 15 genannt, die Punkte in der Zahlenreihe sind also offenbar als Komma zu verstehen.

Jedenfalls, das Ergebnis wird im Groben schon stimmen: Verschiedene germanische Stämme der Völkerwanderungszeit, Hallstadt-Kelten, Glockenbecher-Kultur, Indogermanen halt - und zwar genetisch jeweils etwas entfernter, je weiter man zeitlich zurück geht.

Exkurs: Germanen - Kelten - Homer

Gerade in den letzten Wochen, in denen ich mich mit den bronze- und eisenzeitlichen Höhenburgen der deutschen Mittelgebirge beschäftigte (siehe frühere und etwaige künftige Blogartikel), wo ja die ethnischen Übergänge, Kontinuitäten zwischen Urnenfelderkultur und Kelten gut greifbar sind, von der Forschung als sicher angenommen werden, wurde mir erst wieder bewußt, wie unsinnig es ist, Germanen und Kelten als genetisch gar so besonders unterschiedlich voneinander anzusehen. Zu dieser Frage erschien 2015 eine umfassendere genetische Studie (2-4). Sie zeigt durchaus auf, daß sich die Angelsachsen in England markanter genetisch unterscheiden lassen von diversen, einander genetisch markanter unterscheidenden keltischen regionalen Gruppen (Schotten, Waliser, Iren etc.). Aber das war keine Ancient-DNA-Studie und der Begriff "Yamnaja" findet sich in dieser Studie von 2015 noch gar nicht. Mit ihm würde aber die gemeinsame genetische Herkunft all dieser Gruppen betont werden.

Die Kelten waren den Germanen deshalb vermutlich dennoch vergleichsweise nahe genetisch verwandt, da sie alle im Wesentlichen Indogermanen waren. Sie waren ja auch ähnlich kriegerisch gesonnen und waren auch religiös nicht gar so unterschiedlich, abgesehen davon, daß sie - im Gegensatz zu den Germanen - schon einen Priesterstand, die Druiden, kannten. Solche "Seher" sind aber aus vielen indogermanischen Völkern bekannt. Wie man überhaupt bei den eigentlichen Germanen vieles nicht findet, was man bei allen übrigen indogermanischen Völkern sehr wohl findet. Womit eine einigermaßen neue Frage aufgeworfen sein könnte: Warum gibt es so vieles bei den Germanen nicht, obwohl es fast alle anderen indogermanischen Völker aufweisen?

Das sind Fragen, die einem schon bei der Forschungshypothese, daß die Ilias mündliche Überlieferungen aus der Bronzezeit enthalten könnte (1), kommen konnten. Dann würde sich nämlich die Frage stellen: Warum findet sich ein Geist wie der der Ilias nicht bei den nordeuropäischen Germanen? Oder warum konnte dieser bei ihnen - womöglich erst nach der Bronzezeit? - wieder verloren gehen?

Aber vielleicht schält sich allmählich heraus: "Germanen" sind einfach nur jene indogermanischen Stämme Skandinaviens, die am spätestens - nämlich erst in der Wikingerzeit - jene protourbane Stadtkultur angenommen haben, die in der Frühbronzezeit schon in Form der Höhenburgen der deutschen Mittelgebirge und in Südengland vorzufinden ist (einschließlich von Hausmäusen). 

Vielleicht sind sie deshalb genetisch einheitlicher geblieben, weil es keine so breiten Unterschichten gab wie in stadtähnlichen Gesellschaften. Und womöglich mögen solche Umstände auch dazu beigetragen haben dazu, daß bei den Germanen kulturell alles ein wenig "rustikaler" ausgefallen sein könnte, daß - beispielsweise - eine Himmelsscheibe von Nebra eben in ihrem Kulturraum weniger denkbar ist als in den Herrschaftsräumen der (vorkeltischen) Salzfürsten der Aunjetzer Kultur.

Verwandtschaft mit heutigen Völkern (Ethnizitätsabschätzung)

Unter der Rubrik "Your closest genetic modern populations ..." werden mir dann übrigens genannt:

  1. Deutsch_Mitte (3.374)
  2. Ost_Deutsch (5.432)
  3. Nord_Deutsch (9.654)
  4. West_Deutsch (10.08)

Da ich ja mütterlicherseits eine "großdeutsche Mischung", zugleich bin mit englischen, venezianischen, evtl. ungarischen genetischen Einsprengseln, väterlicherseits seit Jahrhunderten nur aus einer kleinen bäuerlichen Region des Westhavelland stamme, könnte es schon gut hinkommen, daß "German_Central" die mir genetisch am nächsten stehende heutige Population ist. Unter "FAQ" wird auch zu der Frage Stellung genommen, warum man nicht eine der großen Consumer genetics-Firmen bezüglich dieser Frage nutzen soll. Antwort:

Why do we use Google today and not Altavista? Innovation. MyTrueAncestry represents the latest algorithms to solve these problems with over 250 ethnicities. Other 'big companies' typically have about 20 categories. e.g. if you are German it will say you are half English and half Finnish.

Ganz genau, so war ja auch meine Erfahrung und ich empfand sie immer schon als unbefriedigend. 

... Und noch ein Seitenblick auf die aschkenasischen Juden

Was mich ein wenig stutzig macht, ist, daß auf der Internetseite unabhängig von meiner eigenen, persönlichen Auswertung unter der Rubrik "How do populations relate to each other?" als nächste archäogenetische Verwandte der aschkenasischen Juden genannt werden:

  1. *Hellenic Roman (7.562)
  2. *Roman (7.562)
  3. Hellenic Roman + Roman (7.562)
  4. Ancient Greek + Roman (11.27) 
  5. Hellenic Roman (11.9) 
  6. Roman (14.05) 
  7. Ancient Greek (16.33)

Ein Wert von 7 ist nicht gerade der höchste Verwandtschaftswert auf dieser Internetseite. Und ich dachte bislang immer noch, daß eine deutlich mittel- oder nordeuropäischere genetische Komponente, die mit den germanischen Langobarden zu tun gehabt hätte, bei den aschkenasischen Juden auch eine Rolle gespielt hätte. Scheinbar nicht. Auch als nächste heutige Verwandte werden genannt:

  1. East_Sicilian (5.157)
  2. Central_Greek (5.924)
  3. Greek_Crete (6.191)
  4. Greek_Islands (7.254)
  5. Italian_Abruzzo (8.393) 
  6. South_Italian (8.437) 
  7. Greek_Thessaly (9.336) 
  8. West_Sicilian (9.423) 
Und für sephardische Juden archäogenetisch:
  1. *Canaanite / Semite (13.97) 
  2. Hellenic Roman + Canaanite / Semite (11.69) 
  3. Canaanite / Semite + Hittite (12.31)
  4. Canaanite / Semite (13.97) 
  5. Hittite (16.63) 
  6. Hellenic Roman (17.65)
Oh, ein Wert von 13 zeigt ja schon eine recht entfernte genetische Verwandtschaft an. Näher verwandte Völker scheint man noch nicht gefunden zu haben. Und heutige Völker:
  1. Lebanese_Muslim (5.417)
  2. Kurdish_Jewish (6.955)
  3. Syrian (7.132) 
  4. Iranian_Jewish (7.469) 
  5. Assyrian (7.715) 
  6. Lebanese_Christian (11.01) 
  7. Cyprian_Greek (11.08) 
  8. Jordanian (11.44)

Auffällig, daß hier sephardische und aschkenasische Juden gar nicht als gegenseitig näher miteinander verwandt angezeigt werden. Auf Wikipedia ist zu erfahren, daß die Forschung auch heute noch nicht wirklich klare Ergebnisse aufweisen kann zur genetischen Herkunft und Entstehung der aschkenasischen (oder auch: der sephardischen) Juden. Es heißt dort immer noch (Wiki):

In the case of Ashkenazi and Sephardi Jews (...), who are closely related, the source of non-Jewish admixture is mainly southern European. Behar and colleagues have remarked on an especially close relationship between Ashkenazi Jews and modern Italians.

Da deuten sich endgültigere Einordnungen an, aber es scheint auch noch vieles offen zu sein. Die Frage der Ethnogenese der aschkenasischen Juden ist ja schon mehrmals anderwärts hier auf dem Blog behandelt worden.

Die Vorfahren meines niederösterreichischen Urgroßvaters aus St. Pölten 

Ergänzung (11.11.2019): Auf dem Domplatz von St. Pölten in Niederösterreich sind in den letzten Jahren zehntausende von Skeletten eines Friedhofs aus dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit geborgen worden. Sie werden als wertvolles "Bioarchiv" für die Forschung angesehen (5). 

Abb. 2: Franz Josef Schaufler

Alle Vorfahren des Vaters von einem meiner beiden Großväter - nämlich von Franz Josef Schaufler (1850-1896) (Abb. 2) - stammen aus Dörfern, die zwischen 18 und 35 Kilometer östlich von St. Pölten gelegen sind, aus: Baumgarten, Siegersdorf und Asperhofen (G-Maps).

Von ihnen habe ich ein Achtel meiner Gene, sprich 12,5 %. Das mittelalterliche und frühneuzeitliche Niederösterreich wird aber gegenwärtig bei MyTrueAncestry.com noch nicht als genetisch verwandte alte Bevölkerungsgruppe angezeigt. 

Der erwähnte Franz Josef Schaufler hatte nach den Familienaufzeichnungen seine Matura im Priesterseminar in St. Pölten gemacht. Er hatte zunächst Priester werden sollen. Er hatte schon sechs Priesterweihen erhalten. Dann wurde er aber durch Los, so heißt es, zum Militär bestimmt. Und auf diese wunderliche Weise wurde er Berufssoldat. Er diente als Schloßwache in Schönbrunn und stieg bis zum Hauptmann auf. In den Familienaufzeichnungen heißt es:

"Er ging nie in die Kirche und wollte nicht kirchlich heiraten."

Was er dann aber doch tun mußte. Er heiratete in der Franziskanerkirche in Salzburg.

[ 7.2.22 ] In einem neuen DNA-Match auf MyHeritage teilt jemand 0,5 % DNA mit mir, in dessen Stammbaum es auch einen Johann Schaufler gibt. Wie könnten wir miteinander verwandt sein? Meine Mutter ist eine geborene Schaufler und hat in väterlicher Linie folgende Vorfahren: 

  • Wilhelm Leonhard Oswald Schaufler (1892-1950), Soldat im 1. Wk, Bergsteiger, Maler, Leiter des Arbeitsamtes Zell am See.
  • Franz Joseph Schaufler (1850-1896), Berufssoldat. Verheiratet mit einer Tochter aus einer ursprünglich venezianischen adligen Beamtenfamilie, den Nobile Cicogna.
  • Josef Schaufler (1820-1851), Bauer in Baumgarten bei St. Pölten. Verheiratet mit einer Johanna Platzer. Mit 31 Jahren an den Schwarzen Blattern gestorben.
  • Joseph Schaufler (1793-1820), Bauer in Grabensee bei Asperhofen. Geboren in Siegersdorf. Verheiratet mit Johanna Ott. 
  • Johann Schaufler, Kleinhäusler in Siegersdorf bei St. Pölten. Verheiratet mit einer Anna Maria Wallnerin.

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  1. Joachim Latacz: Troia und Homer. Der Weg zur Lösung eines alten Rätsels. Koehler & Amelang, München u. a. 2001
  2. Pallab Ghosh: DNA study shows Celts are not a unique genetic group. BBC News, 18.3.2015, https://www.bbc.com/news/science-environment-31905764
  3. The fine-scale genetic structure of the British population. Autoren: Stephen Leslie, (...) Barry Cunliffe, Wellcome Trust Case Control Consortium, International Multiple Sclerosis Genetics Consortium, (....) Peter Donnelly & Walter Bodmer. In: Nature volume 519, pages 309–314 (19 March 2015)  Published: 18 March 2015, https://www.nature.com/articles/nature14230
  4. http://eurogenes.blogspot.com/2018/09/celtic-vs-germanic-europe.html  
  5. "Knochen-"Schatz" in Österreich - Forscher bergen Zehntausende Skelette, 7. November 2019, https://www.n-tv.de/wissen/Forscher-bergen-Zehntausende-Skelette-article21380140.html

Donnerstag, 29. Oktober 2015

War Norditalien der Entstehungsort der Gründerpopulation des aschkenasischen Judentums?

"Der Ursprung der Ashkenasim ist ungeklärt"
The origins of the Ashkenazim are obscure,

heißt es auf dem diesbezüglichen Artikel auf Wikipedia bis heute.

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Die Ursprünge sind also noch nicht vollständig geklärt - auch nicht nach mehr als zehn Jahren insbesondere intensiver humangenetischer Forschung zu diesem Thema (s. den Abschnitt "Genetics" auf "Ashkenazi Jews", der dort seit Jahren vorbildlich aktuell gehalten wird). Über diesen Ursprung haben wir uns schon in früheren Blogartikeln immer wieder einmal Gedanken gemacht. Und diese sollen im folgenden Blogartikel durch einige neue Gedankengänge ein wenig weitergeführt werden. Denn es gibt aus genetischer Sicht und aus der Sicht der Evolution von Intelligenzbegabung fast kein spannenderes Volk weltweit als das Volk der aschkenasischen Juden. Schon Anfang 2008 hatten wir den Ursprung dieses Volkes deshalb auf dem Parallelblog "Studium generale" erörtert ("Zu welchen Anteilen stammen die aschkenasischen Juden von deutschen Frauen ab?"). Er wurde auch auf anderen Blogs in verschiedenen Zusammenhängen immer einmal wieder angesprochen, zuletzt 2013 im Kommentarbereich der Scilogs ("Der Rassismus der Guten"), wo von mir im allerletzten Kommentar auch auf den bis dato wohl aktuellen Stand der Forschung auf diesem Gebiet hingewiesen wurde.

In den letzten Jahren hat sich in der Humangenetik also - trotz immer wieder auch anderslautender Studienergebnisse - die Erkenntnis herausgeschält und erhärtet, dass die heutigen 10 Millionen aschkenasischen Juden weltweit aus einer nur höchstens wenige hundert Menschen umfassenden Gründerpopulation hervorgegangen sind (einer "Flaschenhalspopulation"), die vor zwölf- bis sechzehnhundert Jahren am Rhein gelebt hat (deshalb auch der traditionelle alemannische Dialekt, das Jiddische, als Muttersprache). Und dass der größte Teil der Frauen dieser Gründerpopulation lokaler, nichtjüdischer, sprich germanisch-deutscher Herkunft war. Die Hälfte aller aschkenasischen Juden weltweit soll ja von nur vier solcher Frauen abstammen nach den derzeitigen Erkenntnissen der Humangenetik, die, nachdem sie eine Zeit lang verworfen worden waren, dennoch wieder bestätigt worden sind.

(Schon das äußere Erscheinungsbild vieler aschkenasischer Juden, unter denen es ja auch Blonde und Blauäugige gibt, sollte einem dieses Forschungsergebnis nahe liegend erscheinen lassen.)

Ein neuer Gedankengang dazu

Abb. 1: Die Mutter Albert Einsteins

Wenn man sich nun überlegt, aufgrund welcher Szenarien diese so sehr noch im Dunkeln liegende Gründerpopulation zustande gekommen sein kann, so kommt man zu folgender neuer Überlegung: So weit bekannt, spielen die jüdischen Frauen, sprich, die jüdischen Mütter eine große Rolle für die aschkenasisch-jüdische Kultur. Eine nicht hinweg zu denkende. Wohin man blickt, wird in ihr dementsprechend auch von der jüdischen Mutter mit Ehrfurcht und Respekt gesprochen.

Die Rabbiner haben sich auch immer wieder eingehend damit beschäftigt, dass den Frauen eine äußerst wohlwollende Stimmung innerhalb ihres Volkes entgegen gebracht würde. Schon das ist eigentlich sehr interessant zu beobachten.

Die Frage stellt sich aber dennoch: Wie konnten die aus den romanischsprachigen Teilen des damaligen untergehenden römischen Reiches und der dortigen germanischen Nachfolgereiche nach dem Rhein zuwandernden Männer jüdischer Herkunft (oft Angehöriger der Priesterkaste Kohanim, die sich bis in die Gegenwart genetisch in männlicher Linie "rein" erhalten hat) einheimische germanische Frauen so sehr von ihrer jüdischen Religion und Lebensweise überzeugen, dass diese bis heute eine solche starke Überzeugtheit von dieser und Identifikation mit derselben aufzeigen? Und zwar obwohl sie zum Beispiel im religiösen Leben der Gemeinden klar untergeordnet sind, kaum ein Mitspracherecht haben, ihre Anwesenheit in den Gottesdiensten eigentlich gar nicht notwendig ist aus der Sicht der Priesterschaft?

Der uns wichtige, neue Gedankengang ist nun folgender: Man möchte meinen, dass nichtjüdische Frauen, die in einem solch umfangreichen Ausmaß zur Identifikation mit der jüdischen Religion und Kultur gebracht werden sollen, zuvor schon "vorbereitet" gewesen sein müssen. Man möchte also meinen, dass es sich um Frauen gehandelt hat aus germanischen Bevölkerungsteilen, die schon seit vielen Generationen christianisiert worden waren. Diese Überlegung drängt den Gedanken auf, dass es sich um Frauen aus jenen alemannischen und fränkischen Bevölkerungsteilen gehandelt haben könnte, die am frühesten zum Christentum übergetreten sind.

Der christliche Königshof der Burgunder in Worms (406 bis 435)

Um nun die Ethnogenese des aschkenasisch-jüdischen Volkes zeitlich und räumlich noch klarer eingrenzen zu können, müßte man sich deshalb wohl die Siedlungs- und Missionsgeschichte der Alemannen und Franken anhand der archäologischen Ausgrabungen und der schriftlichen Überlieferungen anschauen. Zu den Burgundern heißt es auf Wikipedia:

Nach dem Abzug eines großen Teiles der römischen Truppen vom Rhein im Jahr 401 war der Weg über den Fluß frei. Der Übergang bei Mainz am 31. Dezember 406 (siehe Rheinübergang von 406) setzte vermutlich die Landnahme des nördlichen Alamannenlandes bis zum unteren Neckarbergland voraus. (...) Nach Olympiodoros von Theben (dessen Werk aber nur fragmentarisch erhalten ist) erhoben im Jahr 411 Burgunden unter ihrem Anführer Gundahar (auch als Gundihar oder Gunthahar überliefert) gemeinsam mit Alanen unter Goar in Mundiacum in der Provinz Germania II den Gallorömer Jovinus zum Gegenkaiser. Die ältere Forschung hat dies in der Regel dahingehend „verbessert“, daß das unbekannte Mundiacum mit Moguntiacum (=Mogontiacum bzw. Mainz) in der Provinz Germania I gleichgesetzt wurde.

Die Burgunder wurden von den Römern offenbar als Bundesgenossen innerhalb der Reichsgrenzen am Rhein angesiedelt. Weiter heißt es:

Orosius († um 418) behauptete in seinen letzten Lebensjahren, die Burgunden seien nunmehr Christen und überdies keine Feinde mehr, sondern Beschützer der Römer (Hist. adv. pag. 7,32). (...) Doch Gundahars Bemühungen, seinen Machtbereich unter Ausnutzung erneuter innerrömischer Konflikte nach Westen (in die Provinz Belgica I) auszudehnen, brachte die Burgunden schließlich in Konflikt mit den Römern. Im Jahr 435 wurde ein burgundisches Heer vom weströmischen Heermeister Aëtius besiegt und mußte sich wieder in die Germania I zurückziehen. Ein Jahr darauf wurde das Burgundenreich am Rhein von hunnischen Hilfstruppen Westroms endgültig vernichtet. Dieses Ereignis stellt den historischen Kern der Nibelungensage dar, wobei Attila, das Vorbild für den mittelhochdeutschen Etzel bzw. altnordischen Atli der Sage, in Wahrheit keine Rolle beim Untergang des rheinischen Burgundenreiches spielte.
Das um 1200 entstandene Nibelungenlied nennt dieses Volk Burgonden und seinen König Gunther. Das Burgund des 12. Jahrhunderts lag jedoch um Arles (Königreich Arles) sowie weiter nördlich (Herzogtum Burgund in der Region um Dijon), während die Burgunden des 5. Jahrhunderts einige Jahre nach der Zerschlagung ihres Reichs am Rhein in der Gegend südlich des Genfer Sees angesiedelt wurden (siehe unten). Um die Unterschiede zu betonen, ist es in der Forschung oft üblich, nur das Volk der Nibelungensage als Burgunden, das historische Volk hingegen als Burgunder zu bezeichnen.

Damit spielt das christliche Burgunderreich von Worms nur in den Jahren 406 bis 435 eine Rolle. Man fühlt sich an die kurze Lebensdauer der etwas später begründeten Reiche der Wandalen in Nordafrika (429 bis 533) und der Ostgoten in Italien (488 bis 552) erinnert. Daß schon zumindest ein Teil der Burgunden in Worms christlich geworden ist, ebenso wie wir dies von den eben genannten Ostgoten wissen, ebenso wie dies von den die Burgunden in Worms ablösenden Franken gilt, wird auch durch zwei auf dem Wormser Kirchfriedhof schon im 19. Jahrhundert gefundene römischsprachige Grabsteine bezeugt für die 50-jährige "Pauta" und den 30-jährigen Ludino. Beide Grabsteine weisen christliche Bildsprache auf (u. a. Christogramm). Ihre beiden Namen ebenso wie die anderen auf den Steinen genannten Namen sind von der Forschung als germanische aufgefaßt worden (1, S. 870):

Beide Grabinschriften belegen überzeugend, daß es hier bereits zu Beginn des 5. Jahrhunderts Germanen gab, die sich zum Christentum bekannten.
Die Inschrift des ersten, ins erste Drittel des 5. Jahrhunderts datierten Grabsteins lautet übersetzt (1, S. 871):
Hier ruht in Frieden Pauta ihres Namens, gestorben nach 50 Jahren, 6 Monaten und 15 Tagen. Den Grabstein errichteten Puasi und Quito und Siggo, Boddi, Ivio. 
Die Inschrift des zweiten, ins zweite Drittel des 5. Jahrhunderts datierten Grabsteins lautet übersetzt (1, S. 870):
Hier ruht in Frieden Ludino, der 30 Jahre lebte. Die Inschrift setzte seine Ehefrau Duda.

(Abbildungen der beiden Grabsteine hier, sowie hier und hier.) Wir wissen von den Westgoten, daß sie nach dem Hunnensturm von 375 und in Flucht vor demselben nur dann über die Donau hinter die Grenzen des römischen Reiches fliehen durften, wenn sie sich zugleich zum Christentum bekehrten. Vielleicht galt ähnliches auch für die als Bundesgenossen der Römer über den Rhein vorgedrungenen Burgunden. Jedenfalls deutet somit vieles darauf hin, daß die christlichen Gemeinden in den vormals römischen Städten Trier, Köln, Mainz, Worms und anderwärts während der Völkerwanderungszeit niemals ganz untergegangen sein müssen. Die die Kirchen umgebenden Friedhöfe scheinen ohne Unterbrechung von Christen benutzt worden zu sein, wobei sich auch die zuwandernden Germanen in die christlichen Gottesdienste und in die Friedhofsbenutzung scheinen eingeordnet zu haben. All das ist ja auch von dem etwas später begründeten Goten-Reich Theoderichs des Großen (451-526) bekannt.

Die Juden unter den Westgoten (418 bis 711)

Wahrscheinlich haben die Juden des römischen Reiches zu den toleranteren Arianern unter den christianisierten Germanenvölkern sogar noch eher Zugang gefunden als zu den damaligen romanischsprachigen "Mehrheitschristen", unter denen der religiöse Antisemitismus ja schon sehr stark ausgeprägt gewesen ist. Jedenfalls wurden damals von den Mehrheitschristen wo immer sie auftraten "Heiden, Juden und Arianer" in einem Atemzug genannt. Interessant sind in diesem Zusammenhang die Beschlüsse des dritten Konzils von Toledo der Westgoten im Jahr 589 gegen Arianer und Juden, nachdem der westgotische König zu den Mehrheitschristen übergetreten war und nachdem die Westgoten damit eine ganz neue Identität als Volk angenommen hatten (Wiki):

Zu den Konzilsbeschlüssen gehörten auch Maßnahmen gegen die Juden; ihnen wurde unter anderem verboten, christliche Frauen zu heiraten oder christliche Konkubinen zu haben, und Kinder aus solchen bereits bestehenden Verbindungen mussten getauft werden.
Über das vierte Konzil von Toledo im Jahr 633 heißt es:
Das Konzil missbilligte die von König Sisebut (612–621) angeordneten Zwangstaufen der Juden, erklärte sie aber für kirchenrechtlich gültig; den auf Sisebuts Veranlassung zwangsweise getauften Juden wurde verboten, zu ihrem angestammten Glauben zurückzukehren.
Das sechste Konzil tagte im Jahr 638:
Es fasste unter anderem Beschlüsse gegen die Juden, wobei den Konzilsakten zufolge der König die treibende Kraft war. Die Bischöfe billigten die Absicht des Königs, das Judentum in seinem Reich gänzlich auszurotten und keine Nichtkatholiken zu dulden.

Auch noch 693 und 694 wurden entsprechend scharfe Gesetze gegen das Judentum beschlossen, da man sie verdächtigte, die Muslime zum Angriff auf das Westgoten-Reich in Spanien zu ermuntern. In diesem Angriff ist das Westgoten-Reich dann ja auch ab 711 untergegangen.

Christianisierte germanische Frauen in etwa dritter Generation?

Es ist also bekannt, daß in der Regel zuerst die Oberschicht der germanischen Völker zum Christentum übergetreten ist. Und dies wird ebenfalls zunächst vor allem für die frühe Stadtbevölkerung dieser Völker gelten. So wie die romanisierten Bevölkerungen links des Rheins werden auch die dort lebenden ("sephardischen") Juden mit den zuwandernden Germanen-Völkern auf einen ganz neuen "Menschenschlag" getroffen sein. Und dieser "Kulturschock" wird am Rhein nicht - wie unter den Westgoten in Spanien oder an der Loire und Seine unter den Franken dadurch abgemildert gewesen sein, daß es noch eine größere romanischsprachige Vorbevölkerung gab. Diese wurde am Rhein vielmehr ebenfalls "germanisiert". Und so wird für die ("sephardischen") Juden am Rhein noch viel schwieriger gewesen sein, sich - zumal als eigenständige religiöse und ethnische Gruppierung - inmitten dieses ganz neuen Menschenschlages zu behaupten als weiter westlich, zumal nachdem auch die Franken unter Chlodwig um 500 zum katholischen (nicht arianischen) Christentum übergetreten waren.

Auf dem Flächenland rechts des Rheines treten um 500 n. Ztr. ganz unregelmäßig Kreuzbeigaben und andere christliche Symbole in den alemannischen und fränkischen heidnischen Reihengräbern auf. In dem Augenblick, in dem die Reihengräberfelder nicht mehr weiter belegt wurden, sondern sich die nun eindeutig christlichen Gräber um eine örtliche Kirche gruppierten, ist die jeweilige Christianisierung vor Ort als im wesentlichen abgeschlossen zu erachten. Auf Wikipedia heißt es (Alemannen):

Im 7. Jahrhundert begannen Teile der Oberschicht, ihre Toten nicht mehr auf den Reihengräberfeldern, sondern beim Herrenhof zu bestatten. In dieser Zeit zeichnen oft Steinkisten die Gräber aus. Durch die Christianisierung wurden Anfang des 8. Jahrhunderts die Reihengräberfelder ganz aufgegeben und die Friedhöfe künftig um die Kirche herum angelegt.

Genauer detailliert ist auf einer anderen Internetseite zu erfahren, wobei der Schwerpunkt der Betrachtung auf dem etwas abgelegeneren Allgäu liegt (Oberstdorf-Lexikon) (Oberstorf Online):

Im 6. und 7. Jahrhundert sind die Zeugnisse für ein bewußtes und lebendiges Heidentum der Alemannen leicht nachweisbar. So wurden im ländlichen Raum noch nahezu alle Toten in Reihengräberfeldern mit Grabbeigaben bestattet. Funde in Sonthofen, Altstätten und Fischen belegen dies auch für unser Gebiet. Die Kirchenorganisation im 6. Jahrhundert war einfach noch nicht in der Lage, eine Missionierung in größerem Stile durchzuführen.
Dies änderte zu Beginn des 7. Jahrhunderts (...). Beschleunigt wurde zu dieser Zeit die Christianisierung durch den Machtzuwachs des fränkisch-alemannischen Adels, der zunehmend den Bau von Kirchen betrieb. Häufig waren das sogenannte Eigenkirchen, die zum Teil aus heidnischen Tempeln zu Kirchen umgewandelt wurden. Der Grundherr und nicht der Bischof bestimmte die Priester, die häufig selbst noch dem alten Glauben zugetan waren. Erst etwas um 720 wurde dann an der Stelle der Zelle de Hl. Gallus das Kloster St. Gallen gegründet, das sich, wie wir unten lesen werden, der kirchlichen Durchdringung des alemannischen Allgäus annahm. (...)
Durch die Reihengräberfunde in Sonthofen, Altstätten und Fischen wissen wir sicher, daß sich die Allgäuer Alemannen um 700 noch zu ihren alten Göttern bekannten. Dies blieb so bis Mitte des 8. Jahrhunderts, denn warum sonst sollte der erste sicher nachgewiesene Bischof der Diözese Augsburg Wikterp († um 772) Magnus ins Allgäu holen.
Das hieße, daß die Alemannen auf dem Land erst um 750 n. Ztr. in ihrer großen Mehrheit zum Christentum übergetreten sind. Der burgundische Königshof von Worms ist es womöglich schon um das Jahr 406 herum. Man sieht aus diesen beiden Jahreszahlen die große zeitliche Dauer, den der Christianisierungs-Prozeß der germanischen Völker in Anspruch nahm.

Die zentrale Rolle von Mainz, Speyer und Worms

Auf Wikipedia findet sich neuerdings der vielleicht wichtige und sehr konkrete Eintrag:

Die drei SchUM-Gemeinden Mainz (belegt ab 917), Speyer und Worms (ab 980) gelten als Beginn des aschkenasischen Judentums.

Und über diese heißt es:

Aufgrund ihrer zentralen Bedeutung für die jüdischen Gemeinden in Zentraleuropa gelten sie als Geburtsstätte der aschkenasischen religiösen Kultur.

So deutlich hat man es früher auf Wikipedia nicht gelesen und liest man es noch heute auf dem englischsprachigen Wikipedia-Artikel noch nicht. Freilich ist das Jahr 917 schon recht spät. Aber so unwahrscheinlich wird es dennoch nicht sein, dass sich die Volkwerdung des aschkenasisch-jüdischen Volkes zwischen 400 und 700 n. Ztr. in den drei Städten Mainz, Speyer und Worms vollzogen hat. Ob hier die Archäologie noch neue Erkenntnisse zutage bringen wird? Womöglich sogar die DNA-Forschung an Knochenfunden aus nachweisbar jüdischen Gräbern in einer dieser drei Städte, bzw. natürlich auch an Knochenfunden aus nichtjüdischen Gräbern?

Gab es zwischen 700 und 800 n. Ztr. christliche, sich stark auf das Judentum hin orientierende Gemeinden in Mainz, Speyer und Worms?

Ein Gemeinschaftsgefühl unter allen ostfränkischen germanischen Stämmen bildete sich mit dem Bewußtwerden einer gemeinsamen Volkssprache heraus (im Gegensatz zum Lateinischen und den romanischen Sprachen bei den westfränkischen Stämmen). Die zweisprachig abgefaßten Straßburger Eide aus dem Jahr 842 werden allgemein als erstes Anzeichen der sprachlichen Trennung zwischen dem französischen und dem deutschen Volk angesehen.

Abb. 2: Judenfriedhof von Worms (dahinter Dom)
Fotograf: Jörg Bürgis

Es wäre nun einmal zu untersuchen, ob es schon in damaligen germanisch-christlichen Bevölkerungsteilen in Worms und anderwärts Gruppen gegeben hat, die nicht nur zum Christentum neigten, sondern die aufgrund dieser Religion auch ein erhöhtes Interesse an der jüdischen Religion selbst entwickelten, die diese jüdische Religion also nicht aus "zweiter Hand" (von Nichtchristen) gepredigt bekommen wollten, sondern vom "Volk des Heils" selbst. Und die sich davon nicht mit Hilfe des Arguments abschrecken ließen, dass es ja "die Juden" gewesen seien, die den Heiland ans Kreuz geschlagen hätten. Solche Menschen, gerade auch Frauen, gibt es auch heute noch in Deutschland. Und es mag belehrend sein, sich einmal einen solchen jüdischen Gottesdienst für christliche Juden und nichtjüdische Christen anzusehen und mitzuerleben.

Falls es damals solche Gruppierungen gegeben hätte, könnte man erwarten, dass die jüdischen Männer der Gründerpopulation des aschkenasischen Judentums in diesen Gruppierungen am ehesten ihre Frauen gefunden haben werden. Denn hier bestand sicherlich die größte Aufgeschlossenheit ihnen und ihrer Religion und Kultur gegenüber. Das Verheiraten mit einheimischen Frauen wird ihnen nun auch deshalb sinnvoll vorgekommen sein, weil dadurch das allein physische Aussehen ihrer Kinder und Kindeskinder nicht mehr als gar so krass im Gegensatz stehend empfunden zu werden brauchte zu dem "Menschenschlag" und dessen physischem Aussehen der einheimischen Bevölkerung, weshalb diese dann auch wiederum eher geneigt gewesen sein könnte, die Anwesenheit einer solchen Gruppierung in ihrer Stadt zu tolerieren und sich dem wirtschaftlichen und sonstigen Austausch mit ihr zu öffnen, mit einer Volksgruppe, die ja noch über das ganze Mittelalter hinweg dennoch als sehr fremd empfunden worden ist in allen europäischen Völkern.

Und man möchte weiterhin vermuten, dass das starke Volksgefühl auch noch der christlichen Deutschen der nächsten Jahrhunderte - repräsentiert etwa von König Heinrich I., der sich weigerte, sich vom Bischof salben zu lassen - dazu geführt haben könnte, dass die Ablehnung gegenüber den jüdischen Gemeinden so stark gewesen ist, dass von aschkenasisch-jüdischer Seite aus unterbewusst - oder sogar bewusst - das Gefühl vorgeherrscht haben mag, dass man nur die intelligentesten Söhne der Gemeinde unter solche Nichtjuden schicken könne, und dass es von diesen intelligenten Söhnen deshalb gar nicht genug geben könne in ihren Gemeinden. Und insofern mag innerhalb des aschkenasisch-jüdischen Volkes schon in den ersten Generationen der Gründerpopulation mehr als bis dahin innerhalb des sephardischen Judentums oder innerhalb anderer jüdischer Volksteile in der Welt Wert gelegt worden sein darauf, dass jene Söhne die meisten Kinder hatten, den reichsten Schwiegervater bekamen, die sich als die begabtesten in der Talmudschule erwiesen. (Wie etwa bei Kevin MacDonald "A People that shall dwell alone" ausgeführt und belegt wird.)

Und aufgrund solcher kulturpsychologischer Mechanismen mag es zu jenen kulturellen Selektionsmechanismen gekommen sein, die dazu führten, dass heute die aschkenasischen Juden allein von ihrer angeborenen Intelligenz her gesehen als das begabteste Volk der Erde angesehen werden müssen.

Wie wir gesehen haben, heirateten unter den Westgoten in Spanien Juden christliche Frauen, wurden Juden zwangschristianisiert, kehrten danach aber auch gerne wiederholt zu ihrer angestammten Religion zurück. Wenn es ähnliche Vorgänge auch in Worms und in den Nachbarstädten am Rhein gegeben hätte, wäre die Bildung des aschkenasischen Judentums als eines jüdisch-germanischen Mischvolkes durchaus erklärbar.

/ Ergänzung 29.10.2015 / Der vorliegende Blogartikel erschien vor genau drei Monaten und ging der These nach, daß die Gründerpopulation des aschkenasischen Judentums in Worms, Speyer und Mainz entstanden wäre und von Anfang an da gelebt hätte. Diese These soll heute aktualisiert werden anhand neuer Hinweise (2). In die genannten Rheinstädte Worms, Speyer und Mainz ist nämlich im 9. Jahrhundert auch die bedeutende jüdische Familie der Kalonymiden aus Norditalien (Lucca) zugewandert (s.a. Wikipedia dt. und engl.). Was uns bislang nicht bekannt war. Dies ist aber das Thema eines angekündigten Vortrages von Michael Schneider im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg am 4. November 2015: "Aschkenas – Archäologie des Judentums in Mitteleuropa von der Spätantike bis in die Neuzeit", der angekündigt wird mit den Worten:

Etwa seit dem 4. Jahrhundert n. Chr. leben Juden in Aschkenas, also auf dem Gebiet Mitteleuropas. Die meisten kamen im Zuge der römischen Expansion nach Germanien. Ihre Geschichte ist von Anfang an eng mit der Kulturgeschichte Deutschlands verwoben. (...) Das Judentum ist eine Gemeinschaft der Sprache, der Schrift und deren Tradierung. In dem Vortrag wird dargestellt, inwieweit die Archäologie hilfreich bei der Erforschung und der Rekonstruktion jüdischen Lebens wirken kann. An aktuellen Beispielen u.a. der SCHUM-Gemeinden (Speyer, Worms und Mainz) werden die Ergebnisse zusammenfassend erörtert und anschaulich jüdisches Leben dargestellt.

Der genaue Zeitpunkt der Zuwanderung der genannten Kalonymiden-Familie kann anhand der innerjüdischen schriftlichen Überlieferungen bislang von der Forschung nicht sicher genannt werden, scheint aber nicht vor dem 9. Jahrhundert zu liegen (2). 

Aktuelle genetische Untersuchungen, die explizit Bezug nehmen würden auf die Familiengeschichte der Kalonymiden finden sich auf Google Scholar derzeit noch nicht. Allerdings fragte Michael Balter ja schon 2013 in "Science" im Kommentar zu der damals erschienen neuen spannenden genetischen Studie: "Did Modern Jews Originate in Italy?" (3). Das hatte man 2013, als man es las, eher als "Artefakt" gewertet, als einen eher zufälligen und willkürlichen Ausschlag im Datengewimmel. Mit der Kenntnis um die Familiengeschichte der Kalonymiden jedoch bekommt dieses damalige Ergebnis doch eigentlich ganz neue Bedeutung. Balter schrieb über das zu 80 Prozent europäische mitochondriale Genom der Aschkenasen:

The closest matches were with mtDNAs from people who today live in and around Italy.
(!!!) Und Balter weiter: 
The results imply that the Jews can trace their heritage to women who had lived in Europe at that time. Very few Ashkenazi mtDNAs could be traced to the Middle East.

Ergäbe sich daraus also, daß die Gründerpopulation des aschkenasischen Judentums in Norditalien zu suchen ist? Und daß die germanischen und europäischen Frauen, die zu dieser beitrugen, dann Langobardinnen waren, bzw. allgemeiner: Norditalienerinnen? Und nicht Franken oder Alemannen, wie bislang hier auf dem Blog vermutet und auch bisher im vorliegenden Blogartikel? Das wäre eine sehr spannende These. Und dann wären die folgenden Gedankengänge nach Italien zu verlegen. Was eigentlich wirklich nicht sehr dumm erscheint.

Die Langobarden besetzten ab dem Jahr 568 Norditalien. Und fragt man nun Google Bücher nach den Beziehungen zwischen Langobarden und Juden, stößt man als erstes auf folgendes Zitat eines Wilhelm Kaltenstadler, in dem er sich mit Uwe Topper's Geschichtstheorien auseinandersetzt (die man bislang für außerordentlich merkwürdig hielt) (4):

Wie die Juden legten auch die Langobarden auf ihre langen Bärte und das lange Haupthaar größten Wert.

In der Tat. Lango-Barden. Es wird da von Topper manches - scheinbar - im Sinne diverser alter geheimer und bekannter Männerorden geschichtsphilosophisch, ritualgeschichtlich und ideengeschichtlich mit imaginärer oder realer Bedeutung versehen (Bogumilen, "Lichtreligion" etc.) entlang altbekannter, auch hier auf dem Blog schon behandelter (gnostischer?) Denkmuster. Dem - und vielem anderen - wird man künftig noch einmal genauer nachgehen müssen.

Doch im folgenden bleibe der ursprünglichen Blogartikel einfach so stehen, wie er bisher eingestellt war, mit Ausführungen, die der Sache nach womöglich nun eher auf Norditalien als auf den deutschen Rhein zu beziehen wären. Sie geben also weiterhin höchstens noch Zeugnis von unserem intensiven Suchen, weniger vom abschließenden Finden. Sie geben also Zeugnis davon, daß Wissenschaft immer auch verbunden ist mit Irrwegen und zunächst falschen Hypothesen! (Aber man kann sie oft auch erst um so leichter und bedeutungsvoller widerlegen, um so intensiver man ihnen zuvor nachgegangen ist.)

/ Ergänzung 3.10.21 / In einem neuen Blogartikel hat der Humangenetik-Blogger Razib Khan die Herkunft der aschkenasischen Juden noch einmal grafisch eindrucksvoll gefaßt.

Abb. 1: Herkunft der aschkansischen Juden (aus: 5, nach: 6)

Offensichtlich beruhen seine Ausführungen weitgehend auf einer Studie aus dem Jahr 2017 (6), die sich in den Ergebnissen mit dem von Michael Balter schon 2013 Referierten deckt.

/ Ergänzung 26.2.26 / In einer neuen Auswertung schon bekannter archäogenetischer und genetischer Daten, vorgenommen an den Islamischen Universitäten von Nigeria und Medina heißt es als Ergebnis (7):

Moderne Palästinenser weisen eine hohe genetische Herkunfts-Kontinuität auf, die sich aus einem Kernbeitrag von 75–88 % eisenzeitlicher levantinischer Herkunft (p > 0,05) und einem sekundären Genfluß aus Afrika südlich der Sahara (≈8–12 %) widerspiegelt. Im Gegensatz dazu zeigt das Genom der aschkenasischen Juden eine mosaikartige Umstrukturierung, die durch heterogene südeuropäische Introgression von 30 % (mittelalterlich) bis 60 % (modern) gekennzeichnet ist. Diese Divergenz ist auf ein bedeutendes Gründerereignis im 14. Jahrhundert zurückzuführen, das durch f4-Statistiken bestätigt wird, die auf einen starken genetischen Flaschenhals hindeuten (Z > 3).
Modern Palestinians exhibit high levels of ancestral persistence, modeled with a 75–88% core contribution from the Iron Age Levant (p > 0.05) alongside secondary gene flow from Sub-Saharan Africa (≈8–12%). In contrast, the Ashkenazi Jewish genome reflects a mosaic reconfiguration characterized by heterogeneous Southern European introgression ranging from 30% (medieval) to 60% (modern). This divergence is anchored by a significant 14th-century founder event, confirmed by f4-statistics indicative of a severe bottleneck (Z > 3).

öjölkj


/ Zuerst veröffentlicht am 29.7.2015 auf GA-j!, 
ergänzt um Ausführungen rund um Literaturangaben 2 bis 4: 29.10.15, 
verschoben auf den Blog "Studium generale" am 27.11.2015;
ergänzt um Ausführungen zu Lit.angaben 5 und 6: 3.10.2021 /
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  1. Boppert, W.; Wieczorek, A.: Die Gräber des Ludino und der Pauta aus Worms. In: Die Franken - Wegbereiter Europas. Vor 1500 Jahren: König Chlodwig und seine Erben. Reiss-Museum Mannheim und Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1996, S. 870-872
  2. Wernitz, Rene: Verwirrende Familienchronik des Kalonymos. Ließen sich Juden aus Italien im 10. Jahrhundert von einem König Karl nach Norden locken? In: Brawo (Anzeigenblättchen des Landes Brandenburg), 25.10.2015, S. 6
  3. Balter, Michael: Did Modern Jews Originate in Italy? In: Science, 8.10.2013, http://news.sciencemag.org/biology/2013/10/did-modern-jews-originate-italy
  4. Kaltenstadler, Wilhelm: Judentum, Christentum und Kulturtransfer. In: Nicolas Benzin (Hrsg.): Beiträge zur Kulturgeschichte des Judentums und der Geschichte der Medizin. Band 2, 2010 , S. 23-69
  5. Khan, Razib: Ashkenazi Jewish genetics: a match made in the Mediterranean - How and when did the Ashkenazim come to be? 2021, https://razib.substack.com/p/ashkenazi-jewish-genetics-a-match
  6. Xue J, Lencz T, Darvasi A, Pe’er I, Carmi S (2017) The time and place of European admixture in Ashkenazi Jewish history. PLoS Genet 13(4): e1006644. https://doi.org/10.1371/journal.pgen.1006644
  7. Bryan P. Permana (HIKAM Institute of Science & Research; Faculty of Sharia, Islamic University of Madinah). Genetic Proximity of Modern Palestinians and Ashkenazi Jews to Iron Age Levantines. Bio J Integ Sci Tech Innov 2026; 1(1): 1–10, 14.2.2026 (Resg)

Mittwoch, 26. Mai 2010

Stimmt das etwa: "Ein Volk zu sein, ist die Religion unserer Zeit"?

Zur "Dialektik der Aufklärung" betreffs moderner Humangenetik

a) Grundsätzliches als Einleitung

"Ein Volk zu sein, ist die Religion unserer Zeit," rief der deutsche "National-" und Freiheitsdichter Ernst Moritz Arndt zur Zeit der deutschen Freiheitskriege gegen Napoleon aus. In dem gleichen Jahrzehnt dichtete der deutsche Dichter Friedrich Hölderlin: "Oh du der Geisterkräfte gewaltigste, du löwenstolze Liebe des Vaterlands!" Und Friedrich Schiller dichtete sein berühmtes: "Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not und trennen noch Gefahr ..." Und wiederum Friedrich Hölderlin dichtete: "Oh heilig Herz der Völker, oh Vaterland ...".

Abb. 1: Schach - Ein Jude spielt gegen einen Moslem Schach, Darstellung aus dem 13. Jahrhundert aus  Andalusien (im "El Libro de los Juegos, commissioned by Alphonse X of Castile, 13th century, Madrid) (Wiki)

Johann Gottfried Herder prägte in ähnlichen Zeiten das Wort: "Völker sind Gedanken Gottes". Jacob Grimm (Stgen2008) begründete nicht nur viele moderne, geisteswissenschaftliche Disziplinen, in denen insbesondere die Eigenart der Völker über ihre jeweilig einzigartigen kulturellen Hervorbringungen erforscht wurde (Germanistik ..., Slawistik ...., Volkskunde ...), sondern gewann aus diesen Forschungen als politisch frei und niemals "korrekt" denkender Mensch auch den Impetus, um an der Entwicklung Deutschlands hin zu einem demokratischen und sozial gerechten Rechts- und Verfassungsstaat mitzuwirken (... "Göttinger Sieben", ... Abgeordneter der deutschen Nationalversammlung von 1848 ...).

Niedergang des Christentums - Aufgang einer neuen "Religion"?

Es waren die Jahre nach der Französischen Revolution und vor den europäischen Freiheits- und Nationalkriegen gegen Kaiser Napoleon. ("... Mit Mann und Roß und Wagen, so hat sie Gott geschlagen ...") Es waren die Jahre, als den europäischen Eliten ihr vormals unerschütterlicher Glaube an die unumschränkte Wahrheit der christlichen Religion abhanden gekommen war, so wie als einem der ersten: Giordano Bruno. Es war jene Zeit, als einer der ersten und zugleich letzten großen, freigeistigen Theologen der Geschichte des Abendlandes, als Friedrich Schleiermacher in Berlin seine bedeutendste Schrift herausgab: "Über Religion - an die Gebildeten unter ihren Verächtern".

Und als Ersatz wählten diese "Verächter" (aber auch andere) sehr oft jene "Religion", die ein Ernst Moritz Arndt und so viele andere Dichter des 19. Jahrhunderts in Worte faßten. Wobei zugleich die Zweischneidigkeit dieser "Religion" deutlich wurde. Dichtete doch ein solcher Dichter wie Ernst Moritz Arndt gerne auch blutrünstigste Kampfgedichte voller Franzosenhaß.

Eine "kopernikanische Wende" durch die Humangenetik

Aber was haben all diese Geschichten des 19. Jahrhunderts mit der Humangenetik des 21. Jahrhunderts zu tun? 

  • Mit der vollständigen Sequenzierung des menschlichen Genoms, die im Jahr 2000 verkündet wurde, 
  • mit der Erforschung "gruppenevolutionärer Strategien" durch die Soziobiologie, die besonders seit den 1990er Jahren an Fahrt aufgenommen hat, 
  • mit der neuen Disziplin der Religionsdemographie und -biologie und
  • mit der Erkenntnis von der hohen Erblichkeit der menschlichen Intelligenz und ihrer sehr deutlich unterschiedlichen Häufigkeitsverteilung über die Völker und Rassen weltweit und über die Epochen der Humanevolution hinweg 

hat sich ein kopernikanischer Umschwung in der Wissenschaft und damit früher oder später auch im Weltbild angebahnt (siehe auch Einleitung von: 2).

Möglicherweise hatte nämlich Ernst Moritz Arndt viel stärker recht, als wir ihm das bis heute gerne hätten zugestehen wollen, ja, als das vielleicht sogar die politisch extremsten Nachfolger auf dem Gebiet nationaler und nationalistischer Politikgestaltung gewagt hätten vorauszusagen als Ergebnis künftiger anthropologischer und evolutionärer Forschung.

"Ein Volk zu sein war und ist die Religion aller Zeiten!"

Vielleicht ist die Lehre aus dieser kopernikanischen Wende in der derzeitigen Anthropologie nämlich tatsächlich vor allem die Erkenntnis: "Ein Volk zu sein war und ist die Religion aller Zeiten!" Denn wenn das aschkenasische Judentum tatsächlich die "Speerspitze der Evolution" bilden sollte, da es den höchsten, durchschnittlichen, angeborenen Intelligenzquotienten weltweit aufweist - und das, obwohl es erst etwa 1.000 bis 1.500 Jahre alt ist -, wenn dies tatsächlich der Fall sein sollte, dann wäre zu fragen, ob der Fall der "Evolution der aschkenasischen Intelligenz" (Wiki) (1) verallgemeinert werden kann, ja, muß auf die Humanevolution, auf die Evolution von Völkern überhaupt.

Vom Volk der Bibel jedenfalls kann sicherlich schon seit mindestens zweitausend Jahren gesagt werden, daß "ein Volk zu sein" für dieses "Religion" immer schon gewesen ist. Und darin wird möglicherweise auch die Ursache für den evolutionären Erfolg dieser letzten "Speerspitze der Evolution" zu suchen sein, was Intelligenz-Evolution betrifft. Und war nicht diese "Religion" letztlich die Religion aller Völker, bevor sie zu globalistischen sogenannten "Weltreligionen" bekehrt wurden - nämlich: "ein Volk zu sein"?

Hat nicht auch der Freiheitskämpfer Arminius seinem auf Römerseite stehenden Bruder gegenüber die eigenen Götter beschworen und die eigenen kulturellen Überlieferungen, als er ihn auf seine Seite herüberziehen wollte - nach dem Bericht der römischen Historiker?  Also der Sieger des Jahres 9 n. Ztr. in der Schlacht vom Teutoburger Wald, der heute Wiehengebirge genannt wird. 

Waren nicht früher alle Völker und Stämme stolz auf sich selbst? Und ist dieser Stolz auf die individuelle, kulturelle und gerne auch biologische Eigenart der eigenen Gruppe, der eigenen Kultur nicht immer schon - ausgesprochen oder unausgesprochen - "Religion" des Menschen in der gesamten Zeit der Weltgeschichte und der Humanevolution gewesen?

Wäre dies etwa bei den Jäger- und Sammler-Völkern anders gewesen? Bei den zahllosen, aufeinander folgenden schriftlosen oder Schrift besitzenden Völkern und Kulturen des Neolithikums, der Bronzezeit und der Eisenzeit? Sind nicht sogar viele Völker und Stämme auf sich selbst so selbstverständlich stolz, daß sie nur sich selbst "Mensch" nennen, die Menschen aller anderen Völker aber mit abwertenden Bezeichnungen, mit Bezeichnungen, die eher an Tiere denn an Menschen erinnern? Die Piraha, ein Indianerstamm im südamerikanischen Urwald, die keine Zahlworte haben, sind so stolz, daß sie sich selbst "gerader Kopf" = Piraha und alle anderen Menschen "krummer Kopf" nennen. Und wie recht haben sie. Schließlich verkörpern sie eine Art von Menschsein, die kein anderer Stamm weltweit verkörpert.

Alle Völker finden sich selbst besser als andere

Und wäre gerade der geistesgeschichtlich sicherlich "notwendige" Untergang der supernaturalistischen "Weltreligionen" Christentum und Islam eine Entwicklung, die auf mehr oder weniger "natürlichem" Wege Platz schaffen würde für eine Rückkehr zu den ursprünglichen Gesetzmäßigkeiten von Humanevolution überhaupt, die jetzt durch die Humangenetik und Soziobiologie allmählich - wieder - aufgedeckt werden?

b) Neue historische Studie

Aber nach solch grundsätzlichen Bemerkungen, die man doch einmal hatte loswerden müssen, da über diese Thematik seit mehreren Jahren mehr geschwiegen als geredet wird, soll noch mit einigen Anmerkungen auf eine neue historische Studie (3) aufmerksam gemacht werden, die letztlich darauf zielt, die Forschung des letzten Jahrhunderts zur Geschichte des Judentums mit den humangenetischen und soziobiologischen Forschungen zur Evolution der aschkenasischen Intelligenz der beiden letzten Jahrzehnte (2) in Einklang zu bringen.

Auf dieser Linie wird wohl in nächster Zeit noch so manche weitere Studie erscheinen. Natürlich auch zu anderen Völkern.

Gen-Kultur-Koevolution schafft Völkervielfalt

Auf dem Blog von Lars Fischer hat es ja kürzlich schon eine schöne Diskussion über das Thema "Gen-Kultur-Koevolution" gegeben. In dieser haben unter anderem Edgar Dahl und Michael Blume manches Wichtige zur Thematik festgestellt (Fischblog, 12.4.10). In ihr wurde allerdings noch kaum thematisiert, daß die Vielfalt der menschlichen Kulturen und Lebensweisen weltweit schon seit tausenden und zehntausenden von Jahren unterschiedliche Selektionsbedingungen für die Völker weltweit geschaffen hat, an die sich die Genome der Völker dann auch angepaßt haben. Das können wir heute in diesen Genomen immer besser erkennen (s.a. 4) - und zwar sowohl was die Genetik physiologischer Körpermerkmale betrifft, als auch was die Genetik von psychischen Merkmalen betrifft.

Dabei wies Leser "itz" freundlicherweise auf einen neuen Artikel des NYT-Wissenschaftsjournalisten Nicholas Wade hin, der die eingangs genannte kopernikanische Wende schon in seinem Buch "Before the Dawn" im Jahr 2006 umrissen hatte, und der sie jüngst wieder einmal neu erläuterte in seinem Aufsatz: "Human Culture, an Evolutionary Force". Wade machte unter anderem auf folgenden Meinungsumschwung innerhalb der Wissenschaft aufmerksam (NYT, 1.3.10):

Der Gedanke, daß Gene und Kultur koevolvieren wabert schon seit mehreren Jahrzehnten (innerhalb der Wissenschaft). Aber er hat erst jüngst begonnen, Anhänger zu gewinnen. Zwei führende Befürworter, Robert Boyd von der Universität von Kalifornien in Los Angeles und Peter J. Richerson von der Universität von Kalifornien in Davis argumentieren schon seit Jahren, daß Gene und Kultur in Abhängigkeit voneinander stehen bei der Formung der menschlichen Evolution. "Es ist nicht so gewesen, daß wir verachtet wurden, nur irgendwie ignoriert," sagt Dr. Boyd. Aber in den wenigen letzten Jahren hat das Zitieren ihrer Veröffentlichungen durch andere Wissenschaftler "umfangreich zugenommen", sagt er. 
The idea that genes and culture co-evolve has been around for several decades but has started to win converts only recently. Two leading proponents, Robert Boyd of the University of California, Los Angeles, and Peter J. Richerson of the University of California, Davis, have argued for years that genes and culture were intertwined in shaping human evolution. “It wasn’t like we were despised, just kind of ignored,” Dr. Boyd said. But in the last few years, references by other scientists to their writings have “gone up hugely,” he said.

Unter diesen Umständen macht es sicher Sinn, wenn man sich eine der jüngsten Arbeiten von Boyd und Richerson einmal wieder genauer anschaut, z.B. jene, die im Rahmen eines  auch sonst hochkarätig besetzten Kolloquiums im letzten Dezember veröffentlicht worden ist (2) (PNAS). Denn durch diese Arbeit wird man - unter anderem - auch auf die im folgenden kurz zu behandelnde neue Studie (3) aufmerksam gemacht.

Die historischen Umstände zur Zeit der Ethnogenese des aschkenasischen Judentums

Diese letztere Studie erläutert und präzisiert noch einmal unser historisches Wissen um die Umstände der Entstehung des aschkenasischen Judentums - zunächst als früh-, bzw. hochmittelalterliche Rand- und Splittergruppe des bis dahin demographisch und auch sonstig dominierenden sephardischen Judentums. Und was diese Arbeit besonders deutlich hervorhebt, das ist der Umstand, daß zur Zeit der Entstehung des aschkenasischen Judentums das politische, wirtschaftliche und religiöse Zentrum des damaligen "weltweiten" Judentums sehr selbstverständlich im islamischen Machtbereich lag (3, S. 915):

Während des achten und neunten Jahrhunderts bildete das Abbasiden-Reich im Nahen Osten das demographische, wirtschaftliche und religiöse Zentrum der jüdischen Gemeinschaften.
During the eighth-ninth centuries the demographic, economic, and religious center of Jewish communities was the Abbasid Empire in the Near East.

Und man bekommt von diesem Blickwinkel her noch ein besseres Verständnis für die historische Situation, innerhalb welcher die Gründerpopulation des aschkenasischen Judentums sich etabliert haben muß. Die aschkenasischen Juden waren am Anfang - nach allen präsentierten demographischen und sonstigen historischen Daten - sicherlich bloß eine marginale untergeordnete Randgruppe des Judentums der damals bekannten Welt, eine Randgruppe, die sich eben in die Dienste der "barbarischen", germanischen, bzw. nordeuropäischen Fürsten stellte (3, S. 916).

Sicherlich blickte man um 800 von Bagdad aus auf die an der Seine, an der Themse und am Rhein operierenden Juden, mit denen man in Briefkontakt stand, mit mancherlei Mitleid oder gar Herablassung. Denn damals erachtete man sich selbst in Bagdad sicherlich als kulturell höherwertig, bzw. seine ganze dortige kulturelle und ökonomische Umgebung. (Man lese dazu etwa wikipedia-Artikel wie "Golden age of Jewish culture in Spain" [Wiki] oder "Sephardic Jews" [Wiki], bzw. ihre deutschsprachigen Pendants.)

Aschkenasische Juden um 800: Zunächst eine kleine, abseitige "Splittergruppe" im andersartigen Norden

Aber wenn man die möglicherweise mental als besonders "harsch" und "barbarisch" empfundenen Lebensbedingungen, unter denen die ursprünglich aus einem Mittelmeervolk stammenden deutschsprachigen (jiddisch-sprachigen = aschkenasischen) Juden leben mußten, wenn man diese Bedingungen mit jenen von Bagdad oder Cordoba in Spanien verglich, dann konnte sich bei der damaligen Splittergruppe der deutschsprachigen Juden durchaus auch eine Art Sonderbewußtsein herausbilden. Man konnte einen gewissen Stolz der Tatsache gegenüber entwickeln, daß man es auch unter so andersartigen Bedingungen "aushielt".

Und diese Bedingungen könnten diese ethnische Splittergruppe auch unter besondere genetische Selektionsbedingungen gestellt haben, die dann eben zu den besonderen genetischen und kulturellen Eigenarten der aschkenasischen Juden führten, die sie von ihren sephardischen (also traditionell romanisch- oder arabischsprachigen) Brüdern und Schwestern bis heute so deutlich absetzen.

Auf weitere Einzelheiten soll an dieser Stelle nicht eingegangen werden, zumal das Thema schon oft hier auf dem Blog in der einen oder anderen Weise behandelt worden ist und zumal mindestens zwei der zitierten Artikel (1, 3) auch frei im Netz zugänglich sind.

Aber da sich das Thema auf der Schnittstelle von Genetik und klassischer Geschichtswissenschaft bewegt, sind eben auch ganz traditionell arbeitende Historiker aufgerufen, sich mit der Thematik überhaupt zu beschäftigen.

Straßburger Eide von 842 ein wichtiges Datum

Jedenfalls ein klassischer Fall von Ethnogenese ("Volkwerdung") etwa zu gleicher Zeit und parallel zu den Ethnogenesen (= "Volkwerdungen") der heute noch bestehenden anderen europäischen Völker, wie sie sich nach dem Abschwellen der Unruhezeit der Völkerwanderung vollzogen - aufgrund sprachlicher, politischer und sonstiger kultureller Entwicklungen. Als ein wichtiges Datum bei der kulturellen - und damit zugleich auch biologischen - Herausbildung des aschkenasischen Judentums werden auch die Straßburger  Eide 842 (Wikizu nennen sein, durch die die sprachliche Trennung des französischen vom deutschen Volk erstmals in Schriftdokumenten manifest wurde.

Ob übrigens die Hauptthese der hier angesprochenen Arbeit (3) durch diese Arbeit selbst als erhärtet angesehen werden kann, nämlich daß die religiöse Forderung nach Schulbildung die Juden schon früher als andere Völker auf IQ-Selektion hin ausrichtete, muß schon deshalb infrage gestellt werden, weil in dieser Arbeit größtenteils von den sephardischen Juden die Rede ist, deren durchschnittlicher angeborener Intelligenzquotient heute gerade nicht über dem der übrigen europäischen Völker liegt, wie das eben so auffälligerweise allein für das aschkenasische Judentum gilt. So viel wie hinsichtlich des aschkenasischen Judentums gibt es hinsichtlich des sephardischen Judentums gar nicht zu erklären, was IQ-Evolution betrifft.

Aber das entwertet bestimmt nicht die vielen und oft detailreichen historischen Angaben, die auch sonst der Studie entnommen werden können. - "Ein Volk zu sein", ist die Religion des Judentums, auch oftmals des heute nicht mehr bibelgläubigen (5). Und dieser Umstand könnte in vielerlei Hinsicht ein exemplarischer Fall für die Evolutionsforschung überhaupt darstellen.

___________

  1. COCHRAN, G., HARDY, J., & HARPENDING, H. (2005). NATURAL HISTORY OF ASHKENAZI INTELLIGENCE Journal of Biosocial Science, 38 (05) DOI: 10.1017/S0021932005027069
  2. Richerson, P., Boyd, R., & Henrich, J. (2010). Colloquium Paper: Gene-culture coevolution in the age of genomics Proceedings of the National Academy of Sciences, 107 (Supplement_2), 8985-8992 DOI: 10.1073/pnas.0914631107
  3. Botticini, M., & Eckstein, Z. (2007). From Farmers to Merchants, Conversions and Diaspora: Human Capital and Jewish History Journal of the European Economic Association, 5 (5), 885-926 DOI: 10.1162/JEEA.2007.5.5.885
  4. Hancock, A., Witonsky, D., Ehler, E., Alkorta-Aranburu, G., Beall, C., Gebremedhin, A., Sukernik, R., Utermann, G., Pritchard, J., Coop, G., & Di Rienzo, A. (2010). Colloquium Paper: Human adaptations to diet, subsistence, and ecoregion are due to subtle shifts in allele frequency Proceedings of the National Academy of Sciences, 107 (Supplement_2), 8924-8930 DOI: 10.1073/pnas.0914625107
  5. MacDonald, Kevin: A Culture of Critique. An Evolutionary Analysis of Jewish Involvement in Twentieth-Century Intellectual and Political Movements, 1998.
  6. Hancock, A., Witonsky, D., Ehler, E., Alkorta-Aranburu, G., Beall, C., Gebremedhin, A., Sukernik, R., Utermann, G., Pritchard, J., Coop, G., & Di Rienzo, A. (2010). Colloquium Paper: Human adaptations to diet, subsistence, and ecoregion are due to subtle shifts in allele frequency Proceedings of the National Academy of Sciences, 107 (Supplement_2), 8924-8930 DOI: 10.1073/pnas.0914625107
  7. MacDonald, Kevin: A Culture of Critique. An Evolutionary Analysis of Jewish Involvement in Twentieth-Century Intellectual and Political Movements, 1998.
  8. MacDonald, Kevin: A Culture of Critique. An Evolutionary Analysis of Jewish Involvement in Twentieth-Century Intellectual and Political Movements, 1998.

Donnerstag, 25. Oktober 2007

Jon Entine: "Abraham's Kinder"

Auf das neue Buch von Jon Entine "Abraham's Children" wurde schon hingewiesen (Stg2007, Buchladen). Auf dem Blog einer chinesischen Humangenetikerin stellt Entine sein Buch selbst vor. Er spricht zunächst von seinem Interesse an seinen eigenen jüdischen Vorfahren. Dann schreibt er weiter über die Beweggründe für die Recherchen zu seinem Buch (EyeonDNA):

Der Auslöser war die Brustkrebsdiagnose meiner Schwester vor einigen Jahren. Wir erfuhren, daß sie durch eine Genmutation verursacht wurde, die fast ausschließlich bei Juden vorkommt und höchstwahrscheinlich auch für den Krebstod meiner Mutter, Tante und Großmutter Jahre zuvor verantwortlich war. Auch ich wurde positiv auf die BRCA2-Mutation getestet; meine junge Tochter, die halb jüdisch ist, hat eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit, sie ebenfalls zu tragen, obwohl wir es erst wissen werden, wenn sie im Teenageralter ist und alt genug für einen Test. Im Grunde genommen haben wir genetische Marker, die uns als jüdisch charakterisieren. (...)
Das Buch enthält ein Kapitel, das den möglichen Zusammenhang zwischen sogenannten jüdischen Krankheiten - bestimmten neurologischen Erkrankungen und lysosomalen Speicherkrankheiten sowie DNA-Reparaturproblemen - und dem hohen gemessenen IQ von Aschkenasim (osteuropäischer Herkunft) erklärt. Obwohl diese Theorie (zuletzt von Gregory Cochran und Henry Harpending - zwei Nichtjuden - vertreten) derzeit am besten als fundierte Spekulation einzustufen ist (wie ich im Buch selbst einräume), argumentiert sie meiner Meinung nach überzeugend, daß aschkenasische Juden eine recht eigenständige Bevölkerungsgruppe darstellen, bei der positive Selektionsdrücke, im Gleichgewicht mit den tödlichen Folgen neurologischer Mutationen, zu höheren IQ-Werten geführt haben. Das Argument, es läge an Umwelt und Kultur, ist weitaus weniger überzeugend. Dies ist nur ein Kapitel des Buches - der Großteil von „AC“ befasst sich mit unserer gemeinsamen israelitischen Abstammung und Geschichte -, aber es ist das provokanteste. Ich frage mich, wie andere zu diesem Thema stehen. (...)
Ich hege zudem seit Langem ein berufliches Interesse daran, eine neue „Sprache“ zu finden, um die genetische Revolution produktiv zu diskutieren.
The catalyzing event was when my sister was diagnosed with breast cancer a number of years ago. We learned it was caused by a genetic mutation found almost exclusively in Jews that more than likely was responsible for the cancer deaths of my mother, aunt and grandmother years before. I tested positive for the BRCA2 mutation as well; my young daughter, who is half Jewish, has a 50/50 chance of carrying it, though we won’t know until she’s a teenager and old enough to be tested. In essence, we have genetic markers that label us as having Jewish ancestry. (...)
The book includes a chapter explaining the possible link between so-called Jewish diseases — certain neurological and LSD disorders, as well as DNA repair problems — and the high measured IQ of Ashkenazi (Eastern European origin) Jewry. Although this theory (most recently advanced by Gregory Cochran and Henry Harpending—two non-Jews—is best classified as informed speculation (as I acknowledge in the book) at the moment, it argues persuasively, I believe, that Ashkenazi Jews are a rather distinct population group in which positive selection pressures, balanced against the killer consequences of neurological disease mutations, have led to higher IQs. The “it’s environment and culture” argument are far less persuasive. This is only one chapter in the book–most of AC is a look at our shared Israelite ancestry and history–but it is the most provocative chapter. Wonder where others come down on this issue? (...)
I’ve also long harbored a professional interest in finding a new “language” to productively discuss the genetic revolution.

Jon Entine betreibt eine eigene Internet-Seite rund um dieses Buch (Abrahamschildren.net) Hier findet sich auch eine kurze Vorstellung seines Buches in Filmform hier, bzw. hier und werden die zahlreichen Vortragstermine zu diesem Buch angekündigt, sowie neu eingegange Hinweise auf Rezensionen, Diskussionen zu seinem Buch eingestellt.

Ein längerer Vortrag, den er zu dieser Thematik gehalten hat, fand sich im Jahr 2007 an dieser Stelle. (Ob er derzeit - 2012 - noch irgendwo verfügbar ist, müßte genauer recherchiert werden.)

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