Posts mit dem Label polygenic score werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label polygenic score werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 24. Mai 2026

Die ersten Ackerbauern - Sie brachten den heutigen hohen IQ nach Europa

Die "allgegenwärtige" gerichtete Selektion in den Völkern Westeurasiens hinsichtlich ihrer angeborenen Eigenschaften und Begabungen  

Der Archäogenetiker David Reich nennt die neueste Studie, die er zusammen mit Mitarbeitern heraus gebracht hat (1) die bedeutendste, an der er im letzten Jahrzehnt beteiligt gewesen ist (ScienceMag). 

Abb. 1: Die Veränderungen des "polygenic Score" für Intelligenz in den letzten 10.000 Jahren in Westeurasien - grün = Jäger und Sammler, orange = anatolisch-neolithische Bauern, lila = indogermanische Steppengenetik (nach 1, aus 2)  

Seine Studie handelt von denselben Themen und bringt ähnliche Ergebnisse wie sie akademische "Abweichler" wie der Italiener Davide Piffer und der Däne Emil Kirkegaard schon 2024 publiziert hatten (Stg26). Wir selbst hatten damals einen Blogartikel über die Ergebnisse ihrer Studie verfaßt, zögerten aber bis heute mit seiner Veröffentlichung. Erst nachdem nun dieselben Erkenntnisse auch von einem so angesehenen "Mainstream-Wissenschaftler" wie David Reich veröffentlicht werden, glauben wir die Sicherheit zu besitzen, daß Piffer und Kirkegaard ebenfalls schon solide gearbeitet hatten. Die Erkenntnisse der beiden waren uns aber vor zwei Jahren ein wenig zu kraß erschienen, als daß wir allein auf der Grundlage ihrer Studie schon unser Weltbild ändern wollten (Stg26). Jetzt aber sind wir dazu bereit, bzw. müssen wir dazu bereit sein.

David Reich tut allerdings jetzt so, als wären er und seine Mitarbeiter die ersten, die auf diese Ergebnisse gekommen wären. Ganz offensichtlich unterschlägt er bewußt die Veröffentlichungen von Piffer und Kirkegaard, die er in seiner Studie nicht zitiert (1). Piffer hat darüber bei "Nature" Beschwerde eingelegt, der Reich-Mitarbeiter Iosif Lazaridis hat ihm gegenüber auf Twitter versucht, vermittelnde Worte zu finden, konnte aber nicht wirklich überzeugen damit.*)

Polygenic Score und Archäogenetik

In beiden Studien geht es darum, die Methoden und Erkenntnisse rund um die Erforschung der "polygenic scores" an heutigen Menschen auf die archäogenetisch gewonnenen Genome anzuwenden. Die Thematik der "polygenic scores" wurde durch ein Buch von Robert Plomin im Jahr 2018 öffentlich bekannt (Stg2018): Die meisten angeborenen Eigenschaften und Begabungen des Menschen werden "polygenetisch" vererbt, daß heißt, sie sind an vielen hunderten, tausenden oder zehntausenden, für sich genommen "Small-Effect-Genen" im Genom verschaltet und man kann deshalb angeborene Eigenschaften und Begabungen des Menschen erst dann aus dem Genom auslesen, wenn dieser Umstand berücksichtigt wird und dafür riesengroße Datensätze analysiert werden. Die Analyse so großer Datensätze ist erst durch die gesteigerten Computer-Leistungen möglich geworden, die inzwischen erreicht worden sind.

Die US-amerikanische Psychologin Kathryn Paige Harden hat dann noch einen drauf gesetzt und 2021 in ihrem Buch versucht, die Bedeutung der neuen Erkenntnisse für Schule und Erziehung einzuordnen (Wiki). Denn mit dem polygenic score ist jetzt grundsätzlich schon ab Geburt eines Kindes voraussagbar, welchen Schulabschluß es erwerben wird und in welcher Einkommensklasse es beruflich höchstwahrscheinlich unterwegs sein wird. Unter diesem Aspekt stellt sich die Frage, welche Aufgabe dann eigentlich die Schule noch hat. 

Aber nun zurück zu David Reich. Wenn man ohne gar zu viel Vorbereitung hinein schaut in die neue Studie von David Reich oder wenn man Berichterstattung über sie liest, kommt einem das alles ein bisschen zu abstrakt vor und es wird einem nicht so leicht augenfällig, eingängig und klar, warum gerade diese Studie so bedeutend sein soll und wo überhaupt ihre wesentlichsten Erkenntnisse liegen. Man hat den Eindruck, hier würde über eine wissenschaftliche Fachsprache insgesamt mehr vernebelt als geklärt, zumindest für Leute, die nicht unmittelbar "vom Fach" sind.

Aber in dem in den vorliegenden Blogartikel eingebundenen, ausführlichen Interview, das vor zwei Wochen veröffentlicht wurde (2), erläutert David Reich seine Studie sehr gut nachvollziehbar. Die Studie ist betitelt (1):

"Die Archäogenetik deckt für das gesamte westliche Eurasien allgegenwärtige, gerichtete Selektion auf"
("Ancient DNA reveals pervasive directional selection across West Eurasia")

Westliches Eurasien deshalb, weil bislang nur für diesen Erdteil ausreichende archäogenetische Daten verfügbar sind (10.000 bis 16.000 Genome aus der Nacheiszeit, dem Neolithikum, der Bronzezeit und der Eisenzeit). "Gerichtet" heißt hier: "nicht zufällig", kein zufälliges "Driften" von angeborenen Eigenschaften. Damit ist gemeint: Bestimmte angeborene Eigenschaften weisen im zeitlichen Verlauf in ihrer Häufigkeit und Verbreitung eine "Richtung" auf, sozusagen eine "zielgerichtete" Entwicklung: Am Anfang sind im westlichen Eurasien die meisten Menschen dunkelhäutig, am Ende hellhäutig(er) (Abb. 2). Am Anfang haben sie eine niedrigere angeborene Intelligenz, am Ende eine höhere (Abb. 1). Hier hat sich also eine "gerichtete" Entwicklung vollzogen dadurch, daß hellhäutige und intelligente Menschen mehr Nachkommen hatten als dunkelhäutige ("Selektion"). Und genau so sind wir heutigen Europäer entstanden. Und nun ist im Titel außerdem noch von "allgegenwärtig" die Rede. Damit ist gemeint: Signale von solcher gerichteten Selektion sind "allgegenwärtig" in den menschlichen Genomen in dem untersuchten Erdteil und in allen darin untersuchten Zeiträumen (Nacheiszeit, Neolithikum, Bronzezeit, Eisenzeit und heute). Damit ist gemeint: Hautfarbe und Intelligenz sind bei weitem nicht die einzigen angeborenen Eigenschaften, die in diesem Erdteil und in diesen Zeiträumen "gerichtete Selektion" erfahren haben.

Abb. 2: Die Veränderungen des "polygenic Score" für Hautfarbe in den letzten 10.000 Jahren in Westeurasien - grün = Jäger und Sammler, orange = anatolisch-neolithische Bauern, lila = indogermanische Steppengenetik (nach 1, aus 2)

Dieser Blog hat einen großen Teil der archäogenetischen Erkenntnisse, die auf diesem Blog seit etwa 2018 referiert werden, dadurch verstanden, daß wir uns einfach Vorträge oder Interview's von David Reich gründlich angeschaut haben, ggfs. auch zu wiederholten Malen. (Ebenso vergleichbare Beiträge von Johannes Krause und vereinzelt auch von anderen.) Wir finden, insbesondere David Reich spricht ein klares, gut verständliches Englisch und er kann hinreißend gut, klar und verständlich erklären. Außerdem ist er durchweg begeistert. Womit er zusätzlich sehr viel Anteilnahme weckt. So auch in diesem Video.

David Reich - Die Nützlichkeit von Vorträgen und Interviews seinerseits

Das Thema erfordert allerdings schon allerhand Konzentration, um alles zu verstehen. Und da so schnell gesprochen wird in diesem Video, ist es hilfreich, die englischsprachigen (oder deutschsprachigen) Untertitel anzustellen, um mitlesen zu können. Für uns stellt sich aber als noch hilfreicher heraus, sich nach ersten Eindrücken dem Video über das Transkript anzunähern, das verfügbar ist, und das man automatisch auf Deutsch übersetzen lassen kann. Mit diesem arbeiten wir im folgenden zumeist (Transkript).

Es wird beim Zusehen in diesem Video und beim Lesen des Transkripts aber schnell klar, daß das, was David Reich hier als "wissenschaftliche Revolution" des Jahres 2026 hinstellt, auch von Seiten des Verfassers dieser Zeilen schon seit 2005 behandelt wird, etwa unter Stichworten wie "jüngste Humanevolution" oder "jüngstselektierte Gene" oder "lokale Humanevolution" (3). Schon 2003 etwa war das Wort aufgekommen von "Lewontin's Fallacy", nämlich von dem Fehlschluß (andere nennen es einen bewußten, wissenschaftlichen Betrug), zu sagen daß die genetischen Unterschiede zwischen Völkern gering wären im Vergleich zu den genetischen Unterschieden zwischen einzelnen Menschen.

Neu ist das ganze Thema also nicht.

Als Zeugnis dafür, daß das Thema nicht neu ist, mag auch unser Buchprojekt "10.000 Jahre Humanevolution" gelten, das wir 2007 im Entwurf und mit ausführlichem Literaturverzeichnis veröffentlicht haben (3). Liest man insbesondere englischsprachige Kommentare auf Twitter oder anderwärts zu der neuen Studie von David Reich, ist das auch viele anderen wissenschaftsnahen Menschen bewußt. Dieser Umstand hat sich längst herum gesprochen. In unserem Buchmanuskript konnten wir zahllose namhafte Autoren benennen, die seit dem Jahr 2000 über diesen Paradigmenwechsel sprachen.

Um den Grundgedanken unseres damaligen Buchprojektes noch einmal heraus zu stellen: Ausgangspunkt war, daß zum Beispiel Konrad Lorenz immer davon gesprochen hatte, wir seien "Steinzeit-Menschen, die Düsenjäger fliegen" (oder "Mammutjäger in der Metro" - oder ähnliche Metaphern). Dabei war die Wissenschaftler-Generation von Konrad Lorenz noch davon ausgegangen, daß es kaum oder wenig Evolution seit der Steinzeit gegeben hätte. Man wußte es damals eben auch gar nicht besser.

David Reich tut in seinem Interview so, als wäre davon auch noch seine Wissenschaftlergeneration ausgegangen. Da gibt er sich gewiß ahnungsloser als er war und ist. Die Erkenntnisse, von denen ich in meinem Buchprojekt 2007 spreche, und die bis dahin breit in der Wissenschaft und Öffentlichkeit behandelt worden waren (siehe dortiges Literaturverzeichnis) (3), wurden nur immer und immer wieder "klein geredet", da man den Menschen aus ideologischen Gründen möglichst als "unbeschriebenes Blatt" charakterisieren wollte, und da man von unterschiedlicher "gerichteter Evolution" von angeborenen Eigenschaften in unterschiedlichen Erdteilen und Völkern schon einmal gar nichts wissen wollte. Warum sonst auch gelten so sauber arbeitende Wissenschaftler wie Piffer und Kirkegaard als "Abweichler"? Jetzt erfahren wir aber durch David Reich: Die Mainstream-Wissenschaft kommt auf keine anderen Ergebnisse als sie in diesem Sinne seit etwa dem Jahr 2000 und dem Jahr 2018 immer schon behandelt worden waren.

Über diesen Umstand geht David Reich also "husch husch" hinweg und gibt sich völlig naiv. Diese Naivität nehmen wir ihm nicht wirklich ab. Aber wir sind ihm deshalb nicht gar zu böse. Wir lernen grade wieder so viel Neues, daß wir dieser angeblichen "Naivität" gar keine so große Beachtung schenken wollen. Gott ja, es gibt Schlimmeres!, möchte man ausrufen. Wir sind ja wirklich schon allerhand gewohnt. Johannes Krause zum Beispiel hat bezüglich solcher Dinge über viele Jahre hinweg eine solche Naivität an den Tag gelegt, daß man sie ihm sogar abnehmen mußte als wirklich ehrlich gemeinte. Deshalb kleiner Tipp am Rande: Gib dich naiv, junger Akademiker, dann machst du am ehesten Karriere.

Seit der vollständige Sequenzierung des menschlichen Genoms im Jahr 2000 fand man also schon zunehmend mehr Hinweise dafür,

  1. daß die menschliche Intelligenz evoluierte und deshalb unterschiedlich auf Völker verteilt ist,
  2. daß die menschliche Verhaltensgenetik evoluierte und deshalb unterschiedlich auf Völker verteilt ist,
  3. daß die menschliche Verdauungsgenetik evoluierte und deshalb unterschiedlich auf Völker verteilt ist,
  4. daß die menschliche Immunabwehr evoluierte und unterschiedlich auf Völkerr verteilt ist ....

... und so weiter, und daß sich deshalb Völker weltweit in ihrem Spektrum angeborener Eigenschaften und Begabungen sehr deutlich unterscheiden. Der herzensgute Bestseller-Autor Steven Pinker, der sich so gut mit Jeffrey Epstein verstand im Rahmen von "The Edge" und anderwärts, nannte genau diese "Idee" ja im Jahr 2005 schon die "gefährlichste Idee der nächsten zehn Jahre", nämlich daß sich Völker hinsichtlich ihrer angeborenen Eigenschaften und Begabungen unterscheiden könnten (Edge). - Für wen eigentlich "gefährlich"?, möchte man im Nachhinein fragen. Für Bestrebungen eines Jeffrey Epstein und seiner Leute? Ach Gott, was fragen wir wieder naiv. .... Boah. Schnell weiter im Text ...

David Reich erzählt nun, daß die ersten archäogenetischen Studien, die diese genannte westeurasische Evolution zwischen Nacheiszeit und heute zu erfassen suchten auf der Ebene der Archäogenome, nur erstaunlich wenig Signale gefunden haben, die darauf hindeuteten, daß hinsichtlich bestimmter "polygenetischer Scores" (Eigenschaften, Begabungen) Evolution stattgefunden hätte. Der Grund dafür war, daß es noch nicht genügend sequenzierte Genome aus dem Neolithikum, der Bronze- und Eisenzeit gegeben hatte. Er nennt diesbezüglich eine Studie aus der Forschungsgruppe um Eske Willerslev (Stg19) und bezieht sich dabei auch auf andere Studien (Stg22).

Seither ist die Datengrundlage aber aufgrund der exponentiell steigenden Zahl sequenzierter, archäologisch gewonnener Genome viel umfangreicher geworden.

Die Bronzezeit - Ist sie wichtiger für die gerichtete Selektion als das Neolithikum?

Die meiste gerichtete Selektion in Westeurasien hat nach David Reich nun vermutlich nicht bei der Einführung des Ackerbaus stattgefunden, sondern in der Bronzezeit (so wird er gleich im Eingangssatz zum Interview angeführt). Die Bronzezeit (2) ...

"... war die Zeit, in der die Genfrequenzen für alles - von der Immunfunktion über das Körperfett bis hin zur Intelligenz - am stärksten schwankten,"

faßt der Interviewer zusammen. Und weiter (2):

"Im Laufe der letzten 10.000 Jahre hat die Selektion den genetischen Prädiktor für die kognitive Leistungsfähigkeit um etwa eine volle Standardabweichung erhöht - der größte Teil davon vor 4.000 bis 2.000 Jahren."

Hier ist von einer Standardabweichung die Rede. Das ist also eine Erhöhung der angeborenen Intelligenz von etwa 80 oder 85 (wie man sie in Afrika und bei schwarzafrikanischen US-Amerikanern findet) auf 95 oder 100 (wie man sie bei heutigen Europäern findet).

David Reich stellt es noch einmal heraus, daß die Archäogenetik zwar mit wenigen sequenzierten Menschenfunden schon unglaublich viel über den Ablauf der Völkergeschichte heraus bekommen konnte, daß diese wenigen Genome aber nicht ausreichten dafür festzustellen, in welchen Bereichen des Genoms angeborene Eigenschaften und Fähigkeiten sich im Verlauf der Geschichte in bestimmte Richtungen hin selektiert, bzw. entwickelt hatten.

Das liegt daran, daß man mit den Genen eines einzigen Menschen zwar zugleich die Gene eines ganzen Volkes vor Augen hat. Jeder Mensch trägt die Gene seines Volkes in sich. Wenn man also ein einzelnes Genom aus der Vergangenheit sequenziert, sequenziert man damit zugleich das Genom eines ganzen Volkes. David Reich drückt das - etwas zurückhaltender, verschleiernder - folgendermaßen aus (2):

Die DNA einer einzelnen Person liefert eine enorme Menge an Informationen über die Geschichte. Denn die DNA einer Person repräsentiert nicht nur eine einzelne Person, sondern viele. Sie enthält die DNA der Eltern, der vier Großeltern, der acht Urgroßeltern, der sechzehn Ururgroßeltern und so weiter. Geht man in der Zeit zurück, so tragen Tausende, Zehntausende, ja Hunderttausende von Vorfahren zu den heutigen Menschen bei.

Ja, er hätte es auch kürzer ausdrücken können: Wenn ich ein einzelnes Individuum an der Mittleren Wolga um 4.500 v. Ztr. sequenziere, sehe ich in seinem Genom zugleich sein ganzes Volk, das sich als solches von allen anderen Völkern derselben Zeit auf kennzeichnende Weise unterscheidet. Man kann deshalb schon mit vergleichbar wenigen Genomen aus verschiedenen Regionen und Zeit-Epochen vergleichsweise umfangreich und zugleich detailliert und in den meisten Fällen völlig überraschend die gesamte Völkergeschichte Eurasiens nachvollziehen. Und zwar in den meisten Fällen in einer Weise, wie sie niemand zuvor erwartet hatte oder niemand zuvor zumindest mit dieser abschließenden Sicherheit hätte behaupten können.

Wenn man aber nun schauen will, wie sich angeborene Eigenschaften und Fähigkeiten im Verlauf der Geschichte in bestimmte Richtungen hin selektierten, entwickelten (auf der Ebene von Individuen und Völkern), reichen solche vereinzelte, "repräsentative" "Stichproben" nicht mehr aus. Man braucht einen viel größeren Datensatz (2):

Um ein hochauflösendes Bild der Frequenzveränderungen im Zeitverlauf zu erhalten, benötigt man sehr große Stichproben, wirklich sehr viele Personen. Das stand uns bis vor wenigen Jahren nicht zur Verfügung. Die Motivation für die Studie, über die wir heute sprechen, und die Arbeit, die hoffentlich in den kommenden Jahren von mehreren Forschungsgruppen durchgeführt wird, liegt darin, daß wir nun endlich über diese Zahlen verfügen. Wir können die Daten analysieren, um die Frequenzveränderungen im Zeitverlauf zu untersuchen.

Gibt es keine genetischen Unterschiede zwischen Ostasien und Europa? 

Dann sagt David Reich wieder etwas so vergleichsweise Komisches (2):

Es gibt jedoch fast keine genetischen Veränderungen, deren Häufigkeit sich zwischen Europäern und Ostasiaten zu 100 % unterscheidet.

Diese Aussage ist ein sogenannter Non-Starter. Sie mag ja formal durchaus richtig sein, aber sie verwischt, bzw. macht dabei zugleich geradezu unsichtbar die wesentlichsten Tatbestände.*) Mit 100 % ist die Latte sehr hoch gelegt. Sehr große angeborene Häufigkeitsunterschiede zwischen Ostasiaten und Europäern gibt es aber trotzdem. Man frage doch nur ChatGPT. Es zählt für uns die folgenden Beispiele auf:

Merkmal / GenvarianteOstasienEuropaBemerkung
ALDH2-Defizienzca. 25–45 %<1 %Ursache des häufigen „Asian Flush“
Schnelles ADH1B-Allel (Alkoholabbau)ca. 60–90 %ca. 5–20 %Beschleunigt Bildung von Acetaldehyd
Laktasepersistenzca. 5–20 %ca. 70–95 %Besonders hoch in Nordeuropa
EDAR-Variante V370Aca. 80–95 %<5 %Assoziiert mit dickem, glattem Haar
ABCC11-Polymorphismus (trockener Ohrenschmalz)ca. 80–95 %ca. 1–5 %Sehr klarer Populationsunterschied
Epikanthische Lidfaltehäufig, grob 50–90 %selten, meist <10 %Kein einzelnes „Gen“, sondern polygen
Sehr dichter Bartwuchs bei Männerneher seltendeutlich häufigerSchwer exakt zu quantifizieren
Helle Hautvarianten SLC24A5niedrig bis moderatoft >90 %Sehr stark in Europa verbreitet
Schaufelzähne („shovel incisors“)ca. 80–95 %ca. 10–20 %Häufig verwendetes anthropologisches Merkmal

So schnell kann man Aussagen von David Reich mit ChatGPT bloßstellen. Da wird also sehr schnell deutlich, daß die Aussage von David Reich die tatsächlichen Verhältnisse zum Teil kraß verwischt, und daß diese Aussage damit fast schon wieder eine Täuschung ist. Nein, nicht 100 % Unterschiede - aber 95 % Unterschiede gibt es in einigen angeborenen Eigenschaften, Genvarianten zwischen Europa und Asien durchaus!!!

Und das ist - wie gesagt - nicht erst seit heute bekannt, sondern Wissen darüber sammelt sich spätestens seit dem Jahr 2000 immer mehr an. Der geneigte Leser kann mit Hilfe der hier genannten Stichworte schnell die Dinge weiter verfolgen (zum Beispiel auf ChatGPT). ChatGPT benennt hier nur Körpermerkmale, aber bezüglich von psychischen Merkmalen könnten ebenfalls Beispiele angeführt werden. Eine für ADHS mitverantwortliche Variante, die in siebenfacher Wiederholung im Genom vorkommt, gibt es in China fast gar nicht, während sie in anderen Völkern eine sehr deutliche Häufigkeit hat. Ebenso hatten wir für das COMT-Sensibilitäts-Gen hier auf dem Blog schon vergleichsweise hohe Häufigkeitsunterschiede zwischen Völkern erörtert (Stg2019). Und damit kann sehr schnell abgeleitet werden, daß wesentliche kulturelle Merkmale und Begabungsprofile von Völkern in Europa und Ostasien sich auch aufgrund solcher Häufigkeitsunterschiede so markant voneinander unterscheiden. Deshalb stimmt es auch nicht, wenn David Reich sagt (2): 

Die seit 40.000 oder 50.000 Jahren vergangene Zeit ist auf einer evolutionären Zeitskala so kurz, daß es im Durchschnitt nur geringe genetische Unterschiede zwischen diesen beiden Gruppen gibt.

Aber im nächsten Satz widerspricht er der eben getätigten Äußerung sowieso gleich wieder (2):

Wenn jedoch natürliche Selektion stattgefunden hat, beispielsweise um Menschen an einem bestimmten Ort zu helfen, Alkohol oder Milch besser zu verdauen, könnte man erwarten, daß eine Mutation extrem häufig auftritt.

Es ist nicht nur zu erwarten, sondern längst bekannt, lieber Herr Reich.

Beispiele: Tuberkulose, Hämochromatose, pflanzlich dominierte Ernährung ...

Es werden dann Beispiele durchgegangen. Immun-Gene weisen die höchsten Selektions-Hinweise auf. Eine Genvariante, die im Zusammenhang mit Tuberkulose steht, wird behandelt. Diese Gen-Variante war 1000 v. Ztr. am häufigsten in Europa verbreitet und ist danach in ihrer Häufigkeit bis heute wieder sehr deutlich zurück gegangen. Die genauen Gründe dafür sind bislang noch nicht bekannt. Vielleicht war es eine andere Krankheit, so meint der Interviewer, der gegenüber diese Genvariante einen Überlebensvorteil bot. Reich will das nicht ausschließen als Möglichkeit. Reich:

Die TYK2-Variante, die mit einem erhöhten Tuberkulose-Risiko und einem erhöhten Risiko für Multiple Sklerose einhergeht, nahm vor der Bronzezeit deutlich zu und kehrte sich dann vor 2.000 bis 3.000 Jahren um. In Nordeuropa ist dieser Prozeß extrem stark ausgeprägt, mit sehr starker positiver und negativer Selektion. In Südeuropa hingegen ist er nur geringfügig und die negative Selektion nicht sehr stark. Auch die Hämochromatose, eine pathogene Eisenablagerung, die in Europa Probleme verursacht, hat sich um diesen Zeitraum herum umgekehrt.

Beiden typisch nordeuropäischen Erbkrankheiten habe ich schon in meinem Buch-Entwurf von 2007 Kapitel gewidmet (3). Durch diese neuen Ergebnisse kann man sich nun neue Gedanken machen, warum diese Erbkrankheiten in Nordeuropa noch heute so auffallend häufig sind. Es werden auch Hinweise gefunden für einen vermehrten Verzehr von pflanzlichen Nahrungsmitteln gegenüber fleischbasierter Nahrung. Der Interviewer fragt (2):

FADS1, das dabei hilft, pflanzliche Fettsäuren in langkettige Fettsäuren umzuwandeln, die der Körper benötigt: Das ist natürlich wichtig, wenn man von einer fleischbasierten Ernährung als Jäger und Sammler zu einer getreidebasierten Ernährung übergeht. Das ist auch ein Aspekt, den Sie, glaube ich, vor 5.000 bis 3.000 Jahren als besonders selektionsbedürftig identifiziert haben. Was ist also der Grund dafür? Warum ist die Bronzezeit in Bezug auf all diese verschiedenen Merkmale, die Sie beobachten, so besonders?

Reich antwortet (2):

Diese FADS1/2-Variante ist also eine Anpassung an Vegetarier bzw. Fleischesser. Bereits in früheren Arbeiten hatte Ian Mathieson, mit dem ich 2015 zusammengearbeitet habe, diese Variante als stark selektiert identifiziert. Sie ist tatsächlich uralt. Man findet Kopien davon auch bei archaischen Menschen.

Die Völker weltweit unterscheiden sich schon seit vielen Jahrzehntausenden darin, ob sie vorwiegend pflanzliche oder tierliche Nahrung zu sich nehmen. Für beide Möglichkeiten müssen im Genom Anpassungsmöglichkeiten vorliegen. David Reich sagt allgemein über die genetischen Veränderungen während der Bronzezeit in Europa im Vergleich zu denen während des Übergangs zum Ackerbau (2):

Diese Beobachtung, daß es sich um einen Wendepunkt handelt, verrät uns etwas darüber, wann die Menschen, zumindest in diesem Teil der Welt, gezwungen waren, eine Lebensweise einzuschlagen, die sich so stark von der ihrer Vorfahren als Jäger und Sammler unterschied, daß sich der Organismus enorm anpassen mußte. Möglicherweise war der Grad dieser Umstellung beim Übergang in die Bronzezeit qualitativ größer als derjenige, der beim anfänglichen Übergang zum Ackerbau stattfand. Das ist überraschend, denn unser vereinfachtes Bild läßt uns annehmen, daß der große Wandel im Ackerbau liegt. Doch die biologischen Daten zeigen, daß unser Genom viel stärker auf diese Ereignisse reagiert, die vor 5.000 Jahren stattfanden.

So völlig durchgängig kann ich ihm diese Aussage nicht abnehmen. Schließlich zeigen seine Daten, daß schon die Bandkeramiker einen IQ hatten wie wir heute. Da ist also das Wichtigste durchaus schon beim Übergang zum Ackerbau passiert, nicht erst in der Bronzezeit. Freilich, durch die mittelneolithische Vermischung mit den Restbevölkerungen von Jägern und Sammlern in Europa und durch die spätneolithische Vermischung mit indogermanischer Steppengenetik war der IQ offenbar zunächst noch einmal wieder bis etwa 2000 v. Ztr. gesunken, um dann in der Spätbronzezeit fast wieder heutige Werte zu erreichen, um danach aber wieder abzusinken (s. Abb. 1). Nun gut.

Beispiel Pigmentierung

Reich weiter (2):

Nehmen wir zum Beispiel die Pigmentierung, die in unseren Daten das stärkste Indiz für Selektion eines komplexen Merkmals ist. Man betrachtet genetische Mutationen, die bekanntermaßen die Pigmentierung beeinflussen. Addiert man ihre Wirkung über die gesamte DNA - es sind Dutzende oder Hunderte -, so findet man heraus, wann die natürliche Selektion am stärksten war. Dieser Zeitraum liegt tatsächlich vor 2.000 bis 4.000 Jahren. 

Ja, die Evolution der hellen Hautfarbe verlief offenbar stetiger als die Evolution des IQ in der europäischen Völkergeschichte (Abb. 2).

Beispiel Intelligenz

Reich weiter (2):

Die Daten zeigen deutlich, daß die Auswirkungen der Migration enorm sind. Betrachtet man beispielsweise die Entwicklung kognitiver Leistungsfähigkeit – die Ergebnisse von Intelligenztests bei weißen Briten heute – und vergleicht sie mit den entsprechenden Prädiktoren bei Menschen in der Antike, so liegt der Schätzwert für die Jäger und Sammler Europas drei Standardabweichungen unter dem heutigen Durchschnitt. Das ist ein gewaltiger Unterschied.

Oben war noch von einer Standardabweichung die Rede, jetzt wird sogar von drei Standardabweichungen gesprochen. Wenn es also heute bei Europäern einen IQ von 100 gibt ebenso wie bei den ersten Ackerbauern Europas, den Bandkeramikern, dann hätte es bei den europäischen Jägern und Sammlern vor dem Neolithikum einen IQ von 55 gegeben. Das entspricht dem IQ der Buschleute in Südafrika von heute und ist noch niedriger als der IQ der Bantu-Völker in Afrika. Das können wir auf den ersten Blick so nicht für glaubhaft halten. Hat sich Reich hier versprochen? Auch Piffer und Kirkegaard hatten 2024 nur eine Stanardabweichung Unterschied festgestellt, nicht drei. Reich weiter über die europäische IQ-Evolution (2):

Dann sieht man einen gewaltigen Sprung zu den Bauern, deren Werte im Mittel bei null liegen. Das ist Migration. Man sieht, daß diese beiden Gruppen unterschiedliche Ausgangswerte für diese Merkmale hatten. Die Steppenhirten haben einen niedrigeren Ausgangswert.

Also die Bandkeramiker hatten schon einen IQ von 100 so wie wir heute. Wie kraß. Und die Jamnaja, die Indogermanen der zweiten Ausbreitungswelle ab 3.300 v. Ztr. hatten einen IQ von 85. Also so hoch wie die heutigen Afroamerikaner in den USA. Das kommt uns ebenfalls sehr kraß unterschiedlich vor. Reich weiter (2):

Man beobachtet im Laufe der Zeit enorme Schwankungen im Prädiktor dieses Merkmals. Das beweist keine Selektion, sondern lediglich Migration. Unser Test zeigt aber Folgendes: Gibt es neben diesen migrationsbedingten Schwankungen einen konsistenten Effekt der natürlichen Selektion, der das Merkmal über alle Orte und Zeiten hinweg in dieselbe Richtung beeinflußt? Genau das untersuchen wir.

So ganz wie nebenbei tritt hier zu Tage, welche krassen angeborenen Intelligenz-Unterschiede es zwischen Völkern schon im Neolithikum und in der Bronzezeit gegeben hat. Solche angeborenen Intelligenz-Unterschiede zwischen Völkern gibt es heute immer noch und sie waren unter anderem Gegenstand der Sarrazin-Debatte des Jahres 2010. 

Der Interviewer stellt dann sehr uninformierte Vermutungen über die Evolution des IQ in den Raum. Diese übergehen wir hier. Beide geben sich in ihren "Vorannahmen" zu all diesen Themen rührend naiv. So als hätte es - zum Beispiel - die "Bell Curve"-Debatte des Jahres 1994 (Wiki) nie gegeben, in der es ebenfalls um die angeborenen Intelligenzunterschiede zwischen heutigen Völkern und Abstammungsgruppen ging. Der Interviewer ist völlig fachfremd. Dem nehme ich diese Naivität ab. Bei David Reich scheint sie mir ein wenig gar zu deutlich durchgestylt zu sein, nämlich: um nicht gleich die volle Breitseite des akademischen Gegenwindes auf sich zu ziehen. Offenbar denkt er sich, die neuen Erkenntnisse könnten sich in die Wissenschaft geradezu unbemerkt einschleichen. Aber all das soll aktuell für uns nicht im Vordergrund stehen, wir wollen ihm das hier nicht gar zu sehr anrechnen, denn aktuell ist so viel anderes so viel wichtiger. Es gilt, erst einmal den neuen Forschungsstand nachzuvollziehen und dem bisherigen Wissen zuzuordnen.

Auch wie David Reich die IQ-, bzw. Educational Attainment- (EA-)Voraussage sonst einordnet, scheint uns keineswegs dem Stand der heutigen Intelligenz-Forschung zu entsprechen. Da der IQ mit so vielen anderen Merkmalen des Lebensverlaufs korreliert, meint er, ihm könnte auch ein anderer Faktor als der IQ selbst zugrunde liegen, etwa die Fähigkeit zum Belohnungsaufschub. Es sei das hier nur erwähnt. Wir glauben viel eher, daß höherer IQ auch Belohungsaufschub erleichtert. Aber all das ist für uns hier gar nicht das Thema.

Sehr spannend ist der Hinweis, daß die IQ-Evolution in China und Europa auf denselben polygenetic Score's zu beruhen scheint, so sagt Reich. Das darf man sicherlich als bemerkenswert empfinden. Denn es hätte ja auch sein können, daß die ostasiatische Intelligenz noch eine sozusagen "ganz andere" ist als die europäische. Aber nein, sie folgt offenbar denselben genetischen Verschaltungen. Das, was sich zwischen Europa und Ostasien unterscheidet, sind eher angeborene und muttersprachlich geprägte Neigungen hinsichtlich Individualismus versus Kollektivisimus oder hinsichtlich Veränderungsfreude oder Beharrungsfreude (hinsichtlich: erfinden oder kopieren) und so weiter. Und natürlich weisen die Ostasiaten einen um 5 IQ-Punkte höheren IQ auf als die Europäer. Womöglich wird man dennoch sagen können und müssen, daß es sich bei der IQ-Evolution in Ostasien und Europa um konvergente Evolution handelt.***)

War Intelligenz ein gesellschaftlicher Wert? Im Neolithikum? In der Bronzezeit?

Reich meint, in der "Ilias" oder im "Alten Testament", die in Zeiten entstanden, als der IQ am höchsten war, hätte Intelligenz als Wert keine Rolle gespielt, viel eher hätten Schönheit eine Rolle gespielt oder andere Werte. Wir sehen hier eine Inkonsistenz in der Argumentation. Schon die Bandkeramiker hatten einen vergleichbar hohen IQ. Wie soll der denn dann zustande gekommen sein? Ist nicht schlicht der Grad der gesellschaftlichen Arbeitsteilung, der schon bei den Bandkeramikern sehr hoch gewesen sein wird, ein ausschlaggebender Faktor? Den Befund, daß die (Spät-)Bronzezeit so wesentlich für die europäische IQ-Evolution gewesen sei, hatten wir zuvor für uns selbst während der Lektüre schon folgendermaßen eingeordnet: 

In der Bronzezeit gab es erste "Währungen" (Ösenhalsringe und anderes), es mußte also gezählt und gerechnet werden. Es gab spezialisiertes Handwerk. Bronze-Schmiede stellten Bronze-Waffen her, sie stellten Bronze-Schmuck her, bronzene Musikinstrumente. Überhaupt gab es einen Musikinstrumenten-Bau. Es gab ein Töpferhandwerk. Es gab Nah- und Fernhandel mit Rindern, Schweinen, Getreide, Gemüse, Obst, Fischen. Es gab Fischer, es gab Jäger. Die Kochkunst verfeinerte sich. Importwaren wurden über hunderte von Kilometern transportiert. Es gab spezialisierte Handwerker in der Textilherstellung. Es gab spezialisierte Handwerker in der Herstellung von Streitwagen und anderen Transportmitteln. Es gab Goldschmiede, die die steilen, hohen Goldhüte herstellten. Der Ackerbau wurde verbessert. Der höchste Gott der Kelten war noch in römischer Zeit der Gott Merkur, der Gott des Handels, des Handwerks und der Kunstfertigkeit. Das berichtet noch Cäsar von ihnen (Stg26). Von Sängern wurden lange Dichtungen vorgetragen, vergleichbar der Ilias des Homer - die längsten Zeiträume ganz ohne Verschriftlichung. Zuhören war heilig bei den Kelten und in vielen anderen vorgeschichtlichen Völkern (Stg24). Aufmerksames Zuhören und Merken (Kurz- und Langzeitgedächtnis) fällt ja vermutlich um so leichter, um so intelligenter man ist. Wir sehen insbesondere in der Spätbronzezeit ein intensives Bevölkerungswachstum nicht nur in Griechenland, sondern wir sehen "Terrassierungen" in ganz Mitteleuropa bis hinauf nach England. All solche Vorgänge werden bezüglich der IQ-Evolution zu berücksichtigen sein.

Die ganze Thematik, die der Interviewer mit Reich diskutiert, wird schon seit Jahrzehnten diskutiert. Vor diesem Hintergrund wirken die Erörterungen im Interview erneut eher naiv. Lange hatte man ja vermutet, daß die IQ-Evolution in China durch die konfuzianische Beamten-Elite voran getrieben worden sei. Sie erfolgte aber in allen Bevölkerungsschichten, insbesondere auf dem Land bei den Bauern, auch ganz ohne konfuzianische Gelehrsamkeit. Ebenso auch in Europa. Es müssen also deutlich allgemeinere Faktoren in Betracht gezogen werden. Für Europa in der Frühen Neuzeit gilt jedenfalls: Die reichsten Bauern haben immer die meisten Kinder gehabt. Das hat Eckart Voland in seiner Krummhörn-Studie festgestellt und das ist für viele andere Regionen Deutschlands und Europas ebenfalls festgestellt worden. Und genau über solche Mechanismen wird IQ-Evolution womöglich auch sonst zustande gekommen sein.

Und es ist zusätzlich zu sagen: Wohlstands-Unterschiede aufgrund höherer Intelligenz waren erst in solchen arbeitsteiligen Gesellschaften möglich, die solche Wohlstands-Unterschiede eben ermöglichten aufgrund ihrer arbeitsteiligen Differenzierung. 

Viele weitere Teile des Interviews erscheinen uns zu spekulativ, als daß sie hier von uns weiter behandelt werden müßten. Es wird etwa erörtert, daß sich vergleichbare gerichtete Selektion bei den Menschen, die vor 100.000 oder vor 50.000 Jahren in Afrika gelebt haben, nicht gegeben hätte. Aber sind denn die aktuell vorliegenden archäogenetischen Daten überhaupt ausreichend, um eine solche Behauptung aufstellen zu können? Wir glauben nicht. Und schließlich hat der Autor dieser Zeilen schon in seinem Buchentwurf von 2007 Gene genannt, die heute alle Menschen tragen, und die in dem genannten Zeitraum in Afrika erst entstanden sind. Also diese Erörterungen sind uns alle zu spekulativ und auch zu widersprüchlich und außerdem auch ein wenig zu naiv.

Stattdessen wird zum Beispiel gar nicht die so wesentliche Frage erörtert, wo denn der hohe IQ der europäischen Ackerbauern überhaupt herkommt und wie dieser evoluiert ist oder evolutiert sein könnte. Das wäre doch eine viel spannendere Frage. Aber dazu fehlen David Reich und ebenfalls dem Interviewer ausreichende wissenschaftliche Hintergrundinformationen aus fünfzig Jahren IQ-Forschung ebenso wie - etwa - aus fünfzig Jahren Forschung zum Präkeramikum und Keramikum im Fruchtbaren Halbmond und sodann zum Neolithikum in Anatolien, im Mittelmeerraum und in Mitteleuropa. Man könnte mutmaßen, daß schon die ersten Ackerbauern Anatoliens denselben IQ hatten wie die Bandkeramiker und daß dieser IQ während des vorhergehende Präkeramikums und Keramikums im Fruchtbaren Halbmond evoluiert ist. Ich könnte mir vorstellen, daß er schon im PPNB ("vorkeramische Neolithikum B") erreicht worden ist um etwa 7000 v. Ztr.. Diese Gesellschaft war damals jedenfalls durchaus schon ausreichend arbeitsteilig ausdifferenziert.

Mit diesem Blogartikel soll ein erster Einstieg in diese neue, spannende Thematik gegeben sein. Vielleicht müssen wir uns künftig den Forschungsartikel selbst (1) auch noch einmal gründlicher anschauen.

Ansonsten: Ergänzung, 29.5.26 - Jetzt ist es endlich so weit: Ein Jahresabonnement bei Davide Piffer ist von Seiten des Bloginhabers abgeschlossen (DavidePiffer). Denn der Mann ist unwahrscheinlich fleißig und testet ständig neue Theorien anhand archäogenetischer Daten. Da kommt man zwar kaum hinterher - aber man sollte es vermutlich!

Anhang

*) Piffer schrieb am 16. April, ein Tag nach der Veröffentlichung der Reich-Studie einen Beitrag, warum er die Vorgehensweise des Nichtzitierens seiner thematisch sehr weitgehend deckungsgleichen Vorstudie für wissenschaftlich unredlich hält (Piffer). Einen Tag später, am 17. April, zwei Tage nach der Veröffentlichung der Reich-Studie schrieb er auf Twitter (Tw):

Reichs Team tut jetzt so, als ob seine Veröffentlichung ein Paradigmenwechsel wäre, und als ob niemand zuvor solche Ergebnisse veröffentlicht habe (falsch). Reich hat sich auch meine Idee angeeignet, daß diese Ergebnisse der Standardansicht widersprechen würden, nach der es über die letzten 100.000 Jahre keine Selektion gegeben habe, die ich hier kritisiert habe ...
Reich's team is now framing their publication as a paradigm shift, nobody had published such results before (wrong). Reich also appropriated my idea that these results challenge the standard view of no selection over 100K years, which I criticized here ...

... und er gibt dann den Hinweis auf einen Blogartikel vom Dezember 2025 (Piffer2025). Er spricht von Plagiat:

Die Ergebnisse, die sie in ihrem Plagiat darstellen, stammen allerdings größtenteils aus Fachzeitschriften, die mit Peer Review veröffentlichen.
The findings they plagiarized are mostly in peer reviewed journals though.

Piffer erhält für seine Aussage viel Zustimmung auf Twitter. Was ein Kommentator dort schreibt, ging uns genauso (Tw): 

Ich bin mir ziemlich sicher, daß ich bereits durch die Lektüre von Piffer wußte - lange bevor diese Studie erschien -, daß die anatolisch-neolithischen Bauern den höchsten Polygenic Score für Intelligenz aufwiesen. Die Griechen der ägäischen Bronzezeit wiesen einen hohen Anteil an anatolisch-neolithischer Bauernherkunft auf.
I’m pretty sure I knew the EEF had highest PGs for intelligence from reading Piffer way before this paper came out. Bronze Age Aegean Greeks have a lot of EEF.

Diese Bemerkung hat inzwischen 3.500 Likes, mehr als der Ausgangs-Beitrag von Piffer selbst. Diese 3.500 sind jene, die die Arbeit von Piffer ebenso verfolgen wie der vorliegende Blog.

Der griechische Archäogenetiker Iosif Lazaridis versuchte schließlich, sozusagen zwischen Piffer und David Reich zu vermitteln und argumentiert, daß jeder Autor selbst würde entscheiden können, welche vorherigen Arbeiten er zitiert und welche nicht (Tw). Nun gut, zumindest von Großmut zeugt die Haltung von David Reich in dieser Frage nicht. Am 18. April schreibt Piffer (Tw):

Würde ein Maler eine Kopie Ihres Werkes anfertigen, dann aber so tun, als hätte er ein eigenständiges Werk geschaffen, weil Ihr Pinselstrich „mangelhaft“ gewesen sei, dann können wir das getrost Betrug nennen. Wenn ich in der Wissenschaft „methodische Mängel“ vorschiebe, um dasselbe Modell und dieselben Ergebnisse zu ignorieren, die ich selbst nutze und gewinne, dann liegt nichts anderes vor als ein Plagiat mit Doktortitel.
If a painter copies your composition but denies credit because your brushwork was "inadequate," we call it a scam. In science, using "methodological inadequacy" to ignore the same model and results is just plagiarism with a PhD.

Am 28. und 30. April bringt er Kritiken an der David Reich-Studie heraus (Pfiffer2) (die wir noch nicht verstehen). Und er schreibt am 30. April auf Twitter (Tw):

Vor zwei Wochen habe ich mich wegen der Problematik des Nichtzitierens durch Akbari et al. an Nature gewandt. Die Herausgeber haben nun geantwortet: Sie prüfen den Fall. Wollen wir sehen, was dabei herauskommt.
Two weeks ago I escalated the Akbari et al. citation issue to Nature. Editors have now responded: they’re reviewing it. Let’s see where this goes. 
**) In der Studie selbst heißt es: "Frühere Arbeiten haben gezeigt, daß klassische „Hard Sweeps“ - durch die vorteilhafte Mutationen bis zur Fixierung getrieben werden – über den weiten Zeitraum der menschlichen Evolution hinweg selten waren." ("Previous work has shown that classic hard sweeps driving advantageous mutations to fixation have been rare over the broad span of human evolution.") Vielleicht bezieht sich darauf diese 100%-Angabe. Aber auch diese Aussage ist insgesamt irreführend.
***) Tatsächlich heißt es auch in der Folgestudie zur Evolution derselben Eigenschaften und Begabungen in Europa und Ostasien ausgehend von vorhergehenden Jäger-Sammler-Populationen (bioRxiv2026): 
"Unsere Ergebnisse legen nahe, daß die von dieser Vorfahren-Population ererbten Varianten - sobald sie der Landwirtschaft, der Weidewirtschaft, modernen Pathogenen sowie den Lebensweisen ausgesetzt waren, die mit dem Leben in größeren staatlichen Gesellschaften einhergehen - sowohl in West- als auch in Ost-Eurasien weiterhin dieselbe Entwicklungstendenz zeigten; dies spiegelt wahrscheinlich eine konvergente Evolution wider, die der Anpassung an die neuen Anforderungen nahrungsproduzierender Lebensweisen und des Lebens in hoher Bevölkerungsdichte diente."
"Our results suggest that once exposed to agriculture, pastoralism, modern pathogens, and the lifestyles that come with living in larger state societies, the variants inherited from this ancestral population continued moving in the same direction in both West and East Eurasia, likely reflecting convergent evolution to adapt to the new requirements of food producing lifestyles and living at high-density."

____________

  1. Akbari A, Perry A, Barton AR, Kariminejad M, Gazal S, Li Z, Zeng Y, Mittnik A, Patterson N, Mah M, Zhou X, Price AL, Lander ES, Pinhasi R, Rohland N, Mallick S, Reich D (2026) Ancient DNA reveals pervasive directional selection across West Eurasia. Nature, 15.4.2026 (Nature2026)
  2. Dwarkesh Patel: David Reich - Bronze Age shock, the Neanderthal puzzle, & the sudden spread of farming. Dwarkesh Podcast, 08.05.2026 (Yt2026) (Transkript)
  3. Bading, Ingo: 200.000 Jahre Humanevolution. Manuskript 2007 (Resg2007)

Die bronzezeitlichen Griechen und die eisenzeitlichen Römer - Sie hatten den höchsten IQ

Jäger und Sammler-Völker bis 5.500 v. Ztr. hatten einen IQ von 82

Über die Evolution der menschlichen Intelligenz (IQ) (Wiki) in Europa in den letzten zehntausend Jahren entsprechend der Genomdaten der Archäogenetik hatten wir schon 2022 eine Forschungsstudie referiert (Stgen2022). 2024 ist zu diesem Thema eine neue Studie erschienen (1).

Abb. 1: Der Streitwagen - Das "Markenzeichen" - der Bronze- und Eisenzeit - Bronzemodell aus Göchebi (Dedoplistsqaro), Georgien, erste Hälfte des 1. Jahrtausends v. Ztr., Sighnaghi-Museum, Georgien (Wiki)

Der vorliegende Blogartikel wurde schon Anfang April 2024 verfaßt. Im Zuge der Erarbeitung des demnächst erscheinenden Folgeartikels, angeregt von dem jüngst veröffentlichten Interview mit dem Archäogenetiker David Reich (Yt2026) und basierend auf den darin vorgetragenen Forschungsergebnissen, fühlen wir uns ermutigt, zunächst diesen Blogartikel zu veröffentlichen, der schon vieles von dem vorweg nimmt, was nun auch der Mainstream-Wissenschaftler David Reich heraus gebracht hat. Daß David Reich im Großen und Ganzen zu denselben Ergebnissen kommt, zeigt, daß auch schon in der Studie von 2024 ordentlich gearbeitet worden ist. Hauptergebnis der Studie von 2024 (1):

Der Anstieg des Polygenic Score (der polygenetisch ausgelesenen Höhe) (PGS= "polygenic score") der Intelligenz betrug etwa 0,12 Standardabweichungen (SD) pro 1000 Jahre. Das bedeutet, daß der PGS für kognitive Fähigkeiten vor 10.000 Jahren etwa 1,2 SD niedriger war als heute.
The increase in cognitive PGSs was about 0.12 SDs per 1000 years, implying that 10,000 years ago the PGSs for cognitive abilities were about 1.2 SDs lower than they are today. 

Eine Standardabweichung entspricht 15 IQ-Punkten. Wenn der durchschnittliche IQ in Mitteleuropa heute bei 100 liegt, dann lag er vor 10.000 Jahren bei den Fischern, Jägern und Sammlern in Europa etwa bei 82, also ungefähr bei dem IQ der heutigen Schwarzafrikaner in Nordamerika (gnxp2006).

Ergänzung 2026: Damit ist die Theorie widerlegt, daß es die Eiszeit gewesen wäre, die den heutigen, vergleichsweise hohen, angeborenen IQ auf der Nordhalbkugel hervor gebracht hätte. Diese These war - soweit wir das überblicken - bislang die am ehesten für plausibel gehaltene unter traditionellen IQ-Forschern gewesen. Sie war zum Beispiel von dem ansonsten sehr schätzenswerten IQ-Forscher Richard Lynn vertreten worden (Wiki). Aber auch von vielen anderen. Hat sie nicht auch J. P. Rushton vertreten? Wie auch immer. Wir hatten immer schon Zweifel daran, denn dann hätten die Ureinwohner Amerikas, deren Vorfahren Jahrzehntausende in Sibirien gelebt hatten, und die von dort aus Amerika besiedelt haben, auch einen höheren IQ haben müssen. Mit dieser neuen Studie ist es nun bestätigt: Gar nichts hat sie in dieser Hinsicht hervor gebracht, die Eiszeit. Gar nichts.

(Dieses Ergebnis wird übrigens auch jene kleine Gruppe von Laienforschern bekümmern, die immer noch glauben, anhand moderner archäogenetischer und archäologischer Daten aufzeigen zu können, daß die Indogermanen in Nordeuropa in der Eiszeit entstanden wären und sich von dort aus ausgebreitet hätten. Tja, manche auf dürre Stelzen errichtete Kartenhäuser krachen irgendwann einmal dann auch wirklich zusammen. Aber das soll hier nicht unsere Sache sein.)  

Die anatolischen Bauern bringen einen höheren IQ mit

Im weiteren ist in der Studie von 2024 die Rede nicht nur vom IQ, sondern auch vom "Educational Attainment" (EA), also vom erreichten, bzw. vom am wahrscheinlichsten zu erreichenden Bildungsgrad, einer anderen, leicht abweichenden Meßgröße für IQ (1):

Die Abstammung von Jägern und Sammlern (insbesondere V2 oder WHG) war in den Regressionsmodellen (Ergänzungstabellen S1-S3) negativ mit EA3, EA4 und IQ assoziiert (...), was darauf hindeutet, daß der Anstieg in den kognitiven Fähigkeiten nicht allein durch die neolithische Revolution vorangetrieben wurde, sondern daß dieser teilweise durch die Vermischung mit den damit einhergehenden Einwanderern vermittelt wurde. Anatolische neolithische Bauern, die sich mit einheimischen Jägern und Sammlern vermischten, trugen zwischen etwa 40 % und 98 % zur neolithischen europäischen Abstammung bei (Chintalapatiet al., 2022).
Hunter-gatherer ancestry (particularly V2 or WHG) was negatively associated with EA3, EA4 and IQ in the regression models (Supplementary Tables S1−S3) even after accounting for Years BP (β = -0.314, -0.4, -0.249), suggesting that the increase in cognitive capacity was not solely driven by the Neolithic revolution but was partly mediated by admixture with the immigrants that accompanied it. Anatolian Neolithic farmers who intermixed with native HGs contributed between approximately 40% and 98% of Neolithic European ancestry (Chintalapatiet al., 2022). 

Kurz gesagt: Die anatolisch-neolithischen Bauern brachten einen höheren IQ mit nach Europa. Auch das ist nichts weniger als naheliegend, denn sie hatten arbeitsteilige Gesellschaften ausgebildet, in denen sicherlich auf höheren IQ selektiert worden ist.

Nachtrag 2026: Das läßt sich jetzt im Nachhinein natürlich leicht hier hin schreiben. Aber solange man es nicht sicher weiß, wäre diese Behauptung reine Spekulation und man würde dennoch weiter im Dunkeln tappen. Wie schön, daß man jetzt auch hier sicheren Boden unter den Füßen hat.

Und weiter (1):

Ein deutlicher „Sprung“ der Polygenic Scores für EA und IQ konnte auch beobachtet werden für den Übergang zwischen der Bronzezeit und der Eisenzeit, was auf eine Zeit der Selektion hindeutet, die anspruchsvolle kognitive Fähigkeiten begünstigte.
A significant ‘leap’ in the PGSs for EAand IQ was also observed between the Bronze Age and the Iron Age, hinting at a period of selection favoring sophisticated cognitive abilities.

Dieses Forschungsergebnis spielt nun in diesem Jahr 2026 auch für David Reich die aller größte Rolle (Yt2026) (siehe Folgeartikel).

Höchster IQ bei bronzezeitlichen Griechen und eisenzeitlichen Römern

Die bronzezeitlichen Griechen und die eisenzeitlichen Römer hatten den höchsten IQ (1):

Die bronzezeitlichen Griechen zeigten zwar durchschnittliche EA-Werte, zeigten aber die höchsten Werte im polygenetischen Wert (PGS) für IQ. Dieses Ergebnis kann schon abgelesen werden mit Hinblick auf die kulturellen Errungenschaften, die sie hervorgebracht haben und stimmt auch überein mit den früheren Schätzungen von Galton (Galton, 1869). Die ausgeprägte Diskrepanz zwischen dem PGS für EA und IQ bei den antiken Griechen macht auf die Notwendigkeit weiterer Forschung aufmerksam, um hier zu einem tieferen Verständnis zu gelangen.
The Bronze Age Greeks, while displaying average scores on EA, manifested the highest scores in IQ PGS. This result was predicted based on their renowned cultural accomplishments and is in agreement with the historical estimates by Galton (Galton,1869). The marked disparity between the EA and IQ PGS among ancient Greeks merits additional research for a deeper understanding. 

Spannend, daß schon Galton diese Annahme gemacht hat. Spannend noch mehr, daß die antiken Griechen diesen höchsten IQ schon in der Bronzezeit, nicht erst in der klassischen Antike hevor gebracht haben. Und weiter (1):

Menschen im Italien der Eisenzeit und des Mittelalters zeigten die höchsten Werte. Dies untermauert die Schlußfolgerungen unserer früheren Studie (Piffer et al., 2023), die darauf hinwies, daß Europas PGSs während der republikanischen Ära in Mittelitalien ihren Höhepunkt erreichten. Indem wir darüber hinaus Menschenfunde aus dem Bereich der Etrusker (N = 48) in unseren italienischen Datensatz aus der Eisenzeit mit einbezogen, die laut Posth et al. (2021) mit den Römern der republikanischen Zeit genetisch verwandt waren, wurden diese Ergebnisse weiter untermauert.
Samples from Iron Age and Medieval Italy showed the highest scores. This reinforces the conclusions of our recent study (Piffer et al., 2023), which indicated that Europe’s PGSs reached their zenith in central Italy during the Republican era. Additionally, incorporating a new Etruscan sample (N = 48), genetically akin to the Republican Romans as per Posth et al. (2021), into our Iron Age Italian dataset, further corroborates these results.

Soweit hatten wir wichtige Ergebnisse dieser Studie aus dem Jahr 2024 ausgewertet. Dasselbe behandelt Davide Piffer immer wieder auf seinem Blog (siehe etwa 2). Ein Abonnement hat er sicherlich verdient, jetzt, nachdem er von der Mainstream-Wissenschaft so deutlich bestätigt wurde, um so mehr.

Aber der vorliegende Blogartikel dient wie gesagt nur zur Vorbereitung auf den Folgeartikel, der auf Forschungen und Erörterungen beruht, die in den letzten Wochen öffentlich wurden (3, 4).

Ergänzung, 29.5.26: Jetzt ist es so weit: Ein Jahresabonnement bei Davide Piffer ist abgeschlossen (DavidePiffer). Denn der Mann ist unwahrscheinlich fleißig und ständig testet er neue Theorien anhand archäogenetischer Daten. Da kommt man kaum hinterher.

/ Entwurf: 5.4.24 /

__________

  1. Davide Piffer, Emil O. W. Kirkegaard: Evolutionary Trends of Polygenic Scores in European Populations From the Paleolithic to Modern Times. In: Twin Research and Human Genetics, March 2024, DOI: 10.1017/thg.2024.8 (Resg)
  2. Piffer, Davide: Does Ancient DNA Track Human Progress, or Just Time? 14.4.2026 (DavidePiffer2026)
  3. Akbari A, Perry A, Barton AR, Kariminejad M, Gazal S, Li Z, Zeng Y, Mittnik A, Patterson N, Mah M, Zhou X, Price AL, Lander ES, Pinhasi R, Rohland N, Mallick S, Reich D (2026) Ancient DNA reveals pervasive directional selection across West Eurasia. Nature, 21.4.2026 (Nature2026)
  4. Dwarkesh Patel: David Reich - Bronze Age shock, the Neanderthal puzzle, & the sudden spread of farming. Dwarkesh Podcast, 08.05.2026 (Yt2026) (Transkript)

Sonntag, 12. November 2023

Wir sind unsere Herkunftsgruppen-Zusammensetzung

Der Steppengenetik-Anteil in Nordeuropa verursacht bis heute die dort vorherrschende große Körperhöhe

Über eine neue archäogenetische Studie von der dänischen Forschungsgruppe rund um Eske Willerslev (1) haben wir gerade in der Facebook-Gruppe "Alte DNS (Archäogenetik)" das folgende festgehalten (Fb):

In dieser neuen Studie werden heutige (poly)genetisch bestimmte Eigenschaften jeweils daraufhin untersucht, auf welche Herkunftsgruppe sie zurück zu führen sind und welches selektive Schicksal sie in der jeweiligen Herkunftsgruppe über die Jahrtausende hinweg hatten. Die unterschiedliche Körpergröße in Nord- und Südeuropa wird z.B. klar auf die Steppengenetik zurück geführt, ebenso die Neigung zu Depression in Südeuropa auf die anatolischen Bauern und so noch anderes mehr. Zur hellen Hautfarbe heißte es da:

Die Herkunft der anatolisch-neolithischen Bauern weist die frühesten Hinweise auf Selektion in Richtung hellerer Hautfabe auf, gefolgt von den Herkunftsgruppen der osteuropäischen und der westeuropäischen Jäger und Sammler ab etwa 8.000 v. Ztr., es folgt die Herkunftsgruppe der kaukasischen Jäger und Sammler ab etwa 6.000 v.Ztr.. In allen Herkunftsgruppen-Anteilen außer demjenigen der westeuropäischen Jäger und Sammler sind die selektierten Haplotypen über die gesamte Population verbreitet ab etwa 1.000 v. Ztr., während die Mehrheit der ursprünglichen Hautfarbenmerkmale heute immer noch im Herkunftsanteil der westeuropäischen Jäger und Sammler vorliegt.
The ANA ancestry background shows the earliest evidence for selection, followed by EHG and WHG around c. 10,000 years ago, and CHG c. 2,000 years later. In all ancestry backgrounds except WHG, the selected haplotypes reach near fixation by c. 3,000 years ago, whilst the WHG haplotype background contains the majority of ancestral alleles still segregating in present-day Europeans. 

Wenn ich die Studie recht verstehe (aber da bin ich mir noch nicht sicher), bleiben bestimmte Selektionsregime in Herkunftsgruppen ERHALTEN auch NACH der Vermischung mit anderen Herkunftsgruppen. Und das darf man schon einigermaßen auffallend finden. Warum sonst noch HEUTE im WHG-Herkunftsanteil dieses "Archaische"? Hätte es nicht zwischenzeitlich genug Zeit geben sollen, um das seit den vielfältigen Vermischungen des Mittel- und Spätneolithikums heraus zu selektieren? Dafür wären immerhin 5000 Jahre Zeit gewesen. Das ist doch auffällig, daß sich solche archaischen Selektionsregime in uns erhalten. Womöglich ein Hinweis darauf, daß sie auch Vorteile mit sich bringen?

Soweit heute auf Facebook. Aber das gab mir Anregung, den in Vorbereitung befindlichen Blogartikel dazu nun einmal vorläufig fertig zu stellen und zu veröffentlichen. Es wäre also zu schlußfolgern: Die heutige Verteilung angeborener Merkmale bei den Menschen Europas ist entweder die Folge von Selektion in den letzten Jahrtausenden und Jahrhunderten vor Ort unabhängig davon, welche Herkunftsgruppen-Zusammensetzung jeweils vor Ort vorliegt oder sie ist die Folge von anteilsmäßig weiter fortbestehenden Merkmalsverteilungen wie sie schon in den Urvölkern Europas am Anfang oder Ende des Neolithikums vorgelegen haben und verhalten sich entsprechend des jeweiligen Anteils derselben und - womöglich sogar - entsprechend der schon vor der Vermischung vorliegenden Selektionsregime innerhalb derselben. Wirklich? Ist das so? Letzteres wäre schon sehr erstaunlich und wollen wir deshalb hier erst einmal nur als Frage formulieren.

Abb. 1: Der Steppengenetik-Anteil (5. Reihe von oben, dunkelbraun) ist heute in Irland höher als im östlichen England, er ist höher in Nordosteuropa als in Südwesteuropa - Der westeuropäische Jäger-Sammler-Anteil (1. Reihe, hellbraun) ist heute im Baltikum am höchsten, der osteuropäische Jäger-Sammler-Anteil (2. Reihe, blau) ist heute in der Mongolei (!) am höchsten, der Kaukasus-Jäger-Sammler-Anteil (3. Reihe, rosa) ist heute in Indien und Pakistan am höchsten, der anatolische Bauern-Anteil (4. Reihe, grün) ist heute in Nordafrika am höchsten (aus 1)

Zunächst einmal stellt die Studie fest (s. Abb. 1): Am meisten westeuropäische Jäger-Sammler-Genetik hat bis heute überlebt im Baltikum (Litauen, Lettland, Estland), sowie allgemein in Osteuropa einschließlich von Polen und der Ukraine. Am meisten osteuropäische Jäger-Sammler-Genetik hat nach dieser Studie überraschenderweise überlebt in der Mongolei (!), sowie (wie es zu erwarten war) in Rußland, Kasachstan und - überraschenderweise - Indien. Kaukasische Jäger-Sammler-Genetik hat am meisten überlebt - das wußten wir schon: in Pakistan und Indien. Die anatolisch-neolithische Genetik hat am meisten überlebt in Nordafrika und Südeuropa. Die Steppen-Herkunft hat am meisten überlebt in Nordeuropa. Und die Forscher finden Hinweise auf ihre Ausbreitung nach Südasien (also Indien).*)

Behalten Herkunftsgruppen-Anteile auch nach ihrer Vermischung die ihnen innewohnenden Selektionsregime bei?

Schon letztes Jahr war zu dem Thema des Beitrages einzelner Herkunftsgruppen zu heutigen genetisch bestimmten Eigenschaften der Menschen eine humangenetische Studie aus Estland erschienen (Stgen2020). Nun zieht also die Forschungsgruppe um Eske Willerslev in Dänemark nach mit einer noch deutlich umfangreicheren und tiefergehenden Studie zum Thema (1):

Durch das Auslesen Herkunfts-spezifischer polygener Risiko-Abschätzungen können wir zeigen, daß Unterschiede in der Körpergröße zwischen Nord- und Südeuropa in Verbindung stehen mit jeweils unterschiedlichen Anteilen von Steppen-Herkunft, und daß sie nicht auf (Individual-)Selektion beruhen, und daß Risiko-Allele für stimmungsbezogene Phänotypen (Depression) in der Herkunftsgruppe der neolithischen Bauern-Herkunft angereichert sind, während Risikoallele für Diabetes und Alzheimer angereichert vorliegen in Herkunftsanteilen von den westeuropäischen Jägern und Sammlern. Unsere Ergebnisse legen nahe, daß Selektion in der Vorgeschichte ("ancient selection") und demographische Ausbreitung wesentlich zur Verteilung der phänotypischen Vielfalt bei den heutigen Europäern beigetragen haben.
By calculating ancestry-specific polygenic risk scores, we show that height differences between Northern and Southern Europe are associated with differential Steppe ancestry, rather than selection, and that risk alleles for mood-related phenotypes are enriched for Neolithic farmer ancestry, while risk alleles for diabetes and Alzheimer’s disease are enriched for Western Hunter-gatherer ancestry. Our results suggest that ancient selection and migration were major contributors to the distribution of phenotypic diversity in present-day Europeans.

Und bei der Übersetzung dieses Textes haben wir schon eine sich in unserem Hinterkopf herausschälende Forschungsthese mit formuliert. Wir haben nämlich an einer Stelle den Begriff "Selektion" mit "(Individual-)Selektion" übersetzt. 

Denn ist es nicht auch denkbar, daß es Selektion in Richtung ganzer Merkmals-Sets gegeben hat, die in Verbindung stehen mit einer bestimmten Herkunftsgruppe? So könnten ja Menschen mit einem größeren Anteil anatolisch-neolithischer Herkunft andere Heiratswahl-Präferenzen gehabt haben und haben als Menschen mit einem größeren Anteil Steppen-Herkunft. 

Das heißt, es könnte Selektion stattgefunden haben zugunsten oder zuungunsten ganzer Herkunftsgruppen-Anteile. Und man möchte ja für eine solche Möglichkeit fast den Begriff "Gruppen-Selektion" verwenden oder genauer: Herkunftsgruppen-Selektion.

So sehen wir bei der Ethnogenese der mitteleuropäischen Völker des Mittelneolithikums (ab 4.900 v. Ztr.), daß in diesen Gruppen-Selektion in Richtung eines höheren Anteils westeuropäischer Jäger-Sammler-Herkunft stattgefunden hat. Diese betrug im Frühneolithikum in Mitteleuropa nur 7 % und im Mittelneolithikum dann etwa 15 % oder mehr. 

Und wir sehen in der Zeit nach der Einmischung der Steppengenetik in Europa (ab 3.000 v. Ztr.), daß der Anteil der Steppengenetik kontinuierlich über die Jahrhunderte hinweg sinkt. So nicht nur in Nordeuropa, sondern auch im bronzezeitlichen und antiken Griechenland (ab 2.200 v. Ztr.), so auch im bronzezeitlichen Armenien (ab 2.200 v. Ztr.) (siehe frühere Beiträge hier auf dem Blog). 

Hier hat also Jahrhunderte lang Selektion zuungunsten des Steppen-Genetik-Anteils stattgefunden - was im übrigen die antiken Griechen nicht daran hinderte - vermutlich sogar darin beförderte und beflügelte (in einer Art Kontrastwertung) - den Inbegriff aller indogermanischen Kulturen auszubilden und in Religion, Dichtung und Kunst einem Schönheitsideal nachzustreben (etwa blonde Haarfarbe), das in der alltäglichen Wirklichkeit noch seltener verwirklicht war als etwa heute auf Sardinien!!! (Siehe frühere Beiträge hier auf dem Blog.)

Interessanter- und überraschenderweise findet die Studie außerdem, daß der Anteil der Steppengenetik innerhalb der britischen Inseln heute am höchsten in Irland und im westlichen Schottland vorliegt (s. Abb. 1). Dazu heißt es (1):

Dieses regionale Muster bestand bereits in der vorrömischen Eisenzeit und blieb bis heute bestehen, obwohl die einwandernden Angelsachsen vergleichsweise weniger genetische Nähe zu neolithischen Bauern hatten als die eisenzeitlichen Individuen im Südwesten Britanniens.
This regional pattern was already evident in the Pre-Roman Iron Age and persists to the present day even though immigrating Anglo-Saxons had relatively less affinities to Neolithic farmers than the Iron-Age individuals of southwest Briton. 

Sprich: Sie hatten einen höheren Anteil Steppengenetik! 

Obwohl diese Dichotomie zwischen neolithischen Bauern und Steppenbewohnern die moderne ethnische Kluft zwischen Angelsachsen und Kelten widerspiegelt, sind ihre Ursprünge älter und sind das Ergebnis der kontinuierlichen Abwanderung einer kontinentalen Bevölkerung, die relativ reich an neolithischen Bauernvorfahren war und die bereits in der Späten Bronzezeit begann.
Although this Neolithic farmer/Steppe-related dichotomy mirrors the modern ‘Anglo-Saxon’/‘Celtic’ ethnic divide, its origins are older, resulting from continuous migration from a continental population relatively enriched in Neolithic farmer ancestries, starting as early as the Late Bronze Age.

Rekapitulieren wir noch einmal: Seit 2.300 v. Ztr. kamen Indogermanen mit der Glockenbecher-Kultur auf die britischen Inseln und mit ihnen Steppengenetik. Wenn wir es recht verstehen, hatten diese ersten Indogermanen, die die britischen Inseln besiedelten, einen höheren Steppengenetik-Anteil. Die vorherige mittelneolithische Bevölkerung starb in sehr großem Umfang aus.

Im östlichen England wurde dieser vergleichsweise hohe Steppengenetik-Anteil dann aber niedriger durch die Zuwanderung keltischer Stämme vom nördlichen Frankreich und Belgien aus in das östliche England hinein ab der Spätbronzezeit. Die genetischen Auswirkungen dieser Zuwanderung konnten durch die spätere Zuwanderung der Angelsachsen nicht mehr verwischt werden (!). Somit würde die ethnische Grenze zwischen Angelsachsen einerseits und Kelten andererseits auf die Späte Bronzezeit und die damalige Zuwanderung keltischer Stämme zurück gehen. Quasi ein "counter-intuitives" Ergebnis.

Die Studie kommt außerdem zu dem Ergebnis, daß Erwachsenen-Rohmilchverdauung bei den osteuropäischen und kaukasischen Jägern und Sammlern schon sehr früh positiv selektiert worden sei, ebenso die Anpassung an einen eher vegetarischen als fleisch-essenden Lebensstil (1). Vermutlich kann man noch viele weitere spannende Details in dieser Studie finden. Wir wollten zunächst einmal nur einiges uns wesentlich Erscheinende heraus greifen.

Die Ethnogenese der europäischen Völker übersichtlich dargestellt

Im übrigen findet sich in der Studie eine ganz gute Grafik, in der man die wesentlichsten Vermischungsereignisse bei der Ethnogenese der heutigen europäischen Völker seit dem Mesolithikum recht übersichtlich dargestellt findet (s. Abb. 2). 

Abb. 2: Vermischungsereignisse seit 10.000 Jahren, die zur Ethnogenese der heutigen europäischen Völker führten

Die Grafik ist chronologisch von oben nach unten zu lesen, bzw. von der Gegenwart rückwärts dementsprechend von unten nach oben. Wir sehen als die wesentlichsten Herkunftsgruppen der Europäer die ost- und westeuropäischen Jäger und Sammler (EHG und WHG), sowie die kaukasischen und anatolischen Jäger und Sammler (CHG, Anatolian).

Von diesen allen gehen die anatolischen und kaukasischen Jäger und Sammler als erste zum Ackerbau über. Erstere breiten sich im Neolithikum über den ganzen Mittelmeerraum und bis nach Skandinavien aus.**)

Bei der Ethnogenese der europäischen Völker des Mittelneolithikums ab 4.900 v. Ztr. kommt es dabei zur Vermischung der Menschen anatolischer Herkunft zu grob einem Viertel mit den in Europa schon zuvor einheimischen westeuropäischen Jägern und Sammlern. Ergebnis sind die Völker des Mittelneolithikums ("Neo").

Etwa zweihundert Jahre später kommt es an der Mittleren Wolga ab 4.700 v. Ztr. zur Vermischung von Menschen der kaukasisch-iranischen Völkergruppe (CHG) mit Menschen der osteuropäischen Jäger und Sammler. Ergebnis ist das Urvolk der Indogermanen ("Yam", abgeleitet von der späteren Kultur der Jamnaja).

Schon ab 4.500 v. Ztr. breiten sich diese Indogermanen in einer ersten Welle bis an die ungarische Donau, bis an die Südhänge des Kaukasus und bis an die Nordgrenze Chinas aus (hier nicht dargestellt). 

Ab 3000 v. Ztr. breiten sich diese Indogermanen in einer zweiten Welle über ganz Europa aus und vermischen sich in nachfolgenden Generationen mit den dort einheimischen Menschen ("Bronze age"). Damit ist die Ethnogenese der europäischen Völkergruppen (Germanen, Kelten, Romanen etc.) im wesentlichen abgeschlossen. Bis heute ist es dann nur noch zu deutlich geringeren Verschiebungen in den jeweiligen Anteilen der Herkunftsgruppen gekommen, etwa durch die Völkerwanderung ab 375 v. Ztr. und andere Ereignisse (hier gar nicht dargestellt).

Donnerstag, 19. Mai 2022

Die rasante Zunahme unserer Intelligenz .... damals ......

Intelligenz-Evolution in Europa seit 40.000 Jahren
- Der höhere IQ kam mit dem Ackerbau 
- Der Ackerbau brachte überhaupt eine "allgemeine Beschleunigung des evolutionären Prozesses" beim Menschen
- "Mammutjäger in der Metro?" - Von wegen!

Die kulturelle und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit einer Gesellschaft beruht sehr stark auf ihrer durchschnittlichen angeborenen Intelligenzbegabung. Haben intelligente Eltern viele Kinder, wächst die Leistungsfähigkeit der Gesellschaft an, haben sie wenige Kinder, sinkt sie. Nach neuesten Forschungen hat es zwei Zeitpunkte in der europäischen Geschichte gegeben, in denen die durchschnittliche angeborene Intelligenzbegabung deutlich angestiegen ist:

  1. mit Einführung des Ackerbaus ab 5.700 v. Ztr. 
  2. mit der Entwicklung städtischer Zentren, zeitlich versetzt seit der Eisenzeit, bzw. dem Frühmittelalter. 

Im heutigen Anatolien liegt der durchschnittliche angeborene IQ bei etwa 90 (GNXP). Dieser könnte sich herausgebildet haben infolge des Aussterbens der Intelligenz-Eliten am Ende der Spätantike.  

Abb.: 1: IQ-Steigerung in Europa seit 6.000 v. Ztr., abgelesen an jeweils hundert bis 500 Genomen (aus 1)

Ob sich dieser durchschnittliche IQ in Anatolien in der Geschichte also schon immer auf derselben Höhe bewegt hat, ob die Geschichte der Völkerausbreitungen und des Aussterbens von Völkern, bzw. von Intelligenz-Eliten hier jeweils Veränderungen mit sich gebracht hat, ist noch nicht geklärt. Dasselbe gilt auf feinerer Ebene auch für Europa.

Und bisherige Versuche, aus den archäogenetischen Daten die Intelligenz der Menschen der letzten zehntausend Jahre in Europa abzulesen, waren - soweit wir das übersehen konnten - ebenfalls noch wenig fundiert.

Dieser Umstand hat sich gerade - am 28. März 2022 - geändert (1). Denn da ist eine erste Studie für Europa erschienen. Also noch nicht für Anatolien, nicht für einen Kernraum der frühen Hoch- und Schriftkulturen. Schrift- und Hochkultur wurde Europa ja erst später. 

Aber womöglich enthält dieser neue Versuch einer Gruppe von zehn Forschern, die an Instituten in Hannover, Bonn, den Niederlanden und Spanien arbeiten, schon gültige Ergebnisse (1). Unter den zehn beteiligten Forschern finden sich neben einem Deutschen drei Niederländer, zwei Chinesen, sowie ein oder mehrere Spanier. 

Pro Zeitepoche haben diese Forscher 100 bis 500 Genome ausgewertet aus einer Region grob zwischen dem heutigen England und Ungarn (s. 1; Figure 1). Ihre Forschungen beruhen damit auf einem Datenbestand, der heute schon nicht mehr aktuell ist, da inzwischen viel mehr archäogenetisch gewonnene Genomdaten zur Verfügung stehen (2). Es handelt sich um Genomdaten für folgende Zeitepochen:

  • "vor dem Neolithikum" (27 Genome),
  • "Mesolithikum" (95 Genome),
  • "Neolithikum" (247 Genome),
  • "nach dem Neolithikum" (458 Genome), 
  • "Jetztzeit" (250 Genome). 

"Nach dem Neolithikum" dürfte hier insbesondere die Bronzezeit bedeuten, auf der bisher der Schwerpunkt der archäogenetischen Forschung beruhte. Aber auch schon allerhand eisenzeitliche Genome könnten mit eingeflossen sein.***) Aus diesen Genomen nun wurde die polygenetisch erfaßbare, angeborene IQ-Leistung herausgelesen. 

Kurze Einfügung und Erläuterung: Polygenetisch heißt, daß es - wie wir heute wissen - nicht ein Haupt-Gen oder wenige Haupt-Gene für Intelligenz oder andere Eigenschaften gibt (vormals "Master-Gene" genannt), sondern daß wir seit 2018 wissen, daß viele 100.000e "Small-Effect"-SNP's im Genom gemeinsam zur jeweils angeborenen Intelligenz beitragen. Deshalb müssen sie auch alle gemeinsam zu einer Einschätzung der angeborenen Intelligenz ausgewertet werden. Und das war erst möglich geworden aufgrund der Beschleunigung der modernen Sequenzierungstechniken und aufgrund von Computerprogrammen, die die dabei gewonnenen großen Datenmengen auswerten und in Bezug zueinander setzen können. - Dieser Umstand der polygenetischen Verschaltung von Eigenschaften über hunderttausende von Small-Effect-SNP's über das gesamte Genom hinweg gilt nicht nur für die Intelligenz, sondern für die meisten angeborenen Eigenschaften des Menschen. Diese überraschende Erkenntnis ist erst vor vier Jahren gewonnen worden. 2018 nämlich hat sie der Öffentlichkeit erstmals der US-amerikanische Intelligenz-Genetiker Robert Plomin in seinem Buch "Blueprint" bekannt gemacht. Wir berichteten darüber (Stgen2018).*)


"Beschleunigung des evolutionären Prozesses" - Durch Ackerbau und Stadtkultur

Die grundlegende Erkenntnis dieser neuen Studie ist nun, daß sich die genetische Evolution angeborener Eigenschaften beim Menschen durch die Einführung von Ackerbau und Stadtkultur beschleunigt hat (1):

Nur wenige (genetische) Veränderungen konnten für die Zeit zwischen dem Frühen Jungpaläolithikum und dem Neolithikum festgestellt werden. Stattdessen eine allgemeine Beschleunigung des evolutionären Prozesses danach.
Few changes are seen between the Early Upper Paleolithic until the Neolithic period, with a general acceleration of the evolutionary processes thereafter.

Auf eine so dezidiert ausgesprochene Idee ist - unseres Wissens nach - bislang noch kein Genetiker und Evolutionsforscher gekommen. In der wissenschaftlichen Generation von Konrad Lorenz, in derem geistigen Horizont sich der Autor dieser Zeilen noch in seiner Studenten-Zeit bewegte, ist der Mensch noch als ein (genetischer) "Eiszeitjäger in der Metro" charakterisiert worden, der mit seiner archaischen Verhaltensgenetik der modernen Welt unangepaßt gegenüber stünde. Da man geglaubt hat, daß die Zeit seit der Eiszeit viel zu kurz gewesen sei, als daß der Mensch in dieser Zeit noch umfangreiche genetische Neuanpassungen hätte evolvieren können.

Diese Annahme ändert sich etwa seit dem Jahr 2000 rapide, also seit der vollständigen Sequenzierung des menschlichen Genoms. Es schält sich immer mehr die Erkenntnis heraus, daß es tatsächlich auch noch nach der Einführung des Ackerbaus weltweit nicht unbeträchtliche "lokale" und "jüngste" Humanevolution" gegeben hat. Darüber ist in den Jahren um 2005 herum viel geschrieben und nachgedacht worden, in jenem Jahr, in dem auch der Aufsatz "Natural History of Ashkenazi Intelligence" erschienen ist, der erstmals die Möglichkeit einer schnellen Evolution von Intelligenz zur Grundlage weiterer Hypothesenbildungen machte. 

Von diesem Gedanken war auch ein Buch-Entwurf (Themengliederung mit Literaturliste) geleitet, den der Autor dieser Zeilen einmal 2007 zusammen gestellt hat (Res.gate). Aus diesem Gedanken leitet sich auch die Erkenntnis ab, daß die "lokalen", kontinentalen und innerkontinentalen Herkunftsgruppen weltweit im gesamten vererbbaren Merkmalsspektrum sich deutlich stärker voneinander unterscheiden als das aufgrund des ideologisch beeinflußten, einstigen "Fehlschlusses" des US-amerikanischen Genetikers Richard Lewontin der 1960er Jahre über viele Jahrzehnte hinweg angenommen worden war.**)

Wenn wir nun lesen, daß es eine "allgemeine Beschleunigung des evolutionären Prozesses" seit Einführung des Ackerbaus gegeben hat, so ist das noch einmal eine Bestätigung und Bestärkung dieses Gedankens und Kenntnisstandes.

Immunsystem

Dieser Umstand gilt allerdings zunächst nicht für die Genetik des Immunsystems, die sich nämlich auch schon während der Eiszeit ähnlich stark verändert hat wie danach. Damit ist auch aufgezeigt, daß die beobachtete evolutionäre Statis anderer Genombereiche während der Eiszeit nicht auf der geringen Zahl der bislang ausgewerteten vor-neolithischen Genome beruhen wird (nämlich nur 27). So die Forscher.

Körpergröße

Die Körpergröße hat sich über die Zeitepochen hinweg - auch seit Beginn des Neolithikums - auf der genetischen Ebene ebenfalls nicht deutlich verändert in Europa (1). 

Es war schon in früheren Studien festgestellt worden, daß die an den Skeletten erkennbare kleinere Körpergröße der ersten Ackerbauern in Europa (der Bandkeramiker) nicht genetisch bedingt war, sondern durch Umweltbedingungen hervorgerufen worden sein muß. Das stellt auch diese Studie erneut fest.

An dieser Stelle möchten wir als zusätzliche Überlegung anheim stellen, daß Jahrzehnte lange Forschungen der Physischen Anthropologie zur "säkularen Akzeleration", zur Zunahme der Körpergröße in Europa aufgrund des früheren Eintritts in die Pubertät, auch nahe legen, daß unterschiedliche Formen der gesellschaftlichen Sozialdisziplinierung eine unterschiedliche Körpergröße mit sich bringen könnte aufgrund des verzögerten oder beschleunigten Einritts der Pubertät. Wir sehen dementsprechend auch eine Zunahme der Körpergröße in Europa seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Ähnliches ist in asiatischen Ländern zu beobachten während des 20. Jahrhunderts (Südkorea, China). Solche Überlegungen würden nahelegen, daß die bandkeramische Kultur Mitteleuropas, die ersten Bauern dieses Raumes - ähnlich wie die europäischen Bevölkerungen der Frühen Neuzeit - eine hohe Sozialdisziplinierung aufgewiesen haben, der einen späten Eintritt in die Pubertät mit sich brachte und dementsprechend ein kürzeres Wachstumsintervall danach.

Dieser Umstand der sehr großen Sozialdisziplinierung findet sich auch in vielen anderen Aspekten der bandkeramischen Kultur wieder, die demographisch und von ihrer Siedlungsdichte her viel fortgeschrittener war als die meisten europäischen, vormittelalterlichen archäologischen Kulturen nach ihr (Stgen2007).

Die Forscher selbst argumentieren aber - wie zumeist diesbezüglich in der Wissenschaft derzeit - mit unterschiedlicher Ernährung. Wie auch immer.

Hautfarbe

Weiter: Die Hautfarbe war vor dem Neolithikum in Europa dunkel, so die Studie (1).

Die helle Hautfarbe kam mit den Bauern anatolischer Herkunft nach Europa. Das ist übrigens zunächst wiederum - eigentlich - ein merkwürdiger und auffallender Umstand. Denn die helle Hautfarbe soll ja - nach bisherigen Annahmen in der Forschung - in den nördlichen Breitengraden evolviert sein - als Anpassung an die dortige geringe Sonneneinstrahlung und den dadurch hervorgerufenen Vitamin D-Mangel. Wie aber konnten dann die Menschen die ganze Eiszeit hindurch - also mehrere zehntausend Jahre - in Europa mit dunkler Hautfarbe leben?

Die Genome mesolithische Jäger und Sammler des heutigen Rußland sind in diese neue Studie nur vereinzelt eingeflossen (s. 1; Figure 1). Im heutigen Rußland und Sibirien ist ja schon nach früheren Studien sehr viel früher helle Haut- und Haar-Pigmentierung aufgetreten (bei den "osteuropäischen Jägern und Sammlern", sowie bei den aus diesen hervorgegangenen Indogermanen und ihrer "Steppengenetik") (Studgen2017). 

Die allgemeine Aussage der neuen Studie gilt also nur für West- und Mitteleuropa und für die dunkle Hautpigmentierung der dortigen "westeuropäischen Jäger und Sammler".

Depression

Nach der neuen Studie hätte es also nun "im Groben" in Europa seit der Einführung des Ackerbaus einen stetigen Anstieg in der durchschnittlichen angeborenen Intelligenz gegeben (s. Abb 1 und 2) (1).

Abb. 2: Intelligenz-Entwicklung in Europa in den letzten 50.000 Jahren abgelesen aus mehren hundert archäogenetisch ausgewerteten Skeletten (aus: 1)

Zeitgleich wäre die Häufigkeit der angeborenen Neigung zu Depression in Europa zurück gegangen (siehe diesbezügliche Grafik in der Studie selbst). 

Dieser Umstand ergibt sich daraus, daß sich in Europa - insbesondere nach dem Untergang der Bandkeramik - individualistische Kulturen ausgebreitet haben, in denen eine angeborene Neigung zu Depression schnell mit Fortpflanzungsnachteilen einhergehen konnte. Die genetische Neigung zu Depression war also hier selektiv nachteilig. 

In Asien hingegen gibt es noch heute viel häufiger angeborene Neigung zu Depression. Und es scheint, als ob diese Häufigkeit den Fortbestand der "kollektiven Kultur" in Asien stabilisiert. Denn diese wird benötigt - als mehr bewußte oder mehr unbewußte Reaktion - zur Vermeidung von häufiger Depression in diesen Gesellschaften, die sich sonst - aufgrund der genetischen Anlagen - ausbilden würden. (So ist es von Verhaltens- und Populationsgenetikern in einer Studie schon vor mehr als 15 Jahren erklärt worden.).

Intelligenz

Auf der zweiten Grafik (hier Abb. 2) wird die Intelligenz-Entwicklung in Europa über den Zeitraum der letzten 50.000 Jahre aufgetragen. Hierbei kommt uns der Gedanke, daß es ja spannend sein könnte herauszubekommen, welcher IQ dem Neandertaler zuzuschreiben wäre, der bis vor 40.000 Jahren in Europa lebte, und dessen Genom doch auch schon vollständig sequenziert worden ist. Da müßte doch inzwischen auch eine Einschätzung möglich geworden sein, ein Vergleich, eine Einordnung. 

Jedenfalls: In den letzten 50.000 Jahren ist zunächst sogar ein leichter Abwärtstrend oder eine Stagnation bezüglich des IQ festzustellen. Seit der Einführung des Ackerbaus geht es aufwärts. Aber um wie viele IQ-Punkte hätten sich die Europäer in den letzten 7000 Jahren verbessert? Man könnte grob vermuten, von einem IQ von 85 oder 90 auf einen IQ von 100. Zwischen Neolithischer Revolution und Spätbronzezeit hätte dieser Anstieg aber eher stagniert. Der Hauptanstieg wäre durch die anatolischen Bauern in Europa herein gebracht worden, nicht durch die Indogermanen. Letztere haben ihn aber auch nicht wieder verschlechtert. 

Der IQ der letzteren wird entstanden sein während der Ethnogenese der Indogermanen selbst (oder später), wobei es zu einer Vermischung von mesolithisch lebenden osteuropäischen Jägern und Sammlern mit Bauern iranisch-neolithischer Herkunft gekommen war (wie oft hier auf dem Blog behandelt worden ist).

Die Forscher schreiben (1):

"Die signifikantesten Unterschiede können beobachtet werden, wenn man die vor-neolithischen und die neolithischen Gruppen miteinander vergleicht, ebenso wenn man die nach-neolithischen und die modernen Gruppen miteinander vergleicht, während der Zeitraum zwischen Neolithikum und Nach-Neolithikum eine ziemlich konstante Verteilung der polygenetischen Intelligenz-Einschätzungen zeigt."
"The most significant differences can be observed comparing the pre-Neolithic and Neolithic groups, as well as the post-Neolithic and modern groups, whereas the period between the Neolithic and post-Neolithic shows a very constant distribution of PRS scores." 

Wenn man es recht versteht, hat sich der IQ also mit Einführung des Ackerbaus und seit der Eisenzeit in Europa jeweils deutlich verbessert - aber nicht jeweils vorher. Und das würde auch heißen, daß der IQ der anatolisch-neolithischen Herkunftsgruppe sich schon während ihrer Ethnogenese in Nordwest-Anatolien, bzw. in der Ägäis und in Griechenland zu dem ausgebildet haben wird als den er sich dann mit den sich demographisch ausbreitenden ersten Bauern in Europa zeigt.

Die neuen Daten haben eine Reihe von Implikationen auch für unsere indogermanischen Vorfahren in der Bronzezeit. Wenn ein PRS ("polygenic risk score") von 0,2 gleichzusetzen wäre mit einem IQ von 100 (heute in Mitteleuropa vorliegt), stellt sich die Frage, was die PRS-Werte von 0 und -0,2 in Abbildung 1 bedeuten. Da gäbe es mehrere Möglichkeiten. Die IQ-Unterschiede zwischen den Epochen könnten 4 IQ-Punkte (A), 7,5 IQ-Punkte (B), 10-IQ-Punkte (C) oder 15 IQ-Punkte (D) betragen:

Möglichkeit A

PRS 0 = IQ 96 (Frühe Bauern / Indogermanen)

PRS -0,2 = IQ 90 (Mesolithiker)

Möglichkeit B

PRS 0 = IQ 92,5 (Frühe Bauern / Indogermanen)

PRS -0,2 = IQ 85 (Mesolithiker)

Möglichkeit C

PRS 0 = IQ 90 (Frühe Bauern / Indogermanen)

PRS -0,2 = IQ 80 (Mesolithiker)

Möglichkeit D

PRS 0 = IQ 85 (Frühe Bauern / Indogermanen)

PRS -0,2 = IQ 70 (Mesolithiker)

Der Autor dieser Zeilen weiß es schlicht nicht. Und er hofft auf Antwort diesbezüglich in den Kommentaren bei Emil Kirkegaard (2).

Hier auf dem Blog waren wir bislang auch schon davon ausgegangen, daß sich ein höherer IQ mit einer jeweiligen Herkunftsgruppe ausbreiten könnte - auch schon in der Vorgeschichte. Bezüglich der anatolisch-neolithischen Herkunftsgruppe hat sich diese Annahme mit dieser Studie voll bestätigt.

Wenn Europäer schon während der Bronzezeit außerhalb von Europa auftreten (z.B. in Afrika), scheint der von ihnen mit gebrachte IQ - nach dieser Studie (1) - aber eher unabhängig davon zu sein, ob er eher von der anatolisch-neolithischen Herkunftsgruppe her stammt oder von der indoeuropäischen Steppengenetik her. Letzteres wäre eine neue Erkenntnis für uns. 

Wie überhaupt dieser sehr klare Intelligenz-Anstieg seit dem Neolithikum und nach der Eisenzeit eine neue, bedeutende Erkenntnis darstellt.  

__________

*) Die Öffentlichkeit war damals auf dieses Buch hingewiesen worden mit plump-plakativen Überschriften wie ""Genetic determinism rides again" (zu Deutsch: "Er sitzt wieder im Sattel, der genetische Determinismus") (Stgen2018).
**) Dieser Fehlschluß geistert noch heute durch die Wissenschaftslandschaft und ist erst neulich wieder in der Gedenkausgabe einer Zeitschrift geradezu "gefeiert" worden (3) (s.a. Wiki).
***) Soeben erscheint eine erste archäogenetische Studie zu spätmittelalterlichen europäischen Menschen, nämlich zu aschkenasischen Juden in Erfurt (5).  

__________

  1. Kuijpers, Y., Domínguez-Andrés, J., Bakker, O. B., Gupta, M. K., Grasshoff, M., Xu, C. J., ... & Li, Y. (2022). Evolutionary Trajectories of Complex Traits in European Populations of Modern Humans. Frontiers in genetics, 699, 28.3.2022, https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fgene.2022.833190/full
  2. Emil O. W. Kirkegaard: Ancient eugenics confirmed - We got scooped, but that's a good thing [zu Deutsch: "Man ist uns zuvor gekommen - aber das ist gut so"], 17.5.2022, https://kirkegaard.substack.com/p/ancient-eugenics-confirmed 
  3. Celebrating 50 years since Lewontin's apportionment of human diversity. compiled and edited by Michael D. Edge, Sohini Ramachandran and Noah A. Rosenberg, Philosophical Transactions of the Royal Society B 377.1852 (2022): 20200405, 18.4.2022,  https://royalsocietypublishing.org/toc/rstb/2022/377/1852
  4. Radboud University Medical Center. "Neolithic made us taller and more intelligent but more prone to heart disease: How modern European populations have evolved over the past 50,000 years." ScienceDaily. ScienceDaily, 6 April 2022. <www.sciencedaily.com/releases/2022/04/220406101723.htm>.
  5. Genome-wide data from medieval German Jews show that the Ashkenazi founder event pre-dated the 14th century. Shamam Waldman, Daniel Backenroth, Éadaoin Harney, Stefan Flohr, Nadia C. Neff, Gina M. Buckley, Hila Fridman, Ali Akbari, Nadin Rohland, Swapan Mallick, Jorge Cano Nistal, Jin Yu, Nir Barzilai, Inga Peter, Gil Atzmon, Harry Ostrer, Todd Lencz, Yosef E. Maruvka, Maike Lämmerhirt, Leonard V. Rutgers, Virginie Renson, Keith M. Prufer, Stephan Schiffels, Harald Ringbauer, Karin Sczech, Shai Carmi, David Reich, bioRxiv 2022.05.13.491805; doi: https://doi.org/10.1101/2022.05.13.491805, https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2022.05.13.491805v1.full

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

Beliebte Posts (*darunter finden sich leider selten neuere Beiträge*)

Registriert unter Wissenschafts-Blogs

bloggerei.de - deutsches Blogverzeichnis

Haftungsausschluß

Urheber- und Kennzeichenrecht

1. Der Autor ist bestrebt, in allen Publikationen die Urheberrechte der verwendeten Bilder, Grafiken, Tondokumente, Videosequenzen und Texte zu beachten, von ihm selbst erstellte Bilder, Grafiken, Tondokumente, Videosequenzen und Texte zu nutzen oder auf lizenzfreie Grafiken, Tondokumente, Videosequenzen und Texte zurückzugreifen.

2. Keine Abmahnung ohne sich vorher mit mir in Verbindung zu setzen.

Wenn der Inhalt oder die Aufmachung meiner Seiten gegen fremde Rechte Dritter oder gesetzliche Bestimmungen verstößt, so wünschen wir eine entsprechende Nachricht ohne Kostennote. Wir werden die entsprechenden Grafiken, Tondokumente, Videosequenzen und Texte sofort löschen, falls zu Recht beanstandet.